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    <title>Achgut: Kolumnen</title>
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    <description>Kolumnen der Mitglieder des publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten</description>
    <dc:language>de</dc:language>
    <dc:creator>info@achgut.de</dc:creator>
    <dc:rights>Copyright 2008</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-09T14:45:00+01:00</dc:date>
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      <title>Aussterbende Artenkenntnis</title>
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      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 09.05.2008


In zehn Tagen beginnt in Bonn die große Konferenz zur biologischen Vielfalt. 5000 Teilnehmer aus 190 Ländern werden erwartet. Hoffentlich wird sie mehr sein als eine weitere folgenlose Weltkonferenz. Ein paar praktische Konsequenzen wären sehr willkommen. Das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten ist kein Öko-Hype  sondern eine traurige und vielfach bewiesene Tatsache. Das Schlimmste daran ist: Aussterben lässt sich nicht rückgängig machen. Umwelttechnik kann die Luftverschmutzung abstellen und Flüsse sanieren – doch keine verlorene Art zurückholen. 


Aber vielleicht vermisst ja auch keiner etwas, wenn Tiere oder Pflanzen verschwinden. Dass legt zumindest eine Umfrage nahe, die Wissenschaftler der Fachhochschule Weihenstephan zusammen mit dem Bayerischen Landesbund für Vogelschutz durchgeführt haben. Sie befragten 3228 bayerische Schüler aller Schulformen nach den zwölf häufigsten Vogelarten des Landes. Das Ergebnis stimmt nicht gerade öko-optimistisch. Den Buchfinken, die häufigste Vogelart Bayerns, die obendrein durch buntes Gefieder und prägnanten Gesang auffällt, kann nur jeder Zwanzigste identifizieren. Im Durchschnitt kennen die Kinder vier Vogelarten. Selbst der Spatz ist nur noch einem Drittel bekannt und acht Prozent können nicht einen einzigen Vogel richtig bestimmen. 


Das Bild passt zu dem, was uns Wissenschaftler aus biologischen Forschungseinrichtungen berichten: Ihre Studenten verfügen in der Regel über mangelhafte Artenkenntnisse. Die Identifikation mancher Insekten in den naturkundlichen Sammlungen obliegt engagierten Laien, die sich die Kenntnisse autodidaktisch erworben haben. Leider sind diese Laien fast ausnahmslos im Rentenalter. 


Wie kommt es, dass in einer Gesellschaft, die dauernd Öko-Alarm ruft und die die Natur zum Paradies verkitscht, sich  kaum mehr jemand in der Natur auskennen mag? Wenn die Natur so etwas Schönes ist ist, wie alle behaupten, warum interessiert sich niemand für sie? Die Weihenstephaner Wissenschaftler sagen, dass das praktische Naturwissen früher hauptsächlich vom Großvater auf die Enkel übertragen wurde – was heute immer seltener stattfindet. Die Schulen schließen diese Wissenslücke nicht. Im Gegenteil: Die Biologie – von der alle sagen, sie sei die Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts – führt ein Schattendasein. Bayerische Realschüler der 6. Klasse bekommen nur eine Stunde Bio pro Woche. Für die heimischen Vögel kann der Lehrer nicht mehr als ein bis zwei Stunden im Jahr verwenden. Wir möchten zwei Gründe ergänzen: Übertriebene Naturschutzbestimmungen verbieten den sinnlichen Zugang, der die Aufmerksamkeit von Kindern am besten weckt. Es ist heute verboten Kaulquappen zu fangen, um ihre Wandlung zum Frosch zuhause zu beobachten. Und viertens tragen die Umweltverbände selbst eine Mitschuld: Vor lauter Apokalypsenrhetorik haben sie vergessen, den Menschen die Natur zu erklären.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Inland, Kultur, Wissen</dc:subject>
      <dc:date>2008-05-09T13:45:00+01:00</dc:date>
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      <title>Feindbild Mensch</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/feindbild_mensch/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
      <guid>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/feindbild_mensch/#When:05:37:00Z</guid>
      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 02.05.2008


Wie kann man Rohstoffverbrauch und Emissionen durch neue Technologien vermindern? So lautete das Thema einer Podiumsdebatte, die wir vor ein paar Tagen besuchten. Ein Teilnehmer formulierte folgende These: „Das ist doch alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir müssen endlich dafür sorgen, dass sich die Menschen nicht weiter vermehren!“ Nach der Veranstaltung erzählte ein Öko-Spaßvogel einen Witz: „Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine: ‚Du siehst aber schlecht aus. Fehlt Dir was?’ Sagt der Zweite: ‚Ach mir geht’s gar nicht gut. Ich habe homo sapiens.’ Tröstet ihn der andere: ‚Mach Dir keine Sorgen, das geht schnell vorbei’.“ Solches hört man in jüngster Zeit immer öfter. Auf einem Blog der Wochenzeitung Die Zeit schreibt ein Leser: „Wir haben die Wahl zwischen harten, aber humanen Geburtenstoppmaßnah¬men, die das Übel an der Wurzel packen - und unserem selbstverschuldeten elenden Dahinsiechen.“ 


Auch Fred Pearce, der prominenteste britische Umweltjournalist, sieht sich immer öfter mit solchen Tönen konfrontiert. Eine wirkungsmächtige Strömung der Umweltbewegung betrachte die Menschen der Entwicklungs- und Schwellenländer als eine Plage für den Planeten, die dringend reduziert werden müsse. „Das  Echo wird lauter,“ schreibt er, dafür sorge schon die wachsende Lebensmittel-Knappheit. Sein Resümee: „Seien Sie gewarnt, ein grüner Faschismus könnte bald auf dem Vormarsch sein.“ 


Neu ist das alles nicht. Alexander King, einer der Gründer des Club of Rome, meinte zum Thema der Malariabekämpfung: „Mein Problem ist, dass es die Überbevölkerung verstärkt.“ Der Verhaltensforscher und Umweltaktivist Konrad Lorenz bekannte in einem seiner letzten Interviews: „Gegen Überbevölke¬rung hat die Menschheit nichts Vernünftiges unternommen. Man könnte daher eine gewisse Sympathie für Aids bekommen.“ Und er fügte hinzu: „Es zeigt sich, dass die ethischen Menschen nicht so viele Kinder haben und sich die Gangster unbegrenzt und sorglos weitervermehren.“ 


Zuviel sind immer die anderen. Besonders seit sie Konkurrenten sind. Anstatt - wie vor 30 Jahren vielfach prophezeit - zu verhungern, machen uns heute Inder und Chinesen die Märkte streitig. Ihr Problem war nicht die hohe Bevölkerungszahl. Und dies gilt auch für das bis heute arm gebliebene Afrika. Die Populationsdichte Afrikas ist niedriger als die der USA (ganz zu schweigen von Deutschland oder Japan). Eine Verminderung der Menschenzahl schafft keinen Wohlstand. Menschen entkommen der Armut sobald sie die Möglichkeiten haben Wissen zu erwerben und über den Tag hinaus zu wirtschaften. Die Misantrophen stellen diese Einsicht auf den Kopf, wenn sie den Fortschritt zum Teil des Problems erklären. So wird ihre Technikfeindlichkeit zur Menschenfeindlichkeit.


Die besten Kolumnen von Maxeiner &amp;amp; Miersch sind soeben als Buch erschienen („Frohe Botschaften“, wjs-Verlag)&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Kultur, Wissen</dc:subject>
      <dc:date>2008-05-02T05:37:00+01:00</dc:date>
    </item>

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      <title>Seichtgrün</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/seichtgruen/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 25.04.2008


Zeitschriften werden schon lange nicht mehr aus einer Idee geboren, sondern als „Anzeigenumfeld“ konzipiert. Wer durch die überquellenden Auslagen der Kioske blättert, merkt bald: Es gibt keine Vielfalt sondern leider nur bunte Einfalt. Der jüngste Klon aus der endlosen Reihe dieser Wir-sind-alle-super-drauf-Produkte heißt  „IVY“. Nach eigenem Bekunden ist es „Deutschlands erstes Magazin für den grünen Lifestyle.“ Im Editorial ist von „Avantgarde“ die Rede und im Inneren stellt sich die neue „Biohème“ vor. Und alle wollen dabei sein: Von BMW bis Volvo, von Adidas bis Pirelli, von Siemens bis Toyota reicht die Palette der Anzeigen.


Ganzheitlichkeit heißt offenbar, dass die Anzeigen vom redaktionellen Teil kaum zu unterscheiden sind. Aber das macht nichts, denn die Botschaft ist überall die gleiche: Sei konsumfreudig, cool und irgendwie gut und öko. Die wichtigste Vokabel lautet dabei „irgendwie“. Denn was tatsächlich gut für die Umwelt ist, erfährt man nicht. Einmal wird ausgerechnet Baumwolle als „ökologisches Material“ gepriesen. Der eine Schuh wird empfohlen weil er aus echtem Leder ist, der andere weil er aus Kunststoff ist, für den kein Tier sterben musste. Hauptsache wir „meditieren, was man denn als nächstes kaufen könnte.“ In einer Umfrage plädieren acht von acht Gefragten für Biokost. Die schon deswegen besser sei, weil die Hörner der Kuh ihre Energie nach innen richten. So wechseln sich Seite für Seite Wohlfühl-Plattitüden mit Esoterik und Falschbehauptungen ab. „Al Gore ist das Zentrum der Welt“ lautet das IVY-Mantra. 


Ein großes Portrait ist dem supercoolen und echt trendigen „Walschützer“ Paul Watson gewidmet, der Schiffe versenkt und Gewalt gegen Personen und Sachen für ein legitimes Mittel hält, um der Welt seine Botschaft einzubläuen. Die Ideologie des rabiaten Kapitäns wird im neuen “IVY” allerdings nicht so recht erwähnt. Das sei hier nachgeholt. Originalton Paul Watson: „Wir müssen die Weltbevölkerung radikal und intelligent auf weniger als eine Milliarde reduzieren … Die Biosphäre von dem Virus namens Mensch zu heilen, erfordert einen radikalen und angreifenden Ansatz“. Nun ja, wenn alle, die am Leben bleiben dürfen, dann IVY abbonieren, könnte das Konzept aufgehen.


Niemandem würde es einfallen, eine Computer- oder Fahrradzeitschrift völlig ohne Sachkenntnis zu produzieren. Denn allzu krasses Unwissen könnte den Lesern unangenehm auffallen. Leider bestehen solche gesunden Hemmungen beim Thema „Umwelt“ nicht. Jeder, der ein Bio-Müsli umrühren kann, bezeichnet sich als „Ökologe“ und fängt an über „Nachhaltigkeit“ zu schwafeln. Wenn das Thema weiterhin so seichtgrün verwässert, wird wohlfeiles Pseudo-Öko immer öfter zur Gefahr für die Umwelt (siehe das Biosprit-Desaster). Unser Planet hat etwas Besseres verdient.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Bunte Welt</dc:subject>
      <dc:date>2008-04-25T08:17:00+01:00</dc:date>
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    <item>
      <title>Heldinnen und Helden</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/heldinnen_und_helden/</link>
      <author>dmaxeiner@achgut.de (Dirk Maxeiner)</author>
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      <description>(Dirk Maxeiner) Von Maxeiner &amp;amp; Miersch erschienen in DIE WELT vom 18.04.2008


Die Nachfrage nach Reis, Weizen oder Mais ist größer als das Angebot. Weltweit stiegen die Preise, teilweise innerhalb weniger Monate um das  Doppelte. Von Mexiko über Haiti bis Ägypten gehen die Armen auf die Strasse, weil sie sich ihre Tortilla, ihre Schale Reis oder ihren Brotfladen nicht mehr leisten können. Die Nachrichten der letzten Woche entdeckten ein Thema wieder, das beinahe verschwunden schien: Hunger und Lebensmittel-Knappheit. 


Gleichzeitig machten hierzulande Menschen Schlagzeilen, die mutwillig Felder zerstören, landwirtschaftliche Forschung verhindern, und sich dafür auch noch das Prädikat „Heldinnen und Helden“ verleihen. Die Rede ist von den so genannten Gentechnik-Gegnern. Noch nie erschienen sie in einem so absurden Licht wie in der vergangenen Woche. 


Wir wollen die hinlänglich bekannten Argumente hier nicht wiederholen, deshalb nur so viel: Da auf der Welt keine unbegrenzten Flächen zur Verfügung stehen, werden die Bauern in Zukunft auf ihren vorhandenen Äckern höhere Erträge erzielen müssen. Es gibt viele verschiedene Methoden, die dazu beitragen können, eine davon sind ertragreichere Sorten. Auch die kann man auf verschiedene Weise züchten, und davon ist eine die grüne Gentechnik. Die prekäre Situation legt dringend nahe, keine Option auszuschließen.


Leider sieht es nicht danach aus - zumindest in Deutschland. Wer sich etwa die Internet-Seite der Aktion „Gendreck Weg“ anschaut, trifft auf ein Grüppchen spätpubertierender Autisten, die sich einreden „Widerstand“ zu leisten. Sie halluzinieren darüber hinaus „bunt, kreativ und offensiv“ zu sein. Man könnte über diese wunderlichen Sekten lächeln, wenn sie nicht so erfolgreich wären. Die Entwicklung neuer, besserer Sorten wurde bereits um Jahre verzögert. Wir erinnern an den nährstoffreichen „Goldenen Reis“,  dessen Verbreitung mit allen Mitteln sabotiert wurde. Nie wäre er dringender erforderlich als heute.


Schuld daran ist eine opportunistische Politik, die nicht den Mumm hat, ein paar Öko-Desperados entgegen zu treten. Nun untersagte ausgerechnet vergangene Woche sogar die erste deutsche Hochschule die gentechnische Forschung faktisch. Nach einer Feldzerstörung hat die Leitung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen die entsprechende Gentechnik-Forschung für beendet erklärt – in vorauseilendem Gehorsam und aus Angst vor einem Imageschaden. Ein Protestschreiben der Studenten zeigt sich fassungslos darüber, dass „langjährige und in der Fachwelt einhellig anerkannte Forschungsarbeiten einfach gestoppt werden.“ Einfach irre: Einige Hundert angehende Agrarforscher haben in diesem Land keine Chance gegen eine handvoll Mitglieder einer fehlgeleiteten Glaubensgemeinschaft. Die „Feldbesetzis“  freuen sich übrigens jederzeit über einen „Solidaritätsbesuch“. Schade, dass die Hungernden von Mexiko,  Manila oder Kairo ihnen den nicht abstatten können.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Wissen</dc:subject>
      <dc:date>2008-04-18T07:38:00+01:00</dc:date>
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    <item>
      <title>Schlagende Verbindungen</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/schlagende_verbindungen/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 11.04.2008:


Wir erleben gerade die vierten Jubiläumsfeierlichkeiten für 1968. Jede davon hatte eine eigene Note. 1978 war das Land vom RAF-Terrorismus verunsichert, die linken Sekten erlebten ihren Niedergang, die Grünen ihren Aufstieg. Öko- und Friedensbewegung wurden immer populärer. Doch um die Rädelsführer von 1968 war es still geworden. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage: „Was machen eigentlich Dutschke und Co.?“ Ganz anders 1988. Die Grünen saßen in den Parlamenten, sogar in Landesregierungen. Pazifismus, Ökologismus und Feminismus waren mehrheitsfähig. Den baldigen Fall der Mauer ahnte noch niemand.&amp;nbsp; Die Geschichtsinterpretation von der liberal-demokratischen Neugründung der BRD und der Offenlegung der NS-Vergangenheit durch  die Achtundsechziger setzte sich durch. 1998 war sie etabliert aber es zeigten sich erste Risse in der Veteranenseligkeit. Und heute im Jahr 2008 tobt der Streit zwischen den unheilbar Selbstzufriedenen und immer härteren Kritikern, die inzwischen sogar Gemeinsamkeiten zwischen SDS und SS erblicken.


Der wohl größte Erfolg der Achtundsechziger kam Orthodoxen und Renegaten gleichermaßen zugute, wird aber in den politischen Deutungskämpfen selten erwähnt. Es ist ihre Wirkung als Karrierenetzwerk. In den Achtzigerjahren war es in etlichen Konzernen, Gewerkschaften, Kirchen, Fernsehsendern, Verlagshäusern, Behörden und Parteien überaus hilfreich 1968 und in den Siebzigern dabei gewesen zu sein. Ein paar Anekdoten über Häuser- oder Fahrpreiskämpfe, ein paar Abkürzungen aus dem revolutionären Wörterbuch weckten Gefühle der Verbundenheit und öffneten Türen. Man blickte sich mit dem wissenden Lächeln von good old boys tief ins Auge. Die Achtundsechziger haben diesen karrieretechnischen Vorteil ihrer Jungendrebellion sicherlich nicht vorausgesehen oder gar geplant. Es war ein Kollateralnutzen, der erst viele Jahre später eintrat. 


Junge Männer, die durch große Ereignisse zusammengeschweißt werden, bilden Seilschaften fürs Leben. Man hat etwas gemeinsam durchgestanden, das verbindet. Die Väter der Achtundsechziger der und deren Väter wurden durch das Fronterlebnis der Weltkriege geprägt. Wenn es dann später im Frieden um die zivilen Karrieren ging, bekam im Zweifelsfall immer der den Job, der in der gleichen Division gedient hatte. 


Ohne Krieg ging es aber auch. Junge Massai erlegen gemeinsam einen Löwen. Deutsche Studenten trafen sich zu Kaisers Zeiten in Schlagenden Verbindungen, um zu fechten oder sich gegenseitig unter den Tisch zu saufen. So schafft man eine gemeinsame Erlebniskultur und gemeinsame Erinnerungen. Durch Jugendriten geschmiedete Netzwerke gibt es seit Urzeiten und überall auf der Welt. Sie haben sich kulturell bewährt. Wahrscheinlich dienen sie einfach dazu, Konkurrenz abzumildern und ein notwendiges Quantum Vertrauen aufzubauen. So betrachtet war die APO die erfolgreichste schlagende Verbindung der deutschen Geschichte.&lt;div class="feedflare"&gt;
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    </item>

    <item>
      <title>Darf man solche Bilder zeigen?</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/darf_man_solche_bilder_zeigen/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 04.04.08


Seit Geert Wilders vor einer Woche seinen Film „Fitna“ ins Netz gestellt hat, hagelt es Tadel und Distanzierungen von westlichen Institutionen. Die niederländische Regierung verurteilte den Film postwendend, alle 27 Eu-Außenminister schlossen sich an. UN-Generalsekretär Ban-Ki-moon forderte die Verbreitung des Films zu verbieten, und  auch die UNESCO hat sich empört. Dabei hat Wilders lediglich bekannte Bilder von bekannten Tatsachen aneinandergereiht. Er zeigt die Opfer der Anschläge von New York, Madrid und London. Die Verstümmelung von Mädchen, die Steinigung von Ehebrecherinnen und das Aufhängen von Homosexuellen in islamischen Ländern. 


Doch, so argumentieren die Gegner des Films, dass explizite zur Schau stellen religiös motivierter Gräueltaten sei Hetzte gegen den Islam. Über 1,3 Milliarden Gläubige würden pauschal mit Hasspredigern, Folterern, Henkern und Terroristen in einen Topf gesteckt. 


Als Wilders Film im Internet auftauchte, wurden in fast allen großen Medien Europas ziemlich blutige Bilder aus einem nicht muslimischen Teil der Welt veröffentlicht: Kanadische Fischer bei der Robbenjagd. In Berlin kleben Plakate einer großen Tierrechtsorganisation auf denen gehäutete Robben zu sehen sind, als Monster dargestellte Fischer, jede Menge Blut und der Spruch „Die Kanadier killen Robben.“ Die Pauschalisierung „die Kanadier“ wirft knapp 33 Millionen Menschen in einen Topf. Aber von solcher Polemik distanziert sich kein EU-Außenminister. 


Seit über vierzig Jahren werden die Methoden mit denen kanadische Fischer Robben töten öffentlich gezeigt und angeprangert. Popstars lassen sich für ihren Mut feiern, wenn sie gegen Robbenjagd protestieren. Das ist Teil der westlichen Freiheit. Vor den Kanadiern hat niemand Angst. Niemand befürchtet, dass die Fischer aus Neufundland, Quebec oder Labrador sich Sprengstoffgürtel umschnallen, um die Robbenfreunde in Europa und USA in Fetzen zu sprengen. 


Was aber würde passieren, wenn eine Menschenrechtsgruppe solche drastischen Plakate zum Thema Mädchenverstümmelung im Sudan oder Steinigungen im Iran geklebt hätte? Mullahs oder Imame, als Monster karikiert, durchs Blut ihrer Opfer watend. Und oben drüber eine Schlagzeile wie: „Moslems verstümmeln Kinder“ oder „Moslems quälen Frauen zu Tode“. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich die Folgen auszumalen. 


Dokumentarfilme aller Art, die Brutalität und Unmenschlichkeit zeigen und anprangern, sind seit gut einem Jahrhundert Teil unserer Kultur. Auch dass in solchen Filmen ganzen Ländern und Kulturkreisen angeklagt werden, ist absolut üblich - meisten ist es Amerika. Ungewöhnlich an Wilders Film ist einzig, das in diesem Fall einmal Gräueltaten vorgeführt werden, die mit dem Koran gerechtfertigt wurden. Die Angst vor denen, die solche Taten begehen oder gut finden, ist die Ursache der hektischen Distanzierungen - sonst nichts.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Inland, Ausland, Kultur</dc:subject>
      <dc:date>2008-04-04T15:15:00+01:00</dc:date>
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      <title>Lest antizyklisch!</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/lest_antizyklisch/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 28.03.2008


Die Schwarzgrüne Annäherung ist zur Zeit das Lieblingsthema der Meinungsmacher. Und vermutlich liegen Medien und Bevölkerung in diesem Fall gar nicht so weit auseinander. Viele Menschen sehnen sich nach mütterlicher Strenge, die das Land vor den Turbulenzen der Globalisierung und den Umwälzungen der Moderne schützt. Anti-Raucher- und Anti-Gentechnikgesetze zeigen die Richtung an: Der Staat  dringt in Küche, Kneipe und andere ehemals private Räume vor. Mit immer mehr Regulierungen soll eine risikolose Zukunft festgezurrt werden. Die Lebensstile der Christlich-Konservativen und der Öko-Konservativen werden immer ähnlicher, man geht zum Homöopathen und schickt die Kinder in die Waldorfsschule. In den großen Kirchen, besonders der evangelischen, wird das schwarzgrüne Projekt seit langem praktiziert. Das Streben nach vermeintlicher Sicherheit ist zum Fetisch geworden. Die Neugier von Wissenschaftlern und Unternehmern steht unter Generalverdacht. 

Dabei wäre es endlich an der Zeit einmal zu fragen, was denn die technophoben Blockaden der vergangenen Jahrzehnte gebracht haben? Ist dadurch irgendwas besser geworden? Gründer und Erfinder wurden vertrieben. Nicht nur Atomkraftwerke und Grüne Gentechnik sind ausgebremst, viele andere Technologien wurden um wertvolle Jahre verzögert. Darunter die medizinische (rote) Gentechnik, die heute vielen Tausend Menschen das Leben erleichtert oder gar rettet, aber auch Mobiltelefone, Heimcomputer, PET-Flaschen und vieles andere. Bis heute schwelgt die Industrienation Deutschland in blumigen Energie-Träumen. Kohle und Atomkraft sind zum Tabu erklärt, Öl und Gas werden immer teurer, Solartechnik ist noch nicht reif, Windkraft bringt wenig und neue Wasserkraftwerke zerstören die Natur. Eine rationale und ergebnisoffene Diskussion darüber ist öffentlich nicht möglich und die Fachleute haben sich längst in die Schmollecke zurückgezogen. Das Problem ist für jeden spürbar und steht mitten im Raum. Dennoch wird das deutsche Nein-Danke-Mantra weitergemurmelt.

Für alle die nicht mitmurmeln wollen, gibt es jetzt zumindest ein publizistisches Refugium der Aufklärung. Seit einigen Tagen liegt „Novo“ am Kiosk, ein Magazin mit dem Untertitel „Argumente für den Fortschritt“. Als eine Art zukunftsoptimistische Undergroundpostille in semi-professioneller Machart existierte das Blatt bereits seit etlichen Jahren. Jetzt will man raus aus der Exoten-Nische. Als wäre Deutschland in Aufbruchstimmung setzt die Redaktion auf Themen  wie „Öko wird Großtechnik“ und „Lob der autonomen Unternehmensführung“. Es gibt Breitseiten gegen Anti-Atom-Aktivisten und Gentechnik-Paniker. „Wir schreiben,“ heißt es im Selbstporträt, „gegen selbstgefällige Volkserzieher, bürokratische Kleingeister, apokalyptische Rufer und neoreligiöse Moralisten. Uns interessiert, was Sache ist, und nicht, was das Stimmungsbarometer misst …Wir bieten Argumente für den Fortschritt und stehen für Freiheit, Vernunft und Humanismus.“ 


Weiter kann man sich vom schwarzgrünen Konsens kaum entfernen. Wer an der Börse Geld machen will, der müsse gegen den Strom schwimmen, empfahl André Kostolany. Der Weg zum Erfolg bestehe im „antizyklischen Handeln“. Antizyklisches Lesen kann in den Zeiten schwarzgrüner Kuschelsehnsüchte auch nicht schaden. Damit Fortschritt und Aufklärung nicht ganz in Vergessenheit geraten.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <dc:subject>Kultur</dc:subject>
      <dc:date>2008-03-28T17:36:00+01:00</dc:date>
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    <item>
      <title>Orden wider die DDR-Amnesie</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/orden_wider_die_ddr_amnesie/</link>
      <author>dmaxeiner@achgut.de (Dirk Maxeiner)</author>
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      <description>(Dirk Maxeiner) Von Maxeiner &amp;amp; Miersch erschienen in DIE WELT vom 14.3.2008


Der Zeitpunkt ist Zufall, aber er könnte nicht besser gewählt sein. Am heutigen Freitag wird der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld das Bundesverdienstkreuz verliehen, für Ihre „Verdienste um das Nichtvergessen der Ursachen und Folgen der DDR-Diktatur“. Diese Ehrung für unsere Freundin Vera tut besonders gut in einer Zeit, in der mit SED-Restbeständen wieder Regierungsbündnisse geplant werden. Weite Teile der deutschen Sozialdemokratie scheinen von einer ausgesprochenen DDR-Amnesie befallen zu sein, Teile der Grünen von einer unausgesprochenen. 


Vera Lengsfeld erinnert sich hingegen ziemlich gut. Sie zählte zu den Gründern eines der ersten Oppositionskreise im Herbst 1981 in Berlin, zwei Jahre später erhielt sie Berufsverbot. Sie wurde bespitzelt, eingesperrt und schließlich aus der DDR abgeschoben. Am Morgen des 9. November 1989 kehrte sie zurück und erlebte den Mauerfall an der Bornholmer Straße. 


Der Bundesverdienstorden wird ihr auf ihren Wunsch hin im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen überreicht, in dem sie auch selbst eingesperrt war. Die Auswahl des Ortes sollte man nicht missverstehen: Vera Lengsfeld hat sich immer dagegen verwahrt, als Stasi-Opfer vom Dienst herumgereicht zu werden. Es geht ihr um etwas anderes: „Ich kann und will mich nicht der Verantwortung entziehen und ich will daran mitwirken, dass sich weder eine kommunistische Diktatur noch solch ein Verbrecherapparat wie die Staatssicherheit wiederholt.“ Und sie fügt hinzu: „Ich denke jedoch nicht daran, dem Kampf gegen beides mein ganzes Leben zu widmen. Dafür ist das Leben zu schön.“


Die Bürgerrechtlerin, die heute als freie Publizistin arbeitet, führt regelmäßig Besucher - meist sind es Schulklassen - durch die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Dabei trifft sie oft auf ein erschreckendes Unwissen junger Leute über das totalitäre Gesicht der DDR. Viele begreifen in Hohenschönhausen zum ersten mal, was es heißt in einer kommunistischen Diktatur zu leben. An den deutschen Schulen wird dies offenbar nur wenig vermittelt. Sehr viel mehr scheint ein deutscher Kinofilm ausgelöst zu haben. Seit dem Erfolg von „Das Leben der Anderen“, in dem der verstorbene Ulrich Mühe einen Stasi-Offizier spielte, steigen die Besucherzahlen in Hohenschönhausen erfreulich an. Im vergangenen Jahr zählte die Gedenkstätte über 200 000 Besucher. Ein gutes Zeichen ist auch, dass immerhin 270 Bundestagsabgeordnete Besuchergruppen aus ihren Wahlkreisen in die Gedenkstätte geschickt haben.


Die CDU-Abgeordnete Lengsfeld selbst schied 2005 aus dem Deutschen Bundestag aus. Es fällt generell auf, dass ehemalige Bürgerrechtler im deutschen Parteienbetrieb praktisch keine Bedeutung mehr haben. Das liegt wohl auch daran, dass sie als stromlinienförmige Machttaktiker nur schwer zu gebrauchen sind. Unangepasste und widerständige Charaktere sind dem politischen Betrieb schlichtweg unheimlich. Und der Öffentlichkeit auch. Während die Protagonisten des 68er-Revolutiönchens nach wie vor die Diskussionen prägen, werden die Macher der ungleich bedeutsameren und mutigeren Revolution von 1989 gerne als gestrig hingestellt. Welch ein Irrtum. Wie man mit einer Partei namens „Die Linke“ richtig umgeht, ließe sich von den Bürgerrechtlern jedenfalls gut lernen. Herzlichen Glückwunsch und Danke, Vera!&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <title>Kalt erwischt</title>
      <link>http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/kolumnen/kalt_erwischt/</link>
      <author>mmiersch@achgut.de (Michael Miersch)</author>
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      <description>(Michael Miersch) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch, erschienen in DIE WELT am 07.03.2008


Letztes Jahr um diese Zeit wurde uns die globale Erwärmung besonders heiß verkauft. „Unser Planet stirbt“ verkündete eine große Boulevardzeitung. Oder auch: „Wir haben noch 13 Jahre um den Planeten zu retten“. Als Beleg für die Dringlichkeit der Lage wurde gerne der milde Winter angeführt. Jetzt, anno 2008 bleiben uns also nur noch zwölf Jahre, der Countdown läuft gewissermaßen. Und doch ist es vollkommen still um das Thema geworden. Die einschlägigen Klimaberater der Kanzlerin geben keinen Mucks von sich. Angela Merkel sorgt sich um abbrechende Mehrheiten, statt um kalbende grönländische Gletscher.&amp;nbsp; 


Dabei würde sich ein Ausflug ins Nordmeer durchaus lohnen: Genau wie zuvor in der Antarktis herrscht ein eisiger Rekordwinter. Die Eisbären sind angeblich trotzdem gefährdet, diesmal allerdings nicht weil es zu wenig, sondern weil es zu viel Eis gibt (und die Bären bei der Jagd behindert). Die Rekordschmelze, von der im Sommer alle Medien groß berichteten, hat sich vollkommen verflüchtigt. Viele weitere Teile des Globus, darunter der nahe Osten litten unter Rekordkälte, Zentral-Asien und Südost-China erstickten in Eis und Schnee.


Die Temperatur des Planeten erhöht sich schon seit 2001 praktisch nicht mehr, sondern macht eine sogenannte „Seitwärtsbewegung“, wie die Fachleute das politisch korrekt umschreiben. Und der Januar 2008 setzte dem ganzen eine Krone auf: Gegenüber dem Januar 2007 kühlte es im globalen Durchschnitt um etwa 0,6 Grad ab (der milde Winter in Deutschland ist für die Gesamt-Statistik völlig unbedeutend). Nur um die Größenordnung des außergewöhnlichen Temperatursturzes zu verdeutlichen: Die globale Erwärmung im letzten Jahrhundert betrug etwa 0,7 Grad. Klar doch: Ein paar Jahre mit stagnierenden Temperaturen und ein eiskalter Januar machen noch keine Trendumkehr. Eines liefern sie allerdings garantiert auch nicht: Eine Bestätigung eines fortgesetzten Erwärmungstrends, der sich ja laut der Prognosen sogar beschleunigen sollte.&amp;nbsp; Die krachende Berichterstattung des vergangenen Jahres findet dieses Jahr in einem krachenden Schweigen seine Entsprechung. Man hat fast das Gefühl, dass weite Teile der Medien ein Immunsystem gegen den Katastrophen-Konsens störende Fakten entwickelt haben. Es ist wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis die tatsächliche Temperaturentwicklung vom politisierten Teil der Klimawissenschaft wegdefiniert wird. Wir tippen auf eine „Maskierung“ der im Computer errechneten Erwärmung durch eine irgendwie unbotmäßige Natur. Einfach gesagt: Selbst wenn’s kälter wird, wird es wärmer.


Das schöne daran ist, dass die Informations-Schleusenwärter machtlos sind gegen das Internet, in dem die Entwicklung von zahlreichen Wissenschaftlern diskutiert wird. Und die Alarmisten sind wohl auch als Volkserzieher eine Fehlbesetzung. Dafür spricht zumindest eine aktuelle Umfrage, die in der amerikanischen Zeitschrift „Risk Analysis“ veröffentlicht wurde. Je mehr Menschen über das Thema globale Erwärmung wissen, desto weniger beunruhigt sind sie. Das können wir gut verstehen, denn es ging uns selbst so. „Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel,“ wusste schon der gute alte Goethe. Der Zweifel ist ein Nagetier, das sich nur schwer vertreiben lässt. In Sachen Klimawandel haben wir es redlich versucht. Das Ergebnis ist einfach niederschmetternd: Je mehr wir über das Thema lernen, desto unsicherer werden wir. Und das geht offenbar nicht nur uns so.&lt;div class="feedflare"&gt;
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      <title>Vorsicht Vorbild</title>
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      <author>dmaxeiner@achgut.de (Dirk Maxeiner)</author>
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      <description>(Dirk Maxeiner) Kolumne von Maxeiner &amp;amp; Miersch erschienen in DIE WELT vom 01.03.2008


Wir können das Wort „Vorbild“ nicht mehr hören. Seit der Kindheit werden wir mit irgendwelchen Vorbildern malträtiert. Noch schlimmer empfanden wir die Forderung, doch bitte selbst in irgendeiner Sache Vorbild zu sein. Nein, Vorbild sein ist uns zu anstrengend. Wenn wir bei McDonalds am schwarzen Brett den „Mitarbeiter des Monats“ entdecken, bedauern wir ihn aufrichtig, genau wie die „Helden der Arbeit“ in der verflossenen DDR.


Besonders strapaziert wird der Begriff gerade von einigen Wirtschaftsführern. Wie Wanderprediger verkünden sie landauf landab: „Wir müssen wieder Vorbild sein“. Die Herrschaften sind durch die Steuerhinterziehung ihres Kollegen Zumwinkel arg erschrocken. Dabei wäre das gar nicht nötig, denn in Sachen Sozialprestige lieferten sie sich auch vorher schon ein Kopf- an Kopfrennen mit Graf Dracula. 


Wir selbst haben bereits in der Schule gelernt, dass Unternehmer das Ergebnis biographischer oder charakterlicher Entgleisungen sind, jedenfalls nicht das Ergebnis der Bemühungen deutscher Lehrer und Pädagogen. Einer der Grundsätze der deutschen Vulgär-Ökonomie lautet: Das, was der Eine erwirtschaftet, muss er dem Anderen wegnehmen (die gesamte Programmatik von Oskar Lafontaine und den Seinen lässt sich auf diesen einen Satz reduzieren). Profit ist böse. Es bedarf eigentlich gar nicht des Steuerbetruges, die Erzielung von Überschüssen ist bereits moralisch zweifelhaft. Wie Wirtschaftsführer unter diesen Umständen auf die Idee kommen, sie könnten in diesem Land als Vorbild wahrgenommen werden, ist uns einigermaßen schleierhaft. Aber warum sollten sie auch? Sie müssen keine Vorbilder sein, weder öffentlich und schon gar nicht privat. Es reicht vollkommen, wenn sie ihren Job ordentlich machen. Die Mehrzahl der Unternehmer und Manager gehört auch zu dieser Spezies. Man kennt sie aber nicht, weil sie weder Zeit noch Lust haben, im Fernsehen über den allgemeinen Sitten- und Werteverfall zu palavern.


Das wohlfeile Vorbild- und Ethik-Gesülze einiger Bosse erzielt in der Öffentlichkeit mittlerweile genau den gegenteiligen Effekt des gewünschten. Es verstärkt die antiökonomischen Reflexe einer Gesellschaft, die ohnehin nicht viel von Menschen hält, die dem schnöden Profit nachrennen. Schon vor Jahren ergab eine Allensbach Umfrage, dass die halbe Bevölkerung Manager in toto für „rücksichtslos“ hält. 36 Prozent glauben darüber hinaus, die Wirtschaftselite sei „raffgierig“ und könne nie genug bekommen. Jeweils etwa ein Drittel weiß außerdem, dass Unternehmer „Ausbeuter“ sind, die nur andere ausnutzen, dass sie „kein Verständnis für kleine Leute“ und keine „Ideale“ haben. 


Als Reaktion entwickelt sich auch in den Topetagen der Wirtschaft übermächtig der Wunsch auch einmal zu den Guten zu gehören, endlich Applaus für moralische Hochleistung zu ernten. Die These des Nobelpreisträgers Milton Friedman, wonach Unternehmen nur dann verantwortlich handeln, wenn sie Gewinne erwirtschaften, gilt nicht mehr als salonfähig. Kapitalismus und Profit gehören in Unternehmensbroschüren schon seit längerem zu den schmutzigen Wörtern. Viel lieber möchte man sich als in die Herzen der Bürger kuscheln, nicht mit Leistung sondern mit wohlfeilen Worten über Ethik und Verantwortung. Der Manager-Typus, der dies in den Talkshows dem Volke verkündet, wird in den Firmen mittlerweile nur noch bespöttelt. Mitarbeiter nennen solche Leute „Industrie-Schauspieler“.&lt;div class="feedflare"&gt;
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