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	<title>katrin schuster</title>
	
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	<description>freie journalistin</description>
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		<title>Solitary</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 19:28:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die bekannteste Methode der Weißen Folter ist die sogenannte Isolationshaft, bei der das Opfer innerhalb eines Gefängnisses oder einer ähnlichen Einrichtung durch Methoden und Formen der sozialen Deprivation und der sensorischen Deprivation weitgehend von sozialen Bedürfnissen (unter anderem zwischenmenschlicher Kommunikation, Zeitungslektüre, Radio-, Fernsehkonsum) und von substanziell notwendigen organisch-sensorischen Sinneseindrücken (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Die bekannteste Methode der Weißen Folter ist die sogenannte Isolationshaft, bei der das Opfer innerhalb eines Gefängnisses oder einer ähnlichen Einrichtung durch Methoden und Formen der sozialen Deprivation und der sensorischen Deprivation weitgehend von sozialen Bedürfnissen (unter anderem zwischenmenschlicher Kommunikation, Zeitungslektüre, Radio-, Fernsehkonsum) und von substanziell notwendigen organisch-sensorischen Sinneseindrücken (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) abgeschnitten (depriviert) wird. Sie bewirkt unter anderem erhebliche Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit des vegetativen Nervensystems sowie der Wahrnehmung und der kognitiven Leistungsfähigkeit und zielt auf die Zerstörung des psychischen Gleichgewichts ab, um den Gefangenen etwa zu einem Geständnis, zur Zusammenarbeit mit seinen Folterern zu zwingen oder ihn psychisch zu zerstören.</p>
<p>Weitere Methoden der Weißen Folter sind beispielsweise der strafend eingesetzte Schlafentzug, Reizentzug (etwa Dunkelhaft oder langer Aufenthalt in einer Camera silens), Scheinhinrichtungen, auch weniger geläufige Folterarten wie Sauerstoffmangel-Folter oder Waterboarding, langfristiges Stehenlassen in angespannter Haltung (bei welchem das Opfer Schmerz durch die unnatürliche Dauer der Muskelanspannung bzw. Belastung erleidet, den es als durch sich selbst verursacht erleben soll), Kitzeln, Erregen von Übelkeit bei Menschen mit Kinetose sowie allgemein entwürdigende und entmündigende Behandlung: Nacktheit, gezieltes Verwahrlosen-Lassen, Verlangen totaler Unterordnung, Behandlung als „krank“ oder „gestört“ auch mit „Schocktherapien“ („Insulinschocktherapie“, „Elektrokrampftherapie“), Verletzung des Schamgefühls als sogenannte „Schamfolter“ und provozierte Desorientierung, z. B. durch Fixierung/Fesselung auf einem dreidimensional verstellbaren Drehsessel.</p>
<p>Im fließenden Übergang zur körperlich schädigenden Folter werden u. a. folgende Methoden angewandt: Schütteln (vgl. hierbei bereits beschriebene körperliche Schäden/Todesfolgen ähnlich denen des Schütteltraumas), bewusste Unterkühlung oder Überhitzung im Raum des Gefangenen (vgl. Dehydratationssyndrome), Beschallung der Gefangenen mit ohrenbetäubendem Lärm (vgl. Hörschäden wie bleibende Ohrgeräusche und objektivierbare Hörminderungen).</p></blockquote>
<p>Stimmt, das ist ein Auszug aus dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Folter">Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Weiße Folter“</a>. Ganz zufällig beschreibt er aber auch überraschend viele Elemente der neuen Pro-Sieben-Show &#8220;Solitary&#8221;, die sich selbst so vorstellt:</p>
<blockquote><p>Neun Kandidaten, sind auf jeweils acht Quadratmetern maximal zehn Tage und Nächte ganz auf sich allein gestellt. Kein Zeitgefühl, keine Kommunikation mit den Mitspielern – dafür warten jede Menge persönliche Herausforderungen in der neuen Prime Time Show „Solitary – Besieg dich selbst“. […] Pro Folge werden zwei Spiele gespielt, ein „Safety-Spiel“ und ein Entscheidungsspiel“.  […] Das Entscheidungsspiel [in der ersten Folge]: Schlafenszeit für die Kandidaten. Doch in regelmäßigen Abständen [das ist falsch: Es handelte sich vielmehr um unregelmäßige Abstände, KS] werden sie von „Looking for freedom“ von David Hasselhoff geweckt. Anschließend müssen sie einen Code in eine Tastatur eingeben. Der Code wird von Runde zu Runde länger. Nur wer den Code richtig eingibt kann bis zur nächsten Runde ohne die wunderbare Musik weiterschlafen.</p></blockquote>
<p>Das geschmacklose Essen bekommen die Kandidaten nicht, wenn sie Hunger haben, sondern, wenn die Regie der Show das will; zum Waschen steht nur eine Wasserschüssel bereit; Temperaturanstiege und -abfälle wurden bereits angekündigt. Im „Safety-Spiel“ der zweiten Folge ging es darum, in einer Box, deren Innenraum ich auf etwa 2 Kubikmeter schätzen würde, 90 Minuten abzusitzen (ohne Uhr). Im „Entscheidungsspiel“ mussten sich die Teilnehmer möglichst lange auf eine nach dem Vorbild eines Nagelbretts mit Dübeln gespickte Platte stellen. Dabei konnten sie wählen, ob sie diese „schmerzhafte Lektion“ barfuß, mit einer Luftblasenfolie oder Badelatschen ertragen wollen: „Wer wird sich im Entscheidungsspiel für den leichten Weg entscheiden? Und wer geht tatsächlich an seine Grenzen?“ fragte eine Stimme aus dem Off, die wohl nach Domina klingen soll und den Computer namens Alice darstellt, der für all diese „Spiele“ verantwortlich zeichnet.</p>
<p>Gewinnen kann man bei Solitary einzig und allein den Titel „Super-Solitary-Champion“. Was so viel bedeutet wie: Gewinnen kann man nur die von einem TV-Sender attestierte Aussage, dass man sich für einen Hauch Prominenz auch foltern lässt, und zwar länger und gehorsamer als alle anderen. Ob die Macher dieses Formats sich lautstark erheitern über die &#8220;Kandidaten&#8221;, wenn sie das Material zusammen schneiden, möchte ich mich lieber nicht fragen. Denn leider kann ich mir gut vorstellen, dass sie das tun. Dass die Teilnehmer jederzeit gehen können, wird jedenfalls immer wieder (und ich würde behaupten: mit Lust) betont, sowohl von „Alice“ als auch von der Moderatorin Sonya Kraus. Wie es eben immer läuft bei solchen Shows und Formaten: Der Hinweis darauf, dass alle freiwillig an diesen „Spielen“ teilnehmen, soll deren Existenz rechtfertigen und unangreifbar machen. Das mag bei Big Brother und ähnlichem vielleicht noch durchgehen, denn Artikel 1 der deutschen Verfassung mag in Grenzfällen Auslegungssache sein, so etwas wie die Würde ist tatsächlich schwer zu fassen. In Sachen Folter sind die Gesetze allerdings recht klar. Nochmal die Wikipedia, diesmal aus dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Folter">Artikel „Folter“</a>:</p>
<blockquote><p>Völkerrechtlich enthalten Artikel 5 der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention ein Folterverbot:<br />
Art. 5: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“<br />
Art. 3: „Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.“</p></blockquote>
<p>Ob einer das freiwillig mit sich machen lässt oder nicht, ist also ganz egal: Folter ist verboten. Ich frage mich nur, wieso deren Methoden dann am Samstagabend als Primetime-Unterhaltung vorgeführt werden dürfen.</p>
<p>Nachtrag: <a href="http://fernsehkritik.tv/blog/2010/07/guantanamo-tv/">Hier</a> und <a href="http://www.readers-edition.de/2009/08/16/isolationshaft-und-folter-bei-prosieben">hier</a> sieht man das ähnlich.</p>
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		<title>Nach Prag und zurück II</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 15:15:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Im ersten Kapitel dieses Reiseberichts kam ich gerade einmal bis Prag. Was ich trotzdem noch nicht erzählt habe: Es war nicht das erste Mal, dass ich nach Prag kam; schon einmal, es muss die Klassenfahrt in der Neunten gewesen sein, war ich dort. Irgendwann im Laufe des Schuljahrs 1990/91 also. Und bis zu dem erneuten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Das erste Foto in Prag" src="http://blog.literaturportal-bayern.de/wp-content/uploads/2010/07/prag-1.jpg" alt="" width="298" height="397" />Im <a href="http://blog.literaturportal-bayern.de/2010/07/01/nach-prag-und-zuruck/" target="_blank">ersten Kapitel dieses Reiseberichts</a> kam ich gerade einmal bis Prag. Was ich trotzdem noch nicht erzählt habe: Es war nicht das erste Mal, dass ich nach Prag kam; schon einmal, es muss die Klassenfahrt in der Neunten gewesen sein, war ich dort. Irgendwann im Laufe des Schuljahrs 1990/91 also. Und bis zu dem erneuten Mal in diesem Frühsommer 2010 dachte ich, dass ich mich an dieses erste Mal leider gar nicht erinnern könnte. Einzig und allein die Disco (am Wenzelsplatz?), in der wir einen Abend (oder mehrere?) verbrachten, hatte ich immer mal wieder vor Augen, und das hat wohl vor allem damit zu tun, dass damals dort einer meiner Klassenkameraden zu mir meinte, dass ich ja ganz gut tanzen könne. Was für ein Mädchen im Alter von 15 Jahren ein ziemlich bedeutsames Kompliment ist – weshalb diese Disco in meinem Kopf offenbar zum regelrechten Erinnerungsort avancierte.</p>
<p><a href="http://blog.literaturportal-bayern.de/2010/07/08/nach-prag-und-zuruck-ii/">Weiterlesen im Literaturblog Bayern &#8230;</a></p>
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		<title>powered by emotion: Die neue Kultur im SZ-Bayernteil</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2010/06/12/powered-by-emotion-die-neue-kultur-im-sz-bayernteil/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Jun 2010 15:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am liebsten würde ich den Artikel von Karl Forster hier ganz zitieren und einfach nur „Ohne Worte“ darunter schreiben. Geht aber nicht, deswegen eine kurze Zusammenfassung (das geht nämlich):
Der Text steht in der Beilage der heutigen Süddeutschen Zeitung, in der die Zusammenlegung des München- und des Bayernteils angekündigt und erklärt wird. „Hier leben heißt hier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am liebsten würde ich den Artikel von Karl Forster hier ganz zitieren und einfach nur „Ohne Worte“ darunter schreiben. Geht aber nicht, deswegen eine kurze Zusammenfassung (das geht nämlich):</p>
<p>Der Text steht in der Beilage der heutigen Süddeutschen Zeitung, in der die Zusammenlegung des München- und des Bayernteils angekündigt und erklärt wird. „Hier leben heißt hier lesen“, lautet der Titel dieser Beilage. Ich habe bislang nur den Text von Forster gelesen, da es darin um den neuen Kulturteil geht, was mich naturgemäß interessiert hat.</p>
<p>Unschwer erkennbar ist, dass sich Forster hier rhetorisch um etwas bemüht, das er gar nicht zu leisten bereit oder auch imstande ist, nämlich die Kultur auf dem Lande genauso ernst zu nehmen wie die in der Stadt. Dafür sprechen nicht zuletzt die vielen Auchs in diesem Artikel. Beispielhaft etwa in dem Satz:. „Nun sollen auch jene Spielorte, die bis dato von den Regionalausgaben liebevoll betreut wurden, wirklich jedem Leser bekannt gemacht werden.“ Echt herzig, oder? Richtig schöner Kolonialstil.</p>
<p>Aber es wird noch besser. In der letzten Spalte erklärt Forster endlich, wie sich die neuen zwei Bayern-Kulturseiten von den alten unterscheiden sollen: Die neuen verstünden sich, so Forster „nicht so sehr als feuilletonistischer Rezensionsplatz [Anm. d. Verf.: Ich frage mich, wieso er nicht gleich von einer „Halde“ oder ähnlichem spricht, denn das will er uns ja offensichtlich bedeuten], das auch, aber vielmehr als raumgreifender, meinungsstarker Informationsdienst in Sachen Kultur.“ Neben allerlei Nähe suchenden Formaten wie Interview und Reportage solle es also schon auch Besprechungen geben, „in denen es allerdings weniger um die Demonstration journalistischer Allmacht gehen soll, als vielmehr um des Journalisten Liebe zum Sujet. Feuilletonistische Arroganz ist hier fehl am Platz.“</p>
<p>Kurz gesagt: Die Bayern-Kulturseiten werden nun powered by emotion. Das heißt: Autoren der Bayern-Kulturseiten der SZ müssen nun womöglich genau aufpassen, dass ihre Texte ja keine schwierigen Gedankengänge oder gar Fremdwörter enthalten. Solche Versuche, den Lesern Diffiziles – und das kann Kultur, oh Schreck!, manchmal sein, das ist ja das Großartige an ihr – verständlich zu machen, gelten ab sofort wohl als „feuilletonistische Arroganz“. Und kritische Verrisse vermutlich als „Demonstrationen journalistischer Allmacht“.</p>
<p>Man stelle sich einmal vor, derselbe Artikel kündigte Neuerungen im Politikteil an: „nicht so sehr als Platz für investigative Berichte, das auch, aber vielmehr als … Informationsdienst in Sachen Politik … des Journalisten Liebe zur Politik … Investigative Arroganz ist hier fehl am Platz.“ Das wäre hoffentlich einen schönen Aufschrei wert. Bei der Kultur aber interessiert es irgendwie niemanden, dass sie mehr und mehr als Lifestyle verstanden wird. Vielmehr finden die sog. Kulturjournalisten offenbar selbst, dass das Nicht-darüber-Nachdenken genau die richtige Herangehensweise an künstlerische Werke darstellt. Wo bitte soll die Kultur denn den Stolz aufs eigene Tun noch hernehmen, wenn selbst die Presse sie nicht mehr ernst nimmt, sondern ihr stattdessen lieber mit „Liebe“ und „Spaß“ begegnet?</p>
<p>Und überhaupt: Diese Anbiederung an die Leute, die es ohnehin nicht interessiert, mittels der Gleichsetzung von Feuilletonismus und Arroganz, ist mehr als nur peinlich. Das ist der gute alte Intellektuellenhass, den man nicht nur bestens kennt, sondern dem man in jüngster Zeit auch immer öfter zu begegnen scheint. Und heute auch in meiner Zeitung, na sowas.</p>
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		<title>Tage wie dieser: 10. Juni 2010, 0-24 Uhr</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2010/06/10/10-juni-2010-0-24-uhr/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 21:38:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[
Bis halb drei Uhr nachts an einer Besprechung des Films „Die Unwertigen“ gesessen, die bislang nur halb fertig geworden ist, für die ich aber immerhin schon den richtigen Ansatz gefunden habe.
Bis halb sechs Uhr wach gelegen wegen des Espressos, den ich gegen Mitternacht getrunken hatte und der zwar der Rezension auf die Sprünge half, mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.katrinschuster.de/wp-content/uploads/2010/06/adwidg-010610-turnschuh-und-blumenstrauß.jpg"><img src="http://www.katrinschuster.de/wp-content/uploads/2010/06/adwidg-010610-turnschuh-und-blumenstrauß-217x300.jpg" alt="adwidg 010610 turnschuh und blumenstrauß" title="adwidg 010610 turnschuh und blumenstrauß" width="217" height="300" class="aligncenter size-medium wp-image-289" /></a></p>
<p>Bis halb drei Uhr nachts an einer Besprechung des Films „<a href="http://www.die-unwertigen.de/" target="_blank">Die Unwertigen</a>“ gesessen, die bislang nur halb fertig geworden ist, für die ich aber immerhin schon den richtigen Ansatz gefunden habe.</p>
<p>Bis halb sechs Uhr wach gelegen wegen des Espressos, den ich gegen Mitternacht getrunken hatte und der zwar der Rezension auf die Sprünge half, mich in der Folge aber den Schlaf kostete. Weckerklingeln seit acht Uhr. Um elf im Büro gewesen, sehr zerfahren und mulmig im Bauch; zu heiß war es ohnehin.</p>
<p>Mittags einen Auftrag für einen Artikel über David Grossmann – er bekommt in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (schon wieder eine spannende Entscheidung dieser Jury!) – aus Zeitmangel leider nicht angenommen. Warme Cola getrunken, um wenigstens nicht dauernd gähnen zu müssen. Hat ein wenig geholfen.</p>
<p>Am Nachmittag ein Gespräch geführt, das für meine Schlaflosigkeit vielleicht auch ein bisschen mitverantwortlich war. Da war mir dann bald nicht mehr mulmig, sondern – ja, dafür fehlt mir jetzt irgendwie das richtige Wort.</p>
<p>Zuhause mehrere Stunden sinnlos auf irgendwelche Dinge auf dem Bildschirm des PCs gestarrt. Mit einem Glas Rotwein in der Hand. Nun nur noch ein Porträt der Münchner Literaturszene schreiben oder wenigstens andenken, dann schlafen.</p>
<p>Ein Tag wie dieser wäre mir vor zehn Jahren vermutlich gar nicht aufgefallen. Heute tut er das. Auch wenn ich noch nicht ganz genau weiß, woran das liegt. Fühlt sich jedenfalls gut an.</p>
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		<title>Was gelernt</title>
		<link>http://www.katrinschuster.de/2010/05/26/was-gelernt/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 22:43:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Vorbereitung auf diesen Blogeintrag wollte ich den heutigen Nachmittag noch einmal kurz nachbereiten. Wie gesagt: kurz. Hat natürlich nicht geklappt, weshalb es jetzt doch wieder später geworden ist. Für diejenigen, die sich schon gewundert haben, warum hier heute bislang noch nichts Neues zu lesen war, obwohl wir doch tägliche Aktualisierung geschworen haben, also die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Vorbereitung auf diesen Blogeintrag wollte ich den heutigen Nachmittag noch einmal kurz nachbereiten. Wie gesagt: kurz. Hat natürlich nicht geklappt, weshalb es jetzt doch wieder später geworden ist. Für diejenigen, die sich schon gewundert haben, warum hier heute bislang noch nichts Neues zu lesen war, obwohl wir doch tägliche Aktualisierung geschworen haben, also die Erklärung unseres Schweigens: Als Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek sollte man natürlich wissen, was in diesem Haus so alles vor sich geht – womit natürlich keine Liebel- oder Streitereien gemeint sind –, und damit haben wir heute begonnen.</p>
<p>Auf dem Plan standen mehrere Einführungen in die verschiedenen Projekte des Münchner Digitalisierungszentrums. Zugegeben: Mir schwirrt immer noch ein wenig der Kopf davon, vor allem, weil die BSB ja eine nicht zu leugnende Vorliebe für Akronyme hat.</p>
<p><a href="http://blog.literaturportal-bayern.de/2010/05/26/was-gelernt/" target="_blank">Weiterlesen auf dem Literaturblog Bayern &#8230;</a></p>
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		<title>Zwei falsche Sätze über “die alarmbereiten”</title>
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		<pubDate>Sun, 23 May 2010 08:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kathrin Rögglas Texte sind, zugegeben, schwer zu durchschauen und deshalb auch gar nicht so einfach zu beschreiben. Wenigstens &#8216;phänomenologisch&#8217; sollten Literaturkritiker das allerdings hinbekommen. Tun sie aber offensichtlich nicht immer:
1. Maike Albath textete für den Deutschlandfunk über das Buch: &#8220;In sieben Kapiteln gibt sie [Röggla] die Rede verschiedener Figuren wieder, die sich jeweils auf ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kathrin Rögglas Texte sind, zugegeben, schwer zu durchschauen und deshalb auch gar nicht so einfach zu beschreiben. Wenigstens &#8216;phänomenologisch&#8217; sollten Literaturkritiker das allerdings hinbekommen. Tun sie aber offensichtlich nicht immer:</p>
<p>1. Maike Albath <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1146669/" target="_blank">textete für den Deutschlandfunk</a> über das Buch: &#8220;In sieben Kapiteln gibt sie [Röggla] die Rede verschiedener Figuren wieder, die sich jeweils auf ein unsichtbares Gegenüber beziehen. Dabei spielt sie verschiedene Szenarien durch und verwendet ausschließlich den Konjunktiv: &#8230;&#8221;. Anhand des folgenden Zitats erkennt man zwar, dass es sich mitnichten um einen Irrealis/Konjunktiv II handelt, wie Albath durch die Rede vom &#8220;Durchspielen&#8221; andeutet. Den wichtigsten Begriff aber unterschlägt die Rezensentin einfach: &#8220;die alarmbereiten&#8221; steht im Konjunktiv, ja, und zwar einzig und allein, weil es durchgehend in indirekter Rede geschrieben ist. Das wird in dieser Kritik tatsächlich überhaupt nicht erwähnt &#8211; was ehrlich kaum zu glauben ist, auch und gerade weil es das vermeintlich &#8220;unsichtbare Ich&#8221; durchaus ein wenig sichtbarer macht.</p>
<p>2. In Nicole Hennebergs <a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E572DBC9802CD432BA62ACCFA76E7DA41~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">FAZ-Rezension</a> wiederum heißt es: &#8220;Nur in einer Geschichte (&#8217;die wilde jagd&#8217;) gibt sich ein reales Ich zu erkennen, ein Entführungsopfer, das aber bezeichnenderweise schweigt.&#8221; Und das ist nun richtiger Quatsch von Anfang bis Ende. Denn jede Geschichte dieses Buches funktioniert genauso: ein Ich schweigt und tut es doch nicht, eben weil es nie die eigene Rede, dafür stets die Rede seiner Gegenüber wiedergibt. Was für ein Unsinn es ist, bei einem Buch von einem &#8220;realen Ich&#8221; zu sprechen, das &#8220;sich zu erkennen gibt&#8221;, darüber will ich lieber gar nichts mehr sagen. Außer vielleicht: Hallo, das sind Buchstaben!</p>
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		<title>Noch viele Fragen offen: Benjamin Steins Roman “Die Leinwand”</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 11:31:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>

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		<description><![CDATA[Natürlich beginnt man die Lektüre eines Buchs mit allerlei Vorurteilen im Kopf, das lässt sich ja überhaupt nicht leugnen. Man mag bestimmte Verlage lieber als andere, einfach weil sie einen in der Vergangenheit oft überzeugt haben (darüber habe ich ja hier schon einmal etwas gesagt). Und man ist bei manchen Themen oder auch Genres kritischer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich beginnt man die Lektüre eines Buchs mit allerlei Vorurteilen im Kopf, das lässt sich ja überhaupt nicht leugnen. Man mag bestimmte Verlage lieber als andere, einfach weil sie einen in der Vergangenheit oft überzeugt haben (darüber habe ich ja <a href="http://www.katrinschuster.de/2010/01/22/zu-unrecht-ubersehene-bucher-i/">hier</a> schon einmal etwas gesagt). Und man ist bei manchen Themen oder auch Genres kritischer als bei anderen, woran auch immer das im Einzelfall liegen mag. Ich zum Beispiel horche sicherlich anders hin, wenn es um Medien, um Frauen oder um den Holocaust geht (das sind eben die Themen, auf die ich sensibel reagiere oder bei denen ich meine, mich auszukennen) oder wenn ich einen Bestseller in der Hand habe (weil diese tatsächlich von Millionen Menschen gelesen werden und also Diskurse prägen), siehe meine <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0416/bcher/0005/index.html">Vampir-Kritik in der Berliner Zeitung</a>.</p>
<p>Bei Benjamin Steins Roman „Leinwand“ waren die Vorurteile durchweg positiver Natur: Es handelt sich um eine literarische Verarbeitung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binjamin_Wilkomirski">Geschichte von Binjamin Wilkomirski</a>, was für mich wieder einmal einen Fall von Wieso-hat-das-bislang-eigentlich-noch-keiner-gemacht-?! darstellte, das heißt: als Thema sofort einleuchtet und neugierig macht. Zudem hat Stein soeben ein Buch in einem meiner Lieblingsverlage herausgegeben und wurde für „Die Leinwand“ von dessen Verleger (den nicht nur mein Mann für den besten Verleger hält, den wir hierzulande haben) sehr gelobt. Und Komplexe wie Gedächtnis, Erinnerung, Identität interessieren mich sowieso immer, gerade wenn sie von einem gläubigen Juden verhandelt werden. Da konnte also eigentlich nichts mehr schief gehen, dachte ich.</p>
<p>Steins Roman kann man tatsächlich von zwei Seiten lesen, dafür muss man es wenden und um 180 Grad drehen, das Buch hat zwei Cover, auf dem einen steht „Die Leinwand. Amnon Zichroni“, auf dem anderen „Die Leinwand. Jan Wechsler“. Hinter beiden beginnt eine Ich-Erzählung: Zichroni ist dem Psychoanalytiker nachempfunden, der Wilkomirski (bei Stein: Minsky) einst ermunterte, seine Geschichte aufzuschreiben; Stein gibt ihm die Gabe, per Berührung die Erinnerung von Anderen selbst zu erleben. Jan Wechsler wiederum erinnert wegen der biografischen Daten (Kindheit in der DDR, Computer-Journalist, Hinwendung zum orthodoxen Judentum u.ä.) einerseits an den Autor selbst, wird im Laufe des Buchs aber andererseits als derjenige enttarnt, der Minskys Geschichte als falsch entlarvt (in der Realität: Daniel Ganzfried von der Schweizer Weltwoche). </p>
<p>Bei „Die Leinwand“ handelt es sich, grob gesagt, um eine Verteidigung oder wenigstens Ehrenrettung von Binjamin Wilkomirski. Im <a href="http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/lesezeichen/benjamin-stein-die-leinwand-lesezeichen-2010-03-08-ID1267708333677.xml">Interview mit dem BR</a> sagt Stein auch, dass er das Wort „erfunden“ für die Holocaust-Biografie von Minsky nicht benutzen würde – schließlich bastelten wir alle unsere Identitäts-Legenden, bestehe Identität im Grunde aus nichts anderem; „zugestoßen“ träfe es vielleicht besser. „Was, auch diese Frage wälze ich heute, nach über zehn Jahren, noch immer, ist eine Wahrheit, die tötet, wert gegenüber einer Wahrheit, die jemanden leben lässt?“ lautet Zichronis Überlegung angesichts des Schocks, der die Enthüllung von Minsky wahrer Vergangenheit für Minsky bedeutet. Stein versteht den Fall also als Fall einer so genannten false memory, deren &#8216;Korrektur&#8217; mehr Schaden als Nutzen verursacht habe.</p>
<p>Nun gibt es in dem Buch aber noch Jan Wechsler, der ebenfalls zu merken beginnt, dass seine Biografie nicht stimmt, weil er sich anfangs schlichtweg nicht daran erinnern kann, dass er Minsky einst enttarnt hat. Auch für ihn scheint diese Enthüllung also offenbar eine traumatische Erfahrung gewesen zu sein, in deren Folge er sich eine neue Biografie zu Recht legte (die des Autors Benjamin Stein nämlich). Dass die nicht stimmt, scheint literarisch kaum ein Problem, sondern wird recht nüchtern konstatiert; Wechsler anerkennt es einfach irgendwann und gerät in keine allzu große Krise darüber (im Gegensatz zu Minsky, was unverkennbar eine Motivation des Buches ist). Und ebenso mehr oder weniger umstandslos kann er sich dann plötzlich auch an die Wahrheit erinnern. Und die lautet bei Stein, dass Wechsler (zumindest früher) ein gutes Stück rechts vom politischen Rand stand und allererst aus verletzter Eitelkeit (bei einer gemeinsamen Lesung stand Minsky im Mittelpunkt und für Wechsler interessierte sich niemand) die „Hetze“ gegen Minsky begonnen hatte. Was natürlich auf den realen Enthüllungsjournalisten Ganzfried zurück fällt. Der Satz „Was, auch diese Frage wälze ich heute, nach über zehn Jahren, noch immer, ist eine Wahrheit, die tötet, wert gegenüber einer Wahrheit, die jemanden leben lässt?“ soll also nur für Wilkomirski, nicht aber für Ganzfried in Anspruch genommen werden dürfen?</p>
<p>Ich bin mit dem Nachdenken darüber noch längst nicht fertig, wie man vielleicht merkt – was ja erst einmal für die Qualität dieses Buch spricht. Dass sich die ganze Identitätsverwirrung zwar formal in der zweiseitigen Lesbarkeit, sprachlich aber überraschend wenig niederschlägt, hat mich ebenfalls ein wenig irritiert – weswegen ich (was ich in solchen Fällen gerne tue, daraus mache ich auch kein Geheimnis) andere Rezensionen zurate ziehen wollte, um zu erfahren, ob ich eventuell etwas übersehen hatte. Und Wunder was: In fast keiner Kritik dieses Romans geht es um die Sprache – als hätte sie mit Identitätsgeschichten, mit dem Nachdenken über Lüge und Wahrheit einfach nichts zu tun. Stattdessen finde ich eine Ansammlung von Floskeln, die ich nicht nur teilweise für falsch halte, sondern die man genauso gut für die Besprechung anderer Romane aneinanderreihen könnte. Auch die These von „Die Leinwand“ wird im Grunde nicht diskutiert. Das ist mal wieder ein echter Trauerfall, denn der Roman hätte wahrlich Besseres verdient (ob ich das – für den Juni-<a href="http://www.literatur-muenchen.de/blog/das-magazin-klappentext/">KLAPPENTEXT</a> – hinbekomme, ist jetzt freilich die große Frage). So viel jedenfalls für heute zum Zustand der Literaturkritik von heute.</p>
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		<title>Alte und neue Ufer</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 18:04:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den vergangenen Monaten war es hier ziemlich still, ja. Auch der Facebook-App-Text war kein richtiger Blogeintrag, sondern ein Artikel für den Freitag, den ich eingestellt hatte, damit´s nicht ganz so armselig aussieht.
Es ist jedoch nicht so, dass nichts passiert wäre in dieser Zeit, im Gegenteil. Anfang Februar bekamen meine Altpapier-Kollegen und ich gesagt, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den vergangenen Monaten war es hier ziemlich still, ja. Auch der <a href="http://www.katrinschuster.de/2010/02/16/uber-apps/" target="_blank">Facebook-App-Text</a> war kein richtiger Blogeintrag, sondern ein Artikel für den <a href="http://www.freitag.de" target="_blank">Freitag</a>, den ich eingestellt hatte, damit´s nicht ganz so armselig aussieht.</p>
<p>Es ist jedoch nicht so, dass nichts passiert wäre in dieser Zeit, im Gegenteil. Anfang Februar bekamen meine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Altpapier_%28Medienkolumne%29" target="_blank">Altpapier</a>-Kollegen und ich gesagt, dass <a href="http://www.dnews.de" target="_blank">Dnews</a> unseren Vertrag nicht über den 8. März hinaus verlängern wird. Mich hat diese Nachricht nicht sonderlich überrascht: Die Redaktion war zwar immer sehr nett und hilfsbereit und durchweg sympathisch, aber irgendwie wirkte das Altpapier zwischen all den Nachrichten <em>deren Auswahl mir im Übrigen gut gefällt, da die Sex&#038;Crime-Quote überraschend niedrig ist</em> fast schon wie ein Fremdkörper; vor allem, nachdem bereits im vergangenen Jahr die anderen Kolumnisten gekündigt worden waren, mit denen wir anfangs immerhin ein reelles Gegengewicht zu den reinen Facts bildeten. Es sah wohl so aus: Dnews generierte nicht das Mehr an Traffic, das man sich von uns vielleicht erhofft hatte, und auch das Altpapier profitierte nicht von der Einbettung in eine ziemlich blanke Newsseite <em>was kaum verwundert: Altpapier-Leser sind medienaffine Menschen, die kennen die Neuigkeiten halt immer schon</em>.</p>
<p>Mir persönlich hat diese Nichtverlängerung des Vertrags eine Entscheidung abgenommen, die ich schon länger im Kopf hin und her wendete. Und die nun also getroffen ist: Sollte das Altpapier weiter gehen, dann geht es das in Zukunft ohne mich. Das hat, wie ja alles, auch persönliche Gründe (inklusive Facebook-Entfreundung), vor allem aber damit zu tun, dass mir das Schnellschnellschreiben immer schon schwer, mit der Zeit aber immer schwerer fiel. Hatte ich ein Altpapier publiziert, dann beschäftigte mich dieser Text noch den ganzen Tag, eben weil ich ihn nie zuende denken konnte, hier und da noch ein Hinweis hingehört hätte, dieser oder jener Dreh mir plötzlich völlig umständlich oder unlustig vorkam. Mir ist es schlichtweg lieber, wenn ich selbst entscheiden kann, wann ein Text fertig ist <em>und den Punkt gibt es, das weiß jeder Schreiber</em>, und nicht meine Müdigkeit oder die Uhrzeit das übernimmt. Das geht nicht immer, schon klar, aber quasi als Dauerzustand habe ich´s einfach nicht gepackt, so einfach ist das.</p>
<p>Etwas leichter ist mir das natürlich gefallen, weil das Herzblut gerade sehr am <a href="http://www.literaturportal-bayern.de/" target="_blank">kommenden Literaturportal Bayern</a> hängt, das Anfang 2011 online gehen wird und das ich mitkonzipiert habe. Als Prolog dazu ging heute – nach mehreren Wochen des Kampfes mit Wordpress – das <a href="http://blog.literaturportal-bayern.de/" target="_blank">Literaturblog Bayern</a> online, das den Aufbau des Portals begleitet und schon einige der angedachten Inhalte bereit stellt (allerdings in schlichtestem Design). Das bedeutet jetzt zwar ebenfalls viel Stress und viel Arbeit, aber zugleich viel Raum für Gedankenspinnereien, für gute wie schlechte Ideen und für Formatspielereien. Ich freue mich jedenfalls über jeden, der da mal vorbei schaut und am besten noch seine Meinung dazu abgibt, denn das Literaturportal Bayern wird eben kein statisches Portal werden, sondern ein lebendiges, an dem sich die Leser – also ihr – beteiligen sollen.</p>
<p>Das Aufhören beim Altpapier und das Anfangen beim Literaturportal Bayern bestätigt im Übrigen eine weiteres Mal <a href="http://www.zweitens-magazin.de/blog/hauptstrasse/welt-des-journalisten-1/" target="_blank">meine Erfahrung</a>, dass – zumindest was mich betrifft – Journalismus <em>ich meine Journalismus, nicht PR</em> zunehmend verstaatlicht wird, weil private Unternehmen ihn sich immer weniger leisten können. An dieser Stelle muss ich auch ein Lob aussprechen <em>für das mich mal wieder niemand bezahlt</em>: Das Bayerische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, das die ganze Sache initiiert hat, hat mir bei der Konzeption des Literaturportals Bayern die freieste Hand gelassen, die man sich nur denken kann. Und die Bayerische Staatsbibliothek, die das Projekt leitet, geht damit erstmals wirklich den Weg ins Web 2.0 <em>bei Second Life und Twitter drohen schließlich keine juristischen Probleme mit Usercontent</em> und will das auch unbedingt, selbst wenn die Programmierer deshalb Tage damit verbringen müssen, die sehr hohen Sicherheitsstandards der BSB zu gewährleisten. Danke dafür.</p>
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		<title>Über Apps</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 14:49:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die meisten meiner Facebook-Freunde sind nicht besonders redselig, eigene Worte benutzen sie eher selten, wenn sie eingeloggt sind. Müssen sie auch gar nicht, denn ein Gutteil ihrer Kommunikation erledigt die Plattform in ihrem Namen für sie: Michael* ist jetzt ein Fan von Isarszene und Dieter jetzt mit Anika befreundet. Zu Konrad passt am besten die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten meiner Facebook-Freunde sind nicht besonders redselig, eigene Worte benutzen sie eher selten, wenn sie eingeloggt sind. Müssen sie auch gar nicht, denn ein Gutteil ihrer Kommunikation erledigt die Plattform in ihrem Namen für sie: Michael* ist jetzt ein Fan von Isarszene und Dieter jetzt mit Anika befreundet. Zu Konrad passt am besten die Stadt München, Bettina ist schizophren und Ferdinand ein Lutscher, Torsten wird im kommenden Jahr viel Sex haben und Melanie hat gerade eine Kuh gefunden.</p>
<p>All diese Aussagen wurden automatisch erstellt, nachdem der jeweilige Nutzer hier- oder dorthin geklickt hatte, ohne dem ein weiteres Wort hinzufügen zu müssen. Michael etwa auf den Button &#8220;Ein Fan werden&#8221; und Dieter auf &#8220;Freundschaftsanfrage bestätigen&#8221;. Konrad, Bettina, Ferdinand und Torsten wiederum haben je an eine Quiz-Anwendung benutzt, von denen tausende bei Facebook kursieren, die in gleichsam horoskopischer Manier – &#8220;Welche Stadt passt am besten zu dir?&#8221;, &#8220;What´s your mental disorder?&#8221;, &#8220;Welche Süßigkeit bist du?&#8221;, &#8220;Das beschert dir 2010&#8243; – per multiple-choice-Fragebogen Charaktere zu konturieren vorgeben. Und Melanie? Die hat auf &#8220;Help Cow&#8221; geklickt, als ihr digitaler Stellvertreter-Bauer gerade ihre virtuelle Scholle beackerte und eine einsame Kuh aus Nullen und Einsen des Weges kam. Melanie spielt Farmville, wie über 73 Millionen (in Worten: dreiundsiebzig Millionen) andere Facebook-Mitglieder auch, mehr als ein Fünftel aller dort Registrierten also, Tendenz selbstverständlich steigend.</p>
<p>Seitdem sich Facebook im Mai 2007 für die Anwendungen von Drittanbietern öffnete, steigt die Zahl und Vielfalt der Applications – von denen Farmville freilich mit Abstand die erfolgreichste ist – täglich. Etwas Besseres hätte der &#8220;social community&#8221; nicht passieren können: Die Benutzer von Farmville zum Beispiel spielen Bauernhof, sie machen eine grüne Flash-Wiese urbar, indem sie umgraben, säen und ernten, umgraben, säen und ernten, umgraben, säen und ernten, und das am besten alle paar Stunden. Der permanente Traffic von wenigstens 20 Prozent aller Mitglieder wäre damit schon einmal garantiert; die Zahlen sprechen von durchschnittlich fast 30 Millionen täglichen Farmville-Usern.</p>
<p>Dass die zweite große deutsche Community StudiVZ nun ebenfalls in die Entwicklung von Applications investiert, während Twitter sich weiterhin schwer tut, seine Nutzer dauerhaft zu binden, eben weil der Microblogging-Dienst kaum Funktionalität außer seiner selbst zu bieten hat, bedeutet ja nichts anderes: Wer die mimetisch begabten Parasiten namens &#8220;Apps&#8221; herzlich willkommen heißt, wird schon bald mit ihnen in trauter Symbiose zusammenleben, da man sich gegenseitig nährt. Denn die zugrunde liegende Vernetzung stellt nurmehr eine Bühne, auf der gerockt und gewalzt werden will, deren Grenzen und offene Räume ausgestestet sein wollen, mit der Unfug und Genialisches getrieben werden muss, damit sie auch in Zukunft Zuschauer hat.</p>
<p>Und wer, wenn nicht Apple, wüsste das nicht am allerbesten. Das iPhone mag ein praktikables Telefon sein, die wahren &#8220;Killeranwendungen&#8221; jedoch, darüber sind sich alle einig, die dieses Gerät zum Must-Have machen, sind die Apps, die man darauf laden kann. Auch sie werden nur in vernachlässigbaren Mengen von Apple selbst entwickelt, der App-Store ist vielmehr ein weiteres gelungenes Beispiel für Crowd Sourcing. Und theoretisch bekommt die Crowd in dem Fall sogar Geld dafür.</p>
<p>Diese Apps können ungemein praktisch sein, wenn sie etwa die nächstgelegene Bushaltestelle oder den Namen und Interpreten des Songs herausfinden, der gerade irgendwo im Hintergrund läuft. Und sie können ungemein überflüssig sein, kaum mehr als inspirierte Tricks mit dem Touchscreen und den Sensoren des Telefons, die zuallererst zur theatralen Irritation der eigenen Umwelt dienen. Am liebsten stellen sie – wie eben auch Farmville, und zwar in geradezu vorbildlicher Weise – klassische Kulturtechniken dar: Ein iPhone kann mithilfe eines Apps zu einer Flöte oder einer Gitarre werden; zum Bierglas oder zum Passanten, den man nach dem Weg fragt; zum Vater, der einem das Verfertigen von Krawattenknoten erklärt, oder zur Puste, die eine Kerze ausbläst. Neuerdings verbessert ein iPhone-App sogar die Treffsicherheit von Jägern und Soldaten. Dagegen ist Farmville tatsächlich nur eine charmante Reminiszenz an unsere evolutionären Anfänge und jedes Facebook-Quiz nur eine ironisches Zitat der Sehnsucht nach einer eigenen Persönlichkeit.</p>
<p>Wenn der Computer, wie Constanze Kurz vom Chaos Computer Club bereits <a href="http://www.freitag.de/politik/0805-gespraech">vor zwei Jahren meinte</a>, „eine Art ausgelagertes Gehirn“ ist, dann bedeutet das iPhone kaum weniger als die Aufhebung unser gewohnten Sinnlichkeit. Apps ersetzen per Fingertipp nicht nur Musikinstrumente oder Fitnesstrainer, sondern auch den eigenen Geschmack für Wein, Kleidung, Essen und so weiter. Kurz gesagt: die eigene Erfahrung mit der Wirklichkeit, in der Gitarre spielen für Hornhaut sorgt, man sich auch einmal verläuft, den falschen Wein bestellt, ein unangesagtes T-Shirt trägt und eine Flamme selbst löschen muss.</p>
<p>Das ist kein Grund für Kulturpessimismus, denn solche mehr oder weniger praktischen Prothesen begleiten den Menschen von Anbeginn an – Homo sapiens nannte man ihn schließlich erst, nachdem er seine neuronalen und körperlichen Bedingungen als Einschränkungen begriffen hatte und an deren Aufhebung zu arbeiten begann. Dafür erfand er die Sprache und die Schrift, das Werkzeug, das Geld und alle anderen so genannten Medien. Seither wächst sein Gehirn nicht mehr, die körperliche Evolution ist weitgehend zum Stillstand gekommen, weil Wissen und Erinnerung zunehmend technisch und medial supplementiert werden. Was freilich nicht ohne Auswirkungen auf unser Bewusstsein bleibt; die Aufklärung und die bürgerliche Kleinfamilie etwa lassen sich ganz wunderbar in Zusammenhang bringen mit der Erfindung des Buchdrucks und der allgemeinen Alphabetisierung. Immerhin täuschen die iPhone- wie die Facebook-Apps über diesen Umstand, dass jede Anwendung immer auch ein Objekt benötigt, nicht mehr hinweg, sondern fragen je brav um Erlaubnis, ob auf das Nutzerprofil zugegriffen werden darf, bevor sie sich auf das Subjekt anwenden. So wird das Betriebssystem des iPhones wie des Menschen langsam aber sicher bis zur Unkenntlichkeit überwuchert von Apps. Von so etwas Prämodernem wie Eigenschaften wird hingegen endlich keine Rede mehr sein.</p>
<p>* Aus Datenschutzgründen wurden alle Namen geändert.</p>
<p><em>Erschienen in: Der Freitag, No. 2, 14. Januar 2010</em></p>
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		<title>Der Druck. Oder: Olympischer Journalismus 2010</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 23:55:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8220;War der Druck doch zu groß?&#8221;
&#8220;Was bricht über diese junge Frau jetzt herein?&#8221;
&#8220;Ist der Druck vielleicht ein bisschen zu groß geworden?&#8221;
&#8220;Inwieweit hat Sie das berührt, der Tod des georgischen Rodlers?&#8221;
&#8220;Hat Sie sich vielleicht doch ein wenig zu viel Druck gemacht?&#8221;
&#8220;Ist jetzt morgen ein Tag, wo die Damen entspannt sind?&#8221;
&#8220;Verspüren sie großen Druck?&#8221;
&#8220;Was hat denn geholfen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;War der Druck doch zu groß?&#8221;<br />
&#8220;Was bricht über diese junge Frau jetzt herein?&#8221;<br />
&#8220;Ist der Druck vielleicht ein bisschen zu groß geworden?&#8221;<br />
&#8220;Inwieweit hat Sie das berührt, der Tod des georgischen Rodlers?&#8221;<br />
&#8220;Hat Sie sich vielleicht doch ein wenig zu viel Druck gemacht?&#8221;<br />
&#8220;Ist jetzt morgen ein Tag, wo die Damen entspannt sind?&#8221;<br />
&#8220;Verspüren sie großen Druck?&#8221;<br />
&#8220;Was hat denn geholfen, dass die Aufregung weniger wurde?&#8221;<br />
&#8220;Der Druck ist unglaublich groß.&#8221;<br />
&#8220;Das ist echtes Kampf-Eis!&#8221;<br />
&#8220;Man spürt, sie haben einen solchen Druck.&#8221;<br />
<em>(Notate beim ARD-Livestream-Gucken)</em></p>
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