<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="no"?><rss xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:blogger="http://schemas.google.com/blogger/2008" xmlns:gd="http://schemas.google.com/g/2005" xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:openSearch="http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/" xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0" version="2.0"><channel><atom:id>tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504</atom:id><lastBuildDate>Mon, 02 Nov 2026 13:35:59 +0000</lastBuildDate><category>Philosophie</category><category>Psychologie</category><category>Menschheit</category><category>Glück</category><category>Fachliteratur</category><category>Arbeit</category><category>Gesellschaft</category><category>Eigenverantwortung</category><category>Gastbeitrag</category><category>Übungen</category><category>Technik</category><category>#Zukunft</category><category>Ästhetik</category><category>Optimismus</category><category>Motivation</category><category>Erfolg</category><category>Natur</category><category>Populismus</category><category>Introvertiert</category><category>Mut</category><category>Minimalismus</category><category>Gehirn</category><category>In eigener Sache</category><category>Tod</category><category>Coaching Ideen</category><category>Literatur</category><category>Humor</category><category>Kreativität</category><category>Melancholie</category><category>Definition</category><category>Demokratie</category><category>Feldmeier</category><category>Liebe</category><category>Sexualität</category><category>Links</category><category>Neurotizismus</category><category>Drogen</category><category>Redewendungen</category><category>Impostor</category><category>Leserfragen</category><title>Geist und Gegenwart</title><description>Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/</link><managingEditor>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</managingEditor><generator>Blogger</generator><openSearch:totalResults>623</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><xhtml:meta content="noindex" name="robots" xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml"/><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-8703502694635670754</guid><pubDate>Fri, 02 Oct 2026 09:24:04 +0000</pubDate><atom:updated>2026-10-02T17:21:21.748+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Minimalismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title> Alles verfügbar und nichts mehr spürbar?</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Gastbeitrag von&amp;nbsp;Jasper Cole&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Irgendwann hatte ich ungefähr 50 Gigabyte Musik auf meiner Festplatte. Das ist mehr als zwanzig Jahre her. Spotify gab es noch nicht, Musikstreaming spielte in meinem Leben keine Rolle und wer eine große digitale Musiksammlung haben wollte, fand trotzdem seine Wege. Nicht alle davon waren legal. Ich lud herunter, was ich finden konnte. Einzelne Lieder, komplette Alben, ganze Diskografien. Irgendwann waren es also rund 50 Gigabyte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiPXvaTjIkAU2R6kBbs-FMhrUSYjaQwL24xCe5ITtUL9H5wDmT1Leq5UQEbZlPZfe_-FuQxW416lUTrLmDqlA7bd8cRBl0wEMpZgb6ukoD2XinRFDrJM0CmfgrVpRJXvvlt72OnPeUeyF3zLQ3PP6o5IRSi4TbngTIwp506rRkuXG3z-CxlLRs8XyIocgg/s640/resonanz-unplugged.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiPXvaTjIkAU2R6kBbs-FMhrUSYjaQwL24xCe5ITtUL9H5wDmT1Leq5UQEbZlPZfe_-FuQxW416lUTrLmDqlA7bd8cRBl0wEMpZgb6ukoD2XinRFDrJM0CmfgrVpRJXvvlt72OnPeUeyF3zLQ3PP6o5IRSi4TbngTIwp506rRkuXG3z-CxlLRs8XyIocgg/s1600/resonanz-unplugged.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Resonanz Plugged-Unplugged (2026 mit KI für diesen Beitrag erstellt)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Am Anfang fand ich das großartig. Ich hatte plötzlich mehr Musik, als ich mir zuvor hätte leisten können. Ich musste mich nicht mehr entscheiden, welches Album ich kaufte. Ich konnte einfach alles haben. Dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Ich hörte immer weniger davon wirklich. Natürlich lief Musik. Aber ich hörte sie anders. Wenn mir ein Lied nicht sofort gefiel, kam eben das nächste. Ein Album musste keine Chance mehr bekommen, weil daneben Hunderte andere lagen. Manche Dateien hatte ich vermutlich nur deshalb, weil ich sie haben konnte. Ob ich sie jemals anhören würde, spielte irgendwann kaum noch eine Rolle.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Als mehr plötzlich weniger wurde&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Heute muss niemand mehr 50 Gigabyte Musik auf einer Festplatte sammeln. Das Prinzip dahinter ist längst viel größer geworden. Was mich daran beschäftigt, ist allerdings weniger die Menge als das, was sie mit meinem Erleben gemacht hat. Ein Album, für das ich früher Geld ausgegeben hatte, hörte ich immer wieder. Nicht jedes Lied gefiel mir beim ersten Mal. Manche Stücke wurden erst nach dem fünften oder zehnten Hören gut. Ich kannte irgendwann die Reihenfolge der Titel, bestimmte Stellen, und die meisten Songs konnte ich auswendig mitsingen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bei meiner riesigen digitalen Sammlung änderte sich das. Das einzelne Album musste stärker um meine Aufmerksamkeit kämpfen. Warum sollte ich mich mühsam in etwas hineinhören, wenn daneben schon das Nächste wartete? Diesen Gedanken erkenne ich heute auch in anderen Bereichen meines Lebens wieder. Früher war nicht alles besser, und auch eine alte Musiksammlung taugt ganz sicher nicht zum Romantisieren. Dennoch, die Begrenzung hatte eine positive Nebenwirkung, die mir damals nicht bewusst war: Ich beschäftigte mich länger mit dem, was ich hatte.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hedonische Adaptation: Wir gewöhnen uns an positive Veränderungen. Was zunächst besonders ist, wird irgendwann normal. Das neue Auto ist irgendwann einfach das Auto. Ein lang ersehnter Gegenstand steht nach einiger Zeit herum wie die anderen auch. Ich kenne das von mir selbst. Trotzdem ertappe ich mich noch heute dabei, dem nächsten Neuen eine besondere Wirkung zuzutrauen. Nicht ständig und nicht bei allem, aber es passiert mir oft genug. Offenbar schützt mich das Wissen über die&amp;nbsp;hedonische Adaptation&amp;nbsp;nicht davor, selbst auf sie hereinzufallen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das Gefühl, bevor es einen Namen hatte&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Als ich jünger war, gab es kein Instagram und kein TikTok. "Social Media" spielte sich vor allem auf der Straße ab. Es reichte, sich im eigenen Umfeld umzusehen. Da war jemand, der besser gekleidet war. Ein anderer fuhr ein Auto, das mir gefiel. Am Wochenende stand irgendwo eine Party an und natürlich wollte man dabei sein. Ich habe damals durchaus geglaubt, dass das mit Glück zu tun hat. Wenn ich die Dinge auch hätte, wenn ich dort an diesem Ort wäre, dann würde sich bei mir wahrscheinlich ebenfalls etwas zum Besseren verändern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heute kann ich darüber schmunzeln, aber damals fühlte es sich ernst an. Meistens hatte mir überhaupt nichts gefehlt, so lange ich von den Dingen nichts wusste. Ich sah sie bei anderen – und plötzlich wollte ich sie auch. Aus einem Vergleich war ein Wunsch geworden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen hat das Gefühl einen Namen: Fear of Missing Out, kurz FOMO. Die Angst, dass andere etwas erleben und man selbst nicht dabei ist. Dass das interessantere Leben gerade irgendwo anders stattfindet. Das Gefühl ist viel älter als Social Media. Neu ist eher, wie oft und in welcher Nähe und Dichte wir damit konfrontiert werden können. Früher musste ich jemandem begegnen, um zu sehen, welches Auto er fährt oder wie er gekleidet ist. Heute reichen wenige Minuten am Smartphone für Einblicke in die Leben Dutzender anderer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wobei "Leben" eigentlich schon das falsche Wort ist. Ich sehe Ausschnitte daraus. Das weiß ich. Nur schützt mich auch dieses Wissen nicht davor, mich trotzdem zu vergleichen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ein alter Gedanke bekommt einen neuen Namen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Hartmut Rosas Gedanken zur Resonanz erinnern mich an diese Situationen, es trifft doch genau mein Festplattenproblem: Wir machen uns immer größere Teile unserer Welt verfügbar. Musik ist jederzeit abrufbar, Wissen nur wenige Klicks entfernt, vieles lässt sich sofort bestellen. Nur bedeutet verfügbar eben noch lange nicht, dass es uns auch etwas bedeutet. Oder vielleicht sogar umgekehrt: Weil alles ständig verfügbar ist, bedeutet es uns nicht mehr so viel? Rosa beschäftigt sich mit genau diesem Verhältnis zwischen Mensch und Welt. Eine seiner zentralen Beobachtungen lautet, dass moderne Gesellschaften versuchen, immer größere Bereiche des Lebens verfügbar zu machen. Wir wollen die Welt erreichen, kontrollieren, planen, messen und nutzen können. Und darin sind wir bemerkenswert erfolgreich geworden. Doch etwas Entscheidendes entzieht sich dieser Logik.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rosa stellt dem Streben nach Verfügbarkeit den Begriff der Resonanz gegenüber. Gemeint ist eine Beziehung zur Welt, in der uns etwas tatsächlich erreicht. Etwas spricht uns an, berührt uns, fordert uns heraus – und in uns antwortet etwas darauf. Das kann ein Gespräch sein, ein Mensch, Natur, Arbeit, Musik oder ein Gedanke. Und genau das lässt sich nicht bestellen. Rosa beschreibt mit Resonanz eine andere Form der Beziehung zur Welt. Ich kann nicht einfach bestimmen, was mich wirklich berührt. Ein Lied kann mich zum Weinen oder Lachen bringen. Ein Gespräch kann mir noch Stunden später durch den Kopf gehen. Das lässt sich aber eben nicht erzwingen. Aber wir könnten die Blickrichtung umkehren und anstatt alles unter unsere Kontrolle zu stellen, vor allem uns selbst offen und berührbar einer möglichen Resonanz ausliefern.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das System ist Schuld?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt; Ich habe viel über Konsum gelesen und darüber geschrieben, wie Unternehmen Bedürfnisse wecken, Gewohnheiten nutzen und Kaufentscheidungen beeinflussen. Das alles spielt eine große Rolle. Trotzdem wäre es mir zu einfach, nur auf Marketing, Algorithmen oder Unternehmen zu zeigen. Niemand hat mich damals gezwungen, 50 Gigabyte Musik herunterzuladen... Ich wollte sie einfach haben!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch der Vergleich mit anderen funktioniert nicht im luftleeren Raum. Er trifft schließlich auf etwas, das schon in mir vorhanden ist: Auf den Wunsch dazuzugehören oder nicht das Gefühl zu haben, hinter den anderen zurückzubleiben. Es sind nicht nur die anderen oder das System. Mindestens genauso interessant ist die Frage: Warum merke ich selbst manchmal so spät, wann es genug ist? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eine besonders kluge Antwort darauf habe ich nicht. Bei meiner Musiksammlung war die Sache im Nachhinein ziemlich offensichtlich. Auf der Festplatte war noch Platz. Also konnte noch mehr darauf. Meine Aufmerksamkeit war längst voll, das Potenzial für Resonanz nicht mehr vorhanden.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wissen allein reicht (bei mir) nicht&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die einfache Antwort wäre jetzt: weniger konsumieren, weniger vergleichen und bewusster leben. Nur funktioniert mein eigenes Leben nicht so sauber. Ich kenne ja die Probleme mit dem Vergleichen... und vergleiche mich trotzdem. Auch Dinge, die ich nicht unbedingt brauche, landen manchmal bei mir. Und obwohl mir längst klar ist, wie begrenzt meine Aufmerksamkeit ist, verschwende ich sie gelegentlich an Dinge, über die ich mich hinterher selbst ärgere. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bewusstsein allein löst das also nicht. Geändert hat sich bei mir trotzdem etwas. Ich versuche häufiger, den Moment zu erwischen, bevor aus einem Reiz automatisch ein Wunsch wird. Manchmal frage ich mich, ob ich eine Sache, die ich heute attraktiv finde, gestern überhaupt haben wollte. Oder ob der Wunsch erst entstanden ist, nachdem ich sie irgendwo gesehen habe. Ich erwische mich dabei nicht immer rechtzeitig. Aber manchmal eben doch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und dann merke ich, dass Verzicht dafür eigentlich das falsche Wort ist. Ich nehme mir in diesem Moment nichts weg. Ich entscheide nur, dass nicht alles, was meine Aufmerksamkeit bekommen könnte, sie auch bekommen muss. Das gilt längst nicht mehr nur für Dinge, die ich kaufen kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wir haben heute unglaublich viele Möglichkeiten. Ich möchte das nicht missen und ganz sicher nicht in eine Zeit zurück, in der ich wochenlang nach einem bestimmten Album suchen musste, nur damit es mir anschließend wertvoller erscheint. Aber ich möchte auch nicht alles, was verfügbar ist, automatisch in mein Leben hineinlassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Meine alte Festplatte hat mir das schon vor mehr als zwanzig Jahren gezeigt. Ich hatte es damals nur noch nicht verstanden. Die 50 Gigabyte waren nie das eigentliche Problem. Irgendwann hatte ich einfach mehr Musik gesammelt, als ich noch hören konnte. Das kann ja nicht resonieren.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Jasper Cole&amp;nbsp;beschäftigt sich&amp;nbsp;als Autor vor allem mit Konsum, Marketing und der Frage, wie äußere Einflüsse unser Verhalten und unsere Entscheidungen prägen. Zu dem Thema hat er auch das Buch &lt;a href="https://www.amazon.de/Food-Unplugged-fl%C3%BCstert-Industrie-schreit/dp/3819274545/" target="_blank"&gt;Food Unplugged: Der Körper flüstert. Die Industrie schreit! Wem hörst du zu?&lt;/a&gt; veröffentlicht. Leseproben findet ihr auch auf seiner Website &lt;a href="https://www.jc-unplugged.com"&gt;JC Unplugged&lt;/a&gt;.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2014/08/krise-des-wollens.html"&gt;Warum wir nicht wissen, was wir wollen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/07/das-kochende-tier.html"&gt;Nur ein Sternekoch kann diese Welt noch retten&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/12/enge-der-zeit.html"&gt;Die Enge der Zeit ist die Wurzel des Bösen&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/10/resonanz-unplugged.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiPXvaTjIkAU2R6kBbs-FMhrUSYjaQwL24xCe5ITtUL9H5wDmT1Leq5UQEbZlPZfe_-FuQxW416lUTrLmDqlA7bd8cRBl0wEMpZgb6ukoD2XinRFDrJM0CmfgrVpRJXvvlt72OnPeUeyF3zLQ3PP6o5IRSi4TbngTIwp506rRkuXG3z-CxlLRs8XyIocgg/s72-c/resonanz-unplugged.png" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-659620360351180981</guid><pubDate>Thu, 10 Sep 2026 19:58:27 +0000</pubDate><atom:updated>2026-10-02T15:14:08.231+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">#Zukunft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><title>Odysseus: Brutalität und Nächstenliebe</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Warum die Rechten Die Odyssee von Christopher Nolan hassen&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Vor kurzem sah ich den neuen Film von Christopher Nolan: &lt;i&gt;The Odyssey&lt;/i&gt;. Ich würde sagen, es ist keine "Neuverfilmung", sondern ein eigens geschaffener neuer Film. Diese Odyssey ist lang (haha), aber kurzweilig und meine dürftige Kenntnis der Materie (Studium ist lange her und die Kinderbücher dazu nur bedingt quellentreu) lies mich so das eine oder andere wiedererkennend mitschwimmen. Ich ahnte nicht, welcher politische Sprengstoff sich da unter der filmischen Oberfläche verbarg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi7Zyo_BwbUCE_IQhA98O5tR__8_6Y8ionsmcC13tOn2pd-Skzf9ghdGuG6sExm3plU0J48iNha8JC1pArByLt685eXeCxFVA82a_0UNBXjcH4lsC5r_CQ_choHSrkRU0c4bC5uNpkQYaDHunzHiTwlphTFht5Pnv90QUCiao1oUyb4DRSisAKl9Yj8hDs/s640/troja-ki.png" imageanchor="1" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="360" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi7Zyo_BwbUCE_IQhA98O5tR__8_6Y8ionsmcC13tOn2pd-Skzf9ghdGuG6sExm3plU0J48iNha8JC1pArByLt685eXeCxFVA82a_0UNBXjcH4lsC5r_CQ_choHSrkRU0c4bC5uNpkQYaDHunzHiTwlphTFht5Pnv90QUCiao1oUyb4DRSisAKl9Yj8hDs/s1600/troja-ki.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;KI-generiert für diesen Artikel 2026 nach &lt;a href="https://thumb.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/35/Corinthian_aryballos_depicting_the_trojan_war_from_1887_jahrbuchdeskaiserich_1200x500.jpg/960px-Corinthian_aryballos_depicting_the_trojan_war_from_1887_jahrbuchdeskaiserich_1200x500.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&amp;amp;utm_campaign=index&amp;amp;utm_content=thumbnail" target="_blank"&gt;einem trojanischem Vasenbild&lt;/a&gt; (ca. 550 - 570 v. Chr.)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;Am Ende dachte ich, ja – toller Film und ging nach Hause. Zunehmend hörte ich dann, wie die Rechte in den USA darüber herzogen. &lt;i&gt;Nolan pisse auf Homers Grab&lt;/i&gt; (Elon Musk)&amp;nbsp;und ähnlicher Quatsch. Was hatte ich verpasst? Klar, eine fast religiöse Gastfreundschaft wird in dem Film als "Gesetz des Zeus" immer wieder hochgehalten, aber deshalb so ein kultureller Aufschrei der Rechten? Wieso soll das eine Herabwürdigung Homers sein? Das machte mich neugierig und ich fing an zu suchen...&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;

&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Nolans Trick und die Tricksters&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Ich fand Ezra Klein, derzeit Journalist bei der New York Times. In seiner Podcast-Folge&amp;nbsp;&lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=livIbni7x7o" target="_blank"&gt;Christopher Nolan's Finest Trick&lt;/a&gt;* findet auch er, dass Nolans Odyssey keine Neuverfilmung sei, sondern eine moralische Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart, insbesondere mit dem Aufstieg einer politischen Kultur der Macht, Grausamkeit und Regelverletzung. Eine Gesellschaft, so argumentiert Klein mit Blick auf die USA und die Antike, kann durch Tabubruch und Regelverletzung notwendige Erneuerung erfahren. Wenn aber die zerstörerischen Kräfte überkommener Regeln und Tabus die moralische Grundlage der Gesellschaft selbst angreift, dann braucht es nicht noch mehr Chaos, sondern eine Rückkehr zu universellen Prinzipien von Gegenseitigkeit, Mitgefühl und menschlicher Würde. Und eben das sei die Pointe Odysseus in Nolans Film.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;

Ein zentrales Motiv ist dabei &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Trickster" target="_blank"&gt;die ambivalente Figur des Tricksters&lt;/a&gt;. Odysseus ist in Homers Epos ein Meister der Täuschung, voller Widersprüche und Ambivalenzen. Klein greift dazu Lewis Hydes Interpretation des Tricksters in &lt;i&gt;Trickster makes this World&lt;/i&gt; auf: Trickster-Figuren wie Loki, Hermes oder Odysseus brechen Regeln, bringen Unordnung in bestehende Ordnungen und machen Verdrängtes sichtbar. Das kann eine Gesellschaft erneuern oder auch zerstören.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man kann dieses Muster natürlich wunderbar auf die heutige internationale Rechte übertragen. Sie sind politische Trickster: Sie gewinnen Macht, indem sie Tabus brechen, Konventionen missachten, und Dinge sagen oder tun, die zuvor als unzulässig galten. Das Problem sei aber, so Klein, dass der Westen und die USA mittlerweile nicht mehr an zu viel Ordnung und Tabus litten. Die traditionelle moralische Ordnung ist ja nicht nur liberalisiert, sondern vielmehr bereits massiv beschädigt. Deshalb stelle sich heute die Frage, ob die von den rechten Trickstern angerichtete Unordnung zu Erneuerung oder zum Untergang führe.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nolans Trick ist nun in diesem Zusammenhang die Erfindung eines moralischen Prinzips, das im Film als "Gesetz des Zeus" erscheint: Man soll den Fremden und Bettler so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Historisch ist das nicht eigentlich das Gesetz des Zeus gewesen. Das antike Gebot bezog sich vielmehr auf Gastfreundschaft gegenüber Fremden und war keine allgemeine moralische Regel, wie andere zu behandeln seien. Wie vielem in der Antike lag dem Gastfreundschaftsgebot die Angst vor den Göttern zugrunde, denn ein Fremder kann immer auch ein Gott in Verkleidung sein.&lt;/p&gt;

&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Homer damals und Odysseus heute&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der Regisseur Nolan macht also aus Zeus' Regel bewusst etwas anderes: eine Variante der Goldenen Regel der Moral. Ezra Klein sieht darin einen genialen Kunstgriff: Nolan schmuggelt eine jüdisch-christliche Moralvorstellung in die Welt der griechischen Mythologie. Er verweist auf die Goldene Regel Levitikus 19,18 ("Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.") in der Bibel. Also, richtig! Der Film ist hier&amp;nbsp;der homerischen Vorlage&amp;nbsp;nicht historisch treu, aber wird hier deshalb "auf Homers Grab gepisst"? Nein, denn Kultur entwickelt sich und natürlich leben wir heute (ein Glück) nicht mehr unter den z.T. spartanischen bis grausamen Vorstellungen und Gesetzen der Antike. Was brächte es kulturell, diesen Stoff als einen historischen Schinken einfach neu zu verfilmen und dabei Homer treu zu bleiben? Das wäre kulturell und künstlerisch höchst irrelevant.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nolan macht mit und gegen Homer ein altes moralisches Prinzip für eine moderne politische Auseinandersetzung neu lesbar. Das geht den Trickstern, den Rechten, den christlich geprägten zumal, natürlich gegen den Strich, denn es erinnert sie an ihre eigenen kulturellen Wurzeln, auf die sie sich ja immer berufen, die sie dann aber selbst nicht leben. Nächstenliebe? Sie hassen doch "das Andere", das wissen wir! Sie lieben nur sich selbt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Goldene Regel kontrastiert natürlich wunderbar mit einer rechten politischen Philosophie, die auf Stärke, Macht, Hierarchie und Dominanz setzt. Als exemplarisch kann man hier Trumps Sicherheitsberater Stephen Millers mit der Aussage zitieren, die reale Welt werde von Stärke und Macht beherrscht und nicht von internationalen Regeln. So klar kontrastiert, steht doch außer Frage, was wir wollen, oder? Eine heutige Gesellschaft begreifen wir als nur demonstrativ stark, wenn sie auf Grausamkeit und Dominanz setzt (siehe Putin, Trump etc.). Eigentliche und nachhaltige Stärke liegt in Menschlichkeit, gegenseitiger Rücksichtnahme und moralischer Begrenzung von Macht.&lt;/p&gt;

&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Odysseus als Held, als Barbar, als Trickster?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Homers Odysseus zerstört Troja durch eine List (den Trick mit dem Trojanischen Pferd) und wird dafür als Held gefeiert. Im neuen Kinofilm dagegen, sehen wir ihn mit moralischer Distanz: Odysseus muss für seine Taten Erlösung finden. Damit reflektiert der Film den historischen Wandel moralischer Maßstäbe. Zwischen Homers Welt und der Gegenwart liegen Menschenrechte und Regeln der Kriegsführung. Was in einer antiken Welt als heroische List gelten konnte, kann aus heutiger Perspektive als Kriegsverbrechen oder moralisches Versagen erscheinen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die moderne Rechte romantisiert eine ältere Welt von roher Stärke, Dominanz und Hierarchie. Deshalb auch die Faszination der Rechten für "Caesar", für das Römische Reich, bombastische Säulen und generell für antike Machtästhetik. Das ist irgendwie auch der Widerspruch zwischen dem eigentlichen Trickster und den heutigen Rechten: Was denn nun – Erneuerung heute oder Romantisierung des Alten? Entscheidet euch mal!&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Film erkennt Odysseus, dass die Verletzung einer moralischen Ordnung nicht einfach Stärke erzeugt, sondern immer weitere Zerstörung hervorbringen kann. Troja ist zerstört, Agamemnon tot, Ithaka verwüstet und Odysseus selbst Teil der Barbarei geworden, die er zu bekämpfen glaubte. Das überträgt Ezra Klein auf die USA: Eine politische Bewegung, die angetreten sei, die westliche Zivilisation bzw. Amerika "great again" zu machen, drohe gerade das moralische Erbe dieser Zivilisation zu zerstören. Seine Gegenposition lautet daher: Grausamkeit ist keine Stärke. Eine stabile und anständige Gesellschaft brauche zwar Ordnung – aber Ordnung ohne Ethik und Anstand werde zu Autoritarismus.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dauerhafte gesellschaftliche Stärke kann nur aus Mitgefühl, Gegenseitigkeit und der Bereitschaft entstehen, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Davon scheinen wir uns im Moment auch dank all der rechten politischen Trickster eher zu entfernen, nachdem wir uns diesem Ideal Jahrhunderte lang angenähert haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mit Bezug auf Lewis Hyde meint Ezra Klein, dass eine Trickster-Geschichte dann regenerativ endet, wenn getrennte Welten wieder miteinander verbunden werden können: Bereiche, die durch eine bestehende Ordnung voneinander geschieden sind, etwa das Erlaubte und das Verbotene, das Eigene und das Fremde, Zentrum und Rand, Ordnung und Chaos, Lebende und Tote, etablierte Gesellschaft und Außenseiter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wo diese Verbindung nicht gelingt, endet die Trickster-Geschichte in Zerstörung. Darin kann man nun die vielleicht dringlichste politische Aufgabe für die Gegenwart erkennen: Die alten moralischen Werte von Bibel, Tora und unsere auf Grundregeln abziehlenden Verfassungen müssten nicht als konservative Bewahrung des Status quo verstanden werden, sondern könnten erneut als Instrumente für gesellschaftlichen Fortschritt dienen. Das Alte und das Neue können sich verbinden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nolans Odysseus ist selbst kein Trickster. Er ist ein Mensch, der in den Ruinen lebt, die die Trickster hinterlassen haben. Die Zeit des Tricksters könnte gerade jetzt wieder einmal zu Ende gehen... Orban, Trump, Putin... da ended etwas. Was wir anschließend brauchen, sind nicht noch mehr Menschen (oder KI), die die bestehende Welt zerstören, sondern Menschen, die eine bessere Welt neu gestalten wollen, gern im Sinne der Nächstenliebe.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;*Für die Zusammenfassung der Quelle wurde KI genutzt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html"&gt;Fiesta oder Nostalgie&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Warum wir Grausamkeit wählen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/fur-faschismus-zu-inkompetent-zu-faul.html"&gt;Für Faschismus zu inkompetent, zu faul und zu gierig&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/09/odysseus-brutalitat-und-nachstenliebe.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi7Zyo_BwbUCE_IQhA98O5tR__8_6Y8ionsmcC13tOn2pd-Skzf9ghdGuG6sExm3plU0J48iNha8JC1pArByLt685eXeCxFVA82a_0UNBXjcH4lsC5r_CQ_choHSrkRU0c4bC5uNpkQYaDHunzHiTwlphTFht5Pnv90QUCiao1oUyb4DRSisAKl9Yj8hDs/s72-c/troja-ki.png" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1207732028629405845</guid><pubDate>Wed, 26 Aug 2026 09:18:59 +0000</pubDate><atom:updated>2026-08-31T11:49:01.677+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">#Zukunft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">In eigener Sache</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Alles i.O.: Fantasie- und Traumreisen</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Kindergeschichten gegen den Wahnsinn&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Ich habe ein Kind, dem ich ab und zu helfen muss, abends im Bett zur Ruhe zu kommen. Seine Gedanken rasen, ich spüre das. Der Mund geht unablässig wie unsere Geschirrspülmaschine. Da wird abgewaschen,&amp;nbsp;durschgespült&amp;nbsp;und klargespült, was am Tag so alles passiert ist. Und da wird dann auch schon gründlich vorgespült, was so morgen wohl alles sein wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEim1oceuWcE9NDt0IWZBQhNQnLRyBjljbAvvRY-kjKTzQOOrpPiZr3deY8rBQ1amrsZKtt4qDmDOqcnGBMw9YUionBzg4snR9ZFRAAKE7c20pPHi6Gis6HG6nRkJlMnvTmnrcZmHGDIWKixAV-zT5w8hwRSZV0gVNcUSkHpMbka2yAJpaU-j6RlK05Uu1Y/s640/traumreise.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="382" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEim1oceuWcE9NDt0IWZBQhNQnLRyBjljbAvvRY-kjKTzQOOrpPiZr3deY8rBQ1amrsZKtt4qDmDOqcnGBMw9YUionBzg4snR9ZFRAAKE7c20pPHi6Gis6HG6nRkJlMnvTmnrcZmHGDIWKixAV-zT5w8hwRSZV0gVNcUSkHpMbka2yAJpaU-j6RlK05Uu1Y/s1600/traumreise.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Alles in Ordnung in der Fantasiereise zum Dschungel&amp;nbsp;(erstellt mit KI 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Das ist zwar &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2010/02/schuld-und-angst-vergangenheit-jetzt.html"&gt;alles ziemlich unnötig,&amp;nbsp;besonders das Vorausschauen&lt;/a&gt;,&amp;nbsp;aber irgendwie auch ganz normal in einer Welt, die vor allem eins suggeriert: &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/06/big-dick-energy.html"&gt;Kontrolle ist das A und O.&lt;/a&gt;&amp;nbsp;Blutbild, Grenzkontrolle, Schlafphasen, Kalorien-Tracking. Mangelnde Kontrolle, Überkontrolle, Angst vor Kontrolle, Angst vor Kontrollverlust – Kontrollstress.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Die Welt als Feedbackloop. Alles muss vermessen, gesteuert und kontrolliert werden, nichts kann seinem Lauf mehr überlassen werden. Das ist uns zur zweiten Natur geworden und dringt bis in unsere Psychen vor. Hurra, die Moderne.&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie also helfen, außer generell öfter das Gefühl zu geben: Alles ist i.O.? Da ich selbst als Teenager und junger Erwachsener mit Autogenem Training (oder Body Scanning, wie es heute heißt) rumexperimentiert hatte, dachte ich, das könnte auch meinem Kind helfen. Also schön vorbereitet und dem Kind was ganz tolles versprochen... nur um dann im Bett sehen zu müssen, wie es sich damit quält, sich dagegen wehrt. "Was für?" und "Ist das langweilig!" "Papa, kannst du bitte einfach gehen." Das konnte ich als engagierter Vater nicht auf mir sitzen lassen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Katathymes Bilderleben, Guided Imagery und Traumreisen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Statt dessen habe ich mir überlegt, was mein Kind wirklich mag und was es interessiert und wie man das mit autogenem Training zusammenbringen kann. Als der verhinderte Geschichtenerzähler, der ich bin, habe ich für uns ein erzählerisches Konzept entdeckt und individuell für mein Kind weiterentwickelt: Die Fantasiereise. Ich weiß, das Konzept ist nicht neu: Traumreisen wurden als therapeutisches Werkzeug im letzten Jahrhundert in der Verbindung von Psychotherapie und Reformpädagogik entwickelt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Psychologin Gisela Preuschoff passte die in den USA schon als "Guided Imagery" eingesetzten Traumreisen in den 1980er Jahren gezielt für Kinder im deutschsprachigen Raum an und machte das Konzept auch hier populär. Besser gesagt, sie holte es zurück in den deutschen Sprachraum. Denn schon in den 1950er Jahren entwickelte der deutsche Psychotherapeut Hanscarl Leuner das sogenannte&amp;nbsp;Katathyme Bilderleben: Patienten reisten in ihrer Fantasie an bestimmte wohlige Orte, um unbewusste Konflikte zu lösen. "Katathym" heißt dabei einfach &lt;i&gt;aus dem Gemüt entstehend&lt;/i&gt;. In unserem Fall geht es weniger um Konfliktlösung, als darum, Körper und Geist zu entspannen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wie funktioniert das?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Wer meinen Artikel&amp;nbsp;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/07/vagus-baby.html"&gt;Vagus, Baby!&lt;/a&gt; gelesen hat, weiß ja, dass ich auf Konzepte stehe, die Soma (den Körper) und Psyche (den Geist) als Einheit angehen.&amp;nbsp;Eine Traumreise senkt über die Aktivierung des Parasympatikus messbar den Muskeltonus, die Herzfrequenz und den Blutdruck (Somatik), während sie gleichzeitig das Stresserleben reduziert, neuronale Entspannungsmuster aktiviert und die emotionale Selbstregulation stärkt (Psyche).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dazu hat eine Fantasie- oder Traumreise einen schematischen, therapeutisch fundierten Aufbau aus sechs Phasen:&lt;/p&gt;&lt;ol style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;Einleitung und Vorbereitung: Einnehmen einer bequemen Liege- oder Sitzposition und Schließen der Augen.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Ruhe- und Atemphasen: Bewusstes, tiefes Ein- und Ausatmen zur ersten körperlichen Entschleunigung.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Brücke (Übergang): Symbolischer Weg vom Hier und Jetzt in die Fantasiewelt (z. B. Fliegen auf einer Wolke, Gehen durch eine Tür).&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Hauptgeschichte (Der Erlebnisraum): Das Verweilen an einem sicheren, friedlichen Ort mit der Ansprache aller Sinne.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Verankerung (Der Ruheort): Ein Moment der Stille, in dem das Gefühl von Sicherheit im Körper abgespeichert wird.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Die Rücknahme (Das Aufwachen): Bewusstes Recken, Strecken und tiefes Durchatmen, um erfrischt in die Realität zurückzukehren.&lt;/li&gt;&lt;/ol&gt;&lt;p&gt;Auf die sechste Phase verzichte ich bewusst, denn es geht ja nicht darum, erfrischt in die Realität&amp;nbsp;zurückzukehren, sondern darum in die Traumwelt hinüberzugleiten. Wer ein Beispiel lesen oder gar selbst ausprobieren möchte, findet hier die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise.html"&gt;Reise in den Regenwald&lt;/a&gt;, die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise-sommerwiese.html"&gt;Reise auf die Sommerwiese&lt;/a&gt; und hier die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise-zum-meeresgrund.html"&gt;Reise zum Meeresgrund&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Reisebegleitung und neue Selbstverständlichkeiten&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;Als der am Bett vorlesende Erwachsene bin ich die Reisebegleitung. Ich initiere nicht nur die verschiedenen Phasen, sondern ich leite an und mache alles mit (auch für meine eigene Gesundheit gut). Meine Worte, mein Atmen und meine Handgriffe unterstützen die Reise und vertiefen sie. Die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/10/yoga-bewusstseinsphilosophie.html"&gt;tiefe Atmung zur Aktivierung des Parasympatikus&lt;/a&gt; mache ich demonstrativ mit und mein Kind versucht dann z.B. mindestens so lange wie ich, wenn nicht länger auszuatmen. Wenn sich in der Geschichte Tiere auf die Beine legen, dann drücke ich die Beine etwas in die Matratze, wenn Trula die Tarantel auf der Stirn sitzt (Achtung: nicht bei arachnophobischen Kindern anwenden ;), dann streichen meine Finger wie acht Beine über seine Augenlider. Es ist erstaunlich, wie immersiv das Lesen, Atmen und Berühren für das Kind ist, es lässt sich völlig darein fallen und spürt und sieht förmlich mit geschlossenen Augen die erzählten Szenen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich würde sagen, dass vier von fünf Sessions wirklich erfolgreich sind und das Kind danach sehr rasch einschläft. Um die Erfolgsaussichten zu maximieren, ist es wichtig, dass das Kind hinterher nicht noch einmal aufstehen muss oder große Sorgen zu verarbeiten hat. Also vorher auf Klo und noch einmal alles durchgesprochen/gespült, was jetzt wirklich Sorgen oder große Aufgeregtheit verursacht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im besten Fall hilft das alles nicht nur beim Einschlafen, sondern gibt dem Kind auch etwas für's Leben mit. Neue Selbstverständlichkeiten wie die Einheit von Körper und Geist, die Möglichkeit der selbstbestimmten Regulierung von Emotionen, das reziproke Zusammenwirken von Nervensystem und Organen oder die täglichen Heilungen durch gesundes Essen, ausreichenden Schlaf und viel Bewegung könnten unseren Kindern ein Leben lang helfen.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise-sommerwiese.html"&gt;Traumreise auf die Sommerwiese&lt;/a&gt;,&amp;nbsp;&lt;a href="http://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise.html"&gt;Traumreise in den Urwald&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://www.geistundgegenwart.de/p/traumreise-zum-meeresgrund.html"&gt;Traumreise zum Meeresgrund&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/05/lachen-sorge-absurd.html"&gt;Heitere Miene, stoßweises Ausatmen, abgerissene Laute&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/07/vagus-baby.html"&gt;Vagus, Baby!&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/08/fantasie-und-traumreisen.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEim1oceuWcE9NDt0IWZBQhNQnLRyBjljbAvvRY-kjKTzQOOrpPiZr3deY8rBQ1amrsZKtt4qDmDOqcnGBMw9YUionBzg4snR9ZFRAAKE7c20pPHi6Gis6HG6nRkJlMnvTmnrcZmHGDIWKixAV-zT5w8hwRSZV0gVNcUSkHpMbka2yAJpaU-j6RlK05Uu1Y/s72-c/traumreise.png" width="72"/><thr:total>4</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-4916265152353160775</guid><pubDate>Tue, 14 Jul 2026 15:37:23 +0000</pubDate><atom:updated>2026-07-15T18:44:56.404+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gehirn</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">In eigener Sache</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Vagus, Baby! </title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Das philosophische Nervensystem&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Vor rund 2000 Jahren widerlegte ein Arzt die damals bereits 500 Jahre gültige These des&amp;nbsp;Aristoteles, dass das Herz über den Körper bestimme. Aristoteles schrieb in &lt;i&gt;De anima&lt;/i&gt;, dass&amp;nbsp;das Herz der Ort sei, an dem die wahrnehmende Seele wohne, wo der Sitz des Verstandes sei. Der Kopf war für ihn lediglich eine Art Kühlsystem für das Blut.&amp;nbsp;(Sicher kennt jeder von uns irgend jemanden, bei dem das tatsächlich so ist.)&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgp7wyzxsWOk9vzB7XHnWqFnwP50SKyfu1ST9slvvczgvgBv6EKl37yY4wt-fn9LpnXBY9W0hY1RcIAxWqBgTMjFsKfmftLPWwdOBshhJh_ptWUHY56vuwbFYr71ZvkrBfXS4tz1rztpAq0cPVWYnWxyS-DIOeV8KO9N3F9lHOAZf9oyAVVr6vnysS8ej8/s640/galen-vagus.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="408" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgp7wyzxsWOk9vzB7XHnWqFnwP50SKyfu1ST9slvvczgvgBv6EKl37yY4wt-fn9LpnXBY9W0hY1RcIAxWqBgTMjFsKfmftLPWwdOBshhJh_ptWUHY56vuwbFYr71ZvkrBfXS4tz1rztpAq0cPVWYnWxyS-DIOeV8KO9N3F9lHOAZf9oyAVVr6vnysS8ej8/s1600/galen-vagus.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Galen und der Pneumatische Nerv (vom Autor mit KI&amp;nbsp;erstellt, Juli&amp;nbsp;2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Galen, der griechisch-römische Arzt des 2 Jahrhunderts nach Christus, entdeckte dann eben diese 500 Jahre später nicht weniger als die Einheit von Körper und Geist. Er nannte das, wo beides zusammenkommt, den "pneumatischen Nerv": ein System von&amp;nbsp;Nerven, das den Hirnstamm und sogar Teile des präfontalen Cortex&amp;nbsp;mit vielen Organen in unserem Körper verbindet. Es sollte noch einmal 1500 Jahre dauern, bis Galens Erkenntnisse medizinisch eine Renaissance erfuhr. Das alles interessierte aber Philosophen wie René Descartes kein Stück. Sie zerlegten lieber das Leben in Geistiges und Mechanisches. Um der strengen Gewissheit wegen, tat man sogar so, als wäre die Annahme, dass alle außer ich – und Tiere sowieso – Automaten seien, nicht total hirnverbrannt sei. Diese Distanz zum (Er-)Leben "der Anderen" war sicher auch ganz hilfreich (Inquisition, Kolonisation, Holocaust) durch die europäische Geschichte hindurch.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Kybernetischer Vagabund in Kopf und Körper&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;1611 nannte Caspar Bartholin der Ältere den "pneumatischen Nerv" dann "Vagusnerv", weil er fast durch unseren gesamten Körper mäandert. Der Name blieb und die moderne Forschung begann. Es ist ein ganz außerordentliches System: bi-direktional kann es nicht nur sensorische Reize oder Information aus den Organen ins Gehirn bringen, sondern gibt den verknüpften Hirnarealen auch die Möglichkeit, motorisch auf die angeschlossenen Organe zu wirken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Man kann sich den Vagus als unseren Kybernetes vorstellen. Der antike Kybernetes ist die Ur-Figur des Krisenmanagers. Er stand für die Kunst, trotz unvorhersehbarer äußerer Störungen durch ständige Kurskorrekturen ein festes Ziel zu erreichen. Dieses Ziel bei uns ist ein langfristiges Überleben in Homöostase. Denn nichts geht lange in extremo: Flucht/Angriff, Entzündung/Entzündungshemmung, Stress/Ruhe... Unser Gleichgewicht in allem beruht auf den ständigen Feedbackloops zwischen Körper und Gehirn. Vagus, Baby!&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Geht's dem Vagusnerv gut, geht's auch uns gut. Und umgekehrt:&amp;nbsp;Eine alte Bekannte von mir kann nicht mehr aus dem 
Bett aufstehen. Sie leidet nach einer COVID-Infektion permanent unter Müdigkeit, Brain Fog, 
Verdauungsproblemen, Atembeschwerden und Herzrasen.&amp;nbsp;Zytokine fluten ungebremst den Körper,&amp;nbsp;Entzündungen laufen außer Kontrolle. Ärzte und Pharmakologen scheinen machtlos. Vagusnervstimulation bietet Hoffnung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich selbst habe meine eigene, viel harmlosere Geschichte mit diesem zehnten Hirnnerv. Im Wesentlichen ist es eine Stressgeschichte, die ich sogar objektiv durch meine individuelle Heart Rate Variablity (HRV) messen kann. Hätte ich nicht eine krasse Kurskorrektur eingeleitet, dann wäre auch bei mir der Vagus nach und nach degeneriert. Brain Fog, Schlafstörungen und Verdauungsprobleme hätten zugenommen und schulmedizinische Hillfe – so viel wussten die Ärzte – gibts nicht bei solchen unklaren Symptomen. Alle Werte sind gut und der Mensch ist trotzdem kaputt.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Yoga! Vagus! Pranayama!&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das wirklich krasse am Vagusnerv ist, dass er durch seine Bi-direktionalität bis in den Präfrontalen Cortex hinein, nicht nur vegetativ (unwillkürlich) den Körper und seine Organe steuert. Wir können ganz bewusst und&amp;nbsp;gezielt den Vagustonus, also seine Spannung und Entspannung,&amp;nbsp;beeinflussen und somit direkt auf Entszündungen, Stress, Verdauungsprobleme, Herz- und Kreislauf einwirken. Ich habe &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/vagusgesundheit.html"&gt;hier mit KI wirklich einfache tägliche Maßnahmen zur Vagusgesundheit&lt;/a&gt; zusammengestellt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Regelmäßige Yogapraxis hat bei mir ohne Quatsch "Wunder bewirkt". Nicht nur, dass ich langjährige Hüftprobleme damit schmerzfrei managen kann. Meine kurzen, manchmal nur 15 minütigen Sessions allein zu Hause haben vor allem über die Atmung meinen Vagustonus wieder in Schwung gebracht. Nicht nur mein Wohlbefinden ist enorm gesteigert, auch meine&amp;nbsp;HRV ist jetzt deutlich besser – meinem Vagus geht es also auch objektiv und messbar besser.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt einige Atemtechniken (Pranayama)&amp;nbsp;aus dem Yoga, die relativ einfach zu lernen sind und über die man wie auf Knopfdruck den Vagus zur Ruhe bringen und damit Herzrasen, Entzündungen, Atemprobleme etc. direkt und schnell beeinflussen kann. Oder auch einfach mal vor dem Spiegel die Augen massieren, wenn man sich sowieso das Gesicht eincremt...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie gesagt, das Krasse ist die Bi-direktionalität und die Homöostase dieses Systems. Den Vagus nur zur Ruhe bringen, wird ihm keinesfalls gerecht. Wir müssen ihn auch reizen, z.B. durch intensiven Sport, kalte Duschen, kontrollierte Hyperventilation, Koffein etc. Ich vermute, dass in meinem Leben so ab dem 30. Lebensjahr, wo meine zuvor extreme sportliche Aktivität geringer wurde, dieser starke sympathische Reiz nachgelassen hat. Mein Vagus war Krasses gewohnt und als das ausblieb, ließ die Vagusspannung eben sehr nach, mit allen Nebenwirkungen. Ich habe jetzt also wieder auftrainiert und mache mit 50 wieder mehr Sport als noch mit 40 Jahren.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Vaguskrise&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Für die meisten von uns wird der Fokus auf dem Parasympathikus (also der Entspannung) liegen, weil wir meistens nicht über zu wenig "Stress" klagen. Trotzdem bleibt es wichtig festzuhalten, ein wirklich gesunder Vagusnerv (und damit ein gesunder Körpergeist) braucht beides: Stress und Entspannung, Ying und Yang, Tag und Nacht... Sie wissen schon.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Generell habe ich das Gefühl, wir leben in einer Vaguskrise: Aufregung und Stress allerorten, unklare Symptome, Long-COVID, Brain Fog. Es täte uns gut, unser ausgleichendes Nervensystem zu schonen, zu pflegen und zu aktivieren. Wann haben wir denn verlernt zu atmen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Einige der genutzen und empfohlenen Quellen&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/vagusgesundheit.html"&gt; Einfache Maßnahmen zur Vagusgesundheit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10830892/"&gt;Development and Regeneration of the Vagus Nerve&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.scientificamerican.com/article/how-the-vagus-nerve-could-influence-physical-and-mental-health/"&gt;The vagus nerve’s mysterious role in mental health untangled&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159124007050"&gt;The vagus nerve: An old but new player in brain–body communication&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html"&gt;Entzündung oder Erleuchtung?&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/05/knieschuss.html"&gt;Der nicht endenwollende Knieschuss&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/05/nachtigall.html"&gt;Verschwenderisch, hell, die Nachtigall&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/07/vagus-baby.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgp7wyzxsWOk9vzB7XHnWqFnwP50SKyfu1ST9slvvczgvgBv6EKl37yY4wt-fn9LpnXBY9W0hY1RcIAxWqBgTMjFsKfmftLPWwdOBshhJh_ptWUHY56vuwbFYr71ZvkrBfXS4tz1rztpAq0cPVWYnWxyS-DIOeV8KO9N3F9lHOAZf9oyAVVr6vnysS8ej8/s72-c/galen-vagus.png" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5504720352769400578</guid><pubDate>Fri, 26 Jun 2026 12:08:54 +0000</pubDate><atom:updated>2026-06-27T10:58:20.416+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Ein Alphabet des menschlichen Denkens?</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Suche einer universalen Grammatik&lt;/h1&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Essay von Jared Marcel Pollen&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Träumer und Philosophen haben sich schon lange von der Vorstellung verführen lassen, dass&amp;nbsp;ein universelles Zeichensystems imstande sei, das gesamte menschliche Denken in Schriftzeichen abzubilden. Das Rätsel um das Voynich-Manuskript ist dabei nur ein besonders schönes Beispiel.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Wilfrid_Voynich#/media/File:Micha%C5%82_Wojnicz_w%C5%9Br%C3%B3d_ksi%C4%85%C5%BCek_w_swoim_antykwariacie_na_Soho_Square.jpg" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;" target="_blank"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="464" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgLrWFjlrPAUmyo0qZSTEE1V9XTydYYY0pRSOF9WmjglyFCQdhJp4SKD4K7Mc485QTDPw-znt9capMNycZQciV636tBmLRnd24ENFBkSrhudQcdaGKiiO87WSjaPMrjUcI7x9yeh_ooHvIHDqIxREAxvRQTOjQH3zfAQg8ZXL9oZArSycvqGSFokpm0klg/s16000/Voynich_Soho_Square.jpeg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;Das Voynich-Manuskript&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Im Winter des Jahres 1890 entkam ein polnischer Revolutionär namens Michał 
Habdank-Wojnicz der eisigen Ödnis eines sibirischen Gefängnisses und 
durchquerte Europa im Verborgenen. In Hamburg versteckte er sich auf 
einem Schiff mit Kurs auf England – ein Land, das bereits anderen 
revolutionären Exilanten wie Karl Marx und Peter Kropotkin Zuflucht 
gewährt hatte. Wojnicz stammte aus einer Adelsfamilie, hatte sich jedoch
 von seiner Klasse losgesagt. Als junger Mann schloss er sich der revolutionär-sozialistischen Partei&amp;nbsp;"Proletariat" an, die Polen 
von der zaristischen Herrschaft befreien wollte. Nachdem der Versuch 
gescheitert war, zwei zum Tode verurteilte Genossen zu befreien, wurde 
er verhaftet, monatelang in der Warschauer Zitadelle festgehalten und 
schließlich tief ins Innere des Russischen Reiches deportiert. Fünf 
Monate nach seiner Flucht ließ er sich in London nieder und eröffnete 
dort eine Buchhandlung für revolutionäre Literatur.&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;Mit der Zeit entwickelte er ein Interesse an seltenen und antiquarischen 
Handschriften. 1912 reiste Wojnicz südlich von Rom zur Villa Mondragone, um eine 
Sammlung obskurer Texte zu erwerben. Auf dem Boden einer Truhe in einem 
der Räume entdeckte er ein auf Pergament geschriebenes Quartheft. Beim Durchblättern 
stieß er auf astrologische und botanische Diagramme in zarten 
Wasserfarben – verzweigte, beinahe halluzinatorische Bilder, die sich 
über die Seiten ausbreiteten; roh und zugleich schön, wie 
Kinderzeichnungen am Kühlschrank. Es gab Sternkarten, himmlische 
Medaillons und konzentrische Textkreise. Zu sehen waren außerdem nackte 
Frauen, schwangere junge Frauen, die in grüner Flüssigkeit badeten, oder
 Figuren, die in Gebilden ruhten, die an menschliche Organe erinnerten. Am rätselhaftesten aber war die Schrift 
selbst. Die Seiten waren mit Zeichen bedeckt, die keiner bekannten 
Sprache entsprachen. Nach seiner Rückkehr nach London begann Wojnicz 
sofort, Freunden von der "Sphinx" zu schreiben, die er entdeckt hatte. In der Tat handelt es sich um einen Text, der bis heute jeden, der ihn entziffern wollte, vor ein Rätsel stellte. Da weder Titel noch Verfasser bekannt waren,
 wurde die Handschrift schließlich nach der anglisierten Form des Namens
 ihres Entdeckers benannt: Das Voynich-Manuskript.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Das Alphabet des Manuskripts umfasst zwischen zwanzig und fünfundzwanzig
 verschiedene Zeichen. Die Wörter bestehen aus mindestens zwei und 
höchstens zehn Buchstaben – wobei selbst dies nicht mit Sicherheit 
feststeht, da es weder Satzzeichen noch Wortabstände gibt. Es ist daher 
unmöglich zu erkennen, wo ein Wort oder Satz endet und der nächste 
beginnt. Dennoch könnte man erwarten, syntaktische oder grammatische 
Muster zu entdecken, etwa anhand häufig wiederkehrender Wörter an 
bestimmten Positionen. Doch das Manuskript scheint keinem erkennbaren 
Muster zu folgen. Selbst Begriffe, die man unter den zahlreichen 
botanischen Zeichnungen wiederholt erwarten würde, unterscheiden sich 
jedes Mal.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Dem Manuskript war ein Brief beigefügt, verfasst von Jan Marek Marci, 
dem damaligen Rektor der Prager Karls-Universität. Darin behauptete er, das Werk 
sei von Kaiser Rudolf II. für 600 Dukaten erworben worden. Der auf das 
Jahr 1665 datierte Brief ist an den deutschen Jesuiten und 
Universalgelehrten Athanasius Kircher gerichtet, der einen großen Teil 
seines wissenschaftlichen Lebens der Kryptographie und dem 
vergleichenden Studium heiliger Sprachen widmete. Sein Werk &lt;i&gt;Turris Babel&lt;/i&gt;
 (1679) behandelt den Verlust der adamitischen Ursprache nach dem 
Einsturz des Turms von Babel. Marci schrieb die Handschrift Roger Bacon 
zu, einem der bedeutendsten Gelehrten des Hochmittelalters.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Bacons Hauptwerk, das Opus Majus, umfasst Untersuchungen zur 
Naturphilosophie, Mathematik, Theologie, Himmelsmechanik, Optik, Ethik 
und Sprachwissenschaft. Darüber hinaus entwarf Bacon Maschinen, die 
ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus waren – Fluggeräte, Aufzüge und 
Tauchglocken. Man sagte ihm sogar nach, einen bronzenen Automaten 
konstruiert zu haben, einen Vorläufer moderner Roboter. Die enorme 
Bandbreite seiner Interessen, seine Sprachkenntnisse und seine 
Beschäftigung mit den damals als okkult geltenden Wissenschaften – und 
damit die vermeintliche Notwendigkeit, seine Gedanken zu verschlüsseln –
 überzeugten Voynich davon, dass Bacon tatsächlich der Verfasser des 
Manuskripts gewesen sei. Über viele Jahre hinweg war das Werk deshalb 
als "Bacons Chiffre" bekannt.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Zahlreiche Menschen versuchten, das Manuskript zu entschlüsseln – ohne 
Erfolg. Besonders hervorzuheben ist William Friedman, ein Kryptologe der
 US-Armee, der den Signal Intelligence Service leitete, jene 
Codebrecher-Einheit, die während des Zweiten Weltkriegs die 
Verschlüsselungen der Achsenmächte analysierte. Ihr gelang es unter 
anderem, die japanische Chiffriermaschine "Purple" durch die 
Rekonstruktion ihrer komplexen Rotoren- und Schaltmechanismen zu 
knacken.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Friedman war seit Langem vom Voynich-Manuskript fasziniert. Nach dem 
Krieg gründete er gemeinsam mit seiner Frau&amp;nbsp;Ethel Lilian Voynich (&lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ethel_Lilian_Voynich" target="_blank"&gt;Autorin von The Gadfly&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;eine 
Arbeitsgruppe, um den Text zu entschlüsseln. Mithilfe derselben 
alphabetischen Verschiebungsverfahren, die auch bei der Purple-Chiffre 
zum Einsatz kamen, übertrugen sie die Zeichen des Manuskripts in 
Buchstaben des lateinischen Alphabets. Diese wurden anschließend in 
Zahlenwerte umgewandelt und auf Lochkarten übertragen, die wiederum von 
einem IBM-Rechner&amp;nbsp; – jenem Computertyp, der wenig 
später auch bei den Berechnungen für die Entwicklung der 
Wasserstoffbombe eingesetzt werden sollte –&amp;nbsp;verarbeitet wurden.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Friedman und sein Team veröffentlichten ihre Ergebnisse jedoch nie. 1946
 wurde das Projekt eingestellt. Jahre später, als man ihn drängte, seine
 Erkenntnisse offenzulegen, reagierte Friedman mit einem Scherz: Er 
veröffentlichte seine Schlussfolgerung als Anagramm (genauer ein &lt;i&gt;transposition cipher&lt;/i&gt;), also in Form eines 
eigenen Codes, dessen Bestandteile sich auf vielfältige Weise neu anordnen ließen: &amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;I put no trust in anagrammatic acrostic cyphers, for they are of little real value – a waste – and may prove nothing. Finis.&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine Transposition der Buchstaben, die seine Erkenntnis zusammenfasst:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;The Voynich MSS was an early attempt to construct an artificial or universal language of the a priori type. – Friedman.&lt;/blockquote&gt;Als Voynich 1930 starb, ging das Manuskript in den Besitz seiner Frau Ethel über. Sie selbst interessierte sich wenig für das rätselhafte Manuskript 
ihres verstorbenen Mannes. Dennoch war es ihr zu verdanken, dass 
Friedman und seine Mitarbeiter ihre Untersuchungen durchführen konnten –
 Forschungen, die ohne die Entdeckung der Booleschen Algebra durch Ethels Vater George Boole, kaum möglich gewesen wären.
&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Aussagenlogik und Boolesche Algebra&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Eines Nachmittags im Jahr 1833 hatte George Boole beim Spaziergang über 
ein Feld nahe Doncaster eine Eingebung – eine Idee, die ihn in einem 
einzigen, zeitlosen Augenblick traf. Die Erfahrung ließ ihn die nächsten
 zwanzig Jahre nicht mehr los. Allmählich kam er zu der Überzeugung, 
dass ihm ein Code offenbart worden war: der Schlüssel zu einer 
universalen Sprache, die die unendliche Vielfalt und Komplexität 
menschlichen Denkens auf ein einfaches, formalisiertes System 
mathematischer Logik zurückführen könnte.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
1854 veröffentlichte er &lt;i&gt;An Investigation of the Laws of Thought&lt;/i&gt;, ein 
Werk, das sich zum Ziel setzte, "die grundlegenden Gesetze jener 
geistigen Operationen zu untersuchen, durch die Schlussfolgerungen 
zustande kommen", und ihnen Ausdruck in der "symbolischen Sprache eines 
Kalküls" zu verleihen. Booles binäre Algebra, die auf nur zwei Variablen
 – 0 und 1 – beruhte und Wahrheitswerte wie wahr und falsch 
repräsentierte, sollte später zur Grundlage aller modernen 
Computersysteme werden.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Boole war ein zutiefst religiöser Mensch. In den drei Dimensionen des 
Raumes glaubte er einen Ausdruck der Heiligen Dreifaltigkeit zu 
erkennen. Seine Vision bestärkte ihn in der Überzeugung, dass ihm etwas 
Geschenktes zuteilgeworden sei – eine Offenbarung Gottes. 
Zeit seines Lebens hielt er daran fest, einen Blick auf den Quellcode 
des Verstandes geworfen zu haben: auf die reinste Form des göttlichen 
Geistes und auf jenes logische Geflecht, das die gesamte Wirklichkeit 
zusammenhält.
&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Kircher, Decartes und&amp;nbsp;Leibniz&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Boole war keineswegs der Erste, der vom Traum einer universalen, 
apriorischen Sprache ergriffen wurde. Eine frühe Form dieser Idee findet
 sich bereits in einem Brief, den René Descartes an den französischen 
Mathematiker Marin Mersenne schrieb. Dort erwähnt er die Möglichkeit 
eines "Alphabets des menschlichen Denkens", durch das sich alle Begriffe
 in elementare Bestandteile zerlegen ließen, die anschließend beliebig 
miteinander kombiniert werden könnten.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Auch Descartes hatte eine Erfahrung gemacht, die derjenigen Booles 
bemerkenswert ähnelt. Im Jahr 1619, während des Feldzugs, der in die 
Schlacht am Weißen Berg mündete, suchte er eines Abends in der Nähe von 
Prag Schutz in einem überheizten Zimmer. Dort hatte er eine Reihe von 
Visionen, die ihm, wie er später glaubte, eine völlig neue Philosophie 
des Geistes offenbarten.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Während Descartes scherzhaft bemerkte, eine universale Sprache werde 
wohl niemals existieren außer vielleicht dans le pays des romans, "im 
Land der Romane", verbrachte Gottfried Wilhelm Leibniz einen 
beträchtlichen Teil seines Lebens mit genau dieser Suche.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
In seiner &lt;i&gt;Dissertatio de arte combinatoria&lt;/i&gt; von 1666 entwickelte Leibniz 
die Idee einer characteristica universalis: einer Art Alphabet, das 
mathematische, metaphysische und ontologische Begriffe zugleich 
ausdrücken und dabei von allen Menschen verstanden werden könnte. Er 
beschrieb sie als
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"eine allgemeine Algebra, in der alle Wahrheiten der Vernunft auf eine 
Art Kalkül zurückgeführt würden ... eine universale Sprache oder 
Schrift, jedoch unendlich verschieden von allen Sprachen, die bislang 
vorgeschlagen worden sind."&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Zur Zeit der Abfassung dieser Schrift vertiefte sich Leibniz intensiv in
 die &lt;i&gt;Polygraphia Nova&lt;/i&gt; (1663), eine Abhandlung über Kryptographie von 
Athanasius Kircher. Kircher verstand Polygraphie als den Versuch, "alle 
Sprachen auf eine einzige zurückzuführen". Zu eben jener Zeit befand 
sich das Voynich-Manuskript – oder das, was damals als Bacons Chiffre 
galt – möglicherweise bereits in seinem Besitz. Falls Marcis Brief authentisch ist, war Kircher der letzte bekannte 
Eigentümer des Manuskripts, bevor es für Jahrhunderte verschwand und 
erst von Voynich wiederentdeckt wurde.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Einen besonders wichtigen Einfluss auf Leibniz' Vorstellung einer 
universalen Sprache übte das &lt;i&gt;I Ging&lt;/i&gt; aus, das alte chinesische Buch der 
Wandlungen, das im 17. Jahrhundert nach Europa gelangte. Es enthält 
vierundsechzig Hexagramme, die aus durchgezogenen und unterbrochenen 
Linien bestehen und zur Darstellung sprachlicher, mathematischer und 
philosophischer Zusammenhänge verwendet werden können.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Leibniz erkannte zutreffend, dass es sich dabei um ein binäres System 
handelte: Mit nur zwei Grundelementen ließ sich eine große Vielfalt 
komplexer Bedeutungen ausdrücken. Damit nahm das &lt;i&gt;I Ging&lt;/i&gt; nicht nur Booles
 Algebra, sondern auch die Logik moderner Computer um Jahrhunderte 
vorweg.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Doch je intensiver Leibniz versuchte, eine einheitliche Grammatik des 
Denkens zu entwerfen, desto mehr entzog sie sich seinem Zugriff. Wie 
später Boole beklagte er die Zersplitterung philosophischen und 
wissenschaftlichen Wissens. Für Gelehrte wie Bacon oder Kircher bildeten
 diese Bereiche noch keine voneinander getrennten Disziplinen, sondern 
unterschiedliche Ausdrucksformen einer einzigen Wahrheit.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Obwohl diese universale Ordnung unerreichbar schien, hielt Leibniz bis 
zuletzt an der Überzeugung fest, dass ein solcher Kalkül existieren 
müsse – die eigentliche Sprache des Kosmos, die alles regiert: von den 
Bewegungen der Himmelskörper bis hin zu den kleinsten unendlichen 
Einheiten seiner Monadologie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="507" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjkSM7fTvUkJ7l_1vseYjBkeVXqz2P20OUmA2ysomUy5Pyf9Y9jQQNKGszMGyCHK9QVAeD2RLRCrNTV4jsLWbg6w8A0MweyY6gURJ7XfOTwQPnuSTFoxYVUTddf6sAT8_ptkXjEGf2Cn5EtxOpX69N9eSXJeK8VPcijbGhGxqcFwTKrMHm_vOoTFIuKADI/s16000/Voynich_Manuscript_121.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;" /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;24 Monate, Jahreszeiten, Planetenkonstellationen aus dem Voynich Manuscript (Public Domain)&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;h3 class="separator" style="clear: both; text-align: left;"&gt;Kunstsprache des&amp;nbsp;apriorischen Typus&lt;/h3&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: left;"&gt;&lt;p&gt;In den 1990er Jahren wurden Pergamentproben des Voynich-Manuskripts 
mittels Radiokarbonmethode datiert. Das Ergebnis zeigte, dass die 
Handschrift im frühen 15. Jahrhundert entstanden sein musste – zu spät, 
um von Roger Bacon verfasst worden zu sein. Zugleich widerlegte dies die
 Vermutung, Voynich selbst könnte das Werk gefälscht haben.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Bis heute ist es niemandem gelungen, die Sprache des Manuskripts zu 
entschlüsseln. Vielleicht lässt sie sich deshalb nicht entziffern, weil 
sie gar keine Chiffre ist. Vielleicht handelt es sich um eine eigens 
erfundene Schrift, die auf nichts außerhalb ihrer selbst verweist – ein 
System leerer Zeichen ohne Bedeutung.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
Doch die außerordentliche Sorgfalt, mit der Text und Illustrationen 
gestaltet wurden, die ästhetische Komplexität der Schriftzeichen und die
 offensichtliche Kohärenz des gesamten Werkes sprechen gegen eine bloße 
Mystifikation. Das Manuskript wirkt vielmehr wie etwas, das belehren 
oder mitteilen wollte – als habe sein Verfasser eine Bedeutung 
vermitteln wollen, die ihm von höchster Wichtigkeit erschien.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Später bemerkte Elizabeth Friedman, die Frau des Kryptologen 
William 
Friedman, die Hartnäckigkeit, mit der sich das Manuskript jeder 
Entschlüsselung widersetzte, spreche dafür, dass es sich überhaupt nicht
 um eine Chiffre handle. Wahrscheinlicher sei, dass sein Verfasser eine 
eigenständige Sprache erschaffen habe. Ohne einen Schlüssel zu dieser 
Sprache könne ihre Bedeutung niemals rekonstruiert werden. 1970, kurz 
nach Friedmans Tod, wurde schließlich seine offizielle Lösung des 
anagrammatischen Rätsels im&amp;nbsp;&lt;i&gt;Philological Quarterly&lt;/i&gt; (Vol. 49, No. 4 "William F. Friedman and the Voynich Manuscript") veröffentlicht. Sie lautete:
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Das Voynich-Manuskript war ein früher Versuch, eine künstliche oder universale Sprache vom apriorischen Typus zu konstruieren."&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Quellenvermerk: Dieser Artikel basiert auf einem &lt;a href="https://engelsbergideas.com/essays/the-quixotic-quest-for-an-a-priori-language/" target="_blank"&gt;Text von Jared Marcel Pollen&lt;/a&gt;, der ursprünglich in Englisch auf Engelsberg Ideas erschienen ist. Mit freundlicher Genehmigung von EI durch Gilbert Dietrich und KI gekürzt ins Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;
&lt;b&gt;Das passt dazu:&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: left;"&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/11/musica-universalis.html"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/05/nachtigall.html"&gt;Verschwenderisch, hell, die Nachtigall&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/11/musica-universalis.html"&gt;Musica universalis: Echos in unseren Seelen&lt;/a&gt;&lt;b&gt;&amp;nbsp;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/10/schleimpilz-emergenz.html"&gt;Schleimpilze, Menschen und andere Strukturen&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/06/chiffren.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgLrWFjlrPAUmyo0qZSTEE1V9XTydYYY0pRSOF9WmjglyFCQdhJp4SKD4K7Mc485QTDPw-znt9capMNycZQciV636tBmLRnd24ENFBkSrhudQcdaGKiiO87WSjaPMrjUcI7x9yeh_ooHvIHDqIxREAxvRQTOjQH3zfAQg8ZXL9oZArSycvqGSFokpm0klg/s72-c/Voynich_Soho_Square.jpeg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-7556611862003715439</guid><pubDate>Tue, 16 Jun 2026 12:52:03 +0000</pubDate><atom:updated>2026-06-17T17:23:29.745+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">In eigener Sache</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Tod</category><title>Kontrollverlust</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Hi-T und Big Dick Energy&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Nach anderthalb Wochen im Tiefkühler haben wir ihn im Garten begraben. Was bedeutet es, wenn dir plötzlich ein Haustier wegstirbt oder gar "entrissen" wird? Er war ja schon etwas klapprig... Und meine Sonnenbrille habe ich auch verloren, dachte ich. Auch die App meines Wearables zeigt Vitalparameter, die zu wünschen übrig lassen. Und habe ich nicht irgendwie einen Schnupfen (als solcher bei &amp;gt; 25°C nicht erkennbar) oder mindestens some brain fog? Manchmal denke ich, ich hätte die Kontrolle über mein Leben verloren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Welche Homöostase kann man von sich selbst überhaupt verlangen, wenn sich so große, so globale Systeme wie das Klima, der Bitcoin oder die regelgeleitete Politik aus dem Gleichgewicht schaukeln? Habt ihr es gelesen: 35 °C in Berlin an einem Wochenende im Juni?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;"Der Geist ist lebendig", sagt mein Physiotherapeut, "Er ist verkörpert. Das hatte die Philosophie zwischenzeitlich vergessen." Und&amp;nbsp;dass ich lieb zu mir sein soll, sagt er auch – sanft, nicht so hart. Ja, "Physio", nicht "Psycho"! Er sieht es an meinen Schultern, sagt er. Alles Kompensation, alles Kybernetik mit Kontrollschleifen in einem nur schlecht zu steuernden System. Ein Knöchelchen gerät außer Kontrolle und schon verschiebt sich das ganze dumme System. Ich find's schon hart.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das hatte ich bisher gar nicht gemerkt, dass ich zu hart mit mir war. Wahrscheinlich bin ich über die Jahre abgestumpft gegenüber&amp;nbsp;dieser Härte mit mir selbst. Wie geht es eigentlich meinen Nächsten damit? Spüren sie meine Härte, meine Liebe? Ist es diese Härte, die die Influencer-Bros meinen, wenn sie von&amp;nbsp;Hi-T (aka High Testosteron) sprechen? Ist meine Härte also eigentlich erstrebenswert männlich?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;The oldest Fart&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Und was bedeutet es für die westliche Zivilisation, wenn vor dem White House, "The People’s House", Motorräder zu Zirkusmusik&amp;nbsp;Loopings machen, um "the people" darauf vorzubereiten, dass sich gleich darauf erwachsene Männer im Octagon gegenseitig ins Gesicht schlagen? Alles in Sichtweite des versteinerten Abraham Lincoln. &lt;i&gt;Happy Birthday Donald&lt;/i&gt;, scheint er zu wispern. &lt;i&gt;You are now officially the oldest fart ever in this house.&lt;/i&gt;&amp;nbsp;Die Republikaner waren schon immer die Partei der familliären Werte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hat man eigentlich schon deswegen viel Testosteron, weil man mit seinem ganzen viszeralen Bauchfett anderen – eher durchtrainierten – Männern beim Kämpfen zuschaut? Ich zweifle. Das ist doch eher ein Colusseum-Moment, Dekadenz, Cesar, Imperial Overstretch u.ä. Einer der Kämpfer, Josh Hokit, behauptet anlasslos und laut ins Mokrophon (vor dem Weißen Haus), dass Michelle Obama ein Mann sei... "Am I right, America?" Ein anderer Kämpfer macht eine Nazigeste... Es wird gejohlt, einige Fans rufen "Canada is the 51st state". Bud Light, Monster Energy, Dodge und Crypto.com werden sehr sichtbar durch das White House Event beworben. Die Kämpfer laufen dramatisch und schwitzend durch das Oval Office und raus auf den Truman Balkon des Weißen Hauses. Das ist doch alles mindestens Hi-T. Wenn nicht sogar BDE (Big Dick Energy)? IDK. Vielleicht auch SDE.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Apropos Kontrollverlust. &lt;a href="https://www.thedailybeast.com/why-trumps-iran-peace-deal-is-a-sham-david-rothkopf/" target="_blank"&gt;David Rothkopf fragt&lt;/a&gt;: Wie nennt man es, wenn man ein anderes Land bombadiert und dann einen teuren Deal inklusive Milliardenzahlungen machen muss, um den Zustand vor diesem Bombardement wieder herzustellen? Ich denke, man nennt das, "einen Krieg verlieren".&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sonnenbrille: Stellt sich heraus, sie war die ganze Zeit in einer Jackentasche, die mir bisher gar nicht bekannt zu sein schien. Stellt sich heraus, ich habe gar nicht die Kontrolle über mein Leben verloren. Stellt sich heraus, ich habe einfach die Kontrolle über all meine Hosen- und Jackentaschen verloren, was ja nicht ganz dasselbe ist.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/wiedergeburten-innere-welten-auere.html"&gt;Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/fur-faschismus-zu-inkompetent-zu-faul.html"&gt;Für Faschismus zu inkompetent, zu faul und zu gierig&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/05/nachtigall.html"&gt; Verschwenderisch, hell, die Nachtigall&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/06/big-dick-energy.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2298448232171139406</guid><pubDate>Fri, 29 May 2026 15:23:28 +0000</pubDate><atom:updated>2026-06-01T11:45:36.554+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Fachliteratur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><title>Der nicht endenwollende Knieschuss</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Gebrochene Selbstaffirmation unter den&amp;nbsp;Bedingungen des digitalen Kapitalismus&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Gerade lese ich Steffen Martus' &lt;i&gt;Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute&lt;/i&gt;&amp;nbsp;(Berlin 2025). Das Buch taugt nicht nur als literaturwissenschaftliches Werk unter besonderer Behandlung der jeweiligen literarischen Felder (oder "&lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Literarisches_Feld" target="_blank"&gt;dem literarischen Feld&lt;/a&gt;", wenn wir bei Bourdieu bleiben wollen), in denen alle Autoren und ihre Veröffentlichungen spielen. Es taugt ganz besonders auch als soziopolitische Betrachtung unserer Gegenwart. Selten habe ich die derzeitig überaus verwirrenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen (also eigentlich Verwicklungen) so auf den Punkt gebracht und aus großer Flughöhe analysiert bekommen.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://imgs.xkcd.com/comics/duty_calls.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="330" data-original-width="300" height="330" src="https://imgs.xkcd.com/comics/duty_calls.png" width="300" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;XKCD: &lt;a href="https://xkcd.com/386/" target="_blank"&gt;Duty Calls&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die eigene Befindlichkeit als ein und alles&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Ein Grund für die Schwierigkeit der Gegenwartsanalyse ist ja der mangelnde zeitliche Abstand zum Untersuchungsgegenstand. Bei Martus liest man aber über Dinge, die heute geschehen, als seien sie aus geschichtlicher Perspektive mit großem Abstand beobachtbar. Immer wieder kommt er auf die offenbare Krise der Demokratie zu sprechen, die natürlich gerade auch in der Literatur behandelt wird. Besonders die Literatur, die Martus "Autosoziobiographie" nennt (Anke Stelling, Daniela Dröscher, Christian Baron), erkläre "die eigene Befindlichkeit und die Realisierung des eigenen Selbst zu einem wichtigen Gradmesser sozialer Gerechtigkeit." Daran schließen sich die zwei unten zitierten Absätze an, die mir so glasklar einen Hauptaspekt unseres derzeitigen gesellschaftlichen Seins auf den Punkt zu bringen scheinen.&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wir sind die Verstärker der Verhältnisse, die wir ablehenen&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;Ein Merkmal unserer Zeit scheint mir das selbstzerstörerische Verhalten all derer, die zurecht sauer wegen sozialer Ungerechtigkeiten sind. Man sieht das im gegen die eigenen Interessen gerichteten Wahlverhalten (Trump, AFD, etc.) und in der sogenannten 
"Spaltung der Gesellschaft", wo die Benachteiligten v.a. medial aufeinander losgehen. Das machen sie mit den Werkzeugen, die ihnen die Spalter erst kostenpflichtig in die Hände gedrückt haben.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&lt;blockquote&gt;"Wir stehen vor einem aktuellen Dilemma: Das Ressentiment gegen die Verhältnisse an und für sich entspringt einem berechtigten emanzipatorischen Ungenügen, das aus der Differenz zwischen der formal-rechtlichen Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger und der offenkundigen materiellen Ungleichheit resultiert. Diese Berechtigung muss anerkannt werden. Das Ungenügen schlägt jedoch leicht in eine eigentümlich bodenlose, unverhältnismäßige Unzufriedenheit um, und es trägt zur Verstärkung der Verhältnisse bei, gegen die es sich eigentlich wendet. Es lebt vor allem von Vergleichsinteresse und Urteilslust, also genau jenen Kommunikationsdrogen, die in der «Bewertungsgesellschaft»&amp;nbsp;gedealt werden und die sozialen Medien [...] berauschen." (A.a.O., S. 470)&lt;/blockquote&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Die Zerrüttung von Anstand, vernüftger Diskussion und fairem politischem Wettbewerb, getrieben aus dem Verlangen nach einer wütend eingeklagten&amp;nbsp;Gleichberechtigung und&amp;nbsp;gesellschaftlichen Teilhabe, fällt uns dann noch vor dem Versuch der Gestaltung dieser Gleichberechtigung und Teilhabe auf die Füße. Alle schießen gegen alle aus der Deckung ihrer jeweils eigenen vermeintlich exklusiven Identität. Ein klassischer Schuss ins Knie, der alles noch schlimmer macht und den politischen Rändern zuarbeitet, die – v.a. auf der rechten Seite – das Spiel mit dem Online-Ressentiment gut verstehen.&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&lt;blockquote&gt;Das begehrliche Selbst, das immer nur enttäuscht sein kann und dessen Enttäuschung sich auch ökonomisch gut gebrauchen lässt, hängt mit der Verfasstheit von Medien, entsprechenden Kommunikationsweisen und Wirtschaftsformen zusammen. Es zeichnet sich durch eine&amp;nbsp;«eigentümlich gebrochene Selbstaffirmation»&amp;nbsp;aus, weil es sich «als Resultat eines unbedingten Neins zu einem ‹Außerhalb›, zu einem ‹Anders›, zu einem ‹Nicht-Selbst›»&amp;nbsp;konstituiert. Es kultiviert seine Ohnmacht, pflegt eine Art von «Lebensneid» und sucht händeringend nach&amp;nbsp;«Verkörperungen», um «eigene Nachteile mit fremden Vorteilen»&amp;nbsp;zu verrechnen. Das Schlimme daran ist: Es hat unter Bedingungen des digitalen Kapitalismus dazu beigetragen, auf dem Konto von Tech-Giganten menschheitsgeschichtlich noch nie da gewesenes Vermögen anzuhäufen und schreiende Ungleichheitsverhältnisse entstehen zu lassen. (A.a.O., S. 470)&lt;/blockquote&gt;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;Die nicht zuletzt durch die Digitalisierung und das Internet stimulierten Egalitätserwartungen lassen sich "unter Bedingungen des digitalen Kapitalismus"&amp;nbsp;nicht einlösen, auch deshalb nicht weil sie nicht ernst gemeint waren. Klar kann jeder mitreden, veröffentlichen, Videos machen etc. In einer Figur der sich aufschaukelnden Entfremdung führt aber gerade das zu einer Verstärkung der gefühlten Ungerechtigkeit, denn es folgt aus dieser geduldeten Teilhabe kein wirkliches Mitspracherecht bei der Gestaltung der Welt, was dann die beleidigten Anklagen und Beschimpfungen des Status quo noch verstärkt. Einige wenige Menschen werden mit unserem Wüten gegeneinander unglaublich, unvorstellbar, sagenhaft reich.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;Wollen wir (we, the users) vielleicht einfach mit dem Wüten aufhören?&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div dir="auto"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2011/06/dinge-mogen-und-menschen-lieben.html"&gt;Schluss mit feige. Liebt, begrabt euch!&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/10/erfindet-euch-neu.html"&gt;Erfindet euch neu!&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/06/big-other.html"&gt;Das große Andere&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/05/knieschuss.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-3338715091794522013</guid><pubDate>Tue, 19 May 2026 13:40:19 +0000</pubDate><atom:updated>2026-05-20T18:43:48.807+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Peace Out: Rechter Pazifismus</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Was steckt hinter der Liebe zum Frieden bei der neuen Rechten?&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Traditionell gilt der Pazifismus als eher linkes oder christlich-humanistisches Projekt. Links entstand er aus der Überzeugung, dass Kriege meist Ausdruck von Herrschafts-, Klassen- und Machtinteressen sind und gewöhnliche Menschen für Konflikte sterben, die primär den Eliten, Staaten oder ökonomischen Systemen dienen. Die rechten Nationalisten hingegen standen für genau diese Machtinteressen, auch und gerade die, die neben "Nationalismus" das Label "Sozialismus" führen wollten. Die alte Rechte hatte regelrecht Lust am Krieg und keine Angst vor ihm.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEg9meG4CDQnduMtAoCz-59bFCTD0wYWh_MxmPOfW80VlPbsEdAi12qMcXpO62ZBnlSnBTXdCmnhsz2I_lBwoqg73gRTHzs-QKJZzb4cHJovdT2a3f-U3ih5lUt_QVM4ULz1v3PlqS0TnsBiDxsdaZHr8EeXOOvaLyDcNcJKUK1Xjpd7n1LrfSVc6pIxPnI/s640/peace-out.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEg9meG4CDQnduMtAoCz-59bFCTD0wYWh_MxmPOfW80VlPbsEdAi12qMcXpO62ZBnlSnBTXdCmnhsz2I_lBwoqg73gRTHzs-QKJZzb4cHJovdT2a3f-U3ih5lUt_QVM4ULz1v3PlqS0TnsBiDxsdaZHr8EeXOOvaLyDcNcJKUK1Xjpd7n1LrfSVc6pIxPnI/s16000/peace-out.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Give Peace a second Chance! (AI generiert, 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Heute fällt auf, dass ausgerechnet rechte Bewegungen in den USA und 
Europa ständig von "Frieden", "Abrüstung" und "Deeskalation" sprechen. 
(Israels Rechte bildet in ihrer bellizistischen Siedlungslust eine 
offensichtliche Ausnahme.) Die neue westliche Rechte präsentiert sich 
zunehmend anti-interventionistisch. Sind unsere Rechten jetzt zart, 
friedliebend und harmoniesüchtig geworden? Auf jeden Fall sind sie 
wehleidig, faul und mutlos geworden. Ein Glück!&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;Es gibt natürlich auch noch einen linken Pazifismus. Einer der wichtigsten Berührungspunkte zwischen linkem und rechtem Anti-Interventionismus scheint mir in der nebulösen Ablehnung von "Eliten" zu liegen. Beide Seiten misstrauen einer als irgendwie herausgehoben wahrgenommenen Schicht aus politischen, wirtschaftlichen, medialen und technokratischen Akteuren, die Kriege angeblich im Namen abstrakter Werte oder eigener elitärer Interessen führen, während die gesellschaftlichen Kosten "vom kleinen Mann" getragen werden.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Linke interpretiert diese nebulöse Elite traditionell als kapitalistische oder imperialistische Machtstruktur; die Rechte dagegen eher als globalistische, kosmopolitische oder kulturell entfremdete Klasse oder gar Verschwörung. Trotz völlig unterschiedlicher Weltbilder entsteht daraus ein ähnlicher Affekt: die Vorstellung, dass normale (nicht elitäre) Menschen für geopolitische Projekte geopfert werden, die nicht ihren eigenen Interessen dienen. Gerade deshalb können heute antielitäre, antiinstitutionelle und friedenspolitische Argumente in linken und rechten Milieus oft erstaunlich ähnlich klingen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Friedenstugend oder Erschöpfung und Egoismus&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Bei der Rechten handelt es sich nun gerade nicht um einen Pazifismus im bisherigen Wortsinn. Die traditionelle Friedensbewegung argumentierte universalistisch: Krieg galt als moralisches Übel, unabhängig davon, wer ihn führte. Der neue "rechte Pazifismus" funktioniert anders. Er ist weniger humanistisch als defensiv. Da heißt es nicht: "Krieg ist immer falsch", sondern eher: "Warum sollen wir für fremde Interessen kämpfen?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dahinter steht ein tiefer kultureller Wandel. Die alte Rechte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war heroisch, expansiv und militaristisch. Nationalisten verstanden sich und ihre Nationen (so wie man es noch im heutigen Russland sehen kann) als geschichtliche Akteure, die Größe, Opferbereitschaft und militärische Stärke verkörpern sollten. Die heutige Rechte dagegen entsteht in alternden, individualisierten Konsumgesellschaften, die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/01/jean-luc-nancy-zukunft.html"&gt;weniger von Aufbruch als von Erschöpfung geprägt&lt;/a&gt; sind. Nicht Expansion, sondern Rückzug wird zum Leitmotiv. Viele rechte Bewegungen wollen keine Imperien mehr errichten, sondern lediglich Grenzen sichern, in Ruhe gelassen werden und von Zumutungen verschont bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinzu kommt die Erfahrung der westlichen Interventionskriege seit 2001. Gerade in der nationalistischen, zum Teil rassistischen und stramm rechten &lt;a href="https://www.politico.com/news/2026/05/18/the-anti-war-crack-in-magas-youth-base-00926619" rel="nofollow" target="_blank"&gt;MAGA-Bewegung in den USA gelten die Kriege&lt;/a&gt; in Vietnam, im Irak, in Afghanistan und in Libyen als Sündenfälle einer politischen Elite, die gigantische Ressourcen verschwendet und zugleich das eigene Land vernachlässigt hat. Der alte konservative Interventionismus der republikanischen Neocons wird deshalb zunehmend abgelehnt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das geht soweit, dass auch diplomatischer Isolationalismus gefordert wird (inklusive Verächtlichmachung von UNO und anderen internationalen Institutionen). "America First" bedeutet außenpolitisch oft schlicht: kein Einsatz für internationale Demokratie und keine Hilfe gegen Diktatoren in anderen Ländern (aka "keine endlosen Kriege"). Nicht ganz unverständlich, wenn man sich die Bilanz der Interventionen von Vietnam bis Afgahnistan ansieht.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Verschiebung des Militarismus nach innen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Auch Europas Rechte hat sich verändert. Viele rechte Parteien bewundern heute weniger militärische Expansion als kulturelle Stabilität, Souveränität und autoritäre Ordnung. Daher auch der verstörend freundliche Blick auf als sozial stramm konservativ wahrgenommene Länder wie Russland (nicht gerade pazifistisch) und Orbans Ungarn (RIP). Es entsteht ein eigentümlich friedlicher Nationalismus: Man lehnt westliche Militärpolitik ab, ohne Gewalt oder Machtpolitik grundsätzlich infrage zu stellen. Der Militarismus verschwindet also nicht völlig; er verschiebt sich von äußerer Expansion hin zu innerer Ordnung, Grenzsicherung und kultureller Selbstbehauptung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Entwicklung ist nicht neu. Historiker wie Enzo Traverso (&lt;i&gt;The New Faces of Facism&lt;/i&gt;, 2018) haben darauf hingewiesen, dass sich die neue Rechte stark von den futuristischen und revolutionären Bewegungen des klassischen Faschismus unterscheidet. Sie ist weniger dynamisch als melancholisch, weniger imperial als nostalgisch. Statt von einer glorreichen Zukunft &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/12/entfremdung-freud.html"&gt;träumt sie häufig von einer verlorenen Vergangenheit&lt;/a&gt;. Ihr Geist ist nicht mehr die modernistische Revolutionsenergie wie in den 1920er/30er Jahren, sondern eine kulturelle Verbitterung inklusive ängstlicher Identitätssicherung und nostalgischer Rückwendung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein neuer "rechter Pazifismus" ist eher kein Zeichen universeller Friedensliebe. Er ist vielmehr Ausdruck einer Epoche kultureller Müdigkeit und geopolitischer Ernüchterung und ein Versuch gesellschaftlicher Selbstabschließung. Anders als bei christlichen und humanistisschen Pazifisten sind &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Vertreibung, Folter und Totschlag bei der Rechten nicht generell abzulehnen&lt;/a&gt;. Das ist dann halt so, so lange das Verderben "die Richtigen" trifft.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html"&gt;Fiesta oder Nostalgie&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Angst und autoritäre Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/fur-faschismus-zu-inkompetent-zu-faul.html"&gt;Für Faschismus zu inkompetent, zu faul und zu gierig&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/05/rechter-pazifismus.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEg9meG4CDQnduMtAoCz-59bFCTD0wYWh_MxmPOfW80VlPbsEdAi12qMcXpO62ZBnlSnBTXdCmnhsz2I_lBwoqg73gRTHzs-QKJZzb4cHJovdT2a3f-U3ih5lUt_QVM4ULz1v3PlqS0TnsBiDxsdaZHr8EeXOOvaLyDcNcJKUK1Xjpd7n1LrfSVc6pIxPnI/s72-c/peace-out.png" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-7897305765229710909</guid><pubDate>Tue, 05 May 2026 12:51:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-05-07T16:31:49.619+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Verschwenderisch, hell, die Nachtigall</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Und die Nacht wird zur Kathedrale&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Nachts, kurz vor 23 Uhr, ich bin gerade auf die kleine ebenerdige Terrasse getreten, hörte ich sie plötzlich doch. So laut, so klar, so ergreifend wie Kirchenmusik. Warum sie sich so verspätete, weiß ich nicht genau. Ich hatte sie bereits Anfang April erwartet, so wie in den anderen Jahren. Aber ich werde einer Freundin, einer Liebe keinesfalls eine Verspätung von ein paar Tagen nachtragen. Im Gegenteil: Ich war dieses Mal noch viel glücklicher als in den Jahren zuvor, noch dankbarer vor allem. Manchmal muss das Glück abwesend oder wenigstens fern sein, damit wir es wieder schätzen lernen.&lt;/p&gt;
&lt;div&gt;&lt;iframe frameborder="no" height="543" scrolling="no" src="https://dominik-eulberg.de/Fliegende-Edelsteine/Nachtigall.php" width="100%"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;Jetzt war die Nachtigall plötzlich wie aus dem Nichts, eigentlich aber aus dem südlichen Afrika zurückgekehrt. Geleitet von den Sternenmustern über dem Himmel und dem Erdmagnetfeld darunter hat sie zu mir nach Berlin zurückgefunden und gibt mir in den dunkelsten Stunden des Tages das Gefühl, dass doch alles irgendwie ok ist. Das ist schließlich kein Pfeifen im Walde, sondern ein verschwenderisches Ausgießen von Lebensenergie in der Mitte der Nacht. Alles wird gut.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Nichts könnte, bei Tageslicht betrachtet, weiter von der Wahrheit entfernt sein. In diesem unverhofften, nächtlichen Moment jedoch, fühle ich mich wie in pures Licht getaucht. Ein klares, tönendes, schmetterndes, weiß-grünes Licht. Ich meine, diese unwahrscheinliche, nächtliche Synästhesie kommt aus der Nichtpassung von tiefer Nacht und dem eigenwillig lauten, selbstgewissen Singen eines kleinen unsichtbaren Vogels. Die Nacht wird zur Kathedrale.&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der Künstler unter den Singvögeln&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Dominik Eulberg, deutscher DJ, Minimal Techno Produzent und Ökologe, schreibt auf seiner Seite &lt;a href="https://dominik-eulberg.de/Fliegende-Edelsteine/" target="_blank"&gt;Fliegende Edelsteine&lt;/a&gt;, wo ich auch die oben eingebettete Aufnahme gefunden habe, die Nachtigall...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;[v]erdankt ihren Namen der für Singvögel ungewöhnlichen Angewohnheit, nicht nur tagsüber, sondern auch nachts zu singen. Das »gall« kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet »laut tönen«. Ihr Gesang gilt als der schönste aller einheimischen Vögel und besteht aus bis zu 300 Strophen mit beeindruckendem Crescendo.&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das "Gall", das gellende, laute, ja anschwellende Tönen ist es, was meine Nacht auf der Terrasse weißgrün erstrahlen lässt. Es ist nicht einfach eine nur angeborene Abfolge von Tönen, sondern ein von den jungen Männchen erlernter Gesang. Sie lernen, indem sie älteren Vögeln zuhören. Dadurch entwickeln sich nicht nur regionale "Dialekte", sondern bis zu 300 Strophentypen, die nicht einfach in Schleifen wiederholt werden. Nachtigallen können ihre Strophen kombinieren und variieren ihre Motive – fast so improvisierend wie in der menschlichen Kunstmusik.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Laute, schmetternde, markante Strophen wechseln sich mit leiseren, komplexeren Passagen ab. Diese Dramaturgie dient nicht nur der Partnerwerbung, sondern auch der Revierverteidigung: "Ich bin hier, und zwar ernsthaft!" Dabei zeigen die Vögel eine enorm flexible Verhaltenssteuerung. Die Nachtigall könnte man als ein kleines, hochspezialisiertes Kommunikationssystem beschreiben: lernfähig, strategisch und kulturell geprägt. Einige erstaunliche Aspekte dieser flexiblen Verhaltenssteuerung sind:&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;Regelhafte Sequenzierung: Studien (u. a. von Henrik Brumm und Dietmar Todt) zeigen, dass Nachtigallen ihre Strophen nicht zufällig aneinanderreihen, sondern nach bestimmten Mustern. Bestimmte Strophentypen folgen häufiger auf andere ("syntaktische Regeln") und es gibt Hinweise auf eine Art "Turn-taking" in Duellen, wo Männchen gezielt auf den Gesang des Gegners reagieren. (Wann, wo und wie eigentlich wird ein Duell zu einem&amp;nbsp;Duett?)&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Funktionale Anpassung an Situation: Experimente mit Playback (also eingespielten Gesängen) zeigen, dass Nachtigallen ihre Gesangsstruktur gezielt ändern, wenn sie einen Konkurrenten hören. Sie erhöhen z. B. die Lautstärke oder wählen besonders markante Strophen, wenn es um Revierverteidigung geht.&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Signalgestaltung ("Dramaturgie"): Laute, einfache Strophen sind gut für Fernwirkung. Komplexe, leisere Passagen wirken eher im Nahbereich (z. B. bei Weibchen in der Nähe).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der Preis der Schönheit&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Nachtigallen sind, anders als ihr Gesang, nicht unbedingt schön. Sie sind eher braun, kaum größer als ein Spatz und im Unterholz unsichtbar. Ihr schöner Gesang verbraucht eine enorme Menge an Energie. Schnelle Atemzyklen, hochpräzise Muskelarbeit im Syrinx und die neuronale Steuerung komplexer Sequenzen lassen den Energieverbrauch beim Singen&amp;nbsp;gegenüber der Ruhe&amp;nbsp;deutlich ansteigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber warum dann überhaupt in der Nacht singen? Nur wirklich fitte Männchen können sich das leisten und damit die Weibchen beeindrucken. Sie nutzen die bessere Akustik, die fehlenden Störgeräusche und die Weite des Klangs in der kühlen Luft, um die lauschenden Weibchen mit der Schönheit ihres Gesangs von weither anzulocken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So geht es der Nachtigall wie mir: Wir haben durch tägliches Sorgen und Besorgen auf der einen Seite und die nächtliche Hingabe an das Schöne auf der anderen Seite ein ziemlich&amp;nbsp;enges Zeitbudget. Wer täglich besorgt, muss eigentlich nachts schlafen. Aber besonders die unverpaarten Männchen kommen nachts, anders als die meisten anderen Singvögel und Menschen, gar nicht zum Schlafen. Am folgenden Tag dann müssen sie trotzdem Nahrung suchen, ihr Revier verteidigen und weiter singen, um nicht auf ewig unverpaart zu bleiben.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch wenn ich selbst zwar seit langem verpaart bin und gar nicht so schön singe, fühle ich eine tiefe Seelenverwandtschaft mit diesem nächtlichen Lebenskünstler. Auch ich würde gern noch einmal so verschwenderisch meine Lebensenergie ausgießen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Nacht ist eine Kathedrale, die nicht von jedem bespielt werden kann. Sie ist weit und hoch, leer und kühl, erleuchtet.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjRbutLvW8tMmgMY1M53TFmQqZMcYQHpn6W40pI3jaMlEqqLAt26YuTssWdtePfFcAUnme7o-D9M0SBMlLnPOwbWT0XWeBNBrKO02HigRDVKI9bnopf86d58wn07ZqMzfLdzHQWrjjTIPgDOd50PTsHwVGm5KW53UzE-ZFxoxUF-yiV09jgKW3m23YYlDA/s986/nachtigall-fliegende-edelsteine.jpg" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;img border="0" data-original-height="986" data-original-width="640" height="200" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjRbutLvW8tMmgMY1M53TFmQqZMcYQHpn6W40pI3jaMlEqqLAt26YuTssWdtePfFcAUnme7o-D9M0SBMlLnPOwbWT0XWeBNBrKO02HigRDVKI9bnopf86d58wn07ZqMzfLdzHQWrjjTIPgDOd50PTsHwVGm5KW53UzE-ZFxoxUF-yiV09jgKW3m23YYlDA/w130-h200/nachtigall-fliegende-edelsteine.jpg" width="130" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Inspiriert von unseren Nachtigallen und von &lt;a href="https://dominik-eulberg.de/" target="_blank"&gt;Dominik Eulberg&lt;/a&gt;, dessen schönes interaktives Kartenset "Fliegende Edelsteine" (siehe Beispielkarte "Nachtigall" links) mir eine liebe Freundin einst schenkte. Bei der Recherche der Fakten rund um Gesang und Migration der Nachtigall hat mir ChatGPT geholfen.&lt;/span&gt;
&lt;p style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="margin-left: 120px; text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/01/stille.html"&gt;Das Geräusch der Stille&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/10/h-wie-habicht.html"&gt;Bilder des Trostes, H wie Habicht&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/wiedergeburten-innere-welten-auere.html"&gt;Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/05/nachtigall.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjRbutLvW8tMmgMY1M53TFmQqZMcYQHpn6W40pI3jaMlEqqLAt26YuTssWdtePfFcAUnme7o-D9M0SBMlLnPOwbWT0XWeBNBrKO02HigRDVKI9bnopf86d58wn07ZqMzfLdzHQWrjjTIPgDOd50PTsHwVGm5KW53UzE-ZFxoxUF-yiV09jgKW3m23YYlDA/s72-w130-h200-c/nachtigall-fliegende-edelsteine.jpg" width="72"/><thr:total>4</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5401080867752624752</guid><pubDate>Mon, 27 Apr 2026 20:07:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-05-05T10:46:51.440+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Für Faschismus zu inkompetent, zu faul und zu gierig</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Make Amerika Fail Again&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Was wird denn nun aus der Amerika-First-Politik? Kommt er wohl noch, der amerikanische Faschismus? Oder wenigstens nationaler Wohlstand in den USA? Wohl eher nicht. Kurz gesagt sehen wir in der US-Regierung eine immense Schludrigkeit, lauter gescheiterte Projekte, alles komplett unprofessionell und clownesk. Beispiele (klick drauf, um den Text zu erweitern):&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgqtBl3N3SKgG_4buQwvut_Z_WYTDc4vEKHOxGq2Tp3Ew6UAw0dn5CoibnDcolXeyldn5bk-4d6EGxiAmoApdKqLNd4l388zi_sc9VhOnQKNZF3Ba6yb_32KQIufTdMk2TJlA7WgTH-jJENExPszkVk7Os5LwzjMw8R1n8Veu0WO8B1rIJnjfiiFHgEbF8/s640/clown-car-gug.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="409" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgqtBl3N3SKgG_4buQwvut_Z_WYTDc4vEKHOxGq2Tp3Ew6UAw0dn5CoibnDcolXeyldn5bk-4d6EGxiAmoApdKqLNd4l388zi_sc9VhOnQKNZF3Ba6yb_32KQIufTdMk2TJlA7WgTH-jJENExPszkVk7Os5LwzjMw8R1n8Veu0WO8B1rIJnjfiiFHgEbF8/s16000/clown-car-gug.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;"The Wheels have come off the Clown Car" (KI-generiert 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Trumps Zölle&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Sie haben vor allem bewirkt, dass sich Handelspartner abwenden und unter der Umgehung der US zusammenschließen. Ansonsten werden nur die Produkte für die US-Bürger teurer und der oberste Gerichtshof verbietet die Praxis. Riesen Durcheinander, 166 Milliarden Dollar müssen rückabgewickelt werden, keiner weiß, wie es jetzt intern und auf der Weltbühne weiter geht.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Trumps Irankrieg&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt; Seit dem Angriff zusammen mit Osrael stehen nun alle schlechter da (weltweite Energiekrise, Iraner mehr als zuvor unterdrückt), außer das iranische Regime selbst, das jetzt noch fester im Sattell sitzen soll. Vorher keine Informationen an Partner und Verbündete, keine Strategie und jetzt schludrige Verhandlungen ohne Ergebnisse, die der Iran sichtlich auskostet.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Der außenpolitisch Stand der USA&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Plötzlich unterstützend sie Autokraten wie Bolsonaro, Orban und Putin, wollen Grönland und Kanada annektieren und eben mal schnell Venezuela und demnächst vielleicht Kuba überfallen. Hat alles außer Chaos, Kopfschütteln und vor den Kopf gestoßene Verbündete wenig gebracht; selbst in Venezuela ist das Regime das bisherige.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Trumps (Nicht-)Verwicklung in die Epsteinverbrechen&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Er verkündet im Wahlkampf, dass die ganze Epstein-Sache aufgeklärt wird.&amp;nbsp;Das Justizministerium bringt Hafterleicherungen für die angeklagte Mittäterin, niemand wird angeklagt und Pam Bondie, die Justizministerin wird vom Kongress verhört und dann gefeuert.&amp;nbsp;Letztlich bringt ihn das schludrige Vorgehen persönlich in Schwierigkeiten. Seine MAGA-Basis verliert den Glauben an ihn. Das Problem bleibt virulent und Trumps Frau Melania rückt sich selbst plötzlich in die Schusslinie. Das wird noch spannend.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;FBI-Chef Kash Patel und Verteidigungsminister Keith Heckseth&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Die beiden tun sich immer wieder durch für die Informationssicherheit gefährlichen Gebrauch von Social Media Apps hervor (Signal Gate), feuern die wichtigsten Experten und Generäle mitten im Krieg und stehen außerdem wegen exzessiven Alkoholkonsums, Missbrauch der Gelder ihrer Behörden und Ministerien und kruder relegiöser oder verschwörungstheoretischer Äußerungen in der Kritik.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Gesundheitsminister Kennedy Jr.&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Kennedy Jr. ist bekennender ehemaliger Koks- und Heroin-User und er ist immer wieder als Impfgegner und Skeptiker gegenüber der Wissenschaft hinsichtlich mentaler Krankheiten u.ä. aufgetreten. Ständig kommen weitere Ekeldetails ans Licht, zum Schluss, dass er überfahrene Waschbären, Bären und sogar tote Wale verstümmelt und zum teil verspeist.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Trumps Wahlmanipulationen&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;2026 bricht Trump in Texas und drei weiteren Staaten eine neue Zuschneidung von Wahlbezirken übers Knie. Die Hoffnung ist, die nächsten Wahlen dadurch doch knapp gewinnen zu können. Das bringt den Republikanern insgesamt acht zusätzliche Sitze im US-Repräsentantenhaus. Die Demokratensetzen sich zur Wehr und ziehen in Kalifornien, Virgina und Utah nach und erhalten 10 zusätzliche Sitze. Nun sind selbst die Republikaner sauer, weil es außer viel Streit gar nichts gebracht hat. Im Gegenteil, die kommenden Zwischenwahlen werden den Republikanern starke Verluste einbringen und ihnen das Regieren weiter vermasseln.&lt;/details&gt;

&lt;details style="text-align: left;"&gt;&lt;summary&gt;&lt;b&gt;Trumps Rachefeldzüge gegen andere Politiker und Richter&lt;/b&gt;&lt;/summary&gt;Die Verfolgung der Verantwortlichen für Anklagen gegen Trump, für Amtsenthebungsmaßnahmen (z.B. James Comey) und auch für zivilrechtliche Verurteilungen wegen Betrugs (Letitia James) und sexueller Übergriffe, scheitern alle spätestens vor Gericht. Die Justizministerin Pam Bondi musste u.a. dafür bereits gehen und ihr Nachfolger Tod Blanche sieht in der Sache kein bisschen besser aus. Ein Glück, denn erfolgreiche juristische Rachefeldzüge eines Präsidenten sind definitiv das Ende demokratischer Rechtsprechung.&lt;/details&gt;

&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;Trump selbst ist das größte Problem der Republikaner&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Und das sind nur so ein paar Beispiele, da ließe sich weitaus mehr finden. Trump ist äußerst unbeliebt, verliert sogar Zustimmung in seiner MAGA-Basis. Und in der Zwischenzeit muss er als Präsident solche Sätze wie "Ich bin kein Pädophiler" in Fernsehinterviews sagen. Schwierig für ein Land, wenn sein Präsident, bekannt als "pussy grabber" und enger Freund Epsteins, so etwas sagen muss.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das größte Problem der Republikaner ist, dass es Trump wohl völlig egal ist, was mit dieser Partei und ihren Vertretern geschieht. So lange er durch Immunität geschützt ist, kann er herrschen, stehlen und sich in Freiheit halten. Darum geht es ihm, nicht um Politik oder die USA und schon gar nicht um die Partei. Mit anderen Worten, von dieser Clownstruppe ist wohl nichts weiter mehr zu erwarten als anhaltende Zerstörung von Normen und Instistutionen.&amp;nbsp;Wenn man sich das katastrophale Vorgehen Trumps ansieht, entdeckt man ein ziemlich klares Strukturmuster:&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;Maximalistische Ankündigung (Zölle, Krieg, Druck, Angeberei)&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Unklare, schludrige und inkompetente Umsetzung (Zölle, Gaza, Iran, Ukraine,)&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Institutionelle Gegenreaktion (Gerichte, Partner, Märkte)&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Ergebnis: weniger Kontrolle als vorher, große globale Unsicherheit&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;Gescheiterte Wanne-Be-Faschos&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Meanwhile... steigen die Benzinpreise in den USA, die Krankenkassenbeiträge, vermeidbare Infektionen greifen um sich, US-Bürger werden von Grenzschützern auf der Straße erschossen, die Bauern und Industrie leiden unter den durchtrennten Lieferketten. Eine absolute Stümperei, für die – wenn man so in einer Firma "herrschen" würde – jeder Geschäftsführer gefeuert würde. In Trumps Truppe gibt es wohl nur wenige Menschen, die wirklich diszipliniert und engagiert am Ende der Demokratie arbeiten, mir fallen v.a. JD. Vance und Setphen Miller ein. Der Rest, so drückt sich Timothy Snyder aus, ist zu gierig und zu&amp;nbsp;faul, um die einstigen Pläne umzusetzen:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"[...] den Faschisten ging es doch nicht ums Geld, oder? So etwas gab es bei ihnen nicht. Diese Typen hier sind anders. Sie haben zwar faschistische Momente, aber sie sind abgelenkt von dem Wunsch, sagen wir mal, unglaublich reich zu sterben. Faschisten wussten, dass sie Kriege gewinnen mussten. Und diese Typen hier – ich meine, sie reden zwar gern vom Gewinnen, aber sie haben nicht die Fähigkeit, darüber nachzudenken, was es wirklich bedeutet, einen Krieg zu gewinnen. Der Vergleich mit dem Faschismus ist da schon hilfreich, aber im Grunde sind diese Typen gescheiterte Faschisten. Sie wollen, dass andere die Arbeit des Faschismus für sie erledigen. Sie wollen delegieren. Sie wollen sich in Szene setzen und angeben, aber den Rest wollen sie nicht machen." (Timothy Snyder in:&amp;nbsp;&lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=Z9XBk169tgI" target="_blank"&gt;How Trump's Grift Makes Him a Failure&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja, es geht um Einfluss, reich werden/sein/bleiben und – was den Rest der Welt angeht – um Donald Trumps Gemütslage.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Es geht ihm einzig und allein darum, seinen eigenen psychischen Zustand zu kontrollieren. Und wir alle sind nur Spielfiguren in diesem Drama, in dem Trump seine eigene emotionale Stimmung reguliert." (Dr. John Gartner auf &lt;a href="https://www.youtube.com/live/BSnEJoKCJO0?si=7BiSVqWL2LJcNT3M"&gt;YouTube&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;Das ist für die gesamte Menschheit eine Katastrophe: Kriege werden angefangen, Menschen sterben, Autokraten werden weltweit unterstützt, Umweltschutz wird zurückgedreht, eine weltwirtschaftliche Krise droht. Und all das wegen Donald Trumps Egomanie. Das ist alles wahr, aber aus dem wirklich reaktionären, christlich-fundamentalistischen und nationalistischen Traum von Stephen Miller und JD. Vance wird wohl in dieser Amtszeit dennoch nichts.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/04/wiedergeburten-innere-welten-auere.html"&gt;Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html"&gt;Fiesta oder Nostalgie&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/04/fur-faschismus-zu-inkompetent-zu-faul.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgqtBl3N3SKgG_4buQwvut_Z_WYTDc4vEKHOxGq2Tp3Ew6UAw0dn5CoibnDcolXeyldn5bk-4d6EGxiAmoApdKqLNd4l388zi_sc9VhOnQKNZF3Ba6yb_32KQIufTdMk2TJlA7WgTH-jJENExPszkVk7Os5LwzjMw8R1n8Veu0WO8B1rIJnjfiiFHgEbF8/s72-c/clown-car-gug.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5984434980143417698</guid><pubDate>Mon, 06 Apr 2026 13:28:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-04-07T17:28:45.033+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Kreativität</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Melancholie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Tod</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten</title><description>&lt;p style="text-align: right;"&gt;"Wherever there is coherence&lt;br /&gt;there is endurance."&lt;br /&gt;John Dewy&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Über Literatur, Musik und Spurenelemente&lt;/h2&gt;&lt;div&gt;Ostern und mein Kind fragt mit Schokoladenmund: "Wie ist es denn, wenn ich tot bin? Ich kann es mir nicht vorstellen." Ich frage zurück: "Wie war es denn, bevor du geboren warst?"&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="ytwTimelineItemViewModelContentItems"&gt;Vor wenigen Monaten habe ich eine obskure Anämie gepaart mit Mangel an essentiellen Vitaminen und Mineralien erst erkannt und dann überwunden. Zum Tod hat es also noch lange nicht gereicht. Ich konnte sich einschleichende, erst quälende und dann manifestierende Jahre damit überleben – schön war es nicht.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="ytwTimelineItemViewModelContentItems"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;iframe allow="autoplay" frameborder="no" height="300" scrolling="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/playlists/soundcloud%253Aplaylists%253A2197391495&amp;amp;color=%2314adce&amp;amp;auto_play=false&amp;amp;hide_related=false&amp;amp;show_comments=true&amp;amp;show_user=true&amp;amp;show_reposts=false&amp;amp;show_teaser=true&amp;amp;visual=true" width="100%"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;div style="color: #cccccc; font-family: Interstate, Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Lucida Sans, Garuda, Verdana, Tahoma, sans-serif; font-size: 10px; font-weight: 100; line-break: anywhere; overflow: hidden; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap; word-break: normal;"&gt;&lt;a href="https://soundcloud.com/gorillaz" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="Gorillaz"&gt;Gorillaz&lt;/a&gt; · &lt;a href="https://soundcloud.com/gorillaz/sets/the-mountain-442495695" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="The Mountain"&gt;The Mountain&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Lesen, habe ich kürzlich in einem Gespräch gehört, das Lesen ist eine ziemlich wichtige Praxis, um nicht schon zu sterben, während man doch noch lebt. Durchs Lesen bekommt man essentielle Nährstoffe für den Geist, auf die man nicht ohne Nebenwirkungen verzichten kann. Geschichten nähren unsere inneren Welten. Musikhören würde ich noch ergänzen. Klar kann man auch mit Instagramm und Tiktok und ohne Bücher überleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span class="css-1jxf684 r-bcqeeo r-1ttztb7 r-qvutc0 r-poiln3"&gt;Die Wirklichkeit zusammendenken&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Am 14. März starb Jürgen Habermas und am 25. März starb sein Freund Alexander Kluge. Zuletzt hatte ich&amp;nbsp;&lt;i&gt;Auch eine Geschichte der Philosophie&lt;/i&gt; (2019) von Habermas zu lesen begonnen. Eine schwierige Anmaßung, die ohne gründliche Kenntnis von Kant und Hegel zum Scheitern verurteilt ist. Aber solch eine Garantie kann einen Dilettanten nicht vom Versuch abhalten. Kants apriorische Voraussetzungen von Vernunft und Moral mit Hegel'scher geschichtlicher Entwicklung zusammenzudenken, verspricht nicht gerade ein intuitives Leseerlebnis. Letztlich verstehe ich seine Bemühungen, uns mit philosophisch entwickelter Vernunft und Moral bei Laune und Verstand zu halten:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"...so darf eine damit [mit dem Begriff einer kommunikativen Vernunft] ausgestattete Kritische Theorie durchaus das Erbe der religiös-metaphysischen Tradition antreten und dem Menschen zu einem umgreifenden Selbst- und Weltverhältnis verhelfen." (Axel Honneth: &lt;a href="https://www.soziopolis.de/juergen-habermas.html" target="_blank"&gt;Im unabgeschlossenen Dialog mit Adorno. Ein Nachruf auf Jürgen Habermas&lt;/a&gt;, 19.03.2026)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich weiß nicht – ganz individuell gedacht vielleicht... Egal: Hier gibt es eine &lt;a href="https://www.soziopolis.de/dossier/zum-tod-von-juergen-habermas.html" target="_blank"&gt;tolle Sammlung von exzellenten Nachrufen auf Habermas&lt;/a&gt; und hier &lt;a href="https://www.soziopolis.de/dossier/wie-erzaehlt-man-davon.html"&gt;ein Dossier zu Alexander Kluge&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span&gt;Der Wirklichkeit v&lt;/span&gt;&lt;span class="css-1jxf684 r-bcqeeo r-1ttztb7 r-qvutc0 r-poiln3"&gt;or-, ein- und nachspüren&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Alexander Kluge ist der Mensch, der mir oft in der Einsamkeit der Nacht in neugierig-beruhigtem Ton einiges an Trost und Sinn gespendet hat. In seinen &lt;a href="https://www.dctp.tv/"&gt;kurzen dctp Videos&lt;/a&gt;, den deutschen Privatsendern RTL, Sat.1 und VOX damals per Gesetz aufgezwungen, versuchte Kluge hartnäckig, noch die letzten verbliebenen Fernsehzuschauer zum Abschalten zu bewegen. Wenn ich kurz vor Mitternacht was von Kluge sah, z.B. &lt;a href="https://www.dctp.tv/filme/10-vor-11-28-06-2004" target="_blank"&gt;Die Quintessenz des Kosmos&lt;/a&gt; oder etwas über das &lt;a href="https://www.dctp.tv/filme/prime-time-13-05-2007" target="_blank"&gt;Duftgeflüster des Kohlweißlings&lt;/a&gt;, dann spürte ich, dass es auch morgen wieder einen Tag geben musste, einen neuen Anfang.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;"&lt;span&gt;Wahrheitssuche war eine Variable seines Erzählens, das sich der Unterscheidung von Fakten und Fiktionen entzog", heißt es &lt;a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/nachruf-auf-alexander-kluge-die-instabilitaet-der-welt-200675000.html" target="_blank"&gt;im Nachruf der FAZ&lt;/a&gt;. Diesen epistomologischen Scheinwiderspruch kennen wir auch von Werner Herzogs "&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ekstatischer Wahrheit", vielleicht ein Ding von Autoren und Filmemachern, die letztlich aus ihren inneren Welten Figuren, Handlungen, Tatsachen herausimaginieren, erschaffen und in Buchstaben und Bildern, äußeren Welten, sichtbar machen. Hier hätte ich gern mal einem vielleicht sogar einmal stattgefundenen Gespräch zwischen Kluge und Habermas zu dieser Art der fantastischen Epistemologie gelauscht. Sollte man die Aufzeichnungen zu solch einem Gespräch nicht finden, so muss man sie vielleicht anfertigen. Vielleicht können wir dieses Gespräch jetzt nach dem fast gemeinsamen Ableben der beiden Freunde Jürgen und Alexander nachholen lassen... Ich melde mich an geeigneter Stelle zu geeigneter Zeit dazu zurück.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch zum Trost für die Verluste der letzten Monate erschien "The Mountain" von den Gorillaz. Das Album entstand, nachdem die beiden kreativen Köpfe der Band, Damon Albarn und Jamie Hewlett, kurz hintereinander ihre Väter verloren. Zusammen mit Musikern wie Anoushka Shankar, IDLES, Black Thought und Trueno verarbeiten die Gorillaz diese Verluste und nähern sich der Akzeptanz von Sterblichkeit und dem Finden von Hoffnung. Wenn man diese Feier des Nach-, Wieder-, Auflebens, die trotz allen eingestandenen Verlustes optimistisch bleibt, in einem Rutsch hört, kann man sich in tiefere Schichten seines Selbsts führen oder ganz auf der Oberfläche dieser Musik &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html"&gt;ins Stretching und ins Driften&lt;/a&gt; kommen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Reparaturbewegung des Selbst:&amp;nbsp;Innere Welten auffalten&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Auch Cormac McCarty hat mit "The Passenger" einen Abschied geschrieben, den ich gerade lese. Ein atemberaubender Abschied von Amerika, von der Moderne, von Liebe, vom Leben, vom Abenteuer, Risiko, von der Physik, der Schizophrenie und dem Selbstmord. Viel besser als sein dystopisches "The Road" – ein Roman wie ein Bad-Trip-Roadmovie, der uns in eine postapokalyptische Depression und Einsamkeit führt. "The Passenger" stellt der Einsamkeit immer wieder die Liebe in all ihrer Unmöglichkeit zur Seite. Ich bin in einer Lebensphase, in der ich so viel Zeit habe zu lesen, wie ich will. Es ist nicht immer leicht, weil es – anders als beim Scrolling – schwer erarbeitetes Dopamin ist. Aber im besten Fall faltet in mir innere Welten auf, von denen ich zuvor nichts ahnte. Die Geduld dazu muss ich erst wieder kultivieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ein nicht bloß reagierendes, sondern integrierendes Wesen, bin ich so wie du auf Bedeutungszusammenhänge angewiesen. Solche Zusammenhänge sind niemandem vorgegeben, sondern müssen hergestellt werden. Stress, Doom-Scrolling und Information-Overload führen bei mir – und wenn man John Dewy glauben kann, allen Menschen – zu einer Zersplitterung von Zusammenhängen und einer Fragmentierung der Zeit. Das ist das Gegenteil von Integration: Desintegration – Zerrüttung, Zerfall, Zerstörung.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;In &lt;a href="https://ia902908.us.archive.org/28/items/deweyjohnartasanexperience/DEWEY%20John,%20Art%20as%20an%20Experience%22.pdf" target="_blank"&gt;&lt;i&gt;Art as Experience&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&amp;nbsp;(PDF-Link) argumentiert Dewey, dass eine ästhetische Erfahrung eine Erfahrung ist, die einen Bogen bildet: sie hat Spannung, Entwicklung, Erfüllung. Sie ist integriert. Sie bringt disparate Elemente unseres Erlebens in Zusammenhang. Ästhetische Erfahrung ist kein Eskapismus, sondern eine Reparaturbewegung des Selbst. Sie integriert Wahrnehmung, Emotion, Bedeutung und letztlich Handlung. Sie macht uns also nicht weltfern, sondern weltfähiger.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wir brauchen innere Entfaltung nicht, um der Welt zu entkommen, sondern um der Welt gewachsen zu sein.&amp;nbsp;Es bleibt die lebensphilosophische Grundweisheit, dass ein Leben aktiv, kreativ, kontemplativ zum Tod geführt werden muss. Alles andere ist Vegetieren.&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/02/gehen-denken.html"&gt;Der Weg wird durch das Gehen geschaffen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/mann-uber-bord.html"&gt;Über Moderne, Mythos und Maschinen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/11/die-bandbreite-des-lebens.html"&gt;Die Bandbreite des Lebens wiederentdecken&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/04/wiedergeburten-innere-welten-auere.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2239073010274247515</guid><pubDate>Fri, 27 Mar 2026 14:05:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-29T17:38:43.339+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Von Kugelschreibern und Büroklammern</title><description>&lt;h1 data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;Zwei Anekdoten von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s640/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" imageanchor="1" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s16000/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Wer hat sie entdeckt?&amp;nbsp;(KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Entdeckung der Büroklammer&lt;/h3&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Auf die Frage eines Journalisten (&lt;a href="https://transcripts.cnn.com/show/sitroom/date/2026-03-23/segment/02"&gt;Link zum Transkript&lt;/a&gt;), wessen Idee es gewesen war, Agenten der Einwanderungs- und Zollbehöre ICE bei der Abfertigung und dem Check-in von Flugreisenden zu helfen, gab Trump folgende kleine Anekdote zur Antwort:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Meine. Das war meine Idee. Das war wie mit der Büroklammer. Kennen Sie die Geschichte von der Büroklammer? Vor 182 Jahren hat ein Mann die Büroklammer entdeckt. Es war so einfach, und jeder, der sie gesehen hat, hat gesagt: Warum bin ich nicht darauf gekommen? ICE war meine Idee.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Faktencheck I&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Die Büroklammer wurde nicht "entdeckt", sondern entwickelt oder erfunden und das auch nicht vor genau 182 Jahren. Die längere &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCroklammer"&gt;Entwicklungsgeschichte kann man hier lesen&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Faktencheck II&lt;/b&gt;: Zur folgenden Anekdote bleibt festzuhalten, dass die Firma, die die dort beschriebenen Stifte herstellt, abstreitet, jemals mit Trump in diesem von ihm beschriebenen Austausch stand.&lt;/span&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Parabel vom Eintausend Dollar Kugelschreiber&lt;/h3&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;Im &lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=lHxuE0Qf7sg" target="_blank"&gt;Cabinet Meeting vom 26.4.2026&lt;/a&gt; rund um den irsinnig teuren Krieg im Iran weißt Trump auf die Geldverschwendung durch andere Politiker vor ihm hin. Zur Illustration gibt er (ab Minute 50) in einem ca. sechsminütigen Monolog folgende Anekdote zum Besten:&lt;/p&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283"&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283"&gt;&lt;/p&gt;Also, wissen Sie, wir haben inkompetente Leute. Überall solche Leute. […] &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sehen Sie diesen Stift hier? Dieser Stift ist ein interessantes Beispiel, eigentlich genau dasselbe Prinzip. Dieser Stift ist sehr günstig, aber er schreibt gut. Ich mag ihn. Aber ich kann den Stift nicht so verwenden, wie er ursprünglich war. Sie wissen schon, was ich meine. Ich will ihnen nicht zu viel Werbung machen, aber sie behandeln mich gut – Sharpie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, ich komme hierher, und sie haben tausende Stifte. Und Sie wissen ja, wie das ist: Man gibt Stifte weiter. Man unterschreibt etwas und reicht sie herum. Man gibt sie all diesen Leuten. Manchmal stehen da 30 oder 40 Personen. Und diese Stifte haben tausend Dollar pro Stück gekostet. Wunderschöne Stifte. Kugelschreiber. Tausend Dollar. Gold, Silber – großartig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ich gebe sie an Kinder weiter, die nicht einmal wissen … „Was ist das, Mama?“ Diese Kinder bekommen einen Stift für tausend Dollar und haben keine Ahnung, was das ist. Und ich – ich fühle mich dabei schlecht, weil ich mir denke: Wissen Sie, von Natur aus bin ich nicht so. Es ist ja Regierungsgeld. Ich liebe die Regierung – ökonomisch gesehen so, wie ich mich selbst liebe: Ich will Geld sparen. Also sage ich: Das ist verrückt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und es gab noch ein anderes Problem: Sie haben nicht gut geschrieben. Ich nehme also einen, unterschreibe ... keine Tinte. Und alle schauen mich an, und Sie denken: Mit Trump stimmt was nicht. Ich will unterschreiben ... keine Tinte im Stift, und das Ding kostet tausend Dollar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also rufe ich den Mann an und sage: „Ich würde gern Ihren Stift benutzen, aber ich kann keinen grauen Stift mit einem großen S darauf verwenden.“ Sharpie, während ich einen Billionen-Dollar-Vertrag für neue Flugzeuge unterschreibe – brandneue Kampfjets, brandneue B-2-Bomber, von denen wir gerade viele bestellt haben. Das kann ich vor der Presse nicht machen. Ich benutze Ihren Stift gern – er ist der beste –, aber so kann ich ihn nicht verwenden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich könnte es natürlich so machen wie Biden ... wissen Sie, jemand anderen unterschreiben lassen oder einen Autopen benutzen oder vielleicht in einem anderen Raum unterschreiben. Aber ich kann Ihren Stift so nicht benutzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er sagt: „Nun, ich könnte ihn schöner machen.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Was können Sie tun?“&lt;br /&gt; Er sagt: „Ich mache ihn schwarz.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Das ist gut. Und?“&lt;br /&gt; Er sagt: „Ich kann sogar das Weiße Haus darauf malen, Sir – in Gold, fast echtes Gold. Und ich könnte auch Ihre Unterschrift darauf setzen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und übrigens: Das war nicht inszeniert. Ich habe den Stift einfach gesehen und dachte, das ist ein gutes Beispiel dafür, wie 25 Millionen Dollar, die ich für das Gebäude der Federal Reserve ausgegeben hätte, besser eingesetzt wären als vier Milliarden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um die Geschichte zu Ende zu erzählen: Ich habe das jemandem erzählt, und der sagte: „Ja, aber das ist doch nicht dasselbe.“ Ich sagte: „Ja, Sie haben recht. Dieser hier ist besser. Er schreibt.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also sagt der Mann zu mir: „Sie müssen nichts bezahlen, Sir. Ich gebe Ihnen die Stifte umsonst.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Nein, das will ich nicht. Lassen Sie mich bezahlen.“&lt;br /&gt; Er: „Nein, Sir, Sie müssen nicht zahlen. Sie sind der Präsident der Vereinigten Staaten.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er war völlig überrascht. Der Chef von Sharpie bekommt einen Anruf – ich weiß nicht einmal, wer das genau ist – und sagt: „Ist das wirklich der Präsident?“&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;blockquote&gt;Er sagt: „Nein, Sie müssen nicht zahlen, es ist eine Ehre.“&lt;br /&gt;Ich sage: „Nein. Ich will bezahlen.“&lt;br /&gt;Er sagt: „Was möchten Sie zahlen?“&lt;br /&gt; Ich sage: „Wie wäre es mit fünf Dollar pro Stift?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also gut, wir haben uns auf irgendetwas geeinigt, Peanuts im Vergleich zu tausend Dollar. Und das waren tausend Stifte, die wir vorher hatten, und wir haben sie verteilt. Bei Unterzeichnungen standen manchmal 30 oder 40 Leute hinter mir, und ich habe 40 Stifte ausgegeben. Dann sagte jemand: „Kann ich noch ein paar extra haben?“ Und ich so: „Hier, nimm fünf.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber der Punkt ist: Das sind bessere Stifte. Es ist eine Geschäftsgeschichte. Für fünf Dollar, es hätte sogar null sein können, bekomme ich einen viel besseren Stift als für tausend Dollar. Und ich kann sie verteilen und sie sind tatsächlich unglaublich beliebt. Also, was soll ich dazu noch sagen?&lt;/blockquote&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html"&gt;Hai oder Elektrischer Stuhl?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;p data-end="4496" data-start="4229"&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/von-kugelschreibern-und-buroklammern.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s72-c/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-4406748545058071000</guid><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 16:09:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-17T10:08:26.168+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Warum der Don jetzt Schuhe verteilt</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Mindestens eine Nummer zu groß&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Unsere Medien berichten professionell über die USA, über das White House und über den derzeitigen US Präsidenten, als ob man über das, was dort geschieht, professionell berichten könnte. Sie sagen Dinge wie, "der Präsident hat entschieden", "eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus lässt wissen" oder "Trump fordert von der NATO..." Klingt alles nach normaler Politik, nach "normal".&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Selbst über eine neue Merkwürdigkeit aus dem Weißen Haus berichtet das ZDF zwar leicht zwinkernd, aber immer noch, als sei es lediglich eine amüsante Randnotiz: &lt;a href="https://www.zdfheute.de/panorama/trump-schuhe-rubio-usa-minister-100.html"&gt;Donald Trump verteilt offenbar Schuhe im Kabinett&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s640/ne-nummer-zu-gross.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s16000/ne-nummer-zu-gross.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Eine Nummer zu groß für euch?&amp;nbsp;(KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Die eigentliche Nachricht ist, dass es dort eine Hofkultur gibt oder eine Machtstruktur wie in der Mafia und in Kartellen. In der Organisationssoziologie wird das oft als Patronage- oder Gabensystem beschrieben: Der Boss verteilt scheinbar großzügig Geschenke, die Loyalität und Hierarchie sichtbar machen. Die Macht wird nicht nur durch Befehle ausgeübt, sondern durch symbolische Gesten der Großzügigkeit, die gleichzeitig Unterordnung erzeugen.&lt;p&gt;In Trumps Kabinett erhalten "gestandene" Männer,&amp;nbsp;Politiker, Multimillionäre&amp;nbsp;wie der Vize Präsident J. D. Vance oder der Außenminister Marco Rubio nun diese merkwürdig klobigen Schuhe (Florsheim Dress Shoes) und tragen sie anschließend öffentlich. Der Preis liegt bei rund 150 Dollar. Es handelt sich also nicht um kostbare Staatsgeschenke, sondern vielmehr um eine billige aber bedeutungsvolle Geste. Kritiker sagen, die Schuhe sähen aus wie Schuhe von Chorknaben oder von Musikangen einer Blaskapelle.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Zu große Schuhe: Lektion über Macht, Patronage und Hierarchie&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Ein Präsident, der seinen Ministern Schuhe aufnötigt, bewegt sich in einer Sphäre der Machtpolitik, die man sonst eher aus vormodernen Hofgesellschaften oder der Mafia kennt. Dort sind Geschenke keine freundlichen Nebensächlichkeiten, sondern ein präzises Instrument der Macht. Wer schenkt, zeigt Großzügigkeit. Aber Großzügigkeit ist nie neutral. Sie markiert immer auch ein Gefälle und macht klar, wer hier wem etwas schuldet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der französische Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss hat in seinem Essay "Die Gabe" (&lt;i class="eujQNb" data-processed="true" data-sfc-cb=""&gt;Essai sur le don. Forme et raison de l'échange dans les sociétés archaïques&lt;/i&gt;, 1925)&amp;nbsp;darauf hingewiesen, dass Geschenke drei Verpflichtungen erzeugen: zu geben, zu empfangen und zu erwidern. Das Geschenk stiftet eine Beziehung. Und zwar selten eine Beziehung zwischen Gleichen.

Am Hof bedeutete das: Der König schenkt, der Höfling nimmt dankbar an. In diesem Moment wird sichtbar, wer oben und wer unten steht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor diesem Hintergrund wirkt Trumps neue Angewohnheit weniger exzentrisch als erstaunlich klassisch. Sie folgt einer sehr alten Logik der Patronage. Der Patron zeigt sich großzügig; die Gefolgsleute demonstrieren Loyalität, indem sie seine Gaben sichtbar tragen.

Dass es sich bei den Empfängern um erwachsene Männer handelt, die sich ihre Schuhe jederzeit selbst leisten könnten, macht die Sache nur noch interessanter. Ein Senator oder Minister, der ein Paar 150-Dollar-Schuhe annimmt wie ein dankbares Kind, illustriert eine subtile Verschiebung politischer Rollen: vom Amtsträger zum unmündigen Gefolgsmann.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn das Amt eine Nummer zu groß ist&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Man lehnt ein Geschenk des Chefs nicht ab. Man trägt es. Selbst dann, wenn die Schuhe vielleicht eine Nummer zu groß sind.

Und hier beginnt die Symbolik fast von selbst zu arbeiten. Zu große Schuhe sind im Englischen eine vertraute Metapher: &lt;i&gt;big shoes to fill&lt;/i&gt;. Schuhe, in die man erst hineinwachsen muss. Wenn Kabinettsmitglieder also in Schuhen auftreten, die ihnen nicht ganz passen, steht hinter der anatomischen Nichtpassung ein unfreiwilliges Bild politischer Anatomie.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Männer, die die Macht verwalten sollen, wirken plötzlich wie Jungen, die versuchen, in Rollen hineinzuwachsen, die größer sind als sie selbst.

Gerade darin liegt die eigentliche Raffinesse der Geste. Auf den ersten Blick erscheint sie großzügig, beinahe kameradschaftlich. Der Präsident sorgt sich um die Garderobe seiner Leute. Auf den zweiten Blick wird etwas anderes sichtbar: ein kleiner und dennoch plumper Machtakt. Ein Power-Move: Der Patron verteilt die Schuhe, in denen die anderen dann laufen müssen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Niccolò Machiavelli hätte daran vermutlich seine Freude gehabt. Denn Macht zeigt sich nicht nur in Gesetzen, Dekreten oder Drohungen. Sie zeigt sich auch in scheinbar beiläufigen Gesten, in den kleinen Ritualen, durch die eine Hierarchie öffentlich sichtbar wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am Ende ist es nicht nur ein Paar Schuhe, sondern eine alte politische Wahrheit: Wer die Gaben verteilt, bestimmt oft auch, wer in welchen Rollen durch die Welt geht.&amp;nbsp;Und irgendwo dazwischen verschwindet die Idee, dass gestandene Politiker doch auf eigenen Füßen stehen müssten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html"&gt;Fiesta oder Nostalgie&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/05/radikale-christen-und-sexsuchtige.html"&gt;Radikale Christen und sexsüchtige Superhelden&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/warum-der-don-jetzt-schuhe-verteilt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s72-c/ne-nummer-zu-gross.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6114123117433690323</guid><pubDate>Fri, 13 Mar 2026 13:12:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:23:30.634+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Hai oder Elektrischer Stuhl?</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s640/shark-trump-battery.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s16000/shark-trump-battery.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Lieber auf den Elektrischen Stuhl (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich war bei einer Bootsfirma in South Carolina. Ich fragte: "Wie läuft’s?" Der Inhaber meinte: "Es gibt ein Problem, Sir. Die wollen, dass wir nur noch Elektroboote bauen."&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Seine Boote sind etwa 5 bis 10 Metern lang, Fischerboote, Freizeitboote. Eine wirklich tolle Firma in South Carolina.&amp;nbsp;Der Mann macht das schon seit 50 Jahren. Er verkauft alle paar Monate Hunderte von Booten. Ein wirklich fantastischer Kerl. Und sie verwenden diese Mercury-Motoren und andere Heckmotoren, kein Problem. Die sollen jetzt alle abgeschafft werden. Sie sollen alle Boote elektrisch machen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;- Er sagte: "Das Problem ist, dass das Boot dann so schwer ist, dass es nicht schwimmt."&lt;br /&gt;- Ich sagte: "Das klingt nach einem Problem."&lt;br /&gt;- Er sagte: "Außerdem kann es wegen des Gewichts nicht schnell fahren. Man braucht einen Radius von 50 oder 70 Meilen. Man muss 70 Meilen rausfahren, bevor man das Boot richtig in Gang bringen kann, und bis dahin fährt man mit zwei Knoten."&lt;br /&gt;- Ich fragte: "Wie lange brauchen Sie, um da rauszukommen?“&lt;br /&gt;- "Viele Stunden, und dann darf man zehn Minuten lang herumfahren und muss dann zurückkommen, weil die Batterien nur sehr kurz halten."&lt;br /&gt;- Also sagte ich: "Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Was würde passieren, wenn das Boot aufgrund seines Gewichts sinkt und Sie im Boot sind und diese extrem leistungsstarke Batterie unter Wasser haben und sich etwa zehn Meter entfernt ein Hai befindet?“&lt;br /&gt;- Er sagte: "Diese Frage hat noch nie jemand gestellt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;Das muss an MIT liegen, an &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;meiner Verbindung zum MIT...&lt;/a&gt; Sehr klug.&amp;nbsp;Übrigens, in letzter Zeit gab es viele Haiangriffe. Ist Ihnen das auch aufgefallen? So viele Haie… Ich habe ein paar Typen im Fernsehen gesehen, die das gerechtfertigt haben. Die fanden das gar nicht so schlimm... "Die Haie haben der jungen Frau das Bein abgebissen, nicht weil sie hungrig waren, sondern es war ein Missverständnis.“ Diese Leute sind verrückt. Sie meinen, es gibt kein Haiproblem. Die haben wohl nicht verstanden, dass die junge Frau, die da geschwommen ist, schwer verletzt wurde. Und auch andere Leute wurden verletzt. Es gibt so viele Haiangriffe.&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Also fragte ich den Bootsmann: "Da ist ein Hai, so zehn Meter vom Elektroboot entfernt, zehn Meter oder so. Bekomme ich einen Stromschlag, wenn das Boot sinkt und Wasser über die Batterie läuft? Soll ich auf dem Boot bleiben und einen Stromschlag riskieren, oder springe ich ins Wasser zum Hai und kriege keinen Stromschlag?“ Ich sage euch, er wusste die Antwort nicht. Er sagte: "Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sagte: "Das ist doch aber eine gute Frage. Denn ich glaube, da fließt eine Menge Strom durchs Wasser." Aber wissen Sie, was ich tun würde, wenn ich die Wahl zwischen einem Hai oder einem Stromschlag hätte? Ich würde jederzeit den Stromschlag in Kauf wählen. Einem Hai komme nicht zu nahe.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/08/politrobotor-donald-trump.html"&gt;Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;div style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s72-c/shark-trump-battery.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-7253210511400504046</guid><pubDate>Mon, 02 Mar 2026 17:40:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:21:01.028+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ich das erste Mal von Künstlicher Intelligenz hörte... wisst ihr, das ist nicht so 
mein Ding. Mein Onkel war zwar am MIT, einer der großen Professoren, 51 
Jahre lang, oder so. Er war der dienstälteste Professor in der 
Geschichte des MIT. Drei Abschlüsse in Nuklear, Chemie und Mathematik. 
Ein wirklich kluger Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaczynski war einer seiner Studenten. Kennen Sie Kaczynski? [Auch bekannt als&amp;nbsp;&lt;b&gt;Unabomber&lt;/b&gt;, weil er Paketbomben an Universitäten und Fluggesellschaften (&lt;i&gt;&lt;b&gt;u&lt;/b&gt;niversities ’&lt;b&gt;n&lt;/b&gt;’ &lt;b&gt;a&lt;/b&gt;irlines&lt;/i&gt;)
 schickte und damit 3 Menschen tötete und viele weitere verletzte.] 
Zwischen einem Wahnsinnigen und einem Genie gibt es kaum einen 
Unterschied. Aber Kaczynski... ich fragte meinen Onkel: "Was für ein 
Student war er, Onkel John?“ Dr. John Trump.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er antwortete: "Was 
für ein Student? Ein wirklich guter. Er hat ständig alle um ihn herum 
korrigiert, jeden." Aber das lief dann nicht so gut für ihn. Nicht so 
gut. Aber so ist das Leben. Ich sage euch eins: Wir haben die klügsten 
Köpfe, wir haben die größte Macht, und wir werden noch mehr Elektrizität
 für Künstliche Intelligenz haben.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Donald J. Trump, 15. Juli 2025,&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.presidency.ucsb.edu/documents/remarks-the-inaugural-pennsylvania-energy-and-innovation-summit-pittsburgh-pennsylvania" target="_blank"&gt;Rede beim ersten Pennsylvania Energy and Innovation Summit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Faktencheck&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Die
 Identität des Unabombers war zu Lebzeiten von John G. Trump unbekannt. 
Dr. Trump starb 1985. Ted Kaczynski wurde erst 1996 – elf Jahre nach Dr.
 Trumps Tod – als Unabomber identifiziert und verhaftet. Folglich konnte
 Dr. Trump nicht wissen, dass Kaczynski der Unabomber war, um ihn mit 
Donald Trump unter diesem Namen zu erwähnen. Ebenso wenig hätte Donald 
Trump einen Grund gehabt, seinen Onkel nach einem anonymen, noch nicht 
gefassten Flüchtigen zu fragen.&lt;/span&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html"&gt;Hai oder Elektrischer Stuhl?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/08/politrobotor-donald-trump.html"&gt;Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;div style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2058033666114962385</guid><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 15:53:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-26T11:03:07.366+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Fiesta oder Nostalgie</title><description>&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn der Kapitalismus gegen Nationalromantik gewinnt&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die vieldiskutierte Half Time Show des Super Bowls 2026 hat eine Sache auf den Punkt gebracht, die latent auch vorher zu beobachten war: Menschen vor die freie Wahl gestellt, mögen Spaß, sie wollen es bunt, sie wollen lieben, singen, tanzen, lachen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s640/fiesta-nostalgie.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s16000/fiesta-nostalgie.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Fiesta / Nostalgie: Together we are America (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&amp;nbsp;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Dann gibt es Antagonisten, die so viel gute Laune gar nicht mit ansehen können. In dem Beispiel der Half Time Show war die eine Seite unter dem Motto "Together we are America"&amp;nbsp;repräsentiert durch den Spanisch singenen Superstar Bad Bunny und seine Abermillionen Fans in den USA und auf der ganzen Welt. Die andere Seite war repräsentiert durch den "Trumpismus". Seine Anhänger auf Fox News und anderen rechten Kanälen hatten schon früh genörgelt, was aus dem uramerikanischen Event geworden sei, dass man dort nun Spanisch sänge, das verstehe doch niemand und überhaupt alles dekadent und unamerikanisch.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Wie bereits faktisch falsch das ist – auf die falsch eingeschätzte Stimmungslage kommen wir gleich – sieht man bereits daran, dass auf den amerikanischen Kontinenten den maximal 380 Millionen englischsprechenden Muttersprachlern bis zu 500 Millionen spanischsprechende Muttersprachler entgegenstehen. Selbst in den USA leben ca. 68 Millionen Latinos, die von Hause aus oft Spanisch sprechen und sicher nichts gegen Spanisch sprechende Superstars haben.&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Exkurs Kapitalismus vs. Kulturkampf&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Vorweg: Der rechte Kulturkampf ist ein Minderheitenprojekt, das sich oft als Mehrheitsbewegung inszeniert. Warum haben sich die Veranstalter der Half Time Show diesem Kampf widersetzt und so erfolgreich gegen Trump durchgesetzt, während reihenweise Banken, Medien, Konzerne und sogar große Eliteuniversitäten vor Trump einknicken? Super Bowl ist noch "reiner" Kapitalismus mit globaler Stoßrichtung: &lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Die NFL treibt ihre Pläne zur Globalisierung weiter voran. Commissioner Roger Goodell hält sogar einen Super Bowl außerhalb der USA für möglich. [...] Nach London, Mexiko, Deutschland und Brasilien wird auch Spanien im kommenden Jahr Austragungsort eines Spiels sein. Auch Irland soll laut Roger Goodell bald zur International Series hinzustoßen." (&lt;a href="https://www.ran.de/sports/american-football/nfl/news/nfl-super-bowl-ausserhalb-der-usa-das-sagt-liga-boss-goodell-444537"&gt;ran.de&lt;/a&gt;, abgerufen am 19.2.2026)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Globaler Kapitalismus ist kulturell opportunistisch, der rechte Kulturkampf ist partikularistisch. Somit kann der&amp;nbsp;Trumpismus der NFL nicht helfen, sich zu internationalisieren. Die NFL hat ja aber auch sonst eine kommerzielle Aufgabe und ist keine Institution, die sich dem Kulturkampf verschreiben kann: Sie schaut, wie mit ihren Sport-Events das meiste Geld zu holen ist und da orientiert man sich offenbar nicht an zweitklassigen Musikern wie Kid Rock, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben, sondern man versucht die Musiker zu buchen, die die (Streaming-) Charts und den populären Diskurs bestimmen, Künstler wie Kendrick Lamar, Taylor Swift und eben Bad Bunny. Populäre Musiker ziehen Zuschauer an, wer hätte das gedacht?&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Bitte füttere deinen Hund!&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der Rechten in den USA wurde dieser kapitalistische Spaß, dieses Internationale offenbar einfach zu bunt. Wenn sich irgendwo jemand amüsiert, wenn jemand tanzt oder lacht, dann brauchen sie eine Alternativveranstaltung, wo sie sich Leid tun können.&amp;nbsp;Also hat die von Charlie Kirk gegründete und&amp;nbsp;von Trump unterstützte&amp;nbsp;rechtsextreme Jugendorganisation &lt;i&gt;Turning Point USA&lt;/i&gt; "The All American Halftime Show" produziert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hier wurde nicht nur nicht "ausländisch" gesungen, sondern hier konnte man sich auch in seinem Minderwertigkeitskomplex und seinem Verfolgungswahn selbst vergewissern. Als Beispiel Zeilen aus dem Song "(It ain't easy being) Country Nowadays" von Lee Bryce:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"I just want to fish. I want to drive my truck. I want to drink a beer. I want to feed my dog. Wear my boots. Cut my grass."&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bryce beschwert sich darüber, dass man heute nicht mal mehr in Ruhe angeln, Auto fahren, Bier trinken, den Rasen mähen, Stiefel tragen oder den Hund füttern kann. Die Zuschauer – die sich z.T. kurz vor dem Ausgetauschwerden sehen – werden mit dem Kopf nicken, &lt;i&gt;genau so ist es&lt;/i&gt;...&lt;i&gt;&amp;nbsp;die Sozialisten und Ökologen wollen uns alles verbieten...&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Der amerikanische Traum stirbt...&lt;/i&gt;&amp;nbsp;(so Gott will). So ähnlich, wie es auch bei uns durch Misinformation gelang, viele Leute in ständiger Angst vor dem Gasheizungsverbot, Verbrenneraus oder dem Impfzwang zu halten. Nichts von dem Quatsch passiert wirklich, aber man kann darüber twittern oder singen.&amp;nbsp;Der Comedian John Stewart sagte, bezugnehmend auf Bryce:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Sir, ich muss schon bitten: All das scheinen mir sehr erreichbare Ziele zu sein... Ich meine, du trägst ja deine Stiefel jetzt gerade! [...] Du bist so tapfer! Aber egal, wie schwierig das alles ist... Bitte füttere deinen Hund! Jeden Tag, Sir!" (von mir übersetzt nach:&amp;nbsp;&lt;a href="https://youtu.be/vfpQbv7CmeE?si=-OyLHedlX_1N_ykc&amp;amp;t=577" target="_blank"&gt;MAGA Rages Over Bad Bunny’s Spanish Halftime Show | The Daily Show&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wer ist drinnen und wer kuckt von draußen zu?&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Während rund 128 Millionen Menschen Bad Bunny in der Half Time Show live sahen und feierten, taten sich in der Alternativveranstaltung rund 6 Millionen Amerikaner selbst Leid und dachten, sie seien die wirklichen Amerikaner. Immerhin war es ja die "All American Halftime Show" mit US-Flaggen, währen Bad Bunny die offizielle Half Time Show dann wirklich zur "All American Halftime Show" machte, weil er nicht nur die USA, sondern alle anderen amerikanischen Länder einzeln würdigte und mit Tanz und Flaggen in der am meisten gesprochenen amerikanischen Sprache (Spanisch) feierte. Aber das ist gar nicht der gesellschaftlich so relevante Punkt. Der ist vielmehr, dass auch das US Publikum in überwältigender Mehrheit die internationale Fiesta der abgestandenen und rumheulenden Nostalgie vorzog, selbst oder gerade dann, wenn die Fiesta auf Spanisch statt fand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was das zeigt, ist der große Irrtum, dem die&amp;nbsp;misepetrigen Spaßverderber auf der rechten Seite&amp;nbsp;unterliegen, dass sie für irgend eine Mehrheit sprächen. Nein, sie sind es, die sich selbst aus der Party ausgesperrt haben und nun von draußen reinkucken und trotzig sagen: Dann machen wir eben unsere eigene Party. Solche Partys von Spielverderbern haben aber nur zu oft das Problem, dass da niemand hin will.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn man das auf der politischen Seite betrachtet, passiert dort genau dasselbe: Trump und sein Kabinett mit insgesamt 13 (!) Milliardären (sagt David Rothkopf, P&lt;span&gt;&lt;span&gt;olitical Affairs Analyst&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;) halten sich noch immer für die, die für das Volk sprechen bzw. sie spielen mehr oder weniger konsistent diese Karte. Aber selbst sie wissen es inzwischen besser, auch wenn sie die Umfrageergebnisse, die Trump und sein Kabinett als die historisch unbeliebteste Regierung zeigen, als "fake" von sich weisen. Das geht so lange gut, bis aus Umfragen Wahlen werden. Hier wird natürlich vorgesorgt, sodass es am besten nicht mehr zu freien Wahlen kommen kann. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Angst und autoritäre Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/12/schopenhauer-gemeinschaft.html"&gt;Schopenhauers gute Gemeinschaft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s72-c/fiesta-nostalgie.png" width="72"/><thr:total>3</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1584304946250931360</guid><pubDate>Thu, 05 Feb 2026 15:34:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-05T16:35:03.540+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Arbeit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Simone Weils radikales Zeitmodell</title><description>&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Warum das Leben in Phasen biologisch sinnvoll ist&lt;/h3&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Text von Sara Theimann&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s640/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s16000/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Simone Weil (Fotograf unbekannt, Public Domain)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es war 1934, als die Philosophin Simone Weil eine Entscheidung traf, die ihre Zeitgenossen verstörte. Die brillante Intellektuelle, die an der Elite-Universität lehrte, verließ den Hörsaal – nicht für ein paar Wochen, sondern für ein ganzes Jahr. Sie nahm eine Stelle in einer Fabrik an. Nicht als Forscherin, nicht als Beobachterin. Sie arbeitete an der Stanze, am Fließband, mit blutenden Händen und erschöpftem Körper. Es sollte nicht das letzte Mal in ihrem Leben sein, dass sie als "Ungelernte" in der (Elekto-, Metall- und Auto-) Industrie arbeitete. "Warum tut sie das?" fragten ihre Kollegen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Die Antwort war radikal einfach: Weil echtes Verstehen keine Nebenbeschäftigung ist. Weil manche Erkenntnisse nur entstehen, wenn man sich vollständig in eine Erfahrung versenkt. Weil Leben in klar abgegrenzten Phasen funktioniert – nicht in endlosem Paralleljonglieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute, fast 90 Jahre später, versuchen wir das Gegenteil: Wir wollen alles gleichzeitig. Karriere UND Fitness UND soziales Leben UND Weiterbildung UND Beziehung UND Side-Projekt. Jeden Tag. Das ganze Jahr. Jahr für Jahr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch was, wenn genau das biologisch unnatürlich ist? Was, wenn Simone Weil uns mit ihrem radikalen Phasenmodell den Schlüssel zu einem nachhaltigeren Leben gegeben hat?&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Was sind Seasons und Lebensphasen?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Metapher der "Seasons" beschreibt, dass das Leben – genau wie die Natur – Zyklen von Wachstum, Ernte, Ruhe und Neuanfang durchläuft. Anders als ein Projekt, das mit Anfang, Ziel und Ende klar umrissen ist, ist eine Season, ein Zeitfenster von 6 bis 12 Wochen, in dem man sich auf ein oder zwei Projekte fokussiert. Eine Season folgt unserer Energie, unseren Zielen und Rhythmen und beginnt nicht unbedingt mit dem 1. Januar. Und eine "Season" kann jederzeit eintreten (z. B. eine "Season der Trauer" mit 20 Jahren), während eine "Lebensphase" meist an ein bestimmtes Alter gebunden ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So eine Lebensphase ist ein längerer Lebensabschnitt mit einem bestimmten Schwerpunkt. Die Lernphase nach der Schule. Die Aufbauphase im Beruf. Die Care-Phase mit kleinen Kindern. Oder, wie bei Simone Weil: die Fabrik-Phase, die Lehr-Phase, die spirituelle Phase.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der Mensch als Season-Tier – Was die Biologie sagt&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Chronobiologie zeigt: Wir sind nicht dafür gemacht, 365 Tage im Jahr mit derselben Intensität an allem zu arbeiten. Wir haben Rhythmen, in denen wir natürlicherweise gut funktionieren können.&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;1. Circadiane Rhythmen – Der 24-Stunden-Takt&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Dein Körper funktioniert in festen Tageszyklen. Hormone, Körpertemperatur, Aufmerksamkeit, Verdauung, Energieverfügbarkeit – alles schwankt systematisch über den Tag.&lt;a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02643290701754158"&gt; Studien zur Chronobiologie&lt;/a&gt; zeigen, dass die meisten Menschen ihre kognitiven Leistungshochs am späten Vormittag und am Nachmittag haben, während die Aufmerksamkeit nachts und früh am Morgen ihre niedrigsten Werte erreicht. Planst du gegen diese Rhythmen, kämpfst du gegen deine eigene Biologie an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Statt 8 Stunden Dauerfokus zu erzwingen, können wir den Tag in Blöcken wie Fokusphase, soziale Phase und Regenerationsphase nutzen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;2. Saisonale Rhythmen – Der Jahres-Takt&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Auch wenn wir in beheizten Wohnungen leben: Dein Körper kennt die Jahreszeiten. Melatonin (Schlafhormon) und Serotonin (Stimmungshormon) werden durch Tageslicht moduliert. Im Winter sinkt die Energie, steigt das Risiko für saisonale Depressionen. Im Sommer ist der Körper auf Aktivität, Kontakt, Bewegung ausgerichtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0602425103"&gt;Forschung zu Seasonal Affective Disorder&lt;/a&gt; zeigt, dass Stimmungsschwankungen zwischen den Jahreszeiten eng mit circadianen Rhythmen zusammenhängen.&lt;a href="https://www.frontiersin.org/journals/endocrinology/articles/10.3389/fendo.2018.00481/full"&gt; Studien zu Seasonality und Mood&lt;/a&gt; belegen: Menschen zeigen saisonale Schwankungen in Stimmung, Energielevel, Schlafbedarf und sogar in der Genexpression ihrer inneren Uhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das können wir uns zunutze machen und nach Jahreszeiten leben. Im Winter vielleicht lernen, mehr Innenarbeit und Reflexion. Im Sommer: Eröffnungen, Veröffentlichungen, soziale Projekte und andere sichtbare Outputs.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;3. Episodisches Zukunftsdenken – Wie dein Gehirn plant&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Wenn Menschen sich konkrete Zukunfts-Episoden vorstellen – also nicht "irgendwann mal fit sein", sondern "die 12-Wochen-Aufbau-Season im Frühling" –&lt;a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5675579/"&gt; treffen sie bessere Langzeitentscheidungen&lt;/a&gt;. Sie verschieben Belohnung leichter. Sie bleiben dran und haben letztlich eher Erfolg damit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum? Weil das Gehirn Geschichten liebt. Geschichten haben einen Anfang, eine Mitte, ein Ende. Ein endloser Tunnel hingegen triggert Stress, Aufschieben, Perfektionismus.&lt;a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2352154616302753"&gt; Forschung zu episodic future thinking&lt;/a&gt; zeigt: Die Fähigkeit, sich konkrete zukünftige Szenarien vorzustellen, verbessert Entscheidungsfindung, Emotionsregulation und sogar räumliche Navigation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir könnten also unser Jahr statt in gleichförmigen Dauerlinien, in narrativen Kapitel mit klaren Wende- und Zielpunkten begreifen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Dauerfokus auf alles ist unnatürlich&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die moderne Arbeitskultur fordert konstante Produktivität über 12 Monate. Aber dein Körper kann das nicht leisten. Vergleichen wir es mit der Landwirtschaft: Monokultur – also immer dieselbe Pflanze auf demselben Feld – laugt den Boden aus. Nach wenigen Jahren bricht der Ertrag ein. Fruchtwechsel und Brachezeiten erhalten die Fruchtbarkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ähnlich funktioniert unser Gehirn. Wenn du 365 Tage versuchst, an Karriere, Fitness, Beziehung, Lernen, Side-Projekt parallel auf 100 % zu performen, überlastest du deine "kognitive Ackerfläche". Neuroplastizität braucht Phasen der Intensität – aber auch Phasen der Regeneration und des Wechsels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch unsere Entscheidungsenergie und unser Arbeitsgedächtnis ist begrenzt. Menschen, die versuchen, in allen Lebensbereichen gleichzeitig Höchstleistung zu bringen, leiden häufiger unter chronischer Überforderung, Burnout und dem Gefühl, nirgendwo richtig anzukommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn wir also in einer "Season" einige wenige Prioritäten hochfahren und alles andere auf Maintenance setzen, ist das keine Faulheit, sondern biologisch intelligentes Ressourcenmanagement.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ernsthaftes Denken braucht inkarnierte Phasen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Zurück zu Simone Weil. Ihre Fabrik-Phase war kein Urlaub vom Denken. Sie war das Denken selbst. Sie lebte nicht "ein bisschen Fabrik nebenher". Sie war Arbeiterin. Komplett. Für eine ganze Season.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Erfahrung. Zwischen "Ich lese über Ungerechtigkeit" und "Ich fühle Ungerechtigkeit in meinen Händen, meinem Rücken, meiner Erschöpfung".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ernsthaftes Denken braucht Zeit. Aber vor allem: Es braucht Raum. Exklusiven Raum. Nicht 20 Minuten am Tag zwischen LinkedIn und E-Mails. Das gilt nicht nur für Philosophie, sondern für alles, das intensiv ist und irgendwie gut werden soll, wie z.B ein Buch schreiben, eine neue Fähigkeit meistern, eine Beziehung vertiefen oder sich körperlich heilen oder transformieren. Manche Dinge brauchen Phasen, in denen sie nicht nur gedacht, sondern gelebt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit seiner Neuroplastizität bleibt unser Gehirn bis ins hohe Alter anpassungsfähig. Regelmäßige Projektwechsel – neue Inhalte, neue Rollen, neue Herausforderungen – halten kognitive Flexibilität, Kreativität und Problemlösefähigkeit lebendig. 40 Jahre immer dasselbe machen, lässt Lernkurven abflachen. Das Gehirn schaltet auf Autopilot. Es rostet nicht, wenn es alt wird – es rostet, wenn es aufhört, Neues zu lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7459956/"&gt;Studien zu "career adaptability"&lt;/a&gt;&amp;nbsp;zeigen, dass Menschen, die ihre Laufbahn aktiv umgestalten und sich neuen Rollen anpassen, beruflich erfolgreicher und widerstandsfähiger gegenüber Krisen bleiben. Wie wir aus der &lt;a href="https://www.mdpi.com/2071-1050/16/1/201"&gt;Job-Crafting-Forschung&lt;/a&gt; wissen, ist die Fähigkeit, Aufgaben, Beziehungen und Sinn im Job aktiv zu verändern, entscheidend für Motivation und Wohlbefinden. Das ist im Kern Phasen-Denken im Beruf. &lt;a href="https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2019.01029/full"&gt;Weitere Studien&lt;/a&gt; belegen: Career adaptability führt zu höherem Work Engagement und besserem psychologischen Wohlbefinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Leben aus aufeinanderfolgenden Projekten, Seasons und Phasen passt besser zu einer volatilen Wissensökonomie als ein starres 40-Jahre-Profil. Wer Rollen und Kontexte wechselt, baut schneller ein breites Skill-Set auf, bleibt näher an aktuellen Entwicklungen, versteht mehr Facetten einer Branche. Jeder Wechsel erweitert dein Netzwerk, deine Verhandlungsskills, deine Intuition für passende Umgebungen. Das steigert deine berufliche Optionsvielfalt – etwas, das ein einziger jahrzehntelanger Slot selten bietet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langjährige Tätigkeit in unveränderter Rolle erhöht das Risiko von Stagnationsgefühlen, Boreout, dem Erleben, "festzustecken". Phasen- und Projektlogik legt uns nahe, immer wieder bewusst neu zu entscheiden, was jetzt wichtig ist, was weg kann und was eventuell an neuem fehlt. Das unterstützt Autonomie, Selbstwirksamkeit, Sinnempfinden.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Gelebte Aufmerksamkeit statt Produktivitätstrick&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Letztlich müssen wir uns dann jede und jeder persönlich auch die Frage stellen, was eigentlich zur derzeitigen Phase im Gesamtleben mit Kindheit, Jugend und Älterwerden passt. In der zweiten Lebenshälfte geben uns oft Körperteile wie die Augen schon einen guten Hinweis: Kleingteiliges Handwerk, Konzentration auf Details in unseren Händen, mag nicht mehr zum fortgeschrittenen Alter mit seiner Altersweitsicht passen. Dagegen passen wir dann mit unserer Erfahrung und "Weitsicht" viel besser in die Rolle von zum Beispiel Dirigenten, Lehrern oder Trainern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Simone Weils radikale Praxis zeigt: Ernsthaftes Denken und Wirken braucht "inkarnierte Phasen" – Zeiten, in denen etwas nicht nur gedacht, sondern gelebt wird. Dieses Phasensystem ist kein Produktivitätstrick. Es ist eine Form von gelebter Aufmerksamkeit. Es ist die Entscheidung, dass manche Dinge nicht nebenher passieren können – weil einige es verdienen, für eine Zeit im Zentrum zu stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://mindshift-compass.de/perspektive/lebensphasen-des-menschen/"&gt;Hier geht es zu einer mit praktischen Strategien erweiterten Version dieses Textes &amp;gt;&amp;gt;&lt;br /&gt;&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Sara ist Gründerin von &lt;a href="http://Mindshift-Compass.de"&gt;https://mindshift-compass.de/&lt;/a&gt;, Autorin und Denkerin zwischen Biologie, Sinnfragen und innerer Ausrichtung. Sie verbindet analytisches Denken aus ihrem Biologie- und Bionikstudium mit ihrer Leidenschaft für Schreiben, Glauben und Persönlichkeitsentwicklung. In ihren Texten geht es um Mindset, Lebenssinn, innere Orientierung und die Frage, wie wir Richtung finden, wenn wir nach außen funktionieren, aber innen suchen. Mindshift Compass versteht sich nicht als typischer Ratgeber, sondern als Einladung zum Pespektivwechsel, Innehalten und bewusster Kursausrichtung.&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/02/simone-weils-radikales-zeitmodell.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s72-c/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" width="72"/><thr:total>6</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1066705165960780865</guid><pubDate>Wed, 28 Jan 2026 10:54:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-07T18:27:58.415+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Arbeit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><title>Arbeit und Lifestyle im liberalen Kapitalismus</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Arbeit und Zeit als Ausdruck persönlicher Freiheit&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Wieso sollte ich irgend jemandem anders als meiner Mama gegenüber rechtfertigen müssen, wie viel ich arbeiten will?&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Was geht euch mein Lifestyle an?&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der peinliche Reflex in der CDU und bei anderen Wirtschaftsliberalen, die Arbeitnehmerrechte zurück zu drehen, sobald die "Nachfrage" nach Arbeitnehmern abnimmt, war vorhersehbar. Durchgehen lassen kann man es ihnen aber dennoch nicht. Wer gerade noch bei seinen Arbeitnehmern um Verständnis für Kurzarbeit oder Mehrarbeit bat (und beides zeitgleich während der Pandemie), hat nun offenbar kein Verständnis für die jeweils ganz individuellen Herausforderungen jener Arbeitnehmer?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;OK, irgendwie verständlich, wenn auch hässlich, in einem Kapitalismus, der je nach sich verändernden Umständen kleine Margen jeweils flexibel managen muss. Mann vergisst da schnell, dass man es nicht nur mit "Ressourcen" zu tun hat, sondern mit Menschen. Der liberal und individualistisch sozialisierte Arbeitnehmer&amp;nbsp;fragt sich natürlich:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Darf ich in meinem einzigen Leben auf diesem Planeten nicht selbst entscheiden, wie viel ich arbeiten möchte oder kann?&lt;/i&gt; &lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;Kann es wirklich sein, dass ein Arbeitgeber, mit dem man mal vereinbart hat, 40 Stunden zu arbeiten, dann in ganz private Lebensplanung reinfunkt, wenn der Arbeitnehmer irgendwann weniger arbeiten möchte?&amp;nbsp;Und der Arbeitgeber oder der Staat können entscheiden, was triftige Gründe für sich ändernde Entscheidungen über individuelle Lebenszeit sind?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Also wenn ich Angehörige pflegen muss, ist das ok, aber wenn ich z.B. 12 Stunden in einer gemeinnützigen Tätigkeit arbeiten möchte oder neben der Arbeit Kunst produziere, dann sind das keine ausreichenden Gründe? Wer sagt denn das?&lt;/i&gt;&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wer sagt denn das?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), also der Wirtschaftsflügel der CDU stellt die Forderung nach Abschaffung des derzeitigen gesetzlich garantierten Anspruches auf Teilzeit infrage. All dem voran steht die Bundevorsitzende Gitta Connemann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Meine Frage wäre: Würde Connemann es sich gefallen lassen, wenn sich irgend jemand in ihr privates Zeitmanagement einmischte und ihr vorschriebe, wie viel sie zu arbeiten habe? Oder was ist mit anderen "Lifestyle-"Entscheidungen, die Einfluss auf die Gesellschaft haben? Wer fliegt Kurzstrecke? Wer fährt mit dem Auto zum Einkaufen? Wer kauft einen krummgezüchteten Hund mit zu kurzer Schnauze? All das sind Lifestyle-Entscheidungen, die Menschen treffen, ohne dass sie dafür gute Gründe haben oder sich gar rechtfertigen müssen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Connemann, die ansonsten überall "staatliche Regulierungswut" sieht, die die Eigenverangtwortung des Bürgers liebt, auch sonst Vertrauen in den 
Bürger fordert und gegen staatliche Vorgaben eintritt, fordert bei der "Lifestyle-Teilzeit" eine Begründungspflicht für eine private
 Lebensentscheidung und einen Staat, der definiert, was gute Gründe sind? Zu bequem!&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Fluchtpunkt Oligarchie&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Mir ist schon klar, dass der Sweet Spot für eine Arbeitgebervertreterin tatsächlich ein kompletter Liberalismus für Unternehmen und eine komplette Unterwerfung von Arbeitnehmern wäre. Das eben ist der Bruch in der gesamten liberalen Gesellschaftsphilosophie, den wir gerade sehen können und er geht soweit, dass sich viele Ultra-Reiche oder Arbeitgeber inzwischen nicht mehr an die Demokratie als Staatsform gebunden fühlen. Sie unterstützen nicht nur in den USA, sondern auch bei uns ohne Scham die Kräfte, die die Demokratie abschaffen möchten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie möchten eine Oligarchie, in der sie selbst die Gesetze machen und über Arbeitnehmer (soweit sie denn noch gebraucht werden) verfügen können, beziehungsweise sie möchten so viel wirtschaftlichen und sozialen Druck auf diese ausüben, dass sie "gefügig" werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich will nicht sagen, dass Connemann und Friends hier gleich zu Oligarchen werden. Aber es ist konsequent gedacht genau ihr Fluchtpunkt: Oligarchie, ein System, in dem eine kleine reiche Wirtschaftselite über die Rechte und Freiheiten der Bürger bestimmt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor allem will ich hier den Widerspruch zwischen den Ansprüchen der CDU, FDP und sonstigen Wirtschaftsliberalen an die Freiheit des Individuums und den Rückbau von staatlichen Eingriffen in individuelle und private Entscheidungen auf der einen Seite und die Entmündigung des individuellen Arbeitnehmers auf der anderen Seite aufzeigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was denn nun, liebe CDU? Wollt ihr die Liberalen für freie Bürger und einen Staat sein, der sich raushält oder wollt ihr den Staat, der in die privaten Entscheidungen seiner Bürger eingreift?&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/10/wuerde-im-alltag.html"&gt;Von der Würde im Alltag&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html"&gt;Entzündung oder Erleuchtung?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/09/das-bisschen-haushalt.html"&gt;Emma und das bisschen Haushalt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/arbeit-und-lifestyle.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>5</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-3290943644870650502</guid><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 14:31:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:21:35.958+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Creedmoor: Bösartiger Stahl</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s640/creedmore.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s16000/creedmore.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Building&amp;nbsp; 40, Creedmoor Psychiatric Center (&lt;a href="https://www.flickr.com/photos/imjustwalkin/20849442359" target="_blank"&gt;Matt Green&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank"&gt;CC BY-NC-SA 2.0&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;Ich bin in Queens aufgewachsen. Wir hatten da so einen Ort namens Creedmoor. Creedmoor. Kannte das überhaupt jemand,&amp;nbsp;Creedmoor? Ein großes...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Ich sagte: "Mama, warum sind da Gitterstäbe an dem Gebäude?" Ich habe da früher in der Little League Baseball gespielt, in so einem Park namens Cunningham Park. Ich war echt ein guter Baseballspieler. Unglaublich, oder? Aber ich sagte zu meiner Mutter...&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und sie war immer für mich da. Sie sagte: "Mein Junge, du könntest Profi-Baseballspieler werden." Ich sagte: "Danke, Mama." Ich fragte: "Warum sind da Gitterstäbe an den Fenstern?"&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein riesiges, gewaltiges Gebäude. Es ragte über den Park. Wirklich. Sie sagte dann: "Die Leute in dem Gebäude sind sehr krank." Ich sagte...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mann, ich habe immer zu diesem Gebäude hingeschaut, zu diesem riesigen, hohen Gebäude. Es ragte über den Park. Es war irgendwie ein ziemlich unheimlicher Ort, aber ich werde ihn nie vergessen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich weiß nicht, ob es noch da ist, weil die meisten Gebäude abgerissen wurden. Wisst ihr, die Demokraten in New York haben die Kliniken abgerissen, und jetzt leben die Leute auf der Straße. Deshalb gibt es jetzt auch in Kalifornien und anderswo so viele Obdachlose. Die psychiatrischen Anstalten wurden abgerissen. Die sind ja teuer.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber ich frage mich, warum hatte dieses Gebäude diese Gitterstäbe? Mann, das war doch nicht normal. Normalerweise schaute man aus dem Fenster, aber hier sah man nur Stahl. Bösartigen Stahl. Winzige Fenster, überall Gitterstäbe. Da kam niemand raus. Man nennt das eine psychiatrische Klinik.&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Donald J. Trump, 20. Januar 2026, &lt;a href="https://youtu.be/e5rvc9SJNJE?si=_Qe3KQnT_UOh9i-p&amp;amp;t=3106" target="_blank"&gt;Pressekonferenz zum Einjährigen Amstjubiläum&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s72-c/creedmore.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5746493293810657229</guid><pubDate>Tue, 06 Jan 2026 15:13:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-01-06T16:26:05.079+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">In eigener Sache</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Entzündung oder Erleuchtung?</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Eine Kolumne über eine pandemische Autoimmunerkrankung des Zeitgeistes&lt;/h2&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;Entzündet&lt;br /&gt;Aufgeregt. Heiter bis wolkig aufgewühlt.&lt;br /&gt;Wer oder was regt sich. Auf was hin?&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Manisch, händisch, handgreiflich.&lt;br /&gt;Ich wünscht', ich stünd' im Walde.&lt;br /&gt;Ganz still und stumm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s640/im-walde.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s16000/im-walde.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Im Walde, ganz still und stumm (Foto: G. Dietrich,&amp;nbsp;&lt;span class="alt-titles"&gt;&lt;span class="tool-identifier"&gt;&lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en" target="_blank"&gt;CC BY 4.0&lt;/a&gt;)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Spüren Sie es auch? Seit ein paar Jahren schon? "Spätestens seit Corona" wie es immer heißt – in der Presseschau oder an der Kaffeemaschine. Alle sind doch tiereisch aufgeregt. Oder ist es eine private Einblidung, die bei mir durch zu viel Medienkonsum und X entstand? Sind eigentlich alle irgendwie beim Meditieren, ganz entspannt, in sich gekehrt, die Ruhe selbst und nur ich habe das Gefühl, alle seien ganz aufgewühlt, kurz vor Handgreiflich?&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;Tierisch aufgeregt... Das kenne ich aus BBC-Dokus (ganz unaufgeregt 
vorgetragen von David Attenborrough, der dieses Jahr 100 wird) und frage mich, ob es da Zusammenhänge gibt. Schließlich ist der Mensch, dieses Mängelwesen, nichts so richtig und so vieles nur halb. Zum Beispiel ein Fleischfresser, also halb. Und deswegen ein halbes Raubtier. Und dann eben auch ein halbes Fluchttier. Und Fluchttiere (auch halbe?) zeichnen sich dadurch aus, dass die ganze Herde oder wenigstens die halbe Herde&amp;nbsp;manisch aufgetrieben wird, wenn auch nur ein Tier in Panik gerät. It's a feature, not a bug!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wer von uns ist denn das erste Paniktier? Na egal und ich will auch nicht anfangen, aufzuzählen, was in der Politik, in den Sozialen Medien oder im Arbeitsleben alles schiefläuft und die Menschen in helle Aufregung versetzt. Neulich hat es meine Nachbarin aus dem anderen Hauseingang&amp;nbsp;(dann ihren Mann und dann mich) erwischt...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kam mit dem Auto nach Hause und sie befand sich mit ihrem auf der Zufahrt zu meinem Parkplatz, offenbar um zu wenden.&amp;nbsp;Wir erkennen uns als Nachbarn, ohne dass es darüber hinaus Kontakt gäbe. Ich&amp;nbsp;hielt an, setzte etwas zurück und winkte ihr freundlich zu, an mir vorbeizufahren. Irgend etwas stimmte mit ihr nicht, sie fuchtelte. Ich kurbelte die Scheibe runter, und rief rüber: "Ich warte hier, dann können Sie in Ruhe umdrehen." Sie schrie zurück "Setzen Sie mich nicht unter Druck!" Ich stieg aus (mein Fehler), trat an ihr Fenster (Fehler 2) und wollte klar stellen, "Keine Panik – lassen Sie sich Zeit... Kommen Sie an meinem Auto da vorbei oder soll ich wegfahren?" Sie schrie mich an, ich solle sie in Ruhe lassen, ihr Mann kam unterdessen aus dem Hauseingang und fing an, mich zu schubsen. In Nullkommanichts standen wir alle auf dem Bürgesteig und schrien im Dreieck. Niemand von uns dreien wusste, warum.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sowas meine ich. Ist doch irre! Anderes Beispiel: meine kurze Lunte zu Hause, wenn mein Sohn mich wieder mal ignoriert. Schreien bringt ja da eigentlich gar nichts, außer wenn das Ziel gewesen war, seine Meinung über mich als hilflosen Erwachsenen zu manifestieren.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Apropos manifestieren... Als ich im letzten&amp;nbsp;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/10/yoga-bewusstseinsphilosophie.html"&gt;Yoga-Retreat&lt;/a&gt; aufgefordert wurde, in der anstehenden Klangmeditation etwas zu manifestieren, war ich erst ratlos. Man solle irgend etwas loslassen, sagte die Oberyogi. Loslassen? Ich musste dabei an den morgendlichen Gang zur Toilette denken. Was sonst könnte ich noch loslassen? Diese Aufregung? Oder ist darunter Wut oder Angst? Also manifestierte ich, dass ich "jeglichen Agressionen oder Provokationen zukünftig mit Ruhe und Gelassenheit begegnen werde". Ich schriebs auf und murmelte es immer wieder vor mich her, bis ich in diese Trance hinübergleitete.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das ist jetzt 8 Wochen her. Bin ich ruhiger, gelassener? Nein, definitiv nicht, der Heiligabend in kleiner Familienrunde hatte es wieder gezeigt (ich werde schnell &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/12/enge-der-zeit.html"&gt;klaustrophobisch und gemein in räumlich und zeitlich engen Zusammenhängen&lt;/a&gt;). Dieses Manifest war also auch kein magischer Trick. Es ist wohl ein längerer Prozess der Selbstbeobachtung und Regulation, ein langer Weg und vielleicht auch schon ein Ziel. Ich muss zumindest immer an diesen guten Yoga-Vorsatz, diese Manifestation denken, wenn ich ausflippe. Ach ja, denke ich dann, du wolltest ja eigentlich nicht mehr ausflippen. Aber dann flippt Medwedew wieder&amp;nbsp;aus oder Trump sagt was hundsgemeines und schon ist der gute Vorsatz dahin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Leser und Autor, mit dem ich mir auch privat schreibe, meinte unlängst, dass die&amp;nbsp;&lt;span&gt;vielfältigen gesellschaftlichen Probleme und Dissonanzen "eine Spiegelung im täglichen Denken und Handeln eines jeden Menschen: in Egoismus und Gier, Verwirrung und Depression, in Beziehungs-Krisen und Lügen, in subtiler und offener Gewalt" fänden. Kann das sein? Sicher hat das alles Einfluss auf uns. Es ist im Extrem eben Agitation und Propaganda, die uns täglich erreichen. Sie erzeugen einen Handlungsdruck, der kein elegantes oder wenigstens produktives Ventil findet. Das sind Entzündungen. Wir geraten dann in eine Art überschießenden, aber lediglich performativ-symbolischen Überlebenskampf – eine Autoimmunerkrankung des Geistes, pandemisch gar.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt geben Sie mir bloß keine klugen Ratschläge! Eine Kollegin fragte mich neulich, ob ich nicht mal &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2014/03/ruhe-und-gelassenheit.html"&gt;die Stoiker&lt;/a&gt; lesen wollte, die Lektüre hätte ihr jedenfalls geholfen. Ich glaube, ich hab's mir nicht anmerken lassen, aber ich wäre fast explodiert. Die Stoiker! Vielleicht halte ich mich lieber an &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/11/wiedergeburt-pessimismus-buddhismus.html"&gt;Buddha&lt;/a&gt;, der mir immer vor allem damit imponiert, was er nicht sagt. Bei dem hätte meine Kollegin mit ihren Stoikern noch was lernen können. Ganz still und stumm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/05/wut-macht-uns-kaputt-aber-es-gibt-eine.html"&gt;Wut macht uns kaputt, aber es gibt eine Alternative&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/04/politik-der-emotionen.html"&gt;Gedanken über Gefühle: Gegen eine Politik der Emotionen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/06/reaktante-gesellschaft.html"&gt;Die reaktante Gesellschaft: Jetzt erst Recht!&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/07/helikoptermoral.html"&gt;Helikoptermoral: Wir sind alle so unfehlbar&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s72-c/im-walde.jpg" width="72"/><thr:total>14</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6274794684126469227</guid><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 19:17:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-12-24T16:20:23.163+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Schopenhauers gute Gemeinschaft</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Gemeinschaft ist kein Sinnträger, sondern Nebenprodukt moralischer Erkenntnis&lt;/h2&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s640/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s16000/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-family: inherit;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Arthur Schopenhauer. Fotografie von Johann Schäfer (1855, Ausschnitt, gemeinfrei)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Einwanderer fressen eure Haustiere!&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Im Artikel &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Warum wir Grausamkeit wählen&lt;/a&gt;, haben wir gesehen, dass in vielen Menschen ein Bedürfnis nach autoritären Strukturen entsteht, sobald sie mit unklaren Ängsten konfrontiert sind. Und wir haben analysiert, wie sich gesellschaftliche Akteure wie die AFD oder die MAGA Bewegung in den USA diese Psychologie zunutze machen. Unklare Zukunftsängste werden oft unter Rückgriff auf die Fremden, die Anderen geschürt. Das ist natürlich billig und nutzt die mangelnde Bildung und die Heimatliebe der Bevölkerung aus. So war das schon immer – die eigene Gruppe schweißt sich zusammen und die Anderen werden werden dämonisiert. Daher sind auch die gegenwärtigen politischen und kulturellen Spannungen von kollektiven Affekten wie Nationalstolz, identitäre Loyalitäten oder dem Ruf nach Ordnung und Autorität geprägt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die These im Artikel war, dass es eine Kränkung vieler vormals Privilegierter gäbe, denen plötzlich auffällt, dass andere, vormals unsichtbare Menschen (Frauen, Zugezogene, Wessis, Migranten, Transsexuelle) ihnen gleichgestellt sind und ggf. sogar ihnen gegenüber privilegiert sind. Ihnen ist damit gewissermaßen die Selbstverständlichkeit genommen worden, auf sich, die eigenen Eltern oder Kinder stolz sein zu können. Statusangst und Unterlegenheitsgefühle kommen auf und die müssen möglichst korrigiert werden. Ein Leser wies in diesem Zusammenhang auf Arthur Schopenhauers&amp;nbsp;Kritik des Nationalstolzes hin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Schopenhauer und der Nationalstolz&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Schopenhauer analysiert den Nationalstolz in den Parerga und Paralipomena nicht als harmlose Identifikation, sondern als psychologisch kompensatorischen Affekt. Er bezeichnet ihn als den "wohlfeilsten Stolz", weil er dort auftritt, wo individuelle Gründe zur Selbstachtung fehlen. Stolz, so Schopenhauers implizite Prämisse, setzt persönliche Zurechenbarkeit voraus. Nationale Zugehörigkeit hingegen ist eine kontingente Eigenschaft qua Geburt und daher kein legitimes Objekt des Stolzes. Man kann ja nichts für den Ort der eigenen Geburt und hat auch nichts zur Historie der Nation beigetragen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauers Kritik ist also nicht gleich moralisch, sondern erst einmal begrifflich und erkenntnistheoretisch fundiert. Nationalstolz gründet in einer kategorialen Verwechslung: Eigenschaften, Leistungen und Tugenden werden vom Individuum auf ein Kollektiv verschoben und anschließend emotional und individuell wieder angeeignet. Doch mit dieser Verwechslung ist noch nicht Schluss, sie hat Folgen: der Nationalstolz unterläuft die individuelle Urteilskraft und ersetzt sie durch identifikatorische Loyalität. Jegliches Urteil über die Errungenschaften oder Verfehlungen der Gruppe wird suspendiert, weil es "meine Gruppe" ist.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Nationalstolz als kollektiver Affekt des Willens&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Im Hintergrund dieser Analyse steht Schopenhauers Metaphysik des Willens. Schopenhauer versteht den Willen als vor-rationale, blinde Grundkraft alles Lebendigen, die sich in Individuen, Trieben, Affekten und sozialen Formen objektiviert. Wo dieser Wille nicht durch Erkenntnis und individuelle Selbstreflexion gebrochen wird, sucht er Stabilität in äußeren Formen der Selbstbehauptung. Der Nationalstolz erscheint so als kollektive Objektivierung des Willens zur Selbstbehauptung. Was den Individuen an innerer Stabilität, geistiger Eigenständigkeit oder moralischer Exzellenz fehlt, wird durch Zugehörigkeit zur Gemeinschaft kompensiert. Der Wille findet Halt nicht in Moral, Einsicht oder Erkenntnis, sondern in Affektbindung, also der emotionalen Verknüpfung mit Personen oder Systemen, die Sicherheit und Zugehörigkeit vermittelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Struktur erklärt auch die aggressive Dimension kollektiver Identitäten. Wo Stolz nicht auf Leistung, sondern auf Abgrenzung beruht, schlägt er leicht in Feindseligkeit um. Nationalstolz ist daher für Schopenhauer nicht nur irrational, sondern (und hier wird's jetzt moralisch) potentiell konfliktträchtig und bringt Leid hervor. Er erzeugt Selbstwert durch Vergleich und benötigt das Außen als negatives Gegenbild. Die so aufgebauten Spannungen lassen sich gut in Agressionen gegen das vermeintlich Andere übersetzen. Das kann einem Philosophen nicht schmecken, dem die Vermeidung von Leid als höchste Moral gilt.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der autoritäre Charakter als emotionale Konfiguration&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Diese schopenhauersche Analyse lässt sich also ganz produktiv mit der Theorie der autoritären Persönlichkeit verbinden. Autoritäre Dispositionen sind weniger durch konsistente Ideologien gekennzeichnet als durch stabile Affektmuster: Unterwürfigkeit gegenüber Autorität, Aggression gegenüber Abweichlern, Intoleranz gegenüber Ambiguität und ein starkes Bedürfnis nach Ordnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In schopenhauerscher Perspektive handelt es sich hierbei um eine spezifische Form der Willensobjektivierung. Der autoritäre Charakter externalisiert Selbstwert, Urteil und Verantwortung auf äußere Instanzen – Nation, Tradition, Führung. Autorität fungiert als Ersatz für Selbstreflexion. Das Subjekt entlastet sich von der Zumutung eigener Urteilskraft und gewinnt im Gegenzug emotionale Sicherheit.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die erkenntniskritische Dimension des Autoritarismus&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Autoritarismus ist nicht nur ein politisches oder moralisches Problem, sondern ein epistemisches. Autoritäre Affektordnungen gehen mit einer Abwehr offener Wahrheitssuche einher. Mehrdeutigkeit, Selbstkritik und revisionsoffene Erkenntnis werden als Bedrohung erlebt. An ihre Stelle treten Dogma, Konformität und Loyalität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauer würde sagen: Der Wille scheut Erkenntnis dort, wo sie desillusionierend wirkt. Wahrheit entzieht dem kollektiven Selbstbild seine affektive Stabilität. Der autoritäre Charakter schützt sich daher vor Erkenntnis, indem er sie durch identitäre Gewissheit ersetzt. In diesem Sinne ist Autoritarismus eine Form organisierter Selbsttäuschung.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Menschen brauchen gute Gemeinschaft&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html"&gt;Moral für ein neues Mittelalter&lt;/a&gt;&amp;nbsp;hatten wir Alasdair MacIntyres Kommiunitarismus als moralische Orientierung in unübersichtlichen Zeiten vorgestellt. MacIntyres Ansatz läuft also sehr auf kleine Gruppen und Identifikation in ihnen hinaus. Ein kurzer Vergleich Schopenhauers mit Alasdair MacIntyre bietet sich hier an. MacIntyre kritisiert zu Recht den liberalen Mythos des isolierten, traditionslosen Subjekts, den der westliche Kapitalismus uns stöndig vermittelt. Moralische Begriffe, so seine These, gewinnen ihren Sinn erst innerhalb sozialer Praktiken und historischer Traditionen. Gemeinschaft ist für ihn keine bloße emotionale Zugehörigkeit, sondern eine Bedingung praktischer Rationalität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauer teilt die Skepsis gegenüber einem abstrakten Individualismus, zieht jedoch eine radikal andere Konsequenz. Wo MacIntyre in Traditionen Orte moralischer Orientierung sieht, erkennt Schopenhauer primär das Risiko epistemischer Abschottung. Gemeinschaftliche Sinnstiftung wird immer dort problematisch, wo sie affektiv internalisiert und nicht reflexiv durchdrungen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der autoritäre Charakter markiert jenes Problem gemeinschaftlicher Einbettung, das Ansätze wie der von MacIntyre konsequent unterschätzt: die Delegation von Urteilskraft an Tradition und Autorität. Gemeinschaft wird dann nicht Medium moralischer Bildung, sondern Instrument der Selbstentlastung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie wäre denn eine "gute Gemeinschaft" bei Schopenhauer möglich? Ganz klar nur unter dem Vorbehalt, dass sie nicht identitär, nicht sinnstiftend und nicht affektiv verschmolzen ist. Sie gründet nicht in Tradition oder Zugehörigkeit, sondern im Mitleid als individueller moralischer Einsicht und dient nicht der Selbstvergewisserung, sondern der Begrenzung von Leid. Eine moralische Gemeinschaft entsteht so nicht durch ein großes kollektives Wir, sondern durch Interaktion zwischen Ich und Du. Gemeinschaft ist kein Ort der Wahrheit, sondern eine fragile, stets verbesserungsbedürftige Praxis des gegenseitigen Schonens.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nationalstolz, Autoritätsbindung und kollektive Identität sind für Schopenhauer keine 
Quellen von Stärke, sondern Symptome eines anthropologischen Defizits: 
der Unfähigkeit, sich vom eigenen Willen zu distanzieren.&amp;nbsp;Folgerichtig sind für ihn Institutionen (Recht, Vertrag, staatliche Ordnung) notwendig zur Eindämmung des Willens. Kollektive&amp;nbsp;Affekte wie&amp;nbsp;Begeisterung, Nationalgefühl oder moralische Selbstfeier helfen da gar nichts. Gemeinschaft, könnte man mit Schopenhauer sagen, funktioniert dort am besten, wo sie kaum bemerkt wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Autoritarismus ist damit weniger ein politischer Ausnahmezustand als eine immer mögliche Versuchung menschlicher Selbstentlastung. Ihm zu begegnen bedeutet nicht nur institutionelle Sicherungen zu schaffen, sondern die Bedingungen individueller Vergeistigung zu stärken: Urteilskraft, Erkenntnisoffenheit und die Fähigkeit, Wahrheit auch dort auszuhalten, wo sie das eigene Selbstbild infrage stellt. Aber das grenzt ja fast schon an Weisheit.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Bei der Recherche zu diesem Artikel kam KI zum Einsatz. Die hier dargelegte Lesart stützt sich auf Schopenhauers Metaphysik des Willens und seine Ethik des Mitleids (WWV I–II; Über die Grundlage der Moral), ergänzt durch seine Kritik kollektiver Affekte und identitärer Selbstzuschreibungen in den Parerga und Paralipomena.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/05/radikale-christen-und-sexsuchtige.html"&gt;Radikale Christen und sexsüchtige Superhelden&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html"&gt;Im Fleisch der Welt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/12/schopenhauer-gemeinschaft.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s72-c/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-3032387972440338704</guid><pubDate>Sat, 15 Nov 2025 13:15:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-11-15T14:15:18.583+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Kreativität</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Musica universalis: Echos in unseren Seelen</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Einst galt das Hören mehr als das Sehen&lt;/h1&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Text von&amp;nbsp;Derek Turner&lt;/h2&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das Auge hatte nicht immer Vorrang vor dem Ohr&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;"Am Anfang war das Wort" – doch Äonen vor diesem uralten Imperativ gab es andere lautliche Gebote, tief in uns selbst, grollend in den Schluchten der Erde und widerhallend durch das Universum. Unser Zeitalter des Auges unterschätzt das Ohr, dabei können Schallwellen uns tiefer bewegen als die eindrucksvollsten Anblicke. Selbst "Stille" ist ein Klang, den wir mit unseren eigenen Bedeutungen füllen.&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s640/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="428" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s16000/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Marguerite Humeau:&amp;nbsp;The Opera of Prehistoric Creatures (&lt;a href="https://www.flickr.com/photos/dalbera/49534608812" target="_blank"&gt;Jean-Pierre Dalbéra&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank"&gt;CC BY 2.0&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die heutige Technologie erlaubt ein immer präziseres Lauschen auf Geräusche, die sich früher jeder Analyse entzogen. Hochsensible Mikrofone werden in die Eingeweide der Erde eingeführt und in die lichtlosen Tiefen der Ozeane hinabgelassen, während gespannte Antennen und aufgesperrte Parabolschüsseln auf Botschaften aus dem All warten. Wissenschaftler erforschen den "singenden Sand" an Stränden und in Wüsten – jene Klagen und Pfeiflaute, die entstehen, wenn Silikatkörner bei bestimmten Frequenzen aneinander reiben – ebenso wie die rätselhaften "Brummtöne", die viele Menschen von New Mexico bis Schottland wie ein kollektives Tinnitus vernehmen wollen. Toningenieure experimentieren mit immer erfinderischeren Geräuscheffekten; Volkskundler sammeln irische Klagelieder und Lieder, die von den Rufen der Zikaden inspiriert sind; und Nostalgiker verabschieden sich von den Nebelhörnern an den Küsten, deren unendlich suggestives, vom Dunst gedämpftes Stöhnen durch GPS überflüssig geworden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Künstler antworten mit Klanglandschaften, die, so originell sie auch sind, zugleich an die pythagoreische Idee einer "Musik der Sphären" anknüpfen. Die isländische Sängerin Björk hat Musik aufgenommen, die auf Kymatik basiert – jenen Mustern, die entstehen, wenn Staub durch Schall in Bewegung gerät – eine Wiederaufnahme von Experimenten, die bereits Galileo und Robert Hooke durchführten. Der dänische Künstler Jacob Kirkegaard zeichnet die molochartigen Dröhngeräusche von Krematorien auf sowie das präzise Schneiden und Knacken chirurgischer Eingriffe. Auf Svalbard in Norwegen will das Projekt Global Music Vault akustische Archive für die Ewigkeit bewahren, indem Aufnahmen auf Glasplatten übertragen werden, die weniger anfällig für Feuer, Flut oder Strahlung sind. Andere wiederum versuchen, nie gehörte Klänge zu beschwören, wie die Künstlerin Marguerite Humeau, die die Stimmapparate ausgestorbener Tiere rekonstruiert. Ergriffen fragen Michaela Vieser und Isaac Yuen: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Was wurde gesprochen im letzten Ruf des letzten Mammuts, der über ein Reich aus Tannen und wirbelndem Schnee hallte? Trompetete es vergebens – in Hoffnung auf eine Antwort, die niemals kommen würde?" (&lt;i&gt;The Sound Atlas: A Guide to Strange Sounds Across Landscapes and Imagination, &lt;/i&gt;Michaela Vieser and Isaac Yuen, Reaktion, 2025)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Akustische Abwasser, dröhnender Fortschritt &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ironischerweise drohen viele dieser neu entdeckten Geräusche im Lärm des Anthropozäns zu ertrinken, während wir den Planeten mit dem dröhnenden Getöse des "Fortschritts" füllen – Bohren, Motoren, Industrie, kakophonische Kultur und geschwätzige soziale Medien. Dieses akustische Abwasser verstopft die lebenswichtigen Kommunikationskanäle der Tierwelt – die Rufe der Vögel nach ihren Partnern, die Gedächtniskarten der Wale vom Meeresgrund, die Echo-Ortungen der Fledermäuse bei der Jagd nach Motten (und die Abwehr-Klicks mancher Motten, die so ihrem Fressfeind entgehen). Selbst das Knacken und Stöhnen des Eises droht zu verstummen, während sich die wahre Kälte immer weiter zurückzieht. Auch wir selbst leiden unter dem Ansturm unseres eigenen Lärms – an Schlafmangel, kognitiver Überforderung und Bluthochdruck. Die Autoren Vieser und Yuen plädieren für eine allzu selten bedachte Form der stilleren Ökologie, in der essentielle Klänge wieder einen Sendekanal erhalten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die&amp;nbsp;&lt;span&gt;Bergnymphe&amp;nbsp;&lt;/span&gt;Echo wurde in der alten Sage zu Stein, nachdem Narziss sie verschmäht hatte, und wiederholt seither unsere Silben in ewiger Sehnsucht. Der universale Ur-Klang ist unvorstellbar alt – statisches Rauschen aus Lichtjahren Entfernung und Milliarden Jahren Vergangenheit, unaufhörlich strömend aus Schwarzen Löchern und Supernovas. Wir kennen diese Geräusche dank der Sonifikation, dem Verfahren, bei dem Daten aus anderen Quellen (etwa Röntgenstrahlen oder Gravitationsfeldern) in Klangspuren übersetzt werden – ein ebenso künstlerisch einfallsreicher wie wissenschaftlich erhellender Prozess. Ganz im Sinne Pythagoras gibt es zwar keine eigentliche "Musik der Sphären", doch existieren Entsprechungen zwischen planetarischen Umläufen und die großen galaktischen "Tänze", die sich als Harmonien notieren lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Antiker Wind um die Ohren&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das Auge hatte nicht immer Vorrang vor dem Ohr. "Geistiges Hören" galt lange mehr als "geistiges Sehen" – in mehr als einer Religion. In Europas Antike und bis ins Mittelalter wurde das Ohr als Sitz des Gedächtnisses betrachtet. In der christlichen Kunst wird der Heilige Geist manchmal als Taube dargestellt, die in das Ohr der Jungfrau fliegt. Im pharaonischen Ägypten empfing das rechte Ohr den "Atem des Lebens", das linke den "Atem des Todes". In Indien verband man die Ohren mit der Geburt (vielleicht, weil ihre spiralige Form an Vulven erinnert); der Gott Kama soll aus dem Ohr seiner Mutter hervorgegangen sein. In der chinesischen Symbolik galten verlängerte Ohrläppchen als glücksverheißend, sie standen für Autorität, Größe und Intelligenz.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ätherischen Klänge der Winde hatten für die Griechen große Bedeutung – von Äolus, der Odysseus den Windsack schenkte, um ihn heimzutreiben, bis zu den Zephyren, die in heiligen Hainen orakelnde Blätter rauschen ließen, von den Sirenen ganz zu schweigen. Diese Wehmut des Windes hat seither immer wieder inspiriert – in England etwa Samuel Taylor Coleridges Gedicht &lt;i&gt;The Eolian Harp&lt;/i&gt;, das von einer "sanft schwebenden Zaubermelodie" erzählt, erzeugt vom Wind, der durch Saiten weht und sein Landhaus und seine Familie verzaubert. Er fragte sich:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="text-align: left;"&gt;"Was, wenn alle belebte Natur&lt;br /&gt; Nur lebendige Harfen wären, divers gestimmt?"&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine unerwartete Liebe zum Windgeräusch zeigte auch Thoreau, dem die neu errichtete Telefonleitung über seinem Walden-Teich Gerüchte von einem "fernen, herrlichen Leben" zu tragen schien. Dieses Bild ruft unweigerlich eine andere Probe amerikanischer Akustik wach, ein anderes einsames romantisches Horchen auf eine Leitung – Glen Campbells Wichita Lineman von 1968:&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt; „I hear you singing in the wire / I can hear you through the whine.“&lt;/blockquote&gt;Nach dem japanischen Tsunami von 2011 fanden viele Angehörige der Opfer Trost darin, in das "Windtelefon" der Stadt Ōtsuchi zu weinen – ein nicht angeschlossenes Telefon in einer Gartenkabine, das ein Landschaftsarchitekt aufgestellt hatte, um mit seinem ertrunkenen Cousin "zu sprechen". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Klänge dienen materiellen Zwecken – den sorgfältig komponierten Tönen von Computern, Telefonen und Lautsprechersystemen, Fabriksirenen, der feierlichen (wenn auch letztlich vergeblichen) Muschelhorn-Fanfare in &lt;i&gt;Herr der Fliegen&lt;/i&gt;, den Alphörnern, die Rinder von den höchsten Weiden herabrufen, Jagdhörnern, die über frostige Felder hallen, oder Dudelsäcken, die Soldaten über den Graben treiben. Doch der Mensch hat den Klang auch genutzt, um sich selbst und andere in Trance zu versetzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Didgeridoos bliesen den tiefen, bassschweren Traumzeit-Klang für die ersten Australier. Archäo-Akustiker haben Zusammenhänge zwischen neolithischer Höhlenkunst und der Akustik dieser Kammern entdeckt. Prähistorische Höhlen waren offenbar imaginativ transportierende Räume – &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2020/02/philosophie-des-autos.html"&gt;aufgeladene Gebärmütter&lt;/a&gt;, in denen Kunst, Gesänge, Dunkelheit, Trommeln, Feuerlicht, Flöten und heilige Rituale sich verbanden, um die Hörenden in andere Regionen zu entrücken. Die mittelalterliche Musik war erfüllt von fein abgestimmten Tonalitäten – Gregorianik und Polyphonie sollten die klösterlichen Geister aus ihrem kalten Alltag emporheben; zugelassene Komponisten mieden Dissonanzen, die den Zauber brechen konnten, am berüchtigtsten das „Intervall des Teufels“ (drei Töne, die sechs Halbtöne umfassen – später berühmt eingesetzt von Black Sabbath in ihrem gleichnamigen Lied von 1970, das den Heavy Metal begründete).&amp;nbsp;&lt;p align="center"&gt;&lt;iframe allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen="" frameborder="0" height="360" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" src="https://www.youtube.com/embed/0lVdMbUx1_k?si=esrp649csqmLpwp4" title="YouTube video player" width="640"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Spätere Kirchenmusiker stützten sich stark auf die Orgel – eines der ältesten und mächtigsten Musikinstrumente, ein atmendes Werkzeug, das etymologisch über Aristoteles’ Organon mit dem Intellekt verbunden ist und emotional mit der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Musik. Der Übervirtuose J. S. Bach sehnte sich lebenslang nach einem erderschütternden Orgelklang, den er &lt;i&gt;Erdenschwere&lt;/i&gt; nannte – doch er blieb weitgehend unerreichbar, weil die Metallurgie des 18. Jahrhunderts keine ausreichend großen Pfeifen erlaubte; selbst heute ist dieser Klang kaum zu hören – vielleicht zu erhaben für unsere leichtfertige Zeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirchen- und Tempelglocken riefen die Gläubigen und warnten vor Gefahren, galten aber auch als psychische Kraftfelder gegen das Böse. Im Vittala-Tempel des 14. Jahrhunderts in Hampi (Indien) erzeugen 56 Granitsäulen unterschiedliche Töne, wenn man sie anschlägt, überirdische Klänge, die sich zu komplexen Kompositionen verbinden lassen, um die Gläubigen von der Erde zu lösen und Ekstasen hervorzurufen. Selbst Shiva konnte der Musik nicht widerstehen, er tanzte zu seinem eigenen Trommeln durch Raum und Zeit, von den Sanskrit-Schriften bis zu seiner Statue vor dem CERN-Labor in der Schweiz – eine Verkörperung uralter Schwingungen, die alle Teilchen in Bewegung setzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sound Atlas von Michaela Vieser and Isaac Yuen endet jenseits der Erde, mit der Golden Record, den audiovisuellen Schallplatten, die 1977 an Bord der Raumsonden Voyager 1 und 2 ins All geschickt wurden und noch immer von uns fortbeschleunigen. Sie tragen potenziellen außerirdischen Hörern Musik von Bach und Chuck Berry, Botschaften von Jimmy Carter und Kurt Waldheim, Grüße in 55 Sprachen sowie Aufnahmen von Wind, Regen, Walen, Hyänen, Herzschlägen und dem Lachen des &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2015/12/quatschdetektor-gegen-dummheit.html"&gt;Kosmologen Carl Sagan&lt;/a&gt;. Die Voyagers nähern sich den Grenzen unseres Sonnensystems und dem Ende ihres Daseins, doch ihre akustische Fracht könnte ewig überdauern, selbst wenn sie nie gehört wird: ein Echo unserer Seelen, ein weit hinausgeschleudertes Zeugnis für den irdischsten aller Sinne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Quellenvermerk: Dieser Artikel basiert auf einem &lt;a href="https://engelsbergideas.com/reviews/musica-universalis/" target="_blank"&gt;Text von Derek Turner&lt;/a&gt;, der ursprünglich in Englisch auf Engelsberg Ideas erschienen ist.
Mit freundlicher Genehmigung von EI durch Gilbert Dietrich und KI ins Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/01/stille.html"&gt;Das Geräusch der Stille&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2014/02/musik-und-persoenlichkeit.html"&gt;Hard Rock Gehirn: Musik und Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/01/patti-smith.html"&gt;Patti Smith - Lass doch, das sind nur ein paar Kids&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/11/musica-universalis.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s72-c/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1512603582617320501</guid><pubDate>Wed, 15 Oct 2025 10:21:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-10-15T12:21:05.377+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Definition</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Bewusstseinsphilosophie auf der Yogamatte</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Atmen und zu Bewusstsein kommen&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Ich komme gerade von meinem zweiten Yoga Retreat dieses Jahr zurück. Zuvor hatte ich noch nie Yoga gemacht. Ich war einfach neugierig und schon nach dem ersten Retreat stand fest, dass ich das weiter verfolgen werde. Denn neben der körperlichen Wohltat, hat mir das konzentrierte Atmen, Dehnen und Ruhen auch mental gut getan. Von den Begegnungen mit anderen interessanten Yogis ganz zu schweigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich zum Ende einer Session so entspannt auf der Matte lag und die Yogalehrerin meinte, ich solle meinen Geist leeren, wurde ich philosophisch neugierig. Das stand dem Ziel der Übung (ein leeres Bewusstsein) ganz entgegen. Um meinen Geist zu leeren, solle ich auf meinen Atem achten. Das ist natürlich selbst etwas widersprüchlich, dachte ich, denn wenn ich auf meinen Atem achte, ist ja genau das das Objekt meines Bewusstseins. Und dann ist es nicht leer. Aber ich wollte nicht kleinlich sein, denn es ging ja um eine Übung und da braucht man manchmal Krücken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später dann schien mir das Reden von einem leeren Bewusstsein noch rätselhafter, ja widersprüchlich, denn wenn nichts im Bewusstsein ist, dann ist mir nichts bewusst und dann ist es kein Bewusstsein. Die Metapher vom Spiegel, der auch dann ein Spiegel ist, wenn er nichts reflektiert, half mir hier nicht. Denn das Bewusstsein ist kein Gegenstand, der irgendwo rumsteht, sondern zeichnet sich gerade durch Bewusstwerdung von etwas aus. Was meint meine Yogalehrerin denn mit "Bewusstsein leeren"?&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s640/mirror-field.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s16000/mirror-field.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Was ist das Bewusstsein? (Foto von &lt;a href="https://www.pexels.com/photo/person-holding-a-mirror-on-an-open-field-4412934/" target="_blank"&gt;Maksim Goncharenok&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://www.pexels.com/license/" target="_blank"&gt;Lizenz&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Reines Bewusstsein – Zwischen Erfahrung und Metaphysik&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In spirituellen Praktiken wie Yoga, Meditation oder Achtsamkeit ist oft von einem reinen oder absoluten Bewusstsein die Rede. Es soll ein Zustand sein, in dem das Denken zur Ruhe kommt, in dem nichts mehr in meinem Geist erscheint oder bewertet wird und das &lt;i&gt;Bewusstsein als solches&lt;/i&gt; einfach ist. Aus westlicher Perspektive ist das eigentlich komplett unverständlich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seit der Aktpsychologie Franz Brentanos im frühen 20. Jahrhundert und seinem Schüler, dem Phänomenologen Edmund Husserl, gilt in der europäischen Tradition der Satz: &lt;i&gt;Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas.&lt;/i&gt; Es ist seinem Wesen nach &lt;i&gt;intentional&lt;/i&gt;, also auf etwas gerichtet. Ein Bewusstsein ohne Objekt, wäre dann gar kein Bewusstsein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie passt das zum Bewusstsein des Yogi? Ist das Ideal des objektfreien Bewusstseins eine leere Formel – oder nur ein anderer Blick auf denselben Sachverhalt? &lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Historischer Exkurs: Von der Seele zum Bewusstsein &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In der Antike und im Mittelalter gab es noch keinen Begriff von Bewusstsein im heutigen Sinn. Platon spricht von Erkenntnis und Schein, Aristoteles von der Seele als Prinzip des Lebens. Erst Augustinus beschreibt im vierten und fünftem Jahrhundert nach Christus ein erstes Selbstgewahrsein: "Ich weiß, dass ich bin." In der Neuzeit verschiebt sich der Fokus. Im 17. Jahrhundert begründet Descartes Gewissheit durch Selbstbewusstsein: "Ich denke, also bin ich." Und John Locke führt das moderne&amp;nbsp;&lt;i&gt;consciousness&lt;/i&gt; als Wahrnehmung des eigenen Geistes ein. Kant spricht dann im 18 Jahrhundert von der &lt;i&gt;transzendentalen Apperzeption&lt;/i&gt;, die alle Vorstellungen begleiten muss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst Franz Brentano macht 1874 den entscheidenden Schritt: Bewusstsein ist kein Ding und keine Substanz, sondern ein Vollzug, ein gerichteter Akt. Damit ist das, was wir erleben, immer schon in einer Beziehung – zwischen einem Erlebenden und einem Erlebten. Diese Idee prägte u.a. die Phänomenologie Husserls, die Philosophie der Beziehungen von Merleau-Ponti und die Existenzphilosophie Sartres.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;Die scholastischen Wurzeln der Intentionalität&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Brentanos Gedanke fiel nicht vom Himmel. Der Ausdruck, den er in seiner &lt;i&gt;Psychologie vom empirischen Standpunkte&lt;/i&gt;&amp;nbsp;von 1874 aufgreift – "intentionalis inexistentia" – stammt aus der mittelalterlichen Scholastik. Schon im Mittelalter bezeichneten Thomas von Aquin und Duns Scotus mit "intentionalis inexistentia" das besondere Sein eines erkannten Gegenstandes im Geist des Erkennenden als ein "Im-Sein". Sie knüpften an Aristoteles’ Beobachtung in &lt;i&gt;De anima&lt;/i&gt; an, dass die Seele im Erkennen die Form des Gegenstandes ohne dessen Materie aufnehme. Das Erkannte ist also im Bewusstsein präsent, aber in einem anderen Seinsmodus als in der äußeren Welt – intentional, nicht realiter.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="64" data-start="0"&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote data-end="172" data-start="65"&gt;
&lt;p data-end="172" data-start="67"&gt;"Das Charakteristische aller psychischen Phänomene ist die intentionale Inexistenz eines Gegenstandes." (Psychologie vom empirischen Standpunkte, Bd. II, Kap. 1)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Inexistenz? Das lateinische&amp;nbsp;&lt;i&gt;inexistentia&lt;/i&gt; bedeutete im Mittelalter noch schlicht &lt;i&gt;Innewohnen&lt;/i&gt;&amp;nbsp;und noch nicht "Nicht-Existenz". Wenn Brentano also schreibt, jedes psychische Phänomen sei durch die "intentionale Inexistenz eines Gegenstandes" charakterisiert, meint er nicht, das Bewusstsein richte sich auf Nichtexistierendes, sondern: Der Gegenstand existiert im Bewusstsein – nicht als reales Ding, sondern als intentionaler Gehalt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit überträgt Brentano eine aristotelisch-scholastische Ontologie in eine empirisch-psychologische Sprache. Das Erkennen ist kein neutrales Registrieren äußerer Dinge, sondern ein innerer Vollzug, in dem etwas &lt;i&gt;als etwas&lt;/i&gt; erscheint.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Husserl wird später diese "Inexistenz" in das Begriffspaar &lt;i&gt;noesis–noema&lt;/i&gt; übersetzen und damit aus der mittelalterlichen Seelenlehre die Grundlage der modernen Bewusstseinsphänomenologie machen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;Das phänomenologische Argument&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;In der phänomenologischen Tradition ist Bewusstsein wesentlich intentional (also auf etwas bezogen). Selbst wenn wir "an nichts denken", sind wir uns doch dieser Leere bewusst. Wenn uns diese Leere nicht bewusst ist, sind wir einfach bewusstlos. Die Aussage "Ich bin mir bewusst, ohne dass mir irgendetwas im Bewusstsein ist" wäre widersprüchlich. Das Bewusstsein kann nicht leer sein, weil schon das Erleben der Leere ein Inhalt wäre (auch wenn es mir persönlich schwer fällt, mir "die Leere" vorzustellen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit wird der Unterschied zwischen Bewusstsein und der Fähigkeit zum Bewusstsein entscheidend. Ein anästhesierter Mensch mit funktionsfähigem Gehirn hat zweifellos die Fähigkeit, Bewusstsein hervorzubringen – aber solange dank Anästhesie nichts erlebt werden kann, ist diese Fähigkeit nicht aktualisiert.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Meditation als Übung in Intentionalität&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Wenn Meditationslehrer fordern, den Geist zu leeren und zugleich dazu raten, sich auf den Atem zu konzentrieren, ist das wie oben schon angedeutet, kein Widerspruch, sondern eine Methode: Der Atem dient als Übungsobjekt, um die Sprunghaftigkeit des Bewusstseins zu beruhigen. Erst wenn diese Konzentration stabil wird, kann sich die Trennung von Beobachter und Beobachtetem lockern. Was dann im besten Fall erfahren wird, wird als ein nicht-duales Gewahrsein beschrieben – kein Bewusstsein von etwas, sondern ein Feld, in dem Subjekt und Objekt zusammenfallen. Das ist für mich erst einmal sehr mysteriös.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Philosophisch, phänomenologisch könnte ich das so fassen: Es ist keine neue Erfahrung, sondern ein Wandel in der Struktur des Erlebens selbst. Das heißt: Der Inhalt bleibt (Atem, Geräusch, Körperempfindung), aber die Art, wie er erfahren wird, verändert sich – das "Ich", das ihn erlebt, scheint zu verschwinden.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das reine Bewusstsein im Advaita Vedānta &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In der indischen &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vedanta#Advaita-Vedanta" target="_blank"&gt;Advaita-Philosophie&lt;/a&gt; wird dieses Feld "cit" genannt – reines, selbstleuchtendes Bewusstsein. Selbstleuchtend meint hier: das Bewusstsein ist selbstgegeben, es braucht kein anderes Prinzip, das es sichtbar macht. Alles, was wir erfahren – Gedanken, Körper, Welt – sind demnach Modifikationen dieses Bewusstseins, wie Wellen auf einer stillen Fläche. Ob etwas erscheint oder nicht, ändert nichts daran, dass die Fläche selbst "spiegelt".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wird das, was die Phänomenologie vielleicht "Fähigkeit zum Bewusstsein" nennen würde, in der Advaita-Sicht ontologisch aufgewertet: Diese Fähigkeit ist bereits Bewusstsein, ja sogar das Sein selbst. Bewusstsein ist nicht eine Tätigkeit, sondern die Bedingung, dass überhaupt etwas erscheinen kann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn Advaita sagt, Bewusstsein "leuchtet immer schon", meint das genau diesen Umstand: Jedes Erscheinen – sinnlich, gedanklich, emotional – setzt ein Gewahrsein voraus. Wir können das Bewusstsein selbst nie als Objekt wahrnehmen, so wie wir Licht nie an sich sehen, sondern nur beleuchtete Dinge. Und doch ist jedes Sehen von Licht getragen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So manifestiert sich reines Bewusstsein nicht als ein weiteres mentales Ereignis, sondern als Manifestheit selbst – als die Tatsache, dass überhaupt etwas erscheint.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Anschluss an eine philosophische Lebenspraxis&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das reine Bewusstsein ist kein mentaler Zustand, kein inneres Leuchten und kein Objekt der Erfahrung. Es ist ein Name für etwas, das sich in jeder Erfahrung implizit zeigt, aber nie selbst zum Phänomen wird – so wie Licht nie sichtbar ist, ohne etwas zu beleuchten. &amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kann man es also erleben, zum Beispiel in der Meditation? Sicher nicht einfach so, aber es ist ein phantastischer Zustand, fast todesgleich, dem ich mich annähern kann, auch wenn ich ihn im Leben nicht erreiche. Wir kennen ja Zustände, die in diese Richtung gehen, etwa den Flow, den ich bspw. beim Sport erlebe: Hier reagiere ich nur noch "geistesgegenwärtig", automatisiert und wenig bewusst, aber durchaus "begeistert". Es gibt dann immer noch Dinge in meinem Bewusstsein, aber viel blasser und unschärfer, als wenn ich mich auf sie konzentriere. Man kann solche Zustände anstreben, im Kunstgenuss, beim Sport oder Yoga, beim Kreativsein, in der Meditation... überall dort, wo "man sich verlieren" kann.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Lebensphilosophisch ist das interessant, denn was wären wir, wenn wir nicht strebten? Beispielsweise streben wir in der praktischen Philosophie wie&amp;nbsp;auch im Yoga oder der Meditation weg vom Leid, hin um "Guten". In diesem Zusammenhang tritt noch ein anderer Aspekt der asketischen Praktiken hervor: das Streben zum Nichts, vom Leben zum Tod, weil hier die Vermeidung allen Leides angestrebt wird.&amp;nbsp;Vielleicht kann das "sich verlieren" auch eine Übung sein, dem Nichts, dem eigenen Tod anders zu begegnen, als in einer armseligen Pose des leidenden Festhaltens entgegen alle Notwendigkeit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erkenntnistheoretisch ist das "reine Bewusstsein" also&amp;nbsp; irgendwie eine Nullnummer, unter lebenspraktischen Gesichtspunkten, ist es eine durchaus philosophisch interessante, ausbaufähige und anstrebeswerte Idee.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/03/spiritualitaet.html"&gt;Was ist Spiritualität wirklich?&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/07/gehirn-zum-gehen.html"&gt;Dein Gehirn ist zum Gehen da&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/06/weisheiten-der-mystik.html"&gt;Weisheiten der Mystik in einer Welt der Vernunft&amp;nbsp;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/10/yoga-bewusstseinsphilosophie.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s72-c/mirror-field.jpg" width="72"/><thr:total>4</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6400540303078557734</guid><pubDate>Wed, 01 Oct 2025 12:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-10-07T17:50:20.613+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Schleimpilze, Menschen und andere Strukturen</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Emergenz und Intelligenz&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Technik-Optimisten benutzen den Schleimpilz – eine gehirnlose, einzellige Amöbe – als Metapher für die Tugenden der Künstlichen Intelligenz. Doch das ist – vielleicht gewollt – irreführend und ein tieferes Verständnis der Kraft des Schleims könnte uns zurückführen zur einzigartigen Fülle und Komplexität des Menschen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Essay von Eliane Glaser&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s640/slime-moulds.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="360" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s16000/slime-moulds.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Schleimige Quadratzentimeter im Deutschen Wald (G. Dietrich&amp;nbsp;CC BY-SA 4.0 &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode"&gt;CC BY-SA&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wissenschaftlich erstaunlich und kulturell inspirierend&lt;/h3&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Vielleicht haben Sie schon einmal einen Schleimpilz im Park oder auf einem Spaziergang über Land gesehen: ein geheimnisvoller, gelber Klumpen auf einem verrottenden Baumstamm oder Kuhfladen. Diese häufige Variante trägt den (reizenden) Namen Rührei-Schleim. Andere Arten sind skurril vielfältig und manchmal atemberaubend schön: Wie der &lt;a href="https://www.barrywebbimages.co.uk/Images/Macro/Slime-Moulds-Myxomycetes"&gt;Fotograf Barry Webb dokumentiert&lt;/a&gt; hat, können sie aussehen wie ein Büschel leuchtend gelber Trauben, himbeerfarbene Federboas oder irisierende blaue Lutscher.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schleimpilze sind in der Tat erstaunlich. Obwohl sie gehirnlos und einzellig sind, vermögen sie Dinge, die ausgesprochen clever wirken – etwa den schnellsten Weg durch ein Labyrinth zu finden. Im Jahr 2010 setzten Forscher in Japan einen Schleimpilz namens Physarum auf eine die Landkarte Tokios repräsentierende Petrischale und platzierten Haferflocken, seine Lieblingsnahrung, an den Stellen, wo sich die anderen Städte rund um Tokio befinden. Der Schleimpilz wuchs zu einem Netzwerk heran, das der tatsächlichen Bahnkarte erstaunlich ähnlich sah.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So primitiv der Schleimpilz auch ist, teilt er doch entscheidende strukturelle und funktionale Ähnlichkeiten mit menschlichen Zellen. Deshalb setzen ihn Mediziner ein, um Behandlungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Krankheiten zu erforschen, darunter Krebs, Parkinson, Alzheimer, Epilepsie und bipolare
 Störungen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;iframe allow="accelerometer; loop; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen="" float="middle" frameborder="0" height="360" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" src="https://www.youtube.com/embed/KJiTSsron0Q?si=UuvFRsnJi5eczFdu&amp;amp;autoplay=1&amp;amp;mute=1&amp;amp;loop=1&amp;amp;playlist=KJiTSsron0Q&amp;amp;controls=0" title="YouTube video player" width="640"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jonathan Chubb, Zellbiologe am University College London, führte mich durch sein Labor. Wir lebten im Zeitalter des Gens, erklärte er mir – jenes glänzenden Bauplans, der vorgibt, wie sich ein Organismus entwickelt, und der eine milliardenschwere Biotech-Industrie ermöglicht hat. Schleimpilze mögen im Vergleich bescheiden erscheinen, doch haben sie ihren wissenschaftlichen Reiz. Chubb lädt mich ein, durch ein Mikroskop zu schauen, wo winzige, auf Stielen thronende Wassertropfen zu sehen sind.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn Schleimpilze in der akademischen Biologie so etwas wie Außenseiter sind, erleben sie in der breiteren Kultur gerade ihren Moment. Sie inspirieren das Design von Robotern und Städten. Informatiker haben einen Algorithmus auf Basis von Schleimpilzen entwickelt, um die Verteilung von Dunkler Materie zu kartieren. Die NASA schickte in Zusammenarbeit mit 5000 Schülern einige Schleimpilze – von den Kindern liebevoll "the blob" getauft – zur Internationalen Raumstation, um die Effekte der Schwerelosigkeit zu studieren. Und auch für &lt;a href="https://heatherbarnett.co.uk/work/the-physarum-experiments/" target="_blank"&gt;Künstler wie Heather Barnett&lt;/a&gt; und Komponisten sind sie eine Quelle der Inspiration. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Schleimpilze sind nicht auf spektakuläre Weise intelligent. Sie finden ihren Weg durch ein Labyrinth, indem sie in spekulativer Manier in alle Richtungen Fühler ausstrecken. Diejenigen, die am Ende eines Gangs eine Haferflocke finden, senden ermutigende Signale zurück, die ein Feedbacksystem wechselseitiger Verstärkung schaffen. Sie verkörpern damit ein Konzept, das Emergenz genannt wird: ein Durcheinander lokaler Interaktionen am Boden, das in der Summe eindrucksvolle Ergebnisse hervorbringt. Statt Befehlen aus einer "Exekutive" (z.B. Gehirn) zu folgen, lösen sie Probleme ad hoc und dezentral, indem sie Lösungen aus einer Vielzahl unreflektierter Einheiten "crowdsourcen". Man denke an Starenschwärme und Fischschulen, an unterirdische Netzwerke von Pilzmyzelien, Ameisenkolonien und Bienenschwärme.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Metapher vom Schleim verschleiert Machtinteressen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;An sich sind Schleimpilze also wahrhaft außergewöhnlich. Doch an der zeitgenössischen Begeisterung für Emergenz als kulturelles Motiv ist auch etwas Beunruhigendes. Mächtige Organisationen nutzen Emergenz – und manchmal sogar den Schleimpilz selbst – als Metapher, um ihre Dominanz zu rechtfertigen. Wirtschafts-Kommentatoren im Silicon Valley und darüber hinaus ziehen explizite Parallelen zwischen ihren Industrien und dem Schleimpilz, vielleicht gerade weil er so sympathisch bescheiden wirkt. Manager von Alphabet verglichen die Bottom-up-Firmenstruktur mit dem Organismus und in internen Dokumenten kann man lesen, dass Google im Grunde ein Schleimpilz sei. Management-Gurus feiern den Schleimpilz als nachahmenswertes Paradigma: "In der Führung von Organisationen müssen wir lernen, Kontrolle abzugeben", schreibt ein Berater, "um Verhaltensweisen zu fördern, die Zusammenarbeit, Beteiligung und Selbstbestimmung stützen." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Emergenz scheint eine beruhigende Korrektur gegenüber monopolistischer Macht darzustellen – doch wie viel davon ist bloßes Feigenblatt? Und inwiefern taugt die Gegenüberstellung von Top-down und Bottom-up überhaupt als Modell, um unsere Welt zu verstehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schleimpilz, den Jonathan Chubb mir in seinem Labor zeigte, heißt Dictyostelium discoideum und wird von Wissenschaftlern liebevoll "Dicty" genannt. Wenn er hungrig wird, schließen sich zehntausende dieser Organismen zu einer "Schnecke" zusammen, die auf Nahrungssuche geht. Ist es Zeit zur Fortpflanzung, baut er sich zu einer pilzartigen Spore auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chubb zeigte mir einen Film von Dictys beeindruckendstem Trick – der Bildung dieser Spore. Die Zellen beginnen als chaotische, zappelnde Masse, doch nach einigen Stunden (der Film war beschleunigt) beginnen rotierende Spiralen aufzublühen. Chubb erklärte, was da geschieht: Die Zellen senden Signale in Form von zyklischem AMP aus, in einer Art La-Ola-Welle. Das AMP veranlasst andere Zellen, ebenfalls AMP zu bilden, und es bringt die Zellen dazu, sich zur Signalquelle hin zu bewegen. Wie schon beim Labyrinth entstehen dadurch Schleifen wechselseitiger Verstärkung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chubb habe sich den Schleimpilzen zugewandt, erzählte er mir, weil sie auf sehr schöne Weise zeigten, wie einfache Regeln Muster hervorbringen können, die nicht nur hochgradig strukturiert und geordnet, sondern auch wunderschön seien. Diese Muster – die man ebenso in den labyrinthartigen Zeichnungen eines Kugelfisches wie in Windrippeln im Sand findet – wurden schon &lt;a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.1952.0012" target="_blank"&gt;1952 von Alan Turing beschrieben&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Definition von Emergenz lautet, dass sich das Gesamtverhalten eines Systems nicht aus dem Verhalten seiner Einzelelemente vorhersagen lässt. Der Nobelpreisträger und Physiker Philip Anderson formulierte es 1972 prägnant: &lt;a href="https://www.tkm.kit.edu/downloads/TKM1_2011_more_is_different_PWA.pdf" target="_blank"&gt;More is different&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;Ein einzelner Star in einem Schwarm von Tausenden verhält sich wie ein Auto im dichten Verkehr: Er folgt dem Vogel vor ihm, hält dabei einen sicheren Abstand – doch gemeinsam erzeugen sie jene spektakulären, flirrenden Formationen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andere Beispiele emergenter Komplexität sind die "Nässigkeit" von Wasser – eine Eigenschaft, die über seine chemischen Bestandteile hinausgeht – oder die Supraleitung, die aus dem kollektiven Verhalten von Elektronen hervorgeht. Die Stadttheoretikerin Jane Jacobs erkannte Emergenz in der Bildung von Nachbarschaften, der Kognitionswissenschaftler Marvin Minsky in neuronalen Netzwerken. Als ich die Dicty-Zellen ihre Spiralen bilden sah, erinnerte mich das außerdem an die sozial ungünstigen Schneeballeffekte von Wohlstands- und Ressourcenanhäufung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Welt, die zunehmend krisenanfällig erscheint, ist es nützlicher denn je, die mathematischen Regeln hinter Tropenstürmen oder Finanzkrisen zu verstehen. Doch die Vorhersage dieser chaotischen, höhergeordneten Effekte bleibt eine Herausforderung. "Sobald man ein bestimmtes Komplexitätsniveau überschreitet", sagte Chubb, "werden viele Dinge kontraintuitiv." Er nahm das Beispiel eines Kreisverkehrs: "Wenn zwei Autos aus unterschiedlichen Richtungen kommen, ist das einfach. Aber sobald es drei oder vier sind, entstehen Verhaltensweisen, die man schlicht nicht mehr vorhersagen kann." Inmitten wachsender Komplexität wirken Schleimpilze geradezu verführerisch simpel.&lt;br /&gt;Emergenz und Evolution, Top-down vs. Bottom-up&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ist alles in der Welt ein Resultat von Emergenz?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Natur ist das Produkt der Evolution – eines emergenten Prozesses: zufällige Mutationen, spontane Begegnungen zwischen Organismen untereinander oder mit ihrer Umwelt. In diesem Sinn lässt sich die gesamte menschliche Zivilisation als emergent begreifen – einschließlich der autoritärsten Herrscher, die zwar imposant wirken, aber aus den Aufwallungen des Populismus hervorgehen. Karl Marx beschrieb Das Kapital als eine "Studie der Naturgeschichte". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch innerhalb dieser grundlegenden Realität, dass alles von unten herauf "emporblubbert", gibt es Phänomene in Natur und Gesellschaft, die stark nach Top-down aussehen. Jeder, der David-Attenborough-Dokumentationen gesehen hat, weiß: Löwen und Wale zeigen ausgeprägt hierarchisches Verhalten. Und in der Politik hat sich Macht, die früher stärker auf unabhängige Abgeordnete und autonome Gemeinderäte verteilt war, zunehmend in den Händen des Präsidenten, Kanzlers oder Premierministers konzentriert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt in Top-down und Bottom-up zu sortieren, kann erhellend sein. Solche binären Gegensätze wirken in einer Zeit besonders passend, in der die Kluft zwischen Tech-Titanen in Privatjets und Essenskurieren auf E-Bikes immer größer wird. Doch das Modell hat Grenzen. Oft ist schwer zu sagen, wo Bottom-up aufhört und Top-down beginnt, und vieles, was wie Bottom-up aussieht, enthält bei näherer Betrachtung Elemente des Top-down – und umgekehrt. Das Zusammenspiel von Zufall und Strategie findet sich überall. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man unterschiedliche menschliche Zellen in eine Petrischale setzt, erzählte mir Jonathan Chubb, wachsen sie zu Organoiden heran – rudimentären Versionen der Organe, zu denen sie bestimmt sind. Gehirnzellen entwickeln sich zu einer Art Gehirn, Lungenzellen zu einer Art primitiver Lunge. "Es gibt eine angeborene Tendenz, dass sich verschiedene Zellen spontan räumlich organisieren, ohne dass jemand ihnen sagt, was sie tun sollen", erklärte Chubb. Doch um ein echtes Organ entstehen zu lassen, "braucht es eine Art Koordinatensystem oder Top-down-Regulation". Die Dichotomie von Top und Bottom seien "nützliche Konzepte", meinte er, doch letztlich sei "der ganze Reichtum an Strukturen, den man in einem Tier findet, immer eine Mischung aus beidem". Selbst bei Schleimpilzen gelte das:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Wir neigen dazu, Dictyostelium als das emergenteste aller Systeme zu betrachten, aber auch hier erfordert die Bildung von Sporen ein gewisses Maß an aktiv bereitgestellten Top-down-Informationen." &lt;/blockquote&gt;David Krakauer, Präsident des Santa Fe Institute – einer multidisziplinären Universität in New Mexico, die sich der Erforschung von Komplexität widmet – stimmt zu. "Ich mag die Begriffe Bottom-up und Top-down nicht", sagte er, "ich bevorzuge lokal versus global." Er verweist auf das Beispiel eines Gehirns, das mit jedem Teil des Körpers verbunden ist, oder auch auf die repräsentative Demokratie: Beide verhalten sich eher wie ein Netzwerk, ein "Nabe-und-Speichen-Diagramm". In einer Demokratie ist der gewählte politische Führer die Nabe, die Bürger sind die Speichen. Und ohnehin sei es "komplizierter" als nur oben gegen unten, weil "wir Institutionen aufbauen, in denen wir Macht für eine bestimmte Zeit delegieren" – oder im Fall der Biologie: "Alle Zellen in deinem Körper haben zugestimmt, dass es sinnvoll ist, ein Gehirn zu haben." Sie können gewissermaßen sagen, "ich bin einverstanden, dass du entscheidest, wohin wir zum Abendessen gehen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Hinter Technologien wie Internet oder KI stehen mächtige Interessen &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Obwohl unvollkommen, merke ich, dass ich an der Top-down/Bottom-up-Dichotomie festhalte, weil sie es ermöglicht, zu formulieren, wie Monopole fälschlich Anspruch auf Graswurzel-Legitimität erheben. Die großen Tech-Konzerne sind hier die Hauptschuldigen: Insider beschreiben das Internet häufig als emergent und vergleichen es sogar mit Schleimpilzen (Physarum ist als "natürlicher Computer" bezeichnet worden). Inspiriert sind sie dabei teils von Stewart Brand und seinem Whole Earth Catalog, der das &lt;a href="https://fredturner.stanford.edu/books/counterculture-cyberculture-stewart-brand-whole-earth-network-and-rise-digital-utopianism" target="_blank"&gt;frühe Internet als ein egalitäres Gegenkultur-Netzwerk imaginierte&lt;/a&gt; – als Reaktion gegen Hierarchie und Autoritarismus. Analogien zwischen Schleimpilzen und KI, einschließlich Large Language Models (LLMs), gibt es zuhauf. Die Vorstellung, diese Technologien hätten sich quasi "natürlich" entwickelt, lenkt davon ab, dass sie auf höchst top-down-artige Weise konstruiert wurden – und dass die Früchte vor allem schon wohlhabenden Interessen zugutekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine weitere Komplikation besteht jedoch darin, dass Computer in bestimmten Hinsichten tatsächlich bottom-up lernen und operieren. Als in den 1940er- und 50er-Jahren erstmals neuronale Netze konzipiert wurden, waren sie, wie David Krakauer mir erklärte, "eher wie Ameisen oder Zellen": Forscher verbanden Computer so, als wären sie Nervenzellen im menschlichen Gehirn, und fragten: "Was könnten sie tun, wenn ich ihnen gar nicht so viel mitgebe, sondern sie einfach nur miteinander verdrahte?" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Roboter wurden noch nach dem Paradigma der top-down-humanoiden Intelligenz trainiert. Doch dann kam die Erkenntnis von Firmen wie DeepMind: Viel besser sei es, sie bottom-up zu bauen – nach dem Vorbild von Kleinkindern, jenen Amateur-Empirikern, die durch unzählige Mikro-Interaktionen mit ihrer Umwelt lernen. In meinem Fall hieß das etwa: ausprobieren, was passiert, wenn man sich eine gefrorene Erbse in die Nase steckt (Antwort: Pinzette). Forscher nutzen Schleimpilze inzwischen sogar, um neue Arten von Computern zu entwerfen, darunter beunruhigend klingende "lebende Geräte". Und die Struktur von Empfehlungsplattformen – "Wenn dir das gefällt, wirst du dies lieben" – ist selbst ein Muster wechselseitiger Verstärkung. Doch handelt es sich dabei wohl eher um ein Beispiel nicht für emergente Intelligenz, sondern für emergente Dummheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Bewusstsein und die emergente Dummheit der KI &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das Konzept der Emergenz und die Analogien zwischen Emergenz und Künstlicher Intelligenz stammen aus langwierigen Debatten über das Leib-Seele-Problem und die Frage des Bewusstseins: Wie entstehen Ideen aus Fleisch? "Es gab keine Theorie, die erklären konnte, wie ein physikalischer Mechanismus bewusste Zustände des Geistes hervorbringen könnte", sagte Krakauer. "Dann kamen die LLMs, und die Leute sagten: Jaha! Wir haben es geschafft – und siehe da, auch die funktionieren wie Klempnerarbeit." Was uns gefangen nimmt, so Krakauer, sei der Umstand, "dass man einfach all diese dummen, eigentlich unwissenden Teile zusammensetzen kann – und sie machen dann etwas, das ein Stück weit erstaunlich ist". Und genau deshalb sei die "Tech-Bro-Science-Miliz" so selbstzufrieden. Doch statt einen physischen Computer in einen intelligenten Geist zu verwandeln, hätten sie das Gegenteil getan: "Im Grunde haben sie den Geist in einen Körper verwandelt." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vergleich von KI mit weitgehend emergenten Schleimpilzen sei letztlich irreführend, sagte Krakauer, denn es sei überhaupt nicht bottom-up. Vielmehr seien "ungeheure Mengen an menschlichem Wissen – mehr Bibliotheken, als wir uns vorstellen können – in das Training dieser Systeme eingeflossen". Tatsächlich seien LLMs "das Gegenteil der Schleimpilz-Geschichte". Und es sei "befremdlich, dass wir uns haben einreden lassen, sie seien intelligent", wo sie in Wahrheit nicht intelligent, sondern lediglich wissend seien. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Als ich in der Schule war", erzählte Krakauer weiter, "gab es Leute, die mühelos Aufgaben lösten, ohne je ihre Hausaufgaben zu machen." Das sei "ziemlich nervig gewesen, während wir anderen fleißig paukten". Er vermute, "das Argument der Emergenz reimt sich mit dieser Vorstellung". Und er schließt: "Ich glaube, deshalb mögen wir Schleimpilze so sehr. Sie wirken so dumm, und dennoch können sie Erstaunliches leisten." Schleimpilze sind das Orchester ohne Dirigenten, das es trotzdem irgendwie schafft, eine Symphonie aufzuführen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Schleimpilze als menschliche Projektion&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Als ich mit Krakauer sprach, brachte er den Gedanken ins Spiel, dass die Berufung auf Emergenz in manchen Fällen bloß eine PR-Strategie sei – ein Versuch, einen Prozess bottom-up aussehen zu lassen, selbst wenn er es nicht ist. Diese Illusion ist auch in anderen Zusammenhängen wirksam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wikipedia zum Beispiel scheint ein perfektes Beispiel für emergentes Verhalten: eine Enzyklopädie, die durch die Beiträge zahlloser Freiwilliger entsteht. Doch in Wirklichkeit ist Wikipedia, wie Studien zeigten, in hohem Maße hierarchisch geprägt – von einer kleinen Gruppe Superuser, die den Löwenanteil des Inhalts bereitstellt und kontrolliert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch der Arabische Frühling wurde zunächst als bottom-up-Bewegung gefeiert: die Menschen in Tunesien, Ägypten, Syrien, die sich über soziale Medien organisierten. Doch die anfängliche Euphorie über spontane Graswurzelbewegungen wich bald der ernüchternden Erkenntnis, dass Machtvakuum und geopolitische Interessen die Entwicklung dominierten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Emergenz taucht oft als politisch aufgeladene Metapher auf. In einer Demokratie glauben wir gerne, sie sei bottom-up organisiert: die Stimmen einzelner Bürgerinnen und Bürger, die sich zu einer kollektiven Entscheidung verdichten. Doch ebenso oft ist das Gegenteil der Fall: Wahlkämpfe werden orchestriert, Meinungen manipuliert, Informationen gesteuert. Was wir für spontane Emergenz halten, kann ein top-down konstruiertes Narrativ sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich Krakauer fragte, was er persönlich an Schleimpilzen so faszinierend finde, klang er hin- und hergerissen. Einerseits halte er es für albern, von ihnen als intelligent zu sprechen – das sei schlicht eine falsche Projektion. Andererseits könne er sich ihrer Anziehungskraft nicht entziehen: "Es ist einfach unglaublich, wie diese Zellen zusammenfinden, ohne dass es einen Dirigenten gibt. Wie eine Sinfonie ohne Komponist." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er deutete an, dass wir uns in Schleimpilzen auch selbst gespiegelt sehen. Wir projizieren auf sie unsere eigenen Wünsche nach Ordnung, Schönheit und Gemeinschaft – so, wie wir es auf Sternenschwärme oder die Fraktale eines Farnblatts tun. In ihnen erkennen wir die Hoffnung, dass aus chaotischen Einzelteilen Harmonie entstehen kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Labor, vor dem Bildschirm mit dem beschleunigten Video, konnte auch ich mich diesem Sog nicht entziehen. Erst taumelte dort eine zappelnde Masse; dann begann sie, Wellen zu schlagen, Spiralen auszubilden, Muster zu tanzen. Es war, als schaute man in ein uraltes Gedächtnis der Natur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht, dachte ich, liegt die eigentliche Lektion des Schleimpilzes gar nicht darin, dass er wie wir ist – intelligent oder bewusst oder politisch. Sondern darin, dass er ganz anders ist. Dass die Welt mehr Orchester kennt, als wir uns vorstellen können – viele davon ohne Dirigenten. Und dass das Staunen, das wir empfinden, wenn wir den Schleimpilz betrachten, weniger etwas über ihn aussagt, als über uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Quellenvermerk:&lt;/b&gt;&amp;nbsp;Dieser Artikel basiert auf einem Essay von &lt;a href="https://engelsbergideas.com/author/eliane-glaser/" target="_blank"&gt;Eliane Glaser&lt;/a&gt;, der ursprünglich in Englisch auf &lt;a href="https://engelsbergideas.com/essays/slime-mould-versus-the-people/"&gt;Engelsberg Ideas&lt;/a&gt;
 erschienen ist.&lt;br /&gt;Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Dietrich und KI ins 
Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html"&gt;Im Fleisch der Welt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html"&gt;Moral für ein neues Mittelalter&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/03/monstren-der-moderne.html"&gt;Wir spüren die Monstren des Fortschritts im Nacken&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/10/schleimpilz-emergenz.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s72-c/slime-moulds.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1598699155521404113</guid><pubDate>Sun, 21 Sep 2025 19:08:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-11-13T15:31:11.937+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Aktenzeichen XY Ungeliebt</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein komisch-autokratischer Versuch, die Medien unter Kontrolle zu bringen&lt;/h2&gt;&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Zu wenig Lob für des Königs fragiles Ego&lt;/span&gt;&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;In den USA sehen wir gerade die historisch größten Zensurbemühungen gegen die freie Meinungsäußerung in den Medien. Ich konnte mir das bisher nicht vorstellen, in einem Land, in dem man sogar den Holocaust leugnen darf oder frei mit Hakenkreuzen und Runen um sich schmeißen kann, wenn man will.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Die Regierung setzt mithilfe&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;ihrer Behörden&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&amp;nbsp;Fernsehsender und Medienhäuser unter Druck, Comedians zu feuern, wenn sie sich über Trump lustig machen oder verklagt Zeitungen wie die New York Times oder das Wallstreet Journal, wenn sie unliebsame Fakten beispielsweise über Trump und seinen "long time buddy" Epstein veröffentlichen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Natürlich ist das furchtbar, denn selbst wenn das nicht erfolgreich ist, macht es immer Druck und Medien versuchen, diesem Druck durch vorauseilendem Gehorsam zu entgehen. Aber es ist auch echt komisch, denn wie bei allem, was diese Regierung macht, ist es stümperhaft, auf Grundschullevel. Denken wir an die unausgegorenen Zölle; an eine Mauer, die gebaut und von Mexiko bezahlt werden sollte oder an den Versuch, Trumps Freundschaft zum Sexualstraftäter Epstein zu vertuschen und sich dabei um Kopf und Kragen zu reden... das alles ist echtes Comedy-Gold.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn der König nicht gelobt wird, lobt er sich selbst&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Comedy Gold ist auch &lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;die Reaktion&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;&amp;nbsp;des republikanisch berufenen Richters&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;Steven Merryday&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&amp;nbsp;auf die Klage Trumps gegen die New York Times&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="662" data-start="173"&gt;Trumps Anwälte reichten eine Klageschrift ein, die eigentlich nur zwei schnöde Verleumdungsansprüche enthält. Zwei! Aber statt auf den Punkt zu kommen, mussten sie 85 Seiten mit allem füllen, was Trumps Ego schon immer einmal in amtliches Englisch gegossen sehen wollte: den "historischen Wahlsieg", seine "einzigartige Brillanz" im Umgang mit dem Zeitgeist, das Immobilienimperium von Papa, und natürlich die kulturelle Weltbedeutung der TV-Trump-Show&amp;nbsp;&lt;i data-end="659" data-start="643"&gt;The Apprentice&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="881" data-start="664"&gt;Merryday, der Bundesrichter in Florida, hat darauf so reagiert, wie ein genervter Lehrer, der einen 20-seitigen Aufsatz über "Was ich in den Sommerferien gemacht habe" lesen musste: Thema verfehlt, zu lang, Zeitverschwendung. Eine Klageschrift, so erinnerte der Richter, sei kein Wahlkampfauftritt, kein Kanal für Schmähkritik und Beschimpfungen oder&amp;nbsp;für ein lobhudelndes Selbstporträt in Überlänge.&amp;nbsp;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Der
 Leser müsse hier überflüssige und fragwürde Behauptungen ertragen und 
sich durch eine ermüdende Ansammlungen von vermeintlichen Beweisen 
arbeiten.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Eine amüsant zu lesende öffentliche Belehrung und Klatsche für Trump und seine Anwälte.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 data-end="1819" data-start="1452" style="text-align: left;"&gt;Richter beklagt blumige und ermüdende Detail&lt;i data-end="1817" data-start="1743"&gt;s&lt;/i&gt;&lt;/h3&gt;&lt;blockquote data-end="1040" data-start="883"&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p data-end="1450" data-start="1042"&gt;Trump wollte die ohnehin aussichtslose Klage offenbar nutzen, um die &lt;i data-end="1093" data-start="1077"&gt;New York Times&lt;/i&gt; zu verunglimpfen und sich gleichzeitig selbst als ein von ihr verkanntes kulturelles Phänomen zu inszenieren. Das Gericht machte kurzen Prozess mit der Selbstinszenierung: Abgewiesen! Und gerne noch einmal versuchen, wenn ernst gemeint, aber bitte kurz fassen.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1819" data-start="1452"&gt;Man kann fast Mitleid haben mit Trumps Anwälten. Statt nüchterne Fakten zur angeblichen Verleumdung vorzulegen, mussten sie offenbar eine Art Heldensaga abliefern – inklusive hymnischer Auflistungen von gemanagten Immobilien, Fernsehauftritten und der Familiengeschichte. Das Gericht kommentierte trocken: &lt;i data-end="1817" data-start="1743"&gt;Eine Klageschrift ist kein Megafon für politische Öffentlichkeitsarbeit. &lt;/i&gt;&lt;span data-end="1817" data-start="1743"&gt;Jetzt schreit Trump seine armen Anwälte wahrscheinlich auch noch hinter geschlossenen Türen an, weil die Klage abgewiesen wurde.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;Der unten zu lesende Beschluss des Gerichts liest sich wirklich wie eine Belehrung im Proseminar "Wie eine Klageschrift geschrieben wird"&amp;nbsp;vor dem ersten Staatsexamen. Nach Ansichten des Richters jedenfalls nicht mit "überreichlichen, blumigen und ermüdenden Details".&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;Das Ganze wäre so lustig, wenn es nicht so erschütternd wäre, dass der angeblich mächtigste Mann der Welt so ein fragiles Ego hat, dass er seine Anwälte zwingt, solch ein peinliches Geschwurbel zu verfassen. Und wer gern wie ich Rechtsprechung liest, der kann nun den gesamten übersetzten Beschluss unten oder sein &lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;Original hier&lt;/a&gt; lesen.&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;&lt;p data-end="317" data-start="220"&gt;&lt;b data-end="263" data-start="220"&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="317" data-start="220"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="263" data-start="220"&gt;VEREINIGTE STAATEN BUNDESBEZIRKSGERICHT&lt;/b&gt;&lt;br data-end="266" data-start="263" /&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="296" data-start="266"&gt;Middle District of Florida&lt;/b&gt;&lt;br data-end="299" data-start="296" /&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="317" data-start="299"&gt;Tampa Division&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="422" data-start="319"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;PRESIDENT DONALD J. TRUMP&lt;br data-end="347" data-start="344" /&gt;
gegen&lt;br data-end="355" data-start="352" /&gt;
NEW YORK TIMES COMPANY, eine Corporation aus New York, und andere&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="462" data-start="424"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="462" data-start="424"&gt;Aktenzeichen: 8:25-cv-2487-SDM-NHA&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;hr data-end="467" data-start="464" /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="482" data-start="469"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="482" data-start="469"&gt;BESCHLUSS&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1373" data-start="484"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Wie jedem Mitglied der Anwaltschaft vor jedem Bundesgericht bekannt ist (oder bekannt sein sollte), verlangt Regel 8(a) der &lt;i data-end="642" data-start="608"&gt;Federal Rules of Civil Procedure&lt;/i&gt;, dass eine Klageschrift (“complaint”) &lt;b data-end="832" data-start="681"&gt;„eine kurze und einfache Darstellung des Anspruchs [sein muss], aus der hervorgeht, dass der Kläger Anspruch auf Gewährung von Rechtsbehelfen hat.“&lt;/b&gt; Regel 8(e)(1) fügt hinzu, dass &lt;b data-end="944" data-start="864"&gt;„jede Behauptung in einer Klageschrift einfach, knapp und direkt sein soll.“&lt;/b&gt; Manche Klagen sind notwendigerweise länger als andere. Der Unterschied hängt wahrscheinlich ab von der Zahl der Parteien und Ansprüche, der Komplexität der zugrunde liegenden Tatsachen und der Dauer sowie dem Umfang der relevanten Ereignisse. Aber sowohl eine kürzere als auch eine längere Klageschrift müssen „einfache, knappe und direkte“ Behauptungen enthalten, die eine „kurze und einfache Darstellung des Anspruchs“ bieten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1663" data-start="1375"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Regel 8 gilt für jede Klageschrift vor einem Bundesgericht, unabhängig vom Streitwert, der Identität der Parteien, dem Ansehen oder der Erfahrung des Anwalts, der Dringlichkeit oder Wichtigkeit (real oder vermeintlich) des Rechtsstreits oder dem öffentlichen Interesse an der Streitfrage.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="2457" data-start="1665"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;In dieser Sache erhebt eine prominente amerikanische Persönlichkeit (vielleicht die prominenteste amerikanische Persönlichkeit) Vorwürfe der Verleumdung gegen einen ebenso prominenten amerikanischen Zeitungsverlag (vielleicht den prominentesten amerikanischen Verlag) und gegen mehrere weitere juristische und natürliche Personen. Obwohl nur zwei einfache Verleumdungsansprüche erhoben werden, umfasst die Klageschrift &lt;b data-end="2109" data-start="2084"&gt;fünfundachtzig Seiten&lt;/b&gt;. Anspruch I erscheint auf Seite achtzig, Anspruch II auf Seite dreiundachtzig. Seiten eins bis neunundsiebzig sowie ein Teil von Seite achtzig enthalten Behauptungen, die beiden Ansprüchen und allen Beklagten gemeinsam sind. Jeder Anspruch richtet sich gegen jeden Beklagten, und offenbar wird gegen jeden Beklagten dasselbe Rechtsmittel verlangt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3900" data-start="2459"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Selbst unter großzügigster und nachsichtigster Auslegung von Regel 8 ist die Klage entschieden unzulässig und untragbar. Der Kläger behauptet zunächst einen Wahlsieg von Präsident Trump „in historischer Weise“ — indem er den Gegner „vernichtete“ — und verweist auf „andauernde Einmischung in die Wahl durch die traditionellen Medien, hauptsächlich angeführt von der New York Times.“ Der Kläger spricht von den „glorreichen Tagen“ der Zeitung, beklagt jedoch, dass die Zeitung zu einem „vollen Sprachrohr der Demokratischen Partei“ geworden sei, was angeblich in der „verrückten Unterstützung“ des Hauptgegners von Präsident Trump bei der letzten Präsidentschaftswahl resultierte. Der Leser der Klageschrift muss sich durch Behauptungen wie „ein neuer journalistischer Tiefpunkt für die hoffnungslos kompromittierte und befleckte ‚Graue Dame‘“ arbeiten. Der Leser muss eine Behauptung ertragen, dass „die verzweifelte Notwendigkeit, mit einer parteiischen Lanze zu verleumden, statt mit einem authentisch aussehenden Spiegel zu berichten“ bestehe, und dass „die falsche Erzählung über ‚The Apprentice‘ nur die Spitze von des Beklagten schmelzenden Eisbergs von Falschheiten“ sei. Ebenso enthält die Klageschrift viele, oft sich wiederholende und lobpreisende, aber überflüssige Behauptungen: etwa „‚The Apprentice‘ habe das kulturelle Ausmaß von Präsident Trumps einzigartiger Brillanz repräsentiert, die den Zeitgeist unserer Zeit erfasste.“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="4656" data-start="3902"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Die Klageschrift führt weiter aus Behauptungen zur Verteidigung von Präsident Trumps Vater und dem Erwerb des Trump-Vermögens; mit einer ausgedehnten Auflistung der vielen Immobilien, die The Trump Organization besitzt, entwickelt oder verwaltet; einer Liste von Präsident Trumps vielen Büchern; einer langen Darstellung der Geschichte von &lt;i data-end="4258" data-start="4242"&gt;The Apprentice&lt;/i&gt;; einer umfangreichen Aufzählung seiner Medienauftritte; einer detaillierten Schilderung anderer Rechtsverfahren, sowohl von Präsident Trump angestrengt als auch gegen ihn geführt, einschließlich der Behauptung einer „Russland-Kollusions-Posse“ und Vorfällen mutmaßlicher „lawfare“ gegen Präsident Trump; und mit vielem mehr, beharrlich behauptet in überreichlichem, blumigem und ermüdendem Detail.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="5560" data-start="4658"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Selbst wenn jede Behauptung in der Klage wahr wäre (natürlich ist das Sache einer Jury und hier nicht relevant; dieser Beschluss macht keinerlei Aussage über die Wahrheit der Behauptungen oder die Gültigkeit der Ansprüche, sondern behandelt nur die Form der Darlegung der Behauptungen); selbst wenn der Kläger bei einem Prozess Beweise für jede Behauptung der Klage vorlegen würde und die Jury diese als Tatsachen akzeptieren würde; und selbst wenn der Kläger schließlich nach dem Schmelzen des angeblichen „Eisbergs von Falschheiten“ der Beklagten in jedem der in der Klage behaupteten Gründe obsiegt — selbst unter all diesen Annahmen — bleibt eine Klageschrift ein unzulässiger Ort für die ermüdende und belastende Ansammlung potentieller Beweise, für das Vorsetzen parteiischer Argumente oder für die ausgedehnte Wiedergabe und Erklärung rechtlicher Autoritäten, die angeblich den Anspruch stützen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="5919" data-start="5562"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Wie jeder Anwalt weiß (oder wissen sollte), ist eine Klageschrift kein öffentliches Forum für Schmähkritik und Beschimpfungen — kein geschütztes Podium, um gegen einen Gegner zu wettern. Eine Klageschrift ist kein Megafon für Öffentlichkeitsarbeit oder eine Kanzel einer politischen Kundgebung oder das funktionale Äquivalent der Hyde Park Speakers’ Corner.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="6702" data-start="5921"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Eine Klageschrift ist ein Mechanismus, um die Beklagten auf faire, präzise, direkte, nüchterne und wirtschaftliche Weise — in einer professionell zurückgenommenen Form, die der Würde des adversarischen Verfahrens vor einem Art-III-Gericht der Vereinigten Staaten entspricht — über die Natur und den Inhalt der Ansprüche zu informieren. Eine Klageschrift ist eine kurze, einfache, direkte Darlegung von Tatsachenbehauptungen, die hinreichend sind, um einen mit Anschein plausiblen Anspruch auf Rechtsbehelf darzulegen und die es ermöglichen, eine informierte Erwiderung zu formulieren. Obwohl Anwälte einen gewissen Spielraum in der Ausformulierung der Ansprüche für ihren Klienten haben, geht die Klageschrift in dieser Sache weit über die äußerste Grenze dieses Spielraums hinaus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="7099" data-start="6704"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Diese Klageschrift steht unmissverständlich und inakzeptabel im Widerspruch zu den Anforderungen von Regel 8. Die Klageschrift wird &lt;b data-end="6849" data-start="6836"&gt;verworfen&lt;/b&gt;, mit der Möglichkeit zur &lt;b data-end="6892" data-start="6875"&gt;Überarbeitung&lt;/b&gt; innerhalb von &lt;b data-end="6931" data-start="6907"&gt;achtundzwanzig Tagen&lt;/b&gt;. Die überarbeitete Klageschrift darf &lt;b data-end="6987" data-start="6969"&gt;vierzig Seiten&lt;/b&gt; nicht überschreiten, wobei nur das Kopfblatt (Titel), die Unterschrift und eventuelle Anhänge ausgenommen sind.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="7157" data-start="7101"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="7115" data-start="7101"&gt;Angeordnet&lt;/b&gt; in Tampa, Florida, am 19. September 2025.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p data-end="7157" data-start="7101"&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/09/aktenzeichen-xy-ungeliebt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item></channel></rss>