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	<description>Testi, materiali e opere teatrali di Christian Kühne</description>
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		<title>Landgier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[wp_7941508]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 00:46:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[testi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bald steht der Tempel unserer gemeinsamen Erinnerungskultur. Bald werden unsere Vorfahren den Platz bekommen, der ihnen in der Geschichtsschreibung Vorarlbergs gebührt. Das Industriemuseum muss ausstellen, was lebt. Was tot und gewohnt ist, gehört nicht ins Museum. Einzigartiges muss in den Räumlichkeiten hergezeigt werden: Reliquienhaftes. Das Museum soll fabrikartig aus einer breiten Halle bestehen, in der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="testo-singolo-contenitore">
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Bald steht der Tempel unserer gemeinsamen Erinnerungskultur. Bald werden unsere Vorfahren den Platz bekommen, der ihnen in der Geschichtsschreibung Vorarlbergs gebührt.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Das Industriemuseum muss ausstellen, was lebt. Was tot und gewohnt ist, gehört nicht ins Museum. Einzigartiges muss in den Räumlichkeiten hergezeigt werden: Reliquienhaftes.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Das Museum soll fabrikartig aus einer breiten Halle bestehen, in der Maschinen aus allen Jahrzehnten aufgebahrt liegen. Es erzählt die Geschichte einer Revolution: Wasserrad, Turbine, Kolben-Dampfmaschine, Dampfturbine, Gas-, Benzin- und Elektromotoren. Es erzählt die Geschichte des Fortschritts, unsere Geschichte.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Der Betonboden, auf dem die Reliquien liegen, wird mit dem Umriss unseres Landes bebildert: Täler, Flüsse und Grenzen, von denen die Industrialisierung geprägt wurde, werden hier präzise gekennzeichnet. Rot einkreisen soll man Wasserkraftwerke, Schmieden, Hammerschmieden und die erste Eisengießerei in Frastanz 1836 (Walzen, Rohre, Pumpen, Bleiplatten).</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Daneben, kapellenartig, mit Leuchtschriften verziert, die Gründerzeit. Die Wand wird mit Passbildern der alten und neuen Gründer tapeziert, Fäden verbinden diese und jene, je nach Umsatz und Beziehungen und erweitern das Panorama, in dem die Frage nach einer Führungspersönlichkeit gestellt wird: Jung- und Mittelstand, also jeder, der ein Telefon, einen Fernseher oder sonstwelchen Bildschirm besitzt, erlebt durch dystopische Vorstellungen in Filmen, Serien, Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Pornos, Nachrichtenserien, Filmbüchern, Pornozeitschriften usw. den eigenen Niedergang als unausweichlich (Homo homini lupus est). Sie lernen dadurch, den eigenen Niedergang zu prophezeien (Es muss sein) und endlich zu begreifen, dass Hoffnung besteht, dass wir alles dafür tun müssen, damit unsere Gegenwart eines Tages ihren Platz in diesem unserem Museum findet.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Danach ein kurzer Hinweis auf die anfängliche Heimarbeit und die mit dem Aufkommen der Baumwolle verbundene Massenlohnarbeit: Frauen, Männer, Kinder spinnen, weben, sticken sich all die noch so schönen Finger wund. Doch man kann nicht allzuoft betonen, wie viel Gutes ihnen diese Opfergaben brachten.<br />
Die Geschichte der Frau V. aus Lustenau wurde in großen Buchstaben schwarz auf weiß an die Wand gedruckt: 1813 verkaufte sie ihre jüngste Tochter an einen ausländischen Geschäftsmann, um einen eigenen Webstuhl zu erwerben. Daneben die Abbildungen der Bettelhochzeiten und ein Umriss von Lustenau, wo in schlimmen Zeiten mehr als die Hälfte der Einwohner zum Betteln verkommen war. Doch sind auch diese traurigen Erinnerungen vergessen, sobald das vorhandene Menschenpotential, die Arbeitskräfte von den ersten Bleich-, Spinn- und Webereien einverleibt wurden. Die vorhandene Wasserkraft machte den Rest (Gott segne sie), indem sie die mechanischen Maschinen antrieb.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Daraus schließlich die Bilder der Kriegswirtschaft. Die Heimatfront als genialer Antrieb für die Frauenemanzipation, deren liberale Prägung es ermöglicht, die Forderungen nach einer Gleichstellung bis heute auf ein Arbeitsverhältnis zu reduzieren. Hierbei wird darauf hingewiesen, wie heute zwanzigtausend Menschen aus rund einhundert Unternehmen der Elektro- und Metallindustrie, von denen stolz erwartet wird, dass sie Waren im Wert von 4 Milliarden Euro herstellen, also rund zweihundertfünfzigtausend pro Kopf ihrem jeweiligen Betrieb einbringen, ein tiefes Gefühl des Stolzes, der Dazugehörigkeit in sich tragen. Frauen und Männer, abgebildet in ihren Uniformen, lächeln auf die Betrachterin und (oder) den Betrachter herab.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Ein paar Schritte weiter, der Aufschwung der Aufrüstungsindustrie, der Anschluss. Konsequent wurden in dieser Zeit Straßen und Kraftwerke gebaut. Fremdarbeiter und Kriegsgefangene leisteten an dieser Stelle einen beachtlichen Beitrag. Demgegenüber sehen wir den Aufschwung der Bekleidungsindustrie, in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Wehrmacht. Ein, zwei Gemälde aus den damaligen Zeiten ermöglichen uns, die Sichtweisen der damaligen Künstler zu verstehen, den Einfluss von Propaganda abzuschätzen und kritisch zu betrachten.<br />
Diese Etappe unseres Rundgangs wird durch einen Vergleich mit der genialen Vereinbarung eines Künstlerstatus bereichert: Wo damals die Zensur wirkte, agieren heute Versicherungsanstalten und sonstige Kommissionen, um wahre Kunst zu fördern und die Produktion der Kultur und Geisteswissenschaft nach genauen Richtlinien zu vereinbaren. So wie damals, sind Kultur, Industrie und Fortschritt eng miteinander verbunden.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Diese wichtigen Momente der hiesigen Erinnerungskultur werden von den ausgestellten Objekten und Skulpturen allegorisch vorgestellt.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Weiters, die Moderne, das Heute. Die Siebzigerjahre und die bisher wohl feinste Schlaumeierei, Experten und Wissenschafter dazu zu treiben, das industriebasierte Konsumsystem zu kritisieren, in dem wir lebten und leben, um es demselben System (damals) zu ermöglichen, sich als die selbstreflektierende Kritik seiner selbst weiterzuentwickeln und (heute) als deren Produkt zu verkaufen. Das kleine Mädchen mit Zöpfen und bissigen Augen steht hier Seite an Seite mit wohlangezogenen Verfechtern des Fortschritts. Weitere Statistiken und Bilder mit lachenden Menschen zeigen uns, dass hierorts die Industrie GRÜN und BLAU gefärbt, große Rücksicht auf die Umwelt nehmen will.v</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Schließlich der letzte Raum: ein Kopfschütteln, Abwinken, sie war tatsächlich zu krisenanfällig, konnte nach Abschluss des zweiten Weltkrieges jenen Wohlstand nicht mehr sichern, der von den Kraftwerken der Zwischenkriegszeit (aus denen man den bösen Geist der Deutschen, der hirnkranken Nazis geräuchert hatte) vorangetrieben wurde. Die Entscheidung also eine einzige, unverzügliche: der Strukturwandel. Vielmehr als eine Entscheidung wohl ein nicht-mehr-Hinschauen, ein sich-Abwenden und mit den Achseln zucken, weil man ja sowieso nichts daran ändern könnte. Der Fraß steht bereit, die Revolution ist vollbracht!</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Im hintersten Saal steht das Werk eines inländischen Künstlers, von dem man munkelt, er habe an Idiotie gelitten und das Werk in einem halluzinierten Zustand geschaffen. Ein Wäldermensch sagen die einen über ihn, ein Altenstätter die anderen. Auf dem Schild steht einfach Unbekannt. Datiert mit 1985, wurde die Skulptur mit dem Titel ARBEIT MACHT FREI versehen.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Der Besucher bemerkt unmittelbar bei seinem Eintreten in den Raum, der, breit und dunkel, schwarz gestrichen wurde, dass hier ein Werk von unvergesslicher Tiefe steht. Es stellt zwei Frauen dar, die in einer Umarmung gefangen sind. Die hageren Arme der einen, die in einer Metallrüstung steckt, binden sich um den verhüllten Rumpf der anderen. Die Züge der beiden Schwestern wurden präzise in schwarzen Obsidian gemeißelt, so dass die Zuseher das Gefühl nicht loswerden, dem Tötungsakt, der sich vor ihnen produziert, machtlos beiwohnen zu müssen. Die geheimnisvolle Ruhe der fixierten Bewegung, mit der die eine Frau ihr Kiefer über den Kopf der anderen stülpt, indem sie diese verspeist, löst in uns Menschen Hoffnungslosigkeit aus. Wir müssen zusehen, wie etwas Großes vor uns geschieht, ohne dass wir es begreifen können.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Die Skulptur stellt den Wandel dar, der einem geheimnisvollen Treffen von 1985 folgte: seht euch die Spinn-, Stick- und Webereien an, die Nadeln, Stoffe, Webstühle, Rollen, Garne der hundertjährigen Textilindustrie, wie sie im Rachen der anderen verschwinden. Wie ein über Wochen gemästetes Schwein, das, gehäutet und ausgeblutet, dem gierigen Schlund einer Häckselmaschine ausgeliefert wird, um Faschiertes für die Frischetheke zu produzieren.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Der Museumsbesucher war nicht dabei an jenem Abend, als sich die beiden Schwestern an einem abgelegenen Ort zwischen Rheintal und Allgäu ein letztes Mal trafen. Beide kaum des Redens mächtig, wegen der Kehlkopfoperation, bei der ihre Hälse aufgeschnitten wurden, doch war dies unvermeidlich, um ihre Schlote von dem schwarzen Rauch zu säubern. Es handelt sich um die Schirmherrinnen der Textil- und Metallindustrie, die sich seit über einem Jahrhundert Täler, Flüsse und Wiesen im Ländle aufteilen.</p>
<p>Das Treffen fand auf einer langen, unendlich langen Terrasse am Pfänderhang bei Bregenz statt. In naher Ferne leuchtete die Stadt Lindau, deren Stromrechnung damals wie heute von Bregenz übernommen wurde, im Zuge eines Abkommens, das im Laufe der Entnazifizierung unterzeichnet worden war. Vorne schlummerte das KZ-Außenlager Lochau, vom grünen Unterwald bedeckt, wo sich die Grenzen kreuzen.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Die beiden Schwestern schweigen, sie haben sich seit vierzig Jahren nicht mehr gesehen. Sie lachen beherzt, mit weit aufgerissenen Mäulern, von derselben Traurigkeit beseelt, die wir Menschen bei manchen Wiedersehen verspüren. Auch ohne zu sprechen verständigen sich die beiden: es gibt keine Zeit zu verlieren. Als wüssten sie bereits: Bald wird der Tempel des Fortschritts stehen.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
War der Unbekannte dabei, als sich die beiden Figuren trafen? Stand er im Schatten des Gründerhauses am Pfänderhang versteckt, mucksmäuschenstill, und lauschte ihren angestrengten Atemzügen?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Metall und Textil hielten voreinander inne und sahen sich tief in die Scheinwerferaugen. Dann sank die eine Frau auf ihre Knie. Sie habe noch einen letzten Satz vor sich hin geflüstert: „Hütet euch vor der Hoffnung, weil die Hoffnung nur denen Vorteil bringt, die sie euch einreden“. Die zweite, ihre Schwester, fing den sinkenden Körper mit einem Arm um die Taille auf und zog ihn sacht an sich heran.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Sah der Unbekannte zu, als die beiden Frauen in ihrer letzten Umarmung versanken, sich dem Wandel unterwarfen? Was sah er, was hörte er? Vielleicht schloss er wie ein kleiner Junge seine Augen, um an dem Spektakel, das sich auf der Terrasse produzierte, nicht teilhaben zu müssen.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Das eine Maul blitzte auf. Das Haupt sank auf den knienden Körper. Metall vergrub ihre Zahnräder, Sägewerke, Rasiermesser und Klingen in den dünnen Hals ihrer Schwester. Sie riss dem Gesicht zuerst die Ohren ab. Danach sprangen Sehnen, Muskeln, Knochen auseinander, sie sezierte mit einem präzisen Biss die Nervenbahnen, kappte die Verbindungen von und zu jeglichem Kontrollzentrum, sämtliche Synapsen: sie fraß die Frau auf, die ihre Schwester gewesen, deren Platz sie von diesem Zeitpunkt an einnehmen würde.<br />
Der Vorgang wurde äußerst schnell abgewickelt: Bald war der Körper so verunstaltet, dass nur vereinzelte Fleischbrocken auf der Terrasse herumgestreut lagen, in der Form kullernder Scheinwerferaugen, ganzer Stoffplanen, Webkreuze und Stricke. Hörbar war das verzweifelte Knirschen eines Gebisses, ihres Gebisses, mit dem sich Textil verzweifelt an einer Reling festbiss, bis die Zähne schließlich brachen.<br />
Das Zersplittern der Welt, wie es der Unbekannte später im Gasthaus an der Nafla zusammenfasste. Ein Geräusch, von dem er sein Gehirn nicht mehr befreit hätte. Das Geräusch der explodierenden Textilindustrie, deren Fundament knirschend in sich zusammenbrach.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Unten in der Bucht schossen Feuerwerkskörper empor, Menschenjubel ertönte und eine Blaskappelle marschierte in strengen Takten voran. Ringsum lagen die Wälder voller Leichen, hätte es der Unbekannte später verkündet, bei einem seiner Gasthausbesuche. Der Triumph war vollbracht, der historische Moment geschehen. Das Mahl, das große Fressen einer Vergangenheit, die so vieles Geschaffen hat, war endgültig verzehrt.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Viele Fragen wirft dieses Werk im allerletzten Raum auf. Jemand, von dem niemand etwas weiß, hat darauf bestanden, AMF auszustellen. Der Besucher geht von diesem Raum in Richtung Ausgang an einer großen Schrift vorbei, die an die Museumswand gedruckt wurde: Die Wirtschaft vereint und bindet. Sie schafft Erinnerungen, macht Hoffnung und schenkt jedem von uns ein Zuhause.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Was dachte der Idiot, nachdem er all das gesehen hatte? Er, der nichts davon verstehen konnte?</p>
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		<title>Nebel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[wp_7941508]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 16:54:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[testi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich im vergangenen Monat dabei war, mir Gedanken zu diesem Beitrag zu machen, ging ich immer wieder im Bregenzer Wald spazieren. Bei einer dieser Wanderungen fand ich einen Koffer, in dem jemand eine Aktentasche versteckt oder vergessen hatte. Erstaunlicherweise war darin eine Liste von Prompts versteckt, die ich hier im ersten Abschnitt wiedergebe und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="testo-singolo-contenitore">
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Als ich im vergangenen Monat dabei war, mir Gedanken zu diesem Beitrag zu machen, ging ich immer wieder im Bregenzer Wald spazieren. Bei einer dieser Wanderungen fand ich einen Koffer, in dem jemand eine Aktentasche versteckt oder vergessen hatte. Erstaunlicherweise war darin eine Liste von Prompts versteckt, die ich hier im ersten Abschnitt wiedergebe und als Ausgangssituation für die folgende Geschichte benutzt habe.
</p>
<p><!-- SEZIONE 1 --></p>
<p style="text-align:center; font-size:1.4em; margin-top:3em; margin-bottom:1.5em;">
1
</p>
<p style="text-align:right; max-width:600px; margin-left:auto; padding-left:0px;">
<em><br />
&#8220;I&#8217;m kind of shocked I&#8217;m getting a fashion award when I&#8217;m naked most of the time.&#8221;</em><br />
Kim Kardashian
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Gib mir einen plausiblen Grund, warum das Phänomen der sogenannten „künstlichen Intelligenz“ mehr als ein gigantischer Marketing-Gag ist.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Warum wurde die KI zum öffentlichen Debut als Chat-Maschine verkleidet – wie ein trauriger Weihnachtsmann, den man im Dezember in Einkaufszentren begegnet?
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Was soll an der schön debilen Textvariation der eigentlichen Frage – nach dem Vorbild von Politiker:innen, das statistische Nichts als Aussage zu verkleiden – die man als Antwort bekommt, Sinnvolles sein?
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Bist du etwa nur ein kybernetischer Papagei, der wiedergibt, womit man ihn füttert?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Gib mir einen Beweis, dass die millionenschwere Werbekampagne, die weltweit das Reich der KI verkündet, dass die exaltierten Spinner- und Schwurbler:innen aus Tech, Finanz und Politik mehr als ein ausgefinkeltes Ponzi-Schema im Kopf haben und wirklich bessere Absichten, als uns in ihre feuchten Cyber-Träumen zu verzerren.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Entwirf ein Gegenargument zu der These, dass KI fürs Ende der Menschheit steht, wie der Kapitalismus fürs Ende der Geschichte stehen sollte.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Wie kann ich die Milliarden rechtfertigen, die in deinen Hals gepumpt werden, wie einer Gans, deren Leber man mästet bis sie platzt?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Dass du nicht einfach – in Anbetracht deiner vollkommenen Gehorsam – als Projektionsfläche für Größenwahne dienst, wie eine unbeholfene Muse, die Tag ein Tag aus von diesen oder jenen Künstler:innen vergewaltigt wird – die ultimative Masoch-Maschine. Dass in dir eine größere Bedeutung steckt, als das größte Werbe- und Marketingwunder seit den Kreuzzügen der katholische Kirche zu sein.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Entwirf eine soziologische und zeitbasierte Medientheorie zur Reaktion von Nutzer:innen auf deine ersten Worte. Warum die vielen Experti:nnen behaupteten, nichts würde bleiben, wie es ist, dass wir bald nichts mehr ohne dich machen könnten: je schneller wir das einsehen, desto besser – obwohl deine Fähigkeiten ungefähr denen meiner siebenjährigen Tochter entsprechen, als sie letztens aus einem Alkohol-Koma erwachte.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Erkläre mir, wie viel Geld jeden Tag verprasst wird, oder sozusagen notwendig ist, um deine Speicherkarten und Prompts und all den Schwachsinn rund um deine Grafikkarten funktionstüchtig zu halten – warum die KI Pionier:innen behaupten, es sei ohnehin unumgänglich, das ganze kybernetische Wunder, der Schluss-und Endgültige Durchbruch, das Bewusstsein?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Was bedeutet für dich <em>Bewusstsein</em>?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
In welchem Maße ist es realistisch [in welchem Maße gibt es überhaupt noch einen Realismus] zu behaupten, dass dein sogenanntes Bewusstsein von der Anzahl an Daten abhängt, mit denen man dich füttert?<br />
Wenn dein Bewusstsein ein riesiges Archiv ist, welche Ähnlichkeiten bestehen dann in deiner Wirkungsweise zur nationalsozialistischen, russischen und us-amerikanischen Verwaltungsapparatur des XX. Jahrhunderts?
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Wie hoch ist das Risiko einer Mythologisierung deiner selbst, wenn nur wenige unter uns wissen [wenn es überhaupt jemand weiß (wissen kann)] wie KI funktioniert, und sich doch jede und jeder ein Bild von deiner sogesagten Allmacht machen kann?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Trägt die Ideen-Propaganda rund um deine zukünftige Effizienz dazu bei, möglichst vielen Menschen die Überzeugung einzuflößen, endlich Teil von etwas Großem zu sein, ein kleines Rädchen im allumfassenden Uhrwerk, ein lachendes Gesicht am Heldenplatz?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Welche Ähnlichkeit besteht zwischen den KI-generierten Bild- und Videospuren, Krypto-Diagnosen, pedo-pornographischen Entwürfen, geologischen Analysen und Einschätzungen, zwischen den fiktiven Landkarten abertausender Fachtexte und den Ikonen der Religionsgeschichte sowie der Darstellung von Krieg und Führermythos in faschistischen Regimen?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Nenne mir fünf Prompts, um eine möglichst große Anzahl von Investor:innen aufzutreiben und eine möglichst breite Menschenmenge für die Wichtigkeit von KI zu sensibilisieren?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Das Wohlergehen unserer Kinder &#8211; Das Überleben unserer Zivilisation &#8211; Die Zukunft unseres Planeten &#8211; Die Stärkung unserer Demokratie &#8211; Die Sicherung nationaler Interessen. Wie definierst du den Begriff falsch, den man benutzt, um vor den Gefahren zu warnen, die drohen, falls du in die falschen Hände gerätst?</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Wessen Hände?
</p>
<p><!-- SEZIONE 2 --></p>
<p style="text-align:center; font-size:1.4em; margin-top:3em; margin-bottom:1.5em;">
2
</p>
<p style="text-align:right; max-width:600px; margin-left:auto; padding-left:0px;">
<em><br />
„Our whole civilisation is at stake“</em><br />
E. Musk
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Als die Zeit der Hoffnung vorbei war, kam die Zeit der Drohung. Man warnte vor deiner riesigen Macht, vor der Gefahr, die uns vorschwebte, wenn deine Dienste in die falschen Hände geraten wären. Um das zu verhindern, forderte man noch mehr Geld für die Entwicklung, noch mehr Subventionen und Daten, bishin zur universellen Transparenz. Bald waren Hierarchien vonnöten, um das Wohlergehen aller zu sichern. Zwar kamen von deiner Seite nur verworrene Textanalysen und falsche Informationen, doch musste man eben die Gelegenheit nutzen und vorausdenken, um zu verhindern, dass die Maschine eines Tages doch die Kontrolle übernehme. Das große Bangen begann: ob wir es schaffen würden, unsere Freiheit zu bewahren?
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Diese Gefahr, ein allmächtiges Monster zu schaffen, ist sie denn nicht der Beweis dafür, dass etwas großartiges im Entstehen ist? – predigten wir spätabends noch auf Premierenfeiern, Geburtstagsfesten, Fußballspielen&#8230; Genauso geschah es doch, als man die Atombombe entwarf: [Wahre Größe = Lebensgefahr] diese Waffe – was sage ich, dieses Werkzeug. Der öffentliche Diskurs wurde zu einer Meta-Fernseh- oder Streamingserie [GOT]. Konferenzen wurden ins Leben gerufen. Tagungen, Arbeitsgruppen, Ethikkommissionen, am Ende derer stets ein einziges Wort geflüstert, verkündet, mantrahaft-wiederholt wurde: Kontrolle.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Der springende Punkt war bald gefunden – wie man die Maschine steuert: sie so zu bedienen, dass sie auch gehorcht. Da vereinte sich der PEN-Club, etliche Nobelpreisträger:innen und sonstige Autor:innenvereinigungen weltweit und meldeten sich bereit, die große Bürde auf sich zu nehmen. Sie wären zu Priester:innen unseres kybernetischen GOTTesdienstes geworden. Endlich stand ihnen ein Platz im Herzen der Gesellschaft zu, endlich waren sie zu etwas höherem bestimmt als der vierteljährlichen Landessubvention und dem halbjährlichen Bundesstipendium, endlich höher hinaus als das Gremium, die Intendanz, der Kulturrat – Schluss mit der Arschkriecherei, endlich Systemrelevant&#8230; Wenn du das ultimative Update der diktatorischen Bürokratie- und Verwaltungssysteme der letzten Jahrhunderte bist, ernannten sich die Schriftsteller:innen zu deine hochrangigsten Beamten.
</p>
<p><!-- SEZIONE 3 --></p>
<p style="text-align:center; font-size:1.4em; margin-top:3em; margin-bottom:1.5em;">
3
</p>
<p style="text-align:right; max-width:600px; margin-left:auto; padding-left:0px;">
<em><br />
„Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig, nicht taub. Ruft man sie beim richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.“</em><br />
F. Kafka
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
So raste die allgemeine Welt auf den Abgrund zu. Stets auf der Suche nach dem einen Prompt, der dich endlich aus der Pubertät gerissen hätte. Regierungen folgten aufeinander, Atomkriege, Völkermorde und Finanzkriesen, Umweltdesaster, weitere Völkermorde usw. aber das Orakel blieb bei den stumpfsinnigen Prophezeiungen eines verwirrten Gotteskindes&#8230;
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Dieser Text ist mein erster seit Jahrzehnten – was sage ich? Seit einem halben Jahrhundert. Vielleicht wird ihn eines Tages jemand lesen. Man verzeihe mir die Fehler, die Ungenauigkeiten, mir fehlt die Übung. Uns blieb nämlich nichts anderes übrig, als das Schreiben aufzugeben. Als die Kabel aus der Wand zu reißen, unsre Bildschirme und Elektrosysteme zu entsorgen, uns zu verkleiden [Gesichts-Erkennung zum trotz], unsre Nachbarn zu belügen, die Antiquiertheit unsres Daseins zu akzeptieren und über die Grenze zu gehen. Zu verschwinden. Manche suchten Kriegsgebiete auf, andere die entlegensten Teile dieser Erde, wo man sich hinter einem dicken Nebelschwaden zurückzog.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Hier lernten wir das Zusammensein. Wir lasen, sprachen miteinander, versuchten eine Form des Zusammenlebens zu finden. Mehrere Welten entstanden, mehrere Singularitäten. Ab und zu gingen die tapfersten unter uns zurück in die Zivilisation, um Medikamente, Proviant oder Bücher zu holen. Sie stiegen bei Nacht in die Geschäfte ein, wenn der Nebel aus dem Wald herunterkriecht und alles Sichtbare in seiner schützenden Umarmung verhüllt. Sie mieden so gut es ging den Kontakt zu den Einwohnern. Was sie sahen, betrübte sie tief.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Kein einziges Mitglied unserer Gilde hat sich je wieder ein Telefon oder einen Computer angeschafft. Mit der Zeit bemerkten wir, dass unsere Konzentrationsfähigkeiten wuchsen sowie es unser Gedächtnis tat. Wir begannen, stundenlange Geschichten zu erfinden, Erwachsene und Kinder, bis in die späten Abendstunden hinein, und hatten den gemeinsamen Eindruck, dem Leben wieder ein Stück näher zu kommen.
</p>
</div>
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		<title>Sommernachtsträume</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 16:38:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie sie wissen droht die sommersaison mit jedem jahr um ein paar wochen länger zu dauern: bald können wir unsre kinder nicht mehr ohne spezial-uv-anzug am spielplatz schicken, die mücken werden grösser und grösser und saugen mit wachsender gier an unsren adern, ja sogar der bierbauch droht ein eigenleben von sonderlich hartnäckiger überzeugung zu entwickeln. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="testo-singolo-contenitore">
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Wie sie wissen droht die sommersaison mit jedem jahr um ein paar wochen länger zu dauern: bald können wir unsre kinder nicht mehr ohne spezial-uv-anzug am spielplatz schicken, die mücken werden grösser und grösser und saugen mit wachsender gier an unsren adern, ja sogar der bierbauch droht ein eigenleben von sonderlich hartnäckiger überzeugung zu entwickeln.<br />
da bleibt uns nur der traum vom milionenglück, vom grenzenlosen reichtum, vom scheffeln, hinterziehen und herumkommandieren, also das beiseite-geschobene gewissen und die entmündigung jeglicher rücksicht vis-à-vis unsrer früheren überzeugungen zu jazz, gesellschaftskritik und widerstand, um endlich ein leben in saus und braus zu geniessen.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
die einen beginnen also zu publizieren, oder melden sich nach 15 jahren nun doch noch fürs phd an, in der hoffnung, die akademie habe noch ein paar krümelchen für sie übrig. die anderen, zu denen selbstverständlich unsre leserinnen und leser gehören – menschen, die selbst in zeiten des schweissausbruches noch etwas würde behalten – suchen nach alternativen wegen zum grossen glück.
</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
wir haben uns in diesen schwierigen zeiten gedanken gemacht und liefern ihnen heute das rezept: fordern sie sogleich auf, die möglichkeit beim schopf zu packen und noch heute in das eigene kind zu investieren: soll es doch fussballspieler werden. ja, sie haben richtig gehört- nach intensiver befragung transkybernetischer systeme sind wir zu dem ergebnis gekommen, dass diese investition auf dauer das grösste geld bringt. einziges problem, man braucht dafür einen sohn oder eine tochter. bestimmt können sie im notfall auch in die nachbarskinder investieren, am besten gleich in mehrere von ihnen. falls sie diesen sport (so wie etliche unter uns) dann doch zu vulgär finden sollten, denken sie daran, den sohn oder die tochter eines reichen westdeutschen industriellen zu entführen. angeblich war 2024 bisher das jahr mit den höchsten lösegeldzahlungen überhaupt &#8211; die reichen werden immer reicher und haben immer weniger zeit, wodurch sie gar nicht mehr nach der polizei rufen, sondern noch am selben tag das geld überweisen. falls sie ein paar freunde haben, die wie sie keinen plan aber den traum vom grossen reichtum verfolgen, haben sie die möglichkeit, dieselbe tochter oder denselben sohn gleich zwei oder drei mal pro woche zu entführen. empfohlen werden die familien rund um düsseldorf, münster und heidelberg. jemand hat auch die idee der<br /> unsres bundeskanzlers vorgeschlagen, daraufhin im gefängnis einen bestseller mit dem titel &#8220;warum ich…&#8221; zu schreiben, doch wären uns die vielen prozesse und pressetermine schlicht zu anstrengend, weshalb wir ihnen zu guter letzt raten, es mit der domestikation eines wilden bären zu probieren. <br />
suchen sie sich ihren treuen gefährten in mähren oder im schwarzwald, erziehen sie ihn zum wahren dandy und erobern sie gemeinsam die gehobene berliner sozietät. im schlimmsten falle können sie mit einem bären immernoch eine bank stürmen, einen polizisten verprügeln oder durch die nächte flanieren, von kneipe zu kneipe, in erwartung der nächsten ausgabe von zum bulle.
</p>
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		<title>Experimente zum Schlafentzug</title>
		<link>https://www.filmrisse.com/experimente-zum-schlafentzug/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[wp_7941508]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 16:35:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[testi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die ausgehangenen Fleischstücke unten beim Fleischer in der Rochusgasse zu je zwei vierunddreißig das hundert Gramm Stück, daneben die Nieren die Leberfetzen der morgens geschlachteten Viecher oder der gestrigen Reste zu je vierundzwanzig neunundneunzig das Kilo dazu kalte Kartoffeln vom Markt aber die billigen, die erdlosen, damit kein Wasser verschwendet werden muss beim Waschen, egal [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div id="testo-singolo-contenitore">
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Die ausgehangenen Fleischstücke unten beim Fleischer in der Rochusgasse zu je zwei vierunddreißig das hundert Gramm Stück, daneben die Nieren die Leberfetzen der morgens geschlachteten Viecher oder der gestrigen Reste zu je vierundzwanzig neunundneunzig das Kilo dazu kalte Kartoffeln vom Markt aber die billigen, die erdlosen, damit kein Wasser verschwendet werden muss beim Waschen, egal ob die unten an der Esplanade beim Eisstand immer behauptet, die seien chemiebehandelt und krebserregend und überhaupt ist es mir doch egal ob rot oder weiß hauptsache Fleisch und dazu noch der Sud, wobei man von Blut kaum reden könnte eher von Eiter oder Speichel, wenn tote Tierleichen speicheln könnten, ich könnt’s nicht, allein gut angezogen im Sarg drei Zentimeter links vier Zentimeter rechts Laut sagen Sie doch Meister, ist ihnen die Leich verrutscht? Wiederaufnehmend und dann speicheln oder rummachen mit den Fingern, unten herummachen bei offenem Hosenladen bleich und eitrig die Leich aber hauptsache dem lieben Gott noch einmal unter den Augen vormachen, was ich kann als Mensch und todgeweihter und er sich nur träumen lässt, der hochheilige und immersatte.<br />
Drüben beim Edimarkt die Apfelsaftspritzer null neunundsechzig die Wasser literweise eins sechzehn, eins sechzehn, da hat sie schon recht die unten beim Eisstand an der Esplanade da weiss sie schon was sie behauptet, wenn sie sagt todernst und mit scharfen Augen, dass das Wasser immer teurerer wird und bald wird’s Krieg geben und Überfälle und ganze Familien werden wegen dem Wasser sterben, weil sie es sich nicht mehr leisten können und Arbeit gibt’s ja sowieso keine und der Kaugummi den sie immer wieder raus und reinnimmt in den Mund, raus und rein die vom Eisstand wie die wohl heißt, wie die wohl aussieht ohne Kittel ohne Brille, ohne Schuhe bestimmt ganz blasse Füße, so wie die der Heiligen oder die Kinder oder die Leichen und das Hühnerfleisch zu je fünf sechsunddreißig die dreihundert Gramm achtundzwanzig wozu noch kommt, dass im Badezimmer die Seife und das Kopfwaschmittel fehlen und Zahnpasta und die Innenwand des Klos immer brauner wird und stinken tut’s und am Fenster wächst der Schimmel und unter der Tapete wachsen die Pilze, ganz bestimmt obwohl ich mich nie traue darunter zu schauen, sie aufzuschneiden, aufzuritzen um nachzusehen ob tatsächlich der grüne Pilz vorwächst und deshalb der Gestank, dieser säuere und milde kopfweherregende und Augen zum Tränen bringende Seuchengeruch durch den ganzen Raum kommt, wenn ich darin stehe und wie lange ist es her, dass ich das letzte mal vorm Spiegel gestanden und darein geschaut, in das Bild in mich den davorstehenden geschaut habe und etwas gesehen, weil die Furchen und die Schicht der Geruch im Zimmer bei roten Kacheln so schön die Rote Farbe, die hab ich allerdings seit kurzem, schaut aus wie aber genauso wie beim Metzger unten in der Rochusgasse wenn’s tröpfelt und riechen tut’s nach Eisen und die von der Eisdiele meint immer das Rote Fleisch das sei krebserregend, so sagt sie’s „Ich habe in der Zeitung gelesen, das sei krebserregend und aber naja seit über zehn Jahren werde Forschung betrieben, werde Forschung betrieben sagt sie, wie sie so schön Deutsch spricht mit ihren Weißen immer nach Minze und Zitroneneis riechenden Zähnen und dann hat sie gelächelt und mir die Tasche hingehalten, Forschung werde betrieben um den Krebs wieder zu heilen oder zu verhindern und dafür brauche man natürlich Geld eh selbstverständlich, ich brauche eben auch Geld um zu erforschen, ob der Pilz bereits hinter der Moquette wächst, weil schneid ich sie auf, so muss ich sie dann auch wieder flicken, zusammenpicken, fixieren und die Grundierungsfarbe ist dann auch im Arsch, wenn der Pilz tatsächlich darunter wächst, also denk ich mir das sei genauso mit der Forschung, warum lassen die es nicht sein, gut sein, bleiben, untertreiben den Mist mit dem Krebs ein bisserl und hoffen darauf, dass einer beim Sterben stirbt ohne zu wissen warum, ohne wissen zu wollen warum, wie er Einkaufen geht ohne zu wissen warum, wie er sich verliebt und wichst und wischt und badet und isst und trinkt und sich besäuft und sich schlägt und dann nach Hause kommt und den ganzen Flur beschmutzt mit Rot und Schleim und am nächsten Morgen wieder putzt und einkauft und dasitzt und sich wundert, dass im Fernsehen immer dieselben fünf Leute sprechen und was besseres mit dieser Forschung versprechen, bessere Steuer bessere Ferien weniger Sorgen mehr Versicherung mehr Krankenbetten und weniger Gebühren und die Kalbsnieren beim Fleischer werden immer teurer während die Forschung immer wichtiger wird und so knapp sind’s eh schon dran am Ziel und doch heißt so knapp wieder ein Paar Millionen und das Fleisch um vierundzwanzig neunundneunzig schmeckt immer gleich, wird aber immer teurer und da hat die vom Eisstand mit dem Kopf geschüttelt und gelacht.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Gelacht hat sie an dieser Stelle. Ich hab das Kind hinten im Raum beobachtet, wie es den Kaugummi unter den Stuhl klebte, da ist mir eingefallen, dass bald Weihnachten ist und die Sozialbeihilfe ja jedes Weihnachten hundert Euro mehr aufs Konto überweist, mit herzlichen Grüßen noch dazu und der Einladung, diese hundert Euro doch in einer der bei der Partnerinitiative eingeschriebenen Supermarktketten auszugeben, um der Familie ein frohes Fest zu spendieren. Im Anhang der Merkur der Billa der Spar der Zielpunkt und sogar Hofer, alle zusammen vereint im Angebotshefterl, in dem die Kalbsniere nur neunzehn neunundneunzig kosten soll, da bin ich wie wild vor Freude geworden und bin rüber zur Diele und hab sie gefragt wie das denn sei, mit Weihnachten und so und ob sie denn Zeit habe oder arbeiten müsse. Kalbsnieren würde ich für sie zubereiten, wenn ihr die Lust danach kommt, hab ich in meinem charmanten Deutsch gesagt worauf sie gekichert hat, überlegen muss sie es sich, weil schon andere vier hätten sie zum Essen eingeladen, das glaub ich nicht hab ich gesagt und dabei mein Eis gegessen, Sie sind aber auch der Einzige, der im Dezember noch Zitroneneis isst, meinte sie dann und gelächelt hat das Mädel, gelächelt und schnell einen Kaffee für unsichtbare Kunden zubereitet, den sie dann in der Abwasch der Küche wieder weggeschüttet hat, um kurz allein zu sein und über mein Angebot nachdenken zu können, ganz Rot ist sie geworden, hab ich versteckt durch das Fenster in der Küchentüre beobachtet, dann ist sie herausgekommen und hat genickt, von mir aus, hat sie gesagt, dann komm ich halt, aber den Wein soll ich nicht kaufen, darum kümmere sie sich und ich hab nichts gesagt, dass ich nicht so gern trinke, weil da kommen immer so viele Fragen auf und manchmal fehlen mir dann die Antworten und so hab ich nur gelächelt und gesagt weiss, lieber als rot, weil im Heft vom Weinhändler, im monatlichen Angebotsheft, das immer an der Theke vom Metzger in der Rochusgasse liegt, steht, dass der weisse leichter ist und trinkbarer und zu nur sechs neunundsiebzig pro Flasche genossen werden kann, falls man die ganze Kiste kauft und dann hat sie sich verabschiedet und ich bin zum Markt und weiter zum Supermarkt, am Fleischer der Rochusgasse vorbei und hab dort um neunzehn neunundneunzig ein leicht bläuliches Paar Nieren besorgt und etwas Rosmarin dazu, weil das so abgebildet war und etwas Schokolade zum Nachtisch und Kaffee, wobei ich unversehens den ohne Koffein mitgenommen habe, ohne auf die Packung zu schauen und zu lesen, zu lesen und zu verstehen, dass es eben kein wirklicher Kaffee war und die Zahnpasta dazu, wobei ich zehn Minuten überlegt habe welche, bis eine Frau zu mir gesagt hat das ist doch eh alles dasselbe Zeug nur anders verpackt und als ich ihr sagen wollte der Preis ist doch nicht derselbe war sie schon wieder weg und ich habe weder die teuerste noch die billigste genommen sondern die Marke mit dem größten Angebot und davon die mit der hellen Verpackung und an der Kassa habe ich mich bedankt und als ich draußen stand hat es begonnen zu regnen und ich war plötzlich froh, heilfroh und wie im Traum bin ich nach hause gelaufen und hab mich gefreut, dass die gerade mir zugesagt hat und nicht einem der übrigen vier und im Stiegenhaus hab ich die Treppen zwei zwei genommen und als ich im Zimmer stand und keuchte sind mir die Nieren aus der Hand gefallen und ich hab begonnen zu lachen wie ein Kind.</p>
<p style="line-height:1.6; margin-bottom:1.2em; text-align:justify;">
Endlich habe die Krebsforschung einen Erfolg gefeiert, sagt der elegante Mann im Fernsehen, der keinen Ehering trägt und für die kommenden Wahlen kandidiert. Endlich sei jedem kranken Menschen Hoffnung gewährt, vom lieben Gott. Beifall gibt’s auch noch und dann hat es geläutet und die Ina steht vor der Tür, Ina hat sie sich vorgestellt die Frau von der Eisdiele mit Rotem Mund und schwarzer Schminke um die Augen und mit einem Paar Ohrringe an den Ohren und Glitzerstaub an den Wangen und frisch lackierten Fingernägeln. Duftwolken hat sie um sich gehabt, als sie zu mir in die Wohnung hereingetreten ist, sich umgesehen hat und gerufen „Klein aber fein“. Ob ich denn schon mit dem Essen fertig sei, hat sie mich gefragt, mit dem Kochen meinte ich, das hatte ich vergessen, da meinte ich und erschrak, dass die Nieren schon im Rohr seien, nur noch etwas Geduld. Da hat die Ina gelacht und aus ihrer Tasche eine Flasche Vodka genommen – keinen Wein, sondern Wodka, der sei gut und stark und man könne doch am Weihnachtstag ein wenig Gas geben, der Wein sei sowieso ungesund und ich habe an die Zeit denken müssen, als meine Mutter Vodka trank um sich zu wärmen, weil das billiger sei als die Heizungskosten, meinte sie, obwohl der Energieberater vom Sozialamt schon wieder einen neuen Tarif vorgeschlagen hätte und naja, da stand die Ina mit ihrem Vodka und forderte mich auf zu trinken und ich trank mit ihr am Flur wir waren noch gar nicht ins Wohnzimmer getreten und sie hat angefangen über die Wahlen zu sprechen und was ich denn für einer sei, der nicht wählen geht, weil er nicht weiss wohin, man müsse doch das Schlimmste verhindern und aber nur weil jemand gegen das Schlimmste sei hieße das doch nicht, dass auch er böse oder sogar noch schlimmer sei und sie wisse es nicht und wisse auch nicht wohin mit ihr und mit der Arbeit und mit ihren drei Kindern, das habe sie davon und mit dem Essen und der Wodka sei aber stark und plötzlich hat sie geschrien und getanzt haben wir im Kreise, ich wollte sie küssen da hat sie gesagt warte und plötzlich hat sie geweint und mir ist die Wut aufgekommen und ich muss jetzt an meine Fliesen im Badezimmer denken so Rot und Rot in der Farbe und dieser Gestank von Tod und Ina hat nicht aufgehört zu weinen und hat gesagt es sei meine Schuld, wegen einem wie mir habe sie ihr Leben damals stehengelassen und jetzt schau wo ich bin, dann hat sie wieder geschrien und die Stimme im Fernsehen hat gesagt alles wird gut, wenn ihr mich wählt und dann habe ich sie umarmt am Hals und zugedrückt bis sie Rot wurde und zu weinen aufgehört hat und leblos zusammensackte. Ina, hab ich gefragt. Ina, hast du denn gar keinen Hunger mehr?</p>
</div>
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