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	<description>Gunhild Simon zum Thema Sprache - Stadtansichten Hamburg</description>
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		<title>Das Participium Coniunctum und der Ablativus Absolutus – Konstruktionen, die in der deutschen Grammatik kein Pendant haben</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/das-participium-coniunctum-und-der-ablativus-absolutus-konstruktionen-die-in-der-deutschen-grammatik-kein-pendant-haben/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 18:26:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grammatik]]></category>

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		<description><![CDATA[





Caesar



Quelle: Alfred von DomaszewskiGeschichte der Römischen Kaiser


public domain


Strukturelle Merkmale des Lateinischen sind grammatische Konstruktionen, die Sprachökonomie und Präzision verbinden. Sie sind beim Participium Coniunctum (PC) und dem Ablativus absolutus ( Abl. abs.) in besonderer Weise ausgeprägt. Beide Konstrukte sind nur unzureichend wörtlich zu übersetzen. Im Deutschen bringt oft erst ein Nebensatz den komplexen Inhalt einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_10_07_Caesar.jpg" alt="Caesar" title="Caesar" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Caesar</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Quelle: Alfred von Domaszewski<br />Geschichte der Römischen Kaiser</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caesar.jpg" style="color: #67808d; font-size: 10px" target="_blank" title="public domain">public domain</a></td>
</tr>
</table>
<p>Strukturelle Merkmale des Lateinischen sind grammatische Konstruktionen, die Sprachökonomie und Präzision verbinden. Sie sind beim Participium Coniunctum (PC) und dem Ablativus absolutus ( Abl. abs.) in besonderer Weise ausgeprägt. Beide Konstrukte sind nur unzureichend wörtlich zu übersetzen. Im Deutschen bringt oft erst ein Nebensatz den komplexen Inhalt einer solchen Fügung zum Ausdruck.</p>
<p>Das Participium coniunctum ist gewissermaßen der &#8220;Gegenbegriff&#8221; zum Ablativus absolutus. Im Lateinunterricht gilt es, diese beiden zu durchschauen und zu unterscheiden.</p>
<p>Erster Anhaltspunkt ist das Verständnis der Wortdetails.</p>
<p>Der Terminus Participium coniunctum lässt sich auf zwei Ursprünge zurückführen: </p>
<p>In Participium, Partizip , steckt<em> particeps</em> &#8211; teilnehmend, Teilnehmer. Daraus ergibt sich &#8220;participium&#8221;- das Teilhabende. Im Allgemeinen bedeutet Partizip &#8220;das (am Prädikat) Teilnehmende&#8221;. Dem liegt zugrunde, dass ein mehrteiliges Prädikat eine finite Verbform, also eine mit einer Personalendung beendete, und eine infinite, endungslose, das Partizip, hat. [4]</p>
<p>Der andere Anteil,<em> coniunctum</em>, lässt sich aus dem Verb <em>coniungere</em>, verbinden, ableiten. Das Partizip Perfekt davon lautet <em>coniunctum</em>, verbunden. [1] Es heißt also &#8220;ein-, angebundenes oder verbundenes Partizip&#8221;.</p>
<p><span id="more-3782"></span>Der Ablativus absolutus, der &#8220;absolute Ablativ&#8221;, ist durch seine vom Hauptsatz unabhängige Struktur charakterisiert. Das Verb <em>absolvere</em>, loslösen, führt zu seinem Partizip Perfekt<em>absolutus</em>, losgelöst, unverbunden. Diese Bezeichnung leitet sich aus dem unterschiedlichen Subjekt her, das nicht identisch ist mit dem des Hauptsatzes. </p>
<p>Beim Lernen beschäftigt man sich zuerst mit dem PC, weil er sich dem deutschen Sprachgefühl leichter fügt. Dagegen ist der Abl. abs. eine grammatische Besonderheit, die sich dem deutschen Sprachgefühl nur widerwillig erschließt, denn er ist überhaupt nicht wörtlich zu übersetzen.</p>
<p>Aus grammatischer Sicht unterscheiden sich die beiden Konstruktionen also durch ihr Subjekt.</p>
<p>Das Participium coniunctum ist ein Partizip, das als Prädikativ, einem nicht-verbalen, vervollständigenden Teil des Prädikats, erscheint und  in einer abhängigen Beziehung zum Gesamtsatz steht. </p>
<p>Diese unmittelbare Verbindung mit dem Hauptsatz (bzw einem Gebilde, das hauptsatzverwandt &#8211; oder -verkürzt ist) begründet seine Satzwertigkeit.</p>
<p>Das Participium coniunctum kann wörtlich übersetzt werden, wenn man die Konstruktion transparent machen will. Als idiomatischere Übersetzung bieten sich dagegen ein adverbialer Nebensatz (während, indem, bevor, nachdem) an oder ein gleichgeordneter Hauptsatz mit entsprechendem verdeutlichenden Adverb (bspw. dabei, vorher, danach, dann). Nur beim Futurpartizip [2] ist die wörtliche Übersetzung nicht möglich, weil diese Partzipform [3] im Deutschen nicht existiert.</p>
<p>Der Ablativus absolutus hat dagegen keinen grammatischen Bezug zu dem Rest des Satzes. Er hat eine eigene Aussage, die sich auch in der Übersetzung niederschlägt. Er lässt sich am besten in einer Partizipialkonstruktion, einem Adverbiale,  oder einem adverbialen Nebensatz ausdrücken.</p>
<p>Beim partizipialen Abl.abs. stehen beide, Partizip und Beziehungswort, im Ablativ. [4]  Beim selteneren nominalen stehen die beiden Nomen im Ablativ. [5]<br />
[6]</p>
<p>[1] Das Verb coniungere steckt auch in anderen grammatischen Fachbegriffen: Konjugation, konjugieren, Konjunktiv, Konjunktion. Auch wenn die genannten miteinander nicht immer unmittelbar zu tun haben, sagen sie jede für sich etwas über Bindung, Anbindung oder Verbindung aus </p>
<p>[2] Das geläufigste Beispiel ist der berühmte Gladiatorengruß:<br />
&#8220;Morituri te salutant (Ii,qui morituri sunt, te salutant.)&#8221; &#8211; &#8220;Die, die sterben werden, grüßen dich (also: die*&#8221;Sterbenwerdenden&#8221;). Sie grüßen dich, um danach zu sterben./ Sie grüßen dich, und werden dann sterben/Bevor sie sterben, grüßen sie dich./Sie werden sterben, nachdem sie dich gegrüßt haben.&#8221;</p>
<p>[3] Die Partizipformen im Lateinischen sind kompliziert zu benennen. Gleichzeitig sind sie als deutsche Übersetzungen oft unvollständig darstellbar. Das liegt daran, dass ihnen eine andere grammatische Denkweise zugrundeliegt, die ihre Struktur geprägt hat. Um diesem Dilemma zu entgehen, hat man sich mit Abkürzungen der Originaltermini begnügt. </p>
<p>Die Abkürzungen der Fachtermini für die Partizipien lauten:</p>
<p>PPA = Participium praesentiae activae = Partizip Präsens Aktiv<br />
PPP = Participium perfecti passivi = Partizp Perfekt Passiv<br />
PFA = Participium futuri activi = Partizip Futur Aktiv</p>
<p>Die Abkürzung der Fachtermini für die Konstruktionen lauten:</p>
<p>PC = Participium coniunctum<br />
Abl. abs = Ablativus absolutus</p>
<p>[4] z. B. opido deleto = nach der Zerstörung der Stadt, nachdem die Stadt zerstört wurde<br />
[5] z. B. Caesare duce = unter der Führung Cäsars.</p>
<p>[6] Hier noch eine Empfehlung zu diesem Thema. Es sind zwei knappe, verständliche Zusammenfassungen mit Beispielen:</p>
<p>http://www.lateinservice.de/grammatik/inhalte/pc.htm</p>
<p>http://www.lateinservice.de/grammatik/inhalte/ablabs.htm</p>
<p><a style="color: blue" title="Beisser steht seit 175 Jahren für höchste Qualität" href="http://www.beisser-hamburg.de/" target="_blank"><strong>Beisser steht seit 175 Jahren für höchste Qualität</strong></a></p>
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		<title>Chicorée</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/chicoree/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/chicoree/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 12:12:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Hierzulande kennt man den Chicoree als Salat. Ein typisches Wintergemüse, denn er ist so zartgelb gefärbt, weil er im Dunkeln gezogen wird. Im Dunkel bildet sich nämlich kein Chlorophyll aus. Chlorophyll ist der grüne Farbstoff, der auch aus weißem Spargel grünen Spargel macht. Und wenn man ihn wachsen lässt, die hübschen grünen Blattwedel sprießen lässt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hierzulande kennt man den Chicoree als Salat. Ein typisches Wintergemüse, denn er ist so zartgelb gefärbt, weil er im Dunkeln gezogen wird. Im Dunkel bildet sich nämlich kein Chlorophyll aus. Chlorophyll ist der grüne Farbstoff, der auch aus weißem Spargel grünen Spargel macht. Und wenn man ihn wachsen lässt, die hübschen grünen Blattwedel sprießen lässt, womit man früher Rosen- und Alpenveilchensträuße band, die später, mit roten Beeren geschmückt, die Furchen und Hügel des Spargelackers begrünen.</p>
<p>Der Chicorée müsste eigentlich weiblichen Geschlechts sein, wie ja auch die weibliche fränzösische Endung nahelegt. Im Deutschen wird er meist zu einem Maskulinum, weil er als Salat, also &#8220;der Chioreesalat&#8221;, auf den Teller kommt. Weil das Wort so schwierig zu scheiben ist, hat er im Zuge der Rechtschreibreform auch eine etwas kuriose Alternativschreibung erhalten: Schikoree.</p>
<p>Eigentlich aber ist diese Alternative irreführend, denn das französische Wort Chicorée hat einen viel älteren deutschen Vorgänger, die Zichorie. Aber die ist schon fast vergessen, weil sie in eine weniger leichtlebige Zeit gehört, als Kaffee noch &#8220;echter Bohnenkaffee&#8221; hieß und Zichorienkaffee, gewonnen aus der Wurzel der Zichorie, noch heimischer Ersatzkaffee war für das exotische Luxusgut.</p>
<p>Die Gewinnung des Ersatzkaffees geschah so: Die Wurzel der  Zichorie wurde geschnnitzelt, getrocknet, geröstet und gemahlen. Sie enthält einen darmstärkenden Stoff namens Inulin [1] und neben anderen Geschmacksstoffen wie Zucker, Fett und Karamell einen Bitterstoff, der im Geschmack entfernt an Kaffee erinnert. Als Zusatz zu Bohnenkaffee verlieh diese Substanz dem &#8220;Blümchenkaffee&#8221;, der so dünn war, dass man die Blümchen am Grund der Tasse sah, eine satte braune Färbung.</p>
<p>Dahinter steckt die Gemeine Wegwarte, die Zichorie, Cichorium intybus [2]. Die Wegwarte ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet: Ihre Blüten sind von einem beseligenden gewissen Blau. Sie richten sich ganz wie die Sonnenblume, &#8220;Tourne-soleil&#8221;, nach dem Sonnenstand aus. Im Gegensatz zu dem überirdischen Blütenblau steht ein krätzbürstiges, überaus zähes, staubiges Blättergrün einer krautigen Pfanze, die aus einer tiefwurzelnden Rübe hervorgebracht wird. Diese sich bis in tiefste Erdschichten bohrende Wurzel ermöglicht es der Wegwarte, auch aus kärgstem Boden Wasser und Nahrung zu schöpfen. Ebenso widerstandsfähig wie die unterirdische Versorgung sind die faserigen Stengel, die am Wegrain den Wagenrädern trotzen. So erstehen sie mit täglich neu sich entfaltenden Blüten bin in den Herbst hinein.</p>
<p>Die Kenntnis von der Wurzel der Wegwarte als Genuss- und Heilpflanze ist alt. Das Gemüse Chicorée dagegen verdankt seine Erfindung einem Zufall, der in jüngerer Zeit, nämlich um1850 geschah. Zichorienwurzeln, die in einem belgischen Keller über den Winter vergessen worden waren, hatten ausgetrieben. Diese zarten gelben Blätter probierte der Gärtner und da sie ihm wohlschmeckend erschienen, war ein neues Gemüse entdeckt. Der Chicorée wird aus den vom Laub befreiten Rüben in sandgefüllten Kisten eng nebeneinander im Dunkel gezogen um so auszutreiben. Seine Kraft hat er in ihren Wurzeln gespreichert, wie Zwiebelpflanzen &#8211; Tulpen und Hyazinten.</p>
<p>Hierzulande isst man Chicorée am liebsten als Salat, aber als Gemüse, gedünstet oder gaciert, mit etwas Zitrone im Blanchierwasser, um die schöne Farbe nicht zu ruinieren, ist er bei unseren westeuropäischen Nachbarn sehr beliebt. [3]</p>
<p>Die Wegwarte ist also der Grundstoff des Chicoréesalats. Allerdings ist die zartgelbe Varietät, die uns typisch erscheint, nur eine von vielen. Eng verwandt ist der Endiviensalat, als Eskarol grobblättriger als der zarte und zierlich gelockte Friséesalat. Auch der Radicchio, der, so &#8220;rot&#8221; seine Farbe sich in seinem italienischen Namen auch zu spiegeln scheint, &#8220;der Wurzelnde&#8221; bedeutet. Auch er wächst auf einem rübenartigen Strunk, dessen bitterer Kern wie beim Chicorée in der Basis der Pflanze als Keil erhalten ist. </p>
<p>Also sind Chicorée, Endivie, Eskarol, Frisée und Radicchio aus der großen Familie der Zichorien. Das erkennt man an dem ihnen allen gemeinsamen Bittergeschmack, der gerade Herbst- und Wintersalate so anregend macht.</p>
<p>[1] Inulin ist ein prebiotischer, natürlicher und leicht süßlich schmeckender Ballaststoff aus der Chicorée-Wurzel, der den nützlichen Darmbewohnern als Nahrungsquelle dient und somit einen aktivierenden Einfluss auf die Darmflora hat.<br />
http://www.zentrum-der-gesundheit.de/inulin-pi.html</p>
<p>[2] Der Name Cichorium taucht zum erstenmal bei HORAZ auf. Er leitet sich aus den griechischen Wörtern κιω (kio) = gehe und χοριον (chorion) = Feld ab, steht also mit der Art und Weise des Auftretens der Pflanze in Verbindung und entspricht dem deutschen Namen Wegwarte.<br />
http://www.roever-stiftung.de/dok/wegwarte.pdf</p>
<p>[3] Der Bitterstoff Intybin ist gut für Leber, Galle und Darm, auch Magen, Milz, Bauchspeicheldrüse und Blutgefäße.<br />
Durch seinen Inulin- und Kaliumgehalt regt er Verdauung und Stoffwechsel an. Daher ist Chicorée für eine Blutreinigungskur bestens geeignet.<br />
Wie alle Blattsalate hat er kaum Kalorien.<br />
Er verträgt sich mit anderen Blattsalaten so gut wie mit Früchten. Als Gemüse schmeckt er mit Schinken und Käse überbacken.<br />
http://www.kochmeister.com/lexikon/chicoree-info</p>
<p>Hier ein Rezept, das ich empfehle.<br />
http://www.genial-lecker.de/archiv/2007/01/rezept-ueberbackener-chicoree.html</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Sehr – Partikel mit fast verwischten Spuren</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/sehr-partikel-mit-fast-verwischten-spuren/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/sehr-partikel-mit-fast-verwischten-spuren/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 May 2011 06:19:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr ist eine Partikel. Man kann sie Grad-, Abtönungs- oder Verstärkungspartikel nennen. Eine Partikel ist in der Grammatik ein &#8220;Teilchen&#8221;, ein Wort, das nicht veränderbar ist. Als Adverb kann sehr ein anderes Adverb, ein Adjektiv, aber auch Verben und Partizipien, begleiten und inhaltlich verstärken oder relativieren.
Als Verstärkung von Adjektiven ist das Wort alltäglich: sehr schön, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Sehr </em>ist eine Partikel. Man kann sie Grad-, Abtönungs- oder Verstärkungspartikel nennen. Eine Partikel ist in der Grammatik ein &#8220;Teilchen&#8221;, ein Wort, das nicht veränderbar ist. Als Adverb kann<em> sehr</em> ein anderes Adverb, ein Adjektiv, aber auch Verben und Partizipien, begleiten und inhaltlich verstärken oder relativieren.</strong></p>
<p>Als Verstärkung von Adjektiven ist das Wort alltäglich: sehr schön, sehr heiß, sehr jung. Oder verneint: nicht sehr kalt, nicht sehr alt oder nicht sehr schnell.</p>
<p>Bei Verben kommt es auf den Inhalt an, ob er sinnvoll qualitativ zu verstärken ist. Man kann sehr verletzen, sich sehr freuen oder wundern. Man kann sich sehr beeilen, anstrengen oder sich sehr verspäten. Dagegen ist *sehr fahren, gehen, lesen, schreiben oder essen überwiegend widersinnig. Denn solche Verben werden durch ein Adverb, das ihre besondere Qualität beschreibt, begleitet: schnell fahren, langsam gehen, genau lesen, schön schreiben, gut essen.</p>
<p><span id="more-3675"></span>Es existiert keine Verneinung, die *<em>unsehr</em> heißen könnte. Einschränkungen oder Verneinungen werden durch entsprechende Partikeln ausgedrückt:<em> fast, kaum, etwas, gar nicht.<br />
</em><br />
Dass <em>sehr</em> eine eigene Bedeutung hatte, abgeleitet von einem untergegangenen Verb &#8220;sehren&#8221;, gerät wegen des Allerweltsworts, das es heute ist, in Vergessenheit.</p>
<p>Erhalten ist <em>sehr</em> nämlich noch in<em> versehren,</em> verwunden, am lebendigen Leib beschädigen &#8211; übertragen Vertrauen, Hoffnung, Seele, Würde versehren. Als Partizip ist es in kriegsversehrt, verneint in<em> unversehrt,</em> heil, gesund geblieben, unbeschädigt  erhalten, z. B. unversehrte Wohnung, unversehrt bleiben.</p>
<p>Das Adverb <em>sehr</em> bedeutete demnach ursprünglich wohl verletzt, wund. Das ist ersichtlich in der althochdeutschen Variante <em>ser</em>, wund, das auch in dem englischen Adjektiv<em> sore</em>, wund, erscheint. Auch im Dänischen zeigt sich diese Verbindung. Da gibt es die Wurzel ebenso:<em> sår/saar</em>, Wunde,<em> såre/saare</em>, verwunden. [1]</p>
<p>[1] vergl. auch: http://germazope.uni-trier.de/Projekte/WBB2009/DWB//wbgui_py</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Im Folgenden oder im folgenden? Ohne Weiteres oder ohne weiteres? Substantivierung oder Adverbsurrogat?</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/im-folgenden-oder-im-folgenden-ohne-weiteres-oder-ohne-weiteres-substantivierung-oder-adverbsurrogat/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/im-folgenden-oder-im-folgenden-ohne-weiteres-oder-ohne-weiteres-substantivierung-oder-adverbsurrogat/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Apr 2011 10:46:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grammatik]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtschreibung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.blog1.institut1.de/?p=3633</guid>
		<description><![CDATA[Immer wieder ergeben sich Unsicherheiten, wie Fügungen und Wortgruppen, die Merkmale einer Substantivierung aufweisen, zu schreiben sind. Groß- oder Kleinschreibung ist hier nicht ohne Überlegungen oder Nachschlagen abzulesen. 
Beidem will ich hier nachgehen.
Die Regel zur Großschreibung im Deutschen lautet: Groß geschrieben werden Satzanfänge, Substantive und Eigennamen. Handelt es sich also um Substantive, zu denen auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer wieder ergeben sich Unsicherheiten, wie Fügungen und Wortgruppen, die Merkmale einer Substantivierung aufweisen, zu schreiben sind. Groß- oder Kleinschreibung ist hier nicht ohne Überlegungen oder Nachschlagen abzulesen.</strong> </p>
<p>Beidem will ich hier nachgehen.</p>
<p>Die Regel zur Großschreibung im Deutschen lautet: Groß geschrieben werden Satzanfänge, Substantive und Eigennamen. Handelt es sich also um Substantive, zu denen auch Substantivierungen zählen? Oder haben diese in Fage stehenden Wortgruppen nur formale Merkmale eines Substantivs &#8211; ein vorangestelltes Pronomen, einen Artikel  oder ein Artikelwort [1]? Eine ganze Reihe von Wortgruppen nach diesem Muster -<em> des weiteren</em> oder <em>des Weiteren</em>,<em> im übrigen</em> oder <em>im Übrigen</em>? &#8211; steht auf dem Prüfstand.</p>
<p><span id="more-3633"></span>Einerseits erscheint die Kleinschreibung vertraut, andererseits scheint sie nicht recht begründbar. Die Großschreibung als ein Resultat der Rechtschreibreform hat längst die Altschreibüberlegungen, die kompliziert genug klingen, überlagert mit dem vordergründigen Argument, es handele sich um eine schlichte Substantivierung.</p>
<p>Als vordergründig bezeichne ich es, weil die Regel der Kleinschreibung einer scheinbaren Substantivierung erhalten geblieben ist. Sie besagt, dass ein mit einem Artikel oder Pronomen versehenes Adjektiv, Partizip oder Adverb kleingeschrieben wird, obwohl es formal wie ein Substantiv erscheint. In Wirklichkeit ist es jedoch ein Attribut des vorangegangenen oder nachfolgenden Substantivs.</p>
<p>Beispiele:</p>
<p>Dies ist mein Sohn. Er ist der jüngste (meiner Söhne).<br />
Die beiden älteren (meiner Söhne) sind schon berufsttätig, während mein jüngster Sohn noch studiert.</p>
<p>Schriebe man hier &#8220;der Jüngste&#8221; oder &#8220;die beiden Älteren&#8221; so ginge der attributive Bezug verloren. Die beiden älteren Söhne würden zu &#8220;Älteren&#8221;, also Greisen.</p>
<p>Nun zu dem anderen Rechtschreibfall, der allerdings in den Vorschriften der Rechtschreibreform neugeregelt ist. Auch wenn man sich an diese &#8211; wie hier schon aus Gründen der Validität &#8211; halten will oder muss, bleibt es sinnvoll, die Begründungen zu kennen, um bewusst damit umzugehen.</p>
<p>Die dazugehörige Altschreibregel findet sich in den Vorbemerkungen zur Rechtschreibung des Großen Dudens, Bd. 1, 16. Aufl., 1967:  5. R(andnummer) 134 b):<br />
<em><br />
Eigenschafts-, Mittel- und Umstandswörter (i.e. Adjektive, Partizipien und Adverbien G.S.) werden auch dann klein geschrieben, wenn [ihnen ein Geschlechtswort oder Fürwort (i. e. Artikel oder Pronomen G.S.)vorangeht und] sie für ein Eigenschafts-, Mittel- oder Umstandswort ohne Geschlechts- oder Fürwort stehen.</p>
<p>Beispiele:<br />
des weiteren (= weiterhin),<br />
am besten (= sehr gut)<br />
aufs neue = wiederum)<br />
in folgendem oder im folgenden (= weiter unten)<br />
um ein beträchtliches (= sehr)<br />
von neuem (= wiederum)<br />
von fern (= fernher)<br />
Es ist das gegebene (= gegeben)<br />
Es ist das beste (= am besten, sehr gut), wenn du dich entschuldigst<br />
Es ist das richtige (= richtig)</p>
<p>A b e r: Es fehlt ihm am Besten (= an der besten Sache)<br />
</em></p>
<p>Ich füge hinzu:<br />
im folgenden = weiter unten<br />
im Folgenden = in den folgenden Ausführungen</p>
<p>Daran wird deutlich, wie nahe die abgrenzenden Bedeutungen sind.</p>
<p>Vereinfacht geschrieben ergibt sich daraus:</p>
<p>Wortgruppen, bestehend aus Adjektiven, Partizipien und Adverbien und einem vorangehenden Artikel oder Pronomen werden klein geschrieben, wenn sie ein entsprechendes  Adjektiv, Partizip oder Adverb vertreten.</p>
<p>Beispiele:<br />
<em>im folgenden = weiter unten, nachfolgend,<br />
des weiteren = weiterhin, weiters<br />
ohne weiteres = durchaus<br />
des eingehenden = eingehend<br />
im übrigen = übrigens<br />
im allgemeinen = allgemein<br />
im wesentlichen = wesentlich<br />
im allgemeinen ( = verallgemeinernd, allgemein gesprochen)</em></p>
<p>Bleibt die Frage: <em>das Folgende, Nachfolgendes, alles Weitere, das Neueste, das Allgemeine, das Nächstliegende, das Wesentliche</em> &#8211; groß oder klein? </p>
<p>Hier ist die Kleinschreibung dann erforderlich, wenn es einen attributiven Bezug gibt:<br />
<em>Alle wesentlichen Punkte wurden besprochen. Die übrigen ( Punkte) werden vertagt.<br />
Alles Wesentliche wurde besprochen. Das übrige (Wesentliche) wurde vertagt.<br />
</em><br />
Hier sind die unterschiedlichen Schreibweisen an Beispielen gegenübergestellt:<br />
<em>Es wurde Folgendes (= die folgenden Punkte) vereinbart. Es wird im folgenden (= nachfolgend) aufgelistet.<br />
Das Weitere (= die weiteren Punkte) ist verhandelt. Es wird im weiteren (weiterhin, weiters) unter der Abkürzung xy angeführt..<br />
</em></p>
<p>Um abschließend die Frage des Titels zu klären: Der aktuelle Duden schreibt<em> im Folgenden</em> vor. Er erlaubt <em>ohne weiteres </em> und empfiehlt &#8211; gelb unterlegtn &#8211;  <em>ohne Weiteres</em>.</p>
<p>[1] Glossar:<br />
Substantiv = Hauptwort, Namenwort, Nomen<br />
Substantivierung =  durch bestimmte Merkmale &#8211; bestimmter Artikel &#8211; zum Substantiv erhoben<br />
Adjektiv = Wiewort, Eigenschaftswort, meist attributiv gebraucht und daher dem Substantiv in der Endung angepasst (z. B. der schöne Hund, ein schönes Kind). In prädikativem Gebrauch ist das Adjektiv unveränderlich (z. B. Der Hund ist schön.Ein schönes Kind).<br />
Adverb = Umstandswort, das die näheren Umstände, unter denen Geschehnisse, Tätigkeiten usw. stattfinden, beschreibt.<br />
Pronomen = Fürwort, das ein Nomen ersetzt<br />
Präposition = Verhältniswort. Es gibt vorangestellt einen Hinweis auf das Verhältnis an, in dem Sachverhalte zueinander bestehen.<br />
Artikel = ein das Substantiv/ Nomen bestimmendes Geschlechtswort<br />
Artikelwort = ein den Artikel im Zusammenhang mit einem Substantiv/ Nomen ersetzendes Wort, ein Demonstrativpronomen (z. B. dieser, jener, jeglicher, derjenige), das teils der Artikelflexion, teils der eines Adjektivs oder Partizips gehorcht (&#8221;dieses Jahres, desjenigen Jahres&#8221;) oder ein unbestimmtes Zahladjektiv (z. B. kein, jeder, wenig, einige), das den Artikel ersetzt und in sich aufnimmt (kein Mensch &#8211; ein Mensch, das Kind &#8211; jedes Kind, wenige Menschen &#8211; die Menschen).</p>
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		<title>Drohne – Metapher für einen Flugroboter</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/drohne-metapher-fur-einen-flugroboter/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 13:35:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[





Honigbiene



Foto: Niko Korte


© sublevel / PIXELIO


Die Drohne ist eine männliche Biene.
Im Gegensatz zu ihren weiblichen Artgenossen, der Königin und den Arbeiterinnen, haben Drohnen keinen Stachel, kein Bienengift und sind nicht für das selbsttätige Überleben geschaffen. Ihr einziger existentieller Zweck ist die Fortpflanzung, sie sind ein fliegender Geschlechtsapparat. Dazu werden sie gehätschelt, gefüttert und gepflegt. Nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_19_Biene_Bluete_Sommer.jpg" alt="Biene, Blüte, Sommer" title="Biene, Blüte, Sommer" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Honigbiene</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: Niko Korte</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© sublevel / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=479506" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong>Die Drohne ist eine männliche Biene.</strong></p>
<p>Im Gegensatz zu ihren weiblichen Artgenossen, der Königin und den Arbeiterinnen, haben Drohnen keinen Stachel, kein Bienengift und sind nicht für das selbsttätige Überleben geschaffen. Ihr einziger existentieller Zweck ist die Fortpflanzung, sie sind ein fliegender Geschlechtsapparat. Dazu werden sie gehätschelt, gefüttert und gepflegt. Nach ihrer Mission, der einmaligen Begattung der Jungkönigin, sind sie entbehrlich und todgeweiht. Entweder sie verhungern, sterben an Entkräftung oder werden, falls sie heimkehrten, totgestochen.</p>
<p>Im Bienenstaat gibt es nur ein Prinzip: das Wohl des ganzen Volkes. Daher gibt es eine streng hierarchische Arbeitsteilung. Die Arbeitsbienen verzichten zugunsten der Gemeinschaft nicht nur auf Sexualität und Fortpflanzung, sondern setzen ihre ganze Existenz für das Bienenvolk ein, die Versorgung, den Schutz die Nest-und die Brutpflege. Unterdessen legt die Königin unausgesetzt Eier, die sie aus ihrem lebenslangen Spermienvorrat befruchtet.</p>
<p><span id="more-3571"></span>Während das männliche Exemplar ein weibliches Genus hat &#8211; die Drohne &#8211; hat das weibliche, die Bienenkönigin, alleinverantwortlich für die sexuellen Aufgaben, ein männliches grammatisches Geschlecht. Die Königin heißt der Weisel.</p>
<p>Angesichts brennender, strahlender Atommeiler in Japan kam der Begriff Drohne ins Spiel. Unbemannte Aufklärungsflugkörper waren dazu bestimmt, Fotos des havarierten Kraftwerks zu machen, um den in sicherer Entfernung Harrenden einen Überblick über die Lage zu verschaffen.</p>
<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_19_bild_2.jpg" alt="Global Hawk" title="Global Hawk" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">RQ-4 Global Hawk</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: U.S. Air Force</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;"><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:RQ-4_Global_Hawk_2.jpg&#038;filetimestamp=20060616175019" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="gemeinfrei">gemeinfrei</a></td>
</tr>
</table>
<p>Im militärischen Sinn ist Drohne ein Sammelbegriff für unbemannte Fluggeräte. Sie liefern entweder als Aufklärer in Echtzeit Bilder oder fliegen als Kampfdrohnen Kampfeinsätze. Sie sind billiger als Piloten, die ihr Leben aufs Spiel setzen. Ihre Existenz als Sache ist damit umrissen.  Es sind fliegende Roboter, deren Mission über Bodenstationen, die in der Regel tausende von Kilometern entfernt liegen, gesteuert werden. Als Aufklärungsflieger liefern sie Videomaterial, dessen Daten auch an diesen fernen Bodenstationen ausgewertet wird. Mit steigender Leistungsfähigkeit der Drohnen wird auch die Auswertung immer komplexer. Genau betrachtet werden militärische Entscheidungen in den afghanischen Bergen an einem Rechner in Nevada, USA, getroffen. [1]</p>
<p>Der Begriff Drohne stammt aus der Bienenkunde. Die Bienenkunde gilt von jeher als friedliche Wissenschaft. Der Bienenzüchter ist der Inbegriff von Gelassenheit und Ruhe.</p>
<p>Das friedliche Gesumm täuscht. Das Leben des Bienenvolks ist hart und diszipliniert. Am Flugloch des Stockes inspizieren strenge Wächter die Zurückkehrenden. Fremde und Räuber werden erstochen.</p>
<p>Bienen, insbesondere Königinnen, richten ihr Gift auch gegen Artgenossen. Eine junge, frischgeschlüpfe Königin sticht alle nach ihr schlüpfenden sofort tot, um die Alleinherrschaft zu sichern. Deshalb steckt der Imker die verdeckelten größeren Weiselzellen, in denen sich die Maden verpuppen, um als Königinnen zu schlüpfen, in gesonderte Glasbehälter mit einem kleinen Hofstaat und einer Futterwabe, um sie vor dem Tod zu schützen.</p>
<p>Drohnen sind im Bienenstaat die einzigen, die keinen Stechapparat haben. Das heißt, sie sind unbewaffnet und wehrlos. Jede Arbeiterin kann sie totstechen.</p>
<p>Drohne klingt deshalb weniger bedrohlich als bewaffneter Roboter für einen unbemannten, bodengesteuerten Waffenträger.</p>
<p>In diesem Zusammenhang ist Drohne ein Euphemismus. </p>
<p>Drohnen heißen die unbemannten Flugkörper offenbar wegen ihrer Objekthaftigkeit, fehlenden Entscheidungsfähigkeit und Fremdgesteuertheit.</p>
<p>[1] Differenzierte und kritische Aufschlüsselungen der militärischen Funktionen finden sich in der folgenden Quelle, S. 12-16:<br />
<a style="color: blue" title="NDR Info - Das Forum - STREITKRÄFTE UND STRATEGIEN (pdf)" href="http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/streitkraefte_und_strategien/streitkraeftesendemanuskript249.pdf" target="_blank">NDR Info &#8211; Das Forum &#8211; STREITKRÄFTE UND STRATEGIEN (pdf)</a></p>
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</script><br />
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		<item>
		<title>Hausaufgaben</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/hausaufgaben/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/hausaufgaben/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 11:18:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[





Hausaufgaben



Foto: S. Hofschlaeger


© hofschlaeger / PIXELIO


Hausaufgaben bringen alle Beteilgten in ein Dilemma.
Ein Dilemma ist ein nach zwei Seiten offenes Verfahren &#8211; eine Zwickmühle. Es ist also eine Situation mit zwei Möglichkeiten, die beide zu einem kaum gegeneinander abwägbaren Resultat führen. 
Ein engagierter Lehrer sieht Hausaufgaben als Vertiefung des Lernstoffs an und erhofft sich davon ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_16_hausaufgaben.jpg" alt="Hausaufgaben" title="Hausaufgaben" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Hausaufgaben</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: S. Hofschlaeger</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© hofschlaeger / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=84720" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong>Hausaufgaben bringen alle Beteilgten in ein Dilemma.</strong></p>
<p>Ein Dilemma ist ein nach zwei Seiten offenes Verfahren &#8211; eine Zwickmühle. Es ist also eine Situation mit zwei Möglichkeiten, die beide zu einem kaum gegeneinander abwägbaren Resultat führen. </p>
<p>Ein engagierter Lehrer sieht Hausaufgaben als Vertiefung des Lernstoffs an und erhofft sich davon ein selbständiges Durchdringen und weiterführende Fragen. Das erscheint möglich in der ablenkungsfreien Ruhe des häuslichen Arbeitsplatzes. Gleichzeitig kann er schriftliche Hausaufgaben nur kontrollieren durch zeitaufwendiges Einsammeln und Durchsehen.</p>
<p><span id="more-3532"></span>Ruhe, Abgeschiedenheit und ein überschaubarer Arbeitsplatz sind selten durchsetzbar. Die häusliche Unterstützung und Aufsicht ist denkbar ungerecht verteilt. Aus dieser Sicht verschärfen Hausaufgaben den Unterschied zwischen den Schülern und geben ein schiefes Bild &#8211; auch für den Lehrer &#8211; ab. Insofern sind sie ein Instrument, um die Schere der Chancenungleichheit weiter zu öffnen: Schüler aus einem privilegierten Umfeld erfahren zusätzliche Belehrung und Unterweisung, solche aus prekärem dagegen zusätzliche Benachteiligung und negative Bestätigung.</p>
<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_16_bild_2_hausaufgaben.jpg" alt="Hausaufgaben" title="Hausaufgaben" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Hausaufgaben</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: S. Hofschlaeger</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© hofschlaeger / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=166993" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p>Zwischen Hausaufgaben und Lernen besteht ein Unterschied. Hausaufgaben können rein formal eine häusliche Arbeit bezeichnen, vorbereitend, nachbereitend, obligatorisch oder ritualisiert. Lernen &#8211; also klassischerweise das 1&#215;1, das Alphabet, Formeln, Glossare, Vokabeln, das muss jeder irgendwie bewältigen, sonst ist er bei Klassenarbeiten hilflos. Auch Lesen geht nicht ohne Übung. Wie soll man sonst je schriftliche Aufgabenstellungen interpretieren können?</p>
<p>Bei Unterrichtsbeurteilungen wird, wenn Hausaufgaben beteiligt sind, folgender Punkt abgehandelt: Ist die Hausaufgabe sinnvoll gestellt? Das heißt, ist sie nur eine Formalität, oder ergibt sie sich, schon in der Vorbereitung bedacht, aus dem Unterrichtziel?</p>
<p>Das Bedürfnis von Grundschulkindern nach Hausaufgaben ist gleichsam Ausdruck des veränderten Selbstverständnisses als Schulkind. Diese Haltung zu dem neuen Lebensabschnitt gilt es für den Lehrer zu nutzen und zu fördern. Mit Hausaufgaben verbindet sich der verständliche Wunsch, sie zu vorzuzeigen, vorzutragen und gewürdigt zu erleben. Also sind sie als ein Grundbedürfnis nach eigener Produktion sowie nach deren kritischer Betrachtung und ernsthafter Anerkennung zu bewerten. </p>
<p>Kinder suchen keine grenzenlose Freiheit, sondern Führung und Vorbilder, um stark zu werden. Dafür ist Disziplin unerlässlich. Laissez-faire und Laxheit wird als Führungsschwäche und pädagogisches Desinteresse interpretiert. Achtung genießt der strenge, fordernde, aber zugewandte Lehrer, der dem Schüler &#8220;nicht nur die Hand gibt, sondern auch die Stirn bietet&#8221;, dem es nicht egal ist, was der Schüler tut. Das ist pädagogische Konsquenz. Ein treffendes Wort für Disziplin ohne Erniedrigung, Unterdrückung und Sadismus ist &#8220;herzliche Strenge&#8221;. [1]</p>
<p>Strenge hat urprünglich keinen negativen Unterton. Das Wort bedeutete nämlich primär scharfes Anziehen, also Tapferkeit, Kraft und Stärke. Darin steckt sich anstrengen.  Als gültigen Begriff der Strenge könnte man die Übertragung der Anstrengung, also die Anspannung der Muskeln und Sehnen, auf den Geist verstehen. Das drückt eben auch das englische Äquivalent <em>strength</em> aus.</p>
<p>Bei Elternabenden habe ich als eines der Hauptanliegen der Eltern das Thema Hausaufgaben erlebt. Ich habe das so verstanden, dass es das elterliche Instrument ist, das es erlaubt, Einsicht, Kommunikation, Kontrolle in und über schulisches Geschehen herzustellen und &#8211; aus Elternsicht &#8211; unproduktives Freizeitverhalten zu steuern und zu begrenzen.</p>
<p>Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen und Überlegungen plädiere ich dennoch und gerade für Hausaufgaben, allerdings in einem zeitlich und inhaltlich eng gesteckten Rahmen, also bewältigbar und überschaubar für den Produzenten, den Schüler, die möglichen Beaufsichtiger, Eltern und Helfer, und den Kontrolleur, den Lehrer. Denn unbeachtete Werke, unkorrigierte Fehler demotivieren und desorientieren den Schüler. Sie verwehren dazu dem Lehrer die Chance, Rückschlüsse auf den Lehr- und  Lernerfolg zu ziehen. </p>
<p>[1] So bezeichnet von dem Autor Michael Felten in einer Sendung über Disziplin im Politischen Feuilleton bei Deutschland-Radio-Kultur am 10.02.2011.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Verwandtschaftsbilder</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/verwandtschaftsbilder/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/verwandtschaftsbilder/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 17:42:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Semantik]]></category>

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		<description><![CDATA[





Vertrauen wagen



Foto: Grace Winter


© Grace Winter / PIXELIO


Versöhnung, Aussöhnung, versöhnen oder aussöhnen, bedeutet Verzeihung und Vergebung, Überwindung einer inhaltlichen, politischen oder historischen Kluft, Fremdheit oder Schuld.
Durch Versöhnung wird ein Graben zugeschüttet, die Feindschaft begraben, die Störung der Beziehung überwunden. Versöhnung ist gleichsam ein Verzicht auf Sühne ohne Ansehen von Schuld. 
Dieser Inhalt ergibt sich aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_13_Vertrauen_wagen.jpg" alt="Vertrauen wagen" title="Vertrauen wagen" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Vertrauen wagen</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: Grace Winter</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© Grace Winter / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=498387" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong><em>Versöhnung, Aussöhnung, versöhnen </em>oder <em>aussöhnen</em>, bedeutet Verzeihung und Vergebung, Überwindung einer inhaltlichen, politischen oder historischen Kluft, Fremdheit oder Schuld.</strong></p>
<p>Durch Versöhnung wird ein Graben zugeschüttet, die Feindschaft begraben, die Störung der Beziehung überwunden. Versöhnung ist gleichsam ein Verzicht auf Sühne ohne Ansehen von Schuld. </p>
<p>Dieser Inhalt ergibt sich aus dem darin enthaltenen Begriff des Sohns. Wie man einem Kind verzeiht, dem biblisch sprichwörtlichen &#8220;verloreren Sohn&#8221; rückhaltlos vergibt, so ist Versöhnung zu verstehen. Wie ein Vater den Sohn in die Arme schließt, so nähert man sich durch eine Versöhnung einander an. Im Idealfall stehen die Ausgesöhnten füreinander ein. </p>
<p><span id="more-3401"></span>Diesen in <em>Versöhnung</em> enthaltenen Begriff <em>Sohn</em>, Inbegriff engster Familienbande, nimmt man nur bei genauerem Hinsehen zur Kenntnis. Er ist Ausdruck des Annäherungsprozesses nach einer tiefen Spaltung, er ist in <em>Sohn </em>enthalten. Die Wortfamilie um das Verb<em> versöhnen</em> hat sich gegenüber ihrer Herkunft verselbständigt, sodass Sohn als metaphorische Quelle schon verblasst ist.</p>
<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_03_13_Frieden_stiften.jpg" alt="Frieden stiften" title="Frieden stiften" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Frieden stiften</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: Reinhard Sandbothe</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© ReinSand / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=223763" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p>Ein anderes Verb, das sich metaphorisch auf eine enge verwandtschaftliche Beziehung stützt, ist <em>sich verbrüdern</em>. Es bedeutet sich füreinander einsetzen, miteinander Widerstände durchstehen, zueinander stehen, füreinander einstehen. Die Verbrüderung meint aber eine andere Form der Zugehörigkeit. Bei Geschwistern geht geht man von gleichen Voraussetzungen aus. Zwei Parteien schließen sich gleichberechtigt wie Brüder zusammen und verfolgen ein gemeinsames Interesse. Ein vorangegangener Konflikt ist keine Bedingung wie beim Bild der Aussöhnung oder Versöhnung. </p>
<p>Die Adjektive geschwisterlich und brüderlich sind einander ähnlich in der Bedeutung. Ihr gemeinsamer Nenner ist eine selbstverständliche Solidarität, ein Grundvertrauen, wie es unter Geschwistern anzunehmen ist: &#8220;Blut ist dicker als Wasser.&#8221;</p>
<p>So wie <em>väterlich</em> bedeutet, dass erfahrener Rat zur Verfügung steht, so vermittelt<em> mütterlich, bemuttern</em> das Bild der selbstlosen Mutter. Das Gegenteil aber davon ist <em>stiefmütterlich</em>. Die stiefmütterliche Behandlung bezieht sich auf das Bild der bösen Stiefmutter im Märchen, die dem fremden Spross nichts gönnt. Stiefmütterlich behandeln heißt ungenügend beachten, missachten, links liegen lassen.</p>
<p>Ein weiteres Wort, das einer Verwandtschaftsbeziehung entstammt, ist<em> Vetternwirtschaft</em>. Damit ist gemeint, dass politisch oder verbandsmäßig einander Verbundene, deren Loyalität man sicher ist, vorrangig versorgt werden. Dem Wort Vetternwirtschaft haftet das Bild des autokratischen Familienclans an, der seine Mitglieder auf Kosten der Allgemeinheit mit lukrativen Ämtern und Pfründen versorgt, eine Verflechtung und Verfilzung, wie sie derzeit bei den fallenden Diktatoren der Länder des Mahgreb offenkundig wird.</p>
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]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Verbalkomplexe</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/verbalkomplexe/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/verbalkomplexe/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 09:24:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grammatik]]></category>

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		<description><![CDATA[





Meisen im Winter



Foto: uschi dreiucker


© moorhenne / PIXELIO


Der Begriff Verbalkomplex beschreibt mehrteilige Verbformen. Dieser Terminus überschneidet sich mit dem syntaktischen Begriff Verbklammer.
Verbklammer bedeutet, dass im Hauptsatz das finite Verb als präfigiertes Verb mit trennbarem Präfix getrennt wird, indem nur der finite Verbteil an zweiter Stelle im Hauptsatz steht, während das Präfix als eigenständiges Wort an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_2011_02_11_Verbalkomplexe.jpg" alt="Verbalkomplexe" title="Verbalkomplexe" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Meisen im Winter</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Foto: uschi dreiucker</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">© moorhenne / <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=500227" style="color: #67808d; font-size:10px;" target="_blank" title="PIXELIO">PIXELIO</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong>Der Begriff Verbalkomplex beschreibt mehrteilige Verbformen. Dieser Terminus überschneidet sich mit dem syntaktischen Begriff Verbklammer.</strong></p>
<p>Verbklammer bedeutet, dass im Hauptsatz das finite Verb als präfigiertes Verb mit trennbarem Präfix getrennt wird, indem nur der finite Verbteil an zweiter Stelle im Hauptsatz steht, während das Präfix als eigenständiges Wort an die letzte Stelle rückt.</p>
<p><strong>Beispiel:</strong></p>
<p><em>zurückkommen. Ich komme heute Abend erst sehr spät nach Hause zurück.</em></p>
<p>Mehrteilige Verbformen<em> kommen</em> im Deutschen in den zusammengesetzten Zeiten <em>vor</em>, in Strukturen, die den einfachen Infinitiv, sowie den mit &#8220;zu&#8221; erweiterten Infinitiv beteffen, und generell bei Modalverben, die eine Verbindung mit einem Verb eingehen, um die Bedingungen, die Modalität des Tuns zu beschreiben.</p>
<p><span id="more-3364"></span><strong>Beispiele:</strong></p>
<p>I. Zusammengesetzte Zeiten:</p>
<p><em>ich werde &#8230; erleben </em>(Futur)<br />
<em>ich werde  &#8230;erlebt haben</em> (Futur II)</p>
<p><em>ich habe &#8230; erlebt</em> (Perfekt)<br />
<em>ich hatte &#8230; erlebt</em> (Pluquamperfekt)</p>
<p>II. Einfache und mit <em>zu</em> erweiterte Infintive:</p>
<p><em>er hoffte zu überleben/ durchzuhalten<br />
er war zu allem bereit, um zu überleben</em></p>
<p>III. Verbindungen mit Modalverben:</p>
<p><em>du darfst mich besuchen<br />
er sollte mich in Ruhe lassen<br />
</em><br />
Verbalkomplex ist der Ausdruck für den komplexen Zusammenhang, der sich in verbalen Bezügen ausdrückt.</p>
<p>Hier überschneiden sich die beiden scheinbar abgegrenzten Felder der Grammatik Wortartbestimmung und Satzbau. Denn der Verbalkomplex ist sowohl eine Verkettung von Verben als auch ein komplexes Prädikat, das sich aus dem finiten Verb und den damit verknüpften Infintivformen zusammensetzt.  </p>
<p>Da mehrteilige Verbformen, wie sie das Passiv, die zusammengesetzten Zeiten, und die entspechenden Konjunktivformen repräsentieren, mit den Hilfverben <em>sein, haben </em>und<em> werden</em> gebildet werden, entstehen in diesen Konstellationen automatisch komplexe Verbformen, die daher mit diesem Terminus Verbalkomplex* <em>gekennzeichnet werden.</em></p>
<p>Der Komplex, der durch den Einsatz von Modalverben  (sofern sie nicht als Vollverb gebraucht werden  zwangsläufig <em>produziert wird</em>, nennt sich Modalverbkomplex. </p>
<p>Die klassischen Modalverben sind:</p>
<p>müssen &#8211; die Pflicht,Verpflichtung haben, gezwungen sein<br />
dürfen &#8211; die Erlaubnis, das Recht haben<br />
sollen &#8211; die (moralische) Pflicht haben, etwas schuldig sein<br />
können &#8211; die Möglichkeit haben<br />
wollen &#8211; den Wunsch, Willen haben<br />
mögen &#8211; ähnlich wie wollen, aber höflicher ausgedrückt<br />
(nicht) brauchen &#8211; keine Verpflichtung haben</p>
<p>Modalverben sind also Verben, die eine bestimmte Eigenschaft haben, indem sie das Verb, dem sie zugeordnet sind modifizieren. Sie  erfüllen eine bestimmte Aufgabe im Verhältnis zu einem anderen Verb. Also handelt es sich um eine Verbart, ein Verb, das die Umstände, unter denen etwas zustande kommt, beschreibt.</p>
<p>Modalverbkomplex dagegen ist eine Beschreibung des Zusammenhangs mehrerer Verben im Satz. Der Begriff bezieht sich also auf den Satzbau, die Syntax. Damit bestimmt man den ganzen Komplex des Prädikats, das aus einem Modalverb und einem weiteren Verb besteht.</p>
<p>Verbalkomplexe betreffen also mehrteilige Tempus-, Modus- und Passivformen des Verbs. Mehrteilige Tempusformen sind die zusammengesetzten Zeiten Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II.</p>
<p>Mehrteilige Konjunktivformen werden gebildet, indem das Hilfsverb als finites Verb in den konjunktivischen Modus übertragen wird. Das klingt simpel, wirkt aber aus sprachlicher Sicht immer sehr hochsprachlich. In der Umgangssprache wird, um den Konjunktiv auszudrücken, gerade bei Vollverben oft die würde-Form gebraucht. Auf diese Weise ist gerade hier eine nicht versiegende Quelle von Verbalkomplexen zu finden.</p>
<p><strong>Bespiele:</strong></p>
<p><em>Ich käme gern, aber ich fühle mich nicht gut. -> Ich würde gern kommen, &#8230;<br />
Gingen wir ins Kino, wäre der Abend gerettet. -> Würden wir ins Kino gehen, wäre der Abend gerettet/ würde der Abend gerettet sein.<br />
Er sagte, dass er komme. -> Er sagte, dass er kommen würde. </em></p>
<p>*Anhand der bisherigen Sätze<em> kann </em>man bereits mehrere Verbalkomplexe <em>ausmachen</em>, die ich der Veranschauung halber hier ausnahmsweise in Kursivschrift <em>dargestellt habe</em>.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Präteritum oder Perfekt? Dauer und Historische Vergangenheit im Deutschen</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/prateritum-oder-perfekt-dauer-und-historische-vergangenheit-im-deutschen/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/prateritum-oder-perfekt-dauer-und-historische-vergangenheit-im-deutschen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2011 19:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Grammatik]]></category>

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		<description><![CDATA[





Rotkäppchen



Bild: Albert Anker


public domain


Die Ebenen der Vergangenheit im Deutschen sind kompliziert. Diese Eigenschaft teilen sie zwar mit anderen Sprachen. Jedoch hat jede ihre eigenen Auffassungen.
Die grammatischen Formen der Vergangenheit im Deutschen entziehen sich eindeutiger Zuordnung.  Alltagssprache und Schriftsprache überschneiden sich, ohne derselben Logik zu folgen. 
Der Fachbegriff für die grammatische Zeit lautet Tempus. [1] [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
<tr>
<td><img src="http://www.blog.institut1.de/wp-content/uploads/2009/04/200_le_petit_chaperon_rouge.jpg" alt="Rotkäppchen" title="Rotkäppchen" align="left" border="1" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Rotkäppchen</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Bild: Albert Anker</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;"><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain" style="color: #67808d; font-size: 10px" target="_blank" title="public domain">public domain</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong>Die Ebenen der Vergangenheit im Deutschen sind kompliziert. Diese Eigenschaft teilen sie zwar mit anderen Sprachen. Jedoch hat jede ihre eigenen Auffassungen.</p>
<p>Die grammatischen Formen der Vergangenheit im Deutschen entziehen sich eindeutiger Zuordnung.  Alltagssprache und Schriftsprache überschneiden sich, ohne derselben Logik zu folgen. </strong></p>
<p>Der Fachbegriff für die grammatische Zeit lautet Tempus. [1] Weil die grammatischen Zeiten in einem Verhältnis zueinander stehen, nennt man diese Beziehung Tempussystem.</p>
<p>Drei Begriffe stehen zur Verfügung, um die unterschiedlichen Vergangenheitsebenen auszudrücken. Die Fachbegriffe lauten Imperfekt oder Präteritum für die einfache Vergangenheit. Perfekt, neuerdings auch Präsensperfekt genannt, ist die vollendete Gegenwart. Unter Plusquamperfekt versteht man eine Zeitform, die zwei unterschiedliche Vergangenheitsstufen im Hinblick auf Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit einander zuordnet. Deshalb heißt sie vollendete oder vorzeitige Vergangenheit. </p>
<p>Die lateinischen Begriffe sind inhaltlich nur unzureichend übertragbar auf den Zeitengebrauch im Deutschen.</p>
<p><span id="more-3345"></span>Der lateinische Begriff Imperfekt heißt wörtlich &#8220;das Unvollkommene, Nichtperfekte&#8221;, Präteritum &#8220;das gerade Vorbeigegangene&#8221;. Diese Eigenschaften treffen auf den deutschen Gebrauch dieser Zeit nicht zu. Zwar nennt sie sich auf Deutsch &#8220;erste&#8221; oder&#8221;einfache Vergangenheit&#8221;. &#8220;Einfach&#8221; bedeutet aber nur &#8220;nicht zusammengesetzt&#8221;, z. B.<em> ich ging, holte, schaute, kaufte</em>. </p>
<p>Dagegen heißt Perfekt, &#8220;das Abgeschlossene, das Perfekte&#8221;, im Lateinischen so, weil sie als Erzählzeit dient, also als Zeit, die man für die Beschreibung endgültig vergangenen Tuns braucht. Das Perfekt ist daher dort auch das Tempus der Darstellung von Geschichte und Geschehen, wie sie in Cäsars Kriegsberichterstattung vom gallischen Krieg, <em>De bello Gallico</em>, überwiegt.</p>
<p>Hier liegt ein unterschiedliches Tempusverständnis in beiden Sprachen zugrunde, denn im Deutschen wird gerade zur Darstellung eines historischen Ablaufs die erste Vergangenheit verwendet.</p>
<p>An einem Märchentext will ich dies verdeutlichen.</p>
<p><em>Es war einmal ein kleines Mädchen, das trug immer ein rotes Samtkäppchen. Und weil es ihm so gut zu Gesicht stand, nannten alle es das Rotkäppchen.</p>
<p>Eines Tages rief die Mutter es zu sich und sprach: &#8220;Die Großmutter ist krank. Morgen sollst du hinaus zu ihrem Hause gehen und ihr Kuchen und Wein bringen, damit sie sich stärken kann.&#8221;</p>
<p>Am nächsten Morgen, noch ehe der Tag zu heiß war, machte sich das Rotkäppchen auf den Weg. Es trug einen Korb mit Kuchen und Wein. Es mußte den Weg durch den Wald nehmen. Da begegnete ihm der Wolf. Er stellte sich freundlich und fagte:&#8221;Guten Tag, Rotkäppchen! Wohin des Wegs?&#8221; &#8230;</em></p>
<p>An diesem Text sollen zwei Dinge erläutert werden:</p>
<p>In den ersten beiden Sätzen, die eine fortwährende Situation beschreiben &#8211; nennen wir sie Dauer und Wiederholung -, wird die einfache Vergangenheitsform gebraucht: <em>sein, immer tragen, immer wieder nennen, gut stehen. </em></p>
<p>Fortwährende Situationen sind meistens durch die Hilfsverben wie <em>sein, haben, werden</em>, die Verben der sinnlichen Wahrnehmung  wie <em>hören, sehen, fühlen</em>, und modale Hilfsverben -<em> müssen, dürfen, sollen, können, wollen, brauchen, wissen</em> &#8211; gekennzeichnet. Diese Verben drücken in ihrem Kern bereits Dauer und Wiederholung  aus. Hinzu kommen Vollverben, die in ihrem Kontext gewöhnlich Dauer auszudrücken vermögen: gehen, kommen, lieben, denken, wissen, finden(, dass).</p>
<p>Auch syntaktische Strukturen vermitteln Dauer. Satzbezüge, die Gleichzeitigkeit und Fortwähren einer Situation ausdrücken, werden durch Konjunktionen hergestellt: <em>indes, während, solange, als</em>.</p>
<p>Zur Darstellung von Dauer und Wiederholung gebraucht man also im Deutschen die einfache Vergangenheit, die sich fachterminologisch zwar traditionell Imperfekt oder Präteritum nennt. Ein solcher Begriff ist jedoch eher als grammatischer Fachbegriff im Sinne eines Terminus technicus zu verstehen.</p>
<p>Ein zweites Beispiel für den Gebrauch dieser Zeit zeigt sich schließlich im letzten Absatz des provisorischen Märchenbeispiels, der den Ablauf der Geschichte darstellt.</p>
<p>Hier sind es die Verben, die ein einmaliges Geschehen beschreiben: <em>auf den Weg machen, sich (ver)stellen, begegnen, fragen.</em>Dabei handelt es sich um ein Geschehensablauf, für den ein Erzähltempus als grammatische Zeit dient.</p>
<p>Eine verbreitete Meinung lautet, das Präteritum sei ein Zeichen höheren Sprachniveaus als das Perfekt, das eher in der Umgangssprache heimisch sei. Zwar glaubt man, sich damit gewählter auszudrücken. Es kommt jedoch zu einem falschen,l statt hochsprachlichen Gebrauch. Das führt zu einem gestelzten Klang. </p>
<p>Stellt man die folgenden Sätze gegenüber, </p>
<p><em>Ich las gerade ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat.</em>.<br />
<em>Ich habe gerade ein Buch gelesen, das mich sehr beeindruckt hat.</em> </p>
<p>erkennt man, dass das Lesen hier nicht als Dauer, sondern als abgeschlossene Handlung zu verstehen ist. </p>
<p>Demgegenüber dient zum Ausdruck der Dauer das Imperfekt: </p>
<p><em>Ich las gerade ein Buch, als es klingelte und &#8230; Während ich las, war es ruhig um mich &#8230; Solange ich las, merkte ich nichts &#8230;</em> </p>
<p>Man unterscheidet also, zwischen abgeschlossener Handlung und dauernder Tätigkeit.</p>
<p>Um eine Erzählung einzuleiten, greift man oft zu einer einleitenden Formulierung, die die Vergangenheitssituation markiert. Diese belässt man, weil es unmittelbarer klingt, häufig im Perfekt. Danach fährt man im Erzähltempus, dem Präteritum, fort.</p>
<p>Hier einige Beispiele: </p>
<p><em>- Gestern habe ich einen Ausflug in den Hafen gemacht. Ich stand auf dem Ponton, schaute nach den Möven an und wartete auf die Barkasse. &#8230;<br />
- Gestern führte mich mein Weg ins Schanzenviertel.</em>  Oder: <em>Gestern habe ich einen Spaziergang durchs Schanzenviertel gemacht. Dort kaufte ich Blumen und besuchte eines der bunten Cafés. &#8230;<br />
- Ich habe gerade eine bewegende Szene gesehen. Ein Mann stand unter der U-Bahn-Brücke und musizierte. &#8230;</em></p>
<p>[1] Mehr zu den Bedeutungen der Fachbegriffe findet sich hier: <a style="color: blue" title="blog1.institut1 - Das grammatische Geschlecht grammatischer Termini" href="http://www.blog1.institut1.de/das-grammatische-geschlecht-grammatischer-termini/" target="_blank">blog1.institut1 &#8211; Das grammatische Geschlecht grammatischer Termini</a></p>
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		<title>Heidenangst</title>
		<link>http://www.blog1.institut1.de/heidenangst/</link>
		<comments>http://www.blog1.institut1.de/heidenangst/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Feb 2011 08:29:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gunhild Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[





Der Krieg



Bild: Arnold Böcklin


public domain


Heidenangst &#8211; was ist das? Heidenangst ist mehr als Besorgnis und Furcht. Man fühlt darin eine Urangst vor unkontrollierbaren Wilden. 
Unter Heiden verstand man früher diejenigen, die außerhalb der Gemeinschaft Gläubiger standen. Das Wort ist ursprünglich eine Lehnübersetzung von lateinisch paganus, eine Art geistlicher Zivilist im Gegensatz zu miles- oder fidelis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="float: left; margin-right: 10px; margin-top: 4px; margin-bottom: 5px" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
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<td><img src="http://www.blog1.institut1.de/201_10_01_Apokalypse.jpg" alt="Der Krieg" title="Der Krieg" align="left" border="1" /></td>
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<tr>
<td>
<h4 style="margin-top: 2px; font-size:10px; font-weight: bold;">Der Krieg</h4>
</td>
</tr>
<tr>
<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;">Bild: Arnold Böcklin</td>
</tr>
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<td style="line-height: 11px; color: #67808d; font-size:10px;"><a style="color: #67808d; font-size:9px;" title="public domain" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_B%C3%B6cklin_002.jpg" target="_blank">public domain</a></td>
</tr>
</table>
<p><strong>Heidenangst &#8211; was ist das? Heidenangst ist mehr als Besorgnis und Furcht. Man fühlt darin eine Urangst vor unkontrollierbaren Wilden.</strong> </p>
<p>Unter Heiden verstand man früher diejenigen, die außerhalb der Gemeinschaft Gläubiger standen. Das Wort ist ursprünglich eine Lehnübersetzung von lateinisch<em> paganus</em>, eine Art geistlicher Zivilist im Gegensatz zu <em>miles-</em> oder <em>fidelis christianus</em>, Nachfolger Christi, Gläubiger.  Heute nennen sich diejenigen &#8211; augenzwinkernd &#8211; Heiden, die innerhalb der sozialen Gemeinschaft stehen, ohne getauft zu sein. Heiden klingt zu Zeiten der Toleranz, Globalität und Religionsfreiheit nach mittelalterlicher Dunkelheit und Enge.</p>
<p>Und tatsächlich, es ist ein Wort, das besonders der frühen protestantischen Sprache verhaftet ist. Luther bediente sich dieses Wortes bei der Übersetzung des Neuen Testaments aus einer griechischen Schrift, der Septuaginta, des Erasmus von Rotterdam, dem eine lateinische Übersetzung, die Vulgata, beigegeben war. Die lateinische Fassung des Psalms 2.1 lautet: <em>Quare fremuerent gentes, et populi meditati sunt inania«? &#8211; »Warumb toben die Heiden, Vnd die Leute reden so vergeblich«? </em>, was man mit &#8220;Weshalb lärmen fremde Völker und sprechen so viel Nutzloses?&#8221;[1] ausdrücken könnte. Luther übersetzte dies Textstelle folgendermaßen: &#8220;Warumb toben die Heyden?&#8221;. Dass er hier das Bild tobender Heiden ins Spiel bringt, könnte eine Erklärung für den Begriff des<em> Heidenlärms</em> im protestantischen Wortschatz sein.</p>
<p><span id="more-3294"></span>Das lateinische Wort <em>gentes</em> bedeutet eigentlich nur <em>Völker</em>, von Juden als <em>nichtjüdische Völker </em>verstanden. Im hebräischen Urtext steht <em>gojim</em>, was zunächst das Gleiche bedeutete und erst danach in <em>Ungläubige</em> umgedeutet wurde. Dennoch lautet die Zusage an Abraham [2], ihn zu einem großen <em>goj</em>, einem großen Volk zu machen.</p>
<p>Die Zusammensetzung mit <em>Heiden- </em>als Inbegriff der Gottlosigkeit und Unmäßigkeit ließ sich von da auf anderes übertragen: <em>Heidenblindheit, Heidenmusik, Heidenlärm, Heidenspektakel, Heidenkrach, Heidenspaß, Heidenschreck, Heidenzorn, Heidengeld, Heidenwetter, Heidenarbeit.</em> Heute bedeutet der Zusatz <em>Heiden-</em> nurmehr die Verkehrung ins Negative, Unmäßige.</p>
<p>Heidenarbeit ist insbesondere unter einem historischen Gesichtspunkt zu betrachten. Im Mittelalter konnten nur Christen Land erwerben. Das ebenfalls wohlangesehene Handwerk war in Zünften organisiert, die nur Christen zugänglich waren. Daher blieben Heiden, Nichtchristen die unangesehenen, schweren, gefährlichen Tätigkeiten: Geldhändler, Brunnenputzer, Scherenschleifer, Kesselflicker.</p>
<p>Die Fremdheit der Sitten, das Unchristliche, Ungezügelte, Furchterregende hat für die Vorstellung von den Heiden Pate gestanden: bis an die Zähne bewaffnete gedungene Krieger in fürchterlicher Kriegsbemalung und drohend monströsen Gehörnen als Kopfschmuck, waffenklirrend und kriegslärmend mit Rasseln und Trommeln, die durch ihr unzivilisertes Gebaren und ihre bedrohliche Erscheinung die braven Christenmenschen in Angst und Schrecken versetzen. [3]</p>
<p>Diese Ablehnung des Fremden, Ungläubigen, Nichtchristlichen spiegelt sich auch im schweizerischen Aargau-Dialekt wider, wenn statt Heiden Ketzer, <em>chätzern, </em>beschworen werden. Der Begriff hat sich ebenso hier verselbständigt und lässt sich mit Ähnlichem,  dem christlichen Wortschatz Entflossenen vergleichen: verdammt, verflucht, vermaledeit. &#8220;Warum geht die chätzers (verdammte) Tür nicht auf?&#8221;. </p>
<p>[1]&#8220;*²Heide* schw. M., ahd. /heidan/, mhd. /heiden/ (->/Christ/); urspr. war<br />
/heiden/ überwiegend Adj.; Abl. vom F. /H./, Lehnübers. von lat. /paganus/,<br />
zunächst i.Ggs. zum /miles/ und /fidelis Christianus/ *1* >geistlicher<br />
Zivilist<, >außerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen Stehender<, Ende des<br />
4. Jhs. von der christl. Polemik auf die rückständige (und darum noch<br />
heidnische) Landbevölkerung bezogen (vgl. CMohrmann, Vigil. Christ. 6,109<br />
und WSchmid, Rhein. Mus.f.Phil. 96/1953,160); im MA *2* >der nicht Christ<br />
oder Jude ist<, bes. auch die Mohammedaner, dann und so bis heute diese<br />
eingeschlossen. Erst jung und eher bildungsspr. *3* >Ggs. zu Monotheist<;<br />
ugs. *4* >der innerhalb der christlichen Gemeinschaft lebende Ungläubige<br />
oder Nichtrechtgläubige<. Aus der Vorstellung von etwas Schrecklichem, die<br />
sich in der Volksphantasie an das Wort knüpft, erklärt sich die ugs.<br />
Verwendung in Zuss. als Verstärkung: /Heidenangst, -geld, -krach, -lärm,/<br />
/-mäßig, -spektakel/ - alle erst 19. Jh., aber vgl. Lu. Ps. 2,1 /Warumb/<br />
/toben die Heyden/ für /quare fremuerent gentes/."<br />
(Quelle: Hermann Paul : "Deutsches Wörterbuch". - 10. überarbeitete und<br />
erweiterte Auflage. - Tübingen : Niemeyer, 2002)</p>
<p>[2] Genesis 12.2</p>
<p>[3]  Dieses Bild der Heiden wird einem in dem Film "Robin Hood, König der Diebe", erschreckend nahegebracht 1990: Ein keltisches Söldnerheer erhebt sich apokalyptisch wie aus dem Nichts gegen die zwar gewitzten, aber harmlos bewaffneten aufständischen Bauern. Oder: Dem düsteren Kerker grausamer Sarrazenen im heidnischen Jerusalem zu entkommen, grenzt für die gefangenen, foltertodbedrohten Kreuzfahrer an ein Wunder. </p>
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