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    <title>Achgut: Kolumnen</title>
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    <description>Kolumnen der Mitglieder des publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten</description>
    <dc:language>de</dc:language>
    <dc:creator>info@achgut.de</dc:creator>
    <dc:rights>Copyright 2009</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-27T08:45:01+01:00</dc:date>
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      <title>Kultur und Kohle</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/kultur_und_kohle/</link>
      <author>mbroder@achgut.de (Henryk M. Broder)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/kultur_und_kohle/#When:08:45:01Z</guid>
      <description>(Henryk M. Broder) &lt;p&gt;Erschienen in DIE WELTWOCHE vom 27.03.2009
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Der deutsche Beitrag zum Weltkulturerbe ist enorm. Der Kölner Dom und das Bauhaus in Dessau, die Semper-Oper und die Frauenkirche in Dresden,  die Bayreuther Festspiele und das Münchener Oktoberfest, das Brandenburger Tor in Berlin und die Walhalla bei Regensburg, das Schloss Neuschwanstein von Ludwig II, der Berghof von Adolf I auf dem Obersalzberg; eine Stufe darunter die Nürnberger Lebkuchen und das Lübecker Marzipan, die Berliner Curry-Wurst und die Berliner Weiße, der Bismarckhering und die Schillerlocken, die Schwarzwälder Kirschtorte und die Bergische Kaffeetafel. Grundlage des kulturellen Reichtums ist die deutsche Gründlichkeit und die basiert ihrerseits wieder auf der Überzeugung, dass man nicht arbeitet, um zu leben, sondern lebt, um zu arbeiten. Weswegen die Zahl der Arbeitslosen der Gradmesser allen Glücks und Unglücks ist. Vor ein paar Monaten lag sie noch bei drei Millionen, inzwischen sind es dreieinhalb, noch in diesem Jahr könnten es wieder vier sein, sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Ein Arbeitsloser, der seinen Job verloren hat und keinen neuen findet, wird sich möglicherweise damit trösten, dass die Krise nicht hausgemacht, sondern importiert ist, dass sie wie eine Flutwelle zuerst die niedrig liegenden Gebiete überrollt und dann die höher gelegenen.&amp;nbsp; Dass es sich sozusagen um einen Fall von höherer Gewalt handelt, eine Naturkatastrophe, der man nicht entkommen kann.&amp;nbsp; Dass man    genug Vorräte gebunkert hat, um für jeden Notfall gerüstet zu sein. Neben der materiellen Vorsorge spielt auch die psychologische Betreuung eine große Rolle. Die Bundesregierung gibt Versprechen ab, die sie gar nicht halten kann, wozu auch Garantien für Sparguthaben gehören, die Bundeskanzlerin geht in Talkshows, um auf ihre Landsleute beruhigend einzuwirken, die Lage sei ernst, aber nicht hoffnungslos, die Krise auch eine Chance, die man nutzen müsse, um Reformen voranzutreiben.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Das alles ist richtig und falsch zugleich. Denn die Politik agiert nicht, sie reagiert. Um die schwächelnde Automobilindustrie anzukurbeln, wird eine „Abwrackprämie“ auf alte Autos eingeführt, die beim Kauf eines neuen Wagens fällig wird. Und schon finden kluge Köpfe einen Weg,  die Prämie zu kassieren, ohne ein altes Auto abzuwracken, es soll auch vorgekommen sein, das ein und derselbe Opel Corsa mehrfach durch die Schrottpresse geschickt wurde. In einer Gesellschaft, in der praktisch alles vom Staat subventioniert wird, ist das nur ein Kavaliersdelikt, wie Schwarzfahren in der S-Bahn zur Rush hour. Völlig ausgeblendet wird dabei, dass „das Auto“ gestern noch als der Umweltverschmutzer Nr. 1 galt, dass die Menschen aufgefordert wurden, ihre Autos öfter stehen zu lassen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Wer in einer Talk-Show bekannt gab, er würde in der Stadt nur noch Fahrrad fahren und für längere Strecken einen Toyota mit Hybridantrieb benutzen, hatte einen moralischen Vorsprung, den er nur verlieren konnte, wenn er sich als Vielflieger outete. Aber solche defensiven Maßnahmen sind nicht genug, um das Volk ruhig zu stellen. Es muss auch offensiv agiert werden, und das ist viel schwieriger. Denn die klassischen Südenböcke – Freimaurer, Juden und Kommunisten – stehen nicht zur Verfügung, Bush ist nicht mehr Präsident der USA und der Preis für Rohöl versteckt sich im Keller der OPEC.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Vor diesem Hintergrund muss man die Ausfälle deutscher Politiker gegen die Schweiz sehen. Es geht nicht darum, dass die Schweiz deutschen Steuersündern hilft, deutsche Gesetze zu brechen, es geht darum, irgendwen oder irgendwas zu finden, den oder das man für die gegenwärtige Lage verantwortlich machen könnte, ohne dabei viel zu riskieren. Früher reichte es, von „Finanzkapital“ und „Ostküste“ zu raunen, um den Zorn der Volksgemeinschaft zu mobilisieren, heute sind es „Steuersünder“ und „Schweizer Nummernkonten“, die für die Misere verantwortlich gemacht werden. Der volkswirtschaftliche Schaden ist zwar gering, die Symbolkraft dagegen gewaltig. Der „kleine Mann“, der seine Kilometerpauschale ein wenig streckt, hat ein feines Gespür für das, was geht und was nicht geht. Das Finanzamt ein wenig betuppen? Macht doch jeder. Das Geld beim Nachbarn deponieren? Das gehört sich nicht. Man fährt auch nicht nach Bayreuth, um dort Oktoberfest zu feiern.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;

&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ZgE1-sJuqBg_5FR3aYsRPFWwPb4/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ZgE1-sJuqBg_5FR3aYsRPFWwPb4/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ZgE1-sJuqBg_5FR3aYsRPFWwPb4/1/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ZgE1-sJuqBg_5FR3aYsRPFWwPb4/1/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="feedflare"&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Kultur</dc:subject>
      <dc:date>2009-03-27T08:45:01+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>In der niedrigen Hütte geht der kluge Mann gebückt</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/in_der_niedrigen_huette_geht_der_kluge_mann_gebueckt/</link>
      <author>vebert@achgut.de (Vince Ebert (Gastautor))</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/in_der_niedrigen_huette_geht_der_kluge_mann_gebueckt/#When:22:53:00Z</guid>
      <description>(Vince Ebert (Gastautor)) &lt;p&gt;Im Jahre 2007 bestätigte eine Emnid-Studie, was wir alle schon intuitiv wussten: Kein Volk der Welt blickt so pessimistisch in die Zukunft wie wir Deutschen. Selbst bei uns Komikern. Ein Kollege von mir war letzte Woche beim medizinischen Routine-Check. Nach der Untersuchung blickte ihn der Arzt besorgt an und sagte: „Tut mir leid, aber Sie haben nur noch etwa ein Jahr zu leben.“ Worauf mein Kollege erwiderte: „Ja, aber von was denn bitteschön...?“ So sind wir Deutschen: immer am Jammern. 
&lt;br /&gt;
Und diese Larmoyanz wird seit Menschengedenken von zahllosen Experten gefördert. Vor 150 Jahren war man sich in der Fachwelt einig, das größte Zukunftsproblem in Großstädten werde der Pferdemist sein. In den 70gern prophezeite der Club of Rome panisch das Ende der weltweiten Ressourcen, in den 80gern sagten die Forstwissenschaftler den Tod des deutschen Waldes voraus. Letztes Jahr fanden amerikanische Wissenschafter sogar heraus, dass es Menschen geben wird, die den Verstand verlieren können, ohne je einen besessen zu haben. 
&lt;br /&gt;
Das zeigt: Prognosen sind extrem schwierig. Besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Eine Erkenntnis, die wir gerne ausblenden. Praktisch alle „seriösen“ Zukunftsszenarien, die jemals entwickelt wurden, haben sich als katastrophale Fehleinschätzungen erwiesen. 
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Chaostheorie. In den 60ger Jahren fand man heraus, dass man über komplexe Systeme, keine eindeutigen Voraussagen über den Verlauf machen kann. Denn diese Systeme sind so empfindlich, dass selbst winzigste Einflüsse enorme Konsequenzen im Gesamtergebnis haben können. Beim System „Wetter“ vermutet man, dass selbst ein einziger Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonasdelta katastrophale Auswirkungen in den Benelux-Staaten haben kann. Deswegen sind derzeit auch drei unabhängige Forschergruppen aus Holland, Luxemburg und Belgien im Amazonasdelta unterwegs, um dieses Insekt zu finden und dingfest zu machen.
&lt;br /&gt;
Chaotische Effekte existieren jedoch nicht nur beim Wetter. Das System Erde-Mond ist zum Beispiel ein klassisches Zweikörper-Problem, das man mit ein wenig Schulmathematik ganz eindeutig berechnen kann. Würde es jedoch noch einen zweiten Mond geben, der um den eigentlichen Mond rotiert, dann wäre dies ein sogenanntes Dreikörperproblem. Und schon dieses System wäre mit keinem Computer der Welt berechenbar. Weil ein System aus drei miteinander gekoppelten Körpern nach kürzester Zeit chaotisches Verhalten zeigt. Möglicherweise lächeln jetzt einige und denken sich: „Hey, diesen Effekt kenne ich doch aus privaten Bereich!“ Solange man vom dem dritten Körper nichts weiß, ist alles in Ordnung. Aber sobald einer Wind davon bekommt, bricht ein unvorhersehbares Chaos aus. 
&lt;br /&gt;
Warum also hören wir trotzdem vollkommen gebannt zu, wenn wieder mal „ausgewiesene Experten“ mit düsterer Mine über den Zusammenbruch der Marktwirtschaft, dem Kollaps des Weltklimas oder gar über das Ende der gesamten Menschheit schwadronieren?
&lt;br /&gt;
Vielleicht haben diese Prognosen für uns den gleichen Stellenwert wie damals bei den alten Griechen das Orakel von Delphi. Auch da ging es nicht unbedingt darum, dass alles genau so eingetroffen ist. Viel wichtiger war das Ritual. Man besuchte das Orakel und fragte: „Und? Wie sieht’s aus?“ und das Orakel dachte lange nach und gab den Menschen dann eine kryptische Lebensweisheit mit auf den Weg: „In der niedrigen Hütte geht der kluge Mann gebückt.“ Und das hat den alten Griechen gereicht.
&lt;br /&gt;
Ein charmanter Gedanke, den man problemlos auch auf die heutige Zeit übertragen könnte. Statt langatmig über drohende Rezessionen oder Inflationen zu referieren, würden die Chefs der großen Wirtschaftsforschungsinstitute einmal im Monat – berauscht durch magische Dämpfe – mit einer mystischen Botschaft aus einer Erdspalte auftauchen: „Wenn Du wissen willst, wie die Konjunktur heute ist, dann schaue heute in die Zeitung. Wenn Du wissen willst, wie die Konjunktur im nächsten Jahr wird, schaue im nächsten Jahr in die Zeitung....“
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mehr von und über Vince Ebert: &lt;a href="http://www.vince-ebert.de/docs/aktuelles/"&gt;http://www.vince-ebert.de/docs/aktuelles/&lt;/a&gt;&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/SKgl9G9ppYiZQtIiWxSuSmda598/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/SKgl9G9ppYiZQtIiWxSuSmda598/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/SKgl9G9ppYiZQtIiWxSuSmda598/1/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/SKgl9G9ppYiZQtIiWxSuSmda598/1/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="feedflare"&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Bunte Welt</dc:subject>
      <dc:date>2009-03-11T22:53:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>United Dogs</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/united_dogs/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) &lt;p&gt;&lt;i&gt;Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 06.03.2009&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Der „Hund of Change“ ist gefunden. Ein portugiesischer Wasserhund wird demnächst ins weiße Haus einziehen. Den Ausschlag gab sein Fell, das nicht haart und für die von einer Allergie geplagten Obama-Töchter am unproblematischsten scheint. Eigentlich sollte der neue First Dog ja aus einem Tierheim geholt werden, da sind reinrassige portugiesische Wasserhunde jedoch kaum anzutreffen. Schade, das wäre ein schöner Doppelschlag gewesen: Guantanamo dichtmachen und gleichzeitig einen armen Hund befreien. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Doch auch so enthält die Hundewahl reichlich politische Symbolik. Ursprünglich soll die Rasse aus dem Zweistromland stammen, dem heutigen Irak, von wo er später auf die iberische Halbinsel gelangte. Der portugiesische Wasserhund ist von mittlerer Statur und trägt die Haare im Gegensatz zu Fußballern der 80er-Jahre vorne lang und hinten kurz. Er ist ein guter Schwimmer, was angesichts der Wirtschaftslage ebenfalls kein Nachteil ist. Früher war der Cão de Agua Portugês ein Begleiter der Fischer, heute ist er wegen seines ausgeglichenen Wesens als Familien- und Therapie-Hund im Einsatz. Der Vierbeiner verkörpert gewissermaßen die neuen sanften Züge der amerikanischen Politik. Barak Obama hat aber auch ganz persönlich eine weise Wahl getroffen. „Wenn Du in Washington einen Freund suchst, kauf Dir einen Hund“, heißt ein bekanntes Bonmot.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Was für Washington gilt, dürfte auch für Berlin gelten, weshalb uns die weitgehende Hunde-Abstinenz deutscher Politiker ein wenig besorgt. Seit sich Hitler mit seiner „Blondi“ ablichten ließ, gelten Hunde hierzulande als nicht besonders Karriere fördernd. Dabei wird Blondi, der „First Bitch“ des Großdeutschen Reiches, unrecht getan. Der Historiker Wolfgang Wippermann schließt aus dem Studium von Fotografien und Quellen, dass Blondi nicht auf Hitlers Werben hereingefallen, sondern Angst gehabt und sich ihm widersetzt habe: „Dieser Schäferhund war schlauer als viele Deutsche.“
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Angesichts des Wahlkampfes dürfen deshalb auch deutsche Politiker wieder über einen Hund nachdenken. Der Status als Nicht-Herrchen könnte sonst als emotionale Kälte ausgelegt werden. Herrchen statt Herrscher, heißt das Erfolgsrezept. Ein treuherziger Dackel zu Gregor Gysis Füssen würde selbst die verschwundenen SED-Milliarden vergessen machen. Wie sich politische Affären mit Hunde-Hilfe überstehen lassen, stellte schon US-Präsident Franklin D. Roosevelt unter Beweis: Ihm wurde Missbrauch von Steuergeldern vorgeworfen, weil er für private Zwecke ein Kriegsschiff der Marine auf die Aleuten entsandt hatte. Roosevelt bekannte daraufhin, er habe lediglich seine dort vergessene Hündin Fala abholen lassen und die Nation verzieh ihm. Eine Lehre für heutige Politiker, die beispielsweise gerne die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Anspruch nehmen. Siegmar Gabriel empfehlen wir deshalb die vorsorgliche Anschaffung eines Windhundes. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/vU2UdSVrYk95YmqFDGf-ZCafQkM/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/vU2UdSVrYk95YmqFDGf-ZCafQkM/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/vU2UdSVrYk95YmqFDGf-ZCafQkM/1/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/vU2UdSVrYk95YmqFDGf-ZCafQkM/1/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="feedflare"&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Bunte Welt</dc:subject>
      <dc:date>2009-03-08T11:08:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Der Konformisten-Test</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/der_konformisten_test/</link>
      <author>dmaxeiner@achgut.de (Dirk Maxeiner)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/der_konformisten_test/#When:15:36:00Z</guid>
      <description>(Dirk Maxeiner) &lt;p&gt;Von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT vom 27.2.2009
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Angesichts der Wiederkehr von taillierten Hemden, Röhrenhosen und Pilotenbrillen fragt sich der Mensch: Haben wir uns damals wirklich so angezogen? Ja, wir haben. Und alle anderen auch. Schließlich konnten wir nicht ahnen, wie komisch so ein Aufzug ein paar Jahrzehnte später auf uns wirken würde.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Und das gilt nicht nur für den modischen, sondern auch für den moralischen Zeitgeist.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Der moralische Zeitgeist gilt zu seiner Zeit stets als ewige Wahrheit. Er ist die Norm dessen, was man zu sagen, zu denken und wie man zu handeln hat. Wer sich außerhalb stellt, muss mit Sanktionen rechnen. Während der Modemuffel nicht mehr zur angesagtesten Party eingeladen wird, wird der Moralmuffel aus der Gemeinschaft der Wohlmeinenden ausgeschlossen. Was übrigens erstaunlich oft auf das Gleiche herauskommt.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Auf einem Wohltätigkeitsball, neudeutsch &amp;#8220;Charity-Event&amp;#8221;, sollte man stets die aktuelle Mode und Moral zur Schau stellen. Aber es führt kein Weg daran vorbei: In 20 oder 30 Jahren wird man die heutige Mode belächeln. Und auch die heutige Weltsicht wird garantiert mit ganz anderen Augen betrachtet. Genau wie wir den moralischen Zeitgeist vergangener Tage in all seiner Fehlerhaftigkeit analysieren, werden dies künftige Generationen mit unseren Ansichten tun. Diejenigen, die heutzutage Politik mit der Sorge um künftige Generationen begründen, würden sich womöglich sehr wundern, was diese künftigen Generationen dereinst von ihnen halten.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Der amerikanische Essayist Paul Graham hat das mal so formuliert: &amp;#8220;Es scheint eine unveränderliche Tatsache der Geschichte zu sein: In jeder Epoche haben Leute Dinge geglaubt, die einfach nur lächerlich waren und die so fest geglaubt wurden, dass man in entsetzliche Schwierigkeiten gekommen wäre, falls man etwas anderes geäußert hätte.&amp;#8221; Die Tatsache auszusprechen, dass die Erde um die Sonne kreist, war einst eine äußerst gewagte Angelegenheit.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Jeder Zeitgeist hat seine Tabus und Dinge, die man besser nicht ausspricht. Heutzutage droht gottlob keine Inquisition mehr, aber durchaus eine Menge Ärger. Doch was genau straft der heutige Zeitgeist ab? Bei der Antwort hilft eine einfache Frage: Gibt es irgendwelche Dinge, die Sie ausgesprochen ungern öffentlich äußern würden? Wenn sie öfter Sachen denken, die sie nicht laut auszusprechen wagen, müssen sie sich aber nicht unbedingt Sorgen machen. Sie können sie ja für sich behalten und in stiller Distanz zum Zeitgeist verharren. Eher nachdenklich sollten Sie werden, wenn sie alles, was sie denken, überall gefahrlos hinausposaunen können. Höchstwahrscheinlich reden sie dann genau das, was man so reden sollte. Die Wahrscheinlichkeit ist dann ziemlich hoch, dass sie auch in der Vergangenheit stets das geglaubt hätten, was der Zeitgeist vorschrieb.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/b96DD4lberJjrWil8PFrBxTT9kI/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/b96DD4lberJjrWil8PFrBxTT9kI/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Kultur</dc:subject>
      <dc:date>2009-03-01T15:36:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Schröder macht Sinn</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/schroeder_macht_sinn/</link>
      <author>mbroder@achgut.de (Henryk M. Broder)</author>
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      <description>(Henryk M. Broder) &lt;p&gt;Erschienen in DIE WELTWOCHE vom 26.2.2009
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Gerhard Schröder war erst kurze Zeit Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, als er in einer Talkshow gefragt wurde, was er von dem damals noch in der Planung befindlichen „Holocaust-Mahnmal“ halten würde. „Ich wünsche mir“, antwortete Schröder, „ein Mahnmal,  zu dem die Menschen gerne hingehen“. 
&lt;br /&gt;
Das ist jetzt zehn Jahre her. Nicht nur Schröder ist älter geworden, auch die Berliner Republik ist gereift. Das Mahnmal wurde „angenommen“, es gehört neben dem Brandenburger Tor und dem umgebauten Reichstag zu den wichtigsten Touristenattraktionen der Hauptstadt. Allein im ersten Jahr nach der Eröffnung im Mai 2005 wurde es von 3.5 Millionen Menschen besucht. Besonders im Sommer wird es gerne von jungen Paaren frequentiert, die ungestört knutschen möchten.So ist Schröders Wunsch Wirklichkeit geworden, wobei man ihm zugute halten muss, dass er es so nicht gemeint hat. Wahrscheinlich wollte er nur sagen: Die Menschen sollen hingehen, ohne sich dazu verpflichtet zu fühlen, freiwillig, wie auf eine Kirmes; und sie sollen den Ort verlassen, ohne sich schuldig zu fühlen, aber um eine emotionale Erfahrung reicher. Die Frage ist nur: Wenn er es so gemeint hat, warum hat er es nicht so gesagt?
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Jetzt war der Alt-Kanzler in Teheran, hat dort vor der iranischen Industrie- und Handelskammer eine Rede gehalten und dabei wieder einen Satz gesagt, den man sehr beliebig interpretieren kann. „Der Holocaust ist eine historische Tatsache. Es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen, für das Hitler-Deutschland verantwortlich ist, zu leugnen.“ Was wollte Schröder damit sagen? Dass der Holocaust eine historische Tatsache ist? Dass Hitler-Deutschland für dieses einmalige Verbrechen verantwortlich ist? Das sind alles Binsen wie „Ich war mal Kanzler“ oder „Mit der SPD geht es bergab“. Die Aussage, auf die es ankommt, sind die Worte: „Es macht keinen Sinn...“ Das ist eine völlig unideologische, praxisorientierte Feststellung. Wäre er in seinem SPD-Unterbezirk gewesen, hätte Schröder gesagt: „Leute, hört auf mit dem Quatsch, ihr macht euch nur lächerlich.“ 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Entscheidend ist nicht, dass Ahmadinejad antisemitische Ressentiments benutzt und bedient, es kommt nur darauf an, dass dies „keinen Sinn“ macht, also kontraproduktiv ist. Denn historische Tatsachen  zu leugnen, kann durchaus „Sinn machen“, also von Vorteil sein. Die alten SED-Kader leugnen, dass es einen Schiessbefehl an der Grenze  zur BRD gegeben hat, die Türken bestehen auch 94 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern darauf, dass nur Kollaborateure und Verräter bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind. Es geht also nicht um Fakten und Fiktionen, sondern um deren Gebrauchs-wert. So betrachtet, macht es in der Tat keinen Sinn, den Holocaust zu leugnen. Es setzt die iranische Führung in ein schlechtes Licht, kostet die Wirtschaft Ansehen und Aufträge.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Der Subtext, den man bei diesen Worten mitlesen muss, lautet: „Gerade wir als Deutsche können es uns nicht leisten, Geschäfte mit einem Land zu machen, dessen Präsident den Holocaust leugnet. Macht es uns doch nicht so schwer...“Denn: den letzten Holocaust zu leugnen, das ist schlimmer, als den nächsten vorzubereiten. Es gehört zum Wesen historischer Tatsachen, dass sie in der Vergangenheit liegen, während über die Zukunft nur gemutmaßt werden kann. Und so lange Ahmadinejad nicht unter notarieller Aufsicht zu Protokoll gibt, dass er den Befehl zur Vernichtung Israels geben wird, gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Er wünscht sich nur „A world without Zionism“, erklärt Israel zu einem „Krebsgeschwür“ und sagt dem „zionistischen Gebilde“ ein baldiges Ende voraus. Aus alldem zu schließen, er bereite die zweite Endlösung der Judenfrage vor, wäre unfair und voreilig. Und deswegen hat Altkanzler Schröder den iranischen Präsidenten nicht aufgefordert, seine Drohungen aufzugeben und sein atomares Programm einzustellen, er hat ihn nur darauf hingewiesen, dass es „keinen Sinn“ macht, den Holocaust zu leugnen. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Und wenn der iranische Präsident mit seiner Doppelstrategie nicht aufhört und Israel tatsächlich eines Tages von der Landkarte bzw. aus den Seiten der Geschichte verschwinden sollte, könnte in Berlin ein weiteres Mahnmal gebaut werden. Ein Ort, zu dem die Menschen wirklich gerne hingehen. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;

&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Uk6jlCAL1vxmBMuGZhXiZv5FDr0/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Uk6jlCAL1vxmBMuGZhXiZv5FDr0/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Inland</dc:subject>
      <dc:date>2009-02-27T09:07:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Mit Elefantenmist in die Zukunft</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/mit_elefantenmist_in_die_zukunft/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/mit_elefantenmist_in_die_zukunft/#When:22:05:00Z</guid>
      <description>(Michael Miersch) &lt;p&gt;&lt;i&gt;Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 20.02.2009&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
München ist ganz doll öko. Die Stadtwerke betreiben ein Windrad auf einem früheren Müllberg. Jeder, der von Norden in die Stadt kommt, sieht es. Manche sagen, es sei bekannter als die Frauenkirche. Über dieses Windrad gibt es eine bunte Broschüre, die erklärt, wie bedeutend es für die Stromversorgung ist. Auch die Elefanten im Tierpark Hellabrunn leisten einen Beitrag, damit München leuchtet. Ihr Dung wird in einer Biogasanlage vergoren. Das daraus gewonnene Gas dient als Brennstoff für ein Blockheizkraftwerk. Auch darüber gibt es eine schöne Publikation. Wer in München wohnt, hat immer wieder Broschüren im Briefkasten, in denen die Stadtwerke kundtun, wie wunderbar grün sie sind. Darin klingeln die Worte wie die Glöckchen am Rathausturm: alternativ, regenerativ, öko. Leider gibt es keine Broschüre über das Atomkraftwerk Isar 2, an dem die Stadtwerke München zu 25 Prozent beteiligt sind. Dabei könnte man auch von dort Interessantes berichten. Isar 2 war schon viermal der produktivste Kernkraftwerksblock der Welt. Aber das scheint den Stadtwerken irgendwie peinlich zu sein. Womit wir beim Problem wären. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Politiker beklagen gern, dass die Bevölkerung so technologiefeindlich sei. Viele Deutsche würden nicht begreifen, wie wichtig Atomkraft für die Stromversorgung ist oder welche Potenziale in der Grünen Gentechnik stecken. Doch wie sollen die Normalbürger darauf kommen, wenn man diese Technologien vor ihnen versteckt? Wenn Atomkraftwerke hinter einer bunten Kulisse aus Windrädchen und Elefantenbiogas verschwinden. In der politischen Rhetorik wird ein technologischer Märchenpark herbeiphantasiert, der immer weniger mit der Realität zu tun hat.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Das ist nicht nur in München so. Frau Aigner und die CSU haben sich fest vorgenommen, ganz Deutschland zum Märchenpark zu machen. Anstatt die Falschbehauptungen der Anti-Gentechnik-Aktivisten entschlossen zu widerlegen, stellt sich die Landwirtschaftministerin an die Spitze der Bewegung und verzaubert Deutschland – simsalabim – zur gentechnikfreien Zone. Doch unsere Stalltiere werden mit gentechnisch veränderter Soja gemästet, unsere Lebensmittel mit gentechnisch erzeugten Enzymen und Aminosäuren hergestellt. Millionen Diabetiker und andere Kranke nehmen tagtäglich Medikamente aus gentechnischer Produktion zu sich. Was zu der absurden Konstellation führt, dass Menschen sich gentechnisch erzeugte Substanzen in die Blutbahn spritzen lassen, sich aber vor Popcorn aus Genmais grausen. Millionen deutsche Touristen, die nach Kanada, Australien, Brasilien, China oder in die Vereinigten Staaten reisen, essen dort Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen. Unser Geld besteht aus gentechnisch veränderter Baumwolle, ebenso wie T-Shirts und Tampons. Willkommen im gentechnikfreien Deutschland. Es ist so gentechnikfrei wie München atomkraftfrei ist. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/rNa2459kXdyyCEyjtNG5mUzLCrs/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/rNa2459kXdyyCEyjtNG5mUzLCrs/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Inland, Kultur, Wissen</dc:subject>
      <dc:date>2009-02-23T22:05:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Virtuelle Werte</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/virtuelle_werte/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/virtuelle_werte/#When:12:41:00Z</guid>
      <description>(Michael Miersch) &lt;p&gt;&lt;i&gt;Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 13.02.2009&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Als störrische Optimisten suchen wir nach dem Guten in der Krise. Und wenn man nur lange genug sucht, findet man auch einiges. Zum Beispiel war es uns noch nie so angenehm wie zurzeit, nicht reich zu sein. Wir müssen nicht um giftige Papiere und windige Finanzkonstrukte zittern. Ganz entspannend eigentlich. Anders als bei manchen früheren Konjunktureinbrüchen trifft es nicht nur die Falschen. Sondern auch die, die meinten, die Produktion von Waren und die Bereitstellungen von Dienstleistungen sei eine veraltete Methode, Geld zu verdienen. Wir hatten dieses Aufeinanderstapeln von Schulden ohnehin nie richtig verstanden, litten dabei aber unter dem unbestimmten Gefühl, doof zu sein, und nicht zu kapieren, wie richtig Geld gemacht wird. Nun entpuppen sich die so kunstvoll konstruieren Werte als virtuell. Dumm gelaufen. Wir wollen ja nicht hämisch sein, aber wie viele Menschen ohne ausgeprägtes Finanztalent, empfinden wir beim Anblick von Börsenmaklern mit Pappkartons unterm Arm ein Quäntchen weniger Mitleid, als bei Bildern aus Darfur oder dem Kongo. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Nicht allein die Reichtümer waren virtuell, auch die Armut in den wohlhabenden Ländern des Westens ist teilweise eher theoretischer Natur Die Krise könnte zum Nachdenken über einige Prämissen der Sozialstatistik anregen. Es ist gut möglich, schrieb kürzlich Kristian Niemietz, vom britischen Think Tank Institute for Economic Affairs, dass die Armutsforscher vor einem Rätsel stehen, wenn die Krise vorbei ist. Die Statistik könnte möglicherweise einen Rückgang der Armut zeigen. Das wäre nicht das erste Mal. Die Joseph Rowntree Foundation fand heraus: „Da die Altersrenten im Wesentliche fix sind, fällt in Rezessionen tendenziell die Alteraarmut. Die Rentner stehen relativ zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, besser da. In wirtschaftlich guten Zeiten dagegen steigt die Altersarmut.“ Hintergrund dieses paradoxen Effekts ist die Art und Weise, wie Armut in den Industrieländern gemessen wird. In den meisten europäischen Staaten wird als arm definiert, wer weniger als sechzig Prozent des jeweiligen statistischen Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Kriegen allen weniger, sinkt der Durchschnitt und die Relation verschiebt sich - mit dem Effekt, dass die Armen zwar genauso arm sind wie vorher, aber reicher erscheinen.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Die viel bemühten Vergleiche mit der Weltwirtschaftkrise von 1929 scheinen uns ohnehin ein wenig überspitzt. Den Arbeitslosen von damals mangelte es an Fleisch in der Suppe und Kohle im Ofen, nicht an Flachbildschirmen und Urlaubsreisen. Aber wahrscheinlich spricht nur neoliberale Herzenskälte aus uns, wenn wir so etwas erwähnen. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Noch eine kleine Zukunftsspekulation sei erlaubt: Die nächste Regierung wird verkünden, der Rückgang der Armut sei ein Ergebnis ihrer vorbildlichen Sozialpolitik. Wir gratulieren schon heute.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;

&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/gbeGpr-bGhb0ehFgvWZBgfsdnc4/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/gbeGpr-bGhb0ehFgvWZBgfsdnc4/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
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      <dc:date>2009-02-17T12:41:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Die Nackten und die Kinderreichen</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/die_nackten_und_die_kinderreichen/</link>
      <author>mbroder@achgut.de (Henryk M. Broder)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/die_nackten_und_die_kinderreichen/#When:20:54:00Z</guid>
      <description>(Henryk M. Broder) &lt;p&gt;Es ist an der Zeit, auch mal etwas Gutes über die Deutschen zu sagen. In der großen Mehrzahl sind sie weder Antisemiten noch Rassisten, sie wählen weder links- noch rechtsradikal, und auch in der Krise verhalten sie sich vernünftig: sie kaufen ein und sorgen damit für Umsatz und Geldschöpfung. Wenn sie demonstrieren, tun sie es auf eine zivilisierte Art, von den Anarchos im Schwarzen Block einmal abgesehen. Sie lassen sich vom Finanzamt ausrauben und von „Bürgern mit Migrationshintergrund“ als „Schweinefleischfresser“ beschimpfen, ohne böse zu werden. Wenn irgendwo ein Kind entführt oder ein Busschaffner zusammengeschlagen wird, dann fragen sie nicht, wie es dem Opfer geht, sondern ob der Täter vielleicht eine schwierige Kindheit hatte, die ihn auf die schiefe Bahn geraten ließ. Sie freuen sich, wenn in den Städten Moscheen und auf dem Lande Windkraftwerke gebaut werden. Sie trennen ihren Müll, und wenn sie übers Wochenende auf die Malediven fliegen, dann zahlen sie zum Ausgleich freiwillig einen Obolus an einen Umweltfond. Im Großen und Ganzen sind sie hilfsbereit, friedlich und gutmütig. Während sie ab und zu ihre Regierung abwählen, käme die Regierung nie auf die Idee, sich ein anderes Volk zu wählen.
&lt;br /&gt;
Wie gutmütig die Deutschen sind, was sie sich alles bieten lassen, ohne auszurasten, kann man immer wieder an konkreten Fällen erleben.
&lt;br /&gt;
Letzte Woche gab es bei RTL eine Reportage über Exhibitionisten und Nudisten. Unter anderem Ehepaare, die sich bei Sexspielen filmen und die Videos ins Netz stellen. Das mag ein wenig exzentrisch sein, aber sie tun es wenigstens auf eigene Rechnung. Ganz anders ein praktizierender Nudist, der mit 28 Jahren beschloss, alle Kleider abzulegen und nackt durchs Leben zu gehen. Heute ist er 44 und läuft nur mit Sandalen an den Füßen und einer Plastiktüte in der Hand durch Frankfurt-Sachsenhausen. Weil er sich beharrlich weigert, auch nur ein Nachthemd anzuziehen, darf er keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und in keinem Supermarkt einkaufen. Alles, was er zum leben braucht, bekommt er an einer Tankstelle. Der Mann ist nicht dumm, er ist gesund, eloquent und auf seine Weise witzig. „Schwule dürfen heiraten, und ich darf nicht nackt herumlaufen?“ Auch sonst wird er schwer diskriminiert, z.B. wenn er einen Arzt besuchen möchte.
&lt;br /&gt;
Irgendwann wird das Geheimnis seiner Existenz enthüllt: Er lebt von Sozialhilfe, denn natürlich gibt es keinen Job, den er nackt verrichten könnte. Das heißt, seine Lebensart, sein Hobby wird von denjenigen finanziert, die sich angezogen den Strapazen einer täglichen Beschäftigung unterziehen, als Busfahrer, Müllmänner, Kellner, Verkäuferinnen und Krankenschwestern. Offenbar hat im Laufe von 16 Jahren kein Betreuer im Sozialamt es für nötig gehalten, dem passionierten Nudisten zu sagen: Wir kaufen dir ein Hemd und eine Hose, für alles Übrige musst du selber sorgen. 
&lt;br /&gt;
Nur einen Tag später ging das Drama „Menschen in Not“ weiter, diesmal in einer Talkshow der ARD. Eingeladen war eine neunköpfige Familie – Mutter, Vater und sieben Kinder -, die von etwa 2.800.- Euro im Monat leben musste und sich darüber beklagte, dass sie von der Gesellschaft im Stich gelassen wurde. Die Eltern, beide Mitte 30,  hatten keine Berufsausbildung, die Mutter hatte offenbar daheim die Hosen an, die Kinder wirkten nicht verwahrlost, nur der mundfaule Vater machte den Eindruck, als wäre er gegen seinen Willen aus einer Kneipe in das TV-Studio verschleppt worden. 
&lt;br /&gt;
Die Moderatorin gab sich alle Mühe, die dunklen Seiten im Leben der Familie herauszuarbeiten, die sich nicht einmal einen gemeinsamen Urlaub leisten konnte, sie verzichtete allerdings darauf, die Frage zu stellen, warum zwei Menschen, die kaum für sich selber sorgen können, sieben Kinder in die Welt setzen müssen. Die Begriffe „Familienplanung“ und  „Verantwortung“ fielen nicht, so dass man annehmen musste, sieben Kinder gezeugt und geboren zu haben, wäre bereits ein angemessener Beitrag zum Bruttosozialprodukt, der entsprechend entlohnt werden sollte.
&lt;br /&gt;
So sieht es also derzeit in Deutschland aus. Soziale Kälte, wohin man schaut; nackte Menschen trotzen dem Wetter, junge Paare suchen Trost in der primären Begegnung. Im Norden baut sich ein Islandtief auf und vom Süden weht ein rauer Wind. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;i&gt;Erschienen in DIE WELTWOCHE Nr.7/2009&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Und hier kommt Jörg:
&lt;br /&gt;
&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=UCroG7bH5nI"&gt;http://www.youtube.com/watch?v=UCroG7bH5nI&lt;/a&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Hf3BYi077EJSYOrLUVRWYhJHIdY/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Hf3BYi077EJSYOrLUVRWYhJHIdY/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Hf3BYi077EJSYOrLUVRWYhJHIdY/1/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Hf3BYi077EJSYOrLUVRWYhJHIdY/1/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="feedflare"&gt;
&lt;a href="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?a=4CxH1jkf"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?d=41" border="0"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt; &lt;a href="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?a=mSZlFWef"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?d=50" border="0"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt; &lt;a href="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?a=uzBvrY3a"&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~f/AchgutKolumnen?i=uzBvrY3a" border="0"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;
&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Inland, Kultur, Bunte Welt</dc:subject>
      <dc:date>2009-02-12T20:54:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Partytime in Teheran</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/partytime_in_teheran/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/partytime_in_teheran/#When:10:38:00Z</guid>
      <description>(Michael Miersch) &lt;p&gt;Als wir am 20. Januar vor dem Fernseher Barack Obama zuhörten, freuten wir uns an zwei Stellen seiner Rede ganz besonders. Erstens als er die Bedeutung der Wissenschaft für die Gesellschaft hervorhob und zweitens als er bei der Aufzählung der multi-religiösen Vielfalt Amerikas als erster Präsident auch die Atheisten nannte. Es war uns, als hätte jemand eine Kerze in einer Höhle angezündet. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Seit Ende der siebziger Jahre Karol Wojtila Papst wurde und Ruhollah Chomeini die Macht im Iran übernahm, mischte die Religion wieder kräftig in der Weltgeschichte mit (im Falle Wojtilas mit dem durchaus erfreulichen Resultat, dass die Ersatzreligion Kommunismus zusammenbrach). Schritt für Schritt eroberten die Kirchen ihre verlorene Deutungshoheit zurück. Bekenntnisse, die zuvor belächelt wurden, waren wieder salonfähig. Meinungsmacher im Kulturbetrieb bekannten sich zum Papst oder mindestens zum Dalai Lama. Sie interpretierten jeden leichten Rückgang bei den Kircheaustritten als kraftvolle Rückkehr der Religion. Bei Manchen provozierte der Blutrausch der Islamisten eine ängstlichen Rückzug aufs Christentum als einem sicheren Fundament abendländischer Kultur. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Doch auf dem Höhepunkt ihrer neuen Hegemonie geraten die Gottesmänner ins Straucheln. Mit Leidensmiene schlagen frisch Bekehrte nun morgens die Zeitungen auf, um zu lesen, mit welchen obskuren Gestalten man sich im Vatikan versöhnt hat. Sind wir noch Papst?
&lt;br /&gt;
 
&lt;br /&gt;
Risse in der religiösen Lufthoheit zeigten sich bereits 2007 als ausgerechnet im frommen Amerika die Bücher prominenter Atheisten wie Richard Dawkins und Christopher Hitchens die Bestsellerlisten eroberten. In London und Barcelona prangt neuerdings an hunderten von Bussen der Slogan: „Wahrscheinlich gibt s keinen Gott – hört auf euch Sorgen zu machen und genießt das Leben.“ Das ist sicherlich noch keine Trendwende, es könnten aber Anzeichen einer Neubesinnung sein. Manchen die angesichts des islamischen Furors in Kirchennähe Schutz suchten, denken wieder grundsätzlicher über die Ungeheuer des Irrationalismus nach. 
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Es kann nur gut für das geistige Klima sein, wenn Zweifel an Himmel und Hölle selbstbewusst geäußert werden. Über viele Absurditäten des Glaubens wurden in den vergangene Jahren zu wenig geredet. Kritik galt als verstaubt und kleinkarriert. Doch das inhumane katholische Verbot der Empfängnisverhütung und des sexuellen Gesundheitsschutzes ist dadurch nicht weniger skandalös geworden.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
Die erfreulichsten Nachrichten über die Erosion der Bigotterie erreichen uns aus Teheran. Dort versagt eine breite Jugendkultur den Mullahs die Gefolgschaft. „Da Sexualität und Körper zum Kampfplatz geworden sind, auf dem das iranische Regime seine Macht ausübt,“ sagte die Anthropologin Pardis Mahdavi, „wollen nun die Jugendlichen ihrerseits Sexualität benutzen, um die moralischen Grundlagen des Regimes in Frage zu stellen.“ Man kann ihnen dazu nur viel Erfolg wünschen – und viel Spaß natürlich.
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;i&gt;Die Kolumne erschien in DIE WELT am 06.02.2009&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/mMeWNa53RbvwIT-i4bXAV8g-zms/0/da"&gt;&lt;img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/mMeWNa53RbvwIT-i4bXAV8g-zms/0/di" border="0" ismap="true"&gt;&lt;/img&gt;&lt;/a&gt;&lt;br/&gt;
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&lt;/div&gt;</description>
      <dc:subject>Kultur, Bunte Welt</dc:subject>
      <dc:date>2009-02-08T10:38:00+01:00</dc:date>
    </item>

    <item>
      <title>Quantenmechanik ist keine Fußmassage</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/quantenmechanik_ist_keine_fussmassage/</link>
      <author>vebert@achgut.de (Vince Ebert (Gastautor))</author>
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      <description>(Vince Ebert (Gastautor)) &lt;p&gt;Naturwissenschaftler haben in der heutigen Zeit ein eher schlechtes Image – fast vergleichbar mit Attentätern oder Amokläufern. Die Allgemeinheit findet den Job total spannend, gleichzeitig will aber keiner etwas mit denen zu tun haben, die ihn ausüben. Wenn ich auf einer Party erzähle, dass ich Vorlesungen in Kernphysik besucht habe, dann glauben die Leute sofort, ich würde in meinem Hobbykeller Plutonium anreichern. Das stimmt natürlich, aber was ist daran so schlimm?
&lt;br /&gt;
Gründe für dieses Imageproblem gibt es viele. In Filmen oder in der Literatur wird der Wissenschaftler seit jeher als gefährlicher Psychopath dargestellt, der sich als Gott aufspielt: Dr. Faustus bei Goethe, Dr. Frankenstein bei Mary Shelly oder Dr. Brinkmann in der Schwarzwaldklinik. Dabei ist wissenschaftlicher Fortschritt erst einmal nie gut oder schlecht. Es kommt immer auf die Anwendung an. Mit einem Laser kann man eine Pershingrakete steuern oder im CD-Player Roberto Blanco hören. Was ist schlimmer?
&lt;br /&gt;
Bedauerlicherweise ignorieren viele Menschen, dass es gerade die Wissenschaften waren, die uns ein angenehmes Leben ermöglicht haben. Der Ottomotor, der Kühlschrank oder die Röntgenstrahlen haben unsere Lebensqualität immens verbessert. Ohne die Erfindung der Glühbirne müssten wir sogar heute noch bei Kerzenlicht fernsehen. 
&lt;br /&gt;
Wir alle sind Nutznießer von lebensrettenden Maßnahmen, die im letzten Jahrhundert von klugen Naturwissenschaftlern entwickelt wurden: sauberes Wasser, Impfungen, Antibiotika, Insulin, Hormone, schmerzstillende Mittel. Dadurch hat sich die Lebenserwartung in kürzester Zeit fast verdoppelt. Vor 100 Jahren gab es so wenig 70-Jährige, weil die meisten 70-Jährigen nicht über 40 wurden. Es gab keine künstlichen Hüftgelenke, keine Betablocker und keine lila Dauerwelle. Die Menschen waren katastrophal ernährt. Fast so schlecht wie heute die Supermodels. 
&lt;br /&gt;
Trotz dieser unglaublichen Erfolge haben Naturwissenschaftler in unserer Gesellschaft einen schlechten Ruf. Fortschritt und Technologie werden für die atomare Bedrohung verantwortlich gemacht, für Umweltverschmutzung, ja sogar für die allgemeine Entmenschlichung. Das ist genauso, als würde man Newton für Flugzeugabstürze verurteilen, nur weil er die Theorie der Schwerkraft entwickelt hat.
&lt;br /&gt;
So haben wir es derzeit mit der paradoxen Situation zu tun, dass die Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten praktisch alle Schlachten gewonnen, aber den Krieg trotzdem verloren hat. In der öffentlichen Wahrnehmung spielt die forschende Zunft eine immer unbedeutendere Nebenrolle. Unter den 100 einflussreichsten Intellektuellen in Deutschland sind gerade mal zwei Naturwissenschaftler. Die Diskussion über Leben und Tod, Gut und Böse, Arm und Reich wird in diesem Land hauptsächlich von Journalisten, Schriftstellern, Theaterleuten oder Theologen geführt. Personengruppen, die Ängste schüren und Dinge verteufeln, von denen sie oft nicht einmal im Ansatz verstehen, was diese bedeuten. 
&lt;br /&gt;
Wieso geht man wie selbstverständlich davon aus, dass Günter Grass genauso viel über die Globalisierung weiß, wie ein Ökonomieprofessor? Warum glaubt man, ein katholischer Abt könne zur Stammzellenforschung Profunderes beitragen als ein Molekularbiologe? Etwa, weil sich Mönche durch Zellteilung vermehren?
&lt;br /&gt;
Noch niemals waren die Naturwissenschaften erfolgreicher, noch nie waren ihre Auswirkungen auf unser Leben gewaltiger, und doch sind die Ideen und Theorien vielen, selbst gebildeten Menschen, vollkommen fremd. Es ist erstaunlich, dass ein Großteil der Deutschen fälschlicherweise glaubt, durch den Verzehr von Gentomaten würden die eigenen Gene verändert werden. Oder dass künstlich erzeugte Radioaktivität grundsätzlich gefährlicher ist als natürliche. Einigen ist sogar schleierhaft, warum ein Föhn trotzdem geht, obwohl ein Knoten im Kabel ist.
&lt;br /&gt;
Doch das eigentlich Frustrierende ist: Die meisten sehen das noch nicht mal als Problem. In intellektuellen Kreisen gilt es zwar als verpönt, nicht zu wissen, worin sich Faust I von Faust II unterscheidet, gleichzeitig brüstet man sich aber damit, keine Ahnung über den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu haben. Wenn Sie damit kokettieren, dass Sie Quantenmechanik für eine Fußmassage halten, gelten Sie im deutschen Bildungsbürgertum als cooler Typ. 
&lt;br /&gt;
Vor einigen Jahren schrieb der Literaturprofessor Dietrich Schwanitz in seinem Besteller Bildung: „Die naturwissenschaftlichen Kenntnisse werden zwar in der Schule gelehrt; sie tragen auch einiges zum Verständnis der Natur, aber wenig zum Verständnis der Kultur bei. Naturwissenschaftliche Kenntnisse müssen zwar nicht versteckt werden, aber zur Bildung gehören sie nicht.“
&lt;br /&gt;
Eine – wie ich finde – sehr arrogante Haltung. Denn wer Naturwissenschaft betreibt, lernt nicht nur etwas über Formeln und Zahlen, sondern er lernt, wie die Welt funktioniert, wo Erkenntnisgrenzen sind und er lernt vor allem, was Wissenschaft bedeutet: skeptisch zu sein, kritische Fragen zu stellen, Autoritäten nicht blind zu vertrauen. Deswegen ist es auch kein Zufall, dass Wissenschaft und Demokratie zum gleichen Zeitpunkt entstanden sind: im alten Griechenland. 
&lt;br /&gt;
Die Werte der Naturwissenschaften und die der Demokratie gleichen sich und können in vielen Fällen nicht unterschieden werden. Beide bestehen auf vernünftiges Denken und Aufrichtigkeit. Beide sind an keine privilegierten Positionen gebunden, fördern den freien Austausch von Ideen, unkonventionellen Meinungen und lieben den leidenschaftlichen Diskurs. 
&lt;br /&gt;
Der Nobelpreisträger Richard Feynmann sagte dazu treffend: „Naturwissenschaft ist eine lange Geschichte, wie wir gelernt haben, uns nichts mehr vorzumachen.“ Noch vor 400 Jahren wurde jedes Unwetter und jede Krankheit, alles was irgendwie außerhalb der Normalität war, dem Hexenwerk zugeschrieben. Heute liefern Molekularbiologie und Meteorologie eine Erklärung für das, was noch vor wenigen Jahrhunderten ausgereicht hat, um Frauen zu verbrennen. 
&lt;br /&gt;
Das größte Geschenk der Wissenschaft besteht darin, dass sie uns etwas über den Gebrauch von geistiger Freiheit lehrt. Lernen, die richtigen Fragen zu stellen; zu überprüfen, welche Gründe verlässlich sind und sich bewusst sein, dass man vieles nur sehr unzulänglich weiß. Ist das etwa keine kulturelle Leistung, Herr Professor?
&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;i&gt;Von Vince Ebert erschien kürzlich das Buch &amp;#8220;Denken Sie selbst, sonst tun es andere für Sie!&amp;#8221; (Rowohlt)&lt;/i&gt;
&lt;/p&gt;
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      <dc:subject>Kultur, Wissen</dc:subject>
      <dc:date>2009-02-05T15:17:00+01:00</dc:date>
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