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		<title>Wie ich einmal auf einer Ruine durch die Ägäis fuhr</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 14:14:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit 5 hatte ich einen Fotoapparat erhalten, um auf einer Griechenlandkreuzfahrt Bilder zu schiessen. 20 Jahre später hatte ich die Fotos wieder entdeckt. Und realisiert: Die grösste Ruine auf der Reise war nicht der Palast von Knossos, sondern das schrottreife Schiff. Die Chronik eines Untergangs im aktuellen kinki magazine – online und noch viel besser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit 5 hatte ich einen Fotoapparat erhalten, um auf einer Griechenlandkreuzfahrt Bilder zu schiessen. 20 Jahre später hatte ich die Fotos wieder entdeckt. Und realisiert: Die grösste Ruine auf der Reise war nicht der Palast von Knossos, sondern das schrottreife Schiff. Die Chronik eines Untergangs im aktuellen <b><a href="http://kinkimag.com/magazines/kinki-magazine-27-2010/">kinki magazine</a></b> – online und noch viel besser am Kiosk!</p>
<p>&nbsp;&nbsp;<img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/07/Bildschirmfoto-2010-07-06-um-11.00.38.png" width="400" height="249" alt="Bildschirmfoto 2010-07-06 um 11.00.38.png" /></p>
<p><img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/07/Bildschirmfoto-2010-07-06-um-10.57.56.png" width="400" height="249" alt="Bildschirmfoto 2010-07-06 um 10.57.56.png" /></p>
<p><img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/07/Bildschirmfoto-2010-07-06-um-10.58.11.png" width="400" height="248" alt="Bildschirmfoto 2010-07-06 um 10.58.11.png" /></p>
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		<title>Die Badi-Bibel, oder: Das Neue Testament als Magazin</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 06:56:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herrfischer</dc:creator>
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Die «Bibel als Magazin» sieht gut aus und will nicht missionieren. Ist das ein Grund, endlich das Buch der Bücher zu lesen?
Ein mittelalterlicher Mönch hätte zum handschriftlichen Kopieren einer Bibel zwei Leben gebraucht. Zu Lebzeiten schaffte er vielleicht die Hälfte des Buches. Der Hamburger Journalist Oliver Wurm brauchte für die gleiche Arbeit zwei Handbewegungen. Er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><b><span style="font-weight: normal;"><img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/07/20100604_IMG_0832.jpg" width="400" height="300" alt="20100604_IMG_0832.JPG" /></span></b></p>
<p><b>Die «Bibel als Magazin» sieht gut aus und will nicht missionieren. Ist das ein Grund, endlich das Buch der Bücher zu lesen?</b></p>
<p>Ein mittelalterlicher Mönch hätte zum handschriftlichen Kopieren einer Bibel zwei Leben gebraucht. Zu Lebzeiten schaffte er vielleicht die Hälfte des Buches. Der Hamburger Journalist Oliver Wurm brauchte für die gleiche Arbeit zwei Handbewegungen. Er kopierte den Bibeltext aus dem Internet und fügte ihn in ein Zeitschriftenlayout ein.</p>
<p><span id="more-355"></span>
<p>So ist die «<a href="http://bibelalsmagazin.de/">Bibel als Magazin</a>» entstanden, die jetzt am Kiosk und übers Internet erhältlich ist. Das Heft umfasst das Neue Testament, 244 Seiten katholische Einheitsübersetzung, die aber für einmal nicht missionieren, sondern einfach nur stylisch gut aussehen wollen. Wer das Neue Testament sowieso für das Retro-Accessoire schlechthin hält und es auch irgendwie passend findet, die Bibel mit Sonnenbrille zu lesen, der nimmt in diesem Sommer die «Bibel als Magazin» in die Badi mit.</p>
<p>Aber hat die «Bibel als Magazin» noch andere Qualitäten, ausser dass sie gut aussieht? Ist sie vielleicht billig? Nein. Fr. 16.50 kostet sie. Die Schweizerische Bibelgesellschaft verkauft Bibeln für Fr. 2.50.</p>
<p>Oder wurde das Heft mit grosser Leidenschaft gemacht? Auch wenn man nicht alle Geschichten Jesu so richtig glauben kann, muss man doch sagen, dass ein Buch, in das Menschen ihre ganze Lebenszeit gesteckt haben, irgendwie heilig ist.</p>
<p>Die beiden Macher der «Bibel als Magazin» betonen zwar, dass sie 500 Stunden an das Projekt gegeben haben. Geteilt durch zwei ist das allerdings nicht viel mehr als eine Pilgerreise. Nein, wer beim Lesen die Entstehung des Textes mitfühlen möchte, der liest lieber gleich die «<a href="http://www.volxbibel.de/">Volxbibel 3.0 reloaded</a>» (Pattloch-Verlag), eine «Übersetzung», an der Hunderte deutsche Teenies über Jahre im Internet geschrieben haben, was eindrücklich ist, auch wenn Jesus in der Volxbibel nur wie ein 15-Jähriger in einem deutschen Jugendclub spricht.</p>
<p>Steht in der «Bibel als Magazin» vielleicht etwas über Religion in der heutige Zeit? Der Journalist Oliver Wurm, der sonst vor allem Männer- und Sportmagazine macht, hätte einiges dazu schreiben können. Doch gibt es weder ein Vorwort noch Kommentare. Wer sich darüber amüsieren möchte, was passiert, wenn die Bibel auf den Sündensumpf der Gegenwart trifft, der liest lieber gleich das Buch «<a href="http://www.perlentaucher.de/buch/30338.html">Die Bibel und ich</a>» von A. J. Jacobs, der in New York lebt und versucht hat, ein Jahr lang nach allen biblischen Gesetzen zu leben.</p>
<p>Wem das wiederum zu viel der Komik ist – dem sei «<a href="http://www.kinski.de/">Jesus Christus Erlöser</a>» von Klaus Kinski (Suhrkamp-Verlag) empfohlen. Kinski spielte 1971 auf der Bühne einen wutentbrannten Jesus, der unter Vietnam-Veteranen weilt und die Kirche verdammt.</p>
<p>Hat die «Bibel als Magazin» dann wenigstens Bilder? Ja, da sind acht Fotos drin. Szenen aus den Passionsspielen im bayrischen Oberammergau, wo die Jesusgeschichte seit bald 400 Jahren alle 10 Jahre nachgespielt wird. Nur sind die Fotos so wenig motivierend wie die Pressebilder eines Musicals.</p>
<p>Wer die <a href="http://www.passionsspiele2010.de/">Oberammergauer Passionsspiele</a> erleben möchte, geht in diesem Jahr lieber gleich selbst hin. Oder liest den launischen Bericht des englischen Exzentrikers Richard Burton. Er besuchte die Laienspiele im 19. Jahrhundert, nachdem er zum Islam konvertiert war. Den Humor hat Burton deswegen nicht verloren. Ilija Trojanow hat den Bericht des Engländers frisch kommentiert und als <a href="http://www.amazon.de/Oberammergau-Richard-Burton-Besuch-Passionsspielen/dp/3716026336">Buch</a> herausgegeben (Arche-Verlag). So, wie man sich das auch von der «Bibel als Magazin» gewünscht hätte. Etwas Gutes gibt es über das Bibel-Magazin doch noch zu sagen: Es hat keine Werbung drin.</p>
<p><i>Originaltext erschienen im <a href="http://www.tagblatt.ch/magazin/leben/tb-le/Die-Badi-Bibel;art126,1557930">Tagblatt</a> – Antwort von Oliver Wurm auf tagblatt.ch. <a href="http://starke-meinungen.de/blog/2010/05/23/schluss-mit-der-langeweile-beim-bibellesen/">Zum gleichen Schluss</a> bezüglich dem Magazin kam</i> <i>Alan Posener (Welt am Sonntag), empfahl aber Friseur, Bahn oder Flugzeug als besten Leseort.</i></p>
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		<title>Interview mit dem Jammerlappen, der die Finger von Kindern lassen sollte</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 17:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herrfischer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlingeschichten]]></category>

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Das ist er also, der Jammerlappen und Frustbeutel, der besser die Hände von Kindern lassen sollte und auch noch hässlich ist. Thomas Lindemann (siehe Foto) wurde in den Kommentaren bei WELT ONLINE ordentlich vermöbelt. Dabei ist er weder Priester noch pädophil. Er hat nur, zusammen mit seiner Frau Julia Heilmann, ein amüsiertes Buch namens «Kinderkacke» [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/05/lindemann.jpg" width="400" height="300" alt="lindemann.jpg" /><br />
Das ist er also, der Jammerlappen und Frustbeutel, der besser die Hände von Kindern lassen sollte und auch noch hässlich ist. Thomas Lindemann (siehe Foto) wurde in den Kommentaren bei WELT ONLINE ordentlich vermöbelt. Dabei ist er weder Priester noch pädophil. Er hat nur, zusammen mit seiner Frau Julia Heilmann, ein amüsiertes Buch namens «<a href="http://www.hoffmann-und-campe.de/go/kinderkacke">Kinderkacke</a>» geschrieben und einen Vorabdruck auf <a href="http://www.welt.de/vermischtes/article6746722/Die-harte-Wahrheit-ueber-das-Leben-mit-Kindern.html">welt.de veröffentlicht</a>. Darüber, dass Kinderhaben zwar toll, aber auch nervig ist. «Wegen solchen Leuten und solch einem Blick auf die Kinder sterben wir aus und die Naturvölker werden immer mehr», ereiferte sich darauf ein Leser. «Was soll diese schwachsinnige Buch bewirken? Wem soll es irgendwie nützen?», fragte ein anderer. In einem Berliner Kinderkaffee gab mir Thomas Lindemann persönlich Antwort.</p>
<p><b>Ein Leser namens Nyx will von euch wissen, warum ihr dämlichen Jammerlappen euch überhaupt Kinder angeschafft habt?</b></p>
<p>Das kommt im Moment oft. Es ist doch selbstverständlich, dass Kinder das Grösste sind, viel wichtiger als Karriere und Hobbies. Es ist ein grosses Missverständnis, wenn jemand denkt, dass das Buch gegen Kinder gerichtet ist.</p>
<p><b>Also wem soll dieses – Zitat DerKleineSchweizer – schwachsinnige Buch irgendwie nützen?</b></p>
<p><span id="more-341"></span>Das Buch ist für Eltern, die Erleichterung brauchen. Viele sind verunsichert von Ratgeberliteratur und den ständigen Ratschlägen der eigenen Eltern, die in einer ganz anderen Zeit gelebt haben. Das Buch soll helfen, die eigenen Probleme wieder zu erkennen.</p>
<p><b>Zum Beispiel?</b></p>
<p>Praktisch alle jungen Eltern quälen sich damit, dass ihre Eltern es hassen, dass die Kinder in die Kita gegeben werden. Aber das ist nun mal üblich, damit auch die Frau selbständig im Berufsleben sein kann. Die traditionelle Modelle unserer Eltern funktionieren nicht mehr.</p>
<p><b>Ihr seid also keine Scheiss-schreibenden Egomanen, wie DerKleineSchweizer meint?</b></p>
<p>Wir denken nicht an uns, sondern an die Familie, die wieder funktionieren soll. Wir haben immer noch eine Scheidungsrate von fast 50 Prozent. Die Familien funktionieren nicht mehr. Das Bild ist erschütternd. Wenn wir jetzt umdenken, so denken, dass in einer neuen Familie jeder sein Ego behalten darf, dann retten wir die Familie.</p>
<p><b>Der User Vater hätte eine Alternative: ERZIEHEN!!!!!</b></p>
<p>Ich glaube nicht an Erziehung. Die Kinder werden so, wie du es ihnen vorlebst. Wenn man als Paar zufrieden ist und sich nicht schlecht behandelt, hat man gute Chance, dass auch aus dem Kind ein guter Mensch wird. Das ist viel wichtiger als Befehle.</p>
<p><b>Dann hat User Volker Recht: Ihr seid antiautoritär erzogene 68er Kinder. «Sie hassen ihr eigen Kinder, was für Menschen», schreibt er. Stimmt?</b></p>
<p>Ne, das stimmt nicht. Das ist ein Irrtum. Die 68er müssen ja für alles Schlechte herhalten. Aber die 68er gibt es nicht. Ich müsste ein 68er-Kind sein. Aber unsere Herkunft ist sehr traditionell und spiessbürgerlich. Niemand von uns wurde antiautoritär erzogen.</p>
<p><b>Wie wurdet ihr erzogen und wie macht ihr es anders?</b></p>
<p>Ich glaube dass wir uns sehr daran orientieren, wie unsere Eltern waren. Klar, der berühmte Klaps, das haben wir abgeschafft. Aber was auf jeden Fall wichtig ist, ist Verbote auszusprechen und auch einzuhalten. Aber ohne schlagen! Bisher.</p>
<p><b>Wie alt sind die Kinder?</b></p>
<p>2 und 4.</p>
<p><b>Dann kann&#8217;s ja noch kommen. Werden eure Kinder das Buch eigentlich lesen?</b></p>
<p>Ich dachte ich stell es mal ganz oben ins Regel, damit sie es erst so mit 16 lesen können.</p>
<p><b>Was würdest du ihnen jetzt schon raten anders zu machen als ihr es gemacht habt?</b></p>
<p>Hm&#8230; ehrlich gesagt: Es noch liberaler aufteilen. Die ersten Monate bin ich wie so ein typischer Vater ins Büro gegangen. Erst dann hab ich das halbiert. Das würde ich heute noch konsequenter von Beginn weg machen. Je mehr beide Partner wirklich dabei sind, desto besser wird das. Ja, genau.</p>
<p><i><a href="http://www.tagblatt.ch/magazin/wissen/tb-wi/Der-soll-ein-Vorbild-sein-;art124,1535503">Fulltext im Tagblatt</a></i></p>
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		<title>Aprilwoche 4: Mittelmeerwoche</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 08:57:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herrfischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es heisst, New Orleans sei nicht die am schlechtesten organisierte Stadt der USA, sondern die best-organisierte der Karibik. Es gibt Wochen, da denkt man: Gilt auch für Berlin. Nein nein, redet man sich ein, während man sich an der Turmstrasse, diesem Berliner Bosporus, wo es immer 10 Grad heisser ist als in der restlichen Stadt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es heisst, New Orleans sei nicht die am schlechtesten organisierte Stadt der USA, sondern die best-organisierte der Karibik. Es gibt Wochen, da denkt man: Gilt auch für Berlin. Nein nein, redet man sich ein, während man sich an der Turmstrasse, diesem Berliner Bosporus, wo es immer 10 Grad heisser ist als in der restlichen Stadt, das erste Mal im Jahr sein Köpfchen verbrennt. Nein, Berlin ist nicht die unzivilisierteste Stadt Deutschlands. Berlin ist die zivilisierteste Stadt des Mittelmeers. Ich weiss auch nicht, woran es liegt. Aber immer im April beginnt sich diese Stadt für eine Art Zypern zu halten. Als hätte es ein geografisches Recht darauf, eine geteilte Insel mit <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/diese-stadt-darf-nicht-immer-billiger-werden/1808902.html">griechischem Schuldenberg</a> zu sein, die nichts tut ausser am Meer zu liegen und Olivenöl ans Essen zu tun. Junge Menschen sitzen auf Ruinen rum, starren in den Sonnenuntergang und benehmen sich, als wären sie Figuren romantischer Landschaftsmalerei. Der Tagesspiegel schwärmt etwas von wegen «<a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/beruehmter-ist-nur-die-copacabana/1806794.html">Berühmter ist nur die Copacabana</a>» und meint damit nicht etwa Waik?k?-Beach, sondern – wegen den vielen Strandbars – das Berliner Spreeufer. Ich hielt es – wegen den vielen Strandbars – immer eher für eine Schmelzwasservariante der Après-Ski-Halde Sölden. Der Chef des Berliner Tourismusmarketing will unterdessen <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/beruehmter-ist-nur-die-copacabana/1806794.html">durch die Welt reisen</a> und für den «Summer of Berlin» werben. Ich weiss auch nicht, womit man da werben will. Wahrscheinlich veranstaltet er Dia-Abende in schwäbischen Solbädern und zeigt diese exotischen Fotos, die in diesen Tagen in der Berliner Boulevardpresse dieses Karibische an Berlin unterstreichen: «<a href="http://www.welt.de/multimedia/archive/1254412996000/00913/MORDAUFRUF_OBERSTAA_913865g.jpg">Wie Sie sehen, meine Damen und Herren, tanzt man auch auf der Insel Kreuzberg den Wumba.</a>» Das wird die aufgeweichte Crowd im Solbad zwar nicht zu ambitionierten Bewegungen animieren, aber vielleicht zu einer Car-Reise nach Berlin mit Besuch bei Madam Tussaud, diesem Museum, in dem Menschen nicht (wie man immer meint) ausgestellt, sondern vor allem: nicht verkauft werden. <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/eine-verkaufte-braut-erzaehlt-in-der-b-z-article819348.html">Was gegenüber dem Rest der Stadt ein zivilisatorischer Fortschritt ist.</a></p>
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		<title>Rivella im Tannenwald linker Limonadendemos</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 13:02:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herrfischer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Berlingeschichten]]></category>

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Unter Obercoolen: Ein Schweizer Nationalgetränk versucht, nach Berlin zu expandieren. Und quält sich mit seiner besten Zutat: Milch.
Weil man Getränke nicht beschreiben kann, brauchen sie eine gute Geschichte. Zum Beispiel: «Limonade aus dem Tessin. Lassen sie an der Sonne gären. Wird immer noch von Hand hergestellt!» Damit wurde Gazosa in Schweizer Städten Kult.
Die Geschichte von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i><br />
<img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/04/rivella02.jpg" width="400" height="305" alt="rivella02.jpg" /></i></p>
<p><i>Unter Obercoolen: Ein Schweizer Nationalgetränk versucht, nach Berlin zu expandieren. Und quält sich mit seiner besten Zutat: Milch.<br /></i></p>
<p>Weil man Getränke nicht beschreiben kann, brauchen sie eine gute Geschichte. Zum Beispiel: «Limonade aus dem Tessin. Lassen sie an der Sonne gären. Wird immer noch von Hand hergestellt!» Damit wurde Gazosa in Schweizer Städten Kult.</p>
<p>Die Geschichte von Rivella erzählt sich hingegen so: «Wollte ein Schweizer nach dem 2. Weltkrieg in Amerika verkaufen. Mochte niemand. Ist aus Milch. Aber in der Schweiz wurde es Nationalgetränk. Willst du probieren?»</p>
<p>Wie ein Fluch lastest die Geschichte auf den Expansionsversuchen des Aargauer Unternehmens. Ob nach England, Deutschland, Jugoslawien, Frankreich oder Amerika, immer sagte sie: «Du gehörst in die Schweiz!» Weil Rivella in der Schweiz aber nicht mehr wachsen kann, wagt das Unternehmen erneut den Schritt nach Deutschland. Oder genauer: Berlin, um über die experimentierfreudige Szene den Massenmarkt zu erreichen. Geht das diesmal gut?</p>
<p>Wie linke Demos sehen Berliner Limonadenregale heute aus. Clownsgesichter, Kommunistentanten, Totenköpfe («süss sind die anderen!») und das Logo der Britischen Luftwaffe zieren die Etiketten. Bio statt Energy und lokal statt global heisst die neue Devise. Und die Geschichten sind gut. Zwei Hamburger Freunde haben statt einem Putzunternehmen eine Hinterhof-Colafabrik eröffnet. Der Grosskonzern Carlsberg verspricht, mit einem Bioholundertrunk den «Geschmack von Heimat» zu imitieren. Ein Berliner Fotograf preist die von ihm neu aufgelegte Sowjetcola Wostok gleich damit an, dass sie beim Rülpsen wie Fichte schmeckt.</p>
<p><span id="more-326"></span>
<p>Eigentlich hat Rivella alles, was es für den Erfolg in diesem Markt braucht: Eigenständigen Geschmack, nicht zu viel Süsse, keine Chemie, natürliche Basis. Eigentlich ist es das Getränk der Stunde. Wäre da nicht diese eine Zutat: Milch.</p>
<p>Axel Kuhn ist für die Vermarktung von Rivella in Deutschland zuständig. Sie könnten die Gesundheitsschiene fahren und mit dem Milchschnitten-Slogan werben, Herr Kuhn: «Rivella, das beste aus der Milch!» Nichts lieben die Deutschen zur Zeit mehr als eine natürliche Molke-Limonade. «Sehr, sehr gute Idee», sagt Kuhn dazu in der Rivellazentrale. «Aber wir haben eine Barriere: Wir wollen die Assoziation mit Milch nicht unbedingt herstellen.»</p>
<p>Bionade hat offensiv mit seiner Fermentation geworben. Klang eklig, verkaufte sich aber bestens. Beschreibt Rivella-Chef Franz Rieder sein Produkt, entstehen Sätze wie: «Es gibt keinen Rivella-Baum, keine Rivella-Frucht – Rivella basiert auf einer geheimen Rezeptur aus natürlichen Frucht- und Kräuterextrakten, auf die wir Schweizer sehr stolz sind.» Auf der Flasche erscheint das Wort nur im Kleingedruckten. Rivellas Widerstände gegen das Wort Milch wären ein Thema für tiefenpsychologische Doktorarbeiten.</p>
<p>In der Schweiz merkt man das nie richtig. Man wächst mit Rivella auf. Man misst sein Erinnerungsvermögen an den Etiketten. Die mit dem Gläsli (bis 1987) kenne ich noch. Also kann ich mich an Dinge vor meinem 4. Altersjahr erinnern. Die Zutat Milch vergisst man schnell. Erst wenn man Rivella im Ausland trifft, fällt auf, wie sehr sich das Unternehmen damit quält.</p>
<p>Eigentlich wäre Rivella eine Alpenlimonda. Doch den Status hat ausgerechnet ein Getränk einverleibt, das mit Milch rein gar nichts zu tun hat. Mit ironischer Alpen-Koketterie verkaufen sich Almdudler selbst in Berlin bestens. Sie stören sich nicht einmal, den dämlichsten Produktname des 20. Jahrhunderts zu haben. Er wird einfach mit nur noch dämlicheren Werbesprüchen getoppt: «Almdudler kann abhängig machen. Schließlich wachsen unsere Kräuter an Abhängen.»</p>
<p>Eigentlich möchte man in Berlin das Duell der Alpenlimonaden erleben. Aber Rivella tut sich schwer. Die Wiener werfen eine Variante ihrer Flasche auf den Markt, die sich selbst unter den Berliner Hip-Limonaden gut macht; S‘Rivellafläschli sieht daneben aus wie ein Mineralwasser für Patienten mit Kalkmangel. In der Schweiz ruft Rivella eine «Rivellution» aus und wirbt mit seiner Andersartigkeit. In Deutschland macht für Rivella einer Werbung, der zwar immer noch sympathisch, aber dessen Witz seit einem halben Jahrhundert der gleiche ist. «Grüezi mitenand», sagt Emil am deutschen Fernsehen. Er steht in einer Küche und führt vor, wie er aus Löffelbiskuit und Kastanien einen Dessertturm baut, der nur dank einer Rivella-Flasche nicht zusammenkracht.</p>
<p>Ob man nicht mit jemand anderem hätte werben können, als mit einem fast 80-jährigen Kabarettisten? «Nur wenige Schweizer sind in Deutschland bekannt», sagt Axel Kuhn. «Und Emil ist auch sympathisch, wenn man ihn nicht kennt.» Roger Federer verkauft bereits Kaffeemaschinen. Michelle Hunziker gehört, wenn, auf die Almdudler-Flasche. DJ Bobo ist in der Berliner Szene nicht gerade ein Partytuner. Roger Köppel würde den Deutschen gleich noch das Schweizer Steuersystem erklären. Ricola hätte aus seiner «Wer hat‘s erfunden?»- Kampagne noch einen Schweizer in Form eines findigen Giftzwergs. Der kam gut an. Aber wer will den noch? Nach dem Minarettverbot drehte eine deutsche Satiresendung einen Spot, in dem eben dieser Schweizer deutsche Neonazis zurechtweist, dass nicht sie, sondern «wir Schweizer» das Minarettverbot erfunden hätten. Ricola fand das nicht lustig.</p>
<p>Bleibt Emil. «Neutral positiv», nennt ihn Kuhn. So wie seine Deutschland-Strategie. Nach Sowjetcolas, die beim Rülpsen Fichte verursachen und Malzlimonaden, die wie Grapefruit riechen aber nach Bier schmecken und auch noch aus Hawaii kommen sollen, lobt man in Berlin Rivella auch einfach dafür, dass es keinen Mundgeruch verursacht. Und fragt, was in der Schweiz niemand zu fragen traut: «Kann man es auch mit Wodka mischen?»</p>
<p><i>Geschrieben fürs St. Galler Tagblatt</i></p>
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		<title>Aprilwoche 2: Alarmstufe 2</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 20:15:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Da sagt jemand aus der Berliner Polizei einfach nur «Zwei» und durch die Stadt geht ein einziges Geschrei. Denn 2, das steht in der polizeilichen Krawallprognosetabelle (ja, die gibt es) für die Fast-Katastrophe. 1 ist das schlimmste, 8 das laueste, las man in der Morgenpost. Wir werden also etwas zwischen Bolschewistischer Revolution (1) und Hugo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da sagt jemand aus der Berliner Polizei einfach nur «Zwei» und durch die Stadt geht ein einziges Geschrei. Denn 2, das steht in der polizeilichen Krawallprognosetabelle (ja, die gibt es) für die Fast-Katastrophe. 1 ist das schlimmste, 8 das laueste, las man in der <a href="http://www.morgenpost.de/berlin/article1285543/Berliner-Polizei-rechnet-mit-Randale-am-1-Mai.html">Morgenpost</a>. Wir werden also etwas zwischen Bolschewistischer Revolution (1) und Hugo Chávez (3) kriegen (8 wäre gewesen: Wolf Biermann spielt in Kreuzberg Gitarre, 7: und singt). Ich höre in solch brenzligen Situationen, in denen die Bild-Zeitung fragen würde «Gibt es jetzt Krieg, Herr Scholl-Latour?», immer am liebsten die Statements der Berliner Polizeigewerkschaft. Ich mag die irgendwie. Polizeigewerkschafter haben noch diese seltene Mischung aus John Wayne und Mutter Maria, diese «Wir schnappen euch den Ganoven!»-Haltung kombiniert mit mütterlichem «Aber pass bloss auf!». Weil die Polizeibeamten trotz Gefahrenstufe 2 am 1. Mai nur kalte Brote kriegen, lässt ihr Chef mal eben die ganze Stadt wissen, dass von ihnen «<a href="http://www.myvideo.de/watch/1105203/Bud_Spencer_Bohnen_und_Knoblauch">ohne Mampf kein Kampf</a>» zu erwarten sei – oh, t&#8217;schuldigung, falscher Link, <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/hartes-brot-fuer-unsere-polizisten-article798218.html">Originalzitat hier</a>. Meldet dann aber die Schweriner Polizei, dass sie in diesem Jahr leider nicht nach Berlin kommen kann mit ihren zwei, drei Beamten, will die Gewerkschaft aus Sicherheitsgründen gleich die ganze 1. Mai-Revolution absagen und stattdessen so was wie Wolf Biermann einladen. Aufgescheucht von diesem Szenario sprach Grünen-Sprecher Benedikt Lux den Polizeibeamten zu, sie sollten doch «<a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/letzter-ausweg-verbot/">dafür werben, dass Kollegen nach Berlin kommen</a>». Polizisten sollen also den Berliner 1. Mai bei ihren Kollegen in Bayern bewerben. Kann man ja mal probieren. Ob sie dafür die Krawallprognose auf 1 hoch oder auf 8 runter schrauben?</p>
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		<title>Wie die erste automatische Dönerfrau in Berlin vorgestellt wurde</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Apr 2010 22:09:15 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<description><![CDATA[
A-DR-V 1003 kann Dönerspiesse scannen und automatisch schneiden. Mehr muss man nicht wissen. Entscheidend ist, was A-DR-V 1003 nicht kann. Husten zum Beispiel. Oder ins Fleisch niessen. Auch Barthaare kann er keine fallen lassen. Oder Sozialversicherung verlangen. Das zu sagen war von den Herstellern politisch vielleicht nicht ganz korrekt. Aber als Türken dürfen sie das.
Geschniegelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://herrfischer.net/wp-content/uploads/2010/04/doener1.jpg" width="400" height="300" alt="doener.jpg" /></p>
<p>A-DR-V 1003 kann Dönerspiesse scannen und automatisch schneiden. Mehr muss man nicht wissen. Entscheidend ist, was A-DR-V 1003 nicht kann. Husten zum Beispiel. Oder ins Fleisch niessen. Auch Barthaare kann er keine fallen lassen. Oder Sozialversicherung verlangen. Das zu sagen war von den Herstellern politisch vielleicht nicht ganz korrekt. Aber als Türken dürfen sie das.</p>
<p>Geschniegelt wie an einer Hochzeit traten die Aussteller an der ersten „Döner Gastronomie Kontaktmesse“ im gediegenen Berliner Reuter-Haus auf. Man hatte ja erwartet, nach dem Besuch drei Tage lang nach Fett und Knoblauch zu riechen. Gerochen hat man dann tatsächlich, allerdings nach Aftershave und Haargel. Dass die Männer dann auch noch alle eine Rose im Veston trugen, als sie die Sauberkeit und Präzision des neuen A-DR-V 1003 rühmten, bekräftigte einem nur noch im längst gehegten Verdacht: A-DR-V ist eine Frau.</p>
<p>„Kann gut sein“, meint Yafes Sahin, auf das Geschlecht des Roboters angesprochen. „Er ist sehr pingelig. Wir werden das wohl bald mal entscheiden.“</p>
<p>Wir, das ist die Firma Güçtek – „The first and only doner robot manufacturer in the world“ – aus Izmir in der Türkei. Angefangen hatte es mit der Firma damit, dass ein paar junge türkische Informatiker festgestellt hatten, dass die Dönerproduktion – wie soll man es politisch korrekt sagen? – technisch wenig weit entwickelt ist. Der Dönermann sieht aus wie ein schwerttragender Osmane aus dem 14. Jahrhundert. Das muss die türkische Seele kränken, zumal das Land in Sachen Innovation sowieso schon abgeschlagen ist. Ob man die Liste der Wissenschaftsnobelpreisträger vergebens nach Türken absucht, sich die Zahlen der OECD anschaut oder einfach mal „Türkische Erfindungen“ bei Google eintippt und ausser einem ominösen Pertuum Mobile und dem Döner kaum etwas Patentes findet.</p>
<p>Zumindest auf dem Dönergebiet soll jetzt aufgeholt werden. Denn immerhin: Die Branche ist in Deutschland umsatzstärker als McDonald‘s und Burger King zusammen. Mit dem Döner-Roboter soll der Kebab endlich zu dem gemacht werden, was er seit seiner Erfindung 1973 in Berlin sein wollte: Globales Fastfood. Um von einem Tag auf den anderen einen Dönerladen an jedem beliebigen Ort auf der Welt zu eröffnen, braucht es jetzt keinen türkischen Handwerker mehr, sondern nur noch einen Schneideroboter für rund 10‘000 Euro.</p>
<p>Ihr werdet also Burger King schlagen? „Inschallah. So Gott will“, sagt Mustafa. Er grinst. Er ist 29, ebenfalls Rosenträger und laut Visitenkarte „Chief of Doner Robots“ für Forschung und Entwicklung. 7 Jahre lang haben er und seine Kollegen an der Maschine gebaut. Ob Gott jetzt will? 45 Roboter wurden bislang verkauft.</p>
<p><i>Geschrieben fürs St. Galler Tagblatt</i></p>
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		<title>Märzwoche 2: Tätertausch</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 09:09:13 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[«Terroristische Züge» habe die linksextremistische Gewalt auf Berlins Straßen angenommen, empörte sich die CDU. Ständig brennen neue Autos in der Stadt. Worauf Innensenator Körting meinte, dass er «für jeden intellektuellen Hinweis» dankbar sei, wie man die Täter schnappen könnte. Also ich habe ja gelegentlich mit Intellektuellen zu tun (jedenfalls Leute mit einem Professoren-Titel). Würde ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>«<a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/polizei-brennt-darauf-fehler-zu-suchen/">Terroristische Züge</a>» habe die linksextremistische Gewalt auf Berlins Straßen angenommen, empörte sich die CDU. Ständig brennen neue Autos in der Stadt. Worauf Innensenator Körting meinte, dass er «<a href="http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/polizei-brennt-darauf-fehler-zu-suchen/">für jeden intellektuellen Hinweis</a>» dankbar sei, wie man die Täter schnappen könnte. Also ich habe ja gelegentlich mit Intellektuellen zu tun (jedenfalls Leute mit einem Professoren-Titel). Würde ich sagen: Das wird nichts. Intellektuelle Hinweise klingen etwa so: «Zunächst stellt sich die Frage: Wie definiert man überhaupt Auto? Und ab wann ist ein Feuer ein Feuer? Und wer ist überhaupt der Täter? Der, der das Auto legt oder der, der das Feuer parkt?» Da geht man lieber gleich Kaffee trinken. Ebenfalls heftig gestritten wurde diese Woche um die Definition von «Dienstwagen», nachdem aufgeflogen war, dass Harald Ehlert, Chef der Obdachlosenhilfsorganisation Treberhilfe, als solchen einen Maserati fährt. «Diakonie hält Maserati für &#8220;ethisch verwerflich&#8221;», titelte die Morgenpost – und musste gleich mal einen <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1261011/Diakonie-haelt-Maserati-fuer-ethisch-verwerflich.html?slideshowpage=0">ausgiebigen Blick auf dieses Objekt der Begierde werfen</a>, die da von der Diakonie das Prädikat «ethisch verwerflich» erhalten hat. «Der 2000-Kilo-Brocken Quattroporte GTS (…) produziert einen aggressiven Sound auf Ferrari-Niveau, der für deutsche Limousinen dieser Bauart unerreichbar bleibt», heisst es im Artikel. Es war, als hätte Ehlert eine Affäre mit einer gehabt, die sich glücklicherweise mal für den Playboy hat fotografieren lassen und nun von der ganzen Stadt begutachtet werden muss, damit sich jeder ein Bild vom Ausmass der Affäre machen kann. Fragt sich am Ende nur: Ist hier nicht eher der Maserati, der Ehlert verführt hat, der Täter?</p>
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		<title>Februar/März: Ikeawoche</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 17:57:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Berlin war schlecht gelaunt, als meine Freundin und ich vor drei Wochen nach England verreist sind. Alice Schwarzer disste Bushido: Er solle nichts vom Ghetto erzählen, er sei kein richtiger Gangster, sondern aus Tempelhof. Fand ich natürlich auch. Ein Bushido der Gangster-Rap macht ist ja in etwa so glaubwürdig, wie wenn Alice Schwarzer eine Frauenzeitschrift [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Berlin war schlecht gelaunt, als meine Freundin und ich vor drei Wochen nach England verreist sind. Alice Schwarzer disste Bushido: Er solle nichts vom Ghetto erzählen, er sei kein richtiger Gangster, sondern aus Tempelhof. Fand ich natürlich auch. Ein Bushido der Gangster-Rap macht ist ja in etwa so glaubwürdig, wie wenn Alice Schwarzer eine Frauenzeitschrift machen würde. Dann war da noch diese Sache mit dem Buch von Helene Hegemann, in dem die 16-jährige über das Innenleben eines Clubs schreibt, dessen Türsteher eigentlich keine Minderjährigen hereinlässt. Es hat sich herausgestellt, dass Hegemann aus dem Buch eines zehn Jahre älteren abgeschrieben hat, was – vielleicht mit Ausnahme des Türstehers – den deutschen Kulturbetrieb in seinen Grundfesten erschüttert hat. Wo kommen eigentlich Ideen her?, fragten sich plötzlich alle. War auch James Cameron gar nicht wirklich bei IKEA? Die Namen seiner nach IKEA-Möbeln benannten Avatar-Figuren könnte er auch aus dem Katalog abgeschrieben haben. Und wo wir schon bei IKEA sind: Hat Bushido seine Jugendknastgeschichten womöglich gar nicht auf der Straße, sondern im Tempelhofer IKEA-Kinderparadies gesammelt? Aber wie kam er da als 16-Jähriger noch rein? Es ging – kurz gesagt – mal wieder um die Frage, wer in Berlin wie viel Street Cred hat, beziehungsweise ob man gleichzeitig in Tempelhof und im Ghetto wohnen kann, ob man volljährig und 16 sein kann und ob man in Berlin leben und einem diese ganzen Fragen egal sein können. Dabei waren die Einzigen, die wirklich Street Cred hatten, die Glätte-Opfer, <a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/immer-mehr-winter-eis-opfer-in-berlin-article726790.html">deren Gipsbeine in der B.Z. zu einer Erzählung von der eiskalten Härte der Berliner Straßen verdichtet wurden, mit einer auf dem Bett aufgebahrten gebrochenen Frau, die aussah wie Michelangelos Pietà und die ästhetische Kraft hatte, zur Symbolfigur für alles zu werden, was die Menschen in Berlin kaputt macht</a>. Aber dann sind wir nach drei Wochen zurückgekommen und das Eis war weg und es scheint wieder die Sonne.</p>
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		<title>Februarwoche 1: Gangsta‘week</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 21:28:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Mumien-Räuber]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Bushido bei der Premiere seines Films am Mittwoch sagte: «Ich war so aufgeregt, ich konnte den ganzen Tag nur ein halbes Snickers essen», dachte man eigentlich: Das wird eine friedliche Woche. Aber dann brach eine Welle der Gewalt über die Stadt herein, wobei der fiese «Mumien-Räuber» noch zu den vernünftigeren Erscheinungen im Berliner Kriminaltheater [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Bushido bei der Premiere seines Films am Mittwoch sagte: «Ich war so aufgeregt, <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/154545/154546.php">ich konnte den ganzen Tag nur ein halbes Snickers essen</a>», dachte man eigentlich: Das wird eine friedliche Woche. Aber dann brach eine Welle der Gewalt über die Stadt herein, wobei der fiese «<a href="http://www.bz-berlin.de/tatorte/schlug-der-mumien-raeuber-wieder-zu-article722535.html#bzRSS">Mumien-Räuber</a>» noch zu den vernünftigeren Erscheinungen im Berliner Kriminaltheater zählte. Die gesamte triebgesteuerte Militanz war in Aktion, von <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/Polizei-Justiz-Steglitz;art126,3018488">Rentnern mit Todes-Pfannen</a> über <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/153978/153979.php">Pastoren mit Onanierkerzen</a> bis zu Linken mit Campinggas. Letztere hatten mit einer so genannten «Campinggaskartuschenbombe» – die Brandbombe des militanten Spiessers – einen Anschlag auf die Rückseite des «Hauses der Wirtschaft» verübt, worauf der CDU-Abgeordnete Robin Juhnke sagte, dass die Anschläge der linken Szene ganz «<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/154580/154581.php?ycl=rss">neue Dimensionen</a>» hätten. Aber es gab auch Erfolge in der Kriminalitätsbekämpfung diese Woche. Ein 21-jähriger Waffenhändler wurde gefasst, bei dem neben 43 Kurzwaffen und 18 Langwaffen auch ein «<a href="http://www.bz-berlin.de/tatorte/21-jaehriger-waffen-haendler-gefasst-article722161.html#bzRSS">verbotenes Laser-Modul</a>» entdeckt worden war. Wurde neben diesem «Laser-Modul» vielleicht auch noch ein übergrosser schwarzer Stahlhelm gefunden? Sowie ein Star-Wars-Poster von Darth Vader? Und natürlich hat auch Berlin der Kauf der CD mit den Schweizer Bankdaten bewegt. «<a href="http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/nussbaum-begruesst-selbst-anzeiger-article724142.html#bzRSS">Jeder, der ein schlechtes Gewissen hat, sollte es jetzt sehr, sehr schnell erleichtern</a>», sagte Finanzsenator Ulrich Nußbaum der B.Z.. Vier Berliner haben sich in der Zwischenzeit selbst angezeigt, worauf man sich natürlich fragt: 4?! Wow. Die Berliner scheinen weniger Angst zu haben auf dieser Daten-CD zu erscheinen als Tocotronic auf der BRAVO-Hits. Aber apropos BRAVO-Hits: Wo ist eigentlich die zweite Hälfte deines Snickers hin, Bushido? Als ich noch ein harter Junge war, hatte ich auch «eh grad keinen Hunger mehr», als man mir mein Pausenbrot klaute. Hoffen wir, dass die nächste Woche friedlicher wird.</p>
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