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	<title>De:Bug Magazin</title>
	
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		<title>Lana del Rey im Interview</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 07:30:17 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Sexelnde Samplequeen]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/02/lanaweb1.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/02/lanaweb1.jpg" alt="" title="lanaweb1" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8817" /></a></p>
<p><strong>Ihre erste Karriere als Popküken fuhr Lizzy Grant direkt gegen die Wand, die zweite unter dem Pseudonym Lana del Rey lässt sich dafür umso vielversprechender an: Es umranken sie so viele Geheimnisse, dass selbst gestandene Popschreiber wackelige Knie kriegen, wenn sie zum Interview bittet. Im Gespräch kommt dann auch wirklich alles zusammen: Entrüstung, Kälte, Sex, Empörung, Neugier, Ehrlichkeit, Lügen. Und noch viel mehr Geheimnisse.<br />
</strong><br />
Lana del Rey sieht irre aus. Das ist immer das erste, was kommt: die Daffy-Duck-Lippen, die Operierthaftigkeit, die künstliche, verwirrende Schönheit, die brutal traurigen Augen. Irgendwann ihre dunkle Stimme, das Lied &#8220;Video Games&#8221; und der dazugehörige körnige, sonnendurchflutende Vintage-Bilderreigen des Videos, in dem sich für einen Moment die visuellen Sehnsüchte des aktuell contemporary scheinenden Jungseins bündelten. Und das auf die Schnelle elf Millionen YouTube-Zuschauer fand. Dann kommt lange nichts. Aber jetzt kommt ihr Album.<br />
<span id="more-8816"></span><br />
<strong>Das große Entmystifizierungsfressen<br />
</strong>Was dem findigen Popdiskursler bisher zu Lana einfällt: das Retromanie-Rolemodell mit der Hollywood-Sehnsucht in den smokey Eyes. Ein White Trash Vamp mit Hang zu Tumblerismen, grob verortet zwischen Film Noire und Nostalgia. Eine sexelnde Samplequeen, der Hype des Herbstes 2011 und natürlich ein gefundenes Entmystifizierungsfressen für nörgelnde Nerdblogs. Die Frau, die Fragen nach Identität genau richtig stellt, so nämlich, dass sie wie Antworten aussehen. Ungebetene Antworten zu ihrer geheimsinnvollen Vergangenheit kamen derweil auch aus anderen Ecken: Etwa, dass die 25-Jährige, bevor sie sich den Namen Lana del Rey &#8211; eine Mischform aus dem Ford del Rey und der Hollywood-Actrise Lana Turner &#8211; gab, bereits unter ihrem bürgerlichen Namen Lizzy Grant firmierte und eine lupenreine Popkükenkarriere gegen die Wand fuhr. Es läuft für uns also zwangsläufig auf die Frage hinaus, die heutigentags natürlich immer auch die blödeste Frage ist: Wie viel Wahrheit steckt hinter dem Zitatezyklus? Wer ist diese Lana aus Brooklyn?</p>
<p><strong>Lookbook-Lolita<br />
</strong>Haben wir es wirklich mit dem ersten Hipster-Popstar des 21. Jahrhunderts zu tun, in dessen Aura und Attitüde sich all die Hoffnungen und das Ironiedenken der derzeitigen Pretender-Persönlichkeiten zu einem Übermenschen vereinen? Eine Twenty-something-Göre, die den Leuten mit ihrem Sehnsuchtsgesäusel aus der Krise helfen soll? Wie schön wäre es denn, diese Lookbook-Lolita da oben mitmischen zu sehen. Oder ist Lana del Rey doch der größte Fake des Jahres 2011, mit etwas Chillwave behandelt, am Reißbrett findiger A&#038;R’s entstanden? Und unabhängig davon auch das bis dato drastischste Beispiel dafür, dass die vorschnelle Erhebung in den Pop-Olymp bei einer derartigen Hype-Halbwertszeit echtes und langlebiges Star-Tum der letzten 40 Jahre vollkommen zunichte macht? Der Beweis dafür, dass es nie wieder Diven, Größen, Primadonnen geben wird? Wie genial-selbstironisch ist da bitte der Titel des Albums &#8220;Born To Die&#8221;? Denn so stark die Singles &#8220;Blue Jeans&#8221; und &#8220;Videos Games&#8221; waren, so stark fällt das Debüt mit einer Mischung aus seichtem Sadcore, öden HipHop-Beats, halbgarem Throwback-Soul und letztjährigem Gitarren-Pop ab.</p>
<p><strong>Megazerbrechlichkeit<br />
</strong>Wir treffen sie für 20 Minuten im Soho-Haus in Berlin-Mitte: Lana. Wie alle großen Schauspieler(innen) ist sie in Wirklichkeit viel kleiner und noch viel dünner als auf dem Bildschirm. Sie sieht nicht im eigentlichen Sinne hübsch, sondern im uneigentlichen Sinne modern aus: freaky und geil. Lana nimmt auf einem mit rotem Samt bestickten Sofa Platz, sie trägt weißes Spitzenkleid und Chucks, beim Versuch natürlich rüberzukommen, wirkt sie superkünstlich. Selbstbewusst scheinen, erweckt bei ihr den Eindruck, als fiele sie einem jeden Moment weinend um den Hals und erzählt die Horror-Geschichten aus der Kindheit. Wir kommen zu zweit, weil wir Angst hatten, dass sie einen allein blenden könnte. Wir wollen ehrlich fragen, obwohl wir natürlich gleichzeitig fürchten, die Megazerbrechlichkeit dieser Person zu sprengen. Im Gespräch kommt dann alles zusammen: Entrüstung, Kälte, Sex, Empörung, Neugier, Ehrlichkeit, Lügen. So falsch, so echt, so verschlossen und durchschaubar. Vielleicht ist es die stete gleichzeitige Aufrechterhaltung all dieser Komponenten, die Lana del Rey ausmacht. </p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/02/lanaweb2.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/02/lanaweb2.jpg" alt="" title="lanaweb2" width="500" height="433" class="alignnone size-full wp-image-8818" /></a> </p>
<p><em>Debug: Erinnerst du dich an Träume aus Kindertagen?<br />
</em> <br />
Lana del Rey: Als ich ein kleines Kind war, hatte ich den Traum, dass ich alleine auf einem Boot aufwache. Und ich wusste ganz genau, dass außer mir niemand anderes auf der Erde ist.<br />
 <br />
<em>Debug: Was für ein Boot war das?<br />
</em> <br />
Lana: Ein Holzboot.<br />
 <br />
<em>Debug: Ein kleines Boot?<br />
</em> <br />
Lana: Zwei Stockwerke hoch.<br />
 <br />
<em>Debug: Das ist gut. Wobei, das ist ja eigentlich nicht so gut.<br />
</em> <br />
Lana: So ist es passiert. Das ist, woran ich mich erinnere.<br />
 <br />
<em>Debug: Wie schaffst du es eigentlich, so gelangweilt und dramatisch zugleich auszusehen?<br />
</em> <br />
Lana: Denkst du, ich sehe gelangweilt und dramatisch gleichzeitig aus? Okay, lass mich überlegen. Wann?<br />
 <br />
<em>Debug: Etwa in deinen Videos.   <br />
</em> <br />
Lana: Also in &#8220;Video Games&#8221; versuche eigentlich, nicht gelangweilt zu schauen, da ich sehr viel Spaß am Leben habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich, als ich &#8220;Video Games&#8221; gesungen habe, sehr ernsthaft und fokussiert war. Ich liebe diesen Song. Vielleicht ist es auch die Art, wie meine Stimme klingt. Ich singe in einer sehr tiefen Tonlage. Das verstärkt sicher meine Wirkung vor der Kamera. Ich bin nicht gelangweilt, ich bin sehr glücklich. Und ich schaue dramatisch, weil ich es vielleicht bin. Wenn ich es will, dann kann ich das schon sein. </p>
<p><em>Debug: Als ich dich kürzlich jemandem beschrieben habe, klang das etwa so: große, dunkle Stimme, warme, visuelle Retrovibes, ein großer Schmollmund, enorme Wimpern, Lolita-Look, wohldosierter White Trash. Was macht das Bild von Lana del Rey komplett?<br />
</em> <br />
Lana: Ich weiß es nicht. Ich denke, dass es das ist.<br />
 <br />
<em>Debug: Das kann nicht wahr sein. <br />
</em> <br />
Lana: Lass mich mal überlegen, ob mir noch etwas einfällt. Ich habe ein Philosophiestudium abgeschlossen, das hat meine Art Songs zu schreiben sehr beeinflusst. Ich war immer darin interessiert, warum wir hier sind. Das Wichtigste, das mich ausmacht, ist aber, was in meinem Privatleben passiert. In meinen Beziehungen. Die Sachen, die ich jeden Tag mache. Also auch die Wimpern und mein Look.<br />
 <br />
<em>Debug: Gibt es einen Unterschied zwischen der Person Lana del Rey und Lizzy Grant?<br />
</em> <br />
Lana: Nicht dass ich wüsste.<br />
 <br />
<em>Debug: Warum hast du dann einen anderen Namen gewählt?<br />
</em> <br />
Lana: Als ich 17 war, machte ich schon meine eigenen Videos und schrieb meine eigene Musik. Aber ich entschloss mich, ein Kunstprojekt zu sein. Es war also kein wirklicher Wandel von einem zum anderen Charakter. Es ist keine andere Persönlichkeit.<br />
 <br />
<em>Debug: Auf mich wirkt es manchmal, als wärst du ein menschgewordener Tumblr-Blog.<br />
</em> <br />
Lana: Vielleicht.<br />
 <br />
<em>Debug: Bist du ein Fan von Tumblr-Blogs?<br />
</em> <br />
Lana: Ich weiß nicht, ich war noch nie auf Tumblr. Ich habe gehört, dass es etwas für Hipster ist? Das sagen die Leute doch, oder?<br />
 <br />
<em>Debug: Das mag stimmen, ja. Aber wie verbringst du deine Zeit im Internet, wenn du nicht Tumblr-Bilder anschaust?<br />
</em> <br />
Lana: Ich bin meistens auf YouTube, schaue mir Biografien von Leuten an. Oder ich intensiviere mein Studium der Metaphysik oder all der Sachen, die mich interessieren. Ich lese mich durch die Geschichte des Rock’n’Roll und versuche herauszufinden, woher das alles kommt. Oder, wenn ich ein Video machen soll, dann sammele ich Bilder auf YouTube, die schön aussehen könnten. Bilder, die für mich auf unterschiedliche Weise interessant sein könnten. Entweder Elvis, weil ich seine Stimme mag, oder Bilder von Palmen, die im Wind wehen, weil das schön anzuschauen ist. <br />
 <br />
<em>Debug: Wer hört eigentlich Lana del Rey?<br />
</em> <br />
Lana: Ich weiß es nicht.<br />
 <br />
<em>Debug: Würdest du es gerne wissen?<br />
</em> <br />
Lana: Ich weiß es nicht.<br />
 <br />
<em>Debug: Du hast mal gesagt, dass du während deines Studiums versucht hast, Gottes Existenz mathematisch zu begründen. Was war das Ergebnis?<br />
</em> <br />
Lana: Meine Philosophie ist, dass es viele Fragen, aber keine Antworten gibt. Wenn ein Wissenschaftler die Existenz von Gott bewiesen hätte, dann hätten wir schon davon gehört, oder? Deshalb: nur Fragen, keine Antworten. <br />
 <br />
<em>Debug: Das Kreuz, dass du an einer Kette um den Hals trägst, ist nur zum Spaß, oder?<br />
</em> <br />
Lana: Das trage ich, weil es schön aussieht. Und aus persönlichen Gründen.<br />
 <br />
<em>Debug: Persönliche Gründe, das klingt interessant.<br />
</em> <br />
Lana: Ist es nicht. (grinst) Es ist nur ein Kreuz, dass mir jemand geschenkt hat. Es ist von meiner Großmutter.<br />
 <br />
<em>Debug: Für wen singst du eigentlich &#8220;Video Games&#8221;. Für dich selbst, oder?<br />
</em> <br />
Lana: Ich denke, die meisten meiner Songs singe ich für mich selbst. Am Ende des Tages bist du immer noch dir selbst überlassen und auf dich gestellt &#8211; auch wenn du mit jemandem verheiratet bist. Egal, an wen der Song gerichtet ist, es geht meistens um Dinge, die mich beschäftigen. Und ich singe natürlich auch für ihn.<br />
 <br />
<em>Debug: Fühlst du dich oft allein?<br />
</em> <br />
Lana: Nein. Ich fühle mich glücklich.<br />
 <br />
<em>Debug: Deine Musik klingt eher melancholisch, aber das muss ja kein Widerspruch sein, nicht wahr? <br />
</em> <br />
Lana: Aber ich bin immer glücklich. Ich habe gemerkt, dass es sehr schwierig ist, menschlich zu sein. Nur am Leben zu sein, generell menschliche Aufgaben zu erledigen.<br />
 <br />
<em>Debug: Du hältst es für schwer am Leben zu sein, aber bist glücklich darüber? Das klingt toll und absurd.<br />
</em> <br />
Lana: Bin ich absurd? Ist das euer Eindruck?<br />
 <br />
<em>Debug: Nein.<br />
</em> <br />
Lana: So fühlt sich das aber an. Das denkt ihr über mich.<br />
 <br />
<em>Debug: Interessant ja, absurd nein.<br />
</em> <br />
Lana: Gefällt euch denn, was ich mache?<br />
 <br />
<em>Debug: Wir glauben schon, doch. <br />
</em> <br />
Lana: Ihr glaubt also, dass ihr es mögt, sicher seid ihr euch aber nicht. Das ist, was ich gerade spüre.<br />
 <br />
<em>Debug: Okay. (eine sehr lange Pause, Schlucken, Klimaanlage, man hört das Tippen der Musikmanagermenschen auf ihren MacBooks. Man entschließt sich wortlos aber geschlossen, jetzt einfach mal weiterzumachen als wäre nichts gewesen)<br />
</em> <br />
<em>Debug: Was ist dein Lieblingsfilm von David Lynch?<br />
</em> <br />
Lana: Ich habe &#8220;Blue Velvet&#8221; gesehen. Den mochte ich sehr. Ich mochte das Cover.<br />
 <br />
<em>Debug: Wie ist das mit den Visuals? Auf die Ballons bei deinem Auftritt gestern wurden hin und wieder auch feministische Zitate wie &#8220;Women, know your rights!&#8221; projiziert. Wie geht das mit deinem Lolita-Charme zusammen?<br />
</em> <br />
Lana: (lacht) Es ist eigentlich ein Witz. Dieser Clip kommt aus einem BBC-Special, das sich mit der These beschäftigt, dass Männer schlauer sind als Frauen. Sie zeigen dort Diagramme, die belegen sollen, das männliche Gehirne sehr effizient funktionieren, während die der Frauen zu nichts gut sind. Und die Männer sagen: &#8220;Frauen, kennt eure Rechte.&#8221; Das war nur ein persönlicher Joke von mir.<br />
 <br />
<em>Debug: Man sieht oft auch Fotografen, die ihre Kamera wiederum in die Kamera halten und abdrücken. Oder Aufnahmen davon, wie John F. Kennedy aus dem Flugzeug steigt und die Menschenmassen erwarten ihn schon. Was fasziniert dich so daran, ein Star zu sein und von Leuten erkannt zu werden?<br />
</em> <br />
Lana: Ich weiß es noch nicht.<br />
 <br />
<em>Debug: Willst du denn so berühmt werden?<br />
</em> <br />
Lana: Nein. Ich verwende diese Clips nur, weil ich denke, dass sie schön und strange sind. Es ist eine seltsame Seite der Menschen. Ich kommentiere das auch nicht. Ich füge es nur ein, weil es sich so von unserem normalen Leben unterscheidet. Wenn Kennedy aus dem Flugzeug steigt und fotografiert wird, dann ist das etwas ganz anderes &#8211; das ist wie Leben auf Crack.<br />
 <br />
<em>Debug: Was sagst du Leuten, die behaupten, du wärest zu gut, um wahr zu sein?<br />
</em> <br />
Lana: Ich versuche gerade herauszufinden, was man darauf antworten kann. Ich habe die letzten Jahre damit verbracht, in meinem Zimmer in Brooklyn zu sitzen und zu schreiben. Ich weiß, dass Leute denken, dass das alles sehr gut und überlegt konstruiert ist, aber es ist etwas, dass ich instinktiv zusammengesetzt habe &#8211; aus Dingen, von denen ich denke, dass sie schön sind: Erinnerungen, die mir viel bedeuten, kombiniert mit der Art wie ich aussehe. So etwas lässt manche Leute vielleicht denken, dass Lana del Rey zu gut ist, um wahr zu sein. Für mich ist das alles sehr natürlich. So sind die Dinge nun mal.<br />
 <br />
<em>Debug: Stimmt es, dass die Rapperin Princess Superstar eine deiner besten Freundinnen war, als du im Trailerpark gelebt hast?<br />
</em> <br />
Lana: Ja. Nachdem ich mein erstes Album aufgenommen habe, begann ich mit ihr zu arbeiten. Sie produzierte und ich sang. Wir nahmen sechs Tracks auf, von denen ich allerdings nicht weiß, wo sie sind. Sie hat sie wohl bei sich in New York, wo sie mit ihrem Mann und ihrem Kind lebt. <br />
 <br />
<em>Debug: Bist du gerade in einer Beziehung?<br />
</em> <br />
Lana: Ja.<br />
 <br />
<em>Debug: Das ist gut.<br />
</em> <br />
Lana: Ja, das ist schön.<br />
 <br />
<em>Debug: In einem Interview hast du deine Heimatstadt als kältesten Ort der ganzen Welt bezeichnet.<br />
</em> <br />
Lana: Ja, es ist wirklich der kälteste Ort in Nordamerika.<br />
 <br />
<em>Debug: Es war also nur physisch gemeint?<br />
</em> <br />
Lana: Jaja. Ein sehr kalter Winter, alles war ständig zugefroren.<br />
 <br />
<em>Debug: Aber du warst trotzdem immer sehr glücklich?<br />
</em> <br />
Lana: Als ich sehr jung war, habe ich nach Glück gesucht. Aber ich wurde immer glücklicher, je älter ich wurde. Weil ich das Leben so leben konnte, wie ich wollte. Ich versuche nicht, ein falsches Bild für euch zu zeichnen. Natürlich war nicht immer alles Glück und Sonnenschein &#8211; ich habe viele schwierige Zeiten durchgemacht, aber ich habe sie nie meine Zukunft ruinieren lassen. Ich wurde glücklicher, je älter ich wurde und mein eigenes Ding durchziehen konnte.</p>
<p><a target="_blank" href="http://www.lanadelrey.com">Lana del Rey</a>, Born To Die, ist auf Universal Music erschienen.</p>


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		<title>transmediale: in/compatible</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:33:32 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Transmediale]]></category>
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		<description><![CDATA[ubermorgen.com inkompatibel]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/6449663361_05d50e8b42.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/6449663361_05d50e8b42.jpg" alt="" title="6449663361_05d50e8b42" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8814" /></a></p>
<p>Hans Bernhard von der Medienkunstklamauktruppe <a target="_blank" href="http://ubermorgen.com">ubermorgen.com</a> tappert durchs Gras einer chemisch induzierten Fantasiewelt und verkörpert damit das Motto des diesjährigen Berliner Traditions-Festivals für Kunst und digitale Kultur <a target="_blank" href="http://transmediale.de">transmediale: in/compatible</a>. Das Thema ist natürlich ein Krisenphänomen, denn wenn es inkompatibel wird, laufen die Dinge nicht rund. Aber während Inkompatibilität in der Technik oder der Wirtschaft schlicht ein mehr oder weniger übles Ärgernis darstellt, kann das Nicht-Funktionieren, das ratlose Nebeneinander der Dinge, die nicht ineinander greifen wollen, in der Kultur durchaus auch fruchtbar gemacht werden. In der digital inspirierten und realisierten Kulturproduktion ist die Inkompatibilität somit ein schizophrener Zustand, der sich gleichzeitig destruktiv und produktiv auswirkt. Genau dieses Spannungsfeld soll auf der transmediale vermessen werden, mit dem wie gewohnt breiten Spektrum aus Diskussionen, Workshops und Ausstellung, in der uns dann auch Hans Bernhard im Gras wieder begegnen wird. </p>
<p>Die transmediale 2012 findet vom 31. Januar bis zum 5. Februar im Berliner Haus der Kulturen der Welt statt. </p>
<p><a target="_blank" href="http://www.transmediale.de">www.transmediale.de</a><br />
<a target="_blank" href="http://www.ubermorgen.com/psychos">www.ubermorgen.com/psychos</a></p>


<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BHOr7qCTdevOJRqUKoj9CpcvxtA/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BHOr7qCTdevOJRqUKoj9CpcvxtA/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BHOr7qCTdevOJRqUKoj9CpcvxtA/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BHOr7qCTdevOJRqUKoj9CpcvxtA/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><div class="feedflare">
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		<title>Sepalcure</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 10:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>debug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[debug 158]]></category>
		<category><![CDATA[Hardcore Continuum]]></category>
		<category><![CDATA[Hotflush]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Jochmaring]]></category>
		<category><![CDATA[Sepalcure]]></category>

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		<description><![CDATA[Breakbeat-Mutation aus New York]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal01.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal01.jpg" alt="" title="sepal01" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8808" /></a></p>
<p><strong>Die USA sind das Heimatland von House und Techno mit den mystischen Städten Chicago und Detroit. England dagegen hat das Hardcore Continuum und die daraus hervorgegangenen Breakbeat-Mutationen von Jungle über Drum and Bass bis Garage und Dubstep. Historisch vollkommen richtig, auf die Gegenwart aber nur noch sehr begrenzt übertragbar. Bestes Beispiel: Sepalcure aus New York. Deren Entstehungsgeschichte klingt wie der Anfang eines dieser typischen amerikanischen Buddy-Movies.</strong>   </p>
<p>Praveen Sharma und Travis Stewart sind beste Freunde, seit sie sich Ende der 90er bei Nerdgesprächen über Step-Sequenzer und Squarepusher-Tracks im Chatroom kennenlernten. Jetzt ist Praveens Freundin für ein paar Monate nach Europa gegangen, die Beziehung steht auf der Kippe. Die beiden hängen jeden Tag zusammen ab, zocken Xbox und öden sich irgendwann gegenseitig so dermaßen an, dass sie auf Idee kommen, doch mal gemeinsam Musik in Praveens Studio zu produzieren. <em>&#8220;Pangaea, Untold oder Mount Kimbie haben uns zu der Zeit vor etwa zwei Jahren besonders begeistert. Wir hatten zunächst gar nicht geplant, die Ergebnisse zu veröffentlichen,&#8221;</em> erzählt Travis. Er verbringt gerade seine letzten Tage in Berlin und wirkt trotz Umzugsstress sehr entspannt. Auf dem Boden stapeln sich Kisten mit Vinyl, neben uns trocknen die frisch gewaschenen Schlafanzüge mit Blümchenmuster der fünfjährigen Tochter seines Mitbewohners Ned Beckett. Ned ist Mitorganisator der Leisure-System-Partys im Berghain und Neffe des Warp-Gründers Steve Beckett. Obwohl der tagsüber als Programmierer tätige Praveen nur per Videochat aus New York zugeschaltet ist und man im Hintergrund das geschäftige Gewusel eines Großraumbüros sieht, ist viel von der rührigen Buddy-Romantik der Sepalcure-Anfangstage zu spüren.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal03.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal03.jpg" alt="" title="sepal03" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8809" /></a></p>
<p><strong>Retro reflexiv</strong><br />
Die im Sommer 2010 auf Hotflush erschiene Love Pressure EP deutet bereits im Titel die schwierigen persönlichen Umstände ihrer Entstehungszeit an. Ein zarter Dubnebel umhüllt die Tracks, die gleichermaßen in der Tradition von US-amerikanischem Deephouse wie von 2Step und UK Garage stehen. </p>
<p>Ein Jahr später hat sich die Liaison von Garage, House und R&#038;B zu einer Art Trademarksound des Post-Dubstep-Universums entwickelt. Wo zuvor Wobble-Bässe und düstere Endzeitstimmung regierten, wimmelt es jetzt vor Diva-Samples und Rhodes. Während dabei oft Cheesyness-Toleranzen strapaziert oder mit künstlich antiquiertem Artwork und Sounddesign allzu platte Retroregister gezogen werden, betreiben Travis und Praveen einen reflektierten Umgang mit der Vergangenheit. </p>
<p>Auf &#8220;Feeling That I Know So Well&#8221; samplen sie zwar die im März diesen Jahres verstorbene Disco-Legende Loleatta Holloway. Ein derart offensichtliches Sample bildet aber die Ausnahme: <em>&#8220;Praveen hat eine große Sammlung alter House-12&#8243;s, bei denen sich auf der B-Seite noch Acapella-Versionen befinden. Wir verfremden die meisten Samples so lange, bis sie sich nahtlos in den Track einfügen. Wiedererkennbarkeit ist uns ziemlich egal.&#8221;</em></p>
<p>Geschichtsbewusstsein fängt für Sepalcure erst bei behutsamer Neuinterpretation und nicht schon beim simplem Nachspielen an. So entstand ihr Cover des Strictly-Rhythm-Klassikers &#8220;The Warning&#8221; von Logic bei einer Jamsession und war zuerst nur als Interlude geplant. Für die Produktion des Albums mussten Sepalcure aber ihre spontane Arbeitsweise aufgeben: <em>&#8220;Travis und ich haben sehr unterschiedliche Tagesabläufe. Ich habe einen regulären Nine-to-five-Job und komme nur am Wochenende zum Musik machen. Dann ist Travis aber meist mit seinem Machinedrum-Projekt unterwegs, um irgendwo auf der Welt live zu spielen. Um das Album aufzunehmen hat er sich drei Wochenenden frei genommen. In dieser Zeit haben wir dann versucht, so viele Tracks wie möglich zumindest so weit fertig zu stellen, dass wir später nur noch an Details feilen mussten. Das funktionierte erstaunlich gut, der Großteil des Albums war schon nach zwei Wochen fertig.“</em></p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal02.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/sepal02.jpg" alt="" title="sepal02" width="500" height="754" class="alignnone size-full wp-image-8810" /></a></p>
<p><strong>Positive Naivität bewahren</strong><br />
Dem Endergebnis hört man seinen hauruckartigen Entstehungsprozess gar nicht an, im Gegenteil ist Sepalcure ein sehr ausgewogenes Debütalbum gelungen. Den Balanceakt, ihrem Sound neue Facetten abzugewinnen, ohne Fans der beiden EPs zu verstören, meistern sie nonchalant. Der zart-süßliche Weltschmerz, der noch auf &#8220;Love Pressure&#8221; und &#8220;Fleur&#8221; dominierte, ist sanfter Euphorie gewichen. Verträumte, flächige Ambientpassagen und die nervösen Basszuckungen von Juke fließen völlig natürlich ineinander. Diese beiden gegensätzlichen Pole verbindet Travis auch auf seinem aktuellen Machinedrum-Album &#8220;Room(s).&#8221;<br />
Von der zurückgelehnten Beatscience in bester Boards-of-Canada-Plinkertradition seiner Anfangstage auf Merck Records ist das ein großer Schritt, doch kleinkarierte Genreabgrenzungen interessierten ihn sowieso noch nie: <em>&#8220;Ob etwas jetzt IDM oder Bassmusik genannt wird, ist mir egal. Vieles was heute in die Bassmusik-Schublade gepackt wird, verstehe ich als eine direkte Fortsetzung von IDM. Bevor IDM zu komplex und unzugänglich wurde, war es einfach eine kreative Oase abseits funktionaler Clubmusik, in der zwischen 90 und 160 BPM alles erlaubt war. Viele junge Produzenten haben heute wieder etwas von dieser positiven Naivität.&#8221;</em></p>
<p><strong>Aufbruch Bass</strong><br />
Wenn man Travis und Praveen mit genau dieser positiven Naivität über Musik sprechen hört, vergisst man schnell, dass sie den meisten ihrer aktuellen Kollegen etwa zehn Jahre an Erfahrung voraus haben. Auch Praveen versuchte sich neben seiner noch immer laufenden Radioshow &#8220;Percussion Lab&#8221; bereits in Ambient- und IDM-Projekten. Unter seinem jüngsten Alias Braille erschienen in diesem Jahr zwei Singles auf Rush Hour und Hotflush, die sich noch stärker in klassisches House-Territorium vorwagen: <em>&#8220;Vor einigen Jahren hätten mich die Leute noch ausgelacht, heute tanzen sie. Es fühlt sich gerade zum ersten Mal richtig für mich an, House zu produzieren.&#8221;</em><br />
Für wesentlich spannender halten beide aber die gegenwärtige Entwicklung gebrochener Beats in den USA. Die Wurzeln des Hardcore Continuums mögen unbestritten in England liegen, seine unzähligen Mutationen wuchern mittlerweile weit über die Insel hinaus. </p>
<p>An der Westcoast ist die Saat in Form der Brainfeeder-Gang um Flying Lotus und Samiyam schon lange aufgegangen, aber auch in New York stehen die Zeichen auf Aufbruch. Nachdem die Clubszene sich sowohl von der restriktiven Politik Rudolph Giulianis als auch den Folgen des 11. September 2011 erholt hat, scheint mittlerweile wieder vieles möglich. Sepalcure bilden nur die Speerspitze einer Szene, zu der auch Falty DL und Mike Slott zählen. Neben den traditionellen Dub-War-Nächten etablieren sich besonders in Brooklyn immer mehr Parties abseits der geraden Bassdrum, die besonders beim jüngeren Publikum Anklang finden. Die Zeichen stehen also gut, dass die Basshybride auch im Big Apple weiter sprießen. </p>


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		<title>100% Silk &amp; Ali Renault</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 15:44:32 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[100% Silk]]></category>
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		<category><![CDATA[Cyber Dance Records]]></category>
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		<category><![CDATA[Not Not Fun]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Pflügen der Historie und der Italo-Front]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk01.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk01.jpg" alt="" title="silk01" width="500" height="627" class="alignnone size-full wp-image-8801" /></a><br />
Amanda Brown</p>
<p><strong>Ein Herz für naive Außenseiter: Am Tellerrand des etablierten Dancefloors spielt das Label 100% SILK mit dem Feuer jeglicher Traditionen und pflügt sich quer durch die Historie. Gleichzeitig fröhnt Ali Renault stolz seiner prekären Italo-Vorliebe, obwohl sein neues Album viel mehr zu bieten hat. All dies passiert zwischen Kalifornien und London: Die Welt ist eben doch eine Scheibe.</strong></p>
<p>Anything goes, denkste! Was der Engländer Ali Renault und die Veröffentlichungen von 100% SILK aus Los Angeles gemeinsam haben, ist die Angriffsfläche, die ihr Sound bietet. Etwa den unverschleierten Bezug auf die Musikgeschichte. Renault hat sich zudem mit der allgemeinen Ächtung von Italodisco herumzuplagen. Trotzig und ein bisschen frustriert nimmt er die widrigen Umstände zur Kenntnis. Die SILK-Platten wiederum lassen sich so gar nicht auf einen Punkt bringen, sondern pflügen quer durch die Geschichte. Das ergibt ein ekstatisch zusammengesampletes Potpourri, das jeden Sound-Puristen in den Wahnsinn treibt. Die sogenannten Konventionen existieren für die extravaganten SILK-Produzenten nicht. Ganz undespektierlich darf man sie Amateure nennen, kreative Dilettanten, die mit einer solchen Unverfrorenheit an Dance Music herangehen, dass der Hassreflex der (Stur)Heads vorprogrammiert ist. Der lobenswerte, grundnaive Plan lautet also: Musik machen, die man selbst als die richtige empfindet. Wenn das dann von außen noch Zuspruch erhält, ist das ein Bonus, sagt Ali Renault, keine Notwendigkeit.<br />
<span id="more-8799"></span> </p>
<p><strong>Referenz-Probleme</strong><br />
Ali Renault hat mit seiner Band Heartbreak die ungerechten Spielregeln im Popzirkus schon schmerzlich erfahren müssen. Deren großartiges Debütalbum &#8220;Lies&#8221; von 2008 ist eigentlich ein manieriertes Freudenfest mit viel Augenzwinkern und überlegener Coolness. Es gab nur ein kleines Referenz-Problem, erkennbar am schmalen Schnäuzer von Alis damaligem Bandkollegen und Sänger Sebastian und dem typografischen Dario-Argento-Zitat des Plattencovers: Italo. Geht ja gar nicht, ging nie, krakeelte es. Unter diesem Vorzeichen schien die Musik keine Rolle mehr zu spielen, wie sich Ali wehmütig erinnert: &#8220;In England hatten wir es wirklich schwer, es war ein einziger Kampf für uns. Hier, besonders in London, herrscht ein unglaublicher Europa-Snobismus, schon immer. Wir haben unsere Italo-Einflüsse offen ausgestellt, da liegen nun mal meine Wurzeln. Leider war Italo zu der Zeit ein sehr beliebtes Schlagwort unter Journalisten. Viele Musiker haben sich darauf berufen, gleichzeitig war es total uncool, und das ist es bis heute. Es ist wirklich schwierig, das alles nachzuvollziehen.&#8221;</p>
<p>Vor eineinhalb Jahren haben sich Heartbreak dann mangels Perspektiven aufgelöst und gingen Solo-Wege. Was Ali ohnehin seit 2003 macht, mit Releases auf Dissident oder seinem eigenen Label Cyber Dance. Schon vor dem Split begann er, an seinem jetzt erschienen ersten Album zu arbeiten. Nun ist es vollendet: acht Tracks, auf denen Ali aus seinen analogen Synths und Drumcomputern eine bittersüße Schönheit hervorzaubert. Spürbar ausgefeilte, minimalistische Arrangements, die langsam losrollen und mit schweren Kicks den eigenen Herzschlag neu takten, um bald zu warmen, analog-elektronischen SciFi-Welten zu erblühen. Wie &#8220;Pagan Run&#8221;, ein Slo-Mo-Burner, den man verspeisen, in den man sich verwandeln möchte. Ein Altvorderer hat mal gesagt: &#8220;Diese Musik klingt, wie ich mich von innen anfühle.&#8221; </p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk021.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk021.jpg" alt="" title="silk02" width="500" height="375" class="alignnone size-full wp-image-8802" /></a><br />
Amanda Brown</p>
<p><strong>Darkness schlägt Disco</strong><br />
Die Opulenz der Heartbreak-Tage ist zu einer selbstsicheren Gelassenheit geworden und die südeuropäische Disco-Variante ist lediglich in den Grundmustern der Produktion zu entdecken. Macht nichts, sagt Ali: &#8220;Ich bin einfach ehrlich und sehe keinen Sinn darin, meine Einflüsse zu verbergen.&#8221; Am offensichtlichsten gegen die Italo-Keule spricht die dunkle Färbung fast aller Songs, ob in den vibrierenden Basslines oder den melancholischen Harmonien. &#8220;Black Sabbath war früher meine Lieblingsband und seit einigen Jahren höre ich viel mehr Underground-Synthesizer-Kram und New Wave aus den 80ern, fast gar keinen Italo-House mehr. Der düstere Einschlag hat sich früh mit Detroit und besonders Drexciya verfestigt. Die Stimmungen, der raue Charakter &#8211; das hat mich stark geprägt. Aber: Von ‘85 bis ‘88 habe ich als Kind in Italien gelebt. Italo sprang mir also aus dem Radio ins Gesicht, &#8220;Self Control&#8221; von RAF war überall! Als ich dann nach England zurückzog, war nichts davon zu hören, das hat mich verwirrt. Da wurde mir die snobistische englische Popszene zum ersten Mal als solche bewusst.&#8221;</p>
<p><strong>Eigenwillige Bastarde</strong><br />
Meanwhile in Los Angeles. 100% SILK ist eine der großen Nischen-Überraschungen des Jahres. Gegründet wurde das Label Anfang 2011 von Amanda Brown als Unterabteilung ihres berühmt-berüchtigten Not Not Fun Records (NNF). Darauf versammelt sich seit ein paar Jahren die Speerspitze des Pop-Undergrounds und ist ehemaliges Zuhause von frischen Sternchen wie Bethany Cosentino (Best Coast) oder Zola Jesus. Mit beiden hat Amanda Brown auch Platten gemacht, sie selber kennt man als LA Vampires. Auf SILK pusht Amanda im Gegensatz dazu beat-lastigeres, tanzbares Material, teilweise sogar von denselben Protagonisten, die bisher für vertrackten Noise, Lo-Fi und Ambient bekannt waren. Etwa Ital alias Daniel Martin-McCormick, der neben seinen fantastischen 12&#8243;s auf SILK Teil der Avant-Rocker Mi Ami ist und als Sex Worker für kratzigen Ambient steht. </p>
<p>Und auch Damon Palermo aka Magic Touch, dessen hyperaktiver Sample-Wahnsinn seine &#8220;I Can Feel The Heat&#8221;-Single locker zur durchgeknalltesten Platte des Jahres macht. Er ist Schlagzeuger und Bandkollege von Ital bei Mi Ami, die Magic-Touch-Platte sein erster Dance-Gehversuch. Oder Maria Minerva, die gerade für ihr neues Album auf NNF enorm gefeiert wird und ihre dünkelhaft-schräge Ästhetik auf dem Tochter-Label mühelos mit geradem Beat verknüpft. Genau das macht die SILK-Platten so originell, aber auch angreifbar: Es werden keine House- und Technotracks nach Schema F gebaut, sondern aus historischem Ideenmaterial und unorthodoxen Freigeistern ganz eigenwillige Bastard-Tracks zusammengeschmolzen. &#8220;Ich will zwar hervorheben, was ich aus den goldenen Dance-Zeiten am meisten liebe&#8221;, erklärt Amanda. &#8220;Ich wäre aber nicht sehr glücklich, wenn jeder nur straighten Disco, House oder Techno abliefern würde, ich will eine persönliche Note. Etwas, das mir zeigt, dass es um den Künstler geht und nicht nur um das Genre.&#8221;</p>
<p>Wie bei NNF fackelt Amanda nicht lange &#8211; &#8220;Sacred &#038; Profane Love&#8221; von Maria Minerva ist schon das 14. Release in diesem Jahr, und auch die nächsten zehn Maxis seien so gut wie eingetütet. Das alles mit einer Auflage von 500-600 und mehr, was heute für ein kleines Label nicht wenig ist. Sie werde oft kritisiert für ihren massiven Output, will aber so weitermachen. &#8220;Das ist mein persönliches Ding, ich will keine Firma sein, sondern Spaß haben. Als Label-Macher steckt man natürlich irgendwie in diesem Business-Ding. Ich würde auch gern mit Rush Hour oder einem ähnlichen europäischen Vertrieb arbeiten, aber das sind harte Nüsse. In deren Augen bin ich wohl noch grün hinter den Ohren, wie wenn ich mich erst beweisen müsste.&#8221; Diese Leute würden ihre Sache eben sehr ernst nehmen, könnte man entgegnen. Amanda: &#8220;Ich ja auch! Ich glaube, es ist nur eine andere Art von Ernsthaftigkeit.&#8221;</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk04.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk04.jpg" alt="" title="silk04" width="500" height="503" class="alignnone size-full wp-image-8803" /></a><br />
Ali Renault</p>
<p><strong>Im Ghetto ärmlicher Produktionen</strong><br />
Die wenigsten SILK-Vinyls wird man in internationalen Plattenkoffern finden. Um im Top-Club auf einer Top-Anlage funktionieren zu können, muss ein Track meistens erstmal, genau, top-produziert sein. Krachige Unsauberkeiten sind zwar erwünschte Charakterzüge, doch &#8211; so ehrlich ist Amanda &#8211; es hat schon auch etwas mit technischem Unvermögen zu tun. Die zukünftigen Releases würden schon deutlich fetter klingen, dank neuem Produzenten. &#8220;Ich will mich nicht zu sehr mit Technologie beschäftigen, gleichzeitig aber auch nicht immer im Ghetto ärmlicher Produktionen abhängen. Bisschen Verschwommenheit, bisschen Verträumtheit, aber ohne dem Vibe oder der Spiritualität zu schaden. Ich fürchte, dass ich mich daran nicht immer gehalten habe. Also muss ich die goldene Mitte zwischen Ästhetik und Tanzbarkeit finden.&#8221; Ästhetisch geht 100% SILK wirklich neue Wege, indem sie versuchen, Clubmusik einen Touch der Experimentierfreude zu verleihen, die NNF seit Jahren im Pop zelebriert und damit neue Kategorien definiert hat &#8211; selbstverständlich auf Grundlage einer langen Noise- und Lo-Fi-Tradition. Alles steckt voller Geschichte und Verweise, auch auf SILK, mit einer Spannweite von Trax bis French House. Amanda hat einen halb-ernsten Namen dafür &#8211; allein schon, um sich gegen Presse-Kurzschlüsse wie &#8220;Hipster-House&#8221; zu wehren. Sie nenne es manchmal &#8220;Chrono&#8221;. So wie Techno, nur dass diese Musik anstatt Technologie auf Zeit basiert und mit Vergangenheit und Zukunft und den Musikdekaden spielt.</p>
<p><strong>Auf nostalgischer Reise</strong><br />
Dieses Verdrehen der Koordinaten steckt gewiss nicht ständig retrospektiv im Gestern. Wenn man denn etwas wiederbeleben will, dann euphorisches Flair und Glamour im Club. Für Ali Renault ist der Verweis auf Vergangenes schon spezifischer. Die 80er halte er für die letzte innovative musikalische Phase, weil zum einen der letzte große technologische Fortschritt stattgefunden hätte, der Popmusik unglaublich interessant machte: Synthesizer und all ihre Möglichkeiten. Zum anderen, weil sich die Labels mehr getraut hätten und ein ganz anderes Veröffentlichungs-Ethos herrschte. Legitime Meinung. Viel wichtiger ist aber der persönliche, emotionale Bezug, der Nostalgie im besten Sinne ist. &#8220;Es gibt Riffs und Sound-Schnipsel, an die ich mich erinnere, die ich als Kind aufgeschnappt habe. Ich glaube, dass ich immer versucht habe, rauszukriegen, wieso mich diese Sounds so anziehen, und wie sie gemacht werden. Das war der Auslöser, deshalb klinge ich heute so. Es hat also wirklich viel mit glücklichen Erinnerungsfetzen zu tun, einer Art nostalgischen Reise.&#8221; Noch legitimer! Nostalgie heißt hier schließlich nicht in gestochen scharfen Reminiszenzen einer goldenen Zeit zu baden, die man eins zu eins wiederaufführt. Ali spielt nicht den Soundtrack seiner Jugend nach, sondern sucht in seinen verschwommenen Erinnerungen nach der emotionalen Wärme, die man als Erwachsener meist in die Kindheit projiziert. Es spielt gar keine Rolle, ob man damit Realität verklärt &#8211; dieses unheimlich sehnsüchtige Gefühl im Heute sonisch zu übersetzen, ist eine große Kunst. Wen das nicht juckt, der ist entweder zu blöd oder zu schlau für Sentimentales, für alle anderen spricht Ali: &#8220;Nicht, dass alles von damals per se bewegender wäre als Aktuelles. Aber mich und mein naives Gemüt berühren solche Sounds sehr.&#8221;</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk05.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/silk05.jpg" alt="" title="silk05" width="500" height="691" class="alignnone size-full wp-image-8804" /></a><br />
Ali Renault</p>
<p><strong>Schon immer Außenseiter</strong><br />
Mit seiner Musik und seiner Offenheit steht der 35-Jährige allein auf weiter Flur. Als Teil des großen Dance-Kosmos hat er sich noch nie gefühlt. &#8220;Wir waren immer schon Außenseiter, niemand hier in London hat sich jemals ernsthaft für Italo interessiert. Viele sind mal auf den modischen Zug aufgesprungen, aber genauso schnell wieder verschwunden. Ich und ein paar Leute sind aber noch da, wieder alleine.&#8221;<br />
Trotz großem Erfolg sieht Amanda das für ihr Label ähnlich: &#8220;Wir stehen außerhalb jeder Szene. Manche Leute müssen einfach ihre Wahrnehmung erweitern, und es gibt wohl noch zu viele konservative Traditionswächter. Ich will keine Revolution anzetteln, aber gerne die Säulen ins Wanken bringen. Ich stehe auch total auf den Typ sexy-teutonischer Techno-Glatzkopf, ganz in Schwarz und niemals lächelnd. Aber hey: Wir können nicht alle so sein!&#8221;</p>
<p>Eine der neuen SILK-Platten ist &#8220;Broken Anthem&#8221; von Malvoeaux, einem der vielen Pseudonyme von Jason Letkiewicz (<a href="http://de-bug.de/mag/8771.html">siehe auch den Text zu Beautiful Swimmers</a>), die er für seine vielen Stilwechsel auch braucht. Als Malvoeaux widmet er sich energiegeladenem Filter-House und macht einen auf &#8220;Daft Punk Recomposed&#8221; mit extra-knalligem Bumm-Tschak. Mit seiner Freundin Aurora Halal hat er schon als Innergaze auf SILK abgeliefert, hier wiederum minimalistische Discotracks. Jason kann als Steve Summers auch ganz klassisch, nämlich Prä-Acid Marke Chicago. Doch er mag es schon lieber, wenn es &#8220;a bit off&#8221; klingt. Aurora: &#8220;Wir fühlen uns beide extrem zu den weirden Elementen von Musik hingezogen. Slick und clean, so will ich auf keinen Fall produzieren. Ich finde es toll, wie Magic Touch oder Malvoeaux aus bekannten Samples ganz neue, verzerrte Dinge zusammenbauen. Das hat etwas sehr Psychedelisches.&#8221;<br />
Bei Amanda und 100% SILK sind sie da bestens aufgehoben. Ein Umdenken im Dance-Betrieb fordert die Chefin: &#8220;Es ist wirklich enttäuschend, dass Dance etwas so Ernstes werden musste. Tanzmusik! Was ist aus der Erregung, der entgrenzten Freude geworden? Man sollte viel mehr Zugangsmöglichkeiten akzeptieren, es gibt keinen Königsweg. Wir sind eben nicht mehr in den 80ern oder 90ern, haha. It‘s time to move forward and outward!&#8221;</p>


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		<description><![CDATA[Junges Label zwischen London und Berlin, Dubstep und Deep-House]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm01.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm01.jpg" alt="" title="mmm01" width="500" height="667" class="alignnone size-full wp-image-8795" /></a></p>
<p><strong>Man fühlt sich glatt in einem Globalisierungswerbespot versetzt, wenn Nikhil Shah, George FitzGerald und Julian Neumann im Halbstundentakt im stilvoll abgefuckten Ambiente eines semilegalen Clubs in einem noch nicht zu Tode gentrifizierten Kiez Berlins eintrudeln, um sich in die improvisierte Sofaecke zu fläzen. Nikhil hat einen indischen Migrationshintergrund, George besitzt diese gesund englische Blässe und Julian weiß man nicht so genau einzuordnen, aber mit Nike Air Pullover und Base-Cap ist man sich intuitiv sicher, dass er Deutscher ist. Warum auch immer. Dazu spricht George bald akzentfreier Deutsch als man selber, was man als sehr ungewöhnlich empfindet. Dahinter steckt eine enge Freundschaft, die an und mit Man Make Music, dem kürzlich gegründeten Label, gewachsen ist. Denn die Geschichte ist wesentlich länger als die Existenz des Labels vermuten lässt. Aber eins nach dem anderen.</strong>      </p>
<p>George FitzGerald gehört zu den Musikern, die auf Basis der 130 BPM die Genregrenzen immer wieder so derbe durchdeklinieren, dass den Sound-Theoretikern die Spucke weg bleibt. In diesem Bereich ist noch lange nicht alles gesagt und er bestätigt das von Simon Reynolds formulierte reflexive Moment von Retro. Insofern ist George mit seinen Stücken so nah am Puls der Zeit wie die Retro-Debatte selber. Sein Debüt &#8220;The Let Down&#8221; kam 2010 auf Hotflush, also genau zu der Zeit, als Scubas Imprint damit begann, Hot-Shit-Garantien zu jedem Release gratis dazuzugeben. So wurde auch der in London lebende FitzGerald damit ausgestattet. Denkste! Denn statt Lobeshymnen regnete es Kritik vom Online-Olymp Resident Advisor. &#8220;The Let Down&#8221; hebe sich nicht von den Produktionen Scubas oder Joy Orbisons ab, hieß es. Vor allem letzterer sorgte mit &#8220;Hyph Mngo&#8221; für den Trivialitätsstempel, der George schwer zu schaffen machte.<br />
<span id="more-8794"></span></p>
<p><em>&#8220;Ich kann schon verstehen, dass meine Stücke mit denen von Scuba oder Joy Orbison verglichen werden. Aber ich konnte ja zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Entwicklung zeigen. Das hat mich angepisst. Im Nachhinein wäre diese Kritik wahrscheinlich gar nicht aufgekommen.&#8221;</em> Auf keinen Fall. Denn seine folgenden Releases zeigten immer stärker, dass er sich bei seinem dreijährigen Berlinaufenthalt die in London zwangsläufig sprießenden Breakbeat-Hörner abgestoßen hat, da er hier &#8211; aufgemerkt &#8211; zum ersten mal mit Four-to-the-floor-Musik in Berührung kam. Als er Deutschland wieder verließ mochte er sie sogar und zählt sie heute &#8211; und auch schon bei seinem Debüt &#8211; zu einem maßgeblichen Einfluss seiner Stücke. Damit griff der Vergleich mit Joy Orbison eindeutig zu kurz. &#8220;The Let Down&#8221; war ganz klar treibender, verschachtelter und vor allem deeper. Hier ging es schon über die Post-Dubstep-Idee hinaus. &#8220;Aber &#8216;Hyph Mngo&#8217; war einfach so groß, dass es wohl ein unglücklicher Zeitpunkt war, einen Track auf dem gleichen Label zu veröffentlichen&#8221;, räumt George nachgiebig und sicherlich völlig korrekt ein. <em>&#8220;Ich bin auf jeden Fall froh, dass es vorbei ist. Ich hatte wirklich Angst davor, aus dieser Sache nicht mehr raus zu kommen.&#8221;</em></p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm03.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm03.jpg" alt="" title="mmm03" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8796" /></a></p>
<p><strong>Man Make Music</strong><br />
Er ist raus gekommen, gewachsen und hat sich etabliert, dass sogar Will Saul von Aus Music ungefragt auf ihn zukam und dieses Jahr die &#8220;Silhouette EP&#8221; veröffentlichte. Damit konnte George dann auch zum Aushängeschild und Vorzeigemusiker von Man Make Music werden, dem Label, das er kürzlich zusammen mit vier Freunden ins Leben rief. Aushängeschild nicht nur deshalb, weil er mit den angesagten Labels im Rücken mit Popularität punkten kann, sondern vielmehr, weil das junge Imprint in der Zukunft ein breites Spektrum an musikalischen Stilen repräsentieren möchte, die sich in Georges Musik bereits erahnen lassen, wenn er Einflüsse aus Dubstep, Garage, Techno und House regelrecht amalgamiert. Doch um zu verstehen, wie es zu Man Make Music überhaupt kommen konnte, warum gleich fünf Personen hinter dem Label stehen und wieso Georges Musik eigentlich so klingt, wie sie klingt, bedarf es einen oder besser gesagt zwei Schritte zurück.</p>
<p><strong>Immer wieder George</strong><br />
George ist zwar nicht das Zentrum von Man Make Music. Doch bei dem Gespräch wird immer wieder deutlich, dass erst seine sympathische und offene Art die aktuelle Konstellation hinter Man Make Music ermöglicht hat. Zum Beispiel lernte er Amit Gudka, den heutige Grafikdesigner, noch zu Schulzeiten beim Garage-Vinyl-Diggen, Georges erste große Musik Leidenschaft, in einem Londoner Plattenladen kennen. Und auch Nikhil Shah, den Betreiber von Mixcloud, kennt George bereits aus seiner Jugend, da die beiden im selben Londoner Viertel aufgewachsen sind, in dem George nach eigener Aussage der einzig wirklich Weiße war.<br />
Diese Fäden liefen dann erstmals in Cambridge zusammen, wo die drei zusammen mit dem vierten Mitglied der Truppe Sam Leon in unterschiedlichen Fächern und Jahrgängen studierten. Sie feierten, veranstalteten Partys und legten auf. George und Nikhil versuchten sich sogar an einer nerdigen HipHop-Scratch-Performance an vier Plattenspielern, die einen weiteren wichtigen musikalischen Einfluss für George markiert. Und wie es dann immer so schön kitschig erzählt wird, wuchsen die vier auf Basis der Freundschaft und der Leidenschaft zur Musik immer enger zusammen. Das sollte sich auch nach dem Studium nicht mehr ändern und zurück in London gaben sie ihrer Leidenschaft auch einen professionellen Background, indem sie im großen Stil Warehouse-Raves veranstalteten, die das ein oder andere Mal zu grenzwertigen Feiereskapaden ausuferten. Zwar existierte hier bereits der Name Man Make Music für die Partyreihe, doch von dem Label war hier noch keine Spur.</p>
<p><strong>Randfigur</strong><br />
Dafür brauchte es noch eine Initialzündung, die &#8211; wie sollte es anders sein &#8211; von George und seinem knapp dreijährigen Berlin-Aufenthalt ausging und ihn seidem unverzichtbar machte. Auf der Aktivisten-Ebene war er schließlich bis dato eher eine Randfigur: <em>&#8220;Ich habe nicht so intensiv mit den anderen aufgelegt und habe mich auch bei der Veranstaltungsplanung und Organisation eher zurückgehalten. Auch wenn ich immer ein Teil der Sache war, ging es für mich erst richtig los, als ich zu produzieren begann und das Label ins Rollen kam.&#8221;</em> Und das kam ins Rollen als er das heutige, fünfte Mitglied Julian Neumann in Berlin kennen lernte und mit ihm den Traum vom Label teilte. <em>&#8220;Wir wollten immer ein Label zusammen gründen. Und als es dann tatsächlich ernst wurde, war es eine logische Konsequenz, Label und Veranstaltungsreihe zusammen zubringen.&#8221;</em> Julian wurde also von George in die bereits bestehende Londoner Truppe eingegliedert und kam so zu seiner Rolle des Berlinrepräsentanten von Man Make Music.</p>
<p><strong>Brücken schlagen</strong><br />
Dieses Jahr war es dann endlich soweit: bei Man Make Music handelt es sich nicht mehr länger nur um eine Partyreihe in London, sondern auch um ein Label, das mit den mächtigen Standbeinen in den für elektronische Musik wohl wichtigsten Metropolen London und Berlin enorm gut positioniert ist. Und auf lange Sicht sollen diese Standbeine auch zum Programm werden. Denn das junge Label möchte die musikalische Lücke schließen, die hinsichtlich der unterschiedlichen Break- und Straightbeat-Präferenzen trotz zunehmender Globalisierung zwischen den Städten nach wie vor klafft. <em>&#8220;Wir versuchen natürlich diese musikalische Brücke zwischen London und Berlin zu schlagen. Aber sie soll nicht konstruiert wirken,&#8221;</em> erklärt Julian. Ergo: Zukunftsmusik. Dennoch klingt die bereits an, wie es die ersten beiden Releases zeigen. Denn erstens liefert die 001 &#8220;Fernweh/Hearts&#8221; &#8211; natürlich von George FitzGerald &#8211; bereits die besagte Brücke, wenn von dem bereits angesprochenen Deephouse- und Techno-Einschlag im UK-Bass-Kontext die Rede ist. Und zweitens zeigt &#8220;Running Man&#8221;, die 002 von Rick Grant und Jack Dixon, recht klar, wo es hingehen soll, wenn sich das Stück noch konsequenter auf Seiten der 4/4 schlägt und einer noch deeperen Linie verschreibt. <em>&#8220;Wir wollen nicht nur eine Sparte bedienen&#8221;</em>, so Julian weiter, <em>&#8220;sondern ein breites Spektrum bedienen und uns auch verstärkt der House-Richtung zuwenden. Die ersten Releases waren ja dann doch eher englisch.&#8221;</em> Und das fände er scheiße, fügt George lachend hinzu. Und so ganz unrecht hat er damit trotz aller Ironie auch gar nicht, da Julian sich als 4&#215;4-Repräsentant natürlich auch reine House oder Techno-Stücke wünscht. Für den Globalisierungskurs sind die im Label-Routenplaner selbstverständlich bereits als feste Station eingetragen. <em>&#8220;Doch jetzt soll erstmal manifestiert werden, wofür Man Make Music steht,&#8221;</em> räumt Julian ein, <em>&#8220;und dafür braucht es eine klare Linie.&#8221;</em> Doch wer hier eine Hierarchie vermutet, ist schief gewickelt. Jedes Release wird demokratisch abgestimmt. Ist einer dagegen, wird es gecancelt. Der richtige und wohl einzige Weg, der bei fünf gleichberechtigten Köpfen längerfristig funktionieren kann.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm02.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/mmm02.jpg" alt="" title="mmm02" width="500" height="667" class="alignnone size-full wp-image-8797" /></a></p>
<p><strong>Skurriler Leitfaden</strong><br />
Der Leitfaden bringt dennoch Skepsis mit sich. Denn frei von Genres oder Trends Musik zu veröffentlichen und gleichzeitig eine schlüssige Release-Folge im Stil eines harmonischen DJ Sets zu konstruieren, klingt viel eher nach einer Antinomie als nach einem realistischen Labelkurs. In der Anfangsphase, in der sich ein Label zu positionieren und zu definieren versucht, könnte er wiederum funktionieren und mit den Stücken &#8220;Fernweh&#8221; und &#8220;Running Man&#8221; im 130-BPM-Bereich wurde die nur denkbar beste Basis dafür geschaffen. Denn als Schnittstelle zwischen Techno bzw. House und Dubstep hält sie dem geplanten Kurs alle Türen offen. Wenn dann, wie George ankündigt, in sechs Monaten endlich die von Julian herbeigesehnten reinen House-Nummern erscheinen sollen, von denen er sicherlich auch die eine oder andere selber produziert haben wird, kann sicherlich von der momentanen, ganz bewussten Release-Folge auch wieder abgesehen und sich ins Querbeet gestürzt werden, ohne seine Zielgruppe damit zu verschrecken. Hinter Man Make Music steckt eine ordentliche Prise Sinn und Verstand, die viel Potential verspricht.</p>
<p><strong>Herzblut</strong><br />
Doch wie kommen die fünf eigentlich auf die Idee ein Label ein Label zu betreiben? George und auch Julian (der releaste bereits auf Klopfgeist und Third Ear) haben doch Labels in ihrem Rücken, die von klaren Grenzziehungen genauso wenig wissen wollen wie Man Make Music? Und die anderen produzieren doch noch nicht einmal!</p>
<p><strong>George:</strong> <em>&#8220;Der Wunsch, ein eigenes Label zu führen, existiert schon so lange ich denken kann. Es macht einfach Spaß, Musik anderer, teils befreundeter und unbekannter Künstler zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch für uns Produzenten schöner, da man einfach näher an seinem eigenen Release ist und mehr Kontrolle darüber hat. So muss man dann nicht bis zu neun Monate warten, wie es oft bei anderen Labels der Fall ist, bis das Stück veröffentlicht wird.&#8221;</em></p>
<p><strong>Julian:</strong> <em>&#8220;Aber wie George schon sagte, es geht uns vordergründig gar nicht darum, unsere eigene Musik zu veröffentlichen, sondern vielmehr darum, noch unbekannte Musik zu finden und unter das Volk zu bringen. Ich weiß, jeder sagt das. Aber es ist einfach ein großartiges Gefühl.&#8221;</em></p>
<p><strong>Nikhil:</strong> <em>&#8220;Wir sind nicht alle Produzenten. Ich z.B. bin DJ, Promoter und betreibe die Website Mixcloud. Das sind alles Plattformen, die ich dafür nutzen kann, um Musik, die ich finde und liebe, anderen Menschen zugänglich zu machen. Ein Label ist da die beste denkbare Erweiterung, mit der ich noch mehr Menschen erreichen kann.&#8221;</em></p>
<p>Und wenn sich hierbei alle so schön einig sind, dass es fast lächerlich wirkt, aber jeder das eigentlich bereits gesagte noch einmal mit seinem eigenen Strahlen in eigenen Worten wiederholen möchte, wird klar, wie viel Herzblut in dieser Sache steckt.</p>


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		<title>Heute am Kiosk: De:Bug 159</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 10:00:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Lana Del Rey, Startup-Szene Berlin, Leserpoll-Auswertung, R&#038;S Records]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/debug159-cover.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/debug159-cover.jpg" alt="" title="debug159-cover" width="500" height="650" class="alignnone size-full wp-image-8782" /></a></p>
<p><span id="more-8780"></span></p>
<h3><b>STARTUP BERLIN: GRÜNDERZEIT</h3>
<p></b>Berlin boomt in Sachen Startup-Unternehmen, auch die internationalen medien haben bereits den großen Hype ausgerufen. De:Bug nimmt einige Unternehmen aus dem neuen Silicon Valley an der Spree unter die Lupe. Mit Firmen wie Eyeem, Tweek, Readmill und Wahwah.fm soll unsere Welt besser werden.</p>
<h3><b>LESERPOLL: EURE BESTENLISTEN!</h3>
<p></b>Zwölf Monate, feinsäuberlich geordnet. Den De:Bug-Fragebogen zu euren Highlights habt ihr nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt, jetzt wird ausgewertet. Die besten Alben, Singles, DJs, Apparate, Festivals, Bücher, Filme, personen und Unverschämtheiten. Ärmelschoner an und los geht&#8217;s!</p>
<h3><b>LANA DEL REY: SCHMOLLENDE IRRITATION</h3>
<p></b>Sie weiß es nicht, ganz einfach. Die aufgespritzte Pop-Lolita mit abgeschlossenem Philosophie-Studium führt uns im Interview eindrucksvoll das platonische Wissen von Nichtwissen vor &#8220;Wer hört eigentlich Lana Del Rey?&#8221; &#8211; &#8220;Ich weiß es nicht.&#8221; &#8211; Würdest du es gerne wissen?&#8221;. &#8211; &#8220;Ich weiß es nicht.&#8221;</p>
<h3><b>REDIGI: GEBRAUCHTE MP3s VERKAUFEN</h3>
<p></b>Der MP3-Flohmarkt ReDigi hat den US_Musikmajors den Fehdehandschuh vor die kopiergeschützten Füße geworfen. Ob legal erworbene Musik-Downloads wiederverkäuflich sind, wird bald die amerikanische Justiz beschäftigen. Uns beschäftigt zunächst aber das recht abtruse Geschäftskonzept von ReDigi.</p>
<h3><b>STUDIOBESUCH BEI OVAL</h3>
<p></b>Markus Popp möchte nicht mehr länger nur mit seiner Musik Statements setzen, sondern nun auch mit eigener Software. &#8220;OvalDNA&#8221; heißt sie und ist mehr als Spiel zu verstehen, denn als Sequenzer. &#8220;Es ist ein interaktives, spielerisches Environment, mit dem man Sounds bewegt, verändert, zueinander in Bezug setzt.&#8221; </p>
<h3><b>STARTUP BERLIN</h3>
<p></b># Club der Visionäre: Readmill, Eyeem, Tweek &#038; Co.<br />
# Gründerszene: Interview mit Mark Hoffmann</p>
<h3><b>MUSIK</h3>
<p></b># Lana Del Rey: Sexelnde Samplequeen<br />
# R&#038;S Records: Das beste Pferd auf dem Floor<br />
# Daphne Oram: Die große Lady der Bandmaschinen<br />
# Damage &#038; Daneeka: Deepness-Multipplikatoren<br />
# Mario &#038; Vidis: House aus Vilnius<br />
# Skwee: Gipfeltreffen in Berlin<br />
# Ital: Perfekt nebulös<br />
# Objekt: Prestige Parodie</p>
<h3><b>LESERPOLL 2011</h3>
<p></b># Listen, Listen, Listen</p>
<h3><b>MODE</h3>
<p></b># Modestrecke: I Want To Live Like Common People<br />
# Trigema Change: Öko rein, Affe raus<br />
# Nike Air 180 ID</p>
<h3><b>MEDIEN, THEORIE &#038; GADGETS</h3>
<p></b># System Pop: Musik endlich mit Systemkritik<br />
# Bilderkritiken: Wahlkampf in Ägypten<br />
# ReDigi: Gebrauchte MP3s bekommen einen eigenen Flohmarkt<br />
# Digicam: Nikon 1V1<br />
# Tablet: Lenovo IdeaPad K1<br />
# Ohrhörer: TDK BA-100<br />
# Piratenpartei: Alles klar zum Entern?<br />
# Örvar &#038; Sindri: Isländische Musiker malen<br />
# Kenji Hirasawa: Wärmebildfotografie im Club</p>
<h3><b>MUSIKTECHNIK</h3>
<p></b># Studiobesuch bei Oval<br />
# DSI TEMPEST: Große Groovebox-Baustelle</p>
<h3><b>VOLLE KANNE FUTURE</h3>
<p></b># A Better Tomorrow: Geldmengengrütze</p>


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		<title>Erweiterte Kunst</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 14:10:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>debug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Beck's Green Box Project]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/becks_green_box_gewinnspiel_detailseite_3x3.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8784" title="becks_green_box_gewinnspiel_detailseite_3x3" src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/becks_green_box_gewinnspiel_detailseite_3x3.jpg" alt="" width="500" height="285" /></a></p>
<p>Mit dem Green Box Project initiiert der Bierbrauer Beck&#8217;s rund um den Globus Kunst in den noch weitgehend unergründeten Gefilden der Augmented Reality. Der grüne Würfel ist dabei gleichzeitig Markenpräsenz und Schlüssel zur digitalen Erweiterung der Realität am Handy-Display, die im Umfeld der analogen grünen Boxen erlebt werden kann.</p>
<p>Als es an einem windig-frösteligen Dezemberabend auf der Kreuzung Tor-Ecke-Mollstraße knallt, haben wir wieder etwas gelernt. Über die einzigartige Konsistenz des Zufalls, über das Verhältnis von echter und digital erweiterter Realität und was uns in Zukunft noch alles auf dem Handy-Display erwarten könnte. Klingt kompliziert? Ist es tatsächlich ein wenig, aber immer schön der Reihe nach: Es geht um Augmented Reality (AR), die digital angereicherte Version der Dinge, die sich direkt vor unserer Nase abspielen, und welche Möglichkeiten sich in diesem neuen Raum für Kunst und Design eröffnen. Und um genau diese kreative Nutzung in der Augmented Reality nachhaltig zu fördern, hat der Bierbrauer Beck´s das Green Box Project ins Leben gerufen. Was Sinn macht, denn die digital erweiterte Realität ist ein gleichermaßen unbekanntes wie vielversprechendes Terrain. Künstler, Musiker und Designer haben gerade erst damit begonnen die Möglichen zu erkunden, die sich in diesem Feld eröffnen. Das Wissen um die Beschaffenheit der Augmented Reality ist derzeit noch so rudimentär, dass nicht einmal klar ist, ob es sich um einen neuen Raum, ein Medium oder um etwas völlig anderes handelt. Was die neuen Gefilde natürlich ungemein spannend macht, aber auch bedeutet, dass ein Unterfangen wie das Green Box Project sich nicht bis ins letzte Detail planen lässt. Beck´s leistet somit als Initiator echte Pionierarbeit, im Rahmen des Programms, das im Juli mit einer spektakulären Installation an der Freiheitsstatue in New York begonnen wurde, sollen in den kommenden Jahren insgesamt 1.000 AR-Projekte umgesetzt werden. Dazu soll sich der Kreis der Kreativen stetig erweitern, indem mit Bekanntheitsgrad des Projekts auch die Zahl der Einreichungen zunehmen. Welche Konzepte dann zum Zuge kommen, entscheidet eine Jury unter dem Vorsitz des Modefotografen Nick Knight und des Musikers Sam Spiegel.<br />
<span id="more-8783"></span><br />
&nbsp;</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/25925777?title=0&amp;byline=0&amp;color=00c10a" width="500" height="281" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></p>
<p>Augmented Art?</p>
<p>Außerdem hat man sich vorgenommen, eine &#8220;neue Form der Augmented Art Galerie&#8221; zu entwickeln, wie Beck`s Manager Oliver Bartelt erklärt. Vorher gilt es allerdings noch, die Namensfrage befriedigend zu klären: Wie soll die Kunst im neuen digitalen Raum heißen? &#8220;Augmented Art&#8221; klingt stimmig, ist es aber nicht. Im Print könnte man aus &#8220;Augmented Reality Art&#8221; einfach &#8220;ARt&#8221; machen, dummerweise lässt sich das aber nicht vernünftig googeln, was im Sinne jugendlicher Witchhäuslichkeit vielleicht lustig ist, ansonsten aber schlicht unpraktisch. Aber auch wenn die Namensfrage noch offen ist, hat die Gestaltung bereits munter begonnen und nach 30 Green-Box-Installationen in amerikanischen und britischen Städten kam das Projekt Ende des Jahres auch in Berlin an. Womit wir wieder beim eingangs erwähnten, windig-frösteligen Dezemberaberabend wären, an dem die grünen Boxen mit einer Party im SoHo-Haus willkommen geheißen wurden.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/Lucky-me-London-VU-02.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/Lucky-me-London-VU-02.jpg" alt="" title="Lucky me London VU-02" width="500" height="375" class="alignnone size-full wp-image-8785" /></a></p>
<p>Welche Realität?</p>
<p>Vom Raucherbalkon im zweiten Stock des SoHo-Hauses hat man einen Paradeblick über die weitläufige Kreuzung nahe dem Alexanderplatz. Aus dem Saal leuchtet es grün, hipper Slowstep und Gesprächsfetzen wehen durch die Balkontür und mischen sich mit den Verkehrsgeräuschen. Wir wollen gerade wieder hineinschlüpfen, als ein viel zu schneller Opel beim Abbiegen ein entgegenkommendes Taxi touchiert, sich tüchtig im Kreis dreht, um mitten auf der Kreuzung zum Stehen zu kommen. Noch bevor die Schrecksekunde vorbei ist, springt der Fahrer aus seinem Wagen und reißt theatralisch die Arme gen Himmel, als wäre dies das Ende einer wilden Verfolgungsjagd über US-Highways mit Live-Bildern vom TV-Hubschrauber. Die Geste lässt den Unfall noch surrealer wirken, als er es von unserem Logenplatz aus ohnehin schon war, da fragt man unwillkürlich: Ist das jetzt echt passiert? Oder hat da schon wieder jemand die Realität erweitert? Nach kurzer Verwirrung kommen wir schnell überein, dass da eben ein echter Unfall noch mal ziemlich glimpflich ausgegangen ist, schließlich hatten wir die Szene nicht am Handy-Display verfolgt, sondern technisch ungefiltert mit eigenen Augen. Also ist wohl gerade die reale in die erweiterte Realität eingebrochen und hat ausgerechnet so die Potentiale der Technik deutlich gemacht &#8211; zum Beispiel könnte in nicht allzu ferner Zukunft zu jeder Straße ein Unfallarchiv gehören, das vor Ort am Futurephone betrachtet werden kann. Vielleicht entwickeln sich daraus sogar neue Unterhaltungsformate und wir verbringen unsere Freizeit am liebsten an unfallreichen Verkehrs-Hotspots &#8230; abwarten.</p>
<p>Erweiterte Wahrzeichen</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/26005647?title=0&amp;byline=0&amp;color=00c10a" width="500" height="281" frameborder="0" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe></p>
<p>Um der prinzipiell allgegenwärtigen AR einen symbolischen Startpunkt zu geben, kommt beim Green Box Project der namensgebende grüne Würfel ins Spiel. Die markanten Quader mit exakt zwei Metern Kantenlänge signalisieren zunächst, dass es in ihrer Umgebung virtuelle Kunstwerke zu entdecken gibt. Dazu dienen die Kisten aber auch technisch als Trigger, wenn das grüne Quadrat mit dem Beck´s-Logo in einer Ecke von der Handy-Kamera erfasst wird, startet die <a target="_blank" href="http://itunes.apple.com/de/app/becks-key/id446704056?mt=8">&#8220;Beck’s Key App&#8221;</a> (gratis für iOS und Android) das für diesen Ort maßgeschneiderte AR-Spektakel. Wo aus naheliegenden Gründen keine der Boxen zentral platziert werden kann, können die Bauwerke aber auch selbst diese Trigger-Funktion übernehmen, also etwa das Brandenburger Tor in Berlin oder die Freiheitsstatue in New York. Welche Möglichkeiten sich der Augmented Art beim Spiel mit solchen freistehenden, klar definierten Großstrukturen erschließen, hat der belgische Bildhauer Arne Quinze zum Auftakt des Green Box Project mit &#8220;Rock Strangers&#8221; gezeigt: eine 61 Meter hohe, abstrakte Flamme für die Statue of Liberty, die vor allem vom Wasser aus betrachtet zu beeindrucken wusste. Über dem Brandenburger Tor ließ unterdessen im Dezember das legendäre Künstler-Duo FriendsWithYou, das für seine Genregrenzen sprengenden Character-Designs bekannt ist, ein farbenfroh-fröhliches Figuren-Cluster namens &#8220;Magic in the Air&#8221; schweben und wabern &#8211; was man nach dem Stand der Planung aber leider nur bis zum 2. Januar erleben konnte, danach wurde die Installation &#8220;abgeschaltet&#8221; werden.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/BecksgreenboxSoho_02.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/BecksgreenboxSoho_02.jpg" alt="" title="BecksgreenboxSoho_02" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8786" /></a></p>
<p>Virtueller Gelee</p>
<p>Auf dem Heimweg von der Berliner Green-Box-Party stolpern wir prompt noch einmal über das Thema: Neben der Installation am Brandenburger Tor gab es nämlich in der Tostraße auch noch die temporäre Appel Design Gallery, die ob ihrer monochromen, grünen Lichtaura nicht zu übersehen ist. Hier hängen eine Hand voll iPads im Schaufenster, auf denen die Geleeskulptur &#8220;Tropical Jellodrome&#8221; der britischen Food-Artists Bompas &amp; Parr über dem obligatorischen grünen Würfel prangt. Die Installation hat einen eigenen, strengen Charme, allein weil sich mit den fixierten Displays die AR-Tricks nur abstrakt erschließt. Die Kombination aus vermeintlich strenger Konzeptkunst und aktuellen Gadgets erinnert uns daran, wie man als ins Museum mitgeschlepptes Kind auf Nam June Paik reagiert hat: so viele riesige, nagelneue Sony-Fernseher! Denkt man diese Analogie konsequent weiter, werden in 20 Jahren Sammler händeringend nach dem iPad 2 suchen, um die Werke der Augmented-Art-Pioniere stilgerecht betrachten zu können. Wer dann als AR-Pionier gilt, lässt sich heute naturgemäß nicht sagen, aber Quinzes &#8220;Rock Strangers&#8221; ist ein heißer Kandidat.</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/29323138?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="500" height="281"></iframe></p>
<p>1.000 Projekte in den kommenden Jahren: Beck&#8217;s Green Box Project ist ein Mammutunternehmen, mit dem der Bierbrauer die faszinierende neue Welt der Augmented Reality für die kreative Gestaltung erschließen will und steht damit in bester Tradition vorangegangener Projekte wie der Beck’s Fashion Experience, Beck’s It oder der Beck’s Gold Urban Experience.</p>
<p>Die Verbindungen von Kunst und Technologie sind in den letzten Jahrzehnten immer wieder thematisiert worden, mit der Green Box aber geht man einen Schritt weiter und stellt das System von Ausstellungen und Kunstpräsentation auf den Kopf. Die erweiterte Wirklichkeit der Augmented Reality (AR) eröffnet die Möglichkeit, den Ort der Ausstellung neu zu definieren, Kunstwerke nicht sein, sondern erscheinen zu lassen. Und das überall, in einem weltumspannenden Netzwerk, das die verschiedensten Bereiche von Design, Musik und Kunst in einer technisch vermittelten und dennoch sehr direkten Form erfahrbar macht. Augmented Reality ist dabei mehr als nur eine neue technische Form, denn durch die Nähe und Vertrautheit mit Smartphones und Tablets und nicht zuletzt die direkte Interaktion mit den Kunstwerken wird &#8211; trotz scheinbarer technischer Distanz &#8211; die Erlebbarkeit von Kunst zur Erfahrung einer neuen Welt, die den &#8220;White Cube&#8221; durch eine grüne Box ersetzt.</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/29781260?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="500" height="281"></iframe></p>
<p>Augmented Food Art</p>
<p>Diese Direktheit der Erfahrung ist gleichzeitig auch Motivation für die Künstler, die aus allen Gebieten kommen. Kreative aus den Bereichen Fotografie, bildende Kunst, Design, Mode, Musik, Architektur oder Illustration betreten die augmentierte Galerie mit einer spürbaren Faszination für das neue Medium und der Aufregung von Entdeckern, die ihre Schritte in unbekanntes Terrain lenken. Mit Craig Thornton ist sogar ein Chefkoch in den Reihen der Green-Box-Kreativen zu finden, die bereits erste Erfahrungen mit dem neuen Medium sammeln konnten. Thornton ist Küchenchef in Los Angeles und für Kreationen mit sehr rohem Charakter berühmt, insbesondere wenn es um die Zubereitung von Fleisch geht, zudem er seine Gerichte in einer Präsentation servieren lässt, die unzweifelhaft darauf aufmerksam machen, dass man gerade ein Stück Tier verzehrt. Der Küchenexzentriker Thornton nahm die Anfrage zur Gestaltung einer AR-Installation begeistert an, seine Arbeit namens &#8220;Wolves In The Snow&#8221; entstand dann auf der Basis eines Fotoshootings mit einem echten Wolf. Für den staunenden Betrachter ist es natürlich stimulierend, wie Kreative aus allen denkbaren Disziplinen bereit sind für das Beck´s Green Box Project ihre eigene Disziplin zu verlassen, mit einem anderen Medium zu arbeiten und neue Wege zu erforschen. Denn genau das ist es doch, was Technologie einem letztendlich erlaubt: darüber nachzudenken was man mit seinem Leben anfangen will, welche Medien und Tools man benutzt.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/BecksgreenboxSoho_06.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/BecksgreenboxSoho_06.jpg" alt="" title="BecksgreenboxSoho_06" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8789" /></a></p>
<p>Weiße Leinwand</p>
<p>Für die meisten der bisherigen Künstler ist die Augmented Reality natürlich etwas völlig neues, weshalb Beck&#8217;s ihnen beim Green Box Project eine Crew kompetenter Techniker an die Seite stellt, die den Kreativen helfen, die Grenzen und Möglichkeiten der Plattform zu erkennen und das beste aus den jeweiligen Ideen herauszuholen. Der Mäzen als Medium einer neuen Form von Augmented-Art-Galerie und Sprungbrett in eine mögliche Zukunft der Kunst. Denn die digital erweiterte Realität ist ja im wahrsten Sinne eine nagelneue, unbeschriebene, weiße Leinwand. Und während man in den meisten Medien stets durch die physikalischen Gegebenheiten eingeschränkt wird, lösen sich die Beschränkungen in der Augmented Reality größtenteils in Wohlgefallen auf, womit sich der Kreativität neue, ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Bislang ist es ja vor allem eine gewisse Nutzbarkeit von Information, mit der sich die verschiedensten Softwares und Umsetzungen von Augemented Reality befassen. Einfachere Navigation im Raum, die Sichtbarmachung der uns überall umgebenden Informationsräume direkt abgebildet auf der vertrauten, sichtbaren Umgebung. Der Schritt, den Beck&#8217;s mit The Green Box Project geht, ist eine Öffnung dieses neuen, in Zukunft immer omnipräsenteren Raumes einer digitalen Umgebung für die gesamte Bandbreite der Kreativität.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/AliceWease.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2012/01/AliceWease.jpg" alt="" title="AliceWease" width="500" height="375" class="alignnone size-full wp-image-8791" /></a></p>
<p>Kunst am Himmel</p>
<p>Ein weiterer Faktor der Inspiration von Kunst durch Augmented Reality ist die Befreiung von den physikalischen Gegebenheiten. Auf der Ebene des realisierten Projektes, das es erlaubt, an einem Ort verschiedenste Bilder- und Klangwelten zu realisieren, Objekte physisch unmöglich zu morphen und Klang und Bild in freien Konstellationen miteinander zu verknüpfen. Dabei ist Augmented Reality auf eine Art sehr demokratisch und egalitär, weil sie der Kunst ermöglicht, überall stattzufinden: Man kann einfach über die Straße laufen und ein virtuelles Kunstwerk am Himmel sehen. Eine Befreiung, die gleichzeitig auch ermöglicht, sich mit den einmaligen Eigenarten bestimmter Orte auseinanderzusetzen, eine Beziehung zu bestehenden Objekten aufzubauen, einen Kommentar oder eine andere Sichtweise zu formulieren.</p>
<p>Artphone</p>
<p>Gleichzeitig spielt das Green Box Project schon durch die Form der Installationen mit der Verheißung einer neu zu entdeckenden Zukunft. Ausgelöst werden die Kunstwerke durch den Schlüssel im Wappen des Beck&#8217;s-Logos, der sozusagen den Schmuckkasten der Kunst zusammen mit dem eigenen Smartphone oder Tablet aufschließt und einem so den Zugang zu einer immer wieder überraschenden audio-visuellen Welt öffnet. Eine Box birgt ja in sich schon ein Geheimnis. Etwas das uns hoffen lässt, mit Empfindungen, Erwartungen und Geschenken spielt und so Kunst nicht als Aufgabe oder reine Erfahrung vermittelt, sondern als einen direkten persönlichen Bezug zur eigenen Handlung. Das alles wird verstärkt durch die Intimität und gleichzeitige soziale Allgegenwärtigkeit, die nur ein Gegenstand wie ein Smartphone vermitteln kann. Etwas, das wir immer und überall mit uns tragen und unsere Kommunikation und den Umgang mit der Realität immer mehr begleitet und gelegentlich auch bestimmt.</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/28772485?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0" frameborder="0" width="500" height="281"></iframe></p>
<p>Jelly Architecture</p>
<p>Und so gehen die Kunstwerke des Green Box Project auf die verschiedensten Weisen eine Beziehung mit dem Betrachter und der Green Box als Objekt ein. Ein Projekt wie &#8220;Super AR Avatars&#8221; von Reed+Radar verwickelt einen zum Beispiel ins Spiel mit den verschiedenen Seiten des Quaders. Auf diesen müssen Zug um Zug Rätsel gelöst werden, um die nächste Ebene zu erreichen, was das Spielerische in der Augmented Reality Art zur Geltung bringt, die sich damit fast schon wieder einem Videogame nähert. Aber es gibt auch sehr direkte Formen, die einen einfach aufgrund ihrer unmöglichen Präsenz beeindrucken und die Absurdität, aber auch die Reinheit der Begeisterung in ein Objekt fassen. Wie Bompas &amp; Parrs &#8220;Jelly Architecture&#8221;, bei dem ein monströser, einsamer Wackelpudding auf der Green Box vor sich hinwackelt. Im Laufe des Jahres wird das Beck&#8217;s Green Box Project als Installation und wandernde Augmented Reality Galerie weiter um den Globus ziehen und diese Art neuer Kunsterfahrung für jeden erlebbar machen.</p>


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		<title>Gute Zeiten für Future Times</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 08:17:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>debug</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Beautiful Swimmers]]></category>
		<category><![CDATA[Bjørn Schaeffner]]></category>
		<category><![CDATA[Future Times]]></category>
		<category><![CDATA[house]]></category>
		<category><![CDATA[retro futuristisch]]></category>
		<category><![CDATA[Shawn Brackbill]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Beautiful Swimmers auf irrlichternden Tauchgang durch Dance-Geschichte]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls1.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls1.jpg" alt="" title="beautifuls1" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8772" /></a><br />
Foto: Shawn Brackbill</p>
<p><strong>Psychedelisches Postpunk-Patchwork gefällig? Das Washingtoner Label Future Times reitet auf der Erfolgswelle und inszeniert House als irrlichternden Tauchgang durch die Dance-Geschichte. Auch klar: Für eine gute Platte würden die amerikanischen Retro-Futuristen ihr letztes Hemd hergeben. Aber lieber noch machen sie selbst welche.</strong></p>
<p>Wenn das keine frohe Kunde ist: Vinyl, vom Postboten auf die Pforte gelegt. Vor seinem Heim in Silver Spring, einem Vorort von Washington, fand Andrew Field-Pickering neulich ein Paket aus England. Dieses offenbarte die 12&#8243; &#8220;Tubular Bells&#8221; von Plutonic, eine Coverversion des Mike-Oldfield-Klassikers. Der Platten-Nerd war aber mehr an der B-Seite interessiert: &#8220;Amen&#8221; heißt das 1990 gepresste Kleinod. Mit Killerbassline, laszivem Vocal, Breaks und glitzernden Synths wird hier lässig dem Dancefloor-Irrsinn in die Arme geschlingert. Ein Track so sexy wie ein Tänzchen mit dem Teufel im Mondlicht. &#8220;Auf das Stück bin ich über einen alten Fabio- und Grooverider-Mix im Netz gestoßen. Der Track ist so was von weird. Das ist prähistorischer Drum and Bass, der eigentlich noch House ist. Genau auf solchen Sachen bin ich aus. Das klingt für meine Ohren völlig frisch.&#8221; Der Jagdtrieb nach dem Besonderen, dem Versponnenen, dem Unerhörten: Er durchdringt Andrew bis in den kleinen Zeh. Und natürlich muss einen schon ein gerüttelt Mass an Vinyl-Besessenheit beseelen, um ein so prächtiges Unterfangen wie Future Times zu veranstalten.<br />
<span id="more-8771"></span><br />
Dem Motto &#8220;Things Will Be Better In Future Times&#8221; begegnet man da immer wieder. Gute Zeiten sind es fürwahr: Die Bilanz sieht nach drei Jahren und elf Platten rosig aus, daran hat Andrew beträchtlichen Anteil. Als eine Hälfte der Beautiful Swimmers und dank seiner Solo-Produktionen als Maxmillion Dunbar hat er sich eine stetig wachsende Fangemeinde erarbeitet. Zusammen mit Mike Petillo, der seinerseits Teil des Duo Protect-U ist, zieht Field-Pickering die Fäden des Labels. Future Times ist eine family affair, die Platten stammen überwiegend von den Swimmers, Protect-U und dem geschäftigen Jason Letkiewicz, der hier unter nicht weniger als vier Pseudonymen releast: als Rhythm Based Lovers, Sensual Beings, Confused House und Steve Summers. Zur erweiterten Familie &#8211; sozusagen die lieben Verwandten aus Übersee &#8211; zählen auch die israelischen House-Experimentalisten Juju &#038; Jordash sowie der Berliner Hunee.</p>
<p> <a href="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls4.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls4.jpg" alt="" title="beautifuls4" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8774" /></a><br />
Foto: Shawn Brackbill</p>
<p><strong>Vinylisiertes Gold</strong><br />
&#8220;Wir kommen vom Punk. Hier gab es ja im Unterschied zu Europa kaum Raves. Die Szene um Acts wie Fugazi war schon immer sehr stark in Washington D.C. und dem haben wir als Kids auch in diversen Bandprojekten nachgeeifert&#8221;, sagt Mike. &#8220;Irgendwann war uns das aber zu abgedroschen und da zeigte mir Andrew einige klassische Dancetracks. Seither arbeiten wir uns durch die älteren Spielarten von Techno, House, Disco, Dub und Electro.&#8221; Als Vintage-Plattenkäufer, zumal als fanatischer Sammler, ist man in den USA verwöhnt: Schier endlos lässt sich in Second Hand Shops und Thrift Stores nach vinylisiertem Gold schürfen. Gerade in Washington haben sich in den letzten Jahrzehnten Myriaden von Platten und Kassetten aus aller Welt angestaut, was laut Mike damit zu tun hat, dass die amerikanische Hauptstadt ein Durchgangsort ist: Viele leben hier ein paar Jahre und ziehen dann wieder weg. Washington, das ist ein Umschlagplatz für Sounds jeglicher Couleur.</p>
<p>So stößt man natürlich locker auf Trommelmusik aus Ghana, deutsche Krautrock-Platten, Warp-Produktionen oder obskuren House aus New Jersey. Die geborgenen Schätze bilden für Andrew und seinem Beautiful-Swimmers-Partner Ari Goldman einen quasi naturgegebenen Sample-Fundus. Und auch die Köpfe hinter Protect-U, Mike und Aaron Leitko, lassen sich tunlichst inspirieren.&#8221;Wir sampeln im Geiste mit, denken uns, oh, dieser Drumbeat ist wirklich cool, so was könnte man auf unseren Maschinen auch machen.&#8221;  </p>
<p><strong>Wanna get a cocktail?</strong><br />
&#8220;World Music&#8221; heißt nicht ganz zufällig ein Track von Protect-U. Mit im Delay wirbelnden Trommelpattern und Boogiebass geht es los auf einen zehnminütigen Trip, der irgendwann so irrlichtert, als würden Giorgio Moroder und Steve Reich gemeinsam im Schnellboot durchs arktische Meer zischen. Überhaupt diese aquatisch-schimmernde Ästhetik: Sie durchspült auch die Produktionen von Maxmillion Dunbar. Von einer kuriosen Larmoyanz wiederum ist der Swimmers-Hit &#8220;Big Coast&#8221;: Eine geisterhafte Reggae-Orgel trifft auf Silbenstotter-Soul und eine betrunkene Tröte. Dahinter steckt ein meisterliches Arrangement, das einen sinnieren lässt: Wer hat noch mal gesagt, dass House-Musik keinen Humor hat?</p>
<p>Es käme den Future-Times-Machern nicht im Traum in den Sinn, ein karges Whitelabel-Release zu machen, dem man schon von weitem ansieht: Achtung, hier spielt ganz tiefgründige Tanzmusik. &#8220;Nicht dass wir was dagegen hätten, im Gegenteil, wir lieben ja viele dieser Tracks, aber es ist halt einfach nicht unsere Art. Dafür sind wir zu sehr Clowns&#8221;, so Mike. Wobei es oft Insider-Witze sind, über die sich Mike und Andrew einen ablachen: etwa indem sie Macauley &#8220;Home Alone&#8221; Culkins Entsetzen über die verschwundene Familie in die Auslaufrille kratzen: &#8220;I made them disappear!&#8221;. Auf einer anderen Platte liest man: &#8220;Wanna get a cocktail?&#8221;. Das ist dann als hämische Hommage an einen nervtötenden New Yorker Party-Promoter adressiert.</p>
<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls21.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/beautifuls21.jpg" alt="" title="beautifuls2" width="500" height="333" class="alignnone size-full wp-image-8775" /></a><br />
Foto: Shawn Brackbill</p>
<p><strong>Ostküsten-House</strong><br />
Da brodelt was an der amerikanischen Ostküste: Der Aufstieg von Future Times steht in direkter Verwandtschaft zum Erfolg befreundeter New Yorker Labels wie L.I.E.S. und W.T.. Und auch das kleine Washingtoner Disco-Imperium Peoples Potential Unlimited muss Erwähnung finden. &#8220;Das ist unsere Hometown. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine wirkliche Szene ist. Aber vermutlich wird einmal ein Typ kommen, der unserem Sound einen ganz üblen Namen verpasst. Und dann werde ich mich furchtbar aufregen&#8221;, schmunzelt Andrew.</p>
<p>Und derweil die Kanonisierung des Labels sachte voranschreitet, freuen sich die Washingtoner Futuristen noch wie kleine Kinder darüber, wenn sie im Londoner Phonica-Plattenladen den kompletten Future-Times-Katalog auffinden. Bei einem kürzlichen Europaaufenthalt hatten die Beautiful Swimmers am Ende so viele Platten gekauft, dass sie all ihre Kleider mit der Post zurückschickten, um Platz für das Vinyl zu machen. &#8220;Es war schon fast tragisch, wie viele Platten wir da gekauft hatten. Ari und ich wissen ja eigentlich, dass wir uns zurückhalten sollten. Und dann haben wir der Airline wegen unserem Extragepäck den ignoranten amerikanischen Touristen vorgegaukelt. Der riesige Koffer mit unseren Klamotten befand sich fast einen Monat im Transit, so dass wir bis dahin ohne unsere Kleider auskommen mussten.&#8221;<br />
Immer häufiger werden die Future-Times-Aktivisten auch nach Deutschland gebucht. Zum Beispiel ins Robert Johnson nach Offenbach, wobei im Frühjahr auf dem Label von Ata Macias und Oliver Hafenbauer auch eine Extended Version des Maxmillion-Dunbar-Tracks &#8220;Polo&#8221; samt Lauer-Remix erscheint. Und was ist mit Berlin? &#8220;Das ist natürlich im Unterschied zu Washington ein komplett anderes Ballgame hier. Ich liebe die Soju Bar. Ein fantastischer Ort, um die ganze Nacht lang aufzulegen. Das kann ganz schön freaky werden, da spiele ich auch Ambient oder Jazz. Oder Delphin-Geräusche. Ja, das Leben ist defintiv zu kurz, um nicht das zu tun, was man wirklich will.&#8221;</p>


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		<title>Fazit 2011: Finanzen</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 16:00:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das Märchen vom Gleichgewicht]]></description>
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</a>Foto: <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" >cc-by </a><a target="_blank" href="http://www.flickr.com/photos/conskeptical/" >Crispin Semmens</a></p>
<p>Bei dem, was uns so über das Geld erzählt wird, gibt es ein paar Ungereimtheiten. Aber zum Glück auch ein paar einfache, wenn auch selten verbreitete Erklärungen. Zum Beispiel: Seit einiger Zeit wird uns weisgemacht, wir müssten alle sparen. Besonders die Länder in Europa. Was aber passiert, wenn man spart, sehen wir an Griechenland. Dann gibt niemand mehr Geld aus. Was heißt das für die Kredite? Einfach gerechnet: Hat einer in einem Dorf 100 Schulden. 200 nimmt er im Jahr ein. Macht 50% Schulden. Dann sparen alle, niemand gibt mehr Geld aus. Seine Einnahmen fallen auf 50. Macht bei gleichbleibenden Schulden? Ein Stand von 200%.<br />
<span id="more-8756"></span><br />
Bleiben wir nicht beim kleinen Griechenland, sondern machen das Dorf global. Es gibt drei Parteien – vielleicht auch vier, die Schulden machen können. Industrie, Konsumenten und Staaten. Die vierte wären Banken &#8230; das ist noch ein extra Fall. Die anderen drei haben die letzten drei Krisen verursacht. Bei der Internet-Bubble von 2000 hat es sich um eine klassische Überinvestitionskrise der Industrie gehandelt. Dann waren die Konsumenten dran, denen vor der Häuserkrise von 2008 zu viele Kredite aufgeschwatzt worden waren. Und jetzt stecken die Staaten in der Krise.</p>
<p><strong>Instabilitätstheorie<br />
</strong>Zurückzahlen? Wenn alle zurückzahlen, passiert im Großen das, was mit Griechenland im Kleinen passiert. Weiter Schulden machen? Aber wer? Das ist eine Frage, die von verschiedenen Theorien ganz verschieden beantwortet wird. Die gängige Wirtschaftstheorie verlangt, Staaten wie Firmen zu behandeln. Wer zu viel Geld ausgibt, geht Pleite. Den Rest richtet der Markt, der dank unsichtbarer Hand immer wieder zum Gleichgewicht zurückfindet. Leider hat dieser Mechanismus letztens in bemerkenswerter Weise versagt. Aber das stört die Mainstream-Ökonomen nicht weiter. Insgesamt hat sich die Disziplin der Wirtschaftswissenschaften, auch und besonders in Deutschland, vollkommen eingeigelt. Alternative Ansätze werden dort nicht gelesen.</p>
<p>Zum Beispiel Hyman Minsky, der schon in den 80er-Jahren eine Analyse künftiger Krisen wie der heutigen vorgelegt hat und das Märchen vom Gleichgewicht durch eine Theorie der Instabilität ersetzt. Oder die in letzter Zeit bekannter werdende Modern Monetary Theory, deren Hauptvertreter der Australier Steve Keen ist. Dessen Ansicht nach nehmen Staaten eine Sonderstellung ein, denn im Gegensatz zu Firmen können sie ihr eigenes Geld drucken. Allerdings nicht das arme Griechenland, das unter der deutschen Euro-Knute steht. Aber man muss nicht einmal die neueste Theorie lesen, um zu dem Schluss zu kommen, dass es ohne zusätzliche Schulden nicht weiter geht. Das wusste auch schon der gute Joe Ackermann. Er hat in seiner Dissertation in bemerkenswert klaren Worten gesagt, dass im derzeitigen Kapitalismus die Profite letztlich aus zusätzlichen Schulden stammen.</p>
<p>Der ganze Streit der letzten Zeit dreht sich im Wesentlichen darum, wer nun diese Schulden machen soll. Wenn sich alle drücken, fährt der Wagen gegen die Wand. Auf die eine oder andere Weise. Was vielleicht nicht das schlechteste wäre, obwohl das Gegen-die-Wand fahren auch sehr unschön verlaufen kann, wie sich zehn Jahre nach der letzten großen Krise von 1929 gezeigt hat.</p>
<p><strong>Vermögen vernichten<br />
</strong>Es gäbe noch ein andere Möglichkeit. Nämlich das seit 4000 Jahren aus Babylon bekannte und bewährte Verfahren anzuwenden, die Schulden zu streichen. Allerdings gibt es da erhebliche Widerstände. Das hängt mit einem Punkt zusammen, der in der offiziellen Propaganda viel zu selten erwähnt wird. Schulden sind Vermögen. Was der eine schuldet, besitzt der andere als Guthaben.</p>
<p>Schulden zu streichen heißt daher, Vermögen zu vernichten. Und gegen diesen Schritt wehren sich die Vermögenden, also ungefähr das 1% im Gegensatz zu den 99%, mit allen Mitteln. Hier lässt sich wieder eine ganz einfache Gegenrechnung aufmachen. Es gibt knapp 200 Billionen an Vermögen. Sie wollen mit 5-10% Zinsen belohnt werden. Das macht pro Jahr gut 10 Billionen, die gefordert werden – und in den letzten Jahren mit steigender Verschuldung auch brav aufgebracht wurden. Wenn jetzt auf einmal alle sparen wollen, dann dürfen wir uns auf ein sehr spannendes Finanzjahr 2012 freuen.</p>
<h4>Aus dem Special in De:Bug 158: <a href="http://de-bug.de/mag/tag/Fazit2011"><b>FAZIT 2011</b></a></h4>


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		<title>Fazit 2011: High-Tech-Mode &amp; Berliner Sachlichkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 14:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>debug</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf schnellen Sohlen]]></description>
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<p><a href="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/mode_rueckblickweb.jpg"><img src="http://de-bug.de/mag/files/2011/12/mode_rueckblickweb.jpg" alt="" title="FX 001" width="500" height="516" class="alignnone size-full wp-image-8753" /></a><br />
<a target="_blank" href="http://schramm.freehostia.com/Roman_Schramm/Roman_Schramm.html">Roman Schramm</a>, Zigsonic, 2011 (Galerie Croy Nielsen, Berlin und WCW-Gallery, Hamburg)</p>
<p><strong><br />
2011 wurde die Zukunft endlich zur Gegenwart: Futuristische Sportswear ist wieder en vogue, hochaufgerüstete Running-Schuhe ersetzen die Krepp-Sohle des Clark Desert Boots als fußumschließendes Ornament der Kulturklugscheißer. Und in Berlin bezieht sich eine neue Designgeneration auf ihre protestantischen Wurzeln.</strong><br />
<span id="more-8752"></span> </p>
<p>Die “Allure“ genannte Autobiografie von Diane Vreeland beginnt mit dem Satz: &#8220;Ich finde Nostalgie entsetzlich.&#8221; Und damit trifft die 1989 verstorbene große New Yorker Modeberichterstatterin piekgenau ins Herz des Heute. Allein für diesen Beginn gilt es den so amüsant wie absurden &#8220;Roman ihres Lebens&#8221;, der 2011 zum ersten Mal auf deutsch erschienen ist, zu lesen. </p>
<p>In diesem Jahr wurde die Zukunft endlich zur Gegenwart. Bei den Modeschauen im Februar sah man weltweit, dass sich die Ästhetik des Morgen endlich schon heute tragen lässt. Hi-Tech-Mode passte plötzlich. Man sah das am besten in der Kollektion, die Romain Kremer und Lady Gagas Stylist Nicola Formichetti für Thierry Mugler entwarfen, aber auch bei Dries Van Noten. Nylon-Parka und Woll-Polyester-Gemische, möglichst wasserdicht und mit Outdoor-Touch. Sportswear darf wieder als Referenz dienen, sie vollzieht sich in einem eleganten wie selbstverständlichen Mix aus real und synthetisch, aus Tradition und Technologie. Mode leuchtete, Mode strahlte. Zwar bekam dieses Jahr auch das Spiel mit den Wearables, der Nerd-Wear, einen merkbaren Schub, vor allem aber funktionierte die früher futuristische Kleidung ganz selbstverständlich in ihrer Jetzt-Zeit. Die leichten und körpernahen Techno-Uniformen aus der Winterkollektion des Adidas Sub-Label Slvr von Dirk Schönberger war die tragbarste und beste deutsche Kollektion des Jahres. </p>
<p><strong>Geschmack &#038; Global-Shanzai<br />
</strong>Vor allem in Bodennähe gab es in Puncto gemeinschaftlicher Geschmack ein plötzliches Sicherheitsgefühl: Es war verblüffend, wie viele Menschen plötzlich Laufschuhe trugen, zumal es sich dabei oft um Menschen handelte, die seit zehn Jahren keine Sneaker mehr gekauft hatten, und zumal die Running-Schuhe für den täglichen Gebrauch logischerweise völlig überambitioniert wirken, eine Art SUV des Bordsteins. Neben Modellen von Puma und New Balance, und den Klassikern von Asics ersetzten Neuauflagen des Nike Free, des Barfuß-Schuhs, und des Nike Lunarglide die Krepp-Sohle des Clark Desert Boots als fußumschließendes Massenornament der Kulturklugscheißer und wollte so endgültig den Preppyismus in sein Modegrab zwängen. Viele Künstler aus dem Umfeld einer neuen Generation der Internet-Art entwickelten aus diesen Schuhen Kunstwerke. Während der Eröffnung der diesjährigen Berliner Leistungsschau “Based in Berlin“ trugen sie noch selbst hochaufgerüstete Laufschuhe, doch sprachen bereits leise davon, dass das eigentlich nicht mehr ginge. Unter ihrer Hand wurden Witch-House-Hipsterism, Global-Shanzai, runtergepitchter Rap und Jutebeutel-Moves zur zeitgenössischsten Ästhetik transformiert. Sie durchstreifen Web-Oberflächen und übersetzen sie in die aktuellen Bilder des Lebens im Internet-Zeitalter. Und so schnell wie sie darin sind, werden die Schuhe wohl erst 2012 in voller Blüte stehen.</p>
<p>Genannte Laufschuhe mit anatomischem Design betonen gerade das Fehlen unnötiger Technologie. Sie sagen: Schuhe sind High-Tech-Produkte, in denen heute in ihrer schönsten Form die Anwesenheit von Technologie gerade deren Abwesenheit simulieren soll. Technik ist immer da und am schönsten ist sie, wenn sie sich in der Selbstverständlichkeit versteckt. Die Mode wird dabei endlich zum Zeichen ihrer Zeit, statt sich auf eine zukünftige zu beziehen. Jedoch: Wer tagsüber in utopischen Schuhen auf der harten Straße unterwegs ist, wickelt sich am Abend doch wieder in die warme Pendleton-Decke. Das uramerikanische Symbol in Indianerdeko ist der perfekte Begleiter der geflochtenen Hanf-Sohlen à la Espadrilles, die im nächsten Jahr bei Pointer, Keds, Camper und vielen anderen unter die Schuhe kommen. Nach High-Tech also doch wieder die geknüpfte Pflanzenfaser? Das darf man natürlich selbst entscheiden. Aber niemals war es wichtiger, mit welcher Sohle du unterwegs bist.   </p>
<p><strong>Berliner Sachlichkeit<br />
</strong>“Die deutsche Mode hat ihren Ursprung in Berlin.“ Das ist der erste Satz in dem opulenten Bildband und Reader “German Fashion Design (1946-2012)“, erschienen im Distanz Verlag. Nach fünf Jahren Berlin Fashion Week hat es die Hauptstadt nun endlich geschafft Restdeutschland davon zu überzeugen, dass die Mode nur hier auch wieder zu sich selbst kommen kann. Und um das zu zelebrieren, hat Berlin plötzlich, nach langen Jahren des diffusen Suchens, auch wieder einen Stil. Eine junge Designgeneration aus Michael Sontag, Perret Schaad, Sissi Goetze und Hien Le besticht durch Schlichtheit und Glätte, weiß und rein. Statt Nachtleben und Rock‘n‘Roll setzen sie auf Bodenhaftung und Wachheit und geben Berlin nach den Elektroclashern mit verdrucktem Silkscreenshirt, 80er-Optik und asymmetrischen Haaren zum ersten Mal seit der Vorreiterrolle Anfang der 2000er ein nachvollziehbares Gesicht. Patin ist nicht mehr Penis-Peaches, sondern die strenge Eleganz der Jil Sander aus Hamburg. In der artigen, gewissenhaften neuen Berliner Schule lassen sich durchaus restaurative Züge ausmachen. “Die neue Bewegung glimmt leise in einer protestantischen Biedermeierlichkeit, die dem punkigen Pöbeln des Nu-Rave-Berlins die Flausen austreibt“, wusste Jan Joswig, der Mode-Papst des Underground, schnellstens zu reagieren.</p>
<p>Auch in der Praxis gibt es andere Positionen: Der Designer-Liebling Vladimir Karaleev wirkt mit seinen ungesäumten Enden und fragilen Drapierungen neben den Neusachlichern wie ein Melancholiker, der den Zweifel und das Unbehagen so poetisch wie kaum einer ins Kleid setzt. Und so ungern wir immer nur über Berlin reden wollen, man muss es auch mal endgültig und unumwunden sagen: In Deutschland ist einfach nur hier was los. Das ist schrecklich genug. Verblüffendes zum Schluss: “Keine andere Musikströmung hat die Mode in Deutschland so verändert wie Techno.“ Das schreibt Cathy Boom, die langjährige Chefin des Berliner Stil-Magazins Style and the Family Tunes, das dieses Jahr leider eingestellt werden musste, in das oben genannte Buch. Den Nachweis dafür lieferte sie im Text indes nicht. Aber das wird mit Sicherheit 2012 in der Wirklichkeit auf uns zukommen.</p>
<h4>Aus dem Special in De:Bug 158: <a href="http://de-bug.de/mag/tag/Fazit2011"><b>FAZIT 2011</b></a></h4>


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