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	<title>Localwürstchens Tagebuch</title>
	
	<link>http://tagebuch.localwurst.de</link>
	<description>Ich muß nicht über meine Gefühle sprechen -- ich blogge.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 15 Feb 2013 20:46:47 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Time Machine-Backup auf neue, grössere Platte umziehen</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Feb 2013 20:26:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[GEHACKT]]></category>
		<category><![CDATA[Apple]]></category>
		<category><![CDATA[Backup]]></category>
		<category><![CDATA[Disk Utility]]></category>
		<category><![CDATA[Festplatte]]></category>
		<category><![CDATA[Finder]]></category>
		<category><![CDATA[rsync]]></category>
		<category><![CDATA[Time Machine]]></category>

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		<description><![CDATA[(Hint: Verwendetes System: MacOS X 10.8.2) Meine Backup-Platte ist eine externe 2TB Western Digital, eine My Book (ich glaube &#187;Essential&#171;), jedenfalls: gute drei Jahre alt. Und das ist mir für eine Backup-Platte nun doch zu alt so langsam, weshalb ich &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2013/02/15/time-machine-backup-auf-neue-groessere-platte-umziehen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>(Hint: Verwendetes System: MacOS X 10.8.2)</p>
<p>Meine Backup-Platte ist eine externe 2TB Western Digital, eine My Book (ich glaube &raquo;Essential&laquo;), jedenfalls: gute drei Jahre alt. Und das ist mir für eine Backup-Platte nun doch <strong>zu</strong> alt so langsam, weshalb ich mir eine mit 3TB angeschafft habe. Aber: meine Backups gehen zurück bis 2010, und die möchte ich nur ungern aufgeben. Es gilt also, den Datenbestand von der 2TB-Platte auf die 3TB-Platte zu ziehen, so dass <tt>Time Machine</tt> nahtlos da weitermachen kann, wo es aufgehört hat. Was simpel klingt, hat sich in der Praxis als gar nicht <strong>so</strong> einfach herausgestellt&#8230;</p>
<p>Ich habe diverse Anleitungen im Netz gefilzt, mir verschiedene Herangehensweisen überlegt. Unumstößlich sind wohl folgende Anforderungen:</p>
<ol>
<li><strong><tt>Time Machine</tt> muss abgeschaltet sein!</strong></li>
<li>Das Backup-Device muss &raquo;MacOS Extended (Journaled)&laquo; formatiert sein.</li>
<li>Das Backup-Device muss über eine &raquo;GUID Partition Table&laquo; verfügen.</li>
<li>Die Option &raquo;Eigentümer auf diesem Volume ignorieren&laquo; sollte nicht aktiviert sein.</li>
</ol>
<p>Ab hier scheiden sich dann die Geister.<br />
Noch kurz ein paar Eckdaten: beide Platten sind USB, und der iMac macht bekanntermassen kein USB-3.0&#8230; Das Gesamtvolumen beträgt 1,1TB, verteilt auf ~16.000.000 Dateien in ~2.350.000 Ordnern.</p>
<ol>
<li>Möglichkeit 1 wäre, (graphisch) den <tt>Backups.backupdb</tt>-Ordner von der einen (alten) Platte auf die andere (neue) zu ziehen. Spasseshalber (und weil ich da schon wusste, dass ich diesen Artikel schreiben würde) hab ich das mal angeschubst &#8212; wenngleich ich Apples <tt>Finder</tt> für derlei Aufgaben für völlig ungeeignet halte. Der neigt nämlich durchaus zum Abschmieren oder Einfrieren, und dann müsste wieder von vorne begonnen werden &#8212; was man sich bei diesen Datenmengen sicher nicht beliebig oft geben möchte. In der Tat begann <tt>Finder</tt> zu ermitteln, wieviele Dateien er da eigentlich verschieben soll, und nach etwa 4 Stunden hatte er die ersten 6 Millionen erkannt &#8212; also nicht einmal die Hälfte und noch nicht eine einzige kopiert ;)</li>
<li>Der zweite Anlauf war <tt>rsync</tt>; die Idee dahinter war, dass der, falls er abbrechen sollte, zumindest nicht wieder von vorne anfangen muss. Der Aufruf sah auch die Beachtung von Hardlinks vor, <a  href="http://en.wikipedia.org/wiki/Time_Machine_(Mac_OS)#How_it_works">unerläßlich in diesem Falle</a>, aber <tt>rsync</tt> verlief sich vollkommen und geriet in eine Endlosschleife &#8212; ich hatte ihn über Nacht angeworfen, und am nächsten Vormittag behauptete er schon, > 87.000.000 Dateien übertragen zu wollen&#8230; nicht gut.</li>
<li>Sonstwie kopieren (<tt>cp</tt>, <tt>cpio</tt> oder beliebiges anderes Tool) &#8212; habe ich nicht ausprobiert.</li>
</ol>
<p><div id="attachment_4346" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a  href="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2013/02/TM1.png" class="thickbox no_icon" title="Disk Utility"><img src="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2013/02/TM1-200x172.png" alt="Disk Utility" width="200" height="172" class="size-medium wp-image-4346" /></a><p class="wp-caption-text">Disk Utility</p></div>Im Endeffekt habe ich im <tt>Disk Utility</tt> im Reiter <tt>Restore</tt> als <em>Source</em> die (alte) Backup-Platte ausgewählt und als <em>Destination</em> die neue Platte, auf <tt>Restore</tt> geklickt und etwa 26 Stunden (!) gewartet. Ich hatte relativ oft gelesen, dass das nur bei exakt gleich grossen Platten funktionieren kann, aber ich kann vermelden: es ging auch mit einer grösseren Zielplatte. Nachdem der Vorgang beendet war, habe ich einmal reihum alle Devices ausgeworfen, dann lediglich die (neue) Backup-Platte wieder angeschlossen und in den TimeMachine-Einstellungen diese Platte als Backup-Volume angegeben.</p>
<p><div id="attachment_4348" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a  href="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2013/02/TM2.png" class="thickbox no_icon" title="Time Machine"><img src="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2013/02/TM2-200x132.png" alt="Time Machine" width="200" height="132" class="size-medium wp-image-4348" /></a><p class="wp-caption-text">Time Machine</p></div>Der erste Test war: kann ich die alten Backups noch sehen? Also <tt>Enter Time Machine</tt> &#8212; ja, da sind sie alle. Der zweite Test: kann ich von den Dateien auch etwas wieder herstellen? Ausprobiert und: ja, auch das funktioniert. Hernach stiess ich ich einen Backup-Zyklus an und überwachte: <strong>wieviel</strong> will er jetzt ins Backup stecken &#8212; eine sinnvolle Menge oder hunderte von GB? Aber es waren lediglich 280MB, überschaubar also.<br />
Nachdem das Backup erfolgreich durchgelaufen war also der letzte Test: kann ich <em>noch immer</em> auf den alten Datenbestand zugreifen? Und auch das funktioniert. Zusammenfassend: ich habe den alten Backup-Bestand erfolgreich auf ein neues, grösseres Volume transportiert und Time Machine kann nach wie vor etwas damit anfangen. Puh!</p>
<p>Die alte Backup-Platte (2TB) kann nun für Spielereien und nicht wirklich wichtige Daten genutzt werden; die (ganz) alte-alte Backup-Platte (1TB) wird mit einem kompletten Mirror meiner Photos in einem anderen Haushalt untergebracht. Und weil ich nicht weiss, in welchem (physikalischen) Zustand die Platte jetzt bzw. in fünf Jahren sein wird, habe ich parallel dazu mit der Einrichtung von <em><a  href="http://aws.amazon.com/de/glacier/">Amazon Glacier</a></em> begonnen &#8212; denn schon bei dem blossen Gedanken, ich könnte auch nur eines meiner geliebten Photos verlieren, fallen mir vor Schreck Haare und Zähne aus. Zu der Amazon-Geschichte wird es dann demnächst und auf mehrere Bitten hin einen eigenen Artikel geben, aber das wird noch etwas dauern &#8212; ist alles nicht so trivial, aber die resultierende Sicherheit ist es mir absolut wert! :-)</p>
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		<title>Entwurzelt und verpflanzt</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 22:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[GELEBT]]></category>
		<category><![CDATA[GESEUFZT]]></category>
		<category><![CDATA[haus]]></category>
		<category><![CDATA[Heimweh]]></category>
		<category><![CDATA[Liebeskummer]]></category>
		<category><![CDATA[Umzug]]></category>

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		<description><![CDATA[&#187;Er liess die Schlüssel geistesabwesend in die Tasche gleiten und sah zu, wie die Möbelpacker Kisten, Schränke, Kommoden und all die anderen Dinge ins Haus trugen, die sich in den zehn Jahren ihrer Ehe angesammelt hatten. Sie so zu sehen, &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2013/02/15/entwurzelt-und-verpflanzt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>&raquo;Er liess die Schlüssel geistesabwesend in die Tasche gleiten und sah zu, wie die Möbelpacker Kisten, Schränke, Kommoden und all die anderen Dinge ins Haus trugen, die sich in den zehn Jahren ihrer Ehe angesammelt hatten. Sie so zu sehen, von ihren angestammten Plätzen entfernt, beraubte sie ihres Wertes. &raquo;Nur ein Haufen Gerümpel in Kartons&laquo; dachte er und empfand plötzlich Trauer und Niedergeschlagenheit &#8212; vermutlich das, was die Leute Heimweh nannten.&laquo;</em> &#8212; Stephen King, Friedhof der Kuscheltiere</p>
<p>Ich habe 16 Jahre lang in diesem Haus gelebt, wenn auch nicht am Stück. Ich kenne all seine Gerüche &#8212; im Wohnraum, im Keller, im Garten, unterm Dach. Ich kenne seine Geräusche und weiss jedes Quietschen, Rumpeln, Ächzen und Stöhnen einzuordnen. Ich finde mich mühelos im Dunkeln zurecht, ich &raquo;sehe&laquo; dann sozusagen mit Ohren und Nase, ich muss mich nicht  vorantasten. Ich kenne seine Macken, und ich weiss, was ich an ihm liebe.</p>
<p>Die Entscheidung, an anderer Stelle ein neues Leben anzufangen, kam nicht über Nacht; für mich war es ein langer Weg, ein umfangreicher Prozess. Die Suche nach einem geeigneten Haus <a  href="http://tagebuch.localwurst.de/2012/08/01/yaes-yet-another-endless-story/">gestaltete sich denn ja auch eher schwierig</a>. Und als es dann tatsächlich ernst wurde, fühlte sich alles irgendwie <em>unwirklich</em> an.</p>
<p>Makler und Eigentümer, Finanzberater und Bankangestellte, Notar und Finanzamt. Unterschriften, <em>viele</em> Unterschriften, die wir leisten mussten. Und dann schlichen wir an einem regnerischen Abend im November nach Schlüsselübergabe mit den Verkäufern plötzlich durch <em>unser</em> Haus &#8212; und fühlten uns wie die Einbrecher.</p>
<p>Jeder rationale Gedanke spricht <strong>für</strong> diese Entscheidung. Und ich bin eigentlich auch stolz auf das, was wir hier haben. Ich sitze hier an meiner 25k-VDSL-Leitung (vorher hatten wir DSL-1500) und tippe diesen Artikel. Der Umzug war soweit organisiert und lief recht problemlos, und mit den Behördengängen sind wir fast durch&#8230; Glücklich sollte ich sein und erleichtert, froh und stolz und vielleicht ein bisschen faul.</p>
<p>Aber doch nicht traurig.</p>
<p>Aber es ist eine langjährige Beziehung, die ich aus rationalen Gründen beendet habe &#8212; und nun habe ich Liebeskummer. Ich bedaure. Ich vermisse. Ich weiss nicht, wie ich ohne. Ich weiss nicht, wie ich je wieder. Das volle Programm.</p>
<p>Bis Ende der Woche haben wir das alte Haus vollständig geräumt, und ich putze dann ein letztes Mal durch &#8212; das Wohnzimmer, in dem wir, vor dem Kamin liegend, Schach gespielt haben. Das Schlafzimmer, in dem ich mein Neugeborenes auf und ab schleppte. Die Küche, in dem das Baby mit Reiswaffeln und Leberwurstbroten um sich warf, und all die anderen Räume, die ich mit Erinnerungen und Geschichten verknüpfe, mit Gefühlen und Gedanken. Dann werden wir die Schlüssel übergeben. Und dann möchte ich weder das Haus noch den Ort je wiedersehen. Ich möchte nicht sehen, was die Nachbesitzer damit machen, oder ob es vielleicht sogar verfällt.</p>
<p>Und noch weniger möchte ich sehen, dass Fremde dort glücklich werden, wo ich so gerne glücklich gewesen wäre.</p>
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		<title>[Notiz] Default Konfiguration wiederherstellen</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 21:02:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[GEHACKT]]></category>

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		<description><![CDATA[Üblicherweise kann man sich mit dpkg-reconfigure ja schon hin und wieder selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen, aber manchmal hat man einfach keine Chance&#8230; Bei mir war es ein völlig verbasteltes (Test-)System, auf dem andere (bereits gelöschte) Pakete &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2013/02/13/notiz-default-konfiguration-wiederherstellen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Üblicherweise kann man sich mit <code>dpkg-reconfigure</code> ja schon hin und wieder selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen, aber manchmal hat man einfach keine Chance&#8230; Bei mir war es ein völlig verbasteltes (Test-)System, auf dem andere (bereits gelöschte) Pakete die <tt>postfix</tt>-Konfiguration derart verbaut hatten, dass überhaupt nichts mehr fehlerfrei lief. Ich auf der anderen Seite wollte nicht viel Zeit investieren &#8212; die Standard-Paketkonfig hätte mir ja schon genügt&#8230; Und so habe ich sie (auf einem Ubuntu-12.04) wiederhergestellt:</p>
<ul>
<li>Ich habe <tt>postfix</tt> beendet.<br />
<code># /etc/init.d/postfix stop</code></li>
<li>Ich habe den <tt>postfix</tt>-Konfig-Ordner umbenannt.<br />
<code># mv /etc/postfix /etc/postfix-WEG</code></li>
<li>Und dann die Konfiguration aus dem Paket neu erstellt.<br />
<code># dpkg -i --force-confmiss /var/cache/apt/archives/postfix_$VERSION.deb </code></li>
</ul>
<p>Hat sich in diesem Fall ergeben, dass das Archiv noch an Ort und Stelle lag; ist das nicht der Fall, kann man es ja einfach rasch herunterladen. Der Aufruf jedenfalls erstellt ein ganz frisches <tt>/etc/postfix/</tt> aus dem <tt>.deb</tt> heraus, und damit lässt sich dann wieder ganz prima arbeiten ;-)</p>
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		<title>Wurst mit Gesicht</title>
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		<comments>http://tagebuch.localwurst.de/2013/02/02/wurst-mit-gesicht/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 Feb 2013 21:24:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[FEATURED]]></category>
		<category><![CDATA[GEFORKT]]></category>
		<category><![CDATA[GELEBT]]></category>

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		<description><![CDATA[Der/ die eine oder andere hat sich beschwert, dass es auf der Präsenz so arg still geworden ist. Und ja, ihr habt ja recht! Um mich ein ganz klein wenig zu rechtfertigen, beschreibe ich euch im folgenden einen beispielhaften Tagesablauf, &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2013/02/02/wurst-mit-gesicht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der/ die eine oder andere hat sich beschwert, dass es auf der Präsenz so arg still geworden ist. Und <strong>ja</strong>, ihr habt ja recht! Um mich ein ganz klein wenig zu rechtfertigen, beschreibe ich euch im folgenden einen beispielhaften Tagesablauf, wobei der noch eine harmlose Variante darstellt&#8230;</em></p>
<p><strong>6:01</strong> &#8212; Der Wecker klingelt. Das macht mir aber nicht so richtig viel aus, denn genaugenommen bin ich bereits seit 40 Minuten wach, auch wenn ich so tue, als schliefe ich noch. Grunzen unterm Deckenberg verrät, dass der Mann es genauso hält. Währenddessen hüpft das Rumpelstilzchen abwechselnd auf unseren Bäuchen herum, schmeisst methodisch alle Püppchen, Rassel-Schafe und mein iPhone aus dem Bett und zeigt mit ausgestrecktem Finger auf die Tür &#8212; aufstehen, und das gefälligst jetzt gleich! Schliesslich stößt es sich den Kopf und fängt an zu kreischen &#8212; leugnen hat keinen Zweck, ein neuer Tag hat begonnen.</p>
<p><a  href="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2012/09/retrogames.jpg" class="thickbox no_icon" title="Ganz dringend zocken..."><img src="http://tagebuch.localwurst.de/wp-content/uploads/2012/09/retrogames-200x135.jpg" alt="Ganz dringend zocken..." title="Ganz dringend zocken..." width="200" height="135" class="alignright size-medium wp-image-4269" /></a><strong>7:00</strong> &#8212; Das Rumpelstilzchen sitzt in frischer Windel am Frühstückstisch und versucht, seine Finger in meinen Kaffee zu stopfen. Es gibt Leberwurstbrot, in schnäuzchengerechte Würfel geschnitten, die jedoch aufgrund des Belags auch prima an der Tischdecke, kleinen Daumen oder sonstwo kleben. Der Umweg über Brot wird ohnehin überbewertet, Leberwurst schmeckt auch so &#8212; denkt sich das Kind und schleckt an den künstlerisch gestalteten Brotquadraten. Im Grunde genommen will es ohnehin nur eines: von meinem Frühstück abbeissen, ganz egal, was ich da gerade esse. Während das Kind also mein Frühstück mampft, verhungere ich leise und erzähle zum hundertsten Male, dass das Männchen auf meiner Kaffeetasse <i>&raquo;ganz dringend zocken muss, deshalb rennt es zum nächsten Automaten&laquo;</i>. Pädagogisch nur bedingt wertvoll, rastet das Kind doch inzwischen bei jedem Notausgangsschild aus vor Freude&#8230;</p>
<p><strong>9:00</strong> &#8212; Zeit für Hausarbeit. Während das Kind begeistert durchs Wohnzimmer sabbert versuche ich, Wäsche zu falten. In der Praxis bedeutet das: ich lege ein gefaltetes Handtuch in den Wäschekorb, und das Kind greift es, faltet es auf, legt es neben sich und packt einen Bauklotz drauf.</p>
<p><strong>10:00</strong> &#8212; Das zweite Frühstück, da das Rumpelstilzchen dem Hungertod nahe ist; während ich es in der Illusion leben lasse, es könne alleine prima mit dem Löffel essen, mache ich die Küche sauber und versuche, den umfallenden Wasserbecher, der umherspritzenden Obstbrei und das kichernde Rumpelstilzchen gleichermassen zu ignorieren.</p>
<p><strong>12:00 / Mittagspause</strong> &#8212; Das Kind schläft am besten ein, wenn man ihm tiefe, gleichmässige Atemzüge vorlebt. Die Sache hat jedoch einen Haken: bis das Kind schläft, schlafe ich auch. Wir geniessen also die gemeinsame Pause und tanken ein wenig auf.</p>
<p><strong>Nachmittag</strong> &#8212; Einkaufen ist angesagt: Lebensmittel, Windeln und quadratische Wattestücke. Das Kind langweilt sich bereits 3 Sekunden, nachdem ich es in den Sitz des Einkaufswagens gepflanzt habe, und möchte auf den Arm. Ich lenke es ab, indem ich ihm eine Pappschachtel mit Backzubehör in die Hand drücke; wenig später hat die Schachtel ein Loch und das Kind ein mit Pappfetzen verschmiertes Mäulchen. Schliesslich hält es eine Packung mit Gesichterwurst in den Armen und streichelt sie selbstvergessen.</p>
<p>Es ist jedoch eine olfaktorische Zumutung und nicht zu leugnen: das Kind braucht eine frische Windel. Die Windeltasche steht nützlicherweise im Auto und das Auto meilenweit entfernt. Ganz schlau erinnere ich mich daran, dass der Drogeriemarkt einen Wickeltisch hat, also steuern wir den an. Dumm nur: von den Dimensionen her ist der eher auf Neugeborene ausgelegt, das Rumpelstilzchen ragt an allen Enden deutlich darüber hinaus und lacht sich kaputt &#8212; was jäh in wüstes Gebrüll umschlägt, als ich damit beginne, ihm die stinkenden Beinkleider vom Leib zu klauben.</p>
<p>Um sich zu beruhigen angelt sich das Kind alles, was es in den angrenzenden Regalen irgendwie erreichen kann; ich habe alle Hände voll zu tun es davon abzuhalten, in die volle Windel zu treten beziehungsweise sich deren Inhalt in die Haare zu schmieren, also habe ich auch keine Hand frei es davon abzuhalten, das wildbeerenfrische Duschgel-für-Kinder aufzubeissen&#8230; Bis ich dazu komme hat es einen kleinen Schluck genommen, und da es sich immer noch bühnenreif aufregt schäumt es nun nicht nur im übertragenen, sondern auch im ganz wörtlichen Sinne vor sich hin. Riecht aber sehr beerig dabei. Ich habe noch nie versucht, einem Kraken eine Strumpfhose anzuziehen, aber <strong>genau so</strong> muss es sich anfühlen &#8212; das Kind windet sich und tobt.</p>
<p><strong>Abend</strong> &#8212; Ich habe mir irgendwas zu Futtern ausgedacht und zubereitet, alle haben gegessen und sind nun satt. Auf allen Vieren jage ich das Rumpelstilzchen durch die Bude, und schliesslich schleppt es sein Bilderbuch an, macht es sich auf meinem Schoss bequem und wir &raquo;lesen&laquo;. Ich bin müde. Das Kind ist quietschfidel.</p>
<p>Schliesslich schläft das Kind. Nachdem ich die Wohnung in einen einigermassen bewohnbaren Zustand versetzt und schnell noch die Waschmaschine angeschaltet habe, verschanze ich mich am Rechner und tue, was ein Sysadmin so tut. In der Regel komme ich so gegen 1:00 ins Bett; und dann beginnt auch schon der nächste Tag&#8230;</p>
<p>;-)</p>
<p><em>PS: So langsam läuft hier alles wieder in geregeltere Bahnen. Und ich kann euch versichern: so still wie in den vergangenen Monaten wird es hier nicht bleiben. Denn, wie ich in der Zeit meiner zwangsweisen Abstinenz feststellte: das Bloggen fehlt mir. Ihr fehlt mir. Und das hatte ich so eigentlich gar nicht erwartet <3 Ansonsten bin ich aber auch auf <a  href="http://twitter.com/localwurst">Twitter</a> sehr aktiv, im Zweifelsfalle also einfach dort folgen &#8212; falls ihr das nicht ohnehin schon tut ;)</em></p>
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		<title>Prüfe, wer sich ewig bindet…</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Sep 2012 20:12:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[(AUF)GELESEN]]></category>
		<category><![CDATA[Flatterdings]]></category>
		<category><![CDATA[Kamerad oder Spielzeug]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Naschkatze]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier nun das Kapitel &#187;Prüfe, wer sich ewig bindet&#8230;&#171; aus der Informationsbroschüre &#187;Kamerad oder Spielzeug?&#171;; jetzt fängt er an, Dichter und Denker zu zitieren, und der Text wird immer abgefahrener&#8230; Wie es dazu kam, könnt Ihr in diesem Beitrag nachlesen. &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2012/09/13/pruefe-wer-sich-ewig-bindet/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="gastautor">Hier nun das Kapitel &raquo;Prüfe, wer sich ewig bindet&#8230;&laquo; aus der Informationsbroschüre &raquo;Kamerad oder Spielzeug?&laquo;; jetzt fängt er an, Dichter und Denker zu zitieren, und der Text wird immer abgefahrener&#8230; Wie es dazu kam, könnt Ihr <a  href="http://tagebuch.localwurst.de/2010/12/15/du-und-die-madchen/">in diesem Beitrag</a> nachlesen.
</div>
<p>Kein vernünftiger Mensch kauft eine Katze im Sack, d.h. unbesehen. So sagt man. So handelt man auch für gewöhnlich. Man prüft, ob&#8217;s keine Ramschware; ob&#8217;s keine Dutzendware ist. Ob die Sache auch das Geld wert ist. Und je wichtiger und wertvoller die Sache sein soll, um so größer ist die Sorgfalt, mit der man vorgeht.</p>
<p>Doch bei einer Angelegenheit läßt man die Katze nicht aus dem Sack, d.h. nimmt sie unbesehen. Ich hätte übrigens höflicher gesagt: Das Kätzchen. <b>Denn ich fürchte, die &raquo;Katzen&laquo; könnten mir die Augen auskratzen, wenn sie meiner habhaft würden.</b> Du hast wohl schon an der Überschrift gemerkt, welche Katze, hoppla Kätzchen, ich meine. Schiller spricht, was ich sagen will, feiner und gebildeter aus; ist schließlich aber dasselbe: &raquo;Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.&laquo; Sag mal: Wird diese so wichtige Angelegenheit nicht vielfach als eine Bagatelle behandelt? Sieht man nicht einzig und allein fast nur auf das Äußere. Zuviel auf äußeren Schein. Zuwenig auf inneres Sein. Aber wie schnell bekommt der äußere Firnis Brüche! Ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich sage, <b>daß das weibliche Geschlecht mit den Jahren nicht schöner wird trotz aller Schönheitsmittel</b>. Ach, wie bald schwindet Schönheit und Gestalt! Also wer darauf sein ganzes Glück gründet, ist recht bald enttäuscht. Dr. Sonnenschein erzählte einmal: Ein gefeierter Künstler heiratet eine bildschöne Frau. Nach einigen Jahren bekommt sie eine Krankheit. Was tut der Kerl? &#8212; Er läßt sich scheiden. Wie sollte er auch anders, da er doch die Schönheit geheiratet hat und nicht die Seele der Frau.</p>
<p>Wie? Kann man auch die Seele heiraten? Jawohl. Man muß sie sogar heiraten. Der Dichter Hebbel sagt: &raquo;Das heimliche Weh der Frau ist da, wo der Mann sie nicht seelisch besitzt.&laquo; Denn nur das Seelische hat auf die Dauer Bestand &#8212; im Guten wie im Bösen. Drüm prüfe, wer sich ewig bindet. Der Wahn ist kurz, die Reu&#8217; ist lang. Welche Eigenschaften muß denn das Mädchen haben, das eines echten Jungmannes wert ist?</p>
<p>Hör mal her. Wenn du mittags nach Hause kommst und es geht ans Futtern, beobachte deine Mutter einmal. Wie teilt sie z.B. das Fleisch? Zuerst für sich einen großen Happen, dann für den Vater, und dann für dich&#8230; hoho! Nein. Manchmal teilt sie sich tot. So macht&#8217;s eine Mutter. Ja, richtig! Das ist echt mütterlich. <b>Das macht uns die Mutter so lieb, daß sie so wenig an sich denkt.</b> Daß ihr das Wohl der Familie über alles geht. Daß sie verzichten, opfern, ertragen kann. Sieh, so soll doch auch mal die Mutter deiner Kinder sein. Aber meinst du, das lernte man im Handumdrehen. Wo&#8217;s nicht drinsteckt, da wird&#8217;s in der Ehe schwer hereinkommen. Also eine Naschkatze ist nichts für dich. Ich hätte bald gesagt, die bringt dich später auf den Hund. Denn du willst, wie jeder gute Vater, über dich selber hinausbauen. Du willst später deine Kinder weiterbringen. Meinst du, das hinge in der Hauptsache von dir ab? Du kennst doch das Wort: Der Mann kann es mit der Karre reinbringen, die Frau aber mit der Schürze wieder raustragen. Sie muss zusammenhalten können. Sie muß nicht alles haben wollen. In dem Sinne sagte ich dir schon mal: <b>Das Glück in der Eh&#8217; hängt ab vom Praliné.</b></p>
<p>Also eine, die sich Sonntags auf Kosten treibt, ist nicht die Deine. Eine, die am Flitterkram Geschmack und Gefallen hat, soll nie die Deine werden. Naschkatzen wie Modedämchen passen wenig zur Mutter deiner Kinder.</p>
<p>Doch muss ich euch Jungens auch die Leviten lesen. Die Mädchen sagen oft, die Jungen sind selbst schuld, wenn wir so sind &#8212; na, wie wir Mädchen heute einmal sind. Denn die einfachen, schlichten, biederen Mädchen, die mehr im Haushalt sind, als auf der Straße liegen, bleiben sitzen. Daß so manche, die zum Hausmütterchen geschaffen, Mauerblümchen bleibt, ist wirklich betrübend. Und manches Flatterding bekommt einen prächtigen Mann &#8212; und macht ihn oft unglücklich. Weil sie seelisch nichts zu geben hat. Siehe, diese Eigenschaft ist heute die notwendigste: dieses Verzichtenkönnen. Ich kenne einen Jungen, der sich mit seiner Braut so viel Geld gespart hatte, daß sie sich ein Häuschen bauen konnten, und jetzt, wo sie geheiratet sind, ist ihr Streben, die Schuld möglichst bald abzutragen. Also, Freund: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.</p>
<div id="next_gastbeitrag">
<div id="bgtext">Das nächste Kapitel lautet:</div>
<div id="topic3">Liebe macht blind?</div>
</div>
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		<title>Rechtsfreier Raum</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Sep 2012 21:14:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>localwurst</dc:creator>
				<category><![CDATA[FEATURED]]></category>
		<category><![CDATA[GEDACHT]]></category>
		<category><![CDATA[GELEBT]]></category>

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		<description><![CDATA[Ihr meint, ich rede vom Internet? Nein. Heute möchte ich euch ein wenig davon erzählen, wie ich wohne. Also los. Das Kaff, in dem ich wohne, ist winzig. Also nicht nur klein, sondern wirklich: winzig. Es ist so winzig, dass &#8230; <a href="http://tagebuch.localwurst.de/2012/09/06/rechtsfreier-raum/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ihr meint, ich rede vom Internet? Nein. Heute möchte ich euch ein wenig davon erzählen, wie ich wohne. Also los.</p>
<p>Das Kaff, in dem ich wohne, ist winzig. Also nicht nur klein, sondern wirklich: <i>winzig</i>. Es ist so winzig, dass ich nicht nur innerhalb eines Tages alle relevanten Koordinaten mit dem Garmin ermitteln konnte, ich habe sie sogar am selben Tag mittels JOSM eingegeben, bearbeitet und an openstreetmap.org übermittelt. Und hatte dann immernoch locker Zeit zum Rauchen, Kaffeetrinken und Bloggen. Es ist nah an der französischen Grenze (~300m), es hat etwa 300 Einwohner, die Landwirtschaft ist rückläufig; zwei Drittel der Leute im Ort sind miteinander verwandt und tragen den selben Nachnamen, und der Dialekt wird mir auf ewig unverständlich bleiben &#8212; ein lothringisch-luxemburgisch-saarländisches Phantasiegebilde. Wenn ich es höre, nicke ich immer brav wie ein Hund auf der Hutablage und verstehe kein Wort.</p>
<p>Ich habe hier einige ruhige Jahre alleine gelebt, denn die Bevölkerung bestand, wie es in solcherlei Käffern ja öfter der Fall ist, vorwiegend aus älteren Leuten. Doch in den letzten Jahren geht der Trend in die andere Richtung: Grundstücke sind billig, und so zieht es immer mehr jüngere Leute bzw. Familien her. Und damit ging es dann los.</p>
<p>In unmittelbarer Nachbarschaft wird gerne gefeiert. Und auch oft. Und vor allem nie an Wochenenden: feiern kann man auch dienstags sehr prima. Und da wir ja auf dem <i>Kaff</i> sind, müssen wir uns an Ruhezeiten nicht halten. In der Praxis bedeutet das: die Party beginnt so gegen 19 Uhr, erreicht ihren vorläufigen Höhepunkt gegen 23 Uhr, endet gegen 2 Uhr nachts mit dem Einsingen des gemeinsamen Lieblingsliedes (das wiederum variiert, letztes mal war es &raquo;Waka Waka&laquo;) und der Verabschiedung der Gäste. Die Gäste wiederum sind besonders freundliche Gäste, die sich mit fröhlichem, lautem Lachen auf der Strasse verabschieden, im Rudel die nächsten Termine vereinbaren und im Wegfahren noch ein paarmal kräftig auf die Autohupe drücken &#8212; ein Gruss für die Gastgeber.</p>
<p>Mir schwillt da der Kamm. Schon früher &#8212; und da musste ich morgens &raquo;nur&laquo; früh raus, um zur Arbeit zu fahren. <b>Jetzt</b> hängt da potentiell ein Rumpelstilzchen mit drin, das uns vom Zeitpunkt des Hupens an die Hölle heiss macht &#8212; alles schon passiert. Passieren kann das auch tagsüber, denn diese Ruhezeiten werden noch deutlich ausgiebiger ignoriert: der Nachbar hantiert so lange mit seiner Kettensäge, dass ich inzwischen davon ausgehen muss, dass er auch sein Geschirr mit der Kettensäge <i>spült</i>. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Ding permanent läuft. Morgens um sieben. Abends um halb neun. Hat er genug Material zusammengesägt, rollt er seine Blechtonne vors Haus und beginnt damit, seine <i>Abfälle</i> zu verbrennen (was m.E. gar nicht erlaubt ist) &#8212; in erster Linie ein Happening, bei dem laut gelabert und viel getrunken wird (so bis gegen Mitternacht), aber halt auch eines, das mich aufgrund von Rauch und Gestank dazu zwingt, alle Fenster zu schliessen &#8212; <i>egal bei welchem Klima.</i></p>
<p>Ein weiterer Nachbar macht mich des öfteren sprachlos: der rennt um kurz vor 12 Uhr schnell in seinen Schoppen, zerrt den altersschwachen Traktor hervor, stellt ihn mit laufendem Motor in den Hof &#8212; und rennt wieder rein. Vermutlich erstmal essen (<i>&raquo;Um 12 gebt gess!&laquo;</i>), dann etwas schlafen &#8212; und der Traktor tuckert und tuckert. Diesel ist ja nicht sooo billig. <s>Manchmal riecht der Ort auch ein wenig nach Pommes-Frites-Bude.</s></p>
<p>Der Bursche in der Nachbarschaft malträtiert derweil sein Mofa. Täglich bockt er es vorm Haus auf, schraubt daran herum, setzt sich anschliessend den Helm so seltsam auf den Kopf &#8212; ihr wisst schon, so dass die Stirn vom Visier bedeckt wird, aber das Gesicht frei bleibt &#8212; und macht eine Probefahrt mit gesundheitsbedrohlicher Maximalgeschwindigkeit (etwa 15km/h). Diese Probefahrt endet in aller Regel nach etwa 200 Metern &#8212; und somit vor unserem offenen Schlafzimmerfenster. Dann versucht er, das Gefährt wieder anzutreten&#8230; der Motor spuckt&#8230; jault irgendwann auf&#8230; dann erstmal Vollgas, damit er auch an bleibt &#8212; ohrenzerfetzend. Manchmal sind sie zu zweit, und das Mofa des Kumpels klingt ebenso kaputt. Ich frage mich: was machen die da? Was? Auspuff absägen? Löcher reinbohren? Manchmal möchte ich beide an den Ohren in die Scheune zerren, auf die Honda zeigen und sagen &raquo;<b>Das</b> ist ein Motorrad, Jungs!&laquo;. Ich gönne jedem Menschen seinen Spass, solange er mir meinen Schlaf gönnt &#8212; und diese &raquo;Probefahrten&laquo; nachts um 12 sind mehr, als ich ertragen will.</p>
<p>Was fehlt? Achja, jedes Kaff hat natürlich seinen weithin bekannten Bewohner, so einen haben wir auch; nüchtern ist er im Prinzip nie, arbeiten geht er auch nicht, und das Haus, in dem er lebt, macht mir Angst. Strom und Wasser sind Gerüchten zufolge schon lange abgestellt, und diese These erhärtet sich dadurch, dass er sich (selten) am Dorfbrunnen wäscht und auch mal Kanaldeckel als Toilette benutzt. Seinen Brennholzvorrat und Werkzeugkasten stockt er in den Gärten der umliegenden Grundstücke auf, und ich bin froh, dass wir inzwischen einen ordentlichen Zaun haben &#8212; zu verschenken haben wir auch nichts, schon gar nicht auf die Art.</p>
<p>Fast harmlos sind da die Landmaschinen, die das Bild hier inzwischen beherrschen &#8212; das sind nichtmehr diese niedlichen Mini-Treckerchen, die in einer blauen Dunstwolke durch den Ort tuckern, sondern diese Hochhäuser auf Rädern, die einen auch mal auf der Autobahn überholen können; die donnern inzwischen zu jeder Tages- und Nachtzeit durch, schalten ihre Flutlichtanlagen ganz gerne auch innerorts nicht ab, und vor allem: sie bremsen nicht, sie jagen mit 80 Sachen den leeren Anhänger über jeden Kanaldeckel und durch jedes Schlagloch. Bei dem Geräusch bin ich schon mehr als einmal vor Schreck aufgesprungen.</p>
<p>Den niedlichen Mini-Trecker gibt es natürlich auch noch: der ist mit Blumengirlande geschmückt, und jedes Wochenende zieht er Kreise, im altersschwachen Anhänger zwei Kästen Bier, einen Ghettoblaster und die gesamte &raquo;Fammilisch&laquo;, die singt, mit Leergut schmeisst und dem stockenden Verkehr Grimassen schneidet. Ich vermute, die Leute sind neu zugezogen &#8212; solche Aktionen machen immer &raquo;die Neuen&laquo;. Man erkennt sie daran, dass sie <b>alles</b> hier toll finden.</p>
<p>Ich bin keine von ihnen.</p>
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