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	<title>Ja gut, aber …</title>
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	<description>Die Musik, der Mac, das Leben und der ganze Rest …</description>
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		<title>Faktencheck: „Hier haben sich Zürcherinnen und Zürcher angesteckt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Oct 2020 13:21:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den letzten Tagen kursiert in den sozialen Medien eine Balkengrafik. Woher stammt sie? Stimmen diese Daten? Ein paar Antworten und Hintergrundinformationen dazu …<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/faktencheck-zuercherinnen-angesteckt-grafik-tages-anzeiger/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/faktencheck-zuercherinnen-angesteckt-grafik-tages-anzeiger/">Faktencheck: „Hier haben sich Zürcherinnen und Zürcher angesteckt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Tagen kursiert in den sozialen Medien eine Balkengrafik mit dem Titel <strong>„Hier haben sich Zürcherinnen und Zürcher angesteckt“</strong>. In einer lustigen Variante ist darauf noch in roten Buchstaben die Aufforderung „Bleiben Sie im Theater! Zuhause ist es zu gefährlich.“ hinzugefügt.</p>
<p>Was hat es mit dieser Grafik auf sich? Woher stammt sie? Stimmen diese Daten? Was sagt sie aus und was nicht? Im Folgenden ein paar Antworten und Hintergrundinformationen.</p>
<h2>Quelle: Tages-Anzeiger</h2>
<p>Die Grafik entstammt dem Artikel <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/was-kriegsbomber-mit-zuerichs-corona-strategie-zu-tun-haben-358361221123"><strong>„Was Kriegsbomber mit Zürichs Corona-Strategie zu tun haben“</strong> von Simon Huwiler im Tages-Anzeiger vom 17.10.2020</a>. Der Artikel ist nach Anmeldung online einsehbar (die ersten 30 Tage kostenlos). Den Inhalt des Artikels möchte ich hier nicht bewerten, hier soll es ausschließlich um die Grafik, die ihr zugrundeliegenden Daten und damit verbundene mögliche Aussagen gehen.</p>
<p>Im Online-Artikel liegt die Grafik als <a href="https://datawrapper.dwcdn.net/G6iRP/2/">eingebetter iFrame</a> vor. Unten an der Grafik befinden sich Quellenangaben, auch die zugrundeliegende Rohdaten selbst können direkt als CSV-Datei abgerufen werden:</p>
<blockquote><p>Grafik: shu • Quelle: <a href="https://www.zh.ch/de/politik-staat/opendata.html?keyword=ogd#/details/696@gesundheitsdirektion-kanton-zuerich">Kanton Zürich</a> • <a href="data:application/octet-stream;charset=utf-8,Datum%2CDatum2%2COrt%2CValue%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CEigener%20Haushalt%2C128%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CIm%20Haushalt%20von%20Freunden%20%2F%20Familie%2C39%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CArbeitsplatz%2C25%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CClub%20%2F%20Bar%2C25%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CRestaurant%2C14%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSekundarstufe%20II%20%2F%20Hochschule%20%2F%20Weiterbildungsst%C3%A4tte%2C11%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CVeranstaltung%20%2F%20Feier%20%3C%20300%20Pers.%2C9%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CReise%20Ausland%2C8%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSport%20in%20der%20Halle%2C6%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CMedizin.%20Einrichtung%2C5%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSport%20im%20Freien%2C5%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSonstige%20Freizeitaktivit%C3%A4t%20drinnen%2C5%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CObligatorische%20Schule%2C3%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CReise%20Schweiz%2C3%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CReligi%C3%B6ses%20%2F%20Beerdigungen%2C3%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CVerein%2C2%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSonstige%20Freizeitaktivit%C3%A4t%20draussen%2C2%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSonstige%2C2%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CKrippe%2C1%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CArmee%20%2F%20Zivilschutz%2C1%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CHotel%20oder%20andere%20Unterkunft%2C1%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CSchul-%20oder%20Ferienlager%2C1%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CKino%20%2F%20Theater%20%2F%20Konzert%2C0%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CPflege-%20%2F%20Altersheim%2C0%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2C%22Friseur%2C%20Massage%20o.%C3%A4.%22%2C0%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2CEinkaufen%20(L%C3%A4den%2FMarkt)%2C0%0A2020-09-24%2C2020-10-07%2C%22Ansteckungsort%20bekannt%2C%20aber%20nicht%20angegeben%22%2C19">Daten herunterladen</a></p></blockquote>
<p>Vergleicht man die in der Grafik verwendeten Daten mit den vom Kanton Zürich abrufbaren offenen Behördendaten, stellt man fest, dass die Fallzahl(en) für den dargestellten Zeitraum (vermutlich durch Nachmeldungen) inzwischen geringfügig höher sind. Prinzipiell scheinen die verwendeten Daten aber nachprüfbar integer.</p>
<h2>Was wird verschwiegen?</h2>
<p>Abgesehen davon, dass die Grafik meistens nur als Ausschnitt verbreitet wird, sind die Zahlen an sich also in Ordnung und nachvollziehbar. Allerdings gibt es ein gravierendes Problem mit dieser Darstellung: Die Balkengrafik wird aus dem Kontext gerissen, in den seltensten Fällen wird die Quelle (<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/was-kriegsbomber-mit-zuerichs-corona-strategie-zu-tun-haben-358361221123">Tages-Anzeiger</a>) mit verbreitet. In dem Artikel im Tages-Anzeiger gibt es allerdings noch <a href="https://datawrapper.dwcdn.net/wpJn4/2/">eine zweite Grafik, die ein vollständigeres Bild zeigt</a>: Den <strong>318 Fällen</strong>, denen ein Ort der Ansteckung eindeutig zugeordnet werden kann, werden weitere <strong>972 Fälle</strong> gegenübergestellt, bei denen der Ort der Ansteckung unbekannt ist. Also lediglich <strong>24,7&nbsp;%</strong> der Fälle kann überhaupt ein Ansteckungsort eindeutig zugeordnet werden. Bei <strong>75,3&nbsp;%</strong> der Fälle war das nicht möglich.</p>
<p>Das relativiert die Aussage der so gerne und oft geteilten Balkengrafik dann doch erheblich.</p>
<p>Denn unter den 972 Fällen ohne eindeutig mögliche Zuordnung könnten ja durchaus etliche Ansteckungen in Kino/Theater/Konzert enthalten sein. Eindeutige Aussagen, sowohl in die eine wie die andere Richtung, wären reine Spekulation.</p>
<h3>Jodel-Musical als Ort der Ansteckung</h3>
<p>Komponist und Bad-Blogger <a href="https://www.moritzeggert.de/">Moritz Eggert</a> weist <a href="https://www.facebook.com/ireneneuemusik/posts/681209639187773">in einer Diskussion zu der Grafik auf Facebook</a> darauf hin, dass im zugrundeliegenden Zeitraum <a href="https://aerosole.net/superspreading-event/ch-schwyz-jodel-musical" title="Superspreading-Event: CH/Schwyz: Jodel-Musical">das im Moment viel diskutierte Superspreading-Event in der Mehrzweckhalle MythenForum in Schwyz</a> stattgefunden hat. Schwyz liegt lediglich 50 km von Zürich entfernt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand aus Zürich bei besagtem Event in Schwyz infiziert hat, ist also durchaus gegeben.</p>
<h2>Was kann man sagen? Was nicht?</h2>
<p>Die Grafik kann einen ungefähren Eindruck vermitteln über Verhältnisse von Zahlen in Bezug auf bekannte Orte, an denen Infektionen stattfinden. Dabei sollte man sich allerdings bewusst sein, dass daneben eine erhebliche Dunkelziffer an Infektionen ohne eindeutige Zuordnung existiert.</p>
<p><strong>Was man (leider) aufgrund einer solchen Grafik nicht behaupten kann, ist, dass in Kino/Theater/Konzert keine Infektionen stattfänden.</strong></p>
<p>Auch wenn Berichte über die Salzburger Sommerfestspiele Mut machen und Aktivisten dazu animieren, mehr Publikum in Theatern und Konzertsälen zuzulassen, sollte man sich immer bewusst sein, dass vor allem erfreuliche Ergebnisse im Sommer auch mit niedrigen Inzidenzzahlen zusammenhängen. Solche Konzepte aus dem Sommer einfach in den Herbst und Winter zu übertragen, birgt ein gewisses Risiko in sich.</p>
<p>Auch wenn es schmerzhaft für alle Beteiligten ist: Es gibt Gründe, warum eine Kulturinstitution wie die Bayerische Staatsoper eine <a href="https://blog.staatsoper.de/post/versuch-geglueckt-positives-fazit-beim-pilotprojekt-bso500.html" title="Versuch geglückt! Positives Fazit beim Pilotprojekt #BSO500">aufwändige Evaluation ihres Hygienekonzeptes</a> vornehmen, damit Rückschlüsse auf einer validen Basis stehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/faktencheck-zuercherinnen-angesteckt-grafik-tages-anzeiger/">Faktencheck: „Hier haben sich Zürcherinnen und Zürcher angesteckt“</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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		<title>Corona, Medien &#038; Mathematik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2020 18:29:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die mathematischen Modelle hinter der Epidemiologie, die bei der Corona-Pandemie zur Anwendung kommen, sind nicht für jeden leicht zu verstehen. Oftmals werden Erklärungen, die einen gewissen Textumfang haben und eine entsprechende Anzahl von Fachbegriffen enthalten, nicht mehr hinterfragt. Das ist bedenklich …<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/corona-medien-mathematik/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben es alle nicht einfach in diesen Zeiten. Vieles von dem, worauf politische Entscheidungen beruhen, die für uns zu teilweise sehr schmerzlichen Einschnitten führen, beruht auf Mathematik. Und zwar auf Mathematik, mit der der Durchschnittsbürger zumindest leicht überfordert ist. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es Menschen bzw. Medien gibt, die uns diese mathematischen Modelle nahebringen und erläutern.</p>
<p>Viele dieser Erklärungen werden dann wiederum über Social Media geteilt und größtenteils dankbar angenommen. Aber leider ist nicht alles, was da beklatscht und bejubelt wird, auch inhaltlich korrekt. Das Gefährliche daran ist, dass Erklärungen, die einen gewissen Textumfang haben und eine entsprechende Anzahl von Fachbegriffen enthalten, oftmals nicht mehr hinterfragt werden, entweder weil die Leser die Komplexität des Textes an sich bereits als <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/autoritaetsargument/">Autoritätsargument</a> für dessen Wahrheitsgehalt interpretieren und sich deshalb nicht mehr die Mühe machen, den Text detailliert zu hinterfragen, oder weil sie mit der Materie schlicht überfordert und deshalb gar nicht in der Lage sind, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.</p>
<p>So kommt es vor, dass immer wieder inhaltlich zumindest Zweifelhaftes nicht nur geteilt, sondern auch noch bejubelt wird. In dieser Art tauchte beispielsweise vor ca. zwei Wochen ein längerer Text in meiner Timeline bei Facebook auf, der als „gut geschrieben“ bzw. „super geschrieben“ angepriesen wurde. Da schrillten bei mir bereits die Alarmglocken. Wir erinnern uns: Auch ein anderer Text, <a href="https://ja-gut-aber.de/martin-graf-offener-brief/" title="Lieber Martin Graf, …">an dem ich mich in letzter Zeit abgearbeitet habe</a>, wurde dergestalt beworben bzw. bejubelt.</p>
<p>Vorneweg: So schlimm ist der hier besprochene Text nicht wie der, der im Oktober meinen Kamm zum Schwellen gebracht hat. Außerdem hat der Text im Original (Stand heute morgen) gerade mal 20 Reaktionen und wurde lediglich viermal geteilt. Stellt sich also die Frage, ob er überhaupt wert ist, sich daran detailliert abzuarbeiten. Ich hatte aber, nachdem der Text in meiner Timeline geteilt wurde, kommentiert, dass ich darin auf den ersten Blick mindestens zwei Falschbehauptungen sähe. Daraufhin hat mich der Autor des Textes höflich aufgefordert, die erwähnten Unstimmigkeiten konkret zu benennen und zu belegen. Dieser Bitte komme ich hiermit gerne nach:</p>
    <div class="warnhinweis">
		<p><strong>Update 22.08.2020:</strong></p>
<p>Fünf Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels erreichte mich eine E-Mail des Autors des hier besprochenen Textes. Im Laufe eines kurzen Mailwechsels stellte sich heraus, dass dem Autor nicht bewusst war, dass er durch exakt die Privatsphäre-Einstellungen, die es mir erst ermöglichten, den Text zu lesen, den Text im juristischen Sinne einer Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt hatte. Sein mir gegenüber geäußerter Wunsch, gerne mit mir weiter diskutieren zu wollen, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit, war somit gleichsam ein Paradoxon.</p>
<p>Wir einigten uns letztendlich folgendermaßen: Er hat die Privatsphäre-Einstellungen des Posts dahingehend geändert, dass der Text mindestens für mich nicht mehr einsehbar ist. Damit kann ich zumindest aus meiner Sicht die Öffentlichkeit des Textes in juristischem Sinne nicht mehr belegen. Im Gegenzug anonymisiere ich sämtliche Hinweise auf den Autor des Textes, um seiner Befürchtung entgegenzuwirken, meine &#8222;Rezension im öffentlichen Teil des Internets&#8220; sei geeignet, seinen Ruf zu beschädigen.</p>
<p>Das möchte ich an dieser Stele nicht weiter kommentieren. Eine weitere Diskussion außerhalb des &#8222;öffentlichen Teils des Internets&#8220; kommt für mich nicht in Frage, weil das schlicht nicht meiner Auffassung eines <a href="https://neue-debatte.com/2017/02/11/der-herrschaftsfreie-diskurs-habermas/">herrschaftsfreien Diskurs&#8216; nach Habermas</a> entspricht.</p>
<p>Alle Namensnennungen des Autors in der Fassung vom Tag der Veröffentlichung dieses Artikels habe ich heute durch <em>&#8222;der Autor&#8220;</em> ersetzt.</p>

	</div>
<h2>„Lügenpresse!“</h2>
<p>Der Text beginnt – quasi als Überschrift – mit dem Satz:</p>
<blockquote><p>Vormalige Qualitätsmedien verbreiten Falschinformation!</p></blockquote>
<p>Das ist knapp unter <strong>„Lügenpresse!“</strong> Starker Einstieg, kann man machen. Das Problem, das sich jedoch daraus ergibt, ist aus meiner Sicht: Anspruch verpflichtet. Ob der Text dem Anspruch, der hier an „vormalige“ Qualitätsmedien gestellt wird, selbst gerecht wird, will ich im Folgenden versuchen zu hinterfragen.</p>
<p>Weiter ist da zu lesen: „In zahlreichen Medienberichten wird behauptet, dass eine zweite Welle begonnen habe […]“ Als Beispiel für solch einen Medienbericht wird ein <a href="https://www.tagesspiegel.de/wissen/wieder-800-neuinfektionen-coronavirus-in-deutschland-die-zweite-welle-ist-da/26034980.html" title="RKI meldet erneut rund 800 Neuinfektionen in Deutschland: „Die zweite Welle ist da“">Tagesspiegel-Artikel</a> verlinkt. Und ja, dieser Artikel ist tatsächlich nicht unbedingt eine wissenschaftsjournalistische Meisterleistung. Vieles der Kritik daran ist nachvollziehbar und halte ich auch für gerechtfertigt.</p>
<p>Leider schießt <em>&#8222;der Autor&#8220;</em> dabei allerdings etwas übers Ziel hinaus.</p>
<h2>Problemfeld Begrifflichkeiten</h2>
<h3>„Zweite Welle“</h3>
<p>Mal abgesehen davon, dass der Begriff „zweite Welle“ nicht wirklich definiert ist und es von daher bereits schwierig ist, darüber sinnvoll zu diskutieren (vgl. <a href="https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/Ist-der-Begriff-Zweite-Welle-sinnvoll-559939.html">Apotheken-Umschau</a>, <a href="https://www.rnd.de/gesundheit/corona-was-steckt-hinter-dem-begriff-zweite-welle-PE5B5GMHLZGJTF464N22QUYTRU.html">RND</a> &#038; <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-was-ist-die-zweite-welle-kolumne-a-f4d03b01-c18c-4892-8bec-f3a14a76aa37">SPIEGEL</a>), möchte ich hier, um konziser diskutieren zu können, eine kleine Kurzdefinition wagen, ohne jeglichen Anspruch auf universelle Gültigkeit (mit Dank an das <a href="https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/zweite-welle-122618" title="Zweite Welle • Definition | Gabler Wirtschaftslexikon">Gabler Wirtschaftslexikon</a> für die Vorlage):</p>
<blockquote><p>Von einer „zweiten Welle“ spricht man im Rahmen einer Epidemie bzw. Pandemie, wenn nach einer längeren Phase von rückläufigen Infektionszahlen ein erneuter, erheblicher und anhaltender Anstieg der Infektionszahlen zu verzeichnen ist.</p></blockquote>
<h3>R-Wert</h3>
<p>Dabei spielt dann der sog. R-Wert eine Rolle. Wenn man obige Definition vereinfacht auf den R-Wert überträgt, würde „zweite Welle“ bedeuten, dass der R-Wert nach einer längeren Phase, in der er Werte unter 1 angenommen hatte, nun wieder in eine Phase übergeht, in der er über einen längeren Zeitraum Werte deutlich über 1 annimmt.</p>
<p>Der R-Wert und seine Bedeutung sind an vielen Stellen im Netz gut beschrieben (vgl. z. B. <a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/r-wert-101.html" title="Kennzahl für Epidemien: Was ist der R-Wert? | tagesschau.de">ARD-Faktenfinder</a>), aber bereits hier scheint der Autor kleinere Probleme zu haben: </p>
<blockquote><p>Da diese Zahl [der R-Wert] zum Ausklang einer Pandemie im Idealfall sich von unten der Eins immer mehr (d.h. asymptotisch) annähert,[…]</p></blockquote>
<p>Autsch. Mag ja sein, dass dem Autor hier lediglich ein Fehler durch eine etwas ungeschickte Formulierung unterlaufen ist. Erschreckend ist jedoch, dass niemand der „Gut geschrieben!“-Jubler diesen (Halb-)Satz hinterfragt. Aber bereits hier glaube ich, (mindestens) zwei Fehler in einem (Halb-)Satz entdeckt zu haben:</p>
<p>„Idealfall zum Ausklang der Pandemie“ würde für mich bedeuten, dass der R-Wert sich nicht der Zahl 1 annähert, sondern deutlich unter 1 fällt. Eine längerfristige (asymptotische) Annäherung an den Wert 1 würde bedeuten, dass die Zahl der Neuinfektionen konstant bleibt. Mit der Zahl der Neuinfektionen korrelieren allerdings auch die Zahl der Todesopfer, das wäre für meine Begriffe weit entfernt von einem „Idealfall zum Ausklang der Pandemie“. Das klingt für mich, als wäre das Ziel eine langsame komplette Durchseuchung der Bevölkerung. Dies wäre aus meiner Sicht allerdings von einer Ideallösung weit entfernt.</p>
<p>„Ideal“ wäre also eine Annäherung an den Wert 0. Und das ist nur von oben möglich, weil der R-Wert per definitionem keine negative Werte annehmen kann. Wobei 0 nicht ganz erreicht werden muss. Wenn der Wert über einen längeren Zeitraum konstant einen Wert deutlich unter 1 annimmt, wäre das ausreichend. </p>
<h2>Steigende Testzahlen = Steigende Fallzahlen?</h2>
<p>Aber das ist ja gar nicht das eigentliche Thema des Textes. Der Grundtenor ist vielmehr die Behauptung, die gestiegenen Fallzahlen kämen lediglich durch die im gleichen Zeitraum gestiegene Zahl der Tests zustande. Auf den ersten Blick ein echter <a href="https://www.foxnews.com/politics/transcript-fox-news-sunday-interview-with-president-trump">„Trump“</a> (<em>„Cases are up because we have the best testing in the world and we have the most testing.“</em>), auf den zweiten Blick jedoch zunächst einmal nicht so einfach von der Hand zu weisen (deshalb wohl auch der Beifall der Leser). Grund genug also, noch einen dritten, genauer prüfenden Blick auf diese Behauptung zu werfen:</p>
<h3>Positivenrate vs. Zahl der positiven Tests</h3>
<p>Hauptkritik <em>&#8222;des Autors&#8220;</em> ist, dass zu sehr das Augenmerk auf die reine Zahl der positiven Test gerichtet würde und dass dabei die Anzahl der Tests außer Acht gelassen würde. Aussagekräftiger sei dagegen die sog. <strong>Positivenrate</strong>, also der Quotient aus der Zahl der positiven Test geteilt durch die Gesamtzahl der Tests. Diese Kritik halte ich für nachvollziehbar und gerechtfertigt.</p>
<p>Soweit war es noch relativ einfach nachvollziehbar.</p>
<h3>Sensitivität, Spezifität, Prävalenz usw.</h3>
<p>Um den Text weiter folgen zu können, sollte man die Bedeutung der Begriffe „Sensitivität“, „Spezifität“, „positiv prädiktiver Wert“, „negativ prädiktiver Wert“, „Prävalenz“, „Inzidenz“ und „Vortestwahrscheinlichkeit“ kennen (diese werden z. B. <a href="https://www.lecturio.de/magazin/epidemiologie-statistische-grundlagen/" title="Epidemiologie: Statistische Grundlagen | Fachartikel">im Lecturio Magazin</a> sehr anschaulich erklärt). <em>&#8222;Der Autor&#8220;</em> hat sich offensichtlich mit den Begrifflichkeiten und deren Bedeutung auseinandergesetzt und stellt auch einen Link zu einer Seite zur Verfügung, auf der diese erklärt werden. Das ist zunächst einmal sehr verdienstvoll.</p>
<p>Allerdings versteigt er sich dann im weiteren Verlauf des Textes zu einer etwas abenteuerlichen These nebst anklagenden Schlussfolgerungen: </p>
<blockquote><p> Es wäre also möglich, dass es hierzulande gar keine Fälle von Infektionen mehr gibt und die positiven Ergebnisse auf Artefakte zurückgehen. Schließlich wurden die Tests bis heute keinen offiziellen Zulassungsverfahren unterzogen.<br />
Wenn sich also etwas ausbreitet, dann sind dies im wesentlichen die falsch positiven Ergebnisse und die Dreistigkeit mit der das Vertrauen der Leser ausgenutzt wird. […] Die vermeidliche Schuld darüber hinaus bei zurückkehrenden Urlaubern zu suchen ist infam. Leider beschränkt sich diese grobe Irreführung nicht auf den Tagesspiegel, sondern zieht sich durch alle Massenmedien.</p></blockquote>
<h3>Theoretische Mathematik vs. Anwendung</h3>
<p>Ja, als theoretisches Modell ist der Fall, dass alle positiven Fälle lediglich „Artefakte“ seien und eine Steigerung der Zahl der positiven Test einzig und allein auf die Steigerung der Zahl der Tests zurückzuführen sei, natürlich denkbar. Das ist das Schöne an theoretischer Mathematik.</p>
<p>Aber wenn man eine solche These aufstellt und damit auch noch gegen etablierte Epidemiologen zu Felde ziehen will, sollte man sie jedoch zumindest ansatzweise einem Realitätscheck unterziehen. Aber genau diesen Realitätscheck sucht man im Text <em>&#8222;des Autors&#8220;</em> vergeblich. Stattdessen gipfelt das Elaborat in dem anklagenden Schlusssatz:</p>
<blockquote><p>Offenbar bevorzugt hier die Exekutive die völlige Handlungsfreiheit, möchte aber dennoch zumindest bei dem mathematisch weniger interessierten Teil der Bevölkerung den Anschein erwecken, nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen.</p></blockquote>
<p>Holla, abermals eine starke Ansage. Aber Moment mal, wie war das, „… den Anschein erwecken, nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen.“ Ist das nicht genau das, was <em>&#8222;der Autor&#8220;</em> selbst tut?</p>
<p>Schauen wir doch etwas genauer hin.</p>
<h3>Entwicklung der Positivenrate</h3>
<p>Ok, das ist jetzt etwas unfair, mir hilft dabei die „Gnade der späten Geburt“ meines Textes gegenüber dem hier kritisierten. Andererseits: Warum sollte ich Fakten nicht verwenden, wenn sie vorliegen?</p>
<p><em>&#8222;Der Autor&#8220;</em> kannte zum Zeitpunkt der Entstehung des Textes lediglich die Daten bis einschl. KW 30. Aber bereits die Daten der KW 30 verschweigt er schlicht in seinem Text. Darauf in einem Kommentar angesprochen spielt er die Bedeutung herunter. Jetzt, zwei Wochen später, liegen uns die Daten zweier weiterer Wochen vor:</p>
<div id="attachment_5819" style="width: 1100px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5819" src="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate.png" alt="Anzahl der SARS-CoV2-Testungen in Deutschland (Stand 11.08.2020)" width="1090" height="304" class="size-full wp-image-5819" srcset="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate.png 1090w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate-300x84.png 300w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate-676x189.png 676w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate-768x214.png 768w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate-945x264.png 945w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/08/rki-tabelle-positivenrate-600x167.png 600w" sizes="(max-width: 1090px) 100vw, 1090px" /><p id="caption-attachment-5819" class="wp-caption-text">Anzahl der SARS-CoV2-Testungen in Deutschland (Stand 11.08.2020) Quelle: <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-08-12-de.pdf">Lagebericht des RKI vom 12.8.2020</a></p></div>
<p>Spätestens damit ist die These, dass die Steigerung der Zahl der positiven Test einzig und allein auf die Steigerung der Zahl der Tests zurückzuführen sei, widerlegt.</p>
<p>Ein sehr gut recherchierter und mit schöner Datavisualisierung versehener Artikel des Journalisten <a href="http://www.jangeorgplavec.de/">Jan Georg Plavec</a> in der Stuttgarter Zeitung <a href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.zahlen-zum-coronavirus-wie-haengen-corona-tests-und-infektionen-zusammen.c2b2fd67-7aa4-41b9-be2e-ea349c4b595a.html/#datawrapper-chart-nwmFG" title="Zahlen zum Coronavirus: Wie hängen Corona-Tests und Infektionen zusammen? - Wissen - Stuttgarter Zeitung">zeigt mithilfe eines Scatterplots anschaulich</a>:</p>
<blockquote><p>Je weiter oben ein Punkt eingetragen ist, desto mehr Infektionen wurden in der jeweiligen Kalenderwoche gefunden. Hinge die Zahl der Tests mit der Zahl der Infektionen direkt zusammen, so würde im Schaubild eine Linie erkennbar – in diesem Fall von links unten nach rechts oben. Das ist aber nicht der Fall, stattdessen wurden zu Beginn der Pandemie (Kalenderwoche 12 bis 17) mit relativ wenigen Tests relativ viele Infektionen gefunden – und seither mit relativ vielen Tests eher wenige Infektionen.</p></blockquote>
<p>Nun, was hat aber <em>&#8222;der Autor&#8220;</em> nun genau getan? Ganz einfach: <strong>Lügen mit Statistik für Anfänger</strong> – man wähle den Betrachtungszeitraum so gering, dass die Zahlen die eigene These zu belegen scheinen. Seine Kritik an dem Tagesspiegel-Artikel, der ebenfalls nur den Betrachtungszeitraum der KW 28 &#038; 29 umfasst, ist berechtigt. Auf diesen geringen Betrachtungszeitraum allerdings selbst danach eine so weitreichende These zu stützen, das ist … äh … genau: „… den Anschein erwecken, nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen.“</p>
<h3>Weitere Faktoren</h3>
<h4>Mehrfachtestung</h4>
<p>Das <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Testzahl.html" title="RKI  -  Coronavirus SARS-CoV-2 - Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland">RKI weist auf folgenden Umstand hin</a>:</p>
<blockquote><p>Es ist zu beachten, dass die Zahl der Tests nicht mit der Zahl der getesteten Personen gleichzusetzen ist, da in den Angaben Mehrfachtestungen von Patienten enthalten sein können.</p></blockquote>
<p>Das wird höchstwahrscheinlich noch nicht durchgehend, also eher viel zu selten praktiziert. Aber dennoch ist das eine wirksame Methode, die Falsch-Positiv-Rate stark zu minimieren. Und sie wird auch tatsächlich praktiziert, wie ein Beispiel in Mamming, Bayern (<a href="https://www.welt.de/vermischtes/article212732057/Bayern-Zweiter-Hof-in-Mamming-von-Corona-Ausbruch-betroffen.html" title="Bayern: Zweiter Hof in Mamming von Corona-Ausbruch betroffen - WELT">welt.de, 02.08.2020</a>) zeigt: </p>
<blockquote><p>Der Landkreis lässt die Mitarbeiter des zweiten Betriebes gerade ein zweites Mal testen, um sicherzugehen, dass die Ergebnisse der Abstriche korrekt waren.</p></blockquote>
<h4>Teststrategie</h4>
<p>Das RKI erläutert auf der Seite <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Teststrategie/Nat-Teststrat.html">„Nationale Teststrategie – wer wird in Deutschland getestet?“</a>, nach welchen Kriterien Tests in Deutschland durchgeführt werden. Daraus ergibt sich, dass die Prävalenz bei getesteten Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit signifikant höher liegt, als wenn man rein zufällig in der Bevölkerung testen würde. Auch dies ist ein Argument gegen die These, dass alle positiven Fälle lediglich „Artefakte“ seien.</p>
<h4>Rückkehrer</h4>
<p>Wie sieht es denn nun tatsächlich mit den Urlaubsrückkehrern aus? Ein kurzer Blick in die Medien am Beispiel NRW:</p>
<p><a href="https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/115251/Hohe-Trefferquote-bei-Rueckkehrertests-an-NRW-Flughaefen">Ärzteblatt, 03.08.2020</a>:</p>
<blockquote><p>Bei Tests auf SARS-CoV-2 von Reiserückkehrern aus Risikogebieten an den nordrhein-westfälischen Flughäfen werden rund 2,5 Prozent der Urlauber positiv getes­tet.</p></blockquote>
<p><a href="https://www.radio912.de/artikel/16-neue-positive-corona-tests-603831.html">Radio 91.2, 11.08.2020</a>:</p>
<blockquote><p>Laut Stadt Dortmund betrug die Positivrate unter den Reiserückkehrern in der vergangenen Woche 3,82 Prozent. Es wurden dabei 4135 Tests durchgeführt (Flughafen und Klinikum Nord), davon waren 158 Tests positiv. Am Dortmunder Flughafen wurden dabei auch Rückkehrende getestet, die ihren Wohnsitz außerhalb von Dortmund haben.</p></blockquote>
<p>Das zeigt dann doch eine deutliche Tendenz gegenüber den Positivenraten der gesamten Republik.</p>
<p>Diese drei Faktoren werden von <em>&#8222;dem Autor&#8220;</em> nicht auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen. Weitere ließen sich anführen, aber ich denke, es ist Zeit für eine Conclusio:</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Was ist denn nun für den Anstieg der Zahl der positiven Fallzahlen verantwortlich? Wie ich gezeigt habe, nicht – wie <em>&#8222;der Autor&#8220;</em> behauptet – alleine die im gleichen Zeitraum gestiegenen Testzahlen. Sicherlich sind die gestiegenen Testzahlen in den letzten Wochen zu einem Teil mit verantwortlich, das leugnet aber von den Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft niemand. Aber darüber hinaus sind – wieder entgegen der Behauptung <em>&#8222;des Autors&#8220;</em> – auch die Rückkehrer und, wie zu erwarten war, vor allem die aus sog. Risikogebieten mit verantwortlich. Auch andere Faktoren, auf die ich hier nicht eingegangen bin, spielen sicherlich für den Anstieg der Fallzahlen eine Rolle.</p>
<p>Also: <strong>Gut geschrieben? – Nicht wirklich!</strong></p>
<h3>Zum Abschluss etwas simple Mathematik</h3>
<p>Warum arbeite ich mich nun – abgesehen von der höflichen Bitte des Autors – an seinem Text so detailliert ab? Abgesehen davon, dass es mal wieder ein Beleg für <a href="https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/" title="Zitat des Tages (28)">Brandolinis Gesetz</a> sein könnte, dazu noch ein kleiner Exkurs:</p>
<p>In der Zeit kurz vor dem Lockdown habe ich in Arbeitspausen am Kaffeeautomat stehend gerne den Erklärbär für Kollegen gespielt und z.&nbsp;B. den Unterschied zwischen quadratischen und exponentiellen Funktionen erläutert. Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Exponentielles_Wachstum">Wikipedia-Artikel „Exponentielles Wachstum“</a> ist eine schöne Grafik enthalten, die visuell lineares, kubisches und exponentielles Wachstum gegenüberstellt. Und anhand dieser Grafik kann man sehr deutlich erkennen, warum exponentielles Wachstum so tückisch ist: Über einen sehr langen Zeitraum verläuft die Kurve extrem flach, um dann innerhalb relativ kurzer Zeit zu einem sehr steilen Wachstum umzuschlagen.</p>
<p>Und genau diese Eigenschaft ist der Grund dafür, warum während einer (potenziellen) Epidemie bzw. Pandemie gerade in einer Phase des scheinbaren Nullwachstum höchste Vorsicht geboten ist. Denn vor allem nach der Erfahrung einer „ersten Welle“ spielt unser Verhalten eine große Rolle. Und das Verhalten wird dadurch gesteuert, wie ernst wir die Situation nehmen. Ich bin auch gegen Panikmache bzw. das Schüren von Angst. Aber Verharmlosung halte ich dagegen für noch weniger hilfreich. Und der vorliegende Text <em>&#8222;des Autors&#8220;</em> zeigt aus meiner Sicht leider eindeutige Tendenzen von Verharmlosung, weil er, um seine Grundthese zu belegen, grobe methodische Fehler begeht.</p>
<p>Eine letzte Bemerkung zum Thema „vormalige Qualitätsmedien“: Vielleicht sind gar nicht so sehr die Qualitätsmedien, sondern womöglich eher „vormalige Qualitätsleser“ bzw. „vormalige Qualitätsrezipienten“ das Problem? Ich bin sehr fürs Hinterfragen und strikt gegen kritikloses Hinnehmen von Befehlen und Maßnahmen, wie meine Tätigkeiten als Gewerkschaftsvorstand und Betriebsrat unschwer erkennen lassen. Und ja, wir sind alle in den letzten Monaten zu Experten in Epidemiologie und Verfassungsrecht herangereift.</p>
<p>Aber wie wäre es damit, beim Hinterfragen die eigenen Thesen stärker mit einzubeziehen?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/corona-medien-mathematik/">Corona, Medien &#038; Mathematik</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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		<title>Beethoven in Zeiten von SARS-CoV-2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2020 15:56:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein weiterer "Videobeweis" in der Diskussion um Singen, Konsonanten und Aerosole. Gleichzeitig mein Beitrag zum Beethovenjahr 2020.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/singen-konsonanten-aerosole/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/singen-konsonanten-aerosole/">Beethoven in Zeiten von SARS-CoV-2</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&raquo; <a href="#video">Direkt zum Video springen</a></p>
<p>Erbitterte Diskussionen in diesen Tagen unter Sängerinnen und Sängern, Profis und Amateuren, Solisten und Chorsängerinnen und -sängern. Zentrale Frage dabei: Wie gefährlich ist <a href="https://ja-gut-aber.de/singen-in-zeiten-von-sars-cov-2/" title="Singen in Zeiten von SARS-CoV-2"><strong>Singen in Zeiten von SARS-CoV-2</strong></a>?</p>
<h2>Der Videobeweis</h2>
<p>Dabei wird gerne auch zu einem Mittel gegriffen, das neuerdings auch bei Fußballspielen eingesetzt wird: dem <strong>Videobeweis</strong>.</p>
<h3>Profisänger</h3>
<p>Der österreichische Startenor <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Schager" title="Andreas Schager – Wikipedia">Andreas Schager</a>, ein ehemaliger lyrischer Operettentenor, wendet sich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z0orZqHyOew" title="Andreas Schager am 11. Mai 2020 – YouTube">am 11. Mai 2020 per Videobotschaft</a> an seine damals noch amtierende Kulturstaatssekretärin und versucht mittels eines &#8222;Experiments&#8220; zu zeigen, dass Singen in Sachen Ansteckung mit COVID-19 völlig ungefährlich sei. Ein Ziel hat er damit jedenfalls erreicht: Vier Tage später erklärt die angesprochene Politikerin ihren Rücktritt.</p>
<p>Aber hat er denn auch in Sachen Gesang das bewiesen, was er demonstrieren wollte? Nicht nur die Wissenschaftsredaktion des Onlinemagazins Futurezone <a href="https://futurezone.at/science/opernsaenger-als-virenschleudern-so-gross-ist-das-risiko/400838843" title="Opernsänger als Virenschleudern? So groß ist das Risiko | futurezone.at">bezweifeln das</a> …</p>
<h3>Wissenschaft</h3>
<p>Aber nicht nur der genannte Tenor, sondern auch ein Team von Wissenschaftlern der Universität der Bundeswehr griffen zu dem Mittel des Videobeweises. Bereits am 7. Mai hatte das Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht. Im Rahmen dieser Studie wurde auch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0JmcjRhV-rs" title="Musizieren während der Pandemie - YouTube">ein Video veröffentlicht</a>, das die Sängerin und <a href="http://www.moz.ac.at/people.php?p=51440&#038;l=en">Dozentin am Salzburger Mozarteum, Marion Spingler</a> mit fast exakt demselben &#8222;Experiment&#8220; zeigt, dessen Beweiskraft auch bei ihrem Kollegen Schager angezweifelt wurde.</p>
<h3>Das &#8222;Experiment&#8220; mit der Kerze</h3>
<p>Aber worum geht es in dem &#8222;Experiment&#8220;? Es ist an sich ein uraltes Mittel aus der Trickkiste versierter Gesangspädagogen: Man hält beim Singen eine Kerze mit nicht zu großem Abstand vor den Mund. Die Kerzenflamme, die dabei kaum bzw. gar nicht ins Flackern gerät, ist dabei ein Indiz, dass während der Phonation nur sehr wenig Luft aus der Kehle der Sängerin bzw. des Sängers austritt. Dieser Fakt ist kein Wunder: Bei einer guten Gesangstechnik findet ein sog. &#8222;Stimmschluss&#8220; statt. Das bedeutet, dass die Stimmlippen sich berühren (&#8222;schließen&#8220;) und nur durch den Luftstrom von unten auf- und zuflattern. Die Frequenz dieses &#8222;Flatterns&#8220; entspricht der Frequenz des gesungenen Tones. Die austretende Luftmenge ist dabei auch bei sehr lauten Tönen relativ gering.</p>
<p>Sowohl die Kollegin Spingler, als auch der Kollege Schager demonstrieren das in den jeweiligen Videos wie zu erwarten. Der Heldentenor sogar noch eindrucksvoller, indem er einen Höhepunkt aus Verdis Oper Otello zelebriert: In beiden Videos bewegt sich die Flamme bei den gesungenen Vokalen praktisch nicht.</p>
<h3>Konsonanten</h3>
<p>Bei den Konsonanten hingegen bietet sich bereits ein differenzierteres Bild: Während Schager es schafft, dass die Flamme auch durch seine Konsonanten kaum zu flackern beginnt, gerät die Kerzenflamme im Video der Bundeswehruni bei einem &#8222;T&#8220; der Kollegin Spingler bereits sehr stark ins Flackern. Und das, obwohl <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Sprache#Plosive" title="Italienische Sprache – Wikipedia">stimmlose Plosive im Italienischen</a> nicht aspiriert ausgesprochen werden.</p>
<p>So ist das Fazit von Prof. Kähler und Dr. Hain erklärbar: </p>
<blockquote><p>Bei der professionellen Sängerin haben die Versuche gezeigt, dass bei einem Abstand von rund 0,5 m nahezu keine Luftbewegung mehr feststellbar ist, unabhängig davon wie laut der Ton war und welche Tonhöhe gesungen wurde.</p></blockquote>
<h2>Beethoven als Beweis</h2>
<p>Zwei Mankos wiesen die bisher existierenden &#8222;Videobeweise&#8220; also auf:</p>
<ol>
<li>Die Texte beider Stücke waren in italienischer Sprache, also mit nicht aspirierten stimmlosen Plosiven. Stimmlose Plosive sind also bisher nicht untersucht worden.</li>
<li>Die Experimente wurden bisher zwar mit professionellen Sängern durchgeführt, jedoch nicht mit professionellen Chorsängern. Im Chorgesang, insbesondere bei Stücken mit großer Orchesterbesetzung, wird aber in der Regel eine (über-)deutliche Artikulation der Konsonanten praktiziert. In dieser Hinsicht bestand also noch Forschungsbedarf.</li>
</ol>
<p>Diese &#8222;Forschungslücke&#8220; brachte mich dazu, selbst ein Experiment durchzuführen. Und welches Stück wäre im Beethoven-Jubiläumsjahr besser geeignet als der Schlusschor aus der <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/beethoven+9+sinfonie/" title="Beethovens 9. Sinfonie auf „Ja gut, aber …“">9. Sinfonie</a> mit Schillers &#8222;Ode an die Freude&#8220;?</p>
<p>Gesagt – getan. Hier das Ergebnis, die Chorstelle &#8222;und der Cherub steht vor Gott&#8220;, kurz bevor dann wieder Herr Schager an der Reihe wäre:</p>
<h2 id="video">9 Candles for Beethoven&#8217;s 9th</h2>
<div class="velocity-embed"><a href="#" data-video-type="youtube" data-video-id="pbrRUAf37yY" data-video-options="" data-event=""><img decoding="async" class="velocity-img aligncenter" src="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2018/07/test-screen.png" alt="Play" /><meta itemprop="contentLocation" content="https://www.youtube.com/watch?v=pbrRUAf37yY" /><meta itemprop="embedUrl" content="//youtube.com/embed/pbrRUAf37yY" /><meta itemprop="thumbnail" content="https://i.ytimg.com/vi/pbrRUAf37yY/hqdefault.jpg" /><span class="velocity-play-btn" style="background-color: #000000"><span class="velocity-arrow" style="border-left-color: #FFFFFF;"></span></span></a><span class="velocity-target"></span></div>
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<p>&raquo; <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pbrRUAf37yY" title="9 Candles for Beethoven's 9th - YouTube">9 Candles for Beethoven&#8217;s 9th @YouTube</a></p>
<h3>Besetzung</h3>
<p>Berliner Philharmoniker<br />
Rundfunkchor Berlin</p>
<p>&raquo; <a href="https://www.digitalconcerthall.com/de/concert/52589#watch:52589-1" title="Digital Concert Hall">2019, Berlin, Brandenburger Tor, Kirill Petrenko</a><br />
&raquo; <a href="https://www.digitalconcerthall.com/de/concert/20290#watch:20290-2" title="Digital Concert Hall">2014, Berlin, Philharmonie, Sir Simon Rattle</a><br />
&raquo; <a href="https://www.digitalconcerthall.com/de/concert/3471#watch:3471-3" title="Digital Concert Hall">2013, Berlin, Waldbühne, Sir Simon Rattle</a></p>
<p>Choreinstudierung: Gijs Leenaars (2019), Simon Halsey (2014 &#038; 2013)</p>
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		<title>Zitat des Tages (29)</title>
		<link>https://ja-gut-aber.de/max-goldt-bild-zeitung-zitat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2020 08:41:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Bild-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Drosten]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[Filipp Piatov]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Streiter]]></category>
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		<category><![CDATA[Virologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Zitat des Tages]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Max Goldts berühmtes Zitat zur Zeitung mit den großen Buchstaben ist leider aktueller denn je. Am 25. Mai 2020 wurde es einmal mehr aufs Widerwärtigste bestätigt.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/max-goldt-bild-zeitung-zitat/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/max-goldt-bild-zeitung-zitat/">Zitat des Tages (29)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.<br />
<cite>Max Goldt, 2000</cite></p></blockquote>
<p><span id="more-5746"></span><br />
Dieses Zitat aus der Feder des Schriftstellers und Musikers <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Goldt" title="Max Goldt – Wikipedia"><strong>Max Goldt</strong></a> erschien im Jahr 2000 zunächst in einer seiner Kolumnen für das Satiremagazin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Titanic_(Magazin)" title="Titanic (Magazin) – Wikipedia"><strong>Titanic</strong></a>. Im darauffolgenden Jahr erschien der Text dann in einer Sammlung von Prosatexten Max Goldts mit dem Titel &#8222;Der Krapfen auf dem Sims&#8220;.</p>
<h2>Herr Reichelt und sein Knecht Piatov</h2>
<p>Die Aussage Max Goldts wurde gestern einmal mehr aufs Widerwärtigste von dem Ressortleiter für „Meinung“ bei dem Blatt mit den großen Buchstaben, Filipp Piatov, gedeckt durch seinen Chefredakteur Julian Reichelt, bestätigt. Der Journalist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Streiter_(Journalist)" title="Georg Streiter (Journalist) – Wikipedia"><strong>Georg Streiter</strong></a>, der selbst jahrelang als Journalist bei „Bild“ und „Bild am Sonntag“ gearbeitet hat, führt heute morgen in einem (sehr lesenswerten!) <a href="https://www.facebook.com/streiter/posts/10218495048668209" title="Georg Streiter - Beinahe die Hälfte meiner 34-jährigen Tätigkeit...">Post bei Facebook</a> aus:</p>
<blockquote><p>Bei aller Kritik am „Head of Opinion“ (Piatov-Selbstdarstellung im Netzwerk LinkedIn) darf man natürlich nicht vergessen, wer dafür die Verantwortung trägt. Das ist Julian Reichelt, der „Vorsitzende der Chefredaktionen“. Es ist wie bei Hundebesitzern: Das Problem befindet sich in der Regel am oberen Ende der Leine.</p></blockquote>
<h2>Ein weiteres &#8222;Totalversagen&#8220; des Herrn Piatov</h2>
<p>Doch was war dieses &#8222;Totalversagen&#8220; des Herrn Piatov, wie Streiter es nennt? Das Opfer war der derzeit in den Medien omnipräsente Virologe Christian Drosten. Er kommentiert eine Anfrage des &#8222;Head of Opinion&#8220; <a href="https://twitter.com/c_drosten/status/1264934434756755456" title="Christian Drosten auf Twitter">auf Twitter folgendermaßen</a>:</p>
<blockquote><p>Interessant: die <a href="https://twitter.com/hashtag/Bild">#Bild</a> plant eine tendenziöse Berichterstattung über unsere Vorpublikation zu Viruslasten und bemüht dabei Zitatfetzen von Wissenschaftlern ohne Zusammenhang. Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun.</p></blockquote>
<p>Drosten postet als Anhang die impertinente Anfrage des sog. Jounalisten Piatov. Zwei der darin genannten Wissenschaftler distanzieren sich augenblicklich:</p>
<blockquote><p>Ich wusste nichts von der Anfrage der BILD und distanziere mich von dieser Art Menschen unter Druck zu setzen auf das schärfste. Wir können uns mehr glücklich schätzen <a href="https://twitter.com/c_drosten">@c_drosten</a> und sein Team im Wissenschaftsstandort Deutschland zu haben. They saved lifes!<br />
<cite><a href="https://twitter.com/domliebl/status/1264935266185293826">Dominik Liebl</a></cite></p></blockquote>
<blockquote><p>Niemand von <a href="https://twitter.com/hashtag/Bild">#Bild</a> hat mit mir gesprochen, und ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Art der Berichterstattung.<br />
<cite><a href="https://twitter.com/christoph_rothe/status/1264937059921342466">Christoph Rothe</a></cite></p></blockquote>
<p>Wie jämmerlich der <a href="https://twitter.com/jreichelt/status/1264927202291875844">Rechtfertigungsversuch des Chefredakteurs</a> ist, zeigen die vielen Kommentare darunter. Einziger Trost: Die Affäre hat einen neuen Hashtag kreiert: <a href="https://twitter.com/hashtag/ichhabebessereszutun"><strong>#ichhabebessereszutun</strong></a> – eine Welle der Sympathiebezeugung für Christian Drosten – verdient!</p>
<p>&raquo; <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/zitat-des-tages/">Alle Artikel der Serie &#8222;Zitat des Tages&#8220;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/max-goldt-bild-zeitung-zitat/">Zitat des Tages (29)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Singen in Zeiten von SARS-CoV-2</title>
		<link>https://ja-gut-aber.de/singen-in-zeiten-von-sars-cov-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2020 09:50:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Aerodynamik]]></category>
		<category><![CDATA[Aerosol]]></category>
		<category><![CDATA[Bamberger Symphoniker]]></category>
		<category><![CDATA[Bernoulli]]></category>
		<category><![CDATA[Charité Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Chor]]></category>
		<category><![CDATA[Chormusik]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[COVID-19]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Orchestervereinigung]]></category>
		<category><![CDATA[Freiburger Institut für Musikermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Gesang]]></category>
		<category><![CDATA[Musikermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
		<category><![CDATA[Singen]]></category>
		<category><![CDATA[Strömungsmechanik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Materialsammlung für Sänger*innen und Chorleiter*innen zur Beurteilung der aktuellen Lage während der Corona-Pandemie.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/singen-in-zeiten-von-sars-cov-2/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/singen-in-zeiten-von-sars-cov-2/">Singen in Zeiten von SARS-CoV-2</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="warnhinweis">
		<p>Seit dem 03.07.2020 wurden hier keine neuen Publikationen eingetragen.</p>
<p>Inzwischen wird das Projekt in einem Wiki auf <a href="https://aerosole.net/" title="Singen in Zeiten von SARS-CoV-2 – Das Wiki"><strong>aerosole.net</strong></a> fortgeführt.</p>
<p>Aktualisierungen finden ab sofort nur noch dort statt.</p>

	</div>
<p>Nach <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3OIFi3g-qwE" title="O Mensch, bewein dein Sünde groß | BWV 622 | Rundfunkchor Berlin">meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema</a>, wollte ich mich jetzt verstärkt der konstruktiv-wissenschaftlichen Debatte widmen. Möge diese Sammlung nützlich sein!</p>
<h2>Material für Sänger*innen und Chöre</h2>
<h3 id="wiss-publikation">Aktuelle wissenschaftliche Publikationen</h3>
<p>Eine Liste an Publikationen zum Thema mit wissenschaftlichem Anspruch, sortiert nach Erscheinungsdatum – wird laufend ergänzt.</p>
<ul>
<li>2020-07-01 <strong>Freiburger Institut für Musikermedizin, Universitätsklinikum und Hochschule für Musik Freiburg</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/wissenschaft/spahn_c2020a">&uarr; Risikoeinschätzung einer Coronavirus-Infektion im Bereich Musik</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-05-07 <strong>Universität der Bundeswehr München – Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/wissenschaft/kaehler_cj2020b">&uarr; Musizieren während der Pandemie &#8211; was rät die Wissenschaft?</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-05-04 <strong>Charité Berlin</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/wissenschaft/muerbe_d2020a">&uarr; Beurteilung der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2-Viren beim Singen</a>
</li>
</ul>
</li>
<li>2020-04-29 <strong>Dr. Heather R. Nelson</strong>
<ul>
<li><a href="https://www.drheathernelson.com/singingandcovid19">Nelson, H. (2020 April 29). <em>Singing, the Church, and COVID-19: A Caution for Moving Forward in Our Current Pandemic.</em></a>
</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3 id="interviews">Interviews und sonstige Aussagen mit/von Experten</h3>
<ul>
<li>2020-07-03 LMU Klinikum München &#038; Uni-Klinikum Erlangen
<ul>
<li>Pressemeldungen der beteiligten Institute zu ersten Ergebnissen der <strong>Aerosol-Studie</strong> mit dem <strong>Chor des BR</strong>:
<ul>
<li><a href="https://www.lmu-klinikum.de/aktuelles/pressemitteilungen/erste-ergebnisse-zu-aerosol-studie-mit-dem-chor-des-br/caf8e9f9c407a2bd">LMU Klinikum München</a></li>
<li><a href="https://www.uk-erlangen.de/presse/pressemitteilungen/ansicht/detail/erste-ergebnisse-zur-aerosol-studie-mit-dem-chor-des-br/">Uni-Klinikum Erlangen</a></li>
</ul>
</li>
<li>Prof. Dr. med.<strong> Matthias Echternach</strong> vom LMU Klinikum München und PD Dr.-Ing. <strong>Stefan Kniesburges</strong> haben mit Mitgliedern der Klangkörper des Bayerischen Rundfunks Ende Mai eine Studie durchgeführt, um Abstrahlung, Ausbreitung und Verteilung sowohl von größeren Tröpfchen als auch von Aerosolen beim Singen, Sprechen und Spielen von Blasinstrumenten im Raum zu messen. Die Datenauswertung zu den Messungen mit den Blasinstrumenten steht noch aus.
<p>Auch wenn die Studie mit den 10 Sängerinnen und Sängern des Chor des BR sich im Moment noch im Peer-Review-Prozess befindet, wurden mit der Presseerklärung bereits die Kernaussagen der Studie veröffentlicht</li>
<li>Zeitgleich zur Pressemitteilung wurde auf NDR Kultur ein Interview, geführt von Marcus Stäbler, mit dem medizinischen Leiter der Studie, Matthias Echternach veröffentlicht: <a href="https://www.ndr.de/kultur/musik/Corona-Neue-Studie-zum-Sicherheitsabstand-beim-Singen,aerosolebeimsingen100.html" title="Corona: Neue Studie zum Sicherheitsabstand beim Singen | NDR.de - Kultur - Musik">Neue Studie zum Sicherheitsabstand beim Singen</a>. Im Interview werden der Versuchsaufbau detailliert erläutert und die Ergebnisse kommentiert und bewertet.</li>
<li>Zwei Zitate aus dem Interview:<br />
<blockquote><p>Wenn wir jetzt über Abstandsregeln nachdenken, können wir sagen: zwei bis zweieinhalb Meter nach vorne sollte sehr wahrscheinlich ausreichend sein, zur Seite sollten eineinhalb Meter reichen &#8211; sofern die Aerosole immer wieder entfernt werden! Und dieses Entfernen ist an der frischen Luft kein Problem. Aber in geschlossenen Raum könnte es zum Problem werden. Wenn man eine kontinuierliche Durchlüftung hinbekäme, dann könnte man sich wahrscheinlich an den normalen Probenzeiten orientieren. Wenn man das nicht gewährleisten kann, muss ich regelmäßig eine Stoßlüftung hinbekommen, am besten nach zehn Minuten.</p></blockquote>
<blockquote><p>Ich glaube tatsächlich, dass wir bald guten Gewissens wieder singen können, glaube aber gleichwohl, dass wir mehr auf Abstände, Durchlüftung, vielleicht Singen mit Schutzmaßnahmen zurückgreifen müssen, das wird vielleicht die nächste Wahrheit werden. Aber ich glaube auch, dass wir dieses Kulturgut wieder fördern müssen. Singen ist eine für die Menschen wichtige Tätigkeit, die uns beflügeln kann.</p></blockquote>
</li>
</ul>
</li>
<li>2020-06-04 Prof. Dr. <strong>Martin Kriegel</strong>, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts, TU Berlin
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/personen/kriegel_martin">&uarr; Martin Kriegel</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-05-27 Univ.Prof. Dr. med. <strong>Fritz Sterz</strong>, Medizinische Universität Wien
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/wissenschaft/sterz_f2020a">&uarr; Protokoll einer Untersuchung und fotografische Dokumentation von Aerosol- und Kondenswasseremission bei Chor Mitgliedern</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-05-09 ​Prof. Dr. <strong>Michael Fuchs</strong>, Leiter der Abteilung Phoniatrie und Audiologie an der <strong>Uniklinik Leipzig</strong>
<ul>
<li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=l6XwK8FX2_8">Daniel Knauft (Ensemble Amarcord) interviewt Prof. Dr. Michael Fuchs im Live-Stream zum diesjährigen a-cappella-Festival Leipzig: &#8222;Was Sie schon immer über die Stimme wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ – Live-Expertenchat (YouTube)</a>
<p>Sehr differenzierte Darstellung des Themenkomplexes mit vielen Aspekten. Aus meiner Sicht im Moment das Schlüsselzitat (ab <a href="https://youtu.be/l6XwK8FX2_8?t=1805">Timecode 30:05</a>):</p>
<blockquote><p>Für einen Chor, also wo ich jetzt mal von 15, 20, 50, gar 100 Leuten ausgehen muss, in einem geschlossenen Raum ist unser Kenntnisstand einfach zu gering, das muss man ganz klar sagen und die Frage &#8222;Ist Chorsingen momentan gefährlich?&#8220; mit &#8222;Ja.&#8220; beantworten.</p></blockquote>
</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3 id="aerosole">Publikationen zum Thema Sprechen und Aerosole</h3>
<ul>
<li>2020-05-13 <strong>US National Institutes of Health, Bethesda</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/wissenschaft/stadnytskyi_v2020-05-13">&uarr;The airborne lifetime of small speech droplets and their potential importance in SARS-CoV-2 transmission.</a></li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3 id="berufsverbaende">Positionen von Berufs- und Interessensverbänden</h3>
<ul>
<li>2020-05-14 <strong>Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM)</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/verbaende/dgfmm">&uarr; Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin e.V.(DGfMM)</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-05-12 <strong>Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW)</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/verbaende/vdbw">&uarr; Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW)</a></li>
</ul>
</li>
<li>2020-04-30 <strong>Deutsche Orchestervereinigung e. V. (DOV)</strong>
<ul>
<li><a href="https://aerosole.net/verbaende/dov">&uarr; Deutsche Orchestervereinigung e.V. (DOV)</a></li>
</ul>
</li>
<li><strong>Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen (BDG)</strong>
<ul>
<li>Der <strong>BDG</strong> listet <a href="http://www.bdg-online.org/">auf seiner Homepage</a> lediglich Links zu &#8222;Stellungnahmen zur Risikoabschätzung durch externe Institutionen&#8220; auf. Ansonsten konstatiert er:<br />
<blockquote><p>Abgesicherte, allgemeingültige Unterrichtsempfehlungen kann der BDG aus pädagogischer, berufsrechtlicher und medizinischer Sicht derzeit nicht aussprechen, da noch keine wissenschaftlich untermauerten Erkenntnisse zur Übertragung des Corona-Virus bei Sängerinnen und Sängern existieren, aus denen das konkrete Risiko einer Infektionsausbreitung im Rahmen des (Einzel-)Gesangsunterrichts abgeleitet werden kann.</p></blockquote>
</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3>Kuriosa</h3>
<ul>
<li><strong>Auto-Proben</strong>
<ul>
<li>Die <a href="http://stimmvoll.de/">Chorleiterin <strong>Tabea Raidt</strong></a> hat ein einzigartiges Konzept entwickelt: Mittels eines FM-Transmitters pro Fahrzeug verwandelt sich ein Parkplatz in einen Chorprobenraum. Berichte darüber <a href="http://stimmvoll.de/choere/auto-proben/">auf ihrer Website</a>, auf dem <a href="https://www.singen-und-stimme.de/2020/04/14/auto-probe-setzt-endorphine-frei/">Blog des Schwäbischen Chorverbandes</a> und bei <a href="https://meine.stimme.de/brackenheim/kultur-freizeit/auto-chor-probe-d107930.html">stimme.de/Brackenheim</a>.</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h2>Material für Instrumentalisten und Orchester</h2>
<p>Nachfolgend noch eine Sammlung von Publikationen, die nicht direkt Singen zum Gegenstand haben, im beruflichen Umfeld jedoch auch für wichtig zu erachten sind.</p>
<ul>
<li>2020-05-07 <strong>Charité Berlin/Vorstände &#038; Intendanzen 7 Berliner Orchester</strong>
<ul>
<li><a href="https://www.konzerthaus.de/de/presse/stellungnahme-zum-spielbetrieb-der-orchester-wahre/103">Willich, S. (2020 Mai 7). <em>Stellungnahme zum Spielbetrieb der Orchester während der COVID-19 Pandemie.</em></a> (auch <a href="https://www.konzerthaus.de/media/filer_public/07/c1/07c103ca-b01b-47b3-8663-4cb48db9503e/stellungnahme_spielbetrieb_orchester.pdf">als PDF</a>)
<p>Dazu gibt es auch einen sehr interessanten <a href="https://www.rbb-online.de/rbbkultur/radio/programm/schema/sendungen/rbbkultur_am_nachmittag/archiv/20200507_1505/kultur_aktuell_1630.htm">Beitrag in rbb Kultur vom 07.05. von Maria Ossowski</a> mit erläuternden Interviews mit dem Orchestervorstand und Trompeter <a href="https://www.dso-berlin.de/de/orchester/personen/orchestermitglieder/?position=trompeten">Matthias Kühnle (DSO)</a> und dem Epidemiologen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Willich">Stefan Willich</a> von der Charité Berlin, der die Empfehlungen federführend mit erarbeitet hat.
</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h2 id="wissenschaft">Wissenschaftliche Grundlagen</h2>
<p>Nachfolgend eine Auflistung wichtiger wissenschaftlicher Begriffe und Grundlagen, deren Kenntnis in der Diskussion von entscheidender Bedeutung ist.</p>
<h3>&#8222;Bernoulli-Effekt&#8220;</h3>
<p><a href="https://aerosole.net/themen/wissenschaft/grundlagen/physik/benoulli-effekt">&uarr; Bernoulli-Effekt</a></p>
<h2 id="sammlungen">Andere Sammlungen</h2>
<p><a href="https://aerosole.net/quellen">&uarr; Andere Quellen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/singen-in-zeiten-von-sars-cov-2/">Singen in Zeiten von SARS-CoV-2</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bach in Zeiten von SARS-CoV-2</title>
		<link>https://ja-gut-aber.de/bach-bwv622-rundfunkchor-berlin-corona/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2020 21:35:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Bach]]></category>
		<category><![CDATA[BWV 622]]></category>
		<category><![CDATA[Chor]]></category>
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		<category><![CDATA[Gijs Leenaars]]></category>
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		<category><![CDATA[Max Reger]]></category>
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		<category><![CDATA[Multitrack-Video-Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Orgelbüchlein]]></category>
		<category><![CDATA[Orgelmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkchor Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
		<category><![CDATA[Splitscreen]]></category>
		<category><![CDATA[Swingle Singers]]></category>
		<category><![CDATA[Video]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anmerkungen zur Produktion des Videos "O Mensch, bewein dein Sünde groß" BWV 622 des Rundfunkchores Berlin.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/bach-bwv622-rundfunkchor-berlin-corona/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/bach-bwv622-rundfunkchor-berlin-corona/">Bach in Zeiten von SARS-CoV-2</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>(Dieser Artikel ist <strong>Folge 42</strong> der <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/multitrack-video-tag/" title="Die Serie „Donnerstag = Multitrack-Video-Tag“ auf „Ja gut, aber …“">Serie <strong>&#8222;Donnerstag = Multitrack-Video-Tag&#8220;</strong></a>)</p>
<p>&raquo; <a href="#video">Direkt zum Video springen</a></p>
<p>Schwierige Zeiten, besonders für (professionelle) Chorsänger. Seit dem 17. März 2020 greift der Corona-Shutdown auch beim Rundfunkchor Berlin. Proben, geschweige denn Konzerte sind derzeit nicht durchführbar; ein Ende dieser Situation ist nicht in Sicht.</p>
<h2>Viele Splitscreen-Videos von Chören</h2>
<p>Viele Chöre sind stattdessen auf eine hier im Blog bestens bekannte Kunstform umgestiegen: <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/splitscreen/" title="Splitscreen-Videos auf „Ja gut, aber …“"><strong>Splitscreen-Videos</strong></a>. Dabei entstehen teilweise klanglich sehr erstaunliche Ergebnisse. Toningenieure verbringen oft wahre Wunder, um aus einzelnen Aufnahmen von Sängern über Handy- oder Laptop-Mikrofone einen homogenen, ja manchmal geradezu CD-reifen Chorklang zu zaubern. Ein paar Beispiele seien hier exemplarisch aufgeführt:</p>
<ul>
<li><strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=V6QDRjrrPqg" title="Made in Isolation: RIAS Kammerchor Berlin - Der Mond ist aufgegangen #wirbleibenzuhause">RIAS Kammerchor: &#8222;Der Mond ist aufgegangen&#8220; (J. A. P. Schulz/M. Reger)</a></strong>, veröffentl. am 31.03.2010</li>
<li><strong><a href="http://view-source:https://www.ndr.de/orchester_chor/chor/Sieben-Rundfunkchoere-ein-Choral,johannespassion124.html" title="Sieben Rundfunkchöre - ein Choral | NDR.de - Orchester und Chor - NDR Chor">Sieben Rundfunkchöre – ein Choral:</a></strong> Mitglieder aller 7 Rundfunkchöre Deutschlands singen gemeinsam den Choral &#8222;Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich&#8220; aus Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion, veröffentl. am 10.04.2020</li>
<li><strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=1ns5x9oT9Ds" title="Hercules - Go the Distance - Virtual Choir (Arr. Matthias Arn)">Mädchenchor Hannover: Go the Distance (A. Menken/M. Arn)</a></strong>, veröffentl. am 12.04.2020</li>
<li><strong><a href="https://www.mdr.de/konzerte/rundfunkchor/video-ubi-caritas-rundfunkchor-100.html" title="MDR-Rundfunkchor und Philipp Ahmann im Homeoffice: &quot;Ubi caritas&quot; | MDR.DE">MDR-Rundfunkchor: &#8222;Ubi caritas&#8220; (M. Duruflé)</a></strong>, veröffentl. am 24.04.2020</li>
<li><strong><a href="https://www.facebook.com/342934919135634/videos/2583758071942190/" title="#wdrhausmusik: J. S. Bach - Nun ruhen alle Wälder">WDR Rundfunkchor: &#8222;Nun ruhen alle Wälder&#8220; (J. S. Bach)</a></strong>, veröffentl. am 25.04.2020</li>
</ul>
<h2>Ein etwas anderer Weg</h2>
<p>Im Rundfunkchor Berlin haben wir Mitte bis Ende März, neben <a href="https://corona.rundfunkchor.info/" title="Rundfunkchor Berlin: Wir für unsere Aushilfen | Corona-Solidaritätsaktion">unserer Solidaritätsaktion</a>, auch darüber diskutiert, ob wir ein solches Video erstellen. Allen diesen Videos ist jedoch gemein, dass ein kurzes Stück aus dem Konzertrepertoire des jeweiligen Chores dargeboten wird, die Sängerinnen und Sänger singen jeweils von zu Hause aus, in aufwändiger Ton- und Bildbearbeitung wird dann daraus ein Splitscreen-Video kreiert. Sehr viele Chöre haben in den letzte Wochen (mindestens) ein solches Video herausgebracht, die Kunstform wird irgendwie inflationär, die Bilder gleichen sich auch irgendwie …</p>
<p>Uns war schnell klar, dass wir uns in dieser Form da nicht einreihen wollten, zumal ohne direkte Eingliederung in eine Sendeanstalt auch erhebliche Produktionskosten entstanden wären, die wegen des Ausfalls von Eintrittsgeldern zunächst einmal nicht so ohne weiteres finanzierbar gewesen wären.</p>
<p>Am 1. April sah ich dann das Video des <a href="https://www.rsb-online.de/kuenstler/joerg-lehmann/" title="Jörg Lehmann - RSB">Bassposaunisten Jörg Lehmann vom Rundfunksinfonie-Orchester Berlin</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=lKzIKAnuUeM" title="Jörg Lehmann spielt „Über den Sternen”">in dem er im Großen Sendesaal des Haus des Rundfunks viermal zu sehen ist und quasi mit sich selbst im Posaunenquartett &#8222;Über den Sternen&#8220; von Franz Abt spielt</a>. Die dabei verwendete Videotechnik der Maskierung hatte es mir angetan und erweckte in mir den Wunsch, ebenfalls ein Video mit dieser Technik zu produzieren.</p>
<h2>&#8222;O Mensch, bewein dein Sünde groß&#8220; BWV 622&nbsp;…</h2>
<p>Musikalisch war meine erste Idee irgendetwas inspiriert durch den Contrapunctus I aus &#8222;Die Kunst der Fuge&#8220; für räumliche Stimmen gesetzt von Dieter Schnebel. Zusätzlich zur räumlichen Verteilung der Stimmen bot mir die Videotechnik die Möglichkeit, die Stimmen nur dann &#8222;erscheinen&#8220; zu lassen, wenn sie auch tatsächlich singen. Zunächst wollte ich das Video – wie Jörg Lehman – alleine realisieren. Schnell wurde mir allerdings klar, dass mir größere Möglichkeiten offen stünden, wenn ich meine Kolleginnen und Kollegen mit einbeziehen würde.</p>
<p>Sodann musste nur noch eine konkrete musikalische Vorlage gefunden werden. Da mir klar war, dass ich das Stück im Laufe eines solchen Produktionsprozesses mehrere hundert Male hören würde, kam nur ein Werk in Frage, was über jeden musikalischen Zweifel erhaben war. Durch die Schnebel-Idee lag ein Werk von Bach nahe. Da ich mich von den übrigen Chor-Videos abheben wollte, sollte es allerdings ein Werk sein, von dem bisher keine Version für Chor existierte. Nach einiger Recherche entschied ich mich dann schließlich für das Choralvorspiel &#8222;O Mensch, bewein dein Sünde groß&#8220; BWV 622 aus Bachs &#8222;Orgelbüchlein&#8220;.</p>
<h2>… in neuem Gewande</h2>
<p>Am 8. April habe ich dann eine E-Mail an sämtliche festangestellten Mitglieder des Rundfunkchors geschickt, um Bereitschaft und Möglichkeit zur Teilnahme an dem Projekt abzufragen. Von etwa der Hälfte der Mitglieder bekam ich ein positive Rückmeldung, ausreichend, um ein Video in Chorstärke zu erstellen. Die erste Hälfte der Bearbeitung wollte ich solistisch gestalten, hierfür hatte ich neun Kolleg*innen ausgewählt.</p>
<p>Doch wie sollte ich das Arrangement des Orgelwerks für Chor gestalten? Der Orgelsatz ist durchgehend vierstimmig und insofern eine ideale Ausgangsbasis für einen vierstimmigen Chorsatz. In der ersten Hälfte liegt die Hauptstimme relativ tief, weshalb ich sie der Altstimme übertragen habe. Als Begleitsatz habe ich ein dreistimmiges Männerensemble (Tenor, Bariton, Bass) eingesetzt. Im späteren Verlauf übernimmt dann der Sopran die Hauptstimme, der Begleitsatz wird auf Alt, Tenor und Bass verteilt.</p>
<div id="attachment_5689" style="width: 766px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-5689" src="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/05/bwv622-sopranstimme.jpg" alt="BWV 622 • Sopranstimme • Auszug • Transkription: David Stingl" width="756" height="238" class="size-full wp-image-5689" srcset="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/05/bwv622-sopranstimme.jpg 756w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/05/bwv622-sopranstimme-300x94.jpg 300w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/05/bwv622-sopranstimme-676x213.jpg 676w, https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2020/05/bwv622-sopranstimme-600x189.jpg 600w" sizes="(max-width: 756px) 100vw, 756px" /><p id="caption-attachment-5689" class="wp-caption-text">Auszug aus der Sopranstimme mit ausnotierten Verzierungen und Textierung</p></div>
<p>Die Hauptstimme ist im Original reich an Koloraturen und zudem noch mit etlichen Verzierungszeichen versehen. Da ein Live-Probenbetrieb ausgeschlossen war, blieb mir nichts anderes übrig, als die Ausführung der Verzierungen genau festzulegen und auszunotieren. Das ist der Grund dafür, dass die Triller und anderen Verzierungen teilweise etwas mechanisch klingen.</p>
<p>Die nächste zu klärende Frage war die nach der Textierung. Ich bin ein großer Fan der Transkriptionen für Chor von Clytus Gottwald. Dieser verwendet allerdings auch für die Begleitstimmen den Text bzw. Bruchstücke desselben der Melodie. Ich wollte allerdings nicht auf den Text des Chorals zurückgreifen, schon gar nicht für die Begleitstimmen. Deshalb entschied ich mich für einfache Tonsilben, also gewissermaßen &#8222;Text ohne Text&#8220;, so wie es beispielsweise auch von den Swingle Singers in ihren Bach-Transkriptionen gehandhabt wurde.</p>
<p>Von Anfang an hatte ich keine am Originalklang-Ideal orientierte Version im Sinn. Ich wollte vielmehr eine Version, die sich an den klanglichen Stärken des Rundfunkchores Berlin orientiert. Inspirationsquelle war daher eher Cameron Carpenter als Ton Koopman. Auch von der Bearbeitung des Choralvorspiels für Streichorchester durch Max Reger ließ ich mich gerne inspirieren.</p>
<h2> Aufwändiger Produktionsprozess</h2>
<p>Am 9. April habe ich die ersten Noten und Playbacks an die Solisten verschickt, einen Tag später das Material an den Summchor für den zweiten Teil der ersten Hälfte. Ab Ostersonntag ging dann das Material an alle Tuttisänger hinaus. Beteiligt waren außer mir insgesamt 31 Kolleg*innen und unser Chefdirigent Gijs Leenaars. Gijs und ich waren beide der Überzeugung, dass ein &#8222;Fake&#8220;-Dirigat, wie es in manch anderem Chorvideo zu sehen war, für uns nicht infrage kam. Daher entschieden wir, dass er wie ein Chorsänger der Baritongruppe, sowohl akustisch, als auch optisch in Erscheinung treten wird.</p>
<p>Am Donnerstag nach Ostern fanden im Helmut-Koch-Saal, dem zu dieser Zeit komplett verwaisten Probensaal des Rundfunkchors, die Videoaufzeichnungen mit den neun Solist*innen statt: Innerhalb drei Stunden wurde im 20-Minuten-Takt jede(r) von ihnen einzeln dabei gefilmt, wie sie/er zum Playback des ersten Teils an dem ihr/ihm zugewiesenen Platz ihre/seine Partie sang – unter strenger Einhaltung der geltenden Abstandsregeln. Am 22. April habe ich schließlich die Playbacks und Instruktionen zu den individuellen Videoaufnahmen der Tuttisänger*innen verschickt. Danach trudelten die verschiedenartigsten bunten Videos ein mit Sänger*innen, die während des Singens Atemschutzmasken auf- und absetzten.</p>
<p>Aus insgesamt 291 Sound- und 59 Videodateien habe ich dann das Video zusammengesetzt. Vom Beginn des Produktionsprozesses bis zur Fertigstellung waren das für mich etwa 150 bis 180 Stunden Arbeit. Am Montag, dem 27. April 2020, um 15:55 Uhr war es dann soweit – auf YouTube wurde folgendes Opus veröffentlicht:</p>
<h2 id="video">O Mensch, bewein dein Sünde groß | BWV 622 | Rundfunkchor Berlin</h2>
<div class="velocity-embed"><a href="#" data-video-type="youtube" data-video-id="3OIFi3g-qwE" data-video-options="" data-event=""><img decoding="async" class="velocity-img aligncenter" src="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2018/07/test-screen.png" alt="Play" /><meta itemprop="contentLocation" content="https://www.youtube.com/watch?v=3OIFi3g-qwE" /><meta itemprop="embedUrl" content="//youtube.com/embed/3OIFi3g-qwE" /><meta itemprop="thumbnail" content="https://i.ytimg.com/vi/3OIFi3g-qwE/hqdefault.jpg" /><span class="velocity-play-btn" style="background-color: #000000"><span class="velocity-arrow" style="border-left-color: #FFFFFF;"></span></span></a><span class="velocity-target"></span></div>
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<p>&raquo; <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3OIFi3g-qwE" title="O Mensch, bewein dein Sünde groß | BWV 622 | Rundfunkchor Berlin - YouTube">O Mensch, bewein dein Sünde groß | BWV 622 | Rundfunkchor Berlin @YouTube</a></p>
<p>Bisher waren die Reaktionen fast ausnahmslos positiv. Sogar ich selbst bin mit mir einigermaßen zufrieden. Mein Ziel, etwas zu schaffen, was sich von anderen Chorvideos in diesen Tagen deutlich abhebt, habe ich erreicht. Eine direkte Verbindung zur Situation herzustellen, die uns dazu zwingt, im Moment als Chor nur über Videos an unser Publikum heranzutreten, ist mir gelungen – nicht nur durch die Verwendung von Atemschutzmasken bei den Bocca-chiusa-Stellen. Mir war von Anfang an klar, dass das Projekt nicht vor Ostern fertig werden würde. Einen Choral zu verwenden, dessen liturgischer Bezug eindeutig die Fastenzeit ist, erschien mir inhaltlich aber dennoch sinnvoll, weil für uns (Chor-)Sänger die Zeit der Entbehrung in diesem Jahr in schmerzlicher Weise weit über Ostern hinausgehen wird …</p>
<h3>Besetzung</h3>
<p>Barbara Berg, Sopran<br />
Christine Lichtenberg, Alt<br />
Judith Simonis, Alt<br />
Holger Marks, Tenor<br />
Joohoon Shin, Tenor<br />
Wolfram Teßmer, Bariton<br />
Georg Streuber, Bariton<br />
Mathis Koch, Bass<br />
Axel Scheidig, Bass</p>
<p>Mitglieder des Rundfunkchores Berlin &#038; Gijs Leenaars</p>
<p>&raquo; <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/multitrack-video-tag/">Alle Artikel der Serie &#8222;Donnerstag = Multitrack-Video-Tag&#8220;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/bach-bwv622-rundfunkchor-berlin-corona/">Bach in Zeiten von SARS-CoV-2</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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		<title>Solidarität in Zeiten des Corona-Virus&#8216;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2020 16:43:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Coronavirus]]></category>
		<category><![CDATA[COVID-19]]></category>
		<category><![CDATA[Gijs Leenaars]]></category>
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		<category><![CDATA[Rundfunkchor Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Spendenaktion der Sängerinnen und Sänger des Rundfunkchor Berlin für ihre freiberuflichen Kolleginnen und Kollegen in Zeiten der Corona-Pandemie.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/corona-solidaritaet-rundfunkchor-berlin/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/corona-solidaritaet-rundfunkchor-berlin/">Solidarität in Zeiten des Corona-Virus&#8216;</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schwierige Zeiten, für alle, aber besonders auch für freiberufliche Sängerinnen und Sänger. Gerade jetzt, in der Passionszeit wäre für viele eine Hochsaison mit Konzerten gewesen, in der sie einen beträchtlichen Teil ihres Jahreseinkommens verdient hätten. Aber in den wenigsten Fällen wird nun ein Ausfallhonorar für Konzerte gezahlt, die nun über Wochen hinaus alle abgesagt werden mussten.</p>
<p>Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat vollmundig einen <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/aktuelles/bundesregierung-beschliesst-soforthilfe-gruetters-rettungsschirm-fuer-den-kulturbereich--1733612" title="Bundesregierung | Presse | Bundesregierung beschließt Soforthilfe – Grütters: „Rettungsschirm für den Kulturbereich“">„Rettungsschirm für den Kultur-, Kreativ- und Medienbereich“</a> angekündigt. Wie sich eine Auszahlung im Einzelfall gestalten wird, muss man abwarten. Erste Pressemeldungen (z.&nbsp;B. <a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/corona-grundsicherung-kuenstler-1.4856790" title="Grundsicherung für Künstler: Bürokratie statt Hilfe - Kultur - SZ.de">SZ.de</a> oder <a href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.coronakrise-in-baden-wuerttemberg-heftiger-ansturm-auf-soforthilfe-server-ist-ueberlastet.628be62b-2f74-4b56-aa1c-cb576db11a00.html" title="Hilfe für Unternehmen in Baden-Württemberg: Heftiger Ansturm auf Soforthilfe – Server ist zeitweise überlastet - Baden-Württemberg - Stuttgarter Zeitung">Stuttgarter Zeitung</a>) dämpfen jedoch den Optimismus in dieser Hinsicht. Weil wir nicht auf das Mahlen der bürokratischen Mühlen warten wollen, haben Kolleginnen und Kollegen des Rundfunkchor Berlin gemeinsam mit unserem Chefdirigenten eine Spendenaktion für unsere freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Leben gerufen.</p>
<h2>Videobotschaft</h2>
<p>Gemeinsam mit unserem Chefdirigenten <strong>Gijs Leenaars</strong> wenden wir uns an unser Publikum, um auch dieses für unsere Spendenaktion zu gewinnen.</p>
<div class="velocity-embed"><a href="#" data-video-type="youtube" data-video-id="GbEofbWHAPg" data-video-options="" data-event=""><img decoding="async" class="velocity-img aligncenter" src="https://ja-gut-aber.de/wp-content/uploads/2018/07/test-screen.png" alt="Play" /><meta itemprop="contentLocation" content="https://www.youtube.com/watch?v=GbEofbWHAPg" /><meta itemprop="embedUrl" content="//youtube.com/embed/GbEofbWHAPg" /><meta itemprop="thumbnail" content="https://i.ytimg.com/vi/GbEofbWHAPg/hqdefault.jpg" /><span class="velocity-play-btn" style="background-color: #000000"><span class="velocity-arrow" style="border-left-color: #FFFFFF;"></span></span></a><span class="velocity-target"></span></div>
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<p><a href="https://corona.rundfunkchor.info/" title="Rundfunkchor Berlin: Wir für unsere Aushilfen | Corona-Solidaritätsaktion"><strong>&raquo; Website Solidaritätsaktion Rundfunkchor Berlin: Wir für unsere Aushilfen</strong></a></p>
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		<title>Henryk M. Broder und das Autoritätsargument</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Mar 2020 18:25:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Achse des Guten]]></category>
		<category><![CDATA[alter weißer Mann]]></category>
		<category><![CDATA[Amira Kharroub]]></category>
		<category><![CDATA[Argument]]></category>
		<category><![CDATA[Argumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Argumentationstheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Ascorbinsäure]]></category>
		<category><![CDATA[Autoritätsargument]]></category>
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		<category><![CDATA[Fehlschluss]]></category>
		<category><![CDATA[Greta Thunberg]]></category>
		<category><![CDATA[Henryk M. Broder]]></category>
		<category><![CDATA[IPCC]]></category>
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		<category><![CDATA[Phil Williamson]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Niggemeier]]></category>
		<category><![CDATA[Strohmann-Argument]]></category>
		<category><![CDATA[Vitamin C]]></category>
		<category><![CDATA[Weltklimarat]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwoche]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Erschreckend viele Menschen klatschen Beifall bei Argumentationen des Publizisten Henryk M. Broder. Ist das gerechtfertigt? Ich meine: nein.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/autoritaetsargument-henryk-m-broder/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/autoritaetsargument-henryk-m-broder/">Henryk M. Broder und das Autoritätsargument</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In dem <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/facebook/" title="&quot;Facebook&quot; auf Ja gut, aber …">sozialen Netzwerk mit dem weißen &#8222;f&#8220;</a> wurde in den letzten Tagen in meiner Timeline ein Meme mit folgendem Text geteilt:</p>
<blockquote><p>Kein Mensch, der seine Sinne beisammenhat, würde sich von einem Sechzehnjährigen, dem die Eltern zu Weihnachten einen Anatomie-Atlas geschenkt haben, den Blinddarm rausnehmen lassen. Kein Mensch, der für sich und seine Familie ein Haus bauen will, würde einen sechzehnjährigen Architekten anheuern, der bis jetzt nur Sandburgen gebaut hat. Und kein Mensch, der einen Hedge Fund von einem Bausparvertrag unterscheiden kann, würde einem Sechzehnjährigen sein Vermögen anvertrauen. Aber wenn es um das Klima und die Welt, in der wir leben, geht, mutieren lärmende Kinder plötzlich zu geschätzten Propheten eines bevorstehenden Untergangs.<br />
<cite>Henryk M. Broder</cite></p></blockquote>
<p>Dieser Text ist ein Ausschnitt aus einem Artikel aus Broders Feder, der unter dem Titel &#8222;Infantilisierung der Gesellschaft&#8220; Ende August 2019 in dem schweizerischen, der rechtspopulistischen SVP nahestehenden Blatt &#8222;Weltwoche&#8220; erschienen ist. Kurz danach verwurstete Broder den Artikel auch noch einmal unter dem Titel &#8222;Kinder in die Schlacht!&#8220; auf dem 2004 von ihm mitbegründeten Weblog &#8222;Die Achse des Guten&#8220;, ein Projekt, das mit liberaler bis neokonservativer Haltung gestartet ist, irgendwann, etwa 10 Jahre später aber <a href="https://taz.de/Weblog-Die-Achse-des-Guten/!5330795/" title="Weblog Die Achse des Guten: Scharf rechts abgebogen - taz.de">&#8222;scharf rechts abgebogen&#8220;</a> ist.</p>
<p>Auf die politische Ausrichtung der Medien, in denen dieser Ausspruch Broders zuerst veröffentlicht wurde, möchte ich allerdings bewusst nicht eingehen. Stattdessen möchte ich auf die Art und Weise der Argumentation Broders eingehen: Was sagt er eigentlich? Was bedeutet das konkret? Was sagt er (bewusst) nicht? Und warum?</p>
<p>Und dann möchte ich darüber reflektieren, warum z.&nbsp;B. gerade dieser Ausspruch auch von Personen, die sich als &#8222;denkende Menschen&#8220; bezeichnen, bzw. die von anderen als solche bezeichnet werden, goutiert und in sozialen Netzwerken geteilt wird.</p>
<p>Doch zunächst einmal machen wir einen kleinen Abstecher in die Argumentationstheorie:</p>
<h2>Autoritätsargument (argumentum ad verecundiam)</h2>
<p>Was ist das? <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_verecundiam" title="Argumentum ad verecundiam – Wikipedia">Wikipedia</a> führt als Definition aus:</p>
<blockquote><p>Ein <strong>argumentum ad verecundiam</strong> (lat. für „Beweis durch Ehrfurcht“) oder <strong>Autoritätsargument</strong> ist ein Argument, das eine These durch die Berufung auf eine Autorität, wie zum Beispiel einen Experten oder einen Vorgesetzten, beweisen will. Da Autorität als solche keine Garantie für Wahrheit ist, handelt es sich nicht um eine logisch zwingende Schlussfolgerung.</p></blockquote>
<p>Andere Quellen gehen über &#8222;nicht logisch zwingende Schlussfolgerung&#8220; noch hinaus und sprechen von einem <strong>Fehlschluss</strong> (vgl. z.&nbsp;B. <a href="https://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-12-autoritaetsargument" title="Fehlschluss #12: Autoritätsargument @ RatioBlog">RatioBlog</a>).</p>
<p>Zwei Beispiele:</p>
<h3>1. Mein Neffe vs. eine Geologie-Doktorandin</h3>
<p>Wenn ich meinen zehnjährigen Neffen frage, ob die Erde um die Sonne kreise oder umgekehrt, so ist seine Antwort: &#8222;Die Erde kreist um die Sonne.&#8220; Denn so haben es ihm seine Eltern bzw. Lehrer gesagt und so steht es in den Büchern, die er als an Geografie und verwandten Wissensgebieten interessierter Mensch besitzt.</p>
<p>Im August 2016 erschien in der wissenschaftlichen Zeitschrift &#8222;The International Journal Of Science &#038; Technoledge&#8220; ein Artikel der tunesischen Doktorandin Amira Kharroubi an der Sfax University mit dem Titel &#8222;The Geocentric Model of the Earth: Physics and Astronomy Arguments&#8220;, in dem sie mit wissenschaftlichen Argumenten das geozentrische Weltbild zu beweisen versucht.</p>
<p>Wäre das Autoritätsargument nun tatsächlich in jedem Fall ein valides Argument, sähe es für meinen Neffen schlecht aus: Was wiegt die Aussage eines zehnjährigen Dreikäsehochs gegenüber der einer Geologie-Doktorandin im Sinne des argumentum ad verecundiam?</p>
<h3>2. Linus Pauling und das Vitamin C</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Linus_Pauling" title="Linus Pauling – Wikipedia"><strong>Linus Pauling</strong></a>, der einzige Forscher, dem zwei ungeteilte Nobelpreise verliehen wurden: für Chemie und Frieden, ist ein besonders tragisches Beispiel für das Autoritätsargument als Fehlschluss. Nachdem er in seinem Leben als Forscher Großartiges geleistet hatte, begann er im Alter von 65 Jahren auf sehr halsstarrige Art und Weise auf pseudowissenschaftlichen Pfaden zu wandeln: Er propagierte Vitamin C (Ascorbinsäure) in hohen Dosen als Mittel gegen Erkältungen, darüber hinaus allerdings auch noch als wirksames Mittel zur Vorbeugung gegen Krebserkrankungen oder zum Verhindern der Ausbreitung des HI-Virus.</p>
<p>Obgleich die Mehrheit der Wissenschaftler Paulings Theorien diesbezüglich widerlegt hat, sähe es im Sinne des Autoritätsarguments schlecht für sie aus: Was wiegt schon die Meinung eines &#8222;einfachen&#8220; Wissenschaftlers gegen die eines zweifachen Nobelpreisträgers?</p>
<h3>Carl Sagan über das Autoritätsargument</h3>
<p>Diese zwei Beispiele lassen anschaulich werden, worin das Problem mit dem Autoritätsargument besteht. Lassen wir an dieser Stelle wieder einmal <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/carl-sagan/" title="Carl Sagan auf Ja gut, aber …"><strong>Carl Sagan</strong></a>, abermals mit einem Zitat aus seinem Buch &#8222;The Demon-Haunted World: Science as a Candle in the Dark&#8220;, zu Wort kommen:</p>
<blockquote><p>Arguments from authority carry little weight – authorities have made mistakes in the past. They will do so again in the future. Perhaps a better way to say it is that in science there are no authorities; at most, there are experts.<br />
<cite>Carl Sagan (1934 &#8211; 1996)</cite></p></blockquote>
<h3>Umkehrung</h3>
<p>Was für das Autoritätsargument als solches gilt, gilt auch für dessen Umkehrung. Über die Unsinnigkeit der folgenden Argumentation (wiederum Dank an das <a href="https://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-12-autoritaetsargument" title="Fehlschluss #12: Autoritätsargument @ RatioBlog">RatioBlog</a>) muss ich an dieser Stelle wohl keine weiteren Erläuterungen anbringen:</p>
<blockquote><p>Du hast ja keine Ausbildung in Homöopathie, deshalb kannst du deren Wirksamkeit gar nicht beurteilen.</p></blockquote>
<p>Erschreckend oft jedoch scheint das argumentum ad verecundiam zu funktionieren, besonders in der Werbung: Wie oft werden hier Prominente als Autorität dargestellt und wie selten bekommt man wirklich Sachargumente zu hören bzw. zu lesen?</p>
<h2>Wie argumentiert Henryk M. Broder genau?</h2>
<p>Broders Argumentation funktioniert vordergründig exakt nach dem Schema des umgekehrten Autoritätsarguments: Greta Thunberg ist erst 16 Jahre alt und kann deshalb keine Autorität auf dem Gebiet der Klimaforschung sein.</p>
<h3>Seine Fans kratzen an der Oberfläche</h3>
<p>Erschreckend oft bekommt Broder für dieses &#8222;Argument&#8220; auch noch Beifall. Selbst wenn man nur das Autoritätsargument als solches nimmt, so könnte man doch wissen, dass es, wenn überhaupt eines, ein eher schwaches, wenn nicht sogar ein falsches ist. Folgt man also blind Broders Argumentation auf der Ebene der Autorität, dann ist gewissermaßen die &#8222;Kratztiefe&#8220; nahe Null.</p>
<p>Dazu sei noch angemerkt, dass Broder das (wie eigentlich fast schon üblich in seinen &#8222;Argumentationen&#8220;) Fehlargument mit einem beleidigenden Rundumschlag gegen alle, die seiner Argumentation nicht folgen, verbindet: &#8222;Kein Mensch, der seine Sinne beisammenhat, würde […]&#8220; bedeutet im Umkehrschluss, dass eine Mensch, der solches tun würde, geistige Ausfallerscheinungen an den Tag lege. Aber wie bereits gesagt: Broder ist kein Mensch, der lange überlegt, ob sich vielleicht jemand durch seine Provokationen beleidigt fühlen könnte, was <a href="https://www.arendt-art.de/deutsch/palestina/Henryk_m_broder/henryk_m_broder_richter_recht_gerichte_klagen.htm" title="Das &quot;zweite&quot; Gesicht des Henryk M. Broder">die lange Liste der Prozesse gegen ihn</a> diesbezüglich veranschaulicht.</p>
<h3>Der allgegenwärtige Strohmann</h3>
<p>Im vorliegenden Fall tut Broder allerdings noch etwas, was fast alle alten weißen Männer, die gegen Greta Thunberg und ihr Anliegen wettern, tun: Er verknüpft seine weiteren Argumente mit einem Strohmann-Argument: So zu tun, als kämmen die Gründe und Schlussfolgerungen für das Wirken Greta Thunbergs von ihr selbst, indem man geflissentlich verschweigt, woher sie ursprünglich stammen, wäre eigentlich auch sehr einfach zu durchschauen. Aber ebenfalls erschreckend viele Menschen sind nicht einmal dazu in der Lage.</p>
<p>Um noch einmal auf meinen Neffen zu sprechen zu kommen: Selbstverständlich hat er nicht selbst den Beweis geführt, dass die Erde um die Sonne kreist. Aber nur deshalb, dass ein zehnjähriger Dreikäsehoch in eigenen Worten den momentanen Stand der Astronomie wiedergibt, wird der Inhalt deshalb keineswegs falsch.</p>
<p>Ebenso verhält es sich mit dem, was Greta Thunberg in Sachen Klimaforschung von sich gibt: <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Intergovernmental_Panel_on_Climate_Change" title="Intergovernmental Panel on Climate Change – Wikipedia">Der <strong>IPCC</strong> (aka &#8222;Weltklimarat&#8220;)</a> ist ein zwischenstaatlicher Ausschuss der Vereinigten Nationen. Zu jedem neuen Bericht werden neue Teams von Klimawissenschaftlern zusammengestellt.</p>
<p>In ihrer diesjährigen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte Greta Thunberg (vgl. <a href="https://www.volksverpetzer.de/schwer-verpetzt/greta-ipcc-davos/" title="Davos: Die Botschaft von Greta Thunberg, die dir alle Medien verschweigen - Volksverpetzer">Volksverpetzer</a>):</p>
<blockquote><p>Diese Zahlen sind nicht die Meinung von irgendjemandem oder politische Betrachtungsweisen. Das ist die derzeit beste, verfügbare Wissenschaft. Und das, obwohl viele Wissenschaftler der Ansicht sind, diese Zahlen seien noch zu niedrig, es sind diejenigen, die im IPCC akzeptiert wurden […]</p></blockquote>
<p>Wenn man argumentieren müsste, dann inhaltlich gegen diese IPCC-Berichte.</p>
<p>Dann müsste Henryk M. Broder allerdings verstummen. Denn auch ohne Autoritätsargument ist da nicht viel von ihm zu erwarten. Zumindest hat er bisher nirgendwo schriftlich auch nur ansatzweise eine Expertise auf dem Gebiet der Klimawissenschaft vorzuweisen gehabt.</p>
<p>Noch ein Zitat aus den seichten Untiefen des <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/facebook/" title="&quot;Facebook&quot; auf Ja gut, aber …">sozialen Netzwerks mit dem weißen &#8222;f&#8220;</a>:</p>
<blockquote><p>Broder polemisiert gern. Hat aber in der Sache recht […]</p></blockquote>
<p>Diese Behauptung ließe sich allerdings auch nur mit einem weiteren Fehlschluss untermauern – dem Zirkelschluss:</p>
<blockquote><p>Broder hat recht, weil Broder recht hat.</p></blockquote>
<p>Gut, dass es Menschen wie Stefan Niggemeier gibt, die unermüdlich nachzuweisen versuchen, wo Broder überall nicht recht hat (z.&nbsp;B. <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/687/gehirnfasten-mit-henryk-m-broder/" title="&gt;Gehirnfasten mit Henryk M. Broder – Stefan Niggemeier">hier</a> &#038; <a href="http://uebermedien.de/6935/broder-rueckt-journalisten-in-die-naehe-der-ss/" title="Broder rückt Journalisten in die Nähe der SS | Übermedien">hier</a>).</p>
<p>Das war mal wieder ein längerer Artikel, ganz im Sinne <a href="https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/" title="Zitat des Tages (28) @ Ja gut, aber …">Brandolinis Gesetz</a>&#8218;. Aber auch hier gibt es auf die Frage Phil Williamsons (&#8222;Is it really worth taking the time […]?&#8220;) nur eine Antwort: <strong>„I think it is.“</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/autoritaetsargument-henryk-m-broder/">Henryk M. Broder und das Autoritätsargument</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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		<title>Zitat des Tages (28)</title>
		<link>https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2020 11:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Alberto Brandolini]]></category>
		<category><![CDATA[Brandolini's Law]]></category>
		<category><![CDATA[Brandolinis Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Fake-News]]></category>
		<category><![CDATA[Phil Williamson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Zitat des italienischen Informatikers Alberto Brandolini aus dem Jahr 2013, auch "Bullshit Asymmetrie" oder "Brandolinis Gesetz" (Brandolini's Law) genannt.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/">Zitat des Tages (28)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Das Widerlegen von Schwachsinn  erfordert eine Zehnerpotenz  mehr Energie  als dessen Produktion.<br />
<cite>Alberto Brandolini, 2013</cite></p></blockquote>
<p><span id="more-5632"></span></p>
<h2>Brandolinis Gesetz …</h2>
<p>Dieses Zitat stammt aus einem <a href="https://twitter.com/ziobrando/status/289635060758507521" title="Alberto Brandolini auf Twitter">Tweet vom 11. Januar 2013</a> des italienischen Informatikers Alberto Brandolini aus dem Jahr 2013, welchem er den Titel &#8222;The bullshit asymmetry&#8220; (= &#8222;die Schwachsinn-Asymmetrie&#8220;) vorangestellt hat:</p>
<blockquote><p>The amount of energy needed to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it.<br />
<cite>Alberto Brandolini, 2013</cite></p></blockquote>
<p>&#8222;Order of magnitude&#8220; bedeutet zunächst einmal lediglich &#8222;Größenordnung&#8220;, im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6%C3%9Fenordnung" title="Größenordnung – Wikipedia">Wikipedia-Artikel mit diesem Titel</a> ist allerdings zu lesen:</p>
<blockquote><p>Meist wird von einem Dezimalsystem ausgegangen, weshalb „eine Größenordnung“ meist einen Faktor (oder Divisor) von 10 bezeichnet.</p></blockquote>
<p>Brandolini wurde laute eigener Aussage durch eine Fernsehdiskussion, bei der der Journalist Marco Travaglio mit Silvio Berlusconi sich beharkten, zu dieser Theorie inspiriert, die alsbald zu &#8222;Brandolinis Gesetz&#8220; (&#8222;Brandolini&#8217;s Law&#8220;) avancierte (vgl. <a href="https://www.srf.ch/kultur/wissen/das-bullshit-gesetz-warum-luegen-lange-beine-haben" title="Brandolinis Gesetz - Das Bullshit-Gesetz: Warum Lügen lange Beine haben - Kultur - SRF">srf.ch</a> &#038; <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bullshit#Bullshit_asymmetry_principle" title="Bullshit - Wikipedia">Wikipedia</a>)</p>
<h2>… und die Folgen</h2>
<p>Zunächst einmal klingt die Botschaft dieses Gesetz&#8216; deprimierend. Ein zehnfacher Aufwand klingt nach einem nahezu aussichtslosen Kampf, <a href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28742163" title="Debunking in a world of tribes.  - PubMed - NCBI">eine Studie zu Interaktionen auf Facebook von Forschern italienischer und israelischer Universitäten aus dem Jahr 2017</a> bestätigt dies.</p>
<p>Der Wissenschaftler Phil Williamson stellt <a href="https://www.nature.com/news/take-the-time-and-effort-to-correct-misinformation-1.21106" title="Take the time and effort to correct misinformation : Nature News &#038; Comment">im Dezember 2016 in der Zeitschrift &#8222;Nature&#8220;</a> die Frage:</p>
<blockquote><p>Is it really worth taking the time and effort to challenge, correct and clarify articles that claim to be about science but in most cases seem to represent a political ideology?</p></blockquote>
<p>Seine Antwort fällt eindeutig aus: <strong>&#8222;I think it is.&#8220;</strong></p>
<p>Etwas Hoffnung macht sogar der Versuch einer Widerlegung auf dem <a href="https://statmodeling.stat.columbia.edu/2019/01/28/bullshit-asymmetry-principle/" title="The bullshit asymmetry principle « Statistical Modeling, Causal Inference, and Social Science">Blog &#8222;Statistical Modeling, Causal Inference, and Social Science&#8220;</a>. Einer der der Kommentatoren schreibt:</p>
<blockquote><p>I have to speak up for the other side. Brandolini’s Law is false.</p>
<p>Counterexample: it takes mathematicians very little time to shoot down “obviously wrong” claimed proofs of any number of unsolved problems. Many statistical errors are also relatively easy to spot – and surely the researcher spent more time manufacturing the evidence (I’m thinking Wansink).</p>
<p>Secondly, the claim of an order of magnitude difference is absurd. I just proved my first point.</p></blockquote>
<p>Dieser Beitrag liefert zumindest mehr als ein valides Beispiel dafür, dass das Gesetz nicht in jedem Fall zutreffend ist. In vielen anderen Fällen aber leider nach wie vor doch doch. Es bleibt viel zu tun …</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/brandolinis-gesetz/">Zitat des Tages (28)</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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		<title>Lieber Martin Graf, …</title>
		<link>https://ja-gut-aber.de/martin-graf-offener-brief/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Dave]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Oct 2019 06:05:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[alter weißer Mann]]></category>
		<category><![CDATA[Eristik]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Filter Bubble]]></category>
		<category><![CDATA[Filterblase]]></category>
		<category><![CDATA[Greta Thunberg]]></category>
		<category><![CDATA[Jørgen Randers]]></category>
		<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Klimakrise]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Graf]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Strohmann-Argument]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Lutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Erwiderung auf einen offenen Brief und einen "Nachschlag" dazu eines gewissen Martin Graf an Greta Thunberg.<a class="more-link" href="https://ja-gut-aber.de/martin-graf-offener-brief/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/martin-graf-offener-brief/">Lieber Martin Graf, …</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>… wir waren für einige Jahre &#8222;Facebook-Freunde&#8220;, bis Du irgendwann in diesem Sommer plötzlich aus meiner Perspektive von Facebook verschwunden zu sein schienst. Ich kann mich irren, aber dieses Symptom deutet ganz darauf hin, dass Du mich <a href="https://www.facebook.com/help/290450221052800" title="Personen blockieren | Facebook-Hilfebereich">blockiert</a> hast. Du, der Du gerne und oft den Begriff <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/filterblase/" title="Schlagwort „Filterblase“ auf Ja gut, aber …"><strong>Filterblase</strong></a> verwendest, hast diese, Deine eigene gewissermaßen händisch kalfatert gegenüber einer (relativ oft) abweichenden Meinung. Glückwunsch dazu!</p>
<p>Dies war der Grund, warum ich erst relativ spät davon erfahren habe, dass Du <a href="https://www.facebook.com/martin.graf.810/posts/10220812815216750" title="Martin Graf, offener Brief an Greta Thunberg auf Facebook">am 25. September, kurz vor Mitternacht auf Deinem Facebook-Profil einen offenen Brief an Greta Thunberg</a> veröffentlicht hast. <a href="https://www.facebook.com/martin.graf.810/posts/10220918794426164" title="Viel Zustimmung, viel Kritik …">Am 6. Oktober hast Du dann ebenfalls auf Facebook</a> noch einmal nachgelegt. Da ich Dir auf Facebook dazu im Moment nichts erwidern kann, wähle ich ebenso die Form eines offenen Briefes, den ich primär hier auf meinem Blog veröffentliche.</p>
<h2>Beleidigungen vs. unvollständiges Zitieren, Eristik und Widersprüche</h2>
<p>Du merkst an, Du seist auf Deinen offenen Brief beleidigt worden und behauptest zugleich, Dein Brief sei &#8222;betont sachlich&#8220; gewesen. Sachlich? Nun sachlich war(en) er (und der &#8222;Nachschlag&#8220;) vor allem an vielen Stellen schlichtweg falsch. Du hattest außerdem geschrieben:</p>
<blockquote><p>Sorry, aber das ist grosser Blödsinn.</p></blockquote>
<p>Aha, das ist also die neue Sachlichkeit des Martin Graf? </p>
<p>Mein geschätzter Professor für Musiktheorie, <a href="https://ja-gut-aber.de/tag/otfried-buesing/" title="Otfried Büsing">Otfried Büsing</a> hat mehrfach betont, man könne Kunst nur mit Kunst beantworten. Du scheinst hingegen der Auffassung zu sein, großen Blödsinn könne man nur mit noch größerem Blödsinn beantworten. So hanebüchen kommen jedenfalls Deine Whataboutismen und Schein- bzw. falschen Argumentationen daher.</p>
<p>Es ist mir zeitlich leider nicht möglich, alles davon geradezurücken, deshalb beschränke ich mich exemplarisch auf ein paar wenige Abstrusitäten, die zeigen, wo der Hase inhaltlich und vom Mindset her im Pfeffer liegt.</p>
<p>Alles, was Du im Absatz nach Deinem &#8222;Blödsinn&#8220;-Vorwurf schreibst, hättest Du Dir sparen können, wenn Du Greta nicht lediglich ausschnittsweise zitiert (oder gar gehört bzw. gelesen) hättest. Bereits im nächsten Satz konstatiert sie das, was Du versuchst Ihr beizubiegen: &#8222;Und trotzdem bin ich noch eine von denen, die Glück haben.&#8220; (zitiert nach <a href="https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/greta-thunberg-rede-klimakrise-klimawandel" title="Klimakrise ǀ Wie könnt Ihr es wagen! — der Freitag">der Freitag</a>)</p>
<p>Diese Form der Schein-Argumentation, die ich nur zu gut von Dir kenne, ist in der Rhetorik bzw. Eristik unter dem Begriff <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument" title="Strohmann-Argument – Wikipedia"><strong>Strohmann</strong></a> bekannt. Auch wenn ich mir gar nicht einmal sicher bin, ob Du dieses Mittel bewusst einsetzt, oder es Dir einfach nur passiert, so ist es jedenfalls gut genug, Deine geistige Gefolgschaft zu Beifallsstürmen hinzureißen. Leider bezeichnend.</p>
<p>Wo wir gerade bei diesem Thema sind: Du mokierst Dich in Deinem &#8222;Nachschlag&#8220; über Menschen mit &#8222;eingebildeter moralischer Überlegenheit&#8220;. Aber bereits drei Absätze später diffamierst Du &#8222;so genannte &#8218;gebildete Leute&#8216;, die es eigentlich besser wissen müssten.&#8220; Du misst hier (abermals – auch das kenne ich nur zu gut von Dir) mit zweierlei Maß: Eine moralische Überlegenheit an den Tag zu legen, ist also bei anderen nicht in Ordnung, bei Dir selbst, in Deiner Weisheit von Gottes Gnaden ist das aber völlig anders zu bewerten, oder wie darf der geneigte Leser das verstehen?</p>
<h2>Die &#8222;Respekt-Falle&#8220; des Pierre Brice</h2>
<blockquote><p>Aber vieles von dem, was Ihr derzeit tut – und Du in der ersten Reihe – ist vor allem respektlos: […]</p></blockquote>
<p>Halt, da war doch was … wir erinnern uns: Am Abend des 13. Oktober 2001, also vor ziemlich genau 18 Jahren saß der wohl bekannteste weiße Mann, der je eine Rothaut verkörpert hat, bei Thomas Gottschalk in dessen Samstagabend-TV-Show auf der Couch und maßregelte einen 29 Jahre jüngeren Kollegen, der gerade einen Riesenerfolg für seinen Film &#8222;Der Schuh des Manitu&#8220; eingefahren hatte: &#8222;Ich vermisse Respekt.&#8220;</p>
<p>Was dem ewigen Winnetou allerdings entgangen zu sein schien, war die Tatsache, dass sein Kollege Bully Herbig den Erfolg nicht erzielt hatte, <strong>obwohl</strong> er respektlos war, sondern genau <strong>weil</strong> er nicht das, was sein älterer Kollege unter Respekt verstand, an den Tag legte.</p>
<p>Und genauso verhält es sich mit Greta Thunberg. Hätte sie das, was Du als Respekt bezeichnest, dann hätte sie niemals das GETAN, was sie aus intrinsischer Motivation einfach tun musste.</p>
<p>(Wie Bully Herbig auf die Einlassung des älteren Kollegen reagiert hat, ist inzwischen <a href="https://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=2001" title="Der Schuh des Manitu – Extra Large Fassung">Filmgeschichte</a>. Du, lieber Martin, bist zu unwichtig, als dass Greta Thunberg auch nur Notiz von Dir und Deinem Geschreibsel nehmen müsste. Stattdessen musst Du halt mit einem offenen Brief aus meiner Feder vorlieb nehmen.)</p>
<h2>Wer soll eigentlich hier etwas TUN?</h2>
<blockquote><p>[…] wann fangt Ihr an, SELBST etwas zu TUN?</p></blockquote>
<p>In dieser Frage kulminiert entlarvend die Ignoranz, mit der Du an das Phänomen &#8222;Greta&#8220; herangehst.</p>
<p>Lieber Martin, ich will gar nicht in Abrede stellen, dass Du selbst in Deinem Leben viel, ja mit Sicherheit überdurchschnittlich viel für den Umwelt- und Klimaschutz getan hast. Aber egal, wie viel es war bzw. ist, wenn Du das herausstreichen musst und im selben Atemzug behauptest, Greta hätte in ihrem Leben noch nichts SELBST GETAN, dann hast Du Dich quasi selbst zum Abschuss freigegeben. Jegliche Beschreibung eines solchen Mindsets, und würdest Du sie noch so sehr als Beleidigung empfinden, kann eigentlich nur ein Euphemismus sein.</p>
<p>Kleiner Reminder: Im Dezember 2015 auf der UN-Klimakonferen haben sich knapp 200 Vertragsparteien – spät genug – auf einen Minimalkonsens geeinigt und diesen Unterzeichnet. Inhalt war eine Selbstverpflichtung der unterzeichnenden Staaten. Damit ist der Rahmen klar gesteckt, wer Verantwortung übernommen hat, etwas zu TUN.</p>
<p>Der Versuch, den Spieß jetzt umzudrehen, ist nichts weiter als ein jämmerlicher Versuch, vom eigenen Versagen abzulenken. Denn auch Du und auch ich, wir haben entweder die Politiker gewählt oder zumindest nicht verhindern können, dass die gewählt wurden, die jetzt NICHTS TUN bzw. lächerlich wenig tun. Und da ist es aus meiner Sicht respektlos, ja gar feige, jemanden, der die Politiker an ihre Verantwortung erinnert, zu fragen, ob er denn schon jemals etwas getan hat.</p>
<h2>Bevölkerungswachstum als Argument?</h2>
<p>Du schreibst, Du hättest Dir gewünscht, dass Menschen im Informationszeitalter aufgeklärter, belesener und weitsichtiger seien. Autsch. Wie war das mit dem Glashaus und den Steinen? Du kokettierst sogar damit, ein &#8222;alter weißer Mann&#8220; zu sein. Wäre nicht einmal nötig gewesen, denn Dein Kenntnisstand in einigen Punkten verrät Dich.</p>
<blockquote><p>Wissenschaftlich zweifelsfrei bewiesen ist bislang nur eine Korrelation: Die zwischen einem unglaublich rasanten Wachstum der Weltbevölkerung von zwei auf knapp acht Milliarden Menschen in gerade einmal 70 Jahren auf der einen und einer leicht erhöhten Durchschnittstemperatur auf der anderen Seite. […]</p></blockquote>
<p>Meine geschätzter Vater, den Du ja auch kennst, würde dazu lapidar <a href="https://ja-gut-aber.de/goethe-getretner-quark/" title="J. W. von Goethe über verbalen Quark">eines seiner Lieblingszitate</a> von sich geben. Denn dieser Absatz, dessen Inhalt Du gebetsmühlenartig in den letzten Monaten, als ich Deine verbalen Ergüsse noch teilweise mitverfolgen konnte, wieder- und wiedergekäut hast, ist ebenfalls symptomatisch für Dein Mindset: Zum einen zeigt er klar, dass Dein Wissensstand nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist: Das Bevölkerungswachstum wird jüngeren Forschungen zufolge eben auch nicht mehr so &#8222;zweifelsfrei&#8220; als das große Zukunftsproblem gesehen, wie Du es mit Deinem Kenntnisstand von 2018 hier darstellst:</p>
<p>Nur kurz skizziert hier der Hinweis auf jüngere Forschungen: Dabei wären vor allem die Namen Jørgen Randers oder Wolfgang Lutz zu nennen. Als Einstieg in die Materie mögen zwei Artikel <a href="https://www.theguardian.com/world/2019/jan/27/what-goes-up-population-crisis-wrong-fertility-rates-decline" title="What goes up: are predictions of a population crisis wrong?">im Guardian</a> und <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-die-bevoelkerungsexplosion-faellt-aus-a-1273492.html" title="Klimakrise: Die Bevölkerungsexplosion fällt aus">auf SpOn</a> dienen, von dort aus kann man leicht auch noch detaillierter in die Materie einsteigen.</p>
<p>Aber selbst wenn man einmal die neueren Erkenntnisse zum Thema Bevölkerungswachstum außer Acht lässt, dann zeigt sich immer noch, dass Du argumentativ auf dem Holzweg bist, auf dem Dir der jubelnde Mob blind zu folgen scheint:</p>
<blockquote><p>Wenn man statt zwei plötzlich acht Personen in eine 2-Zimmer-Wohnung steckt, ändert sich dort auch erheblich mehr als der Name auf dem Klingelschild.</p></blockquote>
<p>Das ist zwar nicht falsch, aber das ist eben auch nicht das größte Problem. Umgekehrt wird ein Schuh (des Manitu) daraus: Gerade in den Industrienationen, in denen die Bevölkerung nicht wächst, sondern rapide schrumpft, wohnen inzwischen immer weniger Menschen auf immer größerer Fläche. Für die CO₂-Emissionen einer im Moment noch wachsenden Bevölkerung vor allem in der zweiten und dritten Welt existieren längst tragfähige Lösungsansätze. Es bedarf nur leider dazu Politiker, die den Mut haben, diese auch umzusetzen. Aber lediglich mit dem Finger auf jene Länder zu zeigen, um damit von den eigenen, weit überdurchschnittlichen CO₂-Emissionen abzulenken, ist eben auch weit davon entfernt, als gutes Argumentieren durchgehen zu können.</p>
<p>Vielleicht solltest Du weniger Lindner und Kubicki wiederkäuen, Dich stattdessen aber mehr mit aktueller Wissenschaft beschäftigen? Das &#8222;Gelindnere&#8220;, das Du wie ein Echo herausposaunst, die &#8222;Hoffnung, dass es in der Generation unserer Kinder genügend kreative und tüchtige junge Menschen gibt, die als Politiker, Wissenschaftler, Ingenieure und Philosophen mit Klugheit und Weitsicht die Probleme ihrer Generation auf der Basis von naturwissenschaftlichen und politischen Fakten lösen werden&#8220; klingt ja zunächst sehr liberal aufgeklärt und verlockend. Nur ist es dafür alleine, wenn man nicht wie Du wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse einfach ausklammert, zu spät.</p>
<h2>Arroganz vs. Ignoranz</h2>
<blockquote><p>Ich selbst bin jedenfalls sehr froh darum, nicht in der Welt leben zu müssen, die sich unsere Vorfahren vor 80 Jahren für uns ausgedacht hatten, sondern in einer Gesellschaft, die wir selbst einrichten durften und die ich für eine der besten und freiesten der Welt halte – so wie sie heute ist.</p></blockquote>
<p>In diesem Absatz wird, in Verbindung mit anderen Aussagen aus deinen beiden hier kritisierten Texten, abermals ein Widerspruch und ein blinder Fleck deutlich:</p>
<p>Klar ist, dass die Welt, wie wir sie heute in Deutschland erleben, nicht vollständig vor 80 Jahren erdacht wurde. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte und die aus dem Ende dieses Kapitels resultierende segensreiche Gnade der (West-)Alliierten, uns ein Grundgesetz als staatsrechtliche Grundlage für einen neuen deutschen Staat zu ermöglichen, hat vieles verändert. Vieles, aber eben nicht alles.</p>
<p>Du kritisierst zurecht an anderer Stelle das bestehende, menschenunwürdige Rentensystem. Aber genau das geht u. a. auf Bismarck zurück, ist also von unseren Vorfahren vor mehr als 80 Jahren für uns ausgedacht worden. Und so schlecht es in der aktuellen Form sein mag, so wenig kann man ein Rentensystem alle 15 Jahre neu erfinden. Es gibt nun mal (leider) Themen, für die man langfristige Entscheidungen treffen muss, deren Konsequenzen folgende Generationen zu tragen haben. Umwelt- und Klimaschutz gehören zu diesen Themen.</p>
<p>Die vordergründig liberale Einstellung, Entscheidungen in solch wichtigen Bereichen den Folgegenerationen selbst zu überlassen, ist schlicht ignorant und als Folge daraus wiederum arrogant. Es ist nämlich nicht, wie Du behauptest, generell arrogant, wichtige Dinge für eine Folgegeneration zu regeln, sondern ganz einfach eine Frage der Verantwortung – einer Verantwortung, der Du Dich in Deiner Schein-Argumentation feige entziehst.</p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Alle Deine (Teil-)Fehlschlüsse zu zerlegen, ergäbe einen Text unerträglicher Länge. Deshalb schließe ich hier nun mit folgender Conclusio:</p>
<p><strong>Wir brauchen mehr Gretas in der Welt und weniger Martin Grafs und deren &#8222;Liker&#8220;.</strong></p>
<p>Deshalb:</p>
<h3>Danke, Greta! Nein danke, Martin!</h3>
<p>Der Beitrag <a href="https://ja-gut-aber.de/martin-graf-offener-brief/">Lieber Martin Graf, …</a> erschien zuerst auf <a href="https://ja-gut-aber.de">Ja gut, aber …</a>.</p>
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