<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="no"?><rss xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:blogger="http://schemas.google.com/blogger/2008" xmlns:gd="http://schemas.google.com/g/2005" xmlns:georss="http://www.georss.org/georss" xmlns:openSearch="http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/" xmlns:thr="http://purl.org/syndication/thread/1.0" version="2.0"><channel><atom:id>tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504</atom:id><lastBuildDate>Tue, 14 Apr 2026 17:43:28 +0000</lastBuildDate><category>Philosophie</category><category>Psychologie</category><category>Menschheit</category><category>Glück</category><category>Fachliteratur</category><category>Arbeit</category><category>Gesellschaft</category><category>Eigenverantwortung</category><category>Gastbeitrag</category><category>Übungen</category><category>Technik</category><category>#Zukunft</category><category>Ästhetik</category><category>Motivation</category><category>Optimismus</category><category>Erfolg</category><category>Natur</category><category>Introvertiert</category><category>Populismus</category><category>Mut</category><category>Minimalismus</category><category>Gehirn</category><category>Coaching Ideen</category><category>Tod</category><category>In eigener Sache</category><category>Humor</category><category>Kreativität</category><category>Literatur</category><category>Melancholie</category><category>Definition</category><category>Feldmeier</category><category>Demokratie</category><category>Liebe</category><category>Sexualität</category><category>Links</category><category>Neurotizismus</category><category>Drogen</category><category>Redewendungen</category><category>Impostor</category><category>Leserfragen</category><title>Geist und Gegenwart</title><description>Erkenne dich selbst. Der Rest kommt (fast) von allein.</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/</link><managingEditor>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</managingEditor><generator>Blogger</generator><openSearch:totalResults>613</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><xhtml:meta content="noindex" name="robots" xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml"/><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5984434980143417698</guid><pubDate>Mon, 06 Apr 2026 13:28:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-04-07T17:28:45.033+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Kreativität</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Melancholie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Tod</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Abschiede, Wiedergeburten, innere Welten, äußere Welten</title><description>&lt;p style="text-align: right;"&gt;"Wherever there is coherence&lt;br /&gt;there is endurance."&lt;br /&gt;John Dewy&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Über Literatur, Musik und Spurenelemente&lt;/h2&gt;&lt;div&gt;Ostern und mein Kind fragt mit Schokoladenmund: "Wie ist es denn, wenn ich tot bin? Ich kann es mir nicht vorstellen." Ich frage zurück: "Wie war es denn, bevor du geboren warst?"&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="ytwTimelineItemViewModelContentItems"&gt;Vor wenigen Monaten habe ich eine obskure Anämie gepaart mit Mangel an essentiellen Vitaminen und Mineralien erst erkannt und dann überwunden. Zum Tod hat es also noch lange nicht gereicht. Ich konnte sich einschleichende, erst quälende und dann manifestierende Jahre damit überleben – schön war es nicht.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="ytwTimelineItemViewModelContentItems"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;iframe allow="autoplay" frameborder="no" height="300" scrolling="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/playlists/soundcloud%253Aplaylists%253A2197391495&amp;amp;color=%2314adce&amp;amp;auto_play=false&amp;amp;hide_related=false&amp;amp;show_comments=true&amp;amp;show_user=true&amp;amp;show_reposts=false&amp;amp;show_teaser=true&amp;amp;visual=true" width="100%"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;div style="color: #cccccc; font-family: Interstate, Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Lucida Sans, Garuda, Verdana, Tahoma, sans-serif; font-size: 10px; font-weight: 100; line-break: anywhere; overflow: hidden; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap; word-break: normal;"&gt;&lt;a href="https://soundcloud.com/gorillaz" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="Gorillaz"&gt;Gorillaz&lt;/a&gt; · &lt;a href="https://soundcloud.com/gorillaz/sets/the-mountain-442495695" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="The Mountain"&gt;The Mountain&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Das Lesen, habe ich kürzlich in einem Gespräch gehört, das Lesen ist eine ziemlich wichtige Praxis, um nicht schon zu sterben, während man doch noch lebt. Durchs Lesen bekommt man essentielle Nährstoffe für den Geist, auf die man nicht ohne Nebenwirkungen verzichten kann. Geschichten nähren unsere inneren Welten. Musikhören würde ich noch ergänzen. Klar kann man auch mit Instagramm und Tiktok und ohne Bücher überleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span class="css-1jxf684 r-bcqeeo r-1ttztb7 r-qvutc0 r-poiln3"&gt;Die Wirklichkeit zusammendenken&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Am 14. März starb Jürgen Habermas und am 25. März starb sein Freund Alexander Kluge. Zuletzt hatte ich&amp;nbsp;&lt;i&gt;Auch eine Geschichte der Philosophie&lt;/i&gt; (2019) von Habermas zu lesen begonnen. Eine schwierige Anmaßung, die ohne gründliche Kenntnis von Kant und Hegel zum Scheitern verurteilt ist. Aber solch eine Garantie kann einen Dilettanten nicht vom Versuch abhalten. Kants apriorische Voraussetzungen von Vernunft und Moral mit Hegel'scher geschichtlicher Entwicklung zusammenzudenken, verspricht nicht gerade ein intuitives Leseerlebnis. Letztlich verstehe ich seine Bemühungen, uns mit philosophisch entwickelter Vernunft und Moral bei Laune und Verstand zu halten:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"...so darf eine damit [mit dem Begriff einer kommunikativen Vernunft] ausgestattete Kritische Theorie durchaus das Erbe der religiös-metaphysischen Tradition antreten und dem Menschen zu einem umgreifenden Selbst- und Weltverhältnis verhelfen." (Axel Honneth: &lt;a href="https://www.soziopolis.de/juergen-habermas.html" target="_blank"&gt;Im unabgeschlossenen Dialog mit Adorno. Ein Nachruf auf Jürgen Habermas&lt;/a&gt;, 19.03.2026)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich weiß nicht – ganz individuell gedacht vielleicht... Egal: Hier gibt es eine &lt;a href="https://www.soziopolis.de/dossier/zum-tod-von-juergen-habermas.html" target="_blank"&gt;tolle Sammlung von exzellenten Nachrufen auf Habermas&lt;/a&gt; und hier &lt;a href="https://www.soziopolis.de/dossier/wie-erzaehlt-man-davon.html"&gt;ein Dossier zu Alexander Kluge&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span&gt;Der Wirklichkeit v&lt;/span&gt;&lt;span class="css-1jxf684 r-bcqeeo r-1ttztb7 r-qvutc0 r-poiln3"&gt;or-, ein- und nachspüren&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Alexander Kluge ist der Mensch, der mir oft in der Einsamkeit der Nacht in neugierig-beruhigtem Ton einiges an Trost und Sinn gespendet hat. In seinen &lt;a href="https://www.dctp.tv/"&gt;kurzen dctp Videos&lt;/a&gt;, den deutschen Privatsendern RTL, Sat.1 und VOX damals per Gesetz aufgezwungen, versuchte Kluge hartnäckig, noch die letzten verbliebenen Fernsehzuschauer zum Abschalten zu bewegen. Wenn ich kurz vor Mitternacht was von Kluge sah, z.B. &lt;a href="https://www.dctp.tv/filme/10-vor-11-28-06-2004" target="_blank"&gt;Die Quintessenz des Kosmos&lt;/a&gt; oder etwas über das &lt;a href="https://www.dctp.tv/filme/prime-time-13-05-2007" target="_blank"&gt;Duftgeflüster des Kohlweißlings&lt;/a&gt;, dann spürte ich, dass es auch morgen wieder einen Tag geben musste, einen neuen Anfang.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;"&lt;span&gt;Wahrheitssuche war eine Variable seines Erzählens, das sich der Unterscheidung von Fakten und Fiktionen entzog", heißt es &lt;a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/nachruf-auf-alexander-kluge-die-instabilitaet-der-welt-200675000.html" target="_blank"&gt;im Nachruf der FAZ&lt;/a&gt;. Diesen epistomologischen Scheinwiderspruch kennen wir auch von Werner Herzogs "&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Ekstatischer Wahrheit", vielleicht ein Ding von Autoren und Filmemachern, die letztlich aus ihren inneren Welten Figuren, Handlungen, Tatsachen herausimaginieren, erschaffen und in Buchstaben und Bildern, äußeren Welten, sichtbar machen. Hier hätte ich gern mal einem vielleicht sogar einmal stattgefundenen Gespräch zwischen Kluge und Habermas zu dieser Art der fantastischen Epistemologie gelauscht. Sollte man die Aufzeichnungen zu solch einem Gespräch nicht finden, so muss man sie vielleicht anfertigen. Vielleicht können wir dieses Gespräch jetzt nach dem fast gemeinsamen Ableben der beiden Freunde Jürgen und Alexander nachholen lassen... Ich melde mich an geeigneter Stelle zu geeigneter Zeit dazu zurück.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch zum Trost für die Verluste der letzten Monate erschien "The Mountain" von den Gorillaz. Das Album entstand, nachdem die beiden kreativen Köpfe der Band, Damon Albarn und Jamie Hewlett, kurz hintereinander ihre Väter verloren. Zusammen mit Musikern wie Anoushka Shankar, IDLES, Black Thought und Trueno verarbeiten die Gorillaz diese Verluste und nähern sich der Akzeptanz von Sterblichkeit und dem Finden von Hoffnung. Wenn man diese Feier des Nach-, Wieder-, Auflebens, die trotz allen eingestandenen Verlustes optimistisch bleibt, in einem Rutsch hört, kann man sich in tiefere Schichten seines Selbsts führen oder ganz auf der Oberfläche dieser Musik &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html"&gt;ins Stretching und ins Driften&lt;/a&gt; kommen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Reparaturbewegung des Selbst:&amp;nbsp;Innere Welten auffalten&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Auch Cormac McCarty hat mit "The Passenger" einen Abschied geschrieben, den ich gerade lese. Ein atemberaubender Abschied von Amerika, von der Moderne, von Liebe, vom Leben, vom Abenteuer, Risiko, von der Physik, der Schizophrenie und dem Selbstmord. Viel besser als sein dystopisches "The Road" – ein Roman wie ein Bad-Trip-Roadmovie, der uns in eine postapokalyptische Depression und Einsamkeit führt. "The Passenger" stellt der Einsamkeit immer wieder die Liebe in all ihrer Unmöglichkeit zur Seite. Ich bin in einer Lebensphase, in der ich so viel Zeit habe zu lesen, wie ich will. Es ist nicht immer leicht, weil es – anders als beim Scrolling – schwer erarbeitetes Dopamin ist. Aber im besten Fall faltet in mir innere Welten auf, von denen ich zuvor nichts ahnte. Die Geduld dazu muss ich erst wieder kultivieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ein nicht bloß reagierendes, sondern integrierendes Wesen, bin ich so wie du auf Bedeutungszusammenhänge angewiesen. Solche Zusammenhänge sind niemandem vorgegeben, sondern müssen hergestellt werden. Stress, Doom-Scrolling und Information-Overload führen bei mir – und wenn man John Dewy glauben kann, allen Menschen – zu einer Zersplitterung von Zusammenhängen und einer Fragmentierung der Zeit. Das ist das Gegenteil von Integration: Desintegration – Zerrüttung, Zerfall, Zerstörung.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;In &lt;a href="https://ia902908.us.archive.org/28/items/deweyjohnartasanexperience/DEWEY%20John,%20Art%20as%20an%20Experience%22.pdf" target="_blank"&gt;&lt;i&gt;Art as Experience&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;&amp;nbsp;(PDF-Link) argumentiert Dewey, dass eine ästhetische Erfahrung eine Erfahrung ist, die einen Bogen bildet: sie hat Spannung, Entwicklung, Erfüllung. Sie ist integriert. Sie bringt disparate Elemente unseres Erlebens in Zusammenhang. Ästhetische Erfahrung ist kein Eskapismus, sondern eine Reparaturbewegung des Selbst. Sie integriert Wahrnehmung, Emotion, Bedeutung und letztlich Handlung. Sie macht uns also nicht weltfern, sondern weltfähiger.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Wir brauchen innere Entfaltung nicht, um der Welt zu entkommen, sondern um der Welt gewachsen zu sein.&amp;nbsp;Es bleibt die lebensphilosophische Grundweisheit, dass ein Leben aktiv, kreativ, kontemplativ zum Tod geführt werden muss. Alles andere ist Vegetieren.&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/02/gehen-denken.html"&gt;Der Weg wird durch das Gehen geschaffen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/mann-uber-bord.html"&gt;Über Moderne, Mythos und Maschinen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/11/die-bandbreite-des-lebens.html"&gt;Die Bandbreite des Lebens wiederentdecken&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/04/wiedergeburten-innere-welten-auere.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2239073010274247515</guid><pubDate>Fri, 27 Mar 2026 14:05:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-29T17:38:43.339+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Von Kugelschreibern und Büroklammern</title><description>&lt;h1 data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;Zwei Anekdoten von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s640/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" imageanchor="1" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s16000/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Wer hat sie entdeckt?&amp;nbsp;(KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Die Entdeckung der Büroklammer&lt;/h3&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Auf die Frage eines Journalisten (&lt;a href="https://transcripts.cnn.com/show/sitroom/date/2026-03-23/segment/02"&gt;Link zum Transkript&lt;/a&gt;), wessen Idee es gewesen war, Agenten der Einwanderungs- und Zollbehöre ICE bei der Abfertigung und dem Check-in von Flugreisenden zu helfen, gab Trump folgende kleine Anekdote zur Antwort:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Meine. Das war meine Idee. Das war wie mit der Büroklammer. Kennen Sie die Geschichte von der Büroklammer? Vor 182 Jahren hat ein Mann die Büroklammer entdeckt. Es war so einfach, und jeder, der sie gesehen hat, hat gesagt: Warum bin ich nicht darauf gekommen? ICE war meine Idee.&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Faktencheck I&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Die Büroklammer wurde nicht "entdeckt", sondern entwickelt oder erfunden und das auch nicht vor genau 182 Jahren. Die längere &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCroklammer"&gt;Entwicklungsgeschichte kann man hier lesen&lt;/a&gt;. &lt;b&gt;Faktencheck II&lt;/b&gt;: Zur folgenden Anekdote bleibt festzuhalten, dass die Firma, die die dort beschriebenen Stifte herstellt, abstreitet, jemals mit Trump in diesem von ihm beschriebenen Austausch stand.&lt;/span&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Parabel vom Eintausend Dollar Kugelschreiber&lt;/h3&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283" style="text-align: left;"&gt;Im &lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=lHxuE0Qf7sg" target="_blank"&gt;Cabinet Meeting vom 26.4.2026&lt;/a&gt; rund um den irsinnig teuren Krieg im Iran weißt Trump auf die Geldverschwendung durch andere Politiker vor ihm hin. Zur Illustration gibt er (ab Minute 50) in einem ca. sechsminütigen Monolog folgende Anekdote zum Besten:&lt;/p&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283"&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="366" data-start="283"&gt;&lt;/p&gt;Also, wissen Sie, wir haben inkompetente Leute. Überall solche Leute. […] &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sehen Sie diesen Stift hier? Dieser Stift ist ein interessantes Beispiel, eigentlich genau dasselbe Prinzip. Dieser Stift ist sehr günstig, aber er schreibt gut. Ich mag ihn. Aber ich kann den Stift nicht so verwenden, wie er ursprünglich war. Sie wissen schon, was ich meine. Ich will ihnen nicht zu viel Werbung machen, aber sie behandeln mich gut – Sharpie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also, ich komme hierher, und sie haben tausende Stifte. Und Sie wissen ja, wie das ist: Man gibt Stifte weiter. Man unterschreibt etwas und reicht sie herum. Man gibt sie all diesen Leuten. Manchmal stehen da 30 oder 40 Personen. Und diese Stifte haben tausend Dollar pro Stück gekostet. Wunderschöne Stifte. Kugelschreiber. Tausend Dollar. Gold, Silber – großartig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ich gebe sie an Kinder weiter, die nicht einmal wissen … „Was ist das, Mama?“ Diese Kinder bekommen einen Stift für tausend Dollar und haben keine Ahnung, was das ist. Und ich – ich fühle mich dabei schlecht, weil ich mir denke: Wissen Sie, von Natur aus bin ich nicht so. Es ist ja Regierungsgeld. Ich liebe die Regierung – ökonomisch gesehen so, wie ich mich selbst liebe: Ich will Geld sparen. Also sage ich: Das ist verrückt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und es gab noch ein anderes Problem: Sie haben nicht gut geschrieben. Ich nehme also einen, unterschreibe ... keine Tinte. Und alle schauen mich an, und Sie denken: Mit Trump stimmt was nicht. Ich will unterschreiben ... keine Tinte im Stift, und das Ding kostet tausend Dollar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also rufe ich den Mann an und sage: „Ich würde gern Ihren Stift benutzen, aber ich kann keinen grauen Stift mit einem großen S darauf verwenden.“ Sharpie, während ich einen Billionen-Dollar-Vertrag für neue Flugzeuge unterschreibe – brandneue Kampfjets, brandneue B-2-Bomber, von denen wir gerade viele bestellt haben. Das kann ich vor der Presse nicht machen. Ich benutze Ihren Stift gern – er ist der beste –, aber so kann ich ihn nicht verwenden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich könnte es natürlich so machen wie Biden ... wissen Sie, jemand anderen unterschreiben lassen oder einen Autopen benutzen oder vielleicht in einem anderen Raum unterschreiben. Aber ich kann Ihren Stift so nicht benutzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er sagt: „Nun, ich könnte ihn schöner machen.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Was können Sie tun?“&lt;br /&gt; Er sagt: „Ich mache ihn schwarz.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Das ist gut. Und?“&lt;br /&gt; Er sagt: „Ich kann sogar das Weiße Haus darauf malen, Sir – in Gold, fast echtes Gold. Und ich könnte auch Ihre Unterschrift darauf setzen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und übrigens: Das war nicht inszeniert. Ich habe den Stift einfach gesehen und dachte, das ist ein gutes Beispiel dafür, wie 25 Millionen Dollar, die ich für das Gebäude der Federal Reserve ausgegeben hätte, besser eingesetzt wären als vier Milliarden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um die Geschichte zu Ende zu erzählen: Ich habe das jemandem erzählt, und der sagte: „Ja, aber das ist doch nicht dasselbe.“ Ich sagte: „Ja, Sie haben recht. Dieser hier ist besser. Er schreibt.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also sagt der Mann zu mir: „Sie müssen nichts bezahlen, Sir. Ich gebe Ihnen die Stifte umsonst.“&lt;br /&gt; Ich sage: „Nein, das will ich nicht. Lassen Sie mich bezahlen.“&lt;br /&gt; Er: „Nein, Sir, Sie müssen nicht zahlen. Sie sind der Präsident der Vereinigten Staaten.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er war völlig überrascht. Der Chef von Sharpie bekommt einen Anruf – ich weiß nicht einmal, wer das genau ist – und sagt: „Ist das wirklich der Präsident?“&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;blockquote&gt;Er sagt: „Nein, Sie müssen nicht zahlen, es ist eine Ehre.“&lt;br /&gt;Ich sage: „Nein. Ich will bezahlen.“&lt;br /&gt;Er sagt: „Was möchten Sie zahlen?“&lt;br /&gt; Ich sage: „Wie wäre es mit fünf Dollar pro Stift?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also gut, wir haben uns auf irgendetwas geeinigt, Peanuts im Vergleich zu tausend Dollar. Und das waren tausend Stifte, die wir vorher hatten, und wir haben sie verteilt. Bei Unterzeichnungen standen manchmal 30 oder 40 Leute hinter mir, und ich habe 40 Stifte ausgegeben. Dann sagte jemand: „Kann ich noch ein paar extra haben?“ Und ich so: „Hier, nimm fünf.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber der Punkt ist: Das sind bessere Stifte. Es ist eine Geschäftsgeschichte. Für fünf Dollar, es hätte sogar null sein können, bekomme ich einen viel besseren Stift als für tausend Dollar. Und ich kann sie verteilen und sie sind tatsächlich unglaublich beliebt. Also, was soll ich dazu noch sagen?&lt;/blockquote&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html"&gt;Hai oder Elektrischer Stuhl?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;p data-end="4496" data-start="4229"&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/von-kugelschreibern-und-buroklammern.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEga3j3ukcsf8Y5YcC54WkSY5eJ0vS6EtYRFmC0xHrKXoJ2YXfDDtKojnA1hYspXfapLBACMEXrr4aLVH8GRQeOZxjCs-oxAgTZ6lCTxXgfwbrVswqmStvutL0P4BYSyj1_LVZhhsU9zwWQEQZQxlwT_iVkIDGmcvI4OFiQ8dhqk90hQFqMp9sAjfzIJPzE/s72-c/ChatGPT-Mar-2026-trump-paper-clip.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-4406748545058071000</guid><pubDate>Mon, 16 Mar 2026 16:09:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-17T10:08:26.168+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Warum der Don jetzt Schuhe verteilt</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Mindestens eine Nummer zu groß&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Unsere Medien berichten professionell über die USA, über das White House und über den derzeitigen US Präsidenten, als ob man über das, was dort geschieht, professionell berichten könnte. Sie sagen Dinge wie, "der Präsident hat entschieden", "eine Pressemitteilung aus dem Weißen Haus lässt wissen" oder "Trump fordert von der NATO..." Klingt alles nach normaler Politik, nach "normal".&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Selbst über eine neue Merkwürdigkeit aus dem Weißen Haus berichtet das ZDF zwar leicht zwinkernd, aber immer noch, als sei es lediglich eine amüsante Randnotiz: &lt;a href="https://www.zdfheute.de/panorama/trump-schuhe-rubio-usa-minister-100.html"&gt;Donald Trump verteilt offenbar Schuhe im Kabinett&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s640/ne-nummer-zu-gross.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s16000/ne-nummer-zu-gross.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Eine Nummer zu groß für euch?&amp;nbsp;(KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Die eigentliche Nachricht ist, dass es dort eine Hofkultur gibt oder eine Machtstruktur wie in der Mafia und in Kartellen. In der Organisationssoziologie wird das oft als Patronage- oder Gabensystem beschrieben: Der Boss verteilt scheinbar großzügig Geschenke, die Loyalität und Hierarchie sichtbar machen. Die Macht wird nicht nur durch Befehle ausgeübt, sondern durch symbolische Gesten der Großzügigkeit, die gleichzeitig Unterordnung erzeugen.&lt;p&gt;In Trumps Kabinett erhalten "gestandene" Männer,&amp;nbsp;Politiker, Multimillionäre&amp;nbsp;wie der Vize Präsident J. D. Vance oder der Außenminister Marco Rubio nun diese merkwürdig klobigen Schuhe (Florsheim Dress Shoes) und tragen sie anschließend öffentlich. Der Preis liegt bei rund 150 Dollar. Es handelt sich also nicht um kostbare Staatsgeschenke, sondern vielmehr um eine billige aber bedeutungsvolle Geste. Kritiker sagen, die Schuhe sähen aus wie Schuhe von Chorknaben oder von Musikangen einer Blaskapelle.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Zu große Schuhe: Lektion über Macht, Patronage und Hierarchie&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Ein Präsident, der seinen Ministern Schuhe aufnötigt, bewegt sich in einer Sphäre der Machtpolitik, die man sonst eher aus vormodernen Hofgesellschaften oder der Mafia kennt. Dort sind Geschenke keine freundlichen Nebensächlichkeiten, sondern ein präzises Instrument der Macht. Wer schenkt, zeigt Großzügigkeit. Aber Großzügigkeit ist nie neutral. Sie markiert immer auch ein Gefälle und macht klar, wer hier wem etwas schuldet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der französische Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss hat in seinem Essay "Die Gabe" (&lt;i class="eujQNb" data-processed="true" data-sfc-cb=""&gt;Essai sur le don. Forme et raison de l'échange dans les sociétés archaïques&lt;/i&gt;, 1925)&amp;nbsp;darauf hingewiesen, dass Geschenke drei Verpflichtungen erzeugen: zu geben, zu empfangen und zu erwidern. Das Geschenk stiftet eine Beziehung. Und zwar selten eine Beziehung zwischen Gleichen.

Am Hof bedeutete das: Der König schenkt, der Höfling nimmt dankbar an. In diesem Moment wird sichtbar, wer oben und wer unten steht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor diesem Hintergrund wirkt Trumps neue Angewohnheit weniger exzentrisch als erstaunlich klassisch. Sie folgt einer sehr alten Logik der Patronage. Der Patron zeigt sich großzügig; die Gefolgsleute demonstrieren Loyalität, indem sie seine Gaben sichtbar tragen.

Dass es sich bei den Empfängern um erwachsene Männer handelt, die sich ihre Schuhe jederzeit selbst leisten könnten, macht die Sache nur noch interessanter. Ein Senator oder Minister, der ein Paar 150-Dollar-Schuhe annimmt wie ein dankbares Kind, illustriert eine subtile Verschiebung politischer Rollen: vom Amtsträger zum unmündigen Gefolgsmann.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn das Amt eine Nummer zu groß ist&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Man lehnt ein Geschenk des Chefs nicht ab. Man trägt es. Selbst dann, wenn die Schuhe vielleicht eine Nummer zu groß sind.

Und hier beginnt die Symbolik fast von selbst zu arbeiten. Zu große Schuhe sind im Englischen eine vertraute Metapher: &lt;i&gt;big shoes to fill&lt;/i&gt;. Schuhe, in die man erst hineinwachsen muss. Wenn Kabinettsmitglieder also in Schuhen auftreten, die ihnen nicht ganz passen, steht hinter der anatomischen Nichtpassung ein unfreiwilliges Bild politischer Anatomie.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Männer, die die Macht verwalten sollen, wirken plötzlich wie Jungen, die versuchen, in Rollen hineinzuwachsen, die größer sind als sie selbst.

Gerade darin liegt die eigentliche Raffinesse der Geste. Auf den ersten Blick erscheint sie großzügig, beinahe kameradschaftlich. Der Präsident sorgt sich um die Garderobe seiner Leute. Auf den zweiten Blick wird etwas anderes sichtbar: ein kleiner und dennoch plumper Machtakt. Ein Power-Move: Der Patron verteilt die Schuhe, in denen die anderen dann laufen müssen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Niccolò Machiavelli hätte daran vermutlich seine Freude gehabt. Denn Macht zeigt sich nicht nur in Gesetzen, Dekreten oder Drohungen. Sie zeigt sich auch in scheinbar beiläufigen Gesten, in den kleinen Ritualen, durch die eine Hierarchie öffentlich sichtbar wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am Ende ist es nicht nur ein Paar Schuhe, sondern eine alte politische Wahrheit: Wer die Gaben verteilt, bestimmt oft auch, wer in welchen Rollen durch die Welt geht.&amp;nbsp;Und irgendwo dazwischen verschwindet die Idee, dass gestandene Politiker doch auf eigenen Füßen stehen müssten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html"&gt;Fiesta oder Nostalgie&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/05/radikale-christen-und-sexsuchtige.html"&gt;Radikale Christen und sexsüchtige Superhelden&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/warum-der-don-jetzt-schuhe-verteilt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiRG07CkVyXcsjUv5GFwNvvLyBgib_4u2DIbSY3hXo5-MI4r5xYqQ95JSyfz8yfHxgmnNN5mhYzXYk0JtdKVxIQNXi3GQgq69TYJQRhGlbuScngbXzVZimlATiP4FF5GbLdCKjDFZUBtpzyX9EJl_wP36v30qxSOwbRqPytbV4RAVWuj8jT_l8HXKlT_aA/s72-c/ne-nummer-zu-gross.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6114123117433690323</guid><pubDate>Fri, 13 Mar 2026 13:12:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:23:30.634+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Hai oder Elektrischer Stuhl?</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s640/shark-trump-battery.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s16000/shark-trump-battery.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Lieber auf den Elektrischen Stuhl (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich war bei einer Bootsfirma in South Carolina. Ich fragte: "Wie läuft’s?" Der Inhaber meinte: "Es gibt ein Problem, Sir. Die wollen, dass wir nur noch Elektroboote bauen."&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Seine Boote sind etwa 5 bis 10 Metern lang, Fischerboote, Freizeitboote. Eine wirklich tolle Firma in South Carolina.&amp;nbsp;Der Mann macht das schon seit 50 Jahren. Er verkauft alle paar Monate Hunderte von Booten. Ein wirklich fantastischer Kerl. Und sie verwenden diese Mercury-Motoren und andere Heckmotoren, kein Problem. Die sollen jetzt alle abgeschafft werden. Sie sollen alle Boote elektrisch machen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;- Er sagte: "Das Problem ist, dass das Boot dann so schwer ist, dass es nicht schwimmt."&lt;br /&gt;- Ich sagte: "Das klingt nach einem Problem."&lt;br /&gt;- Er sagte: "Außerdem kann es wegen des Gewichts nicht schnell fahren. Man braucht einen Radius von 50 oder 70 Meilen. Man muss 70 Meilen rausfahren, bevor man das Boot richtig in Gang bringen kann, und bis dahin fährt man mit zwei Knoten."&lt;br /&gt;- Ich fragte: "Wie lange brauchen Sie, um da rauszukommen?“&lt;br /&gt;- "Viele Stunden, und dann darf man zehn Minuten lang herumfahren und muss dann zurückkommen, weil die Batterien nur sehr kurz halten."&lt;br /&gt;- Also sagte ich: "Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Was würde passieren, wenn das Boot aufgrund seines Gewichts sinkt und Sie im Boot sind und diese extrem leistungsstarke Batterie unter Wasser haben und sich etwa zehn Meter entfernt ein Hai befindet?“&lt;br /&gt;- Er sagte: "Diese Frage hat noch nie jemand gestellt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;Das muss an MIT liegen, an &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;meiner Verbindung zum MIT...&lt;/a&gt; Sehr klug.&amp;nbsp;Übrigens, in letzter Zeit gab es viele Haiangriffe. Ist Ihnen das auch aufgefallen? So viele Haie… Ich habe ein paar Typen im Fernsehen gesehen, die das gerechtfertigt haben. Die fanden das gar nicht so schlimm... "Die Haie haben der jungen Frau das Bein abgebissen, nicht weil sie hungrig waren, sondern es war ein Missverständnis.“ Diese Leute sind verrückt. Sie meinen, es gibt kein Haiproblem. Die haben wohl nicht verstanden, dass die junge Frau, die da geschwommen ist, schwer verletzt wurde. Und auch andere Leute wurden verletzt. Es gibt so viele Haiangriffe.&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Also fragte ich den Bootsmann: "Da ist ein Hai, so zehn Meter vom Elektroboot entfernt, zehn Meter oder so. Bekomme ich einen Stromschlag, wenn das Boot sinkt und Wasser über die Batterie läuft? Soll ich auf dem Boot bleiben und einen Stromschlag riskieren, oder springe ich ins Wasser zum Hai und kriege keinen Stromschlag?“ Ich sage euch, er wusste die Antwort nicht. Er sagte: "Diese Frage hat mir noch nie jemand gestellt."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich sagte: "Das ist doch aber eine gute Frage. Denn ich glaube, da fließt eine Menge Strom durchs Wasser." Aber wissen Sie, was ich tun würde, wenn ich die Wahl zwischen einem Hai oder einem Stromschlag hätte? Ich würde jederzeit den Stromschlag in Kauf wählen. Einem Hai komme nicht zu nahe.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html"&gt;KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/08/politrobotor-donald-trump.html"&gt;Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;div style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi5BDubGGL8sshnXpFgi2SctCDa7nppTDDPeH8gsjSA3agXiwa_zpSHLaDHCqplQjqDnBsgluAOX9iLM6OpoITD8xmlpoHrerX8Smn4TutoXbuHj7dPXZis-kBM9vQB3iqixJFETeIdmbXNVf3-JtgYYirlTVZuOLpqOQfjuM9jgellOlrrD8uOjCZKGR0/s72-c/shark-trump-battery.png" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-7253210511400504046</guid><pubDate>Mon, 02 Mar 2026 17:40:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:21:01.028+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>KI, mein Onkel am MIT und der Unabomber</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ich das erste Mal von Künstlicher Intelligenz hörte... wisst ihr, das ist nicht so 
mein Ding. Mein Onkel war zwar am MIT, einer der großen Professoren, 51 
Jahre lang, oder so. Er war der dienstälteste Professor in der 
Geschichte des MIT. Drei Abschlüsse in Nuklear, Chemie und Mathematik. 
Ein wirklich kluger Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kaczynski war einer seiner Studenten. Kennen Sie Kaczynski? [Auch bekannt als&amp;nbsp;&lt;b&gt;Unabomber&lt;/b&gt;, weil er Paketbomben an Universitäten und Fluggesellschaften (&lt;i&gt;&lt;b&gt;u&lt;/b&gt;niversities ’&lt;b&gt;n&lt;/b&gt;’ &lt;b&gt;a&lt;/b&gt;irlines&lt;/i&gt;)
 schickte und damit 3 Menschen tötete und viele weitere verletzte.] 
Zwischen einem Wahnsinnigen und einem Genie gibt es kaum einen 
Unterschied. Aber Kaczynski... ich fragte meinen Onkel: "Was für ein 
Student war er, Onkel John?“ Dr. John Trump.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er antwortete: "Was 
für ein Student? Ein wirklich guter. Er hat ständig alle um ihn herum 
korrigiert, jeden." Aber das lief dann nicht so gut für ihn. Nicht so 
gut. Aber so ist das Leben. Ich sage euch eins: Wir haben die klügsten 
Köpfe, wir haben die größte Macht, und wir werden noch mehr Elektrizität
 für Künstliche Intelligenz haben.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Donald J. Trump, 15. Juli 2025,&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.presidency.ucsb.edu/documents/remarks-the-inaugural-pennsylvania-energy-and-innovation-summit-pittsburgh-pennsylvania" target="_blank"&gt;Rede beim ersten Pennsylvania Energy and Innovation Summit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Faktencheck&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;Die
 Identität des Unabombers war zu Lebzeiten von John G. Trump unbekannt. 
Dr. Trump starb 1985. Ted Kaczynski wurde erst 1996 – elf Jahre nach Dr.
 Trumps Tod – als Unabomber identifiziert und verhaftet. Folglich konnte
 Dr. Trump nicht wissen, dass Kaczynski der Unabomber war, um ihn mit 
Donald Trump unter diesem Namen zu erwähnen. Ebenso wenig hätte Donald 
Trump einen Grund gehabt, seinen Onkel nach einem anonymen, noch nicht 
gefassten Flüchtigen zu fragen.&lt;/span&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html"&gt;Creedmoor: Bösartiger Stahl&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/03/hai-oder-elektrischer-stuhl.html"&gt;Hai oder Elektrischer Stuhl?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/08/politrobotor-donald-trump.html"&gt;Donald Trump ist ein Politroboter aus der Zukunft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;div style="margin-left: 40px; text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/03/mit-trump-unabomber.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2058033666114962385</guid><pubDate>Thu, 19 Feb 2026 15:53:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-26T11:03:07.366+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Fiesta oder Nostalgie</title><description>&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn der Kapitalismus gegen Nationalromantik gewinnt&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die vieldiskutierte Half Time Show des Super Bowls 2026 hat eine Sache auf den Punkt gebracht, die latent auch vorher zu beobachten war: Menschen vor die freie Wahl gestellt, mögen Spaß, sie wollen es bunt, sie wollen lieben, singen, tanzen, lachen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s640/fiesta-nostalgie.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s16000/fiesta-nostalgie.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Fiesta / Nostalgie: Together we are America (KI-generierte Illustration, erstellt 2026)&amp;nbsp;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;Dann gibt es Antagonisten, die so viel gute Laune gar nicht mit ansehen können. In dem Beispiel der Half Time Show war die eine Seite unter dem Motto "Together we are America"&amp;nbsp;repräsentiert durch den Spanisch singenen Superstar Bad Bunny und seine Abermillionen Fans in den USA und auf der ganzen Welt. Die andere Seite war repräsentiert durch den "Trumpismus". Seine Anhänger auf Fox News und anderen rechten Kanälen hatten schon früh genörgelt, was aus dem uramerikanischen Event geworden sei, dass man dort nun Spanisch sänge, das verstehe doch niemand und überhaupt alles dekadent und unamerikanisch.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Wie bereits faktisch falsch das ist – auf die falsch eingeschätzte Stimmungslage kommen wir gleich – sieht man bereits daran, dass auf den amerikanischen Kontinenten den maximal 380 Millionen englischsprechenden Muttersprachlern bis zu 500 Millionen spanischsprechende Muttersprachler entgegenstehen. Selbst in den USA leben ca. 68 Millionen Latinos, die von Hause aus oft Spanisch sprechen und sicher nichts gegen Spanisch sprechende Superstars haben.&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Exkurs Kapitalismus vs. Kulturkampf&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Vorweg: Der rechte Kulturkampf ist ein Minderheitenprojekt, das sich oft als Mehrheitsbewegung inszeniert. Warum haben sich die Veranstalter der Half Time Show diesem Kampf widersetzt und so erfolgreich gegen Trump durchgesetzt, während reihenweise Banken, Medien, Konzerne und sogar große Eliteuniversitäten vor Trump einknicken? Super Bowl ist noch "reiner" Kapitalismus mit globaler Stoßrichtung: &lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Die NFL treibt ihre Pläne zur Globalisierung weiter voran. Commissioner Roger Goodell hält sogar einen Super Bowl außerhalb der USA für möglich. [...] Nach London, Mexiko, Deutschland und Brasilien wird auch Spanien im kommenden Jahr Austragungsort eines Spiels sein. Auch Irland soll laut Roger Goodell bald zur International Series hinzustoßen." (&lt;a href="https://www.ran.de/sports/american-football/nfl/news/nfl-super-bowl-ausserhalb-der-usa-das-sagt-liga-boss-goodell-444537"&gt;ran.de&lt;/a&gt;, abgerufen am 19.2.2026)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Globaler Kapitalismus ist kulturell opportunistisch, der rechte Kulturkampf ist partikularistisch. Somit kann der&amp;nbsp;Trumpismus der NFL nicht helfen, sich zu internationalisieren. Die NFL hat ja aber auch sonst eine kommerzielle Aufgabe und ist keine Institution, die sich dem Kulturkampf verschreiben kann: Sie schaut, wie mit ihren Sport-Events das meiste Geld zu holen ist und da orientiert man sich offenbar nicht an zweitklassigen Musikern wie Kid Rock, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben, sondern man versucht die Musiker zu buchen, die die (Streaming-) Charts und den populären Diskurs bestimmen, Künstler wie Kendrick Lamar, Taylor Swift und eben Bad Bunny. Populäre Musiker ziehen Zuschauer an, wer hätte das gedacht?&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Bitte füttere deinen Hund!&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der Rechten in den USA wurde dieser kapitalistische Spaß, dieses Internationale offenbar einfach zu bunt. Wenn sich irgendwo jemand amüsiert, wenn jemand tanzt oder lacht, dann brauchen sie eine Alternativveranstaltung, wo sie sich Leid tun können.&amp;nbsp;Also hat die von Charlie Kirk gegründete und&amp;nbsp;von Trump unterstützte&amp;nbsp;rechtsextreme Jugendorganisation &lt;i&gt;Turning Point USA&lt;/i&gt; "The All American Halftime Show" produziert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hier wurde nicht nur nicht "ausländisch" gesungen, sondern hier konnte man sich auch in seinem Minderwertigkeitskomplex und seinem Verfolgungswahn selbst vergewissern. Als Beispiel Zeilen aus dem Song "(It ain't easy being) Country Nowadays" von Lee Bryce:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"I just want to fish. I want to drive my truck. I want to drink a beer. I want to feed my dog. Wear my boots. Cut my grass."&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bryce beschwert sich darüber, dass man heute nicht mal mehr in Ruhe angeln, Auto fahren, Bier trinken, den Rasen mähen, Stiefel tragen oder den Hund füttern kann. Die Zuschauer – die sich z.T. kurz vor dem Ausgetauschwerden sehen – werden mit dem Kopf nicken, &lt;i&gt;genau so ist es&lt;/i&gt;...&lt;i&gt;&amp;nbsp;die Sozialisten und Ökologen wollen uns alles verbieten...&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Der amerikanische Traum stirbt...&lt;/i&gt;&amp;nbsp;(so Gott will). So ähnlich, wie es auch bei uns durch Misinformation gelang, viele Leute in ständiger Angst vor dem Gasheizungsverbot, Verbrenneraus oder dem Impfzwang zu halten. Nichts von dem Quatsch passiert wirklich, aber man kann darüber twittern oder singen.&amp;nbsp;Der Comedian John Stewart sagte, bezugnehmend auf Bryce:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Sir, ich muss schon bitten: All das scheinen mir sehr erreichbare Ziele zu sein... Ich meine, du trägst ja deine Stiefel jetzt gerade! [...] Du bist so tapfer! Aber egal, wie schwierig das alles ist... Bitte füttere deinen Hund! Jeden Tag, Sir!" (von mir übersetzt nach:&amp;nbsp;&lt;a href="https://youtu.be/vfpQbv7CmeE?si=-OyLHedlX_1N_ykc&amp;amp;t=577" target="_blank"&gt;MAGA Rages Over Bad Bunny’s Spanish Halftime Show | The Daily Show&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wer ist drinnen und wer kuckt von draußen zu?&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Während rund 128 Millionen Menschen Bad Bunny in der Half Time Show live sahen und feierten, taten sich in der Alternativveranstaltung rund 6 Millionen Amerikaner selbst Leid und dachten, sie seien die wirklichen Amerikaner. Immerhin war es ja die "All American Halftime Show" mit US-Flaggen, währen Bad Bunny die offizielle Half Time Show dann wirklich zur "All American Halftime Show" machte, weil er nicht nur die USA, sondern alle anderen amerikanischen Länder einzeln würdigte und mit Tanz und Flaggen in der am meisten gesprochenen amerikanischen Sprache (Spanisch) feierte. Aber das ist gar nicht der gesellschaftlich so relevante Punkt. Der ist vielmehr, dass auch das US Publikum in überwältigender Mehrheit die internationale Fiesta der abgestandenen und rumheulenden Nostalgie vorzog, selbst oder gerade dann, wenn die Fiesta auf Spanisch statt fand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was das zeigt, ist der große Irrtum, dem die&amp;nbsp;misepetrigen Spaßverderber auf der rechten Seite&amp;nbsp;unterliegen, dass sie für irgend eine Mehrheit sprächen. Nein, sie sind es, die sich selbst aus der Party ausgesperrt haben und nun von draußen reinkucken und trotzig sagen: Dann machen wir eben unsere eigene Party. Solche Partys von Spielverderbern haben aber nur zu oft das Problem, dass da niemand hin will.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn man das auf der politischen Seite betrachtet, passiert dort genau dasselbe: Trump und sein Kabinett mit insgesamt 13 (!) Milliardären (sagt David Rothkopf, P&lt;span&gt;&lt;span&gt;olitical Affairs Analyst&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;) halten sich noch immer für die, die für das Volk sprechen bzw. sie spielen mehr oder weniger konsistent diese Karte. Aber selbst sie wissen es inzwischen besser, auch wenn sie die Umfrageergebnisse, die Trump und sein Kabinett als die historisch unbeliebteste Regierung zeigen, als "fake" von sich weisen. Das geht so lange gut, bis aus Umfragen Wahlen werden. Hier wird natürlich vorgesorgt, sodass es am besten nicht mehr zu freien Wahlen kommen kann. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Angst und autoritäre Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/12/schopenhauer-gemeinschaft.html"&gt;Schopenhauers gute Gemeinschaft&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/02/fiesta-oder-nostalgie.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh5Lb7TprczICEKhKbM7CIohwzLrz_f6y21jgNZmR7YO8JDJUmh2xCGFmImAwCqb-GSX7FQBm-0WgMG7PrtHIfr5ltseTOnxB4crFdCIhdBsXPFxpCXce_4oemXZ9B9kM5MUsDI-PsamVt9cBFBpaRZiIGARPhBUg8_HqSV1Z-wuk1IAQPt23nI2_Ltkjs/s72-c/fiesta-nostalgie.png" width="72"/><thr:total>3</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1584304946250931360</guid><pubDate>Thu, 05 Feb 2026 15:34:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-05T16:35:03.540+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Arbeit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Simone Weils radikales Zeitmodell</title><description>&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Warum das Leben in Phasen biologisch sinnvoll ist&lt;/h3&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Text von Sara Theimann&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s640/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s16000/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Simone Weil (Fotograf unbekannt, Public Domain)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Es war 1934, als die Philosophin Simone Weil eine Entscheidung traf, die ihre Zeitgenossen verstörte. Die brillante Intellektuelle, die an der Elite-Universität lehrte, verließ den Hörsaal – nicht für ein paar Wochen, sondern für ein ganzes Jahr. Sie nahm eine Stelle in einer Fabrik an. Nicht als Forscherin, nicht als Beobachterin. Sie arbeitete an der Stanze, am Fließband, mit blutenden Händen und erschöpftem Körper. Es sollte nicht das letzte Mal in ihrem Leben sein, dass sie als "Ungelernte" in der (Elekto-, Metall- und Auto-) Industrie arbeitete. "Warum tut sie das?" fragten ihre Kollegen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Die Antwort war radikal einfach: Weil echtes Verstehen keine Nebenbeschäftigung ist. Weil manche Erkenntnisse nur entstehen, wenn man sich vollständig in eine Erfahrung versenkt. Weil Leben in klar abgegrenzten Phasen funktioniert – nicht in endlosem Paralleljonglieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute, fast 90 Jahre später, versuchen wir das Gegenteil: Wir wollen alles gleichzeitig. Karriere UND Fitness UND soziales Leben UND Weiterbildung UND Beziehung UND Side-Projekt. Jeden Tag. Das ganze Jahr. Jahr für Jahr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch was, wenn genau das biologisch unnatürlich ist? Was, wenn Simone Weil uns mit ihrem radikalen Phasenmodell den Schlüssel zu einem nachhaltigeren Leben gegeben hat?&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Was sind Seasons und Lebensphasen?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Metapher der "Seasons" beschreibt, dass das Leben – genau wie die Natur – Zyklen von Wachstum, Ernte, Ruhe und Neuanfang durchläuft. Anders als ein Projekt, das mit Anfang, Ziel und Ende klar umrissen ist, ist eine Season, ein Zeitfenster von 6 bis 12 Wochen, in dem man sich auf ein oder zwei Projekte fokussiert. Eine Season folgt unserer Energie, unseren Zielen und Rhythmen und beginnt nicht unbedingt mit dem 1. Januar. Und eine "Season" kann jederzeit eintreten (z. B. eine "Season der Trauer" mit 20 Jahren), während eine "Lebensphase" meist an ein bestimmtes Alter gebunden ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So eine Lebensphase ist ein längerer Lebensabschnitt mit einem bestimmten Schwerpunkt. Die Lernphase nach der Schule. Die Aufbauphase im Beruf. Die Care-Phase mit kleinen Kindern. Oder, wie bei Simone Weil: die Fabrik-Phase, die Lehr-Phase, die spirituelle Phase.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der Mensch als Season-Tier – Was die Biologie sagt&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Chronobiologie zeigt: Wir sind nicht dafür gemacht, 365 Tage im Jahr mit derselben Intensität an allem zu arbeiten. Wir haben Rhythmen, in denen wir natürlicherweise gut funktionieren können.&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;1. Circadiane Rhythmen – Der 24-Stunden-Takt&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Dein Körper funktioniert in festen Tageszyklen. Hormone, Körpertemperatur, Aufmerksamkeit, Verdauung, Energieverfügbarkeit – alles schwankt systematisch über den Tag.&lt;a href="https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02643290701754158"&gt; Studien zur Chronobiologie&lt;/a&gt; zeigen, dass die meisten Menschen ihre kognitiven Leistungshochs am späten Vormittag und am Nachmittag haben, während die Aufmerksamkeit nachts und früh am Morgen ihre niedrigsten Werte erreicht. Planst du gegen diese Rhythmen, kämpfst du gegen deine eigene Biologie an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Statt 8 Stunden Dauerfokus zu erzwingen, können wir den Tag in Blöcken wie Fokusphase, soziale Phase und Regenerationsphase nutzen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;2. Saisonale Rhythmen – Der Jahres-Takt&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Auch wenn wir in beheizten Wohnungen leben: Dein Körper kennt die Jahreszeiten. Melatonin (Schlafhormon) und Serotonin (Stimmungshormon) werden durch Tageslicht moduliert. Im Winter sinkt die Energie, steigt das Risiko für saisonale Depressionen. Im Sommer ist der Körper auf Aktivität, Kontakt, Bewegung ausgerichtet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.0602425103"&gt;Forschung zu Seasonal Affective Disorder&lt;/a&gt; zeigt, dass Stimmungsschwankungen zwischen den Jahreszeiten eng mit circadianen Rhythmen zusammenhängen.&lt;a href="https://www.frontiersin.org/journals/endocrinology/articles/10.3389/fendo.2018.00481/full"&gt; Studien zu Seasonality und Mood&lt;/a&gt; belegen: Menschen zeigen saisonale Schwankungen in Stimmung, Energielevel, Schlafbedarf und sogar in der Genexpression ihrer inneren Uhr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das können wir uns zunutze machen und nach Jahreszeiten leben. Im Winter vielleicht lernen, mehr Innenarbeit und Reflexion. Im Sommer: Eröffnungen, Veröffentlichungen, soziale Projekte und andere sichtbare Outputs.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;3. Episodisches Zukunftsdenken – Wie dein Gehirn plant&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Wenn Menschen sich konkrete Zukunfts-Episoden vorstellen – also nicht "irgendwann mal fit sein", sondern "die 12-Wochen-Aufbau-Season im Frühling" –&lt;a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5675579/"&gt; treffen sie bessere Langzeitentscheidungen&lt;/a&gt;. Sie verschieben Belohnung leichter. Sie bleiben dran und haben letztlich eher Erfolg damit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum? Weil das Gehirn Geschichten liebt. Geschichten haben einen Anfang, eine Mitte, ein Ende. Ein endloser Tunnel hingegen triggert Stress, Aufschieben, Perfektionismus.&lt;a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2352154616302753"&gt; Forschung zu episodic future thinking&lt;/a&gt; zeigt: Die Fähigkeit, sich konkrete zukünftige Szenarien vorzustellen, verbessert Entscheidungsfindung, Emotionsregulation und sogar räumliche Navigation.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir könnten also unser Jahr statt in gleichförmigen Dauerlinien, in narrativen Kapitel mit klaren Wende- und Zielpunkten begreifen.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Dauerfokus auf alles ist unnatürlich&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die moderne Arbeitskultur fordert konstante Produktivität über 12 Monate. Aber dein Körper kann das nicht leisten. Vergleichen wir es mit der Landwirtschaft: Monokultur – also immer dieselbe Pflanze auf demselben Feld – laugt den Boden aus. Nach wenigen Jahren bricht der Ertrag ein. Fruchtwechsel und Brachezeiten erhalten die Fruchtbarkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ähnlich funktioniert unser Gehirn. Wenn du 365 Tage versuchst, an Karriere, Fitness, Beziehung, Lernen, Side-Projekt parallel auf 100 % zu performen, überlastest du deine "kognitive Ackerfläche". Neuroplastizität braucht Phasen der Intensität – aber auch Phasen der Regeneration und des Wechsels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch unsere Entscheidungsenergie und unser Arbeitsgedächtnis ist begrenzt. Menschen, die versuchen, in allen Lebensbereichen gleichzeitig Höchstleistung zu bringen, leiden häufiger unter chronischer Überforderung, Burnout und dem Gefühl, nirgendwo richtig anzukommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn wir also in einer "Season" einige wenige Prioritäten hochfahren und alles andere auf Maintenance setzen, ist das keine Faulheit, sondern biologisch intelligentes Ressourcenmanagement.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ernsthaftes Denken braucht inkarnierte Phasen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Zurück zu Simone Weil. Ihre Fabrik-Phase war kein Urlaub vom Denken. Sie war das Denken selbst. Sie lebte nicht "ein bisschen Fabrik nebenher". Sie war Arbeiterin. Komplett. Für eine ganze Season.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Erfahrung. Zwischen "Ich lese über Ungerechtigkeit" und "Ich fühle Ungerechtigkeit in meinen Händen, meinem Rücken, meiner Erschöpfung".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ernsthaftes Denken braucht Zeit. Aber vor allem: Es braucht Raum. Exklusiven Raum. Nicht 20 Minuten am Tag zwischen LinkedIn und E-Mails. Das gilt nicht nur für Philosophie, sondern für alles, das intensiv ist und irgendwie gut werden soll, wie z.B ein Buch schreiben, eine neue Fähigkeit meistern, eine Beziehung vertiefen oder sich körperlich heilen oder transformieren. Manche Dinge brauchen Phasen, in denen sie nicht nur gedacht, sondern gelebt werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit seiner Neuroplastizität bleibt unser Gehirn bis ins hohe Alter anpassungsfähig. Regelmäßige Projektwechsel – neue Inhalte, neue Rollen, neue Herausforderungen – halten kognitive Flexibilität, Kreativität und Problemlösefähigkeit lebendig. 40 Jahre immer dasselbe machen, lässt Lernkurven abflachen. Das Gehirn schaltet auf Autopilot. Es rostet nicht, wenn es alt wird – es rostet, wenn es aufhört, Neues zu lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7459956/"&gt;Studien zu "career adaptability"&lt;/a&gt;&amp;nbsp;zeigen, dass Menschen, die ihre Laufbahn aktiv umgestalten und sich neuen Rollen anpassen, beruflich erfolgreicher und widerstandsfähiger gegenüber Krisen bleiben. Wie wir aus der &lt;a href="https://www.mdpi.com/2071-1050/16/1/201"&gt;Job-Crafting-Forschung&lt;/a&gt; wissen, ist die Fähigkeit, Aufgaben, Beziehungen und Sinn im Job aktiv zu verändern, entscheidend für Motivation und Wohlbefinden. Das ist im Kern Phasen-Denken im Beruf. &lt;a href="https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2019.01029/full"&gt;Weitere Studien&lt;/a&gt; belegen: Career adaptability führt zu höherem Work Engagement und besserem psychologischen Wohlbefinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Leben aus aufeinanderfolgenden Projekten, Seasons und Phasen passt besser zu einer volatilen Wissensökonomie als ein starres 40-Jahre-Profil. Wer Rollen und Kontexte wechselt, baut schneller ein breites Skill-Set auf, bleibt näher an aktuellen Entwicklungen, versteht mehr Facetten einer Branche. Jeder Wechsel erweitert dein Netzwerk, deine Verhandlungsskills, deine Intuition für passende Umgebungen. Das steigert deine berufliche Optionsvielfalt – etwas, das ein einziger jahrzehntelanger Slot selten bietet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langjährige Tätigkeit in unveränderter Rolle erhöht das Risiko von Stagnationsgefühlen, Boreout, dem Erleben, "festzustecken". Phasen- und Projektlogik legt uns nahe, immer wieder bewusst neu zu entscheiden, was jetzt wichtig ist, was weg kann und was eventuell an neuem fehlt. Das unterstützt Autonomie, Selbstwirksamkeit, Sinnempfinden.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Gelebte Aufmerksamkeit statt Produktivitätstrick&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Letztlich müssen wir uns dann jede und jeder persönlich auch die Frage stellen, was eigentlich zur derzeitigen Phase im Gesamtleben mit Kindheit, Jugend und Älterwerden passt. In der zweiten Lebenshälfte geben uns oft Körperteile wie die Augen schon einen guten Hinweis: Kleingteiliges Handwerk, Konzentration auf Details in unseren Händen, mag nicht mehr zum fortgeschrittenen Alter mit seiner Altersweitsicht passen. Dagegen passen wir dann mit unserer Erfahrung und "Weitsicht" viel besser in die Rolle von zum Beispiel Dirigenten, Lehrern oder Trainern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Simone Weils radikale Praxis zeigt: Ernsthaftes Denken und Wirken braucht "inkarnierte Phasen" – Zeiten, in denen etwas nicht nur gedacht, sondern gelebt wird. Dieses Phasensystem ist kein Produktivitätstrick. Es ist eine Form von gelebter Aufmerksamkeit. Es ist die Entscheidung, dass manche Dinge nicht nebenher passieren können – weil einige es verdienen, für eine Zeit im Zentrum zu stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="https://mindshift-compass.de/perspektive/lebensphasen-des-menschen/"&gt;Hier geht es zu einer mit praktischen Strategien erweiterten Version dieses Textes &amp;gt;&amp;gt;&lt;br /&gt;&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Sara ist Gründerin von &lt;a href="http://Mindshift-Compass.de"&gt;https://mindshift-compass.de/&lt;/a&gt;, Autorin und Denkerin zwischen Biologie, Sinnfragen und innerer Ausrichtung. Sie verbindet analytisches Denken aus ihrem Biologie- und Bionikstudium mit ihrer Leidenschaft für Schreiben, Glauben und Persönlichkeitsentwicklung. In ihren Texten geht es um Mindset, Lebenssinn, innere Orientierung und die Frage, wie wir Richtung finden, wenn wir nach außen funktionieren, aber innen suchen. Mindshift Compass versteht sich nicht als typischer Ratgeber, sondern als Einladung zum Pespektivwechsel, Innehalten und bewusster Kursausrichtung.&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/02/simone-weils-radikales-zeitmodell.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjWPjW6WL1A-rnxA3HrhxY8PhIy8oX8kBvHGDfqXr97mukygfxEOWl8pX_myxnbgmzd-B5bxZ853Qby27gvnt1pOmDtxmOQOCk0E-rOU_3R-iSeCWKShJ6deeuXEM0DXR6odLkpwTMkhSI6khSJ-Je9iDnSGGFGEHHhT_ZPcQmkgETj9cNFwTEpCzZAwVU/s72-c/Simone_Weil_(1909-1943)_portrait.png" width="72"/><thr:total>6</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1066705165960780865</guid><pubDate>Wed, 28 Jan 2026 10:54:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-02-07T18:27:58.415+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Arbeit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><title>Arbeit und Lifestyle im liberalen Kapitalismus</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Arbeit und Zeit als Ausdruck persönlicher Freiheit&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Wieso sollte ich irgend jemandem anders als meiner Mama gegenüber rechtfertigen müssen, wie viel ich arbeiten will?&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Was geht euch mein Lifestyle an?&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der peinliche Reflex in der CDU und bei anderen Wirtschaftsliberalen, die Arbeitnehmerrechte zurück zu drehen, sobald die "Nachfrage" nach Arbeitnehmern abnimmt, war vorhersehbar. Durchgehen lassen kann man es ihnen aber dennoch nicht. Wer gerade noch bei seinen Arbeitnehmern um Verständnis für Kurzarbeit oder Mehrarbeit bat (und beides zeitgleich während der Pandemie), hat nun offenbar kein Verständnis für die jeweils ganz individuellen Herausforderungen jener Arbeitnehmer?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;OK, irgendwie verständlich, wenn auch hässlich, in einem Kapitalismus, der je nach sich verändernden Umständen kleine Margen jeweils flexibel managen muss. Mann vergisst da schnell, dass man es nicht nur mit "Ressourcen" zu tun hat, sondern mit Menschen. Der liberal und individualistisch sozialisierte Arbeitnehmer&amp;nbsp;fragt sich natürlich:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Darf ich in meinem einzigen Leben auf diesem Planeten nicht selbst entscheiden, wie viel ich arbeiten möchte oder kann?&lt;/i&gt; &lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;Kann es wirklich sein, dass ein Arbeitgeber, mit dem man mal vereinbart hat, 40 Stunden zu arbeiten, dann in ganz private Lebensplanung reinfunkt, wenn der Arbeitnehmer irgendwann weniger arbeiten möchte?&amp;nbsp;Und der Arbeitgeber oder der Staat können entscheiden, was triftige Gründe für sich ändernde Entscheidungen über individuelle Lebenszeit sind?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Also wenn ich Angehörige pflegen muss, ist das ok, aber wenn ich z.B. 12 Stunden in einer gemeinnützigen Tätigkeit arbeiten möchte oder neben der Arbeit Kunst produziere, dann sind das keine ausreichenden Gründe? Wer sagt denn das?&lt;/i&gt;&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wer sagt denn das?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), also der Wirtschaftsflügel der CDU stellt die Forderung nach Abschaffung des derzeitigen gesetzlich garantierten Anspruches auf Teilzeit infrage. All dem voran steht die Bundevorsitzende Gitta Connemann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Meine Frage wäre: Würde Connemann es sich gefallen lassen, wenn sich irgend jemand in ihr privates Zeitmanagement einmischte und ihr vorschriebe, wie viel sie zu arbeiten habe? Oder was ist mit anderen "Lifestyle-"Entscheidungen, die Einfluss auf die Gesellschaft haben? Wer fliegt Kurzstrecke? Wer fährt mit dem Auto zum Einkaufen? Wer kauft einen krummgezüchteten Hund mit zu kurzer Schnauze? All das sind Lifestyle-Entscheidungen, die Menschen treffen, ohne dass sie dafür gute Gründe haben oder sich gar rechtfertigen müssen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Connemann, die ansonsten überall "staatliche Regulierungswut" sieht, die die Eigenverangtwortung des Bürgers liebt, auch sonst Vertrauen in den 
Bürger fordert und gegen staatliche Vorgaben eintritt, fordert bei der "Lifestyle-Teilzeit" eine Begründungspflicht für eine private
 Lebensentscheidung und einen Staat, der definiert, was gute Gründe sind? Zu bequem!&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Fluchtpunkt Oligarchie&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Mir ist schon klar, dass der Sweet Spot für eine Arbeitgebervertreterin tatsächlich ein kompletter Liberalismus für Unternehmen und eine komplette Unterwerfung von Arbeitnehmern wäre. Das eben ist der Bruch in der gesamten liberalen Gesellschaftsphilosophie, den wir gerade sehen können und er geht soweit, dass sich viele Ultra-Reiche oder Arbeitgeber inzwischen nicht mehr an die Demokratie als Staatsform gebunden fühlen. Sie unterstützen nicht nur in den USA, sondern auch bei uns ohne Scham die Kräfte, die die Demokratie abschaffen möchten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie möchten eine Oligarchie, in der sie selbst die Gesetze machen und über Arbeitnehmer (soweit sie denn noch gebraucht werden) verfügen können, beziehungsweise sie möchten so viel wirtschaftlichen und sozialen Druck auf diese ausüben, dass sie "gefügig" werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich will nicht sagen, dass Connemann und Friends hier gleich zu Oligarchen werden. Aber es ist konsequent gedacht genau ihr Fluchtpunkt: Oligarchie, ein System, in dem eine kleine reiche Wirtschaftselite über die Rechte und Freiheiten der Bürger bestimmt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor allem will ich hier den Widerspruch zwischen den Ansprüchen der CDU, FDP und sonstigen Wirtschaftsliberalen an die Freiheit des Individuums und den Rückbau von staatlichen Eingriffen in individuelle und private Entscheidungen auf der einen Seite und die Entmündigung des individuellen Arbeitnehmers auf der anderen Seite aufzeigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was denn nun, liebe CDU? Wollt ihr die Liberalen für freie Bürger und einen Staat sein, der sich raushält oder wollt ihr den Staat, der in die privaten Entscheidungen seiner Bürger eingreift?&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/10/wuerde-im-alltag.html"&gt;Von der Würde im Alltag&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html"&gt;Entzündung oder Erleuchtung?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/09/das-bisschen-haushalt.html"&gt;Emma und das bisschen Haushalt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/arbeit-und-lifestyle.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>5</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-3290943644870650502</guid><pubDate>Tue, 20 Jan 2026 14:31:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-03-13T14:21:35.958+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Creedmoor: Bösartiger Stahl</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Eine Anekdote von Donald Trump&lt;/h1&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;(&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/p/anekdoten-von-donald-j-trump.html"&gt;Mehr Anekdoten? Ja. Und warum? Hier entlang &amp;gt;&amp;gt;&lt;/a&gt;)&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s640/creedmore.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s16000/creedmore.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Building&amp;nbsp; 40, Creedmoor Psychiatric Center (&lt;a href="https://www.flickr.com/photos/imjustwalkin/20849442359" target="_blank"&gt;Matt Green&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de" target="_blank"&gt;CC BY-NC-SA 2.0&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;Ich bin in Queens aufgewachsen. Wir hatten da so einen Ort namens Creedmoor. Creedmoor. Kannte das überhaupt jemand,&amp;nbsp;Creedmoor? Ein großes...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Ich sagte: "Mama, warum sind da Gitterstäbe an dem Gebäude?" Ich habe da früher in der Little League Baseball gespielt, in so einem Park namens Cunningham Park. Ich war echt ein guter Baseballspieler. Unglaublich, oder? Aber ich sagte zu meiner Mutter...&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und sie war immer für mich da. Sie sagte: "Mein Junge, du könntest Profi-Baseballspieler werden." Ich sagte: "Danke, Mama." Ich fragte: "Warum sind da Gitterstäbe an den Fenstern?"&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein riesiges, gewaltiges Gebäude. Es ragte über den Park. Wirklich. Sie sagte dann: "Die Leute in dem Gebäude sind sehr krank." Ich sagte...&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mann, ich habe immer zu diesem Gebäude hingeschaut, zu diesem riesigen, hohen Gebäude. Es ragte über den Park. Es war irgendwie ein ziemlich unheimlicher Ort, aber ich werde ihn nie vergessen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich weiß nicht, ob es noch da ist, weil die meisten Gebäude abgerissen wurden. Wisst ihr, die Demokraten in New York haben die Kliniken abgerissen, und jetzt leben die Leute auf der Straße. Deshalb gibt es jetzt auch in Kalifornien und anderswo so viele Obdachlose. Die psychiatrischen Anstalten wurden abgerissen. Die sind ja teuer.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber ich frage mich, warum hatte dieses Gebäude diese Gitterstäbe? Mann, das war doch nicht normal. Normalerweise schaute man aus dem Fenster, aber hier sah man nur Stahl. Bösartigen Stahl. Winzige Fenster, überall Gitterstäbe. Da kam niemand raus. Man nennt das eine psychiatrische Klinik.&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Donald J. Trump, 20. Januar 2026, &lt;a href="https://youtu.be/e5rvc9SJNJE?si=_Qe3KQnT_UOh9i-p&amp;amp;t=3106" target="_blank"&gt;Pressekonferenz zum Einjährigen Amstjubiläum&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/creedmoor-bosartiger-stahl.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEij8LC_8tUhU9Et27gEpr1Z26KaN0Hpacx8m9k96JCrAeYrwPZC3M86wpBS4E6vy6kAJqtJGjMWdA7kIBtItEx4gGymm7454fOPBOv0AQsJKwrERDySSfKvY8JFPK2Km7nclz2TFaF_wq0XDSiBQv6QoS51fsyGm_MZuzBEBLElBRMkUdAJ-OHOFMXNq_8/s72-c/creedmore.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5746493293810657229</guid><pubDate>Tue, 06 Jan 2026 15:13:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-01-06T16:26:05.079+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">In eigener Sache</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Entzündung oder Erleuchtung?</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Eine Kolumne über eine pandemische Autoimmunerkrankung des Zeitgeistes&lt;/h2&gt;&lt;p style="text-align: right;"&gt;Entzündet&lt;br /&gt;Aufgeregt. Heiter bis wolkig aufgewühlt.&lt;br /&gt;Wer oder was regt sich. Auf was hin?&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Manisch, händisch, handgreiflich.&lt;br /&gt;Ich wünscht', ich stünd' im Walde.&lt;br /&gt;Ganz still und stumm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s640/im-walde.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s16000/im-walde.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Im Walde, ganz still und stumm (Foto: G. Dietrich,&amp;nbsp;&lt;span class="alt-titles"&gt;&lt;span class="tool-identifier"&gt;&lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.en" target="_blank"&gt;CC BY 4.0&lt;/a&gt;)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Spüren Sie es auch? Seit ein paar Jahren schon? "Spätestens seit Corona" wie es immer heißt – in der Presseschau oder an der Kaffeemaschine. Alle sind doch tiereisch aufgeregt. Oder ist es eine private Einblidung, die bei mir durch zu viel Medienkonsum und X entstand? Sind eigentlich alle irgendwie beim Meditieren, ganz entspannt, in sich gekehrt, die Ruhe selbst und nur ich habe das Gefühl, alle seien ganz aufgewühlt, kurz vor Handgreiflich?&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;Tierisch aufgeregt... Das kenne ich aus BBC-Dokus (ganz unaufgeregt 
vorgetragen von David Attenborrough, der dieses Jahr 100 wird) und frage mich, ob es da Zusammenhänge gibt. Schließlich ist der Mensch, dieses Mängelwesen, nichts so richtig und so vieles nur halb. Zum Beispiel ein Fleischfresser, also halb. Und deswegen ein halbes Raubtier. Und dann eben auch ein halbes Fluchttier. Und Fluchttiere (auch halbe?) zeichnen sich dadurch aus, dass die ganze Herde oder wenigstens die halbe Herde&amp;nbsp;manisch aufgetrieben wird, wenn auch nur ein Tier in Panik gerät. It's a feature, not a bug!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wer von uns ist denn das erste Paniktier? Na egal und ich will auch nicht anfangen, aufzuzählen, was in der Politik, in den Sozialen Medien oder im Arbeitsleben alles schiefläuft und die Menschen in helle Aufregung versetzt. Neulich hat es meine Nachbarin aus dem anderen Hauseingang&amp;nbsp;(dann ihren Mann und dann mich) erwischt...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kam mit dem Auto nach Hause und sie befand sich mit ihrem auf der Zufahrt zu meinem Parkplatz, offenbar um zu wenden.&amp;nbsp;Wir erkennen uns als Nachbarn, ohne dass es darüber hinaus Kontakt gäbe. Ich&amp;nbsp;hielt an, setzte etwas zurück und winkte ihr freundlich zu, an mir vorbeizufahren. Irgend etwas stimmte mit ihr nicht, sie fuchtelte. Ich kurbelte die Scheibe runter, und rief rüber: "Ich warte hier, dann können Sie in Ruhe umdrehen." Sie schrie zurück "Setzen Sie mich nicht unter Druck!" Ich stieg aus (mein Fehler), trat an ihr Fenster (Fehler 2) und wollte klar stellen, "Keine Panik – lassen Sie sich Zeit... Kommen Sie an meinem Auto da vorbei oder soll ich wegfahren?" Sie schrie mich an, ich solle sie in Ruhe lassen, ihr Mann kam unterdessen aus dem Hauseingang und fing an, mich zu schubsen. In Nullkommanichts standen wir alle auf dem Bürgesteig und schrien im Dreieck. Niemand von uns dreien wusste, warum.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sowas meine ich. Ist doch irre! Anderes Beispiel: meine kurze Lunte zu Hause, wenn mein Sohn mich wieder mal ignoriert. Schreien bringt ja da eigentlich gar nichts, außer wenn das Ziel gewesen war, seine Meinung über mich als hilflosen Erwachsenen zu manifestieren.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Apropos manifestieren... Als ich im letzten&amp;nbsp;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/10/yoga-bewusstseinsphilosophie.html"&gt;Yoga-Retreat&lt;/a&gt; aufgefordert wurde, in der anstehenden Klangmeditation etwas zu manifestieren, war ich erst ratlos. Man solle irgend etwas loslassen, sagte die Oberyogi. Loslassen? Ich musste dabei an den morgendlichen Gang zur Toilette denken. Was sonst könnte ich noch loslassen? Diese Aufregung? Oder ist darunter Wut oder Angst? Also manifestierte ich, dass ich "jeglichen Agressionen oder Provokationen zukünftig mit Ruhe und Gelassenheit begegnen werde". Ich schriebs auf und murmelte es immer wieder vor mich her, bis ich in diese Trance hinübergleitete.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das ist jetzt 8 Wochen her. Bin ich ruhiger, gelassener? Nein, definitiv nicht, der Heiligabend in kleiner Familienrunde hatte es wieder gezeigt (ich werde schnell &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/12/enge-der-zeit.html"&gt;klaustrophobisch und gemein in räumlich und zeitlich engen Zusammenhängen&lt;/a&gt;). Dieses Manifest war also auch kein magischer Trick. Es ist wohl ein längerer Prozess der Selbstbeobachtung und Regulation, ein langer Weg und vielleicht auch schon ein Ziel. Ich muss zumindest immer an diesen guten Yoga-Vorsatz, diese Manifestation denken, wenn ich ausflippe. Ach ja, denke ich dann, du wolltest ja eigentlich nicht mehr ausflippen. Aber dann flippt Medwedew wieder&amp;nbsp;aus oder Trump sagt was hundsgemeines und schon ist der gute Vorsatz dahin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Leser und Autor, mit dem ich mir auch privat schreibe, meinte unlängst, dass die&amp;nbsp;&lt;span&gt;vielfältigen gesellschaftlichen Probleme und Dissonanzen "eine Spiegelung im täglichen Denken und Handeln eines jeden Menschen: in Egoismus und Gier, Verwirrung und Depression, in Beziehungs-Krisen und Lügen, in subtiler und offener Gewalt" fänden. Kann das sein? Sicher hat das alles Einfluss auf uns. Es ist im Extrem eben Agitation und Propaganda, die uns täglich erreichen. Sie erzeugen einen Handlungsdruck, der kein elegantes oder wenigstens produktives Ventil findet. Das sind Entzündungen. Wir geraten dann in eine Art überschießenden, aber lediglich performativ-symbolischen Überlebenskampf – eine Autoimmunerkrankung des Geistes, pandemisch gar.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt geben Sie mir bloß keine klugen Ratschläge! Eine Kollegin fragte mich neulich, ob ich nicht mal &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2014/03/ruhe-und-gelassenheit.html"&gt;die Stoiker&lt;/a&gt; lesen wollte, die Lektüre hätte ihr jedenfalls geholfen. Ich glaube, ich hab's mir nicht anmerken lassen, aber ich wäre fast explodiert. Die Stoiker! Vielleicht halte ich mich lieber an &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/11/wiedergeburt-pessimismus-buddhismus.html"&gt;Buddha&lt;/a&gt;, der mir immer vor allem damit imponiert, was er nicht sagt. Bei dem hätte meine Kollegin mit ihren Stoikern noch was lernen können. Ganz still und stumm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/05/wut-macht-uns-kaputt-aber-es-gibt-eine.html"&gt;Wut macht uns kaputt, aber es gibt eine Alternative&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/04/politik-der-emotionen.html"&gt;Gedanken über Gefühle: Gegen eine Politik der Emotionen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/06/reaktante-gesellschaft.html"&gt;Die reaktante Gesellschaft: Jetzt erst Recht!&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/07/helikoptermoral.html"&gt;Helikoptermoral: Wir sind alle so unfehlbar&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2026/01/entzundung-erleuchtung.html.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEieCJcJGzDMcVa8kYnJ-MQC-94tjIoTkMvZp-O0f-yBifZ7B6VAcXU1LMpbttS9VF63l6vO_cESd0iX7B223_pKOBXv8fd0l3_vLh4wWa9BcV-J80tjW71NTkVP6uXn6bfAZ_UD9oliqUeJsLGi0v4E_b2qrf5Id_sXBJOKIsQ7wackbrpFxrjOaQLDOBE/s72-c/im-walde.jpg" width="72"/><thr:total>14</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6274794684126469227</guid><pubDate>Tue, 23 Dec 2025 19:17:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-12-24T16:20:23.163+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Schopenhauers gute Gemeinschaft</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Gemeinschaft ist kein Sinnträger, sondern Nebenprodukt moralischer Erkenntnis&lt;/h2&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s640/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s16000/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-family: inherit;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Arthur Schopenhauer. Fotografie von Johann Schäfer (1855, Ausschnitt, gemeinfrei)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Einwanderer fressen eure Haustiere!&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Im Artikel &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html"&gt;Warum wir Grausamkeit wählen&lt;/a&gt;, haben wir gesehen, dass in vielen Menschen ein Bedürfnis nach autoritären Strukturen entsteht, sobald sie mit unklaren Ängsten konfrontiert sind. Und wir haben analysiert, wie sich gesellschaftliche Akteure wie die AFD oder die MAGA Bewegung in den USA diese Psychologie zunutze machen. Unklare Zukunftsängste werden oft unter Rückgriff auf die Fremden, die Anderen geschürt. Das ist natürlich billig und nutzt die mangelnde Bildung und die Heimatliebe der Bevölkerung aus. So war das schon immer – die eigene Gruppe schweißt sich zusammen und die Anderen werden werden dämonisiert. Daher sind auch die gegenwärtigen politischen und kulturellen Spannungen von kollektiven Affekten wie Nationalstolz, identitäre Loyalitäten oder dem Ruf nach Ordnung und Autorität geprägt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die These im Artikel war, dass es eine Kränkung vieler vormals Privilegierter gäbe, denen plötzlich auffällt, dass andere, vormals unsichtbare Menschen (Frauen, Zugezogene, Wessis, Migranten, Transsexuelle) ihnen gleichgestellt sind und ggf. sogar ihnen gegenüber privilegiert sind. Ihnen ist damit gewissermaßen die Selbstverständlichkeit genommen worden, auf sich, die eigenen Eltern oder Kinder stolz sein zu können. Statusangst und Unterlegenheitsgefühle kommen auf und die müssen möglichst korrigiert werden. Ein Leser wies in diesem Zusammenhang auf Arthur Schopenhauers&amp;nbsp;Kritik des Nationalstolzes hin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Schopenhauer und der Nationalstolz&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Schopenhauer analysiert den Nationalstolz in den Parerga und Paralipomena nicht als harmlose Identifikation, sondern als psychologisch kompensatorischen Affekt. Er bezeichnet ihn als den "wohlfeilsten Stolz", weil er dort auftritt, wo individuelle Gründe zur Selbstachtung fehlen. Stolz, so Schopenhauers implizite Prämisse, setzt persönliche Zurechenbarkeit voraus. Nationale Zugehörigkeit hingegen ist eine kontingente Eigenschaft qua Geburt und daher kein legitimes Objekt des Stolzes. Man kann ja nichts für den Ort der eigenen Geburt und hat auch nichts zur Historie der Nation beigetragen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauers Kritik ist also nicht gleich moralisch, sondern erst einmal begrifflich und erkenntnistheoretisch fundiert. Nationalstolz gründet in einer kategorialen Verwechslung: Eigenschaften, Leistungen und Tugenden werden vom Individuum auf ein Kollektiv verschoben und anschließend emotional und individuell wieder angeeignet. Doch mit dieser Verwechslung ist noch nicht Schluss, sie hat Folgen: der Nationalstolz unterläuft die individuelle Urteilskraft und ersetzt sie durch identifikatorische Loyalität. Jegliches Urteil über die Errungenschaften oder Verfehlungen der Gruppe wird suspendiert, weil es "meine Gruppe" ist.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Nationalstolz als kollektiver Affekt des Willens&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Im Hintergrund dieser Analyse steht Schopenhauers Metaphysik des Willens. Schopenhauer versteht den Willen als vor-rationale, blinde Grundkraft alles Lebendigen, die sich in Individuen, Trieben, Affekten und sozialen Formen objektiviert. Wo dieser Wille nicht durch Erkenntnis und individuelle Selbstreflexion gebrochen wird, sucht er Stabilität in äußeren Formen der Selbstbehauptung. Der Nationalstolz erscheint so als kollektive Objektivierung des Willens zur Selbstbehauptung. Was den Individuen an innerer Stabilität, geistiger Eigenständigkeit oder moralischer Exzellenz fehlt, wird durch Zugehörigkeit zur Gemeinschaft kompensiert. Der Wille findet Halt nicht in Moral, Einsicht oder Erkenntnis, sondern in Affektbindung, also der emotionalen Verknüpfung mit Personen oder Systemen, die Sicherheit und Zugehörigkeit vermittelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Struktur erklärt auch die aggressive Dimension kollektiver Identitäten. Wo Stolz nicht auf Leistung, sondern auf Abgrenzung beruht, schlägt er leicht in Feindseligkeit um. Nationalstolz ist daher für Schopenhauer nicht nur irrational, sondern (und hier wird's jetzt moralisch) potentiell konfliktträchtig und bringt Leid hervor. Er erzeugt Selbstwert durch Vergleich und benötigt das Außen als negatives Gegenbild. Die so aufgebauten Spannungen lassen sich gut in Agressionen gegen das vermeintlich Andere übersetzen. Das kann einem Philosophen nicht schmecken, dem die Vermeidung von Leid als höchste Moral gilt.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Der autoritäre Charakter als emotionale Konfiguration&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Diese schopenhauersche Analyse lässt sich also ganz produktiv mit der Theorie der autoritären Persönlichkeit verbinden. Autoritäre Dispositionen sind weniger durch konsistente Ideologien gekennzeichnet als durch stabile Affektmuster: Unterwürfigkeit gegenüber Autorität, Aggression gegenüber Abweichlern, Intoleranz gegenüber Ambiguität und ein starkes Bedürfnis nach Ordnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In schopenhauerscher Perspektive handelt es sich hierbei um eine spezifische Form der Willensobjektivierung. Der autoritäre Charakter externalisiert Selbstwert, Urteil und Verantwortung auf äußere Instanzen – Nation, Tradition, Führung. Autorität fungiert als Ersatz für Selbstreflexion. Das Subjekt entlastet sich von der Zumutung eigener Urteilskraft und gewinnt im Gegenzug emotionale Sicherheit.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die erkenntniskritische Dimension des Autoritarismus&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Autoritarismus ist nicht nur ein politisches oder moralisches Problem, sondern ein epistemisches. Autoritäre Affektordnungen gehen mit einer Abwehr offener Wahrheitssuche einher. Mehrdeutigkeit, Selbstkritik und revisionsoffene Erkenntnis werden als Bedrohung erlebt. An ihre Stelle treten Dogma, Konformität und Loyalität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauer würde sagen: Der Wille scheut Erkenntnis dort, wo sie desillusionierend wirkt. Wahrheit entzieht dem kollektiven Selbstbild seine affektive Stabilität. Der autoritäre Charakter schützt sich daher vor Erkenntnis, indem er sie durch identitäre Gewissheit ersetzt. In diesem Sinne ist Autoritarismus eine Form organisierter Selbsttäuschung.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Menschen brauchen gute Gemeinschaft&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html"&gt;Moral für ein neues Mittelalter&lt;/a&gt;&amp;nbsp;hatten wir Alasdair MacIntyres Kommiunitarismus als moralische Orientierung in unübersichtlichen Zeiten vorgestellt. MacIntyres Ansatz läuft also sehr auf kleine Gruppen und Identifikation in ihnen hinaus. Ein kurzer Vergleich Schopenhauers mit Alasdair MacIntyre bietet sich hier an. MacIntyre kritisiert zu Recht den liberalen Mythos des isolierten, traditionslosen Subjekts, den der westliche Kapitalismus uns stöndig vermittelt. Moralische Begriffe, so seine These, gewinnen ihren Sinn erst innerhalb sozialer Praktiken und historischer Traditionen. Gemeinschaft ist für ihn keine bloße emotionale Zugehörigkeit, sondern eine Bedingung praktischer Rationalität.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schopenhauer teilt die Skepsis gegenüber einem abstrakten Individualismus, zieht jedoch eine radikal andere Konsequenz. Wo MacIntyre in Traditionen Orte moralischer Orientierung sieht, erkennt Schopenhauer primär das Risiko epistemischer Abschottung. Gemeinschaftliche Sinnstiftung wird immer dort problematisch, wo sie affektiv internalisiert und nicht reflexiv durchdrungen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der autoritäre Charakter markiert jenes Problem gemeinschaftlicher Einbettung, das Ansätze wie der von MacIntyre konsequent unterschätzt: die Delegation von Urteilskraft an Tradition und Autorität. Gemeinschaft wird dann nicht Medium moralischer Bildung, sondern Instrument der Selbstentlastung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie wäre denn eine "gute Gemeinschaft" bei Schopenhauer möglich? Ganz klar nur unter dem Vorbehalt, dass sie nicht identitär, nicht sinnstiftend und nicht affektiv verschmolzen ist. Sie gründet nicht in Tradition oder Zugehörigkeit, sondern im Mitleid als individueller moralischer Einsicht und dient nicht der Selbstvergewisserung, sondern der Begrenzung von Leid. Eine moralische Gemeinschaft entsteht so nicht durch ein großes kollektives Wir, sondern durch Interaktion zwischen Ich und Du. Gemeinschaft ist kein Ort der Wahrheit, sondern eine fragile, stets verbesserungsbedürftige Praxis des gegenseitigen Schonens.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nationalstolz, Autoritätsbindung und kollektive Identität sind für Schopenhauer keine 
Quellen von Stärke, sondern Symptome eines anthropologischen Defizits: 
der Unfähigkeit, sich vom eigenen Willen zu distanzieren.&amp;nbsp;Folgerichtig sind für ihn Institutionen (Recht, Vertrag, staatliche Ordnung) notwendig zur Eindämmung des Willens. Kollektive&amp;nbsp;Affekte wie&amp;nbsp;Begeisterung, Nationalgefühl oder moralische Selbstfeier helfen da gar nichts. Gemeinschaft, könnte man mit Schopenhauer sagen, funktioniert dort am besten, wo sie kaum bemerkt wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Autoritarismus ist damit weniger ein politischer Ausnahmezustand als eine immer mögliche Versuchung menschlicher Selbstentlastung. Ihm zu begegnen bedeutet nicht nur institutionelle Sicherungen zu schaffen, sondern die Bedingungen individueller Vergeistigung zu stärken: Urteilskraft, Erkenntnisoffenheit und die Fähigkeit, Wahrheit auch dort auszuhalten, wo sie das eigene Selbstbild infrage stellt. Aber das grenzt ja fast schon an Weisheit.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Bei der Recherche zu diesem Artikel kam KI zum Einsatz. Die hier dargelegte Lesart stützt sich auf Schopenhauers Metaphysik des Willens und seine Ethik des Mitleids (WWV I–II; Über die Grundlage der Moral), ergänzt durch seine Kritik kollektiver Affekte und identitärer Selbstzuschreibungen in den Parerga und Paralipomena.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/05/radikale-christen-und-sexsuchtige.html"&gt;Radikale Christen und sexsüchtige Superhelden&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html"&gt;Im Fleisch der Welt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/12/schopenhauer-gemeinschaft.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhv0Ppjsu2pxesK2vNoHhbPPE-60t7Gkf0PsV4NBjMoeJmTkqtAFCnzIWJIUgnhCmvZ9R5mSuqld3g9UyLo6HDLJD3xGmYctufBev6OhrDArI-937RJExcOX1Bp1vx3At96YYOGu2dXDYzZADo-4zhjIC83nzV79jqKCSf0LcxbbjcaeSZQIJnLUXChFBQ/s72-c/Arthur_Schopenhauer_by_Sch%C3%A4fer_1859-640.jpg" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-3032387972440338704</guid><pubDate>Sat, 15 Nov 2025 13:15:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-11-15T14:15:18.583+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Kreativität</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Musica universalis: Echos in unseren Seelen</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Einst galt das Hören mehr als das Sehen&lt;/h1&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Text von&amp;nbsp;Derek Turner&lt;/h2&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das Auge hatte nicht immer Vorrang vor dem Ohr&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;"Am Anfang war das Wort" – doch Äonen vor diesem uralten Imperativ gab es andere lautliche Gebote, tief in uns selbst, grollend in den Schluchten der Erde und widerhallend durch das Universum. Unser Zeitalter des Auges unterschätzt das Ohr, dabei können Schallwellen uns tiefer bewegen als die eindrucksvollsten Anblicke. Selbst "Stille" ist ein Klang, den wir mit unseren eigenen Bedeutungen füllen.&lt;/p&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s640/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="428" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s16000/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Marguerite Humeau:&amp;nbsp;The Opera of Prehistoric Creatures (&lt;a href="https://www.flickr.com/photos/dalbera/49534608812" target="_blank"&gt;Jean-Pierre Dalbéra&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank"&gt;CC BY 2.0&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die heutige Technologie erlaubt ein immer präziseres Lauschen auf Geräusche, die sich früher jeder Analyse entzogen. Hochsensible Mikrofone werden in die Eingeweide der Erde eingeführt und in die lichtlosen Tiefen der Ozeane hinabgelassen, während gespannte Antennen und aufgesperrte Parabolschüsseln auf Botschaften aus dem All warten. Wissenschaftler erforschen den "singenden Sand" an Stränden und in Wüsten – jene Klagen und Pfeiflaute, die entstehen, wenn Silikatkörner bei bestimmten Frequenzen aneinander reiben – ebenso wie die rätselhaften "Brummtöne", die viele Menschen von New Mexico bis Schottland wie ein kollektives Tinnitus vernehmen wollen. Toningenieure experimentieren mit immer erfinderischeren Geräuscheffekten; Volkskundler sammeln irische Klagelieder und Lieder, die von den Rufen der Zikaden inspiriert sind; und Nostalgiker verabschieden sich von den Nebelhörnern an den Küsten, deren unendlich suggestives, vom Dunst gedämpftes Stöhnen durch GPS überflüssig geworden ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Künstler antworten mit Klanglandschaften, die, so originell sie auch sind, zugleich an die pythagoreische Idee einer "Musik der Sphären" anknüpfen. Die isländische Sängerin Björk hat Musik aufgenommen, die auf Kymatik basiert – jenen Mustern, die entstehen, wenn Staub durch Schall in Bewegung gerät – eine Wiederaufnahme von Experimenten, die bereits Galileo und Robert Hooke durchführten. Der dänische Künstler Jacob Kirkegaard zeichnet die molochartigen Dröhngeräusche von Krematorien auf sowie das präzise Schneiden und Knacken chirurgischer Eingriffe. Auf Svalbard in Norwegen will das Projekt Global Music Vault akustische Archive für die Ewigkeit bewahren, indem Aufnahmen auf Glasplatten übertragen werden, die weniger anfällig für Feuer, Flut oder Strahlung sind. Andere wiederum versuchen, nie gehörte Klänge zu beschwören, wie die Künstlerin Marguerite Humeau, die die Stimmapparate ausgestorbener Tiere rekonstruiert. Ergriffen fragen Michaela Vieser und Isaac Yuen: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Was wurde gesprochen im letzten Ruf des letzten Mammuts, der über ein Reich aus Tannen und wirbelndem Schnee hallte? Trompetete es vergebens – in Hoffnung auf eine Antwort, die niemals kommen würde?" (&lt;i&gt;The Sound Atlas: A Guide to Strange Sounds Across Landscapes and Imagination, &lt;/i&gt;Michaela Vieser and Isaac Yuen, Reaktion, 2025)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Akustische Abwasser, dröhnender Fortschritt &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Ironischerweise drohen viele dieser neu entdeckten Geräusche im Lärm des Anthropozäns zu ertrinken, während wir den Planeten mit dem dröhnenden Getöse des "Fortschritts" füllen – Bohren, Motoren, Industrie, kakophonische Kultur und geschwätzige soziale Medien. Dieses akustische Abwasser verstopft die lebenswichtigen Kommunikationskanäle der Tierwelt – die Rufe der Vögel nach ihren Partnern, die Gedächtniskarten der Wale vom Meeresgrund, die Echo-Ortungen der Fledermäuse bei der Jagd nach Motten (und die Abwehr-Klicks mancher Motten, die so ihrem Fressfeind entgehen). Selbst das Knacken und Stöhnen des Eises droht zu verstummen, während sich die wahre Kälte immer weiter zurückzieht. Auch wir selbst leiden unter dem Ansturm unseres eigenen Lärms – an Schlafmangel, kognitiver Überforderung und Bluthochdruck. Die Autoren Vieser und Yuen plädieren für eine allzu selten bedachte Form der stilleren Ökologie, in der essentielle Klänge wieder einen Sendekanal erhalten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die&amp;nbsp;&lt;span&gt;Bergnymphe&amp;nbsp;&lt;/span&gt;Echo wurde in der alten Sage zu Stein, nachdem Narziss sie verschmäht hatte, und wiederholt seither unsere Silben in ewiger Sehnsucht. Der universale Ur-Klang ist unvorstellbar alt – statisches Rauschen aus Lichtjahren Entfernung und Milliarden Jahren Vergangenheit, unaufhörlich strömend aus Schwarzen Löchern und Supernovas. Wir kennen diese Geräusche dank der Sonifikation, dem Verfahren, bei dem Daten aus anderen Quellen (etwa Röntgenstrahlen oder Gravitationsfeldern) in Klangspuren übersetzt werden – ein ebenso künstlerisch einfallsreicher wie wissenschaftlich erhellender Prozess. Ganz im Sinne Pythagoras gibt es zwar keine eigentliche "Musik der Sphären", doch existieren Entsprechungen zwischen planetarischen Umläufen und die großen galaktischen "Tänze", die sich als Harmonien notieren lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Antiker Wind um die Ohren&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das Auge hatte nicht immer Vorrang vor dem Ohr. "Geistiges Hören" galt lange mehr als "geistiges Sehen" – in mehr als einer Religion. In Europas Antike und bis ins Mittelalter wurde das Ohr als Sitz des Gedächtnisses betrachtet. In der christlichen Kunst wird der Heilige Geist manchmal als Taube dargestellt, die in das Ohr der Jungfrau fliegt. Im pharaonischen Ägypten empfing das rechte Ohr den "Atem des Lebens", das linke den "Atem des Todes". In Indien verband man die Ohren mit der Geburt (vielleicht, weil ihre spiralige Form an Vulven erinnert); der Gott Kama soll aus dem Ohr seiner Mutter hervorgegangen sein. In der chinesischen Symbolik galten verlängerte Ohrläppchen als glücksverheißend, sie standen für Autorität, Größe und Intelligenz.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ätherischen Klänge der Winde hatten für die Griechen große Bedeutung – von Äolus, der Odysseus den Windsack schenkte, um ihn heimzutreiben, bis zu den Zephyren, die in heiligen Hainen orakelnde Blätter rauschen ließen, von den Sirenen ganz zu schweigen. Diese Wehmut des Windes hat seither immer wieder inspiriert – in England etwa Samuel Taylor Coleridges Gedicht &lt;i&gt;The Eolian Harp&lt;/i&gt;, das von einer "sanft schwebenden Zaubermelodie" erzählt, erzeugt vom Wind, der durch Saiten weht und sein Landhaus und seine Familie verzaubert. Er fragte sich:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote style="text-align: left;"&gt;"Was, wenn alle belebte Natur&lt;br /&gt; Nur lebendige Harfen wären, divers gestimmt?"&amp;nbsp;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine unerwartete Liebe zum Windgeräusch zeigte auch Thoreau, dem die neu errichtete Telefonleitung über seinem Walden-Teich Gerüchte von einem "fernen, herrlichen Leben" zu tragen schien. Dieses Bild ruft unweigerlich eine andere Probe amerikanischer Akustik wach, ein anderes einsames romantisches Horchen auf eine Leitung – Glen Campbells Wichita Lineman von 1968:&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt; „I hear you singing in the wire / I can hear you through the whine.“&lt;/blockquote&gt;Nach dem japanischen Tsunami von 2011 fanden viele Angehörige der Opfer Trost darin, in das "Windtelefon" der Stadt Ōtsuchi zu weinen – ein nicht angeschlossenes Telefon in einer Gartenkabine, das ein Landschaftsarchitekt aufgestellt hatte, um mit seinem ertrunkenen Cousin "zu sprechen". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Klänge dienen materiellen Zwecken – den sorgfältig komponierten Tönen von Computern, Telefonen und Lautsprechersystemen, Fabriksirenen, der feierlichen (wenn auch letztlich vergeblichen) Muschelhorn-Fanfare in &lt;i&gt;Herr der Fliegen&lt;/i&gt;, den Alphörnern, die Rinder von den höchsten Weiden herabrufen, Jagdhörnern, die über frostige Felder hallen, oder Dudelsäcken, die Soldaten über den Graben treiben. Doch der Mensch hat den Klang auch genutzt, um sich selbst und andere in Trance zu versetzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Didgeridoos bliesen den tiefen, bassschweren Traumzeit-Klang für die ersten Australier. Archäo-Akustiker haben Zusammenhänge zwischen neolithischer Höhlenkunst und der Akustik dieser Kammern entdeckt. Prähistorische Höhlen waren offenbar imaginativ transportierende Räume – &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2020/02/philosophie-des-autos.html"&gt;aufgeladene Gebärmütter&lt;/a&gt;, in denen Kunst, Gesänge, Dunkelheit, Trommeln, Feuerlicht, Flöten und heilige Rituale sich verbanden, um die Hörenden in andere Regionen zu entrücken. Die mittelalterliche Musik war erfüllt von fein abgestimmten Tonalitäten – Gregorianik und Polyphonie sollten die klösterlichen Geister aus ihrem kalten Alltag emporheben; zugelassene Komponisten mieden Dissonanzen, die den Zauber brechen konnten, am berüchtigtsten das „Intervall des Teufels“ (drei Töne, die sechs Halbtöne umfassen – später berühmt eingesetzt von Black Sabbath in ihrem gleichnamigen Lied von 1970, das den Heavy Metal begründete).&amp;nbsp;&lt;p align="center"&gt;&lt;iframe allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen="" frameborder="0" height="360" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" src="https://www.youtube.com/embed/0lVdMbUx1_k?si=esrp649csqmLpwp4" title="YouTube video player" width="640"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Spätere Kirchenmusiker stützten sich stark auf die Orgel – eines der ältesten und mächtigsten Musikinstrumente, ein atmendes Werkzeug, das etymologisch über Aristoteles’ Organon mit dem Intellekt verbunden ist und emotional mit der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Musik. Der Übervirtuose J. S. Bach sehnte sich lebenslang nach einem erderschütternden Orgelklang, den er &lt;i&gt;Erdenschwere&lt;/i&gt; nannte – doch er blieb weitgehend unerreichbar, weil die Metallurgie des 18. Jahrhunderts keine ausreichend großen Pfeifen erlaubte; selbst heute ist dieser Klang kaum zu hören – vielleicht zu erhaben für unsere leichtfertige Zeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kirchen- und Tempelglocken riefen die Gläubigen und warnten vor Gefahren, galten aber auch als psychische Kraftfelder gegen das Böse. Im Vittala-Tempel des 14. Jahrhunderts in Hampi (Indien) erzeugen 56 Granitsäulen unterschiedliche Töne, wenn man sie anschlägt, überirdische Klänge, die sich zu komplexen Kompositionen verbinden lassen, um die Gläubigen von der Erde zu lösen und Ekstasen hervorzurufen. Selbst Shiva konnte der Musik nicht widerstehen, er tanzte zu seinem eigenen Trommeln durch Raum und Zeit, von den Sanskrit-Schriften bis zu seiner Statue vor dem CERN-Labor in der Schweiz – eine Verkörperung uralter Schwingungen, die alle Teilchen in Bewegung setzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sound Atlas von Michaela Vieser and Isaac Yuen endet jenseits der Erde, mit der Golden Record, den audiovisuellen Schallplatten, die 1977 an Bord der Raumsonden Voyager 1 und 2 ins All geschickt wurden und noch immer von uns fortbeschleunigen. Sie tragen potenziellen außerirdischen Hörern Musik von Bach und Chuck Berry, Botschaften von Jimmy Carter und Kurt Waldheim, Grüße in 55 Sprachen sowie Aufnahmen von Wind, Regen, Walen, Hyänen, Herzschlägen und dem Lachen des &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2015/12/quatschdetektor-gegen-dummheit.html"&gt;Kosmologen Carl Sagan&lt;/a&gt;. Die Voyagers nähern sich den Grenzen unseres Sonnensystems und dem Ende ihres Daseins, doch ihre akustische Fracht könnte ewig überdauern, selbst wenn sie nie gehört wird: ein Echo unserer Seelen, ein weit hinausgeschleudertes Zeugnis für den irdischsten aller Sinne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Quellenvermerk: Dieser Artikel basiert auf einem &lt;a href="https://engelsbergideas.com/reviews/musica-universalis/" target="_blank"&gt;Text von Derek Turner&lt;/a&gt;, der ursprünglich in Englisch auf Engelsberg Ideas erschienen ist.
Mit freundlicher Genehmigung von EI durch Gilbert Dietrich und KI ins Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/01/stille.html"&gt;Das Geräusch der Stille&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2014/02/musik-und-persoenlichkeit.html"&gt;Hard Rock Gehirn: Musik und Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/01/patti-smith.html"&gt;Patti Smith - Lass doch, das sind nur ein paar Kids&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/11/musica-universalis.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiK8r7MDKsOktQjo2z70YNOp9GFJD2sjkP23bG5WF3L_LxS44z0_TsGVbJCewX8LvpDg6jUJK0QPqPwjYHxPAvBb-VtyrbFUdW0s2vND9t8CciDrWArp05d79IZWQE_NRWyk2Sr0A4Rtf7JIgBk36KPtdIZ0KJLSKM31Hil8DNDeX4HsvRywvydwDK828c/s72-c/Opera-of-Prehistoric-Creatures.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1512603582617320501</guid><pubDate>Wed, 15 Oct 2025 10:21:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-10-15T12:21:05.377+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Definition</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Übungen</category><title>Bewusstseinsphilosophie auf der Yogamatte</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Atmen und zu Bewusstsein kommen&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Ich komme gerade von meinem zweiten Yoga Retreat dieses Jahr zurück. Zuvor hatte ich noch nie Yoga gemacht. Ich war einfach neugierig und schon nach dem ersten Retreat stand fest, dass ich das weiter verfolgen werde. Denn neben der körperlichen Wohltat, hat mir das konzentrierte Atmen, Dehnen und Ruhen auch mental gut getan. Von den Begegnungen mit anderen interessanten Yogis ganz zu schweigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich zum Ende einer Session so entspannt auf der Matte lag und die Yogalehrerin meinte, ich solle meinen Geist leeren, wurde ich philosophisch neugierig. Das stand dem Ziel der Übung (ein leeres Bewusstsein) ganz entgegen. Um meinen Geist zu leeren, solle ich auf meinen Atem achten. Das ist natürlich selbst etwas widersprüchlich, dachte ich, denn wenn ich auf meinen Atem achte, ist ja genau das das Objekt meines Bewusstseins. Und dann ist es nicht leer. Aber ich wollte nicht kleinlich sein, denn es ging ja um eine Übung und da braucht man manchmal Krücken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Später dann schien mir das Reden von einem leeren Bewusstsein noch rätselhafter, ja widersprüchlich, denn wenn nichts im Bewusstsein ist, dann ist mir nichts bewusst und dann ist es kein Bewusstsein. Die Metapher vom Spiegel, der auch dann ein Spiegel ist, wenn er nichts reflektiert, half mir hier nicht. Denn das Bewusstsein ist kein Gegenstand, der irgendwo rumsteht, sondern zeichnet sich gerade durch Bewusstwerdung von etwas aus. Was meint meine Yogalehrerin denn mit "Bewusstsein leeren"?&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s640/mirror-field.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="480" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s16000/mirror-field.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Was ist das Bewusstsein? (Foto von &lt;a href="https://www.pexels.com/photo/person-holding-a-mirror-on-an-open-field-4412934/" target="_blank"&gt;Maksim Goncharenok&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://www.pexels.com/license/" target="_blank"&gt;Lizenz&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Reines Bewusstsein – Zwischen Erfahrung und Metaphysik&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In spirituellen Praktiken wie Yoga, Meditation oder Achtsamkeit ist oft von einem reinen oder absoluten Bewusstsein die Rede. Es soll ein Zustand sein, in dem das Denken zur Ruhe kommt, in dem nichts mehr in meinem Geist erscheint oder bewertet wird und das &lt;i&gt;Bewusstsein als solches&lt;/i&gt; einfach ist. Aus westlicher Perspektive ist das eigentlich komplett unverständlich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seit der Aktpsychologie Franz Brentanos im frühen 20. Jahrhundert und seinem Schüler, dem Phänomenologen Edmund Husserl, gilt in der europäischen Tradition der Satz: &lt;i&gt;Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas.&lt;/i&gt; Es ist seinem Wesen nach &lt;i&gt;intentional&lt;/i&gt;, also auf etwas gerichtet. Ein Bewusstsein ohne Objekt, wäre dann gar kein Bewusstsein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie passt das zum Bewusstsein des Yogi? Ist das Ideal des objektfreien Bewusstseins eine leere Formel – oder nur ein anderer Blick auf denselben Sachverhalt? &lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Historischer Exkurs: Von der Seele zum Bewusstsein &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In der Antike und im Mittelalter gab es noch keinen Begriff von Bewusstsein im heutigen Sinn. Platon spricht von Erkenntnis und Schein, Aristoteles von der Seele als Prinzip des Lebens. Erst Augustinus beschreibt im vierten und fünftem Jahrhundert nach Christus ein erstes Selbstgewahrsein: "Ich weiß, dass ich bin." In der Neuzeit verschiebt sich der Fokus. Im 17. Jahrhundert begründet Descartes Gewissheit durch Selbstbewusstsein: "Ich denke, also bin ich." Und John Locke führt das moderne&amp;nbsp;&lt;i&gt;consciousness&lt;/i&gt; als Wahrnehmung des eigenen Geistes ein. Kant spricht dann im 18 Jahrhundert von der &lt;i&gt;transzendentalen Apperzeption&lt;/i&gt;, die alle Vorstellungen begleiten muss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst Franz Brentano macht 1874 den entscheidenden Schritt: Bewusstsein ist kein Ding und keine Substanz, sondern ein Vollzug, ein gerichteter Akt. Damit ist das, was wir erleben, immer schon in einer Beziehung – zwischen einem Erlebenden und einem Erlebten. Diese Idee prägte u.a. die Phänomenologie Husserls, die Philosophie der Beziehungen von Merleau-Ponti und die Existenzphilosophie Sartres.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;Die scholastischen Wurzeln der Intentionalität&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Brentanos Gedanke fiel nicht vom Himmel. Der Ausdruck, den er in seiner &lt;i&gt;Psychologie vom empirischen Standpunkte&lt;/i&gt;&amp;nbsp;von 1874 aufgreift – "intentionalis inexistentia" – stammt aus der mittelalterlichen Scholastik. Schon im Mittelalter bezeichneten Thomas von Aquin und Duns Scotus mit "intentionalis inexistentia" das besondere Sein eines erkannten Gegenstandes im Geist des Erkennenden als ein "Im-Sein". Sie knüpften an Aristoteles’ Beobachtung in &lt;i&gt;De anima&lt;/i&gt; an, dass die Seele im Erkennen die Form des Gegenstandes ohne dessen Materie aufnehme. Das Erkannte ist also im Bewusstsein präsent, aber in einem anderen Seinsmodus als in der äußeren Welt – intentional, nicht realiter.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="64" data-start="0"&gt;&lt;/p&gt;
&lt;blockquote data-end="172" data-start="65"&gt;
&lt;p data-end="172" data-start="67"&gt;"Das Charakteristische aller psychischen Phänomene ist die intentionale Inexistenz eines Gegenstandes." (Psychologie vom empirischen Standpunkte, Bd. II, Kap. 1)&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Inexistenz? Das lateinische&amp;nbsp;&lt;i&gt;inexistentia&lt;/i&gt; bedeutete im Mittelalter noch schlicht &lt;i&gt;Innewohnen&lt;/i&gt;&amp;nbsp;und noch nicht "Nicht-Existenz". Wenn Brentano also schreibt, jedes psychische Phänomen sei durch die "intentionale Inexistenz eines Gegenstandes" charakterisiert, meint er nicht, das Bewusstsein richte sich auf Nichtexistierendes, sondern: Der Gegenstand existiert im Bewusstsein – nicht als reales Ding, sondern als intentionaler Gehalt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit überträgt Brentano eine aristotelisch-scholastische Ontologie in eine empirisch-psychologische Sprache. Das Erkennen ist kein neutrales Registrieren äußerer Dinge, sondern ein innerer Vollzug, in dem etwas &lt;i&gt;als etwas&lt;/i&gt; erscheint.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Husserl wird später diese "Inexistenz" in das Begriffspaar &lt;i&gt;noesis–noema&lt;/i&gt; übersetzen und damit aus der mittelalterlichen Seelenlehre die Grundlage der modernen Bewusstseinsphänomenologie machen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;Das phänomenologische Argument&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;In der phänomenologischen Tradition ist Bewusstsein wesentlich intentional (also auf etwas bezogen). Selbst wenn wir "an nichts denken", sind wir uns doch dieser Leere bewusst. Wenn uns diese Leere nicht bewusst ist, sind wir einfach bewusstlos. Die Aussage "Ich bin mir bewusst, ohne dass mir irgendetwas im Bewusstsein ist" wäre widersprüchlich. Das Bewusstsein kann nicht leer sein, weil schon das Erleben der Leere ein Inhalt wäre (auch wenn es mir persönlich schwer fällt, mir "die Leere" vorzustellen).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit wird der Unterschied zwischen Bewusstsein und der Fähigkeit zum Bewusstsein entscheidend. Ein anästhesierter Mensch mit funktionsfähigem Gehirn hat zweifellos die Fähigkeit, Bewusstsein hervorzubringen – aber solange dank Anästhesie nichts erlebt werden kann, ist diese Fähigkeit nicht aktualisiert.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Meditation als Übung in Intentionalität&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Wenn Meditationslehrer fordern, den Geist zu leeren und zugleich dazu raten, sich auf den Atem zu konzentrieren, ist das wie oben schon angedeutet, kein Widerspruch, sondern eine Methode: Der Atem dient als Übungsobjekt, um die Sprunghaftigkeit des Bewusstseins zu beruhigen. Erst wenn diese Konzentration stabil wird, kann sich die Trennung von Beobachter und Beobachtetem lockern. Was dann im besten Fall erfahren wird, wird als ein nicht-duales Gewahrsein beschrieben – kein Bewusstsein von etwas, sondern ein Feld, in dem Subjekt und Objekt zusammenfallen. Das ist für mich erst einmal sehr mysteriös.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Philosophisch, phänomenologisch könnte ich das so fassen: Es ist keine neue Erfahrung, sondern ein Wandel in der Struktur des Erlebens selbst. Das heißt: Der Inhalt bleibt (Atem, Geräusch, Körperempfindung), aber die Art, wie er erfahren wird, verändert sich – das "Ich", das ihn erlebt, scheint zu verschwinden.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Das reine Bewusstsein im Advaita Vedānta &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In der indischen &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vedanta#Advaita-Vedanta" target="_blank"&gt;Advaita-Philosophie&lt;/a&gt; wird dieses Feld "cit" genannt – reines, selbstleuchtendes Bewusstsein. Selbstleuchtend meint hier: das Bewusstsein ist selbstgegeben, es braucht kein anderes Prinzip, das es sichtbar macht. Alles, was wir erfahren – Gedanken, Körper, Welt – sind demnach Modifikationen dieses Bewusstseins, wie Wellen auf einer stillen Fläche. Ob etwas erscheint oder nicht, ändert nichts daran, dass die Fläche selbst "spiegelt".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wird das, was die Phänomenologie vielleicht "Fähigkeit zum Bewusstsein" nennen würde, in der Advaita-Sicht ontologisch aufgewertet: Diese Fähigkeit ist bereits Bewusstsein, ja sogar das Sein selbst. Bewusstsein ist nicht eine Tätigkeit, sondern die Bedingung, dass überhaupt etwas erscheinen kann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn Advaita sagt, Bewusstsein "leuchtet immer schon", meint das genau diesen Umstand: Jedes Erscheinen – sinnlich, gedanklich, emotional – setzt ein Gewahrsein voraus. Wir können das Bewusstsein selbst nie als Objekt wahrnehmen, so wie wir Licht nie an sich sehen, sondern nur beleuchtete Dinge. Und doch ist jedes Sehen von Licht getragen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So manifestiert sich reines Bewusstsein nicht als ein weiteres mentales Ereignis, sondern als Manifestheit selbst – als die Tatsache, dass überhaupt etwas erscheint.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Anschluss an eine philosophische Lebenspraxis&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das reine Bewusstsein ist kein mentaler Zustand, kein inneres Leuchten und kein Objekt der Erfahrung. Es ist ein Name für etwas, das sich in jeder Erfahrung implizit zeigt, aber nie selbst zum Phänomen wird – so wie Licht nie sichtbar ist, ohne etwas zu beleuchten. &amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kann man es also erleben, zum Beispiel in der Meditation? Sicher nicht einfach so, aber es ist ein phantastischer Zustand, fast todesgleich, dem ich mich annähern kann, auch wenn ich ihn im Leben nicht erreiche. Wir kennen ja Zustände, die in diese Richtung gehen, etwa den Flow, den ich bspw. beim Sport erlebe: Hier reagiere ich nur noch "geistesgegenwärtig", automatisiert und wenig bewusst, aber durchaus "begeistert". Es gibt dann immer noch Dinge in meinem Bewusstsein, aber viel blasser und unschärfer, als wenn ich mich auf sie konzentriere. Man kann solche Zustände anstreben, im Kunstgenuss, beim Sport oder Yoga, beim Kreativsein, in der Meditation... überall dort, wo "man sich verlieren" kann.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Lebensphilosophisch ist das interessant, denn was wären wir, wenn wir nicht strebten? Beispielsweise streben wir in der praktischen Philosophie wie&amp;nbsp;auch im Yoga oder der Meditation weg vom Leid, hin um "Guten". In diesem Zusammenhang tritt noch ein anderer Aspekt der asketischen Praktiken hervor: das Streben zum Nichts, vom Leben zum Tod, weil hier die Vermeidung allen Leides angestrebt wird.&amp;nbsp;Vielleicht kann das "sich verlieren" auch eine Übung sein, dem Nichts, dem eigenen Tod anders zu begegnen, als in einer armseligen Pose des leidenden Festhaltens entgegen alle Notwendigkeit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erkenntnistheoretisch ist das "reine Bewusstsein" also&amp;nbsp; irgendwie eine Nullnummer, unter lebenspraktischen Gesichtspunkten, ist es eine durchaus philosophisch interessante, ausbaufähige und anstrebeswerte Idee.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/03/spiritualitaet.html"&gt;Was ist Spiritualität wirklich?&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/07/gehirn-zum-gehen.html"&gt;Dein Gehirn ist zum Gehen da&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/06/weisheiten-der-mystik.html"&gt;Weisheiten der Mystik in einer Welt der Vernunft&amp;nbsp;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/10/yoga-bewusstseinsphilosophie.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjvJpvi9c-eRf3Kp0M9j48K05-unJHSQmyFJfvl0EI6t30Ult0SsfR4PPJpLPpDAC4pUQwWscRbxyxgtco9TPCP14FLswvxGAKs9PD_A55H5In9rIXj6IEu1E2c4JRi6238WgkRRHNh7VKqmll2XeOV_HBW5d3PM2bbrVmN1d2UtCmLnblGeaVzNUc8uqU/s72-c/mirror-field.jpg" width="72"/><thr:total>4</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6400540303078557734</guid><pubDate>Wed, 01 Oct 2025 12:25:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-10-07T17:50:20.613+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Ästhetik</category><title>Schleimpilze, Menschen und andere Strukturen</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Emergenz und Intelligenz&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Technik-Optimisten benutzen den Schleimpilz – eine gehirnlose, einzellige Amöbe – als Metapher für die Tugenden der Künstlichen Intelligenz. Doch das ist – vielleicht gewollt – irreführend und ein tieferes Verständnis der Kraft des Schleims könnte uns zurückführen zur einzigartigen Fülle und Komplexität des Menschen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Essay von Eliane Glaser&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s640/slime-moulds.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="360" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s16000/slime-moulds.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Schleimige Quadratzentimeter im Deutschen Wald (G. Dietrich&amp;nbsp;CC BY-SA 4.0 &lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode"&gt;CC BY-SA&lt;/a&gt;)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wissenschaftlich erstaunlich und kulturell inspirierend&lt;/h3&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;Vielleicht haben Sie schon einmal einen Schleimpilz im Park oder auf einem Spaziergang über Land gesehen: ein geheimnisvoller, gelber Klumpen auf einem verrottenden Baumstamm oder Kuhfladen. Diese häufige Variante trägt den (reizenden) Namen Rührei-Schleim. Andere Arten sind skurril vielfältig und manchmal atemberaubend schön: Wie der &lt;a href="https://www.barrywebbimages.co.uk/Images/Macro/Slime-Moulds-Myxomycetes"&gt;Fotograf Barry Webb dokumentiert&lt;/a&gt; hat, können sie aussehen wie ein Büschel leuchtend gelber Trauben, himbeerfarbene Federboas oder irisierende blaue Lutscher.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schleimpilze sind in der Tat erstaunlich. Obwohl sie gehirnlos und einzellig sind, vermögen sie Dinge, die ausgesprochen clever wirken – etwa den schnellsten Weg durch ein Labyrinth zu finden. Im Jahr 2010 setzten Forscher in Japan einen Schleimpilz namens Physarum auf eine die Landkarte Tokios repräsentierende Petrischale und platzierten Haferflocken, seine Lieblingsnahrung, an den Stellen, wo sich die anderen Städte rund um Tokio befinden. Der Schleimpilz wuchs zu einem Netzwerk heran, das der tatsächlichen Bahnkarte erstaunlich ähnlich sah.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So primitiv der Schleimpilz auch ist, teilt er doch entscheidende strukturelle und funktionale Ähnlichkeiten mit menschlichen Zellen. Deshalb setzen ihn Mediziner ein, um Behandlungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Krankheiten zu erforschen, darunter Krebs, Parkinson, Alzheimer, Epilepsie und bipolare
 Störungen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;iframe allow="accelerometer; loop; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen="" float="middle" frameborder="0" height="360" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" src="https://www.youtube.com/embed/KJiTSsron0Q?si=UuvFRsnJi5eczFdu&amp;amp;autoplay=1&amp;amp;mute=1&amp;amp;loop=1&amp;amp;playlist=KJiTSsron0Q&amp;amp;controls=0" title="YouTube video player" width="640"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/center&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jonathan Chubb, Zellbiologe am University College London, führte mich durch sein Labor. Wir lebten im Zeitalter des Gens, erklärte er mir – jenes glänzenden Bauplans, der vorgibt, wie sich ein Organismus entwickelt, und der eine milliardenschwere Biotech-Industrie ermöglicht hat. Schleimpilze mögen im Vergleich bescheiden erscheinen, doch haben sie ihren wissenschaftlichen Reiz. Chubb lädt mich ein, durch ein Mikroskop zu schauen, wo winzige, auf Stielen thronende Wassertropfen zu sehen sind.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn Schleimpilze in der akademischen Biologie so etwas wie Außenseiter sind, erleben sie in der breiteren Kultur gerade ihren Moment. Sie inspirieren das Design von Robotern und Städten. Informatiker haben einen Algorithmus auf Basis von Schleimpilzen entwickelt, um die Verteilung von Dunkler Materie zu kartieren. Die NASA schickte in Zusammenarbeit mit 5000 Schülern einige Schleimpilze – von den Kindern liebevoll "the blob" getauft – zur Internationalen Raumstation, um die Effekte der Schwerelosigkeit zu studieren. Und auch für &lt;a href="https://heatherbarnett.co.uk/work/the-physarum-experiments/" target="_blank"&gt;Künstler wie Heather Barnett&lt;/a&gt; und Komponisten sind sie eine Quelle der Inspiration. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Schleimpilze sind nicht auf spektakuläre Weise intelligent. Sie finden ihren Weg durch ein Labyrinth, indem sie in spekulativer Manier in alle Richtungen Fühler ausstrecken. Diejenigen, die am Ende eines Gangs eine Haferflocke finden, senden ermutigende Signale zurück, die ein Feedbacksystem wechselseitiger Verstärkung schaffen. Sie verkörpern damit ein Konzept, das Emergenz genannt wird: ein Durcheinander lokaler Interaktionen am Boden, das in der Summe eindrucksvolle Ergebnisse hervorbringt. Statt Befehlen aus einer "Exekutive" (z.B. Gehirn) zu folgen, lösen sie Probleme ad hoc und dezentral, indem sie Lösungen aus einer Vielzahl unreflektierter Einheiten "crowdsourcen". Man denke an Starenschwärme und Fischschulen, an unterirdische Netzwerke von Pilzmyzelien, Ameisenkolonien und Bienenschwärme.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Metapher vom Schleim verschleiert Machtinteressen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;An sich sind Schleimpilze also wahrhaft außergewöhnlich. Doch an der zeitgenössischen Begeisterung für Emergenz als kulturelles Motiv ist auch etwas Beunruhigendes. Mächtige Organisationen nutzen Emergenz – und manchmal sogar den Schleimpilz selbst – als Metapher, um ihre Dominanz zu rechtfertigen. Wirtschafts-Kommentatoren im Silicon Valley und darüber hinaus ziehen explizite Parallelen zwischen ihren Industrien und dem Schleimpilz, vielleicht gerade weil er so sympathisch bescheiden wirkt. Manager von Alphabet verglichen die Bottom-up-Firmenstruktur mit dem Organismus und in internen Dokumenten kann man lesen, dass Google im Grunde ein Schleimpilz sei. Management-Gurus feiern den Schleimpilz als nachahmenswertes Paradigma: "In der Führung von Organisationen müssen wir lernen, Kontrolle abzugeben", schreibt ein Berater, "um Verhaltensweisen zu fördern, die Zusammenarbeit, Beteiligung und Selbstbestimmung stützen." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Emergenz scheint eine beruhigende Korrektur gegenüber monopolistischer Macht darzustellen – doch wie viel davon ist bloßes Feigenblatt? Und inwiefern taugt die Gegenüberstellung von Top-down und Bottom-up überhaupt als Modell, um unsere Welt zu verstehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schleimpilz, den Jonathan Chubb mir in seinem Labor zeigte, heißt Dictyostelium discoideum und wird von Wissenschaftlern liebevoll "Dicty" genannt. Wenn er hungrig wird, schließen sich zehntausende dieser Organismen zu einer "Schnecke" zusammen, die auf Nahrungssuche geht. Ist es Zeit zur Fortpflanzung, baut er sich zu einer pilzartigen Spore auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chubb zeigte mir einen Film von Dictys beeindruckendstem Trick – der Bildung dieser Spore. Die Zellen beginnen als chaotische, zappelnde Masse, doch nach einigen Stunden (der Film war beschleunigt) beginnen rotierende Spiralen aufzublühen. Chubb erklärte, was da geschieht: Die Zellen senden Signale in Form von zyklischem AMP aus, in einer Art La-Ola-Welle. Das AMP veranlasst andere Zellen, ebenfalls AMP zu bilden, und es bringt die Zellen dazu, sich zur Signalquelle hin zu bewegen. Wie schon beim Labyrinth entstehen dadurch Schleifen wechselseitiger Verstärkung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Chubb habe sich den Schleimpilzen zugewandt, erzählte er mir, weil sie auf sehr schöne Weise zeigten, wie einfache Regeln Muster hervorbringen können, die nicht nur hochgradig strukturiert und geordnet, sondern auch wunderschön seien. Diese Muster – die man ebenso in den labyrinthartigen Zeichnungen eines Kugelfisches wie in Windrippeln im Sand findet – wurden schon &lt;a href="https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.1952.0012" target="_blank"&gt;1952 von Alan Turing beschrieben&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Definition von Emergenz lautet, dass sich das Gesamtverhalten eines Systems nicht aus dem Verhalten seiner Einzelelemente vorhersagen lässt. Der Nobelpreisträger und Physiker Philip Anderson formulierte es 1972 prägnant: &lt;a href="https://www.tkm.kit.edu/downloads/TKM1_2011_more_is_different_PWA.pdf" target="_blank"&gt;More is different&lt;/a&gt;.&amp;nbsp;Ein einzelner Star in einem Schwarm von Tausenden verhält sich wie ein Auto im dichten Verkehr: Er folgt dem Vogel vor ihm, hält dabei einen sicheren Abstand – doch gemeinsam erzeugen sie jene spektakulären, flirrenden Formationen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andere Beispiele emergenter Komplexität sind die "Nässigkeit" von Wasser – eine Eigenschaft, die über seine chemischen Bestandteile hinausgeht – oder die Supraleitung, die aus dem kollektiven Verhalten von Elektronen hervorgeht. Die Stadttheoretikerin Jane Jacobs erkannte Emergenz in der Bildung von Nachbarschaften, der Kognitionswissenschaftler Marvin Minsky in neuronalen Netzwerken. Als ich die Dicty-Zellen ihre Spiralen bilden sah, erinnerte mich das außerdem an die sozial ungünstigen Schneeballeffekte von Wohlstands- und Ressourcenanhäufung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einer Welt, die zunehmend krisenanfällig erscheint, ist es nützlicher denn je, die mathematischen Regeln hinter Tropenstürmen oder Finanzkrisen zu verstehen. Doch die Vorhersage dieser chaotischen, höhergeordneten Effekte bleibt eine Herausforderung. "Sobald man ein bestimmtes Komplexitätsniveau überschreitet", sagte Chubb, "werden viele Dinge kontraintuitiv." Er nahm das Beispiel eines Kreisverkehrs: "Wenn zwei Autos aus unterschiedlichen Richtungen kommen, ist das einfach. Aber sobald es drei oder vier sind, entstehen Verhaltensweisen, die man schlicht nicht mehr vorhersagen kann." Inmitten wachsender Komplexität wirken Schleimpilze geradezu verführerisch simpel.&lt;br /&gt;Emergenz und Evolution, Top-down vs. Bottom-up&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ist alles in der Welt ein Resultat von Emergenz?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Natur ist das Produkt der Evolution – eines emergenten Prozesses: zufällige Mutationen, spontane Begegnungen zwischen Organismen untereinander oder mit ihrer Umwelt. In diesem Sinn lässt sich die gesamte menschliche Zivilisation als emergent begreifen – einschließlich der autoritärsten Herrscher, die zwar imposant wirken, aber aus den Aufwallungen des Populismus hervorgehen. Karl Marx beschrieb Das Kapital als eine "Studie der Naturgeschichte". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch innerhalb dieser grundlegenden Realität, dass alles von unten herauf "emporblubbert", gibt es Phänomene in Natur und Gesellschaft, die stark nach Top-down aussehen. Jeder, der David-Attenborough-Dokumentationen gesehen hat, weiß: Löwen und Wale zeigen ausgeprägt hierarchisches Verhalten. Und in der Politik hat sich Macht, die früher stärker auf unabhängige Abgeordnete und autonome Gemeinderäte verteilt war, zunehmend in den Händen des Präsidenten, Kanzlers oder Premierministers konzentriert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt in Top-down und Bottom-up zu sortieren, kann erhellend sein. Solche binären Gegensätze wirken in einer Zeit besonders passend, in der die Kluft zwischen Tech-Titanen in Privatjets und Essenskurieren auf E-Bikes immer größer wird. Doch das Modell hat Grenzen. Oft ist schwer zu sagen, wo Bottom-up aufhört und Top-down beginnt, und vieles, was wie Bottom-up aussieht, enthält bei näherer Betrachtung Elemente des Top-down – und umgekehrt. Das Zusammenspiel von Zufall und Strategie findet sich überall. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man unterschiedliche menschliche Zellen in eine Petrischale setzt, erzählte mir Jonathan Chubb, wachsen sie zu Organoiden heran – rudimentären Versionen der Organe, zu denen sie bestimmt sind. Gehirnzellen entwickeln sich zu einer Art Gehirn, Lungenzellen zu einer Art primitiver Lunge. "Es gibt eine angeborene Tendenz, dass sich verschiedene Zellen spontan räumlich organisieren, ohne dass jemand ihnen sagt, was sie tun sollen", erklärte Chubb. Doch um ein echtes Organ entstehen zu lassen, "braucht es eine Art Koordinatensystem oder Top-down-Regulation". Die Dichotomie von Top und Bottom seien "nützliche Konzepte", meinte er, doch letztlich sei "der ganze Reichtum an Strukturen, den man in einem Tier findet, immer eine Mischung aus beidem". Selbst bei Schleimpilzen gelte das:&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Wir neigen dazu, Dictyostelium als das emergenteste aller Systeme zu betrachten, aber auch hier erfordert die Bildung von Sporen ein gewisses Maß an aktiv bereitgestellten Top-down-Informationen." &lt;/blockquote&gt;David Krakauer, Präsident des Santa Fe Institute – einer multidisziplinären Universität in New Mexico, die sich der Erforschung von Komplexität widmet – stimmt zu. "Ich mag die Begriffe Bottom-up und Top-down nicht", sagte er, "ich bevorzuge lokal versus global." Er verweist auf das Beispiel eines Gehirns, das mit jedem Teil des Körpers verbunden ist, oder auch auf die repräsentative Demokratie: Beide verhalten sich eher wie ein Netzwerk, ein "Nabe-und-Speichen-Diagramm". In einer Demokratie ist der gewählte politische Führer die Nabe, die Bürger sind die Speichen. Und ohnehin sei es "komplizierter" als nur oben gegen unten, weil "wir Institutionen aufbauen, in denen wir Macht für eine bestimmte Zeit delegieren" – oder im Fall der Biologie: "Alle Zellen in deinem Körper haben zugestimmt, dass es sinnvoll ist, ein Gehirn zu haben." Sie können gewissermaßen sagen, "ich bin einverstanden, dass du entscheidest, wohin wir zum Abendessen gehen."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Hinter Technologien wie Internet oder KI stehen mächtige Interessen &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Obwohl unvollkommen, merke ich, dass ich an der Top-down/Bottom-up-Dichotomie festhalte, weil sie es ermöglicht, zu formulieren, wie Monopole fälschlich Anspruch auf Graswurzel-Legitimität erheben. Die großen Tech-Konzerne sind hier die Hauptschuldigen: Insider beschreiben das Internet häufig als emergent und vergleichen es sogar mit Schleimpilzen (Physarum ist als "natürlicher Computer" bezeichnet worden). Inspiriert sind sie dabei teils von Stewart Brand und seinem Whole Earth Catalog, der das &lt;a href="https://fredturner.stanford.edu/books/counterculture-cyberculture-stewart-brand-whole-earth-network-and-rise-digital-utopianism" target="_blank"&gt;frühe Internet als ein egalitäres Gegenkultur-Netzwerk imaginierte&lt;/a&gt; – als Reaktion gegen Hierarchie und Autoritarismus. Analogien zwischen Schleimpilzen und KI, einschließlich Large Language Models (LLMs), gibt es zuhauf. Die Vorstellung, diese Technologien hätten sich quasi "natürlich" entwickelt, lenkt davon ab, dass sie auf höchst top-down-artige Weise konstruiert wurden – und dass die Früchte vor allem schon wohlhabenden Interessen zugutekommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine weitere Komplikation besteht jedoch darin, dass Computer in bestimmten Hinsichten tatsächlich bottom-up lernen und operieren. Als in den 1940er- und 50er-Jahren erstmals neuronale Netze konzipiert wurden, waren sie, wie David Krakauer mir erklärte, "eher wie Ameisen oder Zellen": Forscher verbanden Computer so, als wären sie Nervenzellen im menschlichen Gehirn, und fragten: "Was könnten sie tun, wenn ich ihnen gar nicht so viel mitgebe, sondern sie einfach nur miteinander verdrahte?" &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Roboter wurden noch nach dem Paradigma der top-down-humanoiden Intelligenz trainiert. Doch dann kam die Erkenntnis von Firmen wie DeepMind: Viel besser sei es, sie bottom-up zu bauen – nach dem Vorbild von Kleinkindern, jenen Amateur-Empirikern, die durch unzählige Mikro-Interaktionen mit ihrer Umwelt lernen. In meinem Fall hieß das etwa: ausprobieren, was passiert, wenn man sich eine gefrorene Erbse in die Nase steckt (Antwort: Pinzette). Forscher nutzen Schleimpilze inzwischen sogar, um neue Arten von Computern zu entwerfen, darunter beunruhigend klingende "lebende Geräte". Und die Struktur von Empfehlungsplattformen – "Wenn dir das gefällt, wirst du dies lieben" – ist selbst ein Muster wechselseitiger Verstärkung. Doch handelt es sich dabei wohl eher um ein Beispiel nicht für emergente Intelligenz, sondern für emergente Dummheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Bewusstsein und die emergente Dummheit der KI &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das Konzept der Emergenz und die Analogien zwischen Emergenz und Künstlicher Intelligenz stammen aus langwierigen Debatten über das Leib-Seele-Problem und die Frage des Bewusstseins: Wie entstehen Ideen aus Fleisch? "Es gab keine Theorie, die erklären konnte, wie ein physikalischer Mechanismus bewusste Zustände des Geistes hervorbringen könnte", sagte Krakauer. "Dann kamen die LLMs, und die Leute sagten: Jaha! Wir haben es geschafft – und siehe da, auch die funktionieren wie Klempnerarbeit." Was uns gefangen nimmt, so Krakauer, sei der Umstand, "dass man einfach all diese dummen, eigentlich unwissenden Teile zusammensetzen kann – und sie machen dann etwas, das ein Stück weit erstaunlich ist". Und genau deshalb sei die "Tech-Bro-Science-Miliz" so selbstzufrieden. Doch statt einen physischen Computer in einen intelligenten Geist zu verwandeln, hätten sie das Gegenteil getan: "Im Grunde haben sie den Geist in einen Körper verwandelt." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vergleich von KI mit weitgehend emergenten Schleimpilzen sei letztlich irreführend, sagte Krakauer, denn es sei überhaupt nicht bottom-up. Vielmehr seien "ungeheure Mengen an menschlichem Wissen – mehr Bibliotheken, als wir uns vorstellen können – in das Training dieser Systeme eingeflossen". Tatsächlich seien LLMs "das Gegenteil der Schleimpilz-Geschichte". Und es sei "befremdlich, dass wir uns haben einreden lassen, sie seien intelligent", wo sie in Wahrheit nicht intelligent, sondern lediglich wissend seien. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Als ich in der Schule war", erzählte Krakauer weiter, "gab es Leute, die mühelos Aufgaben lösten, ohne je ihre Hausaufgaben zu machen." Das sei "ziemlich nervig gewesen, während wir anderen fleißig paukten". Er vermute, "das Argument der Emergenz reimt sich mit dieser Vorstellung". Und er schließt: "Ich glaube, deshalb mögen wir Schleimpilze so sehr. Sie wirken so dumm, und dennoch können sie Erstaunliches leisten." Schleimpilze sind das Orchester ohne Dirigenten, das es trotzdem irgendwie schafft, eine Symphonie aufzuführen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Schleimpilze als menschliche Projektion&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Als ich mit Krakauer sprach, brachte er den Gedanken ins Spiel, dass die Berufung auf Emergenz in manchen Fällen bloß eine PR-Strategie sei – ein Versuch, einen Prozess bottom-up aussehen zu lassen, selbst wenn er es nicht ist. Diese Illusion ist auch in anderen Zusammenhängen wirksam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wikipedia zum Beispiel scheint ein perfektes Beispiel für emergentes Verhalten: eine Enzyklopädie, die durch die Beiträge zahlloser Freiwilliger entsteht. Doch in Wirklichkeit ist Wikipedia, wie Studien zeigten, in hohem Maße hierarchisch geprägt – von einer kleinen Gruppe Superuser, die den Löwenanteil des Inhalts bereitstellt und kontrolliert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch der Arabische Frühling wurde zunächst als bottom-up-Bewegung gefeiert: die Menschen in Tunesien, Ägypten, Syrien, die sich über soziale Medien organisierten. Doch die anfängliche Euphorie über spontane Graswurzelbewegungen wich bald der ernüchternden Erkenntnis, dass Machtvakuum und geopolitische Interessen die Entwicklung dominierten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Emergenz taucht oft als politisch aufgeladene Metapher auf. In einer Demokratie glauben wir gerne, sie sei bottom-up organisiert: die Stimmen einzelner Bürgerinnen und Bürger, die sich zu einer kollektiven Entscheidung verdichten. Doch ebenso oft ist das Gegenteil der Fall: Wahlkämpfe werden orchestriert, Meinungen manipuliert, Informationen gesteuert. Was wir für spontane Emergenz halten, kann ein top-down konstruiertes Narrativ sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich Krakauer fragte, was er persönlich an Schleimpilzen so faszinierend finde, klang er hin- und hergerissen. Einerseits halte er es für albern, von ihnen als intelligent zu sprechen – das sei schlicht eine falsche Projektion. Andererseits könne er sich ihrer Anziehungskraft nicht entziehen: "Es ist einfach unglaublich, wie diese Zellen zusammenfinden, ohne dass es einen Dirigenten gibt. Wie eine Sinfonie ohne Komponist." &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er deutete an, dass wir uns in Schleimpilzen auch selbst gespiegelt sehen. Wir projizieren auf sie unsere eigenen Wünsche nach Ordnung, Schönheit und Gemeinschaft – so, wie wir es auf Sternenschwärme oder die Fraktale eines Farnblatts tun. In ihnen erkennen wir die Hoffnung, dass aus chaotischen Einzelteilen Harmonie entstehen kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Labor, vor dem Bildschirm mit dem beschleunigten Video, konnte auch ich mich diesem Sog nicht entziehen. Erst taumelte dort eine zappelnde Masse; dann begann sie, Wellen zu schlagen, Spiralen auszubilden, Muster zu tanzen. Es war, als schaute man in ein uraltes Gedächtnis der Natur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht, dachte ich, liegt die eigentliche Lektion des Schleimpilzes gar nicht darin, dass er wie wir ist – intelligent oder bewusst oder politisch. Sondern darin, dass er ganz anders ist. Dass die Welt mehr Orchester kennt, als wir uns vorstellen können – viele davon ohne Dirigenten. Und dass das Staunen, das wir empfinden, wenn wir den Schleimpilz betrachten, weniger etwas über ihn aussagt, als über uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Quellenvermerk:&lt;/b&gt;&amp;nbsp;Dieser Artikel basiert auf einem Essay von &lt;a href="https://engelsbergideas.com/author/eliane-glaser/" target="_blank"&gt;Eliane Glaser&lt;/a&gt;, der ursprünglich in Englisch auf &lt;a href="https://engelsbergideas.com/essays/slime-mould-versus-the-people/"&gt;Engelsberg Ideas&lt;/a&gt;
 erschienen ist.&lt;br /&gt;Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Dietrich und KI ins 
Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html"&gt;Im Fleisch der Welt&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html"&gt;Moral für ein neues Mittelalter&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/03/monstren-der-moderne.html"&gt;Wir spüren die Monstren des Fortschritts im Nacken&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/10/schleimpilz-emergenz.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgWrhyQYx4plZvFKPORJeTPSC9T5E-uNAfj_gVgvotV2Q8xTylvpYJ_xLcDZACQ09arjMd1HnEpWBbXCHjenJxj2pjO5451fasVDXlri_U0rE3xyHiCQ-84mTSxyMFzWefhfWGffYpJTHocz6FXC3dlsxENxfTyjQJW_V_py4iroyNxGxSBFJXYVBZ1V9I/s72-c/slime-moulds.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-1598699155521404113</guid><pubDate>Sun, 21 Sep 2025 19:08:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-11-13T15:31:11.937+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Humor</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Aktenzeichen XY Ungeliebt</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein komisch-autokratischer Versuch, die Medien unter Kontrolle zu bringen&lt;/h2&gt;&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Zu wenig Lob für des Königs fragiles Ego&lt;/span&gt;&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;In den USA sehen wir gerade die historisch größten Zensurbemühungen gegen die freie Meinungsäußerung in den Medien. Ich konnte mir das bisher nicht vorstellen, in einem Land, in dem man sogar den Holocaust leugnen darf oder frei mit Hakenkreuzen und Runen um sich schmeißen kann, wenn man will.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Die Regierung setzt mithilfe&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;ihrer Behörden&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&amp;nbsp;Fernsehsender und Medienhäuser unter Druck, Comedians zu feuern, wenn sie sich über Trump lustig machen oder verklagt Zeitungen wie die New York Times oder das Wallstreet Journal, wenn sie unliebsame Fakten beispielsweise über Trump und seinen "long time buddy" Epstein veröffentlichen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Natürlich ist das furchtbar, denn selbst wenn das nicht erfolgreich ist, macht es immer Druck und Medien versuchen, diesem Druck durch vorauseilendem Gehorsam zu entgehen. Aber es ist auch echt komisch, denn wie bei allem, was diese Regierung macht, ist es stümperhaft, auf Grundschullevel. Denken wir an die unausgegorenen Zölle; an eine Mauer, die gebaut und von Mexiko bezahlt werden sollte oder an den Versuch, Trumps Freundschaft zum Sexualstraftäter Epstein zu vertuschen und sich dabei um Kopf und Kragen zu reden... das alles ist echtes Comedy-Gold.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Wenn der König nicht gelobt wird, lobt er sich selbst&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Comedy Gold ist auch &lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;die Reaktion&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;&amp;nbsp;des republikanisch berufenen Richters&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;Steven Merryday&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;&amp;nbsp;auf die Klage Trumps gegen die New York Times&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="662" data-start="173"&gt;Trumps Anwälte reichten eine Klageschrift ein, die eigentlich nur zwei schnöde Verleumdungsansprüche enthält. Zwei! Aber statt auf den Punkt zu kommen, mussten sie 85 Seiten mit allem füllen, was Trumps Ego schon immer einmal in amtliches Englisch gegossen sehen wollte: den "historischen Wahlsieg", seine "einzigartige Brillanz" im Umgang mit dem Zeitgeist, das Immobilienimperium von Papa, und natürlich die kulturelle Weltbedeutung der TV-Trump-Show&amp;nbsp;&lt;i data-end="659" data-start="643"&gt;The Apprentice&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="881" data-start="664"&gt;Merryday, der Bundesrichter in Florida, hat darauf so reagiert, wie ein genervter Lehrer, der einen 20-seitigen Aufsatz über "Was ich in den Sommerferien gemacht habe" lesen musste: Thema verfehlt, zu lang, Zeitverschwendung. Eine Klageschrift, so erinnerte der Richter, sei kein Wahlkampfauftritt, kein Kanal für Schmähkritik und Beschimpfungen oder&amp;nbsp;für ein lobhudelndes Selbstporträt in Überlänge.&amp;nbsp;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Der
 Leser müsse hier überflüssige und fragwürde Behauptungen ertragen und 
sich durch eine ermüdende Ansammlungen von vermeintlichen Beweisen 
arbeiten.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="171" data-start="155"&gt;Eine amüsant zu lesende öffentliche Belehrung und Klatsche für Trump und seine Anwälte.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 data-end="1819" data-start="1452" style="text-align: left;"&gt;Richter beklagt blumige und ermüdende Detail&lt;i data-end="1817" data-start="1743"&gt;s&lt;/i&gt;&lt;/h3&gt;&lt;blockquote data-end="1040" data-start="883"&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p data-end="1450" data-start="1042"&gt;Trump wollte die ohnehin aussichtslose Klage offenbar nutzen, um die &lt;i data-end="1093" data-start="1077"&gt;New York Times&lt;/i&gt; zu verunglimpfen und sich gleichzeitig selbst als ein von ihr verkanntes kulturelles Phänomen zu inszenieren. Das Gericht machte kurzen Prozess mit der Selbstinszenierung: Abgewiesen! Und gerne noch einmal versuchen, wenn ernst gemeint, aber bitte kurz fassen.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1819" data-start="1452"&gt;Man kann fast Mitleid haben mit Trumps Anwälten. Statt nüchterne Fakten zur angeblichen Verleumdung vorzulegen, mussten sie offenbar eine Art Heldensaga abliefern – inklusive hymnischer Auflistungen von gemanagten Immobilien, Fernsehauftritten und der Familiengeschichte. Das Gericht kommentierte trocken: &lt;i data-end="1817" data-start="1743"&gt;Eine Klageschrift ist kein Megafon für politische Öffentlichkeitsarbeit. &lt;/i&gt;&lt;span data-end="1817" data-start="1743"&gt;Jetzt schreit Trump seine armen Anwälte wahrscheinlich auch noch hinter geschlossenen Türen an, weil die Klage abgewiesen wurde.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;Der unten zu lesende Beschluss des Gerichts liest sich wirklich wie eine Belehrung im Proseminar "Wie eine Klageschrift geschrieben wird"&amp;nbsp;vor dem ersten Staatsexamen. Nach Ansichten des Richters jedenfalls nicht mit "überreichlichen, blumigen und ermüdenden Details".&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;Das Ganze wäre so lustig, wenn es nicht so erschütternd wäre, dass der angeblich mächtigste Mann der Welt so ein fragiles Ego hat, dass er seine Anwälte zwingt, solch ein peinliches Geschwurbel zu verfassen. Und wer gern wie ich Rechtsprechung liest, der kann nun den gesamten übersetzten Beschluss unten oder sein &lt;a href="https://storage.courtlistener.com/recap/gov.uscourts.flmd.447437/gov.uscourts.flmd.447437.5.0.pdf" target="_blank"&gt;Original hier&lt;/a&gt; lesen.&lt;/p&gt;&lt;p data-end="2263" data-start="1821"&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;div style="background-color: #ffffde; border: 1px dashed rgb(135, 135, 135);"&gt;&lt;p data-end="317" data-start="220"&gt;&lt;b data-end="263" data-start="220"&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="317" data-start="220"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="263" data-start="220"&gt;VEREINIGTE STAATEN BUNDESBEZIRKSGERICHT&lt;/b&gt;&lt;br data-end="266" data-start="263" /&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="296" data-start="266"&gt;Middle District of Florida&lt;/b&gt;&lt;br data-end="299" data-start="296" /&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="317" data-start="299"&gt;Tampa Division&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="422" data-start="319"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;PRESIDENT DONALD J. TRUMP&lt;br data-end="347" data-start="344" /&gt;
gegen&lt;br data-end="355" data-start="352" /&gt;
NEW YORK TIMES COMPANY, eine Corporation aus New York, und andere&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="462" data-start="424"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="462" data-start="424"&gt;Aktenzeichen: 8:25-cv-2487-SDM-NHA&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;hr data-end="467" data-start="464" /&gt;&lt;blockquote&gt;&lt;p data-end="482" data-start="469"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="482" data-start="469"&gt;BESCHLUSS&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1373" data-start="484"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Wie jedem Mitglied der Anwaltschaft vor jedem Bundesgericht bekannt ist (oder bekannt sein sollte), verlangt Regel 8(a) der &lt;i data-end="642" data-start="608"&gt;Federal Rules of Civil Procedure&lt;/i&gt;, dass eine Klageschrift (“complaint”) &lt;b data-end="832" data-start="681"&gt;„eine kurze und einfache Darstellung des Anspruchs [sein muss], aus der hervorgeht, dass der Kläger Anspruch auf Gewährung von Rechtsbehelfen hat.“&lt;/b&gt; Regel 8(e)(1) fügt hinzu, dass &lt;b data-end="944" data-start="864"&gt;„jede Behauptung in einer Klageschrift einfach, knapp und direkt sein soll.“&lt;/b&gt; Manche Klagen sind notwendigerweise länger als andere. Der Unterschied hängt wahrscheinlich ab von der Zahl der Parteien und Ansprüche, der Komplexität der zugrunde liegenden Tatsachen und der Dauer sowie dem Umfang der relevanten Ereignisse. Aber sowohl eine kürzere als auch eine längere Klageschrift müssen „einfache, knappe und direkte“ Behauptungen enthalten, die eine „kurze und einfache Darstellung des Anspruchs“ bieten.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1663" data-start="1375"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Regel 8 gilt für jede Klageschrift vor einem Bundesgericht, unabhängig vom Streitwert, der Identität der Parteien, dem Ansehen oder der Erfahrung des Anwalts, der Dringlichkeit oder Wichtigkeit (real oder vermeintlich) des Rechtsstreits oder dem öffentlichen Interesse an der Streitfrage.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="2457" data-start="1665"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;In dieser Sache erhebt eine prominente amerikanische Persönlichkeit (vielleicht die prominenteste amerikanische Persönlichkeit) Vorwürfe der Verleumdung gegen einen ebenso prominenten amerikanischen Zeitungsverlag (vielleicht den prominentesten amerikanischen Verlag) und gegen mehrere weitere juristische und natürliche Personen. Obwohl nur zwei einfache Verleumdungsansprüche erhoben werden, umfasst die Klageschrift &lt;b data-end="2109" data-start="2084"&gt;fünfundachtzig Seiten&lt;/b&gt;. Anspruch I erscheint auf Seite achtzig, Anspruch II auf Seite dreiundachtzig. Seiten eins bis neunundsiebzig sowie ein Teil von Seite achtzig enthalten Behauptungen, die beiden Ansprüchen und allen Beklagten gemeinsam sind. Jeder Anspruch richtet sich gegen jeden Beklagten, und offenbar wird gegen jeden Beklagten dasselbe Rechtsmittel verlangt.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3900" data-start="2459"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Selbst unter großzügigster und nachsichtigster Auslegung von Regel 8 ist die Klage entschieden unzulässig und untragbar. Der Kläger behauptet zunächst einen Wahlsieg von Präsident Trump „in historischer Weise“ — indem er den Gegner „vernichtete“ — und verweist auf „andauernde Einmischung in die Wahl durch die traditionellen Medien, hauptsächlich angeführt von der New York Times.“ Der Kläger spricht von den „glorreichen Tagen“ der Zeitung, beklagt jedoch, dass die Zeitung zu einem „vollen Sprachrohr der Demokratischen Partei“ geworden sei, was angeblich in der „verrückten Unterstützung“ des Hauptgegners von Präsident Trump bei der letzten Präsidentschaftswahl resultierte. Der Leser der Klageschrift muss sich durch Behauptungen wie „ein neuer journalistischer Tiefpunkt für die hoffnungslos kompromittierte und befleckte ‚Graue Dame‘“ arbeiten. Der Leser muss eine Behauptung ertragen, dass „die verzweifelte Notwendigkeit, mit einer parteiischen Lanze zu verleumden, statt mit einem authentisch aussehenden Spiegel zu berichten“ bestehe, und dass „die falsche Erzählung über ‚The Apprentice‘ nur die Spitze von des Beklagten schmelzenden Eisbergs von Falschheiten“ sei. Ebenso enthält die Klageschrift viele, oft sich wiederholende und lobpreisende, aber überflüssige Behauptungen: etwa „‚The Apprentice‘ habe das kulturelle Ausmaß von Präsident Trumps einzigartiger Brillanz repräsentiert, die den Zeitgeist unserer Zeit erfasste.“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="4656" data-start="3902"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Die Klageschrift führt weiter aus Behauptungen zur Verteidigung von Präsident Trumps Vater und dem Erwerb des Trump-Vermögens; mit einer ausgedehnten Auflistung der vielen Immobilien, die The Trump Organization besitzt, entwickelt oder verwaltet; einer Liste von Präsident Trumps vielen Büchern; einer langen Darstellung der Geschichte von &lt;i data-end="4258" data-start="4242"&gt;The Apprentice&lt;/i&gt;; einer umfangreichen Aufzählung seiner Medienauftritte; einer detaillierten Schilderung anderer Rechtsverfahren, sowohl von Präsident Trump angestrengt als auch gegen ihn geführt, einschließlich der Behauptung einer „Russland-Kollusions-Posse“ und Vorfällen mutmaßlicher „lawfare“ gegen Präsident Trump; und mit vielem mehr, beharrlich behauptet in überreichlichem, blumigem und ermüdendem Detail.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="5560" data-start="4658"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Selbst wenn jede Behauptung in der Klage wahr wäre (natürlich ist das Sache einer Jury und hier nicht relevant; dieser Beschluss macht keinerlei Aussage über die Wahrheit der Behauptungen oder die Gültigkeit der Ansprüche, sondern behandelt nur die Form der Darlegung der Behauptungen); selbst wenn der Kläger bei einem Prozess Beweise für jede Behauptung der Klage vorlegen würde und die Jury diese als Tatsachen akzeptieren würde; und selbst wenn der Kläger schließlich nach dem Schmelzen des angeblichen „Eisbergs von Falschheiten“ der Beklagten in jedem der in der Klage behaupteten Gründe obsiegt — selbst unter all diesen Annahmen — bleibt eine Klageschrift ein unzulässiger Ort für die ermüdende und belastende Ansammlung potentieller Beweise, für das Vorsetzen parteiischer Argumente oder für die ausgedehnte Wiedergabe und Erklärung rechtlicher Autoritäten, die angeblich den Anspruch stützen.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="5919" data-start="5562"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Wie jeder Anwalt weiß (oder wissen sollte), ist eine Klageschrift kein öffentliches Forum für Schmähkritik und Beschimpfungen — kein geschütztes Podium, um gegen einen Gegner zu wettern. Eine Klageschrift ist kein Megafon für Öffentlichkeitsarbeit oder eine Kanzel einer politischen Kundgebung oder das funktionale Äquivalent der Hyde Park Speakers’ Corner.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="6702" data-start="5921"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Eine Klageschrift ist ein Mechanismus, um die Beklagten auf faire, präzise, direkte, nüchterne und wirtschaftliche Weise — in einer professionell zurückgenommenen Form, die der Würde des adversarischen Verfahrens vor einem Art-III-Gericht der Vereinigten Staaten entspricht — über die Natur und den Inhalt der Ansprüche zu informieren. Eine Klageschrift ist eine kurze, einfache, direkte Darlegung von Tatsachenbehauptungen, die hinreichend sind, um einen mit Anschein plausiblen Anspruch auf Rechtsbehelf darzulegen und die es ermöglichen, eine informierte Erwiderung zu formulieren. Obwohl Anwälte einen gewissen Spielraum in der Ausformulierung der Ansprüche für ihren Klienten haben, geht die Klageschrift in dieser Sache weit über die äußerste Grenze dieses Spielraums hinaus.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="7099" data-start="6704"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Diese Klageschrift steht unmissverständlich und inakzeptabel im Widerspruch zu den Anforderungen von Regel 8. Die Klageschrift wird &lt;b data-end="6849" data-start="6836"&gt;verworfen&lt;/b&gt;, mit der Möglichkeit zur &lt;b data-end="6892" data-start="6875"&gt;Überarbeitung&lt;/b&gt; innerhalb von &lt;b data-end="6931" data-start="6907"&gt;achtundzwanzig Tagen&lt;/b&gt;. Die überarbeitete Klageschrift darf &lt;b data-end="6987" data-start="6969"&gt;vierzig Seiten&lt;/b&gt; nicht überschreiten, wobei nur das Kopfblatt (Titel), die Unterschrift und eventuelle Anhänge ausgenommen sind.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="7157" data-start="7101"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="7115" data-start="7101"&gt;Angeordnet&lt;/b&gt; in Tampa, Florida, am 19. September 2025.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;p data-end="7157" data-start="7101"&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/09/aktenzeichen-xy-ungeliebt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-5115956696465932126</guid><pubDate>Fri, 01 Aug 2025 05:00:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-12-24T11:41:30.868+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Psychologie</category><title>Angst und autoritäre Persönlichkeit</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Warum wir Grausamkeit wählen&lt;/h1&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Wenn die Herabsetzung anderer wichtiger ist, als gute Politik und die eigene Lebensqualität&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;Immer wieder kratze ich mir am Kopf, weil ich nicht verstehe, wieso so viele Menschen solchen clownesken Autokraten und Möchtegerndiktatoren wie Orban, Le Pen oder Trump hinterher laufen oder warum sie Parteien wie die AfD wählen, die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/die-brutalitat-der-kettensage.html"&gt;durch grausame Sprache auffallen&lt;/a&gt;, immer nur andere herabwürdigen und in alle Richtungen bittere Galle versprühen. Das ist doch höchst unattraktiv! Wenn man dann noch beobachtet, dass die eigentliche Politik dieser Autokraten den Unterstützern eher noch schadet (siehe &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/die-wirtschaftliche-selbstverstummelung.html"&gt;Abschaffung von Sozialleistungen und das Ruinieren der Wirtschaft&lt;/a&gt; etc.), dann bin ich komplett ratlos. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da diesem Phänomen mit philosophischen und politischen Analysen schon gar nicht beizukommen ist, wird es Zeit für ein bisschen Psychologie und Soziologie. Ganz knapp zusammengefasst: die tragisch-grausamen Clowns werden nicht trotz, sondern wegen ihrer Grausamkeit gewählt. Aber warum wählen wir Grausamkeit überhaupt?&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&amp;nbsp;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiJkifVjzl2RJDCHjf2FnF1LSwyBqkQHndAb57alM7JBGDVhq_RrfCdCkvqEJLdKP0QZXRZbvKxvpIf0OR9JTOiA8qgu3k0ulPZ8ktKqUc8qcssJ9iP5kN_lLdXDfNny9sXB61T8PIv9_p4rml4jIg353DuZT6PJqZ8HcytLXJskhl6mBpnhHzzTEhFA5U/s640/deportation.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="427" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiJkifVjzl2RJDCHjf2FnF1LSwyBqkQHndAb57alM7JBGDVhq_RrfCdCkvqEJLdKP0QZXRZbvKxvpIf0OR9JTOiA8qgu3k0ulPZ8ktKqUc8qcssJ9iP5kN_lLdXDfNny9sXB61T8PIv9_p4rml4jIg353DuZT6PJqZ8HcytLXJskhl6mBpnhHzzTEhFA5U/s16000/deportation.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Was die Wähler sehen wollen: "Illegal aliens are returned to Ecuador" (&lt;a href="https://www.dvidshub.net/image/8849611/ecuador-deportation-flight" target="_blank"&gt;DoD&lt;/a&gt;, Public Domain*)&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3&gt;&lt;b&gt;Die Psychologie des Autoritarismus&lt;/b&gt;&lt;/h3&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Eine aktuelle Spur hat Zygmunt Bauman 2006 mit dem Buch und Begriff "Liquid Fear" gelegt, mit dem er beschreibt, wie wir mit ständig präsenten Ängsten vor vermeintlich bevorstehenden und unklaren Gefahren in einem Zustand permanenter Verunsicherung leben. Das macht uns angreifbar für Verführungen. Lange zuvor haben sich bereits Geistesgrößen wie &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/12/entfremdung-freud.html"&gt;Freud&lt;/a&gt;, &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter" target="_blank"&gt;Erich Fromm&lt;/a&gt;&amp;nbsp;in den 1930er-Jahren und &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit" target="_blank"&gt;Adorno&lt;/a&gt;&amp;nbsp;(1950) mit autoritären Neigungen von Menschen auseinandergesetzt. In der von Adorno betreuten Untersuchung &lt;a href="https://www.google.de/books/edition/The_Authoritarian_Personality/SUmHDwAAQBAJ" target="_blank"&gt;Authoritarian Personality&lt;/a&gt;&amp;nbsp;werden beispielsweise Grundzüge der autoritären Persönlichkeit wie starres Festhalten an Konventionen, Macht­orientierung und Unterwürfigkeit, Destruktivität und Zynismus beschrieben. Wer "Der Untertan" von Heinrich Mann (1918) gelesen hat, kann das auch literarisch einordnen.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Adornos Ziel damals war es, die psychologischen Voraussetzungen für Faschismus zu identifizieren – ein Ziel, das an Aktualität wieder hinzugewonnen hat. Eine sehr aktuelle und populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich bei Russell Razzaque gefunden. Als Psychiater hat er u.a. gefragt, warum nicht der politische Wille zum Sieg oder zur Machtausübung im Zentrum solcher politischen Bewegungen wie MAGA steht, sondern eine regelrechte Lust an der Grausamkeit gegenüber denen, die nicht dazu gehören. Den politischen Protagonisten und ihren Gefolgsleuten in der Bevölkerung geht es in ihrer martialischen Sprache und herabsetzenden Bildern (wenn z.B. Immigranten in Ketten gelegt und deportiert werden), nicht nur um Abschreckung, sondern um gezielte Demütigung. Wer könnte sich denn daran erfreuen? Idioten, würde ich im Affekt antworten. Aber es ist wohl komplizierter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was treibt Menschen an, Grausamkeit nicht nur als politisch notwendig zu akzeptieren, was schon schlimm genug wäre, sondern sie regelrecht zu genießen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Viele Anhänger solcher Bewegungen haben eine sogenannte &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit"&gt;autoritäre Persönlichkeit&lt;/a&gt;&amp;nbsp;und zeigen in bestimmten Momenten autoritäre Reaktionen. Wir alle haben autoritäre Persönlichkeitsmerkmale, einige mehr und andere weniger. Die jenigen, bei denen diese Dimension der Persönlichkeit stärker ausgeprägt ist, suchen schnell nach klaren Hierarchien, nach starken Führern und nach strikter Ordnung – insbesondere in unsicheren Zeiten. Diese extrem autoritäre Haltung ist keine konstante Eigenschaft, sondern wird durch bestimmte Umstände aktiviert, insbesondere durch Angst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trump beispielsweise ist ein intuitiver Meister darin, unnötige Ängste zu schüren. Schon zu Beginn seiner politischen Karriere verbreitete er Angst vor Migranten und malte ein Bild von einem zerfallenden Amerika. Dabei wird auch vor offensichtlichen und leicht zu widerlegenden Lügen ("sie essen eure Haustiere") nicht zurück geschreckt. Die &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Austausch" target="_blank"&gt;Great Replacement Conspiracy&lt;/a&gt;, der zufolge die Mehrheitsbevölkerungen in westlichen Staaten durch Nichtweiße und Muslime ersetzt werden, bringt die diffuse Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit und letztlich dem eigenen Verschwinden auf den Punkt. Medien wie Fox News oder Compact tragen aktiv und sicherlich nicht naiv, sondern gezielt dazu bei, diese Bedrohungsszenarien aufrechtzuerhalten. Die ständig vermittelte Angst aktiviert dann als klassisches autoritäres Reaktionsmuster bei vielen Menschen dieses Bedürfnis nach starker Führung.&lt;/p&gt;&lt;h3&gt;&lt;b&gt;Statusverlust als kulturell-soziale Angst&lt;/b&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Interessanterweise fürchten sich die Anhänger rechter autoritärer Bewegungen nicht primär vor Armut oder Kriminalität, auch wenn das oft behauptet wird. Studien zeigen, dass sie wirtschaftlich oft nicht schlechter dastehen als der Durchschnitt. Ihre zentrale Angst ist eine kulturelle und soziale Angst: die Angst vor Statusverlust. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders betroffen davon sind weiße Männer, die lange Zeit eine dominierende gesellschaftliche Stellung innehatten. Diese Gruppe fühlt sich bedroht durch die Emanzipation von Frauen, den gesellschaftlichen Aufstieg von Minderheiten und Migranten sowie durch kulturellen und sprachlichen Wandel. Es geht nicht um objektive Benachteiligung, sondern um eine relative Statusangst – das Gefühl, dass "die anderen" aufholen und man selbst an Bedeutung verliert.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3&gt;&lt;b&gt;Nicht Lebensqualität, sondern Rückkehr zur Dominanz&lt;/b&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Slogans wie "Make America Great Again" (Trump), "Hol Dir Dein Land zurück!" (AfD) oder "Remettre la France en ordre" (Rassemblement National) wird in diesem Zusammenhang als Versprechen auf die Wiederherstellung vergangener Dominanz verstanden. Es geht nicht darum, die Lebensqualität für alle zu verbessern, sondern darum, die eigene relative Überlegenheit wiederherzustellen – auf Kosten anderer. Wenn Minderheiten, Frauen oder queere Menschen aufsteigen, empfinden das viele in diesen Bewegungen als Bedrohung. Deshalb zielen viele politische Ambitionen nicht darauf ab, das Leben der eigenen Anhänger zu verbessern, sondern darauf, die herabzusetzen, die nicht zu den eigenen Anhängern zählen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In diesem Licht erscheinen viele Entscheidungen z. B. die Trennung von Migrantenfamilien, die Deportation in Drittstaaten oder die brutale Rhetorik gegenüber bestimmten Gruppen nicht als Nebeneffekt, sondern als Ziel an sich: Grausamkeit wird inszeniert, um Wohlgefühl in der eigenen Anhängerschaft zu erzeugen. Das erklärt, warum viele Unterstützer rechter Populisten nicht primär für bestimmte Inhalte applaudieren, sondern für Demütigung und Bestrafung der als Bedrohung wahrgenommenen Gruppen.&lt;b&gt;&amp;nbsp;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3&gt;&lt;b&gt;Ressentiment oder privilegierte Opfer&lt;/b&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Diese Haltung ist tief im Ressentiment verwurzelt – ein Gefühl der anhaltenden Kränkung, des Hasses auf diejenigen, die vermeintlich den eigenen Platz einnehmen. Der Psychiater Razzaque beschreibt dies als ein inneres Brennen, eine Wut, die nicht vergehen will und ständig neue Nahrung sucht: Diese Menschen "marinieren" regelrecht in ihrem Ressentiment. Der Extremfall dieser Haltung sei z. B. Stephen Miller, der langjährige Trump-Berater, der laut Zeugen vor allem durch seine Wut auf Migranten und seinen Hang zur Grausamkeit aufgefallen sei – nicht durch Intellekt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dazu passt die eigene Identifikation als Opfer. Das geht soweit, dass sich viele MAGA-Anhänger selbst angegriffen fühlen, wenn Trump wegen seiner persönlichen Vergehen (z.B. sexuelle Übergriffe auf Frauen) rechtmäßig verurteilt wird. Für die Anhänger ist Trump mehr als ein Politiker – er ist eine Projektionsfigur für ihre eigene Kränkung. Wenn Trump also "verfolgt" wird, dann erleben sie das als Beweis dafür, dass auch sie unterdrückt werden. Das erklärt, warum seine Unterstützung sogar nach Verurteilungen wächst: Sie verstärken die gefühlte Opfergemeinschaft.&lt;b&gt;&amp;nbsp;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3&gt;&lt;b&gt;Demokratie als Kollateralschaden&lt;/b&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Für viele Anhänger dieser Art von Nationalpopulismus ist der Erhalt der Demokratie nachrangig. Entscheidend ist die Wiederherstellung ihrer früheren, zum Teil auch nur imaginierten Dominanz. Wenn dafür demokratische Prozesse geopfert werden müssen, ist das für viele ein akzeptabler Preis.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Diese tiefen, psychologischen Vorgänge machen diese Bewegungen zu einer ernsthaften Bedrohung für die Demokratie. Es reicht nicht aus, die Anhänger autoritärer Bestrebungen als "böse" oder "dumm" abzutun. Vielmehr müssen wir verstehen, woher ihre Ängste, Kränkungen und Reaktionen kommen. Nur so können wir ein demokratisches Gegenmodell zu denen aufbauen, die unsere niedernen Instinke ausnutzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine vertiefte, beteiligungsorientierte Demokratie, in der Bürger nicht nur alle vier Jahre abstimmen, sondern kontinuierlich in Entscheidungsprozesse eingebunden sind, so meint beispielsweise Razzaque, könnte solche gekränkten Menschen, die sich abgehängt fühlen, wieder in die Demokratie zurück holen.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;*Disclaimer: The appearance of U.S. Department of Defense (DoD) visual information does not imply or constitute DoD endorsement.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html"&gt;Moral für ein neues Mittelalter&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/12/schopenhauer-gemeinschaft.html"&gt;Schopenhauers gute Gemeinschaft&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/12/persoenlichkeit-ist-trumpf.html"&gt;Küsst du mit diesem Mund auch deine Mutter?&lt;/a&gt;&lt;/span&gt; &lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/07/autoritaere-persoenlichkeit.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEiJkifVjzl2RJDCHjf2FnF1LSwyBqkQHndAb57alM7JBGDVhq_RrfCdCkvqEJLdKP0QZXRZbvKxvpIf0OR9JTOiA8qgu3k0ulPZ8ktKqUc8qcssJ9iP5kN_lLdXDfNny9sXB61T8PIv9_p4rml4jIg353DuZT6PJqZ8HcytLXJskhl6mBpnhHzzTEhFA5U/s72-c/deportation.jpg" width="72"/><thr:total>9</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-8975977579560840900</guid><pubDate>Fri, 18 Jul 2025 10:27:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-07-20T12:40:11.486+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">#Zukunft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Liebe</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Literatur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Technik</category><title>Über Moderne, Mythos und Maschinen</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Was vom Menschen übrig bleibt – Fortschritt, Krise und Selbstverlust&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;In Zeiten radikalen Wandels – technologisch, ökologisch, existenziell – stellt sich eine alte philosophische Frage mit neuer Dringlichkeit: Was heißt es heute, Mensch zu sein? Dieser Text ist eine intime Reflexion über Fortschritt, Grenzen, das Dazwischen und das Unverfügbare – über das, was uns zu Menschen macht, gerade in dem Moment, in dem wir es aus der Hand geben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die englische Originalversion des Textes wurde am 17. 7. 2025 in Xavier Faltots Radioshow&amp;nbsp;&lt;a href="https://toutvabiensepasser.com/thematiques/la-technologie/zuperwok00/" target="_blank"&gt;Cashmere Talks Zuper Wok #00: Escaping the Dark Hole&lt;/a&gt; gelesen.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;iframe allow="autoplay" frameborder="no" height="166" scrolling="no" src="https://w.soundcloud.com/player/?url=https%3A//api.soundcloud.com/tracks/2132245206&amp;amp;color=%2314adce&amp;amp;auto_play=false&amp;amp;hide_related=false&amp;amp;show_comments=true&amp;amp;show_user=true&amp;amp;show_reposts=false&amp;amp;show_teaser=true" width="100%"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;div style="color: #cccccc; font-family: Interstate, Lucida Grande, Lucida Sans Unicode, Lucida Sans, Garuda, Verdana, Tahoma, sans-serif; font-size: 10px; font-weight: 100; line-break: anywhere; overflow: hidden; text-overflow: ellipsis; white-space: nowrap; word-break: normal;"&gt;&lt;a href="https://soundcloud.com/geistundgegenwart" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="Geist und Gegenwart"&gt;Geist und Gegenwart&lt;/a&gt; · &lt;a href="https://soundcloud.com/geistundgegenwart/man-overboard" style="color: #cccccc; text-decoration: none;" target="_blank" title="Man Overboard!"&gt;Man Overboard!&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Mann über Bord!&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Mein Freund nennt mich immer wieder einen Modernisten. Er hat recht … nicht im Hinblick auf das, was ich anstrebe, sondern in dem, was ich mit mir bringe. Und nein, ich glaube nicht, dass wir die Moderne einfach hinter uns lassen werden. So wie wir uns auch nie wirklich der Antike entledigt haben – oder der Steinzeit. Reptilien ziehen die Strippen in unseren Gehirnen.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1506" data-start="1117"&gt;Die Wellen, das Licht, die Gletscher, die Teilchen, die Stürme, die Liebe, die Worte – diese Rhythmen stammen nicht von uns. Wir sind das, was durch die Ritzen dieser ewig mahlenden Rhythmen hindurchfällt. Wir tanzen wie Sägespäne zu Boden. Und auf dem Weg nach unten reimen wir uns auf diese Rhythmen. Ist das nicht sublim?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="1821" data-start="1508"&gt;"Erkenne dich selbst!", forderte das Orakel – und meinte damit nicht, uns vollständig zu begreifen, sondern das Gegenteil: Erkenne deine Grenzen! Schau auf deine Haut. Und mal ehrlich: Das war noch nie unsere Stärke. Was schade ist – denn genau dort, an unseren Grenzen, auf unserer Haut, geschieht die ganze Magie.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="2270" data-start="1823"&gt;Wir sind die Nachfolgenden. Und wir müssen die Einschreibungen dort, wo unsere menschliche Hard- und Software zu einem Gewebe verschmilzt, permanent hinterfragen. Die Zeichen der Zeit sind für immer auf unsere Zungen tätowiert. Frage deine Zunge! Sieh sie dir an! Du wirst sehen: Sie ist gespalten wie die Zunge einer Schlange. Du kannst die neue Wahrheit nicht mit den alten Worten sprechen. Und vielleicht brauchst du auch neue Augen.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="2431" data-start="2272"&gt;Unsere moderne Blackbox der Gewissheit verwandelt sich in ein schwarzes Loch. Der Fortschritt kollabiert in sich selbst – in ein Paradox, wie mein Freund sagt.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="2848" data-start="2433"&gt;Wir sind schon immer auf diesem Kurs gewesen, seit Prometheus. Nur jetzt beginnt alles zu rutschen – wie Gletscher auf Speed. Der Dichter-Philosoph hatte Unrecht: Der feurige Fortschritt führt am Ende nicht nur zu Freiheit und Handlungsmacht. Er ist auch eine Form der Flucht. Der Fortschritt in Form des künstlich erzeugten Feuers ist ein Versuch, den Vormarsch des Chaos, des Kronos, des Todes hinauszuzögern.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3270" data-start="2850"&gt;Ein deutliches Merkmal davon sind die immer größer werdenden Zähne des Risikos. Denn unser Deal lautet bisher: Jedes Monster, das wir besiegen, gebiert ein noch größeres, das es zu besiegen gilt. Und wenn du dich umdrehst, wirst du sehen, wie ein Wirbelwind aus einer Million Medusen ein schwarzes Loch formt. Unsere Zukunft frisst uns – aus der Vergangenheit heraus. "Mensch über Bord!" Lass uns noch einmal zurückrudern.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3411" data-start="3272"&gt;Was ist der neue Deal? Wie entkommen wir diesem schwarzen Loch? Das ist die Milliarden-Dollar-Frage – wie ein echter Modernist sagen würde.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3639" data-start="3413"&gt;Jede transformative Krise der Menschheit ist ein guter, vielleicht sogar notwendiger Anlass, neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Revolution? Evolution? Du willst die Welt verändern? Dann lass die Welt dich verändern!&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="3868" data-start="3641"&gt;An Transformationsprozessen und Krisen mangelt es derzeit nicht – weder an objektiven (wie Gletscher auf Speed) noch an subjektiven. Die subjektive Krise spiegelt sich vor allem in der Frage, was es heute heißt, Mensch zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="4306" data-start="3870"&gt;Was ist Menschlichkeit, wenn Kognition, Kreativität und Geselligkeit an Maschinen ausgelagert werden? Es ist wirklich das Außergewöhnlichste, was wir gerade tun: Als ob die Menschheit die Augen schlösse – müde, sie selbst zu sein, müde des Fühlens, müde der Erfahrung. Müde der Liebe? Wir lagern das, was es heißt, Mensch zu sein, an Maschinen aus, die dann mit dem Menschen austauschbar werden. Wirklich, das ändert einfach alles.&lt;/p&gt;
&lt;p data-end="4800" data-start="4308"&gt;Wenn wir uns wandeln und den Verlust der Wahrheit überleben können, dass nur echte Menschen wahrhaft menschlich sein können – dann stellt sich die Frage: Was wird unser neues Ritual sein? Was unser neuer, konstituierender Mythos? Was werden Menschen praktizieren, um einander Verwandtschaft und Solidarität zu versichern? Welche Geschichten wollen wir über uns selbst reimen? Pi zu kennen, Quanten und Quarks zu berechnen oder unsere DNA zu entschlüsseln – das allein reicht gewiss nicht aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2021/04/alle-wesen-entstammen-dem-stein.html"&gt;Alle Wesen entstammen dem Stein&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/04/von-der-abstraktion-zum-realen.html"&gt;Von der Abstraktion zum realen Leben kommen&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/10/h-wie-habicht.html"&gt;Bilder des Trostes, H wie Habicht&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/07/mann-uber-bord.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-4294800696934245253</guid><pubDate>Wed, 09 Jul 2025 19:21:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-07-09T22:00:49.734+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">#Zukunft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><title>Moral für ein neues Mittelalter</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Alasdair MacIntyres moralische Orientierung in unübersichtlichen Zeiten&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Die Botschaft des kürzlich verstorbenen Philosophen Alasdair MacIntyre 
hat für viele eine besondere Resonanz – insbesondere für jene, die nach 
Orientierung inmitten des kulturellen Lärms der Gegenwart suchen.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Artikel von Christopher Akers&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjBS11fnbGQJqDJ8osXr1-j1d1dMBCpMuCgWfloTOyhoMWDUONoW8ULJmqtYAxFUAL39slSnCCmrhLHb7L9BteltMA5Ca4zlXEim8j9IW9JajxKoRkeHTkT3yzdvaEvYy1HUjSfm-NcDO5B999EQWLx4WSzTE5aeF95VLyGH0Bv0d9EoC_CIz7E9F-88nY/s640/Alasdair-MacIntyre.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="401" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjBS11fnbGQJqDJ8osXr1-j1d1dMBCpMuCgWfloTOyhoMWDUONoW8ULJmqtYAxFUAL39slSnCCmrhLHb7L9BteltMA5Ca4zlXEim8j9IW9JajxKoRkeHTkT3yzdvaEvYy1HUjSfm-NcDO5B999EQWLx4WSzTE5aeF95VLyGH0Bv0d9EoC_CIz7E9F-88nY/s16000/Alasdair-MacIntyre.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Alasdair MacIntyr, London, March 24, 1992 (&lt;a href="https://www.flickr.com/photos/levanrami/50497417111" target="_blank"&gt;Levan Ramishvili&lt;/a&gt;, Public Domain)&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;In dem postapokalyptischem Roman &lt;i&gt;Lobgesang auf Leibowitz&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;A Canticle for Leibowitz&lt;/i&gt;, 1959) von Walter M. Miller Jr. wird das restliche, noch vorhandene Wissen der Menschheit nach einem verheerenden Atomkrieg ein weiteres Mal verwüstet. Bücher, wissenschaftliche Geräte, Gelehrte und Schriftkundige – all das wird von wütenden Mobs vernichtet. Jahrhunderte später sind die wenigen erhaltenen Relikte einer vergangenen Zivilisation aus ihrem ursprünglichen Sinnzusammenhang gerissen, und die Naturwissenschaften liegen im Chaos. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Persönliche Gefühle anstatt Moral&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Für MacIntyre, den einflussreichen Moralphilosophen des späten 20. Jahrhunderts, der am 21. Mai 2025 im Alter von 96 Jahren starb, war das eine treffende Metapher. In seinem Hauptwerk &lt;i&gt;Der Verlust der Tugend&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;After Virtue&lt;/i&gt;) argumentierte er, dass die Moral unserer westlichen Gesellschaften eine ähnliche Katastrophe erlebt habe. Zwar sprechen wir weiterhin von "Gut" und "Böse" und handeln, als gäbe es objektive moralische Wahrheiten – doch nach dem Bruch mit der klassischen und religiösen Tradition der Aufklärung fehlt uns heute der gemeinsame Bezugsrahmen für diese Begriffe. Zurück bleibt eine Moralphilosophie, die vor allem auf persönlichen Gefühlen beruht – haltlos im Ozean des Pluralismus und Individualismus, an den Resten einst tragender Traditionen festklammernd. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MacIntyres Antwort auf dieses moralische Vakuum unterschied sich deutlich von anderen Kritikern der Moderne wie etwa Michel Foucault. Statt die bestehenden Ordnung vollständig zu dekonstruieren, wandte er sich gegen abstrakte Theorien und knüpfte neu an Aristoteles und die Tugendethik an. In dieser Tradition ist menschliches Gedeihen mit dem Telos des Menschen als vernunftbegabtem Wesen verbunden – und zwar nicht im luftleeren Raum, sondern im konkreten Handeln und im Rahmen gesellschaftlicher Praktiken. MacIntyres Denken belebte die Tugendethik neu, auch wenn er selbst sich nie als ihr Vertreter verstand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während sich die akademische Philosophie zunehmend in sprachlichen Spitzfindigkeiten und kulturkritischer Dekonstruktion verlor, stellte MacIntyre existenzielle Fragen: Nietzsche oder Aristoteles? Liberaler Individualismus und Nihilismus – oder ein Ausweg in eine moralisch verankerte Gemeinschaft? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geboren 1929 in Glasgow als Sohn gälischsprachiger Eltern, studierte MacIntyre Klassische Philologie in London und schloss sein Masterstudium in Manchester ab. Einen Doktortitel hatte er nicht und äußerte einmal augenzwinkernd: "Ich würde nicht behaupten, dass ein Doktortitel den Geist verformt – aber man muss sich dann besonders bemühen, gebildet zu bleiben."&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach akademischen Stationen in Manchester, Leeds, Oxford, Princeton und Essex zog MacIntyre in die USA, wo er unter anderem an der Brandeis University, der Boston University, Vanderbilt und Duke lehrte, bevor er sich an der renommierten katholischen University of Notre Dame niederließ. Sein erstes Buch erschien 1953 (&lt;i&gt;Marxism: An Interpretation&lt;/i&gt;), sein letztes 2016 (&lt;i&gt;Ethics in the Conflicts of Modernity&lt;/i&gt;). Dazwischen veröffentlichte er einige der einflussreichsten moralphilosophischen Werke des Jahrhunderts: &lt;i&gt;After Virtue&lt;/i&gt; (1981), &lt;i&gt;Whose Justice? Which Rationality?&lt;/i&gt; (1988), &lt;i&gt;Three Rival Versions of Moral Enquiry&lt;/i&gt; (1990) und &lt;i&gt;Dependent Rational Animals&lt;/i&gt; (1999). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MacIntyre war Zeit seines Lebens ein Suchender – sowohl intellektuell als auch religiös. Früh politisch aktiv im kommunistischen und sozialistischen Milieu, stand er im Austausch mit linken Denkern wie E. P. Thompson. Religionsphilosophisch durchlief er Stationen als Anglikaner, Presbyterianer und Atheist – keine dieser Bekenntnisse bot ihm letztlich dauerhafte Antworten. Seine geistige Reise führte ihn schließlich vom revolutionären Marxismus und der analytischen Philosophie über eine Synthese von Aristoteles und Thomas von Aquin in die katholische Kirche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Bekenntnis zu einer "fundamentaleren Ordnung" war Ausdruck der Wichtigkeit seiner späten katholischen Wendung, wie man auch an seiner Auffassung sehen kann, dass Thomas von Aquin als Aristoteliker konsequenter sei, als Aristoteles selbst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Heutiger Konservativismus und Liberalismus zerstören Moral&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Gleichzeitig blieb er ein scharfer Kritiker des Kapitalismus – beeinflusst von Marx’ Analyse, aber ohne dessen revolutionäres Pathos. Er lehnte sowohl den liberalen Individualismus als auch den heutigen Konservatismus ab, den er als bloßes Spiegelbild liberaler Ideologie betrachtete. Beide zerstörten, so MacIntyre, die Voraussetzungen moralischer Gemeinschaft: der Liberalismus durch seinen Relativismus, der Konservatismus durch seine Verherrlichung des freien Marktes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er beklagte, dass moderne liberale Gesellschaften "verpflichtet sind, in ihrem öffentlichen Diskurs jede verbindliche Vorstellung vom menschlich Guten auszuklammern – geschweige denn ihr Gemeinwesen darauf zu gründen." Auch dem Nationalismus stand er skeptisch gegenüber. In einem seiner bissigeren Bonmots meint er, für den modernen bürokratischen Nationalstaat zu sterben sei genauso absurd, wie "die Aufforderung, für die Telefongesellschaft zu sterben". &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine fundamentale Kritik an der Moralphilosophie der Aufklärung und seine Ablehnung liberaler Konzepte stießen auf kontroverse Reaktionen – wenig überraschend bei einem Denker, der sein Werk selbst als den Versuch beschrieb, "der dominanten sozialen, ökonomischen und politischen Ordnung der hochentwickelten Moderne so klug, mutig, gerecht und maßvoll wie möglich zu widerstehen".&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Nach jeder Tugend&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;i&gt;After Virtue&lt;/i&gt; bleibt MacIntyres bekanntestes und wirkungsmächtigstes Buch. Seine zentrale These: Das moralische Projekt der Aufklärung – von Humes Betonung des Gefühls über Kants kategorischen Imperativ bis hin zu Benthams Utilitarismus – ist gescheitert. Es konnte keine neue rationale Begründung der Moral liefern und kappte zugleich die Verbindungen zu den vorangegangenen Traditionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück blieb eine Moraldebatte, die sich in bloßen Gefühlsäußerungen erschöpft. In einer Welt, in der es keine gemeinsamen Maßstäbe zur Bewertung konkurrierender Überzeugungen mehr gibt, gewinnt subjektiver Moralismus die Oberhand. Die aufgeladene Tonlage vieler Debatten heute sowie die häufig gehörte Überzeugung, "das ist eben meine Wahrheit" illustrieren diesen Zerfall normativer Verständigung. Es bleibt eine unscharfe Form von Utilitarismus ohne Fundament. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein wesentlicher Gedanke MacIntyres lautet: Philosophien entstehen aus ihren je eigenen kulturellen Traditionen – mitsamt deren Vorannahmen und Begrenzungen. Nicht nur deswegen war MacIntyres Denken keine rückwärtsgewandte Romantik des Mittelalters. Er trat ein für Toleranz, Meinungsfreiheit und die Erkenntnis, dass auch unvollkommene moderne Philosophen zu moralisch wertvollen Ergebnissen beitragen können. So lobte er etwa das Nützlichkeitsdenken des 19. Jahrhunderts, das zu wichtigen sozialen Fortschritten wie der Gesundheitsreform durch Edwin Chadwick oder der Frauenemanzipation durch John Stuart Mill führte. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Gemeinschaft der Zivilität und Moral&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Sein Aristotelismus war lebensnah. Er setzte nicht auf Eliten oder intellektuelle Avantgarden, sondern auf die "einfachen Menschen" – jene, die Familien gründen, Schulen erhalten, lokale politische Gemeinschaften mittragen. Sie, so glaubte er, würden die Idee der Teleologie, also der sinnhaften Ausrichtung des menschlichen Lebens, wiederentdecken. Sie könnten anknüpfen an eine Tradition, die den Menschen nicht nur als das sieht, was er zufällig ist, sondern als das, was er sein könnte, wenn er seine wesentliche Natur verwirklichte – ergänzt, aber nicht verfälscht durch christliche und andere religiöse Strömungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MacIntyre hatte den Finger am Puls der Zeit. Seine Argumente wirken heute fast prophetisch – insbesondere angesichts der aktuellen postliberalen Diskurse, der Suche nach spiritueller Orientierung und des schwindenden Vertrauens in einen gemeinsamen moralischen Konsens. Sein Einfluss lässt sich in der Arbeit namhafter liberalismuskritischer Denker wie Charles Taylor, Rod Dreher und Patrick Deneen erkennen, ebenso bei britischen Philosophen wie John Gray, John Milbank oder dem früheren Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams. Sie alle schreiben auf den Schultern MacIntyres. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schlusssatz aus &lt;i&gt;After Virtue&lt;/i&gt; klingt wie ein Vermächtnis für unsere Zeit:&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Was nun zählt, ist der Aufbau lokaler Formen von Gemeinschaft, in denen Zivilität sowie intellektuelles und moralisches Leben durch das neue dunkle Zeitalter hindurch erhalten bleiben können, das bereits über uns hereingebrochen ist. Und wenn es der Tradition der Tugenden gelungen ist, das letzte dunkle Zeitalter zu überstehen, dann haben wir durchaus Grund zur Hoffnung."&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Welche neuen Gemeinschaften aus diesem moralischen Dunkel hervorgehen werden, bleibt offen. Doch MacIntyres Einfluss und seine Relevanz wachsen weiter – fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Diagnose. Möge er in Frieden ruhen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Quellenvermerk:&lt;/b&gt;&amp;nbsp;Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag, der ursprünglich auf &lt;a href="https://engelsbergideas.com/notebook/alasdair-macintyres-philosophy-for-a-new-dark-age/"&gt;Engelsberg Ideas&lt;/a&gt; erschienen ist. Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Dietrich ins Deutsche übertragen und sprachlich angepasst für Geist und Gegenwart.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html"&gt;Im Fleisch der Welt&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/12/persoenlichkeit-ist-trumpf.html"&gt;Küsst du mit diesem Mund auch deine Mutter?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/05/zehn-tugenden-manifest.html"&gt;Zehn Tugenden für das moderne Leben&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/07/macIntyres-moral.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjBS11fnbGQJqDJ8osXr1-j1d1dMBCpMuCgWfloTOyhoMWDUONoW8ULJmqtYAxFUAL39slSnCCmrhLHb7L9BteltMA5Ca4zlXEim8j9IW9JajxKoRkeHTkT3yzdvaEvYy1HUjSfm-NcDO5B999EQWLx4WSzTE5aeF95VLyGH0Bv0d9EoC_CIz7E9F-88nY/s72-c/Alasdair-MacIntyre.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2386216150908771279</guid><pubDate>Thu, 03 Jul 2025 15:08:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-07-07T15:01:20.026+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Eigenverantwortung</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Mut</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Die Brutalität der Kettensäge</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Wenn sich das Böse selbst ganz schamlos zeigt&amp;nbsp;&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Auf der&amp;nbsp;&lt;span class="wtBS9" id="_N6lmaLLbE63Xxc8Ptsaz-QQ_73" style="-webkit-line-clamp: 6;"&gt;&lt;span&gt;Fête de la Musique&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;sprach ich mit einem Freund aus Frankreich, der sich beeindruckt zeigte, dass ich im Osten Deutschlands aufgewachsen war und dennoch irgendwie ein normaler Mensch geworden zu sein schien. Er meinte, dass doch das DDR-Regime nicht viel besser gewesen sein konnte, als das sogenannte "Dritte Reich" zuvor. Dazu gäbe es einiges zu sagen, das einen Vergleich generell disqualifizieren würde, aber meinem französischen Freund ging es um die Frage, was eigentlich der große Unterschied war.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhjC1y1Rwn6P-dG0aU5oWZ14T2r6MDpcZif00KkuU4jcRJSoFjpOTHJhjsNOxzIzMaiVRrsloOqURS7anNV-laSlrAKzULW-W6mSVeZR24oLBlFzgE5q21l9tf0VLTpqkYGm9NzTZNXNXGJjoBP_CliFYoivXAzGVBZqhJ17LK2ODztXmUa7HRPg6oND6c/s640/chainsaw-musk-q-640.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="640" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhjC1y1Rwn6P-dG0aU5oWZ14T2r6MDpcZif00KkuU4jcRJSoFjpOTHJhjsNOxzIzMaiVRrsloOqURS7anNV-laSlrAKzULW-W6mSVeZR24oLBlFzgE5q21l9tf0VLTpqkYGm9NzTZNXNXGJjoBP_CliFYoivXAzGVBZqhJ17LK2ODztXmUa7HRPg6oND6c/s16000/chainsaw-musk-q-640.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Gesten der Brutalität in der Politik. Foto von &lt;a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Elon_Musk_(54349592271).jpg"&gt;Gage Skidmore&lt;/a&gt; (&lt;span class="alt-titles"&gt;&lt;span class="tool-identifier"&gt;&lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en"&gt;CC BY-SA 2.0&lt;/a&gt;)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;div style="text-align: left;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Intentionen und Konsequenzen&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Nach etwas Nachdenken sagte ich, dass es tatsächlich viel Leid, Zensur, staatliche Übergriffe und wenig Freiheit – weder für die Körper, noch für die Geister – gegeben hatte. Also aus der Perspektive einer konsequentialistischen Ethik, die die moralische Wertigkeit von Politik an ihren Konsequenzen misst, war die DDR der totale Reinfall. Sicher mit viel weniger Toten in der Konsequenz, als Hitlers Deutschland hervorgebracht hatte, aber ein erwiesener "Loser der Geschichte" allemal.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aus der Perspektive einer intentionalen Ethik, die die moralische Wertigkeit an&amp;nbsp;&lt;span data-huuid="6366927880975449706"&gt;&lt;span&gt;inhärenten moralischen Regeln oder Pflichten und unabhängig von ihren Konsequenzen&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-huuid="6366927880975449706"&gt;&lt;span&gt;bewertet, bekommen wir ein anderes Bild: Am Anfang des Nazi-Regimes standen Ideen der Auslöschung, der Vernichtung und der Rache.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-huuid="6366927880975449706"&gt;&lt;span&gt;Am Anfang des DDR-Regimes standen Ideen der Humanität, der Solidarität und einer weltweit im Fortschritt verbundenen Menschheit.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="6366927880975449706"&gt;&lt;span&gt;Wie naiv der Glaube an diese Art von Sozialismus letztlich war und dass es immer wieder in Grausamkeit und Brutalität umschlug, ist bekannt. Hinterher sind wir klüger. Aber selbst am Ende der DDR, als es auch eine militante Katastrophe hätte werden können, stand auf eine skurile Weise immer noch der Humanismus als das da, was die DDR überlebte:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="6366927880975449706"&gt;&lt;span&gt;Nachdem&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Erich Mielke als Stasi-Chef zurückgetreten war und sein "Lebenswerk" zerstört vor allen sichtbar lag, stammelte er vor der DDR Volkskammer: "Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein..."&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Und auch an der Mauer selbst wurde, als sie letztlich von DDR-Bürgern gestürmt und überrannt wurde,&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;nicht geschossen, weil es in den Befehlsketten Menschen gab, die sich der Barbarei entgegenstellten. Man kann also sagen, der Funke Humanismus, der am Anfang der Idee stand, glimmte selbst an ihrem Ende noch.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Die politischen Brutalisten sind zurück... mit Kettensäge&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Wenn ich heute sehe, wie Politik schon von ihren Intentionen her brutal, gemein und unmenschlich ist, wie auf der Bühne Kettensägen geschwungen werden, wie damit geprahlt wird, dass man Menschen deportieren, Familien trennen oder den Sozialstaat, auf den die Schwachen angewiesen sind, abschaffen wird, damit man den Reichen das Steuerzahlen ersparen kann, dann lässt mich das eher an die Mentalität Nazideutschlands denken. Humanistisch ist diese schamlos vorgeführte Brutalität jedenfalls nicht.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Sollten wir wieder einmal vor der Frage stehen, wen man eigentlich noch wählen kann, dann könnte man sich ganz intuitiv fragen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Wer sorgt sich um Mitmenschen? Wer zeigt Empathie? Wer möchte Solidarität und wer propagiert auch Rücksicht auf Wesen ohne politische Stimmen (Tiere, Kinder, Kranke)?&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Und im Gegensatz:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;&lt;i&gt;Wer schwingt Kettensägen? Wer droht dem politischen Gegner? Wer sinnt auf Rache? Wer degradiert Menschen zu Ungeziefer? Wer lehnt offen Empathie und Solidarität (mit andern Ländern und im eigenen Land) ab?&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Wenn Politiker, Influencer, Medien oder wer auch immer in ihrer Sprache 
zeigen, dass sie Lust auf Grausamkeit haben, dass sie andere "jagen" 
wollen oder ihren Tod in Kauf nehmen, wenn sie so von Menschen reden, 
als seien sie keine Menschen, sondern Ungeziefer oder Monster, dann ist 
das schon alles, was man von ihnen wissen muss. Sie sind schlecht, man 
darf sie nicht unterstützen und wer sie dennoch unterstützt und zwar 
nicht aus Naivität, sondern aus Überzeugung, der ist ebenfalls einfach 
ein schlechter Mensch." (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/04/wie-die-taube-spricht.html"&gt;Wie die Taube spricht&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335"&gt;&lt;span&gt;Die Unterschiede zwischen politischen Brutalisten und Humanisten sind sehr einfach schon in ihren Intentionen, in ihrer Sprache und ihrem Auftreten zu sehen. Man muss nicht die Konsequenzen der jeweiligen noch zukünftigen Politik kennen. Man kann sich einfach fragen: Will ich ein guter Mensch sein oder ein Arschloch?&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335" style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335" style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/05/die-wirtschaftliche-selbstverstummelung.html"&gt;Die wirtschaftliche Selbstverstümmelung der Rechten&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335" style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span data-huuid="13090113704590807335" style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/10/demokratie-demontieren.html"&gt;Warum die Demokratie demontieren?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/07/die-brutalitat-der-kettensage.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEhjC1y1Rwn6P-dG0aU5oWZ14T2r6MDpcZif00KkuU4jcRJSoFjpOTHJhjsNOxzIzMaiVRrsloOqURS7anNV-laSlrAKzULW-W6mSVeZR24oLBlFzgE5q21l9tf0VLTpqkYGm9NzTZNXNXGJjoBP_CliFYoivXAzGVBZqhJ17LK2ODztXmUa7HRPg6oND6c/s72-c/chainsaw-musk-q-640.jpg" width="72"/><thr:total>2</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-2435922386444601694</guid><pubDate>Wed, 21 May 2025 12:40:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-05-23T22:21:47.475+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Die wirtschaftliche Selbstverstümmelung der Rechten</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Wieso zerstören rechte Populisten die Wirtschaft ihrer eigenen Länder?&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;Ich gehöre zu der Fraktion, die sagt: bloß nicht Parteien verbieten, lass sie sich selbst mal in den politischen Ebenen abmühen und sie werden schon zusammengeschrumpfen. Dagegen gibt es gute prinzipielle Argumente, z.B. dass man natürlich die Player disqualifizieren muss, die sich nicht an die Spielregeln halten, sonst geht das Spiel selbst bald kaputt. Oder auch empirische Belege wie Ungarn, das an den Zitzen der EU weiter hängt, was Orban ermöglicht, mit den EU-Geldern die Fassade einer gelingenden Wirtschaftspolitik zu erhalten. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dennoch lässt sich auch für meine Position einiges in Stellung bringen, z.B. sehen wir gerade, wie nach dem Brexit der britischen Populisten, die inzwischen wegen der Brexit-Folgen und ihrer Inkompetenz abgewählt wurden, nun die US-Amerikanische rechtspopuläre Regierung ihre eigene Wirtschaft ruiniert.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjXQEKMBaBu8t_6D5YIVd-ifkAHfszqg7Ov0qylpLhvupbaHg2cd7ScuaCiO4h77VEioTerfDN35HAX5VuUyEjkQMS3A6wrubct3SiY-RB6nJbVq0NmYulXUgG2kjSL_hL8zeKlvrpNLlzD8bPIzdLazlpNmUEeN-0kAUK6r2mZHHvJIUrYrgny0GRqPQ0/s640/triffs-eat-dolls.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="341" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjXQEKMBaBu8t_6D5YIVd-ifkAHfszqg7Ov0qylpLhvupbaHg2cd7ScuaCiO4h77VEioTerfDN35HAX5VuUyEjkQMS3A6wrubct3SiY-RB6nJbVq0NmYulXUgG2kjSL_hL8zeKlvrpNLlzD8bPIzdLazlpNmUEeN-0kAUK6r2mZHHvJIUrYrgny0GRqPQ0/s16000/triffs-eat-dolls.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Tariffs eat Dolls: Brauchen amerikanische Kinder so viele Puppen?&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Ganze Völker leiden, weil eine Handvoll Politiker nicht rechnen kann?&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Die Brexit-Folgen wie der Fachkräftemangel durch fehlende Immigration, um die eigene Service- und Dienstleistungswirtschaft am Laufen zu halten, der gekappte Zugang zum EU-Binnenmarkt und die schwächere wirtschaftliche Entwicklung durch Investitionszurückhaltung zeigen deutlich, dass der Brexit als Herzensangelegenheit von UK-Nationalisten dem Land selbst nur geschadet hat. Ähnliches zeichnet sich gerade in den USA ab, wo durch die chaotische Wirtschaftspolitik mit absurd hohen Zöllen (auch hier steht wie beim Brexit der Freihandel im Zentrum) nun die Preise steigen und die Menge an zur Auswahl stehenden Produkten in allen Bereichen von Spielzeug bis Obst und Gemüse drastisch abnimmt.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Trump versucht zwar den Firmen vorzuschreiben, die Zölle einfach zu schlucken ("eat the tariffs") und die Kosten nicht an die Kunden weiterzugeben, aber das hilft auch nicht. Denn an diesem Punkt ist es ein Nullsummenspiel: Wenn die Kunden nicht bezahlen, müssen es die Firmen tun. Persönlich denke ich, dass das sicher machbar wäre für Autohersteller und Walmart (mal angenommen die Shareholder würden das zulassen), aber nicht für Kleinunternehmer. Und selbst wenn: Die Wirtschaft schrumpft in beiden Szenarien, denn Entweder haben Verbraucher weniger Geld zum Ausgeben oder die Firmen machen Profit. Catch 22 in der Shareholder Economy. Hinzu kommen noch die ökonomischen Unsicherheiten, sodass keine Investitionsentscheidungen getroffen werden und der Zusammenbruch von etablierten Lieferketten.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Dein Friseur nutzt dich aus? &lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Natürlich gibt es individuelle Gründe, wie Trumps Überzeugungen, dass das Handelsdefizit mit anderen Nationen bedeutet, diese würden die USA ausnutzen ("they are ripping us off"). Ist natürlich nur genauso richtig wie die Annahme, dein Friseur nutzt dich aus, wenn du ihm Geld für den Haarschnitt bezahlst und der Friseur nichts im Gegenzug von dir kauft. Ähnlich mag es auch bei den Brexiteers einige persönliche verschwurbelte Ansicht gegeben haben. In der Regel sind es solche Minderwertigkeitskomplexe, denen die Furcht zugrunde liegt, dass man vielleicht nicht der einzige ist, der von einer Situation profitiert. Dabei war es ja gerade das Geniale (und es gibt davon nicht viel) an der Globalisierung, dass sie allen beim Wohlstand half, den reichen Nationen, wie auch den relativ armen Nationen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Solche persönlichen Komplexe scheinen Nationalismus, Populismus und Fremdenhass ja generell beigemischt zu sein. Es ist immer die Angst, dass andere bevorteilt werden und man selbst in die Röhre schaut. Hier liegt natürlich der politisch-populistische Grund für diese wirtschaftlichen Selbstverstümmelungen der Rechten: Es lässt sich mit solchen Narrativen gut erregen, Wut auslösen und Menschen für diese Sachen zu begeistern, die den Begeisterten selbst dann eigentlich nur Schaden zufügen.&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Populismus ist nicht das Ziel, sondern nur der Weg&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Als Donald Trump vor kurzem auf Preiserhöhungen angesprochen ziemlich launisch antwortete, dass Mädchen doch keine 30 Puppen bräuchten, sie könnten doch statt dessen zwei haben, wenn die so teuer seien, lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Nicht, weil ich zwei Puppen für zu wenig hielte oder weil Trump ganz zielsicher auf kleine Mädchen rekurierte, sondern weil mir dadurch plötzlich ein weiterer und sehr perfider möglicher Grund für diese chaotische Politik einfiel. Ich musste an &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/09/politik-der-schocks.html"&gt;Naomi Klein &lt;/a&gt;denken... Vielleicht ist Trump gar nicht mehr Populist und er rückt ab von seiner durschaubaren und sowieso nur halbherzig vermarkteten Zuneigung für den "benachteiligten kleinen Mann"?&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber warum sollten Populisten denen in den Rücken fallen, die sie gewählt haben? Zerstören sie damit nicht ihre populäre Machtbasis? Ja, sicher. Aber der Populismus ist ja nicht das Ziel, sondern der Machterhalt und -ausbau. Und wenn man das ernst meint, muss man irgendwann eben auf die Anbiederung beim Volk verzichten.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Krisen ermöglichen den Sturz der Demokratie &lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;In &lt;i&gt;Die Schock-Strategie&lt;/i&gt; (Original: &lt;i&gt;The Shock Doctrine&lt;/i&gt;, 2007) beschreibt Naomi Klein, wie Politiker und Unternehmen wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen – wie Naturkatastrophen, Kriege oder Finanzkrisen – gezielt ausnutzen, um radikale wirtschaftliche und politische Reformen durchzusetzen, die unter normalen Umständen auf demokratischen Widerstand stoßen würden. Klein argumentiert, dass solche Schocks bewusst instrumentalisiert werden, um Deregulierung, Privatisierung und Sozialabbau voranzutreiben. Natürlich kann das ausgeweitet werden, z.B. über die Ausrufung von Ausnahmezuständen, wenn Proteste der Bevölkerung eskalieren sollten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit solchen Reformen und Ausnahmezuständen kann man dann zurück aus der Demokratie in die Autokratie, wo Judikative, Legeslative und Exekutive in eins fallen: in den Schoß des Tyrannen, des Autokraten, des Königs oder in die Hände sonst eines Führers.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mein bisheriger Standpunkt, dass man die Populisten machen lassen sollte, auf dass sie sich selbst abwirtschaften, hat damit einen weiteren ziemlich starken Dämpfer erhalten. Also vielleicht doch "gesichert rechtsextreme" Parteien verbieten, so lange man es noch kann? Ansonsten wirtschaften sie uns zugrunde und erreichen gerade dadurch ihre demokratiezerstörerischen Ziele.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mal sehen, wie das in den USA läuft... Trump wird nicht der gefeierte Volksheld werden, als der er sich in der Wahl präsentierte. Im Gegenteil, er und seine Politik werden schon in Kürze ganz unbeliebt werden. Tritt er dann nach seiner Amtszeit ab, wie es die Verfassung gebietet oder wird er wegen der selbstverschuldeten Krisen so viel Chaos angerichtet haben, dass er und JD Vance sagen werden: Wahlen sind jetzt nicht möglich, weil das Land in Protest und Chaos versinkt.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/10/demokratie-demontieren.html"&gt;Warum die Demokratie demontieren?&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/09/politik-der-schocks.html"&gt;Wie wir die schamlose Schockpolitik besiegen&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/03/marine-le-pen.html"&gt;Eine alte Weltanschauung in (beinahe) neuem Gewand&lt;/a&gt; &lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/05/die-wirtschaftliche-selbstverstummelung.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjXQEKMBaBu8t_6D5YIVd-ifkAHfszqg7Ov0qylpLhvupbaHg2cd7ScuaCiO4h77VEioTerfDN35HAX5VuUyEjkQMS3A6wrubct3SiY-RB6nJbVq0NmYulXUgG2kjSL_hL8zeKlvrpNLlzD8bPIzdLazlpNmUEeN-0kAUK6r2mZHHvJIUrYrgny0GRqPQ0/s72-c/triffs-eat-dolls.jpg" width="72"/><thr:total>7</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-7166250686073930857</guid><pubDate>Wed, 30 Apr 2025 22:30:00 +0000</pubDate><atom:updated>2026-01-16T12:41:17.664+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Natur</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Philosophie</category><title>Im Fleisch der Welt</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Maurice Merleau-Ponty und das Dazwischen&lt;/h2&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Phänomenologie fundamentaler Verbundenheit&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Der Todestag von Maurice Merleau-Ponty jährt sich zum 64. Mal. In einer Zeit, die von begrifflichen Auflösungen ("alternative Fakten") einerseits und dem Wunsch nach begrifflicher und auch physischer Abgrenzungen (identitär, LGBTQ, national etc.) andererseits geprägt ist, scheint sein stilles, verbindendes und tiefgründiges Denken verschütt gegangen zu sein. Jedenfalls hört man nichts über dieses Denken und das zu Unrecht. Merleau-Ponty erinnert uns daran, dass das Leben sich nicht an Grenzen hält, sondern im Dazwischen spielt: zwischen Körper und Geist, zwischen Selbst und Welt, zwischen Eigenem und Fremdem, ja sogar zwischen Abgrenzung und Auflösung. Sein Konzept des "Fleisches der Welt" ist eine philosophisch unkonventionelle Perspektive auf die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, die über die klassischen dualistischen Denkmuster hinausgeht und die fundamentale Verbundenheit aller Dinge betont.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh3xsfesN29sVI7T2thdkZjh_xYW_AucRY5ypTsj2oz85RqC9kEj8kpCse6Cm0WyDBTqNXP99n04yytBXgcgfYZfDxiKVP2sZmyHe4AVdci19QyP3Zpdz7EuMqne3cDoyn5IUI4-BBO40Xupcp-YMmHEDDJ-Tco-CQ7jYEI1RCdR43SpHkrBpIuQiZcD6M/s640/Merleau-Ponty-layer.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="400" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh3xsfesN29sVI7T2thdkZjh_xYW_AucRY5ypTsj2oz85RqC9kEj8kpCse6Cm0WyDBTqNXP99n04yytBXgcgfYZfDxiKVP2sZmyHe4AVdci19QyP3Zpdz7EuMqne3cDoyn5IUI4-BBO40Xupcp-YMmHEDDJ-Tco-CQ7jYEI1RCdR43SpHkrBpIuQiZcD6M/s16000/Merleau-Ponty-layer.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: 12px;"&gt;&lt;a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Maurice_Merleau-Ponty#/media/File:Maurice_Merleau-Ponty.jpg" target="_blank"&gt;Remix&lt;/a&gt;: Maurice Merleau-Ponty (* 14. März 1908 in Rochefort-sur-Mer; † 3. Mai 1961 in Paris)&amp;nbsp;&lt;a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/" target="_blank"&gt;&lt;span style="color: #336699; font-weight: normal; text-decoration: underline;"&gt;&lt;span class="alt-titles"&gt;&lt;span class="tool-identifier"&gt;CC BY-NC 4.0&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Merleau-Ponty (1908&amp;nbsp;– 1961) wuchs in einer Epoche politischer Spannungen und intellektueller Umbrüche auf. Der Tod seines Vaters im Ersten Weltkrieg prägte seine Kindheit – eine Erfahrung von Verlust und Unsicherheit, die später auch seine Philosophie der offenen Bedeutungen durchdrang.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;Er studierte an der École Normale Supérieure in Paris und begegnete Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir (es lässt sich nichts zu einer naheliegenden Begegnungen mit Camus finden). Obwohl Merleau-Ponty oft mit dem &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/11/sartre-camus.html"&gt;französischen Existenzialismus&lt;/a&gt; in Verbindung gebracht wird, schlug er seinen eigenständigen Weg ein. Sein Interesse galt weniger der Freiheit des Bewusstseins, wie bei Sartre, sondern vielmehr dem körperlichen Eingebundensein in die Welt.&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Merleau-Ponty lehrte an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Lyon und an der Sorbonne und engagierte sich auch politisch – zunächst sympathisierend mit marxistischen Ideen, später zunehmend kritisch gegenüber ideologischer Erstarrung. Der tödliche Schlaganfall an seinem Schreibtisch, als er nur 53-jährig an &lt;i&gt;Das Sichtbare und das Unsichtbare&lt;/i&gt; arbeitete, beendete sein Ouevre, das stets auf ein unvollendetes Verstehen der Welt hinauslief. &lt;/p&gt;
&lt;h3 data-end="2017" data-start="1965" style="text-align: left;"&gt;Sich auf die Welt einlassen, sich bestimmen lassen&lt;/h3&gt;
&lt;p data-end="2281" data-start="2019"&gt;Maurice Merleau-Pontys Hauptwerk, &lt;i&gt;Phänomenologie der Wahrnehmung&lt;/i&gt; (1945), beginnt mit einer Infragestellung der klassischen philosophischen Dualismen: Körper gegen Geist, Subjekt gegen Objekt. Für ihn sind diese Trennungen künstlich – sie verfehlen die lebendige Erfahrung. Die Wahrnehmung der Welt ist für Merleau-Ponty kein reiner innerer Akt und keine passive Spiegelung äußerer Realität. Stattdessen ist sie eine aktive, verkörperte Bewegung auf die Welt zu. Er schreibt: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Wahrnehmen heißt, auf etwas in der Welt ausgreifen, sich auf es einstellen, und sich von ihm bestimmen lassen." (Merleau-Ponty, Phänomenologie der Wahrnehmung, S. 61) &lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Der Gedanke, sich von etwas "bestimmen zu lassen", wirkt heute kontraintuitiv (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/03/wittgensteins-form-des-lebens.html"&gt;siehe auch Wittgenstein und Rilkes&lt;/a&gt; "gute Form des Lebens"). Moderne Ideale betonen Autonomie und Kontrolle über die Umwelt. Merleau-Ponty jedoch lädt uns ein, diese Haltung zu überdenken: Die Welt begegnet uns nicht als bloßes Rohmaterial zur Gestaltung, sondern als Mitgestalterin unseres Daseins. Wahrnehmen bedeutet daher nicht, die Welt einseitig zu formen, sondern sich ihr zu öffnen, ihre Rückwirkungen zuzulassen – um wirklich in Beziehung zu treten. Wer nur bestimmt, aber sich nicht bestimmen lässt, bleibt in einem einseitigen, letztlich verarmten Weltverhältnis gefangen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Dabei ist der Körper kein bloßes Objekt unter anderen, sondern unser primäres Zugangsmittel zur Welt. Er "ist unser allgemeines Mittel, uns in der Welt zu haben", so Merleau-Ponty. Hier deutet sich schon sein Verständnis des Dazwischen an: Der Mensch steht nicht außerhalb der Welt, sondern ist selbst Teil ihrer Bewegungen. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 data-end="3650" data-start="3606" style="text-align: left;"&gt;Das Fleisch der Welt und das Dazwischen&lt;/h3&gt;Ein zentraler Begriff bei Merleau-Ponty ist die "Leiblichkeit" (le corps propre). Unser Körper ist nicht einfach ein Ding unter Dingen – er ist immer in Beziehung, immer schon mitten im Geschehen. Wahrnehmung entsteht also nicht im abgeschlossenen Bewusstsein, sondern im gelebten Leib – dort, wo Innen und Außen sich verschränken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dieser Gedanke kulminiert später in seinem Fragment gebliebenen Spätwerk&lt;i&gt; Das Sichtbare und das Unsichtbare&lt;/i&gt;. Hier spricht er vom "Fleisch der Welt" (la chair du monde) – einer Substanz, die Subjekt und Objekt nicht trennt, sondern verbindet:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;blockquote data-end="4504" data-start="4251"&gt;
&lt;p data-end="4504" data-start="4253"&gt;„Das Fleisch der Welt ist nicht Substanz im klassischen Sinn, sondern ein Dazwischen: nicht Geist, nicht Materie, sondern die Elementarbeziehung, aus der sie sich erst ergeben.“ (Merleau-Ponty, &lt;i data-end="4486" data-start="4451"&gt;Das Sichtbare und das Unsichtbare&lt;/i&gt;, Manuskriptnotiz)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wir Menschen sind Ausdrucksformen dieses "Fleisches". Unser Leib ist Teil des "Fleisches", das die Welt durchdringt und uns mit ihr verbindet. In diesem Sinne sind wir sowohl aus dem "Fleisch der Welt" hervorgegangen als auch in es eingebettet. Es ist die gemeinsame Textur, die sowohl den wahrnehmenden Leib als auch die wahrgenommene Welt durchdringt, &lt;span class="relative -mx-px my-[-0.2rem] rounded px-px py-[0.2rem] transition-colors duration-100 ease-in-out"&gt;beschreibbar als ein "Element", ähnlich wie Wasser oder Luft, das weder Materie noch Geist ist, sondern etwas Drittes, das die Dualität von Subjekt und Objekt überwindet&lt;/span&gt;.​&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wollte man das auf das dualistische und hier nun überwundene cartesianische "Ich denke, also bin ich" mappen, so könnte man sagen: "Ich denke, also gehöre ich dazu." Das &lt;i&gt;Dazwischen&lt;/i&gt; ist bei Merleau-Ponty keine Leere, sondern der eigentliche Ursprungsort des Sinns. Ähnliches finden wir im Tao te Ching (Kapitel 11), wo es heißt, dass die Nützlichkeit eines Rades nicht von den festen Speichen selbst abhängt, sondern vom leeren Raum zwischen ihnen. Die wertvollsten Dinge sind demnach oft diejenigen, die "leer" oder nicht existent erscheinen, aber für die Funktionalität unerlässlich sind, ein Dazwischen eben, ein unsichtbares Fleisch.&lt;/p&gt;&lt;h3 data-end="5520" data-start="5490" style="text-align: left;"&gt;Merleau-Ponty heute&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Merleau-Pontys Leben war geprägt von einer tiefen Sensibilität für das Unfertige, 
das Ambivalente und genau darin sah er auch den Kern der menschlichen 
Erfahrung. In einer Welt, die oft nach klaren Antworten verlangt, 
bestand Merleau-Pontys Mut darin, das offene Spiel der Bedeutungen nicht
 nur zu akzeptieren, sondern philosophisch fruchtbar zu machen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Heute, da wir nach neuen Begriffen für Beziehungen, Ökologie (siehe z.B. &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/05/gaia-ohne-esoterik.html"&gt;Bruno Latour&lt;/a&gt;) und &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/04/politische-spannung-aushalten.html"&gt;Identität&lt;/a&gt; suchen, erscheint Merleau-Pontys Denken aktueller denn je. Es zeigt, dass unsere Wahrnehmung der Welt nicht ein isolierter Akt des Geistes ist, sondern ein tief eingewobenes, leibliches Miteinander – ein fortwährendes Dazwischen, das wir niemals völlig beherrschen, sondern nur bewohnen können. Auch &lt;span class="relative -mx-px my-[-0.2rem] rounded px-px py-[0.2rem] transition-colors duration-100 ease-in-out"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2013/03/das-gute-leben.html"&gt;Hartmut Rosa integriert in seine Resonanztheorie&lt;/a&gt; zentrale Elemente der Phänomenologie Maurice Merleau-Pontys, insbesondere dessen Konzept der leiblichen Weltbeziehung.&lt;/span&gt; &lt;span class="relative -mx-px my-[-0.2rem] rounded px-px py-[0.2rem] transition-colors duration-100 ease-in-out"&gt;Rosa sieht den Menschen nicht als isoliertes Subjekt, sondern als in die Welt eingebettet, wobei die Weltbeziehung durch wechselseitige Resonanz geprägt ist.&lt;/span&gt; &lt;span class="relative -mx-px my-[-0.2rem] rounded px-px py-[0.2rem] transition-colors duration-100 ease-in-out"&gt;Diese Perspektive betont die Bedeutung von Leiblichkeit und Wahrnehmung in der Interaktion mit der Umwelt, was eine direkte Verbindung zu Merleau-Pontys Philosophie herstellt. (Danke an &lt;a href="https://toutvabiensepasser.com"&gt;Xavier Faltot&lt;/a&gt; für diesen Hinweis.)&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p data-end="6415" data-start="5904"&gt;In den ökologischen Debatten ringen wir zunehmend mit der Einsicht, &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2016/05/gaia-ohne-esoterik.html"&gt;dass Natur nicht ein fremdes Gegenüber&lt;/a&gt; ist, das wir beliebig nutzen oder zerstören könnten. Neue Begriffe wie "planetare Grenzen" oder "Mitwelt" zeigen ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass wir als verkörperte Wesen selbst Teil der ökologischen Gewebe sind. Merleau-Pontys Idee des "Fleischs der Welt" könnte uns lehren, Verantwortung nicht nur als moralisches Muss zu verstehen, sondern als Konsequenz unserer wechselseitigen Eingebundenheit.&lt;/p&gt;&lt;p data-end="6415" data-start="5904"&gt;Auch die Identitätsdebatten unserer Zeit – ob es um Geschlecht, kulturelle Zugehörigkeit oder soziale Anerkennung geht – könnten von Merleau-Pontys Denken profitieren. Statt Identität als starre Eigenschaft zu sehen, lädt er uns ein, sie als bewegliche Beziehung zu verstehen, als ein fortwährendes Werden im Austausch mit anderen. Identitäten sind nie abgeschlossen, sondern entstehen im Raum des Dazwischen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die heutigen gesellschaftlichen "Triggerpunkte" (siehe Westheuser, Lux, Mau 2023) – jene oft hoch emotionalen Reizthemen, die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/09/gesellschaftlicher-fortschritt.html"&gt;Debatten spalten und Polarisierungen vertiefen&lt;/a&gt; – zeigen, wie schwer es uns fällt, Differenz als etwas anderes denn als Bedrohung zu erleben. Merleau-Pontys Phänomenologie legt nahe, dass unser Sein selbst immer schon Differenz enthält: Wir sind nicht reine Einheit, sondern leben aus einer inneren Offenheit, einem "unbestimmten Mehr" (Merleau-Ponty) heraus. Der amerikanische Philosoph Ted Toadvine fasst diese Dimension Merleau-Pontys so zusammen:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Merleau-Pontys Denken über Natur und Leiblichkeit eröffnet eine Ethik des Dazwischen, die nicht auf Kontrolle, sondern auf Resonanz und Verwobenheit beruht." (Ted Toadvine, Merleau-Ponty's Philosophy of Nature, S. 203)&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht könnte dieser Gedanke helfen, Auseinandersetzungen nicht als Schlachten um die eine Wahrheit zu führen, sondern als Dialoge im Zwischenraum – als ernsthafte Versuche, einander in unserer Verschiedenheit wahrzunehmen, ohne sofort auf Abgrenzung oder Assimilation zu drängen. So gesehen wäre Merleau-Ponty nicht nur ein Philosoph der Wahrnehmung, sondern auch ein Philosoph des Zusammenlebens – in einer Zeit, die dringend neue Formen der Koexistenz braucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;hr data-end="8074" data-start="8071" /&gt;
&lt;p data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;b&gt;Quellen&lt;/b&gt;:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;/span&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Maurice Merleau-Ponty: &lt;i data-end="8146" data-start="8114"&gt;Phänomenologie der Wahrnehmung&lt;/i&gt; (1945), dt. Übersetzung von Rudolf Boehm, Berlin 1966.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Maurice Merleau-Ponty: &lt;i data-end="8262" data-start="8227"&gt;Das Sichtbare und das Unsichtbare&lt;/i&gt; (1964), dt. Übersetzung von Peter Trawny, München 1994.&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Toadvine, Ted: &lt;i data-end="8374" data-start="8336"&gt;Merleau-Ponty's Philosophy of Nature&lt;/i&gt;, Northwestern University Press, 2009.&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;Iris Marion Young: &lt;i data-end="8514" data-start="8434"&gt;Throwing Like a Girl and Other Essays in Feminist Philosophy and Social Theory&lt;/i&gt;, Indiana University Press, 1990.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;ChatGPT &lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;hat mich bei der Recherche zu diesem Artikel unterstützt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul data-end="8547" data-start="8089" style="text-align: left;"&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2018/03/das-dazwischen-ist-das-was-zahlt.html"&gt;Das Dazwischen ist das, was zählt&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/04/wie-die-taube-spricht.html"&gt;Wie die Taube spricht&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li data-end="8201" data-start="8089"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/07/macht-und-wahrheit.html"&gt;Warum Tatsachen immer auch politisch sind&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;b data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;b data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;b data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="8088" data-start="8076"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b data-end="8088" data-start="8076"&gt;
&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/b&gt;&lt;/b&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/05/im-fleisch-der-welt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh3xsfesN29sVI7T2thdkZjh_xYW_AucRY5ypTsj2oz85RqC9kEj8kpCse6Cm0WyDBTqNXP99n04yytBXgcgfYZfDxiKVP2sZmyHe4AVdci19QyP3Zpdz7EuMqne3cDoyn5IUI4-BBO40Xupcp-YMmHEDDJ-Tco-CQ7jYEI1RCdR43SpHkrBpIuQiZcD6M/s72-c/Merleau-Ponty-layer.jpg" width="72"/><thr:total>5</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-6501785792292081812</guid><pubDate>Fri, 18 Apr 2025 12:50:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-07-03T18:13:19.087+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Menschheit</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Wie die Taube spricht</title><description>&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Säkulare und moralische Ostergedanken&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Unsere Ringeltauben verhalten sich komisch in diesem Frühjahr. Jedes Jahr haben wir ein Pärchen dieser großen und ziemlich scheuen Vögel in unserem Garten im Hinterhof des Pankower Mietshauses. Sie brüten immer in der hohen dichten Fichte, die alles andere im Hof überragt. Nicht dieses Frühjahr. Eigentlich sind es Waldtauben, aber sie lieben den Menschenhof, denn hier gibt es keinen Habicht. Obwohl sie auch uns Menschen gegenüber äußerst mistrauisch sind.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="307" data-original-width="460" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgr2OslVXRUyq-dX0i1G6wPZiGw4_hbknK2wc8kpN0xg4xfc9MiPIsazYZiulSi1eBcQFEJ5gLMqtPSjoNxdws9QICr35KD_egesgYGl4ekYLS0pQEe7Ym3W9slHEadtje0Zktt64xuHlRWU8jZtkfu32R_pE9zqeQaNkhs0P3RQLIpxh2fGd3Ad1H7MsE/s16000/Columba-palumbus-460.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;" /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;Columba palumbus, fliehend&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgr2OslVXRUyq-dX0i1G6wPZiGw4_hbknK2wc8kpN0xg4xfc9MiPIsazYZiulSi1eBcQFEJ5gLMqtPSjoNxdws9QICr35KD_egesgYGl4ekYLS0pQEe7Ym3W9slHEadtje0Zktt64xuHlRWU8jZtkfu32R_pE9zqeQaNkhs0P3RQLIpxh2fGd3Ad1H7MsE/s460/Columba-palumbus-460.jpg" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;Unsere &lt;i&gt;Columba-palumbus&lt;/i&gt;-Exemplare scheinen sich nicht ganz entscheiden zu können, ob sie jetzt Wild-, Wald- oder Hoftauben sein wollen. Sie haben sich die vernachlässigte Hecke zum Parkplatz als Nistplatz auserwählt. Das ist ganz komisch: die Hecke ist dünn und schwankt im Wind. Sie ist auch viel zu nah am Boden, von dem aus Waschbären und Katzen das Nest erreichen können. Außerdem laufen wir ständig an der Hecke vorbei, was die scheuen Vögel regelmäßig zu einem geräuschvollen und aufwendig anmutendem Abbheben veranlasst. Was hat sie dazu gebracht, ihre Kiefer aufzugeben? Ist es die frühe Hitze in diesem Jahr, die harte Sonne, der die Kiefer schattenlos ausgesetzt ist? Sind es die Krähen oder Elstern, die in der Höhe immer wieder neugierig nach schutzlosen Eiern und Kücken schauen? Ich bin gespannt und habe wenig Hoffnung, dass dieses Jahr erfolgreich gebrütet wird. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;p&gt;Zwischen Berlin Mitte und Pankow fahre ich immer mit dem Fahrrad und sehe mehr und mehr Menschen auf der Straße leben. In der Ukraine werden Menschen wie du und ich aus ihren Wohnungen gebombt von anderen Menschen, die den Ukrainern einfach ihre Souveränität absprechen. In Palästina sind es immer wieder bombardierte Krankenhäuser, in denen sich der Traumakreisel dreht und dreht und immer wieder angepeitscht wird. Palästinensische Menschen können schon lange nur noch in Lagern eine Art prekäres Zuhause versuchen. Sie sind es, die heute wegen alter Geschichten, alter kolonialer Ansprüche und nationalistischen Menschheitsverbrechen zerrieben werden. Niemand kann den Juden Israel verdenken! Endlich ein Zuhause, endlich Sicherheit, eigene Verteidigung, dauerhafter Aufbau, endlich ein Volk mit einem Land sein dürfen. Aber warum is alles so feindselig? Naomi Klein schreibt dazu:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"... while Israel is a place, it has also always been a warning. A warning about the perils of building identity based on retraumatization rather than confronting our collective grief; about the dangers of building a group identity around insiders and outsiders ..." (Klein, Doppelganger, S. 305)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"... Israel ist nicht nur ein geografischer Ort, sondern seit jeher auch ein Mahnmal. Ein Mahnmal für die Gefahren, die darin liegen, eine Identität auf fortgesetzter Retraumatisierung zu gründen, anstatt sich der gemeinsamen Trauer zu stellen; eine Warnung vor dem Risiko, eine kollektive Zugehörigkeit durch das Errichten von Grenzen zwischen ‚Wir‘ und ‚den Anderen‘ zu definieren ..." (Übersetzt mit Hilfe von ChatGPT)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Die Grenze zwischen "Wir" und "den Anderen" bleibt die große Wunde der Menschheit. Wir sehen es überall dort, wo nicht das Mitgefühl regiert. Es ist ein tierisches Erbe, ein Erbe aus einer vorkulturellen Zeit, das aber jeder Kultur immer auch eingeschrieben ist. Kultur ist dort, wo man um diese selbst gemachte Grenze und ihre Flexibilität weiß und diese Flexibilität aufs Menschlichste ausreizt. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Woher weiß ich, was gut und was schlecht ist?&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Und Kultur ist auch dort, wo man die Flexibilität dieser Grenze aufs Unmenschlichste ausnutzt, in der Regel um kleinliche Interessen zu bedienen. Diese perverse Kultur (Warum geben sich Menschen möglichst viel Mühe, unmenschlich zu sein?) scheint aber, wenn auch zahlenmäßig schwächer, in seiner Durchsetzungskraft viel wirkmächtiger zu sein. Egal, wo wir in Geschichte und Gegenwart hinsehen, immer und überall versuchen relativ mächtige Menschen die relativ unmächtigen, auf die sie sich stützen, gegeneinander aufzubringen. Sie machen sich unsere Ängste zunutze. Dabei ist es überaus menschlich, Fremde zu fürchten und dennoch gastfreundlich zu sein und in der Not Hilfe und Schutz anzubieten. Wir müssen, ja dürfen die binäre Vorgabe der Spalter nicht akzeptieren. Wir müssen uns im Spalt selbst ansiedeln: Nicht naiv reden und dennoch solidarisch handeln.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;An wem man sich orientieren sollte? Welche "Mächte" sollte man unterstützen und welche sollte man ablehnen? Man merkt es sofort an der Sprache:&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;div&gt;&lt;div&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;"Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse." (Weidel, 2018)&lt;/li&gt;&lt;li&gt;"Wir werden sie jagen. Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen. Und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen."&lt;span data-end="1957" data-start="1838"&gt; (Gauland, 2017)&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span data-end="1957" data-start="1838"&gt;"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate." (Sarrazin, 2012)&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;"Der Grenzschutz muss notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen." (von Storch, 2016)&lt;span data-end="1957" data-start="1838"&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;Diese Beispiele von rechtspopulistischen Äußerungen zeigen Gemeinsamkeiten untereinander und Unterschiede zu linkspopulistischer Sprache: Sie sind immer entmenschlichend, gewaltkonnotiert und spaltend in "wir" und "die anderen". Das Ziel ist immer die Diskreditierung von Minderheiten und Schwächeren.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Linkspopulistische Äußerungen zeigen eher ein Spektrum von humanistischer Naivität bis Moralisierung, legen es aber in der Regel nicht darauf an, andere zu entmenschlichen und zu brutalisieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt können wir auch wieder in den USA, in Israel oder Russland sehen, dass sich die Brutalität und Grausamkeit der Sprache letztlich in äquivalentes Handeln gegen Minderheiten oder Schwächeren übersetzt. In den USA werden derzeit Minderheiten unter dem unbewiesenen Vorwand, es handle sich um Verbrecher, in unmenschliche Massengefängnisse in El Salvador verschleppt und zwar gegen die bestehenden US-Gesetze. Machen wir uns nichts vor: Der Weg eines Individuums vom gesicherten "Wir" zum brutalisierten "Anderen" ist kurz. Es reicht, als Student kurz gegen Visabestimmungen verstoßen zu haben und schon kann man "auf Nimmerwiedersehen" in einem Gulag verschwinden. Aber worauf ich eigentlich hinauswollte: Wir alle müssen uns orientieren. Wir haben Angst. Wir wollen wählen. Wir wollen gute Entwicklungen unterstützen und schlechte verhindern. Aber woher weiß ich, was gut und was schlecht ist?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ganz einfach: Wenn Politiker, Influencer, Medien oder wer auch immer in ihrer Sprache zeigen, dass sie Lust auf Grausamkeit haben, dass sie andere "jagen" wollen oder ihren Tod in Kauf nehmen, wenn sie so von Menschen reden, als seien sie keine Menschen, sondern Ungeziefer oder Monster, dann ist das schon alles, was man von ihnen wissen muss. Sie sind schlecht, man darf sie nicht unterstützen und wer sie dennoch unterstützt und zwar nicht aus Naivität, sondern aus Überzeugung, der ist ebenfalls einfach ein schlechter Mensch. Das ist doch nicht schswer, sondern ganz offensichtlich: Wer menschenverachtend spricht, verdient keine Unterstützung, sondern im Idealfall psychologische Betreuung. Warum wir dennoch zuweilen auch durch spaltende, entmenschlichende Sprache ansprechbar sind, ist eine gute Frage. Kurz gesagt: Menschenverachtung gebiert Menschenverachtung oder wie wir bei Naomi Klein lesen: Traumatisierte Menschen traumatisieren die nächsten, die sich ihnen als ausgrenzbar zeigen, wenn wir das Trauma nicht mit Trauer aufarbeiten. Auge um Auge, Zahn um Zahn.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich liebe das tiefe und Raum nehmende Gurren unserer Ringeltauben - es vermittelt mir ein Gefühl von gewohntem Zuhause und zugleich eine Sehnsucht nach einem ganz anderen Ort, von dem ich noch nichts weiß.&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;/div&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2025/02/demokratie-absurditat-und-depression.html"&gt;Demokratie, Absurdität und Depression&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/05/lachen-sorge-absurd.html"&gt;Heitere Miene, stoßweises Ausatmen, abgerissene Laute&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;span&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2020/04/solastalgie-oder-wie-wir-das-ende-der.html"&gt;Solastalgie oder wie wir das Ende der Natur verkraften&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; &lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;div&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/04/wie-die-taube-spricht.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgr2OslVXRUyq-dX0i1G6wPZiGw4_hbknK2wc8kpN0xg4xfc9MiPIsazYZiulSi1eBcQFEJ5gLMqtPSjoNxdws9QICr35KD_egesgYGl4ekYLS0pQEe7Ym3W9slHEadtje0Zktt64xuHlRWU8jZtkfu32R_pE9zqeQaNkhs0P3RQLIpxh2fGd3Ad1H7MsE/s72-c/Columba-palumbus-460.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-8623803190558164983</guid><pubDate>Fri, 14 Feb 2025 16:24:00 +0000</pubDate><atom:updated>2025-03-30T12:25:13.188+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">#Zukunft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Optimismus</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Demokratie, Absurdität und Depression</title><description>&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;span style="text-overflow: unset;"&gt;&lt;span style="font-size: 14px;"&gt;&lt;i&gt;Und das Leben für sein Teil? War&lt;br /&gt;
es vielleicht nur eine infektiöse&lt;br /&gt;
Erkrankung der Materie...?&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h1 style="text-align: left;"&gt;Das geht vorüber!&lt;/h1&gt;&lt;p&gt;Das Jahr 2024 war gesellschaftlich gesehen aus meiner Perspektive überraschend (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;), tragisch (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/07/president-is-king.html"&gt;Der Präsident ist jetzt ein König&lt;/a&gt;) bis katastrophal (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/11/warum-der-populismus-immer-siegt.html"&gt;Warum der Populismus immer siegt&lt;/a&gt;).&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;table align="center" cellpadding="0" cellspacing="0" class="tr-caption-container" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style="text-align: center;"&gt;&lt;a href="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgTv8dNnKLE-mkcw8QiCN7aCOcj_oUpsDJFYYwTub8MPpYT_Zt-ErMPyatYK2IW9uxvaOKJqZfKvYqPlt2DOOG3TUE8e7wtx3sgqjhxEyoO7CYymYpNDnXLOMsgzBq47Qd1bcopQrDPVnUN6aEgPhpJg3fg9jSN_tojXodPHRASDAKSO1Uo4J4DqyEZViU/s640/Thomas_Mann_in_Los_Angeles.jpg" style="margin-left: auto; margin-right: auto;"&gt;&lt;img border="0" data-original-height="430" data-original-width="640" src="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgTv8dNnKLE-mkcw8QiCN7aCOcj_oUpsDJFYYwTub8MPpYT_Zt-ErMPyatYK2IW9uxvaOKJqZfKvYqPlt2DOOG3TUE8e7wtx3sgqjhxEyoO7CYymYpNDnXLOMsgzBq47Qd1bcopQrDPVnUN6aEgPhpJg3fg9jSN_tojXodPHRASDAKSO1Uo4J4DqyEZViU/s16000/Thomas_Mann_in_Los_Angeles.jpg" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td class="tr-caption" style="text-align: center;"&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;"Es ist mit der Selbstverständlichkeit der Demokratie in aller Welt eine zweifelhafte Sache geworden." (Thomas Mann 1938)&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&amp;nbsp;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Viele von uns, um Demokratie und Frieden besorgte Menschen, schauen mit Grausen zurück in die Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dazu wird dann Thomas Manns hundertjähriger Roman &lt;i&gt;Der Zauberberg&lt;/i&gt; gelesen, aus dem die oben zitierte nihilistische Frage stammt und schon sehen wir die gespenstischen Wiedergänger der Apokalypse, wie sie uns aus den zwei Weltkriegen bekannt sind. Wir merken ja auch, wie die als garantiert gefühlten Rahmenbedingungen wie Demokratie, Sozialstaat, NGOs oder die Garantie auf territoriale Unversehrtheit souveräner Staaten plötzlich bröckeln. Das kann schon Angst machen. Fragen, die sich stellen sind z.B.: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;Was kommt dabei raus, wenn Autokraten und Schurkenstaaten nicht mehr von einer starken westlichen&amp;nbsp;werteorientierten Allianz – militärisch und wirtschaftlich – in Schach gehalten werden?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Wie weit wirft uns der Backlash (also die Gegenreaktion) in Sachen Klimapolitik zurück und was heißt das für unseren Alltag in ein paar Jahren, wenn dann noch drastischere Maßnahmen ergriffen werden müssen?&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Was heißt eine ggf. durch Strafzölle und nationalstaatliche (anstatt globalisierte) Wirtschaftspolitik kommende nächste große Wirtschafts- und Finanzkrise für uns, die wir keine Millionäre oder Milliardäre sind?&amp;nbsp;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Was bedeutet der Rückbau von Institutionen wie UNO, WHO oder Internationale Gerichtshöfe auf internationaler und nationaler Ebene?&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt;&lt;br /&gt;Man könnte wirklich meinen, die Erosion all der Errungenschaften aus dem zweiten Teil des 20. Jahrhunderts könnte die Monstren des Weltkrieges aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederbeleben. Thomas Manns Seufzer von 1938 "Es ist mit der Selbstverständlichkeit der Demokratie in aller Welt eine zweifelhafte Sache geworden" (Zur Verteidigung der Demokratie), klingt ja schauderhaft modern, als wäre er heute ausgestoßen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Lesen und Nachdenken über die Geschichte in ihren Zusammenhängen zum Heute und Morgen lassen unter den oberflächlichen Parallelitäten jedoch große Unterschiede in den tieferen Strukturen erkennen. Natürlich haben wir gelernt aus der Geschichte (siehe &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/02/waffen-und-moral.html"&gt;Russlands Krieg, der eben nicht eskalieren kann&lt;/a&gt;) und bei allen Streitereien sind die europäischen Länder heute viel eher vereint als verfeindet. Eine allgmeine Lust auf Krieg, der im übrigen auch Thomas Mann zuerst unterlag, scheint es in den heutigen Bevölkerungen überhaupt nicht mehr zu geben. &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&lt;p style="text-align: left;"&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Zuversicht im absurden Kampf gegen Gipfel &lt;/h3&gt;&lt;p&gt;
Ich denke, wir brauchen Hoffnung und Zuversicht und keine automatisierte Schwarzmalerei. Ein Mangel an Zuversicht deprimiert uns letztlich alle und spielt nur denen in die Hände, die alles abbrennen wollen, um dann etwas darauf zu bauen, das vor allem ihren eigenen Interessen dient: &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/10/demokratie-demontieren.html"&gt;Warum die Demokratie demontieren?&lt;/a&gt; Zuversicht ist letztlich die Grundlage dafür, dass überhaupt irgendwer irgendetwas tut. Wenn wir keine Zuversicht hätten, dass der Tag irgendwie gut genug würde, dann stünden wir vermutlich gar nicht erst aus unseren Betten auf. Auf &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2019/09/politik-der-schocks.html"&gt;diese Depression der Massen zählen die&lt;/a&gt;, die sich die Welt zu ihrem eigenen Gunsten umbauen wollen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also, auch wenn die ungeschriebene Geschichte der Zukunft nicht die vergangene des 20. Jahrhunderts wiederholen wird, kann sie dennoch auf ihre eigene spektakuläre Weise schief gehen. Wir müssen uns auf alle Absurditäten vorbereiten. "Camus lehrt uns", so der französische Philosoph Frédéric Worms, "dass die Demokratie nichts Moderates, sondern etwas Grundlegendes und Radikales ist" (&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2017/11/sartre-camus.html"&gt;Die Revolte im Angesicht der Absurdität&lt;/a&gt;). Und Camus' Sisyphos zieht seinen Lebenssinn gerade aus dem immer wieder nötigen, wenn auch erfolglosen – also absurden – Transport des Steins den Berg hinauf. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2015/01/absurd.html"&gt;Sisyphos als einen glücklichen Menschen&lt;/a&gt; vorstellen.“&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vermehrt suche ich wieder nach den großen Zusammenhängen, anstatt auf die täglichen Nachrichten zu hören. Das ist zum einen auch eine Flucht und der Versuch, bei Sinnen und Laune zu bleiben. Zum anderen sind es aber auch die großen zusammenhängenden Geschichten aus der Literatur, der Philosohie oder der Menschheitsgeschichte, die eben die täglichen Absurditäten der Politik überdauern. Dadurch können sie uns Leitstern sein und Gewissheit und Zuversicht geben, dass nichts in Stein gemeißelt ist und unvorhergesehene Dinge passieren werden. Rein statistisch, rede ich mir immer ein, ist es unwahrscheinlich, dass nur die guten Dinge schief gehen, auch die, die schlimme Dinge planen, können scheitern (noch einmal Putin als Beispiel). "Das geht vorüber", sagen die Schweden angesichts von Zumutungen angeblich. Manchmal ist der Kampf gegen Gipfel nichts anderes als ein Aushalten, ein Ertragen in Zuversicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;:&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2021/03/das-ungluckliche-bewusstsein.html"&gt;Das unglückliche Bewusstsein&lt;/a&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/05/lachen-sorge-absurd.html"&gt;Heitere Miene, stoßweises Ausatmen, abgerissene Laute&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;span style="font-size: x-small;"&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2020/04/solastalgie-oder-wie-wir-das-ende-der.html"&gt;Solastalgie oder wie wir das Ende der Natur verkraften&lt;/a&gt;&lt;/span&gt; &lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;/div&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2025/02/demokratie-absurditat-und-depression.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" height="72" url="https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgTv8dNnKLE-mkcw8QiCN7aCOcj_oUpsDJFYYwTub8MPpYT_Zt-ErMPyatYK2IW9uxvaOKJqZfKvYqPlt2DOOG3TUE8e7wtx3sgqjhxEyoO7CYymYpNDnXLOMsgzBq47Qd1bcopQrDPVnUN6aEgPhpJg3fg9jSN_tojXodPHRASDAKSO1Uo4J4DqyEZViU/s72-c/Thomas_Mann_in_Los_Angeles.jpg" width="72"/><thr:total>0</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-8525503438051100709</guid><pubDate>Mon, 25 Nov 2024 14:34:00 +0000</pubDate><atom:updated>2024-11-25T15:34:06.870+01:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Feldmeier</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gastbeitrag</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Warum der Populismus (immer) siegt</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Ein Artikel von Erich Feldmeier&lt;br /&gt;&lt;/h2&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Prolog&amp;nbsp;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Zugleich tragen viele Demokraten ihre vermeintliche moralische Überlegenheit in unerträglicher Arroganz vor sich her. Ihre Selbstgerechtigkeit ist oft atemberaubend, und dass die Demokraten in der Mitte des Landes kein Bein auf den Boden kriegen, liegt daran, dass sie absolut keine Ahnung haben, was die Menschen dort bewegt“ (&lt;a href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/usa-trump-2024-1.5485221" target="_blank"&gt;Trump wird zurückkommen&lt;/a&gt;, SZ, 12.12.2021)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt; Populismus weltweit auf dem Vormarsch&lt;/h3&gt;&lt;p&gt; Es greift zu kurz, Menschen, die unmittelbar wirtschaftlich betroffen sind, für Ihr Wahlverhalten zu kritisieren. Die wirtschaftliche Situation bzw. die gefühlte, vergleichende Gerechtigkeit treibt Menschen dazu, alle Tugenden wie Anstand, Charakter, Kompetenz auszublenden, was in den weit überwiegenden Diskussionen hierzulande meist mit &lt;i&gt;America, WTF?&lt;/i&gt; oder ähnlichem verständnislos kommentiert wird (&lt;a href="https://www.nzz.ch/international/american-heartbreak-trumps-rueckkehr-und-europas-verlorener-glaube-an-amerika-ld.1856492" target="_blank"&gt;American Heartbreak&lt;/a&gt;, NZZ, 10.11.24). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Populisten bieten stets einfache Lösungen für komplexe Fragestellungen an. Um den weltweiten, scheinbar unaufhaltsamen Siegeszug der Populisten zu verstehen, hilft es einige Klassiker hervorzukramen. Klassiker im Sinne von Werken, die (nach meiner subjektiven Auffassung) das Wesen des Populismus treffend wiedergeben.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt; Vox Populi - Die Stimme des Volkes &lt;/h3&gt;&lt;p&gt; Populismus ist erfolgreich, warum? In unsicheren Zeiten ist die Sehnsucht nach einem &lt;i&gt;Starken Mann&lt;/i&gt; auch nach &lt;i&gt;40.000 Jahren Seßhaftigkeit&lt;/i&gt; ein Erfolgsrezept (&lt;a href="https://www.nzz.ch/international/der-wunsch-nach-dem-starken-mann-donald-trumps-grosser-wahlsieg-laeutet-eine-neue-zeit-ein-ld.1856484" target="_blank"&gt;Der Wunsch nach dem Starken Mann&lt;/a&gt;, NZZ, 10.11.24). Insofern stellt sich auch die Frage, ob Populismus nicht nur Ausdruck des Empfindens eines großen Teils der Bevölkerung ist, denn schließlich haben "diese leibhaftigen Demokraten" ihren Führer frei und mit Mehrheit gewählt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt; 1. Peter Drucker: Culture eats strategy for breakfast &lt;/h4&gt;&lt;p&gt; Peter Drucker hat Unternehmensberater immer wieder davor gewarnt, großartige Strategien zu entwerfen, die keine Resonanz im Team finden. Übertragen auf größere Einheiten wie ganze Gesellschaften bedeutet das nichts anderes als: Wenn gemeinsame, gelebte Werte fehlen, ist jede Transformationsbemühung vor allem eine zeit- und nervenfressende Kraftanstrengung.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Menschen ändern sich nicht einfach so. Kulturelle Prozesse sind über viele Jahrtausende und viele Generationen entstanden und haben die in ihnen lebenden Menschen bis auf die Knochen geprägt. Don’T trifft mit seinem Culture War gegen die &lt;i&gt;woke Linke&lt;/i&gt;, die nach immer mehr gesellschaftlicher Veränderung trachtet, insofern einen Instinkt, der die tollsten Strategien der Anhänger aus dem Lager der Demokraten pulverisiert.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt; 2. Dan Kahneman: Schnelles Denken&amp;nbsp;&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;Wissenschaftler wie Kahnemann und Reinhard Selten (der einzige deutschenNobelpreisträger für Wirtschaft) zeigen uns, wie die trivialen täglichen Entscheidungsmuster, in Jahrtausenden eingeübt und sowohl genetisch als auch kulturell vererbt, immer im Vordergrund stehen müssen. Menschen treffen im Alltag einfache, oft unbewusste Entscheidungen, man solle nicht
 zu hohe Erwartungen haben. Zum Beispiel:&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Eine zuverlässige Methode, Menschen dazu zu bringen, falsche Aussagen zu glauben, ist häufiges Wiederholen, weil Vertrautheit sich nicht leicht von Wahrheit unterscheiden lässt. Auch autoritäre Institutionen und Marketing-Spezialisten wissen das seit jeher." (Kahneman, S. 85) &lt;/blockquote&gt;Nach 4 Jahren glaubt die Mehrheit der Republikaner die Mär von der gestohlenen Wahl. &lt;i&gt;Karthago muss zerstört werden&lt;/i&gt; – ein durchaus bekannter Ansatz. Angemessene Reflektion und das für das Gehirn sehr aufwendige Abwägen von Pro &amp;amp; Contra haben laut Kahnemann immer das Nachsehen. Don‘T schafft es beispielsweise "Programme" aus maximal 10 Wörtern zu bilden, Harris stellt derweil ein 80-Seiten-Konzept vor.&lt;br /&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;"Niemand liest 80 Seiten. Trump dagegen erzählt seine Geschichte in sieben Wörtern: „She broke it, I'll fix it." Sie hat's kaputt gemacht, ich reparier's." (&lt;a href="https://www.sueddeutsche.de/medien/caren-miosga-us-wahl-gabriel-tv-kritik-harris-trump-lux.RQr3pmYC6JCa6rfq4zXzNG" target="_blank"&gt;Unsere Probleme beginnen am Tag nach der Wahl&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;3. Gorgias: Über die Beredsamkeit&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt; "Die Rhetorik ist nämlich nach meiner Ansicht ein Schattenbild eines Teiles der Politik." (&lt;a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Platon/Gorgias" target="_blank"&gt;Platon: Gorgias&lt;/a&gt;)&lt;/blockquote&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Redekunst verhelfe zur Macht und damit sei sie nützlich, der Stärkere siegt. Die Redekunst kann jedoch leicht in den Dienst machtbesessener Demagogie geraten. Und Demagogie und Demokratie schließen sich gegenseitig aus.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Die Methode des Gorgias, Rhetorik als Kunst der Überredung und Überzeugung einzusetzen ist deshalb auch heute noch so bedeutsam – von nahezu jedem Parteitag wird berichtet, er oder sie habe eine tolle Rede gehalten. Die Grundlagen und das Wesen der Rhetorik kommen im Alltag jedoch meist zu kurz. In der &lt;a href=" https://de.wikipedia.org/wiki/Logos_(Aristoteles)" target="_blank"&gt;Antike wurde Rhetorik&lt;/a&gt; klar definiert:&lt;/p&gt;&lt;ul style="text-align: left;"&gt;&lt;li&gt;Logos: Folgerichtigkeit und Beweisführung&lt;/li&gt;&lt;li&gt;Ethos: Autorität und Glaubwürdigkeit des Sprechers und &lt;/li&gt;&lt;li&gt; Pathos: Rednerische Gewalt und emotionaler Appell&lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;&lt;p&gt; Nur im Zusammenwirken dieser Aspekte entfaltet Rhetorik seine eigentlich erhellende Kraft. In der heutigen Zeit ist Pathos, unterlegt mit gewaltiger Bildsprache, vorherrschend. Bilder haben im Gehirn immer Vorfahrt. Logos und Ethos kommen entschieden zu kurz.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt; 4. Hitlers Wien – Absolute Leseempfehlung&lt;/h4&gt;&lt;p&gt; Brigitte Hamann hat m.E. meisterhaft beschrieben wie Populismus funktioniert. Redekunst, Emotionen und Theatralik stehen ganz weit vorn, wenn es darum geht, Menschen aufzustacheln. Und wieder ist die erlittene Schmach, die gefühlte Ungerechtigkeit fruchtbarer Boden für den &lt;i&gt;Starken Mann&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wahlen werden oft durch die wirtschaftliche Gesamtlage entschieden. Die gefühlte, vergleichende Gerechtigkeit ist die psychologische Komponente zur wirtschaftlichen Lage und   treibt Menschen dazu, bei den vermeintlichen Erlösern alles auszublenden wie Charakterzüge oder Kompetenz. Der &lt;i&gt;Starke Mann&lt;/i&gt; macht’s mit Macht – und dieses Durchgreifen erwarten die Wähler. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zutiefst berechtigte Frage &lt;i&gt;Wie kann man nur?&lt;/i&gt; läuft ins Leere. Hochstapelei ist leider ein Erfolgsmodell und Feature. In diesem Zusammenhang sei nochmal ausdrücklich der Artikel &lt;a href="https://www.nzz.ch/international/american-heartbreak-trumps-rueckkehr-und-europas-verlorener-glaube-an-amerika-ld.1856492" target="_blank"&gt;American Heartbreak&lt;/a&gt; empfohlen. Natürlich ist die Sehnsucht nach dem Führer und Erlöser nachzuvollziehen, die Sehnsucht nach Religion(en) ist in der Menschheit stark verankert. Potentiell gefährlich ist diese unreflektierte Sehnsucht dennoch, wie man beispielsweise in Scott Atrans &lt;i&gt;In Gods we trust. The Evolutionary Landscape of Religion&lt;/i&gt; nachlesen kann.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt; 5. Psychologie der Massen&lt;/h4&gt;&lt;p&gt; Gustave Le Bon beschreibt eindringlich wie sich Massen aufstacheln lassen und welche Eigendynamiken auftreten, sobald ein bestimmter kritischer Kipppunkt erreicht ist. Diese Eigendynamik ließ sich ja noch einmal im Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 beobachten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bezeichnend ist jedoch dass sich Lügen und Legenden über viele Jahre hartnäckig in der öffentlichen Meinung als vermeintlich wahr manifestieren, die Geschichte von den Gestohlenen Wahlen ist ja nur ein Beispiel unter vielen. Yuval Noah Harari hat dieses Thema auch aus Sicht der Medien überzeugend dargestellt: “Die meiste Information ist Phantasie, Lügen, Propaganda.“ Die Instrumentalisierung dieser Form von Information lässt sich in der Geschichte der Massen-Kommunikation recht weit zurückverfolgen. Sie schafft vor allem eine  Polarisierung und ein Lagerdenken. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt;The&amp;nbsp;Divided States of America &lt;/h4&gt;&lt;p&gt;In den USA wurde ‚die Wahl‘ längst verloren, und zwar nicht die von 2024, sondern die Präsidentschaftswahl ganz allgemein. All das erbärmliche Gezerre mit dem archaischen Wahlsystem und der tiefen Spaltung, der gänzlich verschiedenen Lebensumstände in Stadt und Land zeigt: Gefangen im Klein-Klein hängt die Gesellschaft in einer Endlosschleife und kommt nicht mehr zu faktenbasierten Entscheidungen. Ein Reset des Parteiensystems könnte helfen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Es soll hier jedoch nur vordergründig an diesem aktuellen Beispiel aufgezeigt werden wo wir als Gesellschaft hinsteuern. Der Populismus wird noch viele Früchte tragen. Der Wirkmächtigkeit sollten wir uns auch im Hinblick auf die eigenen Wahlen in Deutschland gewahr werden. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Das Zeitalter der Aufklärung hat vor 300 Jahren begonnen. Ingenieure und Wissenschaftlerinnen machen grandiose Entdeckungen. Das gilt offensichtlich nicht für das friedliche Zusammenleben und konstruktive Wirken der Menschen. Seit Gorgias nix dazugelernt?&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h4 style="text-align: left;"&gt; Epilog&lt;/h4&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;"Meine Botschaft an die Demokratische Partei lautet: Ihr habt in den letzten drei Jahrzehnten etwas falsch gemacht. Es gibt eine Gruppe, die immer weiter abrutscht, und ihr müsst auf sie zugehen. Und zwar, ohne bei Themen wie Rassismus oder LGBT-Rechten nachzugeben.“ (Arlie Hochschild: Stolen Pride)&lt;/blockquote&gt; Danke an Michael D. für die vielen Anmerkungen&lt;p&gt;&lt;/p&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2024/11/warum-der-populismus-immer-siegt.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>6</thr:total></item><item><guid isPermaLink="false">tag:blogger.com,1999:blog-7288310468234093504.post-8135961750681459161</guid><pubDate>Wed, 02 Oct 2024 13:02:00 +0000</pubDate><atom:updated>2024-10-13T11:55:50.384+02:00</atom:updated><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Demokratie</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Gesellschaft</category><category domain="http://www.blogger.com/atom/ns#">Populismus</category><title>Warum die Demokratie demontieren?</title><description>&lt;h2 style="text-align: left;"&gt;Was wollen reaktionäre Populisten letztlich eigentlich erreichen? &lt;br /&gt;&lt;/h2&gt;&lt;p&gt;In seinem Buch „Why Liberalism Failed“ aus dem Jahr 2018 argumentiert 
der katholische und erzkonservative Philosoph Patrick Deneen, dass der 
Liberalismus, also die freiheitliche moderne Demokratie, zwangsläufig selbstzerstörerisch sei. Ein politisches 
System, das auf der Ausweitung individueller Rechte und Autonomie 
beruhe, werde letztlich die kollektiven Institutionen – wie Familie, 
organisierte Religion und lokale Gemeinschaften – untergraben, die das 
politische Leben überhaupt erst ermöglichen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Diese Analyse ist ja erst einmal ganz eingängig und intuitiv. Das ist eben ein konservativer Gedanke, der auch der Skepsis vieler konservativer Politiker und deren Wählern zugrunde liegen könnte. Die sich anschließende Frage wäre, wie kommt man zu einer Balance durch Austarieren "individueller Rechte und Autonomie" gegenüber den "kollektiven Institutionen – wie Familie, 
organisierte Religion und lokale Gemeinschaften [...] die das 
politische Leben überhaupt erst ermöglichen"?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;a name='more'&gt;&lt;/a&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Die Anfälligkeit der Konservativen für illiberale Ideen &lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Statt dessen sehen wir überall in den westlichen Demokratien (und nicht nur dort) Bestrebungen, die liberalen und demokratischen Strukturen und Institutionen wieder abzubauen und statt dessen illiberale und despotische Strukturen zu installieren. Die reaktionär-populistischen Treiber dahinter berufen sich zum Teil auf solche konservativen Denker wie Patrick Deneen und schaffen es damit auch die gemäßigten Konservativen irgendwie einzulullen. Hier sehen wir die Anfälligkeiten Konservativer, sich mit der extremen Rechten zu verbünden, so  wie wir es in der modernen Geschichte immer wieder sehen. Dabei geht es der Rechten gerade nicht um das Austarieren einer Balance zwischen individueller Autonomie und kollektiven Institutionen. Was wollen sie denn dann? &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was genau da passieren soll, was geplant ist und wie das Zielbild aussieht, das ist nicht immer ganz klar. Und es soll sicherlich auch nicht immer glasklar gemacht werden, um die Wähler nicht ganz zu verschrecken. Dabei sind die Zielbilder von AFD, Ressamblement National, Orban und Trump in den wesentlichen Zügen dieselben. Gerade die AFD  in Deutschland traut sich aber nicht, ihre Ziele ganz klar zu machen. In den USA ist man da traditionell offener, das politisch akzeptierte Meinungsspektrum ist gerade nach Rechts hin viel breiter und die Vertreter der extremen Rechten haben keine Scheu, ihre Überzeugungen auch öffentlich zu vertreten (siehe &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Project_2025" target="_blank"&gt;Project 2025&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Donald Trump und sein Vizepräsidentschaftskandidat JD Vance zum Beispiel rühren ganz öffentlich in der braunen Soße, wenn sie z.B. gerade rassistische Internet-Memes über Immigranten teilen, die angeblich die Haustiere der "wahren Amerikaner" aufessen. Der Plan von durchaus sehr reflektierten Leuten wie Vance ist es, erst einmal eine breite Basis (von der sie vermuten, sie sei offen für Rassismus, wenn man ihre Ängste nur schürt) für sich zu begeistern. Die Stoßrichtung ist, den Pluralismus in der Gesellschaft zugunsten eines homogenen Nationalstaates mit traditionellen Werten zurück zu fahren. Als Mittel zum Zweck, nicht als Ziel.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Was wollen Old Business und die ultrarechten Tech-Bros?&lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Wenn es gelänge, solch eine Gesellschaft mit starken traditionellen Instistutionen zu stabilisieren, wäre sicher ein Ziel für jemanden wie Patrick Deenen bereits erreicht. Die Geister, die jemand wie Deenen rief und die er nun auch tatsächlich begrüßt, wollen jedoch viel mehr. Anders als Konservative wollen die &lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/05/radikale-christen-und-sexsuchtige.html"&gt;reaktionären Populisten ganz sicher keine starken traditionellen Institutionen&lt;/a&gt;. Aber sie brauchen legitime Konzepte, die sie ihren illegitimen Machtansprüchen zugrunde legen können.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Denken wir an die Multimilliardäre Peter Thiel (PayPal Gründer) oder Elon Musk (Tesla etc.), die beide ebenfalls hemmungslos in dieser braunen Soße mitmischen. Gerade die Perspektive der Tech-Start-up-Bros im Silicon Valley eignet sich, um zu zeigen, warum Vertreter des Big Business' zur Demokratiefeindlichkeit neigen (&lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel" target="_blank"&gt;Thiel ist berüchtigt&lt;/a&gt; für seine Auffassung, &lt;span&gt;Freiheit und Demokratie seien unvereinbar&lt;/span&gt;). Figuren des "Old Business" wie Rupert Murdoch und Donald Trump haben zusammen mit Tech-Bros wie Thiel und Musk einen gemeinsamen Feind und das ist die Souveränität des Volkes, die sich in Institutionen manifestiert, die darüber bestimmen, welches Business zulässig ist und welches nicht.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Old Business ist es beispielsweise der Umweltschutz: Natürlich setzen Umweltschutzregeln, die eben die Lebensqualität aller Bürger schützen sollen, dem Profitstreben des Business' Grenzen, z.B. wenn in Naturschutzgebieten Alaskas nicht mehr nach Öl gebohrt werden darf. Ähnlich ist es mit Arbeitsschutzgesetzen, die eben die Arbeiter schützen sollen und dadurch dem Arbeitgeber Grenzen in der Maximierung der Arbeitsleistung seiner Mitarbeiter setzt. Diese Regulierungen sind große Errungenschaften sozialstaatlicher Bestrebungen in den Demokratien. Auch das Tech-Business "leidet" unter diesen und anderen, z.B. datenschutzrechtlichen und strafrechtlichen Regularien rund um die Verantwortung für gepostete Misinformationen, Beleidigungen, Drohungen oder Hetze. Elon Musks rücksichtsloses Business ist immer wieder Ziel von Aufsichtsbehörden und seine Interessen gehen noch weiter, weil er auch in Verkehrsinfrastruktur von unter der Erde bis ins Weltall mitmischt und sich dabei gern aller ihn zurückhaltenden Regulierungen entledigen würde, aber den Staat als Auftraggeber braucht. Was läge da näher, als eben ein Staat, der nach Musks und Trumps Pfeife tanzt, anstatt nach der wählender Bürger?&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Übrigens vermute ich, dass die gefühlte Macht dieser Tech-Bros, sich aus dem normalen Leben ausklinken zu können, sei es auf gekauften Inseln oder ins Weltall, es ihnen ermöglicht, das alte Konzept vom sozialen Frieden, der auch den Reichen wichtig sein müsste, zu ignorieren. Das macht sie agressiver in ihren antidemokratischen Bestrebungen, deren Erfolg eine weit verbreitete Armut und soziale Unruhen zur Folge hätten.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;h3 style="text-align: left;"&gt;Es geht um Regulierung und Deregulierung &lt;br /&gt;&lt;/h3&gt;&lt;p&gt;Das Einhegen eines Profitstrebens auf Kosten der Allgmeneinheit passiert durch staatliche oder besser gesagt gesetzgeberische Regulierung.&amp;nbsp;Regulierung und Dereguierung sind keine binären Sachen, sondern finden auf einem Spektrum der Sicherheit auf der einen und der&amp;nbsp;Freiheitlichkeit auf der anderen Seite statt. Deswegen versuchen jene, die jegliche Regulierung ablehnen, diese als Freiheitseinschränkung darzustellen. Dem kann man aber nur auf den Leim gehen, wenn man Freiheit missversteht als, "jeder darf machen, was er will" und mithin als Recht des Stärkeren. Auf der Rückseite dieser Freiheit der Stärksten erkennen wir ganz schnell diejenigen, die dadurch in noch mehr Unfreiheit geraten, also bei den Beipielen oben die, die unter ihrer vergifteten oder denatuierten Umwelt leiden oder die Arbeiter, deren Lebenqualität unter Berufskrankheiten, wenig Zeit oder stupider, abstumpfender Arbeit leiden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Weil Regulierung auf einem Spektrum stattfindet, ist es generell auch ganz legitim, politisch darüber zu diskutieren, wie weit welche Aspekte in der Gesellschaft reguliert werden sollten. Ich persönlich denke erst einmal, dass man existenzielle Bedrohungen wie klimaschädliche Techniken oder giftige Nahrungsbestandteile durch gesetzliche Regulierung verhindern muss, während ich gleichzeitig denke, dass man niemandem vorschreiben sollte, wie er oder sie zu reden hat. Diese Unterscheidung ist doch nicht schwer. Wieso sollen denn so unterschiedliche Dinge wie Gendern und Umwetschutz in einen Topf geschmissen werden? Weil es tendenziell dieselben politischen Fraktionen sind, die sich für Naturschutz und Gendern begeistern können? Weil es sich leicht mit dem Finger auf die "Verbotsparteien" zeigen lässt? Demokratiefeinde sehen kein Spektrum, sondern lehnen das System, dass Regulierung generell möglich macht, insgesamt ab.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Start-up-Bros, zu denen auch der derzeitige republikanische Bewerber um den Posten des Vizepräsidenten der USA J.D.Vance gehört, der für Thiel gearbeitet hat und durch ihn u.a. mit 10 Millionen Dollar für Wahlkampagnen gefördert wurde, hängen öffentlich solchen &lt;a href="https://youtu.be/VeVhHNSe9Ks?si=8ZC4ez7a0pxrNmN6&amp;amp;t=185" target="_blank"&gt;Thoerien wie denen Curtis Yarvins&lt;/a&gt; an, die behaupten, dass die Regierung nichts anderes sei als eine Geschäftsführung, der der Präsident vorsteht. Man müsse jetzt endlich Schluss machen mit der Demokratie und als Geschäftsführer einen Diktator einsetzen, der den Staat mit Härte und Konsequenz einfach zur Gewinnoptimierung führt. Dabei müsse alles ganz schlank sein, Behörden mit ihren Regierungsbeamten ("deep state") müssten abgeschafft werden und in dem Zuge müssten auch all die derzeitigen &lt;a href="https://youtu.be/VeVhHNSe9Ks?si=C03a-bkHbLFWLrjB&amp;amp;t=45" target="_blank"&gt;Führungsstrukturen und ihre Institutionen wie ein "Tumor herausgerissen werden", forderte Vance&lt;/a&gt; beispielsweise. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Beispiele für Institutionen im staatlichen System, die "herausgerissen" werden sollten, werden gleich mitgenannt: Wahlen, NGOs, Universitäten, Umweltschutzbehörden, Gesundheitsbehörden, Verbraucherschutzbehörden etc. Was fällt auf? Ohne diese Behörden und Institutionen hält niemand mehr die "herrschende Klasse" (wer auch immer das sei) in Verantwortung, sich um das Gemeinwohl zu kümmern. Die Diktatoren können sich dann endlich ausschließlich und ungehindert ihren eigenen Interessen und denen ihrer Gönner widmen. Das ist Oligarchie, wie wir sie in Rußland sehen, der moderne Abklatsch einer Monarchie.&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Unterm Strich lässt sich festhalten, dass die Demokratiefeindschaft der wirtschaftlichen Eliten vor allem daher kommt, dass sie lieber einfach so wirtschaften wollen, dass sie ihren Gewinn maximieren können und ihnen generell niemand reinredet. Das ist verständlich. Unverständlich ist, dass sie dafür über die Leiche der Demokratie gehen und dass sie damit Anklang bei denen finden, die als erste unter solch einer Diktatur leiden würden: die eher ungebildeten, die ohne Einfluss, die wirtschaftlich armen und machtlosen unserer modernen Gesellschaften. Die reaktionären Populisten bekommen die Wählerstimmen dieser Menschen mit einem Versprechen einer vermeintlich einfacheren und übersichtlicheren Zukunft der Vergangenheit, in der es wieder zählt, nur eine Frau oder ein Mann zu sein, in der einem nicht "der Mund verboten" werde oder die schlauen Wissenschaftler ihnen erklärten, was gut und was schlecht für sie und ihre Umwelt wäre. Eine Zukunft, die medial unbelastet von Klima- und Wirtschaftskrisen wäre, unbelastet vom Zwang, wählen zu gehen (Trump: "&lt;a href="https://www.reuters.com/world/us/trump-tells-christians-they-wont-have-vote-after-this-election-2024-07-27/" target="_blank"&gt;...you don't have to vote again&lt;/a&gt;") oder sich für andere, schwächere engagieren zu müssen. Der Preis ist eine zerstörte Welt mit wenigen Reichen oben und ganz vielen Armen unten, dazu: Klappe halten, wegducken und machen, was der Chef/Präsident/Autokrat/Diktator sagt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;hr /&gt;&lt;p&gt;&lt;b&gt;Das passt dazu&lt;/b&gt;: &lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&lt;ul&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2023/09/gesellschaftlicher-fortschritt.html"&gt;Gesellschaftlicher Fortschritt und Überforderung&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2024/08/faschismus-ist-weird.html.html"&gt;Faschismus ist plötzlich "weird" und "cringe"&lt;/a&gt;&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;a href="https://www.geistundgegenwart.de/2020/07/kognitive-mobilisierung.html"&gt;Kognitive Mobilisierung und Verwirrung&lt;/a&gt;&amp;nbsp; &lt;/li&gt;&lt;/ul&gt;</description><link>http://www.geistundgegenwart.de/2024/10/demokratie-demontieren.html</link><author>noreply@blogger.com (Geist und Gegenwart)</author><thr:total>4</thr:total></item></channel></rss>