<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-stylesheet type="text/xsl" media="screen" href="/~d/styles/rss2full.xsl"?><?xml-stylesheet type="text/css" media="screen" href="http://feeds.feedburner.com/~d/styles/itemcontent.css"?><rss xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" xmlns:feedburner="http://rssnamespace.org/feedburner/ext/1.0" version="2.0">

<channel>
	<title>Wirtschaftliche Freiheit</title>
	
	<link>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress</link>
	<description>Ordnungspolitischer Blog</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Sep 2010 06:52:23 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.1</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<atom10:link xmlns:atom10="http://www.w3.org/2005/Atom" rel="self" type="application/rss+xml" href="http://feeds.feedburner.com/Berthold" /><feedburner:info uri="berthold" /><atom10:link xmlns:atom10="http://www.w3.org/2005/Atom" rel="hub" href="http://pubsubhubbub.appspot.com/" /><item>
		<title>Im grauen Licht der EinspeisevergütungEine Bestandsaufnahme der Photovoltaikförderung durch das EEG</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/eGm2dks-H5g/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4040#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Sep 2010 23:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias Erlei</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Interventionistisches]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitisches]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerbliches]]></category>
		<category><![CDATA[Einspeisevergütung]]></category>
		<category><![CDATA[Energieversorgung]]></category>
		<category><![CDATA[Gestehungskosten]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4040</guid>
		<description><![CDATA[Die Einspeiseverg&#252;tungsregel bildet den Kern des Gesetzes f&#252;r den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG), welches wiederum das (!) Vorzeigeprojekt der rot-gr&#252;nen Koalition darstellt. Inzwischen bekennen sich alle im Bundestag vertretenen Parteien zu dieser Art der F&#246;rderung, und auch in der Bev&#246;lkerung genie&#223;t sie eine hohe Akzeptanz. Im Sommer 2010 wurde die im Vergleich zum urspr&#252;nglichen Zeitpfad [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einspeiseverg&#252;tungsregel bildet den Kern des Gesetzes f&#252;r den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG), welches wiederum das (!) Vorzeigeprojekt der rot-gr&#252;nen Koalition darstellt. Inzwischen bekennen sich alle im Bundestag vertretenen Parteien zu dieser Art der F&#246;rderung, und auch in der Bev&#246;lkerung genie&#223;t sie eine hohe Akzeptanz. Im Sommer 2010 wurde die im Vergleich zum urspr&#252;nglichen Zeitpfad zweistufige Absenkung der Verg&#252;tungss&#228;tze f&#252;r Strom, der mit Photovoltaik-Anlagen erzeugt wurde, beschlossen. Die einen bef&#252;rchten deshalb den Untergang der Photovoltaik-Branche, die anderen hingegen machen gerade den Erfolg des Gesetzes daf&#252;r verantwortlich, dass die S&#228;tze gek&#252;rzt werden m&#252;ssen. Doch wie steht es nun wirklich um die Photovoltaik (PV)? Im Folgenden wird die F&#246;rderung der PV durch das EEG einer vorl&#228;ufigen Bestandsaufnahme unterzogen. Es wird sich zeigen: Vieles, was in der &#246;ffentlichen Diskussion gefeiert wird, existiert &#252;berhaupt nicht, und anderes, was allenfalls im Hintergrund der Diskussionen bleibt, bildet den Hoffnungsschimmer daf&#252;r, dass die eingesetzten Mittel nicht verschwendet sind.</p>
<p><span id="more-4040"></span></p>
<p>Das EEG nennt drei angestrebte Ziele: den Klima- und den Umweltschutz, die F&#246;rderung einer nachhaltigen Entwicklung der Energieversorgung und die Erh&#246;hung des Anteils erneuerbarer Energien am Energieverbrauch. In der politischen Diskussion wird diesen Zielen oftmals noch ein weiteres hinzugef&#252;gt, die Schaffung von Arbeitspl&#228;tzen in einer vermeintlichen Zukunftsbranche.</p>
<p>Die garantierten Einspeiseverg&#252;tungss&#228;tze sind die zentralen Bausteine des EEG. Indem sie sich nicht an den Marktpreisen f&#252;r Elektrizit&#228;t, sondern an den zum Teil weitaus h&#246;heren Durchschnittskosten einer Kilowattstunde (Stromgestehungskosten) der zun&#228;chst nicht marktf&#228;higen Technologien ausrichten, erm&#246;glichen sie den zu f&#246;rdernden Technologien den sofortigen Einsatz im Strommarkt. Da diese Kosten insbesondere im Hinblick auf die Photovoltaik (57,4 ct/kWh f&#252;r Anlagen bis zu 30 kWp Nennleistung) zun&#228;chst um mehr als den Faktor 10 oberhalb der Marktpreise (4,5 ct/kWh) lag, muss mit dem Ziel der F&#246;rderung der nachhaltigen Energieversorgung vorrangig der Ansto&#223; zu sp&#252;rbaren Kostensenkungen verbunden sein. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurden die Verg&#252;tungss&#228;tze einer vorab festgelegten, kontinuierlichen Absenkung unterzogen. Die diesj&#228;hrigen „au&#223;erordentlichen“ Absenkungen f&#252;hren zu Verg&#252;tungss&#228;tzen von 34,05, 33,03 und 30,06 ct/kWh ab den Terminen 1.07., 1.10.2010 bzw. 1.01.2011. Die noch immer hohe Differenz zwischen Marktpreisen und Einspeiseverg&#252;tungen verdeutlichen die noch immer hohen Kosten. Derzeit g&#228;ngige Sch&#228;tzungen vermuten, dass allein f&#252;r die bis zum Ende 2010 installierten Anlagen zuk&#252;nftig zwischen 50 und 90 Milliarden Euro an zuk&#252;nftigen Einspeiseverg&#252;tungen f&#252;r die Photovoltaik (PV) anfallen. Dies entspr&#228;che immerhin 2–4 % des Bruttoinlandsproduktes der Bundesrepublik Deutschland. Damit stellt sich zwangsl&#228;ufig die Frage, ob ein solches Volumen an Subventionszahlungen verantwortbar ist. Voraussetzung f&#252;r die Legitimierbarkeit der Ausgaben ist die Wirksamkeit der Ma&#223;nahmen im Hinblick auf die angestrebten Ziele. Beginnen wir mit dem Klima- und Umweltschutz.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Klimaschutz?</strong></p>
<p>Bekannterma&#223;en fallen CO2-Emissionen nur bei der Herstellung der PV-Anlagen an und sind weitaus geringer als diejenigen einer entsprechenden Stromproduktion durch Kohlekraftwerke. Doch bedeutet dies auch, dass mit der Nutzung von PV-Anlagen ein wirksamer Klimaschutzeffekt erzielt wird? Leider nicht.</p>
<p>Der Grund hierf&#252;r liegt in der – &#252;beraus sinnvollen – Verankerung der europ&#228;ischen Klimapolitik im Emissionszertifikate-Handelssystem. Danach ist die europ&#228;ische Elektrizit&#228;tswirtschaft dazu verpflichtet, f&#252;r alle vorgenommenen CO2-Emissionen Zertifikate (EU Allowances; EUAs)  zu erwerben. Auf der politischen Ebene wird festgelegt, wie viele dieser EUAs in Umlauf gebracht werden. Durch die Handelbarkeit der Zertifikate werden Unternehmen mit hohen Zahlungsbereitschaften anderen Unternehmen mit geringen Zahlungsbereitschaften EUAs abkaufen, sodass im Gleichgewicht ein Preis entsteht, bei dem alle Nachfrager mit einer mindestens dem Preis entsprechenden Zahlungsbereitschaft in den Besitz der EUAs gelangen, w&#228;hrend die anderen Unternehmen es vorziehen, auf die Emission zu verzichten.</p>
<p>Wie wirkt sich nun die Einf&#252;hrung der deutschen EEG-Einspeiseverg&#252;tung auf dieses Handelssystem aus? Die vermehrte Nutzung von PV-Anlagen bewirkt, dass der entsprechende Teil des deutschen Energieverbrauchs emissionsfrei erfolgen kann. Der so produzierte Strom verdr&#228;ngt Elektrizit&#228;t aus konventionellen Kraftwerken (mit CO2-Emissionen), sodass die CO2-Emissionen zun&#228;chst sinken. Folgerichtig ben&#246;tigt die deutsche Energiewirtschaft weniger EUAs. Da diese jedoch wertvoll sind (ihr Preis liegt derzeit um die 14 Euro/t CO2), werden die EUAs nicht einfach ungenutzt liegen gelassen oder gar zerst&#246;rt. Durch den Verkauf der EUAs an Unternehmen aus anderen Branchen oder anderen L&#228;ndern k&#246;nnen die Unternehmen ihre Erl&#246;se steigern. Der R&#252;ckgang der Nachfrage deutscher Energieunternehmen nach EUAs bzw. das daraus resultierende Verkaufsangebot der Unternehmen wird den Preis f&#252;r EUAs verringern, sodass nun die EUAs von anderen Nachfragern mit geringerer Zahlungsbereitschaft erworben und verwendet werden. Mit anderen Worten: Die deutsche Energiewirtschaft verringert ihre CO2-Emissionen, die entsprechenden EUAs wandern zu anderen Emissionsnachfragern und bewirken dort – in anderen Branchen oder L&#228;ndern – eine exakt gleich hohe Zunahme von CO2-Emissionen. Die gesamteurop&#228;ische CO2-Emissionsminderung betr&#228;gt somit genau null.</p>
<p>Ein Kritiker mag einwenden, die Politik k&#246;nnte auf Grund der vermehrten Stromerzeugung durch PV-Anlagen die Menge an EUAs verringern. Dem ist entgegenzuhalten, dass dies auch ohne vorherigen Aufbau von PV-Anlagen m&#246;glich ist. Dann w&#252;rde derselbe Umwelteffekt ohne PV-Subventionierung zu geringeren Kosten (Emissionsvermeidungskosten; EVK) erzielt. Der Grund daf&#252;r liegt darin, dass mit anderen Technologien CO2-Emissionen wirksamer vermieden werden k&#246;nnen. Eine Beispielrechnung soll dies verdeutlichen: Eine in einem Steinkohlekraftwerk produzierte kWh Elektrizit&#228;t verursacht im Durchschnitt etwa 950g CO2. F&#252;r PV-Anlagen unterstellen wir einen Emissionswert von null (was nicht ganz korrekt ist). Unterstellen wir nun im Einklang mit aktuellen Berechnungen Stromgestehungskosten von p(PV) = 30 ct/kWh f&#252;r PV-Anlagen,  p(Wind) = 10 ct/kWh f&#252;r Onshore-Windenergieanlagen und p(Kohle) = 4,5 ct/kWh f&#252;r Steinkohlekraftwerke, so ergeben sich Preis- und Kostendifferenzen zur Kohle in H&#246;he von 25,5 ct/kWh f&#252;r PV-Anlagen und 5,5 ct/kWh f&#252;r Wind. Um eine Tonne CO2-Emissionen aus Steinkohlekraftwerken einzusparen, m&#252;sste deren Produktion um 1000/0,95 = 1053 kWh gesenkt werden. Produziert man diese Strommenge mit PV-Anlagen, so entstehen Zusatzkosten (EVK) in H&#246;he von EVK(PV) = 0,255 €/kWh x 1053 kWh/tCO2 = 269 €/tCO2. Die entsprechenden EVK f&#252;r Windenergie betragen  EVK(Wind) = 0,055 €/kWh x 1053 kWh/tCO2 = 58 €/tCO2. Die Vermeidung von CO2-Emissionen mittels PV-Anlagen ist somit etwa 4,5 mal so teuer wie die &#252;ber Windenergie. Folglich w&#252;rden es die Unternehmen an Stelle von PV-Anlagen normalerweise bevorzugen, mittels Windenergiekonvertern zu produzieren, um ihre CO2-Emissionen zu verringern.</p>
<p>Tats&#228;chlich werden die EVK &#252;ber den Markt sogar noch geringer eingesch&#228;tzt. Der Preis f&#252;r EUAs signalisiert die EVK auf europ&#228;ischer Ebene. Die EUAs (Rechte, eine Tonne CO2 zu emittieren) werden an der Leipziger European Energy Exchange (EEX) f&#252;r nur etwa 14 € gehandelt. Dies bedeutet, dass die betroffenen Unternehmen &#252;ber andere M&#246;glichkeiten – zum Beispiel Ma&#223;nahmen zur Erh&#246;hung des Wirkungsgrades von Kraftwerken – verf&#252;gen, um ihre Emissionen deutlich kosteng&#252;nstiger zu senken.</p>
<p>Unterstellt man nun eine begrenzte Zahlungsbereitschaft der B&#252;rger f&#252;r den Schutz der Umwelt, so m&#252;sste es das Ziel des Umweltpolitikers sein, aus den begrenzt verf&#252;gbaren geldlichen Mitteln einen m&#246;glichst gro&#223;en Effekt zu erzielen. Dann scheidet allerdings die PV mit ihren &#252;berm&#228;&#223;ig hohen EVK aus. Jede mit PV-Anlagen „eingesparte“ Tonne CO2 k&#246;nnte bei Verwendung anderer Technologien – mit identischem monet&#228;ren Aufwand – durch mindestens 4,5 eingesparte Tonnen CO2 ersetzt werden.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Arbeitspl&#228;tze?</strong></p>
<p>Als weiteres Argument zur Legitimation der PV-Subventionen wird die dynamische Entwicklung des Marktes, insbesondere das Entstehen neuer Arbeitspl&#228;tze angef&#252;hrt. F&#252;r das Jahr 2009 meldet der Bundesverband Solarwirtschaft 63000 Arbeitspl&#228;tze in der deutschen Photovoltaikbranche. Im selben Jahr wurden 6578 GWh PV-Strom produziert, die mit einem Satz von 43,01 ct/kWh f&#252;r Neuanlagen und mit noch h&#246;heren S&#228;tzen f&#252;r &#228;ltere Anlagen verg&#252;tet wurden. Rechnen wir sehr vorsichtig und unterstellen einen deutlich zu geringen durchschnittlichen Verg&#252;tungssatz von 43,01 ct/kWh. Ziehen wir von diesem 4,5 ct/kWh als Preis f&#252;r normale Elektrizit&#228;t, so bleiben 38,51 ct/kWh als Verg&#252;tungssubvention pro kWh. Multipliziert man diesen Betrag mit der PV-Produktionsmenge, ergibt sich eine Einspeisesubventionsh&#246;he von etwa 2,5 Mrd. €. Teilen wir diesen Betrag durch die Anzahl der Arbeitspl&#228;tze, so erhalten wir den Subventionsbetrag pro Arbeitsplatz in 2009: 40209,33 €. Gehen wir von 1840 Arbeitsstunden im Jahr aus, so erhalten wir eine Subvention von 21,85 € pro Stunde Arbeit in der PV-Branche. Diese Zahl bildet die absolute Untergrenze der Arbeitsplatzsubventionierung, da (a) eine Reihe von Subventionsleistungen – z.B. die Kosten des Netzanschlusses – nicht erfasst wurden und (b) die tats&#228;chliche durchschnittliche Einspeiseverg&#252;tung h&#246;her liegt als hier unterstellt wird. <em>Frondel et al.</em> (2007) sch&#228;tzen die Subventionierung eines PV-Branchen-Arbeitsplatzes gar auf 153000 €.</p>
<p>Es ist absurd, Arbeitspl&#228;tze, die nur auf Grund einer derartig hohen Subventionierung entstanden sind, als arbeitsmarktpolitischen Erfolg zu feiern. Mit demselben Geldbetrag k&#246;nnte in anderen Branchen problemlos das F&#252;nffache an Arbeitspl&#228;tzen entstehen. Fazit: Auch die Entstehung der neuen Arbeitspl&#228;tze im PV-Sektor kann nicht als Legitimation f&#252;r die geleisteten Subventionen dienen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Sicherung der langfristigen Energieversorgung!?</strong></p>
<p>Die einzig verbleibende potentielle Legitimation f&#252;r die derzeitige PV-F&#246;rderung besteht somit im Ziel des Aufbaus einer wirtschaftlich und &#246;kologisch nachhaltigen Energieversorgung. Hier ist zun&#228;chst einmal festzuhalten, dass die EEG-F&#246;rderung in der politisch gew&#252;nschten Richtung wirkt. Zum einen ist die produzierte Menge an PV-Strom erheblich gestiegen und das Wachstum scheint sich sogar zu beschleunigen (Abbildung 1). Zum anderen sind auch die Preise f&#252;r vollst&#228;ndige PV-Anlagen sp&#252;rbar gesunken (Abbildung 2).</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/eeg1.png"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/eeg1.png" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Abbildung 1: PV-Stromerzeugung</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/eeg2.png"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/eeg2.png" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Abbildung 2: Preise f&#252;r vollst&#228;ndige PV-Anlagen</p>
<p>Das mengenm&#228;&#223;ige Wachstum der PV-Branche kann nur wenig &#252;berraschen. Schlie&#223;lich stellt die an den bestehenden Kosten ausgerichtete Einspeiseverg&#252;tung eine Lizenz zur risikofreien Erwirtschaftung von Gewinnen dar. Je gr&#246;&#223;er die Differenz zwischen Stromgestehungskosten und garantierter Einspeiseverg&#252;tung, desto h&#246;her ist auch der Gewinnaufschlag und der Anreiz, in Solaranlagen zu investieren. Die Preis- und Kostensenkungen – insbesondere im Jahr 2009 – wirken somit als Beschleuniger des PV-Ausbauprozesses.</p>
<p>Da jede einzelne in Deutschland installierte Anlage nach wie vor deutlich h&#246;here Stromgestehungskosten aufweist als alternative Stromerzeugungstechnologien, kann der Ausbau der PV an sich nicht als wirtschaftlicher Erfolg bewertet werden. Im besten Fall ist er Mittel zum Zweck einer langfristigen Senkung der Produktionskosten f&#252;r PV-Strom auf ein wettbewerbliches Niveau. Die eigentlich interessante Frage ist somit die nach dem Ausma&#223; und den Ursachen der Preissenkungen.</p>
<p>Abbildung 2 zeigt, dass die seit 2006 erfolgten Preissenkungen im Umfang von etwa 40 % des Ausgangswertes in der Tat betr&#228;chtlich sind und einen gewissen Optimismus f&#252;r die zuk&#252;nftige Entwicklung rechtfertigen. Das &#228;ndert nat&#252;rlich nichts daran, dass die verbliebenen Stromgestehungskosten von 30 ct/kWh weit oberhalb derjenigen konventioneller Technologien liegen. Dies gilt auch dann, wenn man der auf fossilen Brennstoffen basierenden Produktion die externen Kosten, also die nicht vom Produzenten getragenen, monet&#228;r bewerteten Sch&#228;den, hinzuf&#252;gt: Sch&#228;tzungen der externen Kosten variieren zwischen 2,5 und 10 ct/kWh. Gehen wir im Folgenden von einem mittleren Wert von 6,5 ct/kWh aus, dann belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten konventioneller Kraftwerke auf etwa 11 ct/kWh. Dies entspricht etwa einem guten Drittel der Stromgestehungskosten durch PV-Anlagen.</p>
<p>In der &#246;ffentlichen Diskussion wird oftmals bejubelt, dass die sogenannte Netzparit&#228;t schon in wenigen Jahren erreicht werden k&#246;nnte. Unter Netzparit&#228;t versteht man dasjenige Niveau der Stromgestehungskosten, das dem Preis entspricht, den private Haushalte als Endabnehmer aktuell zahlen m&#252;ssen. In Deutschland betr&#228;gt der entsprechende Wert derzeit etwa 23 ct/kWh. Die Netzparit&#228;t suggeriert, dass Haushalte bei ihrem Erreichen den Strom ebenso gut selbst – durch PV-Anlagen – produzieren k&#246;nnten. Dabei wird jedoch &#252;bersehen, dass die Zeitpunkte von Stromproduktion und Stromkonsum auseinanderfallen. Dies hat zur Folge, dass entweder zus&#228;tzliche Speichertechnologien – z.B. Batterien – installiert werden m&#252;ssten oder dass auch weiterhin das Stromnetz genutzt werden muss. Beides verursacht Kosten. Die im Endabnehmerpreis bereits enthaltenen Netzentgelte betragen derzeit ca. 5,25 ct/kWh. Hinzu kommen Steuern (ca. 5,7 ct/kWh) und weitere Abgaben sowie Verwaltungs- und Messkosten (ca. 3,4 ct/kWh), die in den Stromgestehungskosten der PV nicht ber&#252;cksichtigt werden. Auch wenn die Netzparit&#228;t einen an sich wenig sinnvollen Vergleich darstellt, bildet sie eine psychologisch wichtige Schwelle. Indem sie die N&#228;he der Kosten zu schon heute geleisteten Zahlungen dokumentiert, deutet sie eine – wenn auch erst mittel- bis langfristig umsetzbare – grunds&#228;tzliche wirtschaftliche Funktionsf&#228;higkeit der PV-Stromerzeugung in Deutschland an. Dies ist der ber&#252;hmte Silberstreif am Horizont.</p>
<p>Schlie&#223;lich ist festzustellen, dass die bislang erfolgten Preissenkungen die Photovoltaik in bestimmten Bereichen bereits heute zu einer effizienten Technologie gemacht haben. L&#228;ndliche Regionen in Entwicklungsl&#228;ndern verf&#252;gen oftmals nicht &#252;ber einen Zugang zum Leitungsnetz. In solchen F&#228;llen k&#246;nnen Kombinationen aus Windenergie, Photovoltaik, Speichern und Dieselgeneratoren den – im Gegensatz zum Leitungsanschluss – kosteng&#252;nstigsten Zugang zur Elektrizit&#228;t liefern. Au&#223;erdem muss nat&#252;rlich darauf hingewiesen werden, dass die oben genannten hohen Stromgestehungskosten nicht zuletzt auf die ung&#252;nstige Lage Deutschlands zur&#252;ckzuf&#252;hren sind. Dieselbe PV-Anlage mit einer Spitzenleistung von 1 kWp, die in Deutschland j&#228;hrlich zwischen 800 und 1100 kWh Strom liefert, w&#252;rde in anderen Teilen der Welt eine deutlich gr&#246;&#223;ere Energiemenge liefern. In Afrika erg&#228;be sich ein j&#228;hrlicher Energieoutput von etwa 1800 – 2000 kWh, in Indien und Chile sogar Werte von 2200 kWh bis zu 2400 kWh. Dies bewirkt einen R&#252;ckgang der Stromgestehungskosten auf bis zu 12 ct/kWh (Chile), also nur noch ein Eurocent mehr als die Gestehungskosten f&#252;r moderne fossile Kraftwerke!</p>
<p>Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es nicht unwichtig zu ergr&#252;nden, auf welchem Wege die Preissenkungen f&#252;r PV-Strom erreicht wurden und welchen Anteil das EEG hieran hat. Preissenkungen k&#246;nnen grunds&#228;tzlich &#252;ber zumindest drei Impulse erkl&#228;rt werden: Kostensenkungen, Zunahme von Anbieterzahl und Wettbewerbsintensit&#228;t sowie Nachfrager&#252;ckg&#228;nge. Letztere d&#252;rften hier aber kaum relevant sein.</p>
<p>Als Ursache f&#252;r Kostensenkungen lassen sich zumindest drei Aspekte anf&#252;hren: (1) Skalen- und Lernkurveneffekte, (2) technologische Innovationen und (3) Faktorpreissenkungen. Skalen- und Lernkurveneffekte scheinen in der Tat eine gewisse Rolle zu spielen. Durch eine zunehmende Industrialisierung der Produktion von PV-Anlagen k&#246;nnen Skaleneffekte, also Massenproduktionsvorteile, realisiert werden. Lernkurveneffekte beinhalten, dass mit steigender kumulierter Produktionsmenge die Erfahrung der Anbieter steigt und sie somit ihre Technologien bzw. deren Produktionsprozesse immer weiter verfeinern und die Kosten senken k&#246;nnen.</p>
<p>Als wesentliche technische Innovation (2) ist wohl die Entwicklung der kosteng&#252;nstigen D&#252;nnschichtmodule zu nennen, deren Marktanteil sich insbesondere in den Jahren 2009 und 2010 deutlich erh&#246;ht hat. First Solar, der weltweit gr&#246;&#223;te Hersteller von Modulen, gibt an, D&#252;nnschichtmodule zu Kosten von 0,84 $ produzieren zu k&#246;nnen. Zum Vergleich: der durchschnittliche Verkaufspreis f&#252;r kristalline Module liegt derzeit bei ca. 1,80 €.</p>
<p>Als bedeutendste Faktorpreissenkung (3) ist der Siliziumpreis zu nennen. Nach Einf&#252;hrung des EEG ist es zu erheblichen Silizium-Lieferengp&#228;ssen mit entsprechenden Preiserh&#246;hungen gekommen. Dies induzierte einen sp&#252;rbaren Ausbau der Silizium-Produktionskapazit&#228;ten. Seit Anfang 2009 ist der Siliziumpreis schlie&#223;lich von etwa 500 $/kg auf derzeit unter 60 $/kg gesunken und hat damit ma&#223;geblich dazu beigetragen, die Kosten zur Produktion von PV-Modulen zu verringern.</p>
<p>Neben der Kostenseite hat auch die Entwicklung der Marktstruktur einen Beitrag zur Modul- und Anlagenpreissenkung geleistet. Die garantierten Einspeiseverg&#252;tungen in Deutschland und die damit verbundenen sicheren Gewinne haben dazu gef&#252;hrt, dass viele in- und ausl&#228;ndische Anbieter in den Markt eingetreten sind. Auf diese Weise konnten Lieferengp&#228;sse &#252;berwunden und der Wettbewerb zwischen den Anbietern intensiviert werden.</p>
<p>Unabh&#228;ngig davon, dass die Preisentwicklung als erfreulich bezeichnet werden kann, bleibt die Frage, inwieweit das EEG hierzu beigetragen hat. Abbildung 3 zeigt die Entwicklung der Modulpreise seit 1989. Aus der Graphik geht deutlich hervor, dass die Modulpreise nicht erst mit der Einf&#252;hrung der gro&#223;z&#252;gigen EEG-Einspeiseregelung im Jahr 2004 sinken. Wichtig ist nun zu &#252;berpr&#252;fen, ob bzw. inwieweit die EEG-Regelungen den Preissenkungstrend verst&#228;rkt haben.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/eeg3.png"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/eeg3.png" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Abbildung 3: Langfristige Entwicklung der Modulpreise</p>
<p>Mit dem EEG hat sich Deutschland zum wichtigsten PV-Markt der Welt entwickelt. Obwohl die Voraussetzungen f&#252;r die Nutzung der Photovoltaik in Deutschland nicht optimal sind, befindet sich inzwischen etwa die H&#228;lfte der weltweit installierten Kapazit&#228;t auf deutschem Boden. Auf der Produktionsseite nimmt Deutschland keine vergleichbare Position ein. So betr&#228;gt der Anteil deutscher Unternehmen an der weltweiten Solarzellenproduktion ca. 15 %. Das bedeutet zun&#228;chst einmal, dass der technische Fortschritt der PV-Branche sich nicht auf Deutschland konzentriert. Aus &#246;konomischer Sicht ist dies jedoch unproblematisch, wenn damit langfristig eine nachhaltige Energieversorgung erm&#246;glicht wird. Entscheidend ist nicht die regionale Aufteilung der Produktion, sondern die Preisentwicklung vor und nach den EEG-Regelungen von 2004.</p>
<p>Der Vergleich zeigt folgendes: Die gro&#223;z&#252;gige Einspeiseverg&#252;tung verursachte zun&#228;chst Lieferengp&#228;sse, die sich in steigenden Modulpreisen von 2004 bis 2008 widerspiegeln. Der darauf folgende Preissturz in 2009 und 2010 ist zumindest teilweise eine Folge der Beseitigung dieser Engp&#228;sse. Die gestrichelte Kurve in Abbildung 3 ist das Ergebnis einer Trendsch&#228;tzung. Weder visuell noch mit Hilfe von Regressionssch&#228;tzungen l&#228;sst sich derzeit eine Ver&#228;nderung des Trends feststellen. Der Zeitraum signifikanter Preissenkungen ist allerdings bislang noch zu kurz um absch&#228;tzen zu k&#246;nnen, ob das EEG die Preissenkung verst&#228;rken konnte oder nicht.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Fazit</strong></p>
<p>Abschlie&#223;end k&#246;nnen wir feststellen, dass die Einspeiseverg&#252;tung f&#252;r PV-Strom durch das EEG nicht immer die Wirkungen aufweist, die man ihm auf den ersten Blick zuweist. Beginnen wir mit den eher ern&#252;chternden Ergebnissen, dem Schatten:</p>
<p>- Die Einspeiseverg&#252;tung ist teuer.</p>
<p>- Positive Umweltschutzeffekte im Hinblick auf den Klimawandel bestehen nicht. Klimapolitik l&#228;sst sich mit anderen Mittel preiswerter und wirksamer durchf&#252;hren.</p>
<p>- Die Subventionen, die mit der Schaffung der entstandenen Arbeitspl&#228;tze in der PV-Branche verbunden sind, sind exorbitant. Die PV-Industrie kann nicht als arbeitsmarktpolitischer Erfolg bezeichnet werden. Mit derselben Subventionsleistung h&#228;tte man in anderen Sektoren ein Vielfaches an Arbeitspl&#228;tzen erzeugen k&#246;nnen.</p>
<p>- Die F&#246;rderung der PV-Technologie dient zu einem gro&#223;en Teil dem Aufbau entsprechender Produktionskapazit&#228;ten in anderen L&#228;ndern. Ressourcen&#246;konomisch betrachtet ist dies ohne gro&#223;e Bedeutung, aus industriepolitischer Sicht kann die F&#246;rderung jedoch kaum als gro&#223;er Erfolg angesehen werden.</p>
<p>Damit sind die beliebtesten Argumente zur Bef&#252;rwortung der PV-Einspeiseregelung als ung&#252;ltig anzusehen. Es bleibt dann nur noch das Ziel des Aufbaus einer langfristigen und verl&#228;sslichen Energieversorgung, die ein wenig Licht in die Diskussion wirft:</p>
<p>- Die Gestehungskosten f&#252;r PV-Strom sind seit Beginn der Einspeiseverg&#252;tung sp&#252;rbar gesunken, sodass die Photovoltaik unter bestimmten Umst&#228;nden (g&#252;nstige Sonnenbestrahlung, fehlender Netzanschluss) sogar effizient ist.</p>
<p>- Auch wenn im Allgemeinen gilt, dass die PV-Stromerzeugung noch nicht wettbewerbsf&#228;hig ist, zeichnet sich ab, dass die Photovoltaik eine wichtige Option f&#252;r die Zukunft darstellt.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich l&#228;sst sich feststellen, dass die EEG-Regelungen ziemlich genau so wirken, wie es die &#246;konomische Theorie vorausgesagt hat. Die garantierten, hohen Preise f&#252;hrten fast unvermeidlich zum Einsatz von PV-Anlagen in der Stromerzeugung und zum Aufbau von Produktionskapazit&#228;ten f&#252;r PV-Anlagen. Die festen Verg&#252;tungss&#228;tze erzeugen au&#223;erdem hohe Anreize zur Kostensenkung, was f&#252;r viele andere Instrumente zur F&#246;rderung erneuerbarer Energien nur eingeschr&#228;nkt gilt (<em>Springmann</em> 2005).</p>
<p>Der Umstand einer lehrbuchm&#228;&#223;igen Reaktion der Angebotsseite – also eines preisinduzierten Kapazit&#228;tsaufbaus und eines entsprechenden Technologiefortschritts – legt allerdings nahe, dass die Entwicklung, die in der j&#252;ngeren Vergangenheit zu erkennen war, in einigen Jahren auch ohne Quersubventionierung durch das EEG erfolgt w&#228;re. Nur h&#228;tten sich die Marktpreise dann an den Grenzkosten der Stromerzeugung orientiert, und der Aufbau der globalen PV-Industrie w&#228;re nicht vorrangig von Deutschland finanziert worden. Da sich Marktpreise nicht an den teuersten, sondern an den g&#252;nstigsten Anbietern ausrichten, w&#228;ren nicht unn&#246;tig teure Anlagen auf den D&#228;chern installiert worden, und die Mitnahmegewinne der Unternehmen w&#228;ren geringer ausgefallen.</p>
<p>Apropos Mitnahmegewinne, die erfreuliche Absenkung der Gestehungskosten auf ein gesch&#228;tztes Maximum von 33 ct/kWh setzt die j&#252;ngst vorgenommene Senkung der Einspeiseverg&#252;tung in ein h&#246;chst vorteilhaftes Licht: W&#228;re man bei den vorgesehenen 39 ct/kWh geblieben, w&#228;re die Differenz, also 6 ct/kWh, eine reine Einkommensumverteilung zu Lasten der Strombezieher und zu Gunsten der Energieunternehmen gewesen. Die gesenkten Verg&#252;tungss&#228;tze erlauben auch weiterhin einen ungebremsten Ausbau der Photovoltaik und lassen die Innovationsanreize unver&#228;ndert. Gut zu wissen, dass die Politik ein solches Ma&#223; an Verschwendung zu verhindern wusste!</p>
<p><strong>Literatur</strong><br />
<em><br />
Bundesverband Solarwirtschaft</em> (2010): Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche (Photovoltaik), August 2010, abgerufen am 24. August 2010 <a href="http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/content_files/Faktenblatt_PV_BSW_August.pdf" target="blank">unter</a><br />
<em>Frondel, Manuel, Nolan Ritter und Christoph M. Schmidt et al.</em> (2007): Photovoltaik: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, RWI Positionen # 18,2, Rheinisch-Westf&#228;lisches Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung, Essen.<br />
<em>pvXchange</em> (2010): pvxchange Preisindex August 2010, abgerufen am 26. August 2010 <a href="http://www.pvxchange.com/de/index.php/download.php?pvx_2010_08_preisindex.pdf" target="blank">unter</a><br />
<em>Springmann, Jens-Peter</em> (2005): F&#246;rderung erneuerbarer Energietr&#228;ger in der Stromerzeugung: Ein Vergleich ordnungspolitischer Instrumente, Wiesbaden.<br />
<em>U.S. Energy Information Administration USEIA</em> (2010): Annual Energy Review, Washington, D.C., abgerufen am 22. August 2010 <a href="http://www.eia.doe.gov/emeu/aer/pdf/aer.pdf" target="blank">unter</a></p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/eGm2dks-H5g" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=4040</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4040</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Allgemeine Dienstpflicht: Die Inkarnation der Verschwendung</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/KYFz92wsD4c/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4074#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 05:28:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolf Schäfer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Dienstpflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Zivildienst]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4074</guid>
		<description><![CDATA[Die gegenw&#228;rtige Diskussion &#252;ber die Wehrpflicht und deren vermutliche Abschaffung bzw. Aussetzung erzeugt eine neue Diskussion um die Einf&#252;hrung eines alternativen Zwangsdienstes f&#252;r die jungen Leute in Deutschland: Ministerpr&#228;sidenten und andere Funktionstr&#228;ger vor allem der gro&#223;en Volksparteien sowie anderer Gesellschaftsgruppen (z. B. Wohlfahrtsverb&#228;nde, Philologenverband) fordern die Allgemeine Dienstpflicht f&#252;r M&#228;nner und Frauen, damit die Jugend, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die gegenw&#228;rtige Diskussion &#252;ber die Wehrpflicht und deren vermutliche Abschaffung bzw. Aussetzung erzeugt eine neue Diskussion um die Einf&#252;hrung eines alternativen Zwangsdienstes f&#252;r die jungen Leute in Deutschland: Ministerpr&#228;sidenten und andere Funktionstr&#228;ger vor allem der gro&#223;en Volksparteien sowie anderer Gesellschaftsgruppen (z. B. Wohlfahrtsverb&#228;nde, Philologenverband) fordern die Allgemeine Dienstpflicht f&#252;r M&#228;nner und Frauen, damit die Jugend, wenn der milit&#228;rische Zwangsdienst wegfiele, an anderer Stelle „wenigstens einmal im Leben gesellschaftliche Verantwortung f&#252;r ihren Staat“ &#252;bern&#228;hmen. Dahinter steht zudem die &#220;berlegung, den als Folge der Wehrpflichtsuspension entstehenden Wegfall des – angeblich kosteng&#252;nstigen –Zivildienstes durch eine Allgemeine Dienstpflicht zu kompensieren.</p>
<p><span id="more-4074"></span></p>
<p>Dieses Pl&#228;doyer f&#252;r eine – auch moralisch unterf&#252;tterte – Einweisung der Jugend in einen fl&#228;chendeckenden zivilen Zwangsdienst bedeutet die Forderung nach h&#246;chster Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen. Die Begr&#252;ndung daf&#252;r ist einfach und liegt im &#246;konomischen Kalk&#252;l: Jeder Pflichtdienstleistende verursacht Verzichtskosten, die dadurch entstehen, da&#223; er w&#228;hrend seines Zwangsdienstes keiner anderen zivilen Erwerbst&#228;tigkeit nachgehen kann. Damit verzichtet nicht nur der Zwangsdienstleistende, sondern auch die Gesellschaft auf eine h&#246;here Wertsch&#246;pfung, die ohne die Dienstpflicht m&#246;glich w&#228;re. Die &#214;konomen bezeichnen diesen Wertsch&#246;pfungsverzicht bekanntlich als Opportunit&#228;tskosten.</p>
<p>Wie hoch w&#228;ren diese Opportunit&#228;tskosten gegenw&#228;rtig? Solche Berechnungen sind komplex, aber die Gr&#246;&#223;enordnungen lassen sich wohl einigerma&#223;en gut absch&#228;tzen, wenn man von folgenden Voraussetzungen ausgeht: Die Dienstpflicht  betrifft alle M&#228;nner und Frauen eines Geburtsjahrgangs und dauert ein Jahr, sie wird analog zur Wehrpflicht allgemein zwischen dem 19. Und 23. Lebensjahr abgeleistet, die Bez&#252;ge der Dienstleistenden entsprechen denen der Wehrdienstleistenden. Als Opportunit&#228;tskosten wird das Produktionspotential der Dienstleistenden betrachtet, gemessen als das durchschnittliche Bruttoerwerbseinkommen aller vollzeitbesch&#228;ftigten Arbeitnehmer der betreffenden Altersgruppe. Die Ber&#252;cksichtigung von Arbeitslosigkeit wird ausgeklammert, weil sie aus funktionalen M&#228;ngeln des Arbeitsmarktes herr&#252;hrt und das gesamtwirtschaftliche Produktionspotential der Dienstpflichtigen nicht tangiert.</p>
<p>Auf den Geburtsjahrgang 1990 bezogen w&#252;rden statistisch etwa 850.000 M&#228;nner und Frauen f&#252;r die Einziehung zum Allgemeinen Pflichtjahr zur Verf&#252;gung stehen, deren durchschnittliches Bruttoeinkommen als Vollerwerbst&#228;tige rund 27.500 Euro betr&#228;gt. Bei einer Einziehungsquote von 95 % bel&#228;uft sich das entgangene Bruttoerwerbseinkommen aller Dienstpflichtigen damit auf rund 22,2 Mrd. Euro. Das sind die gegenw&#228;rtigen wahren Kosten einer Allgemeinen Dienstpflicht.</p>
<p>Die Rechnung zeigt, da&#223; die Beurteilung  der Kosten der Allgemeinen Dienstpflicht auf Basis der rein budget&#228;ren Kosten zu kurz greift. Diese werden in staatlichen Zwangsdiensten ja marktunabh&#228;ngig festgelegt und betragen auf Basis der Personalkosten f&#252;r Grundwehrdienstleistende zur Zeit etwa 15.000 Euro pro Jahr. Die gesamten j&#228;hrlichen Personalkosten im Budget f&#252;r Pflichtdienstleistende betr&#252;gen dann also rund 12,8 Mrd. Euro. Von den tats&#228;chlichen gesamtwirtschaftlichen Kosten der Dienstpflicht w&#252;rden also nur etwas mehr als 57 % im staatlichen Budget transparent. Die &#252;brigen Kosten – immerhin rund 43 % der Gesamtkosten – m&#252;&#223;ten dann von den Dienstpflichtigen als implizite Steuer getragen werden. Auf deren Bruttoerwerbseinkommen bezogen entspricht dies einem Durschnittsteuersatz von 43 %, also einer exorbitant hohen Besteuerung, der in der niedrigen Einkommensklasse der Dienstpflichtigen niemand sonst unterliegt. Kurios ist zudem, da&#223; diese Steuer in keinem Staatsbudget als Einnahme erscheint, weil sie eine – dem heutigen Steuersystem absolut fremde – Naturalsteuer ist, die in Zeiteinheiten (L&#228;nge der Dienstpflicht) an den Staat gezahlt werden mu&#223;. Eine solche Naturalsteuer verletzt alle Grundprinzipien der Besteuerung (Allgemeinheit, Gleichheit, Leistungsf&#228;higkeit), wie sie in den modernen Steuersystemen von heute gelten.</p>
<p>Die vorgenommene Quantifizierung der Kosten einer Allgemeinen Dienstpflicht bedarf mancher Erg&#228;nzungen, die sich vor allem auf die &#246;konomischen Folgewirkungen einer nicht marktbestimmten Zwangsverpflichtung zu Arbeitsleistungen bezieht und die, w&#252;rde man sie zu quantifizieren versuchen, die aufgezeigten Dienstpflichtkosten im Zeitverlauf um ein Vielfaches erh&#246;hen. Sie bestehen in einer massiven Verzerrung der relativen Knappheitsverh&#228;ltnisse auf den interdependenten M&#228;rkten der Volkswirtschaft. Denn die administrative Zuf&#252;hrung von nicht professionellen und nicht marktentlohnten Arbeitskr&#228;ften eines ganzen Geburtsjahrgangs in bestimmte Sektoren – z. B. in den Pflegesektor – zerst&#246;rt eine effiziente wettbewerbsgesteuerte Allokation des Erwerbspersonenpotentials. Sie diskriminiert und verdr&#228;ngt professionelle Kr&#228;fte. Und sie f&#252;hrt zu deren Unterbezahlung mit der Folge, da&#223; Attraktivit&#228;ts- und Rekrutierungsprobleme bei gleichzeitig geringer(er) Qualit&#228;t der Pflegeleistungen entstehen.</p>
<p>Zudem m&#252;&#223;ten aus Gr&#252;nden der „Dienstgerechtigkeit“ hinreichend viele Dienstposten f&#252;r alle Zwangsverpflichteten geschaffen werden. Wird – was schon aus Gr&#252;nden begrenzter Absorptionskapazit&#228;ten wahrscheinlich ist – das Personalaufkommen nicht vollst&#228;ndig einem einzelnen Sektor wie dem Pflegesektor zugewiesen, so m&#252;&#223;ten von der staatlichen Verwaltung andere Sektoren ausgemacht werden, in denen bestimmte Dienste einfach als &#246;ffentliche G&#252;ter (um)definiert werden: in der Land- und Forstwirtschaft („saubere W&#228;lder“), im Umweltschutz („gesunde Biotope“), in der Bauwirtschaft („zukunftsf&#228;hige Infrastrukturma&#223;nahmen“), in den Schulen („Nachhilfe durch Mentoren“), in Migrationszentren („nachhaltige Migrationshilfe“) und in beliebig vielen anderen Sektoren, die ziemlich sicher als „Bedarfssektoren“ wie Pilze aus dem Boden sprie&#223;en w&#252;rden.</p>
<p>So entscheidet dann bei staatlicher Zwangsallokation des Faktors Arbeit die staatliche Verwaltung, welche G&#252;ter als „&#246;ffentlich“ deklariert werden, an welchen Arbeiten in welchem Umfang „Bedarf“ besteht und wie hoch die Entlohnung f&#252;r den Faktor Arbeit zu sein hat. Um dies alles zu bew&#228;ltigen, m&#252;&#223;te die staatliche Administration kostentreibend expandieren. Dies ist die Philosophie aller staatlichen Zentralplanwirtschaften, die an den Pr&#228;ferenzen der B&#252;rger vorbeiplanen, falsche Preise und L&#246;hne fixieren, die marktlichen Opportunit&#228;tskosten negieren und von denen wir deshalb aus den vielf&#228;ltigen Erfahrungen doch wissen, welche massiven Sch&#228;den sie immer und &#252;berall verursachen.</p>
<p>Aus &#246;konomischer Sicht w&#228;re die Einf&#252;hrung einer Allgemeinen Dienstpflicht als Ersatz f&#252;r den Wegfall des Wehr- und Zivildienstes in Deutschland deshalb ein institutionelles Arrangement, das allen bew&#228;hrten &#246;konomischen Allokationskriterien widerspricht. Die Allgemeine Dienstpflicht ist deshalb ein Institut h&#246;chster Ressourcenverschwendung in Bezug auf das kostbare Humanverm&#246;gen junger Menschen. Sie k&#228;me die deutsche Volkswirtschaft teuer zu stehen.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/KYFz92wsD4c" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=4074</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4074</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Laufzeit-Geschacher um Kernkraftwerke</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/zffBWcGAmwE/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4070#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 23:01:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henning Klodt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltpolitisches]]></category>
		<category><![CDATA[Kernkraft]]></category>
		<category><![CDATA[Laufzeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4070</guid>
		<description><![CDATA[Wenn der Staat der Eigent&#252;mer von Kernkraftwerken w&#228;re, dann sollte er sich Gedanken machen &#252;ber die Laufzeit der Kraftwerke. Wenn der Staat zugleich zust&#228;ndig w&#228;re f&#252;r die Regulierung der Kernkraft, dann k&#228;me er in einen unguten Zielkonflikt. Denn eine sch&#228;rfere Regulierung in Bezug auf Sicherheitsanforderungen w&#252;rde die &#246;konomisch sinnvollen Restlaufzeiten vermutlich verk&#252;rzen, da sie die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der Staat der Eigent&#252;mer von Kernkraftwerken w&#228;re, dann sollte er sich Gedanken machen &#252;ber die Laufzeit der Kraftwerke. Wenn der Staat zugleich zust&#228;ndig w&#228;re f&#252;r die Regulierung der Kernkraft, dann k&#228;me er in einen unguten Zielkonflikt. Denn eine sch&#228;rfere Regulierung in Bezug auf Sicherheitsanforderungen w&#252;rde die &#246;konomisch sinnvollen Restlaufzeiten vermutlich verk&#252;rzen, da sie die Grenzkosten der Stromgewinnung aus Kernkraft erh&#246;hen w&#252;rden. Der Staat w&#228;re also hin- und hergerissen zwischen seinem Interesse an m&#246;glichst hohen Gewinnen aus den Kernkraftwerken einerseits und einer m&#246;glichst wirkungsvollen Durchsetzung der Regulierungen andererseits. Es trifft sich gut, dass dem deutschen Staat dieser Zielkonflikt erspart bleibt, denn er ist zwar Regulierer, aber nicht Betreiber der Kernkraftwerke. Er kann sich damit auf seine hoheitliche Aufgabe konzentrieren und kann die Entscheidung dar&#252;ber, welche Kraftwerkslaufzeiten zu diesen Regulierungen passen, unbesorgt den Energieversorgungsunternehmen &#252;berlassen.</p>
<p><span id="more-4070"></span></p>
<p>Ohne Not (und ohne Sinn und Verstand) hat sich der Staat aus dieser komfortablen Lage herausman&#246;vriert. Nat&#252;rlich ist er nach wie vor f&#252;r die Regulierung der Kernkraft zust&#228;ndig, aber er f&#252;hlt sich mittlerweile auch noch zust&#228;ndig f&#252;r die Laufzeit der Kraftwerke. Jetzt ist der Zielkonflikt da. Der Streit innerhalb der Politik geht jetzt nicht etwa darum, wie der Staat aus dieser selbst gestellten Zwickm&#252;hle wieder herauskommen kann, sondern nur noch darum, ob die Laufzeitverl&#228;ngerung zehn, zw&#246;lf, f&#252;nfzehn oder zwanzig Jahre betragen oder ganz entfallen sollte. Es ist schwer nachvollziehbar, wie eine ganze Nation derart am Thema vorbei diskutieren kann.</p>
<p>In der Energiepolitik gilt, wie in anderen Lebensbereichen auch, dass die Rolle des Regelsetzers und Schiedsrichters nicht mit der des Mitspielers vermengt werden sollte. Wenn der Schiedsrichter ein Eigeninteresse daran bekommt, wer am Ende des Spiels der Gewinner ist, dann resultieren daraus zwangsl&#228;ufig inferiore Spielregeln und fast zwangsl&#228;ufig ein inferiores Spielergebnis.</p>
<p>Es ist &#252;brigens keineswegs ausgemacht, dass bei einer Konzentration des Staates auf die Regulierung der Kernkraft l&#228;ngere Laufzeiten f&#252;r die Atommeiler herauskommen w&#252;rden. Insbesondere bei der Endlagerung des atomaren Restm&#252;lls sind nach wie vor derart viele Fragen unbeantwortet, dass eine ernsthafte und politisch mehrheitsf&#228;hige Regulierung in diesem Bereich sogar zu einer drastischen Reduzierung der Restlaufzeiten f&#252;hren k&#246;nnte. M&#246;glicherweise fallen die Antworten, die auf die Frage nach der atomaren Endlagerung von Politik und Wirtschaft gegeben werden, auch deshalb so verschwommen aus, weil sich die Politik zu weit von ihrer eigentlichen Aufgabe als Regulierer entfernt hat und zu sehr die unternehmerischen Abl&#228;ufe in der Energiewirtschaft mitbestimmen will.</p>
<p>Es ist auch keineswegs ausgemacht, dass der Staat weniger Steuereinnahmen erzielen w&#252;rde, wenn er sich auf seine Regulierungsaufgabe beschr&#228;nken und die Frage der Rest-laufzeiten den Unternehmen &#252;berlassen w&#252;rde. Wenn Unternehmen aus l&#228;ngeren Lauf-zeiten h&#246;here Gewinne erzielen und diese Gewinne letztlich Ausdruck unvollkommenen Wettbewerbs in einem politisch gesch&#252;tzten Markt darstellen, dann ist nichts Marktwidriges dabei, diese Monopolgewinne, die bei funktionierendem Wettbewerb gar nicht anfallen w&#252;rden, mit h&#246;heren Steuern abzusch&#246;pfen. Dies m&#252;sste nicht unbedingt, wie es derzeit diskutiert wird, mit einer Sondersteuer f&#252;r die Energiewirtschaft geschehen, sondern k&#246;nnte verfassungsrechtlich und steuersystematisch wesentlich unproblematischer mit Hilfe von Konzessionsabgaben erfolgen.</p>
<p>Auch das Argument, verl&#228;ngerte Laufzeiten bei Kernkraftwerken w&#252;rden die zarten Pfl&#228;nzchen der erneuerbaren Energien niedertrampeln, erscheint nicht stichhaltig. Zwar ist es richtig, dass ein st&#228;rkerer Einsatz erneuerbarer Energien unabdingbar sein d&#252;rfte, um die klimapolitischen Ziele der CO2-Reduzierung nachhaltig erreichen zu k&#246;nnen. Eine Politik, die sich diesem Ziel verpflichtet f&#252;hlt, sollte jedoch nicht direkt in die technologische Entwicklung eingrei¬fen, sondern m&#246;glichst marktkonforme Steuerungssignale einsetzen. Ein solches Signal w&#228;re die konsequente Erhebung einer CO2-Steuer beziehungsweise die konsequente Begrenzung des CO2-Aussto&#223;es durch Emissionszertifikate. Wenn dies tats&#228;chlich fl&#228;chendeckend f&#252;r alle Energietr&#228;ger und f&#252;r alle Wirtschaftszweige durchgesetzt w&#252;rde, dann k&#228;me es vermutlich zu einer drastischen Verteuerung der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen, wodurch die regenerativen Energien (und nat&#252;rlich auch die Kernkraft), die keine CO2-Steuer entrichten m&#252;ssten und keine Emissionszertifikate ben&#246;tigen w&#252;rden, automatisch an relativer Wettbewerbsf&#228;higkeit gew&#246;nnen. Eine solche integrierte Energie¬politik w&#252;rde f&#252;r den Klimaschutz mehr bewirken als alle Forschungsf&#246;rderungsprogramme f&#252;r die F&#246;rderung regenerativer Energien zusammengenommen.</p>
<p>Insgesamt erinnert die Debatte um die Laufzeiten der Kernkraftwerke fatal an die Abwrackpr&#228;mie: Damals lobte der Staat Pr&#228;mien daf&#252;r aus, funktionsf&#228;hige Autos zu zerst&#246;ren &#8211; also daf&#252;r, Verm&#246;genswerte zu vernichten. Auch diesmal geht es um die Vernichtung von Verm&#246;genswerten, und zwar um Kernkraftwerke, die vom Netz genommen werden m&#252;ssen, auch wenn sie technisch voll funktionsf&#228;hig sind und allen staatlichen Sicherheitsauflagen gen&#252;gen. Das Kernproblem liegt vermutlich wieder einmal darin, dass Politiker sich selbst gern als kompetente Macher darstellen, die den Lauf der Dinge tatkr&#228;ftig beeinflussen. Die Rolle des reinen Regulierers, der sich auf das Setzen effizienter Spielregeln beschr&#228;nkt und die erfolgreiche Anpassung an diese Spielregeln den unternehmerischen Akteuren im Markt &#252;berl&#228;sst, ist wesentlich weniger beliebt.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/zffBWcGAmwE" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=4070</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4070</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Gastbeitrag:„Janusgesichtige“ Staatsverschuldung? Ein Kommentar zu Carl Christian von Weizsäcker</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/-b8QJYLViRs/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4029#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 23:01:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf Caesar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fiskalisches]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[No-Bail-Out]]></category>
		<category><![CDATA[schuldenbremse]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsverschuldung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4029</guid>
		<description><![CDATA[Als zentrales Ergebnis der sogenannten F&#246;deralismuskommission II wurde in Deutschland im Sommer 2009 nach Schweizer Vorbild eine neue „Schuldenschranke“ ins Grundgesetz aufgenommen. Sie zieht f&#252;r den Bund ab 2016 eine Obergrenze der j&#228;hrlichen Neuverschuldung von 0,35 v.H. des BIP; ab 2011 muss der Bund seine strukturellen Defizite schrittweise verringern, um den genannten Zielwert 2016 zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als zentrales Ergebnis der sogenannten F&#246;deralismuskommission II wurde in Deutschland im Sommer 2009 nach Schweizer Vorbild eine neue „Schuldenschranke“ ins Grundgesetz aufgenommen. Sie zieht f&#252;r den Bund ab 2016 eine Obergrenze der j&#228;hrlichen Neuverschuldung von 0,35 v.H. des BIP; ab 2011 muss der Bund seine strukturellen Defizite schrittweise verringern, um den genannten Zielwert 2016 zu erreichen. F&#252;r die Bundesl&#228;nder gilt sogar ein striktes Defizitverbot ab dem Jahr 2020; flankiert wird dieses Verbot allerdings in der &#220;bergangszeit von 2011 bis 2020 durch Schuldenhilfen f&#252;r hoch verschuldete L&#228;nder (Bremen, Saarland, Berlin, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein). Die genannten Obergrenzen f&#252;r Bund und L&#228;nder k&#246;nnen bei konjunkturellen Einbr&#252;chen vor&#252;bergehend &#252;berschritten werden. Konjunkturbedingte Fehlbetr&#228;ge sind auf einem Kontrollkonto zu erfassen und in den folgenden Haushaltsjahren auszugleichen. &#220;berdies sind im Fall von „Naturkatastrophen oder au&#223;ergew&#246;hnliche(n) Notsituationen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen und die staatliche Finanzlage erheblich beeintr&#228;chtigen“, ausnahmsweise noch h&#246;here Defizite zul&#228;ssig, wobei diese aber einen Parlamentsbeschluss (mit einfacher Mehrheit) und einen verbindlichen Tilgungsplan voraussetzen. Schlie&#223;lich wird ein „Stabilit&#228;tsrat“ gebildet, der die Haushaltspolitik laufend beobachten soll und gegebenenfalls „Fr&#252;hwarnungen“ aussprechen kann.</p>
<p><span id="more-4029"></span>Die neue „Schuldenschranke“ wurde in Wissenschaft und Politik im deutschsprachigen Raum ganz &#252;berwiegend begr&#252;&#223;t. Angesichts der seit Jahrzehnten zu einem Dauerzustand gewordenen Neigung der Politiker, die Staatsverschuldung als bequemes, jedoch in vielerlei Hinsicht problematisches Finanzierungsinstrument zu nutzen, begr&#252;&#223;en die meisten &#214;konomen im deutschsprachigen Raum die nun in Art. 115 GG festgelegten Beschr&#228;nkungen als wichtigen Schritt, um eine solide Haushaltspolitik zu verwirklichen. Die Neuregelung weist zwar eine Reihe von L&#252;cken auf, die gewisse Umgehungsm&#246;glichkeiten er&#246;ffnen. Gleichwohl schr&#228;nkt Art. 115 GG (sofern er beibehalten und eingehalten wird!) zweifellos den k&#252;nftigen Verschuldungsspielraum von Bund und L&#228;ndern drastisch ein. Deutschland geht damit deutlich &#252;ber die auf europ&#228;ischer Ebene verankerten „Konvergenzkriterien“ f&#252;r die Staatsverschuldung (zul&#228;ssiges Haushaltsdefizit maximal 3 v.H. des BIP, Schuldenstand maximal 60 v.H. des BIP) hinaus, und im europ&#228;ischen  Ausland wird die deutsche Regelung inzwischen sogar als Vorbild f&#252;r entsprechende Reformen in anderen EU-L&#228;ndern empfohlen und diskutiert.</p>
<p>Demgegen&#252;ber hat Carl Christian von Weizs&#228;cker in einem k&#252;rzlich erschienenen Aufsatz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („Das Janusgesicht der Staatsverschuldung“, FAZ vom 04. Juni 2010) bezweifelt, dass die deutsche Schuldenbremse „kompatibel mit … drei Leitlinien deutscher Wirtschaftspolitik“ sei. Zu diesen Leitlinien z&#228;hlt er – zu Recht – die Existenz eines weit ausgebauten Sozialstaats, den freien europa- und weltweiten Warenaustausch und das Prinzip der Preisstabilit&#228;t. In seiner Analyse kommt von Weizs&#228;cker zu dem Schluss, dass die Einhaltung der deutschen Schuldenbremse „nicht der richtige Weg“ und „ein Abbau der Staatsschulden die falsche Politik“ seien, weil sie in der derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Situation „der Weg in die Depression sein“ k&#246;nne.</p>
<p>Diese Folgerungen sind zweifellos geeignet, einige Aufmerksamkeit und auch Widerspruch zu provozieren. In diesem Sinne haben sich drei andere renommierte &#214;konomen – Johann Eekhoff, Lars P. Feld und Olaf Sievert – in der FAZ vom 16. Juli 2010 in einer Antwort auf von Weizs&#228;cker („Neuen Schuldengrenzen kein Ohr leihen“) dagegen ausgesprochen, „in einer Phase der Konjunkturerholung die … Aufgabe der Haushaltskonsolidierung wieder einmal zu vertagen“. Stattdessen sei die Einhaltung der Schuldenbremse „unabwendbar“, wenn Deutschland nicht in die Situation Griechenlands geraten will.</p>
<p>Diese Formulierung von Eekhoff, Feld und Sievert mag die Folgen einer fortgesetzten Verschuldung Deutschlands etwas &#252;berdramatisieren. Sie hebt aber zu Recht auf die problematische wirtschaftspolitische Botschaft von Weizs&#228;ckers ab, dass n&#228;mlich eine anhaltende Defizitpolitik f&#252;r Deutschland empfehlenswert oder sogar angeraten sei. Dieser polit&#246;konomischen Kritik von Eekhoff, Feld und Sievert an den Thesen von Weizs&#228;ckers kann sich der Autor dieser Zeilen im Kern nur anschlie&#223;en. Dar&#252;ber hinaus verdienen die Ausf&#252;hrungen von Weizs&#228;ckers jedoch auch unter theoretischen Aspekten eine ausf&#252;hrlichere W&#252;rdigung. Hierbei wird sich zeigen, dass wichtige seiner Folgerungen nicht oder nur unter sehr speziellen Annahmen zutreffen.</p>
<p>Von Weizs&#228;cker geht von der These aus, dass den Schulden des Staates stets „private Verm&#246;gensbestandteile in genau gleicher H&#246;he“ entsprechen. Diese Aussage ist als solche trivial, wenn alle nichtstaatlichen Sektoren – unter Einschluss ausl&#228;ndischer Gl&#228;ubiger – als „privat“ definiert werden. Eine solche Identit&#228;t gilt, wie von Weizs&#228;cker zutreffend betont, f&#252;r die expliziten (offenen) wie f&#252;r die impliziten (verdeckten) Staatsschulden. Von Weizs&#228;cker leitet daraus nun allerdings eine Reihe von Konsequenzen ab, die zumindest diskussionsw&#252;rdig sind.</p>
<p>So argumentiert von Weizs&#228;cker erstens, wenn der Staat weniger neue Kredite aufnehme, werde das private Kapitalangebot nicht hinreichend in der inl&#228;ndischen G&#252;terproduktion (in Form von privaten Investitionen) aufgenommen. Auch auf das Investieren eines privaten Spar&#252;berhangs im Ausland k&#246;nne man sich nicht verlassen, wenn alle L&#228;nder Haushaltskonsolidierung betrieben und dadurch einen &#220;berhang des privaten Sparens produzieren w&#252;rden; zudem gebe es hier Probleme hinsichtlich der Sicherheit f&#252;r inl&#228;ndische Verm&#246;gensanlagen im Ausland (vgl. aktuell den Fall Griechenlands). Zweitens gebe es derzeit bei den historisch niedrigen Realzinsen keine Verdr&#228;ngung privater Investitionen durch Staatsdefizite, so dass eine Verminderung der Staatsschulden keinen stimulierenden Effekt auf die Investitionen habe, sondern vielmehr die Gesamtnachfrage sinken werde. Drittens – und das scheint die Kernaussagen von Weizs&#228;ckers zu sein – „mag“ infolge der Identit&#228;t von Summe der Staatsschulden und privatem Verm&#246;gen „eine allseitige Senkung der Staatsdefizite … einfach in die Krise f&#252;hren, weil es eben angesichts der niedrigen Zinsen keinen Ersatz der wegfallenden Staatsnachfrage durch private Investitionen geben wird“. Deshalb f&#252;hre „eine starre Schuldenbremse, wie sie jetzt f&#252;r Deutschland vorgesehen ist, … bei der erforderlichen Konsolidierung in vielen anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern“ m&#246;glicherweise „in die Krise“ bzw. sogar „in die Depression“. Als Rezept empfiehlt von Weizs&#228;cker die Einf&#252;hrung von Staatsanleihen, deren Coupon auf die nominale Wachstumsrate des Sozialprodukts indexiert sind, weil dadurch das Vertrauen der internationalen Kapitalm&#228;rkte zur&#252;ckgewonnen werden k&#246;nne und der Spielraum f&#252;r eine Erh&#246;hung des staatlichen Schuldenstandes h&#246;her werde.</p>
<p>In der Replik von Eekhoff/Feld/Sievert wird zun&#228;chst zu Recht hervorgehoben, dass die aktuelle Europapolitik mit der faktischen Au&#223;erkraftsetzung der „No-Bail-Out“-Klausel und der vor allem von Frankreich erhobenen Forderung nach einer „europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung“ in eine falsche und gef&#228;hrliche Richtung laufe, die schlechte Wirtschafts- und Finanzpolitiken belohne und erfolgreiche L&#228;ndern mit disziplinierter Politik in die umgekehrte Richtung zwingen wolle; darauf sei hier nicht weiter eingegangen. Au&#223;erdem betonen Eekhoff/Feld/Sievert die traditionelle Kritik am Keynesianismus in seiner „vulg&#228;ren Form“, demzufolge ein (nicht auszuschlie&#223;endes) makro&#246;konomisches Koordinationsversagen nahezu zwingend eine kreditfinanzierte Nachfragest&#252;tzung erfordere. Speziell kritisieren Eekhoff u.a. „das st&#228;ndige kreislauftheoretische Blabla“ gegen eine rasche Konsolidierung der &#246;ffentlichen Haushalte, die mit dem Verweis auf ein angebliches „Kaputtsparen“ der Konjunktur vielfach abgelehnt wird. Allerdings stufen sie dann von Weizs&#228;ckers Thesen gerade nicht als keynesianisch, sondern als verm&#246;genstheoretisch ein. Man mag in terminologischer Hinsicht dar&#252;ber streiten, ob von Weizs&#228;ckers Ausf&#252;hrungen wirklich verm&#246;genstheoretisch sind. Die von Eekhoff/Feld/Sievert getroffene Aussage, dass eine Verringerung des privaten Verm&#246;gens einen negativen Verm&#246;genseffekt ausl&#246;sen k&#246;nne, ist zwar zutreffend. Von Weizs&#228;cker argumentiert allerdings, dass eine Verringerung der staatlichen <em>Neu</em>verschuldung sich negativ auf die Gesamtnachfrage auswirken werde, da es keinen Ersatz durch kompensierende private Investitionen gebe. Diese – wohl eher als keynesianisch einzustufende – Aussage steht aber nicht in direktem Zusammenhang mit der Kernthese von Weizs&#228;ckers, dass sich Staatsschuld (also der Schuldenstand) und korrespondierende private Verm&#246;gensbestandteile „janusgesichtig“ entsprechen m&#252;ssten; Verm&#246;genseffekte im Sinne der Portfoliotheorie werden von ihm nicht explizit angesprochen, sondern vielmehr die Kreislaufeffekte von Staatsnachfrage bzw. privater Investitionsnachfrage. Zudem ist anzumerken, dass eine Haushaltskonsolidierung (vereinfachend lediglich quantitativ definiert als eine Verringerung der geplanten Neuverschuldung) f&#252;r sich genommen nicht nachfragemindernd, sondern nur weniger nachfrageerh&#246;hend wirkt; vom &#246;ffentlichen Haushalt gehen dann nur, verglichen mit der urspr&#252;nglichen Haushalts- bzw. Schuldenplanung, geringere nachfragesteigernde Impulse aus. Die Aussage von Weizs&#228;ckers, dass bei niedrigen Zinsen keine nennenswerten Verdr&#228;ngungseffekte zu erwarten sind, ist zwar ebenfalls kaum zu bestreiten; dies w&#228;re jedoch kein Argument <em>f&#252;r</em> eine zus&#228;tzliche Staatsverschuldung, sondern w&#252;rde lediglich ein traditionelles (in der Hochkonjunktur zutreffendes) Argument <em>gegen</em> staatliche Neuverschuldung relativieren. Schlie&#223;lich weisen Eekhoff/Feld/Sievert zu Recht darauf hin, dass Verm&#246;gensbildung bei den Privaten keineswegs eine korrespondierende Neuverschuldung auf der Staatsebene erfordert. Auch wenn es in keinem Land der Welt staatliche Verschuldung g&#228;be, k&#246;nnten alle L&#228;nder durchaus ihre Exporte erh&#246;hen, wenn sie gleichzeitig auch ihre Importe steigern w&#252;rden. Ein Argument <em>f&#252;r</em> Staatsdefizite l&#228;sst sich daraus also nicht herleiten. Im Gegenteil: Nimmt der Staat durch zus&#228;tzliche Verschuldung private Ersparnisse auf, die anderenfalls in private Investitionsprojekte geflossen w&#228;ren, verdr&#228;ngt er diese, und es kommt zu einer vermehrten Lenkung der volkswirtschaftlichen Ressourcen durch den Staat – was tendenziell zu vermehrten Ineffizienzen f&#252;hrt.</p>
<p>C.C. von Weizs&#228;ckers Pl&#228;doyer gegen die Einhaltung der Schuldenbremse in Deutschland scheint daher bereits aus theoretischer Sicht nicht konsequent begr&#252;ndet; w&#252;rde man seiner Argumentation folgen, so m&#252;sste Deutschland sogar mehr statt weniger Neuverschuldung anstreben, und zwar nicht nur kurzfristig. Unabh&#228;ngig davon fehlen bei von Weizs&#228;cker aber jegliche Hinweise auf die Risiken der Staatsverschuldung aus polit&#246;konomischer Perspektive. Angesichts der empirisch-historisch vielfach belegten Neigung der Politiker, im Sinne des „deficit bias“ von Buchanan/Wagner eine Kreditfinanzierung stets einer ‚soliden‘ Finanzierung von Staatsausgaben durch Steuern (oder andere nichtkredit&#228;re Einnahmen) vorzuziehen, erscheint die Folgerung von Weizs&#228;ckers geradezu als eine Einladung an die politischen Entscheidungstr&#228;ger, sich der Staatsverschuldung in Zukunft noch leichtfertiger als schon in der Vergangenheit zu bedienen. Die Erfahrungen mit der vielfachen Missachtung des Artikels 115 GG in seiner alten Fassung mahnen hier ebenso zur Vorsicht wie die zahlreichen Verst&#246;&#223;e auf europ&#228;ischer Ebene gegen die schuldenpolitischen Restriktionen des Maastrichter Vertrags bzw. des Europ&#228;ischen Stabilit&#228;ts- und Wachstumspaktes. Auch die politischen K&#228;mpfe, die der Einf&#252;hrung der neuen deutschen Schuldenbremse vorangegangen sind, und die dabei erreichten (keineswegs v&#246;llig ‚wasserdichten‘) Kompromissl&#246;sungen rechtfertigen die Folgerung, dass wirksame Grenzen f&#252;r die Staatsverschuldung finanzpolitisch unverzichtbar sind. Nicht zuletzt wegen der drohenden finanziellen Risiken angesichts der demographischen Entwicklung und der k&#252;nftigen Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherungssysteme sollte, um noch einmal Eekhoff/Feld/Sievert zu zitieren, Deutschland in der Tat „kein Ohr haben f&#252;r neue Argumente, die Aufgabe der Haushaltskonsolidierung wieder einmal zu vertagen und stattdessen erst einmal neue Schulden zu machen“.</p>
<p>Politische Ratschl&#228;ge wie die von Weizs&#228;ckers erscheinen hierbei (abgesehen von seinem durchaus diskussionsw&#252;rdigen Pl&#228;doyer f&#252;r eine merkliche Steuersenkung in Deutschland) wenig hilfreich, sondern vielmehr sehr bedenklich. Denn es ist naiv, zu glauben, dass die verantwortlichen Politiker in der Realit&#228;t willens und in der Lage sind, die Staatsverschuldung so exakt situationsbezogen einzusetzen, wie von Weizs&#228;cker es vorschl&#228;gt. Die Geschichte belehrt uns eines besseren. Wir sollten daher froh sein, dass wir in Deutschland nun endlich eine vergleichsweise strenge Verschuldungsgrenze im Grundgesetz verankert haben. Dass sie einigerma&#223;en unflexibel ist, mag in sehr speziellen gesamtwirtschaftlichen Situationen wohlfahrts&#246;konomisch nicht optimal sein; polit&#246;konomisch ist gerade diese Unflexibilit&#228;t ein Segen, der es unseren Politikern einfacher macht, die Schuldenschranke ernst zu nehmen und nicht nach Wegen zu suchen, sie auszuhebeln. Wenn das gelingt, gibt es vielleicht tats&#228;chlich eine Chance f&#252;r solide Staatsfinanzen.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/-b8QJYLViRs" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=4029</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4029</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Brennstäbe für den Bundeshaushalt</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/lrJc_JfQ8Hg/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4016#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 23:01:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Schnellenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Fiskalisches]]></category>
		<category><![CDATA[Brennelementesteuer]]></category>
		<category><![CDATA[Rent-seeking]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4016</guid>
		<description><![CDATA[Die Bundesregierung hat sich in ihrem Sparpaket vorgenommen, eine Steuer auf die Brennelemente der noch Strom produzierenden Atomkraftwerke zu erheben. Angesichts der enormen Volatilit&#228;t in den politischen Absichtserkl&#228;rungen der aktuellen Koalition kann man sich zwar nicht ganz sicher sein, ob sie wirklich noch will, was sie vor wenigen Monaten im Sparpaket beschlossen hat. Aber nehmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesregierung hat sich in ihrem Sparpaket vorgenommen, eine Steuer auf die Brennelemente der noch Strom produzierenden Atomkraftwerke zu erheben. Angesichts der enormen Volatilit&#228;t in den politischen Absichtserkl&#228;rungen der aktuellen Koalition kann man sich zwar nicht ganz sicher sein, ob sie wirklich noch will, was sie vor wenigen Monaten im Sparpaket beschlossen hat. Aber nehmen wir einmal an, es bliebe dabei: Was haben wir von einer solchen Steuer zu halten?</p>
<p><span id="more-4016"></span></p>
<p>Technisch gesehen ist die Bemessungsgrundlage rekordverd&#228;chtig klein. Bis die Steuer tats&#228;chlich erhoben wird, werden vielleicht noch vierzehn oder f&#252;nfzehn Atomkraftwerke am Netz sein. In den Reaktoren befinden sich jeweils zwei, dreihundert Brennelemente, die nach einigen Jahren immer wieder ausgetauscht werden. Trotz dieses &#252;berschaubaren Steuerobjektes soll das Steueraufkommen gut zwei Milliarden Euro im Jahr betragen. Der Steuerbetrag pro Brennstab d&#252;rfte also in die Millionen gehen. Es handelt sich hier au&#223;erdem um eine Produktionssteuer: Ein sehr spezifisches Zwischengut &#8211; die Brennst&#228;be &#8211; wird recht hoch besteuert und die Produktion von Strom in Atomreaktoren wird kostspieliger. Die Tatsache, dass es sich um eine Produktionssteuer handelt, ist nicht ganz unwichtig, wie wir gleich sehen werden.</p>
<p>Aus einer politisch-&#246;konomischen Sicht kann diese Steuer einfach als politisches Tauschgesch&#228;ft verstehen. Es ist absehbar, dass die Energiekonzerne eine Gegenleistung in Form verl&#228;ngerter Laufzeiten f&#252;r ihre Reaktoren erhalten werden. Die Steuer ist dann einfach ein gutes Beispiel f&#252;r das, was in den Lehrb&#252;chern unter dem Stichwort <em>rent-seeking</em> zu finden ist: Die Politik liefert den Unternehmen diesen genehme Marktregulierungen, die es erm&#246;glichen, zus&#228;tzliche Gewinne abzusch&#246;pfen. Zumindest ein Teil der so politisch abgesicherten Gewinne wird sodann als Gegenleistung ins politische System zur&#252;ck transferiert. Immerhin: In diesem konkreten Fall haftet dem Gegengesch&#228;ft einmal kein Gschm&#228;ckle der pers&#246;nlichen Bereicherung an, sondern die zur&#252;ck transferierten Renteneinkommen flie&#223;en ganz transparent in den Bundeshaushalt.</p>
<p>Der Haken an der Belastung der Stromkonzerne in Form einer Produktionssteuer ist allerdings, dass die Zeche nicht nur die Stromkonzerne selbst, sondern auch die Verbraucher zahlen. Aus Sicht der Stromerzeuger steigen mit einer Besteuerung der Brennst&#228;be ihre Grenzkosten, was sich &#252;ber steigende Preise bemerkbar machen wird. Bei einer direkten Besteuerung der Gewinne der Stromanbieter s&#228;he dies anders aus. Auf den Energiem&#228;rkten gibt es, <a href="http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg54.html" target="_blank">wie die Monopolkommission ausf&#252;hrlich darlegt</a>, erhebliche Marktmacht. Paradoxerweise erleichtert aber gerade dies die &#220;berw&#228;lzung einer Gewinnsteuer auf  die Konsumenten nicht: Die Unternehmen bem&#252;hen sich, ihren Gewinn maximierende Preise und Mengen zu setzen. Diese sind aber unabh&#228;ngig davon, ob ein Teil des Gewinns am Ende in die Kassen des Staates oder der Unternehmen flie&#223;t. Eine Gewinnsteuer &#228;ndert also nicht das Verhalten der Stromanbieter am Markt (oder allenfalls langfristig, wenn etwa neue Investitionen weniger attraktiv werden); aus der Sicht der Konsumenten bleibt sie zun&#228;chst unbemerkt.</p>
<p>Nun kann man sich leicht vorstellen, dass eine branchenspezifische Sondersteuer auf Unternehmensgewinne in der Bewertung durch Steuerjuristen scheitern w&#252;rde, da sie schlicht willk&#252;rlich w&#228;re. Von ihren &#246;konomischen Wirkungen aus gesehen ist eine sehr spezifische Steuer auf Brennelemente nicht weniger willk&#252;rlich, dennoch wird sie vielleicht den formal-juristischen Test eher bestehen. Insofern ist die Steuer auf Brennelemente also eine Verlegenheitsl&#246;sung mit Nebenwirkungen, die von der Politik genutzt wird, weil der direkte fiskalische Weg zu den Monopolrenten der Stromkonzerne institutionell verschlossen ist.</p>
<p>Ordnungspolitisch betrachtet ist die Steuer auf Brennelemente aber noch aus einem ganz anderen Grund sehr kritisch zu beurteilen. Wie bei allen zum <em>rent-seeking</em> z&#228;hlenden Aktivit&#228;ten wird auch hier der Staat letztendlich zum Teilhaber am Gesch&#228;ft des Besteuerten, und zwar &#8211; und das ist das Problem &#8211;  in einer ausdr&#252;cklich nicht-neutralen Art und Weise. Die Politik ist in diesem Fall kein stiller, sondern ein h&#246;chst aktiver Teilhaber. Sie sorgt zun&#228;chst, meist in Form von Wettbewerbsbeschr&#228;nkungen aller Art, daf&#252;r, dass &#252;berhaupt Monopolrenten abgesch&#246;pft werden k&#246;nnen und partizipiert anschlie&#223;end selbst an diesen Renten. Der ordnungspolitisch akzeptable Weg, die Gewinne der Stromkonzerne zum Schmelzen zu bringen, best&#252;nde stattdessen nat&#252;rlich darin, eine sinnvolle Marktordnung mit einer h&#246;heren Wettbewerbsintensit&#228;t f&#252;r den Strommarkt zu schaffen, was durchaus m&#246;glich w&#228;re (<a href="http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg54.html" target="_blank">auch hier sei nochmals auf die Monopolkommission verwiesen</a>).</p>
<p>Aus der statischen, buchhalterischen Sicht der Politik h&#228;tte dies nat&#252;rlich einen entscheidenden Nachteil: Die Gewinner des ordnungspolitischen Ansatzes w&#228;ren zun&#228;chst einmal die Stromverbraucher, nicht aber die &#246;ffentlichen Budgets oder die politischen Repr&#228;sentanten selbst. Auch ist es politisch wohl effektvoller, wenn man darauf verweisen kann, die eher unbeliebten Stromkonzerne mittels einer Sondersteuer j&#228;hrlich um Milliarden zu erleichtern. Vielleicht kommen die Konsumenten in ihrer Rolle als W&#228;hler diesem populistischen Ansatz aber doch noch auf die Schliche. Es ist eigentlich ganz einfach: Dauerhafte, &#252;ber Jahre oder Jahrzehnte nicht wegkonkurrierte Monopolgewinne sind ein Fall f&#252;r die Wettbewerbspolitik, nicht f&#252;r die Steuerpolitik.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/lrJc_JfQ8Hg" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=4016</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=4016</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Ein Ministerpräsident sieht schwarzHessen unter Roland Koch</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/1wkFMqDog0g/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3918#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 05:19:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Norbert Berthold und Nadya Kosturkova</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Föderales]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerbliches]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesländer]]></category>
		<category><![CDATA[Föderalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staatshaushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Standortwettbewerb]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3918</guid>
		<description><![CDATA[„Wir sind die Flei&#223;igsten, die Kreativsten und die Intelligentesten &#252;berhaupt. Und das werden wir Hessen uns auch von niemandem nehmen lassen.“ (Roland Koch)
Am 31. August 2010 ist es soweit. Roland Koch tritt als Ministerpr&#228;sident des Landes Hessen zur&#252;ck. Als er am 25. Mai 2010 ank&#252;ndigte, sein Amt aufzugeben, war die &#220;berraschung gro&#223;. Viele bilanzierten die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„Wir sind die Flei&#223;igsten, die Kreativsten und die Intelligentesten &#252;berhaupt. Und das werden wir Hessen uns auch von niemandem nehmen lassen.“ (Roland Koch)</p></blockquote>
<p>Am 31. August 2010 ist es soweit. Roland Koch tritt als Ministerpr&#228;sident des Landes Hessen zur&#252;ck. Als er am 25. Mai 2010 ank&#252;ndigte, sein Amt aufzugeben, war die &#220;berraschung gro&#223;. Viele bilanzierten die &#196;ra Koch politisch. Was fehlt, ist eine &#246;konomische Bilanz. Eine solche Schlussrechnung geht &#252;ber Streitthemen (Jugendkriminalit&#228;t, Hartz IV) und Vorzeigeprojekte (Frankfurter Flughafen, Schuldenbremse) hinaus. In seiner Regierungserkl&#228;rung vom April 1999 hat der damals j&#252;ngste Ministerpr&#228;sident das unbefriedigende Abschneiden des Landes Hessen in den Ranglisten der Bundesl&#228;nder angeprangert. An seiner Absicht, Hessens Position im Wettbewerb mit den anderen Bundesl&#228;ndern zu st&#228;rken, muss er sich elf Jahre danach messen lassen.</p>
<p><span id="more-3918"></span></p>
<p>Ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung Hessens w&#228;hrend der elfj&#228;hrigen Regierungszeit von Roland Koch geben die Ergebnisse unseres <a href="http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0D5CFE1A-4F10CA38/bst/hs.xsl/nachrichten_99474.htm" target="blank">Bundesl&#228;nder-Rankings</a>. Seit 2001 untersuchen wir regelm&#228;&#223;ig, wie sich die Bundesl&#228;nder im nationalen Wettbewerb relativ zueinander behaupten. Wir unterscheiden zwischen einem Aktivit&#228;tsindex, der angibt, wie aktiv die L&#228;nder ihre <a href="http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=2434">Standortqualit&#228;t</a> gestalten, und einem Erfolgsindex, der abbildet, wie erfolgreich sie dabei sind.</p>
<p>Die Standortattraktivit&#228;t eines Landes l&#228;sst sich an den Einkommenschancen (BIP pro Kopf und  Wirtschaftswachstum), der Besch&#228;ftigungssituation (Erwerbst&#228;tigkeit und Arbeitslosigkeit) und der Sicherheitslage (soziale Sicherheit als Transferempf&#228;nger je Einwohner und innere Sicherheit als nicht aufgekl&#228;rte Straftaten je Einwohner) messen. F&#252;r diese drei Bereiche werden mit Daten seit der Wiedervereinigung jeweils Erfolg und Aktivit&#228;ten ermittelt. Um zuf&#228;llige Einfl&#252;sse zu vermeiden, wird die Datenreihe durch Drei-Jahres-Durchschnitte gegl&#228;ttet. Es werden nicht einzelne Jahre miteinander verglichen, sondern aufeinanderfolgende Zeitr&#228;ume. Die letzte Studie endet mit dem Jahr 2008.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch1.png"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch1.png" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Das rot-gr&#252;ne Erbe</strong></p>
<p>Seit der deutschen Wiedervereinigung wurde die wirtschaftliche Struktur Hessens stetig leistungsf&#228;higer. Hessen stand lange an der Spitze des Strukturwandels in Deutschland. Das Gewicht des verarbeitenden Gewerbes sank fr&#252;her, das der Dienstleistungen stieg fr&#252;her als in allen anderen Bundesl&#228;ndern. In Hessen hat sich  schneller eine insgesamt h&#246;her spezialisierte und qualifikatorisch anspruchsvollere Produktionsstruktur herausgebildet. Es ist nicht nur zu einem Anziehungspunkt f&#252;r ausl&#228;ndische Direktinvestitionen geworden, sondern auch zu einer wichtigen St&#252;tze des f&#246;deralen Finanzausgleichs.</p>
<p>Vor Roland Koch belegte Hessen beim Erfolgsindex Platz 4. Die f&#252;r ein Fl&#228;chenland hohe Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt 1999: 30.800 Euro pro Kopf, L&#228;nderdurchschnitt 24.100 Euro) sowie die robuste Wirtschaftsdynamik (Wachstumsrate 1991-1999: durchschnittlich 2 % j&#228;hrlich, L&#228;nderdurchschnitt 1,7 %) schlugen sich in einer guten Position im Bereich „Einkommen“ nieder. In den ersten beiden Untersuchungsperioden (1992-1996 und 1996-1998) belegte Hessen hier nach Hamburg den zweiten Platz.</p>
<p>Doch nicht &#252;berall war die sozialdemokratische Parole der 90er Jahre „Hessen vorn“ mit Inhalt gef&#252;llt. Mit einer Erwerbst&#228;tigenquote, die  unter der von Bayern und Baden-W&#252;rttemberg lag, sch&#246;pfte das Land sein Potential nicht aus. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1996 ihren bisherigen H&#246;chststand von 11,6 % und konnte bis 1999 nur geringf&#252;gig reduziert werden. Die Jugendarbeitslosigkeit lag deutlich &#252;ber der allgemeinen Erwerbslosigkeit. So reichte es f&#252;r Hessen in den ersten Untersuchungsperioden im Bereich „Besch&#228;ftigung“ lediglich f&#252;r Rang 5.</p>
<p>Die eigentliche Schwachstelle Hessens lag aber im Bereich „Sicherheit“. Hier war das Land unter Hans Eichel weit abgeschlagen auf den Pl&#228;tzen 11 (1992-1996) und 10 (1996-1998). Grund daf&#252;r war einerseits die f&#252;r erfolgreiche Fl&#228;chenl&#228;nder ungew&#246;hnlich niedrige Aufkl&#228;rungsquote. Andererseits hat der umfassende Strukturwandel der hessischen Wirtschaft (Rationalisierungen im verarbeitenden Gewerbe) die Sozialstrukturen angespannt und einen Anstieg des Anteils von Transferempf&#228;ngern an der Bev&#246;lkerung zur Folge gehabt.</p>
<p>Auch beim Aktivit&#228;tsindex nahm Hessen den vierten Platz ein. Baustellen gab es dennoch reichlich. Die Probleme reichten vom Unterrichtsausfall und geringen Bildungsausgaben bis zu einem maroden Haushalt und stockenden Infrastrukturprojekten. Gegen&#252;ber der ersten Aktivit&#228;tsperiode 1991-1995, in der die Pro-Kopf-Verschuldung mit 2.727 Euro &#252;berdurchschnittlich hoch war (Rang 8), machte Hessen bis zur Periode 1997-1999 zwar vier Rangpl&#228;tze wett. Auch wuchsen die Landesschulden weniger stark als in den anderen Bundesl&#228;ndern. 1999 hatte Hessen aber rund 2,5 Mal h&#246;here Schulden als in Bayern zu schultern (3.500 Euro). Dementsprechend schwach war auch die Investitionst&#228;tigkeit des Landes. Im Zeitraum 1997-1999 belegte Hessen den kl&#228;glichen Rang 16 bei den &#246;ffentlichen Investitionen. Kein Wunder, dass das Land nicht unbedingt den Ruf einer innovativen, aufstrebenden Zukunftsregion hatte.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Mission: Raus aus dem Mittelma&#223;</strong></p>
<p>Nur wer eine Vision hat, kann etwas bewegen. Roland Koch hat erkannt, dass ein „Weiter so“ in Hessen nicht ausreicht, wenn er das Land aus dem Mittelma&#223; f&#252;hren will. An ehrgeizigen Projekten und Reformvorschl&#228;gen hat es ihm nie gefehlt. Doch das allein ist noch keine Erfolgsgarantie. Die Entwicklung des Erfolgsindizes w&#228;hrend Kochs Amtszeit scheint eine deutliche Sprache zu sprechen: Hessen konnte sich gegen die beiden s&#252;dlichen Bundesl&#228;nder sowie die Elb-Metropole nicht durchsetzen. Ein schwacher Trost ist, dass das Land seit zehn Jahren immerhin zu den besten Vier geh&#246;rt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch2.jpg"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch2.jpg" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Was der Erfolgsindex auf den ersten Blick nicht zeigt, ist die Entwicklung der L&#228;nder in den drei Bereichen „Einkommen“, „Besch&#228;ftigung“ und „Sicherheit“. An der jeweiligen Rangver&#228;nderung l&#228;sst sich erkennen, dass Hessen nicht &#252;berall erfolgreich war. Eine klar negative Tendenz ist im Bereich „Einkommen“ zu erkennen. Hier verlor das Land seit der Periode 2000-2002 zwei Rangpl&#228;tze. Dies ist auf die geringe wirtschaftliche Dynamik zur&#252;ckzuf&#252;hren. W&#228;hrend Hessen das h&#246;chste BIP pro Kopf aller Fl&#228;chenl&#228;nder aufweist und im gesamtdeutschen Vergleich nur von Hamburg und Bremen geschlagen wird (Rang 3 in jeder betrachteten Periode), fiel das wirtschaftliche Wachstum oft unterdurchschnittlich aus. Belegte das Land 2000-2002 beim Wirtschaftswachstum noch den dritten Rangplatz, reichte es in der aktuellen Periode nur f&#252;r Platz 13.</p>
<p>Im Bereich „Besch&#228;ftigung“ f&#228;llt die Bilanz dagegen etwas besser aus. Auch hier kann sich Hessen allerdings gegen&#252;ber den s&#252;ddeutschen Bundesl&#228;ndern Bayern und Baden-W&#252;rttemberg nicht durchsetzen. Doch es konnte zumindest einen Rangplatz gutmachen. Der vierte Platz ist vor allem auf die geringen Arbeitslosenzahlen zur&#252;ckzuf&#252;hren, die seit 2005 r&#252;ckl&#228;ufig waren. Auch bei der Erwerbst&#228;tigkeit konnte das Land &#252;berdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.</p>
<p>Wirkliche Aufbruchsstimmung herrschte jedoch nur im Bereich „Sicherheit“. In der aktuellen Periode hat Hessen den 4. Platz erreicht, was einem spektakul&#228;ren Aufstieg gleichkommt. Beachtliche Fortschritte hat das Land sowohl bei der sozialen als auch bei der inneren Sicherheit gemacht. In Kochs Amtszeit konnte Hessen beim Indikator »Transferempf&#228;ngeranteil« relativ zu den anderen Bundesl&#228;ndern deutlich aufholen (von Rang 10 auf Rang 4). Im Kampf f&#252;r Recht und Ordnung hat das Land ebenfalls gepunktet: Gemessen an den nicht aufgekl&#228;rten Straftaten je Einwohner schaffte es Hessen von Platz 8 auf den &#252;berdurchschnittlichen Platz 6.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch3.jpg"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch3.jpg" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Versprochen – gehalten?</strong></p>
<p>F&#252;r die wirtschaftliche Performance der Bundesl&#228;nder sind nicht nur welt- und bundesweite makro&#246;konomische Trends verantwortlich. Auch die L&#228;nder selbst  haben es in der Hand, durch gezielten Einfluss auf wichtige Determinanten ihre Wettbewerbsposition sp&#252;rbar zu verbessern. Diese Stellschrauben (sog. Wirkungsfaktoren) werden in unserer Studie mittels eines &#246;konometrischen Sch&#228;tzverfahrens ermittelt. Auf Grundlage dieser Ergebnisse bestimmen wir dann, wie aktiv die L&#228;nder die Handlungsparameter auf den drei wichtigsten Feldern „Einkommen“, „Besch&#228;ftigung“ und „Sicherheit“ beeinflussen. Der Aktivit&#228;tsindex fasst die Aktivit&#228;ten der L&#228;nder in allen drei Bereichen zusammen. In den Koch-Jahren konnte Hessen beim Aktivit&#228;tsindex vom vierten auf den dritten Platz vorr&#252;cken.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch4.jpg"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch4.jpg" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Ein genauerer Blick auf die Aktivit&#228;tsentwicklung in den einzelnen Bereichen verdeutlicht allerdings, dass Hessen seine Anstrengungen nur in den beiden Bereichen „Besch&#228;ftigung“ und „Sicherheit“ ausgebaut hat. Unter Roland Koch hat Hessen auf beiden Feldern einen Rangplatz gut gemacht. Im Bereich „Einkommen“ scheint sich das Land dagegen auf seinen Erfolgen auszuruhen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch5.jpg"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch5.jpg" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Was f&#252;r jedermann gilt, trifft auch f&#252;r die Landesregierungen zu: Geringe finanzielle Spielr&#228;ume schr&#228;nken die Handlungsf&#228;higkeit massiv ein. Ist die Staatskasse leer, f&#228;llt es jedem Land schwer, die n&#246;tigen Zukunftsinvestitionen zu t&#228;tigen. Um nicht in eine so prek&#228;re Lage zu geraten, hat Roland Koch gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine grundlegende Haushaltkonsolidierung ausgerufen. Zum obersten Ziel hatte er einen mittelfristig ausgeglichenen Haushalt erkl&#228;rt.</p>
<p>Im Rahmen von gro&#223; angelegten Projekten („Zukunftsoffensive Hessen“, „Operation Sichere Zukunft“) wurden einschneidende Sparma&#223;nahmen durchgef&#252;hrt. So wurden etwa im Landesbesitz befindliche Geb&#228;ude und Grundst&#252;cke verkauft und Landesbeteiligungen ver&#228;u&#223;ert. In einer Privatisierungswelle gingen u.a. die erste Justizvollzugsanstalt sowie die erste Uni-Klinik in private Hand.</p>
<p>Das Ergebnis war aber kaum zufriedenstellend. Unter Koch wuchsen Hessens Pro-Kopf-Schulden zwar langsamer als im L&#228;nderdurchschnitt. Sie sind aber nach wie vor um ein Vielfaches h&#246;her als in Bayern, Sachsen und Baden-W&#252;rttemberg. Angesichts dieser Situation konnten die Investitionsausgaben je Einwohner kaum ausgebaut werden. Hier liegt Hessen nach wie vor auf einem der hinteren R&#228;nge (aktuell Rang 13).</p>
<p>Da er aus Hessen keinen haushaltspolitischen Mustersch&#252;ler machen konnte, wurde Roland Koch von der Opposition immer wieder heftig kritisiert. Andere w&#252;rdigten allerdings Koch f&#252;r seine Verdienste um den Abbau &#252;berfl&#252;ssiger B&#252;rokratie. Durch eine grundlegende Verwaltungsreform konnten Personalkosten gesenkt und Strukturen effizienter organisiert werden. Der &#246;ffentliche Dienst ist in Hessen wesentlich schlanker geworden als in anderen Bundesl&#228;ndern (aktuell Rang 3 bei der &#246;ffentlichen Besch&#228;ftigung je Einwohner).</p>
<p>Neben einer wirksamen Haushaltspolitik wurde dem Dreiklang Bildung, Arbeit und innere Sicherheit bereits in der ersten Regierungserkl&#228;rung im Jahre 1999 eine zentrale Bedeutung einger&#228;umt. Hessen sollte zum Bildungsland erster Klasse werden, die hessischen Schulen und Hochschulen sollten an die Spitze kommen und die jungen Menschen in Hessen die besten Zukunftschancen erhalten. Gen&#252;gend Arbeitspl&#228;tze sollte es im Land geben, genau wie dauerhaft neue Perspektiven f&#252;r Langzeitarbeitslose.</p>
<p>Wer Bildung gro&#223;schreibt und die notwenigen Mittel in dieses Ressort lenkt, kann sp&#228;ter bei Jobvermittlung und Armutsbek&#228;mpfung sparen. Unt&#228;tig sind die Regierungen unter Koch auch auf diesem Gebiet eindeutig nicht geblieben. Die Anstrengungen reichten von der „Unterrichtsgarantie plus“ &#252;ber die Offensive „Hauptrollen in Hessen zu vergeben“ bis hin zu einer Novelle des Hochschulgesetzes. Hessen kann sich &#252;ber einen gesunkenen Anteil von Absolventen freuen, die ohne einen Abschluss die Schule verlassen. Doch werden im Land immer noch relativ wenige Unterrichtsstunden je Sch&#252;ler erteilt (Rang 10). Auch schneidet das Land beim Schulleistungsvergleich PISA nur mittelm&#228;&#223;ig ab. Das inzwischen wieder geb&#252;hrenfreie Studium zieht zwar viele Abiturienten nach Hessen (nach den Stadtstaaten auf Rang 4 bei der Studienanf&#228;ngerquote), obwohl es zwischen Rhein und Rh&#246;n trotz LOEWE und HEUREKA noch keine einzige Eliteuniversit&#228;t gibt. Zwar gibt das Land &#252;berdurchschnittlich viel f&#252;r Hochschulen (Rang 2) sowie Forschung und Entwicklung aus (Rang 5 nach den Stadtstaaten und Sachsen). Aber der nicht unumstrittene Modernisierungskurs insbesondere im Schulbildungsbereich muss erst noch Fr&#252;chte tragen. Somit ist Hessens selbstgesteckte Ziel, „Bildungsland Nr. 1“ zu werden, derzeit noch nicht in Reichweite. Es ist noch viel zu tun.</p>
<p>Ganz anders ist dagegen die Performance des Landes im Bereich „Sicherheit“, Hessens einstiger Achillesferse. Roland Koch hat in seiner ersten Regierungserkl&#228;rung angek&#252;ndigt, die innere Sicherheit verbessern zu wollen, damit die Menschen in Hessen ohne Angst vor Kriminalit&#228;t leben k&#246;nnen. Wegen seiner sp&#228;teren &#196;u&#223;erungen &#252;ber junge ausl&#228;ndische Kriminelle sowie der vorgeschlagenen Sechs-Punkte-Strategie zur Bek&#228;mpfung der Jugendkriminalit&#228;t, hat er viel Unmut auf sich gezogen. Unser Ranking zeigt aber deutlich, dass die Bem&#252;hungen der Landesregierung in diesem Bereich den erhofften Erfolg herbeigef&#252;hrt haben. Dennoch bleiben f&#252;r Nachfolger Volker Bouffier noch gen&#252;gend Hausaufgaben zu erledigen. So geh&#246;rt die Verfahrensdauer der Strafgerichtsbarkeit zu den l&#228;ngsten bundesweit.</p>
<p>Im Bereich des Sozialen haben die Hessen eine Vorreiterrolle eingenommen. Roland Koch war einer der entschiedensten Treiber, die aktive Arbeitsmarktpolitik in Deutschland dezentraler zu gestalten. Die Verankerung der Optionskommunen im Grundgesetz ist ein wichtiger Erfolg f&#252;r einen st&#228;rker wettbewerblichen F&#246;deralismus in Deutschland. Die Optionskommunen, von denen  es in Hessen besonders viele gibt, betreuen Langzeitarbeitslose in eigener Regie. Auch hat es Hessen geschafft, die Vermittlungseffizienz am Arbeitsmarkt sowie die Ausbildungsplatzsituation zu verbessern. Roland Kochs Versprechen, f&#252;r ein soziales Hessen zu sorgen, scheint eingel&#246;st worden zu sein.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Fazit</strong></p>
<p>Nicht ganz so schlecht, aber auch nicht an der Spitze: Aus diesem Zustand wollte Roland Koch Hessen f&#252;hren. Mut und Sachverstand haben ihm f&#252;r sein Vorhaben nicht gefehlt. Und doch hat er nicht immer ins Schwarze getroffen. Eine echte hessische Erfolgsgeschichte l&#228;sst noch auf sich warten. Roland Koch hat viel bewegt, aber auch gen&#252;gend Baustellen f&#252;r seinen Nachfolger &#252;brig gelassen. Volker Bouffier ist gut beraten, den Kurs dezentralerer Verwaltungsorganisationen weiter  zu verfolgen und die angesto&#223;enen Ma&#223;nahmen der Deregulierung zu forcieren. So kann die Stellung der relativ finanzkr&#228;ftigen Kommunen weiter gest&#228;rkt und die Konkurrenzf&#228;higkeit des Landes durch die Ausnutzung neuer Potentiale verbessert werden.</p>
<p>Eine St&#228;rken-Schw&#228;chen-Analyse zeigt, auf welchen Feldern Hessen besser ist als die bundesdeutsche Konkurrenz. Sie zeigt aber auch, wo Handlungsbedarf besteht, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Dabei bedeutet ein positiver (negativer) Wert in der Abbildung, dass das Land besser (schlechter) als der L&#228;nderdurchschnitt abschneidet. Als wesentlicher landesspezifischer Wettbewerbsvorteil sticht die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur heraus. Daf&#252;r hat sich Roland Koch besonders stark eingesetzt in der tiefen &#220;berzeugung, dass ein best- und schnellstm&#246;glicher Ausbau der Verkehrsinfrastruktur einen wesentlichen Beitrag f&#252;r wirtschaftliches Wachstum und f&#252;r die Schaffung neuer Arbeitspl&#228;tze leisten kann.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/berthold/koch6.jpg"><img class="aligncenter" src="/wordpress/bilder/berthold/koch6.jpg" alt="" width="400" /></a><br />
<small>- Zum Verg&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Zu den k&#252;nftigen Herausforderungen geh&#246;rt neben einer z&#252;gigen und sozial vertr&#228;glichen Haushaltskonsolidierung auch die St&#228;rkung der <a href="http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=826"></a><a href="http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=826">Innovationskraft</a> der hessischen Wirtschaft. Unsere 2009 ver&#246;ffentlichte <a href="http://www.montreal.diplo.de/Vertretung/montreal/de/05/Wirtschaftsstandort__Deutschland/download__brosch_C3_BCre__innovationen,property=Daten.pdf" target="blank">Innovationsstudie</a> deckt in Hessen einige Defizite auf. So ist das Forschungssystem f&#252;r die Landesgr&#246;&#223;e nicht nur eher klein und stark konzentriert, sondern auch relativ wenig mit der Wirtschaft verflochten. Dar&#252;ber hinaus gilt es, die Bedingungen f&#252;r Unternehmertum zu verbessern, sowie die Kernaufgaben als Staat im Innovationsprozess st&#228;rker wahrzunehmen. Um es in Roland Kochs Worten auszudr&#252;cken: „Wir setzen auf einen Staat, der […] seine origin&#228;ren Aufgaben […] verantwortungsvoll &#252;bernimmt, der sich aber ansonsten eher zur&#252;cknimmt und zu privater Initiative ermutigt.“</p>
<p><strong>Hinweis:</strong> Nadya Kosturkova ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl f&#252;r Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsordnung und Sozialpolitik der Julius-Maximilians-Universit&#228;t W&#252;rzburg.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/1wkFMqDog0g" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=3918</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3918</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Von „Doublespeak“, geldpolitischen Experten und dem Rückfall in die offene Inflation</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/XOdthZyJwBk/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3993#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 06:01:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Thorsten Polleit</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Monetäres]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3993</guid>
		<description><![CDATA[Der griechische Philosoph Parmenides lehrte, dass Sprache Denken ist. Demnach steht Sprachverwirrung f&#252;r verwirrtes Denken – und verwirrtes Denken wiederum (ver)f&#252;hrt zu falschem Handeln und ungewollten Ergebnissen. Der „Doublespeak“ – bekannt geworden durch Eric Arthur Blair (1903 – 1950), alias George Orwell – ist eine besonders augenf&#228;llige Sprach- und Denkverwirrung. Doublespeak wurde vom Begriff „Doublethink“, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der griechische Philosoph Parmenides lehrte, dass Sprache Denken ist. Demnach steht Sprachverwirrung f&#252;r verwirrtes Denken – und verwirrtes Denken wiederum (ver)f&#252;hrt zu falschem Handeln und ungewollten Ergebnissen. Der „Doublespeak“ – bekannt geworden durch Eric Arthur Blair (1903 – 1950), alias <em>George Orwell</em> – ist eine besonders augenf&#228;llige Sprach- und Denkverwirrung. Doublespeak wurde vom Begriff „Doublethink“, den Orwell in seinem Buch <em>1984</em> verwendet, abgeleitet (1977, S. 35):</p>
<p><span id="more-3993"></span></p>
<blockquote><p>„His mind slid away into the labyrinthine world of doublethink. To know and not to know, to be conscious of complete truthfulness while telling carefully constructed lies, to hold simultaneously two opinions which cancelled out, knowing them to be contradictory and believing in both of them, to use logic against logic, to repudiate morality while laying claim to it, to believe that democracy was impossible and that the Party was the guardian of democracy, to forget, whatever it was necessary to forget, then to draw it back into memory again at the moment when it was needed, and then promptly to forget it again, and above all, to apply the same process to the process itself — that was the ultimate subtlety: consciously to induce unconsciousness, and then, once again, to become unconscious of the act of hypnosis you had just performed. Even to understand the word “doublethink” involved the use of doublethink.”</p></blockquote>
<p>Der <em>Euphemismus</em> ist eine Form des Doublespeak: eine sprachliche Besch&#246;nigung, eine bewusste Verzerrung der Wahrheit. Euphemismen werden bekanntlich verwendet, um Handlungen, deren Folgen den Interessen anderer Gruppen zuwiderlaufen, zu legitimieren. Sie stellen „Manipulation der Sprache“ und „Manipulation durch Sprache“ dar.</p>
<p>Seit dem Ausbruch der internationalen Finanzmarktkrise haben Euphemismen in der Politik der „Krisenbek&#228;mpfung“ Hochkonjunktur – insbesondere in der Geldpolitik und ihrer Kommentierung durch <em>geldpolitische Experten</em>. Nur einige Beispiele seinen an dieser Stelle genannt:</p>
<ul>
<li>Wenn zum Beispiel von „alternativloser Politik“ gesprochen wird (etwa im Zuge der mit Steuergeldern finanzierten Eigenkapitalhilfen f&#252;r Banken), so dient das dazu, staatliche Ma&#223;nahmen, denen die Steuerzahler (vermutlich) nicht zustimmen, unter den gegebenen Bedingungen als die <em>einzig</em> richtigen zu rechtfertigen.</li>
<li>Eine Geldpolitik als “Quantitative Easing” zu bezeichnen, erschwert oder macht es gar unm&#246;glich, die wahre Konsequenz einer solchen Politik zu erkennen: Dass es sich n&#228;mlich um ein Ausweiten der Geldmenge handelt, die &#246;konomisch nichts anderes ist als eine <em>Inflationspolitik</em>.</li>
<li>Gleiches gilt f&#252;r den Begriff „Liquidit&#228;tsschwemme“. Er vernebelt, dass es die Zentralbanken sind, die die Geldmengen ungeb&#252;hrlich stark ausweiten und den Geldwert schwer sch&#228;digen; w&#228;hrend die Ursache der „Geldmengenausweitung“ benennbar ist – die Zentralbank –, so ist dies nicht beim Begriff der „Liquidit&#228;t“ nicht der Fall, weil der Begriff unbestimmt ist.</li>
<li>Der Ausdruck „unkonventionelle Geldpolitik“ taucht die Aktionen der Zentralbanken in gutes Licht: Denn „konventionell“ steht f&#252;r &#252;berkommen und althergebracht, w&#228;hrend „unkonventionell“ mutiges und kreatives Handeln suggeriert.</li>
<li>Das Kategorisieren einer Bank als „systemrelevante Bank“ qualifiziert sie f&#252;r den Erhalt von staatlicher St&#252;tzung – und erlaubt so (widerspruchsfrei) das Ausreichen von staatlichen Privilegien an die Eigen- oder Fremdkapitalgeber dieser Bank (auf Kosten Dritter).</li>
<li>Ein besonders illustratives Beispiel gibt die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) in ihrer Pressemitteilung vom 10. Mai 2010. Dort hei&#223;t es: „Angesichts der derzeit au&#223;ergew&#246;hnlichen Marktsituation hat der EZB-Rat beschlossen, 1. Interventionen an den M&#228;rkten f&#252;r &#246;ffentliche und private Schuldverschreibungen im Euro-W&#228;hrungsgebiet (Programm f&#252;r die Wertpapierm&#228;rkte) durchzuf&#252;hren, um die Markttiefe und -liquidit&#228;t in den gest&#246;rten Marktsegmenten sicherzustellen.“ Zum einen sind diese „Interventionen“ nichts anderes als <em>staatliche Preiskontrollen f&#252;r Anleihekurse</em> (ausgew&#228;hlter Emittenten). Zum anderen werden die Preiskontrollen mit „gest&#246;rten Marktsegmenten“ begr&#252;ndet. Doch gest&#246;rt war der Markt zu keinem Zeitpunkt, auch w&#228;hrend der Krise nicht: Vielmehr passten die Anleihepreise (und damit, <em>uno actu</em>, die Zinsen), die der freie Markt gebildet hat, einer Reihe von hoch verschuldeten Regierungen nicht.</li>
</ul>
<p>Die Sprach- und Denkverwirrung durch <em>geldpolitische Experten</em> schw&#228;cht die korrigierenden Gegenkr&#228;fte einer sch&#228;dlichen Politik. Denn die Sprachverwirrung macht es f&#252;r die breite &#214;ffentlichkeit schwierig, wenn nicht gar unm&#246;glich, die Effekte, die von den geldpolitischen Ma&#223;nahmen ausgehen, in ihrer (gesamten Langfrist)Wirkung zu bewerten. Zudem kommt es zu einer – wohl kaum geplanten – explosiven Eigendynamik.</p>
<p>Wenn eine einmal begonnene falsche Geldpolitik immer weiter fortgef&#252;hrt wird, weil sich kein korrigierender Widerstand gegen sie formiert, geraten immer gr&#246;&#223;ere Teile der Bev&#246;lkerung in die Abh&#228;ngigkeit der falschen Politik. Besonderes deutlich wird das mit Blick auf das Anwachsen des Staates. Der Staatsapparat kann sich vor allem deswegen immer weiter ausdehnen zu Lasten der Privatwirtschaft, weil der Staat die Hoheit &#252;ber die Geldproduktion besitzt und Geld per Kreditvergabe „aus dem Nichts“ in Umlauf bringt.</p>
<p>Die wachsenden Ausgaben des Staates durch selbst geschaffenes Geld – die mittlerweile weit &#252;ber das hinausgehen, was Steuerzahler (freiwillig) bereit sind, aus ihren Einkommen an den Staat zu &#252;bertragen – bringen immer gr&#246;sser Teile der Bev&#246;lkerung in die (h&#228;ufig sogar selbstgew&#228;hlte) Abh&#228;ngigkeit des Staates: ob nun in Form von staatlicher Altersvorsorge, Gesundheitswesen, Bildung oder Sicherheit, oder als Bezieher von staatlichen Auftr&#228;gen oder als Arbeitnehmer im Regierungsapparat.</p>
<p>Bis die Abh&#228;ngigkeit so gro&#223; geworden ist, dass es im Fall eines <em>drohenden Staatsbankrotts</em> zum sprichw&#246;rtlichen Drucken von immer mehr Geld kommt – also einer Politik der Hyperinflation –, um dem &#220;bel, das durch zu viel Kredit und Geld geschaffen wurde, zu entkommen. Die Inflationspolitik ist, wenn sie eingeleitet wird, von der breiten &#214;ffentlichkeit jedoch meist nicht als solche erkennbar – woran der Doublespeak der geldpolitischen Experten keine geringe und entschuldbare Rolle spielt – und die, w&#252;rden ihre Konsequenzen im Vorfeld erahnt, (vermutlich) keine mehrheitliche Unterst&#252;tzung durch die Bev&#246;lkerung erfahren w&#252;rde.</p>
<p>Sprach- und Denkverwirrung in den Fragen des Geldwesens – ob nun bewusst oder unbewusst propagiert – f&#252;hren zum R&#252;ckfall in die Inflationspolitik.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/XOdthZyJwBk" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=3993</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3993</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>BücherMarktLange vor der Agenda 2010: Die SPD und die „freiwillige Arbeitslosigkeit“ </title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/pZHY_k0zS0U/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3852#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 09:48:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gérard Bökenkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3852</guid>
		<description><![CDATA[Bis zur Mitte der siebziger Jahre hatte die Arbeitslosigkeit in der bundesdeutschen Gesellschaft keine wesentliche Rolle gespielt. Das Hauptproblem schien eher zu sein genug Arbeitskr&#228;fte f&#252;r die boomende Nachkriegswirtschaft zu finden. Der Arbeitsmarkt war so leer gefegt, dass auf ausl&#228;ndische Gastarbeiter zur&#252;ckgegriffen wurde. Dies &#228;nderte sich im Herbst 1974/75. Pl&#246;tzlich ging die Epoche der Vollbesch&#228;ftigung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis zur Mitte der siebziger Jahre hatte die Arbeitslosigkeit in der bundesdeutschen Gesellschaft keine wesentliche Rolle gespielt. Das Hauptproblem schien eher zu sein genug Arbeitskr&#228;fte f&#252;r die boomende Nachkriegswirtschaft zu finden. Der Arbeitsmarkt war so leer gefegt, dass auf ausl&#228;ndische Gastarbeiter zur&#252;ckgegriffen wurde. Dies &#228;nderte sich im Herbst 1974/75. Pl&#246;tzlich ging die Epoche der Vollbesch&#228;ftigung zu Ende und die Arbeitslosigkeit wurde zu einem zentralen Thema der politischen Auseinandersetzung. In der Politik, der Publizistik und der Wissenschaft begann die Suche nach den Ursachen der f&#252;r die Verh&#228;ltnisse der Bundesrepublik sehr hohen und wie sich bald herausstellen sollte dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit.</p>
<p><span id="more-3852"></span>In der Wirtschaftswissenschaft gibt es den Begriff der „freiwilligen Arbeitslosigkeit.“ Damit ist gemeint, dass Menschen die Arbeitslosigkeit der Besch&#228;ftigung vorziehen, wenn sich die Arbeit in Hinblick auf Aufwand und Entlohnung im Vergleich zur Besch&#228;ftigungslosigkeit nicht lohnt, weil etwa der Abstand zwischen der Lohn- und der Sozialleistung nicht gro&#223; genug ist. Ob die im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren hohe Besch&#228;ftigungslosigkeit ab Mitte der siebziger Jahre in diesem Sinne zu einem gewissen Teil „freiwillige Arbeitslosigkeit“ war, also auch eine Frage fehlender Motivation der Arbeitslosen war, eine weniger attraktive Stelle anzunehmen, wurde bald zum Streitpunkt. Der Pr&#228;sident des Deutschen Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung Karl K&#246;nig erkl&#228;rte im Sommer 1975: „&#220;berspitzt trifft f&#252;r einige Bereiche in der Wirtschaft der Satz zu, da&#223; es den Arbeitslosen zu gut geht.“</p>
<p>Zu dieser Erkenntnis kam auch das von dem SPD-Politiker Walter Arendt gef&#252;hrte Arbeitsministerium. &#220;ber diese Problematik kam es deshalb zu einem Briefwechsel zwischen Arendt und dem Pr&#228;sidenten der Bundesanstalt f&#252;r Arbeit. Beide einigten sich darauf, dass mehr Druck auf die Arbeitslosen ausge&#252;bt werden m&#252;sse, eine neue Besch&#228;ftigung auch zu schlechteren Bedingungen aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt erhielt ein Arbeitsloser 68 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Nach dem Gesetz musste ein Arbeitsloser jede „zumutbare Besch&#228;ftigung“ annehmen, die er aufnehmen konnte. Arendt wollte nun den Begriff der „Zumutbarkeit“ pr&#228;zisieren, um diese Forderung auch in der Praxis umsetzen zu k&#246;nnen. Mitte Juni 1975 beauftragte Arendt den zust&#228;ndigen Ministerialdirektor Manfred Baden mit dieser Aufgabe. Baden umriss die Problematik seiner Aufgabe: „Der Arbeitnehmer wurde jahrelang dazu erzogen, nach oben zu steigen. Man mu&#223; ihm auch klarmachen, da&#223; es auch mal runter gehen kann.“ Dies war leichter gesagt als realisiert. Denn in der Praxis gab es viel subtilere Methoden, eine Besch&#228;ftigung auszuschlagen als die offene Ablehnung. Der Leiter der K&#246;lner Arbeitsanstalt beschrieb die g&#228;ngige Form der Zur&#252;ckweisung eines Arbeitsplatzangebotes so: Wer keine Arbeit wolle, verhalte sich bei der Vorstellung einfach so, dass der Arbeitgeber „kein &#252;berdurchschnittliches Interesse an ihm hat.“</p>
<p>Am 12. Juli 1975 erl&#228;uterte Arendt im Rahmen einer „sozialpolitischen Gespr&#228;chsrunde“ im Bundesarbeitsministerium den anwesenden Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Ministerialb&#252;rokratie die vielf&#228;ltigen Tatbest&#228;nde des Missbrauchs sozialer Leistungen. Arendt k&#252;ndigte an, die durch das Arbeitsf&#246;rderungsgesetz gedeckten Umschulungsleistungen der „arbeitsmarktpolitischen Notwendigkeit“ anzupassen, um Missbrauch in diesem Bereich in Zukunft zu vermeiden.</p>
<p>Ein Beispiel f&#252;r die mangelnde Motivation und Qualifikation des von den Arbeits&#228;mtern verwalteten Pools von Arbeitslosen waren die Erfahrungen des Unternehmens Ford. Die Autofirma stellte zwischen dem 1. April 1975 und dem 31. Juli 1976 3612 Arbeitnehmer ein, von denen 600 durch das Arbeitsamt vermittelt worden waren. Am Ende dieses Zeitraums war nur jeder Dritte der vom Arbeitsamt vermittelten auf dem neuen Arbeitsplatz geblieben. Als 1976 die wirtschaftliche Erholung einsetzte, trat zum ersten Mal das seit dieser Zeit wohlbekannte Ph&#228;nomen auf, dass bei anspringender Konjunktur trotz hoher nomineller Arbeitslosenzahlen die offenen Stellen nicht besetzt werden konnten. Allein in der Gastronomie konnten 50000 Arbeitspl&#228;tze nicht besetzt werden. Auch f&#252;r die Industrieproduktion konnten die Unternehmen im Sommer 1976 ihre Nachfrage nicht decken. Das Institut der Deutschen Wirtschaft stellte im Juni 1976 fest: „Trotz &#252;ber einer Million Arbeitsloser konnten viele Unternehmen ihren Facharbeiterbedarf nicht im gew&#252;nschten Umfang decken.“ Im Juli 1976 vermeldete die Bundesanstalt 247000 offene Stellen.</p>
<p>Der Sachverst&#228;ndigenrat stellte in seinem Gutachten aus dem Herbst 1976 fest: „M&#246;glicherweise haben sich inzwischen Verhaltens&#228;nderungen vollzogen, die dazu gef&#252;hrt haben k&#246;nnen, da&#223; sich die Arbeitslosen mehr Zeit lassen als fr&#252;her, ehe sie eine neue Stelle annehmen oder da&#223; sie weniger abgeneigt sind, l&#228;ngere Zeit arbeitslos zu bleiben.“ Zu diesen Verhaltensweisen geh&#246;rte die r&#228;umliche und berufliche Unbeweglichkeit der Betroffenen. Zur Zeit des Gutachtens galten bei der Bundesanstalt f&#252;r Arbeit nur 17 Prozent der Arbeitslosen als regional „ausgleichsf&#228;hig“, was bedeutete, dass 83 Prozent der Betroffenen nicht bereit waren umzuziehen. Staatssekret&#228;r Otto Schlecht aus dem Bundeswirtschaftsministerium &#228;u&#223;erte sich zur Flexibilit&#228;t der Arbeitslosen: „Versuchen Sie mal, eine arbeitslose Sekret&#228;rin hinter die Ladenkasse zu setzen.“</p>
<p>Dieser Trend setzte sich auch im darauffolgenden Jahr weiter fort. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Koblenz konnten allein dort in der konjunkturellen Erholungsphase 1977 Tausende neuer Stellen nicht besetzt werden, weil die von den Arbeits&#228;mtern vermittelten eigentlich nicht arbeiten wollten. Schon damals gingen die Firmen wegen dieser frustrierenden Erfahrung dazu &#252;ber, offene Stellen nicht mehr beim Arbeitsamt zu melden. Innerhalb von nur zwei Jahren war eine Lage entstanden, in der hunderttausende von Arbeitslosen unter den gegebenen Umst&#228;nden zwar &#246;ffentliche Leistungen empfingen, aber dem Arbeitsmarkt faktisch nicht mehr zur Verf&#252;gung standen.</p>
<p>Neben dem offiziellen Arbeitsmarkt, auf dem steigende Steuer- und Sozialabgaben geleistet werden mussten und auf dem Arbeit immer knapper zu werden schien, wuchs die Besch&#228;ftigung auf dem nicht offiziellen Arbeitsmarkt. Die Bundesbank registrierte einen wachsenden Bedarf an Bargeld, obwohl der Trend zur Abwicklung von Zahlungen &#252;ber Schecks und Kreditkarten zunahm. Dies f&#252;hrte die Bundesbank auf das Anwachsen der Schwarzarbeit zur&#252;ck. Der Bargeldumlauf steige deshalb, weil die „grauen Zonen des Wirtschaftsverkehrs, in denen Leistungen ohne Steuern und Sozialabgaben erbracht und bar abgerechnet werden&#8221; zunahmen.</p>
<p>Auch Arendts Nachfolger, der neue SPD-Arbeitsminister Herbert Ehrenberg,  war fr&#252;hzeitig zu der &#220;berzeugung gelangt, dass die mangelnde Flexibilit&#228;t der Arbeitslosen eine Schl&#252;sselfrage des Arbeitsmarktes war. Bereits 1974 vertrat Ehrenberg in einem Buch die Ansicht, Mobilit&#228;t sei zwar „inzwischen fast zu einem Schlagwort geworden, aber sie ist in vielen Bereichen l&#228;ngst nicht gro&#223; genug. Und die Arbeitsmarktpolitik mu&#223; nicht nur die berufliche und regionale Mobilit&#228;t erh&#246;hen, sie mu&#223; auch – was sehr viel schwieriger ist – die mobiler gewordenen Arbeitskr&#228;fte (beruflich und regional) in eine Richtung lenken, die morgen noch Bestand hat.“ Norbert Bl&#252;m nutzte diese Situation, um Ehrenberg links zu &#252;berholen und die Verstimmung der Gewerkschaften auf seine M&#252;hlen zu leiten. Bl&#252;m kritisierten Ehrenberg f&#252;r das von diesem auf den Weg gebrachte Arbeitsf&#246;rderungsgesetz und forderte seinen R&#252;cktritt. Bl&#252;m sprach sich gegen den Zwang zur Fort- und Weiterbildung und zur Annahme von Besch&#228;ftigung und den Zwang zur Mobilit&#228;t aus. Die Notwendigkeit, sich einen Arbeitsplatz in einem anderen Teil der Republik zu suchen, nannte Bl&#252;m den „Marsch in die Zugvogelgesellschaft.“ Er kritisierte an Ehrenbergs Politik: „Im &#252;brigen st&#246;rt mich an der Ehrenberg-Novelle, da&#223; hier offensichtlich Arbeitslose mit Dr&#252;ckebergern gleichgesetzt werden.“</p>
<p>Ein Erlass der Bundesanstalt vom Herbst 1978 wurde zum Anlass daf&#252;r, dass die Gewerkschaften auf „Kollisionskurs“ zu Ehrenberg gingen. In der „Welt der Arbeit“ wurde Ehrenbergs Arbeitsmarktpolitik angegriffen als „Affront gegen die Arbeitnehmer.“ Ehrenberg selbst bet&#228;tige sich als „Sachverwalter der Unternehmer.“ Dieser Erlass der Bundesanstalt f&#252;r Arbeit, der mit Ehrenbergs Genehmigung erlassen worden war, sollte mit der Drohung, Leistungen zu sperren, Druck auf die Arbeitslosen aus&#252;ben, auch Arbeit f&#252;r geringer Qualifizierte anzunehmen. Dies f&#252;hrte zu einem massiven Konflikt mit der Arbeitsgemeinschaft f&#252;r Arbeitnehmerfragen (AfA) in der SPD. Der Vorsitzende Helmut Rohde warf Ehrenberg vor, mit diesen Ma&#223;nahmen die Schaffung gering qualifizierter Arbeitspl&#228;tze zu f&#246;rdern. Damit w&#252;rde er den Widerstand gegen die „Disziplinierung“ der Arbeitnehmer durch die Arbeitgeber schw&#228;chen. Der Vorstand der AfA beschloss, die SPD-Fraktion aufzufordern, Ehrenbergs Gesetzentwurf zu korrigieren. Um der Arbeitsgemeinschaft entgegenzukommen, ernannte Ehrenberg schlie&#223;lich einen engen Vertrauten Rohdes und Wehners zum Nachfolger des wegen dieser Auseinandersetzung entlassenen  zust&#228;ndigen Abteilungsleiters.</p>
<p>Dieser Erfolg  des Gewerkschaftsfl&#252;gels &#228;nderte nichts daran, dass die interne Diskussion &#252;ber die Motivation der Arbeitslosen weiter gef&#252;hrt wurde. Auch Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte wie Arendt und Ehrenberg erhebliche Zweifel an der Motivation der Arbeitslosen. Schmidt glaubte: „Die Leute haben einfach keine Lust mehr zu arbeiten.“ Zu dieser &#220;berzeugung kam Schmidt durch Gespr&#228;che mit Betriebsr&#228;ten, die ihm ihre Erfahrungen schilderten. Schmidt war sich mit Bundesbankpr&#228;sident Emminger, mit dem Schmidt &#252;ber die Thematik im Sommer 1979 sprach, einig, dass die Arbeitslosigkeit auch im Aufschwung nicht verschwinden w&#252;rde, weil die Besch&#228;ftigung von Ungelernten, &#196;lteren und Frauen f&#252;r die Arbeitgeber einfach zu teuer war.</p>
<p>Die Bef&#252;rchtungen der Gewerkschaften gegen die Versch&#228;rfung der Zumutbarkeitskriterien und der Mobilit&#228;tsanforderungen waren grunds&#228;tzlicher Natur. In einem achtseitigen Aufsatz legte Karl Georg Zinn, Prof. f&#252;r Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universit&#228;t Aachen, in den Gewerkschaftlichen Monatsheften im Januar 1979 den Standpunkt der Gewerkschaften dar. Die Herabsetzung der Zumutbarkeitsgrenze sei ein „Instrument jener konservativen Kr&#228;fte“, die die Individualisierung des Arbeitsplatzrisikos bef&#252;rworten w&#252;rden. Die Gewerkschaft Textil hatte Ehrenbergs Ansatz als „brutale Forderung nach totaler geographischer Mobilit&#228;t der Arbeitnehmer“ bezeichnet. Zinn sah die Hauptgefahr der Versch&#228;rfung der Zumutbarkeitskriterien darin, dass die „Fernwirkungen“ dieser Ma&#223;nahmen, sich „&#228;u&#223;erst ung&#252;nstig f&#252;r die Besch&#228;ftigten und ihre Arbeitskampfm&#246;glichkeiten auswirken“ w&#252;rden. Zinn bef&#252;rchtete durch den Druck, der auf die Arbeitslosen ausge&#252;bt werden sollte, auch eine schlechter bezahlte Besch&#228;ftigung anzunehmen die Entstehung von „Niedriglohnjobs“ im Rahmen pers&#246;nlicher Dienstleistungen. Dadurch k&#246;nne der Eindruck entstehen, dass die „orthodox-kapitalistische“ These vom Zusammenhang von Lohnh&#246;he und Arbeitslosigkeit best&#228;tigt werde. In der Konsequenz f&#252;rchteten die Gewerkschaften deshalb eher den Erfolg als den Misserfolg dieser Ma&#223;nahmen: „Im Ergebnis k&#246;nnte sich eine Situation herausstellen, in der die Zahl der „freien Stellen“, die &#252;berwiegend aus jenen Niedriglohnjobs best&#252;nden, gr&#246;&#223;er ist als die Zahl der Arbeitslosen. Die reaktion&#228;re Behauptung, da&#223; Arbeitslosigkeit nur eine Frage zu hoher L&#246;hne sei, f&#228;nde dann gar eine empirische Best&#228;tigung.“</p>
<p>Im Grunde zeichnete sich damals bereits, kurz nach der Entstehung der Massenarbeitslosigkeit in der Bundesrepublik, die Konfliktlinie ab, an der die SPD im Streit um die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 fast drei Jahrzehnte sp&#228;ter zerbrechen sollte.</p>
<p>Dieser Text beruht auf Gérard B&#246;kenkamps <a href="http://www.amazon.de/Das-Ende-Wirtschaftswunders-Finanzpolitik-Bundesrepublik/dp/382820516X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1280415103&amp;sr=8-1" target="_blank">Buch</a> &#8220;Das Ende des Wirtschaftswunders&#8221;.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/pZHY_k0zS0U" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=3852</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3852</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Wer wird denn gleich in die Luft gehen?Duisburg ist eine Katastrophe, aber kein Skandal</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/zZ_StFGew0M/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3980#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 23:01:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut Kliemt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Ethisches]]></category>
		<category><![CDATA[Katastrophe]]></category>
		<category><![CDATA[Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[Sicherungssystem]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3980</guid>
		<description><![CDATA[Den &#228;lteren unter uns ist noch die HB Zigarettenwerbung bekannt, bei der sich ein recht nerv&#246;ser und h&#228;ufig ungeschickter Mann von einer allt&#228;glichen Katastrophe in die n&#228;chste bewegte, um dann regelm&#228;&#223;ig vor Wut in die Luft zu gehen. Das sogenannte HB-M&#228;nnchen beruhigte sich durch Rauchen einer Zigarette und dann ging alles wie von selbst.
Der Ratschlag, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Den &#228;lteren unter uns ist noch die HB Zigarettenwerbung bekannt, bei der sich ein recht nerv&#246;ser und h&#228;ufig ungeschickter Mann von einer allt&#228;glichen Katastrophe in die n&#228;chste bewegte, um dann regelm&#228;&#223;ig vor Wut in die Luft zu gehen. Das sogenannte HB-M&#228;nnchen beruhigte sich durch Rauchen einer Zigarette und dann ging alles wie von selbst.</p>
<p>Der Ratschlag, eine Zigarette zu rauchen, ist gewiss nicht gut, der Rat nach einer Katastrophe wie der Duisburger erst einmal ruhig nachzudenken und die Probleme n&#252;chtern zu analysieren, ist jedoch ausgezeichnet. Wir sind von dieser Ruhe nach dem Sturm weit entfernt. So wie der Raucher seiner Sucht, geben wir vielmehr unserer Lust an Skandal und Personalisierung leichtfertig nach.</p>
<p><span id="more-3980"></span></p>
<p>Zwar wird auch bei ruhiger Aufarbeitung des furchtbaren Geschehens im Gegensatz zu landl&#228;ufigen Werbeversprechen danach keineswegs „alles wie von selbst“ gehen. Nachhaltige, von einzelnen Personen und deren Engagement unabh&#228;ngige Verbesserungen werden aber wenigstens m&#246;glich und sogar wahrscheinlich, wenn wir uns um allgemeine Entscheidungsprozesse und deren Qualit&#228;tsverbesserung vorrangig k&#252;mmern. Dazu m&#252;ssen wir alle endlich aufh&#246;ren, das Kernproblem in pers&#246;nlicher Verantwortung erblicken zu wollen. Versuchen wir die Angelegenheit also einmal n&#252;chtern und ohne voreilige Skandalisierung zu betrachten.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>1. Aus gegebenem Anlass</strong></p>
<p>Wenn eine Stadt wie Duisburg (unberechtigterweise auch „D&#252;sterburg“ genannt) danach strebt, positive Schlagzeilen zu erzeugen, dann ist das an sich nicht verfehlt. Die Durchf&#252;hrung der „Love Parade“ bot eine entsprechende Chance. Es ist gewiss auch nachvollziehbar, dass in der Vorbereitung der „Love Parade“ an Mitarbeiter appelliert wurde, Hindernisse zu &#252;berwinden und die Veranstaltung m&#246;glich zu machen. Diejenigen, die darauf dr&#228;ngten voranzuschreiten, sehen heute wie verantwortungslose Zyniker aus, spielten aber nur eine der in einem solchen Prozess notwendigen Rollen. Das sollten wir anerkennen.</p>
<p>In der Vorbereitung von Gro&#223;ereignissen gibt es immer Hindernisse, Gegeneinw&#228;nde und vor allem auch uneliminierbare Rest-Risiken. Die Forderung, nur dann zu handeln, wenn alle Risiken ausgeschlossen werden k&#246;nnen, ist unsinnig, weil dann &#252;berhaupt nicht mehr gehandelt werden k&#246;nnte. Neben den „Bedenkentr&#228;gern&#8221; muss es also immer auch „Hoffnungstr&#228;ger“ geben. Es kommt zugleich darauf an, daf&#252;r zu sorgen, dass die Risiken angemessen ber&#252;cksichtigt wurden, bevor eine positive Durchf&#252;hrungsentscheidung f&#252;r eine risikobehaftete Aktion getroffen wird. Sie ist nur dann zu treffen, wenn erwartet werden darf, dass die Risiken bis auf einen akzeptablen Rest beherrschbar sind.</p>
<p>Man macht es sich allerdings zu einfach, wenn man es bei dem einfachen Vorsatz bzw. Appell, Risiken angemessen zu ber&#252;cksichtigen, bewenden lie&#223;e. Die Hauptfrage ist die nach geordneten Verfahren, die unabh&#228;ngig von den guten Vors&#228;tzen der Beteiligten aufgrund systematischer Rollenverteilung f&#252;r alle Risiken einen Anwalt vorsehen. Die angemessene Ber&#252;cksichtigung der Risiken muss von diesen Personen eingefordert und auch in einem Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung durchgesetzt werden k&#246;nnen.</p>
<p>Da es im Ablauf einer Veranstaltungsplanung der Gr&#246;&#223;enordnung der „Love Parade“ immer Zweifel an der Sicherheit geben muss, muss von den Anw&#228;lten der jeweiligen Gesichtspunkte und Sicherheitsinteressen auch eine gewisse Loyalit&#228;t gefordert werden. Ist der Appell an die Loyalit&#228;t zu erfolgreich, werden wir unannehmbar gro&#223;en Gefahren ausgesetzt. Ist die Loyalit&#228;t der Mitwirkenden zu gering, dann werden vielf&#228;ltige an sich n&#252;tzliche Vorhaben verhindert.</p>
<p>Die rechte Balance ist wesentlich und an der hat es vermutlich in Duisburg gefehlt. Es kommt aber nicht darauf an, hierf&#252;r „einen Schuldigen benennen  zu k&#246;nnen, sondern darauf herauszufinden, was an Prozessen wie dem der Duisburger Veranstaltungsplanung und -durchf&#252;hrung allgemein zu ver&#228;ndern ist, um eine angemessene Balance sicherzustellen.</p>
<p>Zur Diskussion der Frage, wie man die Wahrung der rechten Balance „verfahrensm&#228;&#223;ig“ absichern kann, bietet Duisburg vor allem Anlass. Das ist aber nicht die Frage, die wir im Augenblick in der &#214;ffentlichkeit diskutieren. Es herrscht vielmehr das &#252;bliche Verantwortungsgeschrei, das sich gern selbst als Ausdruck kritischen Denkens missversteht, es aber leichtfertig an jedem Willen zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit unser aller Fehlbarkeit fehlen l&#228;sst.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>2. Die &#246;ffentliche Behandlung des Problems</strong></p>
<p>Nach der Duisburger Katastrophe dauerte es nicht lange, bis die Medien begannen, geradezu ultimativ die &#220;bernahme von Verantwortung durch einzelne Personen einzufordern. Den beteiligten Personen ist es aber angesichts der rechtlichen Folgen nahezu unm&#246;glich, moralische Verantwortung in der &#214;ffentlichkeit zu &#252;bernehmen, ohne die eigenen langfristigen Interessen in nahezu selbstzerst&#246;rerischer Weise zu gef&#228;hrden. Daher sind solche Forderungen so offenkundig abwegig, dass man denjenigen, die sie erheben Zynismus oder Gedankenlosigkeit unterstellen muss. Au&#223;er unsere Sensations- und Skandallust anzuregen, bewirken sie nichts positives, sondern nur negatives.</p>
<p>Verantwortliche Medienarbeit und Pressearbeit best&#252;nde gerade nicht darin, die Emp&#246;rung zu inszenieren, das Ungl&#252;ck zu personalisieren und nach einzelnen „T&#228;tern“ zu fahnden. Die umgehende Suche nach pers&#246;nlicher Schuld und Verantwortung steht einem ernsthaften Bem&#252;hen um eine Katastrophenpr&#228;vention entgegen. Denn sie verhindert es, dass die Beteiligten Hintergr&#252;nde der Vorg&#228;nge offen legen und so zur Aufkl&#228;rung &#252;ber die Ursachen und deren m&#246;gliche Verhinderung in der Zukunft beitragen k&#246;nnen.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>3. Nie wieder?</strong></p>
<p>Wenn wir, ebenso wie unsere Politiker und Medienvertreter in der &#214;ffentlichkeit fordern, „so etwas“ d&#252;rfe „nie wieder passieren“, dann klingt das so, als g&#228;be es jemanden, der m&#246;glicherweise insoweit anderer Auffassung sein k&#246;nnte. Aber wenn man von ein paar pathologischen F&#228;llen absieht, sind sich alle im Ziel der Katastrophenpr&#228;vention einig. Gestritten werden muss dar&#252;ber, welche Ma&#223;nahmen die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Katastrophen wieder ereignen, verringern k&#246;nnen. Sicher ist, dass Appelle in der &#214;ffentlichkeit, man m&#246;ge doch in Zukunft „verantwortlicher“ handeln, nichts bewirken werden. Auch strafrechtliche Vergeltung tr&#228;gt allenfalls zur Steigerung der Risikoaversion einzelner Personen bei, ohne den generell kompetenten Umgang mit Risiken zu f&#246;rdern.</p>
<p>Will man die Suche nach Mitteln und Wegen der Katastrophenpr&#228;vention erleichtern, so muss man vor allem lernen, aus den Katastrophen zu lernen. Ein angemessener Umgang mit Katastrophen sollte vor allem von der Hypothese ausgehen, dass alle die an der Organisation des Ereignisses, das zur Katastrophe f&#252;hrte, mitgewirkt haben, grunds&#228;tzlich guten Willens waren. Das sollten wir auch in der &#214;ffentlichkeit unterstellen. Nur so k&#246;nnen wir die Beteiligten ermutigen, m&#246;glichst offen &#252;ber die Hintergr&#252;nde und Prozesse zu berichten, die zu dem Ungl&#252;ck f&#252;hrten. Denn es ist die Untersuchung der generellen Abl&#228;ufe und nicht das Augenmerk auf Personen, das zur Pr&#228;vention beitragen kann. Gute Prozesse sind solche, die auch dann gut funktionieren, wenn ihre Funktionstr&#228;ger es einmal nicht tun.</p>
<p style="text-align: center;"><strong>4. Nicht in die Luft gehen, von der Flugsicherheit lernen</strong></p>
<p>Im Luftverkehr hat es in den letzten Jahrzehnten erstaunliche Fortschritte gegeben. Die Flugzeuge wurden immer gr&#246;&#223;er und immer schneller, die Reisen mit ihnen immer einfacher und preiswerter. Vor allem aber ist es geradezu unglaublich, wie sehr sich die Sicherheit des Fliegens verbessert hat. Bei der riesigen Zahl von Fl&#252;gen, von Starts und Landungen muss es auch eine gro&#223;e Zahl von menschlichen Fehlern, Fehleinsch&#228;tzungen, Sorglosigkeiten und dergleichen gegeben haben. Wenn es dennoch gelungen ist, das Fliegen so sicher werden zu lassen, wie das heute der Fall ist, dann m&#252;ssen diejenigen, die die entsprechenden Prozesse definiert und implementiert haben, etwas Wesentliches dar&#252;ber herausgefunden haben, wie man Prozesse sicherer macht.</p>
<p>Eine direkte &#220;bertragung von Prinzipien der Flugtechnik auf andere Lebensbereiche scheidet gewiss aus. Aber man kann sehr wohl viel dar&#252;ber lernen, wie man aus Fehlern lernt, wenn man die Geschichte der Verbesserung der Flugsicherheit betrachtet. Ein vorbildliches Beispiel hierf&#252;r liefert die An&#228;sthesiologie, die ebenfalls in den letzen Jahrzehnten unglaubliche Fortschritte gemacht hat und sich dabei von Flugingenieuren und den Strategien der Verbesserung der Flugsicherung inspirieren liess.</p>
<p>Der Schl&#252;ssel zum Erfolg besteht hier im Verzicht auf pers&#246;nliche Verantwortungszuschreibung: Die am Luftverkehr Beteiligten sind angehalten, auftretende Probleme einschlie&#223;lich von Problemen, die auf eigene Fehler zur&#252;ckgehen, innerhalb einer kurzen Frist zu melden. Derjenige, der umgehend meldet, hat keinerlei direkte Sanktionen zu bef&#252;rchten. Von extremen Ausnahmen abgesehen wird man ihm ohne weitere Kritik danken f&#252;r die Informationen und diese dann f&#252;r eine weitere Verbesserung der Abl&#228;ufe und Sicherungssysteme heranziehen.</p>
<p>Man zielt darauf ab, die Systeme vor allen Dingen auch gegen &#252;ber der Fehlbarkeit menschlicher Akteure abzusichern. Das kann man aber nur, wenn die Folgen dieser Fehlbarkeit kennt. Von den Fehlern erf&#228;hrt man aber nur dann umfassend, wenn man die Akteure generell f&#252;r die Verantwortung f&#252;r ihre Fehler, soweit wie das m&#246;glich ist, freistellt.</p>
<p>Entsprechendes k&#246;nnten wir im politischen Raum nur realisieren, wenn es uns gel&#228;nge, rechtliche Verantwortungszuschreibungen und auch strafrechtliche Ermittlungen von den Prozessen der Qualit&#228;tssicherung insbesondere des b&#252;rokratischen und polizeilichen Handelns zu trennen. Umfassende Zusicherung von Anonymit&#228;t, die Trennung von strafrechtlicher Ermittlungen zur personalen Verantwortlichkeit von Ermittlungen der Prozessschw&#228;chen w&#228;ren anzustreben. Das ist nur m&#246;glich, wenn wir die Richtung der &#246;ffentlichen Diskussion &#252;ber solche Fragen &#228;ndern. Die Katastrophe in Duisburg sollten wir vielleicht zum Anlass nehmen, uns insoweit zu besinnen.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/zZ_StFGew0M" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=3980</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3980</feedburner:origLink></item>
		<item>
		<title>Ist Deutschland ein Sonderfall?</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/Berthold/~3/b_i7icXBGpw/</link>
		<comments>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3774#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 23:01:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Grömling</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Kategorien]]></category>
		<category><![CDATA[Globales]]></category>
		<category><![CDATA[Makroökonomisches]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmerisches]]></category>
		<category><![CDATA[Außenhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Dienstleistungslücke]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Industrieanteil]]></category>
		<category><![CDATA[Wachstum]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3774</guid>
		<description><![CDATA[Vor dem Hintergrund der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise werden L&#228;nder hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur auf den Pr&#252;fstand gestellt. Dies gilt nicht nur f&#252;r Deutschland. Auch in anderen Volkswirtschaften hat die Industrie im Jahr 2009 im Durchschnitt in einem nahezu gleichen Ausma&#223; wie hierzulande die gesamtwirtschaftliche Entwicklung abgebremst.
Die Diskussion um das sogenannte Gesch&#228;ftsmodell Deutschland, das sich kurz gesprochen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Hintergrund der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise werden L&#228;nder hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur auf den Pr&#252;fstand gestellt. Dies gilt nicht nur f&#252;r Deutschland. Auch in anderen Volkswirtschaften hat die Industrie im Jahr 2009 im Durchschnitt in einem nahezu gleichen Ausma&#223; wie hierzulande die gesamtwirtschaftliche Entwicklung abgebremst.</p>
<p>Die Diskussion um das sogenannte Gesch&#228;ftsmodell Deutschland, das sich kurz gesprochen durch einen vergleichsweise hohen Industrieanteil und eine starke Weltmarktorientierung kennzeichnen l&#228;sst, hat Tradition und findet in wechselnden Gew&#228;ndern statt:</p>
<p><span id="more-3774"></span></p>
<p>1.	Mitte der 1990er-Jahre wurde dar&#252;ber diskutiert, ob Deutschland im Vergleich zu anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften eine Dienstleistungsl&#252;cke aufweise und spiegelbildlich eine zu starke Industriefokussierung. In diesem Zusammenhang wurde schon einmal gefragt, ob man mit der Herstellung von Industrieg&#252;tern langfristig &#252;berhaupt &#252;berleben kann.</p>
<p>2.	Zur Jahrtausendwende ging es dann um Old Economy versus New Economy. Der Vorwurf lautete, die deutsche Wirtschaft sei zu stark auf die klassischen Industriebereiche ausgerichtet und verliere mehr und mehr den Anschluss an die modernen Wirtschaftszweige. Das Platzen der New-Economy-Euphorie sorgte allerdings wieder f&#252;r Ruhe.</p>
<p>3.	Und schlie&#223;lich wurde w&#228;hrend der langen Stagnationsphase, die die erste H&#228;lfte der vergangenen Dekade pr&#228;gte, dar&#252;ber diskutiert, ob Deutschland sich mehr und mehr zu einer Basar&#246;konomie entwickle. Diese sei zwar mit dem Handel von Industriewaren erfolgreich, aber nicht mehr bei deren Produktion, die mehr und mehr im Ausland stattfinde. Auch hier sorgte der anschlie&#223;ende, vorwiegend von der Industrie getragene Aufschwung f&#252;r ein Ende der Auseinandersetzung.</p>
<p>4.	Die im Jahr 2007 startende Finanzmarktkrise und ihr Durchschlagen auf die Realwirtschaft, beginnend in der zweiten Jahresh&#228;lfte 2008, trugen dazu bei, das Gesch&#228;ftsmodell Deutschland ein weiteres Mal auf den Pr&#252;fstand zu stellen. Der gewaltige Einbruch von Au&#223;enhandel und Industrieproduktion lieferte den Hintergrund f&#252;r diese Diskussion: Zum konjunkturellen Tiefpunkt im April 2009 lagen die Industrieproduktion und die nominalen Warenexporte um rund ein Viertel unter dem vorhergehenden H&#246;chststand im August 2008. Dies f&#252;hrte zu dem st&#228;rksten R&#252;ckgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivit&#228;ten in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und bot den N&#228;hrboden f&#252;r eine ausgepr&#228;gte Kritik am vergleichsweise starken Industriegewicht und der damit zusammenh&#228;ngenden Weltmarktorientierung der deutschen Wirtschaft.</p>
<p>Ein Blick auf das Krisenjahr 2009 zeigt aber, dass nicht nur in Deutschland starke Einbr&#252;che bei der Industrieproduktion zu beobachten sind (Abbildung 1). Offensichtlich geh&#246;rt nicht nur hierzulande die Industrie auf den Pr&#252;fstand. In allen der betrachteten elf fortgeschrittenen Volkswirtschaften kam es im vergangenen Jahr zu gro&#223;en R&#252;ckg&#228;ngen bei der Industrieproduktion. Noch schlechter als Deutschland, wo die Industrieproduktion um 17,7 Prozent einbrach, schnitten Japan (–22,5 Prozent), Schweden (–19,3 Prozent) und Italien (–18,1 Prozent) ab. Auch in Spanien, &#214;sterreich, Frankreich, den USA und im Vereinigten K&#246;nigreich waren zweistellige R&#252;ckg&#228;nge zu verbuchen. Deutschland stellt somit keinen Einzelfall dar, sondern ist eher ein Land unter vielen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion1.jpg" target="blank"><img class="aligncenter" title="Industrieproduktion" src="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion1.jpg" alt="Ausfuhren" width="400" /></a><br />
<small>- zum Vergr&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Dem k&#246;nnte entgegengehalten werden, dass Deutschland wegen seines vergleichsweise hohen Industrieanteils st&#228;rker unter dem Industrieeinbruch leidet als andere L&#228;nder, wo die Industrie zwar auch einbricht, dies allerdings weniger Bedeutung f&#252;r die Gesamtwirtschaft hat. Deutschland m&#252;sste also wegen seiner st&#228;rkeren Industrieabh&#228;ngigkeit auf gesamtwirtschaftlicher Ebene st&#228;rker in Mitleidenschaft gezogen worden sein.</p>
<p>Ein Blick auf die Fakten kann dies aber nicht best&#228;tigen. Gro&#223;e gesamtwirtschaftliche Einbr&#252;che waren auch in den anderen L&#228;ndern zu beobachten. Deutschlands Wachstumseinbruch im Jahr 2009 – das reale Bruttoinlandsprodukt lag um 4,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau – stellte ebenfalls kein Extrem dar (Abbildung 2). &#196;hnlich hohe Konjunktureinbr&#252;che verzeichnete Japan, Italien, das Vereinigte K&#246;nigreich, Schweden und die Niederlande. Auch in Spanien und &#214;sterreich sank die gesamtwirtschaftliche Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 um gut 3,5 Prozent.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion2.jpg" target="blank"><img class="aligncenter" title="Industrieproduktion" src="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion2.jpg" alt="Ausfuhren" width="400" /></a><br />
<small>- zum Vergr&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>Nimmt man die elf fortgeschrittenen L&#228;nder in den Blick und zielt auf den Zusammenhang von der Ver&#228;nderung des Bruttoinlandsprodukts auf der einen Seite und der Ver&#228;nderung der Industrieproduktion auf der anderen Seite ab, dann weicht Deutschland in keiner Weise auff&#228;llig vom Gruppendurchschnitt ab (Abbildung 3). Der Industrieeinbruch hat demnach hierzulande nicht in merklich st&#228;rkerem Ausma&#223; die gesamtwirtschaftliche Entwicklung abgebremst als anderswo. Eine h&#246;here Bremswirkung hat die Industrie in Frankreich, den USA und der Schweiz. Im Vereinigten K&#246;nigreich und in den Niederlanden haben im vergangenen Jahr dagegen die Dienstleistungssektoren relativ stark die Gesamtwirtschaft belastet.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion3.jpg" target="blank"><img class="aligncenter" title="Industrieproduktion" src="/wordpress/bilder/groemling/industrieproduktion3.jpg" alt="Ausfuhren" width="400" /></a><br />
<small>- zum Vergr&#246;&#223;ern bitte auf die Grafik klicken &#8211; </small></p>
<p>In einer Krise kommen Unternehmen, Branchen und m&#246;glicherweise ganze Volkswirtschaften auf den Pr&#252;fstand. Das ist unvermeidlich und zum Teil auch richtig, etwa um Produktionsfaktoren m&#246;glichst effizient einzusetzen. Ein Blick auf die Entwicklung von Industrie und Gesamtwirtschaft in einer Reihe fortgeschrittener Volkswirtschaften l&#228;sst gleichwohl erkennen, dass Deutschland aufgrund seiner st&#228;rkeren Industrie- und Weltmarktorientierung nicht wesentlich st&#228;rker von der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise getroffen wird. Wenn die Krise den Anlass daf&#252;r liefert, L&#228;nder hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur auf den Pr&#252;fstand zu stellen, dann gilt dies nicht nur f&#252;r Deutschland.</p>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/Berthold/~4/b_i7icXBGpw" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=3774</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		<feedburner:origLink>http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=3774</feedburner:origLink></item>
	</channel>
</rss>
