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	<title>kostblog.de</title>
	
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	<description>Anmerkungen vom Tellerrand</description>
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		<title>Randnotizen</title>
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		<comments>http://kostblog.de/randnotizen/2012/05/19/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 May 2012 06:10:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gästezimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Roelleke]]></category>

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		<description><![CDATA[I L&#228;cheln Erstaunlich, wie lange das L&#228;cheln bleibt im Gesicht des alten Mannes. Wo doch die sch&#246;ne junge Frau mit dem Kind auf dem Arm l&#228;ngst an ihm vorbei ist. II KaDeWe Die Kundschaft tr&#228;gt Armanis, Rolex und Sander und sich selbst zur Schau. Riechgt gut, ist gebr&#228;unt und geschminkt; man sieht mehr Maske als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/2256550558_1315e0e881_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2304" title="flickr/daskerst" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/2256550558_1315e0e881_z.jpg" alt="" width="600" height="406" /></a></p>
<p>I<br />
<strong>L&#228;cheln</strong></p>
<p>Erstaunlich,<br />
wie lange das L&#228;cheln bleibt<br />
im Gesicht des alten Mannes.</p>
<p>Wo doch die sch&#246;ne junge Frau<br />
mit dem Kind auf dem Arm<br />
l&#228;ngst an ihm<br />
vorbei ist.</p>
<p><span id="more-2262"></span></p>
<p>II<br />
<strong>KaDeWe</strong></p>
<p>Die Kundschaft tr&#228;gt Armanis, Rolex und Sander und sich selbst zur Schau.<br />
Riechgt gut, ist gebr&#228;unt und geschminkt; man sieht mehr Maske als Gesicht und dazu passend:<br />
Kunstblumen &#252;berall.</p>
<p>Gelangweilt, gestresst oder Hochm&#252;tig<br />
blickt man durch jeden hindruch und hat einen weiten Weg vom Edelkitsch im Erdgeschoss bis ganz nach oben.</p>
<p>Wenn der endlich geschafft ist, geben ein Schl&#252;ckchen Schampus, ein L&#246;ffel Kaviar und ein Praliné Kraft f&#252;r den Abstieg ins gemeine Volk.</p>
<p>Dem Bettler vor der T&#252;r steht der Sozialneid ins Gesicht geschrieben. Und auf seinem Pappschild liest man: &#8220;DANKE&#8221;.</p>
<p>III<br />
<strong>Fris&#246;r</strong></p>
<p>Pflichtbesuch, alle sechs Wochen,<br />
f&#252;r zehn Euro plus anderthalb Trinkgeld.<br />
Jedesmal fragt mich die Chefin,<br />
was ich trinken m&#246;chte und<br />
jedesmal sage ich<br />
&#8220;einen Whisky&#8221; worauf sie<br />
jedesmal kichert.</p>
<p>Dabei befummelt sie meine Haare und sagt Sachen, wie &#8220;Es wird endlich w&#228;rmer&#8221; oder &#8220;wieder k&#228;lter&#8221; oder &#8220;Was sch&#246;nes vor am Wochenende ?&#8221; und &#8220;Wo machen sie diesmal Urlaub ?&#8221;<br />
Seit Jahren geht das so.</p>
<p>Um das Gespr&#228;chsniveau zu heben,<br />
lege ich mir manchmal vorher eine Geschichte zurecht.<br />
Einige habe ich vielleicht schon mehrmals erz&#228;hlt.<br />
Was sie offenbar nicht bemerkt.</p>
<p>Kann auch sein, sie hat speziell trainiert, auf ihrer Meisterschule, wie man redet, ohne etwas zu sagen, zuh&#246;rt, ohne dabei zu denken und freundlich bleibt, wenn die Kundschaft nervt.</p>
<p>IV<br />
Hat Patente weltweit<br />
und vier Doktorh&#252;te,<br />
steht im Who`s Who der Wissenschaft (mit Foto), h&#228;lt Vortr&#228;ge rund um den Erdball, wohnt dann vielleicht in der Pr&#228;sidenten-Suite und bekommt, wenn es es w&#252;nscht, diskreten Damenbesuch aufs Zimmer, oder einen Leibw&#228;chter f&#252;r den Stadtbummel.</p>
<p>Seine B&#252;cher f&#252;llen ein F&#252;nf-Meter-Regal.<br />
Er wird veehrt, eingeladen,<br />
herumgereicht, vorgezeigt und gilt unter Kollegen schon l&#228;ngst als Anw&#228;rter f&#252;r den Nobelpreis.</p>
<p>Nur die Nachbarin zu Hause neben seiner st&#228;dtischen Dienstwohnung h&#228;lt ihn f&#252;r einen Trottel.<br />
Weil er nicht regelm&#228;ssig<br />
die Treppe fegt.</p>
<p>Text: Lothar R&#246;lleke</p>
<p><a href="http://http://www.flickr.com/photos/daskerst/2256550558/"><em>Bild: flickr/daskerst</em></a></p>
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		<title>Der Doppelkopf-Adler</title>
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		<comments>http://kostblog.de/der-doppelkopf-adler-7/2012/05/18/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 May 2012 05:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Albanien]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum guckt der Dicke so? Was hat er? Sehe ich aus wie jemand, der hier gleich die Kalaschnikow ziehen will, um seine Probleme ein f&#252;r alle mal loszuwerden? Dieser Endf&#252;nfziger mit der Honeckerpelzm&#252;tze  hat in mir seinen Feind erkannt! Solche Gesichter kenne ich doch von fr&#252;her. Die befehlshabenden Genossen bei der Nationalen Volksarmee musterten einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/487770981_8d557ace4d_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2280" title="flickr/Joachim S. M&#252;ller" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/487770981_8d557ace4d_z.jpg" alt="" width="600" height="460" /></a></p>
<p><strong>Warum guckt der Dicke so? Was hat er? Sehe ich aus wie jemand, der hier gleich die Kalaschnikow ziehen will, um seine Probleme ein f&#252;r alle mal loszuwerden? Dieser Endf&#252;nfziger mit der Honeckerpelzm&#252;tze  hat in mir seinen Feind erkannt! Solche Gesichter kenne ich doch von fr&#252;her. Die befehlshabenden Genossen bei der Nationalen Volksarmee musterten einen oft so &#8211; und spezielle Berufsschullehrer, die ihre Klassen zu Einheitspartei-Kollektiven glattstriegeln wollten. Seid wachsam &#8211; das ist die Fratze des Klassenfeindes! So sieht er aus. <span id="more-2279"></span></strong></p>
<p>Ich befinde mich im Eingangsbereich bei <em>Kaiser´s</em>. Es ist Samstagmittag. An der Kasse staut sich eine Schlange. Ich flaniere den Wartenden entgegen. Auch die &#214;ko-Mutti, die hinter dem Honeckernachfolger steht &#8211; die ihr Baby mit Batikt&#252;chern an den Leib geklebt hat &#8211; fixiert mich. Ihre vorwurfsvollen Augen erinnern mich an meine Horterzieherin aus dem zweiten Schuljahr. Politisch korrekt zieht sie ihre Mundwinkel nach unten, um Widerwillen und Abneigung zu dokumentieren. &#8220;Mit allen klappts – nur mit dir nicht&#8221;, h&#246;re ich sie denken. Um ein Haar h&#228;tte ich gewohnheitsm&#228;&#223;ig den Kopf eingezogen, mir eine Bananenkiste geschnappt, mich an den Packtisch gesetzt und ne halbe Stunde gesch&#228;mt.</p>
<p>Drau&#223;en in der Fu&#223;g&#228;ngerzone treiben sich Umweltschutzwerber vom BUND herum. Sie verhaften einen Passanten nach dem anderen. Eines dieser M&#228;dchen, die sich alle geb&#228;rden als w&#252;rden sie die Kurvenlage beim Gleitflug &#252;ben, nimmt Kurs auf mich. Sie dreht aber sofort wieder ab, nachdem sie mich zwei Sekunden lang abgescannt hat. Nicht mal die will mich. Im nahegelegenen Russenladen will ich mir eine Portion Borschtsch holen. Zwei nerzumh&#252;llte Alt-Models, welche durch die G&#228;nge wandeln, machen einen gro&#223;en Bogen und starren mich an, als ob auf dem Roten Platz gerade eine Wasserstoffbombe explodiert w&#228;re. Heute scheinen sich alle einig zu sein. Okay, es gibt Tage, da l&#228;uft man auf der Schattenseite.</p>
<p>Auf dem Nachhauseweg kommt mir ein Schwarzafrikaner entgegen. Er l&#228;chelt. Endlich mal einer. „Mire dita!“ ruft er fr&#246;hlich im Vorbeischlendern. Ich stoppe.  Moment. Das kenne ich doch. Ich drehe mich um. Er winkt im Weitergehen: „Sprichst du die Sprache?“ Ich bin baff. Der hat mir eben einen Guten Tag gew&#252;nscht. Jetzt klingelt´s. Es ist meine neue rote M&#252;tze! Auf ihrer Vorderseite prangt ein doppelk&#246;pfiger schwarzer Adler – das albanische Wappentier. Und unter seinen Krallen steht: ALBANIA. Huh – is klar, da sp&#252;rt das geduckte Mitglied der urbanen Gemeinschaft Lebensgefahr. Vorsicht! Ein H&#252;tchenspieler, Messerstecher, Zuh&#228;lter, Drogenh&#228;ndler. Und der hat gar keine Scheu! Unversch&#228;mt. Der soll zur&#252;ck auf die Reeperbahn oder ab in den Kosovo – soll dort seine Gesch&#228;fte weiterf&#252;hren. Tatsache ist: Albanische Kriminelle setzen alle solche Kappen auf, um den Deutschen zu zeigen, dass sie albanische Kriminelle sind.</p>
<p>Meine M&#252;tze – ein Mitbringsel aus Tirana. Dort interessiert es niemanden, was man auf dem Kopfe tr&#228;gt … sondern h&#246;chstens, was man in der Tasche hat &#8230;</p>
<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/loti-kioske.png"><img class="alignnone size-full wp-image-2299" title="loti-kioske" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/loti-kioske.png" alt="" width="600" height="202" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/joachim_s_mueller/487770981/"><em>Bild: flickr/Joachim S. M&#252;ller</em></a></p>
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		<title>Vaters Tag</title>
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		<comments>http://kostblog.de/vaters-tag-7/2012/05/17/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 May 2012 14:30:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jan Hufenbach]]></category>
		<category><![CDATA[Trunkenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Nackensteaks. In meinem Wortschatz hei&#223;en diese Typen schlichtweg Nackensteaks. Gerade ist wieder ein Pulk Nackensteaks an unserem Grundst&#252;ck vorbei geradelt. Johlend, feixend, grunzend. Nackensteaks sind f&#252;r mich all die schwer oder wenigstens angetrunkenen Vatertagsfeierer, die seltsam entbl&#246;det durch die Gegend radeln, torkeln, fahren, kriechen. Junge und Alte im alkoholisierten und sp&#228;ter kotzenden Mann-Sein vereint und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/4604052127_1c128cdbc0_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2294" title="flickr/gynti_46" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/4604052127_1c128cdbc0_z.jpg" alt="" width="600" height="407" /></a></p>
<p><strong>Nackensteaks. In meinem Wortschatz hei&#223;en diese Typen schlichtweg Nackensteaks. Gerade ist wieder ein Pulk Nackensteaks an unserem Grundst&#252;ck vorbei geradelt. Johlend, feixend, grunzend. Nackensteaks sind f&#252;r mich all die schwer oder wenigstens angetrunkenen Vatertagsfeierer, die seltsam entbl&#246;det durch die Gegend radeln, torkeln, fahren, kriechen. Junge und Alte im alkoholisierten und sp&#228;ter kotzenden Mann-Sein vereint und ganz sicher eben nicht alles V&#228;ter.</strong><span id="more-2292"></span></p>
<p>Die meisten von ihnen haben kein Kind. Definitiv nicht. Ich glaube ja, dass die sich insgeheim deshalb vor lauter Frust besaufen, weil sie keine Kinder haben, die sie und mit denen sie feiern k&#246;nnten. Vielleicht sind auch ein paar Zwangs-Heteros dabei, also Schwule mit verstrichenem Outing-Termin, die die Gelegenheit nutzen, m&#246;glichst vielen fremden ganz-k&#246;rper-behaarten M&#228;nnern in den Armen zu liegen, zumal im Suff der Griff in den fremden Schritt auch nicht so auff&#228;llt. Hoppla, war &#8216;nen Versehen!</p>
<p>Nackensteaks, ach ihr Nackensteaks. Eure Nacken sind ger&#246;tet von der Maisonne wie frische Nackensteaks. Brutzel, brutzel. Fettrand. Gew&#252;rzketchup. Im Nacken der Schweine landen all die leckeren Spritzen der Veterin&#228;re, ihr Grillos. Schweine im &#220;brigen von deren Leben man im Allgemeinen nicht von Leben sprechen kann sondern h&#246;chstens von einem Vegetieren. Jetzt kommt ein Bollerwagen Trupp um die Ecke gestolpert. Drei Bollerwagen und – lass mich z&#228;hlen – 11 M&#228;nnlein mit Bierkrug in der Hand.</p>
<p>Wie vatert&#228;glich! Ihr heiligen Christenmenschen! Den Me&#223;becher habt ihr mit einem Humpen vertauscht und das Blut Jesu flie&#223;t als Hopfensaft durch Eure vergr&#246;hlten Kehlen. Ich seh den Pfarrer sich aus der Kanzel erbrechen. Das nenn ich eine Initiation! Zeigt den Jungen, was f&#252;r stramme Vorbilder ihr seid. Morgen kann man euch googlen und findet tausende Bilder von grenzdebilen Halbtoten, denen der stinkende Speichel aus dem Mundwinkel l&#228;uft. Auch Du wirst dabei sein. Du Held. Ihr Helden!</p>
<p>Heute ist Christi Himmelfahrt und ein nicht unerheblicher Teil von Euch wird heute, halleluja, gen Himmel fahren, denn statistisch betrachtet werden an diesem heutigen Tage alle Rekorde in Sachen <a href="http://kostblog.de/tag/trunkenheit/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Trunkenheit">Trunkenheit</a> am Steuer um ein dreifaches geknackt. Wenn Du das Gl&#252;ck hast, nicht vor einen Baum zu rasen oder von einem Raser gegen einen Baum geklatscht zu werden, dann landest Du m&#246;glicherweise in einer Schl&#228;gerei. Auch die finden statisch betrachtet um ein vielfaches statt. Nase platt, Zahn raus, Arm gebrochen: Hey! Es ist Vatertag! Die wenigstens von den bierseligen Vollpfosten wissen, dass der Vatertag in den USA erfunden wurde. Ja richtig, die Amis haben Euch das aufgedr&#252;ckt. Vatertag, Hamburger, TV-Dinner&#8230;und noch ein Rekord wird morgen in der Zeitung stehen – der Promille Rekord eines Minderj&#228;hrigen, den man halbtot aus einem Geb&#252;sch gezerrt hat.</p>
<p>Rekorde, Rekorde. Schon irre. Vor meinem inneren Auge &#246;ffnet sich jetzt das Guinness Buch der Rekorde mit der Rubrik Vatertagsschandtaten. Auf Facebook schrieb eine Frau: Lasst es krachen M&#228;nner! Genau Frau, Du hast es erfasst. Auch hier droht ein trauriger Rekord, denn am Vatertag ist Hochsaison f&#252;r M&#228;nner, die ihre Frauen verpr&#252;geln und die Kinder abwatschen, weil die einen keinen Bock auf einem Koitus mit einem Alki haben und die anderen, die Kinder, sich vor Angst vor ihrem zum Monster mutierten Vater irgendwo verstecken wollen. Prost. Amen. Kotz. Ah – Gerade gabs auf der Stra&#223;e lautes Geschepper. Ich geh mal schauen, was da los ist.</p>
<p>Text: Jan Hufenbach</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/7891209@N04/4604052127/"><em>Bild: flickr/gynti_46</em></a></p>
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		<title>Mein Albtraum im IKEA-Bett</title>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 05:28:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genie und Wahnsinn]]></category>
		<category><![CDATA[Mike Altmann]]></category>
		<category><![CDATA[Abba]]></category>
		<category><![CDATA[Calmund]]></category>
		<category><![CDATA[Jack Wolfskin]]></category>

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		<description><![CDATA[Axel Sundersen, der Erfinder des Buntstiftspitzers hat gut lachen. Er sitzt bei Aquavit in der mollig warmen K&#252;che seines reetgedeckten H&#228;uschens vor den Toren von V&#228;stervik. Zu Besuch sind Svantje und Ville, das Zwillingsp&#228;rchen von gegen&#252;ber. Normalerweise kommt nie jemand bei ihm vorbei, au&#223;er Margrit, der alten Postbotin, die nebenbei Drogen verkauft. Sie ist vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/7028719989_7815e2806c_z1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2290" title="flickr/avlxyz" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/7028719989_7815e2806c_z1.jpg" alt="" width="640" height="429" /></a></p>
<p><strong>Axel Sundersen, der Erfinder des Buntstiftspitzers hat gut lachen. Er sitzt bei Aquavit in der mollig warmen K&#252;che seines reetgedeckten H&#228;uschens vor den Toren von V&#228;stervik. Zu Besuch sind Svantje und Ville, das Zwillingsp&#228;rchen von gegen&#252;ber. Normalerweise kommt nie jemand bei ihm vorbei, au&#223;er Margrit, der alten Postbotin, die nebenbei Drogen verkauft. Sie ist vor zwei Jahren von der World Mailing Association in Lettland ausgezeichnet worden. In ihrer Karriere hat Margrit sieben Sch&#228;ferhunde, zw&#246;lf Pudel und 126 Promenadenmischungen totgebissen. Daf&#252;r verlieh ihr die WMA den Titel World Strongest Biting Bitch und sie erh&#228;lt bis ans Lebensende Gratisletter.<span id="more-2258"></span></strong></p>
<p>Margrit ist l&#228;ngst durch bei Herrn Sundersen. Also nicht unten sondern zeitlich gesehen. Svantje und Ville, das sympathische Zwillingspaar von gegen&#252;ber, sind &#228;u&#223;erlich nicht zu unterscheiden. Beide haben exakt 83 Sommersprossen, eine Zahnl&#252;cke, durch die ein handels&#252;bliches blau-gelbes Trinkr&#246;hrchen passt und ihr rotblondes Haar zu Z&#246;pfen geflochten, die mit Zuckerwasser k&#252;nstlich angesteift sind, damit sie genau 90 Grad vom Kopf abstehen. Auseinanderhalten kann selbst Herr Sundersen seine G&#228;ste nur, wenn sie sich beim <em>fika</em>, wie die traditionelle Kaffeerunde in Schweden genannt wird, ihr Getr&#228;nk zubereiten. Svantje nimmt Milch und Zucker zum Kaffee. Ville Moskovskaja und Baileys.</p>
<p>Die Zwillinge geh&#246;ren zur schwedischen Nationalmannschaft in der bei uns noch weitgehend unbekannten Sportart Klischee-Vierkampf. Ville h&#228;lt den Weltrekord im Pferdeweittragen. Nach zweimal Malm&#246;-Uppsala verdurstete der Gaul auf seinen Armen. Seine Schwester ist unangefochtene Nummer eins im Regalaufbau ohne Akkuschrauber. Im Teamcontest K&#246;ttbullar-Wettessen haben Svantje und Ville zuletzt nur Platz zwei belegt. Im Finale war kein Kraut gewachsen gegen das deutsche Team Calli und <a href="http://kostblog.de/tag/calmund/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Calmund">Calmund</a>. Daf&#252;r ist Ville mittlerweile dreizehn mal in Folge Olympiasieger im Tannenbaum- Zielwerfen. Einer anspruchsvollen Disziplin, bei der aus dem obersten Stockwerk des Burj Khalifa der kleinste der Sieben Zwerge getroffen werden muss.</p>
<p>Da es in Schweden niemals hell wird, ist die Petroleumrechnung von Axel Sundersen heute das beherrschende Gespr&#228;chsthema. Als niemand wirklich eine Idee mehr hat, wie Herr Sundersen dieses Problem l&#246;sen kann, klopft es. Zwei ausgewanderte Leipzigerinnen stehen vor der T&#252;r. Die  eine mit einer schneewei&#223;en, die andere mit einer rosenroten Jacke von <a href="http://kostblog.de/tag/jack-wolfskin/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Jack Wolfskin">Jack Wolfskin</a>. Sie haben sich verfahren und ihre A-Klasse ist umgekippt, kurz nachdem sie einen Elch nach dem Weg und etwas Lippenbalsam gefragt haben.</p>
<p>Die Freude &#252;ber den neuerlichen unerwarteten Besuch ist so gro&#223; bei Herrn Sundersen, dass er  den letzten Karlsson vom Dach holt und in einem leckeren Schwedentopf serviert. Weil sich die Besucherinnen gar nicht mit dem alten Schweden verst&#228;ndigen k&#246;nnen, ruft mich Herr Sundersen mit Klopfzeichen gegen die Heizung. In meinem Kellerloch &#252;bersetzt mir eine Bisamratte, mit der ich vor drei Wochen Br&#252;derschaft getrunken habe, die Morsezeichen. Ich soll mich waschen und rasieren und mir was Vern&#252;nftiges anziehen. &#8220;Was? Ist egal. <a href="http://kostblog.de/tag/abba/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Abba">Abba</a> auf gar keinen Fall einen Norwegerpulli.&#8221; Der Schl&#252;ssel zur Kellert&#252;r liegt im Ofen, gleich hinter dem kalten Hund, den Margrit neulich angeschleppt hat.</p>
<p>Ich laufe nach oben. Der freundliche Herr Sundersen hat wie immer seine Schweden-Mauser auf mich gerichtet. Ich habe aber nur Augen f&#252;r die sch&#246;ne Svantje, die ich mit einem innigen Kuss begr&#252;&#223;e. Sie ist schlecht rasiert. Daf&#252;r duftet Ville nach Rosenbl&#252;ten.  Die Welt ist verr&#252;ckt, und die  schwedischen Gardinen m&#252;ssten auch mal wieder in die W&#228;sche.</p>
<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2011/04/mike-altmann.png"><img class="alignnone size-full wp-image-1115" title="mike-altmann" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2011/04/mike-altmann.png" alt="" width="600" height="236" /></a></p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/avlxyz/7028719989/"><em>Bild: flickr/avlxyz</em></a></p>
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		<title>Auf geheimnisvolle Weise</title>
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		<comments>http://kostblog.de/auf-geheimnisvolle-weise/2012/05/15/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 May 2012 04:55:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Axel Krüger]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>

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		<description><![CDATA[Was kostet, so frage nicht nur ich mich bisweilen, was kostet eigentlich Gl&#252;ck? Vielleicht ist das Gl&#252;ck ja eine Bordsteinschwalbe, die sich Dir nur zur Seite legt, wenn Du mit fremder W&#228;hrung zahlst. Und der, der Angst hat vor der fremden M&#252;nze, wer Angst hat, dass ihm die unvertrauten Scheine L&#246;cher in die Hosentaschen brennen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/3019776218_9cfddfea31_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2289" title="flickr/Cia de Foto" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/3019776218_9cfddfea31_z.jpg" alt="" width="600" height="407" /></a></p>
<p><strong>Was kostet, so frage nicht nur ich mich bisweilen, was kostet eigentlich Gl&#252;ck? Vielleicht ist das Gl&#252;ck ja eine Bordsteinschwalbe, die sich Dir nur zur Seite legt, wenn Du mit fremder W&#228;hrung zahlst. Und der, der Angst hat vor der fremden M&#252;nze, wer Angst hat, dass ihm die unvertrauten Scheine L&#246;cher in die Hosentaschen brennen, der wird das Gl&#252;ck nicht sp&#252;ren k&#246;nnen. Weil die Angst ihm Eisenketten um sein kleines Herzchen legt.</strong><span id="more-2180"></span></p>
<p>Wer das Gl&#252;ck rein lassen will, muss schon die Tore &#246;ffnen. Wer sein Gl&#252;ck sucht, muss die Zugbr&#252;cken rasselnd runter und die Schlossgr&#228;ben trockenlaufen lassen, muss L&#246;cher in die dicken Mauern brechen, hinter denen seine Seele sich so sicher und so einsam f&#252;hlt. Doch ach, dann droht Gefahr, h&#246;r ich die armen Ritter barmen, die Rost an ihrer R&#252;stung haben vom Angstschwei&#223;, der in Str&#246;men flie&#223;t.</p>
<p>Neulich hab ich drei Jungs geseh’n, drei kleine Knirpse zwischen den hohen H&#228;userfluchten meiner Stadt, die so voller leerer H&#228;user ist, dass man manchmal fliehen will, weil H&#228;user nur dann Freunde sind, wenn Menschen sie bewohnen. Die drei kleinen Knirpse haben ein wunderbares Spiel gespielt.</p>
<p>Sie sprangen, wenn ein Auto fuhr, auf ausfahrbare Poller. Das sind ganz wundersame Dinge. Sie stehen wie Menetekel einer Zeit, die Ordnung auf den Stra&#223;en mehr sch&#228;tzt als Gummihopse, Fu&#223;ballgebolze und das Ger&#228;usch vom Tretrollerfahren.</p>
<p>Kommt der Fahrer eines Autos mit Einfahr- oder auch Ausfahrgenehmigung senkt sich der Poller auf geheimnisvolle Weise wie von Geisterhand. Und f&#228;hrt, kaum braust die Limousine in die Ferne, wieder nach oben, um jedermann den Weg zu sperren, der nicht berechtigt ist.</p>
<p>Das ist der Augenblick der kleinen Kerle. Sie springen auf die S&#228;ule und fliegen mit ihr in die Luft. Nicht weit, nur einen Meter zehn. Das ist weit mehr, als viele Menschen sich getrauen w&#252;rden. Also st&#228;hlt Stolz die Brust der jungen Recken. Ganz zu Recht. Ich liebe solchen Mut.</p>
<p>Weil wir umgeben sind von Losigkeit. An Mut, an Lust und dann am Ende auch an Arsch. Arschlos zu sein ist weit verbreitet und ein so f&#252;rchterliches  Schicksal, dass es hei&#223;t, Bedauern auszubilden f&#252;r die Betroffenen. Menschen, die keinen Hintern haben haben meist auch keine Front, weil je nach Standpunkt vorne hinten ist und hinten vorne und nun das Ganze nie <em>mehr</em> sein wird als die l&#228;cherliche Summe seiner Teile.</p>
<p>Wer teilen kann ist gl&#252;cklich oder wird es, hei&#223;t es. Beides stimmt so nicht. Das Dilemma entsteht, wenn die L&#228;mmer leidend schweigen,  weil ihr Sch&#228;fer beim ber&#252;hmten Sch&#228;ferst&#252;ndchen weilt, statt sie zu leiten, seine L&#228;mmer. Lauteren Herzens musst Du sein als guter Sch&#228;fer. Lauter als alle and’ren Stimmen allemal. Vom Mahl des Sch&#228;fers wird das Lamm doch stets gest&#228;rkt und niemals lahm.</p>
<p>Ich fresse alles. Ich fresse mich so gerne satt am guten gr&#252;nen Gras. Ich fresse aus den Tr&#246;gen, die mich m&#246;gen, weil ich alles esse, was das Gl&#252;ck mir so serviert.  Ich bin auch voller Dank f&#252;r jeden Trank. Und habe einen Freund, der mir verzeiht, wenn ich ihm wieder mal nicht folgen kann.</p>
<p>Kein Glas blieb steh’n im Geh’n und keine Zigarette ungeraucht, auch wenn ich frieren musste vor der T&#252;r mit Dir. Ich habe eine Frau, wie keine jemals war in meinem Leben. Sie ist &#8211; mit einem s &#8211; und isst und trinkt und lebt, sie raucht und kocht und liebt, dass mir das Gl&#252;ck aus allen Poren spritzt.</p>
<p>Die kleinen Kerle haben mir gezeigt, dass jeder bl&#246;de Poller auch ein Hochseil sein kann, auf dem ein Tanz sich eignet, um aufzusteigen in den Himmel meiner Stadt. Ich tanze los.</p>
<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2011/03/axel-krueger.png"><img class="alignnone size-full wp-image-1089" title="axel-krueger" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2011/03/axel-krueger.png" alt="" width="600" height="201" /></a></p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/ciadefoto/3019776218/"><em>Bild: flickr/Cia de Foto</em></a></p>
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		<title>Ich verlange nichts</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 05:10:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gästezimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Jenny]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich verlange nichts. Nur w&#252;nsche ich mir deine Aufmerksamkeit. Um gesehen zu werden. Ich verlange nichts. Nur w&#252;nsche ich mir deinen Blick. Um mich darin zu erkennen. Ich verlange nichts. Nur w&#252;nsche ich mir deinen Zuspruch. Um zu bedeuten. Ich verlange nichts. Nur w&#252;nsche ich mir deine Gedanken. Um zu sehen, dass sie sich um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/6883274365_8c7b6e2518_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2283" title="flickr/Foto_di_Signorina" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/6883274365_8c7b6e2518_z.jpg" alt="" width="600" height="413" /></a></p>
<blockquote><p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir deine Aufmerksamkeit.<br />
Um gesehen zu werden.</p>
<p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir deinen Blick.<br />
Um mich darin zu erkennen.</p>
<p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir deinen Zuspruch.<br />
Um zu bedeuten.</p>
<p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir deine Gedanken.<br />
Um zu sehen, dass sie sich um mich drehen.</p>
<p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir dein Herz.<br />
Um zu sp&#252;ren, dass es gleich meinem schl&#228;gt.</p>
<p>Ich verlange nichts.<br />
Nur w&#252;nsche ich mir deine Liebe.<br />
Um in ihr vollends aufzubl&#252;hen.</p>
<p>Ich verlange nichts.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Text: <a href="http://kostblog.de/tag/jenny/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Jenny">Jenny</a> Neumann</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/amarcord69/6883274365/"><em>Bild: flickr/Foto_di_Signorina</em></a></p></blockquote>
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		<title>Mütter ohne Blumen</title>
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		<comments>http://kostblog.de/mutter-ohne-blumen-7/2012/05/13/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 May 2012 05:38:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heinz Eggert]]></category>

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		<description><![CDATA[Nat&#252;rlich bekam sie jedes Jahr zum Muttertag von ihrem Sohn Blumen, Pralinen und eine herzliche Umarmung, aus Dankbarkeit und Zuneigung heraus. Sie hingen beide sehr aneinander. Er wusste, wie sehr ihn seine Mutter liebte und was sie alles in seinem Leben f&#252;r ihn getan hatte. Er wusste auch, wie viel eigene Lebensw&#252;nsche und Lebenssehns&#252;chte sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/5775406637_ecb5a7beb8_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2278" title="flickr/Bundeswehr" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/5775406637_ecb5a7beb8_z.jpg" alt="" width="600" height="392" /></a></p>
<p><strong>Nat&#252;rlich bekam sie jedes Jahr zum Muttertag von ihrem Sohn Blumen, Pralinen und eine herzliche Umarmung, aus Dankbarkeit und Zuneigung heraus. Sie hingen beide sehr aneinander. Er wusste, wie sehr ihn seine Mutter liebte  und was sie alles in seinem Leben f&#252;r ihn getan hatte. Er wusste auch, wie viel eigene Lebensw&#252;nsche und Lebenssehns&#252;chte sie f&#252;r ihn zur&#252;ckgestellt hatte. Denn sie hatte ihn allein erzogen.</strong><span id="more-2221"></span></p>
<p>Er nahm das alles nicht als selbstverst&#228;ndlich, weil er auch die M&#252;tter von Schulkameraden kannte, die das Wort Mutter noch nicht einmal in ihrer Funktion aus f&#252;llten.</p>
<p>Von dem  ehrenden Klang des Wortes Mutter weit entfernt.</p>
<p>Deswegen mochten beide auch diesen symbolischen Muttertag.</p>
<p>Sie mochten beide diesen Tag, weil es sch&#246;n ist, „Danke!“ zu sagen, weil beide noch da sind. Obwohl M&#252;tter ja ohnehin unsterblich sind. Selbst wenn wir sie nicht mochten, machen sie uns bis zum Lebensende zu schaffen.</p>
<p>Aber er mochte seine Mutter sehr.</p>
<p>Im letzten Jahr steckte in dem &#252;bergro&#223;en Blumenstrau&#223; eine Karte, auf der stand: Weil Gott nicht &#252;berall sein kann, schuf er die M&#252;tter. Diese Karte  hat sie noch.  Ihren  Sohn nicht mehr. Der starb vor zehn Monaten in dem m&#246;rderischen Krieg in Afghanistan.</p>
<p>Obwohl sie wollte, dass den Menschen in Afghanistan geholfen wird, wollte sie nicht, dass er  in diesen  Krieg zog.</p>
<p>Er begeisterte sich f&#252;r die Bundeswehr und war ohnehin  der Meinung, dass alles gut gehen w&#252;rde. Wie alle dachte er, um die untergr&#252;ndige Angst zu deckeln, ihm w&#252;rde nichts passieren. Anderen zu helfen, Brunnen und Schulen zu bauen, das gefiel ihm. Die soziale Kompetenz seiner Mutter, die viel mit geistig  behinderten Kindern arbeitete, hatte ihn gepr&#228;gt.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat sie ihm nie gesagt, dass ihr Herz jedes Mal zu rasen begann, wenn nur irgendwo der Name  Afghanistan fiel. Trotzdem kannte er ihre Angst um ihn.</p>
<p>Seit sie die Todesnachricht bekam, lebt sie wie unter einem gro&#223;en nicht durchdringbaren Trauerschleier und wundert sich, dass sie immer noch Tr&#228;nen hat. Die ihr zu gesandten zwei Koffer ihres Sohnes stehen unausgepackt in seinem Zimmer.<br />
Obwohl ein Koffer noch ein Geburtstagsgeschenk f&#252;r sie enth&#228;lt.</p>
<p>Nichts ist in seinem Zimmer ver&#228;ndert. Als wenn er  morgen wieder kommen k&#246;nnte. Aber er wird nicht mehr kommen. Das wei&#223; sie. Aber dieses Wissen hat sie krank gemacht. Jetzt ist sie schon lange krankgeschrieben, und bem&#252;ht sich seit Monaten um eine Kur f&#252;r die Trauerbew&#228;ltigung. Vergeblich!</p>
<p>Sie trauert um ihren Sohn und k&#228;mpft mit Beh&#246;rden und Krankenkassen.</p>
<p>Wenn der Sohn ihr schon keine Blumen mehr schenken kann, weil er sein Leben in diesem Krieg verloren hat, m&#252;sste es doch eine doppelte Verantwortung der Gesellschaft gegen&#252;ber dieser Mutter geben. Oder?</p>
<p>Nach langem Kampf hat sie jetzt eine Kur bekommen.</p>
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<p><a href="http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/5775406637/"><em>Bild: flickr/Bundeswehr</em></a></p>
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		<title>Der Findling</title>
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		<pubDate>Sat, 12 May 2012 06:04:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gästezimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Toepfer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie sagt man immer so sch&#246;n, der Glaube kann Berge versetzen. Der Glaube der Menschen ist vielf&#228;ltig. An etwas zu glauben gibt uns Kraft. Ich glaube an meinen Stein. Er ist ein mannshoher Findling im Wald hinter unserem Anwesen. Ein kleiner Waldweg f&#252;hrt an ihm vorbei. Jeder kann ihn sehen, aber nicht jeder kennt sein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/4869825312_7686be5c83_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2276" title="flickr/dr_knox" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/4869825312_7686be5c83_z.jpg" alt="" width="600" height="407" /></a></p>
<p><strong>Wie sagt man immer so sch&#246;n, der Glaube kann Berge versetzen. Der Glaube der Menschen ist vielf&#228;ltig. An etwas zu glauben gibt uns Kraft. Ich glaube an meinen Stein. Er ist ein mannshoher Findling im Wald hinter unserem Anwesen. Ein kleiner Waldweg f&#252;hrt an ihm vorbei. Jeder kann ihn sehen, aber nicht jeder kennt sein Geheimnis.</strong><span id="more-2261"></span></p>
<p>Als kleiner Junge ging mein Vater oft mit mir in den Wald zu diesen Stein. An einer gewissen Stelle gab es eine W&#246;lbung, kaum wahrnehmbar wenn man nicht genau hinsah. Ich musste dann immer meine Hand darauflegen. Jedes mal fragte ich meinen Vater warum ich das tun musste. Das w&#252;rde er mir sp&#228;ter erz&#228;hlen, wenn ich gr&#246;&#223;er bin.</p>
<p>Und dann, mit vierzehn oder f&#252;nfzehn Jahren,wir waren wieder an dem Stein, fing er an zu erz&#228;hlen. &#8220;Mein Junge, der Ururgro&#223;vater deines Urgro&#223;vaters hat diese Stelle am Stein entdeckt. Er hatte sich mal in die Hand geschnitten und konnte sie nicht mehr bewegen. Auf seinem Weg nach Hause kam er hier an diesem Findling vorbei, hielt einen Moment inne, um ein wenig zu verschnaufen und legte seine kranke Hand genau auf diese Stelle von dem Stein. Er sp&#252;rte sofort ein Kribbeln in seiner Hand.</p>
<p>Als er sie sich ansah, war die Schnittwunde verschwunden und er konnte seine Hand wieder bewegen. So soll es sich zugetragen haben. Er hat nun in seinem weiteren Leben den ganzen Stein untersucht und herausgefunden, dass nur diese Stelle magische Kr&#228;fte besitzt. Aber dieser Stein heilt nicht nur Wunden, er gibt dir auch seelische Kraft. Hast du Sorgen, Kopfweh, Kummer, Angst &#8211; also wenn dich irgendetwas bedr&#252;ckt, lege deine Hand auf diesen Stein und du wirst dich besser f&#252;hlen.&#8221;</p>
<p>Also, so recht konnte ich das nicht glauben. H&#246;rte sich wie ein M&#228;rchen an. Ich habe es erst Jahre sp&#228;ter so richtig begriffen. Ob die Geschichte sich nun so ereignet hat, spielt eigentlich keine Rolle. Fakt ist eins, in unserer Familie gibt und gab es keine gro&#223;en Krankheiten. In unserer Familienchronik kommen keine tragischen Schicksalsschl&#228;ge vor und alle haben ein hohes Alter erreicht.</p>
<p>Ob das nun an diesem Findling liegt oder nicht ist egal. Ich glaube daran, und das allein wird wohl helfen. Oft gehe ich in den Wald, lege meine Hand auf die W&#246;lbung dieses Findlings, rede sogar mit ihm.  Eigentlich geh&#246;rt er zur Familie. Und beim Abschied gibt er mir immer etwas mit. Ich wei&#223; nicht was, aber es wird mir helfen.</p>
<p>Aber man muss daran glauben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Text: Bernd T&#246;pfer</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/dr_knox/4869825312/"><em>Bild: flickr/dr_knox</em></a></p>
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		<title>Wie Google meine Ehe rettete</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 05:20:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Corinna Greven]]></category>
		<category><![CDATA[Retterspitz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin fies umgeknickt. Mit dem Fu&#223;kn&#246;chel. Am Freitagabend, der eigentlich schon ein Samstagmorgen war. Wir waren auf dem Heimweg aus der einen und der anderen Kneipe. Jeder von uns trug je eine Pizza in der einen Hand und f&#252;hrte mit der anderen Hand st&#252;ckchenweise Teig-doppeltK&#228;se-Knoblauchscharf-Geschlurpse in die Mitte des eigenen Gesichts. Da kann man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/27055814_9ab323505b_z1.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2271" title="ts" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/27055814_9ab323505b_z1.jpg" alt="" width="600" height="460" /></a></p>
<p><strong>Ich bin fies umgeknickt. Mit dem Fu&#223;kn&#246;chel.  Am Freitagabend, der eigentlich schon ein Samstagmorgen war. Wir waren auf dem Heimweg aus der einen und der anderen Kneipe. Jeder von uns trug je eine Pizza in der einen Hand und f&#252;hrte mit der anderen Hand st&#252;ckchenweise Teig-doppeltK&#228;se-Knoblauchscharf-Geschlurpse in die Mitte des eigenen Gesichts. Da kann man schon mal stolpern.</strong><span id="more-2222"></span></p>
<p>Meinem Mann pl&#228;rrte ich abwechselnd hinterher: „Waaaaarte!! Mein Bein ist gebrochen!“ und  „Geh ohne mich weiter, ich bin nur eine Last f&#252;r Dich!“.</p>
<p>In einer solchen Situation kann ein Mann, und gerade meiner, nur verlieren. Er tat das einzig Richtige und stellte sich, heimw&#228;rts latschend, tot.</p>
<p>Irgendwann muss ich auch zu Hause angekommen sein, denn am echten Samstagmorgen, der eigentlich schon ein Samstagmittag war, wachte ich auf und dachte: „Au.“</p>
<p>Gehen ging nicht. Humpeln ging. So humpelte ich auf die Couch, auf der ich auch f&#252;r den Rest des Wochenendes verblieb.</p>
<p>Getrieben vom schlechten Gewissen (der Pizza waren einige alkoholische Erfrischungsgetr&#228;nke vorausgegangen) versuchte ich nat&#252;rlich, mir meine st&#228;rker werdenden Schmerzen nicht anmerken zu lassen und versicherte meinem Mann, dass er nat&#252;rlich ruhig und gerne mit jemand anders zum Max Raabe Konzert am Abend, f&#252;r das ich vor &#252;ber zehn Monaten die Karten gekauft hatte, gehen k&#246;nne. Strafe muss sein. Und Strafe war. Mich dem Selbstmitleid hingebend, lagerte ich, der PECH-Methode folgend, den nun pochenden und sich verf&#228;rbenden Klumpen Endmensch auf der Couchlehne.</p>
<p>Hatte ich noch damit gerechnet, dass mein Mann sich direkt nach dem Konzert auf den Heimweg machen w&#252;rde, um sich um mich zu k&#252;mmern, gab ich diesen Gedanken gegen zwei Uhr nachts auf und humpelte ins Bett.</p>
<p>Am Sonntag dann bekam ich endlich mein Mitleid. Mein Fu&#223; sah aber auch mal schei&#223;e aus. Dick und blau wie ein Schlumpf. Aber straffe Haut hatte er. Das muss ich schon sagen. Gehen ging schon besser. Nicht besser als Humpeln, aber besser als am Vortag. Mit Angst musste ich jedoch die zunehmende Besorgnis im Gesicht meines Gegen&#252;bers wahrnehmen. Er sorgt sich doch immer so. Er geht doch immer direkt vom Schlimmsten aus. Er will doch noch kein Witmann werden. Vorsichtshalber w&#252;rde er mir nicht von der Schwellpelle r&#252;cken.</p>
<p>Ich durfte mir nichts anmerken lassen.</p>
<p>Tats&#228;chlich f&#252;hlte mein Fu&#223; sich nach l&#228;ngerer K&#252;hlung und Hochlagerung (E und H vom PECH) besser und verhielt sich somit gegenteilig zu meinem Gatten.</p>
<p>Am Montag weigerte ich mich zum Arzt zu gehen und fuhr stattdessen ins B&#252;ro. Abends wollte ich mir nur neugierig meinen Fu&#223; anschauen. Leider hatte ich vergessen, mich dazu im Bad einzuschlie&#223;en, denn es erklang ein gellendes Kreischen und gewimmerte Bitten, ich m&#246;ge doch am n&#228;chsten Tag zum Arzt gehen.</p>
<p>Nun musste ich zum &#196;u&#223;ersten greifen. Ich googelte Bilder von Fu&#223;verstauchungen und zeigte sie ihm. „Guck! Wie meiner!“. Derart beruhigt, dass ich weder einen B&#228;nderriss, noch einen Mittelfu&#223;bruch hatte, lie&#223; das Interesse und endlich auch die Sorge nach. Ich bekam einen Fu&#223;wickel mit „<a href="http://kostblog.de/tag/retterspitz/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Retterspitz">Retterspitz</a> – &#196;u&#223;erlich“ (super Zeug!), einen Kuss auf die Stirn und ab und zu sogar die Fernbedienung.</p>
<p>Ich freu mich auf seinen n&#228;chsten Husten.</p>
<p>Text: Corinna Greven</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/jonee/27055814/"><em>Bild: flickr/jkleske</em></a></p>
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		<title>Graue Schwingen</title>
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		<comments>http://kostblog.de/graue-schwingen-1/2012/05/10/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 10 May 2012 04:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Axel Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gästezimmer]]></category>
		<category><![CDATA[Knobloch]]></category>

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		<description><![CDATA[Langsam taste ich mich nach vorne, bis meine Krallen die scharfen Kanten des Abgrundes sp&#252;ren. Vor mir breitet sich seine g&#228;hnende Leere in bedr&#252;ckender Dunkelheit aus. &#220;ber meinem Kopf verharrt der Himmel in einem tiefen Grau, Wolken h&#228;ngen mit erdr&#252;ckender Schwere, verbergen das Blau in ihrer Undurchdringlichkeit. Ich kann nicht fort, sie h&#228;lt mich hier. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/401142876_ea2c5dc481_z.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2255" title="flickr/Celeste" src="http://kostblog.de/wp-content/uploads/2012/05/401142876_ea2c5dc481_z.jpg" alt="" width="600" height="460" /></a></p>
<p><strong>Langsam taste ich mich nach vorne, bis meine Krallen die scharfen Kanten des Abgrundes sp&#252;ren. Vor mir breitet sich seine g&#228;hnende Leere in bedr&#252;ckender Dunkelheit aus. &#220;ber meinem Kopf verharrt der Himmel in einem tiefen Grau, Wolken h&#228;ngen mit erdr&#252;ckender Schwere, verbergen das Blau in ihrer Undurchdringlichkeit.</strong><span id="more-2196"></span></p>
<p>Ich kann nicht fort, sie h&#228;lt mich hier. Ihre eiserne Schwere h&#228;lt mich am Boden. Einst geschmiedet an mein Bein, lastet sie nun bleiern, als eine metallene Kugel, an mir. Doch er ber&#252;hrt mich sanft und sein stilles L&#228;cheln umweht mich. An meinem Ohr wandelt sich sein Schweigen zu br&#252;llendem Wispern: „Es ist Zeit, die Angst hat kein Anrecht mehr zu bleiben. Es ist einfach, ganz einfach, vertraue, ich werde bei dir sein.“</p>
<p>Ein Lufthauch tr&#228;gt seine Worte weiter, w&#228;hrend meine Eisenkette unter einem sanften Kuss zerbricht. Er treibt die tonnenschwere Kugel voran, die sich krachend &#252;ber den Felsen bewegt und sich schlie&#223;lich vom Abgrund st&#252;rzt. Nichts als Leichtigkeit bleibt und ein geborstenes Kettenglied, still und machtlos, gewandelt zu einem Zeichen der Vergangenheit.</p>
<p>Ich breite meine Fl&#252;gel aus, die zu lange vergessen an meinem K&#246;rper darauf warteten, Freiheit zu sp&#252;ren. Ein tiefer Atemzug f&#252;llt meine Lunge mit neuer Kraft, &#252;ber meine Federn streift der Wind, er stupst mich von neuem an „Flieg!“ Schweigend sto&#223;e mich vom steinernen Boden ab und st&#252;rze mich in die Tiefe. Momente verlieren sich in der Ewigkeit. Die einzelnen Sekunden bleiben unbemerkt, ungez&#228;hlt am Boden zur&#252;ck.</p>
<p>Ich tauche in die Wolken ein, die sich vor mir als eine graue Decke ausbreiten. So dicht, dass meine Augen nicht f&#228;hig sind, sie zu durchbrechen und auch ihn haben sie verloren. Blind gleite ich dahin, ohne ein blo&#223;es Zeichen seiner Anwesenheit. F&#252;r einen kurzen Moment merke ich, wie scharfe Krallen an meinen Federn kratzen, bereit, sie mir jeden Moment auszurei&#223;en. Ich atme tief ein und schlie&#223;e meine Augen, versuche nur zu f&#252;hlen, meine Gedanken davon abzuhalten, sich selbst in Ketten zu legen.</p>
<p>Langsam kehrt es zu mir zur&#252;ck, das l&#228;ngst vergessene Gef&#252;hl. Die Schwere wird von der Leichtigkeit verjagt. Mit ihr lasse ich auch das Kratzen zur&#252;ck, welches mit jedem Fl&#252;gelschlag mehr in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. In diesem Moment bin ich nur.</p>
<p>An meinem Ohr vernehme ich ein leises Kichern. Ich &#246;ffne meine Augen. Er ist bei mir. Endlich! „Du bist wieder da.“ „Nat&#252;rlich“, l&#228;chelt er freudestrahlend. „Nat&#252;rlich bin ich da, ich bin es immer.“</p>
<p>In diesem Augenblick schaffe ich es, auch die letzten Reste des Wolkenmeeres hinter mir zu lassen. Vor mir breitet sich der blaue Himmel aus. Die Sonne w&#228;rmt mich mit ihren Strahlen, die Luft ist klar und rein. Langsam l&#246;st sich der graue Schleier von meinem Federkleid und bleibt als vergessener Schatten hinter mir zur&#252;ck.</p>
<p>Mein Blick schweift durch die endlose Weite und verliert sich in ihr. Unter mir wird das finstere Grau seiner H&#228;sslichkeit beraubt. Ebenso seiner Wichtigkeit, je weiter ich mich entferne. Nur er bleibt bei mir und mit ihm das Gef&#252;hl, durch ihn zu fliegen.</p>
<p>Ein entferntes Quietschen bahnt sich an mein Ohr und frisst sich tief in meine Gedankenwelt. Ich schlage die Augen auf. Vor mir steht ein &#228;lterer Mann am Pult und schreibt beh&#228;nde Formeln an die Tafel. Ich sitze auf einem unbequemen Stuhl, vor mir ein leeres Blatt Papier.</p>
<p>Suchend schaue ich mich um. Wo ist er? Gerade eben war er noch bei mir. Doch ich sehe nur gelangweilte Studenten, die sich auf den B&#228;nken r&#228;keln und sich kl&#228;glich darum bem&#252;hen wach zu bleiben.</p>
<p>Ihn kann ich nirgendwo entdecken.</p>
<p>Mein K&#246;rper versteift sich und die Angst schleicht bereits um meinen Tisch, schaut mich von der Seite mit kalten Augen an. Mit einem zufriedenen Grinsen wirft sie die Eisenkugel zur&#252;ck auf meinem Tisch: „Da, die hast du vergessen!“, lacht sie hysterisch. Ich sehe sie fassungslos an, w&#228;hrend sie mich genussvoll mustert und mein Leid genie&#223;t.</p>
<p>Pl&#246;tzlich &#228;ndert sich ihr selbstsicherer Gesichtsausdruck und wandelt sich zu purem Entsetzten. Ein Schrei verl&#228;sst ihre zitternden Lippen. Vor ihren Augen rollt die Kugel ganz langsam &#252;ber meinen Platz, f&#228;llt an der Kante zu Boden und zerbirst in tausend kleine St&#252;cke.</p>
<p>Die Angst starrt mich mit offenen Augen an. Ihr graues Haar umweht ein warmer Lufthauch. Er tr&#228;gt sein stilles L&#228;cheln zur&#252;ck an mein Ohr.</p>
<p>Text: Anja <a href="http://kostblog.de/tag/knobloch/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Knobloch">Knobloch</a></p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/celesterc/401142876/"><em>Bild: flickr/Celeste</em></a></p>
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