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	<title>Brainport</title>
	
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		<title>Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 20:25:01 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kapuscinski]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wir leben immer weniger in der Gesellschaft und zunehmend in der Wirschaft.
*
Wenn der Mensch im Totalitarismus lebt, nimmt er diesen in sich auf. Die vergiftenden und deformierenden Substanzen, die er in sich aufnimmt, können viel länger überdauern als das System selber. Sie nähren sich von unserem Blut und können genau so lange leben wie wir.
*
Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Wir leben immer weniger in der Gesellschaft und zunehmend in der Wirschaft.</p>
<p>*</p>
<p>Wenn der Mensch im Totalitarismus lebt, nimmt er diesen in sich auf. Die vergiftenden und deformierenden Substanzen, die er in sich aufnimmt, können viel länger überdauern als das System selber. Sie nähren sich von unserem Blut und können genau so lange leben wie wir.</p>
<p>*</p>
<p>Die Zersplitterung und Privatisierung der Ängste in der modernen Welt. Anstelle der großen, kollektiven, massenhaften, gemeinsam erlebten Ängste vor großen Kriegen oder Epidemien treten heute verbreitet zersplitterte, verinnerlichte, private Ängste &#8211; die Angst, in einer dunklen Straße überfallen zu werden, in einem Haustor, einem Zug, die Arbeit zu verlieren, entführt zu werden, die Angst vor Krebs, vor Depressionen usw.</p>
<p>*</p>
<p>Nein, wir leben in keinem globalen Dorf, sondern eher in einer globalen Metropole, auf einem globalen Bahnhof, durch den die &#8220;einsame Masse&#8221; von David Riesman strömt, eine Masse von gleichgültig, eilig und übel gelaunt aneinander vorbeihastenden Menschen, die einander nicht kennenlernen, nicht näherkommen wollen. In Wahrheit verhält es sich eher so: Je mehr Elektronik, desto weniger menschliche Kontakte gibt es.&#8221;</p>
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		<title>Einsam</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 20:12:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8220;A.B.:
Ich bin nie einsam, wenn ich allein bin. Die wirkliche Einsamkeit spüre ich erst unter Menschen. Einsamkeit ist die Unmöglichkeit, zu anderen zu gelangen, sich mit ihnen zu vereinen.&#8221;
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;A.B.:<br />
Ich bin nie einsam, wenn ich allein bin. Die wirkliche Einsamkeit spüre ich erst unter Menschen. Einsamkeit ist die Unmöglichkeit, zu anderen zu gelangen, sich mit ihnen zu vereinen.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Gespenster</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Dec 2009 23:37:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich sehe Gespenster. Sie blicken mich an, verzaubern mich. Ich blicke zurück, begreife nicht. Nur Lug und Trug bringt mit sicher der Spuk. Ich Idiot, was denk ich bei mir? Eigener Wahn, die selbige Gier. Lass gut sein Junge. Zieh ab! Lass doch endlich &#8211; sein.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sehe Gespenster. Sie blicken mich an, verzaubern mich. Ich blicke zurück, begreife nicht. Nur Lug und Trug bringt mit sicher der Spuk. Ich Idiot, was denk ich bei mir? Eigener Wahn, die selbige Gier. Lass gut sein Junge. Zieh ab! Lass doch endlich &#8211; sein.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://samuel.lissnerweb.de/wp-content/uploads/2009/12/83816.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-78" style="margin-top: 8px;" title="fantôme" src="http://samuel.lissnerweb.de/wp-content/uploads/2009/12/83816.jpg" alt="" width="77" height="100" /></a></p>
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		<title>Die totalitäre Arbeitsgesellschaft, ihre hysterische Elite und die Freiheit als alternative Lebensform</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Dec 2009 19:30:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Brett vorm Kopf
Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat nach ihren eigenen Worten in den letzten Jahren gelernt, die „richtigen Fragen zu stellen“. Nämlich: „Wo ist dein Problem, dass du nicht arbeitest?“[1] So verkündete schon Paulus in diesem Sinne „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Was es mit der ursprünglichen bzw. theologischen Intention dieses [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Brett vorm Kopf</h3>
<p>Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat nach ihren eigenen Worten in den letzten Jahren gelernt, die „richtigen Fragen zu stellen“. Nämlich: „Wo ist dein Problem, dass du nicht arbeitest?“<a href="#_ftnref1">[1]</a> So verkündete schon Paulus in diesem Sinne „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Was es mit der ursprünglichen bzw. theologischen Intention dieses Zitats auf sich hat, ist hier nicht von Belang. Entscheidend ist, dass namhafte Politiker (und in der Regel Gegner eines Bedingungslosen Grundeinkommens), wie z. B. Franz Müntefering, sich dieser Paulus‘ Formulierung bedienen, um ihre Vorstellung von Arbeit als soziale Verpflichtung zu untermauern.<span id="more-68"></span>Im Hintergrund steht dabei ein totalitärer Arbeitsbegriff. Zu „arbeiten“ ist demnach die normierte Pflicht eines jeden Staatsbürgers. Aus dieser Wertidee sind die rot-grünen Hartz-Gesetze erwachsen. Einige Merkmale sind z.B. der Zwang jede Form von Job annehmen zu müssen, um Sanktionen zu vermeiden. Obgleich dem arbeitenden Sozialhilfeempfänger ein Großteil seines so erwirtschafteten Einkommens wieder abgezogen wird, sodass Leistung nicht belohnt, sondern – im Gegenteil – wiederum sanktioniert wird.</p>
<p>Die CDU/CSU propagierte noch 2003 die Losung „Für Wachstum – Sozial ist, was Arbeit schafft“.<a href="#_ftnref2">[2]</a> Dass aber Arbeit alles andere als sozial sein kann, erfahren viele Menschen täglich am eigenen Leib. Nahezu alle Parteien weigern sich dennoch, ihre Vorstellung von Arbeit an anderen, realitätsbezogenen Werten auszurichten. Dabei wäre ein Paradigmenwechsel im Arbeitsdiskurs unvermeidlich.  Das anachronistische CDU/CSU Getöse könnte man dabei in „Sozial ist, was gute Lebensbedingungen für die Menschen schafft“ umformulieren. Der Fokus würde sich von der Arbeit auf das Leben verschieben. Und das sollte doch im Mittelpunkt stehen, solange man es noch hat. Denn zu arbeiten, während wir leben, machen wir zu genüge. Zu leben aber, wenn wir tot sind, das wird uns nicht gelingen.</p>
<p>Wenn nun Frau von der Leyen derartige Fragen stellt, muss man dagegen halten: Nein, sie haben keineswegs gelernt, die richtigen Fragen zu stellen! Sie denken immer noch in den alten, verkrusteten Kategorien der Leistungs-, Wettbewerbs-, Verwertungs-, Zwangs- und Dranggesellschaft, die heute das soziale und politische Leben in Deutschland bestimmen. Ganz zu schweigen davon, dass – was ja eigentlich nur begrüßenswert ist – der Bedarf an menschlich-mechanischer Arbeitskraft zurückgeht. Zu verlangen, dass jeder arbeiten muss, während es vermutlich nie wieder genug Arbeitsplätze für alle geben wird, ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch schlicht und ergreifend eine offenkundige Dummheit.</p>
<h3>Es wird nur noch in die Hände gespuckt</h3>
<p>Dabei ist dieses Umdenken nicht allein auf Arbeit oder Wirtschaft zu begrenzen, und es kommt auch nicht von ungefähr. Vergleichbare Ideen von Zwang oder, euphemistisch ausgedrückt, von Verpflichtung durchdringen auch andere Bereiche des Lebens, insbesondere den Bildungsbereich. Im Zusammenhang mit den begrüßenswerten Protesten der Studenten lässt sich das ablesen. Dabei ist oftmals die Kritik von der Ökonomisierung der Bildung, was von der Kultusministerkonferenz stets als Nonsens zurückgewiesen wurde. In Anlehnung an diese Kritik soll hier ein Zusammenhang zwischen den Begriffen des Wettbewerbs und der Elite hergestellt werden.</p>
<p>Es scheint, als ob Wettbewerb nicht gleich Wettbewerb sei. Man kann vielleicht zwischen einem akademischen und einem ökonomischen Wettbewerb unterscheiden. Der erstere hat Forschung und Bildung zum Ziel. Dabei zählt im Ideal das bessere Argument. Er ist kooperativ, konstruktiv und erkenntnisgewinnend. Hingegen hat der ökonomische Wettbewerb die Verdrängung des Konkurrenten zum Ziel, d.h. die Reduktion und Verdünnung anderer zu Gunsten weniger.</p>
<p>Gegen eine wissenschaftliche Auseinandersetzung im ersteren Sinne kann also kein Protestierer/keine Protestiererin etwas haben. Im Gegenteil, man möchte sich diese Form des Diskurses erhalten. Man erwehrt sich weniger einer Wettbewerbsidee im Allgemeinen, denn einer speziell ökonomischen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist die Angst vor der bedingungslosen Ökonomisierung der Bildung berechtigt, welche die Zwangsformen der bedingungslosen Ökonomisierung der Arbeit (diese Begriffskonstellationen erscheint schon fast als Identität, ist aber gerade nicht gleichzusetzen) als Damoklesschwert über sich schweben sieht.</p>
<p>So verwundert es nicht, dass ein Teil der gesellschaftlichen Elite in Deutschland sich nicht mehr auf traditionellen, staatsmännischen und Bildungsidealen (z. B. Platons Ideal: Philosophen als Herrscher) zu konstituieren scheint (wer weiß, ob sie das jemals getan haben?!), sondern vermehrt auf ökonomischen, ggf. auch plutokratischen. Dies erklärt vermutlich auch die Dichotomie zwischen Unterstützung und Ablehnung der Proteste, die unter den Studenten herrscht.</p>
<p>Der Schlüssel zum Erfolg, zum sozialen Aufstieg und insbesondere zum Erhalt der sozialen Stellung ist bekanntlich die Bildung. Aber anstatt auf die begrüßenswerte, öffentliche Bildungstradition in Deutschland zu schauen und daran zu arbeiten, dass gesamtgesellschaftlich eine optimale Förderung der Kinder dieses Landes gewährleistet wird, ist dagegen eine Zunahme der Privatschulen festzustellen. Gute Bildung hängt so vermehrt vom Geldbeutel der Eltern ab. Mit fairem „Wettbewerb“ (Chancengleichheit) hat das noch weniger zu tun.</p>
<p>Die Dokumentation „Von Anfang an Elite“ (Phoenix, 2008)<a href="#_ftnref3">[3]</a> zeigt, wie bildungshysterische Eltern viel Geld in Privatschulen stecken, um ihren Kindern den Weg in den Kreis der Auserwählten zu ebnen. Besonders aussagekräftig ist, dass erst dreijährige bereits in die hohe Kunst des Verkaufens eingeführt werden.</p>
<p>Es soll also die These festgehalten werden: Dadurch, dass sich die Elite auf einem ökonomischen Wettbewerbsprinzip konstituiert, überträgt sie dieses kraft der ihnen unterstehenden staatlichen Institutionen in nahezu allen Einflusssphären ihrer politischen Macht. Frau von der Leyens Äußerungen sind vor diesem Hintergrund sehr gut nachzuvollziehen: Sie hat es ja nie anders gekannt.</p>
<h3>Die pure Lust am Leben</h3>
<p>Die selbsternannte „Freiheitsstatue“ von Deutschland, Guido Westerwelle, wirkt darüber hinaus geradezu als Karikatur der Freiheit. Insbesondere die konservativ-(anti)liberalen Kräfte sind nicht an Freiheit interessiert, sondern an der Wahrung ihrer elitären Stellung. Aus dieser Warte heraus üben sie Einfluss aus und versuchen mir als Mensch dieser Gesellschaft ihre Vorstellungen vom Leben aufzuerlegen. Das Ergebnis ist ein Klima des Drangs, des Zwangs und der Unfreiheit.</p>
<p>Um es klar zu sagen: es spricht nichts dagegen zu arbeiten, solange denn die Arbeit sinnstiftend und human gestaltet ist. Arbeiten kann durchaus angenehm, kreativ und schön sein. Aber es scheint sich das Gegenteil zuzuspitzen. Rastlosigkeit, Leistungsdenken, Abstiegsängste und eine Kultur der vorgegaukelten Makellosigkeit machen sich breit, was meinem übergeordneten Wert eines humanen Lebens entgegensteht. Ich selbst kann nicht von mir behaupten, mich besonders gut von diesem Druck freizumachen. Daher komme ich zum Schluss zu der Frage: Wie sich von diesem ganzen Scheiß emanzipieren?</p>
<p>Sowas kann dann schon mal helfen, sich die Freiheit zurückzuerobern…</p>
<p><center><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="265" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/dqE9h1-zxdk&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="265" src="http://www.youtube.com/v/dqE9h1-zxdk&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0" allowfullscreen="true"></embed></object></center></p>
<p align="center">Verseucht mir meinen Garten mit Schwefeldioxyd<br />
vernebelt mir die sinne<br />
bis man nichts mehr sieht<br />
baut mir durch die Küche noch &#8216;ne Autobahn<br />
schneidet mir die Haare<br />
und zieht mir doch den Zahn.<br />
Und wenn es wirklich nötig ist<br />
dann will ich nicht so sein<br />
dann lagert noch Plutonium in meinem Keller ein.</p>
<p align="center">Aber eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner nehmen<br />
und das ist die pure Lust am Leben.<br />
Aber eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner nehmen<br />
und das ist die pure Lust am Leben.</p>
<p align="center">Schlachtet meine Katze zum Wohl der Medizin<br />
bringt mich auf die Palme<br />
verpaßt mir Ephedrin<br />
zieht euch meine Oma zu Spitzeldiensten ran<br />
foltert mich mit Wissenschaft<br />
bis ich nicht mehr kann.<br />
Geht&#8217;s mir dann ganz schmutzig<br />
stampft mich kräftig ein -<br />
zum Segen der Nation muß das wohl so sein.</p>
<p align="center">Aber eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner nehmen<br />
und das ist die pure Lust am Leben.<br />
Eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner<br />
eins kann mir keiner nehmen<br />
und das ist die pure Lust am Leben.</p>
<p align="center"><em>„Pure Lust Am Leben“</em> &#8211; Geier Sturzflug<a href="#_ftnref4">[4]</a></p>
<hr size="1" />
<a href="#_ftnref1" id="_ftnref1">[1]</a> Süddeutsche Zeitung (12./13. Dezember 2009): Die Arbeitswelt wird älter, weiblicher, bunter, innovativer. Sozialministerium Ursula von der Leyen über die Berufe der Zukunft, den Sinn von Mindestlöhnen und den Nutzen der staatlichen Rentengarantie.</p>
<p><a href="#_ftnref2" id="_ftnref2">[2]</a> http://www.cdu.de/tagesthema/beschluss_strukturreformen.pdf</p>
<p><a href="#_ftnref3" id="_ftnref3">[3]</a> http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/dokumentationen/von_anfang_an_elite/193903?datum=2009-12-13</p>
<p><a href="#_ftnref4" id="_ftnref4">[4]</a> http://www.geiersturzflug.de</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Österreichische KommilitonInnen rufen zu Streiks auf</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 20:49:49 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Kurz gemeldet: Nachdem sich in Österreich die Streiks zu ungekannter Größe ausdehnen, werden wir europäische und deutsche KommilitonInnen aufgerufen uns zu beteiligen und zu solidarisieren. Hier ein offener Brief!
Heute wurde bereits die Akademie der bildenden Künste in München besetzt. Auf Twitter laufen die Kanäle heiß! Also einklinken und teilnehmen!
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz gemeldet: Nachdem sich in Österreich die Streiks zu ungekannter Größe ausdehnen, werden wir europäische und deutsche KommilitonInnen aufgerufen uns zu beteiligen und zu solidarisieren. <a title="Offener Brief des Plenums des besetzten Audimax" href="http://www.bildungsstreik-muenchen.de/bs_muc/offener-brief-des-plenums-des-besetzten-audimax-wien/">Hier ein offener Brief!</a></p>
<p>Heute wurde bereits die Akademie der bildenden Künste in München besetzt. Auf Twitter laufen die Kanäle heiß! Also einklinken und teilnehmen!</p>
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		<title>Von Aussteigern und Alltäglichen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Oct 2009 17:45:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In jüngerer Zeit ist viel Literatur auf den Markt gespült worden, bei der der Typus des gesellschaftlichen Quittierers, des Aussteigers, den Protagonisten stellt. Vom Publikum werden diese Bücher meist mit Freuden aufgenommen. Sie verheißen Abwechslung, Abenteuer und Besonderheit. Das alltägliche Leben verliert an literarischen Stellenwert; sich mit ihm auseinanderzusetzen entspricht nicht mehr unseren Zeiten.

Monatelang führte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In jüngerer Zeit ist viel Literatur auf den Markt gespült worden, bei der der Typus des gesellschaftlichen Quittierers, des Aussteigers, den Protagonisten stellt. Vom Publikum werden diese Bücher meist mit Freuden aufgenommen. Sie verheißen Abwechslung, Abenteuer und Besonderheit. Das alltägliche Leben verliert an literarischen Stellenwert; sich mit ihm auseinanderzusetzen entspricht nicht mehr unseren Zeiten.</p>
<p><span id="more-64"></span></p>
<p>Monatelang führte Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg!“ die Bestsellerlisten an. Sekundiert wurde sein Werk von zahlreichen nachahmenden Bankern, Managern oder Lehrern wie z. B. Rudolf Wötzels „Über die Berge zu mir selbst: Ein Banker steigt aus und wagt ein neues Leben“. Aussteigen ist attraktiv. Es beschäftigt die Menschen und der rege Zuspruch demonstriert das existente Bedürfnis, im eigenen Leben eine Wendung herbeizuführen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass vermehrt die symbolträchtige Figur des aussteigenden Lehrers herhalten muss. Mal literarisch anspruchsvoller (z. B. in Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“), mal seichter, bisweilen trivial (Benedict Wells „Becks letzter Sommer“) werden fiktionale Aussteiger aufgetischt, die das Szenario idealisieren.<br />
Lehrer sind wie fast keine andere Berufsgruppe der mühlradartigen, wiederkehrenden Unwissenheit ihrer Schüler ausgesetzt. Sie müssen, einem Sysiphos gleich, in dem Moment mit ihrer Arbeit von vorne beginnen, als sie abgeschlossen zu sein scheint. Das Ausbrechen aus dem ewigen Zirkel; dafür bietet sich die Lehrerfigur deutlich an. Zumal man dies vom stereotypen Lehrer nicht erwarten würde, gelten sie den Vorurteilen entsprechend doch als eher unflexibles, unmotiviertes und einfältiges Wesen.</p>
<p>In einer Gesellschaft, die überwiegend aus Individualisten besteht, wird es für den Einzelnen  immer schwieriger eine exponierte Stellung einzunehmen. Gleichzeitig ist ein herausgehobener gesellschaftlicher Bekanntheitsgrad mehr und mehr das erkorene Lebensziel der Massen. Bei diesem Widerspruch des persönlichen Wollens und der faktischen Unmöglichkeit zur allumfassenden Berühmtheit aller stellt das Aussteigen aus der Gesellschaft eine attraktive Möglichkeit dar, wie man letztlich doch noch auf sich aufmerksam machen kann. Wenigstens bietet dieses Szenario literarische Gestaltungsmöglichkeiten.</p>
<p>Aber ist alleine soziales Profilierungsbedürfnis die Ursache für den Siegeszug der Aussteiger? Oder sind die Menschen unzufrieden mit dem eigenen Leben, oder weniger dramatisch: Sind sie unzufrieden mit der alltäglichen Lebensweise ihrer Gesellschaft, an der sie teilhaben?</p>
<p>Anders gefragt: Warum schreibt keiner Bücher darüber, was es heißt, ein guter Mensch zu sein?  Was heißt es, wirklich gut im Beruf zu sein? Was heißt es, eine gute Mutter zu sein? Was bedeutet es, sich wirklich zu engagieren, wozu, wofür? Weil die Vorstellung sich über so etwas „Triviales“, „Alltägliches“ zu äußern einen fast schon blamiert. Es würde ja sowieso niemanden interessieren.</p>
<p>Vieles hat vermutlich auch mit einer Erwartungshaltung an das eigenen Leben zu tun. Einfach nur seinen Beruf gut auszuüben, das reicht heute nicht mehr. Einfach eine gute Mutter zu sein oder sich als Mensch zu engagieren, das versprüht nicht den Zauber des Besonderen. Nur die radikale Abkehr ist ein kurzfristiger-finaler Aufschrei gegen die gleichgültige Anteilnahme der Gesellschaft.</p>
<p>Dieses Desinteresse am Alltäglichen geht auf eine (weniger biologisch, sondern geistig) kurzlebige, unbewusste und desorientierte Gesellschaft zurück. Es zeigt sich an der Unfähigkeit bewusst zuzuhören oder sich auszutauschen. Wenn man mit den Menschen redet, dann geht es ihnen allein darum, ihre vorgefasste Meinung zu explizieren, weniger darum sich auf das Wort des Gegenübers einzulassen. Albert Einstein hat das mal treffend formuliert: „Es ist leichter einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.“</p>
<p>„Kurzlebigkeit“ ist das Motto. Menschen arbeiten nicht mehr an Freundschaften, sie knüpfen sich rein utilitaristisch ihre <em>Netzwerke</em>. Familie steht der örtlichen Flexibilität sowieso im Wege.  Bloß nicht für irgendetwas oder irgendwen Partei ergreifen, im nächsten Moment könnte die nomadisierende Wanderkarawane des Mainstreams sich gegen einen wenden. Wer den Dingen einen Wert beimisst, wer verantwortlich sein will für das, was er tut, der ist ein Langweiler.</p>
<p>Ein echter Klassiker, oder modern: ein echter Langweiler, wie Thomas Manns „Buddenbrooks“, zeigt einem zum Beispiel gerade das Gegenteil des Aussteigers. Hier wird in literarisch-minutiöser Kleinstarbeit das alltägliche Leben einer Gesellschaft seziert und dadurch feinfühlig vor die Augen der Leser geführt, was zur Folge hat, dass man sich tatsächlich mit dem Leben und Sterben der Menschen und dieser Familie Buddenbrook auseinandersetzt.</p>
<p>Wann setzen wir uns wieder mit dem Leben und Sterben in unserer Gesellschaft auseinander? Wann hören wir auf in Kurzfristigkeit, Schnelllebigkeit und Netzwerken zu denken? Wann Orientieren wir uns wieder am Menschen an und für sich und nicht an den Ikonen? Wie kann das Alltägliche wieder an Reiz gewinnen?</p>
<p>Und irgendwie liegt es zum Zerreißen in der Luft – denn diese Verhältnisse dauern schon sehr lange an -, dass irgendwann einer oder eine kommen wird, die diese Verhältnisse auf den Kopf stellt, vielleicht ein Buch schreiben wird und damit ein Ventil installiert, das den Menschen wieder Luft zum Atmen und viel wichtiger – die Lust, alltäglich zu leben, schenkt.</p>
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		<title>Eine fast vergessene Verbindung – Bloggende Namibianer melden sich zum Herero Aufstand</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Oct 2009 19:20:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Neue Medien &#8211; ungekannter Austausch in transkontinentalen Fragen
Deutsch, so behauptet es jedenfalls die Wikipedia, ist nicht nur die meistgesprochene Muttersprache in der Europäischen Union. Sie ist auch die Sprache, die mit 8% Anteil an allen Seiten am zweithäufigsten im World Wide Web anzutreffen ist. Doch nicht allein aus Europa melden sich deutschsprachige zu Wort. Über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignleft" style="width: 222px"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache_in_Namibia"><img title="Beispiele deutscher Beschilderungen im namibischen Alltag. (Quelle Wikipedia)" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c9/NamibiaDeutscheSprache.jpg" alt="Beispiele deutscher Beschilderungen im namibischen Alltag." width="212" height="140" /></a><p class="wp-caption-text">Beispiele deutscher Beschilderungen im namibischen Alltag.</p></div>
<h3>Neue Medien &#8211; ungekannter Austausch in transkontinentalen Fragen</h3>
<p>Deutsch, so behauptet es jedenfalls die Wikipedia, ist nicht nur die meistgesprochene Muttersprache in der Europäischen Union. Sie ist auch die Sprache, die mit 8% Anteil an allen Seiten am zweithäufigsten im World Wide Web anzutreffen ist. Doch nicht allein aus Europa melden sich deutschsprachige zu Wort. Über Blogs, Twitter und Facebook machen Menschen auf sich aufmerksam, die von vielen in Deutschland schon vergessen zu sein scheinen: Darunter sind auch Blogger aus Namibia, was bis zum Ende des ersten Weltkrieges 1918 deutsche Kolonie war.</p>
<p>Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten sind eine Chance, den Kontakt zu Menschen aufzunehmen, die weder in Schulbüchern, noch im öffentlichen Diskurs in Deutschland eine Rolle spielen. Eine immer dünner werdende historische Verbindung zwischen zwei fast fremden Welten könnte so neue Aufmerksamkeit erlangen. Mehr noch eröffnen sich den deutschsprachigen Namibianern Kanäle, zu wichtigen Themen der deutschen Kolonialgeschichte Stellung zu nehmen und vielleicht auch Einfluss auf die deutsche Öffentlichkeit auszuüben. Dabei ist das  brisanteste Thema zweifellos noch immer der Aufstand der Herero und Nama gegen die deutsche Fremdherrschaft. Was dabei zu Tage kommt, ist mehr als erstaunlich und soll hier einmal untersucht werden.</p>
<p><span id="more-20"></span></p>
<h3>Was wissen wir vom Genozid an den Herero?</h3>
<p>Bereits der Einstieg des Wikipedia-Artikels setzt alle Zeichen (auch wenn mir bewusst ist, dass man die Wikipedia möglichst vermeiden sollte, so ist sie doch auch ein Spiegel der gängigen, konventionellen Meinungen):</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Als <strong>Aufstand der Herero und Nama</strong> bezeichnet man den Kolonialkrieg zwischen den deutschen Truppen und den Völkern der <a title="Herero" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herero">Herero</a> und <a title="Nama (Volk)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nama_%28Volk%29">Nama</a> in <a title="Deutsch-Südwestafrika" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-S%C3%BCdwestafrika">Deutsch-Südwestafrika</a> (dem heutigen <a title="Namibia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Namibia">Namibia</a>) während der Jahre 1904 bis 1908, die nach der Niederschlagung des eigentlichen Aufstandes in einen Völkermord durch die deutsche Kolonialmacht mündete.&#8221; (<a title="Aufstand der Herero und Nama" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama" target="_blank">Quelle</a>)</p>
<p>Explizit wird von einem Völkermord gesprochen. Es folgt ein <a title="Wikipedia Artikel zum &quot;Aufstand der Herero und Nama&quot;" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama">Artikel</a> der für wikipedianische Verhältnisse ausgesprochen formal recherchiert zu sein scheint (Foßnoten, Belege, zahlreiche Literaturangabe). Man liest von einer Schlacht am Waterberg und einem Sieg eines Lothar von Trotha, der die Herero zum Rückzug in die Wüste Omaheke zwang: &#8220;Diese riegelte von Trotha anschließend ab und wies Major <a title="Ludwig von Estorff" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_von_Estorff">Ludwig von Estorff</a> mit seinen Truppen an, den Flüchtenden nachzusetzen und sie „[…] immer wieder von event. dort gefundenen Wasserstellen zu verjagen […]“</p>
<p>Weiter heisst es: &#8220;Dieser Taktik rühmte sich noch 1907 der Generalstab in seinem Bericht: „.. wie ein halb zu Tode gehetztes Wild war er von Wasserstelle zu Wasserstelle gescheucht, bis er schließlich willenlos ein Opfer der Natur des eigenen Landes wurde. Die wasserlose Omaheke sollte vollenden, was die deutschen Waffen begonnen hatten: Die Vernichtung des Hererovolkes.“&#8221;</p>
<h3>Namibianische Blogger: Sterben ja, Genozid nein</h3>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 221px"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama"><img title="Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0f/Surviving_Herero.jpg" alt="Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste" width="211" height="138" /></a><p class="wp-caption-text">Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste</p></div>
<p>Ähnlich wie bei der Türkei-Armenien-Frage scheint auch in dieser Auseinandersetzung die zentrale Streitfrage, von höchstem symbolischen Rang,  zu sein: <strong>Sind die historischen Ereignisse zutreffend als Völkermord, als Genozid zu bezeichnen? </strong>Das bezweifeln jedenfalls die eingangs erwähnten Blogger aus Namibia.</p>
<p>In dem Beitrag des Blogs <em>i-Namibia</em> &#8220;<a title="Permanent Link to Herero-Genozid: Die wahren Revisionisten und ewig-gestrige Sozialisten" rel="bookmark" href="http://www.i-namibia.de/1-namibia/genozid/herero-genozid-die-wahren-revisionisten-und-ewig-gestrige-sozialisten/">Herero-Genozid: Die wahren Revisionisten und ewig-gestrige Sozialisten</a>&#8220;  berichtet der Autor u. a. von einer umstrittenen Historikern Namens Brigitte Lau. Sie vertritt die Gegenposition und bezeichnet die Ereignisse ausdrücklich nicht als Genozid:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Diesen unglückseligen Versuch, eine verwirrte, beziehungslose und teure militärische Situation zu rechtfertigen, als bare Münze zu nehmen – wie es auch viele zeitgenössische Kolonialschriftsteller taten, wahrscheinlich vom Drang beseelt, als Kriegshelden zu erscheinen – ist geschichtlicher Unsinn; und einen “Genozid” daraus zu machen ein um so größerer.&#8221;</p>
<p>Gemeint ist hier, dass die Herero keineswegs unterlegene und primitiv kämpfende &#8220;Eingeborene&#8221; gewesen seien, sondern dass ihre &#8220;Leistung&#8221; viel mehr anzuerkennen sei: &#8220;Denn die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama">Herero gingen zu Kriegsbeginn professionell und überlegt vor</a>. Dem Aufstand waren durchdachte strategische Planungen vorausgegangen.&#8221; Auch entspräche es nicht der Würde der Herero, als &#8220;Opferlämmer&#8221; dargestellt zu werden.</p>
<p>Und weiter heisst es:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Solch einen, wenn auch fürchterlichen und sinnlosen Krieg in Nachhinein als Genozid zu bezeichnen, in welchem angeblich deutsche Übermenschen die wehrlosen Eingeborenen ohne deren leisester Vorahnung besinnungs- und erbarmungslos niedergemetzelt haben sollen – das verhöhnt die Opfer der Herero!&#8221;</p>
<p>Um sich dem Eindruck des Revisionismus und Rassismus zu erwehren stellt der Autor unmittelbar klar, sie seien weder Kaisertreue, noch Nazis und auch die deutsche Kolonialschuld wolle man nicht bagatellisieren. Der Namibianer sieht aber in marxistisch-inspirierten &#8220;gescheiterten Theoriekonstrukte[n]&#8221; (speziell von Historiker Drechsler) eine Gefahr für die deutsch-namibianische Aussöhnung. Schließlich wird der Forderung nach einer unabhängigen Historikerkomission zur Untersuchung der Geschehnisse Nachdruck verliehen.</p>
<h3>Gegen das Unwissen: Für eine breite Auseinandersetzung in der deutschen Gesellschaft</h3>
<p>Als ich Weihnachten des letzen Jahres das <em>Genocide Memorial</em> in Kigali, Ruanda besucht habe, wurden die Deutschen gleich zweimal ins Bild gerückt: Zum einen der Ermordung der Juden wegen, zum anderen wegen des so wörtl. &#8220;Genozid&#8221; an den Herero. Die Ruander scheinen sich in dieser Frage der konventionellen Sicht anzuschließen. Denn man muss eines klar kritisieren, was die namibianischen Blogger scheinbar nicht wahr haben wollen:</p>
<p>Hätte es die von Trothas und von Lettow-Vorbecks (deutscher General in Tansania) samt ihrer &#8220;Schutztruppen&#8221; nicht gegeben, hätte es diese sinnlose und menschenverachtende Politik nicht gegeben, dann hätte es auch keinen Exodus der Herero gegeben, kein Massensterben in der Wüste und keine Aufstände der Maji Maji in Tansania, woran sich das deutsche Volk einmal mehr die Finger blutig gemacht hat. Zu behaupten, die Herero wären würdevolle Kämpfer gewesen, die sich tapfer gegen die Deutschen gewehrt haben und man ihnen dafür Respekt zollen müsse, wirkt vor diesem Hintergrund mehr als zynisch.</p>
<p>Um auf die gestellte Frage (&#8220;Was wissen wir vom Genozid an den Herero?&#8221;) zu reagieren&#8230; Es hilft kein langes Drumherumgerede: Wir wissen fast nichts. Im öffentlichen Bewusstsein ist die Kolonialvergangenheit praktisch verdrängt. Die wenigsten wissen wohl, dass es überhaupt deutsche Kolonien gegeben hat.</p>
<p>Vor ein paar Jahren las ich allein in der <a title="die tageszeitung" href="http://www.taz.de/" target="_blank">tageszeitung</a> etwas zum Gedenken des 100 jährigen Jahrestages der Aufstände. Damals war ich sehr betroffen von dem Artikel und ich frage mich bis heute, warum weder die deutsche Kolonialgeschichte, noch überhaupt das Thema Imperialismus, Kolonialismus nicht ein einziges mal während meiner Gymnasialzeit auf der Tagesordnung stand.</p>
<p>Nicht nur sollte man deshalb den Namibianern darin recht geben, eine unabhängige Historikerkomission einzuberufen. Vielmehr muss die Thematik und die Verantwortung gegenüber der Geschichte in die Öffentlichkeit gebracht werden.</p>
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		<title>Vom Menschen und Niedrigleister</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 22:03:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In stillen Momenten, Fragen über Fragen. Wo geht die Reise hin? Oder woher kommt das alles? Was ist überhaupt die Welt, das Leben, der Mensch? Warum und woher diese Komplexität? Warum diese Komplexität? Wer oder was gibt Antwort? Wie kriege ich die Antwort?
Allein die Menschen scheinen sich mit ihr, dieser ihrer Welt, arrangiert zu haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In stillen Momenten, Fragen über Fragen. Wo geht die Reise hin? Oder woher kommt das alles? Was ist überhaupt die Welt, das Leben, der Mensch? Warum und woher diese Komplexität? <em>Warum</em> diese Komplexität? Wer oder was gibt Antwort? Wie kriege ich die Antwort?</p>
<p>Allein die Menschen scheinen sich mit ihr, dieser ihrer Welt, arrangiert zu haben. Sie wissen zu viel, aber irgendwie auch nichts. An allem herrscht Überfluss: Autos, Computer, Geräte, Essen. Mangel und Nicht-Sein, was ist das? Das gibt es nicht mehr. Die Mächtigkeit der Überfülle macht das Denken träge. Die Hektik in den Straßen und Büros gönnen ihm keine Ruhe. Die Geschwindigkeit der Entwicklung setzt ihm zu.<span id="more-15"></span></p>
<p>Emanzipiert von den Schatten der dunklen Vergangenheit rast er nun befreit dahin auf dem Highway des Lebens. Im kapitalistischen Großzirkus vollführt er tagtäglich neue Kunststückchen auf Kosten irgendwelcher anderer. Und die „Denke“ folgt diesem Kreislauf. Dort, wo man einst die Systemkritiker fand, da findet man sie nicht mehr. Die „Kritiker“ sind Teil des Systems.</p>
<p>Von ihnen wird man täglich mit Informationen überhäuft, überschüttet. Tag für Tag mahlen die Mühlen des <em>news cycle</em> unerbitterlich und speien einem Höllenhund gleich die nächsten Säue aus, die durchs Dorf getrieben werden. Denn im Makrokosmos der Informationen versickert das eigentlich Wichtige doch recht leicht. Man könnte meinen, wir seien die best-informierten überhaupt, ein regelrechter „homo informaticus“.</p>
<p>Doch Vorsicht! „The more you watch the less you know.” Es ist nicht so, dass man dadurch mehr versteht, dass man besser informiert ist. Das großflächige Bombardement und die Schnelllebigkeit höhlen das Denken aus. Die Presse ist dem “Druck der Herausgeber nach Aktualität.”, einem „Moloch“, ausgesetzt.</p>
<p>Es herrscht der „Kult der Neuheit“. Sie, die „Neuheit verdrängt heute die Qualität. Es wird nicht gefragt: Ist das gut? sondern: ist das neu?“ Auch bei den Büchern zeigt sich dies: „Es werden keine Bücher mehr geschrieben. Jeder versucht, einen Bestseller zu schreiben.“ Was mal Denken war, hat man mal im Fernsehen gesehen. Wie man zur Meinung kommt, liest man im Ratgeber. Was forschen heißt, googelt man schnell. Was Menschlichkeit ausmacht? Das vergisst man eben.</p>
<p>Innehalten, Hinterfragen, Reflektieren; alle diese Tugenden sind nur dann zu fördern, wenn Ruhe, Zeit und Entfaltungsraum gegeben sind. Stattdessen: Turbo-Abitur, Turbo-Bachelor, Turbo-Druck. Wie soll jemand auf die Fragen Antworten finden, wenn alle ungebremst unter Spannung stehen?</p>
<p>Ja, es ist zum seufzen. Manchmal, da wünschte man sich in irgendein Idyll zurück. Entschleunigung, Orientierung und Harmonie mit der Umwelt sind die unverhofften Sehnsüchte. In der Außenwelt ist davon aber wenig zu finden. Stattdessen Arbeit, Leistung und Wachstum.</p>
<p>Und da sind wir nochmal bei den Fragen der Fragen. Warum weiter wachsen? Ewig mehr produzieren, noch effizienter, noch lukrativer? Aber für wen und warum? Wofür das alles, wo geht das hin? Wie kam es dazu?</p>
<p>Eigentlich heißt es doch, wir seien moderne Menschen. Aufgeklärte Wesen seien wir. Kraft unserer Vernunft befreiten wir uns von den Fesseln unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Viele haben Götter, Mythen und Heroen hinter sich gelassen.</p>
<p>Wir haben die Natur bezähmt, ihre gnadenlosen Tücken und Grausamkeiten erkannt, Wissenschaft und Technik sei es gedankt. Doch mehr und mehr scheint es, dass unsere eigene, die menschliche Natur, nicht länger ausgespart wird von der Bezähmung. Wird treten in die nächste Stufe ein: Von Natur aus Mensch sein, das war einmal. Heute sind wir Niedrigleister.</p>
<p><small>Zitate aus: „Die Welt im Notizbuch“ Kapuściński, R. 2000, Piper, Frankfurt am Main</small></p>
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		<title>Neuer Anlauf</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 19:13:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wie man unschwer erkennen kann, erstrahlt der Blog in neuem Glanze. Leider gab es einen Datenbankabsturz, der alle meine Einträge (Aaahh) zunichte gemacht hat. Ich hoffe, man kann sie wieder herstellen. Ich habe nämlich keine Lust alles noch einmal per Hand einzufügen. Mal sehen.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie man unschwer erkennen kann, erstrahlt der Blog in neuem Glanze. Leider gab es einen Datenbankabsturz, der alle meine Einträge (Aaahh) zunichte gemacht hat. Ich hoffe, man kann sie wieder herstellen. Ich habe nämlich keine Lust alles noch einmal per Hand einzufügen. Mal sehen.</p>
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		<title>Krieg gegen den Error</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 19:23:05 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Anfang September 2009 fordert die Bundeswehr in Afghanistan einen Luftschlag gegen zwei entführte Tanklaster an, bei dem Berichten zufolge 125 Menschen ums Leben gekommen sind. Angeblich haben die Taliban diese entführt und man befürchtete im Vorfeld der Bundestagswahl am 27. September Anschläge auf das deutsche Militär. Allen Dementi der Bundesregierung zum Trotz sind dies erklärbare [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfang September 2009 fordert die Bundeswehr in Afghanistan einen Luftschlag gegen zwei entführte Tanklaster an, bei dem Berichten zufolge 125 Menschen ums Leben gekommen sind. Angeblich haben die Taliban diese entführt und man befürchtete im Vorfeld der Bundestagswahl am 27. September Anschläge auf das deutsche Militär. Allen Dementi der Bundesregierung zum Trotz sind dies erklärbare Konsequenzen eines Kriegszustandes.</p>
<p><span id="more-9"></span></p>
<p>In propagandistischen Wortdrehereien sträubt sich die Regierung dagegen, die Zustände um die Bevölkerung und die deutschen Soldaten in Afghanistan einen &#8220;Krieg&#8221; zu nennen. Es sei kein Krieg, so die Begründung, denn es kämpften &#8220;keine Staaten&#8221; miteinander.</p>
<p>Ob im Sudan, ob in Uganda, ob in Tschetschenien; überall ist die deutsche Regierung und die Presse schnell bei der Hand, diese Zustände als &#8220;Krieg&#8221; zu bezeichnen. Und doch kämpfen dort weniger Staaten gegeneinander, sondern insbesondere Rebellen gegen Regierungen. Im Sudan war dies die südsudanesische Befreiungsarmee (SPLA) oder in Uganda die Lord&#8217;s Resistance Army (LRA), die gegen die Zentralregierungen der Länder in Kriege zogen.</p>
<p>Wenn es um die eigenen Verpflichtungen geht, da fällt es dann nicht mehr so schnell, das K-Wort. Natürlich muss man &#8220;Afghanistan&#8221; als Kriegseinsatz wahrnehmen. Wie in den angeführten Beispielen kämpfen hier die &#8220;Rebellen&#8221; der radikal-islamistischen Taliban (die ehemaligen, gestürzten Machthaber) gegen die Regierung Karsai und ihre protegierenden Verbündeten. Darunter: Die Bundesrepublik Deutschland.</p>
<p>Was sich ereignete, ist ein Kriegsverbrechen der Deutschen, wie sie fast zwangsläufig aus der Logik des Krieges resultieren. Welche Dimension hat dieses Verbrechen?</p>
<p>Nachdem die Taliban zwei Tanklastzüge entführt hatten, befahl Oberst Klein den Angriff. &#8220;Klein hatte befürchtet&#8221;, so die Süddeutsche Zeitung, &#8220;die Taliban-Kämpfer könnten die Tanklastzüge für einen Anschlag gegen das deutsche Feldlager nutzen.&#8221;</p>
<p>Allein auf den bloßen Verdacht des Attentats hin hat der Bundeswehr Kommandeur beim ISAF Hauptquartier Luftunterstützung angefordert. Damit ist bereits klar, dass grundlegende Prinzipien der Rechtstaatlichkeit missachtet wurden, wie es im Krieg leider so häufig vorkommt.</p>
<p>&#8220;Die Würde des Menschen ist unantastbar&#8221; und &#8220;In dubio pro reo&#8221;, im Zweifel für den Angeklagten. Das sind zentrale Prämissen unseres Rechtverständnisses. Im Krieg aber scheint es keine Zeit für rechtstaatliche Prinzipien zu geben. Das Ergebnis sind Verdachtsmoment bedingte Tötungen, wie erlebt. Diese resultieren aus der Todesangst der Soldaten. Das kann man ihnen schwer vorwerfen, denn im Krieg geht es auch um ihr Überleben.</p>
<p>Der Bundeswehreinsatz hat zum Ziel Frieden, Demokratie und Rechtstaatlichkeit nach Afghanistan zu bringen. Durch jede Missachtung dieser Grundwerte rückt dieses Ziel weiter in die Ferne. Können Armeen überhaupt Frieden und Freiheit bringen? Die Bundesregierung entzieht sich jedenfalls mit dem einseitigen Festhalten an der jetzigen (Nicht)Strategie dieser Diskussion. Mehr noch, sie leugnet die wahren Ausmaße des Kampfeinsatzes. Grund Genug um gegen diesen Error vorzugehen!</p>
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