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	<description>Das Leben ist gut, soweit es der Kunst standhält. - Robert Musil</description>
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		<title>Pinterest – Das Problem mit der Lizenz zum Pinnen</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 17:26:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vergangenen Mittwoch ging es im KM-Treff um das Thema Pinterest für Museen. Jenni Fuchs hielt dazu einen interessanten Vortrag, in dem sie einerseits auf die Funktionsweise und die Anwendungsmöglichkeiten von Pinterest einging, andererseits aber auch das Thema «Urheberrecht und Pinterest» anschnitt. Das ist bei Pinterest insofern relevant, als die Plattform darauf setzt, dass die Nutzer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangenen Mittwoch ging es im KM-Treff um das Thema <a href="http://www.pinterest.com">Pinterest</a> für Museen. <a href="http://www.jennifuchs.com">Jenni Fuchs</a> hielt dazu einen interessanten Vortrag, in dem sie einerseits auf die Funktionsweise und die Anwendungsmöglichkeiten von Pinterest einging, andererseits aber auch das Thema «Urheberrecht und Pinterest» anschnitt. Das ist bei Pinterest insofern relevant, als die Plattform darauf setzt, dass die Nutzer fremde Inhalte an die eigenen Pinnwände heften und damit für deren Weiterverbreitung sorgen. Ob und wenn ja, unter welchen Bedingungen diese Inhalte für eine Weitergabe freigegeben sind, ist oftmals unklar. Klar ist dagegen, dass man urheberrechtlich betrachtet eine <a href="http://spreerecht.de/social-media-2/2012-02/pinterest-und-die-rechtlichen-grenzen-beim-teilen-und-verlinken">Kopie erstellt</a>, wenn man etwas pinnt. Das wiederum setzt das Einverständnis des Urhebers voraus, wenn alles rechtlich einwandfrei ablaufen soll. Streng genommen müsste man also bei allen Bildern, wo es nicht klar gestellt ist – zum Beispiel durch eine Creative Commons License – die Lizenz zum Pinnen einholen. In meinen Augen macht das die Nutzung von Pinterest damit entweder kompliziert und unspontan oder juristisch heikel. In Deutschland kann man sich nämlich nicht wie in den USA auf eine Fair Use-Klausel berufen, die das Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material in gewissem (privatem) Umfang erlaubt. So oder so: der Spaß ist irgendwie getrübt. <span id="more-1432"></span><br />
Unabhängig davon wirft Pinterest aber auf sehr anschauliche Weise ein Problem des Urheberrechts bzw. der Verwertungsrechte (s. den sehr guten Artikel zu dieser Unterscheidung bei <a href="http://postdramatiker.de/blog/2012/01/21/warum-das-aktuelle-urheberrecht-den-urhebern-nichts-nutzt-und-wer-sie-wirklich-ausplundert-wenn-nicht-die-netznutzer/">Postdramatiker</a>) im digitalen Netz auf. Pinterest schafft nämlich eine Realität, auf die das Recht früher oder später Antworten finden muss, die über eine massenhafte Abmahnung und Kriminalisierung der Nutzer hinausgeht. <a href="http://netzwertig.com/2012/02/13/reform-des-urheberrechts-je-schneller-pinterest-wachst-desto-besser/">Netzwertig</a> hofft auf ein rasantes Wachstum von Pinterest, um über eine kritische Anzahl an Nutzern, Druck auf Lobbyisten der Verwertungsindustrie und den Gesetzgeber ausüben zu können, eine praktikable Lösung zu finden. Ideen, wie das aussehen könnte, werden im Netz bereits eifrig vorgestellt und diskutiert (s. z.B. <a href="http://www.neunetz.com/2012/02/13/modernes-urheberrecht/">hier</a> oder <a href="https://digitalegesellschaft.de/2011/11/ein-urheberrecht-fuer-das-21-jahrhundert/">hier</a> oder <a href="http://www.google.com/url?q=http%3A%2F%2Fcollaboratory.de%2Fdownloads%2FIGCollaboratory-Abschlussbericht-Urheberrecht-fuer-die-Informationsgesellschaft.pdf&amp;sa=D&amp;sntz=1&amp;usg=AFrqEzcxBVnjW3RzstZ-Uc0May4yvIIdjQ">hier</a>).<br />
Das derzeitige Urheberrecht geht von einem Werkbegriff aus, der noch tief im 19. Jahrhundert verankert ist, nämlich einem unverwechselbaren und unersetzlichen Original, in dem sich die schöpferische Leistung eines genialen Kopfes manifestiert. In der digitalen Welt ist diese Vorstellung allerdings hinfällig. Eine digitale Kopie unterscheidet sich von dem Original nur dadurch, dass sie ein späteres Erstelldatum hat. Ansonsten ist sie identisch. Damit ist aber auch der Schaden eines «Diebstahls», einer Modifikation oder einer Kopie anders zu bewerten als bei auratischen Originalen der analogen Welt. Mit dieser technologischen Entwicklung geht außerdem ein ästhetischer Paradigmenwechsel einher, den das Urheberrecht noch nicht reflektiert. Die Idee des andauernden Materialfortschritts als Gradmesser für künstlerische Qualität wird obsolet, stattdessen etabliert sich eine Kultur des Remixes, in der nicht mehr das absolut Neue als das Gute betrachtet wird, sondern die originelle Rekombination von und intelligente Bezüge zu Bekanntem. Natürlich ist die Rekombination oder Weiterverarbeitung von bestehendem Material schon immer Bestandteil der künstlerischen Praxis gewesen, aber durch die Digitalisierung hat sie eine völlig andere Dimension und auch einen anderen ästhetischen Stellenwert erhalten.<br />
Das Urheberrecht (und die Leistungsschutzrechte) sollte diese Aspekte berücksichtigen, wenn es nicht zu einem Gesetz werden soll, an die sich keiner mehr hält oder in einem praktikablen Rahmen halten kann. Dann wird über kurz oder lang die normative Kraft des Faktischen das Problem regeln, wie im Falle des sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kranzgeld">Kranzgeld-Paragraphen</a>. Der erlaubte es verlobten Frauen, eine Entschädigung zu verlangen, wenn ihr Partner die Verlobung wieder auflöste und sie als nicht mehr unbescholten auf dem Heiratsmarkt zurückließ. 1992 entschied das Amtsgericht Münster, dieser Paragraph sei mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes nicht mehr in Einklang zu bringen.<br />
So etwas in der Art wäre sicher die schlechtere Lösung für Urheber wie für die Verwerter.</p>
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		<title>Hochkultur als Leitkultur?</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 17:10:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[In der aktuellen Ausgabe des KM Magazins ist nicht nur ein von mir verfasster Rückblick auf das Symposium Kultur digital – ich weiß, ich wiederhole mich – sondern auch ein Rückblick auf die Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement von Dirk Heinze (S.52ff.). Auf der Jahrestagung wurde offenbar u.a. die Frage diskutiert, ob Hochkultur denn noch Leitkultur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der <a href="http://www.kulturmanagement.net/frontend/media/Magazin/km1202.pdf" title="KM Magazin Februar 2012">aktuellen Ausgabe</a> des KM Magazins ist nicht nur ein von mir verfasster Rückblick auf das Symposium <em>Kultur digital</em> – ich weiß, ich <a href="http://kulturblog.net/2012/02/02/jeder-mensch-ist-ein-kunstwerk/">wiederhole</a> mich – sondern auch ein Rückblick auf die Jahrestagung des <a href="http://www.fachverband-kulturmanagement.de/">Fachverbands Kulturmanagement</a> von Dirk Heinze (S.52ff.). Auf der Jahrestagung wurde offenbar u.a. die Frage diskutiert, ob Hochkultur denn noch Leitkultur sei und nur wenn ja, könne ja eine öffentliche Finanzierung gerechtfertigt werden. Die Frage, was Leitkultur denn eigentlich ist, scheint mir dabei eigentlich viel schwieriger zu beantworten zu sein, als die, ob Hochkultur denn Leitkultur ist.<br />
Spontan verstehe ich unter Leitkultur Kultur, die etwas Charakteristisches über unsere Zeit, Gesellschaft, Werte, Komplexe, Obsessionen etc. mit den ästhetischen Mitteln unserer Zeit sagen kann. Hochkultur – das habe ich hier schon mehrfach <a href="http://kulturblog.net/2010/03/21/airbag-fur-die-pferdekutsche-innovation-im-klassischen-konzert/" title="Airbag für die Pferdekutsche">beschrieben</a> – benutzt aber zumeist museale Technologien und Medien (Theater, Orchester, Leinwand etc.), deren ästhetische Grenzen gründlich ausgelotet, um nicht zu sagen ausgereizt, sind. Sie kann deswegen gar keine zeitgemäße oder gar zukunftsorientierte Ästhetik vertreten. <span id="more-1420"></span>Ich verstehe deswegen auch gar nicht, was daran provokant sein soll, wenn Bruno Seger laut Heinzes Bericht sagt, dass Theater Museen sind. <a href="http://kulturblog.net/2008/11/29/warum-das-theater/">Natürlich sind sie das.</a> Allerdings kann man da auch durch interessante Programmierung, orignelle Bearbeitungen (Romeo und Julia mit Happy End? – Naja&#8230;) und «heutige» Inszenierungen nichts dran ändern. Der ganze Apparat mit all seinen Strukturen, mit seiner ganzen inhärenten Ästhetik ist durch und durch 18./19. Jahrhundert. Die wirklich «heutigen» Geschichten – also die, die ästhetisch innovativ und relevant sind – werden mittlerweile in 3D und THX erzählt oder von HBO oder NBC produziert und vertrieben. Die Begründung, dass es öffentlich finanziertes Theater brauche, weil im Fernsehen nur Schrott käme, die ein Teilnehmer auf dem <a href="http://kulturblog.net/2012/01/23/3-forum-kulturvermittlung-in-basel/" title="3. Forum Kulturvermittlung in Basel">3. Forum Kulturvermittlung</a> äußerte, dreht sich ins Gegenteil: Im Theater kommt aufgrund von Zeitdruck und knappen Ressourcen immer mehr Inszenierungs-Routine zustande, während das Fernsehen auch ein <a href="http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/amerikanisches-fernsehen-serien-als-stresstest-11636816.html">anspruchsvolles Erzählmedium</a> ist und bei weitem nicht nur seichten Mainstream, sondern auch experimentelle Formate und anspruchsvolle Inhalte hervorbringt. Wie soll das Theater gegen die Budgets der großen Sender konkurrieren? Und wie soll es eine kulturelle Strahlkraft gegen die Reichweiten der Sender entfalten können? Ein Staatstheater mit irgendetwas zwischen 800 und 2.000 Plätzen konnte früher in kleinen König- oder Fürstentümern kulturelles Agendasetting leisten. Heute wäre dieser Anspruch selbst durch die bedeutendsten Häuser nicht mehr einzulösen, weil das Kino und Fernsehen nicht nur Tausende, sondern Millionen rund um die Welt erreicht. Mich beschleicht daher die Vermutung, dass der Anspruch, dass Hochkultur auch Leitkultur sein sollte, wenn überhaupt, nur noch in abgehobenen kulturtheoretischen Debatten zu halten ist.<br />
Allerdings würde ich nicht den Schluss ziehen wollen, dass damit der Anspruch der Hochkultur auf öffentliche Finanzierung verfällt, denn diese ganzen Überlegungen bedeuten ja nicht, dass Hochkultur keinen Wert mehr hätte oder dass sie nichts mehr zu sagen hätte. Aber es ist ein musealer Wert. Sie zeigt, welchen Blick Künstler früherer Generationen auf die großen Menschheitsthemen Liebe, Verrat, Untreue, Glaube etc. hatten. Und auch wenn Beethovens Musik heute nicht mehr «unerhört» ist, dann ist sie damit ja nicht schlechter als vor 200 Jahren. Bei bildender Kunst ist dieser zeitlose Wert unstrittig. Bei Musik teilweise und im Theater fast durchwegs gibt es allerdings das komische Bestreben, das Zeitlose aufs Heutige zu verkürzen, zum Beispiel – um das Beispiel aus Heinzes Bericht noch einmal aufzugreifen – indem Romeo und Julia von der Tragödie zur Soap umgeschrieben wird. Das kann man machen, gerade wenn es gut ankommt und so etwas wurde auch schon immer gemacht. Nur dürfte ein Kunstwerk durch solche Bearbeitungen kaum je besser werden &#8211; in diesem Fall können wir ja abwarten, ob sich diese Bearbeitung allgemein durchsetzt.  Trotzdem, die europäische Hochkultur als reichhaltiges, einzigartiges kulturelles Erbe sollte uns auch weiterhin etwas Wert sein – weil man immer noch viel von und an ihr lernen kann. Aber jede Bemühung, die alte Kultur zu einer zu machen, die auf der Höhe unserer Zeit ist, halte ich für letztlich hoffnungslos. Im Museum dagegen hat die Hochkultur einen ehrenwerten Platz, an dem sie sein kann, was sie ist und keinen unerfüllbaren Ansprüchen ausgesetzt ist.</p>
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		<title>Jeder Mensch ist ein Kunstwerk</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 13:25:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<description><![CDATA[Vergangene Woche besuchte ich das Symposium Kultur digital, das Migros Kulturprozent im Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon, veranstalte. Dort wurde sehr facettenreich über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Kulturbereich diskutiert. Mein ausführlicher Bericht über das Symposium erscheint in der nächsten Ausgabe des KM Magazins. Deswegen an dieser Stelle nur der Hinweis, dass die durchwegs sehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangene Woche besuchte ich das Symposium <a href="http://www.kulturdigital.ch" title="Kultur digital">Kultur digital</a>, das <a href="http://www.migros-kulturprozent.ch/Home/49/Default.aspx" title="Migros Kulturprozent">Migros Kulturprozent</a> im Gottlieb Duttweiler Institut, Rüschlikon, veranstalte. Dort wurde sehr facettenreich über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Kulturbereich diskutiert. Mein ausführlicher Bericht über das Symposium erscheint in der nächsten Ausgabe des <a href="http://kulturmanagement.net/km_magazin/abonnement/prm/66/chi_ia__1/index.html">KM Magazins</a>. Deswegen an dieser Stelle nur der Hinweis, dass die durchwegs sehr interessanten und anspruchsvollen Vorträge und Podiumsdiskussionen <a href="http://www.migros-kulturprozent.ch/Tagungen-Tagungen-Podcasts-und-Fotos/1580/Default.aspx" title="Podcasts kultur digital">im Netz</a> dokumentiert sind. Besonders empfehlen möchte ich den sehr differenzierten, anspielungsreichen Eröffnungsvortrag von Gerhard Schulze. Das ist zwar keine leichte Kost, aber es lohnt sich.<br />
Immer wieder kam die Sprache auf die Paradigmenwechsel, die die Digitalisierung in der Kulturwelt ausgelöst hat. Zum Beispiel beim Werkbegriff, bei der Rolle des Autors, der Distribution von Kulturprodukten usw. Ein weiterer Paradigmenwechsel ist mir jetzt noch im Nachklang deutlich geworden. <span id="more-1404"></span>Beuys&#8217; viel zitierte Aussage: »Jeder Mensch ist ein Künstler« wurde durch die Digitalisierung einerseits noch einmal bekräftigt. Heute kann jeder mit Laptop, ein bisschen Zusatzequipment und Internetanschluss Kulturgüter produzieren und an ein potenzielles Millionenpublikum bringen.<br />
Aber die Digitialisierung hat Beuys Aussage andererseits auch erweitert: sie macht nicht nur jeden Menschen zum Künstler, sondern auch zum Kunstwerk. Das zumindest impliziert ja die Idee und Anmutung von Intels wirklich wunderschön gemachtem <a href="http://www.intel.com/museumofme/r/index.htm" title="Museum of Me">Museum of me</a>, das vergangenes Jahr für Aufruhr sorgte. Und auch die neue Facebook Chronik verfolgt einen solchen Ansatz: sie sammelt, bewahrt und stellt aus. Klassische Aufgaben eines Museums&#8230; Folgerichtig ist in den Privatsphäreeinstellungen von Publikumsauswahl die Rede.</p>
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		<title>3. Forum Kulturvermittlung in Basel</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 10:26:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<description><![CDATA[»Rettet Kulturvermittlung die (Kultur-)Welt?« &#8211; So lautete der Titel des dritten von insgesamt vier Foren zur Kulturvermittlung, die von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia veranstaltet werden. Die Titelfrage war zwar offenkundig rhetorisch gemeint, aber sie hatte Interesse geweckt: das Literaturhaus Basel war bis auf den letzten Platz besetzt. Eva Sturm, Professorin für Kunstvermittlung an der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Rettet Kulturvermittlung die (Kultur-)Welt?« &#8211; So lautete der Titel des dritten von insgesamt vier Foren zur Kulturvermittlung, die von der Schweizer Kulturstiftung <a href="http://www.prohelvetia.ch/" title="Kulturstiftung Pro Helvetia">Pro Helvetia</a> veranstaltet werden. Die Titelfrage war zwar offenkundig rhetorisch gemeint, aber sie hatte Interesse geweckt: das Literaturhaus Basel war bis auf den letzten Platz besetzt.</p>
<p><a href="http://www.kunst.uni-oldenburg.de/39104.html" title="Prof. Dr. Eva Sturm">Eva Sturm</a>, Professorin für Kunstvermittlung an der Uni Oldenburg, eröffnete den inhaltlichen Teil der Veranstaltung und überlegte, wie Kunstvermittlung ihren Auftrag zwischen Erfüllung und Störung wahrnehmen könne. Einerseits ist es Aufgabe der Kulturvermittler, die kuratorische Arbeit des Museums zu erklären &#8211; affirmative Vermittlung, wird das dann genannt. Andererseits haben sich in den letzten Jahrzehnten aber auch subversivere Formen der Vermittlung herausgebildet. Sturm berichtete hierzu vom StörDienst am Wiener Museum für moderne Kunst, der Kindern Kunst mit anarchischen Methoden nahebringen wollte. Ein anderes Beispiel sind die Gallery Talks von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Fraser" title="Andrea Fraser">Andrea Fraser</a>, in denen die Funktionsweise des Museums kritisch thematisiert, sprich dekonstruiert wurde. In diesem Sinne ist es Aufgabe der Kulturvermittlung, neue Denkräume und alternative Sichtweisen zu öffnen. Dies sei insbesondere durch einen »Trickster« möglich, der ein irritierendes, vernebelndes Moment in die Auseinandersetzung mit Kunst hineinbringe und so einen neuen Bewusstseinsschritt auslösen könne.<span id="more-1383"></span> Als Beispiel führte Sturm die von Marcel Duchamps um Schnurrbart und zweideutigen Untertitel bereicherte <a href="http://www.marcelduchamp.net/L.H.O.O.Q.php" title="Marcel Duchamps Mona Lisa">Mona Lisa</a> an. Hier kam der durchaus einleuchtende Einwand aus dem Publikum, dass in der Irritation und der Eröffnung neuer Denkräume ja auch die Aufgabe der Kunst selbst gesehen werde, folglich die Kulturvermittlung mit diesem Verständnis selbst zur Kunst werde und damit möglicherweise wiederum eigener Vermittlung bedürfe. Nicht gerade verwunderlich aber von der Referentin durchaus beabsichtigt, dass sich in der Diskussion eine gewisse Ratlosigkeit unter den Zuhörern breit machte. </p>
<p>Einen in manchen Aspekten entgegengesetzten Standpunkt vertrat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Terkessidis" title="Mark Terkessidis">Mark Terkessidis</a> in seinem mitunter etwas überpointierten, aber immer interessanten Vortrag »Wer vermittelt eigentlich was an wen?«. Terkessidis kam wortgewaltig auf die gesellschaftlichen, demografischen und ästhetischen Umwälzungen zu sprechen, die sich durch Migration und Digitalisierung ereignen. Diese Phänomene lassen es fraglich erscheinen, ob wir noch mit einem brauchbaren Kunstbegriff arbeiten. Dieser sei schließlich vor allem der Kunst des 19. Jahrhunderts verpflichtet, wo man beispielsweise von der Kunst als Selbstausdruck des Genies und Emanzipation des Individuums ausging. Heute lässt sich ein Kanon nationaler Kultur dagegen nicht mehr abgrenzen und die Menschen hätten nicht mehr nur den Anspruch zu rezipieren, sondern möchten auch partizipieren. Insofern sollte man ein zeitgemäßes Verständnis von Kultur und Kunst erarbeiten. Momentan wird es der Kulturvermittlung überlassen, diese Fragen zu beantworten und die Gräben zu schließen. Man überträgt ihr quasi die Aufgabe das Publikum zu ändern, damit man die Institutionen und ihr Selbstverständnis in Takt lassen kann. Terkessidis dagegen forderte, auch die Institutionen und ihren Anspruch anzupassen. Die Vorschläge, die er hierzu machte, blieben allerdings recht vage: Der Personalbestand der Kultureinrichtungen sollte die Migrationsrealität abbilden, die Räume der Einrichtungen sollten offener gestaltet werden und Barrierefreiheit sollte nicht nur im Rahmen von Behinderungen thematisiert werden, sondern auch im Sinne von Diversität der Gesellschaft und der Lebensstile.</p>
<p>Anschliessend wurde das Publikum in verschiedene Diskussionsrunden aufgeteilt. Hier wäre es wünschenswert gewesen, mit einer klaren Fragestellung in diese Diskussion hinein zugehen; so wurde es mehr zu einer Runde, in der jeder einmal loswerden konnte, was er schon immer zum Thema Kulturvermittlung loswerden wollte. Ich schließe mich da nicht aus. </p>
<p>In der abschließenden Podiumsdiskussion saßen zwei Politiker und eine Kulturschaffende auf der Bühne. Auch wenn die Runde inhaltlich nicht viel neues zu sagen hatte, wurde man doch einmal sehr grundsätzlich, als man auf die Idee von Kulturgutscheinen zur Kulturfinanzierung zu sprechen kam. Damit würde jedem Bürger ein gewisses Guthaben zur Verfügung gestellt, das er gemäß seinen kulturellen Vorlieben ausgeben könnte. Aus dem Publikum kam alsbald der Einwand, dass man das Kulturangebot damit dem Massengeschmack opfern würde und man ja am Fernsehen &#8211; wo nur Schrott laufe &#8211; sehen könne, wo das hinführt. Es war mutig von dem wahlkämpfenden Politiker sich vor einem ausgewiesenen Hochkulturpublikum klar gegen diese dünkelhafte These zu stellen. Das ließ den Verdacht aufkommen, dass die Politik eher bereit ist, im Sinne Terkessidis&#8217; umzudenken, als die Kulturschaffenden selbst. Somit wird es vermutlich bis auf Weiteres die Funktion der Kulturvermittlung bleiben, das Publikum passend zu machen und ansonsten möglichst wenig zu ändern.</p>
<p>Diese Vermutung bestätigte sich zudem durch die völlige Abwesenheit von Social Media an der gesamten Veranstaltung, sowohl inhaltlich als auch in der begleitenden PR. Es gab nicht einmal einen Hash-Tag für Tweets oder Fotos von der Veranstaltung. Auch Social Media wird die Kulturwelt nicht retten. Aber wenn explizit beklagt wird, dass die jungen Leute den klassischen Kulturveranstaltungen fernblieben, dann fragt man sich, warum Kulturschaffende nicht auf die naheliegende Idee kommen, mal »deren« Medien genauer anzuschauen. Und sei es, um im ersten Schritt einfach nur zu erfahren, was die überhaupt interessiert und worüber sie sprechen. Ohne das wird kein Vermittlungsprogramm je funktionieren.</p>
<p>Alles in allem war das Forum eine sehr gelungene, perfekt organisierte Veranstaltung, die inhaltlich wichtige Fragen und spannende Anstöße gab. Das Problem der Kulturvermittler wird jetzt sein, wirksame Antworten für die praktische Arbeit zu finden.</p>
<p>P.S.: Von Birgit Schmidt-Hurtienne gibt es einen interessanten <a href="http://www.kulturwirtschaftswege.de/blog/index.php/forum-kulturvermittlung-bern-wie-kann-der-zugang-zur-kultur-fur-alle-gefordert-werden/">Bericht</a> über das 2. Forum Kulturvermittlung, das vergangenen November in Bern stattgefunden hat und auf dem Ulrike Schmid einen <a href="http://kulturzweinull.eu/index.php/public-relations-sind-nicht-medienarbeit/" title="Vortrag von U. Schmid am 2. Forum Kulturvermittlung">Vortrag</a> gehalten hat.</p>
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		<title>Nach der stART ist vor der stART</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 13:50:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum ist die stART11 erfolgreich über die Bühne gegangen, gibt es bereits den stARTschuss für die nächste Ausgabe. Die soll dieses Jahr am 14. und 15. Juni in der Haniel Akademie in Duisburg stattfinden. Das Motto lautet »NAVIGARE! Schiff, Seekarte, Kompass und Rettungsboot für das Social Web«. Das Thema haben wir anlässlich des 500. Geburtstags [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ist die stART11 erfolgreich über die Bühne gegangen, gibt es bereits den stARTschuss für die nächste Ausgabe. Die soll dieses Jahr am 14. und 15. Juni in der Haniel Akademie in Duisburg stattfinden. Das Motto lautet »NAVIGARE! Schiff, Seekarte, Kompass und Rettungsboot für das Social Web«. Das Thema haben wir anlässlich des 500. Geburtstags von <a title="Gerhard Mercator" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Mercator">Gerhard Mercator</a> – dem berühmten Duisburger Kartografen – gewählt. Unser Ziel ist es, auf der Konferenz eine »Seekarte« für den Einsatz des Social Webs in Kultur- und Kreativunternehmen zu erstellen. Ein Schwerpunkt wird dabei das Mobile Web in Werbung, Medienproduktion und Interaktion für künstlerische und kreative Projekte sein.</p>
<p>Die Idee ist es, nicht nur über die Dynamik des Social Web zu diskutieren und zu reden, sondern sie auch selbst zu nutzen und die Konferenz daher durch Crowdfunding zu finanzieren. Im Zeitraum Februar bis März müssen 30&#8217;000 Euro zusammenkommen, damit sie stattfinden kann. Der Ticketverkauf ist dabei in diese Kampagne integriert.<span id="more-1372"></span></p>
<p><a href="http://kulturblog.net/files/2012/01/logo_start12.png"><img class="size-full wp-image-1373" src="http://kulturblog.net/files/2012/01/logo_start12.png" alt="stART12" width="200" height="283" align="left" /></a>Aber es gibt noch andere Möglichkeiten, uns zu unterstützen, auch für die, die nicht in Duisburg dabei sein wollen oder können und auch für die, die kleine Beträge beisteuern können. Die detaillierten Informationen dazu werden in Kürze auf der <a title="stART12" href="http://startconference.org">Konferenzwebsite</a> sowie auf der Projektseite bei <a title="Stromberg-Film" href="http://www.myspass.de/specials/stromberg-kinofilm/">startnext.de</a> zu finden sein.</p>
<p>Crowdfunding hat im vergangenen Jahr übrigens massiv an Bedeutung gewonnen. Wie Christian Henner-Fehr in seinem <a title="Crowdfunding: geht es 2012 weiter aufwärts?" href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2012/01/17/crowdfunding-geht-es-2012-weiter-aufwarts/">aktuellen Blogbeitrag</a> schreibt, gerade auch für Kulturschaffende und -einrichtungen. Dass Crowdfunding auch nicht nur in den USA im großen Stile funktioniert, zeigte ein spektakuläres Beispiel, das kürzlich durch die Presse ging: Für den geplanten <a href="http://www.myspass.de/specials/stromberg-kinofilm/">Stromberg-Film</a> ist innerhalb einer Woche 1 Million Euro investiert worden. Helft also bitte alle mit, dass die stART unter den Konferenzen wird, was Stromberg unter den Chefs ist &#8211; natürlich nur in Bezug auf das Crowdfunding. <img src='http://kulturblog.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Zur Spielplanwahl am Thalia</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 10:54:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor kurzem wurde in verschiedenen Blogs und Kulturteilen die Aktion des Thalia-Theaters diskutiert, den Spielplan demokratisch wählen zu lassen. Kurz rekapituliert: das Thalia wollte vier der acht Premieren im Großen Haus für die Saison 2012/13 von der Öffentlichkeit bestimmen lassen und bat zur Abstimmung. Detaillierte Abstimmungsregeln gab es keine, so dass sich die Aktion verselbständigte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor kurzem wurde in verschiedenen Blogs und Kulturteilen die Aktion des <a title="Thalia Theater" href="http://www.thalia-theater.de/">Thalia-Theaters</a> diskutiert, den Spielplan demokratisch wählen zu lassen. Kurz rekapituliert: das Thalia wollte vier der acht Premieren im Großen Haus für die Saison 2012/13 von der Öffentlichkeit bestimmen lassen und bat zur Abstimmung. Detaillierte Abstimmungsregeln gab es keine, so dass sich die Aktion verselbständigte und »<a title="Hoffnungslos vergurkt" href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,804469,00.html">skurrile Werke</a>« bzw. »<a title="Thaliahaha!" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hamburger-theater-thalihaha-11573526.html">Amateurdramen</a>« auf die vorderen Plätze gevoted wurden. Das Thalia selbst resümiert knapp und desillusioniert: <a title="Kunst und Demokratie passen einfach nicht zusammen" href="http://www.thalia-theater.de/extra/spielplanwahl-20122013/">Kunst und Demokratie passen einfach nicht zusammen</a>.</p>
<p>In den Printmedien wurde dieses Experiment einstimmig abgeurteilt. In den Blogs fiel die Diskussion etwas differenzierter aus. Insbesondere Postdramatiker berichtete sehr <a title="Thalia und die Spielplanverderber" href="http://postdramatiker.de/blog/2011/11/23/das-thalia-theater-und-die-spielplanverderber/">fundiert</a> und <a title="Thalia und die Spielplanverderber 2" href="http://postdramatiker.de/blog/2011/12/05/das-thalia-und-die-spielplanverderber-2-durch-leiden-wird-man-demokrat/">wiederholt</a> über die Aktion. <a title="Lob an das Thalia Theater" href="http://www.axelkopp.com/2012/01/ein-lob-an-das-thalia-theater/">Axel Kopp</a> und <a title="Demokratisches Experiment oder pseudodemokratische Albernheit?" href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2012/01/02/spielplanwahl-am-thalia-theater-demokratisches-experiment-oder-pseudodemokratische-albernheit/">Christian Henner-Fehr</a> begrüssten das Experiment und kritisierten die Durchführung. Ich habe meine spontane Meinung mit Kommentaren bei <a title="Kommentar" href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2012/01/02/spielplanwahl-am-thalia-theater-demokratisches-experiment-oder-pseudodemokratische-albernheit/#comment-9480">Christian</a> und Axel bereits kundgetan, möchte aber im Nachklang noch einen Gedanken zu dem Thema ergänzen.<span id="more-1352"></span></p>
<p>Höchst interessant fand ich den Vorschlag von Postdramatiker, die Aktion Spielplanwahl zur Auszeichnung beim Mühlheimer Dramatikerpreis vorzuschlagen. Begründung:</p>
<blockquote><p>Wer sich mit dieser Produktion (Anm. CH: gemeint ist die Spielplanwahl) beschäftigt, lernt so viel über Demokratie, Macht, Einfluss wie seit der Orestie darüber nicht mehr in Theatern zu lernen war.</p></blockquote>
<p>Auch wenn es erstmal nicht so klingt, ist das eigentlich ein verheerendes Zeugnis für die Theater, die stets bemüht sind, mit immer neuen Lesarten bewährter Klassiker ästhetisch, philosophisch, politisch relevant und wegweisend und unverzichtbar für die gesellschaftliche Selbstreflexion zu sein. Nicht zuletzt mit diesen Argumenten wird auch die öffentliche Finanzierung gerechtfertigt, die eine Freiheit zum künstlerischen Risiko erlauben soll. Genau das geht man aber dort ein, wo man sich auf dünnes Eis begibt und auch mal die Trampelpfade der Programmierung verlässt. Das hat das Thalia lobenswerterweise gewagt, bei allen berechtigten Einwänden gegen das Verfahren. Umso ernüchternder finde ich es daher, wie schnell die alten dünkelhaften, kulturelitären Reflexe wieder greifen, die zum Ausdruck kommen, indem das Thalia in das Verfahren eingegriffen hat (Postdramatiker zeigt hier Bezüge zu Berlusconi und Putin auf) und bilanziert: »Kunst und Demokratie passen einfach nicht zusammen«. (Richtiger wäre es wohl, zu sagen: »Klassisches Theater und Demokratie passen einfach nicht zusammen.«) So diskreditiert das Thalia seine mutige Aktion selbst und das Publikum wird hier um die Aufklärung, Selbstreflexion und all das, was Hochkultur leisten soll, genauso betrogen wie das Publikum der Kulturindustrie gemäss guter alter adornitischer Argumentation. Wieviel Glaubwürdigkeit hat das Theater damit noch?</p>
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		<title>Weltuntergang</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 08:54:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kulturbetrieb]]></category>
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		<description><![CDATA[Jetzt habe ich gerade wieder angefangen zu bloggen und das soll es schon wieder gewesen sein? In der aktuellen Ausgabe des Kulturmanagement Magazins geht es um den «Weltuntergang», der 2012 (wieder einmal &#8211; diesmal laut Maya-Kalender) bevorstehen soll. Auf den Seiten 16ff. werden verschiedene Personen nach ihrer Vision eines Kulturbetriebs 0.0 gefragt, was also wäre, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt habe ich gerade wieder angefangen zu bloggen und das soll es schon wieder gewesen sein? In der <a title="Kulturmanagement Magazin" href="http://http://bit.ly/zaNVjB">aktuellen Ausgabe</a> des Kulturmanagement Magazins geht es um den «Weltuntergang», der 2012 (wieder einmal &#8211; diesmal laut <a href="http://bizarrocomic.blogspot.com/2009/12/countdown-to-catastrophe.html">Maya-Kalender</a>) bevorstehen soll. Auf den Seiten 16ff. werden verschiedene Personen nach ihrer Vision eines Kulturbetriebs 0.0 gefragt, was also wäre, wenn man komplett bei Null anfangen müsste, weil keine Strukturen, kein Geld vorhanden wäre.<br />
Als ich die Statements gerade las, musste ich an Olivier Messiaens «Quatour pour la fin du temps» denken. Nicht nur wegen des apokalyptischen Titels, sondern vor allem wegen der Entstehungsgeschichte des Quartetts, wenn man so will nämlich in einem Kulturbetrieb 0.0. Das Quartett entstand 1940/41 im Kriegsgefangenenlager Görlitz und wurde dort auch, vor fast auf den Tag genau 71 Jahren, bei Eiseskälte und unter widrigen Umständen vor 400 Personen uraufgeführt. Trotz oder gerade wegen dieser Umstände konnte Messiaen später sagen: «Niemals wurde mir mit soviel Aufmerksamkeit und Verständnis zugehört.»<span id="more-1318"></span><br />
Dass Kunst auch unter solchen Bedingungen zustande kommt, bestätigt den viel zitierten Satz, dass sie kein Luxus ist, sondern ein ganz elementares Bedürfnis zu sein scheint. Es bestätigt aber auch, dass die kulturelle Infrastruktur, die wir heute kennen und um die vielerorts mittlerweile gekämpft werden muss, sehr wohl Luxus ist und keine zwingende Voraussetzung für ein lebendiges Kulturleben. Das Beispiel des Messiaen-Quartetts ist extrem und natürlich in keiner Weise ein wünschenswertes Szenario. Aber es zeigt in meinen Augen, dass überall da, wo Kultur ein echtes Bedürfnis der Menschen ist, sich auch entsprechende Strukturen herausbilden werden. </p>
<p>Vocalise, pour l&#8217;Ange qui annonce la fin du temps</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=v-ngktQuGkI">http://www.youtube.com/watch?v=v-ngktQuGkI</a></p>
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		<title>Da bin ich wieder</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Jan 2012 14:05:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Hype Cycle]]></category>
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		<description><![CDATA[So, da bin ich wieder. Zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr gehört es, das Kulturblog zu reanimieren. Der erste Schritt ist hiermit gemacht. Aber warum eigentlich wieder bloggen? Als ich kürzlich meine Blogroll ausmistete, stellte ich fest, dass viele Einträge gar nicht mehr aktiv waren, sondern entweder wie dieses Blog pausieren oder ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, da bin ich wieder. Zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr gehört es, das Kulturblog zu reanimieren. Der erste Schritt ist hiermit gemacht.</p>
<p>Aber warum eigentlich wieder bloggen? Als ich kürzlich meine Blogroll ausmistete, stellte ich fest, dass viele Einträge gar nicht mehr aktiv waren, sondern entweder wie dieses Blog pausieren oder ganz aufgehört haben. Unter letzteren waren z.B. die Duisburger Philharmoniker, die mit ihrem Projekt <a href="http://www.dacapo-dp.de/allgemein/da-capo-al-fine-3-jahre-bloggeschichte-1746.html" title="dacapo al fine: Duisburger Philharmoniker stellen Web 2.0-Projekt ein">Philharmonie 2.0</a> als eine der ersten deutschen Kultureinrichtungen im Web 2.0 aktiv und sichtbar wurden, aber auch eine der ersten sind, die es wieder sein lassen. Und Axel Kopp, der als Social Media-Beauftragte in Kultureinrichtungen etwas zu reißen versuchte, <a href="http://www.axelkopp.com/2011/12/in-eigener-sache-warum-ich-kultur-nur-noch-nebenher-mache/" title="Axel Kopp">bilanzierte</a> kürzlich bitter: «Sämtliche anderen Social Media Beauftragten von Kultureinrichtungen weinen jede Nacht.» <span id="more-1290"></span></p>
<p>Diese Ernüchterung beschränkt sich nicht nur auf den Kulturbereich. W&amp;V-Redakteure veröffentlichten ein Buch mit dem Titel <a href="http://www.wuv.de/nachrichten/digital/die_web2_0_party_ist_vorbei" title="Web 2.0-Party ist vorbei">Die Web 2.0-Party ist vorbei</a>. In der Schweizer Handelszeitung spricht man von <a href="http://www.handelszeitung.ch/management/social-muedia-0" title="Social Müdia">Social Müdia</a>, andernorts vom <a href="http://off-the-record.de/2011/09/15/social-media-das-netz-der-enttaeuschten/" title="Das Netz der Enttäuschten">Netz der Enttäuschten</a>. Es scheint, als sei die Luft raus, jetzt wo man festgestellt hat, dass viele Erwartungen ans Social Web überhöht waren. Insbesondere die Hoffnung auf das große Geld hat sich zerschlagen und wie es scheint, taugt Social Media vor allem und stattdessen dazu, seine <a href="http://sociamedia.de/2010/07/05/social-media-fue-verhaltensgestoerte/" title="Social Media für Verhaltensgestörte">Verhaltensstörung</a> auszuleben.</p>
<p>Dass das so ist überrascht nicht, sondern entspricht einer Logik, der jeder Hype folgt, wie der sogenannte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hype-Zyklus" title="Hype-Cycle">Hype-Cycle</a> deutlich macht. Nach einer Phase der Euphorie kommt zwangsläufig die Ernüchterung. Diese Logik impliziert aber auch dass man auf der Abfahrt vom Euphorie-Peak ganz schön Tempo aufnimmt. Deswegen glaube ich, dass es eine gute Zeit ist, das Bloggen wieder aufzunehmen. Zugleich wird Social Media durch die Ernüchterungsphase zu etwas Normalem, Selbstverständlichem, das man realistisch einschätzt und pragmatisch nutzt – auch das ist gut.</p>
<p>In diesem Sinne freu ich mich aufs Bloggen und auf anregende Diskussionen.</p>
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		<title>Musikvermittlung: Marketing oder musikalische Bildung?</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Nov 2010 12:34:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturmarketing]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Becher]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Noltze]]></category>
		<category><![CDATA[musikalische Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Musikvermittlung]]></category>
		<category><![CDATA[ZEIT]]></category>

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		<description><![CDATA[In der ZEIT gab es kürzlich eine Debatte über Sinn und Unsinn von Musikvermittlung. Dabei ging es um die Frage, ob Musikvermittlung die Anstrengung, die ein komplexes Kunstwerk seinen Rezipienten abverlangt, zu einem «der großen Tabus eines auf allgemeine Erleichterungen gerichteten Angebotsmarkts der Medien, des Kultur- und inzwischen auch des Bildungsbetriebs» mache, wie Holger Noltze [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der ZEIT gab es kürzlich eine Debatte über Sinn und Unsinn von Musikvermittlung. Dabei ging es um die Frage, ob Musikvermittlung die Anstrengung, die ein komplexes Kunstwerk seinen Rezipienten abverlangt, zu einem «der großen Tabus eines auf allgemeine Erleichterungen gerichteten Angebotsmarkts der Medien, des Kultur- und inzwischen auch des Bildungsbetriebs» mache, wie Holger Noltze <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2010-11/leichtigkeitsluege-musikvermittlung" target="_blank">behauptet</a>. Oder ob Musikvermittlung nicht so etwas wie eine Landkarte sei, die den Zuhörer durch eine Landschaft führe, die immer sowohl unzugängliche als auch bequem erreichbare Ziele enthalte, wie Christoph Becher <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2010-11/replik-musikvermittlung-becher?page=all" target="_blank">dagegen hält</a>. Noltze würde hier Musikvermittlung und Marketing durcheinanderwerfen.<span id="more-1250"></span></p>
<p>Ich bezweifele, dass sich diese Trennlinie so scharf ziehen lässt, denn was ist das Ziel von Musikvermittlung, als es dem Besucher zu erleichtern, sich komplexe, anstrengende Kunstwerke anzutun? Musikvermittlung, wie sie von Kultureinrichtungen geleistet wird, folgt keinem Bildungsziel, sondern strategischen Zielen der jeweiligen Einrichtung. Wenn die Leute schlauer nach Hause gehen, als sie gekommen sind, ist das schön, aber nicht das oberste Ziel. Dass Musikvermittlung und Marketing Schnittmengen haben, konstatiert auch Becher, aber sie sind vermutlich wesentlich grösser, als er in seinem Artikel den Anschein erwecken möchte. Es ist auch nicht verwerflich, ganz im Gegenteil. Wer viel Steuergelder anvertraut bekommt, der sollte auch zusehen, dass damit etwas Nachhaltiges erreicht wird, das nach Möglichkeit kein Nischenvergnügen für wenige Kenner bleibt. Trotzdem: Ohne eine gewisse Kennerschaft, macht die meiste klassische Kultur keinen Spaß, sondern ist pure Strapaze. Das hat mit ihrer Komplexität zu tun. Noltze fordert deswegen ein Trainingsprogramm in Komplexitätstoleranz. Wohlbemerkt nicht die gern zitierte Komplexitätsreduktion, sondern Komplexitätstoleranz. Und da gebe ich ihm recht, dass Musikvermittlung das nicht leisten kann. Das leistet nur fundierte musikalische Bildung. Die Ergebnisse aus Studien dazu sind recht <a href="http://kulturblog.net/2010/03/21/airbag-fur-die-pferdekutsche-innovation-im-klassischen-konzert/">eindeutig</a>. Komplexitätstoleranz lernt man nicht, indem man die Landkarte studiert, sondern indem man einfach mal gemäss seinen Möglichkeiten loswandert. Der Trainingseffekt stellt sich ein und die Bewunderung für die «Extrembergsteiger» (in diesem Bild also die Hochleistungsmusiker) wächst mit der eigenen Erfahrung. </p>
<p>Trotzdem: Für die Kultureinrichtungen, die einen Kultur- und keinen Bildungsauftrag haben, bleibt die Frage, wie darauf zu reagieren ist, dass die musikalische (oder überhaupt die kulturelle) Bildung vielerorts seit Jahren zu wünschen übrig lässt und eine Besserung nicht in Sicht ist. Es ist allemal besser, wenigstens etwas zu tun anstatt zu jammern und die Zustände zu beklagen. Aber dass musikalische Bildung durch Musikvermittlung aufgefangen werden könnte halte ich für reinen Zweckoptimismus. Insofern sehe ich Musikvermittlung als inhaltsvolles, strategisches Marketing im besten Sinne des Wortes.</p>
<p>P.S.: Mit diesem Beitrag werde ich mich bis auf weiteres vom Bloggen verabschieden. Bereits in den letzten Monaten ist der Takt der Beiträge kontinuierlich zurückgegangen und angesichts (sehr erfreulicher) privater und beruflicher Ereignisse und Aufgaben würde sich diese Entwicklung so weiter fortsetzen. Deswegen mache ich vorerst einen Schnitt. Das Blog wird weiter zugänglich bleiben und meinen <a href="http://twitter.com/culturelab">Twitter-Account</a> werde ich weiterhin bespielen.</p>
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		<title>Öffentliches Geld für Kultur oder für Bildung?</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 12:29:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Holst</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diverses]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Henner-Fehr hat kürzlich in zwei Beiträgen über die Problematik der Kulturfinanzierung geschrieben. In einem Beitrag schlug er vor, zusätzliche Einnahmen über eine Community zu generieren, die aber voraussetzt, dass man eine &#8220;magnetische Marke&#8221; gebildet hat. Im anderen Beitrag von Christian ging es um den Freiburger Beteiligungshaushalt, der zeigte, dass Politiker offenbar dicht an Volkes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Christian Henner-Fehr hat kürzlich in zwei Beiträgen über die Problematik der Kulturfinanzierung geschrieben. In <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2010/10/05/nicht-der-verkauf-steht-im-vordergrund-sondern-das-mitmachen/" target="_blank">einem Beitrag</a> schlug er vor, zusätzliche Einnahmen über eine Community zu generieren, die aber voraussetzt, dass man eine &#8220;magnetische Marke&#8221; gebildet hat. Im <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2010/10/06/kulturfinanzierung-wenn-die-burgerinnen-mitentscheiden/" target="_blank">anderen Beitrag</a> von Christian ging es um den Freiburger Beteiligungshaushalt, der zeigte, dass Politiker offenbar dicht an Volkes Willen sind, wenn sie die Kulturetats zusammenstreichen.  </p>
<p>Für die Einrichtungen ist das eine schlechte Nachricht. In der Gegenargumentation die positiven Effekte von Kultur hervorzuheben ist aus ihrer Sicht natürlich dringend anzuraten, neben weiteren Überlegungen wie Christian sie vorschlägt. Aus einer übergeordneten, kultur- und bildungspolitischen Sicht kann man die Problematik in meinen Augen etwas gelassener sehen. Denn Bildungspolitik ist indirekt auch Kulturpolitik, wenngleich mit weniger Klarheit über die Ergebnisse, die dabei herauskommen. Und vielleicht ist es für die Kultur gar nicht so schlecht, wenn kreative Köpfe sie mit weniger Routine, weniger Dünkelhaftigkeit und mehr echter Experimentierfreude und in offeneren Strukturen betreiben.</p>
<p>Die deutsche Theaterlandschaft zum Beispiel ist zwar einzigartig und es wurde deswegen schon vorgeschlagen, diese als Weltkulturerbe schützen zu lassen. Ich persönlich hätte auch nichts dagegen, aber die Frage, ob man diese Besonderheit als Gesellschaft tatsächlich auf ewig finanzieren möchte, ist nichtsdestotrotz legitim. Die meisten Nachbarländer Deutschlands verfügen nicht über ein solch engmaschiges Netz an festen Ensembles und einem entsprechend großen, vielfältigen Theaterangebot. Das hier aber deswegen Barbarei und kulturelles Banausentum regieren würde, kann man nicht behaupten. So ist es tatsächlich die Frage, wie man argumentieren soll, ob man Geld lieber in Bildung steckt (und das heißt im obigen Sinne auch indirekt in Kultur) oder in Theater, wo oftmals doch nur mit grosser Routine und eigentlich sehr geringen Mitteln künstlerischer Output von der Stange produziert wird.</p>
<p>Und eben: Wo Einrichtungen eingehen, könnte der Raum für die bereits bestehende vielfältige Laien- und Amateurkultur größer werden. Klar, dass Ärzteorchester einer mittelgroßen Stadt hat niemals die Klasse, wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Meine Erfahrung ist aber, dass das, was bei Amateurorchestern oder Schauspielgruppen an Perfektion, Technik und Könnerschaft gegenüber den großen fehlt, oftmals wett gemacht wird durch das persönliche Engagement der Akteure und das persönliche Involvement der Angehörigen, die im Zuschauerraum sitzen und fast genauso aufgeregt sind wie die Akteure auf der Bühne. Wenn das Ärzteorchester Beethoven spielt, geht es um alles. Ein Orchester wie die Wiener Philharmoniker spielt den perfektesten Beethoven ohne eine einzige Probe und weiß trotzdem, dass er genauso gut gelingen wird wie schon am Abend davor und vor einem Monat und vor einem Jahr. Auch, wenn es eigentlich nichts zu meckern gibt, dann merkt man das und einem Beethoven, bei dem es nicht um alles geht, fehlt einfach auch etwas. Um solche Hochleistungskultur muss man sich m.E. ohnehin keine Sorgen machen. Mehrere Besuche beim <a href="http://www.lucernefestival.ch/de/" target="_blank">Luzern Festival</a> in diesem Sommer haben mich davon überzeugt, dass das Publikum zwar überaltert ist, aber für große Namen immer auch bereit ist, weite Reisen auf sich zu nehmen.</p>
<p>Wie auch immer sich die Kultur aufgrund der schrumpfenden öffentlichen Finanzierung entwickeln wird: sie wird lebendig bleiben, sich wandeln, aber immer ihre Bedeutung im Leben der Menschen haben. Dennoch meine ich, dass die Kulturfinanzierung nicht durch angebliche und tatsächliche Sachzwänge sich ergeben sollte, sondern durch klare Vorstellungen, was man möchte. Vielleicht liegt da das Problem, dass diese Diskussion von zuviel Besitzstandswahrung und Teilinteressen dominiert wird?</p>
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