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		<title>What kind of season this is.</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2014 09:14:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[frühling]]></category>

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		<description><![CDATA[Der wahre Indikator für Frühling ist nicht strahlender Sonnenschein, nur halb die steigende Temperatur oder das, was blüht. Vor den Blumen kommen nämlich noch die Vögel, die im Dunkeln zwitschern und du weißt, aha, jetzt ist der Winter vorbei. Aha, jetzt geht&#8217;s bergauf. Endlich. Kurze Zeit später kommt die Kreissäge, die den Jahreszeitenwechsel nun auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2014/03/vscocam266.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Der wahre Indikator für Frühling ist nicht strahlender Sonnenschein, nur halb die steigende Temperatur oder das, was blüht. Vor den Blumen kommen nämlich noch die Vögel, die im Dunkeln zwitschern und du weißt, aha, jetzt ist der Winter vorbei. Aha, jetzt geht&#8217;s bergauf. Endlich.<br />
 Kurze Zeit später kommt die Kreissäge, die den Jahreszeitenwechsel nun auch offiziell einläutet. Vielleicht sind schon ein paar Kirschblüten zu sehen von dieser seltenen Baumart, sowieso japanisch wahrscheinlich, aber eigentlich ist noch alles kahl. Bäume kahl. Boden kahl. Wiese sowieso auch kahl. Die Kirschblüten werden gerade nicht beschnitten. Zu schön. Beschnitten werden nur die hässlichen. Diese Kreissäge, die bringt dabei den Frühling. Die bringt den Umschwung, wie sie da so über die Straßen fliegt. Zusammen mit den Vögeln. Die fliegen nicht weg. Und wenn, dann nur kurz, in der Art zwei Flügelschläge lang, zwei Flügelschläge kurz. Zwei lang, zwei kurz. Sie sind zu städtisch sozialisiert. <br />
 Du lässt das Fenster offen, auch wenn die Häuser in ihrer Anordnung das Geräusch verzehn- oder verhundertfachen, eigentlich ein normales Alltagsleben unmöglich machen. Man könnte den Wagen, der die Äste mechanisch aufnimmt, mit dem Müllwagen verwechseln &#8211; vom Geräusch her &#8211; dabei sammelt der doch nur die Äste auf und bringt die Kreissäge mit, bringt den Frühling und die Äste dann irgendwo anders hin.</p>
<p>Der Himmel ist übrigens graumeliert und die Temperatur knapp über zehn Grad.</p>
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		<title>Entelechie</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Mar 2014 17:53:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[befindlichkeitsbloggen]]></category>
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		<description><![CDATA[Je mehr du schreibst, je tiefer du in dich gehst, desto mehr musst du erkennen, dass über dich zu schreiben, nicht bedeutet, dich zu beschreiben, sondern andere. Du musst erkennen, dass, wenn du dich wirklich ausdrücken willst, dein Selbst in eine expressive Form finden willst, über das schreiben musst, was dich beschäftigt. Zu sagen, wer [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2014/03/2013-02-10-17.04.13.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Je mehr du schreibst, je tiefer du in dich gehst, desto mehr musst du erkennen, dass über dich zu schreiben, nicht bedeutet, dich zu beschreiben, sondern andere. Du musst erkennen, dass, wenn du dich wirklich ausdrücken willst, dein Selbst in eine expressive Form finden willst, über das schreiben musst, was dich beschäftigt. Zu sagen, wer du bist, wird dich nie fassen, deine Sichtweise zu beschreiben schon. Befindlichkeiten zu formulieren macht keinen Sinn, wenn du eigentlich nach persönlichem Ausdruck suchst. Du findest ihn nur im Blickwinkel, nicht im Inneren. Es wäre falsch, also lass es.</p>
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		<title>Musst du auch seinen Namen weitertragen?</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jan 2014 20:58:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Emanzipation]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Überhang an Frauen in diesem Haus wurde nicht kompensiert. Frauen als starre Personen, als die starken Hälften. Aushalten als Teil der weiblichen Funktion. Dinge erdulden, aber nicht loslassen. Männer als Statisten, als zu lösendes Problem, vielleicht manchmal als unwürdiger Gegner, aber das nicht allzu oft. Dass Emanzipation nötig sein kann, habe ich noch nie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2014/01/Foto-16.09.13-16-55-21-1.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Der Überhang an Frauen in diesem Haus wurde nicht kompensiert. Frauen als starre Personen, als die starken Hälften. Aushalten als Teil der weiblichen Funktion. Dinge erdulden, aber nicht loslassen. Männer als Statisten, als zu lösendes Problem, vielleicht manchmal als unwürdiger Gegner, aber das nicht allzu oft. Dass Emanzipation nötig sein kann, habe ich noch nie verstanden. Spüre es vielleicht erst jetzt manchmal in der Irritation der anderen. Spüre dann, dass diese Rollen nur umgekehrt, nicht aufgelöst wurden, ins eigene Gehirn tradiert worden sind.</p>
<p>Den Männern der Familie fehlt es an Rückgrat, bald auch an den Beinen. Was du nicht in den Beinen hast, musst du im Kopf haben, musst du irgendwo haben. Was macht man, wenn man bald keines von beidem mehr hat? Was ist dann?</p>
<p>Nächtliche Anrufe vom Onkel. &#8220;Also es ist so, wenn sie mir wirklich meine Beine abnehmen, wenn mein Gehirn wirklich aussetzt, wenn mir das auch noch genommen wird, ich zum Pflegefall werde, was mach ich dann? Was würdest du machen? Was würdest du machen, an meiner Stelle, jetzt, wo ich noch kann? Was? Was macht man dann?&#8221; Ich sage nichts dazu, aber merke, dass wir eine Schwelle übertreten. Die Positionen wechseln. <br />
 Mutter sagt: &#8220;Du bist jetzt in der Position, dass du stark sein muss.&#8221; Plätze ausfüllen, Kontrolle erlernen, nicht nur für sich, sondern auch über andere. Der Vater sagt gar nichts. Wir Schwestern wissen jetzt schon, dass wir erst den Onkel und dann ihn pflegen werden. So ist es die Tradition. Vielleicht ahnt er es auch.</p>
<p>Ein soldatischer Mann sagte zu mir, wenn sein Vater stürbe, wenn das tatsächlich passieren sollte, dann müsste er diese Rolle übernehmen. Mutter kann das nicht allein. Er sagt: &#8220;Musst du etwa auch seinen Namen weitertragen?&#8221; Ich merkte nicht einmal, dass er es ironisch meinte. Merke erst jetzt, dass für ihn völlig abwegig schien, was für mich so offensichtlich ist. Mein Ja kam mit Verzögerung. Nicht weil ich überlegen musste, sondern weil ich die Frage nicht verstand, denn hier in dieser Familie, wo die Männer den Namen der Frauen annehmen und auch alles andere tun würden, in dieser Familie stellt sich diese Frage nicht. Hier weinen die Frauen nur mit Taten, hier ist Selbstlosigkeit nur eine beratende Funktion, gibt sich niemand auf. Hier reißt der Tod eines Mannes keine erhebliche Lücke, wird Halt nur in sich selbst gesucht, ist man am weiblichsten, am verletzlichsten im Bett. Kann dann auch mal aufgeben. Sonst nicht.</p>
<p>&#8220;Das war damals schon schwierig, als das Körperliche wegging.&#8221; Die Worte kommen weder zurückhaltend, noch wertend, weil das würde ihr nicht stehen, sie stehen einfach im Raum, das war&#8217;s. Aber vielleicht sagt sie es ja auch, weil sie weiß, dass das Problem nicht das Fehlen seiner Wärme war, sondern das Zurückgelassensein mit der eigenen Kälte. Dieses Gefühl, dass die Frauen dieser Familie zuweilen nur diese körperliche Verbindung besitzen, nur diese eine Schwäche haben. <br />
 Sie sitzt am Tisch, eine Hand an der Gabel, eine im Schoss. Einen Mann im Himmel, den anderen gegenüber. Einen geheiratet, einen geboren. Eine Pommes im Mund, keinen Kommentar, aber ein Lachen im Hals. Der soldatische Mann ist in Wahrheit eine Frau und sitzt mit mir am Tisch. Mein Onkel ist zu dünn, morgen ist die OP, zum Abschied drücke ich seine Hand, er legt sich in meinen Arm, drückt mich zu fest.</p>
<p>Sie sagte damals: &#8220;Männer wollen ein Heimchen am Herd und eine Hure im Bett. Frauen wurden dazu gemacht, stärker zu sein als die Männer und jetzt geh.&#8221; Der Mann in meinem Bett sagt: &#8220;Du bist so kalt. Warum bist du so unglaublich kalt?&#8221;</p>
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		<title>Mich durch ihn dabei gleichzeitig in seine Augen blickend</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Dec 2013 19:23:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute träumte ich das erste Mal von ihm. Er lag auf dem Boden, in einem Raum, der fast aussah, wie ihr Wohnzimmer. Aber wirklich nur fast, denn irgendwas an der Anordnung der Möbel oder an der Farbe der Fliesen oder der Weite des Zimmers stimmte nicht so ganz. Er lag dort, wie ein Käfer am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/12/Foto-am-22-11-2013-um-16.41-2.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Heute träumte ich das erste Mal von ihm. Er lag auf dem Boden, in einem Raum, der fast aussah, wie ihr Wohnzimmer. Aber wirklich nur fast, denn irgendwas an der Anordnung der Möbel oder an der Farbe der Fliesen oder der Weite des Zimmers stimmte nicht so ganz. Er lag dort, wie ein Käfer am Rücken, auf rehbraunen Steinen, sein Hinterkopf vor diesem Hintergrund, den kalten Fliesen, auf diesen liegend. Die kurzen, weißen Haare vom Kopf abgespreizt. Im Traum lag er da so und versuchte seine Beine, welche für diese Aktion zu dick waren, natürlich eigentlich gerade nicht dick waren, unter den Fernsehtisch zu schieben. Beide Arme fuchteln in der Luft oder auch mal neben dem Körper den Körper schiebend. Er stopfte seine Füße, mit den Zehen voran, in diesen Fünfzentimeterspalt zwischen Braun des Fernsehschranks und dem der Fliesen. Er wurde ganz wütend. Er sagte, er müsse da drunter kommen, weil die Abflussrohre verstopft seien. Er müsse da jetzt was reparieren und so kann man hier nicht arbeiten.</p>
<p>Ich muss da jetzt drunter.</p>
<p>Ich hatte ihn noch nie so gesehen. Beleidigt, schweigend, strafend, thronend, ernst &#8211; das schon, ja, aber so? So nicht. So die Haltung verlierend nicht. Ich saß gleichzeitig am Esstisch neben den anderen und kniend über ihn gebeugt dort am Boden. Ich sah ihn gleichzeitig in der Totalen und ihm direkt ins Gesicht. Er versuchte immer heftiger unter den Schrank zu passen, er wurde immer wütender. Die Tränen liefen ihm in den Furchen im Gesicht herum. Ich streichelte ihm über den Kopf, über das weiße, sehr glatte, sehr weiche Haar. Ich sagte: Ist ja gut. Ich repariere das für dich. Ich sagte: Ich helfe dir. Alles wird gut.<br />
 Sein Gesicht ganz heiß, seine Tränen heiß, meine Hand lauwarm, der Boden egal. Als er ruhiger wurde, vielleicht nur von der Überraschung meiner Berührung, vielleicht wegen der Hand auf der Stirn, vielleicht von der plötzlichen Wahrnehmung der anderen, der restlichen Umgebung außerhalb von ihm, da wachte ich auf. Mich und ihn &#8211; uns &#8211; in der Totale sehend, mich durch ihn dabei gleichzeitig in seine Augen blickend.</p>
<p>Ich glaube, sollte dies etwas bedeuten, wenn überhaupt, dann vielleicht die Möglichkeit einer Geste. Die Möglichkeit diese Geste im richtigen Moment anwenden zu können, diesmal ohne Angst, diesmal den Moment ergreifend. Sollte dies etwas bedeuten, dann vielleicht das. Vielleicht bedeutet es auch alles gar nichts. Ich weiß nicht, wie viel in so einem Fall Übertreibung ist.</p>
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		<title>Vom Schreiben</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Dec 2013 08:43:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich glaube, man merkt es Texten an, wo sie geschrieben wurden, und wann und warum. Ich glaube ja, man kann spüren, ob jemand nachts Buchstaben auf ein schmutziges Post-It drückte, weil&#8217;s so dringend war, oder ob Worte an einem Tisch ausgewählt wurden. Man kann das irgendwie fühlen, ob jemand dabei fror, zitterte, es eben gerade [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/12/Foto-32.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Ich glaube, man merkt es Texten an, wo sie geschrieben wurden, und wann und warum. Ich glaube ja, man kann spüren, ob jemand nachts Buchstaben auf ein schmutziges Post-It drückte, weil&#8217;s so dringend war, oder ob Worte an einem Tisch ausgewählt wurden. Man kann das irgendwie fühlen, ob jemand dabei fror, zitterte, es eben gerade erlebt hat, die Worte einfach so rausquollen, der Bedacht vergessen wurde, die Form nicht gewahrt werden kann, in diesem Moment, ob man geht oder steht, vielleicht sogar sitzt. Welcher Stift benutzt wurde, ob überhaupt ein Stift benutzt wurde, ob der Curser mit der Entf-Taste hin und herhüpfte, ob man was durchstrich, richtig fest aufdrücken musste, alles wegradieren konnte oder gegen den Willen doch was übrig blieb, was durchschien, ob das Papier an der einen besten Stelle riss, ob die Welle kam und diesen einen Satz wegspülte und ob das Licht vom Bildschirm in unserem Gesicht reflektiert wurde. Ich glaube, vieles hat da mit Licht zu tun. Mit dem von draußen im Besonderen.<br />
 Es hat damit zu tun, ob es regnet. Ob es heiß ist. Man schreibt anders in kurzen, verschwitzten Sommernächten. Ich glaube, das schlägt aufs Gehirn diese Hitze. Im Sommer werden viele ein bisschen verrückt, vielleicht von der Sonne oder dem Schlafmangel oder dem drallen Leben, dass sich von draußen aufdrängt. Aber auch da gibt es Facetten der Stimmung, auch da gibt es Sommerregen. Da gibt es diese Nächte, in denen man denkt, man müsse nie wieder schlafen, da erwachen die Tage schneller als man selbst, da muss man sich beeilen, um diese Halbschlafstunde zu erwischen. Im Winter nicht. Da hat man dafür gefühlte Ewigkeiten Zeit. Im Winter ist selbst der Regen schwerer, selbst der Schnee schwerwiegender als die Hitze im Sommer, auch wenn diese auch drücken kann, aber anders. Ich denke, dieses kollektive Gefühl, diese zirkulierenden Stimmungen, es sind, die den Unterschied ausmachen. Man kommt dann von diesem Himmelstahlgrau, von diesem Geruch des kalten Hauses, von den jetzt nach gefrorenem Stein riechenden Stufen darauf, wie das letztes Jahr auch schon so war. Wie diese Stufen immer so bleiben, darauf, wie der Himmel eben morgen immer noch so sein wird. Und wenn nicht morgen, dann doch zumindest übermorgen oder nächstes Jahr, irgendwann, wenn die Umgebung es wieder zulässt. Wie der Himmel wieder stahlgrau wird, wenn sich darin nicht Sommer, sondern Schwere reflektiert. Dann ist das alles wieder da. Und doch immer wieder anders. Wie kann das sein? Irgendwie ist da doch immer nur dieser eine Moment, dieses Zeitfenster, das zufällt, wenn man zu lange trödelt, für jede Geschichte, für jede Wortkombination, jede Interpunktion.</p>
<p>Ich glaube, dass macht diese Aura aus, die sie meinen, wenn sie von den großen Kunstwerken sprechen. Das ist es.</p>
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		<title>Saint-Claude</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Oct 2013 19:25:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Fernweh]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Ort, der gar nicht nur dieser Platz in der Welt, sondern vor allem eine Zeit war, etwas, was unwiederbringlich dazugewonnen wurde &#8211; unwiederbringlich, weil einmalig &#8211; den vermisse ich manchmal. Nachts tschirpen die Grillen zu laut. Oder die Frösche oder die Vögel; was es wirklich war, haben wir bis heute nicht herausgefunden, auch wenn [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/10/P1020581.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Dieser Ort, der gar nicht nur dieser Platz in der Welt, sondern vor allem eine Zeit war, etwas, was unwiederbringlich dazugewonnen wurde &#8211; unwiederbringlich, weil einmalig &#8211; den vermisse ich manchmal.</p>
<p>Nachts tschirpen die Grillen zu laut. Oder die Frösche oder die Vögel; was es wirklich war, haben wir bis heute nicht herausgefunden, auch wenn wir einige Ortsansässige danach fragten. Es riecht nicht nach Bananen, obwohl die Insel voll davon ist. Die Guaven schmecken nach Katzenpisse. Die Avocado, die wir kürzlich auf der Straße fanden, war von der Größe einer Aubergine und schmeckte nach Nuss, nicht nach Wasser. Wir essen Couscous mit Linsen, ich trinke täglich eine Zweilitersflasche Eistee Pfirsich sans sucre aus dem Leader Price hinterm Fuße des Berges, also auf dem Weg zum Strand, nicht direkt am Fuße, sondern nur fast. <br />
 Fast dort, wo der Vulkan ins Meer übergeht, wo am Markttag die Langusten wie übergroße Kakerlaken in Holzkisten auf Eis liegen, wo es nach Fisch stinkt, auch etwas frisch riecht, dort sitzen wir im Dunkeln an der Promenade.Wir hören aufs Meer, es sieht aus wie erweiterter Himmel, wie Öl. Wir essen ChiChi mit Nutella, wir teilen die Portion, holen aber noch zweimal nach. Einer von uns sagt: &#8220;Wenn das die ganze Zeit so heißt bleibt, dann nee, dann halt ich&#8217;s hier keine zwei Wochen aus! Und das nachts!&#8221;<br />
 Wir sehen Grüngrüngrün, so ein Grün, dass selbst das Flimmern am Tage nichts macht, die harten Tropfen von oben sind nur kurz etwas kühl. Der Geruch ist das Meer, aber auch der Regen, der Staub auf den Straßen vielleicht. Vielleicht auch nicht, denn das haben wir vergessen, aber es ist wahrscheinlich. <br />
 Wir fuhren zum Phare, weil dort kann man von den Klippen springen, wenn man sich traut, denn die sind bestimmt über zehn Meter hoch. Genau genommen fuhren wir aber dorthin, weil wir sonst nichts zu tun hatten, aber die Zeit nutzen wollten. Sie sagte es damals auch so: &#8220;Ich habe keinen bock hier drinnen zu hocken! Wenn ich schon hier bin, will ich die Zeit wenigstens nutzen!&#8221;<br />
 Ich weiß nicht, ob wir damals schon wussten, dass dies der wahrscheinlich weltgrößtmögliche Luxus ist, zu sagen, dass man die Zeit nutzen will und Schnorcheln zu meinen, aber jetzt weiß ich&#8217;s. Jetzt weiß ich&#8217;s auf jeden Fall. Oder, ja doch, wahrscheinlich wussten wir es auch da schon, denn damals, den einen Tag, als wir auf den Klippen standen, nach La Désirade rübersahen, da, wo angeblich im Meer ein Abgrund verläuft, da sagten wir das, glaube ich, auch. In der Linken die FlipFlops, die rechte Hand als Schirm über den Augenbrauen abgelegt, an den Waden Sand, da meinten wir: &#8220;Alles richtig gemacht, würde ich sagen! Ja echt, das hier ist schon geil!&#8221; Ich glaube, wir meinten damals den Ort, dabei war doch die Konstellation das faszinierende.<br />
 Das Gefühl war zwar schon damals fast da, aber würde ich dort heute nochmal stehen, ich würde dich drücken. Ich würde nicht schon nach zehn Minuten gehen wollen, sondern nach zehn Stunden. Ich würde dort stehen wollen, bis ich wirklich müde vom Gucken bin, nicht nur gelangweilt. Ich würde insgesamt weniger schlafen wollen, auch wenn das einen Teil dieser Stimmung ausmachte. Ich würde mehr Fotos machen, auch wenn ich immer denke, dass das Fotografieren mir den Genuss vertrübt, dass ich alles wirklich wahrnehmen und nicht durch eine Linse sehen will. Manchmal glaube ich, das war der falsche Ansatz, weil die Erinnerung eben nachlässt und vielleicht wären die Fotos eine Stütze. Ich würde mehr Fotos von uns machen, mich nicht dafür schämen touristisch zu sein. Ich würde mehr Selbstportraits von uns schießen, vielleicht jeden Tag eins. Ich würde die Landkarte behalten, sie nicht in Deutschland in den Papiermüll werfen, weil es unnötig sentimental scheint, sie zu behalten. Ich würde mir vielleicht die Form dieser Insel als Tattoo stechen lassen, denn das würde dieser Zeit gerecht werden. Nicht wegen des Ortes, nicht als reine Erinnerung, sondern weil ich es gerne sichtbar hätte, dass dort etwas Prägendes passiert ist. Weil ich gerne hätte, dass etwas übrig bleibt. Ich hätte gern, dass diese Stimmung in einem Bild zu fassen ist, in ein paar Worten zumindest, in einem Spruch auf der Haut, in der Form vielleicht. Ich würde dann nicht nur sagen, dass es einmalig ist, sondern es vielleicht auch wirklich so empfinden, es vielleicht wirklich tief drinnen fühlen können.<br />
 Ich würde nicht öfter mit euch ausgehen, das nicht, ich würde nur gern noch ein paar Nächte dort auf dem Balkon sitzen. Im Longsleeve &#8211; nicht so sehr wegen der Mücken, sondern weil die Temperaturen nachts doch auf 25 Grad fallen &#8211; würde ich gern mit euch dort sitzen. Ich will gar nicht reden, nur diesen Ti Punch austrinken und dieses Bild richtig aufnehmen, das nicht so verstreichen lassen, es noch einmal zu konservieren versuchen. Ich vermisse die Abende fast mehr als die Tage, vermisse diesen Balkon manchmal fast mehr als den Strand.</p>
<p>Sie nahm meine Hand beim Schnorcheln dort in dem Riff bei Île de Pigeon, vor der Küste gelegen. Eben paddelten wir den Weg über das Meer, es waren wir in einer Nussschale, der Weg schon relativ lang. Wir treiben dort in der Strömung, wir zeigen auf die buntesten und größten Fische, alle schimmern blaugrünlilabunt, das Wasser ist nicht blau, nur klar. Sie schwimmt einmal weit raus, da wo das Klar zu Schwarz wird. Meine Kopfhaut juckt vom Salz, ich hör das Knacken im Wasser. Sie dort zu sehen, das Bild, sie durch die beschlagene Taucherbrille zu sehen, wie sie von dem Dunkelblau verschluckt wird, da wo man den Grund nicht mehr sehen kann und das Ende auch nicht, dieses Bild hat sich auf ewig eingebrannt. Sie vor diesem Dunkelblauschwarz &#8211; auf ewig eingebrannt. Weil es so beängstigend war, weil das Meer solche Angst macht, es für mich nichts beklemmenderes gibt; weil sie auf dem Rückweg wieder meine Hand hielt, einfach nur so, und ich das jetzt erst zu schätzen weiß, aber dafür jetzt auch so richtig. Weil ich das alles jetzt erst zu schätzen weiß.</p>
<p>Später aßen wir jeder ein Mangnum Double Chocolat für 2,50€ an der kleinen Strandbar aus Bast. Wir standen bestimmt fast fünfzehn Minuten an für dieses Eis, obwohl keine Schlange war, aber das war dort keine Zeit, das war völlig ok. Ich glaube, das ist der größte Unterschied; dass es dort keine Wartezeiten gibt, nur Leerphasen. Die muss man erst einmal aushalten lernen, so richtig konnten wir das nie. Wir sagten manchmal: Nach Guadeloupe mache ich das und das. Wenn ich zurück bin, fängt das und das wieder an. Dann esse ich als erstes eine Scheibe Pumpernickel. Dann gehe ich sofort ins Theater, trinke einen Latte mit Schuss. Wir warteten eben immer noch auf etwas, dabei war es ja keine Wartezeit, sondern eine Pause. Aber das kapier ich erst jetzt. Und sie, sie ist das, was übrig bleibt.</p>
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		<title>Aushalten</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Oct 2013 21:24:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Opa]]></category>
		<category><![CDATA[tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss die Dinge nüchtern betrachten, darf nicht übertreiben. Aber die Dramatik steckt hier im Detail, nicht in den Gesten. Man muss das hier aushalten. Nur einzwei Atemzüge aushalten, kurz Haltung bewahren, bis es vorbei ist. Kurz einatmen bis es in der Lunge wehtut, nicht mehr woanders, wo man gar nicht weiß wo. Ich dachte immer, [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/10/photo-30.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Man muss die Dinge nüchtern betrachten, darf nicht übertreiben. Aber die Dramatik steckt hier im Detail, nicht in den Gesten. Man muss das hier aushalten. Nur einzwei Atemzüge aushalten, kurz Haltung bewahren, bis es vorbei ist. Kurz einatmen bis es in der Lunge wehtut, nicht mehr woanders, wo man gar nicht weiß wo. Ich dachte immer, wenn es soweit ist, werden hier Dämme brechen, dann kann man nicht mehr aufhören mit den Tränen, aber hier ist einfach nur Müdigkeit. Alles einfordernde Müdigkeit.</p>
<p>Erinnerungen schaffen war gestern. Wirklich noch gerade gestern. Heute hier geht es darum, Erinnerungen zu bewahren. Ich weiß nicht, ob man das nachempfinden kann, anders empfindet, vielleicht sogar übertrieben findet, wenn man anders aufgewachsen ist. Wir jedenfalls sind alle mit ihm aufgewachsen. Nicht nur seine Kinder, auch wir, die Kinder seiner Kinder. Wir teilten uns ein Haus. Haben miterlebt, wie er sich verändert hat, haben das gesehen, waren Teil davon. Früher täglich, später wöchentlich, jetzt nie mehr.</p>
<p>Man muss nur einmal kurz diese Hand halten, die Hand der anderen, nicht nur seine, dreizehn Stunden lang halten, dann ist es vorbei. Hier kurz ihre Schulter berühren, wenn sie umständlich sagt &#8220;Für mich ist das hier gerade unverständlich.&#8221;, weil sie es vielleicht nicht gehört hat, vielleicht nicht begreifen kann. Es ihr auch zu schnell geht, auch wenn es nicht überraschend ist.</p>
<p>Sie hat auch immer gedacht, der wird mal hundert. „Ich habe immer gedacht, der wird mal hundert. Das ich mich da so getäuscht habe. Das ich mich so vertun konnte.“ Irgendwie dachten wir alle, er würde hundert werden, auch wenn er schon alt war. Irgendwie ging das jetzt doch zu schnell, auch wenn ich schon vor Jahren sagte, dass ich Angst habe, dass er bald stirbt. Damals sagte ich es so, das weiß ich noch genau: &#8220;Der macht eh nicht mehr lange.&#8221; Und sie knallte mir eine. Weil man das nicht sagt. Es war das letzte Mal, dass sie mir eine knallte und irgendwie fand ich das damals gut, weil das eben hieß, dass es einfach eine Frechheit ist, das zu denken; eine pure Frechheit und keine Angst oder Befürchtung.</p>
<p>Alle seine Aktivitäten werden aufgezeichnet. Oder eben nicht mehr aufgezeichnet, weil es sie eben nicht mehr gibt. Ich muss andauernd pissen. Er nicht. Er muss gar nicht mehr pissen, denn zu diesem Zeitpunkt hat die Niere schon versagt. Bei jedem Pinkeln das Gefühl jetzt gerade den Moment zu verpassen. Aber was wäre schon der Unterschied? Wäre da ein Unterschied?</p>
<p>„Wollt ihr jetzt den ganzen Tag hier warten?“<br />
 „Ich weiß nicht, was man in so einer Situation macht.“<br />
 „Ich auch nicht.“</p>
<p>Ich entscheide mich für das, was sich am richtigsten anfühlt: Da sein. So makaber das auch ist, jetzt hier auf den Tod zu warten, alles andere würde ich mir vielleicht vorwerfen. Ich weiß es nicht. Ich will nichts falsch machen. Jetzt nichts machen, was später zu bereuen ist. Ich will da sein. Das ist auch eine Art von Respekt, denke ich. Ein letztes Mal Aushalten, ein letztes Mal für ihn gerade stehen.</p>
<p>Als die Seelsorgerin sein letztes Gebet spricht, breche ich in Lachen aus. Das ist doch absurd. Er atmet doch noch. Er hat noch 95 Herzschläge in der Minute. Vor einer Stunde flackerten seine Augen noch, gestern hat er noch gesprochen und diese Frau kommt hierhin und führt ein Theater auf. Es ist komisch. Absurd. Und die Worte auch zu geschwollen. Ich kann nicht mehr aufhören zu lachen, muss mir die Backe blutig beißen, um nicht zu lachen. Beiße zur Sicherheit auch auf die Zunge, weil ich gar nicht mehr aufhören kann, schmecke dann leichten Eisengeschmack. Keiner schimpft, alle schweigen und das beschämt dann doch.</p>
<p>„Vorgestern, als ich noch einmal hier war&#8230;er hat ja sonst nie viel gesagt&#8230;sich gar nicht mehr viel beschwert, aber da sagte er: Ich will nach hause. Hat er ja sonst nie gesagt, aber da sagte er: Ich will nach hause.“ Sie weint nur mit der Nase, nicht mit den Augen. Ich glaube, sie benutzt eines seiner Taschentücher.<br />
 „Er hat schon gemerkt, dass wir alle da waren. Das hat er schon bemerkt. Dass er nicht alleine war.“ <br />
 Ich hab es gesehen. Ich weiß, dass er heute Nachmittag die Augen, den Spalt, ein bisschen weiter aufflackern ließ, dass der Spalt sich kurz vergrößerte, die graue Pupille einen kleinen Kreis zog, als sie sagte, dass wir alle da sind. „Wir sind alle bei dir.“ Meine Antwort passt nicht zu ihrem Satz, aber zur Situation und vielleicht ist das jetzt wichtiger. Jetzt nur alles beisammenhalten, die Dämme nicht brechen lassen.</p>
<p>Diese kleine Frau steht da am Bett. Wenn ich sie an der Schulter anfasse, fühle ich den spitzen Schulterknochen. Sie will heute nichts essen. Sie waren über sechzig Jahre verheiratet. Sie schaut meine Mutter an: „Ich weiß gar nicht, wie man das alles regelt. Jemand muss auch den Klempner anrufen. Jemand muss den anrufen, weil der kommt sonst umsonst. Das geht doch nicht, der kommt sonst umsonst.“</p>
<p>Später sagt niemand mehr ein Wort. Nach dreizehn Stunden warten, sind alle zu müde. Er auch. Er atmet ganz ruhig, gleichmäßig. Sein Brustkorb hebt sich gleichmäßig. Ich sehe sein Herz schlagen durch das blauweißgemusterte Hemdchen. Es pocht ganz leicht in der Mitte der Brust, nicht links, es pocht da, wo der Atem hingeht. &#8220;Vielleicht liegt da ja die Seele.&#8221;, denke ich. Jetzt bloß nicht pathetisch werden, diesen Kitsch kurz zurückhalten. Abwechselnd auf den Monitor und auf ihn starren. Nur noch warten. Ihn und uns müde warten. Alle zahlen sinken. Der Blutdruck ist schon seit Stunden so niedrig, dass er nicht mehr gemessen werden kann. Dann stehen alle Zahlen auf Null.</p>
<p>Ganz zum Schluss, als wir wieder ins Zimmer kommen, die wulstig geschwollenen gefalteten Hände auf seinem Bauch sehen, müssen wir alle lachen. „Das passt gar nicht zu ihm. Das ist er gar nicht.&#8221; Das ist er wirklich nicht mehr. Er war.</p>
<p>Am Tag auf dem Friedhof alles nach Kastanien absuchen. Aus Reflex, weil man das als Kind schon so gemacht hat, denn eigentlich ist es noch zu früh im Jahr. Kastaniensuchen als Aufgabe. Geschlossen eintreten, geschlossen auftreten, als schwarze Einheit singen. Den Pathos aushalten. Eine kleine Brücke bilden. Von uns irgendwohin, wo keiner weiß wohin. Nicht weinen. Sich fragen, ob es ok ist, nicht zu weinen. Ich will nicht unangemessen handeln, aber das ist so absurd und weinen hat auch was mit loslassen zu tun, und das geht nicht. Arme um die beiden Schwestern. Dabei kann ich nicht einmal sagen, ob ich mich festhalte, versuche alles beisammenzuhalten, sie stütze oder die Einheit hochhalte. In der schwarzen Kleidung verstecken. Heute habe ich nicht viel zu sagen. Und wenn ich was zu sagen hätte, wäre es ein Stirnrunzeln.</p>
<p>Sehen, wie die Blätter das Licht brechen. Daran denken, wie diese Kastanien auf ihn herabregnen werden, wenn die Zeit bald gekommen ist, wie alt dieser Baum ist, wieviele Beerdigungen er schon erlebt, wieviele Menschen er überlebt hat. Daran denken, wie wir als Kinder Kastanien sammelten, während Mama die Blumen goß. Nach Erinnerungen an ihn kramen, fast nichts finden. Zumindest nichts Konkretes finden, ihn nur zu alt kennen. Meine Hände, die nach den Kastanien greifen, sind fremd, zu erwachsen, wie schnell das doch ging. Kurz irgendwie an sowas wie Gott denken. Kurz den Kopf schütteln, kurz die Gedanken beisammenhalten. Das hier ist der Lauf des Lebens, das ist eben so, das ist nicht tragisch, das ist Alltag. Daran denken, was sie im Krankenhaus erleichtert sagte: &#8220;So. Es ist vorbei.&#8221; sie sagte es an dem Abend müde ins Telefon, &#8220;Schöner kann man ja eigentlich kaum sterben. Schöner kann man nicht sterben, wohl?&#8221; <br />
 Das Lakonische ist erschreckend, nicht beruhigend. Weil dann so wenig übrig bleibt, es en passant passiert. Kurz die brennenden Augen zusammenkneifen. Jetzt nicht weinen. Das ist Alltag. Das ist logisch. Und auch wenn das Drama ausblieb, die Lücke unnormal klein blieb, jede Trauer übertrieben ist, warum ist diese Müdigkeit, die kam, als sein Herz ging, noch immer da? Und wenn es alltägliche Konsequenz ist, warum dann immer noch dieses Aushalten von allem, das dort in den dreizehn Stunden kam? Während sie mich fragt, wie man das aushalten kann, dass jemand gegangen ist, frage ich mich nicht wie, sondern nur, wie oft noch? Wie oft denn noch? &#8220;Jetzt einmal tief durchatmen, dann schlucken.&#8221;, denke ich. Ich bin müde.</p>
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		<title>Leisekalt</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Aug 2013 19:29:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lebe mit den Jahreszeiten, hab ich schon immer so gemacht. Ich frage mich, fühlen das andere auch, diese Jahreszeitenwechseln? Ich frage dich, hast du das auch, diesen plötzlichen Umschwung von Modus zu Modus und nicht nur von Wetter? Gibt es bei dir auch nicht nur Frühlingsgefühl, sondern auch Hochsommer-, Herbst- und Winterzeitgefühl? Hast du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/08/Foto-20.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Ich lebe mit den Jahreszeiten, hab ich schon immer so gemacht. Ich frage mich, fühlen das andere auch, diese Jahreszeitenwechseln? Ich frage dich, hast du das auch, diesen plötzlichen Umschwung von Modus zu Modus und nicht nur von Wetter? Gibt es bei dir auch nicht nur Frühlingsgefühl, sondern auch Hochsommer-, Herbst- und Winterzeitgefühl? Hast du das?</p>
<p>Vielleicht war es das Licht eben gerade, wie die Sonne so leicht klar untergeht, nicht mehr im Sirren verschwindet, sondern weggleitet, den Horizont heruntergleitet, dies schon relativ früh tut. Vielleicht der Regen am Nachmittag, der nicht mehr leicht trocknete, sondern noch immer halbfeucht im Boden sitzt, gar nicht mehr aus der Luft geht, in leichten Fisseln herumhängt, in die Knochen kriecht. Vielleicht war es auch der erste Tee, den ich kochen musste, das kalte Gefühl zwischen den Zehen, das ich damit vertreiben wollte. Vielleicht der Blick von dem Mann eben, die Tatsache, dass er einen Anorak trug. Bestimmt war es auch irgendwie diese Ruhe auf einmal. Hier spielt keiner Violine vorm Fenster, überhaupt nur verschlossene Fenster. Nirgendwo fliegt WDR4 durch die Luft, das geht jetzt einfach nicht. Ich weiß nicht, welches von den vielen Vielleichts es war, aber ich spür schon den Herbst. Nicht in den Knochen, nee, da hinten im Kopf und irgendwie kurz unterm Hals, ungefähr da, wo die Luft die Lunge betritt. Da legt die Luft den Schalter um, setzt Assoziationsketten in Gang. An letztes Jahr, an das Jahr davor, an Fencheltee in der Küche der Eltern, an dieses Gefühl, dieses Gefühl, das Gefühldasgefühldasgefühl. Es ist immer gleich, immer auch ein bisschen Weggehen, immer auch ein bisschen Veränderung, ein bisschen wie die Aufregung vor einer langen Reise. Der Aufbruch liegt in kalten Fäden in der Luft. Da ist ein Kribbeln im Hinterkopf, leicht auch etwas hinter der Ferse. Ein leichter Knubbel innendrin so kurz unterm Hals, da wo die Luft reinkommt. Etwas stirbt, etwas kommt. Wer denkt, der Frühling markiert den Neuanfang, versteht nix vom Leben. Der versteht nicht, was Aufbrechen bedeutet, hatte noch nie dieses Gefühl, weiß nicht, dass der Herbst die wichtige Arbeit macht. Unterschätzt den Herbst als bescheidenes Pendant zum Frühling, der viel zu überdreht ist, um wirklich was zu bewirken. Wer denkt, ab September kommt nur noch Untergang, der unterschätzt den Herbst. Der hat&#8217;s halt nicht verstanden. Soll der doch ruhig kommen, Veränderungen sind vor allem leise am besten. Abgrundtief dunkel leisekalt am effektivsten.</p>
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		<title>Streichen</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jun 2013 20:50:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[reifungsprozess]]></category>
		<category><![CDATA[streichen]]></category>
		<category><![CDATA[Unreife]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Irgendwann musst du eben aufstehen und sagen &#8216;Das hier ist meine Welt, geh, wenn du willst. Lass mich doch bitte einfach in Ruhe, wenn es dir nicht gefällt. Steh doch jetzt bitte einfach auf und lass mich in Ruhe. Mir ist es egal, ob du mich magst. Das hier bin ich und ich finde das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/06/Foto-19.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>&#8220;Irgendwann musst du eben aufstehen und sagen &#8216;Das hier ist meine Welt, geh, wenn du willst. Lass mich doch bitte einfach in Ruhe, wenn es dir nicht gefällt. Steh doch jetzt bitte einfach auf und lass mich in Ruhe. Mir ist es egal, ob du mich magst. Das hier bin ich und ich finde das gut, so ist das halt.&#8217; Und wer dich dann nicht mag, kann dir echt egal sein. Manche betreiben das als Hobby, weißt du, also andere nicht zu mögen, meine ich. Manchen macht es Spaß anderen ein schlechtes Gefühl zu geben, manche merken es vielleicht gar nicht. Ist doch egal. Jedenfalls, diese Unart von Menschen ihre eigene Unsicherheit auf andere zu übertragen, anstatt sie zu überwinden, kotzt mich an, hier und anderswo. Diese Fehlinterpretation von Stärke macht, dass mir das Blut in den Kopf schießt vor Sauersein. Blasiertheit ist das! Das ist doch schlimm. Ist doch schlimm, wenn man so starr ist, so geistig erkaltet. Nee, also ich persönlich habe einfach keine Kraft mehr dafür, Lebenzeit ist nämlich auch begrenzt, weißt du. Streichen. Einfach diese Menschen streichen, diese Kommentare streichen. Irgendwann, und ich glaube, das ist ein Reifungsprozess, muss man einen Punkt machen und anfangen, die alle zu streichen. Letztens begann ich damit und fühle mich großartig, besser als jede Entschlackungskur. Das Stichwort ist &#8216;Streichen&#8217;. Du entscheidest, ob du die in dein Leben oder in deine Gedanken oder in dein Herz lässt, um dir dort einen fetten Haufen mittenrein zu setzen, denn das machen die. Die scheißen dir alles voll! Die kacken dir mitten ins Herz und beklatschen dann den Haufen! Streich die einfach. Streichen. Im-mer-wie-der streichen.&#8221;</p>
<p>Ja, das sagt der so einfach, aber das muss man ja auch erst einmal lernen.</p>
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		<title>Fluktuation</title>
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		<pubDate>Wed, 08 May 2013 20:36:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[flüchtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Freundschaften verändern sich eben. Man verändert sich, der andere verändert sich, man lebt sich auseinander, man lernt neue Menschen kennen. Du bist doch nie allein, also was ist dein Problem? Das war schon immer so.&#8221; Nee, das war früher nicht so. Nee, meine Eltern müssen sich nicht immer neu orientieren. Die leben und lebten hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/05/Freunde_Dina.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>&#8220;Freundschaften verändern sich eben. Man verändert sich, der andere verändert sich, man lebt sich auseinander, man lernt neue Menschen kennen. Du bist doch nie allein, also was ist dein Problem? Das war schon immer so.&#8221;</p>
<p>Nee, das war früher nicht so. Nee, meine Eltern müssen sich nicht immer neu orientieren. Die leben und lebten hier seit Ewigkeiten, die wissen, wie ihre Schulfreunde Kinder bekamen und jetzt ihren Garten bepflanzen, die reden diese oder jene Dinge und akzeptieren die Probleme des anderen, weil sie eben wissen, warum jemand so und nicht anders geworden ist. Wenn sie etwas bereden, müssen sie nicht jedes Mal alles neu erklären mit abgedroschenen Phrasen, auf die man noch Abgedroscheneres als Antwort zurückbekommt. Nee, die müssen nicht tausende von Kilometern auf sich nehmen, um einmal in der Sonne Kaffee trinken zu gehen, müssen keine Zeitzonen austricksen, die unterscheiden ihre Freunde nicht in Zeitvertreib und Herzmenschen und merken dann wie falsch das eigentlich ist. Nee.<br />
 Die können sich eben unangenehmen Situationen nicht entziehen. Die müssen dann zur alten Schulfreundin das Baby gucken, weil sich das dann so gehört und irgendwann nähert man sich auch wieder an und glättet die Wogen. Vielleicht nicht an dem Tag, an dem man das Baby besucht hat, aber vielleicht ein Jahr später oder auch erst, wenn man am Ende übrig bleibt, aber man arrangiert sich. Und das finde ich wichtig, dass sich arrangieren, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit und die Ablenkung ist auch groß und im Alltag wichtiger, weil einfacher. Und ich kann mir so ein Leben, das von einem Miteinanderauskommen geprägt ist, überhaupt nicht vorstellen, gleichzeitig aber total gut für mich vorstellen und irgendwie wünsche ich es mir auch. Aber die Entscheidung liegt nicht bei mir, denn Orte binden niemanden mehr. An diesem Ort nicht und sonst auch nirgends.</p>
<p>Früher saßen unsere Eltern aber auch nie mit Halbfremden auf einer Decke und lesen die vorbeiziehenden Wolken, und müssen nicht zum einhundertsten Mal die gleichen Geschichten erzählen und es weiß eh keiner mehr, was davon letztendlich wirklich stimmt. Die führen Gespräche statt Konversationen und kennen das gar nicht, dass man vielleicht irgendwann gar nicht mehr weiß, wie man diese innere Grenze überschreitet, die auftaucht, wenn man merkt, um die wichtigen Dinge, die einen so ausmachen, wie und warum sie das tun, und wie es dazu kommt, begreiflich zu machen, bräuchte es Zeit, mehr Zeit als jetzt möglich ist. Die kennen diese Grenze gar nicht, die dann entsteht und einen gehemmt und oberflächlich macht. Die waren noch nie in dieser Situation, immer wieder flexibel sein zu müssen.</p>
<p>Und wenn er mir dann neben mir liegend, in den Himmel blickend, sagt, dass ich mich öffnen muss, um was zurückzubekommen, stimmt das nur halb. Dann versteht er den Konflikt nicht, das Gehetztsein nicht, diese Verschwendung, die man betreibt, wenn man versucht Freundschaften im Zeitraffer aufzubauen. Er versteht nicht, dass das Problem die Zeit ist, nicht Verschlossenheit. Zeitnot, so doll, dass durch das Hetzen der Atem zu dünn wird zum Reden. Er gibt nur die halbe Antworten, auf die Fragen, die mich heimlich beschäftigen. Er zeigte auch die falsche Reaktion, als ich ihm von dem Typen erzählte, der mir im Sommer sagte, dass er seinen Geburtstag lieber mit Fremden statt mit Freunden feiern wollte, weil man da freier sein kann. Und vielleicht ist der Punkt auch der, dass da eben unterschiedliche Konzepte von Freundschaft existieren und das sage ich ohne Wertung, denn diese Aussage von eben diesem Typen war mir nicht komplett fremd, da hatte ich auch schon eine Ahnung davon, warum ich dann plötzlich gehen wollte, die Ahnung davon, warum ich den Satz immer noch im Ohr, die Tonlage noch im Kopf habe. Da wusste ich auch schon, dass die Zwischentöne Angst machen können, dass diese Zwischenpositionen Angst machen.</p>
<p>Ich mein, wer weiß, vielleicht haben diese Bekanntschaften hier ja auch Potential, vielleicht liegt da irgendwo zwischen den Wolken, zwischen den geblendeten Augenpaaren, die den Himmel absuchen nach Formen, die man so sieht wie der, der neben einem liegt, vielleicht liegt da das Potential, aber auf Dauer ist es einfach anstrengend und dann lässt man eben auch Freundschaften ungenutzt vorüberziehen.<br />
 Genauso wie es auch anstrengend ist, Zeitzonen am Telefon austricksen zu müssen, immer wieder und wieder gemeinsam Distanzen überbrücken zu müssen, Lebenswelten per Foto klarzumachen, denn egal, wie sehr man es versucht, Bild bleibt eben doch Abbild und ist nicht dasselbe wie ein real geteiltes Leben in der selben Zeit am selben Ort. Und manchmal ist es eben doch wichtig, die selben Wolken vorüberziehen zu sehen, aber auch da merkt man, auch jetzt hier merke ich, in der Sonne auf der Decke, kurz vor Abendrosa, dass Wolken zu schnell ihre Form verändern, wenn man nicht aufpasst, und eine Orientierung stellen sie schon gar nicht.</p>
<p>Und auch diese Fluktuation an Kontakten wäre ja nicht das Problem, wenn es mich nicht zu sehr anstrengen würde, diese Fixpunkte, diese Freundschaften von früher, wieder und wieder zu verbinden, wenn es nicht so anstrengend wäre, sich zu arrangieren, diese Arrangements auch noch in der Ferne suchen zu müssen, wo es doch selbst hier schon schwerfällt.</p>
<p>Und irgendwo ahne ich auch schon, dass alle eben diese Fluktuation meinen, die von der heutigen Flüchtigkeit sprechen. Bis jetzt, bis eben gerade, hatte ich nicht verstanden, dass diese Flüchtigkeit keine Fahrlässigkeit von Einzelnen ist, sondern einfach passiert. Bis gerade hatte ich nicht verstanden, dass diese Flüchtigkeit in Flutwellen über einen hereinbrechen kann, und man kann nichts machen. Man kann nichts machen, das ist wohl heutzutage so.</p>
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		<title>Solche Momente.</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Apr 2013 07:29:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Klar, dass der Frühling auf sich warten ließ, denn ich war bis jetzt noch nicht bereit für einen Neuanfang. Ich traf ihn auf der Straße und er sah beschissen aus, denn er kam von sehr weit weg. Von richtig weit weg. Und so abgefuckt sieht man wohl aus, wenn man den ganzen Weg gelaufen ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/04/photo-8.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Klar, dass der Frühling auf sich warten ließ, denn ich war bis jetzt noch nicht bereit für einen Neuanfang.</p>
<p>Ich traf ihn auf der Straße und er sah beschissen aus, denn er kam von sehr weit weg. Von richtig weit weg. Und so abgefuckt sieht man wohl aus, wenn man den ganzen Weg gelaufen ist von Kasachstan hier rüber. Er rauchte Zigaretten aus Zeitungspapier und der Tabak sah aus wie zusammengeklaubtes Laub von der Straße irgendwo. Seine Zähne waren so gelb wie seine Finger und sein Bart und seine Haare und er roch nach Alkohol. So stark nach Alkohol, dass ich mich abwenden musste, als er mir sagte, dass er Andres hieß.</p>
<p>Er fragte mich, ob ich Geld hätte und ich lud ihn zum Essen ein, denn das brauchte er wohl am meisten, so wie der aussah. Auf dem Weg von der Straße zum Bäcker folgte er mir wie ein Hund seinem Herrchen. Wir tranken Kaffee in der Sonne, er aß den Kuchen zu schnell. Er rauchte noch eine seiner Zigaretten, ich fragte, ob ich ihm Tabak kaufen soll, aber er grinste nur. Mit gelben Zähnen, ohne Scham. Er rief den Menschen da vorne an der Ecke zu, dass ich seine Tochter sei, er müsse mich jetzt unterrichten.</p>
<p>Er ist verrückt, dachte ich. Er erzählte auch immer wieder dasselbe, irgendwas von Lebenseinstellungen und Knoten, die sich lösen. Zigarettenqualm. &#8220;Dabei ist es alles nur Erkenntnis. Wendepunkte im Leben sind immer nur Erkenntnisse, lustig ne?&#8221; Zigarettenqualm. &#8220;Lustig ne? Dass sich die Dinge einfach verändern, wenn man sie plötzlich anders sieht, nur durch Erkenntnisse und dann ist man plötzlich stärker. Du siehst die Dinge klarer, und gleichzeitig weißt du, dass du sie klarer siehst. Und mit einem Mal kommste drauf: Das ist sie, die Liebe zum Leben, nichts anderes meinen die, die ernsthaft von Gott sprechen. Solche Momente.&#8221; Zigarettenqualm.</p>
<p>Ich sagte, er soll mir eine drehen. Er drehte mir eine. Sie schmeckte scheiße und brannte alles weg. Ich halt das nicht aus, ich habe sowieso keine Zeit und eigentlich wollte ich dem Typen ja auch nur Kaffee und Kuchen spendieren, weil ich nie nein sagen kann, und jetzt fängt der mit so Themen an. Ich sagte: &#8220;Das Jahr begann ziemlich kalt.&#8221; und meinte eigentlich nicht das Wetter. Er, glaube ich, auch nicht, denn er wiederholte wieder das, was er eben sagte. Also redete ich was von Lebensknoten, die doch endlich mal Sinn ergeben müssen und ich wusste dann auch selbst wie dumm sich das anhörte, so will ich nicht sein, nein, ich will niemand sein, der so gekünstelte Kacke verzapft, aber so ist es eben. Ist ja wirklich so, dass es manchmal faszinierend ist, wie das alles so läuft, wen man so trifft oder nicht mehr trifft, was man so macht zu bestimmten Zeiten, aber es macht trotzdem keinen Sinn. Diesmal führt das zu nichts, es will sich nicht entwirren. Da sind zu viele Umwege in den letzten Monaten, zu viele Milchkaffees am Fenster und vorangebracht hat das alles doch nicht. Ich schaue zu lange nach draußen, die Zigarette verbrennt mir die Finger. Ich erwäge kurz zum einhundertsten Mal zu erzählen, dass ich mich im Winter zu oft so sehr vor mir selbst erschreckte, dass ich meinen Appetit und vielleicht noch mehr verlor, aber ich lass das jetzt. Habe das schon zu oft wiederholt und irgendwie passt es auch gar nicht mehr zu mir. Irgendwie passt so vieles von vor ganz kurzem nicht mehr zu mir. Interessiert mich alles nicht. &#8220;Erzähl mal was anderes. Von Kasachstan oder so.&#8221; Er bleckt die gelbgoldenen Zähne. &#8220;Das Land gibt es gar nicht.&#8221;</p>
<p>Die Frau hinter der Theke fragte, ob ich noch was trinken will. Bevor ich was sagen konnte, rief Andres schon zu laut, dass ich seine Tochter sei und er mich erst einmal unterrichten muss, bevor wir hier weitermachen. &#8220;Pass mal auf, man verändert sich, wenn man es gar nicht merkt. Kannst du nicht steuern, nur irgendwann merken. Also entspann dich.&#8221; Er schaut mich an mit Augen so wasserklar, Pupillen mit rotem Rand und ich spiegelte mich so scharf und lange in ihnen. Seine Hand auf meiner Hand störte mich nicht, obwohl sie eigentlich eklig war. Ich überlegte kurz. Er bot mir die zweite Selbstgedrehte aus Zigarettenpapier an. &#8220;Klar, muss man doch steuern können!&#8221; Wie soll man sich sonst verändern, will ich noch sagen, aber dann ist es mir auch egal und ein bisschen zu theatralisch war mir die Situation dann auch.</p>
<p>Die Sonne war warm und es roch auch hier drinnen schon ein bisschen nach heißem Asphalt im Sommer. Ich dachte an meine Zukunft, was noch alles so kommt, was ich verändern will, wen ich vielleicht mal treffe, dachte daran, was ich habe. Erinnerte mich an die hundert Kreise, die ich tanzte, so lange bis ich wieder wusste, was mir wichtig ist. Mir fielen die kleinsten Dinge wieder ein, die nichtigsten Begegnungen, die so schön waren, oder Sätze, die eben von manchen Leuten doppelt ins Gewicht fallen, aber auf gute Weise. Irgendwo waren diese Sachen verschwunden, die ganze Zeit weg gewesen, und kamen jetzt von ganz weit her. Manchmal bemerkt man die wichtigen Situationen eben erst ein bisschen zu spät. Manchmal sind die wichtigsten Begegnungen eben dezenter als die, die man vergessen sollte. Ich zog an der Selbstgedrehten und musste husten. Als ich wieder hochschaute, war Andres weg.</p>
<p>Jetzt sitze ich hier allein am Fenster im Rauch, obwohl ich ja eigentlich nicht rauche und ich bin auch nicht so gut darin, denn jetzt ist sie schon im Aschenbecher verglüht und Kaffeetrinken kann ich auch nicht so gut, weil über die Zigarette ist auch der Kaffee kalt geworden. Nur zwei Stummel aus Zeitungspapier blieben von Andres übrig. Sie sehen aus, als hätte ich sie selbst gedreht und so sicher bin ich mir da jetzt gar nicht mehr. Manche Leute schauen von der Straße, manche bleiben stehen, weil der Weg ohne Pausen doch zu weit ist. Ist ja auch eigentlich immer so, denke ich mir. Und dann erkenne ich in einer Sekunde, in einmal Zwinkern, wie das alles zusammenhängt und zusammenläuft, wie sich Knoten zusammenziehen, sich andere lösen und es doch irgendwie Sinn ergibt. Ich sitze hier in Ruhe, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit habe, höre diese Schlager im Radio, die zu kitschig sind, und lächle doch, schaue hoch auf die Blätter, die aussehen wie Herbst, aber irgendwie Frühling sein sollen. Ich weiß immer noch nicht, wo es hingeht, aber die Panik ist weg. Naja, fast weg. Bald bestimmt weg. Und wenn das jetzt hier mein Lebensweg sein soll, dann ist mir das auch egal, dann sind mir die Umwege endlich egal. Und die Pausen und die Unebenheiten auch.</p>
<p>Solche Momente eben.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Maria über das Fotografieren: Das Haus</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Mar 2013 16:39:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;In dem Haus meiner Großeltern habe ich angefangen zu fotografieren. Das Haus ist riesengroß und möbliert, weil dort früher viele Menschen wohnten. Zuerst waren nur die oberen Etagen unbewohnt und jetzt ist es das ganze Haus. Es tut so als würde sich nichts ändern. Wenn ich in dem Haus bin, merke ich aber, dass sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/03/maria_haus.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>&#8220;In dem Haus meiner Großeltern habe ich angefangen zu fotografieren. Das Haus ist riesengroß und möbliert, weil dort früher viele Menschen wohnten. Zuerst waren nur die oberen Etagen unbewohnt und jetzt ist es das ganze Haus. Es tut so als würde sich nichts ändern. Wenn ich in dem Haus bin, merke ich aber, dass sich etwas verändert hat  - nämlich ich. Es hält mir einen Spiegel vor. Alles ist dort statisch aber trotzdem immer anders, weil die Welt anders ist, weil ich immer anders bin, mein Körper anders ist (auf jeden Fall ja älter) und meine Erinnerung, meine Vergangenheit, die ich mitbringe, jedes Mal eine andere ist. In diese Welt einzutauchen und wieder ausgespuckt zu werden mag ich.</p>
<div><span> Das sind dann kleine Zeitfenster. Solche Zeitfenster in denen man ganz runter fährt oder ganz weit hinauf &#8211;  egal, nur für den Moment lebt. Aber der bleibt nicht. Wenn mir der Moment schon als Moment bewusst wird, sehe ich ihn doch aus einer anderen Perspektive und bin nicht mehr drin. Man wird dann daraus geschleudert, kann den nicht festhalten, wie die Lichtpunkte hinter geschlossenen Lidern, wenn man zu lange in die Sonne geguckt hat. Die bleiben einfach nicht, um sie genauer ansehen zu können, um das was sich dort abbildet erkennen zu können. Das kommt genauso nie wieder. <br />
 Freunde meiner Eltern erschrecken, wenn sie mich nach Jahren wiedersehen. Das kennt man ja. „Wie die Zeit vergeht! Das ist eure Maria?“ Ja das ist sie oder vielmehr ihre Oberfläche, denn wie sie ist, sie fühlt und denkt wissen sie nicht. Das weiß sie selber nicht – nicht immer. Ist ja auch alles eh total subjektiv und auch gleich schon wieder vorbei. Und trotzdem ist man ja wer.<br />
 Und jeder in seinem Mikrokosmos interpretiert Interpretationen von Interpretationen. Und dann möchte ich wissen was überhaupt Wirklichkeit ist und ob es EINE Wirklichkeit gibt oder nur viele kleine Abbildungen von Abbildungen von Abbildungen die sich in einer klebrigen Masse zu einem Ganzen formen und dann eine trügerische Wirklichkeit konstruieren. Lohnt es sich überhaupt darüber nachzudenken? Das haben ja schon so viele andere gemacht. Das bringt ja nichts. Hör doch mal auf zu denken, fühl doch mal was! Das Leben ist ja kurz!</span></div>
<div><span><br />
 Als Kind hörte ich eine Geschichte in der sich ein Mann für Jahre einfrieren ließ, dann irgendwann auftaute und weiterlebte. Ich friere Momente ein, wenn ich ein Foto mache. Nein, zuerst bringe ich sie um, indem ich die Kamera zwischen uns schiebe und abdrücke (ganz im Sinne Susan Sontags). Was ich davon habe? Ein Gefühl von Selbstbestimmung und Macht und ein Stück belichtetes Papier. Ein Index. Ein Gegenstand, der dann so rumliegt und sich wünscht ein Zeuge seiner selbst zu sein und es nicht schafft.  In dem Moment des Fotografierens ein Gefühl von Rausch, Anspannung und Entspannung, von hoch und runter &#8211; ein Gefühl im Hier und Jetzt zu sein und nachher zu merken, dass die Zeit vergangen ist.&#8221;</span></div>
<div><span><br />
 </span></div>
<div><span>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</span></div>
<div><span><br />
 </span></div>
<div><span>Maria Vetter ist Kunststudentin an der Universität Siegen, macht wundervolle Fotografien und wohnt zurzeit in Berlin. </span></div>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Paris in Black&amp;White</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Feb 2013 10:44:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Some first impressions of my last trip to Paris. For more pictures visit my Instagram. Stay tuned! Analog pictures will follow soon!]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/02/Paris_Header.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Some first impressions of my last trip to Paris. For more pictures visit my <a target="_blank" href="http://instaprof.appspot.com/profile/leashalbvoll" >Instagram</a>. Stay tuned! Analog pictures will follow soon!</p>

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		<title>Hot Apple in dem neuen Laden, statt Frikadellen von Hugos</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 13:23:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres bringen Veränderung mit sich. Naja, eigentlich ist das nicht so, denn wenn man heute durch diese Straßen geht, beleuchten sie eben nur das, was schon seit längerem hier in der Dunkelheit Winterschlaf hielt. Ich bleibe kurz stehen, um die Stahlträger glitzern zu sehen und denke daran, wie das hier früher [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/02/Foto-4.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Die ersten Sonnenstrahlen des Jahres bringen Veränderung mit sich. Naja, eigentlich ist das nicht so, denn wenn man heute durch diese Straßen geht, beleuchten sie eben nur das, was schon seit längerem hier in der Dunkelheit Winterschlaf hielt. Ich bleibe kurz stehen, um die Stahlträger glitzern zu sehen und denke daran, wie das hier früher einmal alles war. Ich weiß noch, wie meine Mama mit mir früher alle paar Wochen in den Karstadt ging und wir anschließend Kakao mit Sahne in der Oberstadt in diesem riesigen Café tranken. Es war zweistöckig und mit Spiegeln und Gold eingerichtet und sehr beliebt. Ich kenne noch das alte Kino am Fluss unten. Dort sah ich meinen ersten Kinofilm. Ich kann mich noch an die kleine Kneipe erinnern, die dort stand, wo jetzt die Sparkasse ist. Damals hatte es schon angefangen, denn dort stand nicht mehr nur der alte Bahnhof, sondern auch schon dieses riesige Gebilde aus Glas. Jetzt bauen sie hier wieder alles um und hier steht auch schon das erste neue Café dieser großen Kette, deren Namen ich immer vergesse.</p>
<p>Ich nehme den Zug zur Arbeit, raus aus der Stadt, und fahre unter der alten Brücke her, die mal die höchste Brücke Deutschlands war und sie ist noch immer ziemlich groß. Ich sehe die Fabriken, den Wald, die Hügel und es ist auch irgendwie vertraut, aber am Ziel angekommen merke ich, dass da was verschoben ist. Ich fotografiere das alte Haus, wo früher ein Laden war und unterhalte mich mit der Tante von früher, deren Namen ich vergessen habe. Wo finde ich hier einen Kaffee zum Mitnehmen? Falscher Ort für diese Frage, aber sie läd mich ein zu sich und beklagt sich darüber, dass sie kein Auto mehr fahren kann. &#8220;Früher war das ja kein Problem, damals als Hampes noch aufhatten und es hier noch die Sparkasse gab, aber jetzt muss ich immer meine Tochter fragen, ob sie für mich einkauft. Manchmal kann ich mir was im Bierstübchen leihen, aber die haben auch nicht alles.&#8221; Schon komisch, egal, was fehlt, jeder noch so kleine Ort hat dann doch seine Kneipe und das Auslagenfenster von Hampes ist ein schwarzes Loch.</p>
<p>Gentrifizierung ist in aller Munde. Gentrifizierung ist kein neues Thema. Schon immer unterlagen Städte Veränderungen, Menschen vom Land kamen, um an wirtschaftlichen Knotenpunkten Arbeit zu finden, um neuen Lebensraum aufzubauen. Im Grunde ist dies die Entstehungsgeschichte von Städten. Menschen aus der Umgebung sammeln sich, bauen etwas auf, es funktioniert, mehr Menschen kommen, sie bauen etwas anderes auf. Darunter sind auch Menschen, die nicht erfolgreich sind. Im wirtschaftlichen Sinne zumindest. Die müssen dann aus dem Zentrum verschwinden. Das ist die normale Stadtgenese.</p>
<p>So war Montmartre, das Zentrum der Pariser Bohème, zur Zeit der Belle Époque noch ein blühendes Viertel voller Künstler und Freidenker. Und auch, wenn Woody Allen versucht, diese Zeiten in seinem Film &#8220;Midnight in Paris&#8221; wieder aufleben zu lassen, zeigt er doch vor allem eines: Zeiten ändern sich, Städte ändern sich. Und alle Menschen sind nostalgisch. <br />
 Montmartre ist nunmehr ein Touristenviertel mit horrenden Mietpreisen. Von kreativer Jugendkultur keine Spur, das Viertel wurde bereits 1859 Paris einverleibt und entwickelt sich seitdem stetig zu einem Ort, der versucht die alte Verruchtheit künstlich aufrecht zu erhalten, um jährlich<a target="_blank" href="http://www.focus.de/reisen/frankreich/montmartre-paris-bittet-maler-zur-kasse_aid_440472.html" > rund 10 Millionen Touristen</a> zu befriedigen. Man lässt minderwertige Portraits anfertigen, um wenigstens einen Hauch von Kunst zu spüren, aber eigentlich ist da nichts mehr außer Sterilität, Einheitsbrei, wirtschaftliches Interesse. Wo sind also die Künstler? Wo sind denn die Studenten heutzutage in Paris? In Cergy oder Clichy wahrscheinlich. Naja, zumindest nicht im Zentrum. Sie leben in den <a target="_blank" href="http://trend.infopartisan.net/trd1204/t031204.html" >Banlieues</a>. Genau in den Vierteln, die sich in unserem Gedächtnis verbinden mit Klischees von fackelnden Autos, Plattenbauten und sozialem Brennpunkt à la La Haine.</p>
<p>So ist es heute auch in Berlin. Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln. Die Geschichte wiederholt sich. Ja, in Köln, München, Hamburg, Paris, London, New York, Tokio haben wir schon die Scheiße. Aber es passiert eben nicht nur da und in diesem Punkt müsste man auch einfach einmal seinen kleinen Horizont Großstadtkind verlassen und vielleicht auch einmal die allgemeine Tragweite des Problems erfassen. Es passiert eben gerade nicht nur in Berlin. Es passiert eben global und auch gerade hier. Und die Gegenseite ist mindestens genauso schlimm: <a target="_blank" href="http://www.mdr.de/mdr-figaro/journal/stadt-land-flucht100.html" >Hier sterben ganze Städte einfach weg</a>. Hier sterben Städte einfach weg und zwanzig Kilometer weiter wird <a target="_blank" href="http://www.siegen.de/standard/page.sys/25.htm" >die kleinste Großstadt Deutschlands</a> zu einem Ballungszentrum für die Region und alle schreien Hurra! Hier eröffnet eine Kette nach der anderen und alle finden es super, weil es einen Hauch von Urbanität verströmt, wenn hier endlich auch ein Bubble Tea Laden öffnet. Diese Leute hier dürsten so danach dazuzugehören zu der Welt und vergessen dabei die Vorzüge, die die Stadt ihnen bieten könnte. Sie vergessen die Kreativität, die hier schlummert, die man doch schützen muss irgendwie. Findest du nicht auch krass, wie viele neue Läden wie Pilze aus dem Boden schießen? Und ist nicht ein bisschen schade, dass das Hugos weg ist? Jaja, Gentrifizierung habe sie schon mal von gehört, sagt sie, ganz großes Thema in Berlin, aber hier schläft eben alles. Wirklich? Oh Gott, das hier war mal eine Heimat und alle gucken dabei zu, wie es nur noch Wohnstätte wird. Und die anderen hinter der Brücke, mit dem Zug fünfzehn Minuten, kriegen auch ihre Heimat geklaut. Noch drastischer geklaut, denn da besteht die Veränderung in Verschwinden.</p>
<p>Hier passiert auch Gentrifizierung und keiner merkt&#8217;s. Hier passiert genau dasselbe und alle finden&#8217;s gut. Auch ich will nicht diejenige sein, die allen den Spaß verdirbt, gegen Veränderung ist und sich an unmoderne Ideale klammert. Dem alten Mann, der mit seinem Cordhut auf die Baustelle zeigt, und sagt &#8220;Dat brochen ma net!&#8221;, sage ich, wie schön das mal werden wird, wenn man dort im Sommer in Cafés sitzen wird, denn ich weiß auch, dass die Menschen hier eben genau doch das brauchen: Das Gefühl dazuzugehören, das Gefühl, dass Starbucks uns hier nicht vergessen hat. Weil es kommen immer mehr Leute hierher, die selbst aus kleinen Orten stammen mit nur einer Dorfkneipe und in ihrem Leben mehr wollen als Frikadellen und Bier von unter der Theke. Und heimlich frage ich mich, ob ich wohl zur letzten Generation gehöre, die lieber ihr Bier in der kleinen Kneipe in der Altstadt trinkt, als einen Hot Apple in dem neuen Laden, denn die nachfolgenden kennen vielleicht nichts anderes mehr. Und dann frage ich mich auch manchmal, ob das überhaupt so wichtig ist für die Lebensqualität. Wird mein Leben anders sein, wenn die Stadt sich verändert? Oder wird nur die Umgebung anders sein und das Wesentliche &#8211; Freundschaften, Hobbys, Kaffee mit Freunden &#8211; bleibt gleich? Habe ich nur Angst vor Veränderungen? Ich weiß es nicht.</p>
<p>Wenn man von den Stufen der Sacre-Coeur auf die Stadt blickt, seinen Wein trinkt, weil man das eben so macht als Tourist, sieht man das Ende nicht. Noch vor gar nicht so langer Zeit lag dieser Ort vor den Toren der Stadt und jetzt sieht man nicht einmal mehr ihr Ende. Zeiten ändern sich, Orte ändern sich. Ich denke an diese kleine, vergessene Stadt in Rheinland-Pfalz, an die leeren Schaufenster. Ich denke daran, wie ich früher sagte, Herdorf sei ein Dorf und korrigiert wurde, es heiße &#8220;Stadt Herdorf&#8221; und jetzt kann sich da keiner mehr sicher sein. Ich denke an das Spielzeuggeschäft in meinem Heimatort, das von Generationen betrieben wurde und jetzt ein REWE XL ist. Ich frage mich, wie lange sie noch Mülltonnen produzieren können, um die Leute dort zu halten. Und ich denke an die Großbaustelle vor meinem Fenster in der kleinsten Großstadt Deutschlands, an das neue Café dieser größeren Kette, das genauso ist wie alle anderen Cafés aller anderen Ketten. Sie sagen 2014 ist hier alles fertig, dann sieht hier alles anders aus. Und ich weiß schon, wie es aussehen wird. So wie überall. Er sagt mir, so ist es halt. Stadtzentren sind eben alle gleich. Das heißt, ist das jetzt von mir nur Nostalgie, oder wie? Ist er jetzt nur realistisch oder hat er schon resigniert? Und eine Lösung habe ich jetzt auch nicht. Bin ja selbst nicht mehr lange hier. Aber vielleicht hilft es ja, wenn man sich wenigstens manchmal auf das besinnt, was man hat. Vielleicht hilft es ja, wenn man gleichzeitig akzeptiert, dass nicht alles so bleiben kann und trotzdem versucht das alte zu Unterstützen. Vielleicht muss man irgendwo einfach seinen Platz finden zwischen Heimatnostalgie und Fortschritt. Vielleicht ist das letztendlich auch egal und umsonst, aber dann hat man wenigstens alles getan.</p>
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		<title>Aftershocks II</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 21:18:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Da ist das Leben dann halt eher so wie ein Song von Bright Eyes als ein Technobeat auf MDMA. Dann weiß man halt auch nicht, wie man reagieren soll. Er hatte einmal einen Unfall bei dem er fast verreckt wäre. Er hatte einen Schädelbasisbruch und die halbe Lunge zerfetzt und für diejenigen, die nicht wissen [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/01/JanasBild.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Da ist das Leben dann halt eher so wie ein Song von Bright Eyes als ein Technobeat auf MDMA. Dann weiß man halt auch nicht, wie man reagieren soll.</p>
<p>Er hatte einmal einen Unfall bei dem er fast verreckt wäre. Er hatte einen Schädelbasisbruch und die halbe Lunge zerfetzt und für diejenigen, die nicht wissen was das bedeutet &#8211; das ist richtig kacke. So in der Art wie dem Tod mal kurz hallo sagen und dann merken, dass es doch nicht so passt. Er lief mit gebrochenem Schädel und der halben Lunge sogar noch aus dem Auto und brach dann irgendwo am Seitenstreifen zusammen. Wildunfall. Das bekackte Reh lief einfach weg. Hatte er nämlich nicht getroffen, deswegen ja der ganze Scheiß, denn er war ausgewichen. Wusste der halt auch nicht, was so abgeht.</p>
<p>Jetzt hier in seinem Zimmer dachte er daran, er dachte &#8220;Das hier ist wie damals, nur eben innendrin.&#8221; Und dann: &#8220;Das kann man doch nicht aushalten. Wo ist die Narkose?&#8221; Und dann: &#8220;Ich leg mich jetzt hin.&#8221; Momente, die einem den Atem gefrieren lassen, aber nicht weil&#8217;s draußen so kalt ist. Nee. Da kriegt man dann auch die halbe Lunge zerfetzt, gefühlt zumindest. Tut dann halt weh, richtigrichtigrichtig weh. Ungefähr so wie, wenn man ganz schnell läuft, um den Bus noch zu kriegen, mit den Taschen ganz voller Milchtüten, also circa 10 kg schwer. Dann brennt einem hinterher ja auch alles von Oberschenkel bis zum Hals ins Gesicht.</p>
<p>Jedenfalls hatte er gerade sowas in der Art. So eine Art Anfall oder so. Irgendwann im letzten Herbst hatte Ali mal zu ihm gesagt, dass es ja krass ist, wie er das alles so wegsteckt. Ali wusste ja nicht, dass grundloses Besaufen und zehn Stunden Arbeit pro Tag kein Verarbeiten von irgendwas ist, der Idiot. Hätte er aber mal merken können, dass das alles Verdrängung ist und Verdrängung eben auch nur Aufschub.</p>
<p>Im letzten Herbst, da dachte er ja selbst noch, dass das alles voll klar geht. Wunderte sich selbst, wie einfach er über Trennungen hinwegkommt. Ist ja auch mal ganz schön allein, sagte er da noch immer. Und als dann selbst Ali wegzog, dachte er auch ungefähr das gleiche. Und jetzt kommt er nach hause nach dem Sport und da liegt noch ein Zettel auf dem Boden, den sie mal geschrieben hat und dann ist der Himmel so bläulich und morgen ist alles wie heute auch und wie gestern auch und dann überrannte ihn das und jetzt hängt er hier wie ein Käfer auf dem Rücken und japst nach Luft. Und die ganze Scheiße nur, weil er wieder den Coolen markieren musste. Ist ja klar, dass man nicht immer direkt zugeben will, was einen beschäftigt und das einem irgendwas eben doch nahe geht, denn Schwäche ist ja, naja, eben schwach. Oh man, wie dumm man manchmal ist. Wenn man anderen was vormachen will, verarscht man eben am meisten auch sich selbst. Aber jetzt ist es auch zu spät. Das ist wie bei diesem Kackunfall damals. Da bin ich auch fast verreckt und hab&#8217;s nicht gemerkt und damit macht man dann alles nur noch schlimmer. Und wenn man&#8217;s nicht merkt, was soll man dann machen?</p>
<p>Tja. Verdrängung ist eben kein Heilmittel. Aber merkt man ja auch immer erst, wenn der Schock nachlässt. Aber auch Schmerzen lassen irgendwann nach und dann ist man auch wieder gesund, auch wenn das manchmal ein bisschen dauert. Aber auch das ist voll ok. Und das kann man sich ja mal merken.</p>
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		<title>Aftershocks I</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jan 2013 13:55:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal verliert man sich eben so ein bisschen, weiß man dann auch nicht mehr wer oder was man dann eigentlich sein will oder wie man das rausfindet. Dann ist das Leben eher so wie ein Song von Bright Eyes als Dreivierteltakt von Florence+The Machine. Dann versteht man eben alles, was Conor Oberst so ins Mikro [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/01/JanasBild.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p style="text-align: left">Manchmal verliert man sich eben so ein bisschen, weiß man dann auch nicht mehr wer oder was man dann eigentlich sein will oder wie man das rausfindet. Dann ist das Leben eher so wie ein Song von Bright Eyes als Dreivierteltakt von Florence+The Machine. Dann versteht man eben alles, was Conor Oberst so ins Mikro jammert und merkt auch, dass da irgendwie die Peilsender fehlen und man oszilliert so rum. Hört man dann immer wieder diese pubertären Lieder davon, wie alles so scheiße ist, weil man selbst so scheiße ist. Wieder überlaufende Ozeane von Kacke. Sich einfach auch mal richtig abgefuckt vorfinden.</p>
<p style="text-align: left">&#8220;Wie die alle so beschissene Rollen spielen! Das geht gar nicht klar, jeder macht das! Versuchen alle nur was zu sein, was die alle nicht sind. Das ist es ja man!&#8221; Sie schreit mir das entgegen, während wir hier auf diesem beknackten Geburtstag der Eurythmietante irgendwelche beschissenen Volkstänze tanzen, und ich krieg schon wieder Kopfkicks und ruf ihr nur zu, wie scheiße ich sie finde, weil sie mir den Tipp gibt, ich kann ja mal ein Bad nehmen, um mich selbst zu finden, ein bisschen entspannen. Schneid dir doch mal die Haare, so als würde das irgendwas helfen. Die soll ihre Fresse halten. Die Leute hier sehen sowieso alle debil aus, aber ich wäre gerne einer von ihnen, weil sie wirken so, als wüssten sie, wo sie stehen und ihnen das scheißegal wäre, dass sie gerade mit geschlossenen Augen den Geweih-Song singen. Sag ich aber nicht. Ich sag nur, wie kacke ich die alle finde, wie kacke sowieso alles ist und ich weiß noch nicht einmal, wieso ich das alles sage.</p>
<p style="text-align: left">Erinnert mich auch alles ein bisschen zu sehr an den Geburtstag meines Onkels, auf dem meine Tante irgendwann auch anfing besoffen Luftgitarre zu David Bowie zu spielen und mit geschlossenen Augen laut mitzugröhlen. Auch so debil, nur anders. Sie fragte mich vorher, ob ihr Make-up ok wäre und ich sagte ja, weil sie auch ein bisschen so aussah, als meinte sie nicht nur ihr Make-up, sondern ihre generelle Verfassung und die war zwar offensichtlich beschissen, aber das sagt man ja dann auch nicht. Konnte ja auch keiner mit rechnen, dass die direkt aufspringt, um zu zeigen, wie sexy und frei sie ist und wieviel Spaß sie so hat. Danach war die Party dann auch vorbei.</p>
<p style="text-align: left">Die wollte uns eben auch was beweisen, und wenn ich dann an dieser albernen Partykellertheke sage, dass ich nur das eine will, hab ich halt auch Schiss, was falsch zu machen, weil man es ja manchmal selber nicht wissen kann und dann sagt man eben falsche Sachen, obwohl es auch wahr ist. Wenn wir uns dann anschreien, dass uns alles egal ist, ist das eben auch nicht immer alles. Irgendwie ist mir nie alles egal, das ist ja das Problem, und dann fällt mir auch noch das Glas aus der Hand, aber verstehen tue ich dann doch gar nichts. Krieg das eh nur mit, weil ich das Geräusch höre.<br />
 Ich bin mir selbst fremd, das ist eigentlich das schlimmste. Obwohl, weiß ich gar nicht, vielleicht bin ich mir da auch gerade nicht fremd, sondern, dass ist halt dann die Scheiße, die hochkommt wegen dem ganzen Alkohol. Kann man ja nie so genau wissen, weil eigentlich ist man ja auch immer nur das, was man entscheidet zu sein und ich entscheide hier gerade gar nichts. Weiß ich jetzt auch nicht, ob ich besonders ehrlich oder nur verlogen bin. Ich spiele mit falschen Regeln, weil ich das auch alles nicht kapiere und dann verliert man halt auch. <br />
 Wie beschissen hier gerade alles ist, besonders diese bescheuerte Gitarrenmusik &#8211; die singen jetzt echt das Winterlied -wie beschissen ich mich gerade finde, aber wenn ich dir das dann sage, hilft es ja auch nichts. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich halt einfach nur Schiss hab vor allem und jedem, dann ist das ja noch erbärmlicher. Und ich weiß jetzt auch, wieso meine Tante damals auf dem Tisch getanzt hat und uns anbrüllte, dass wir sie alle am Arsch lecken können. We can be heroes und mich können hier auch alle mal am Arsch lecken. Und dann ist die Party ja auch gleich schon zuende.</p>
<p style="text-align: left">Sie stützt mich beim Rausgehen. Ich hab es echt geschafft mich auf diesem beknackten Waldorf-Geburtstag zu besaufen. &#8220;Früher wollte ich auch immer so hart sein, weißtdu, das ist Quatsch. Wir sind halt nicht cool, keiner ist das, warum dann so tun, hm?&#8221; Und dann fängt sie auch noch an von dem Päckchen, das jeder zu tragen hat. Mir immer noch egal, ich will den Wein auskotzen und das sag ich dann auch. Ich sag: &#8220;Ich muss kotzen von deinem Gerede.&#8221; Muss ich aber gar nicht. In Wahrheit könnte ich höchstens kotzen, wenn ich den Finger reinstecke und wahrscheinlich ginge es mir dann auch nicht besser.<br />
 Eigentlich will ich ihr sagen, dass ich die Sommersprossenflecken auf ihren Schultern, wie die so im Halbdunkeln aussehen, schön finde und ich will das nicht total peinlich finden, weil, wenn ich das könnte, dann wäre mir wirklich alles egal. Stattdessen fange ich lieber an, irgendeinen Bright Eyes Song zu gröhlen, um wieder irgendwas zu zeigen. Und diese übernetten Leute hier gucken einfach nur betrübt, weil sie nämlich wissen, dass ihnen das aus Prinzip nicht passieren kann. &#8220;Echt. Ist ok. Lass stecken, morgen weißt du wieder, wer du bist.&#8221; Die Frau trägt eine zu große Brille und ihre Augen sehen aus, als wäre sie permanent besorgt. Außerdem ist sie angezogen wie ein Zwerg. &#8220;Put it in your mouth&#8221; hauch ich sie an, &#8220;the devil&#8217;s in the details.&#8221; Weiß ich auch nicht, warum gerade das. Aber die weiß ja nicht, wie das ist, wenn man es genau eben gerade nicht weiß, weil die singt ja hier mit geschlossenen Augen ohne ein bisschen Scham und der ist eben auch egal, was alle darüber sagen und dann wird man eben neidisch.</p>
<p style="text-align: left">Am nächsten morgen ist nicht alles besser. Ich hab einfach nur Kopfschmerzen. Aber so ist das eben. Wenn man anderen was vormachen will, verliert man eben immer ein Stück auch von sich selbst. Ist es halt so. Kann man ja dann auch nicht mehr ändern. Aber kann man sich ja mal merken.</p>
<p style="text-align: left"><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
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		<title>Herz auf die Fresse</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jan 2013 23:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[faruk]]></category>
		<category><![CDATA[fresse]]></category>
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		<description><![CDATA[Er hatte diesen Kleidungsstil, der an Vagabunden erinnert, wie man sich das so vorstellt, wie Reisende aussehen, und in dem Stil kam er auch zu mir. Auf der Straße irgendwo, weil es ja auch egal ist, weil er eben so da war, mit dem Gefühl bei mir ankam, wie man auch einen Song hört und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2013/01/photo.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Er hatte diesen Kleidungsstil, der an Vagabunden erinnert, wie man sich das so vorstellt, wie Reisende aussehen, und in dem Stil kam er auch zu mir. Auf der Straße irgendwo, weil es ja auch egal ist, weil er eben so da war, mit dem Gefühl bei mir ankam, wie man auch einen Song hört und dann so wachgerüttelt wird, dass man die selbe Stelle immer wieder hören will, einen Satz in Dauerschleife hört, weil er eben alles sagt in fünf Wörtern.</p>
<p>Seine Zähne waren golden, denn obwohl doch in unserem Alter, musste er schon viel erlebt haben, oder? Das ist doch so, muss doch so sein, oder? Ich hätte ihn gerne gefragt, warum er goldene Zähne hat, warum er sich die Zähne nicht durch Keramik ersetzen lässt, weil, mein Gott, heutzutage ist das doch kein Problem mehr, oder? Aber ich hab mich nicht getraut. Macht man ja auch nicht. Würde man ihn fragen, hätte er sicherlich eine interessante Geschichte zu erzählen von da, wo auch sein Name herkommt. Wo auch immer das ist. <br />
 Sein Blick war silbernd und das war eigentlich das Schlimmste, denn, wenn man ihn ansah, sah er nicht ganz richtig zurück. Aber die Augen waren wach und gutmütig und das ist ja auch viel wichtiger. Ich bin davon überzeugt, man kann gute Menschen an den Augen erkennen; zumindest bilde ich es mir ein.<br />
 Wie er so nah bei mir saß, berührte meine Hand leicht seinen Oberschenkel, ganz leicht nur mit dem kleinen Finger, so wie man Dinge normalerweise unbeachtet berührt, aber da in dem Moment spürte ich es eben, denn ich hätte ihn gerne bewusst angefasst. Am Kopf, wäre ihm gerne durch die Haare gefahren, hätte die Strähnen aus seinem Gesicht gestrichen.</p>
<p>&#8220;Siehst du die Leute da, wie die alle gleich aussehen? Alles so unidividuelle Spasten, die sich nicht voneinander unterscheiden!&#8221;<br />
 &#8220;Das Schwierige ist doch grad so zu leben, dass man sich nicht unterscheidet.&#8221;</p>
<p>Bämbämbäm. Getroffen. Irgendwo zwischen Herz, Bauch und Kopf. Bämbämbäm. Da wollte ich ihn mit nach hause nehmen. Ich hätte ihn gerne gefragt, ob er sich mit mir hinsetzt, mir alles sagt, was er weiß, ob er Lust hat mich zu verbessern, aber das macht man natürlich nicht.</p>
<p>So wie man ziemlich viele Sachen nicht macht, die zwischenmenschlich angebracht sind. Momente bei denen in Filmen die Musik einsetzt, werden in echt einfach ausgespart. Da kommt dann nichts, weil man es eben nicht über die Lippen bringt. Ich weiß nicht, ob man das, was dann kommt, Pause nennen kann, weil eigentlich ist es eher wie en kleines Ziepen im Kopf. Naja, ist ja auch egal, oder? Ist ja schnell vorbei.  <br />
 Ich mein, bei Faruk, dem Weisen, ist das ja nicht schlimm, denn wir kennen uns ja nicht, aber stell dir mal vor, das passiert dann, wenn du deiner Mama sagen willst, dass du sie liebst und stattdessen betonst, wie gut das Weihnachtsessen schmeckt, oder wenn du dem Kerl neben dir nicht sagst, dass es schön ist mit ihm, sondern aufstehst und noch nicht einmal einen Zettel übrig lässt, oder deiner Oma zum Geburtstag die Hand schüttelst, obwohl du einfach nur Schiss hast, dass sie übermorgen stirbt und sie eigentlich nur küssen und richtig doll drücken willst, oder wenn deine Freundin wegzieht, für immer vielleicht und nach ganz weit weg, und du dann noch nicht mal ein Abschiedsgeschenk hast, weil du keine Lust hast, dich damit zu beschäftigen. Ja, was dann, was? Dann hast du nämlich die kacke und denkst dann in den unmöglichsten Situationen daran, wie man das wieder hinbiegen kann und dann kann man es eh nicht wieder hinbiegen. Nie wieder. Das sind nämlich die Situationen, in denen du sozusagen nicht deinem Herzen folgst, wie man so kitschig sagt. Sollte man aber. Immer.</p>
<p>Das denke ich also in dem Moment, wo wir da so sitzen auf der Mauer im Regen. Er hat ein Bier in der Hand und er fragt sogar, was denn los ist mit mir, weil mein Herz anscheinend nicht auf der Zunge, sondern in meiner Fresse liegt. Und auf der Fresse. Sorry, der war schlecht. Aber es stimmt ja auch. Beides stimmt. Jedenfalls kann ich nie nie nie was verheimlichen und so merkt er natürlich, dass ich gerade wieder abdrifte und innerlich wieder Spazieren gehe, so wie ich ja innerlich immer von Hölzchen auf Stöckchen auf Nadelwald komme, auf Märchenwald komme.</p>
<p>Und dann blubbert das alles aus mir raus. Diese Gefühle und dass ich ihn gerne anfassen will und das mit der Oma, die man küssen will und mit dem Kerl, der sagt, dass es schön war und man dreht sich noch nicht mal um und geht und dass ich halt Schiss habe, was zu sagen, aber jetzt nicht, nein, jetzt nicht, ich sag jetzt alles. Du bist cool Faruk. Du wirkst so unglaublich weise, so besonders, ich mein, du hast goldene Zähne, man! Man darf nicht schüchtern sein. Das ist richtig kacke! Nie schüchtern sein! Denn dadurch versaut man immer alles! Das Beste versaut man dadurch! Und hey, life is short! Wirklich. Nutz die Zeit!</p>
<p>Und er guckt mich an, stellt das Bier ab und sagt: Falls du Teile geschmissen hast, brauch ich die auch! Und dann sagt er noch, dass ich ja mit zu ihm kann, falls ich bumsen will.</p>
<p>Achso. Deswegen keine Musik und auch der Schiss. Man darf eben doch irgendwie nicht alles verschwenden, was man hat. Naja, vielleicht doch. So viel hat man ja auch nicht zu verlieren. Verwechsle halt nur nie einen Faruk mit deinen Liebsten.</p>
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		<title>Mundwinkel auf den Titten</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Dec 2012 00:02:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[heiligabend]]></category>
		<category><![CDATA[kirche]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich wollte ja gar nicht mit, weil ich schon wusste, es würde die Hölle werden, aber irgendwann hatte ich meiner Mutter einmal in einem Anfall von Heimweh und Vermissung gesagt, dass ich es gut finde an Weihnachten in die Kirche zu gehen. Wegen der Tradition und so. Irgendwie fehlt dann da was. Und auch wirklich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2012/12/Foto.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Ich wollte ja gar nicht mit, weil ich schon wusste, es würde die Hölle werden, aber irgendwann hatte ich meiner Mutter einmal in einem Anfall von Heimweh und Vermissung gesagt, dass ich es gut finde an Weihnachten in die Kirche zu gehen. Wegen der Tradition und so. Irgendwie fehlt dann da was. Und auch wirklich, abgesehen von einem Jahr, das ich nicht in Deutschland und nicht in meiner Familie verbrachte, bin ich bislang jedes Jahr zu Weihnachten in die Kirche gegangen. Möglicherweise sagte ich meiner Mutter diesen Quatsch sogar genau in diesem einen Jahr aus der Ferne. Sehr wahrscheinlich sogar.<br />
 Früher war meine Mutter dort in der Kirche sogar einmal Küsterin und wir stellten vor dem Gottesdienst am Heiligabendvormittag die Stühle. Naja, sie stellte die Stühle und ich stellte mich hinter die Kanzel und spielte Kirche. Oder ich spielte Kirchenchor. Allein und das fand ich richtig cool, denn das hallte schön. Wenn ich so recht überlege, würde ich das gerne noch einmal machen. Einfach laut irgendeinen Song von Christina Aguilera ins Kirchenecho singen und auf den Durchbruch warten. Allein dort auf der Orgel klimpern, mal gucken wie es klingt, wenn man so viele Tasten wie möglich auf einmal drückt. Oder auf dem glatten Boden Ballett üben. Gut war auch alles auf einmal. Meine Schwester spielt die Orgel mit allen Tasten gleichzeitig, ich singe dazu und schlitter auf Socken über den glatten Boden. Turbogut.</p>
<p>Aber heute ist es einfach nur beschissen, denn als wir in der Kirche ankommen, sitzen dort schon ungefähr 500 Leute, also so ziemlich alle aus meinem Dorf, also alle, außer die, die schon vorher im Kindergottesdienst waren oder scheiße katholisch sind. Und ich bin unadäquat gekleidet, weil ich keine Lust hatte oder es einfach nur zu lächerlich fand, mich hübsch zu machen. Und, nunja, die allgemeine Vorstellung von &#8220;hübsch machen&#8221; der Leute hier &#8211; Esprit-Bluse, pfiffiger Kurzhaarschnitt, knielanger Cordrock- entspricht auch nicht meinem Geschmack. Ich steh eher so auf Jeans und Pulli. Meine Mama jedenfalls lacht darüber, die hat eher Sorge, dass der Blümchenrock meiner Schwester zu hoch rutscht, die ist nämlich auch etwas unadäquat gekleidet, vielleicht sogar noch unadäquater. Ist ja auch klar, sind ja schließlich eine Familie.</p>
<p>Wir setzen uns in die zweite Reihe. In der ersten Reihe sitzt der gemischte Chor, da ist also schon besetzt, und wir müssen in die zweite Reihe, weil sonst nichts mehr frei ist und meine Mutter hinten nichts mehr sehen kann. Ist mir jetzt auch egal, mich nerven eher die ganzen Tanten und Onkel, die ich alle nicht mit Namen kenne. Sie mich aber umso besser, obwohl ich jaachsogroßgeworden bin. Überraschung. Ich überrasche euch eben gerne damit, dass wir alle immer älter werden. Wir sind eben alle nur lebende Beispiele für das Rasen der Zeit, ja und? Hinterher wird meine Mutter mir, wie jedes Mal erklären, wer mit wem verwandt ist und wieso ich&#8217;s versaut habe. Ich wusste, das hier geht gar nicht klar.</p>
<p>Wir sitzen also in der zweiten Reihe. Und während ich da sitze, beobachte ich so die Szenerie. Wie es eben dann doch egal ist, ob es 2012, 2000 oder 1993 ist, denn hier sitzen immer noch die Bläser im Halbkreis und spielen und nehmen die ganze Sache hier zu ernst, weil es ja ihr größter Auftritt im ganzen Jahr ist.   <br />
 Wir müssen noch zwanzig Minuten warten und wir heben manchmal die Hand, wenn wir Bekannte sehen (alle sind uns bekannt) und beenden irgendwie alle Sätze mit einem Zustimmung erfordernden Woa?! (Richtig warm heute, woa?! Ja, letztes Jahr lag um diese Zeit schon Schnee, woa?! Ganz schön stressig, woa?! usw.). Ich kann das nicht ab, diese Phrasen. Ich weiß dann nie, was ich sagen soll und irgendwie interessiert es ja dann doch keinen, ob ich diesen oder letzten Winter besser fand und dann ist doch immer alles am besten, wenn es beim alten bleibt. <br />
 Selbst die Deko ist die gleiche. Weihnachtsbaum. Weiße Lichter. Papiersterne. Die kleben immer so schlichte Papiersterne an die Fenster, früher musste ich meiner Mama dabei helfen, und es ist alles unglaublich schön. So wie immer halt. Schön und schlicht und irgendwie berührt mich das gerade, weil man eben manchmal in den unmöglichsten Momenten irgendwelche Flashbacks kriegt. Zumindest mir passiert das ziemlich oft. Und ich hab ja auch diese Bilder vom Singen und Tanzen und der besinnlichen Stille der leeren Kirche im Kopf. Ich mache ein Foto. Ein Handyfoto.</p>
<p>Neben mir sitzt ein Mann, vorher beachtete ich ihn gar nicht so recht, weil er einer der zwei Menschen im gesamten Gebäude ist, die nicht mit mir verwandt sind. Meine Mama könnte da aber bestimmt irgendeine Verbindung ziehen und mir erklären, wie der so zu wem gehört. Er sitzt da mit seiner Frau, mit Mundwinkeln im Hals. Er meckert. Der Mann beschwert sich über die heutige Jugend und ihre Handysucht. Der meckert über mich. Der meckert, halb geflüstert, halb genuschelt, über mich bei seiner Frau, deren Mundwinkel auch irgendwo auf ihren Brüsten hängen. Hat der sie noch alle? Ich gehöre nicht mehr zur Jugend von heute, denn ich bin keine sechzehn mehr, erstens, und zweitens ist diese Aussage einfach nur bescheuert. Pauschal und bescheuert. Ich will dem eine ballern!</p>
<p>Natürlich ist es total übertrieben, mich da jetzt so angegriffen zu fühlen, ich könnte zehntausende Argumente und Rechtfertigungen finden, warum die Jugend von heute nicht so ist, was das überhaupt ist, Jugend von heute, und so. Eigentlich sollte ich darüber stehen und lachen und einfach mit dem Kopf schütteln und es abhaken, aber mich fuckt es richtig ab! Diese Situation in dem Moment jetzt hier bringt eben alles zusammen und manchmal braucht es halt eben nur einen toten Winkel, um einen Riesenunfall zu provozieren und dann kracht es richtig. Manchmal sterben sogar Leute bei sowas.<br />
 Die Sache ist auch nicht, dass er sich daran störte und mich kritisierte, die Sache ist, wie er es tat. Dass er es eben nicht mir sagte, sondern seiner Frau einen Platz weiter, in die entgegengesetzte Richtung, gerade so laut, dass ich es auch hören konnte und gerade so abschätzig, dass ich weiß, er findet mich einfach insgesamt superbeschissen, aber er kann irgendwie Haltung bewahren. Das ist echt das Schlimmste. Der kann Haltung bewahren, ich bin empfindlich, wenn ich was sage. Der ist das feige Arschloch und ich die Dumme. Er findet mich nach drei Minuten wegen Jeans, Pulli, roten Lippen und einem Handy superbeschissen und wenn ich was sage, bin ich noch unangemessener als so schon. Das gibt mir jetzt echt den Rest.</p>
<p>Ich stehe auf. Ich sage laut &#8220;Was hast du für ein Problem, he? Zeiten ändern sich man! Das hier ist 2012 und so Leute wie du dürften eigentlich gar nicht in die Kirche. Ey, Toleranz und Nächstenliebe und die ganze Scheiße&#8230;WO IST DEIN VERDAMMTES PROBLEM? Rote Lippen in der Kirche? Ist zu viel für dich hehehe? WO IST DAS PROBLEM VON DEN SCHEISS LEUTEN HIER???&#8221; Also, ich meine, ich will das sagen. Eigentlich bleibe ich einfach sitzen, lächle etwas verlegen und packe mein Handy weg und kriege Luftnot.</p>
<p>Die Sache ist ja eigentlich auch nicht die Sache mit dem Handy. Das Handy und der alte Mann sind mir eigentlich total egal. Die Sache ist, dass mir das alles so fremd ist. Diese Umgebung ist mir so fremd, diese Haltung, dieser Starrsinn und diese Unoffenheit. Mich engt das alles so ein. Ich versteh das nicht. Wie kann man sich über so etwas aufregen? Was geht es einen an? Dieses überlaufende Negative.</p>
<p>Das hier ist mein Zuhause, ich kenne diese Kirche so lange wie ich alt bin, habe mich hier immer wohlgefühlt und jetzt bringt mich dieser Mann fast zum Ersticken, weil ich so viel Wut herunterschlucken muss. Jetzt versaut der mir die Stimmung, obwohl ich gerade noch beim Tanzen und Singen und der Besinnlichkeit dieses Ortes war und ich werd so richtig wütend. Und ich bin noch nicht einmal wütend auf ihn, eher auf das, was mir meine Heimat geklaut hat. Ich bin wütend auf alle, die mich hier zurücklassen, weil man es als normaler Mensch hier eben nicht aushalten kann und ich anscheinend die Letzte bin, die das erkennt. Und das macht mich richtig sauer! Dass ich hier zurückgelassen hänge und irgendwelche Rentner in Beige und Grau, so wie sie eben auch insgesamt beige und grau sind, alle guten Leute vertreiben, weil man diese Menschen nicht erträgt. Nicht im selben Raum und schon gar nicht im selben Ort. Schlimm genug, dass die im selben Land wohnen.</p>
<p>Und ich bin so wütend, weil ich ja auch weiß, dass ist irgendwie mein Fehler, dass das hier alles nicht mehr zu mir passt und ich alleine bin. Ist ja irgendwie meine eigene Schuld, dass ich es nicht schaffe, das so schnell wie alle meine Freunde zu raffen und jetzt hier hänge und allem hier fremd bin.</p>
<p>Mich macht so richtig sauer, dass diese scheiß Rentner denken, sie wären im Recht. Die wären im Recht und könnten mir hier meine Heimat versauen.<br />
 Und noch viel saurer macht mich, dass &#8216;Rentner&#8217; hier keine Altersbezeichnung, sondern eine Haltung ist. Hier sind alle so. Diese abgefuckten Tussis in ihren Cordröcken, wie schön sie singen, wie sie ihr Maul aufreißen und das Fest der Liebe beschwören und dann auf dem Klo über die Schwangerschaft von der Jenny aus der Austraße lästern.<br />
 Mich regt so auf, dass sie diese Lieder von Liebe und Güte und wasweißichwas singen, nach hause gehen und dann beim Rausgehen darüber reden, dass der Ronny richtig asozial letztens mit dem Bollerwagen voll Bier vorm Rewe zusammengeklappt ist.</p>
<p>Mich macht so sauer, dass diese Gegend hier wie Treibsand ist, dass man hier eingesaugt wird von der ganzen Scheiße und auch irgendwann ein grauer Rentner mit Mundwinkeln auf den Titten wird, weil es hier gar nicht anders geht, vielleicht auch nirgendwo anders geht. Weiß ich nicht.  <br />
 Wie dieses woa?! die Bestätigung erbettelt, dass es ok ist, was man denkt, weil es eben so wichtig ist, was andere über schier alles und jeden denken, weil man ja immer dasselbe hört und sieht.</p>
<p>Mich interessiert das alles nicht. Ich kann auch nicht länger so tun. Mir kommt Kotze hoch, denke ich. In Wahrheit kommt mir keine Kotze hoch, sondern wieder scheiß Tränen. Weiß ich jetzt auch nicht, ob vor Wut oder Traurigkeit. Irgendwie liegt das ja auch alles ziemlich nah beieinander.</p>
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		<title>Von Schlaganfällen und Strudeln</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Nov 2012 10:22:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Momente, so kalt, dass sie deinen Atem gefrieren lassen und beim Auftauen wehtun. Momente, wie Marathonläufe so schnell, dass es in der Lunge brennt, so dass man sich erholen muss, auch wenn sie schon längst vorbei sind. Muskelkater im Herzen. Einen Muskel unaufgewärmt zu benutzen tut nicht gut. Momente, die auftreten wie Schlaganfälle, in den [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2012/11/IMG_20121121_111752.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Momente, so kalt, dass sie deinen Atem gefrieren lassen und beim Auftauen wehtun. Momente, wie Marathonläufe so schnell, dass es in der Lunge brennt, so dass man sich erholen muss, auch wenn sie schon längst vorbei sind. Muskelkater im Herzen. Einen Muskel unaufgewärmt zu benutzen tut nicht gut.</p>
<p>Momente, die auftreten wie Schlaganfälle, in den absurdesten Situationen, irgendwo zwischen den aufgehangenen Bettlaken auf dem Speicher, wenn die Farbe des Wäschekorbs uns dann irgendwie an den Geruch von vergilbten Buchseiten erinnert und wir von Hölzchen auf Stöckchen auf blaue Flecken im Gedächtnis kommen.</p>
<p>&#8220;Hörst du diese Streicher, wie sie ihre Kreise genau im richtigen Moment nach unten ziehen? Kreise die die Schwalben über uns in der Luft ziehen? Merkst du auch, dass das aber in Wirklichkeit Tauben sind, die Ratten der Lüfte, die wie Geier über uns fliegen?&#8221; Wenn ich das sage, meine ich die Strudel in uns, die wir selbst erzeugen, die alles herunterspülen, wie die Kacke im Klo, und die auf einmal da sind, egal, wo wir gerade sind. Sie zeigen an, dass sich die Luft ändert, dass die Schlinge enger wird, je mehr wir uns in ihr winden. Ich meine damit auch den Druck, der da ist, den man selbst macht. Der Albdruck kommt bei Nacht, auch wenn man kaum schläft, um die Zeit auszutricksen, der Albdruck nimmt die Luft weg, macht dich ohnmächtig, auch wenn du es noch nicht merkst, nur kurz in diesen Momenten merkst, wenn die Dämme brechen, weil eben das richtige Lied kommt und du merkst, da ist doch Herzblut in dir und nicht nur Motoröl.</p>
<p>&#8220;Ich weiß ja auch nicht, was davon jetzt nur Wunsch ist, ich kann das nicht mehr so ganz unterscheiden, aber ich weiß, alles ist besser als dieses Nichts in mir, diese funktionierende Kälte in mir, das Hetzen in mir. Und er bringt mich zum weinen.&#8221;</p>
<p>&#8220;Und ich kann Momente vorherspüren. Aber ich warn dich nicht, auch wenn sie eisekalt sind.&#8221;</p>
<p>Unsere Unterhaltung ist alles andere als kommunikativ, wir sagen die Dinge nur, um uns selbst zu bestätigen, die Rosinen beim anderen herauszupicken, auf uns anzuwenden, was andere für sich selbst sagen. Aber das ist ok. Das ist völlig ok, denn wir sind sowieso ein bisschen zu pathetisch. Die Musik ist auch zu laut und diese Lichter lassen uns nur kurz aufflackern, wenn es gerade kurz in die Pause passt. Aber als sie dann meine Hand nach oben reißt, bringt es dann irgendwie doch was.</p>
<p>&#8220;Das ist alles nur in dir drin. Alles nur in dir drin. Wenn ich loslasse, bist du frei.&#8221;</p>
<p>&#8220;Irgendwie lebt man doch für die Pausen, oder?&#8221;</p>
<p>Und als sie dann lächelt, da merke ich, wir könnten uns nicht besser verstehen, nicht näher sein.</p>
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		<title>90&#215;200</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Oct 2012 00:20:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lea</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beim Handschlag schaut sie mir in die Augen. So schwarz, sagt sie, wie Knöpfe, so schön. Ich kann dasselbe nicht von ihren Augen behaupten, denn sie versinken irgendwo zwischen ihren wirren Haaren in Augenhöhlen, die keine Wimpern mehr tragen. Meine Hand als Rettungsring zwischen knochigen Fingern und ihre Augen als Kreisel in ihrem Gesicht. Was [...]]]></description>
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	<img src="http://www.abgeschirmt.com/wp-content/themes/abgeschirmt/library/timthumb.php?src=http://www.abgeschirmt.com/wp-content/uploads/2012/10/IMG_20120905_234453.jpg&amp;w=580&amp&amp;zc=1&amp;q=75" alt="This image has no alt text" />
	</p><p>Beim Handschlag schaut sie mir in die Augen. So schwarz, sagt sie, wie Knöpfe, so schön. Ich kann dasselbe nicht von ihren Augen behaupten, denn sie versinken irgendwo zwischen ihren wirren Haaren in Augenhöhlen, die keine Wimpern mehr tragen. Meine Hand als Rettungsring zwischen knochigen Fingern und ihre Augen als Kreisel in ihrem Gesicht. Was sucht sie denn? &#8221;Nur was ich nicht verstehe, ist, wie kann der da oben den einen wegnehmen und den anderen allein zurücklassen?&#8221; Ich lächle und weiß selbst wie bescheuert diese Reaktion ist, aber in Japan lächeln sie ja auch, um Distanz zu wahren, die wissen es schon, dass Lächeln kein Ausdruck von Freundlichkeit ist. Die in Japan wissen schon, wie oft Lächeln missbraucht wird, die nutzen das als Kulturtechnik. &#8220;Auch das ist Erwachsenwerden. Andere gehen lassen, damit leben, dass wir zurückbleiben.&#8221; Ich kann nicht aufhören zu lächeln, als die zweite weiße Frau am Tisch dies sagt. Lächeln. Oh Gott, eigentlich wollte ich doch nur ein Stück Kuchen, eine Tasse Kaffee, mir kurz in die Backe kneifen lassen, zwei Euro für ein Eis bekommen, aber mit dieser Freakshow habe ich nicht gerechnet. Auf Spitzendeckchen lächeln. Schnell in die Kaffeetasse lächeln. Aus dem Fenster lächeln, die stickige Luft nach draußen geleiten.</p>
<p>Die pummelige Frau sagt: &#8220;Erwachsenwerden hört nie auf. Wir lernen immer dazu und du musst jetzt lernen, es zu akzeptieren.&#8221; &#8220;Aber was ich nicht verstehe ist, wie kann der da oben den einen wegnehmen und den anderen hier allein zurücklassen? Und dann diese Knöpfchen als Augen. Knöpfchen.&#8221; Sie schaut uns gar nicht an, beim Reden sieht sie nach innen mit den Augen nach außen. Und auch sie lächelt. Es sieht aus wie bei einem Totenkopf, nur mit dünner Haut umspannt.</p>
<p>Ich wende mich ab, denn das hat nun wirklich keinen Zweck mehr. Das ist keine Unterhaltung, das ist das Mantra eines lebenden Schädels. So alt ist sie doch gar nicht. Ich gehe zu meinen Schwestern. Auf dem Sofa sitzen wir jetzt wie die Hühner auf der Stange, aufgereiht von groß nach klein, braunblondbraun. Sie fragen, wer von uns die Älteste ist, dabei muss doch offensichtlich sein, dass ich die Große bin und die anderen zwei die Kleinen. So war das immer. Ich die Große, sie die beiden Kleinen. Ich die Vernünftige, sie die beiden Wilden. Aber hier gerät momentan irgendwie alles aus den Fugen und während die Tante wieder von Knöpfchenaugen spricht, schätzt mein Großvater mich auf siebzehn. Keiner von uns ist siebzehn, schon seit langem nicht mehr, aber ich weiß noch genau, wie es sich anfühlt. Und er auch, denn er erzählt wieder Geschichten von früher. Er wiederholt wieder alles, was er noch weiß und das ist wenig. Ich weiß gar nicht mehr, wie er einmal war, als er mehr war als ein windeltragender Mann, der beim Essen mehr auf seinen Pullunder als in seinen Mund befördert. Als er zur Toilette geht, hat er den raschelnden Po eines Kleinkindes und meine Mutter muss ihm helfen. Was auch immer das bedeutet. Ich frage mich, was wohl unangenehmer ist, zu merken, wie die eigene Tochter einem den Arsch abwischt oder dem Vater den Schwanz ins Klo halten zu müssen. Wie das alles so schnell geht. Wie schnell jemand abbaut, wieder zum Kind wird.</p>
<p>Später erzählt meine Mutter von früher, wie vernünftig ich gewesen sei, wie erwachsen und selbstständig, wie anders doch meine Schwester gewesen ist. &#8220;Wirklich komisch, wie unterschiedlich die Menschen doch sind.&#8221; Ja, die Anlagen waren schon immer da. Man wird wohl so geboren. Man ist so. Oder man ist es eben nicht.</p>
<p>&#8220;Wo sind die Jahre nur geblieben?&#8221; Sie ist neunundachtzig und spricht die Worte aus, die ich denke. Fängt das also bei mir jetzt schon an. Ich bin fünfundzwanzig und frage mich, wohin die letzten zehn Jahre verschwunden sind. &#8220;Ja genau, aber das, was ich nicht verstehe ist, wieso der da oben, den einen wegnimmt und den anderen hier allein zurücklässt.&#8221; Man sieht ja, wie es ist, entweder man wird zum Kind, zum lebendigen Toten oder, ja, oder was eigentlich? Ich will das nicht, will nicht alt werden. Das, was die Pummelige eben sagte, erscheint mir als gute Option. Sei nie ausgewachsen und du bist erwachsen. Aber ich war schon immer so und meine Zusammensetzung stimmt nicht. Beim Händeschütteln hängt der Mund schief, aber da bewegt sich was. Da lauert schon der Eisengeschmack im Hals. Das Selbstbild ist entrückt und das Lächeln verzogen wie altes Holz.</p>
<p>Später im Bus sehe ich den Bruder meines Nachbarn wieder. Er sieht besser aus als beim letzten Mal, als noch das Gerücht umging, dass er ein Drogenproblem habe oder, noch schlimmer, zu Nutten gehen würde. Seine halblangen Haare fallen ihm in seine wasserklaren Augen. Er lacht mit dem Mund und blitzt mit den Augen. Wir reden ein bisschen, er will in die nächste Spielhalle, um sich dort mit Dirk zu treffen. Dirk ist fünfzig, er ist von seiner Frau geschieden und sie wollen an einem Dienstagabend gehörig um die Häuser ziehen. Er sei froh, dass er nie verheiratet war, nie bereit dafür war. &#8220;Ich habe immer darauf gewartet, wann das mal kommt, weißdu, erwachsen werden. Aber das kommt nicht, musst du selbst entscheiden irgendwann.&#8221;</p>
<p>Zuhause lege ich mich in die Möbel meines alten Kinderzimmers, in die 90&#215;200 cm mit Blümchendecke. Mir ist schlecht. Kopfschütteln bis zum Erbrechen.</p>
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