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		<title>Zwischen Anspannung und Entlastung: Wie Cannabis in der Angsttherapie diskutiert wird</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/zwischen-anspannung-und-entlastung-wie-cannabis-in-der-angsttherapie-diskutiert-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 19:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Cannabis wird zunehmend in der Angsttherapie diskutiert. Während Psychotherapie und Medikamente weiterhin die Grundlage bilden, wächst das Interesse an ergänzenden Methoden. Medizinisches Cannabis </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/zwischen-anspannung-und-entlastung-wie-cannabis-in-der-angsttherapie-diskutiert-wird/">Zwischen Anspannung und Entlastung: Wie Cannabis in der Angsttherapie diskutiert wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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</ol>
</div>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Cannabis wird zunehmend in der Angsttherapie diskutiert. Während Psychotherapie und Medikamente weiterhin die Grundlage bilden, wächst das Interesse an ergänzenden Methoden. Medizinisches Cannabis rückt dabei in den Fokus – als potenziell entlastender, aber auch umstrittener Ansatz. Die Forschung bewegt sich zwischen klinischer Hoffnung und berechtigter Vorsicht.</p>
<h2>5 Fakten, die Sie über Cannabis und Angststörungen wissen sollten</h2>
<ul>
<li><b>Wirkmechanismus:</b> Cannabis beeinflusst das Endocannabinoid-System, das an der <a href="https://intrapsychisch.de/stress-als-koerperliche-reaktion/">Regulation von Stress</a>, Angst und emotionaler Verarbeitung beteiligt ist.</li>
<li><b>Medizinischer Einsatz:</b> THC und CBD werden in Studien auf anxiolytische Effekte untersucht – mit teils gegensätzlichen Ergebnissen.</li>
<li><b>Individuelle Wirkung:</b> Cannabis kann Ängste dämpfen, bei sensiblen Personen aber auch verstärken.</li>
<li><b>Medizinische Begleitung entscheidend:</b> Nur unter ärztlicher Aufsicht sinnvoll, etwa über Anbieter wie <a href="https://www.gruenhorn.de/blog/cannabis-bei-angststoerungen">Grünhorn</a>, die aktuelle Forschung und medizinische Perspektiven zu Cannabis bei Angststörungen aufbereiten.</li>
<li><b>Forschung im Wandel:</b> Die Evidenz wächst, bleibt aber heterogen; Langzeiteffekte sind weiter Gegenstand klinischer Prüfung.</li>
</ul>
<h2>Therapieansätze im Wandel: Zwischen Anspannung und Entlastung</h2>
<p>Angststörungen gehören zu den <a href="https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/angststoerung/angstoerung-hintergrund#:~:text=Agoraphobie%20und%20Panikst%C3%B6rung-,Wie%20viele%20Menschen%20sind%20von%20Angstst%C3%B6rungen%20betroffen?,die%20einen%20konkreten%20Ausl%C3%B6ser%20hat.">häufigsten psychischen Erkrankungen</a> in Deutschland. Etwa jede vierte Person erlebt im Laufe des Lebens eine behandlungsbedürftige Form – von generalisierter Angst bis zu sozialer Phobie oder Panikstörung. Klassische Behandlungswege bestehen aus Psychotherapie, Medikamenten und psychosozialer Unterstützung. Dennoch zeigt sich in klinischen Studien, dass ein Teil der Betroffenen auf herkömmliche Ansätze nur begrenzt anspricht oder Nebenwirkungen problematisch erlebt.<br />
Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an ergänzenden Therapieoptionen. Besonders Cannabis rückt dabei in den Fokus. Während es jahrzehntelang vor allem mit Freizeitkonsum assoziiert wurde, entwickelt sich heute ein differenzierter Blick auf seine pharmakologische Wirkung. Medizinisches Cannabis wird seit 2017 in Deutschland unter strengen Voraussetzungen verschrieben – etwa bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder Belastungssymptomen nach Trauma.<br />
In der Angsttherapie stellt sich nun die Frage: Kann Cannabis helfen, übersteigerte Stressreaktionen zu regulieren? Oder birgt es gerade bei vulnerablen Personen zusätzliche Risiken? Die wissenschaftliche Diskussion bleibt offen – zwischen klinischer Entlastung und psychologischer Herausforderung.</p>
<h2>Neurobiologische Grundlagen: Wie Cannabis im Gehirn wirkt</h2>
<p>Das Endocannabinoid-System (ECS) ist zentral für emotionale Stabilität und Stressverarbeitung. Es reguliert neuronale Aktivität in Hirnregionen wie der Amygdala, die Angstreaktionen steuert, und dem präfrontalen Kortex, der diese Reaktionen hemmt.<br />
THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol) bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn und kann die Ausschüttung von Neurotransmittern wie GABA und Glutamat beeinflussen. CBD (Cannabidiol) wirkt indirekt, etwa über Serotoninrezeptoren (5-HT1A), und kann die Aktivität des ECS modulieren, ohne psychotrope Effekte zu verursachen.<br />
Forschungsergebnisse aus der Nature Reviews Neuroscience (Ruehle et al., 2012) zeigen, dass moderate Aktivierung des ECS angstlösende Wirkungen haben kann. Gleichzeitig weist die <a href="https://www.dgppn.de/aktuelles/stellungnahmen-und-positionen/geplante-budgetkuerzungen-kliniken.html">Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN)</a> darauf hin, dass die Dosis entscheidend ist: Während niedrige THC-Konzentrationen Entspannung fördern, können hohe Dosen Angst und Paranoia verstärken.</p>
<h2>Medizinischer Einsatz und aktuelle Studienlage</h2>
<p>Cannabis ist in Deutschland verschreibungsfähig, wenn etablierte Therapien versagen oder nicht vertragen werden. Ärzt:innen prüfen dabei Indikation, Dosis und mögliche Wechselwirkungen mit bestehenden Medikamenten.<br />
CBD-haltige Präparate werden besonders im Zusammenhang mit sozialer Angststörung und PTBS erforscht. Eine Metaanalyse (Frontiers in Pharmacology, 2020) berichtet über anxiolytische Effekte in kontrollierten Situationen, etwa bei öffentlichem Sprechen. THC-dominante Präparate werden vereinzelt in der Schmerz- und Traumatherapie eingesetzt, um Hyperarousal oder Schlafstörungen zu mindern.<br />
Klinische Zentren in Kanada und Israel führen derzeit Studien zur Kombination von CBD und Expositionstherapie durch. Ziel ist es zu prüfen, ob eine reduzierte Amygdala-Aktivität durch CBD die Angstverarbeitung in der Therapie erleichtern kann. Erste Ergebnisse deuten auf eine verbesserte Emotionsregulation hin, allerdings ohne Langzeitnachweis.</p>
<h3>Chancen: Wann Cannabis unterstützen kann</h3>
<ol>
<li><b>Physiologische Entlastung:</b> Bei überaktivem Stresssystem kann Cannabis die sympathische Reaktion dämpfen und so den Zugang zu Entspannungsverfahren erleichtern.</li>
<li><b>Schlafverbesserung:</b> Besonders bei generalisierten Angststörungen wirkt CBD schlaffördernd und stabilisiert circadiane Rhythmen.</li>
<li><b>Psychotherapeutische Synergie:</b> Geringe Dosen können Expositionsverfahren oder achtsamkeitsbasierte Therapien unterstützen, da die Angstwahrnehmung gedämpft wird.</li>
</ol>
<p>Die Forschung sieht Potenzial, wenn Cannabis in kontrollierten Dosen eingesetzt wird – stets eingebettet in ein medizinisch-psychotherapeutisches Gesamtkonzept. Eine isolierte Anwendung ohne Begleitung wird ausdrücklich nicht empfohlen.</p>
<h3>Risiken und Grenzen</h3>
<p>THC kann Angst verstärken, wenn Dosis oder Zusammensetzung nicht angepasst werden. Häufige Nebenwirkungen sind Unruhe, Wahrnehmungsveränderungen und Panikattacken. Eine Studie der National Institute on Drug Abuse(NEJM, 2014) weist auf ein erhöhtes Risiko für anhaltende Angstsymptome und depressive Verstimmungen bei frühem oder chronischem Gebrauch hin.<br />
Auch das Risiko psychotischer Episoden steigt bei genetischer Prädisposition oder hoher THC-Exposition. Die <a href="https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/cannabis-kip-baek.pdf">Bundesärztekammer</a> betont, dass Cannabis nur in Ausnahmefällen und nach gründlicher Diagnostik verordnet werden sollte. Entscheidend bleibt die individuelle Reaktion: Während CBD tendenziell anxiolytisch wirkt, kann THC gegenteilige Effekte haben.</p>
<h2>Forschung im Wandel</h2>
<p>Internationale Studien bemühen sich um eine präzisere Dosierungsempfehlung. In Deutschland fördert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) derzeit mehrere Projekte zur Wirksamkeit von CBD bei Angst- und Schlafstörungen.<br />
Die bisherigen Ergebnisse sind heterogen: Während einige Studien signifikante Verbesserungen in Angstsymptomen berichten, zeigen andere keine Unterschiede zu Placebo. Gründe sind unterschiedliche Cannabisqualitäten, fehlende Standardisierung und individuelle Unterschiede im Stoffwechsel.<br />
Künftig werden kombinierte Studien aus Psychologie, Neurowissenschaft und Pharmakologie notwendig sein, um Cannabis als begleitende Therapie valide zu bewerten. Entscheidend wird sein, ob die Wirkmechanismen klar von Placeboeffekten abgegrenzt werden können.</p>
<h2>Einordnung und Ausblick: Cannabis zwischen Therapieergänzung und Forschungsauftrag</h2>
<p>Cannabis ist kein Ersatz für bewährte Therapieformen, kann aber ergänzend wirken, wenn Angstreaktionen über physiologische Mechanismen moduliert werden sollen. Seine Wirkung hängt von Dosis, Zusammensetzung und psychischem Kontext ab.<br />
In kontrollierten klinischen Rahmenbedingungen kann Cannabis emotionale Regulation unterstützen – vorausgesetzt, ärztliche Begleitung, psychotherapeutische Einbettung und wissenschaftliche Kontrolle sind gewährleistet.<br />
Der aktuelle Forschungsstand zeigt: Cannabis ist weder Allheilmittel noch Gefahr per se. Es markiert einen Übergang zu einem integrativen Therapieverständnis, das Biologie, Psychologie und individuelle Erfahrung gleichermaßen berücksichtigt. Anbieter wie Grünhorn leisten einen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufklärung, indem sie aktuelle Studien und ärztliche Perspektiven zugänglich machen – ohne Pauschalurteile, aber mit fachlicher Präzision.</p>
<p>Image by <a href="https://pixabay.com/users/kalyanayahaluwo-1767926/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=7785625">vined mind</a> from <a href="https://pixabay.com//?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=7785625">Pixabay</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/zwischen-anspannung-und-entlastung-wie-cannabis-in-der-angsttherapie-diskutiert-wird/">Zwischen Anspannung und Entlastung: Wie Cannabis in der Angsttherapie diskutiert wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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		<title>Digital Detox an Schulen – wie viel Bildschirm tut Kindern gut?</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/digital-detox-an-schulen-wie-viel-bildschirm-tut-kindern-gut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Oct 2025 10:25:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die digitale Revolution hat das Klassenzimmer erobert. Tablets, interaktive Whiteboards und Lernplattformen prägen den modernen Schulalltag. Doch während digitale Medien zweifellos neue Lernmöglichkeiten </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/digital-detox-an-schulen-wie-viel-bildschirm-tut-kindern-gut/">Digital Detox an Schulen – wie viel Bildschirm tut Kindern gut?</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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</ol>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die digitale Revolution hat das Klassenzimmer erobert. Tablets, interaktive Whiteboards und Lernplattformen prägen den modernen Schulalltag. Doch während digitale Medien zweifellos neue Lernmöglichkeiten eröffnen, wächst die Sorge um die Auswirkungen übermäßiger Bildschirmzeit auf die kindliche Entwicklung. Immer mehr Schulen experimentieren daher mit Digital-Detox-Programmen, um eine gesunde Balance zwischen analogem und digitalem Lernen zu finden. Die Frage nach dem richtigen Maß beschäftigt Eltern, Lehrkräfte und Bildungsexpert*innen gleichermaßen. Aktuelle Studien zeigen unterschiedliche Durchschnittswerte für die tägliche Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen, die oft im Bereich von mehreren Stunden liegen – ein Großteil davon außerhalb der Schule. Diese Entwicklung wirft wichtige Fragen auf: Welche Folgen hat die intensive Mediennutzung für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung? Wie können Bildungseinrichtungen verantwortungsvoll mit digitalen Werkzeugen umgehen? Und welche konkreten Strategien helfen dabei, einen ausgewogenen Medienkonsum zu fördern?</p>
<h2>Die psychischen Auswirkungen übermäßiger Bildschirmzeit</h2>
<p>Wer sich mit der Thematik wissenschaftlich auseinandersetzt und beispielsweise ein Studium der Klinischen Psychologie absolviert, lernt die komplexen <a href="https://www.macromedia-plus.de/bachelor/klinische-psychologie/">Zusammenhänge zwischen Medienkonsum und psychischer Gesundheit</a> verstehen. Übermäßige Bildschirmzeit kann bei Kindern zu Aufmerksamkeitsproblemen, Schlafstörungen und erhöhter Reizbarkeit führen. Das sich entwickelnde Gehirn reagiert besonders sensibel auf die ständigen Reize digitaler Medien. Die permanente Verfügbarkeit von Unterhaltung und Information kann die Fähigkeit zur Konzentration und zum vertieften Denken beeinträchtigen.</p>
<p>Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen auf das Sozialverhalten. Einige Studien legen nahe, dass Kinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, Schwierigkeiten in der direkten zwischenmenschlichen Kommunikation haben können. Einige Expert*innen vermuten, dass die Fähigkeiten, nonverbale Signale zu deuten und Empathie zu entwickeln, beeinträchtigt werden könnten, wenn digitale Interaktionen persönliche Begegnungen ersetzen. Gleichzeitig berichten Lehrkräfte von zunehmenden Problemen mit der Impulskontrolle und einer verringerten Frustrationstoleranz bei intensiven Mediennutzer*innen.</p>
<h2>Neurobiologische Veränderungen durch digitale Reizüberflutung</h2>
<p>Die Neurowissenschaft liefert fundierte Erkenntnisse zur digitalen Überstimulation und deren Einfluss auf das kindliche Gehirn. Einige Studien legen nahe, dass exzessive Bildschirmnutzung die Dopaminausschüttung beeinflussen und möglicherweise zu suchtähnlichen Verhaltensmustern führen kann. Das Belohnungssystem des Gehirns wird durch die schnellen Erfolgserlebnisse in Apps und Spielen permanent aktiviert, wodurch alltägliche Aktivitäten als weniger befriedigend empfunden werden. Diese neurobiologischen Veränderungen können langfristige Folgen für die Lernmotivation und das Durchhaltevermögen haben.</p>
<h2>Erfolgreiche Digital-Detox-Konzepte für den Schulalltag</h2>
<p>Innovative Schulen entwickeln daher immer häufiger kreative Ansätze, um bewusste Bildschirmpausen in den Unterrichtsalltag zu integrieren. Ein erfolgreiches Modell ist die Einführung bildschirmfreier Vormittage, bei denen ausschließlich mit analogen Materialien gearbeitet wird. Diese Phasen fördern nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern stärken auch handwerkliche und künstlerische Fertigkeiten. Waldorfschulen legen traditionell besonderen Wert auf genau diese Fertigkeiten und verwenden daher weniger digitale Medien, was positive Effekte auf die Kreativität und das selbstständige Denken ihrer Schüler*innen haben kann.</p>
<p>Einige Bildungseinrichtungen setzen außerdem auf das Konzept der <i>digitalen Ruheräume</i> – spezielle Bereiche, in denen elektronische Geräte grundsätzlich verboten sind. Diese Zonen dienen als Rückzugsorte für analoges Lernen, persönliche Gespräche und kreative Aktivitäten. Ergänzt werden solche Maßnahmen durch Medienkompetenz-Workshops, die Kindern einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Dabei lernen sie, zwischen sinnvoller Nutzung und problematischem Konsum zu unterscheiden.</p>
<h3>Praktische Umsetzungsstrategien für Lehrkräfte</h3>
<p>Lehrer*innen stehen vor der Herausforderung, digitale Werkzeuge sinnvoll einzusetzen, ohne eine Abhängigkeit zu fördern. Bewährt hat sich die <a href="https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/schlaf/5-uhr-club-ist-fruehaufstehen-gesund-oder-sinnlose-quaelerei-1180763.html">20-20-20-Regel</a>: Nach 20 Minuten Bildschirmarbeit folgt eine 20-sekündige Pause mit Blick auf einen mindestens 20 Fuß entfernten Punkt. Diese einfache Methode reduziert die Augenbelastung und verbessert die Aufmerksamkeit. Zusätzlich integrieren viele Pädagog*innen bewegte Pausen und Achtsamkeitsübungen, um die durch Bildschirmarbeit entstandene Anspannung abzubauen.</p>
<h3>Die Rolle der Eltern für das digitale Gleichgewicht</h3>
<p>Eine erfolgreiche Medienerziehung erfordert die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. <a href="https://intrapsychisch.de/digital-detox-das-sind-die-psychischen-vorteile/">Wie Expertinnen für psychologische Themen betonen</a>, prägen Eltern durch ihr eigenes Medienverhalten maßgeblich die Gewohnheiten ihrer Kinder. Gemeinsame bildschirmfreie Zeiten, klare Regeln für die Gerätenutzung und alternative Freizeitangebote schaffen ein ausgewogenes Umfeld. Besonders wichtig ist die Vorbildfunktion: Wenn Erwachsene selbst ständig am Smartphone hängen, verlieren Regeln zur Bildschirmzeit ihre Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Erfolgreiche Familienkonzepte beinhalten feste Medienzeiten, gemeinsame analoge Aktivitäten und technikfreie Mahlzeiten. Viele Familien führen einen wöchentlichen <a href="“https://www.kneipp.com/de_de/kneipp-coach/selbstfuersorge/digital-detox/“">Digital-Detox-Tag</a> ein, an dem bewusst auf elektronische Geräte verzichtet wird. Diese gemeinsamen Erfahrungen stärken den Familienzusammenhalt und zeigen Kindern, dass Freizeitgestaltung auch ohne Bildschirme möglich und bereichernd ist. Die Etablierung solcher Routinen erfordert anfangs Durchhaltevermögen, führt aber langfristig zu einem bewussteren Medienkonsum aller Familienmitglieder.</p>
<p>Schulen können Eltern durch Informationsabende und praktische Workshops unterstützen. Dabei werden konkrete Strategien vermittelt, wie digitale Medien altersgerecht eingesetzt werden können. <a href="https://intrapsychisch.de/piaget-stufenmodell-der-kognitiven-entwicklung/">Wissen über die kindliche Entwicklung</a> hilft, die Entwicklungsphasen von Kindern mitsamt ihren Herausforderungen besser zu verstehen und entsprechende Medienregeln anzupassen. Die Vermittlung von Medienkompetenz wird so zu einer gemeinsamen Aufgabe von Bildungseinrichtungen und Familien.</p>
<h2>Fazit: Digitale Pausen als Schlüssel zu nachhaltigem Lernen</h2>
<p>Digital Detox an Schulen ist kein Rückschritt, sondern eine notwendige Antwort auf die Herausforderungen der digitalen Ära. Die richtige Balance zwischen analogem und digitalem Lernen zu finden, erfordert kontinuierliche Anpassungen und individuelle Lösungen. Schulen, die bewusste Bildschirmpausen implementieren und gleichzeitig digitale Kompetenzen vermitteln, bereiten Kinder optimal auf eine technologisierte Zukunft vor. Der Schlüssel liegt in der Förderung eines reflektierten Medienkonsums, der digitale Werkzeuge als Hilfsmittel und nicht als Selbstzweck begreift. Nur durch die gemeinsame Anstrengung von Bildungseinrichtungen, Familien und Gesellschaft kann es gelingen, Kindern einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln und gleichzeitig ihre kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten optimal zu fördern.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/digital-detox-an-schulen-wie-viel-bildschirm-tut-kindern-gut/">Digital Detox an Schulen – wie viel Bildschirm tut Kindern gut?</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Psycholytische Therapie: Psychedelika in der Psychotherapie</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/psycholytische-therapie-psychedelika-in-der-psychotherapie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Aug 2025 09:51:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Psychedelika]]></category>
		<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Forschung zur Behandlung psychischer Erkrankungen wird in unterschiedlichen Ländern zur Zeit stark intensiviert. Mit Esketamin wurde etwa 2021 in Deutschland ein Nasenspray </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/psycholytische-therapie-psychedelika-in-der-psychotherapie/">Psycholytische Therapie: Psychedelika in der Psychotherapie</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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</ol>
</div>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Forschung zur Behandlung psychischer Erkrankungen wird in unterschiedlichen Ländern zur Zeit stark intensiviert. Mit Esketamin wurde etwa 2021 in Deutschland ein Nasenspray zur Behandlung der therapieresistenten Depression zugelassen. Und auch darüber hinaus sind Psychdelika und ähnliche Stoffe ins Rampenlicht gerückt: Am Mannheimer Zentralinstitut für seelische Gesundheit läuft eine Psilocibin-Studie zur Behandlung der Depression, in der kanadischen Provinz Alberta dürfen seit 2023 Psilocybin, LSD, MDMA, Meskalin, Ketamin und DMT zu psychotherapeutischen Zwecken eingesetzt werden, in der Schweiz liefen in der jüngeren Vergangenheit Studien zu LSD bei Depression und Angststörung und in Tübingen wird zu DMT bei therapieresistenter Depression geforscht. Doch wie sieht die Forschungslage derzeit eigentlich aus? Und handelt es sich beim Psychdelikaboom wirklich um ein neues Phänomen?</p>
<h2>Kein neues Phänomen</h2>
<p>Dass <a href="https://nordleaf.de">Cannabis auf Rezept</a> abgegeben wird, etwa bei Nordleaf, gilt hierzulande heute als kleine Sensation. Dabei ist historisch betrachtet kein neues Phänomen, dass psychdelische und ähnlich wirkende Substanzen zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt werden. Während Cannabisprodukte heute primär bei körperlichen Leiden verschrieben werden, wurden Psychdelika typischerweise bei psychischen Erkrankungen und ähnlichen Phänomenen eingesetzt. Außerhalb der westlichen Medizin werden psychoaktive Substanzen seit Jahrhunderten etwa im Schamanismus eingesetzt. Ayahuasca etwa, das DMT enthält, wird bei einigen indigenen Völkern rituell verwendet. Schaman*innen wollen so in einen veränderten Bewusstseinszustand gelangen, der es ihnen erlauben soll, mit Geistern und Ahnen zu kommunizieren, die Zukunft vorauszusehen oder Heilung bei physischen wie psychischen Erkrankungen zu initiieren.<br />
Doch auch innerhalb der westlichen Medizin ist der Einsatz entsprechender Substanzen keineswegs neu. Bereits 1931 setzte der Psychoanalytiker Dario Baroni Mescalin und Stechapfelsamen im therapeutischen Kontext ein. Auch LSD wurde bereits 1949 im Kontext von Psychotherapien eingesetzt: Als Medikament wurde es mit der Indikation „zur seelischen Auflockerung bei analytischer Psychotherapie, besonders bei Angst- und Zwangsneurosen“ zugelassen. Im Rahmen des von US-Präsident Richard Nixon ausgerufenen <i>War on Drugs</i>, der von den westlichen Verbündeten mitgetragen wurde (ausgedrückt im <i>Übereinkommen über psychotrope Stoffe</i> der UN von 1971, kam der Gebrauch entsprechender Substanzen, die größtenteils illegalisiert wurden, weitgehend zum Erliegen. Sog. psycholytische Psychotherapien, im Rahmen derer Psychedelika die Abwehr schwächen und so zu den <a href="https://intrapsychisch.de/sigmund-freud-die-traumdeutung/">Zugang zum Unbewussten</a> erleichtern sollten, wurden – wenn überhaupt – in den meisten westlichen Ländern nur noch illegal durchgeführt. Auch zu Forschungszwecken durften entsprechende Substanzen kaum noch verwendet werden, sodass bereits angestoßene Prozesse nicht weitergeführt werden kann. Beispielhaft kann hier etwa auf die <i>Europäische Ärztliche Gesellschaft für psycholytische Therapie</i> verwiesen werden, die 1960 gegründet wurde und bereits 1971 aufgrund der genannten Entwicklungen ihre Tätigkeiten einstellte.<br />
Vor diesem Hintergrund kann die verstärkte Forschung zum psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen Potential psychedelischer und ähnlicher Substanzen eher als Wiederaufnahme einer ins Abseits geratenen Forschungsrichtung denn als völlig neues Phänomen verstanden werden. Eine Ausnahme, die hier jedoch nicht näher behandelt werden soll, stellt in dieser Hinsicht die Schweiz dar: Dort werden bereits seit 1988 Sondergenehmigung für den Einsatz von LSD und MDMA im Rahmen der Psychotherapie vergeben – was in Deutschland außerhalb klinischer Studien bis heute nicht möglich ist.</p>
<h2>Studienlage zum Einsatz von Psychdelika und Co bei psychischen Erkrankungen</h2>
<p>Die Studienergebnisse zum Einsatz von Psychedelika bei psychischen Erkrankungen sind insgesamt vielversprechend. Hinzuweisen ist hier einschränkend darauf, dass die Substanzen nur bei bestimmten Erkrankungen und meist nur im Zusammenhang mit Psychotherapie untersucht wurden. Letzterer Aspekt stellt dabei keine Einschränkung dar: Die meisten Forschenden interessieren sich bewusst für eine durch Psychdelika oder Dissoziativa begleitete Psychotherapie und nicht für die Entwicklung einer rein substanzbasierten Therapie. Für die Ableitung von Aussagen zur Wirksamkeit ergeben sich daraus teilweise nichtsdestotrotz Schwierigkeiten. Bei den meisten Substanzen mangelt es indes noch an qualitativ hochwertigen Studien, die auch einen längeren Beobachtungszeitraum abdecken.</p>
<h3>LSD bei Depressionen und Angststörungen</h3>
<p>Aktuelle Studien liegen etwa zu LSD vor. Forschende der Universität Basel konnten etwa zeigen, dass die hochdosierte Gabe von LSD sowohl bei Depressionen als auch bei Angststörungen über mehrere Wochen hinweg Wirkungen entfaltet und die Symptome signifikant reduziert. Für Angststörungen konnte sogar bei einer Folgeerhebung nach vier Monaten noch eine deutliche Verringerung der Symptome nachgewiesen werden. Was jedoch auch ersichtlich ist, ist der große Aufwand, den eine LSD-Behandlung mit sich bringt: Aufgrund der Wirkdauer von zehn bis zwölf Stunden ist hier eine lange medizinische und psychotherapeutische Betreuung nötig.</p>
<h3>Psilocybin bei Depressionen</h3>
<p>Weniger eindeutig ist die Forschungslage zu Psilocybin. Während erste Pilotstudien auf anhaltende antidepressive Effekte hindeuten, konnte eine umfangreiche Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit Mannheim und der Charité Berlin keine anhaltende antidepressive Wirkung zeigen. Sehr wohl erkennbar war jedoch ein signifikantes kurzzeitiges Ansprechen auf die Psilocybingabe.</p>
<h3>Ketamin bei Depressionen</h3>
<p>Neben Psychedelika wird mit Ketamin heute auch ein Dissoziativum in der Depressiontherapie eingesetzt. Anders als alle anderen zugelassenen Antidepressiva zeigt Ketamin eine sofortige Wirkung – bei klassischen Antidepressiva tritt die Wirkung erst nach zwei bis drei Wochen ein. Das macht den Wirkstoff insbesondere bei psychiatrischen Notfällen mit akuter Suizidalität interessant. Bei dieser Indikation sowie bei therapieresistenter Depression wird Ketamin in Form eines Nasensprays nach erfolgreichen klinischen Studien heute auch in Deutschland eingesetzt. Daneben kommen Ketamininfusionen als Off-Label-Behandlung zum Einsatz. Die Rauschwirkung des Dissoziativums ist der von Psychedelika ähnlich, beruht jedoch auf einer anderen Rezeptorbindung als bei diesen. Der Off-Label-Einsatz ist in Deutschland möglich, da Ketamin als Anästhetikum bereits zugelassen ist. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit von Ketamin bei der Linderung depressiver Symptome als bewiesen gelten kann. Ferner hat sich ergeben, dass die Wirkung einige Tage nach der Infusion nachlässt. Werden über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere Infusionen gegeben, so hält die Wirkung nach der letzten Infusion jedoch deutlich länger an als bei nur einmaliger Gabe.</p>
<h2>Risiken und Nebenwirkungen</h2>
<p>In medizinischen Kontexten eingesetzte Psychedelika und Dissoziativa gelten als sicher. Das Nebenwirkungspotential der Substanzen ist jedoch nicht gering, weshalb eine enge ärztliche Betreuung nötig ist, um nötigenfalls schnell intervenieren zu können. Auch auf Wechselwirkungen mit Psychopharmaka und anderen Medikamenten ist zu achten. Aus diesem Grund – und da nur im medizinisch kontrollierten Setting die Reinheit der Substanz garantiert werden kann – ist von Eigentherapien in jedem Falle abzuraten.<br />
Alle Psychedelika und Dissoziative können kurzzeitig starke Angstepisoden hervorrufen sowie zu substanzinduzierten Psychosen führen. Daneben sind auch körperliche Nebenwirkungen wie ein gesteigerter Herzschlag, ein erhöhter Blutdruck oder Kreislaufbeschwerden möglich. Relativ häufig ist darüber hinaus Übelkeit. Die zu erwartenden Risiken und Komplikationen unterscheiden sich jedoch von Substanz zu Substanz. Eine ausführliche Beratung sowie der Ausschluss von Kontraindikationen werden durch die ärztliche Betreuung gewährleistet. So ist es üblich, vor der Gabe die Vitalparameter zu messen, eine ausführliche Krankengeschichte zu erheben und gegebenenfalls weitere Diagnostik (etwa per EKG) zu betreiben, um das Komplikationsrisiko zu minimieren.</p>
<h2>Fazit: Dissoziativa und Psychedelika in der Psychotherapie</h2>
<p>Abschließend lässt sich damit festhalten, dass Psychedelika und das Dissoziativum Ketamin vielversprechende Stoffe für die Behandlung psychischer Erkrankungen darstellen. Während die antidepressive Wirkung von Ketamin bereits heute als erwiesen gilt, ist bei den meisten anderen Substanzen jedoch weitere Forschung nötig, um Wirksamkeit, Wirkbedingungen und Risiken zu ermitteln. Hierzu laufen derzeit weltweit zahlreiche Studien, sodass in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Erkenntnisgewinn in diesem Bereich zu rechnen ist. Was den Einsatz in der Praxis bei positiver Evaluation jedoch deutlich erschweren dürfte, sind die weitgehend restriktiven Drogengesetze.</p>
<h2>Quellen</h2>
<p><a href="https://www.biologicalpsychiatryjournal.com/article/S0006-3223(22)01553-0/fulltext">https://www.biologicalpsychiatryjournal.com/article/S0006-3223(22)01553-0/fulltext</a><br />
<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666634025001527?via%3Dihub">https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666634025001527?via%3Dihub</a><br />
<a href="https://saept.ch/uber-uns/">https://saept.ch/uber-uns/</a><br />
<a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s15005-024-4209-z">https://link.springer.com/article/10.1007/s15005-024-4209-z</a><br />
<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33065824/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33065824/</a></p>
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		<title>Was ist ein Trauma? Traumatheorien im Überblick</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/was-ist-ein-trauma-traumatheorien-im-ueberblick/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lukas Krönert]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Apr 2025 17:54:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff des Traumas hat sich längst in der Alltagssprache festgesetzt. Nicht selten werden banale Alltagserlebnisse – der verpasste Bus, das langweilige Arbeitsmeeting </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Begriff des Traumas hat sich längst in der Alltagssprache festgesetzt. Nicht selten werden banale Alltagserlebnisse – der verpasste Bus, das langweilige Arbeitsmeeting oder der Streit mit dem*der Partner*in – <a href="https://intrapsychisch.de/der-begriff-der-depression/">heute als traumatisch bezeichnet</a>. In der alltäglichen Verwendung des Begriffs zeigt sich zwar ein Wissen darum, dass er sich auf negativ besetzte Erlebnisse bezieht; scharfe Konturen kann er jedoch keineswegs gewinnen. So verwundert es kaum, dass der Begriff des Traumas in der psychotherapeutischen Fachsprache anders definiert ist als in der Alltagssprache. Doch was ist ein Trauma? Wann wird in der klinischen Psychologie von einem Ereignis als traumatisch gesprochen? Und was ist eine Traumatisierung? Verschiedene Traumatheorien versuchen, den Begriff zu definieren, und beleuchten dabei vor allem die Folgen von Ereignissen. So ist die Frage danach, was ein Trauma ist, untrennbar verbunden mit der nach der Traumatisierung und den Traumafolgen.</p>
<h2>Was ist ein Trauma?</h2>
<p>Der Begriff des Traumas stammt aus der Medizin und bezeichnet dort ursprünglich die Schädigung des Organismus durch eine Einwirkung von außen. Die klinische Psychologie hat den Begriff gewissermaßen ausgeweitet: In ihrem Sprachgebrauch bezieht er sich nicht auf körperliche, sondern auf psychische Schädigungen durch Einwirkungen von außen. Zur Differenzierung ist insbesondere in älterer Fachliteratur meist vom „Psychotrauma“ (Battegay: 20) die Rede. Werner Bohleber weist darauf hin, dass die „Einwirkungen der Außenwelt mit ihren spezifischen Folgen für die innere psychische Realität“ (Bohleber: 147) das Psychotrauma ausmachen: Ein Trauma liegt nur dann vor, wenn beides zusammenkommt.</p>
<p>Anna Menyhért hält fest, dass man „das 20. Jahrhundert mitunter das Jahrhundert des Traumas“ (Menyhért: 103) nennt. Das gilt gleich im doppelten Sinne. Nicht nur ist das 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen und dem Holocaust reich an traumatisierenden Ereignissen; es bot damit auch die nötige Reflexionsbasis für eine erste Theoretisierung des Traumas: „Es sind die äußeren Ereignisse, vor allem die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und die durch sie erlebten und erlittenen Extremerfahrungen, die die Entwicklung des Traumabegriffs voranbrachten“ (Bohleber: 147). So entwickelt Sigmund Freud seine einflussreiche Traumatheorie etwa nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust reflektierte u.a. Jean Améry den umfassenden Verlust eines Vertrauens in die Welt und nach dem Vietnamkrieg wurde das Konzept der Posttraumatischen Belastungsstörung in die Diagnosemanuale eingeführt.</p>
<p>Ersichtlich wurde in diesem Jahrhundert des Schreckens auch, dass Menschen sehr unterschiedlich auf vergleichbare äußere Einwirkungen reagieren. Für die Diagnose eines Traumas von zentraler Bedeutung ist folglich nicht nur das äußere Ereignisse, sondern auch seine „spezifischen Folgen für die innere psychische Realität“ (Bohleber: 147): Nur Ereignisse, die negative psychische Folgen zeitigen, kommen als Traumata infrage.</p>
<p>Die Psychoanalyse hält bezogen auf Kindheitstraumata fest, dass es im Erleben eines Kindes keine Rolle spielt, „ob eine Umgebungssituation tatsächlich manifest belastend ist oder aber wegen begünstigender Umstände lediglich so empfunden wird. Entscheidend ist die innere Realität bzw. das Erleben des betreffenden Kindes“ (Battegay: 201). Gottfried Fischer und Peter Riedesser definieren das Trauma in ihrem <i>Lehrbuch der Psychotraumatologie</i> entsprechend als „ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“ (Fischer/Riedesser: 84).</p>
<p>Ob ein Trauma vorliegt, hängt also weniger vom äußeren Ereignis als vielmehr von seinen Folgen für das Selbst- und Welterleben ab, die wiederum mitbestimmt werden durch die Bewältigungskapazitäten der betroffenen Person. Im ICD-10 hingegen ist der Traumabegriff restriktiver definiert. Im Abschnitt zur Posttraumatischen Belastungsstörung heißt es dort, diese sei eine „Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (ICD-10). In der klinischen Praxis ist dieses Diagnosekriterium jedoch schwer einsetzbar, da kaum zu überprüfen ist, welches Ereignis „bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde“ (ICD-10). In der Praxis findet daher eher eine Orientierung an der Definition im Sinne Fischers und Riedessers statt, die stärker das Individuum mit seinem Erleben in den Vordergrund rückt.</p>
<h2>Traumatheorien: Trauma und Traumafolgen erklären</h2>
<p>Während hinsichtlich der Definition des Traumabegriffs in der klinischen Psychologie wie in der therapeutischen Praxis zumindest in Grundzügen Einigkeit herrscht, gehen die Positionen hinsichtlich der Wirkungen eines solchen Erlebnisses stark auseinander. Unterschiedliche Theorien versuchen zu erklären, <i>wie</i> ein traumatisches Ereignis eine „dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis“ (Fischer/Riedesser: 79) hervorruft, <i>wie</i> und <i>wieso</i> es das Erleben der Betroffenen nachhaltig verändert. Nachfolgend sollen lediglich einige ausgewählte, besonders einflussreiche Traumatheorien in den Blick genommen werden.</p>
<h3>Dissoziationstheorie</h3>
<p><a href="https://intrapsychisch.de/trauma-erklaeren-das-konzept-der-strukturellen-dissoziation-teil-1/">Pierre Janet entwickelte die Theorie der Dissoziation</a>, die die heutigen Traumagedächtnistheorien stark beeinflusst hat und damit nach wie vor eine gewisse Gültigkeit besitzt. Janet ging davon aus, dass der psychische Apparat sich aus psychischer Energie und psychischer Spannung zusammensetzt. Die psychische Energie beschreibt die vorhandenen mentalen Ressourcen, die psychische Spannung gibt ihre Verteilung an. Janet zufolge führen belastende Ereignisse, sobald sie eine individuelle Schwelle übersteigen, dafür, dass Energie und Spannung abfallen. Das wiederum führt dazu, dass nicht genügend Ressourcen vorhanden sind, um das Erlebte sinnvoll und integriert abzuspeichern. Die traumatischen Erlebnisse werden stattdessen desintegriert und getrennt von den restlichen Erinnerungen abgespeichert. Janet spricht hier von Dissoziation. Er geht weiter davon aus, dass die dissoziierten Erinnerungen eine Art Eigenleben entwickeln. Letztlich führt die Dissoziation damit zu Traumafolgestörungen.</p>
<h3>Psychoanalytische Traumatheorie(n)</h3>
<p>In der Psychoanalyse werden als Traumata Ereignisse verstanden, „deren Intensität vom psychischen Apparat nicht verarbeitet werden kann“ (Wortmann: 646). Bereits in den frühen <i>Studien zur Hysterie</i> von Freud und Josef Breuer nimmt das Konzept des Traumas eine wichtige Rolle ein. Freud und Breuer postulieren hier noch im Sinne einer Generalthese, dass neurotische Erkrankungen durch verdrängte Erinnerungen an belastende Ereignisse ausgelöst werden: „Der Hysterische leidet größtenteils an Reminiszenzen“ (Freud/Breuer: 86). Demnach wirkt die Erinnerung an das Trauma im psychischen Apparat fort, bis der damit verbundene Affekt zusammen mit dem Trauma erinnert und abreagiert wird. Bereits hier ist eine Art Energielehre zu erkennen: Es geht um psychische Energien, die sich aufstauen können und abreagiert werden müssen.</p>
<p>Später entwickelte Freud seine Traumatheorie deutlich weiter. Entscheidend war hier vor allem die Erfahrung des Ersten Weltkriegs und seiner psychischen Folgen. In <i>Jenseits des Lustprinzips</i> entwickelte Freud vor diesem Hintergrund das Konzept des Reizschutzes: Psychische Erregung kann nur bis zu einem bestimmten Grad verarbeitet werden. Wird diese Reizschutzschwelle überschritten, kommt es zur Überforderung des psychischen Apparates: Freud fasst das Trauma nun „als einen überwältigenden Reizzuwachs, der eine bleibende Störung im seelischen Energiehaushalt zur Folge hat“ (Wortmann: 646).</p>
<p>Diese bleibende Störung zeigt sich vor allem in der Außerkraftsetzung des Lustprinzips. <a href="https://intrapsychisch.de/sigmund-freud-die-traumdeutung/">Normalerweise wirkt das Lustprinzip im Menschen und sorgt dafür, dass dieser nach Wohlgefühl strebt und alle unangenehmen Empfindungen zu vermeiden sucht</a>. Wurde der psychische Apparat mit Erregung geflutet, so wird dieses Prinzip (zumindest partiell) ersetzt durch den Wiederholungszwang (Bohleber: 148). Das traumatische Erlebnis wird in Träumen wiedererlebt und in sozialen Beziehungen reinszeniert. Bewusst erinnert wird es hingegen meist nicht, da Abwehrmechanismen es ins Unbewusste abgeschoben haben. Der Wiederholungszwang ist dabei nicht rein destruktiv zu denken, sondern zielt darauf, Kontrolle über das Erlebnis zurückzugewinnen, es aktiv leiten und so in die psychische Struktur integrieren zu können. Darüber hinaus löst die Überschreitung der Reizschwelle eine zweite Folge aus: die automatische Angst. Wenn „äußerer Reizschutz durchbrochen wird und übergroße Erregungsmengen an den seelischen Apparat herantreten“ (Freud: 160), so kommt es zur nicht objektgebundenen Angst: „Ich halte darum an der Vermutung fest, daß die Todesangst als Analogon der Kastrationsangst aufzufassen ist, und daß die Situation, auf welche das Ich reagiert, das Verlassensein vom schützenden Über-Ich – den Schicksalsmächten – ist, womit die Sicherung gegen alle Gefahren ein Ende hat“ (Freud: 160). Wiederholungszwang und ungerichtete Angst folgen nach Freud aus der Überflutung der Psyche mit nicht bewältigbaren Eindrücken – und stellen den Kern der Symptome dar.</p>
<p>Obwohl das hinter diesen Überlegungen stehende Energie- und Erregungsmodell als überholt gilt und in seinem mechanistischen Denken klar dem frühen 20. Jahrhundert verhaftet ist, waren Freuds Ideen zum Trauma einflussreich. So zeigen sich etwa erstaunliche Parallelen seiner Definition zu der von Fischer und Riedesser: In beiden Fällen ist das Überschreiten der Bewältigungsfähigkeiten des Individuums zentral. Darüber hinaus ist Freuds Symptombeschreibung des Wiederholungszwangs und der ungerichteten Angst verwandt mit den heute beschriebenen Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung.</p>
<h3>Neurobiologische Traumamodelle</h3>
<p>Neurobiologische Traumamodelle unterscheiden sich in ihrer Grundannahme erstaunlich wenig vom psychoanalytischen Modell Freuds. So geht Lawrence Kolb etwa davon aus, dass „die exzessive Stimulierung des Zentralnervensystems während einer Traumatisierung zur Ursache einer darauffolgenden neurobiologischen Veränderung“ (Kleim: 159) wird. Auch neurobiologische Theorien gehen folglich von einer Art Überschreitung einer Reizschwelle aus. Sie sehen die Folgen jedoch nicht in Überforderungen des psychischen Apparates, sondern in Veränderungen der neuronalen Struktur. Diese lässt sich teilweise nachweisen. So können etwa „Defizite der Konzentrations- und Gedächtnisleistung bei PTBS-PatientInnen“ (Brauchle: 5) im EEG gezeigt werden. Neurobiologisch betrachtet handelt es sich bei einer Traumatisierung um extremen akuten Stress, bei einer Traumafolgestörung, also den Folgen des Traumas, zum einen um durch diesen akuten Stress ausgelöste neuronale Veränderungen, zum anderen möglicherweise um eine chronische Stressreaktion.</p>
<h3>Lerntheoretische Traumamodelle</h3>
<p>Lerntheoretische Modelle, die heute meist Ideen des <a href="https://intrapsychisch.de/der-mensch-als-maschine-das-menschenbild-des-behaviorismus/">Behaviorismus</a> und des <a href="https://intrapsychisch.de/das-gehirn-als-computer-theorie-und-menschenbild-des-kognitivismus/">Kognitivismus</a> verbinden, herrschen heute in der Erklärung von Traumatisierungen sowie in der Behandlung vor. Lerntheoretische Modelle konzentrieren sich dabei auf das Gedächtnis und rücken Besonderheiten der Abspeicherung traumatischer Erlebnisse in den Vordergrund.</p>
<p>Orval Hobart Mowrer hat das grundlegende lerntheoretische Modell der Entstehung von Traumafolgen mit seiner Zwei-Faktoren-Theorie vorgelegt. Er geht davon aus, dass durch das traumatische Erlebnis zunächst ein vorher harmloser Reiz mit Angst verbunden wird (klassische Konditionierung). In der Folge entwickelt die betroffene Person Verhaltensweisen, die den nun angstbesetzten Reiz vermeiden. Hierbei kommt es zur sog. negativen Verstärkung: Ein Vermeidungs- und Fluchtverhalten nimmt den belastenden Reiz weg – und wird daher in der Folge mit höherer Wahrscheinlichkeit erneut gezeigt (operante Konditionierung). Bei den einschränkenden Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder einer anderen Anpassungsreaktion handelt es sich der Zwei-Faktoren-Theorie zufolge demnach um erlerntes Vermeidungsverhalten.</p>
<p>Die Zwei-Faktoren-Theorie gilt heute jedoch als zu einfach, um die teilweise sehr komplexen Traumafolgestörungen umfassend erklären zu können. Ihre Grundannahmen des Reiz-Reaktions-Lernens werden jedoch auch von neueren lerntheoretischen Traumamodellen vorausgesetzt. Entwickelt wurden etwa sog. Netzwerkmodelle, die von einem speziellen Traumagedächtnis ausgehen, sowie kognitive Modelle, die ebenfalls von einem Traumagedächtnis ausgehend.</p>
<h4>Netzwerkmodelle</h4>
<p>Edna Foa und Michael Kozak gehen davon aus, dass sich nach einer Traumatisierung eine ganz bestimmte Gedächtnisstruktur ausbildet, die sie als <i>Furchtstruktur</i> beschreiben. In der Furchtstruktur sind kognitive, physiologische und emotionale Momente gespeichert und eng miteinander verbunden (Kleim: 160). Durch diese enge Verbindung kognitiver, physiologischer und emotionaler Momente des Traumas im Gedächtnis können durch das Antriggern einzelner dieser Momente Erinnerungskaskaden ausgelöst werden und zu starken Reaktionen führen. So genügt etwa das Erleben einer bestimmten Berührung, die in der Furchtstruktur gespeichert ist, um die im Trauma mit dieser verbundenen Kognitionen und Emotionen erneut auszulösen.</p>
<h4>Kognitive Modelle</h4>
<p>Anke Ehlers und David M. Clark gehen ebenfalls von Besonderheiten bei der Abspeicherung der Erinnerungen an ein Trauma aus. Ihnen zufolge wird das traumatische Erlebnis nicht ausreichend in das autobiographische Gedächtnis übernehmen. Das führt dazu, dass es gewissermaßen als kontextlos und überzeitlich erinnert wird: „Dementsprechend nehmen Menschen mit einer PTBS charakteristischerweise noch nach der Traumatisierung ein Gefühl der aktuellen Bedrohung wahr, obwohl das Trauma oft bereits Jahre vergangen ist“ (Kleim: 160). Ehlers und Clark gehen darüber hinaus davon aus, dass das Traumagedächtnis sich durch eine fragmentierte Abspeicherung von Gedächtnisinhalten auszeichnet. Während Erinnerungen normalerweise geordnet und integriert abgespeichert werden, sind Erinnerungen im Traumagedächtnis aufgrund der starken Überlastung der traumatischen Situation ungeordnet und desintegriert abgespeichert. Das führt dazu, dass die traumatischen Erinnerungen meist nur schwer in geordneter Form wiedergegeben und erinnert werden können. Zugleich sind sie in ihren Teilaspekten jedoch leicht reaktivierbar, was wiederum auf die unzureichende Abspeicherung zurückgeführt wird.</p>
<p>Ehlers und Clark gehen jedoch über diese Gedächtnistheorie hinaus, indem sie auf die Erschütterung von Grundannahmen sowie die Reaktionen auf den als überzeitlich erlebten Charakter des Traumas eingehen. Ein traumatisches Erlebnis, insbesondere wenn es durch Menschen ausgelöst wird, stellt grundlegende Überzeugungen der Betroffenen infrage. Wird diese Infragestellung nun aufgrund der besonderen Struktur des Traumagedächtnisses nicht als punktuell, sondern als permanent wirksam erlebt, so stellt das die Betroffenen vor enorme Herausforderungen: Wie gehen sie mit der dauerhaften Erschütterung ihres Welt- und Menschenbildes und dem damit einhergehenden Bedrohungserleben um? Verhaltenstherapeut*innen machen hier vor allem zwei Umgangsweisen aus: Patient*innen bauen externalisierende („Die Welt ist ein unsicherer und gefährlicher Ort“, „Überall lauert Gefahr“, „Die Menschen sind böse“) oder internalisierende („Ich bin zu schwach“, „Nichts schaffe ich“, „Ich habe alles Schlechte der Welt verdient“) Glaubenssätze auf – die sie enorm belasten.<br />
Die meisten heutigen Traumamodelle aus dem Bereich der kognitiven Lerntheorien beziehen sowohl Netzwerkmodelle als auch kognitive Modelle und Reiz-Reaktions-Lernen in ihre Überlegungen ein. Alle drei spielen in der kognitiven Verhaltenstherapie eine Rolle (Lühr/Zens/Müller-Engelmann: 84-86).</p>
<h2>Fazit: Was ist ein Trauma?</h2>
<p>Abschließend lässt sich damit festhalten, dass als Trauma ein von außen kommendes Ereignis verstanden wird, das die Bewältigungskapazitäten der Betroffenen übersteigt und zu psychischen Schädigungen führt. Welche Ereignisse als Traumata zu verstehen sind, lässt sich damit nur individuell, keineswegs aber allgemeingültig klären. Die Modelle zur Erklärung der Traumaentstehung sowie der Traumafolgen unterscheiden sich teils erheblich voneinander. Gemein ist ihnen allen jedoch die Annahme, dass eine – wie auch immer geartete – vorausgesetzte Bewältigungskapazität durch das Ereignis überschritten wird und eine – sehr unterschiedlich verstandene – Veränderung des psychischen Apparates nach sich zieht. Hierin sind sich dissoziationstheoretische, psychoanalytische, lerntheoretische und neurobiologische Traumamodelle grundsätzlich einig. Die Annahmen über den psychischen Apparat und seine konkreten Veränderungen unterscheiden sich jedoch stark voneinander. In aktuellen Lerntheorien werden vor allem Besonderheiten der Abspeicherung traumatischer Erlebnisse im Gedächtnis sowie der kognitiven Bewältigungsstrategien ins Blickfeld gerückt. Neurobiologische Modelle konzentrieren sich hingegen auf die messbaren neuronalen Veränderungen, während psychoanalytische Modelle sich in der Praxis auf das Wiederholen und Reinszenieren des Traumas konzentrieren. Psychoanalytische und verhaltenstherapeutische Ansätze teilen dabei das Ziel der Integration des traumatischen Erlebnisses in das autobiographische Gedächtnis der Betroffenen.</p>
<p>Literatur:</p>
<p>Battegay, Raymond (1994): Psychoanalytische Neurosenlehre. Eine Einführung. Überarbeitete Neuausgabe. Frankfurt am Main: Fischer.<br />
Bohleber, Werner (2019): „Die Traumatheorie in der Psychoanalyse“. In: Seidler, Günter H.; Freyberger, Harald J.; Glaesmer, Heide; Gahleitner, Silke Birgitta (Hrsg.): Handbuch der Psychotraumatologie. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 147-157.<br />
Fischer, Gottfried; Riedesser, Peter (2009): Lehrbuch der Psychotraumatologie. München: Ernst Reinhardt.<br />
Freud, Sigmund (1955): „Hemmung, Symptom und Angst“. In: Ders.: Gesammelte Werke. Band 14. Herausgegeben von Anna Freud. London: Imago. S. 111-205.<br />
ICD-10: <a href="https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/block-f40-f48.htm">https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2025/block-f40-f48.htm</a><br />
Kleim, Birgit (2019): „Posttraumatische Belastungsstörung und Verhaltenstherapie“. In: Seidler, Günter H.; Freyberger, Harald J.; Glaesmer, Heide; Gahleitner, Silke Birgitta (Hrsg.): Handbuch der Psychotraumatologie. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 158-165.<br />
Lühr, Kristina; Zens, Christine; Müller-Engelmann, Meike (2024): Therapie-Tools Posttraumatische Belastungsstörung. Weinheim/Basel: Beltz.<br />
Menyhért, Anna (2018): „Traumatheorie und Interpretation. Die Analyse von Gabriella Nagys Fall“. In: Berliner Beiträge zur Hungarologie. Band 18. S. 96-118.<br />
Wortmann, Thomas (2017): „Trauma“. In: Berndt, Frauke; Goebel, Eckart (Hrsg.): Handbuch Literatur &amp; Psychoanalyse. Berlin/Boston: Walter de Gruyter. S. 646-647.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/was-ist-ein-trauma-traumatheorien-im-ueberblick/">Was ist ein Trauma? Traumatheorien im Überblick</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Cannabis als Therapieoption bei chronischer Depression?</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/cannabis-als-therapieoption-bei-chronischer-depression/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 19:39:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://intrapsychisch.de/?p=798</guid>

					<description><![CDATA[<p>Depressionen treten nicht nur akut auf, sondern vielfach auch in chronischer Form. Diese langanhaltenden Beeinträchtigungen sind für die Betroffenen meist enorm belastend, was </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/cannabis-als-therapieoption-bei-chronischer-depression/">Cannabis als Therapieoption bei chronischer Depression?</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Depressionen treten nicht nur akut auf, sondern vielfach auch in chronischer Form. Diese langanhaltenden Beeinträchtigungen sind für die Betroffenen meist enorm belastend, was sie auch nach ungewöhnlichen Therapieoptionen greifen lässt. Eine Behandlungsmöglichkeit, die in jüngerer Vergangenheit in den Fokus gerückt ist, ist dabei die Cannabistherapie. Doch ist es wirklich sinnvoll, <a href="https://can-doc.de/blogs/cannabis-als-medizin/cannabis-bei-depressionen">Cannabis bei Depressionen</a> einzusetzen? Die Studienlage erlaubt derzeit vorsichtigen Optimismus, Behandlungsempfehlungen können auf ihrer Basis jedoch noch nicht ausgesprochen werden.</p>
<h2>Was ist eine chronische Depression?</h2>
<p>Eine Depression kennzeichnet sich durch einige charakteristische Symptome. Zu den Hauptsymptomen zählen die folgenden:</p>
<ul>
<li>gedrückte Stimmung</li>
<li>Interessenverlust und Freudlosigkeit</li>
<li>Antriebslosigkeit mit erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung</li>
</ul>
<p>Zu den weiteren Symptomen, die eine Depression kennzeichnen, jedoch nicht in jedem Falle auftreten, zählen u.a. die folgenden:</p>
<ul>
<li>Morgentief</li>
<li>Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme</li>
<li>vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen</li>
<li>Schuldgefühle</li>
<li>Grübelneigung</li>
<li>verminderte Libido</li>
<li>verminderter Appetit und Gewichtsverlust</li>
<li>Schlafprobleme</li>
<li>Suizidgedanken</li>
</ul>
<p>Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen differenzieren unterschiedliche Formen und Schweregrade der Depression. Bei den Formen ist die Unterscheidung einer akuten, einer rezidivierenden und einer chronischen Form zentral. Der Schweregrad wird in Abhängigkeit von der Symptombelastung bestimmt. Die chronische Depression zeichnet sich dadurch aus, dass die Symptome ohne nennenswerte Besserung über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren bestehen. Wichtig ist hier, dass es nicht zu zeitweisen Phasen der völligen oder weitgehenden Symptomfreiheit kommt. Ist das der Fall, liegt keine chronische, sondern eine rezidivierende, d.h. immer wieder auftretende, depressive Störung vor. Als eine Sonderform der chronischen Depression kann die sog. Dysthymie verstanden werden. Hier bestehen die Symptome ebenfalls chronisch, bewegen sich hinsichtlich des Schweregrads jedoch unterhalb einer leichten depressiven Episode; hier sind also weniger als zwei Haupt- und zwei Nebensymptome gegeben.</p>
<h2>Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen bei chronischer Depression?</h2>
<p>Die indizierte Therapie einer Depression ist abhängig von Form und Schweregrad. Die hauptsächlichen Behandlungsmethoden, die zur Wahl stehen, sind die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mittels eines Antidepressivums. Bei leichter und mittelgradiger depressiver Episode ist eine Behandlung mit nur einer der beiden Optionen möglich, bei der schweren depressiven Episode hingegen wird in jedem Falle zu einer Kombination aus Psychotherapie und antidepressiver Medikation geraten.</p>
<p>Neben diesen beiden kommen gelegentlich auch weitere Therapieformen zum Einsatz. Insbesondere bei ansonsten therapieresistenter chronischer Depression wird etwa die Elektrokramptherapie eingesetzt. Neuerdings steht darüber hinaus mit dem Narkotikum Ketamin ein weiteres Medikament zur Verfügung, das bei schwerer therapieresistenter Depression eingesetzt wird. Zu weiteren experimentellen Therapieverfahren zählen u.a. die Vagusnervstimulation, die transkranielle Magnetstimulation und die Tiefenhirnstimulation.</p>
<p>Als begleitende Therapiemethoden werden häufig Sport- und Bewegungstherapie, Entspannungstechniken, Schlafentzug oder Lichttherapie eingesetzt.</p>
<h2>Studienlage und Angebot der Cannabistherapie</h2>
<p>Zu den weiteren experimentellen Verfahren, die derzeit nicht standardmäßig eingesetzt werden, zählt auch die Cannabistherapie. Die Möglichkeiten und Grenzen einer entsprechenden Behandlung wurden <a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-024-3673-1">jüngst etwa an der Universitätsklinik Essen erforscht</a>. In einer Längsschnittstudie mit 59 Patient*innen im Alter zwischen 20 und 54 Jahren, bei denen eine chronische Depression diagnostiziert war, wurde die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis getestet. Vor Beginn der Behandlung wurde der Schweregrad der Depression auf einer Bewertungsskala von 0 bis 10 Punkten bemessen. Er lag im Durchschnitt bei 6,9 Punkten. Nach 18 Wochen der Behandlung sank er im Durchschnitt auf 3,8 Punkte, wobei bei 50,8 Prozent der Patient*innen ein Ansprechen auf die Therapie belegbar war. Schwere Nebenwirkungen zeigten sich in der Studie nicht. Berichtet wurde lediglich über Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Übelkeit oder trockene Augen. Dasist insbesondere vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Cannabiskonsum bei entsprechender erblicher Belastung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Psychosen erhöhen kann, interessant: Hierzu kam es im Studienzeitraum nicht. Interessant ist das Studienergebnis darüber hinaus, da Cannabis als potentiell depressiogen gilt: <a href="https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/143505/Cannabis-koennte-Risiko-fuer-Depressionen-und-bipolare-Stoerungen-erhoehen">Eine Studie hatte gezeigt, dass ein überhöhter Konsum das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigert</a>.</p>
<p>Belegt ist die Wirksamkeit von Cannabis bei chronischer Depression damit jedoch noch nicht. So liegt ein Schwachpunkt der Studie etwa darin, dass es keine Kontrollgruppe gibt. Inwiefern die Effekte tatsächlich auf das Cannabis und nicht etwa auf den Placeboeffekt zurückzuführen sind, lässt sich damit aus den Studiendaten nicht schließen. <a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/218224/Cannabisbasierte-Arzneimittel-Therapieoption-fuer-die-Psyche">Metaanalysen, die die bisherige Studienlage analysieren</a>, kommen daher bisher zu einem eher zurückhaltenden Fazit: Es gibt zwar erste Hinweise auf eine Wirksamkeit, weitere Studien scheinen jedoch nötig, um hier mit mehr Sicherheit ein Fazit fällen zu können.</p>
<p>Wer sich heute schon, etwa bei CanDoc, <a href="https://can-doc.de/pages/cannabis-depressionen">Cannabis bei Depressionen verschreiben lassen</a> möchte, hat jedoch bereits die Möglichkeit dazu. In Deutschland ist medizinisches Cannabis als Medikament zugelassen und kann seit 2017 auch zulasten der Gesetzlichen Krankenkassen ärztlich verordnet werden. Sollen die Kosten für die Behandlung durch die Gesetzliche Krankenkasse übernommen werden, müssen jedoch zahlreiche Vorgaben eingehalten werden – was bei der Diagnose einer Depression als Verschreibungsgrund meist nicht möglich ist. Es bleibt jedoch die Option, das medizinische Cannabis selbst zu bezahlen. In diesem Falle ist lediglich eine ärztliche Verordnung nötig.</p>
<h2>Fazit: Cannabis als Therapieoption bei chronischer Depression?</h2>
<p>Erste Hinweise auf eine Wirksamkeit von Cannabis bei einer chronischen Depression liegen durch Studien vor. Insgesamt ist die Studienlage bisher jedoch eher dünn, weshalb (noch) keine allgemeine Therapieempfehlung ausgesprochen und Cannabis als Option nicht in entsprechende Leitlinien aufgenommen wurde. Es kann jedoch beobachtet werden, dass die Forschung rund um medizinisches Cannabis und <a href="https://absolem420.de/cannabis-therapie/">Cannabistherapien</a> in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat. Mit weiteren Studienergebnissen ist daher in den kommenden Jahren zu rechnen. Wer nicht so lange warten und auf eigene Verantwortung Cannabis bei Depression einsetzen möchte, hat bereits heute die Möglichkeit dazu, muss die Kosten der Behandlung in aller Regel jedoch selbst tragen.</p>
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		<title>Depressionen bei Kindern und Jugendlichen</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/depressionen-bei-kindern-und-jugendlichen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michaela Groß]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Sep 2024 20:32:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch vor vier Jahrzehnten ging man davon aus, dass es sich bei Depressionen um eine Erkrankung handelt, die ausschließlich im Erwachsenenalter auftritt. Kinder </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Noch vor vier Jahrzehnten ging man davon aus, dass es sich bei Depressionen um eine Erkrankung handelt, die ausschließlich im Erwachsenenalter auftritt. Kinder und Jugendliche wurden als zu unreif angesehen, um eine Depression entwickeln zu können. Depressive Störungen von Jugendlichen wurden als die üblichen Stimmungsschwankungen der Pubertät abgetan. In der jüngeren Vergangenheit haben Entwicklungsstudien dazu beigetragen, dass sich die Sichtweise ändert. Heute wird nicht mehr bezweifelt, dass bereits im Kindes- und Jugendalter Depressionen auftreten und mit einer Reihe negativer Folgen verbunden sein können. Dabei konnten beim Verlauf von Depressionen in verschiedenen Altersgruppen Ähnlichkeiten, jedoch auch entscheidende altersbedingte Unterschiede festgestellt werden. Wir geben im Folgenden einen Überblick über Symptome, Prognosen, Diagnoseverfahren und Behandlungsformen von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen.</p>
<h2>Häufigkeit und Komorbidität in unterschiedlichen Entwicklungsphasen</h2>
<p>Bei Kindern vor der Pubertät treten Depressionen relativ selten auf. Etwa 1 bis 2 % der vorpubertären Kinder erkranken an einer depressiven Störung. Zudem treten bei dieser Altersgruppe die Depressionen bei Jungen und Mädchen etwa gleich häufig auf. Mit Eintreten der Pubertät bzw. ab dem Teenageralter werden Depressionen häufiger. Mädchen sind öfter betroffen als Jungen. Im jungen Erwachsenenalter kommen Schätzungen zufolge schwere depressive Störungen bei etwa 10 bis 17 % vor. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.</p>
<p>Depressionen können auch bei Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit weiteren psychischen Störungen auftreten – man spricht in diesem Zusammenhang von Komorbidität. Etwa zwei Drittel der an Depressionen erkrankten Jugendlichen weisen mindestens eine komorbide Störung auf. Besonders oft findet sich ein Zusammenspiel von Depressionen und Angstzuständen. Untersuchungen von Kindern im Vorschulalter ergaben noch höhere Komorbiditätsraten. Drei von vier Kindern weisen weitere Auffälligkeiten neben der Depression auf. ADHS und Ängste sind in diesem Alter gehäuft als weitere Diagnosen zu finden. Nicht zuletzt dieser Umstand wirft die Frage auf, ob depressive Störungen bei jüngeren Kindern denen entsprechen, die zu einem späteren Zeitpunkt in der Entwicklung auftreten, oder ob die Depressionen in diesem Alter eher als Syndrom emotionaler und verhaltensbezogener Dysregulation anzusehen sind.</p>
<h2>Warnsignale erkennen</h2>
<p>Viele Kinder und Jugendliche durchlaufen Phasen der Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu und niemand kann seinem Kind alle Ängste und Sorgen abnehmen. Wenn ein Kind jedoch anhaltend traurig, reizbar oder desinteressiert an Aktivitäten ist, die ihm früher Spaß gemacht haben, könnte dies auf eine depressive Störung hindeuten.<br />
Die Anzeichen für eine Depression bei Kindern und Jugendlichen sind nicht immer leicht zu erkennen. Zu den wichtigsten Anzeichen gehören:</p>
<ul>
<li>Traurigkeit, Reizbarkeit, häufiges Weinen</li>
<li>Verlust des Interesses an früher beliebten Aktivitäten, Antriebslosigkeit</li>
<li>Es wird weniger oder keine Zeit mehr mit Freunden oder bei außerschulischen Aktivitäten verbracht</li>
<li>Veränderungen von Appetit und/oder Gewicht</li>
<li>Veränderte Schlafgewohnheiten – entweder mehr oder weniger als gewöhnlich</li>
<li>Starke Müdigkeit oder geringe Energie</li>
<li>Der*die Betroffene äußert das Gefühl der Wertlosigkeit oder leidet unter übermäßigen Schuldgefühlen</li>
<li>Konzentrationsschwierigkeiten</li>
<li>Desinteresse an der Schule oder nachlassende schulische Leistungen</li>
<li>Suizid- oder Selbstverletzungsgedanken</li>
</ul>
<p>Kinder können auch über körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen klagen. Jugendliche greifen möglicherweise zu Alkohol oder anderen Drogen, in der Hoffnung, sich dadurch besser zu fühlen.</p>
<p>Nicht nur die Symptome, auch die Ursachen einer Depression sind nicht immer eindeutig. Eine Depression kann vollkommen unerwartet auftreten und aus dem Nichts zu kommen scheinen. Aber auch äußere Ereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen, ein Umzug, Mobbing oder Schulstress können eine depressive Episode auslösen. Auch erbliche Faktoren können eine Rolle spielen. Kinder mit anderen Erkrankungen wie Aufmerksamkeitsstörungen, Lernbehinderungen, Verhaltensproblemen oder Angstzuständen sind einem höheren Risiko ausgesetzt.</p>
<p>Für Eltern kann es schwierig sein, eine Depression bei ihrem Kind zu erkennen. Wer vermutet, dass sein Kind depressiv ist, sollte das Gespräch suchen und nach Gefühlen und Sorgen fragen. Manche Kinder drücken ihre Traurigkeit oder Unzufriedenheit direkt aus. Äußert ein Kind Gedanken über Selbstverletzungen oder Suizidgedanken, muss das immer ernst genommen und professionelle Hilfe gesucht werden. Ein erster Weg kann zum*r Kinderärzt*in führen, der*die durch ein professionelles Screening und stimmungsbezogene Fragen bei der Erkennung der Anzeichen einer Depression helfen kann. Die offiziellen Diagnosekriterien sind für Kinder und Erwachsene sehr ähnlich. Allerdings gilt für Kinder und Jugendliche die Annahme, dass sie eher eine Reizbarkeit als eine traurige oder niedergedrückte Stimmung zum Ausdruck bringen und dass ein Gewichtsverlust als Nichterreichen von angemessenen Gewichtsmeilensteinen als Indiz betrachtet werden kann.</p>
<h2>Depressionen bei Kindern und Jugendlichen behandeln</h2>
<p>In den meisten Fällen von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen klingen die Episoden im Laufe eines Jahres wieder ab. Das Risiko für ein erneutes Auftreten der Erkrankung ist allerdings hoch. Innerhalb von fünf Jahren entwickelt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 70 % eine weitere Episode. Zudem kann es zu negativen Auswirkungen auf das Sozialverhalten und die spätere psychische Gesundheit im Allgemeinen kommen. Eine frühzeitige professionelle Behandlung der Depression ist daher besonders wichtig.</p>
<p>Bei der Behandlung von Depressionen müssen der Schweregrad der Erkrankung, eine mögliche Suizidgefahr, das Entwicklungsstadium der jungen Patient*innen sowie umweltbedingte und soziale Faktoren berücksichtigt werden. Für Kinder und Jugendliche wird in erster Linie eine Psychotherapie, zum Beispiel in Form einer <a href="https://intrapsychisch.de/der-mensch-als-maschine-das-menschenbild-des-behaviorismus/">kognitiven Verhaltenstherapie</a> oder einer interpersonellen Therapie, empfohlen. Meistens ist eine ambulante Therapie bereits ausreichend. In manchen Fällen können stationäre Behandlungen jedoch notwendig sein. Tageskliniken können dabei helfen, schrittweise wieder in den Alltag zurückzufinden. Im Rahmen der Psychotherapie werden die Kinder nicht nur behandelt, sondern auch altersentsprechend über ihre Erkrankung aufgeklärt. In der Regel werden auch die Eltern oder weitere Bezugspersonen in die Behandlung eingebunden. Medikamentöse Behandlungen sind bei Kindern und Jugendlichen schwieriger als bei Erwachsenen. So sind die für Erwachsenen hilfreichen trizyklischen Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen nicht wirksam. In Deutschland ist Fluoxetin der einzige Wirkstoff, der für die Behandlung von Depressionen im Kinder- und Jugendalter zugelassen ist. Fluoxetin darf ab einem Alter von 8 Jahren und bei einer mindestens mittelgradigen Depression verschrieben werden. Der Wirkstoff ist ein Selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitor (SSRI). Er erhöht die Menge des Botenstoffs Serotonin und wird ergänzend zur Therapie genutzt. Falls Fluoxetin wegen Nebenwirkungen oder Kontraindikationen nicht verabreicht werden kann oder nicht gewünscht ist, empfehlen die Leitlinien die Off-Label-Verwendung der SSRI Escitalopram, Citalopram oder Sertralin.</p>
<p>Quellen<br />
Maughan, Barbara et al: Depression in Childhood and Adolescence. In: J Can Acad Child Adolesc Psychiatry. 2013 Feb; 22(1): 35-40. <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3565713/">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3565713/</a> (Zugriff am 02.06.2024)<br />
<a href="https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2016-06/depression-studie-antidepressiva-kinder-jugendliche-wirkung">https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2016-06/depression-studie-antidepressiva-kinder-jugendliche-wirkung</a>. (Zugriff am 02.06.2024)<br />
<a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/46728/Antidepressive-Therapie-bei-Kindern-und-Jugendlichen-Anwendung-und-Stellenwert-der-selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer">https://www.aerzteblatt.de/archiv/46728/Antidepressive-Therapie-bei-Kindern-und-Jugendlichen-Anwendung-und-Stellenwert-der-selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer</a> (Zugriff am 05.06.2024)<br />
<a href="https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter">https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/depression-im-kindes-und-jugendalter</a> (Zugriff am 05.06.2024)</p>
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		<title>Geschichte der Psychotherapieausbildung in Deutschland</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/geschichte-der-psychotherapieausbildung-in-deutschland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Aug 2024 22:18:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte der Psychotherapie ist weit länger als ihre Institutionalisierung vermuten lassen mag. Rudimentäre Formen wurden bereits lange vor Sigmund Freud und der </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Geschichte der Psychotherapie ist weit länger als ihre Institutionalisierung vermuten lassen mag. Rudimentäre Formen wurden bereits lange vor Sigmund Freud und der Psychoanalyse praktiziert – wenngleich eine Methodologisierung ebenso wie eine Systematisierung psychischer Erkrankungen fehlte. Geprägt ist die Geschichte der Psychotherapie – auch die jüngere – dabei von vielen Umschwüngen und Paradigmenwechseln. Diese schlagen sich auch in teilweise drastischen Veränderungen der Ausbildungen zum*r zur Psychotherapeut*in nieder. Der vorliegende Artikel möchte fragmenthaft diese Geschichte der Psychotherapieausbildung in Deutschland in den Blick nehmen. Er erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern verfolgt das Ziel, durch einige Schlaglichter primär wesentliche Entwicklungs- und Wendepunkte zu beleuchten. Er ist darüber hinaus beschränkt auf die Situation in der Bundesrepublik Deutschland; die Situation in der DDR wird nicht betrachtet.</p>
<h2>Phase 1: Psychotherapie in ärztlichen Händen</h2>
<p>Methode der Wahl in der Psychotherapie war lange Zeit die <a href="https://intrapsychisch.de/der-getriebene-mensch-das-menschenbild-der-psychoanalyse/">Psychoanalyse</a> – oder davon abgeleitete tiefenpsychologische Verfahren. Die Ausbildung lag dabei seit Beginn des 20. Jahrhunderts fest in den Händen von Ärzt*innen. Einige Institute bildeten jedoch auch sog. Laienanalytiker*innen aus, die kein abgeschlossenes Medizinstudium vorweisen konnten. Arbeitsgemeinschaften und Ausbildungsinstitute dieser Schule prägten bis zur Machtergreifung Hitlers die Psychotherapie in Deutschland erheblich und konkurrenzlos. Freuds Bücher wurden verboten, die Psychoanalyse als angeblich jüdische Wissenschaft aus den Lehrplänen gestrichen, ein Großteil der Psychoanalytiker*innen zur Emigration gezwungen. Die Psychotherapie fristete während der NS-Zeit insgesamt ein Nischendasein, waren ihre Grundannahmen und -praktiken doch kaum mit der NS-Ideologie vereinbar.</p>
<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es schnell zum Wiederaufbau der psychoanalytischen Infrastruktur. Ausbildungsinstitute, Arbeitsgemeinschaften und Co formierten sich erneut, tiefenpsychologische Lehrinhalte wurden wieder Teil des Medizin- und Psychologiestudiums. Insgesamt setzte sich damit lange der Zustand vor der NS-Zeit fort: Psychotherapie <i>war</i> Psychoanalyse und wurde mehrheitlich von Ärzt*innen praktiziert und gelehrt, wenngleich auch Laienanalytiker*innen tätig waren.</p>
<p>Eine geregelte Ausbildung gab es während dieser Zeit indes nicht. Verschiedene psychoanalytische Vereinigungen und Institute legten ihre jeweils eigenen Kriterien für die Zulassung zur Ausbildung, ihren Umfang und ihre Inhalte fest, die sich meist jedoch ähnelten. Staatliche Regelungen existierten nicht.</p>
<h2>Phase 2: Klinische Wende in der Psychologie und Aufschwung nichtärztlicher Psychotherapeut*innen</h2>
<p>Zu einem starken Wandel in der Psychotherapielandschaft und der damit verbundenen Ausbildungswege kommt es in den 1960er-Jahren. Zurückzuführen ist das auf das Aufkommen der <a href="https://intrapsychisch.de/das-menschenbild-der-humanistischen-psychologie/">humanistischen Psychologie</a> mit der klient*innenzentrierten Gesprächstherapie nach Carl Rogers sowie der <a href="https://intrapsychisch.de/der-mensch-als-maschine-das-menschenbild-des-behaviorismus/">Verhaltenstherapie</a> in Deutschland. Beide wurden in den USA entwickelt und dort bereits länger praktiziert, als sie auch in Deutschland an Popularität gewinnen. Interessant ist dabei, dass die neuen Formen von Psychotherapie insbesondere bei Psycholog*innen auf Interesse stoßen, während die Medizin sich ihnen kaum zuwendet. Die Verhaltenstherapie wird im Rahmen der sog. Klinischen Wende ins Psychologiestudium, das fortan einen stärker klinischen Fokus aufweist, einbezogen. Hinzu kommen Weiterbildungsangebote für bereits ausgebildete Psycholog*innen. Der Aufbau entsprechender universitärer wie außeruniversitärer Institute vollzieht sich dabei bemerkenswert schnell. Psycholog*innen werden damals erstmals gezielt therapeutisch geschult, gewinnen in diesem Bereich massiv an Kompetenz – und darüber hinaus eigene Therapiedomänen jenseits der Psychoanalyse. Während die Verhaltenstherapie klar dominiert, nimmt vor allem in der Anfangszeit auch die bereits erwähnte humanistische Psychologie mit ihren Therapieverfahren eine bedeutende Rolle ein. Hinzu kommt ferner die systemische Therapie. Die Psychoanalyse bleibt derweil klar in ärztlicher Hand. Staatlich vorgegebene Ausbildungswege existieren unterdessen weiterhin nicht. Die Institute und Verbände erlassen vielmehr ihre eigenen Regeln, die sich mitunter voneinander unterscheiden.</p>
<h2>Phase 3: Psychotherapie wird Kassenleistung</h2>
<p>In den 1970er-Jahren kommt es zu einem weiteren Meilenstein: Nachdem der Bundesgerichtshof 1964 festgestellt hatte, dass psychische Störungen als behandlungsbedürfte Erkrankungen einzustufen sind, und die gesetzlichen Krankenkassen 1967 Psychoanalyse zur Kassenleistung machten, wird im Jahr 1972 das sog. Delegationsverfahren eingeführt. Mit diesem wird es Ärzt*innen möglich, die Ausübung psychotherapeutischer Leistungen an entsprechend geschulte Psycholog*innen zu delegieren – und dennoch mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Zu verstehen ist das Delegationsprinzip dabei primär als Antwort auf eine Mangelversorgung: Die Anzahl psychotherapeutisch tätiger Ärzt*innen reichte bei Weitem nicht aus, um den Bedarf an Therapie abzudecken. Da lediglich Psychoanalyse mit den Krankenkassen abgerechnet werden konnte, mussten die über die Delegation in der Kassenversorgung tätigen Psycholog*innen eine psychoanalytische Aus- oder Weiterbildung vorweisen können – was insofern interessant ist, als es sich dabei um eine primär bei Mediziner*innen beliebte Therapieform handelte. Zum Delegationsverfahren wurden nach einiger Zeit überdies Pädagog*innen zugelassen, die psychoanalytisch geschult waren. Sie durften ausschließlich Kinder und Jugendliche behandeln, um die hier weiterhin bestehende Versorgungslücke zu schließen.</p>
<p>Im Jahr 1980 machten die Ersatzkassen auch Verhaltenstherapie zur Kassenleistung. Die regulären gesetzlichen Krankenkassen zogen im Jahr 1987 nach. Nach ärztlicher Delegation durften Psycholog*innen mit verhaltenstherapeutischer Weiterbildung nun auch zulasten der Krankenkassen psychotherapeutisch tätig werden.</p>
<p>Das Delegationsverfahren führte zu einer weiteren Vereinheitlichung der Ausbildungen im Bereich der Psychotherapie. So forderten die Krankenkassen für die Zulassung zum Delegationsverfahren den Nachweis entsprechender Kenntnisse, was zu einer Anpassung der entsprechenden Aus- bzw. Weiterbildungen führte. Hierin kann ein erster deutlicher Vorläufer des heutigen Systems mit einheitlicher Ausbildung, Qualitätskontrollen (etwa mit einer <a href="https://vismed.de/checkliste-einfuehrung-qm-system-so-gelingt-das-projekt/">Checkliste zur Einführung eines QM-Systems</a>) und Ähnlichem gesehen werden. Für die nichtärztlichen Psychotherapeut*innen war das Verfahren jedoch auch mit erheblichen Nachteilen verbunden. So konnten sie nicht selbst mit den Kassen abrechnen, sondern waren auf die Kooperation mit Ärzt*innen angewiesen, die die Diagnosen und Indikationen stellten und für die Abrechnung zuständig waren. Die Einschränkungen des Delegationsverfahrens führte dazu, dass im Jahr 1993 die Möglichkeit geschaffen wurde, nach Abschluss eines Psychologiestudiums ohne psychotherapeutische Weiterbildung eine Zulassung als Heilpraktiker*in im Bereich der Psychotherapie zu beantragen. Für Psycholog*innen wurde es so möglich, außerhalb des Delegationsverfahrens psychotherapeutisch tätig zu werden – und dabei eigenverantwortlich zu handeln. Eine spezifische Ausbildung in Psychotherapie war hierfür jedoch nicht vorgeschrieben.</p>
<h2>Phase 4: Das Psychotherapeutengesetz von 1999</h2>
<p>Den wohl deutlichsten Einschnitt in die Psychotherapieausbildung in Deutschland stellt das sog. Psychotherapeutengesetz von 1999 dar. Mit diesem wurde die Berufsbezeichnung Psychotherapeut*in gesetzlich geschützt und die erforderliche Ausbildung staatlich geregelt. Vorgesehen waren dabei zwei verschiedene Berufe mit unterschiedlichen Ausbildungswegen: Neben Psychologischen Psychotherapeut*innen, die für Erwachsene zuständig sind, wurden Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen zugelassen.</p>
<p>Psychologische Psychotherapeut*innen müssen ein Diplom (später: einen Master) in Psychologie vorweisen können und anschließend eine mindestens dreijährige postgraduale Ausbildung in einem anerkannten Psychotherapieverfahren (Analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie und später systemische Therapie) absolvieren. Die Ausbildung, die theoretische wie praktische Anteile umfasst, schließt mit der Approbationsprüfung, die den Eintrag ins Arztregister ermöglicht.</p>
<p>Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen hingegen können neben einem Abschluss in Psychologie auch mit einem solchen in Pädagogik, Sozialpädagogik oder einem eng verwandten Fach zur postgradualen Ausbildung zugelassen werden, die ebenfalls mindestens drei Jahre dauert. Auch diese Ausbildung erfolgt in einem der anerkannten Psychotherapieverfahren und schließt mit der Approbationsprüfung, die den Eintrag ins Arztregister ermöglicht.</p>
<p>Die Psychotherapieausbildung in Deutschland ist damit erstmals staatlich geregelt. Darüber hinaus gelten Psychotherapeut*innen fortan als Heilberufler*innen – und dürfen damit unabhängig von Ärzt*innen psychotherapeutisch tätig werden.</p>
<h2>Phase 5: Das Psychotherapeutengesetz von 2020</h2>
<p>Mit Wirkung zum 1. September 2020 wurde das Psychotherapeutengesetz grundlegend verändert. Die Berufe des*r Psychologischen Psychotherapeut*in und des*r Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in wurden zugunsten des Einheitsberufs des*r Psychotherapeut*in abgeschafft. Auch die postgraduale Ausbildung wurde in der bisherigen Form abgeschafft. Stattdessen führt nun ein Masterstudium der Klinischen Psychologie und Psychotherapie, das auf ein Bachelorstudium der Psychologie aufbaut und staatlich akkreditiert sein muss, direkt zur Approbation. An diese schließt sich lediglich eine Fachweiterbildung, die äquivalent zur Fachärzt*innenweiterbildung konzipiert ist, an. Das neue Psychotherapeutengesetz stellt damit einen deutlichen Schritt weg von der vorher erhaltenen Vielfalt der Zugänge zur psychotherapeutischen Tätigkeit dar.</p>
<p>Weiterführende Literatur:<br />
Schulte, Dietmar (2021): „Der lange Weg zum Psychotherapeutengesetz. Vier Schritte in drei Jahrzehnten“. In: <i>Psychologische Rundschau</i>. Nr. 72. Heft 3. S. 201-210. Online verfügbar unter: <a href="https://econtent.hogrefe.com/doi/epdf/10.1026/0033-3042/a000546">https://econtent.hogrefe.com/doi/epdf/10.1026/0033-3042/a000546</a></p>
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		<title>Geschichte des Psychologiestudiums</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/geschichte-des-psychologiestudiums/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Amelie Schneifel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jul 2024 19:40:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Psychologiestudium zählt heute zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Zu sehen ist das etwa am Numerus Clausus, der an den meisten Universitäten </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Psychologiestudium zählt heute zu den beliebtesten Studienfächern in Deutschland. Zu sehen ist das etwa am Numerus Clausus, der an den meisten Universitäten zwischen 1,2 und 1,5 liegt. Auch in Österreich ist das Studium enorm beliebt: Hier regelt ein <a href="https://mymorize.com/psychologie-aufnahmetest/">Psychologie-Aufnahmetest</a>, bei dem immer deutlich mehr Bewerber*innen antreten als Studienplätze zur Verfügung stehen, den Zugang zum Studium. Dabei ist das Psychologiestudium eine relativ junge historische Erscheinung. Wie es entstanden ist und sich im Laufe der Zeit verändert hat, zeigt der vorliegende Artikel.</p>
<h2>Psychologie vor der Institutionalisierung</h2>
<p>Die Beschäftigung mit heute als psychologisch eingeordneten Fragen lässt sich lange zurückverfolgen – wesentlicher länger als die Geschichte eines eigenständigen Faches Psychologie. Der Psychologe Hermann Ebbinghaus hat das prägnant festgehalten: „Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte“. Forschungen zu psychologischen Fragestellungen wurden lange im disziplinären Rahmen von Philosophie, Pädagogik und Medizin bzw. Physiologie betrieben. Hierin deuten sich bereits die stark unterschiedlichen Perspektiven auf die entsprechenden Gegenstände an. Der erste Lehrstuhl für Psychologie in Deutschland wurde im Jahr 1875 in Leipzig durch Umwidmung eines Lehrstuhls für Philosophie geschaffen. Besetzt wurde er mit dem Physiologen Wilhelm Wundt, der damit gewissermaßen als Begründer der institutionellen Psychologie in Deutschland gelten kann. Im deutschsprachigen Raum gab es zuvor jedoch bereits eine Honorarprofessur für Psychologie: Zwischen 1860 und 1866 war Moritz Lazarus in Bern entsprechend tätig. Weder die Schweizer Honorarprofessur noch der Leipziger Lehrstuhl waren jedoch mit der Etablierung eines entsprechenden Studiengangs verbunden.</p>
<h2>Beginn des Psychologiestudiums</h2>
<p>Eine formalisierte Ausbildung in Psychologie wurde erst später möglich: Psychologie wurde zunächst an einigen deutschen Universitäten als Promotions- und später als Magisterfach eingeführt. Vereinheitlicht wurden die entsprechenden Studienangebote durch den 1941 eingeführten Diplom-Studium. Die bindende Rahmenprüfungsordnung, die in der NS-Zeit eingeführt wurde, diente der Normierung des Studiums – und fügte sich damit bruchlos in die Gleichschaltungsbemühungen des NS-Regimes ein. Auch ideologisch war das klar erkennbar. Zu den vorgesehenen Prüfungsfächern zählten u.a. <i>Charakterkunde und Erbpsychologie</i>, <i>Kultur- und Völkerpsychologie</i> oder <i>Philosophie und Weltanschauung</i>. Auffällig ist ferner, dass die Klinische Psychologie nicht Bestandteil des Studiums war – was vor dem Hintergrund der globalen Popularität der Psychoanalyse in der entsprechenden Zeit verwundert. Zurückzuführen ist das wiederum auf ideologische Gründe: Die Psychoanalyse galt als jüdisch und war damit verpönt. Hinzu kommt die Vorstellung des Herrenmenschen, die mit psychischem Leiden unvereinbar war.</p>
<p>Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kam es zu einer Überarbeitung der Prüfungsordnungen an den Universitäten: Erbpsychologie und Weltanschauung als Bestandteile des Studiums wurden gestrichen. Neue staatliche Vorgaben gab es indes nicht. Die Universitäten orientierten sich daher weiterhin an der alten Prüfungsordnung, begannen jedoch, eigene Schwerpunkte zu setzen und den aktuellen Forschungsstand im Curriculum abzubilden. Auch in der DDR veränderte sich das Psychologiestudium. Neben der Befreiung von NS-Ideologie ist hier eine neue Ideologisierung zu beobachten: Das Fach Marxismus-Leninismus wurde verpflichtend. Weiterhin wurde in der DDR eine stärkere Spezialisierung bereits im Studium durchgesetzt. So war etwa eine Qualifikation als „Fachpsycholog*in für Klinische Psychologie“ möglich.</p>
<p>In der Bundesrepublik änderten sich die Studieninhalte abermals im Jahr 1973 durch die Einführung einer neuen Rahmenprüfungsordnung. Diese brachte Methodenlehre als eigenes Fach mit sich. Darüber hinaus wurden Sozialpsychologie und Physiologische Psychologie als eigene Fächer eingeführt und das Fach <i>Charakterkunde</i> durch <i>Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung</i> ersetzt. Zudem wurden auch in der Bundesrepublik stärkere Spezialisierungen in der Hauptstudienphase möglich, was zuvor nicht der Fall war. Lange hielt diese Situation jedoch nicht an: Mit der neuen Rahmenprüfungsordnung von 1987 wurden die großen Wahlmöglichkeiten im Hauptstudium stark gekürzt. Eine weitere neue Rahmenprüfungsordnung aus dem Jahr 2002 brachte keine größeren inhaltlichen Veränderungen mit sich.</p>
<h2>Neue Entwicklungen: Bachelor und Master</h2>
<p>In den 2000er-Jahren erfolgte jedoch die Umstellung des Studiums auf das neue Bachelor-Master-System. Damit ergaben sich zahlreiche Fragen. Neben solchen nach der Studienorganisation drängten insbesondere die nach der Einordnung der neuen Studienabschlüsse. Letztlich wurde klar, dass der Bachelor keine vollständige Qualifikation im Bereich der Psychologie darstellt und somit nicht zur Führung der Berufsbezeichnung Psycholog*in berechtigt – und nicht für entsprechende Tätigkeiten qualifiziert. De facto ist seitdem für eine Tätigkeit im Bereich der Psychologie ein Master-Abschluss nötig, der als dem Diplom gleichwertig anerkannt wird. Für den Zugang zu postgradualen Aus- und Weiterbildungen ist er vorgeschrieben.</p>
<p>In den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen weiteren Entwicklungen. Zu nennen ist hier insbesondere die Einführung von Psychologie-Studiengängen an (zumeist privaten) Fachhochschulen. Diese weisen in der Regel einen hohen Anwendungsbezug auf und sind meist auf bestimmte Anwendungsfelder der Psychologie beschränkt. Vom BDP werden sie nur zum Teil als vollwertige Psychologiestudiengänge anerkannt. Ein Zugang zur Psychotherapieausbildung ist mit ihnen nicht möglich.</p>
<p>Die letzte große Veränderung erfuhr das Psychologiestudium im Rahmen der Umgestaltung des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 2020. Dieses schreibt sehr detailliert die Studieninhalte vor, die absolviert werden müssen, um bereits mit dem Master eine Approbation als Psychotherapeut*in zu erhalten. Die Universitäten reagierten darauf mit der Einführung neuer Psychologiestudiengänge. Die meisten Universitäten bieten polyvalente Bachelorstudiengänge an, in denen bereits eine Spezialisierung möglich (und für all jene, die in die Psychotherapie streben, nötig) ist. Daneben gibt es nun spezialisierte Masterstudiengänge, etwa in Klinischer Psychologie und Psychotherapie mit anschließender Approbationsprüfung, aber auch in anderen Anwendungsfächern der Psychologie. Einige Universitäten bieten darüber hinaus allgemeine Masterstudiengänge der Psychologie an, die weniger anwendungsbezogen, sondern stärker auf die Forschung ausgerichtet sind.</p>
<h2>Situation in Österreich und der Schweiz</h2>
<p>In Österreich und der Schweiz werden ebenfalls Bachelor- und Masterstudiengänge der Psychologie angeboten. Diese sind jedoch meist weniger spezialisiert als die in Deutschland seit 2020 eingeführten. Damit ist ein Uniwechsel zwischen den Ländern (zumindest für diejenigen, die eine Qualifikation im Bereich der Klinischen Psychologie und Psychotherapie anstreben) schwieriger geworden. Die Studiengänge entsprechen eher denen, die in Deutschland bis 2020 angeboten wurden: Sie führen zu einer allgemeinen Qualifikation im Bereich der Psychologie, bieten zwar die Möglichkeit einer Spezialisierung, das jedoch in einem geringeren Rahmen.</p>
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		<title>Freud: Phasen der psychosexuellen Entwicklung</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/freud-phasen-der-psychosexuellen-entwicklung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lukas Krönert]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 May 2024 17:22:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit seinem Modell der psychosexuellen Entwicklung versucht Sigmund Freud sich an einer Systematisierung der Entwicklung der Sexualität wie der damit verbundenen allgemeinen psychischen </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/freud-phasen-der-psychosexuellen-entwicklung/">Freud: Phasen der psychosexuellen Entwicklung</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit seinem Modell der psychosexuellen Entwicklung versucht Sigmund Freud sich an einer Systematisierung der Entwicklung der Sexualität wie der damit verbundenen allgemeinen psychischen Entwicklung vom Säuglings- zum Erwachsenenalter. Die grundlegende – und bahnbrechende – These hinter dem Entwicklungsmodell besteht darin, dass Sexualität nicht erst in der Pubertät beginnt, sondern den Menschen vom Beginn seines Lebens an begleitet: „Es ist ein Stück der populären Meinung über den Geschlechtstrieb, daß er der Kindheit fehle und erst in der als Pubertät bezeichneten Lebensperiode erwache. Allein dies ist nicht nur ein einfacher, sondern sogar ein folgenschwerer Irrtum“ (Freud, 1922; S. 38). Von der Beschäftigung mit der kindlichen Sexualität verspricht Freud sich dabei Einsichten in „die wesentlichen Züge des Geschlechtstriebes“ sowie in „seine Entwicklung“ (Freud, 1922; S. 38).</p>
<h2>Grundlagen der psychosexuellen Entwicklung: Triebstruktur, polymorph-perverse Anlage und Co</h2>
<p>Für das Verständnis des von Freud entworfenen Modells der psychosexuellen Entwicklung sind zunächst einige grundlegende anthropologische Annahmen nachzuvollziehen, auf deren Basis Freud arbeitet. Zu nennen sind hier insbesondere die polymorph-perverse Anlage des Kindes, seine Triebstruktur sowie die grundlegende Strukturierung der Psyche.</p>
<p>Freud geht in seinem <a href="https://intrapsychisch.de/der-getriebene-mensch-das-menschenbild-der-psychoanalyse/">Instanzenmodell</a> davon aus, dass der Mensch grundsätzlich als ein gespaltenes, ein hin- und hergerissenes Wesen zu verstehen ist: Um das Ich als handlungssteuernde Instanz kämpfen das Es als Sitz der Triebe und das Über-Ich als Sitz internalisierter Moralvorstellungen. Entscheidend ist hierbei, dass Freud das Über-Ich als erst allmählich sich ausbildend versteht, während das Es, die Triebe, angeboren sind. Die Internalisierung gesellschaftlicher Vorstellungen bezüglich eines guten, wünschenswerten ebenso wie eines schlechten, zu vermeidenden Verhaltens geht nur langsam vonstatten. Beim Kind rücken die Triebregungen, darunter die Libido als Sexualtrieb, daher stärker in den Vordergrund als bei den Erwachsenen, die über ein ausgebildetes Über-Ich verfügen. Bezüglich sexueller Triebe beschreibt Freud die Folgen plakativ: „[D]ie Ausführung findet darum geringe Widerstände, weil die seelischen Dämme gegen sexuelle Ausschreitungen, Scham, Ekel und Moral, je nach dem Alter des Kindes noch nicht aufgeführt oder erst in Bildung begriffen sind“, während es „die Eignung dazu [gemeint sind sexuelle Aktivitäten, L.K.] in seiner Anlage mitbringt“ (Freud, 1922; S. 56). Freud bezeichnet den kindlichen Zustand vor diesem Hintergrund als „polymorph pervers[]“(Freud, 1922; S. 56).</p>
<p>Auch anthropologisch sind die genannten Ausführungen interessant, insofern sie das Bild des Menschen als Triebwesen zeichnen, das erst nachträglich einen Prozess der Kultivation durchläuft, der wesentlich in der Hemmung der ursprünglich noch ungehemmt sich zeigenden Triebe besteht. Es ist – so Freud – folglich „unmöglich, in der gleichmäßigen Anlage zu allen Perversionen nicht das allgemein Menschliche und Ursprüngliche zu erkennen“ (Freud, 1922; S. 56).</p>
<p>Reformulieren lässt sich das auch vor dem Hintergrund der an anderer Stelle beschriebenen zwei Prinzipien des Psychischen, die überdies eine Kontextualisierung der Rede von Sexualität und Perversion ermöglichen. So beschreibt Freud in Ergänzung seines Instanzenmodells der Psyche <a href="https://intrapsychisch.de/sigmund-freud-die-traumdeutung/">das Lust- und das Realitätsprinzip</a> als konkurrierende Momente im Menschen. Das Lustprinzip zielt auf Triebbefriedigung jedweder Art, während das Realitätsprinzip gewissermaßen soziale wie physische Überlebensfähigkeit sichert – und das Lustprinzip zurückdrängt. Das Kind ist alleine nicht lebensfähig, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass das Lustprinzip bei ihm noch die Oberhand hat, während das lustbeschränkende Realitätsprinzip noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die polymorph-perverse Anlage bezieht sich also nicht nur, was Freud mit seinen Analogien von Kind und „unkultivierte[m] Durchschnittsweib“ wie „Dirne“ (Freud, 1922; S. 56) stellenweise selbst nahelegt, auf im engeren Sinne als sexuell zu betrachtende Triebe, sondern allgemein auf das Prinzip des ungehemmten Lustgewinns. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Kernthese, bereits das neugeborene Kind verfüge über eine Sexualität bzw. sei sexuell aktiv, deutlich an Plausibilität.</p>
<h2>Phasen der psychosexuellen Entwicklung</h2>
<p>Die psychosexuelle Entwicklung beschreibt Freud grundlegend als Prozess der zunehmenden Einengung der ursprünglich polymorph-perversen Sexualität. Diese Einengung, die letztlich zur genitalen Sexualität führt, verläuft dabei in unterschiedlichen Phasen, in denen jeweils eine spezifische Art des Lustgewinns im Vordergrund steht – was jedoch nicht bedeutet, dass andere Formen des Lustgewinns bzw. der Sexualität innerhalb der jeweiligen Phasen nicht auftreten. Interessant ist ferner, dass Freud darauf hinweist, dass „[d]iese Phasen der Sexualorganisation normalerweise glatt durchlaufen [werden], ohne sich durch mehr als Andeutungen zu verraten“ (Freud, 1922; S. 62).</p>
<h3>Die orale Phase</h3>
<p>Nach Freud beginnt die psychosexuelle Entwicklung mit der sog. oralen Phase: „Die Sexualtätigkeit ist hier von der Nahrungsaufnahme noch nicht gesondert, Gegensätze innerhalb derselben nicht differenziert. Das Objekt der einen Tätigkeit ist auch das der anderen, das Sexualziel besteht in der Einverleibung des Objektes“ (Freud, 1922; S. 62). Lustbefriedigung wird in dieser ersten Phase der Sexualentwicklung daraus gezogen, Dinge in den Mund zu nehmen und an ihnen zu saugen.</p>
<h3>Die anale Phase</h3>
<p>Auf die orale folgt die anale Phase. Lustbefriedigung wird in dieser zweiten Phase der psychosexuellen Entwicklung „vor allem [über] die erogene Darmschleimhaut“ (Freud, 1922; S. 63) erreicht. Freud macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass in dieser Phase sowohl aktive als auch passive Momente der Lustgewinnung zusammenkommen, wobei das passive Moment in der willensunabhängigen Ausscheidung zu sehen ist, die Aktivität hingegen „durch den Bemächtigungstrieb von seiten der Körpermuskulatur hergestellt“ (Freud, 1922; S. 63) wird, ergo: durch „Zurückhaltung der Fäkalmassen“ (Freud, 1922; S. 52).</p>
<h3>Die phallische Phase</h3>
<p>Die dritte Phase der Sexualentwicklung ist die sog. phallische Phase. Freud beschreibt hier eine starke Annäherung an die genitale Sexualität, die er für das gleichsam natürliche Ziel der psychosexuellen Entwicklung hält. In seinen <i>Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie</i> führt er dazu Folgendes aus: „Um das Bild des infantilen Sexuallebens zu vervollständigen, muß man hinzunehmen, daß häufig oder regelmäßig bereits in den Kinderjahren eine Objektwahl vollzogen wird, wie wir sie als charakteristisch für die Entwicklungsphase der Pubertät hingestellt haben, in der Weise, daß sämtliche Sexualstrebungen die Richtung auf eine einzige Person nehmen, an der sie ihre Ziele erreichen wollen. Dies ist dann die größte Annäherung an die definitive Gestaltung des Sexuallebens nach der Pubertät, die in den Kinderjahren möglich ist“ (Freud, 1922; S. 62). In seinem später veröffentlichten Aufsatz <i>Die infantile Genitalorganisation</i> korrigiert er diese Auffassung dahingehend, dass die Äquivalenz zur erwachsenen Sexualität in dieser Phase „sich nicht nur auf das Zustandekommen einer Objektwahl“ (Freud, 1923) bezieht, sondern auch und vor allem „das Interesse an den Genitalien und die Genitalbetätigung eine dominierende Bedeutung, die hinter der in der Reifezeit wenig zurücksteht“ (Freud, 1923), gewinnt. Freud fasst diese Genitalbezogenheit in der Folge als zentral für die dritte Phase der kindlichen Sexualentwicklung auf. Einen wesentlichen Unterschied zur vollentwickelten Sexualität stellt er jedoch fest. Dieser „liegt darin, daß für beide Geschlechter nur ein Genitale, das männliche, eine Rolle spielt. Es besteht also nicht ein Genitalprimat, sondern ein Primat des Phallus“ (Freud, 1923).</p>
<h3>Die Latenzphase</h3>
<p>In der Latenzphase wird die Sexualentwicklung „zum Stillstand oder zur Rückbildung gebracht“ (Freud, 1922; S. 64). In dieser Periode, die etwa vom sechsten Lebensjahr bis zum Beginn der Pubertät reicht, finden stattdessen andere Entwicklungen statt, die für die weitere psychosexuelle Entwicklung von Bedeutung sind. So etwa die „Abgabe der sexuellen Komponenten für soziale Gefühle“ sowie der „Aufbau der späteren Sexualschranken“ (Freud, 1922; S. 94). In der Latenzphase findet somit ein starker Sozialisationsprozess, ein Prozess des Über-Ich-Aufbaus, statt, der für spätere Hemmungen des Sexualverhaltens verantwortlich ist. Zugleich lernt das Kind in dieser Zeit, soziale Beziehungen einzugehen und soziale Gefühle zu entwickeln, die nicht direkt auf Lustgewinn zielen.</p>
<h3>Die genitale Phase</h3>
<p>Die genitale Phase wird als Ziel der psychosexuellen Entwicklung aufgefasst. Hier ist die Sexualität zentriert und objektbezogen, wohingegen die kindliche Sexualität „nicht zentriert und zunächst objektlos, autoerotisch“ (Freud, 1922; S. 95) ist. Die genitale Sexualität konzentriert sich auf spezifische erogene Zonen, auf ein anderes Sexualobjekt und steht im Dienste der Fortpflanzung (vgl. Freud 1922; S. 96f.).</p>
<h2>Wirkung und Kritik des Modells der psychosexuellen Entwicklung</h2>
<p>Kritik an Freuds Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung lässt sich aus unterschiedlichsten Perspektiven üben. Offensichtlich ist etwa die fehlende empirische Evidenz. So ist die Quelle der Ausführungen unklar. Größtenteils handelt es sich um Spekulationen oder um Verallgemeinerungen von Anekdoten, die Freud aus seiner therapeutischen Arbeit zieht. Eine solide wissenschaftliche Datenbasis ist jedoch zu keinem Zeitpunkt erkennbar. Vor diesem Hintergrund erscheint es hochproblematisch, dass Freud die einerseits als natürlich verstandene Entwicklung andererseits normativ setzt und zur universellen Leitschnur der Einschätzung (kindlicher) Entwicklung macht. So beschreibt er etwa spezifische Symptome psychischer Erkrankungen, die er auf eine Art Stehenbleiben in einer spezifischen Phase der psychosexuellen Entwicklung zurückführt. Wie bei anderen entsprechenden Entwicklungsmodellen muss ferner eine fehlende Trennung der scheinbar objektiven Deskription von zeit- und gesellschaftsspezifischen Normalitätserwartungen konstatiert werden – bei Freud etwa ersichtlich in der Konzentration auf heterosexuell-genital-fortpflanzungsorientierte Sexualität.</p>
<p>Darüber hinaus muss festgestellt werden, dass die Ausführungen über weite Strecken misogyn anmuten. Erinnert sei hier etwa an das „unkultivierte Durchschnittsweib“ (Freud, 1922; S. 56), aber auch an den ohne Evidenz postulierten „Penisneid“ (Freud, 1922; S. 60) oder das als Kennzeichen der dritten Entwicklungsphase verstandene „Primat des Phallus“ (Freud, 1923), das Freud eingestandenermaßen ausschließlich aus der Beobachtung männlich gelesener Kinder gewinnt: „[I]n die entsprechenden Vorgänge beim kleinen Mädchen fehlt uns die Einsicht“ (Freud, 1923), hält er fest, setzt die Orientierung am Phallus zugleich jedoch „für beide Geschlechter“ (Freud, 1923) als beobachtbaren wesentlichen Entwicklungsschritt. Mit den Ausführungen verbunden ist darüber hinaus – das sei hier am Rande erwähnt – die für das psychoanalytische Entwicklungsdenken zentrale Geschlechterdichotomie, die vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Gender Studies nicht haltbar ist. Ebenfalls verbunden mit den misogynen Ausführungen in der Sexualtheorie ist eine grundsätzliche Pathologisierung der Homosexualität – „Eine bei der Objektwahl sich ergebende Aufgabe liegt darin, das entgegengesetzte Geschlecht nicht zu verfehlen“ (Freud, 1922; S. 91) –, die Freud zum Teil ableitet „aus der endlichen Überzeugung von der Penislosigkeit des Weibes“ (Freud, 1923) und dem Grauen, das der Anblick des „penislosen weiblichen Genitales“ (Freud, 1923) hervorrufe.</p>
<p>Trotz der fehlenden Evidenz und der zahlreichen problematischen Ausführungen zu Weiblichkeit und Homosexualität hat Freuds Modell der psychosexuellen Entwicklung breite Wirkungen hervorgerufen. Bis heute relevant ist dabei primär der Umstand der Entdeckung einer kindlichen Sexualität. Im psychoanalytischen Diskurs wird Freuds Modell indes nach wie vor stark rezipiert und hat weitere Entwicklungsmodelle und -vorstellungen, so etwa diejenige <a href="https://intrapsychisch.de/erikson-stufenmodell-der-psychosozialen-entwicklung/">Eriksons</a>, enorm beeinflusst.</p>
<p>Quellen<br />
Freud, Sigmund (1922): <i>Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie</i>. Leipzig/Wien. [orig. 1905].<br />
Freud, Sigmund (1923): „Die infantile Genitalorganisation“. In: <i>Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse</i>. Bd. 9. (2). S. 168-171.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/freud-phasen-der-psychosexuellen-entwicklung/">Freud: Phasen der psychosexuellen Entwicklung</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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		<title>Kommunikation mit depressiven Menschen – in die Dunkelheit sprechen</title>
		<link>https://intrapsychisch.de/kommunikation-mit-depressiven-menschen-in-die-dunkelheit-sprechen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michaela Groß]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Apr 2024 17:16:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Kommunikation mit depressiven Menschen kann sich schwierig gestalten und ist nicht selten von einer Vielzahl subtiler, jedoch bedeutungsvoller Nuancen geprägt. Depressionen sind </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kommunikation mit depressiven Menschen kann sich schwierig gestalten und ist nicht selten von einer Vielzahl subtiler, jedoch bedeutungsvoller Nuancen geprägt. Depressionen sind weit mehr als eine vorübergehende Traurigkeit und beeinflussen das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen tiefgreifend. Die üblichen Methoden der Aufmunterung und Ermutigung, die bei anderen emotionalen Zuständen wirksam sein können, verlieren im Angesicht dieser Erkrankung ihre Resonanz. Kommunikation wird zu einer Herausforderung, die nicht nur von Freund*innen und Angehörigen, sondern auch in der Therapie eine Rolle spielt. Zugleich wird deutlich, dass Geduld, Verständnis und eine feinfühlige Kommunikation von entscheidender Bedeutung sind, um den Betroffenen Halt zu geben und den Weg zur Heilung zu ebnen.</p>
<h2>Depression – die Welt durch die graue Brille sehen</h2>
<p>Eine Depression ist viel mehr als eine Verstimmung oder eine tiefe Traurigkeit. Eine Depression kann auch dann auftreten, wenn die Betroffenen das Gefühl haben, dass sie eigentlich zufrieden sein „müssten“, weil Lebensumstände und Lebensverlauf derart beschaffen sind, dass man sie gemeinhin als wünschenswert erachten würde. Selbst in vermeintlich positiven Lebenssituationen kann die Last der Depression drücken und das Gefühl der Unzulänglichkeit sogar verstärkt werden.</p>
<p>Eine klinische Depression ist eine ernste psychische Erkrankung und beeinflusst Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen sowie die Art, wie sie sich selbst, ihre Mitmenschen und ihre Umgebung wahrnehmen. Dementsprechend greifen die üblichen Strategien und Taktiken zur Aufmunterung und Ermutigung, die bei gesunden Menschen in Phasen von Trauer oder Verzweiflung durchaus wirken können, im Falle einer Depression nicht. Sie suggerieren den Erkrankten vielmehr, dass sie sich nur anstrengen müssten, damit es ihnen wieder besser geht. Menschen mit Depressionen können die Dinge jedoch nicht einfach wieder positiv betrachten oder in ein schöneres Licht rücken. Sie sehen die Welt nicht durch die rosarote, sondern durch eine graue Brille, die sich nicht einfach wieder absetzen lässt.</p>
<h2>Komplexe Wechselwirkungen und widersprüchliche kommunikative Prozesse</h2>
<p>Die Symptome der Depression, die Sicht durch die graue Brille auf die Welt, können auch und vor allem die Kommunikation mit depressiven Menschen zu einer Herausforderung werden lassen. Denn auch Worte, die über die üblichen Phrasen und gut gemeinte Ratschläge hinausgehen, funktionieren oft nicht und erreichen die Betroffenen nicht oder zumindest nicht so, wie sie gemeint waren. Wer schon einmal mit einer depressiven Person während einer akuten depressiven Phase geredet hat, weiß, wie ernüchternd und erschöpfend sich Gespräche gestalten können.</p>
<p>Ab Mitte der 1950er-Jahre begann man, die Auswirkungen des Zusammenlebens mit psychisch Erkrankten auf nicht erkrankte Familienmitglieder zu untersuchen. Es zeigte sich, dass die psychische Erkrankung eines Familienmitglieds zu komplexen Wechselwirkungen führt und dass depressive Menschen ihre Gesprächspartner in einen widersprüchlichen kommunikativen Prozess verwickeln können. Sie fordern immer mehr bestätigendes Feedback. Doch je mehr die gesunde Person darauf eingeht, desto stärker wird dies negiert und das eigene Verhalten abgelehnt. Anders ausgedrückt: Egal, was man sagt, es wird von der depressiven Person so lange gedreht und gewendet, bis es als weiteres Zeichen der eigenen Wertlosigkeit ausgelegt werden kann. Will man einer depressiven Person mit Worten oder Taten helfen, kann dies bei ihr als Bestätigung dafür ankommen, dass man ihr allein nichts zutraut. Sagt man ihr, wie gern man sie hat, wird dies angezweifelt oder als Aufmunterungsstrategie abgetan. Dies geschieht natürlich nicht mit Absicht, doch es ist anstrengend und kann den gesunden Part an den Rand der Verzweiflung bringen.</p>
<p>Angehörige und Freund*innen von Depressiven haben entsprechend oft das Gefühl, gegen eine Wand zu reden oder in ein unbekanntes Dunkel hineinzusprechen. Auf der einen Seite suchen viele depressive Menschen verstärkt Bestätigung und Rückversicherung von außen. Doch bekommen sie die ersehnten positiven Rückmeldungen, dann werden diese negiert und nicht angenommen. Denn sie passen einfach nicht in das negative Weltbild, das die Depression zeichnet.</p>
<h2>Praxis: Notwendige Voraussetzungen für die Kommunikation mit depressiven Menschen schaffen</h2>
<p>Trotz all dieser Herausforderungen lohnt es sich für Freund*innen und Angehörige depressiver Personen, am Ball zu bleiben. Denn selbst, wenn die Betroffenen sich aufgrund der Erkrankung zurückziehen und abweisend reagieren, können nahestehende Menschen eine wichtige Rolle im Heilungsprozess einnehmen. Dabei ist es für Freund*innen und Angehörige wichtig, zunächst die bestmöglichen Voraussetzungen für den Umgang mit den Betroffenen zu schaffen. Dazu gehört in erster Linie, die eigenen Grenzen zu erkennen und anzuerkennen. Die eigene Trauer, die eigenen Sorgen dürfen und sollen zugelassen werden. Um helfen und unterstützen zu können, muss man immer auch die Eigenverantwortung der Erkrankten sehen und diese im Zweifelsfall mit ihnen gemeinsam aushandeln. Angehörige und Freund*innen von Betroffenen sollten nicht zögern, sich selbst Hilfe und Unterstützung durch Therapeut*innen oder in Selbsthilfegruppen für Angehörige zu suchen, damit die Depression nicht zu einer im übertragenen Sinne ansteckenden Krankheit wird.</p>
<p>In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Depression tatsächlich ein gewisses „Ansteckungspotential“ birgt: Nicht-depressive Partner*innen von Depressiven entwickelten in Studien ihrerseits Symptome von Stress und Belastung. Zudem stuften die Untersuchungsteilnehmer*innen ihr Befinden nach Interaktionen mit depressiven Menschen als stärker depressiv ein als nach der Interaktion mit nicht-depressiven Personen. Zur Erklärung dieser Befunde kann etwa die <a href="https://intrapsychisch.de/systemische-therapie-theorie-und-hintergruende/">systemische Therapie</a> herangezogen werden, die davon ausgeht, dass der Mensch nie als vereinzeltes Individuum betrachtet werden kann, sondern immer in bestimmte soziale Systeme, etwa das Familiensystem, eingebunden ist. Erkrankungen wirken als Störungen im Funktionsablauf des Systems auch auf andere Systemangehörige, da sie in einem Austauschverhältnis mit den Betroffenen stehen.</p>
<p>Für die Praxis der Kommunikation mit depressiven Personen bedeutet das alles zunächst, dass eigene Ressourcen (und Grenzen) erkannt werden müssen. Nur dann ist eine gelingende Kommunikation – und damit auch echte Hilfe – möglich.</p>
<h2>Wichtige Grundsätze für die Kommunikation</h2>
<p>Wer ein realistisches Bild der Depression hat, weiß, dass es darüber hinaus leider nicht die eine perfekte Art oder einen konkreten Leitfaden für Kommunikation und Umgang mit an Depressionen Erkrankten gibt. Allerdings gibt es ein paar Grundsätze, auf die Freund*innen und Angehörige achten sollten. So ist es wichtig, die körperlichen Beschwerden, Krankheitsängste und Schmerzen von Menschen mit Depressionen ernst zu nehmen und Verständnis zu zeigen und zu kommunizieren. Empfindungen sollten nicht als übertrieben oder eingebildet abgetan werden, da die Depression selbst leichte Beschwerden stark verstärken kann. Es ist entscheidend, das Befinden der Betroffenen anzuerkennen, ihren Schilderungen zu glauben und ihre Gefühle zu akzeptieren – und nicht zu versuchen, etwas schönzureden oder zu bagatellisieren. Wenn Partner*innen, Freund*innen oder Angehörige aufgrund der Krankheit desinteressiert, abweisend oder lustlos wirken, ist Geduld gefragt. Diese Symptome können sich im Verlauf der Behandlung verbessern. Geduld und Akzeptanz sind in der Kommunikation und im Umgang mit depressiven Menschen von großer Bedeutung, um ihnen Halt zu geben. Es ist wichtig, ihre zurückweisenden Verhaltensweisen nicht persönlich zu nehmen, sondern als Symptom der Krankheit zu verstehen. Übrigens können bereits Kinder verstehen, dass ein verändertes Verhalten von nahestehenden Personen auf eine Krankheit zurückzuführen ist. Wer auch Kindern gegenüber offen mit der depressiven Erkrankung von Angehörigen umgeht, kann ihnen im besten Fall sogar mögliche Ängste bezüglich der Verhaltensänderungen der vertrauten Person nehmen.</p>
<p>Auch positives Feedback bereits für kleine Handlungsfortschritte und nicht zuletzt nonverbale Signale – ein Handreichen im wahrsten Sinne des Wortes – spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Kurzum: Wer es schafft, Verständnis für die Verzweiflung und alle Symptome zu zeigen, die das Krankheitsbild der Depression mit sich bringen kann, und zugleich signalisiert, dass er an eine Besserung des Leidens glaubt und versichert, auch weiterhin da zu sein, hat viel getan. Und: Man kann auch einmal ganz ehrlich sagen, dass einem die Worte fehlen.<br />
Besonders wichtig: Äußert ein depressiver Mensch Suizidgedanken, muss dies immer ernst genommen werden. In diesem Fall sollte man dem*der Betroffenen helfen, umgehend professionelle Hilfe bei dem*der behandelnden Ärzt*in oder Psychotherapeut*in oder in der nächstgelegenen psychiatrischen Klinik in Anspruch zu nehmen.</p>
<h2>Kommunikative Herausforderungen in der Therapie</h2>
<p>Menschen mit Depressionen zeigen Selbstabwertung, mangelnde Motivation, Gefühle von Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und sozialem Rückzug. Dies alles sind potenzielle Hindernisse für den Aufbau einer gewinnbringenden therapeutischen Allianz. Bei Personen, die sich in einer schweren depressiven Episode befinden, bedarf es von therapeutischer Seite eines gewissen Geschicks, Dinge anzusprechen. Als besonders hilfreich gelten Techniken, die die Aktivierung fördern und eine realistische Hoffnung auf Besserung vermitteln. Depressive Patient*innen brauchen unter Umständen besonders viel Zusicherung und eine längere Phase des Vertrauensaufbaus, bevor sie sich komplett auf die Therapie einlassen. Der Aufbau einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, in der Therapeut*in und Patient*in gemeinsam Ziele setzen und Behandlungsaufgaben erledigen, ist wichtig. Eine offene und kooperative Kommunikation muss als Ziel anerkannt werden, auch wenn dies in Phasen tiefer Depressionen sehr schwierig sein kann.</p>
<p>Um den Prozess zu erleichtern, müssen Therapeut*innen ihren Kommunikationsstil häufig an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Patient*innen anpassen. Denn Depressionen können auch kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme verursachen, was die Kommunikation zusätzlich erschweren kann. Patient*innen könnten Schwierigkeiten haben, sich an Gesprächsinhalte zu erinnern oder Informationen zu verarbeiten. Aus diesem Grund muss im Therapiegespräch besonders auf eine verständliche Sprache geachtet werden. Für Personen in einer schweren depressiven Phase, denen es schwerfällt, alles zu verarbeiten, können auch schriftliche Aufzeichnungen in Form von Handouts oder schriftlichen Anweisungen eine Hilfe sein. Wichtig ist darüber hinaus, dass der*die Therapeut*in für eine Entmystifizierung der Erkrankung sorgt. Sorgen und Symptome werden im Therapiegespräch normalisiert, um Verlegenheit oder die Angst, verurteilt zu werden, zu verringern. Depressive Patient*innen neigen dazu, sich selbst abzuwerten und haben oft ein niedriges Selbstwertgefühl. Sie müssen dazu ermutigt werden, offen über ihre Gedanken und Gefühle zu reden. Darüber hinaus haben depressive Patient*innen häufig negative Gedankenmuster und Denkverzerrungen, die ihre Wahrnehmung beeinflussen. Dies kann dazu führen, dass sie Informationen oder Ratschläge in einem pessimistischen Licht sehen und sich gegenüber neuen Ansätzen verschließen. Manchmal kann in solchen Fällen auch Humor eingesetzt werden. Er ist ein gutes Mittel zur Motivation, er kann einen Perspektivwechsel ermöglichen und Distanz zu negativen Gedanken und Gefühlen schaffen. Auch depressiven Menschen kann Humor dabei helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen.</p>
<h2>Fazit: Kommunikation mit depressiven Menschen</h2>
<p>Abschließend lässt sich damit festhalten, dass die Kommunikation mit depressiven Menschen aus Gründen, die in der Krankheit liegen, deutlich erschwert ist. Während es kein Patentrezept zur Lösung der so entstehenden Probleme gibt, lassen sich doch einige Taktiken ausmachen, die vielversprechend erscheinen. Hierzu zählen insbesondere das Bewusstsein für eigene Ressourcen und Grenzen, das Bewusstsein für die Symptome der Depression und ihre Auswirkungen auf die Kommunikation, das Ernstnehmen der Sorgen der Erkrankten ohne Dramatisierung und die Zuwendung auch bei fehlendem positiven Feedback.</p>
<p>Quellen:<br />
Bischkopf, Jeannette: Das Leid der Angehörigen – Wie Depression die Familie krank machen kann. <a href="https://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/archiv/2008_01/08_01_bischkopf/index.html">https://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/archiv/2008_01/08_01_bischkopf/index.html</a> (Zugriff am 08.04.2024)<br />
Böhnke, Andrea: Wie Humor in der Psychotherapie hilft. <a href="https://www.zeit.de/gesundheit/2024-02/humor-psychotherapie-behandlung-psychische-stoerungen#">https://www.zeit.de/gesundheit/2024-02/humor-psychotherapie-behandlung-psychische-stoerungen#</a> (Zugriff am 13.04. 2024)<br />
Stubbe, Dorothy E.: Defeating Depression. The Healing Power of the Therapeutic Relationship. In: Focus – The Journal of Lifelong Learning in Psychiatry. Spring 2016, 14 (2), 219-221. Published online 2016 Apr 7. <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6519639/">https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6519639/</a> (Zugriff am 10.04.2024)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://intrapsychisch.de/kommunikation-mit-depressiven-menschen-in-die-dunkelheit-sprechen/">Kommunikation mit depressiven Menschen – in die Dunkelheit sprechen</a> erschien zuerst auf <a href="https://intrapsychisch.de">intrapsychisch.de</a>.</p>
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