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	<title>katrin schuster</title>
	
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	<description>freie journalistin</description>
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		<title>Eure Psychologisierung kotzt mich an</title>
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		<pubDate>Thu, 17 May 2012 19:58:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/literatur/" title="Alle Artikel in Literatur ansehen" rel="category tag">Literatur</a></p><p></p>Ja, auch ich habe den Aufruf „Wir sind die Urheber“ gelesen und versuche seither, mir eine Meinung darüber zu bilden. Andere sind da schon weiter. Thierry Chervel zum Beispiel, der hat nämlich bereits eine Meinung oder denkt das zumindest. Deswegen hat er eine „Antwort auf Sibylle Lewitscharoff und auf die Autoren des Urheber-Aufrufs“ verfasst (Hervorhebung [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/05/17/eure-psychologisierung-kotzt-mich-an/' title='Eure Psychologisierung kotzt mich an'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, auch ich habe den <a href="http://www.wir-sind-die-urheber.de/" target="_blank">Aufruf „Wir sind die Urheber“</a> gelesen und versuche seither, mir eine Meinung darüber zu bilden. Andere sind da schon weiter. Thierry Chervel zum Beispiel, der hat nämlich bereits eine Meinung oder <a href="http://www.perlentaucher.de/blog/271_die_schoene_seite_der_kostenlosmentalitaet" target="_blank">denkt das zumindest</a>. Deswegen hat er eine „Antwort auf <strong>Sibylle Lewitscharoff</strong> und auf die Autoren des Urheber-Aufrufs“ verfasst (Hervorhebung nicht von mir). Erstere hat in der FAZ ebenfalls <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/urheberrechtsdebatte-finger-weg-von-den-buechern-11751277.html" target="_blank">einen Text zum Thema</a> veröffentlicht; diesen Text darf man gerne kritisieren, dafür gibt es Gründe genug. Jedoch impliziert die Rede von der „Antwort“, es handle sich hier um einen Dialog auf Augenhöhe. Und das ist nun leider absolut nicht der Fall. Ich lese hier nur Anmaßung.</p>
<p>Ohnehin zweifle ich ernsthaft daran, dass Chervel denselben Urheber-Aufruf wie ich gelesen hat. Denn der erste Satz seines Textes lautet: „6.000 Autoren sprechen sich gegen das Internet aus.“ Und eine merkwürdigere Paraphrase dieses Aufrufs habe ich bislang nirgends gelesen.</p>
<p>Was Chervel verwundert: Dass Autoren sich für das Urheberrecht in die Bresche werfen, obwohl sie das doch gar nicht nötig hätten, weil sie nicht primär davon leben (sondern von Lesungen u. ä.). Nun geht es mir genau andersherum: Ich finde es prinzipiell erst einmal sympathisch, ja, mithin vertrauenserweckend, wenn Leute sich für oder gegen etwas engagieren, obwohl sie sich davon keine persönlichen Vorteile versprechen. Aber gut, das kann man so <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/7212.html" target="_blank">oder so</a> sehen. Chervel hat sowieso beschlossen, statt Argumente in den Ring zu werfen, lieber mittels weiterer Buchstaben-Fettungen ein wenig herum zu psychologisieren:</p>
<blockquote><p>Warum sind es also gerade die Autoren, die dagegen aufstehen?<br />
Es hat mit einem <strong>tief sitzenden Widerwillen</strong> zu tun.</p></blockquote>
<p>Sein Beweis:</p>
<blockquote><p>Die wenigsten Autoren, die den Aufruf unterzeichnet haben, sind bisher dadurch aufgefallen, dass sie sich mit dem <strong>Internet auseinandergesetzt</strong> haben.</p></blockquote>
<p>Und das ist eine tatsächlich beeindruckende Aussage, denn das würde ja bedeuten, dass Chervel 6.000 AutorInnen daraufhin überprüft hat, ob und wie sie sich mit dem Internet auseinandersetzen (und ob das seinen Ansprüchen genügt). Ich getraue mich zu behaupten, dass er das nicht getan hat. Muss er auch gar nicht, schließlich sollen die AutorInnen ja „dadurch auffallen“ (nur ihm oder allen anderen?). Was er weiß:</p>
<blockquote><p>Das Problem dieser Autoren mit dem Netz ist weniger, dass es ihre <strong>Einnahmen </strong>als dass es ihr<strong> Selbstbild</strong> als Autor in Frage stellt.</p></blockquote>
<p>Denn:</p>
<blockquote><p>Das Netz hat längst eine andere Praxis und einen<strong> anderen Begriff der Autorschaft</strong> entwickelt, mit dem sich so gut wie keiner der bekannteren Schriftsteller in Deutschland (<strong>Rainald Goetz</strong> ausgenommen) überhaupt nur gedanklich auseinandergesetzt hat, geschweige denn, dass deutsche Autoren damit experimentieren würden.</p></blockquote>
<p>Und da wusste ich dann wirklich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen sollte. Literatur bedeutet meiner Meinung nach nichts anderes, als den Begriff der Autorschaft und das Medium, das man dafür benutzt, zu reflektieren. Und – Überraschung! – das tun auch alle wirklich guten SchriftstellerInnen, sogar „gedanklich“, auch und gerade wenn das Wort „Internet“ deshalb noch lange nicht in ihren Texten vorkommt. Denn nicht das WWW ist ihr Medium, sondern allererst die Sprache, wo immer sie auch vorkommt (also durchaus auch im Netz; deswegen bloggen ja einige AutorInnen, selbst wenn Chervel das nicht wahrhaben will; dass nicht-bloggende AutorInnen im Gegenzug als gleichsam reaktionär vorgestellt werden, halte wiederum ich für reaktionär).</p>
<p>Warum ist es also gerade Chervel, der dagegen aufsteht? Es hat wohl mit einem tief sitzenden Widerwillen zu tun: Da er glaubt, das Selbstbild eines Autors bestehe darin, „als Künder, als isoliert schwebende und schillernde und <strong>von unten</strong> angestaunte <strong>Blase</strong> der Originalität“ (Hervorhebungen von mir!) wahrgenommen werden zu wollen, verwundert es selbstredend kaum, dass er Intertextualität nicht als literarisches Prinzip begreifen kann, sondern als Demonstration von Arroganz missversteht, und es deshalb offenbar gar nicht mehr erwarten kann, bis „Insiderspielchen [...] durch Hyperlinks ausgebremst“ werden.</p>
<p>All das steht, wohlgemerkt, beim Perlentaucher, der sich im Untertitel „Das Kulturmagazin“ nennt. Dazu lässt sich wohl nur eines sagen: Die Literatur hat längst eine andere Praxis und einen anderen Begriff der Autorschaft entwickelt, mit dem sich so gut wie keiner der bekannteren Internet-Publizisten in Deutschland <strong></strong>überhaupt nur gedanklich auseinandergesetzt hat.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1073&amp;md5=297fdc17460f1bbc764c58bb33b8610d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Medienprofis</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 18:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/medien/" title="Alle Artikel in Medien ansehen" rel="category tag">Medien</a></p><p></p>Gerade ist die BILD-Zeitung wieder in aller Munde. Wer sich selbst einen Eindruck von dem Berufsverständnis der dort angestellten Textproduzenten machen will, dem empfehle ich die aktuelle Folge der Castingshow „Germany´s Next Topmodel“. Denn darin treffen die verbliebenen Kandidatinnen erstmals und zudem völlig unvorbereitet auf „die Presse“ in Form von ein paar sogenannten Journalisten. Frank [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/05/12/medienprofis/' title='Medienprofis'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade ist die BILD-Zeitung wieder <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/eklat-beim-henri-nannen-preis-netzwerk-recherche-kritisiert-nannen-jury-1.1355638" target="_blank">in aller Munde</a>. Wer sich selbst einen Eindruck von dem Berufsverständnis der dort angestellten Textproduzenten machen will, dem empfehle ich die aktuelle Folge der Castingshow „Germany´s Next Topmodel“. Denn darin treffen die verbliebenen Kandidatinnen erstmals und zudem völlig unvorbereitet auf „die Presse“ in Form von ein paar sogenannten Journalisten. Frank Siering von der Bild am Sonntag stellt der 21-jährigen Kandidatin Dominique Miller die Frage (schon das Duzen finde ich unverschämt):</p>
<blockquote><p>Dominique, jetzt versetz dich doch mal für ne Sekunde in die Jury. Du bist jetzt mal Jurymitglied. Jetzt stell dir mal die Frage: Wer nimmt das hier eigentlich nicht so richtig ernst? Du bist ja mit sehr viel Ernst, das spürt man, dabei.</p></blockquote>
<p>Die Anforderung ist klar: Miller soll eine Kollegin denunzieren. Und diese Anforderung versteht sie offensichtlich auch genau richtig, denn sie sagt: „Möchte ich nicht beantworten.“ Frank Siering lässt sich damit allerdings nicht abspeisen, deshalb versucht er es im Konjunktiv (als änderte das etwas daran): „Aber wenn Du es jetzt mal beantworten müsstest.“ Darauf Dominique Miller, im Indikativ: „Muss ich aber nicht. Also, ich gebe Ihnen darauf keine Antwort, ich muss die Frage nicht beantworten.“ Ästhetisch (bedrohlich langsamer Geigensound, Slow-Mo) ist die Sache eindeutig: Diese Kandidatin begeht gerade einen riesengroßen Fehler.</p>
<p>Am Ende der Szene sieht man noch einmal Frank Siering, der zu ihr sagt: „Vielleicht, kurz bevor Du uns verlässt, ein kleiner Ratschlag. Auch als Model muss man ein richtiger Medienprofi sein und muss man auch mal unangenehme Fragen beantworten. Das wäre vielleicht ein kleiner Ratschlag für Dich.“ Es folgt ein Statement von Frank Siering, das im Anschluss aufgezeichnet wurde (quasi hinter der Kamera, was natürlich paradox ist): „Sie stand halt einfach da und wollte gar nichts sagen. Und das kommt nicht so besonders gut rüber, das hinterlässt einfach einen bitteren Beigeschmack.“ Es folgt Heidi Klum: „Dominique war heute sehr schlecht in meinen Augen. Die war so ein bisschen motzig, von oben herab. Sie war nicht natürlich und nett, wie sie normalerweise ist.“</p>
<p>Bei der „Entscheidung“ kommt der Dialog zwischen Dominque Miller und Frank Siering noch einmal, diesmal unmissverständlich historisierend inszeniert mit Hall und womöglich irgendeinem Filter; zwei Mittel, die – wenn ich mich recht erinnere – auch gebraucht werden, wenn Kandidatinnen ausscheiden.</p>
<p>Dazu ist Folgendes festzustellen: Kein Mensch muss oder „müsste“ unangenehme Fragen beantworten, wenn er das nicht will; Handlungsfreiheit ist vielmehr ein Menschenrecht und als solches im Grundgesetz verankert. Dass ausgerechnet Zeitungsredakteure in einer der quotenstärksten Sendungen des Landes das Gegenteil als Medienprofessionalität vorstellen, hinterlässt mehr als nur einen bitteren Nachgeschmack. Und mein Verständnis dafür, dass drei investigative Journalisten damit nicht in einen Topf geworfen werden möchten, wächst beträchtlich.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1052&amp;md5=5eb623c618f786b5f1ce2e3fe0ab0163" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ärger mit Exkurs</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2012/05/09/arger-mit-exkurs/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 19:45:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/literatur/" title="Alle Artikel in Literatur ansehen" rel="category tag">Literatur</a></p><p></p>Ein befreundeter Verleger schilt mich oft naiv, weil ich Bücher, die ich bespreche, von der ersten bis zur letzten Seite durchlese und davon ausgehe, dass meine Kollegen das auch tun. Dieser Verleger kann alle Rezensenten und die Bücher, die sie zwar besprochen, aber offensichtlich nur quergelesen haben, beim Namen nennen. Und das sind keine unbekannten [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/05/09/arger-mit-exkurs/' title='Ärger mit Exkurs'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein befreundeter Verleger schilt mich oft naiv, weil ich Bücher, die ich bespreche, von der ersten bis zur letzten Seite durchlese und davon ausgehe, dass meine Kollegen das auch tun. Dieser Verleger kann alle Rezensenten und die Bücher, die sie zwar besprochen, aber offensichtlich nur quergelesen haben, beim Namen nennen. Und das sind keine unbekannten Namen. Dass dabei nicht nur keine ernsthaften, sondern meist auch eher positive Kritiken zustande kommen, versteht sich von selbst: Einen Roman zu verreißen, den man nur halb gelesen hat, getrauen sich wohl nur die wenigsten (jedenfalls ohne auf die unvollständige Lektüre hinzuweisen).</p>
<p>Selbst wenn ein Kritiker das jeweilige Buch komplett gelesen hat, steht in seinem Artikel oft eine Menge Unsinn – das ist zumindest meine Erfahrung. Wie viel Unbildung und Unkreativität unter Literaturkritikern, die von Sprache doch eine Ahnung haben sollten, herrscht, ist wahrlich unglaublich. Klar: Jedem geht mal ein Text daneben, auch ich war schon oft unzufrieden mit meinen Texten, weil ich das Gefühl hatte, nicht alles Wichtige gesagt oder dem Buch nicht Genüge getan zu haben. Aber dieses fade Blabla, das man viel zu oft liest, habe ich, glaube ich zumindest, sehr selten abgeliefert (allerdings behauptet das vermutlich jeder von sich). Und wenn doch, dann hat das meiner Meinung nach in den meisten Fällen mit den Büchern zu tun gehabt: Über sehr schlechte und sehr gute Bücher schreibe ich sehr gern und deshalb meistens auch ganz gute Texte. Nach der Lektüre eines So-lala­-Romans dagegen entsteht nicht selten ein So-Lala-Artikel. Zudem gibt es da immer ein wenig Unsicherheit im Urteil; die rührt aus der Tatsache, dass man als Literaturkritiker heutzutage kaum mehr guten Gewissens Vergleiche und Superlative gebrauchen kann. Einfach weil es unmöglich ist, alle Bücher zu lesen, die pro Halbjahr auf den Markt kommen, und das Risiko, dass man ausgerechnet das außergewöhnlichste, tollste, wichtigste übersieht, stetig zu wachsen scheint. Was ich mit all dem sagen will: Ja, die Literaturkritik macht tatsächlich gerade nicht viel her, und zu einem Gutteil ist sie selbst daran schuld.</p>
<p>In dieser Woche stieß ich nun auf <a href="https://docs.google.com/document/d/1qFCO74SXSQNYu0tlb9Wnz8sAsURjGS1TqTu-f4o00ag/edit?pli=1" target="_blank">ein Interview</a>, das Kathrin Passig mit der Buch-PR-Agentin Gesine von Prittwitz geführt hat und das von der anderen Seite auf die Kritik zielt. Kritiken, so behauptet von Prittwitz in dem Gespräch, seien ein schmutziges Geschäft: „Bücher, deren Verlag keine Anzeige schaltet, haben einfach null Chancen, rezensiert zu werden.“ Das ist, pardon, Blödsinn. Ich weiß nicht, von welchen Büchern und welchen Zeitungen sie spricht, aber ich habe bereits eine Reihe von Büchern besprochen, deren Verlage keine Anzeige geschaltet haben; und diese Texte sind auch erschienen, auch wenn der Verlag keine Anzeige geschaltet hat. Zudem dürfte nach dieser Logik kein einziger Kleinverlag jemals in einer größeren Zeitung besprochen werden, denn denen fehlt schlichtweg das Geld, um Anzeigen zu schalten. Seltsamerweise werden sie aber besprochen – womit die Aussage von Gesine von Prittwitz ihren Mangel an Wahrheitsgehalt bereits entblößt hätte.</p>
<p><em>Exkurs: Von den zwei Monaten meines Praktikums in der SZ-Medienredaktion habe ich vor allem eine Anekdote in Erinnerung, die natürlich wunderbar zu meinem Idealismus passt, aber dennoch wahr ist: Ich hatte einen Text über die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/INSM" target="_blank">INSM</a> geschrieben, es war kurz vor fünf, also kurz vor Druckfreigabe, und einer – es war entweder Christopher Keil oder Hans-Jürgen Jakobs – fragte: „Schalten die eigentlich Anzeigen bei uns?“ Ich zuckte die Schultern, und er sagte grinsend: „Na, dann tun sie das wohl bald nicht mehr.“ Das war kein ironischer Gestus, sondern ernst gemeint. Nicht erst seit diesem Erlebnis ärgern mich Pauschalurteile über den „heutigen Journalismus“ so fürchterlich.</em></p>
<p>Gesine von Prittwitz mag schon recht haben, dass ein Großteil der Szene viel zu verflochten ist, aber das ist weniger finanziell, sondern vielmehr personell (jeder kennt jeden und ist deshalb nett zu jedem). Eine Aussage wie oben zu publizieren, finde ich deshalb, gelinde gesagt, unglücklich, weil sie eine persönliche Erfahrung als Tatsache vorstellt, die angeblich ach so bestens bekannt sei. Eine Debatte über Sinn und Unsinn von Literaturkritik führe ich sehr gerne und halte ich durchaus für dringend angebracht, weil auch mir die qualitativen Mängel horrend erscheinen. Aber korrekte Fakten wären dafür in jedem Fall die Grundvoraussetzung.</p>
<p>P.S. vom 10. Mai: Gesine von Prittwitz meint auch die Ursache dieser Fehlentwicklung erkannt zu haben: &#8220;Es lebt ja kein Printmedium mehr vom Verkauf. Die leben von den Anzeigen.&#8221; Das ist, pardon Nummer zwei, ebenfalls Blödsinn, denn große Printmedien haben noch nie vom Verkauf gelebt, sondern immer schon von den Anzeigen.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1030&amp;md5=28fb16134ed843bd43cc09842502ec6d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kurzer Einwurf über die “Verwerter”</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2012/05/04/kurzer-einwurf-uber-die-verwerter/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 21:56:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausserdem]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/ausserdem/" title="Alle Artikel in Ausserdem ansehen" rel="category tag">Ausserdem</a></p><p></p>[Aktualisiert] Mir ist relativ egal, ob die Piratenpartei nun „für“ oder „gegen“ das Urheberrecht ist. Ich halte das ohnehin nicht für viel mehr als ein Verständigungsproblem: Die „Piraten“ wollen ein „anderes“ Urheberrecht, was manch einer – und das sicher nicht zu Unrecht – mit einer Abschaffung gleichsetzt. Denn was viele „Piraten“ nicht verstehen, und ich [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/05/04/kurzer-einwurf-uber-die-verwerter/' title='Kurzer Einwurf über die "Verwerter"'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[<em>Aktualisiert</em>]</p>
<p>Mir ist relativ egal, ob die Piratenpartei nun „für“ oder „gegen“ das Urheberrecht ist. Ich halte das ohnehin nicht für viel mehr als ein Verständigungsproblem: Die „Piraten“ wollen ein „anderes“ Urheberrecht, was manch einer – und das sicher nicht zu Unrecht – mit einer Abschaffung gleichsetzt. Denn was viele „Piraten“ nicht verstehen, und ich fürchte leider, das geschieht aus purer Unkenntnis: Das Urheberrecht lässt sich nicht trennen von der Erfindung des Subjekts um 1800. Wer daran rüttelt, rüttelt also nicht bloß an ein paar Gesetzen, sondern an der bürgerlichen Gesellschaft als solcher. Das kann man natürlich im Sinn haben – darf sich dann allerdings nicht wundern, wenn dieser anti-staatliche Reflex, gerade in Deutschland, sehr genau beobachtet wird und exakt jene Klientel anzieht, wegen der man solche Bewegungen, gerade in Deutschland, so genau beobachtet.</p>
<p>Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Rede von den bösen „Verwertern“ nervt langsam, und zwar ziemlich. Ich würde vermuten, eine ähnliche Genervtheit war auch die Ursache für Melanie Mühls <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratin-julia-schramm-wahlkampf-einer-digitalen-seele-11731922.html">FAZ-Artikel</a> über die „Privilegienmuschi“ Julia Schramm (die nicht einmal die Verantwortung für ihre <a href="http://juliaschramm.de/2012/04/27/seelen-und-widerspruche/">Reaktion</a> übernehmen will: „Doch wurde ich von vielen darum gebeten, zu einigen der Vorwürfen in dem Artikel der Journalistin Melanie Mühl Stellung zu beziehen.“). Ich jedenfalls bin ganz froh, dass es die Verwerter gibt. Dass sich also jemand darum kümmert, dass meine Texte unter die Leute kommen, mir dafür einen festen Satz zahlt und das Risiko dafür übernimmt, dass die Leute dafür tatsächlich Geld ausgeben. Ich habe genug Erfahrung mit selbst verantworteten Projekten, dass ich um jede Verwaltungsarbeit, die ich nicht übernehmen muss, eine Dankbarkeit empfinde, die sich fast nicht in Worte fassen lässt. Meine Steuererklärung mache ich noch immer selbst – das ist der eine Tag Bürokratismus im Jahr, den ich mir leiste, um mir wieder endgültig sicher zu sein, dass eine noch höhere Dosis meiner Kreativität einen fürchterlichen Schaden zufügen würde. Damit, dass andere an der Verwertung meiner Ideen und Texte verdienen, habe ich ehrlich überhaupt kein Problem. Denn sie tragen die Verantwortung dafür, sei es finanziell, sei es juristisch. Das bisschen Geld, das die Berliner Zeitung, der Freitag, die Stuttgarter Zeitung mit mir verdienen, gönne ich ihnen ehrlich von Herzen. Ohne solche „Verwerter“, wäre ich niemals das geworden, was ich heute bin: eine zwar schlecht verdienende, mit ihrem Job aber überaus zufriedene Autorin.</p>
<p>(Sorry, das musste mal gesagt werden.)</p>
<p>Nachtrag am 5. Mai: Was ich mehr schlecht als recht mit &#8220;anti-staatlich&#8221; umschreibe, <a href="http://freie.welt.de/2012/05/03/das-elend-der-utopie-und-die-piratenpartei/" target="_blank">hat Richard Herzinger in seinem Blog deutlich prägnanter und ausführlicher umrissen</a>.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1023&amp;md5=924daa78d0150a5818e7457557a73839" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mail aus Malta</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 12:42:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/medien/" title="Alle Artikel in Medien ansehen" rel="category tag">Medien</a></p><p></p>Ich habe mal wieder auf eine Anfrage wegen einer Kooperation ganz naiv nachgefragt, was genau damit gemeint sei. Und folgende Antwort erhalten: Hallo Frau Schuster Wir würden Ihnen eine Zusammenarbeit in Form eines Artikels anbieten Den Artikel können wir aber wenn Sie wollen auch Sie verfassen. Inhaltlich wäre es wie jeder anderer Artikel. Also was [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/04/10/mail-aus-malta/' title='Mail aus Malta'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mal wieder auf eine Anfrage wegen einer Kooperation ganz naiv nachgefragt, was genau damit gemeint sei. Und folgende Antwort erhalten:</p>
<blockquote><p>Hallo Frau Schuster</p>
<p>Wir würden Ihnen eine Zusammenarbeit in Form eines Artikels anbieten<br />
Den Artikel können wir aber wenn Sie wollen auch Sie verfassen.<br />
Inhaltlich wäre es wie jeder anderer Artikel. Also was über die<br />
Literatur. Es kann eine Rezension sein oder auch was anderes.<br />
Wir würden in den Artikel dann 1-2 Links von einen unserer Kunden<br />
einbauen. Und dafür würden Sie dann 165€ erhalten.<br />
Was denken Sie?</p></blockquote>
<p>Dass sein Deutsch zu wünschen übrig lässt, habe ich dem Absender dieser Mail nicht gesagt. Dass ich sein Angebot für unlauter halte und dabei sogar den <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__4.html">Gesetzgeber auf meiner Seite</a> weiß, habe ich ihm aber doch sehr gerne mitgeteilt. Vermutlich residiert diese &#8220;Mediengruppe&#8221; eben deswegen in Malta.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1019&amp;md5=7d38e7cb0df3bddc23d52a54be6eb299" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Olle Kamelle, Mann!</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2012/04/06/olle-kamelle-mann/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 19:45:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/medien/" title="Alle Artikel in Medien ansehen" rel="category tag">Medien</a></p><p></p>Nein, Männer sind aktuell wirklich nicht zu beneiden. Nachdem die Medienlandschaft sie viele Dekaden mehr oder weniger erfolgreich ignoriert und in glücklicher Ruhe gelassen hatte, um sich beinahe ausschließlich den Frauen zu widmen, wurden mittlerweile auch sie zur Zielgruppe auserkoren. Jahrhundertlang wussten Männer genau, dass ihre vordringliche Aufgabe darin besteht, die Familie zu ernähren; doch [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/04/06/olle-kamelle-mann/' title='Olle Kamelle, Mann!'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<p>Nein, Männer sind aktuell wirklich nicht zu beneiden. Nachdem die Medienlandschaft sie viele Dekaden mehr oder weniger erfolgreich ignoriert und in glücklicher Ruhe gelassen hatte, um sich beinahe ausschließlich den Frauen zu widmen, wurden mittlerweile auch sie zur Zielgruppe auserkoren.</p>
<p><strong></strong> Jahrhundertlang wussten Männer genau, dass ihre vordringliche Aufgabe darin besteht, die Familie zu ernähren; doch Alleinverdiener-Haushalte gehören der Vergangenheit an, weil Frauen ebenfalls Bestätigung im Beruf suchen und außerdem ein einziges Gehalt oft nicht mehr ausreicht, um einen mehrköpfigen Haushalt zu finanzieren. So bröckelte die Definition des Mannes als Patriarch langsam aber sicher weg &#8211; und etwas Neues musste her.</p>
<p>Da mit männlichen Identitätsangeboten endlich Geld zu machen war, ließen sich die Verlage naturgemäß nicht allzu lange bitten. &#8220;Men&#8217;s Health&#8221;, &#8220;GQ&#8221;, &#8220;FHM&#8221;, &#8220;Maxim&#8221;, &#8220;Amico&#8221;, &#8220;Matador&#8221; und wie die Magazine alle heißen, die die Eintrittsschwelle ähnlich niedrig halten wie ihre Schwesterblätter mit den meist noch sinnloseren Namen, entstanden fast allesamt in den neunziger Jahren. Man hoffte schon, das Blabla von der Metrosexualität hörte bald wieder auf und die Medien würden irgendwann vielleicht doch noch verstehen, dass sowohl Männer als auch Frauen anderes benötigen als die Reduktion auf ihre Geschlechtlichkeit und den ewigen Sermon vom ach so Typischen.</p>
<p>Doch nein, das Unternehmen RTL setzt der Entwicklung im Jahr 2012 tatsächlich noch die Krone auf und hat am 1. April einen Männersender aus der Taufe gehoben. Wobei der sich freilich nicht als &#8220;Männersender&#8221; bezeichnet, sondern als &#8220;Fernsehen für Helden&#8221;. Sein Name: RTL Nitro. Seine zentralen Merkmale <a href="http://www.ip-deutschland.de/ipd/plattformen/fernsehen/rtl_nitro/mediadaten.cfm" target="_blank">laut Selbstdarstellung</a>: &#8220;hochwertige Unterhaltung&#8221;, &#8220;männerorientierter Programm-Mix&#8221; und &#8220;perfekte Portfolio-Ergänzung&#8221;. Das Problem: Nichts davon ist wahr.</p>
<p><a href="http://www.vocer.org/de/artikel/do/detail/id/156/olle-kamelle-mann.html" target="_blank">Weiterlesen auf vocer.org &#8230;</a></p>
</div>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=1017&amp;md5=40404a6f9909e11ed87fcdf31d8acb7c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>q.e.d.</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 13:01:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/literatur/" title="Alle Artikel in Literatur ansehen" rel="category tag">Literatur</a></p><p></p>Ich hatte ja im letzten Eintrag bereits eine leise Andeutung gemacht, die seit heute kein Geheimnis mehr ist: Ralf Bönt hat, kaum überraschend, an meiner in der Berliner Zeitung erschienenen Kritik seines „notwendigen Manifests“ namens „Das entehrte Geschlecht“ offensichtlich ungefähr so wenig Gefallen gefunden wie ich an ebendiesem Buch von ihm. Und weil sich jede [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/04/03/q-e-d/' title='q.e.d.'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte ja <a href="http://www.katrinschuster.de/2012/03/27/rucken-an-rucken/">im letzten Eintrag</a> bereits eine leise Andeutung gemacht, die seit heute kein Geheimnis mehr ist: Ralf Bönt hat, kaum überraschend, an meiner in der Berliner Zeitung erschienenen Kritik seines „notwendigen Manifests“ namens „Das entehrte Geschlecht“ offensichtlich ungefähr so wenig Gefallen gefunden wie ich an ebendiesem Buch von ihm. Und weil sich jede Zeitung über eine solche Meinungsverschiedenheit nur freuen kann, hat der Feuilleton-Chef Harald Jähner den Autor <a href="http://www.berliner-zeitung.de/kultur/gleichberechtigung-wir-muessen-ueber-gewalt-gegen-maenner-reden,10809150,14637248,item,1.html">zum Gespräch</a> gebeten (was ich absolut in Ordnung und richtig finde). Dass dies womöglich nur teilweise seine Idee war, kann man aus der ersten Frage erahnen (in der ich eher schlecht wegkomme, wofür ich aber ganz sicher keine Gegendarstellung einfordern werde):</p>
<p><em>Herr Bönt, Ihr Buch ist in unserer Zeitung kritisiert worden. Aber nicht darum sitzen wir zusammen, sondern weil unsere Autorin zwei Passagen sinnentstellend zitiert hat, und ich finde, es gibt innerhalb einer kulturellen Debatte würdigere Formen der Auseinandersetzung als eine Gegendarstellung.</em></p>
<p>Ich will hier auch gar nicht weiter darauf eingehen, dass ich keine Zweifel daran hege, dass Jähner und Bönt nur darum da zusammen saßen, weil ich das Buch gründlich verrissen habe, und dass ich der Überzeugung bin, dass es dieses Interview nie gegeben hätte, wenn ich zwar kompletten Blödsinn geschrieben, das Buch aber positiv besprochen hätte. Denn mir geht es um etwas anderes. Da das Interview ja quasi behauptet, ich würde meine Arbeit nicht ordentlich machen – was der Perlentaucher heute fröhlich weiterträgt (allerdings featured der ja gerne auch mal die Achse des Guten) –, möchte ich wenigstens hier meine Sicht der Dinge zur Diskussion stellen. Ich verstehe nämlich immer noch nicht, warum meine Darstellung sinnentstellend sein soll, gerade in dem Beispiel, von dem in dem Interview die Rede ist.</p>
<p>Also: An der strittigen Stelle beschreibt Bönt die männliche Lust mit einem Beispiel von Jonathan Franzen als Eisenbahn, die vor einer Tunnel-Ampel auf Einfahrtserlaubnis wartet. Es folgen die Sätze: „Die Lokomotive wartet in Franzens Realismus jedenfalls, bis das grüne Licht kommt. Das ist natürlich, bei allen möglichen Abweichungen, der Normalfall.“ Nun gibt es zwei Dinge, auf die sich der „Normalfall“ und damit die „möglichen Abweichungen“ des zweiten Satzes beziehen können: entweder auf das Warten oder auf das grüne Licht. Ich habe es auf das grüne Licht bezogen und folglich geschrieben, dass Frauen, die kein grünes Licht geben, von dem Autor als „Abweichung“ tituliert werden.</p>
<p>Bönt dagegen will es auf das Warten bezogen sehen, wie er im Interview erklärt: Er habe geschrieben, sagt er da, dass „der Mann im Normalfall auf Zustimmung wartet, wobei es davon Abweichungen gibt“. Diese Variante habe ich ganz absichtlich nicht gewählt, da ich Bönt nicht unterstellen möchte, dass er Männer, die nicht auf grünes Licht warten (der Volksmund bezeichnet sie üblicherweise als Vergewaltiger), als „Abweichung“ <del></del>bezeichnet, ja, meiner Meinung nach: verharmlost. Aber bitte, wenn er das so haben will, ist mir auch recht (und ich dachte noch, ich wäre nett, weil ich die weniger bittere Variante gewählt habe). Dass Bönt offensichtlich nicht sieht, dass ich nicht den Inhalt, sondern seine rhetorischen Mittel kritisiere (das ist nunmal die Aufgabe einer Literaturkritik), finde ich, hm, doch reichlich merkwürdig; der Mann ist immerhin Schriftsteller.</p>
<p>Mein Text ist polemisch, keine Frage. Aber er trifft dieses Buch meiner Meinung nach gerade deshalb sehr genau; zudem halte ich ihn für deutlich fundierter als Bönts Essay, aber auch das ist selbstverständlich Ansichtssache. Dass ich mich nach diesen Ereignissen kaum getraue, den Text hier online zu stellen, dürfte vermutlich jeder verstehen: Die Berliner Zeitung hat ihre Möglichkeiten und Anwälte, ich habe weder das eine noch das andere. Ob man das dann allerdings noch als Debatte bezeichnen kann, wage ich verständlicherweise zu bezweifeln. (Auf die zentralen Punkte meiner Kritik geht das Interview ohnehin nicht ein.)</p>
<p>So bleibt mir nur zu hoffen, dass jeder für sich die entsprechenden Schlüsse aus dieser Angelegenheit zieht. Mich hat es in meinem Urteil über dieses Buch leider nur bestätigt.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=981&amp;md5=3486e25734830d926086dab1f077edd1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rücken an Rücken</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2012/03/27/rucken-an-rucken/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 18:05:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/literatur/" title="Alle Artikel in Literatur ansehen" rel="category tag">Literatur</a></p><p>Tags: <a href="http://www.katrinschuster.de/tag/kritik/" rel="tag">Kritik</a></p>Die Literaturkritik der großen Zeitungen, so sagt man, verliere – nicht zuletzt durch die so genannten sozialen Qualitäten des World Wide Web (von Blogs bis Communitys) – an Bedeutung. Ich halte diese These grundsätzlich für korrekt, oder wenigstens kommt sie mir logisch vor. Umso verwunderlicher ist allerdings die Tatsache, dass SchriftstellerInnen immer empfindlicher, ja: unsouveräner [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/03/27/rucken-an-rucken/' title='Rücken an Rücken'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Literaturkritik der großen Zeitungen, so sagt man, verliere – nicht zuletzt durch die so genannten sozialen Qualitäten des World Wide Web (von Blogs bis Communitys) – an Bedeutung. Ich halte diese These grundsätzlich für korrekt, oder wenigstens kommt sie mir logisch vor. Umso verwunderlicher ist allerdings die Tatsache, dass SchriftstellerInnen immer empfindlicher, ja: unsouveräner auf KritikerInnen zu reagieren scheinen. Solange ein Buch gelobt wird, beschwert sich keine/r, ganz gleich, wie viel Blödsinn und Hirnlosigkeit die jeweilige Besprechung enthält. Sobald aber weniger schmeichelhafte Worte fallen, sind Verlage oder gar die AutorInnen selbst ganz schnell mit einer Beschwerde bei der Hand. Ich bin vermutlich nicht die einzige, der das bereits passiert ist; und an das jüngste Beispiel, Stichwort: „Imperium“, werden sich wohl auch die meisten noch sehr gut erinnern. Ich finde das eigentlich auch nicht weiter schlimm, solange man nicht vor Gericht landet, denn dort sind Diskussionen über die Bedeutung von Wörtern meiner Meinung nach denkbar schlecht aufgehoben. Auch zu dem Vorwurf (der natürlich ebenfalls nur bei ‚schlechten‘ Kritiken erhoben wird), dass die Kritik den Inhalt eines Buches verkürzt darstelle, kann man nur sagen: Aber sicher, eben das ist eine ihrer Aufgaben.</p>
<p>Üblicherweise kommen Beschwerden von AutorInnen selten ans Licht der Öffentlichkeit, deshalb nahm ich an, dass nach Kracht wieder ein bisschen Ruhe herrschen wird. Falsch gedacht: Heute lag die neue Ausgabe der Literaturzeitschrift Volltext im Briefkasten – und darin findet sich gleich ab Seite 4, als erster großer Text also, ein dreiseitiges Interview mit der Schriftstellerin Julia Franck, das im Wesentlichen damit beschäftigt ist, den Kritiker Hubert Winkels zu kritisieren. Der Stein des Anstoßes ist <a href="http://www.zeit.de/2011/45/L-B-Franck/komplettansicht">Winkels Kritik von Francks jüngstem Roman „Rücken an Rücken“</a> und darin vor allem die Tatsache, dass Winkels die Personalunion von KZ-Opfer und Kinderschänder nicht goutierte. In Winkels Worten:</p>
<blockquote><p>Hier [voraus ging ein Inhaltsabriss] muss man schon einmal innehalten, um festzustellen, dass in solcher knochentrockenen erzählerischen Abbreviatur der inszenierte personale Zusammenhang zwischen KZ-Opfer und Kinderschänder schmerzhaft ist. Schändlich geradezu, um es im moralisierenden Ton zu sagen. Dieser literarische Schachzug zur Erzeugung historischer Bedeutung und Bedeutsamkeit ist selbst ein Missbrauch von Geschichte und Erinnerungskultur. Derart unlauter hat sich der Wille zur gehobenen Unterhaltung selten offenbart.</p></blockquote>
<p>Ich bin kein großer Fan von Winkels, kann dessen Unbehagen aber sehr gut verstehen, da diese Verbindung schlichtweg nicht besteht, ja, tatsächlich von der Autorin „erfunden“ (Winkels sagt: „inszeniert“) wurde. Menschen, die im KZ waren, haben allerlei soziale Beschädigungen davongetragen – dass jemand zum Kinderschänder wird, ist jedoch eine der seltensten Folgen. Man darf also als Kritiker durchaus fragen, warum das so erfunden/„inszeniert“ wurde – und diese Frage hat Winkels offensichtlich mit „Unterhaltung“ beantwortet.</p>
<p>Das Volltext-Gespräch offenbart dann leider, dass Julia Franck nicht verstanden hat, was Winkels ihr da vorgeworfen hat. Sie denkt, er verbiete ihr, KZ-Opfer als schlechte Menschen darzustellen, und holt deshalb gleich zum Rundumschlag aus:</p>
<blockquote><p>Das grenzt in meinen Augen an der Leugnung des Holocaust, darin liegt ein Bestreiten der Gräueltaten der Nationalsozialisten. […] So viel Dreistigkeit und Dummheit muss sich Literatur nicht gefallen lassen.</p></blockquote>
<p>Der Vorwurf an sie gehe zudem entweder „darüber hinweg, dass ich jüdischer Herkunft bin“ […] „oder aber, er greift mich instinktiv genau dafür an.“ Womit sie sich nicht nur selbst widerspricht (da sie zuvor die Charakterisierung des Individuums jenseits seiner Herkunft verlangte), sondern auch noch nach einer biografistischen Lektüre ihrer Romane verlangt: „welche verheerenden Tribute und Brüche der Nationalsozialismus in meiner Familie verursacht hat“, sei leicht recherchierbar, sagt sie. Auch wird behauptet: „Offenbar bedroht und stört dieser Roman seine [„des Kritikers“] deutsche Erinnerungs- und Weltordnung“. Da grüßt dann wieder diese <a href="http://www.bpb.de/apuz/75862/tabu-tabuvorwurf-und-tabubruch-im-politischen-diskurs?p=4" target="_blank">mittlerweile leider altbekannte Tabu-Behauptung</a>; und auch hier ist sie einfach nur falsch: Es erscheinen jede Menge Romane, die KZ-Überlebende in wahrlich unschönem Licht erscheinen lassen; ein diesbezügliches Meinungsdiktat existiert beileibe nicht. Deshalb zielt auch Francks ganz richtiges Argument, dass ein KZ nicht als Besserungsanstalt vorgestellt werden dürfe, die ihre Insassen zu Humanisten erzogen habe, bittererweise völlig ins Leere.</p>
<p>Der Interviewer Klaus Zeyringer versucht derweil eifrig, den Spießer und das Spießertum ins Zentrum des Gesprächs zu rücken; dass Hubert Winkels dafür das beste Beispiel abgeben soll, wird freilich nicht gesagt. Aber welcher Leser könnte diesen Namen denn bitte in der Zwischenzeit vergessen haben, da er offensichtlich Grund und Ursache des Interviews darstellt? Und dann sagt Julia Franck auch noch, dass Hermann Broch einst „Hitler selbst als den Kitsch-Menschen schlechthin entlarvt“ habe, „Ähnliches könnte man leicht mit einem Kritiker meiner Romane tun“. Und spätestens da fehlen mir echt die Worte, weshalb ich mich derer von Hubert Winkels bediene:</p>
<p>Hier muss man schon einmal innehalten, um festzustellen, dass in solcher knochentrockenen erzählerischen Abbreviatur der inszenierte Zusammenhang zwischen Hitler und Kritiker schmerzhaft ist. Schändlich geradezu, um es im moralisierenden Ton zu sagen. Dieser literarische Schachzug zur Erzeugung historischer Bedeutung und Bedeutsamkeit ist selbst ein Missbrauch von Geschichte und Erinnerungskultur. Derart unlauter hat sich der Wille zur gehobenen Unterhaltung selten offenbart.</p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=971&amp;md5=bc06da03a12a1c96aea27d27191446aa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Außergewöhnliche Empfindungen: “Der Kulturinfarkt”</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2012/03/24/ausergewohnliche-empfindungen-der-kulturinfarkt/</link>
		<comments>http://www.katrinschuster.de/2012/03/24/ausergewohnliche-empfindungen-der-kulturinfarkt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 24 Mar 2012 09:37:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>katrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.katrinschuster.de/?p=967</guid>
		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/literatur/" title="Alle Artikel in Literatur ansehen" rel="category tag">Literatur</a></p><p></p>[erschienen in der Stuttgarter Zeitung vom 23. März 2012] Bis vor einigen Jahren blieb es weitgehend der so genannten Esoterik überlassen, die ganz große politische oder mediale Verschwörung zu wittern, um sich selbst als Tabubrecher und die eigenen Ansichten als einzige Wahrheit und Antwort auf die drohenden Gefahren vorzustellen. Dass es diese Tabus nicht geben [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/03/24/ausergewohnliche-empfindungen-der-kulturinfarkt/' title='Außergewöhnliche Empfindungen: "Der Kulturinfarkt"'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>[erschienen in der Stuttgarter Zeitung vom 23. März 2012]</em></p>
<p>Bis vor einigen Jahren blieb es weitgehend der so genannten Esoterik überlassen, die ganz große politische oder mediale Verschwörung zu wittern, um sich selbst als Tabubrecher und die eigenen Ansichten als einzige Wahrheit und Antwort auf die drohenden Gefahren vorzustellen. Dass es diese Tabus nicht geben kann, wenn dutzende Bücher darüber publiziert werden, ficht die Autoren nie an – und müsste hier nicht weiter beschäftigen, wenn nicht der Sachbuchmarkt zunehmend Gefallen an Publikationen fände, deren ähnlich organisierter Mangel an Fakten und Rationalität von Verlagen offenbar gerne in Kauf genommen wird, sofern man sie nur derart aufsehenerregend vermarkten kann, dass keiner mehr nach dem eigentlichen Inhalt fragt. Das gelang blendend bei Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ und scheint nun auch bei „Der Kulturinfarkt“ von Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz zu gelingen. Der Schuss zielt, wie gewohnt, nach links.</p>
<p>Es mag der vierfachen Autorenschaft geschuldet sein, dass sich dieses Buch in einem fort selbst widerspricht – was sowohl eine Zusammenfassung seiner Inhalte als auch die angeblich avisierte Diskussion konsequent verunmöglicht. Zugrunde liegt die Behauptung, die heutige Kulturpolitik, das Konzept „Kultur für alle“, sei gescheitert. Die Belege für dieses Scheitern sind entweder dürftig oder wahllos, nicht selten finden sich an ihrer statt Sätze wie „das wissen wir aus Nutzerstatistiken“ oder „die Fakten reden eine andere Sprache“. Vorgeworfen wird der Kulturpolitik sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Autorität; sie wird als quasi-diktatorisch und „vor-demokratisch“ bezeichnet, um ihr beinahe im selben Atemzug Beliebigkeit und Bedeutungslosigkeit zu unterstellen. Kaum überraschend werden die 68er/Linken/Gutmenschen für ein „gravierendes Legitimationsproblem“ (das ja immer gerne bemüht wird, wenn die Argumente ausgehen) verantwortlich gemacht. Die Kulturpolitik sei „im Kern autoritär und etatistisch, auf den Staat bezogen, angereichert durch gut traditionelle sozialdemokratische Verteilungsrhetorik“, heißt es, sie habe allererst die Wahrung ihrer Besitzstände und ihres elitären Selbstverständnisse im Visier. Ohnehin seien von den geförderten Künstlern keine Impulse zu erwarten, denn die hätten es sich „auf der Fördercouch gemütlich gemacht“, und prämiert würden in bestimmten Sparten nur Werke, die „vor Political Correctness triefen, also die kulturellen Normen von gestern bestätigen“.</p>
<p>Dass Intellektualität den Autoren als rotes Tuch in jedem Sinne gilt, kann nicht überlesen werden. Ernsthaft verwundern sie sich über die Tatsache, dass vor allem Geisteswissenschaftler in Kulturämtern („personelle Endlager“) tätig seien, und ernsthaft stellen sie die Frage: „Brauchen wir tatsächlich so viel ‚Fachlichkeit‘ an so vielen Stellen?“ Zur Definition des Begriffs „Postmoderne“ bevorzugen sie folglich ein Kulturmanagement-Handbuch statt der einschlägigen Aufsätze; ihre Lektüren von Nietzsche, Benjamin und anderen sind kaum weniger grotesk als die Hinweise, dass Kunst den Metadiskurs nicht nötig habe und das abstrakte Niveau nur dazu diene, das Volk fern zu halten. Und weil natürlich nicht sein darf, was den Autoren offenkundig zu hoch ist, soll fortan der freie Markt über die Kultur entscheiden. Nur der könne nämlich die „sedative Lebensweise“ und die „Impotenz“ der Politik beenden und Europa „davor bewahren, an der Last der Vergangenheit zu ersticken“. Und zwar mit mehr „Erlebnis“, „Phantasie“, „Vergnügen“, „außergewöhnlichen Empfindungen“ und eben „nicht nur Theorie“.</p>
<p>Der auch weiterhin mit Ressentiments und PR-Sprech reichhaltig alimentierte Rettungsplan will die Zahl der staatlichen Einrichtungen signifikant reduzieren (teils auf die Hälfte) und das gesparte Geld der Privatwirtschaft überweisen. Womit endgültig unverständlich wird, warum zuvor so vehement darauf abgehoben wurde, dass staatliche Förderung der Kunst schade und die Privatwirtschaft nur deshalb kulturell so brillant agiere, weil sie nicht staatlich gefördert werde. Das Konzept sieht jedenfalls vor, „das öffentliche Angebot zu verknappen und das Handlungsfeld für private Akteure zu vergrößern“. Die Autoren, „private Akteure“ fast allesamt, behaupten, das geschehe im Namen des Volkes und im Dienste der Demokratie.</p>
<p>Nun könnte man sich über dieses Buch erheitern – wenn es nicht einen solch muffigen Nachgeschmack entwickelte. Bald zu Beginn wird der Literaturwissenschaftler Emil Staiger als Widerpart einer als unselig individualistisch markierten Postmoderne etabliert. Dass Staiger in der erwähnten Rede von 1966 nicht von irgendeiner Qualität sprach, sondern der zeitgenössischen engagierten Literatur vielmehr eine „Entartung jenes Willens zur Gemeinschaft, der Dichter vergangener Tage beseelte“, attestierte, wird genauso wenig thematisiert wie die Parallele dieser Rede zu einem Aufsatz Staigers von 1933, in dem er für Verständnis für die Kulturpolitik der Nationalsozialisten und deren überaus konkrete Abschaffungen warb. Gleiches gilt für das Zitat, mit dem das Schlusskapitel eröffnet wird: Es erhebt Papst Pius XI. zum Kronzeugen für die Eigenverantwortlichkeit, ohne zu erwähnen, dass jener Pius nur zwei Jahre später ein Konkordat mit Hitler schloss. Das ist entweder dumm oder Absicht, und man weiß wirklich nicht, was einem lieber sein soll.</p>
<p>Eingepasst in diesen Staiger-Pius-Rahmen ist die Beschreibung des aktuellen Zustands der Kultur im altbekannten pathologischen Vokabular. Mit dem „Infarkt“ droht bereits der Titel, in der Folge erscheint die Kulturpolitik wiederholt als „krank“. Da die zu große Staatsnähe die „genetische Disposition“ dieser „Krankheit“ darstelle, lauere in Diskussionen eine „üble Falle“, die die Autoren „in Gedenken an den Sozialphilosophen ‚Adorno-Falle‘“ getauft haben. Eine „üble Falle“ trägt in diesem Buch also den Namen eines Intellektuellen, dem schon einmal eine „genetische Disposition“ untergeschoben wurde, weshalb er Deutschland im Jahr 1934 verlassen musste. Dem nicht genug, wird dessen „Dialektik der Aufklärung“ anschließend als „elitärer Text“ gebrandmarkt, der aus „gedrehten Gedankengängen“ und „entlarvend elitärer Rhetorik“ bestehe, und in dem völlig verkehrten Slogan „Was gefällt, hat schon verloren!“ zusammengefasst. So bleibt nur ein Satz in diesem Buch, dem man vollen Herzens zustimmen kann, weil „Der Kulturinfarkt“ selbst ihn aufs eindrücklichste beweist: Der kulturpolitische Diskurs, heißt es da, „ist zunehmend unscharf, von intellektueller Verarmung geprägt und von Unehrlichkeit.“</p>
<p><em>Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz: Der Kulturinfarkt. Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention. Knaus Verlag, München 2012. 288 Seiten, 19,99 Euro.</em></p>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2012 13:50:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<table cellpadding='10'><tr><td valign='top' align='left'><p>Kategorie <a href="http://www.katrinschuster.de/category/ausserdem/" title="Alle Artikel in Ausserdem ansehen" rel="category tag">Ausserdem</a></p><p></p>Es mag an der Digitalisierung der Kommunikation oder ganz schlicht an dem Dasein als freier Journalist liegen, dass ich oft melancholisch an die Studentenzeit zurückdenke: Was konnte ich da noch alles lernen! Jetzt liegt die eigene Weiterbildung allein in meinen Händen, und Zeit bleibt dafür ohnehin keine. Deswegen bin ich immer recht glücklich, wenn ein [...]<table width='100%'><tr><td align=right><p><b>(<a href='http://www.katrinschuster.de/2012/03/15/neues-projekt/' title='In eigener Sache'>Weiterlesen ...</a>)</b></p></td></tr></table></td><td valign='top'></td></tr></table>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag an der Digitalisierung der Kommunikation oder ganz schlicht an dem Dasein als freier Journalist liegen, dass ich oft melancholisch an die Studentenzeit zurückdenke: Was konnte ich da noch alles lernen! Jetzt liegt die eigene Weiterbildung allein in meinen Händen, und Zeit bleibt dafür ohnehin keine. Deswegen bin ich immer recht glücklich, wenn ein Projekt des Weges kommt, das mir etwas Neues erzählt, mir andere Blickwinkel eröffnet, mich zum Lesen, Denken, Wissenwollen drängt.</p>
<p>Ein solches Projekt ist seit zwei Jahren das <a href="http://www.literaturportal-bayern.de/">Literaturportal Bayern</a>, das mir einiges beigebracht hat, ohne dass ich sicher sagen könnte, dass ich das nächste Mal alles besser machen könnte. Und ein solches Projekt ist seit ein paar Wochen die Veranstaltungsreihe &#8220;Stimmen der Roma&#8221;, deren begleitende Publikationen (Katalog und <a href="http://romastimmen.de/">Blog</a>) ich redaktionell betreue &#8211; was eine Menge Arbeit macht, wie man zweifellos an der Stille merkt, die hier in den vergangenen Wochen herrschte.</p>
<p>Dabei geht es nicht nur um die Sammlung und Ordnungen der ganzen Materialien für jenen Katalog, der vermutlich über 60 Seiten haben wird, sondern vor allem &#8211; was mich ja immer am meisten interessiert &#8211; darum, den richtigen Ton für dieses Thema zu finden, das eines der spannendsten ist, die ich in den vergangenen Jahren beackert habe. Immer wieder sprechen Sinti- und Roma-Künstler wie -Wissenschaftler von der Spannung zwischen der Bewahrung der eigenen Kultur und deren Öffnung für die Mehrheitsgesellschaft &#8211; ein aktuelleres, brisanteres Thema kann ich mir kaum vorstellen. Und über die deutsche Geschichte erfährt man während der Recherche ebenfalls einiges, das mir bislang noch völlig unbekannt war. Es ist schlichtweg unglaublich, wie &#8216;erfolgreich&#8217; man die Sinti und Roma aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt hat.</p>
<p>Und jetzt noch der Banner zur Werbung:</p>
<p><a href="http://romastimmen.de/"><img class="aligncenter size-full wp-image-961" title="Banner" src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/uploads/2012/03/Banner.jpg" alt="" width="468" height="85" /></a></p>
 <p><a href="http://www.katrinschuster.de/?flattrss_redirect&amp;id=957&amp;md5=93c1ddf799a00dec1ac60df3ac113a57" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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