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	<title>Koschere Melange</title>
	
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	<description>Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums</description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 Jan 2012 08:32:52 +0000</lastBuildDate>
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		<title>40 Jahre Österreichisches Jüdisches Museum</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 08:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[40 jahre]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Blogleserinnen und Blogleser, unser Museum startet 2012 in sein 40-Jahr-Jubiläum! Ein Jubiläum, das nicht nur für uns, sondern auch innerhalb der Jüdischen-Museen-Landschaft ein ganz besonderes ist. Daher diesmal ein Artikel in &#8220;eigener Sache&#8221;. Wir haben in diesem Jubiläumsjahr sehr viel vor und selbstverständlich halten wir Sie hier und in unserem Newsletter ständig auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Blogleserinnen und Blogleser,</p>
<p>unser Museum startet 2012 in sein 40-Jahr-Jubiläum! Ein Jubiläum, das nicht nur für uns, sondern auch innerhalb der Jüdischen-Museen-Landschaft ein ganz besonderes ist.</p>
<p>Daher diesmal ein Artikel in &#8220;eigener Sache&#8221;. Wir haben in diesem Jubiläumsjahr sehr viel vor und selbstverständlich halten wir Sie hier und in unserem Newsletter ständig auf dem Laufenden.</p>
<p class="centered"><img class="ob" src="http://www.ojm.at/blog/bilder/logoOJM.jpg" width="240" height="240" alt="Logo Österreichisches Jüdisches Museum" /></p>
<p><br class="clear" /></p>
<p>2012 feiert das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt sein 40-jähriges Bestehen. Das gesamte Jahresprogramm, das mit einer Reihe innovativer musealer Angebote aufwartet, steht im Zeichen dieses Jubiläums. Highlights des Jubiläums-Jahresprogramms 2012 sind </p>
<ul>
<li><strong>die Stadt- und Straßenausstellung &#8220;Ver-/Be-gangen&#8221;</strong> und  </li>
<li><strong>die Präsentation eines &#8220;Reiseführers durch das jüdische Burgenland&#8221;</strong> </li>
</ul>
<h3>VER-/BE-GANGEN</h3>
<p>Das Projekt &#8220;Ver-/Be-gangen&#8221; präsentiert sich als temporäre Stadt- und Straßenausstellung und damit als museales Projekt außerhalb des musealen Raums. Es soll ab Frühjahr 2012 Spuren des jüdischen Eisenstadt für EisenstädterInnen und EisenstadtbesucherInnen sicht- und begehbar machen: Schauplätze ehemaligen jüdischen Lebens sollen durch Bodenmarkierungen und Textfelder kenntlich gemacht und damit Impulse des Erinnerns in das Eisenstädter Stadtbild eingetragen werden. Ziel des Ausstellungsprojekts ist die Ver-öffentlich-ung musealer Erinnerungs-Arbeit – als Aufbereitung der jüdischen Geschichte Eisenstadts im öffentlichen Raum, außerhalb der &#8220;Laborsituation Museum&#8221;.  </p>
<h3>REISEFÜHRER DURCH DAS JÜDISCHE BURGENLAND</h3>
<p>Auch in punkto Jubiläumspublikation geht das Österreichische Jüdische Museum ungewöhnliche Wege: Anstelle einer üblichen Jubiläums-Festschrift wird ein „Reiseführer durch das jüdische Burgenland“ präsentiert. Der &#8220;Reiseführer&#8221;, der die LeserInnen durch die ehemaligen jüdischen Gemeinden des Burgenlands begleitet, will Burgenland-Besucher und alle Interessierten einladen, Spuren des traditionsreichen jüdischen Lebens in der Region vor Ort zu entdecken. Der &#8220;Reiseführer durch das jüdische Burgenland&#8221; wird in deutscher und englischer Sprache erscheinen und soll im Herbst präsentiert werden. </p>
<p>Außerdem bringt das Jubiläumsjahr unter anderem neue Kinderprogramme, Hebräischkurse, zahlreiche literarische und musikalische Veranstaltungen sowie den weiteren Ausbau des Online-Angebots, das sich schon jetzt als substantieller Teil der musealen Gesamtidentität präsentiert (<a href="http://koschere-melange.at/" title="Interner Link zur Startseite des Blogs">Blog &#8216;Koschere Melange&#8217;</a>, <a href="http://www.facebook.com/ojmEisenstadt" title="Externer Link zu 'facebook.com/ojmEisenstadt'">Facebook</a>, <a href="https://twitter.com/JewishMuseumAT" title="Externer Link zu 'twitter.com/JewishMuseumAT">Twitter</a>).</p>
<p>Das Österreichische Jüdische Museum in Eisenstadt wurde 1972 als erstes jüdisches Museum in Österreich nach 1945 gegründet und zählt zu den Pionieren unter den jüdischen Museen Europas. Die Initiative zur Museumsgründung kam vom Vorstand des Instituts für Judaistik der Universität Wien, Univ.-Prof. DDr. Kurt Schubert, unterstützt durch den damaligen Landesrat für Kultur und späteren Bundeskanzler Dr. Fred Sinowatz, der bis zu seinem Tod im Jahr 2008 als Präsident des Trägervereines des Museums fungierte. </p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[310112]" title="Das Wertheimerhaus, ca. 1921"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/hausGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/haus.jpg" width="550" height="344" alt="Das Wertheimerhaus, ca. 1921" /></a></p>
</div>
<p class="centered">2011 feierte das Burgenland seine 90-Jahr-Feier. 1921 beherbergte das Wertheimerhaus noch die &#8220;Weinhandlung Leopold Wolf&#8217;s Söhne&#8221; und im Nebenhaus, im heutigen <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/09/27/ein-entzueckendes-kleines-barockpalais/" title="Interner Link zum Artikel 'Ein entzückendes kleines Barockpalais'">Landesmuseum</a>, errichtete Sandor Wolf seine &#8220;Wolf-Sammlung&#8221; mit einem sehr großen Judaicabestand.<br />
2012 feiert das jüdische Museum in Eisenstadt sein 40-jähriges Jubiläum.  </p>
<p>Das Österreichische Jüdische Museum hatte das Glück, sich im Palais des ungarischen Landesrabbiners Samson Wertheimer in der ehemaligen Judengasse von Eisenstadt einrichten zu können; somit befindet es sich an einem Ort, an dem jüdisches Leben seit dem Mittelalter belegt ist und mehr als 300 Jahre lang eine namhafte jüdische Gemeinde angesiedelt war. Das Museum mit hauseigener Synagoge ist dieser einzigartigen jüdischen Geschichte Eisenstadts und der Region inhaltlich verpflichtet. Es bietet auf rund 1000 m² Ausstellungsfläche einen informativen und ästhetischen Rahmen für die Geschichte, Religion und Kultur des österreichischen, insbesondere des burgenländischen Judentums.</p>
<p class="tipp">Quelle: <a href="http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120130_OTS0204/oesterreichisches-juedisches-museum-programmvorschau-zum-40-jahr-jubilaeum" title="Externer Link zu 'ots.at...'">ots.at vom 30. Jänner 2012</a>.</p>
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		<item>
		<title>Der Golfkrieg 1991</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2012/01/22/der-golfkrieg-1991/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 08:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus meinen Memoiren Vor 21 Jahren begann hier der wohl eigenartigste Krieg in der Geschichte des Staates Israel: der Golfkrieg. Dieser, im Westen Zweiter Golfkrieg genannt, bezeichnet den Krieg im Nahen Osten, der 1990 mit dem Einmarsch des Iraks in Kuwait begann und 1991 durch eine von den USA geführte Koalition beendet wurde. Am 24. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3> Aus meinen Memoiren</h3>
<p>Vor 21 Jahren begann hier der wohl eigenartigste Krieg in der Geschichte des Staates Israel: der Golfkrieg. Dieser, im Westen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Golfkrieg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Zweiter Golfkrieg</a> genannt, bezeichnet den Krieg im Nahen Osten, der 1990 mit dem Einmarsch des Iraks in Kuwait begann und 1991 durch eine von den USA geführte Koalition beendet wurde. Am 24. Dezember 1990 drohte der irakische Präsident <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Saddam_Hussein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Saddam Hussein</a>, dass Israel das erste Ziel eines Angriffs sein werde, sollten die Koalitionsstreitkäfte angreifen. Soweit ich mich erinnern kann, wurde hier in Israel damit gerechnet, dass er Raketen mit Giftgas hierher schießen könne. Saddam Hussein spielte hier ganz sicher absichtlich psychologisch mit dem jüdischen Trauma vom Giftgas. Seine Drohungen wurden ernst genommen; schließlich hatte er in der Vergangenheit schon Giftgas eingesetzt: gegen den Iran und gegen die Kurden.<br />
Die USA stationierten daraufhin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/MIM-104_Patriot" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Patriot</a>-Raketen (gegen Raketenangriffe) in Israel und anderen gefährdeten verbündeten Ländern.</p>
<h4>Kriegsvorbereitungen in Israel</h4>
<p>Angesichts dieser Drohungen musste die israelische Regierung entscheiden, wie sie sich verhalten sollte. Es wurde heftig über einen Vergeltungsschlag auf etwaige Angriffe diskutiert. Die Charedim (Ultra-Orthodoxe) waren eindeutig dagegen. </p>
<blockquote><p>Die Gojim machen lassen und sich nur ja nicht einmischen, so wie es heißt &#8216;Gott wird für euch kämpfen, und ihr sollt stillsitzen&#8217; </p></blockquote>
<p><cite>Exodus 14,14</cite>,</p>
<p>verlautete es aus Kreisen von charedischen Rabbinern, darunter von dem auch politisch einflussreichen Raw <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Elazar_Shach" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Schach</a> aus Bnei-Brak. Die Regierung schloss sich dieser Linie an, vor allem auch, weil die Amerikaner Israel sehr darum gebeten hatten, nur ja nichts zu unternehmen: eine Reaktion Israels hätte nur die ohnehin sehr fragile Koalition der USA mit Ägypten und Saudi-Arabien zunichte gemacht. </p>
<p>Armee und Verteidigungsministerium arbeiteten inzwischen an Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, die ja diesmal den militärischen Schlag abkriegen würde. Es gab nicht genug Bunker für die gesamte Bevölkerung, und schon gar keine, die gegen chemische und biologische Angriffe ausgerüstet waren. Auch gab es damals noch keine betonverstärkten Sicherheits-Zimmer in Wohnungen, wie sie heute gebaut werden (und zwar als Folge des Golfkrieges).</p>
<p>Es wurde daher Folgendes beschlossen:<br />
Als persönliches Verteidigungsmittel erhält jeder israelische Bürger, und auch jeder Tourist, vom Staat eine Gasmaske. Asthmakranke und kleine Kinder erhalten zusätzlich eine batteriebetriebene Luftpumpe dazu, damit sie genug Luft bekommen.<br />
Mit der Maske erhält außerdem jeder eine Atropin-Spritze. Atropin ist ein Gegengift gegen Nervengas. </p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaske.jpg" width="550" height="416" alt="Gasmaske mit Atropin-Spritze" class="centered" /></p>
<p class="centered"><a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gas_mask.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
<p>Weiters soll jeder Haushalt ein Zimmer bereitstellen, das im Notfall abgedichtet werden kann. Es soll so wenige Fenster und Türen wie möglich haben. Etwaige Scheiben sind mit dicken Plastikfolien als Splitterschutz zu bekleben. Die Spalten aller Zimmeröffnungen müssen, nachdem sich im Falle eines Angriffs alle Anwesenden in das Zimmer begeben haben, mittels eines breiten Klebebandes (manchmal wird übrigens ein solches bis heute als &#8220;Kriegs-Klebeband&#8221; bezeichnet) abgedichtet werden – damit kein Giftgas eindringen kann. Aus demselben Grund ist die untere Türspalte mit einem in Chlorbleiche getränkten Tuch abzudichten. (Ein schönes G&#8217;rucherl war das!)</p>
<p>Die Verteilung von Masken mit batteriebetriebenen Luftpumpen, von denen es anfangs nur eine beschränkte Anzahl gab, verursachte kuriose Debatten, wie es sie wohl nur in Israel geben kann: Politiker der orthodoxen Partei &#8220;Agudat Israel&#8221; ereiferten sich darüber, dass Bartträger keine Gasmasken mit Luftpumpe bekämen, so wie Asthmatiker. Dies sei ein Schlag gegen das torahtreue Judentum, denn religiöse Juden dürften sich ja unter keinen Umständen den Bart abscheren. Dadurch sei ihr Leben bedroht. Einige Rabbiner erklärten zwar, dass die Kahlrasur im Falle von Lebensgefahr nicht nur erlaubt, sondern sogar religiöse Pflicht sei, wie der Oberrabbiner von Ra&#8217;anana, Raw <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Yitzhak_Peretz_(politician_born_1938)" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Jitzchak Perez</a>, der mit eigenem Beispiel voranging und sich bartlos der Öffentlichkeit präsentierte, doch in weiten Kreisen der Orthodoxen blieb eine solche Haltung extrem unpopulär. Für meinen Mann Schmuel ergab sich ein derartiges Problem nicht, da er als chronisch Asthma-Kranker eine Luftpumpe erhielt. Aber auch die glücklicherweise gesunden Charedim mussten ihr Leben nicht wegen des Barttragens opfern, denn der Staat verschaffte schließlich auch ihnen Pumpen.</p>
<h4>Der Krieg beginnt</h4>
<p>Am 1. Sch&#8217;wat (17. Jänner 1991), dem Tag vor dem Jahrzeittag meines seligen Schwiegervaters, den ich nie kennengelernt habe, begann der Luftangriff der amerikanischen Luftwaffe auf den Irak. Schmuel war in einem Dilemma: das Grab des Vaters auf dem Friedhof in Cholon aufsuchen oder nicht? Die Entscheidung wurde ihm dann schließlich durch den Verlauf der Dinge abgenommen.</p>
<p>Ich habe immer noch die triumphierenden Worte von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ezer_Weizmann" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Ezer Weizmann</a> in den Ohren, damals Knesset-Abgeordneter und seinerzeit der Errichter der israelischen Luftwaffe, dem dieser massive Luftschlag offenbar gewaltig imponierte: <em>&#8220;Den Irakern werden die Hände zittern, ehe sie wagen, uns anzugreifen!&#8221;</em> Nun, die Hände der Iraker werden wohl gezittert haben, aber das hielt sie nicht davon ab, einen Tag später ihre Drohungen wahr zu machen.</p>
<p>In der Nacht auf den 2. Sch&#8217;wat (18. Jänner) war stürmisches Wetter; über Tel-Aviv und Umgebung tobte ein Gewitter. Da ertönten plötzlich die Sirenen. Auf und ab, auf und ab. Dann krachte es, in einiger Entfernung zwar, aber doch deutlich vernehmbar. Aus dem Radio tönte die Stimme des nachmals legendären Sprechers der israelischen Streitkräfte,<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Nachman_Shai" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"> Nachman Schai</a>: </p>
<blockquote><p>Ist es eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scud" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Rakete</a> oder ist es Donner? Inzwischen gehen Sie bitte ins &#8216;abgedichtete&#8217; Zimmer und legen die Gasmasken an, bis die Sache geklärt ist. Bleiben Sie ruhig und trinken Sie Wasser!
</p></blockquote>
<p>Inzwischen klatschten schwere Regentropfen aufs Dach.<br />
Ich war mir absolut sicher, dass das kein Donner war. So hört sich kein Donner an! Wir eilten also mit den Kindern ins &#8220;abgedichtete&#8221; Schlafzimmer. Mein Herz begann zu rasen; Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl und Schweißausbrüche folgten. Das war eine Giftgasrakete, das sind die Anzeichen einer Nervengasvergiftung!!! Oder etwa doch nicht? Vielleicht doch nur ein Adrenalinschub mit all den bekannten Begleiterscheinungen? <em>&#8220;Man muss prüfen, ob die Pupillen verengt sind!&#8221;</em>, schoss es mir durch den Kopf. Aber halt, vielleicht sind sie das bei Aufregung auch? Während mir das alles durch den Kopf schoss, legte ich mir die Gasmaske an und zurrte sie fest. Dazu musste ich natürlich die Brille ablegen, ohne die ich, als stark kurzsichtige Person, nicht viel sehe, und ganz sicher keine verengten Pupillen von Mann und Kindern. </p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[220112]" title="Die Autorin mit Gasmaske"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeCGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeC.jpg" width="550" height="270" alt="Die Autorin mit Gasmaske" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Die Autorin mit aufgesetzter Gasmaske neben dem &#8220;Zelt&#8221; fürs Baby. Die grauen Flächen sind die Filter und an der runden Öffnung auf der Vorderseite war innen ein Plastikärmel mit Handschuh befestigt, damit man das Baby versorgen kann.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[271111]" title="Die beiden ältesten Töchter der Autorin, die Größere (Tamar) mit Gasmaske" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeKGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gasmaskeK.jpg" width="250" height="509" alt="Die beiden ältesten Töchter der Autorin, die Größere (Tamar) mit Gasmaske" /></a></p>
</div>
<p>Bild: Die beiden ältesten Töchter der Autorin. Die Große, Tamar, hat hier eine Gasmaske auf, auf der der Filter aber noch nicht aufgeschraubt ist. Auch sie hätte, wie ihre jüngere Schwester, eine Kapuze bekommen sollen. Allerdings gab es damals nicht genug von diesen und so mussten auch 5jährigen it einer Gasmaske für Kinder vorlieb nehmen.</p>
<p class="tipp2">Gemäß den Anweisungen sollte jeder, der dazu imstande war, zuerst selbst die Maske anlegen und dann erst den Kindern oder Hilflosen. Nachdem ich mir das Ding also aufgesetzt hatte (kurzer Test: alles dicht? Jawohl!), schob ich unseren damals 4 Monate alten Sohn Motti (= Mordechai, so benannt nach meinem oben erwähnten Schwiegervater) in sein Zelt, legte dann der bald 5-jährigen Tami ihre Gasmaske an und schließlich der 2 ½-jährigen Dina ihre speziell für Kinder konstruierte Kapuze mit batteriebetriebener Luftzufuhr. <a href="http://www.israelimages.com/see_image_details.php?idi=2394" title="Externer Link zu 'israelimages.com...'">Beispiel für so eine Kapuze</a>. Fertig. </p>
<p>Da fiel mein Blick auf Schmuel. Der saß gerade im Bett und zog sich umständlich die Socken an.<br />
<em>&#8220;Was tust du denn?!&#8221;</em>, rief ich entsetzt aus. <em>&#8220;Warum setzt Du dir nicht die Gasmaske auf?!&#8221;</em> Er warf mir einen konfusen Blick zu und murmelte etwas wie: <em>&#8220;Ich habe gehört, dass das Gas auch durch die Ohren in den Körper eindringen kann.&#8221;</em> Diese Antwort – das muss ich gestehen – hat mich sogar in dieser Situation äußerst belustigt und die unerträgliche Spannung etwas gelöst. Was haben wir alle noch später darüber gelacht! Dann hat auch Schmuel schließlich seine Maske aufgesetzt.</p>
<p>Wir hatten inzwischen auch die Eingangstür zum Schlafzimmer mit Plastikplanen und breiten Klebebändern zugeklebt. Dina fragte interessiert, warum wir denn die <em>&#8220;Tür in ein Plastiksackerl stecken&#8221;</em>, und phantasierte etwas über einen &#8220;Gas-Schnuller&#8221;. Damit meinte sie wohl die Gasmasken. Ich hatte ihr nämlich erzählt, dass sich innen in der Maske ein Trinkrohr befinde, so etwas &#8220;wie ein Schnuller&#8221;. Sie selbst trug, wie bereits erwähnt, eine Gas-Kapuze. Ihren heißgeliebten Schnuller hatte sie darunter in ihrem Mund. Als er ihr einmal herausgefallen ist, war es eine ziemliche Prozedur, das Ding durch die Plastikschicht hindurch wieder in ihr Mäulchen zu bugsieren.<br />
Inzwischen hatte sich herausgestellt (wie ich ohnehin schon von Anfang an vermutet hatte), dass der Krach, den wir gehört hatten, tatsächlich von einer Scud-Rakete stammte – und zwar von einer konventionellen.<br />
Ein paar Leute hatten sich in Panik die Atropin-Spritzen injiziert und wurden daraufhin im Spital behandelt. Da die Giftmenge aber nur gering war und sowieso nur als Erste Hilfe gedacht war, so ist dadurch niemandem etwas Ernstes passiert.</p>
<h4>Raketenangriff!</h4>
<p>Weitere Raketen folgten im Laufe der kommenden Tage (insgesamt wurden 40 Scuds auf Israel abgefeuert). Abwechselnd tönte es dann: &#8220;Nachasch Zefa&#8221; (= Vipernschlange; Code zum Betätigen der Sirenen)</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/treKFYMbNQ4?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/treKFYMbNQ4?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p>oder &#8220;Scharaw kawed&#8221; (= schwerer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chamsin" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Chamsin</a>; Zeichen dafür, dass die Gefahr vorbei ist) aus dem jetzt immer laufenden Radio. </p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/shelter.jpg" width="369" height="265" alt="Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gulfwar_1991_in_Israeli_shelter.jpg" /><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Gas_mask.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Keine einzige Scud enthielt Giftgas, doch fuhren wir, gemäß den Anweisungen des Verteidigungsministeriums, mit dem Aufsetzen der Gasmasken und dem Abdichten der Räume weiterhin fort. Die nächste Rakete könnte ja doch Giftgas enthalten!</p>
<p>Nachman Schai wurde zum &#8220;Beruhiger der Nation&#8221; und provozierte mit seinem mantra-artigen Ratschlag <em>&#8220;Wasser trinken!&#8221;</em> viel Spott und Parodien.<br />
In den ersten Tagen des Krieges kam es bei Raketenalarm beinahe zum Zusammenbruch des Stromnetzes, weil man im ganzen Land fast gleichzeitig den Strom in nicht benützten Zimmern abschaltete. Die Elektrizitäts-Gesellschaft bat die Bevölkerung inständig, doch die Lichter brennen zu lassen.<br />
Eine andere Begleiterscheinung der Angriffe waren Plünderungen von Wohnungen.  Wegen der Anweisung, die Türen im Alarmfall unverschlossen zu lassen (für die Rettungskräfte), hatten kriminelle Zeitgenossen leichtes Spiel und bedienten sich schamlos am Besitz anderer, während die Hauseigentümer zitternd im &#8220;abgedichteten&#8221; Zimmer hockten. </p>
<p>Nicht alle folgten übrigens den Anweisungen: nicht wenige Wagemutige steckten nicht nur den Kopf aus dem Fenster (&#8220;Raketen schauen&#8221;), sondern stiegen sogar aufs Dach, um besser sehen zu können. Einige haben das Schauspiel, das sich ihnen darbot, sogar fotografiert oder gefilmt: </p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/LlOi6Gl25Lg?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/LlOi6Gl25Lg?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p>Mich hätten keine zehn Pferde aufs Dach gebracht. Allerdings kam es mir auch absolut lächerlich und absurd vor, sich gegen Raketen mit Plastikplanen zu schützen &#8230;</p>
<p>Die Spannung blieb immer bestehen. Obwohl die ersten paar Raketen alle konventioneller Art waren, war man sich nie sicher, ob das Gas nicht doch noch kommen würde. Gegen die Kurden hatte Saddam ja auch Giftgas eingesetzt – da wird er es gerade gegen Israel unterlassen?<br />
Während der ganzen Kriegstage wurde im Rundfunk kein Wetterbericht gesendet. Man wolle dem Feind keine Informationen über die regionale Wetterlage bieten, hieß es als Begründung. Als ob die israelischen Medien die einzige Informationsquelle dazu wären. Naja.<br />
Die Medien-Berichte über während der Attacken vor Freude tanzende Araber in Israel und den &#8220;Gebieten&#8221; (<em>&#8220;Ja Saddam, ja chabib, udrub udrub Tel-Aviv&#8221;</em> = O Saddam, o Lieber, schlage, schlage Tel-Aviv) versetzten die jüdische Öffentlichkeit in Rage, ja sogar ausgesprochen links Stehende.<br />
Wie in jedem Krieg, so machten auch hier zahlreiche Erzählungen über diverse &#8220;<a href="http://www.benmelech.org/z-def/english/israel-bailey.htm" title="Externer Link zu 'benmelech.org'...">Kriegswunder</a>&#8221; die Runde, ganz besonders natürlich in religiösen Kreisen. </p>
<h4>Gestörte Schabbat-Ruhe</h4>
<p>Freitag Nachmittag, kurz vor Schabbat-Eingang. (An das genaue Datum kann ich mich nicht mehr erinnern.) Die Sirene, die normalerweise den Beginn des Ruhetages anzeigt, ertönte an diesem Tag nicht. Der Sirenenklang könnte die Menschen in unnötige Panik versetzten. Ich drehte unser Transistorradio auf und stellte die sogenannte &#8220;Stille Welle&#8221; ein, einen mit Billigung der maßgeblichen Rabbiner eingerichteten besonderen Sendekanal für religiöse Juden am Schabbat. Wie der Name besagt, herrschte auf dieser Frequenz Funkstille, nur im Alarmfall wurden die notwendigen Warnungen und Durchsagen gesendet.<br />
Schmuel zog seinen Schabbat-Kaftan an und setzte den Hut auf. <em>&#8220;Schmuel, du wirst doch wohl nicht in die Synagoge gehen?&#8221;</em>, meinte ich besorgt. – <em>&#8220;Doch, ich gehe. Es passiert eh nichts.&#8221;</em> Und draußen war er. Die Gasmaske nahm er nicht mit. Er trägt nämlich am Schabbat auf der Straße nicht, obwohl es hier einen &#8220;Eruw&#8221; gibt. (Die halachische Erklärung dafür verstehe ich auch nicht so recht, bitte einen Rabbiner fragen&#8230;) </p>
<p>Da saß ich nun mit den drei kleinen &#8220;G&#8217;schrapperln&#8221;. <em>&#8220;Hoffentlich bleibt alles ruhig&#8221;</em>, dachte ich etwas nervös und blickte auf die Straße. Es blieb nicht. Plötzlich begannen die Sirenen zu heulen. Oh nein!!! Schnell packte ich die Kinder, verbarrikadierte mich mit ihnen im &#8220;Kriegszimmer&#8221; und absolvierte die übliche Gasmasken- und Abdichtungsprozedur, die irgendwie etwas Beruhigendes an sich hatte, weil man sich der Illusion hingeben kann, &#8220;etwas zu tun&#8221;. Danach sagte ich Tehillim (Psalmen).</p>
<p>Mitten im Geheul war ein Rumsen zu vernehmen – aber weniger deutlich als in der ersten Kriegsnacht. Auch die &#8220;Stille Welle&#8221; war mittlerweile zum Leben erwacht, es kamen die üblichen Durchsagen.<br />
Dann waren in einiger Entfernung Sirenen von Einsatzfahrzeugen zu hören, wieder und wieder. Die blieben dann in einiger Entfernung stehen (soweit man das durch bloßes Hören abschätzen kann). Durchsagen aus Lautsprechern schallten durch die dunkle Nacht. Wo ist Schmuel?!<br />
Sodann wurde die Durchsage gesendet, es handle sich wieder um eine konventionelle Scud. Wo genau sie gefallen war, sagte man aber natürlich nicht. Wieder sah ich aus dem Fenster. Ein Igel lief auf der leeren Straße herum. Wo bleibt denn nur mein Mann? Nun, der kam dann auch endlich heim. Ja, auch er hatte die Explosion gehört, anscheinend stärker als ich hier. Er muss also näher dran gewesen sein.</p>
<p>Wie wir später hörten, war die Rakete in Ramat-Gan, unmittelbar an der Grenze zu Bnei-Brak, gefallen und hatte ein Wohnhaus in Schutt und Asche gelegt. Die religiöse Familie, die dort wohnt, war zum Glück nicht zu Hause gewesen. Es hieß, die Leute wollten ursprünglich den Schabbat zu Hause verbringen und hätten auch alle notwendigen Vorbereitungen getroffen. Da hätte plötzlich die Frau darauf gedrängt, zu ihren Eltern nach Bnei-Brak zu gehen, und der Mann hätte sich seufzend gefügt. Nachher muss er sich an Gottes Anweisung an den Erzvater Abraham erinnert haben: </p>
<blockquote><p>Höre auf alles, was deine Frau sagt! </p></blockquote>
<p><cite>Genesis 21,12</cite></p>
<p>Obwohl unser Haus vom Ort des Geschehens nur einige hundert Meter entfernt ist, habe ich die Explosion hier nur relativ schwach gehört, weil zwischen dem betroffenen Haus und unserem ein Hügel liegt. Es war allen klar, was die Iraker eigentlich treffen wollten: eine militärische Einrichtung unweit von hier, in Ramat-Gan. Es gab auch noch weitere Versuche, diese zu treffen, weshalb die Stadt Ramat-Gan auch noch einige weitere Raketen abgekriegt hat.<br />
In der näheren Umgebung der Explosion waren alle Fensterscheiben zu Bruch gegangen, so auch im Haus einer Cousine meiner Schwiegermutter, Piri. Die alte Dame hat einen leichten Schock erlitten, ist aber ansonsten unversehrt geblieben. Den Schaden hat der Staat bezahlt, weil er durch eine feindliche Handlung verursacht worden war. </p>
<h4>Galgenhumor und ein alt-neuer Hit</h4>
<p>Wie unter Juden nicht anders möglich, begannen auch bald verschiedene Witze zu kursieren. [Beispiele?] Im Radio tauchten im Laufe des Krieges neue Lieder auf, darunter auch zahlreiche Spottlieder auf Saddam Hussein. Das bekannteste davon war <em>&#8220;Ja Saddam, ja metumtam&#8221;</em>, das den folgenden Refrain hatte (leider habe ich keine Aufnahme davon bzw. einen Link dazu):</p>
<blockquote><p>Ja Saddam teze mischam<br />
Adon Saddam ja metumtam<br />
Teze mischam teze mischam<br />
Se lo Iran-Amerikan teze mischam<br />
Bum bum bum – Bush!</p>
<p>Übersetzung:<br />
Oh Saddam geh raus von dort<br />
Herr Saddam, oh Depp<br />
Geh raus von dort, geh raus von dort<br />
Das ist nicht Iran-American, geh raus von dort</p></blockquote>
<p>In religiös-jüdischen Kreisen erschienen Cartoons, in denen Saddam mit dem bösen <a href=" http://de.wikipedia.org/wiki/Haman" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Haman</a> verglichen wurde.<br />
Im Radio war auch besonders oft die alte Schnulze <em>&#8220;Sugar Bush I love you so&#8221;</em> zu hören, zu Ehren des damaligen amerikanischen Präsidenten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/George_H._W._Bush" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">George Bush senior</a>. Bis zu diesem Zeitpunkt war derselbe hierzulande als Israel wenig gewogen empfunden worden. Nun änderte sich die Einschätzung schlagartig: Bush wurde als Schützer Israels gepriesen und das obengenannte Lied zur Lobeshymne für ihn umfunktioniert. </p>
<div class="centered">
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</div>
<h4>Alltag in abnormalen Zeiten</h4>
<p>In Bnei-Brak wurden, wie bereits erwähnt, in diesem Zeitraum die sonst üblichen Sirenen zur Verkündung des Eingangs des Schabbat nicht betätigt, damit die Leute nur ja nicht unnötig in Panik gerieten. Aus demselben Grund unterblieb nach den ersten paar Alarmen die Betätigung des gleichbleibenden Sirenentons zur Entwarnung. </p>
<p>Manche Leute, vornehmlich Frauen, waren so hysterisch, dass sie nicht einmal piepende Armbanduhren, pfeifende Kinderspielzeuge und alles, was sich nur im Entferntesten wie eine Sirene anhörte, hören wollten. Selbst das Geräusch eines fahrenden Autobusses in gewisser Entfernung erweckte unangenehme Assoziationen.</p>
<p>Andere Leute waren da mutiger (oder dümmer?). Viele unterließen das Anlegen von Gasmasken: einige besonders Religiöse aus Gottvertrauen; einige, weil sie überzeugt waren, dass sie im Ernstfall eh nichts nutzen.<br />
Mit fortschreitendem Krieg – das muss ich hier festhalten – wurde meine Reizschwelle offenbar immer höher. Zum Schluss wachte ich in der Nacht von den Sirenen gar nicht mehr auf und legte auch keine Gasmaske mehr an. Irgendwie stumpft man ab und wird gleichgültig, und das ist in gewisser Beziehung ja auch gut so.<br />
Mit Ausbruch des Krieges blieben alle Erziehungseinrichtungen – Schulen und Kindergärten – zunächst einmal geschlossen. Dann wurde verfügt, dass der Betrieb wieder aufzunehmen sei, nur müsse jedes Kind seine Gasmaske mitbringen (und überhaupt sollte jedermann, der aus dem Haus ging, seine Maske überallhin mitnehmen). Und um den Kindern im Notfall beim Anlegen der Gasmasken zu helfen – was ja bei zwei Kindergärtnerinnen nicht schnell genug geht –, mussten 1 – 2 Mütter als Freiwillige im Kindergarten anwesend sein. Einige Male erfüllte ich selbst diese Aufgabe, weil ich ja damals noch nicht arbeiten ging. Ich begleitete also Tamar, die stolz ihre mit buntem Papier beklebte Schachtel mit der Gasmaske trug; Dina, die damals noch nicht in den Kindergarten ging, kam auch mit (mit ihrer Kapuze), und natürlich auch Motti, dessen Zelt ich ebenfalls mitschleppte. Alle Schachteln mit den Masken der Kinder kamen in eine eigens dafür eingerichtete Ecke, und der gewohnte Kindergarten-Alltag nahm seinen Lauf. Tagsüber hatte es ja bisher keine Angriffe gegeben.</p>
<h4>Ein Heidenschreck!</h4>
<p>An einem Freitag holte ich Tamar aus dem Kindergarten ab. Dina und Motti waren bei Schmuel zu Hause geblieben. Ich selbst hatte meine Maske nicht dabei. Zusammen mit Tamar ging ich dann Schoschi, eine ältere Dame und Verwandte meiner Schwiegermutter, besuchen. Das Wetter war nicht besonders, es sah aus, als wolle es regnen.<br />
Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich und begannen, wie gewohnt, über dieses und jenes zu plaudern. Da blitzte und krachte es plötzlich so heftig, dass die hölzernen Rollläden beinahe zerbarsten. Im selben Moment begann eine Sirene zu jaulen, mitten hinein in die jäh entstandene Totenstille. Du liebe Güte, war das ein Schreck! Sofort nestelte ich an Tamars Gasmaske herum und setzte sie ihr auf. Was wird jetzt mit mir, was wird aus Schoschi, die überhaupt keine Maske hat? Aber da hieß es im Radio schon: <em>&#8220;Es handelt sich um einen Blitzschlag, das ist kein Raketenangriff&#8221;</em>. Ich wiederhole: <em>&#8220;Das ist kein Raketenangriff!&#8221;</em><br />
Nachher bin ich mit noch leicht zitternden Knien mit meiner kleinen Tochter nach Hause geschlichen.</p>
<h4>Das Purimwunder</h4>
<p>Und dann war dieser eigenartige Krieg plötzlich zu Ende, passenderweise genau zu Purim. Ich erinnere mich noch an Leute, die jetzt spaßeshalber, quasi als Purim-Verkleidung, mit aufgesetzten Gasmasken herumzogen und lachten. Manche hatten die Masken bemalt oder mit Micky-Maus-Ohren und anderen Accessoires verziert.<br />
Nach israelischen Angaben betrugen die Verluste unter der Bevölkerung insgesamt 74 Zivilisten. Davon starben zwei Personen direkt, vier indirekt durch Erstickung aufgrund von Gasmasken und die Restlichen durch Herzinfarkte.</p>
<p class="tipp">Jetzt zählen wir das Jahr 2012 und wieder wehen im Nahen Osten Kriegswinde. Man hat hier auch wieder Gasmasken an die Bevölkerung verteilt. Ich habe sie inzwischen in der Rumpelkammer verstaut und hoffe stark, dass sie auch in Hinkunft dort verbleiben. Amen!</p>
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		<title>Flaschenpost an die Zukunft</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 08:26:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guenter</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt. Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erinnerung an den Lyriker Gabor Hajnal</h3>
<p>Nach längerer Enthaltsamkeit als Gastautor dieses Bloggs möchte ich mich heute wieder zu Wort melden und auf einen aus dem südlichen Burgenland stammenden jüdischen Lyriker aufmerksam machen, dessen Geburt sich im kommenden Herbst zum 100. Male jährt.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/gaborHajnal.jpg" width="250" height="318" alt="Gabor Hajnal" /></p>
</div>
<p>Sein Name: Gabor Hajnal. Das Licht der Welt hat dieser Mann am 4. Oktober 1912 in Kohfidisch erblickt, das damals noch zum westungarischen Komitat Vas im Königreich Ungarn gehörte (zur Gründung des österreichischen Bundeslandes Burgenland kam es bekanntlich ja erst im November 1921), gestorben ist er am 26. Jänner 1987, also vor demnächst 25 Jahren, in Budapest. In Hajnals Geburtsort Kohfidisch (im Bezirk Oberwart gelegen) gab es damals (und gibt es auch heute noch) ein Schloss der ungarischen Magnatenfamilie Erdödy.</p>
<p>Hajnal hieß bei seiner Geburt Holzer und war der Sohn einer jüdischen Kaufmanns- und Gastwirtefamilie in Kohfidisch, die 1920 nach Steinamanger/ Szombathely  übersiedelte und  ihren Namen auf Hajnal magyarisieren ließ. In Steinamanger absolvierte der junge Gabor das Gymnasium und maturierte dort 1930. Danach studierte er an der Universität in Budapest Jus, war viele Jahre als Beamter im Justizministerium in der ungarischen Metropole tätig, ehe er sich zu einem Leben als Freier Schriftsteller und Übersetzer entschloss.</p>
<p>Vor dem Zweiten Weltkrieg übersetzte er Größen der deutschsprachigen Dichtung wie Goethe, Hölderlin, Heine, Rilke, Lenau und Grillparzer ins Ungarische, in den Sechziger- und Siebziger- Jahren des vorigen Jahrhunderts dann Georg Trakl, Bertold Brecht, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, H.C. Artmann und Erich Fried. Manchmal hatte er sogar das beklemmende  Gefühl, dass ihn seine vielfältige Übersetzungsarbeit doch ein wenig an der Produktion seiner eigenen Lyrik hindere, was er poetisch einmal so ausdrückte:</p>
<blockquote><p>Die Schatten ungeschriebener Gedichte umflattern mich<br />
Während ich fremde Verse stille“.
</p></blockquote>
<p>Die Kriegsjahre 1939 – 1945 waren für Gabor Hajnal schwere Jahre.</p>
<blockquote><p>Als Jude diskriminiert, verlor er allmählich alle Möglichkeiten als Schriftsteller tätig zu sein, musste als Hilfsarbeiter in einer Fabrik arbeiten und schließlich als Verfolgter in verschiedenen Arbeitslagern ein ständig bedrohtes Leben fristen
</p></blockquote>
<p><cite>Klara Köttner- Benigni</cite></p>
<p>Seine eigenen Gedichte, alle ungarisch verfasst und vom Rhythmus dieser sehr melodiösen und auch ein wenig pathetischen Sprache getragen, hat Hajnal in insgesamt 18 Bänden veröffentlicht. Eine Auswahl daraus in deutscher Übersetzung  ist 1978 in der DDR- Version des Verlags Philipp Reclam in Leipzig erschienen. In einem Band mit dem Titel &#8220;Walpurgisnacht&#8221;. Seine Verse im Deutschen (nach wörtlichen Rohübersetzungen von Sprachkundigen) nachgedichtet haben ausgezeichnete DDR- Autoren wie Günter Kunert und Franz Fühmann. Fühmann betonte dabei in einem Nachwort des Bandes, dass Hajnal zweifellos zu den bedeutendsten Dichtern des damaligen Ungarn gehört. Seine Gedichte seien Zeugnis der Bewältigung bitterster Lebenserfahrungen. Sie kündeten vom Standhalten und Standgehalten-Haben auch in Hiobs- Situationen. Und Fühmann zitiert dabei ein von ihm ins Deutsche übertragene Gedicht Hajnals, in dem dies auch vom Dichter aus Kohfidisch bestätigt wird.</p>
<blockquote><p>Wenn wenigstens / winterliche Kälte kreischte / so wäre Hoffnung, dass dies einmal ende / der Frühling käme und danach der Sommer/&#8230;./ aber um uns ist Herbst / ewiger Herbst.“ Und trotzdem: „Flaschenpost sind alle meine Worte / weil ich dennoch an die Zukunft glaube.
</p></blockquote>
<p>Zum Burgenland fand Hajnal wieder in den 1970ern engeren Kontakt. Er absolvierte Lesungen (<abbr>u.a.</abbr> auf Einladung des Ungarischen Kulturvereins in Unterwart) und veröffentlichte einige seiner Gedichte in den Zeitschriften &#8220;Volk und Heimat&#8221; und &#8220;Pannonia&#8221;. Darunter auch jenes, das er als persönlichen Nachruf auf den in Paris freiwillig aus dem Leben geschiedenen galizisch-jüdischen Dichter Paul Celan geschrieben hat und von Günter Kunert ins Deutsche übertragen wurde.</p>
<blockquote><p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
trommelte in die Ohren<br />
es prasselt der Regen und<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
trommelt und trommelt und<br />
du begreifst nicht begreift nichts<br />
es wirbelt die Trommel.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
In nichts.</p>
<p>Von Tür zu Tür tritt die Nachricht<br />
sein Leichnam sein gefunden<br />
es trommelt in die Ohren<br />
in den Tod ging der Überlebende<br />
seinen Platz hatte er vergeblich gesucht.</p>
<p>Flucht vor langsam mahlender Qual<br />
durch Qual zerberstend im Augenblick<br />
in nichts.</p>
<p>Seiner Worte Trommelwirbel<br />
schreckt dich auf in der Nacht<br />
durchbebt den Morgen<br />
begreifst du nichts? Begreifst du nichts?</p></blockquote>
<div class="centered">
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</div>
<p><cite>Bildnachweis: Gerald Schlag, Burgenland. Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien</cite></p>
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		<title>Bild der Woche – Im Zentrum der Welt</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 08:13:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher und Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[jerusalem]]></category>

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		<description><![CDATA[Man könnte sich keinen besseren Ort für dieses Motiv denken: Mitten in Jerusalem, nahe dem Rathaus, findet sich diese für Jerusalem doch recht schmeichelhafte Weltkarte – ausgeführt in Keramik vom Jerusalemer Künstler Arman Darian, nach einem Original des Hannoveraner Theologen Heinrich Bünting aus 1581. Weltkarte von Arman Darian nach dem Original von Heinrich Bünting aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man könnte sich keinen besseren Ort für dieses Motiv denken: Mitten in Jerusalem, nahe dem Rathaus, findet sich diese für Jerusalem doch recht schmeichelhafte Weltkarte – ausgeführt in Keramik vom Jerusalemer Künstler Arman Darian, nach einem <a href=" http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:1581_Bunting_clover_leaf_map.jpg&#038;filetimestamp=20061130054816" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Original</a> des Hannoveraner Theologen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_B%C3%Bcnting" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Heinrich Bünting</a> aus 1581.</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[080112]" title="Weltkarte von Arman Darian nach dem Original von Heinrich Bünting aus 1581"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/karteJGRR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/karteJGR.jpg" width="550" height="446" alt="Weltkarte von Arman Darian nach dem Original von Heinrich Bünting aus 1581" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Weltkarte von Arman Darian nach dem Original von Heinrich Bünting aus 1581</p>
<p>Kuriosum am Rande: Büntings eigenwillige Darstellung &#8211; die Welt als Kleeblatt mit Jerusalem im Zentrum &#8211; zielt nicht nur auf besondere Akzentuierung Jerusalems, sondern ist gleichermaßen eine Verneigung vor seiner Heimatstadt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hannover#Wappen" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Hannover</a>, die nämlich das Kleeblatt (andere sagen freilich: eine Marienblume) im <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Coat_of_arms_of_Hannover.svg&#038;filetimestamp=20090822130540" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wappen</a> führt&#8230; </p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir den instruktiven Aufsatz Karl-Heinz Kohls zu diesen und weiteren Hintergründen der Bünting-Karte: &#8220;<a href="http://edoc.bbaw.de/volltexte/2009/1245/pdf/04_Kohl_print.pdf" title="Externer Link zu 'edoc.bbaw.de...'">Allegorien der drei Erdteile und die Entdeckung Amerikas</a>&#8221; (<acronym>PDF-Datei</acronym>, 5.8 <abbr>MB</abbr>).</em></p>
<div class="pagenavi">
<div class="page-nav">
<div class="nav-previous">
&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/12/18/bild-der-woche-chanukka-und-ein-abgeschlagener-kopf/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen Bild">  Bild der Woche &#8220;Chanukka und ein abgeschlagener Kopf&#8221;</a>&nbsp;
</div>
</div>
</div>
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		<item>
		<title>Bild der Woche – Chanukka und ein abgeschlagener Kopf</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 09:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[buchkunst]]></category>
		<category><![CDATA[chanukka]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das achttägige Chanukkafest an die Wiedereinweihung des Altars im Jerusalemer Tempel durch Judas Makkabäus 164 v.d.Z. erinnert, nachdem der seleukidische (hellenistisch-griechische) König Antiochus Epiphanes vier Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Was Judit und Holofernes mit Chanukka zu tun haben</h3>
<p>Übermorgen, am Dienstag, dem 20. Dezember, ist der 24./25. Kislew und damit Erev Chanukka. Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass das achttägige Chanukkafest an die Wiedereinweihung des Altars im  Jerusalemer Tempel durch Judas Makkabäus 164 v.d.Z. erinnert, nachdem der seleukidische (hellenistisch-griechische) König Antiochus Epiphanes vier Jahre zuvor den Tempel entweiht hatte.  So lesen wir im ersten Buch der Makkabäer 4,52-59, das sich übrigens – und das mag erstaunen – wie auch das zweite Buch der Makkabäer nicht in der hebräischen Bibel befindet! </p>
<p>Im Traktat Schabbat 21b des babylonischen Talmud werden die acht Tage mit einer Legende begründet, dass nämlich das wenige vorhandene Öl nicht ausreichte, um die Flammen des Leuchters acht Tage zu nähren, und nur ein einziges Krüglein Öl tatsächlich den Leuchter acht Tage lang speisen konnte, bis wieder neues &#8220;koscheres&#8221; (rituell taugliches) Öl zur Verfügung stand: </p>
<blockquote><p>Ein großes Wunder geschah dort!</p></blockquote>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[181211]" title="Chanukkaillustration: Birkat ha-mazon, Wien 1751"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/juditHolofernesGRR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/juditHolofernesGRR.jpg" width="550" height="628" alt="Chanukkaillustration: Birkat ha-mazon, Wien 1751" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Judit mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes. Illustration zu Chanukka im Birkat ha-mazon von Meschullam Simmel, Wien 1751.<br />
Das Büchlein ist übrigens gerade mal 8.4cm x 10.4cm groß und in unserer Dauerausstellung zu besichtigen!</p>
<p>Wir  befassen uns heute ein wenig mit den &#8220;Birkat-ha-mazon&#8221;-Büchlein, einer Sammlung von &#8211; vor allem ab dem 18. Jahrhundert &#8211; meist eher textknappen Segenssprüchen zu den verschiedensten Situationen des Alltags samt den dazugehörigen Illustrationen, die in keinem jüdischen Haushalt fehlen durften. Der älteste und nur in einem einzigen Exemplar erhaltene Druck eines solchen Büchleins wurde im Jahr 1514 in Prag herausgebracht. Einheitlich in allen Handschriften finden wir am Beginn die Segenssprüche zu den beiden Freudenfesten Purim und Chanukka, wobei insbesondere eine Bildrezension zu Chanukka nicht ganz leicht zu überblicken ist. Denn in vielen Birkat-ha-mazon-Handschriften und -Drucken ist der Chanukkatext nicht nur mit einem Leuchter illustriert, den der in zeitgenössische Tracht gekleidete Hausherr entzündet, sondern es findet sich noch zusätzlich die Darstellung von Judit, die dem schlafenden Feldherrn Holofernes den Kopf abschneidet und diesen in einen von ihrer Dienerin bereitgestellten Sack gibt. </p>
<p>Die Geschichte von Judit und Holofernes lesen wir übrigens im Buch Judit, das sich – wiederum erstaunlich – so wie die beiden Makkabäerbücher ebenfalls nicht in der hebräischen Bibel findet:</p>
<blockquote><p>Dann ging sie zum Bettpfosten am Kopf des Holofernes und nahm von dort sein Schwert herab. Sie ging ganz nahe zu seinem Lager hin, ergriff sein Haar und sagte: Mach mich stark, Herr, du Gott Israels, am heutigen Tag! Und sie schlug zweimal mit ihrer ganzen Kraft auf seinen Nacken und hieb ihm den Kopf ab. Dann wälzte sie seinen Rumpf von dem Lager und riss das Mückennetz von den Tragstangen herunter. Kurz danach ging sie hinaus und übergab den Kopf des Holofernes ihrer Dienerin, die ihn in einen Sack steckte &#8230;</p></blockquote>
<p><cite>Judit, 13, 6-10</cite></p>
<p>Ein Chanukka-<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pijjut" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Pijjut</a>, also eine religiöse Dichtung zum Fest, erklärt die Verbindung der Judith-Holofernesgeschichte mit jener von Chanukka:<br />
Demnach verbot König Antiochus Epiphanes nicht nur die Ausübung der jüdischen Religion, sondern bestimmte als weitere judenfeindliche Maßnahme, dass dem Oberkommandanten das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ius_primae_noctis" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">ius primae noctis</a>&#8221; zustehe. Als dieses aber bei der Tochter des Hohepriesters Jochanan zur Anwendung kommen sollte, töteten ihre Brüder mit Judas Makkabäus an der Spitze den feindlichen Feldherrn. Daraufhin zog Holofernes aus Rache gegen Jerusalem und wurde dort von der tapferen Judit getötet. </p>
<p>Daher findet man diese Darstellung vor allem in jenen Birkat-ha-mazon-Handschriften, die für weibliche Besitzer bestimmt waren, um auf die tapferen Frauen Israels hinzuweisen &#8230;</p>
<p>Bleibt noch anzumerken, dass der Chanukkabrauch, gesalzene Käsegerichte zu essen, auf dieses Ereignis zurückgeht: Angeblich setzte Judit dem Holofernes gesalzenen Käse vor und nachdem dieser seinen großen Durst mit vielen Bechern Wein gelöscht hatte und betrunken eingeschlafen war, konnte sie ihm den Kopf abschlagen.</p>
<p class="centered"><strong>Aber nicht mit dem Klassiker &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maos_Zur" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Maos Zur</a>&#8220;, einem Pijjut aus dem 13. Jahrhundert, sondern mit einem sehr modernen rockigen Adam Sandler wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest &#8211; <span lang="en" xml:lang="en">Happy</span> Chanukka &#8211; חג אורים שמח<br />
und außerdem unseren christlichen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!</strong></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/EeC8nTYEwQQ?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/EeC8nTYEwQQ?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die beiden ausgezeichneten Beiträge zu Chanukka, in denen Sie mehr über Geschichte und Bräuche des Festes erfahren: <a href="http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.879.html" title="Externer Link zu 'j-zeit.de...'">&#8220;Nicht durch Macht und nicht durch Stärke &#8230;&#8221;</a> von Hartmut Bomhoff sowie <a href="http://www.david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/71-keil.htm" title="Externer Link zu 'david.juden.at...'">&#8220;Chanukka – ein Fest des Kulturtransfers&#8221;</a> von Martha Keil. </em> </p>
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&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/11/20/bild-der-woche-genisa-grab-am-zentralfriedhof-wien/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen Bild">  Bild der Woche &#8220;Genisa-Grab am Zentralfriedhof Wien&#8221;</a>&nbsp;
</div>
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&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2012/01/08/bild-der-woche-im-zentrum-der-welt/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Bild der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten Bild"> Bild der Woche &#8220;Im Zentrum der Welt&#8221;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
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		<title>Verzettelt in Jerusalem</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/12/12/verzettelt-in-jerusalem/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 09:22:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[jerusalem]]></category>
		<category><![CDATA[jüdisch-christlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist ein Ritual, an dem sich Israel-Reisende verschiedenster Couleur (Prominenz, von Barack Obama bis Benedikt XVI., inklusive) erfreuen: das Schreiben von Gebets-Notizen (jidd. Kwittel), die anschließend in den Ritzen der Jerusalemer Westmauer (hebr. HaKotel HaMa&#8217;arawi; eher problematisch ist das deutsche &#8220;Klagemauer&#8221;) deponiert werden. Wer möchte, kann selber ein &#8220;Kvittelchen&#8221; in die Ritzen der Klagemauer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein Ritual, an dem sich Israel-Reisende verschiedenster Couleur (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Placing_notes_in_the_Western_Wall#Notable_persons_who_have_placed_notes_in_the_Wall" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Prominenz</a>, von Barack Obama bis Benedikt XVI., inklusive) erfreuen: das Schreiben von Gebets-Notizen (jidd. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kvitel" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Kwittel</a>), die anschließend in den Ritzen der Jerusalemer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Western_Wall" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Westmauer</a> (hebr. HaKotel HaMa&#8217;arawi; eher problematisch ist das deutsche &#8220;Klagemauer&#8221;) deponiert werden.</p>
<blockquote><p>Wer möchte, kann selber ein &#8220;Kvittelchen&#8221; in die Ritzen der Klagemauer stecken, </p></blockquote>
<p>schlägt etwa der Israel-Baedeker Jerusalem-Besuchern vor (dagegen &#8211; das ist wohl warnend an die Adresse christlicher PilgerInnen  gesagt &#8211; sei etwa das <em>&#8220;Anzünden von Kerzen eher unpassend&#8221;</em> &#8230;;)).<br />
Im Hintergrund steht dabei, grob gesprochen, die (in der jüdischen Traditionsliteratur gut belegte) Idee der vorzüglichen Heiligkeit des Ortes, von dem die Gegenwart Gottes auch nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nicht gewichen sei.</p>
<p><em>(Zur Heiligkeit und den Ritualen rund um die Westmauer <abbr>vgl.</abbr> ausführlich <abbr>R.</abbr> Mordechai Ha&#8217;cohen: Sanctity, Law and Customs. In: Meir Ben-Dov <abbr>u.a.</abbr>: The Western Wall (HaKotel). Jerusalem 1987. S. 79-97; außerdem <a href="http://books.google.at/books?id=lo4f3iCjizgC&#038;printsec=frontcover&#038;dq=max+k%C3%BCchler+jerusalem&#038;hl=de&#038;ei=dlDiTqimLpDsOcCZgLIE&#038;sa=X&#038;oi=book_result&#038;ct=result&#038;resnum=1&#038;ved=0CDQQ6AEwAA#v=onepage&#038;q=max%20k%C3%BCchler%20jerusalem&#038;f=false" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt</a>. Göttingen 2007. <abbr>bes. S.</abbr> 154ff., 168ff.)</em></p>
<div id="mittig2e">
<ul id="bildchen2">
<li><a rel="lightbox[121211]" title="Die Jerusalemer Westmauer ..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel01.jpg" width="250" height="167" alt="Die Jerusalemer Westmauer ..." /></a><br />
Die Jerusalemer Westmauer ..</li>
<li><a rel="lightbox[121211]" title="...samt Kwittelach" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel02.jpg" width="250" height="167" alt="...samt Kwittelach" /></a><br />
&#8230;samt Kwittelach</li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Das Kwittel-Ritual scheint nun so reizvoll zu sein, dass auch christliche PilgerInnen es für sich bzw. ihre heiligen Stätten adaptiert haben. Geschätzte 500 Meter Luftlinie von der Westmauer entfernt nämlich, in der Grabeskirche, werden ebenfalls eifrig Zettel beschrieben, gefaltet und in Ritzen gesteckt &#8211; analoge Frömmigkeitspraxis, andere Religion.<br />
Hier, wo Christinnen und Christen Hinrichtungsstätte und Grab des Jesus von Nazareth verehren, haben also ebenfalls die Gebetszettelchen Einzug gehalten &#8211; und werden in die Ritzen der Grabkapelle geschoben; deren Altersschwäche <abbr>bzw.</abbr> die entsprechenden baulichen Auflösungserscheinungen machen&#8217;s möglich&#8230; </p>
<div id="mittig2d">
<ul id="bildchen3">
<li><a rel="lightbox[121211]" title="Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche ... " href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel04.jpg" width="250" height="375" alt="Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche ... " /></a><br />
Die Grabkapelle im Inneren der Grabeskirche &#8230;<br />
<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Jerusalem_Holy_Sepulchre_BW_7.JPG&#038;filetimestamp=20090111190206" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[121211]" title="...mit den einschlägigen Zettelchen" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/kotel03.jpg" width="250" height="167" alt="...mit den einschlägigen Zettelchen" /></a><br />
&#8230;mit den einschlägigen Zettelchen</li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Ob hier nun tatsächlich eine Art interreligiöser Ritual-Import vorliegt (oder eher eine althergebrachte Analogie in der religiösen Praxis)? Man weiß es nicht. Freund Baedeker jedenfalls kennt/empfiehlt ein derartiges Ritual (noch?) nicht&#8230; ;)</p>
<p>Was wir aber jedenfalls wissen: Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst eine Nachricht an der Westmauer zu hinterlassen, muss nicht auf den nächsten Israel-Besuch warten – <a href="http://twitter.com/TheKotel" title="Externer Link zu 'twitter.com...'">Twitter</a> sei Dank lassen sich Gebete auch online an die Westmauer adressieren, die dann in ausgedruckter Form ebendort deponiert werden; mehr Infos bei &#8220;<a href="http://www.tweetyourprayers.info/" title="Externer Link zu 'tweetyourprayers.info'">Tweet your prayers</a>&#8220;. </p>
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		<title>Köpfe der Woche – Rubinstein / Zweig</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/27/koepfe-der-woche-rubinstein-zweig/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 09:54:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christa Christopher Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=879</guid>
		<description><![CDATA[Der morgige 28. November hat sowohl ein prominentes musikalisches wie auch ein berühmtes literarisches Geburtstagskind vorzuweisen: Vor 130 Jahren, am 28. November 1881, wurde der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig geboren, ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, am 28. November 1829, der russische Komponist Anton Grigorjewitsch Rubinstein. Grund genug, meinen wir, für einen musikalisch-literarischen Doppel-&#8221;Kopf der Woche&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/zweig.jpg" width="216" height="192" alt="Stefan Zweig, um 1900, Quelle: http://de.wikipedia.org/..." /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Zweig" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Der morgige 28. November hat sowohl ein prominentes musikalisches wie auch ein berühmtes literarisches Geburtstagskind vorzuweisen: Vor 130 Jahren, am 28. November 1881, wurde der österreichische Schriftsteller <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Zweig" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Stefan Zweig</a> geboren, ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, am 28. November 1829, der russische Komponist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Anton Grigorjewitsch Rubinstein</a>.</p>
<p><br class="clear" /></p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[271111]" title="Anton Rubinstein, gemalt von I.J. Repin, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/rubinsteinGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/rubinstein.jpg" width="216" height="274" alt="Anton Rubinstein, gemalt von I.J. Repin, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Grund genug, meinen wir, für einen musikalisch-literarischen Doppel-&#8221;Kopf der Woche&#8221; &#8211; zumal sich  gewisse (zumindest sentimentale) Anknüpfungspunkte für unser Museum ergeben: 2003 zeigten wir in unserem Haus die sehr gelungene Wanderausstellung &#8220;Stefan Zweig &#8211; Ein Österreicher aus Europa&#8221; &#8211; und Rubinstein, ab 1852 Hofpianist bei der Großfürstin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_von_W%C3%BCrttemberg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">(H)Elena Pawlowna</a>, führt uns quasi in das biographische Hintergrund-Milieu unseres (hier im Blog schon mehrfach angesprochenen) <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/05/09/der-blauglockenbaum/" title="Interner Link zum Beitrag 'Der Blauglockenbaum'">Blauglockenbaums</a>. Denn die Fürstin gehörte (angeheirateter-weise) zur Familie des Zaren Alexander I., dessen Schwester <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Pawlowna" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Anna Pawlowna</a> wiederum die Namensgeberin unseres schönen Baums ist… ;-) Außerdem: das Jahr 1847 brachte Rubinstein im Palais Esterhazy in Bratislava zu – und von 1871-72 wirkte er als künstlerischer Direktor des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_der_Musikfreunde_in_Wien" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Wiener Musikvereins</a> &#8230;</p>
<p class="tipp2">&nbsp;</p>
<p>Im Folgenden Anton Rubinsteins wunderschöne Romanze in E-Moll, gespielt von niemand Geringerem als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Stern" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Isaac Stern</a>:</p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:420px; height:315px" data="http://www.youtube.com/v/WGHH5KTtEpo?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/WGHH5KTtEpo?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<blockquote><p>Den Juden bin ich ein Christ, den Christen ein Jude; den Russen bin ich ein Deutscher, den Deutschen ein Russe, den Klassikern ein Zukünftler, den Zukünftlern ein Retrograder <abbr>u.s.w.</abbr> Schlussfolgerung: ich bin weder Fisch noch Fleisch – ein jammervolles Individuum.
</p></blockquote>
<p><cite><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Grigorjewitsch_Rubinstein#Famili.C3.A4rer_Hintergrund" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></cite></p>
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&laquo; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Kopf der Woche'-Galerie zur&uuml;ck zum vorherigen Kopf">  Kopf der Woche &#8220;Ari Rath&#8221;</a>&nbsp;
</div>
</div>
</div>
<img src="http://feeds.feedburner.com/~r/KoschereMelange/~4/Ukq2mLyalfE" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Bild der Woche – Genisa-Grab am Zentralfriedhof Wien</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/KoschereMelange/~3/TW3lP7wIEys/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/20/bild-der-woche-genisa-grab-am-zentralfriedhof-wien/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Nov 2011 08:50:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[wien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=877</guid>
		<description><![CDATA[Tor IV (eigentlich &#8220;Tor V&#8221;) des Wiener Zentralfriedhofs: Die mehr als 250.000m2 große Fläche wurde 1911 erworben, nachdem die jüdische Abteilung am 1. Tor zu klein geworden war, und mehrfach erweitert. Am 4. April 1917 offiziell eröffnet, spiegelt [dieser Friedhof] die Zeitgeschichte anschaulich wider: Grabreihen Exhumierter vom Währinger Israelitischen Friedhof, Urnengräber, die die Asche KZ-Ermordeter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Tor IV (eigentlich &#8220;Tor V&#8221;) des Wiener Zentralfriedhofs: Die mehr als 250.000m<sup>2</sup> große Fläche wurde 1911 erworben, nachdem die jüdische Abteilung am 1. Tor zu klein geworden war, und mehrfach erweitert. Am 4. April 1917 offiziell eröffnet, </p>
<blockquote><p>spiegelt [dieser Friedhof] die Zeitgeschichte anschaulich wider: Grabreihen Exhumierter vom Währinger Israelitischen Friedhof, Urnengräber, die die Asche KZ-Ermordeter bergen [...] ein Denkmal für die kurz vor der Befreiung Ermordeten der <a href="http://www.nachkriegsjustiz.at/vgew/1020_foerstergasse.php" title="Externer Link zu 'nachkriegsjustiz.at...'">Förstergasse</a>, Massengräber ungarischer Juden, Grabstellen unbekannter sowjetischer jüdischer Soldaten
</p></blockquote>
<p><cite>Steines P., Hunderttausend Steine, Grabstellen großer Österreicher jüdischer Konfession auf dem Wiener Zentralfriedhof Tor I und IV, Wien 1993, 266</cite> </p>
<p>Unter den mehr als 60.000 Bestatteten finden wir viele prominente Namen wie den des Rabbiners und Politikers <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/08/24/der-reichsrats-rabbiner/" title="Interner Link zum Artikel 'Der Reichsratsrabbiner'">Josef Samuel Bloch</a>, des vormaligen und ersten Oberrabbiners von Wien nach 1945, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Akiba_Eisenberg" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Akiva Eisenberg</a>, des Operettenkomponisten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Fall" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Leo Fall</a>, des legendären Fußballtrainers <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/11/21/bild-der-woche-hugo-meisl/" title="Interner Link zum Artikel 'Hugo Meisl'">Hugo Meisl</a> (dessen Nachlass nun doch, übrigens seit <a href="http://derstandard.at/1319183146008/Hugo-Meisl-im-Museum-Back-Home-oben-am-und-jedenfalls-im-Ceske-Srdce" title="Externer Link zu 'derstandard.at...'">vorgestern</a> (!), eine neue Bleibe finden konnte) oder des Bibliothekars der Israelitischen Kultusgemeinde, <a href="http://www.ojm.at/blog/2010/01/27/der-aeltere-juedische-friedhof-in-eisenstadt/" title="Interner Link zum Beitrag 'Der ältere jüdische Friedhof in Eisenstadt'">Bernhard Wachstein</a> (dem wir die Bearbeitung des älteren jüdischen Friedhofs in Eisenstadt verdanken) &#8230;</p>
<p>Ein besonderes Grab finden wir aber auch gleich links neben dem Eingang <abbr>bzw.</abbr> links von der Zeremonienhalle. Hier wurden nämlich am 14. Juni 1987 in der sogenannten Reichskristallnacht 1938 entweihte Torarollen und Gebetbücher beigesetzt. </p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191111]" title="Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa01.jpg" width="550" height="367" alt="Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Das Genisa-Grab am Zentralfriedhof, Tor IV, gleich links neben dem Eingang und der Zeremonienhalle</p>
<p>Das Grab ist ein sogenanntes Genisa-Grab. &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geniza" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Genisa</a>&#8221; (oft &#8220;Geniza&#8221; geschrieben!) bedeutet wörtlich &#8220;Schatzkammer&#8221; und könnte als &#8220;liturgisches Archiv&#8221; bezeichnet werden. Als &#8220;Genisa&#8221; werden sowohl die Räume bezeichnet, in denen nicht mehr verwendbare liturgische Schriften abgelegt, als aber auch die Gräber, in denen diese bestattet werden. (Siehe etwa das <a href="http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20223/Wuerzburg%20Friedhof%201403.jpg" title="Externer Link zu 'alemannia-judaica.de...'">Genisa-Grab am jüdischen Friedhof in Würzburg</a>, das sich dort auch unmittelbar neben dem Friedhofseingang befindet).</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191111]" title="Inschrift auf Hebräisch und Deutsch"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/genisa02.jpg" width="550" height="367" alt="Inschrift auf Hebräisch und Deutsch" /></a></p>
</div>
<p class="centered">Die hebräische Inschrift gibt erst einen <a href="http://ojm.at/kinot" title="Externer Link zu 'books.google.at...'">Abschnitt aus den Klageliedern zum Tischa be-Av</a> (Trauertag 9. Av) wieder (<em>&#8220;Ich schreie in der Qual meines Herzens und ergehe mich in Klagen&#8221;</em> &#8230;), danach folgt der Text, der auch auf Deutsch zu finden ist (im Hebräischen allerdings nicht &#8220;Kristallnacht&#8221;, sondern &#8220;Epoche der Shoa&#8221;):</p>
<blockquote><p>Hier wurden am 17. Siwan 5747 (14. 6. 1987) Reste von Torahrollen begraben, die in der &#8220;Kristallnacht&#8221; des Jahres 1938 von Nazihorden entweiht, zerrissen und verbrannt wurden<br />
Chewra Kadischa Wien, Juni 1987
</p></blockquote>
<div class="pagenavi">
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</div>
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</div>
</div>
</div>
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		<title>Mit Joseph Roth ins jüdische Burgenland</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/KoschereMelange/~3/jIMR0r9lt3c/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/14/mit-joseph-roth-ins-judische-burgenland/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:24:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=873</guid>
		<description><![CDATA[Vorbemerkung Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8220;, verfasst von &#8220;unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter&#8220;, Joseph Roth. Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende Roth (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vorbemerkung</h3>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth01.jpg" width="230" height="341" alt="Josef Roth, 1918, Quelle: http://de.wikipedia.org/..." /><br />
<a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Joseph_Roth_1918.jpg&#038;filetimestamp=20091130114315" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Im August 1919 erschien in der Wiener Tageszeitung &#8220;Der Neue Tag&#8221; eine Reihe von Reise-Reportagen &#8211; Titel: &#8220;<em>Reise durchs Heanzenland</em>&#8220;, verfasst von &#8220;<em>unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter</em>&#8220;, Joseph Roth.</p>
<p>Der damals noch am Beginn seiner publizistischen Laufbahn stehende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Roth" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Roth</a> (geboren 1894 im heute ukrainischen Brody) hatte im Frühjahr 1919 beim eben erst gegründeten (und im April 1920 auch schon wieder eingestellten) &#8220;Neuen Tag&#8221; angeheuert (<abbr>vgl. W.</abbr> von Sternburg: Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 2009. S. 194-207). </p>
<p>Seine Reise durch (Deutsch-)Westungarn (eben das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heanzenland" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Heanzenland</a>&#8220;) <abbr>bzw.</abbr> das heutige burgenländisch-ungarische Grenzland, die er zu pointierten (und, wie von Sternburg richtig anmerkt: nicht vorurteilsfreien) Texten verarbeitet, führt Roth durch einen politisch gebeutelten Landstrich (dessen Status sich letztlich erst 1921, mit der <a href="http://www.burgenland.at/burgenland/geschichte" title="Externer Link zu 'burgenland.at...'">Entstehung des Burgenlands</a>, klären wird): nach Neudörfl und (Bad) Sauerbrunn, Nagycenk/Zinkendorf und Sopron/Ödenburg </p>
<p class="tipp">(Roth: </p>
<blockquote><p>Ich würde ein großes Tor errichten als Eingangspforte und mit riesigen, weithin sichtbaren Lettern darüber schreiben: Nomen est omen! Denn nie sah ich eine Stadt, zu der der Name besser passte&#8230;) –
</p></blockquote>
<p>und schließlich nach Deutschkreutz, wo der Autor es zunächst mit einer Kostprobe burgenländischer Volkskultur zu tun bekommt, um am Ende in einer &#8220;Filiale der Leopoldstadt&#8221;, der <a href="http://www.ojm.at/gemeinden/deutschkreutz/" title="Interner Link zu unserer statischen Website - Gemeinde Deutschkreutz">Deutschkreutzer jüdischen Gemeinde</a>, zu landen&#8230;  </p>
<p>Im Folgenden Roths Beschreibung dieser letzten Station seiner &#8220;Reise durchs Heanzenland&#8221; und der Geschichte der westungarisch-/burgenländisch-jüdischen &#8220;<a href="http://www.ojm.at/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website">Siebengemeinden</a>&#8220;. Die Textfassung folgt (mit minimalen Anpassungen) der Veröffentlichung im &#8220;Neuen Tag&#8221;.</p>
<p>Wir wünschen viel Lese-Vergnügen!</p>
<div class="mittig1BdW">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[141111]" title="'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth02.jpg" width="550" height="219" alt="Zeitungsausschnitt 'Reise durchs Heanzenland' - aus: 'Neuer Tag'" /></a></p>
</div>
<h3>Reise durchs Heanzenland.<br />
Von unserem nach Westungarn entsandten Sonderberichterstatter.</h3>
<p>(&#8230;)</p>
<h4>Deutsch-Kreuz.</h4>
<blockquote><p>In Deutsch-Kreuz war Tanz- und Polterabend.<br />
Die weiten Gehöfte leer und nur die Alten waren zu Hause geblieben. Von Zeit zu Zeit kamen ein Kind oder ein Großvater des Weges daher und erzählten, dass &#8220;Marie-Tre&#8217;s&#8221; ein Sacktuch wünsche.<br />
In Deutsch-Kreuz ist die Institution der Parkettböden nicht bekannt.<br />
Man tanzt vielmehr im Hofe und eine Ziehharmonika liefert die nötige greuliche Musik.<br />
Die Mädchen, alle weiß gekleidet und mit schwarzen Kopftüchern, stehen in dichten drei Reihen hinter einander im Hofe, die Burschen stehen auf der anderen Seite, aber eher in Gruppen, viel zwangloser und freier. Manche sitzen drin in der Schenke und tun einen anständigen Zug. Auf einmal geht der Spektakel los:<br />
Aus der missgestimmten Ziehharmonika flattert ein tiefer Ton auf, wie ein schwerer, plumper Vogel versucht er, eine Weile in der Luft zu bleiben und fällt dann schwer und plumpsend zu Boden. </p>
<p>Diesem Ton folgt ein heller, junger, es klingt wie ein Hahnenschrei und auf dieses Zeichen stürzen die Burschen ohne Hüte und in Hemdärmeln aus der Schenke. Im Nu sind die Weiber vergriffen. Der Bursche hält das Mädchen nicht etwa an sich gepresst, sondern hat beide Arme um ihre Hüfte geschwungen. Der Oberarm bleibt hölzern, steif und fest, so dass das Mädchen in einem Abstand von etwa zehn Zentimetern von seinem Körper entfernt bleibt.<br />
Der Tanz ist vollkommen kunstlos und besteht aus monotonen Drehbewegungen. Man dreht sich so lange, als der Ziehharmonikamensch will, denn es gilt als Schimpf, früher aufhören zu müssen. Man dreht sich in dem engen Hofe, in dem es zum Ersticken heiß ist, bis man im eigenen Schweiße ertrinkt. Der Boden ist nass wie nach einem Platzregen.</p>
<p>Da ich ins Wirtshaus trete, singen die Leute grade ein heanzerisches französisches G’stanzel:</p>
<p>	Von da Nah und von da Fean<br />
	Lod’ ma olli ein, an jedn gseg ma gean.<br />
	Ochzig Hella is Eintrittsgöld<br />
	Des wegn is a nit g&#8217;fölt.<br />
	Denn wou spült d&#8217;Neuhausa Musi<br />
	Dou is a Hetz, a G&#8217;schpusi.</p>
<p>Man entdeckt an mir Kragen und Krawatte, hält mich für einen kommunistischen Agitator und feindselige Stille tritt plötzlich ein. Der Wirt poltert los: I kenn&#8217; Ihna gar nicht!</p>
<p>&#8220;Das macht nichts! Sie sollen mich kennen lernen!&#8221;<br />
&#8220;Was wollen’s denn?&#8221;<br />
&#8220;Was zu essen und einen Wein! Und schlafen möcht ich hier!&#8221;<br />
&#8220;Z&#8217; essen hob i selber nix und schlof’n könnens net. An Wein könnens hab’n, wenn Sö Blaugeld han.&#8221;<br />
Ich han Blaugeld und trinke einen Wein. Weil ich mit einer Hundertkronennote zahle, kommt ein Rotgardist plötzlich auf mich zu und nimmt mir dreihundert Kronen ab, worauf ich mich schleunigst aus dem Staube mache.<br />
Hundertkronennoten darf nämlich niemand besitzen, es sei denn ein Rotgardist.<br />
Nun aber kannst du in Deutsch-Kreuz drei Stunden lang herumwandern und findest kein Quartier und kein Brot. Du bist ein Fremder und wirst verachtet. Kragen, Krawatte und Hochdeutsch verraten dich. Entweder bist du ein Spion der Szegediner, so hat man Angst. Oder du bist ein Agitator <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9la_Kun" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kuns</a>, so hasst man dich. Du kannst verhungern. Zumal, da sowohl der Herr Pfarrer als auch der Herr Notär irgendwo beim Tarock sitzen. </p>
<p>Plötzlich sehe ich die Große Mohrengasse auftauchen. </p>
<p>Hausierergesichter, typische Leopoldstadt. Eine Judengruppe. Sie reden hochdeutsch mit den Händen. Ihre Bewegungen halten die Mitte zwischen Bedächtigkeit und Leidenschaft. Sie reden Leitartikel über Bela Kun. Bleiche Pogromangst spukt um sie herum.</p>
<p>In Deutsch-Kreuz sind sie zu Hause. Da ich einen um Quartier bitte, lässt er mich durch einen rothaarigen, sommersprossigen Judenjungen nach dem Hause eines Glaubensgenossen führen. Ich bekomme Brot und Eier und ein Bett. Ich teile das Zimmer mit einer gelähmten Großmutter, dem  Ehepaar und zwei hübschen, schwarzäugigen Töchtern.<br />
Am Morgen erlege ich nicht weniger als fünfzig Kronen in Blaugeld und wandere weiter.<br />
Aber über die Juden in Deutsch-Kreuz muss ich noch erzählen.
</p></blockquote>
<h4>Die Juden von Deutsch-Kreuz und die Schweh-Khilles.</h4>
<blockquote><p>Mitten in Deutsch-Kreuz eine Filiale der Leopoldstadt.<br />
Siebzig jüdische Familien wohnen seit tausend Jahren im Deutsch-Kreuzer Ghetto. Denn sie wohnen alle zusammen, in einer großen Häusergruppe hinter den weiten Gehöften der reichen Bauern und führen ein eigenes Leben.<br />
In der Mitte steht der Tempel, mindestens ein paar Jahrhunderte alt. Links vom Tempel wohnt der Rabbiner, ein Mann in mittleren Jahren mit blondem Bart und einem schwarzen Samtkäppchen auf dem Haupte. Er sitzt an einem langen Tisch und um ihn herum seine Jünger. Judenburschen im Alter von sechzehn bis zwanzig. Sie lernen Talmud, alle durcheinander, in ihren monotonen Sing-Sang klingt nur von Zeit zu Zeit der grelle Schrei der Ziehharmonika vom Wirte drüben.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/roth03GR.jpg" width="550" height="354" alt="Synagoge Deutschkreutz, um 1920" class="centered" /></p>
<p class="centered">Synagoge in Deutschkreutz, um 1920</p>
<blockquote><p>
Ich will mit dem Rabbi über die Gemeinde sprechen. Er drückt mir die Hand und bittet mich um Verzeihung: er habe leider keine Zeit. Ich möchte zum Kultusvorsteher, Herrn Lipschütz, gehen.<br />
Herr Lipschütz ist ein Mann um die Fünfziger. Ist auch schon in Budapest und, als er noch jung war, sogar in Wien gewesen und hat Manieren.<br />
Er bittet mich in den &#8220;Salon&#8221;. Ein dunkelrot gehaltenes Zimmer, lauter Plüsch und Samt und verstaubte Nippessachen, Tintenfässer, Vögel, Hunde aus Bronze auf der Konsole. Der Stuhl, den er mir anbietet, ist leider durchgedrückt und ich rutsche in eine Versenkung, aus der ich mich mit vieler Mühe wieder hinausrette, um fortab am Stuhlrand sitzen zu bleiben.</p>
<p>Herr Lipschütz erzählt mir:<br />
Vor vielen Jahren seien die Juden aus Oesterreich vertrieben worden und wären zum Fürsten Esterhazy gekommen. Dieser habe ihnen sieben Gemeinden, die sogenannten &#8220;Schweh-Khilles&#8221;, angewiesen. Es sind lauter deutsche Gemeinden. In einigen haben die Juden volle Autonomie und sogar eigene Bürgermeister. Die Juden sprechen ein reines, fehlerloses, etwas hartes Deutsch und vertragen sich ausgezeichnet mit der Bevölkerung. Die deutschen Bauern machen einen strengen Unterschied zwischen &#8220;Budapester&#8221; und &#8220;unseren&#8221; Juden.</p>
<p>Das Haus des Herrn Lipschütz ist einstöckig, mit einem großen Hof. Er ist der reichste Jude in der Gemeinde und sein Name ist weit und breit bekannt.<br />
Der Kantor, der vor ungefähr 50 Jahren noch im Deutsch-Kreuzer Judentempel die Gebete sang, hieß Goldmark. Sein Sohn war der berühmte Komponist <a href="http://www.ojm.at/artikel/goldmark01/#cgoldmark" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Artikel)">Goldmark</a>, der aus einem Deutsch-Kreuzer Judenjungen ein Mann von Weltruf ward. </p>
<p>Die Gemeinde zählt auch den ungarischen Romanschriftsteller und späteren Sektionschef Alexander Doczi rekte Dux mit Stolz zu ihren Söhnen.<br />
Die Juden von Deutsch-Kreuz und den Schweh-Khilles beschäftigen sich nur mit ehrlichem Handel und werden von der christlichen Bevölkerung sehr geschätzt. Sie haben sich rein und unvermischt erhalten und aus ihren Gesichtern klagte das Jahrtausende alte Leid Ahasvers.<br />
Sie kennen keinen Tanz, kein Fest und kein Spiel. Nur Beten und Weinen und Fasten. Die Deutsch-Kreuzer Juden fasten zweimal in der Woche und beten den halben Tag lang.<br />
Der Tempeldiener kommt morgens und abends an jede Tür, klopft mit einem Hammer und ruft die Juden zum Gebet.<br />
Ich besah mir den Hammer: er ist schon ganz klein, schwarz, fettig und &#8220;abgeklopft&#8221;. Er mag so alt sein, wie die Gemeinde.<br />
Manchmal wächst ein Judenjunge heran, hat Begabung und Glück und wird ein Goldmark oder Doczi. Aber nur manchmal.<br />
Die meisten leben und sterben, wo sie geboren sind.<br />
Das ist die Geschichte der Juden von Deutsch-Kreuz und der &#8220;Schweh-Khilles&#8221;.
</p></blockquote>
<p><cite>Joseph Roth.<br />
In: Der Neue Tag, 9. August 1919, S. 4f.</cite>  </p>
<p class="tipp"><em>Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir unsere Publikation &#8220;<a href="http://www.ojm.at/publikationen/gemeinden/" title="Interner Link zu unserer statischen Website (Puplikationen)">Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesbuch über Juden im Burgenland</a>&#8220;, in der Sie diese und andere Anekdoten, Erzählungen, Reiseberichte <abbr>usw.</abbr> aus den Sieben-Gemeinden finden.</em></p>
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		<item>
		<title>Buchtipp der Woche – Weder Ort, noch Stein</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/KoschereMelange/~3/Jn1nw6YcYqY/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/11/06/buchtipp-der-woche-weder-ort-noch-stein/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 08:03:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tipp der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.ojm.at/blog/?p=870</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Statt ein Gebet ein Gedicht hersagen&#8221; – Elfriede Gerstl statt oder als? Unermüdlich Gebete und Gedichte sagen hersagen aufsagen in mich rufen &#8230; und Gedichte als Gebet denn Gebete sind Gedichte oder können es sein könnten es sein vielleicht auch ohne Trauer ohne Not die aus mir ruft und immer öfter schweigt damit Gebete Gedichten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Statt ein Gebet ein Gedicht hersagen&#8221; – Elfriede Gerstl</strong></p>
<blockquote><p>statt oder als?<br />
Unermüdlich Gebete<br />
und Gedichte sagen<br />
hersagen aufsagen<br />
in mich rufen &#8230;</p>
<p>und Gedichte als Gebet<br />
denn Gebete sind<br />
Gedichte oder<br />
können es sein<br />
könnten es sein</p>
<p>vielleicht auch ohne<br />
Trauer ohne Not die<br />
aus mir ruft</p>
<p>und immer öfter<br />
schweigt</p>
<p>damit Gebete<br />
Gedichten gleichen
</p></blockquote>
<p>Dieses ist das erste Gedicht im neu erschienenen Lyrikband &#8220;Weder Ort, noch Stein&#8221;, von <a href="http://www.nuritschaller.org/" title="Externer Link zu 'nuritschaller.org'">Nurit Schaller</a>, den sie am vergangenen Mittwoch im Cafe Kafka in Wien erstpräsentierte. Ich durfte dabei die einführenden Worte sprechen (etwas gekürzt und überarbeitet hier widergegeben).</p>
<p>Die &#8211; oben zitierte &#8211; 2009 verstorbene österreichische, jüdische Schriftstellerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Gerstl" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Elfriede Gerstl</a> schreibt in ihrem Gedicht: &#8220;überraschungsgast&#8221;</p>
<blockquote><p>das gedicht kommt<br />
	wie eine katze<br />
[...]
</p></blockquote>
<p>Mein erster Gedanke, als ich Nurits Gedichte las, war, dass die Gedichte tatsächlich &#8220;kommen&#8221; wie eine Katze, zumindest so wie ich es mir als nicht-Katzenkenner vorstelle, dass eine Katze kommen könnte &#8230;</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Buchcover Nurit Schaller, 'Weder Ort, noch Stein'" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit01.jpg" width="250" height="183" alt="Buchcover Nurit Schaller, 'Weder Ort, noch Stein'" /></a></p>
</div>
<p>Nurit legt in ihrem Erstlingswerk sehr viele Gedichte vor, die leise, fast still, kommen. Es sind <em>viele</em> Gedichte, es sind – vielleicht nur auf den ersten Blick &#8211; sehr <em>unterschiedliche</em> Gedichte, die Gedanken aus verschiedenen persönlichen und künstlerischen Entwicklungsstufen widerspiegeln. Und es sind beeindruckende Gedichte!</p>
<p>Gedichte, die Bilder schaffen, ja, sie sind Bilder, die man erst einmal auf sich wirken lassen muss, die zwingen, jedes einzelne Gedicht nochmals und immer und immer wieder zu lesen, Gedichte, die dann aber sehr rasch neue Bilder erzeugen und vieles auslösen und einem die eigenen Worte nehmen; es fehlen die Worte Nurits Gedichte zu beschreiben &#8211; und das ist auch gut so!</p>
<blockquote><p>Ich baue<br />
Mir<br />
Kein Haus</p>
<p>Ich lebe<br />
Draußen<br />
Als Wild</p>
<p>Vor der<br />
Stadt<br />
Gibt&#8217;s nichts
</p></blockquote>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Nurit liest aus ihrem Buch ... " href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit02.jpg" width="250" height="167" alt="Nurit liest aus ihrem Buch ..." /></a></p>
</div>
<p>Gedichte in ihrem sehr eigenen, unverwechselbaren Stil. Nurits  Sprache ist eine sehr poetische, aber auch eine sehr präzise, eine extrem direkte Sprache, eine sehr schöne Sprache. Die Sprache der Gedichte ist aber vor allem Nurits eigene Sprache &#8211;  eine Sprache, die aus im Grunde wenigen, aber sehr intensiven Wörtern und Worten besteht, und es ist eine Sprache, die nahezu ohne Sätze auskommt! Eine Sprache die naturgemäß anstrengend für den Zuhörer ist oder sein kann.</p>
<p>Eine Sprache ohne Zeit, zumindest ohne Zeit in unserem westlichen Verständnis, die Gedichte scheinen sich überhaupt jeglicher Zeitdimension zu entziehen, der Zeitenwechsel innerhalb der kleinsten Gedichteinheiten gleicht im grammatikalischen Sinn einem Aspektwechsel (auch im Hebräischen gibt es die eigentlichen Tempora nicht). Ähnlich wie in den Texten der hebräischen Bibel scheinen in Nurits Gedichten die alten Funktionen der hebräischen Konjugationen auf aspektualer Grundlage nachzuwirken.</p>
<p>Diesen in ihren Gedichten so sichere Umgang mit der hebräischen Welt und insbesondere mit der hebräischen Sprachenwelt (&#8220;Ort&#8221;, <abbr>hebr. </abbr>מקום, mit Artikel (determiniert) המקום = &#8220;Gott&#8221;) fand ich gleichsam genial als auch faszinierend. Aber auch als wenig überraschend, den Nurit ist eine brilliante Linguistin, die ihr Handwerk beherrscht. (Ich darf anmerken, dass ich Nurit Schaller vor vielen Jahren kennenlernte, als sie als junge Studentin meine Bibelhebräischvorlesung am Institut für Orientalistik der Universität Wien besuchte.)</p>
<p>Nurit hat mittlerweile ihr Studium, ihre Studien, beendet, ihre Ausdrucksform ist über weite Strecken die Kunst, die Malerei, die Texte, die Photographie &#8230; eine Kreative, und zwar im allerbesten Sinn des Wortes, und immer auf der Basis <abbr>bzw.</abbr> mit dem Hintergrund einer Wissenden!</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Zu einem stimmungsvollen, tollen Abend verhalf auch die wunderbare Musik von 'doubleBLU'" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit03.jpg" width="200" height="133" alt="Band 'doubleBLU'" /></a></p>
</div>
<p>Mehr noch: Ihre Gedichte spiegeln dieses Wissen sehr deutlich wider und doch – sie sind viel mehr als nur in Gedichte gepresstes Wissen, es ist Lyrik auf sehr hohem Niveau, die durchaus eben ohne die von Nurit intendierten Assoziationen an- und auskommt, anspricht, vereinnahmt und begeistert! Ganz sicher werden jene, die die intendierten Assoziationen erkennen, in den Gedichten nochmals andere Bilder entdecken und eigene Bilder dazu kreieren. Denn an Assoziationen, oder besser &#8220;Assoziationsräumen&#8221;, ist Nurits Gedichtband reich; völlig unaufdringlich und nahezu nebenbei, jedenfalls fast durchgehend so gut wie geräuschlos bedient sie sowohl die Klaviatur der griechisch-römischen (Platons &#8220;Nachtmahl&#8221; wird zum &#8220;Abendmahl&#8221; &#8230;), der europäischen als insbesondere auch der jüdischen, und näherhin der biblischen sowie rabbinischen und jüdisch-mystischen Geisteswelt, Kulturgeschichte und Philosophie, mitunter in einem einzigen kurzen Gedicht!</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[061111]" title="Nurit signiert ihre Bücher ..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit04GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/nurit04.jpg" width="200" height="133" alt="Nurit signiert ihre Bücher ..." /></a></p>
</div>
<p>Es wäre noch vieles zu den Gedichten sagen, die im Kant&#8217;schen Sinne aus sich heraus schön sind, erst fühlte ich mich wortlos und dann entstanden Bilder, Gedanken, eigene Assoziationsräume, ich blieb an einzelnen Wörtern hängen wie an dem so schönen Wort &#8220;Ohnehin&#8221; &#8211; ein ganzes Gedicht ist dem Wort gewidmet &#8230;</p>
<blockquote><p>das gedicht kommt<br />
	wie eine katze
</p></blockquote>
<p><cite>schreibt Elfriede Gerstl</cite></p>
<p>Nurits Gedichte kommen wie eine Katze &#8230;</p>
<p>Selbstverständlich begegnen wir auch ihrer eigenen Katze, sie setzt sich mit Erich Kästner auseinander und schreibt über Schmerz, Trauer und die Einsamkeit; und Nurit schreibt auch über <em>&#8220;Gott, der mich NICHT führt, aber mir zusieht&#8221;</em>, denn <em>&#8220;seine Augen sind nicht blind &#8230;&#8221;</em> wie es in einem Gedicht heißt:</p>
<blockquote><p>G&#8217;ttes Augen<br />
Sind nicht<br />
Blind</p>
<p>Nur wir</p>
<p>Sind taub<br />
Für sein<br />
Wort
</p></blockquote>
<p>Ich wünsche dem faszinierenden Lyrikband &#8220;Weder Ort, noch Stein&#8221; von Herzen viele LeserInnen!</p>
<p class="centered"><strong>Nurit Schaller, Weder Ort, noch Stein, Horn 2011, Verlag Berger, ISBN: 978-3-85028-533-9</strong></p>
<p class="tipp"><em>Nurit Schaller, geboren am 07. Juli 1975 in Wien, studierte <abbr>u.a.</abbr> Kulturanthropologie in Amsterdam, Jüdische Studien und Semitistik in Heidelberg. Ist Linguistin (Bibelhebräisch und Aramäisch), Herausgeberin der Kunstzeitschrift &#8216;diletto &#8211; the paper on art &#038; cultures&#8217; und Künstlerin. Lebt, schreibt, malt und werkt in Wien.<br />
Mehr über die Autorin: <a href="http://www.nuritschaller.org/" title="Externer Link zu 'nuritschaller.org'">nuritschaller.org</a> und <a href="http://www.diletto.org/" title="Externer LInk zu 'diletto.org'">diletto.org</a></em></p>
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		<item>
		<title>Ari Rath – Nachlese</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/KoschereMelange/~3/G0QnwqDMIpk/</link>
		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/26/ari-rath-nachlese/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 14:45:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Trotz des Termins am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertages kamen über 100 BesucherInnen, um in der Arbeiterkammer Burgenland in Eisenstadt den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, Ari Rath, zu hören. Wenn ein Weitgereister und Wissender wie Ari Rath spricht, können natürlich 90 Minuten nicht reichen. Doch und trotz der Zeitbeschränkung: Es war ein höchst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Trotz des Termins am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertages kamen über 100 BesucherInnen, um in der Arbeiterkammer Burgenland in Eisenstadt den langjährigen Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post, <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/" title="Interner LInk zum Beitrag vom 23. Oktober 2011">Ari Rath</a>, zu hören.</p>
<p>Wenn ein Weitgereister und Wissender wie Ari Rath spricht, können natürlich 90 Minuten nicht reichen. Doch und trotz der Zeitbeschränkung: Es war ein höchst informativer Abend, ein brillanter Ari Rath faszinierte das Publikum: von der Landesrätin bis zu einer großen Anzahl Jugendlicher sowie BesucherInnen aus Eisenstadt, dem Burgenland und dem angrenzenden Niederösterreich konnten begrüßt werden.</p>
<div id="mittig3d">
<ul id="bildchen5">
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Ari Rath am 25. 10. 2011 in der AK Burgenland"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath01.jpg" width="150" height="150" alt="Ari Rath am 25. 10. in der AK Burgenland" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Etwa 100 BesucherInnen bei der Veranstaltung"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath02.jpg" width="150" height="150" alt="Etwa 100 BesucherInnen bei der Veranstaltung" /></a></li>
<li><a rel="lightbox[261011]" title="Veranstalter Thomas Lehner (AK) bedankt sich bei Ari Rath"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath03GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRath03.jpg" width="150" height="150" alt="Veranstalter Thomas Lehner (AK) bedankt sich bei Ari Rath" /></a></li>
</ul>
</div>
<p><br class="clear" /></p>
<p>Selbstverständlich wollen wir Sie auch diesmal online ein wenig teilhaben lassen an diesem außergewöhnlichen Abend:</p>
<p>Meine zweite Frage bezog sich auf den bekanntesten und berühmtesten Eisenstädter Juden Alexander (Sandor) Wolf, der – wie Ari Rath – 1938 über Triest nach Haifa geflohen war, wo Wolf am 2. Jänner 1946 starb. Einige Monate vor seinem Tod, im Sommer 1945, ersuchten ihn in Triest lebende Verwandte, doch nach Österreich zurückzukehren. Sandor Wolfs Antwort war: </p>
<blockquote><p>Ich beabsichtige nicht zurückkehren, weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat.</p></blockquote>
<p>Diese Worte Wolfs haben sich in mir nicht nur sehr tief eingeprägt, sondern sie fielen mir wieder ein, als ich las, dass Ari Rath einmal schrieb: </p>
<blockquote><p>Ich konnte nie verstehen, dass ein Teil ehemaliger österreichischer Juden gerne ihre deutsch-österreichische Sprache über all die Jahre weiter pflegte und einen österreichischen Pass annahm.
</p></blockquote>
<p><cite>Ari Rath, Von Wien nach Jerusalem. Lebensstationen, in: Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten, Berlin 2005, S. 39</cite></p>
<p>Ich fragte also Ari Rath, wie es um seine &#8220;Heimatliebe&#8221; steht und wie er seine Beziehung zu Österreich hier und heute sieht?<br />
Ari Raths Antwort war lange, im Kern sehr deutlich und sehr berührend, hören Sie selbst:</p>
<div class="centered">
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</div>
<p>Ich danke sehr herzlich den Veranstaltern, insbesondere dem Initiator des Abends, Thomas Lehner sowie Frau <abbr>Mag.<sup>a</sup></abbr> Claudia Kreiner-Ebinger, dass mir die Ehre zuteil wurde, mit Ari Rath sprechen zu dürfen. Ebenso bedanke ich mich bei Lukas Lehner, dass er sich spontan bereit erklärt hat, uns film- und fototechnisch unter die Arme zu greifen. </p>
<div class="pagenavi">
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&nbsp; <a href="http://www.ojm.at/blog/2011/11/27/koepfe-der-woche-rubinstein-zweig/" title="Bl&auml;ttern Sie in der 'Kopf der Woche'-Galerie vor zum n&auml;chsten 'Kopf'"> Köpfe der Woche &#8220;Rubinstein / Zweig&#8221;</a> &raquo;
</div>
</div>
</div>
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		<title>Kopf und Tipp der Woche – Ari Rath</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/23/kopf-und-tipp-der-woche-ari-rath/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 09:01:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Tipp der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltungen]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zu Erzählungen eines Zeitzeugen. Ari Rath im Gespräch mit Johannes Reiss Wann: Dienstag, 25. Oktober, 18.00 – 21.00 Uhr Wo: Arbeiterkammer (AK) Burgenland, Wiener Straße 7, 7000 Eisenstadt, Festsaal Die Veranstaltung wurde von der AK Burgenland initiiert, in Kooperation mit unserem Museum, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller &#038; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zu</p>
<p><strong>Erzählungen eines Zeitzeugen. Ari Rath im Gespräch mit Johannes Reiss</strong></p>
<p>Wann: <strong>Dienstag, 25. Oktober, 18.00 – 21.00 Uhr</strong><br />
Wo:  <strong>Arbeiterkammer (AK) Burgenland,<br />
Wiener Straße 7, 7000 Eisenstadt, Festsaal</strong></p>
<p>Die Veranstaltung wurde von der <acronym>AK</acronym> Burgenland initiiert, in Kooperation mit<br />
unserem Museum, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller &#038; KünstlerInnen&#8221;, dem &#8220;Bund sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und Aktiver Antifaschist/Inn/en&#8221;, dem &#8220;Sozialdemokratischen LehrerInnenverein Burgenland&#8221;, der &#8220;Österreichischen Gewerkschaftsjugend Burgenland&#8221; und der &#8220;Sozialistischen Jugend&#8221;.</p>
<p>Ich freue mich außerordentlich mit einem der wohl berühmtesten und weitestgereisten Zeitzeugen sprechen zu dürfen. </p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[231011]" title="Titelbild 'Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten', Berlin, 2005" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRathGRR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/ariRathGR.jpg" width="200" height="162" alt="Titelbild 'Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten', Berlin, 2005" /></a></p>
</div>
<p>Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren, besuchte daselbst das Wasa-Gymnasium und wanderte im November 1938 mit der Jugendalija nach Palästina aus. Schon seit Oktober 1958 politischer und diplomatischer Berichterstatter bei der Jerusalem Post, war er von 1975 – 1989 deren Chefredakteur und Herausgeber, berichtete mehrere Jahrzehnte sozusagen aus dem Allerheiligsten der Arbeiterpartei und porträtierte die Großen in Israels Staatsgeschichte: Golda Meir, Moshe Dayan, Shimon Peres und viele andere. Legendär ist sein erster großer journalistischer &#8220;<span lang="en" xml:lang="en">Scoop</span>&#8221; 1960, als es ihm gelang, in <span lang="en" xml:lang="en">New York</span> dem inoffiziellen Treffen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion und dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer beizuwohnen.<br />
Das große Lebensthema Ari Raths ist die Rolle Israels in der Welt und die Zukunft des jüdischen Staates.</p>
<p><cite>Bildquelle: Titelbild &#8220;Ari Rath, Auf dem Weg zum Frieden. Artikel und Essays aus fünf Jahrzehnten, Berlin, 2005</cite></p>
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		<item>
		<title>Eine Fahrt im Autobus 402 von Bnei-Brak nach Jerusalem</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/20/eine-fahrt-im-autobus-402-von-bnei-brak-nach-jerusalem/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 08:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Chaya-Bathya</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>
		<category><![CDATA[jerusalem]]></category>

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		<description><![CDATA[Claudia/Chaya-Bathya, unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, nimmt uns in ihrem heutigen Beitrag mit auf eine Busfahrt von Bnei Brak nach Jerusalem – und erklärt dabei Eigenheiten des israelischen Alltags, die so manchem Israel-Urlauber bekannt vorkommen bzw. für künftige Israel-Reisen wissenswert sein könnten. Überdies hat ihr Beitrag einen aktuellen tagespolitischen Nebenaspekt: der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Claudia/Chaya-Bathya, unsere ständige Gastautorin und Korrespondentin aus Bnei Brak, Israel, nimmt uns in ihrem heutigen Beitrag mit auf eine Busfahrt von Bnei Brak nach Jerusalem – und erklärt dabei Eigenheiten des israelischen Alltags, die so manchem Israel-Urlauber bekannt vorkommen bzw. für künftige Israel-Reisen wissenswert sein könnten.<br />
Überdies hat ihr Beitrag einen aktuellen tagespolitischen Nebenaspekt: der Attentäter, der 1989 den im Beitrag angesprochenen Anschlag auf Bus Nr. 405 (Linie Tel Aviv–Jerusalem) verübte, ist nach israelischen <a href="http://www.haaretz.com/print-edition/news/in-shalit-deal-israel-crossed-its-own-red-lines-1.389782" title="Externer Link zu 'haaretz.com...'">Pressemeldungen</a> einer jener palästinensischen Häftlinge, die im Austausch gegen den entführten Soldaten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gilad_Schalit" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Gilad Schalit</a> freigekommen sind (siehe die Liste der freigelassenen Gefangenen auf <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Palestinian_and_Israeli-Arab_prisoners_exchanged_for_Gilad_Shalit" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Wikpedia</a>).</em></p>
<p>Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke von meiner Reise von Bnei-Brak nach Jerusalem am 29. Juni 2011 wiedergeben. An diesem Tag muss ich arbeitsbedingt nach Jerusalem fahren, und das freut mich sehr, denn ich liebe Autobusfahrten über alles. Etwa 70 km sind es von hier nach Jerusalem. Die Fahrt dauert ca. eineinhalb Stunden.</p>
<p>Ich steige beinahe an der ersten Haltestelle zu, die liegt fast vor unserem Haus. Zu diesem Zeitpunkt ist der Bus noch leer. Das wird sich aber sehr schnell ändern.</p>
<p>Die Autobusroute in der engen und überfüllten Stadt Bnei-Brak windet sich wie Darmschlingen. Die Fahrt in Bnei-Brak allein nimmt fast ein Drittel der gesamten Fahrzeit in Anspruch! (Über Bnei-Brak könnte man Romane schreiben, und wer weiß, ob ich das nicht noch einmal tun werde.) Wie wäre es denn mit der Errichtung einer zentralen Autobushaltestelle für Überlandfahrten, so wie es sie in allen anderen Städten gibt? Jaja, ich weiß: darüber wird hier schon lange Jahre geredet. Geschehen ist nichts. Und so ziemlich alle Stellen, wo man eine solche hätte errichten können, sind inzwischen verbaut.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Expressbus 402" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/bus402GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/bus402.jpg" width="300" height="253" alt="Expressbus 402" /></a></p>
</div>
<p>Der Autobus füllt sich langsam. Der 402er ist übrigens ein sogenannter <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mehadrin_bus_lines" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Mehadrin-Bus</a>, d. h. hier sitzt man nach Geschlechtern getrennt: Männlein vorne, Weiblein hinten. Nicht alle, auch nicht alle orthodoxen Juden, sind von dieser Einrichtung erbaut. Das Schlimmste sind selbsternannte Ordnungshüter, die ein jegliches weibliches Wesen, selbst wenn es ihre Oma sein könnte, grob anfahren oder gar handgreiflich werden (wie absurd!), wenn dieses im Männerteil Platz genommen hat. Solche Vigilanten sind aber eine eher seltene Erscheinung, zumindest hier in Bnei-Brak. Frauen beklagen sich eher über die Sitzordnung selbst, weil ihnen das Schaukeln im hinteren Teil des Busses nicht wohl bekommt. Sie sagen aber nichts. Wer partout keinen Mehadrin-Bus will, kann von Bnei-Brak auch mit dem Autobus Nr. 400 nach Jerusalem fahren. Der ist &#8220;gemischt&#8221;.</p>
<p>Ich selber sitze sehr gerne hinten, weil es da am meisten hüpft und schaukelt. (In diesem Leben werde ich wohl nie erwachsen.) Außerdem sitze ich liebend gerne am Fenster und sauge die vorüberziehenden Bilder förmlich in mich auf. Wenn ich doch nur eine Kamera bei mir hätte!</p>
<p>Interessiert beobachte ich die umständlichen Reisevorbereitungen mancher männlichen Fahrgäste: Rock bzw. Kaftan ausziehen, fein säuberlich zusammenlegen und ins Gepäckfach unter der Decke des Busses schieben. Der Hut folgt. Der eine tut das rasch und entschlossen, der andere hingegen mit Bedacht. Hie und da wird noch ein Talmudfoliant aus irgendeiner Tasche gezogen, und dann macht man sich&#8217;s auf dem gepolsterten Sitz bequem. Fertig! Andere laben sich an mehr irdischen Genüssen. Raschelnde Papiersackerl mit Gebäck und Süßigkeiten, ein krachender Biss in einen saftigen Apfel.</p>
<p>Neben mir nimmt eine ältere Dame Platz. Das große Plastiksackerl, das sie schleppt, stellt sie zwischen ihre Beine. Drinnen sind, soweit erkennbar, zahlreiche weitere Sackerl. Meine Sitznachbarin ist recht kommunikativ, zeitweise für meinen Geschmack ZU kommunikativ. Sie redet Hebräisch durchmischt mit Jiddisch und einer weiteren Sprache, die ich nicht zu identifizieren vermag. Vielleicht eine kaukasische Sprache? Ab und zu zieht sie eine Eineinhalb-Liter-Cola-Flasche – gut eingehüllt in weiteres Plastiksackerl – aus dem großen Sackerl und nimmt einen Zug.</p>
<p>Bei der Ausfahrt aus der Stadt auf die &#8220;Geha&#8221;-Autobahn fährt der Bus auf einem holprigen Fahrweg mit wenig Asphalt, aber umso mehr Schlaglöchern (skandalös ist das!) an einem heruntergekommen, verwahrlosten Einfamilienhaus vorbei. Über dem Eingang hängt ein Schild: Hachnasat Orchim schel Awraham Awinu, also Gastfreundschaft des Erzvaters Abraham. Und dem guten Vorbild des Letzteren folgt auch der Hausherr: &#8220;Hier kann man kostenlos essen und trinken&#8221;, verheißt ein handbeschriebenes Pappschild an einem der Fenster. Ich hoffe nur, den Gästen kracht die Bruchbude nicht über dem Kopf zusammen.</p>
<p>Heute gibt es, wie sich herausstellt, im Bus auch ein &#8220;Unterhaltungsprogramm&#8221;: Eine ältere Dame teilt an die Frauen und Mädchen Heftchen zum Tehillim[Psalmen]-Sagen aus. Ich lehne dankend ab, weil ich es vorziehe, die schöne Aussicht zu genießen. Bei den Männern teilt ein Chassid Zettel aus – <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Daf_Yomi" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Daf Hajomi</a> [das tägliche Blatt Talmud] vermute ich, genau weiß ich&#8217;s aber nicht, weil ich ja in der &#8220;Frauenabteilung&#8221; sitze. </p>
<p>Plötzlich ein durchdringendes Pfeifen und Knacken! Aus dem Bordlautsprecher ertönt eine Stimme. Der Sprecher – es ist der genannte Chassid – bedankt sich in jovialem Ton beim Fahrer für die Überlassung des Mikrophons und fängt an, einen rabbinischen Vortrag zu halten. Worüber genau, habe ich nicht mitgekriegt.</p>
<p>Die Dame neben mir raunzt und nörgelt in einer Tour vor sich hin. Sie möchte ihre Ruhe haben und ist von der akustischen &#8220;Zwangsbeglückung&#8221; alles andere als entzückt. Die anderen Fahrgäste scheinen teils dasselbe zu denken, reagieren aber nicht. Sie möchten wohl den Tora-Vortrag nicht stören. Die Frauen sind mit Tehillim-Sagen, mit Unterhaltung oder Handy-Gesprächen beschäftigt, einige Männer – so ich sie von meinem Platz aus sehen kann – ebenfalls. Auch der junge Jemenite, der wegen akuten Platzmangels auf den Stufen vor dem Ausgang Platz genommen hat, zieht offenbar sein Handy dem Talmud vor. </p>
<p>Der Vortragende schließt endlich mit einer längeren Serie von Berachot [Segenssprüchen], nicht ohne mindestens fünfmal den heutigen Rettungstag des &#8220;Kaliver Rebben <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Menachem_Mendel_Taub" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'"><em>schlite</em></a>&#8221; [schlita = שליט"א ist eine hebräische Abkürzung mit der Bedeutung: er lebe lange und gute Jahre, Amen!] zu erwähnen. Der charakteristische Tonfall der Segenssprüche allein deutet den Zuhörern schon an, wann sie antworten sollen: Ooo-mejn! [Amen]</p>
<p>Der selbsternannte Entertainer, recte Schiur[Lektion]-Sager, übergibt nun das Mikrophon an einen Rosch Jeschiwe [Haupt einer Jeschiwa]. Der nuschelt halblaut etwas vor sich hin, von dem ich kein einziges Wort verstehe. Und ich bin nicht die Einzige.</p>
<p>Dann wird das Wort einem jüngeren Mann erteilt, der einen Sijum [Abschlußsseier] auf den ganzen Schass [Talmud] feiert, wie der Redner nicht vergisst zu betonen. Der Mann hat also den ganzen Talmud, gewöhnlich in 20 großen Folianten gedruckt, vollständig durchgelernt. Alle Achtung! Dieser Mann spricht laut und klar und fasst sich kurz.</p>
<p>Und ich? Ich habe nur Augen für die wunderbare Aussicht. Das satte Frühlings-Grün hat einem überwiegend gelbbraunen Farbton Platz gemacht. Reife Ähren stehen auf den Äckern, andere Felder sind schon abgemäht. Nur ein paar Strohballen sind übriggeblieben. Auch grüne Flecken gibt es noch: irgendwelches Gemüse und sonstige Blattpflanzen. Die werden bewässert. Ab und zu kugeln &#8220;Bluzer&#8221; von Wassermelonen und Kürbissen kunterbunt herum. Die müssen aber noch ein bisschen wachsen. Auch Obstbaum-Plantagen gibt es. Die weißen Würfel, die hie und da in kleinen Gruppen an Feldrändern platziert sind, sind Bienenkolonien. Übrigens habe ich im Verlauf der Fahrt festgestellt, dass man vermehrt Wein anbaut. Man trägt also dafür Sorge, dass die hiesige Bevölkerung noch &#8220;geist&#8221;-reicher wird.</p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Seven Seventy, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sevensGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sevens.jpg" width="250" height="188" alt="Seven Seventy, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:770_%D7%91%D7%9B%D7%A4%D7%A8_%D7%97%D7%91%22%D7%93.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Immer wieder sieht man auch verstreute Ortschaften. Die bestehen aus Einfamilienhäusern, viele liegen in herrlich grünen Gartenlandschaften. In einer dieser Siedlungen sticht ein Gebäude durch Höhe und Baustil hervor: es handelt sich um &#8220;Seven Seventy&#8221;, eine genaue Replik des Hauptquartiers der Lubavitscher Chassidim in Crown Heights, New York. Wir sind also schon in Kfar Chabad. In diesem Dorf leben, wie der Name impliziert, ausschließlich Lubavitscher Chassidim. Der zweite Teil des Ortes – hierbei handelt es sich in erster Linie um das große religiöse Mädchengymnasium &#8220;Bejt Rivka&#8221; mit angeschlossenem Internat – liegt übrigens auf der anderen Seite der Autobahn.</p>
<p>Den &#8220;Ben Gurion&#8221;-Flughafen sehe ich von meiner Seite aus nicht. Ich sitze bei der Hinfahrt nämlich rechts, weil auf der linken am Vormittag die Sonne hereinscheint. Ich hasse es, wenn man die Rollos runterzieht, weil ich dann die Aussicht nicht mehr genießen kann. Andererseits will ich aber natürlich auch nicht in der Sonne braten. Auf der Rückfahrt werde ich jedoch, wenn ich wieder auf der rechten Seite sitze, die startenden, landenden und parkenden Flugzeuge bewundern können.</p>
<p>Etliche Reisende sprechen jetzt das Tefillat ha-derech, das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tefilat_HaDerech" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Reisegebet</a>. So auch ich.</p>
<div class="bildlinks">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Der sogenannte Khan bei der Einfahrt nach Scha'ar Hagaj, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/shharhagieGR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/shharhagie.jpg" width="200" height="152" alt="Der sogenannte Khan bei der Einfahrt nach Scha'ar Hagaj, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Shharhagie.jpg" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Jetzt sind wir schon in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Sha%27ar_HaGai" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Scha&#8217;ar Hagaj</a>, oder auf Arabisch: Bab El-Wad, das &#8220;Tor des Tales&#8221;, 23 km von Jerusalem! Von hier an geht es so richtig aufwärts. Aleppo-Kiefern, Sträucher, Kreidefelsen, Karst. Uff, ich kriege verlegte Ohren! Das passiert mir hier immer.</p>
<p>Der Ort ist landschaftlich wunderschön, aber auch ideal für einen Hinterhalt: die Straße verläuft in einem tiefen Einschnitt zwischen links und rechts aufragenden Felsen, die heute bewaldet sind.<br />
Im Unabhängigkeitskrieg 1948 fanden hier heftige Kämpfe zwischen der Arabischen Legion und israelischen Soldaten statt. Auf halbverwachsenen Pfaden kann man die in der Gegend verstreuten Grabsteine für die 119 gefallenen jüdischen Konvoi-Kämpfer erreichen. </p>
<div class="bildrechts">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[191011]" title="Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." href="http://www.ojm.at/blog/bilder/Shaar_hagai_armored_vehicle1GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/Shaar_hagai_armored_vehicle1.jpg" width="200" height="133" alt="Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, Quelle: http://he.wikipedia.org/wiki/..." /></a><br />
<a href="http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Sha%27ar_hagai_armored_vehicle1.JPG" title="Externer Link zu 'he.wikipedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
</div>
<p>Die Überreste der bei den Kämpfen ausgebrannten Panzerfahrzeuge, einst rostrot gestrichen und ebenfalls auf dem Gelände verstreut, sind jetzt khakifarben und an einem Platz konzentriert. Man hat auch einen Gedenkort eingerichtet. Schilder erzählen davon, was hier passiert ist. </p>
<p>Bei einer Ausfahrt in der Umgebung steht eine hohe Mobilfunk-Antenne, in die man Äste von Nadelbäumen gesteckt hat, um sie unauffälliger zu machen. Das ist aber nicht wirklich gelungen, der &#8220;Riesen-Besen&#8221; sieht vielmehr recht lächerlich aus.</p>
<p>Aus einer steil abfallenden Felswand vor der Har&#8217;el-Kreuzung wächst, halb hängend und eigenartig geformt, ein Feigenbaum. Verschwiegene Pfade führen ins Unterholz. Ach, wie hätte ich Lust, jetzt auszusteigen und zu wandern! Weit wandern, nur einfach so gehen. Irgendwohin, egal wohin. </p>
<p>Eine sehr schöne Aussicht gibt es bei dem arabischen Dorf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abu_Gosch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Abu Gosch</a>, bekannt vor allem für seine Restaurants, aber auch für musikalische Veranstaltungen. Jährlich zu Schawuot und Sukkot finden die &#8220;Abu Gosh Voice Festivals&#8221; statt, in der Auferstehungskirche sowie in der modernen Kirche &#8220;Notre Dame Arche D’Alliance&#8221; (Unsere Liebe Frau von der Bundeslade) finden zahlreiche weitere Konzerte statt. </p>
<p>Ganz in der Nähe liegt das Städtchen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kiryat_Ye%27arim" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Kirjat Je&#8217;arim</a>, umgangssprachlich &#8220;Tels-Stone&#8221; genannt. Es ist fast ausschließlich von orthodoxen Juden bewohnt und hat durch den Selbstmordanschlag auf den Autobus Nr. 405 (Tel Aviv–Jerusalem) traurige Berühmtheit erlangt. Am 6. Juli 1989 stürzte sich ein arabischer Fahrgast – ein Mitglied des &#8220;Islamischen Dschihad&#8221;, wie sich später herausstellte –  auf den Busfahrer, bemächtigte sich des Lenkrads und steuerte den Bus in den Abgrund. 16 Fahrgäste starben, 27 (darunter der Attentäter) wurden verletzt. Seitdem ist in israelischen Überlandbussen vor dem Fahrersitz eine Barriere installiert. Von den zumeist orthodoxen Freiwilligen, die mithalfen, die Verletzten und Leichen zu bergen, wurde später die Organisation <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/ZAKA" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">ZAKA</a> zur Identifizierung von Unfallopfern gegründet.</p>
<p>Ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaddisch" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Kaddisch</a> de-rabbanan [Gebet nach dem Torastudium] reißt mich aus meinen Gedanken. Die Tora-Lektionen sind beendet. Einige Männer erheben sich, setzen den Hut auf und antworten vorschriftsmäßig auf das Kaddisch-Gebet. Die meisten anderen entledigen sich sitzend ihrer Pflicht. So auch ich. Es ist hier absolut kein Platz zum Aufstehen.</p>
<p>Die Frau, die die Tehillim verteilt hat, sucht nun all ihre Heftchen wieder zusammen: &#8220;Entschuldigen Sie, haben Sie ihr Heft schon zurückgegeben?&#8221;</p>
<p>Und dann sind wir auch schon in Jerusalem. An der ersten Station steige ich aus. In etwa hundert Metern Entfernung ragt der Pfeiler der charakteristischen und weithin sichtbaren <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jerusalem_Chords_Bridge" title="Externer Link zu 'en.wikipedia.org...'">Hängebrücke</a> in den Himmel, auf der gerade eine Garnitur der neuerrichteten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fenbahn_Jerusalem" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">Jerusalemer Straßenbahn</a> eine Probefahrt unternimmt. (Anmerkung: Inzwischen hat sie den regulären Betrieb aufgenommen.)</p>
<p>Ach, es ist doch immer schön, in Jerusalem zu sein! </p>
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		<title>Bild und Kopf der Woche – Ausmal-Ben-Gurion</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 08:39:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christopher</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bild der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Kopf der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie man jüngeren (und jüngsten) Museumsbesucherinnen und -besuchern Historie schmackhaft machen kann, ist eine ebenso wichtige wie knifflige Frage. Klassisch-charmant ist die diesbezügliche Strategie des &#8220;Ben-Gurion-Hauses&#8221; in Tel Aviv: Dort nämlich lädt man die jüngsten Gäste ein, sich via Mal-Vorlage (buchstäblich) ihr eigenes Bild vom &#8220;Vater der Nation&#8221; zu machen – Museumspädagogik 1.0 gewissermaßen&#8230; Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie man jüngeren (und jüngsten) Museumsbesucherinnen und -besuchern Historie schmackhaft machen kann, ist eine ebenso wichtige wie knifflige Frage. Klassisch-charmant ist die diesbezügliche Strategie des &#8220;<a href="http://ben-gurion-house.org.il.preview21.livedns.co.il/html/indexEnglish.html" title="Externer Link zu 'ben-gurion-house.org.il...'">Ben-Gurion-Hauses</a>&#8221; in Tel Aviv: Dort nämlich lädt man die jüngsten Gäste ein, sich via Mal-Vorlage (buchstäblich) ihr eigenes Bild vom &#8220;Vater der Nation&#8221; zu machen – Museumspädagogik 1.0 gewissermaßen&#8230;</p>
<p><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/benGurion.jpg" width="550" height="776" alt="Schachspielender Ben-Gurion zum Ausmalen" class="centered" /></p>
<p class="centered">Ein schachspielender Ben-Gurion zum Ausmalen – gesehen im &#8220;Ben-Gurion-Haus&#8221;, Tel Aviv </p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/David_Ben-Gurion" title="Externer Link zu 'de.wikipedia.org...'">David Ben-Gurion</a> (1886-1973), als David Grün im polnischen Płońsk geboren, emigrierte 1906 nach Palästina; er war der erste Premierminister des Staates Israel, von der Staatsgründung 1948 bis 1953, und nochmals von 1955 bis 1963. </p>
<p>Weit anschaulicher als diese nackten biographischen Fakten ist allerdings die wunderbar plastische  (und obendrein um politische Korrektheit völlig unbekümmerte) Beschreibung, die Amos Oz in seiner &#8220;Geschichte von Liebe und Finsternis&#8221; von Ben-Gurion gibt: Oz, damals gerade in seinen frühen 20ern, hatte sich 1961 auf eine publizistische Kontroverse mit dem Premierminister eingelassen – und wurde von Ben-Gurion prompt zum persönlichen Gespräch geladen&#8230;</p>
<blockquote><p>Zwischen den Wänden dieses spartanischen Büros [gemeint ist das Büro Ben-Gurions in Tel Aviv; Anm.] ging mit schnellen kleinen Schritten, die Arme auf dem Rücken verschränkt, die Augen zu Boden gerichtet, den großen Kopf geneigt und energisch vorgeschoben, ein Mann auf und ab, der genau wie Ben Gurion aussah, aber auf keinen Fall Ben Gurion sein konnte: Jedes Kind im Land, schon im Kindergarten, wusste damals sogar im Schlaf, wie Ben Gurion aussah. Aber da es noch kein Fernsehen gab, meinte ich selbstverständlich, der Vater der Nation sei ein Riese, dessen Haupt in die Wolken rage. Und dieses Double nun war ein kleiner, untersetzter und rundlicher Mann, keine ein Meter sechzig groß (&#8230;), teils unbeugsamer Bergbauerngroßvater, teils uralter, energischer Zwerg (&#8230;). Er hatte eine silbrige Prophetenmähne, die wie ein Amphitheater seine Glatze umgab. Unterhalb der mächtigen Stirn ragten dicke, buschige weiße Brauen hervor, und darunter durchbohrten kleine blaugraue Augen mit messerscharfem Blick die Luft. Seine Nase war breit, dick und derb, eine vollkommen schamlose, geradezu pornographische Nase, wie die Nase der Juden auf antisemitischen Karikaturen. Dagegen waren die Lippen schmal wie eine Schnur (&#8230;). Die Gesichtshaut war rau und rot, als wäre da gar keine Haut mehr, sondern rohes Fleisch (&#8230;).<br />
Die ersten Worte, die die Stille im Raum durchschnitten, erklangen in der durchdringenden blechernen Stimme, die wir damals alle fast täglich im Radio hörten. Sogar in unseren Träumen hörten wir sie. Der Allmächtige warf mir einen grimmigen Blick zu und sagte: &#8216;Nu! Warum setzen Sie sich nicht?! Setzen Sie sich doch!&#8217;</p></blockquote>
<p><cite>Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. Frankfurt a.M. 2008. S. 686f.</cite></p>
<p>Niemals, so schreibt Oz in der Rückschau auf jene Begegnung, habe ihn ein Mensch </p>
<blockquote><p>so durch seine physische Präsenz und seine elektrisierende Willenskraft beeindruckt</p></blockquote>
<p>wie damals Ben-Gurion <cite>(ebd. S. 692)</cite>.</p>
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<p class="thumbn"><a rel="lightbox[161011]" title="Ben-Gurions Haus in Tel Aviv, Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7a/Ben_gurion0007.JPG" href="http://www.ojm.at/blog/bilder/benGurion02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/benGurion02.jpg" width="300" height="225" alt="Ben-Gurions Haus in Tel Aviv, Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7a/Ben_gurion0007.JPG" /></a></p>
</div>
<p>Ben-Gurions Haus in Tel Aviv (&#8220;Beit Ben-Gurion&#8221;) ist heute der Öffentlichkeit zugänglich – und der Besuch schon aufgrund der erhaltenen Original-Ausstattung und Ben-Gurions beeindruckender Bibliothek (20.000 Bände!) in jedem Fall lohnenswert!  </p>
<p class="tipp3"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7a/Ben_gurion0007.JPG" title="Externer Link zu 'upload.wikimedia.org...'"> <img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/faviconW.gif" alt="Wikipedia" width="16" height="16" /></a></p>
<p><br class="clear" /></p>
<p class="centered"><strong>David Ben-Gurions Geburtstag jährt sich am heutigen Sonntag, dem 16. Oktober, zum 125. Mal.</strong></p>
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		<title>Sukkot 5772</title>
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		<comments>http://www.ojm.at/blog/2011/10/12/sukkot-5772/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 07:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Burgenland]]></category>
		<category><![CDATA[Leben und Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[eisenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[sukkot]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot! חג שמח ומועדים לשמחה Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts: Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="centered"><strong>Heute Abend beginnt das Laubhüttenfest (Sukkot). Wir wünschen allen schöne Feiertage! &#8211; Happy Sukkot!</strong></p>
<p class="centered"><span class="hebr" dir="rtl">חג שמח ומועדים לשמחה</span></p>
<p>Ein Blick zurück in die Eisenstädter Judengasse am Beginn des 20. Jahrhunderts:</p>
<blockquote><p>Noch am selben Abend [Ausgang des Jom Kippur] wird zum Aufbau der Laubhütten geschritten, welche Arbeit hier freilich den Namen &#8220;Abbau&#8221; verdienen würde. In vielen Häusern befinden sich nämlich noch &#8220;gebaute Szukko&#8217;s&#8221;, d.h. Wohngeschoße, deren Dach aufhebbar ist und die, nachdem ihre Decke mit Tannenreisig belegt worden, sieben Tage hindurch als Laubhütten dienen. Fast von jedem Hausboden sah man früher diese Dachflügel, wie zwei Riesenschwingen in die Höhe ragen, um sich vor jedem Regen, wie auf Kommando schließen. Unten aber regen sich hundert tätige Hände, die die Dekorationen der Festeshütten fertig stellen wollen. Nach buntem Papier, nach Gold- und Silberflitter, nach Nüssen, Kastanien, Blumen und leeren Kürbissen ist große Nachfrage: die Kinder sind die kleinen Künstler des Tages, die weitgewanderten Talmudjünger aber meist ihre Lehrmeister. – Das Szukkothfest [Laubhüttenfest] tritt ein: schöne Tage für die sorglose Jugend. Es ist die Zeit der Nüssespiele. In allen Ecken und Hofwinkeln siehst du Gruppen von Kindern, die sich mit &#8220;Droges&#8221; vergnügen, &#8211; ein Spiel, bei dem mit einer Nuss auf eine Nusspyramide von vier Nüssen geworfen wird, &#8211; oder es wird &#8220;Bechoreles&#8221; gespielt, wobei auf den am Anfang einer liegenden Nussreihe aufrechtstehenden &#8220;Bechor&#8221; (wörtlich &#8220;Erstgeborener&#8221;) geschoben wird. [...]</p>
<p>Hoschanna-rabbo (heuer am 19. Oktober) entbehrt hier fast ganz jenes sagenreichen, gespensterhaften Charakters, den dieser Tag im Osten besitzt: der Eisenstädter ist im allgemeinen für die Mystik nicht zugänglich. Man wacht zwar bis Mitternacht, aber kein Mensch denkt daran, aus dem Mondesschatten seine Zukunft zu lesen; abends werden die &#8220;Schaines&#8221; (Hoschano&#8217;s) [Sträußchen aus fünf Weidenzweigen] in der Szukko sorgsam direkt beim Lichte der Jomkippurkerze gebunden, &#8211; die alten Lulowblätter [Palmzweige] zum Binden werden im Tempel gratis verteilt, &#8211; aber wer gedenkt des schönen, alten Nationalfestes der &#8220;Wasserschöpfe&#8221;, dem die Wasserweide ihre Bedeutung verdankt? Man weiß soviel, dass dieser 10. Tag nach Jomkippur als allerletzter Sühntag in der Reihe der &#8220;furchtbaren Tage&#8221; gilt und dies gibt dem Gottesdienste einen feierlichen Anstrich: der Vorbeter betet im Kittel [Totenhemd] und man klopft nicht, sondern ruft &#8220;in Schul&#8221; – darin besteht sein ganzer Vorzug.</p></blockquote>
<h3>Schlussfeiertage</h3>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot01.jpg" width="430" height="411" alt="Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Obstauswerfen zu Simchat Tora, Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Der Vormittag des Sch’mini Azereth [der erste Schlussfeiertag des Laubhüttenfestes, heuer der 20. Oktober] ist noch weniger fröhlicher Natur: Die Totenerinnerung, das &#8220;Maskir Neschomes&#8221; [Seelengedächtnis] und das mit den Allüren der hohen Feiertage belegte &#8220;Geschembenschen&#8221; (Gebet um Regen) stimmen ernst.[...]</p>
<p>Heute erweisen die Jünglinge selbst der Tora ihren Tribut, indem sie ebenso wie die Kinder mit ihren Papierfahnen, an den &#8220;Hakofoth&#8221; [Rundgängen mit den Torarollen in der Synagoge] unter fliegendem Banner, teilnehmen.<br />
Und doch hat die Jugend keine Tugend. Kaum ist es Nacht geworden, so wird der getreue Eckart, der Nachtwächter, unter irgendeinem Vorwande aus der Gasse entführt oder berauscht. Die geschlossenen Haustore öffnen sich, Kisten, Leitern, Bänke werden sichtbar, bald erheben sich mitten in der Gasse Barrikadenwälle, auf denen herabgeholte Firmentafeln, Auslagenschilder, Plakate prangen. Auch sonst spukt es in den Häusern: manch schöne Gänsebrust, Obst oder Gebäck hat sich anderen Tages an fremden Orten aufgefunden; an den Gassenfronten der Häuser aber erscheinen morgens geheimnisvolle Inschriften, zu deren Deutung es jedoch selten eines Daniels bedarf.</p></blockquote>
<div class="mittig1F">
<p class="thumbn"><a rel="lightbox[121011]" title="Tortenabholen in Eisenstadt 1934"  href="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02GR.jpg"><img src="http://www.ojm.at/blog/bilder/sukkot02.jpg" width="430" height="307" alt="Tortenabholen in Eisenstadt 1934" /></a></p>
<p class="center">Tortenabholen in Eisenstadt 1934<br />
<cite>Bild-&copy;: Burgenländisches Landesmuseum</cite></p>
</div>
<blockquote><p>Die größere Jugend hat inzwischen ihrer Pflicht, vor der Tora zu erscheinen, Genüge geleistet und versammelt sich nun in der Gasse. Die schon vorgestern gedungene Musikkapelle zieht an, der Rabbiner, als &#8220;Bräutigam der Tora&#8221; (so wird derjenige Honoratior benannt, mit dem das Verlesen der Bibel beendet wird) wird mit klingendem Spiel aus dem Tempel abgeholt und unter dem Trauhimmel nach Hause begleitet. Dann folgt die Kontribution. Alte Eisenstädter Sitte erheischt es, dass jede Familie, in der sich ein Bräutigam oder Braut, resp. ein dieses Jahr neuvermähltes Ehepaar befindet, den jungen Leuten am Szimchath-Thora (&#8220;Freudenfest der Tora&#8221;, heuer der 21. Oktober) eine Torte überreichte, &#8211; wohl als Lösegeld dafür, dass sie dem ledigen Stande Ade gesagt. Die Torten werden deputativ von jedem einzelnen abgeholt und mit Musiktusch begrüßt. Interessant aber ist es zu sehen, wie die ärmsten Klassen mit den reichsten wetteifern, je Geschmackvolleres, Besseres zu liefern. Die schönste Torte wird dem Rabbiner übermittelt, zu den übrigen versammelt sich nachmittags die Jugend in einem Saale. </p></blockquote>
<p><cite>Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908</cite></p>
<div class="centered">
<object type="application/x-shockwave-flash" style="width:425px; height:239px" data="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5wcG5v2BFQU?version=3&amp;hl=de_DE" /></object>
</div>
<p class="centered">Sukkot: <span lang="en" xml:lang="en">Back to Basics</span></p>
<p class="tipp">Zum Brauch mit den Nüssen usw. lesen Sie bitte unseren <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/" title="Interner Link zum Beitrag vom 22.11.09">Beitrag über das &#8220;Versöhnungsstangerl&#8221;</a> und insbesondere auch den <a href="http://www.ojm.at/blog/2009/11/22/bild-der-woche-versoehnungsstangerl/#comment-102" title="Inerner Link zum Kommentar von Yoav Sapir">2. Kommentar unseres Gastautors Yoav Sapir</a>!</p>
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