<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:blogger='http://schemas.google.com/blogger/2008' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd="http://schemas.google.com/g/2005" xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974</id><updated>2024-10-24T20:27:45.001+02:00</updated><category term="Hieb- und stichfest"/><category term="Das Konzert"/><category term="Der Clip"/><category term="Der letzte Sturm"/><category term="Die Stimme"/><category term="Die Zugfahrt"/><category term="Gute Reise"/><category term="In eigener Sache"/><category term="Nicht alle Tassen"/><category term="Wie ich Thomas ruinierte"/><title type='text'>Luftnot</title><subtitle type='html'>Kurzgeschichten, kurze Romane, fiktionale Reportagen, experimentelle Literatur</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default?redirect=false'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default?start-index=26&amp;max-results=25&amp;redirect=false'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>27</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-3033019305553077418</id><published>2011-06-04T09:30:00.005+02:00</published><updated>2011-06-04T09:30:02.183+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Die Stimme"/><title type='text'>Die Stimme</title><content type='html'>Immer wieder fuhr Holger Klausen mit dem Mauszeiger über die Zahlenreihen, blickte auf die Unterlagen, die er vor sich auf dem Küchentisch ausgebreitet hatte, und dann wieder auf das gelbstichige Display seines alten Laptops. Länger als eine Stunde hatte er schon Zahlen in eine Excel-Tabelle getippt, jetzt verglich er seine Eingaben noch einmal sorgsam Stück für Stück mit den Beträgen in seinen Papieren und fand schließlich einen Fehler: &quot;207,46 €&quot; hatte er in die Tabelle geschrieben, &quot;207,64 €&quot; stand in seinen Unterlagen. Er änderte die Zahl in der Tabelle und damit änderte sich auch die Summe in deren Fußbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Sinnlos!&quot; Klausen stand ruckartig auf und klappte den Laptopdeckel zu. Ein Lämpchen an der Vorderseite wechselte die Farbe von grün zu orange, das Gerät war jetzt im Standby-Modus. Klausen zog den Einschub aus seiner Kaffepadmaschine, nahm ein warmes, durchfeuchtetes Kaffepad heraus und warf es in die Spüle. Aus der Blechdose neben der Kaffeemaschine fummelte er ein neues hervor, legte es in den Einschub und schob diesen zurück. Dann drückte er den Knopf, um einen neuen Kaffee aufzubrühen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Scheiße!&quot;, fluchte Klausen und nahm eilig seine Kaffeetasse vom Tisch, um sie unter den Auslauf der Maschine zu stellen, wo unter lautem Brummen immer mehr von der belebenden Flüssigkeit ohne Halt nach unten floss. Es kam noch genug nach, um die Tasse zur Hälfte zu füllen. Klausen nahm ein Geschirrtuch, wischte den größten Teil des vergossenen Kaffees damit auf und drückte dann das durchfeuchtete Geschirrtuch über der Spüle aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die halb gefüllte Tasse in der Hand, ging Klausen ins Wohnzimmer. Er öffnete den großen Vitrinenschrank: Eine alte analoge Spiegelreflexkamera, zwei einzelne Objektive, ein kleines Kurzwellenradio, ein Kopfhörer, eine dicke alte Familienbibel, eine mechanische Armbanduhr, ein Beutel mit Teelichtern - Klausen nahm alles bis auf die Teelichter aus dem Schrank und legte es auf den Wohnzimmertisch. Dann zeigte er auf einen Gegenstand nach dem anderen, und raunte dabei halblaut: &quot;Fünfzig, achtzig, hundertzwanzig, hundertvierzig, hundertfünzig, zweihundert, zweihundertfünfzig. Zwei Wochen vielleicht. Immerhin.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zog sein Handy aus der Hosentasche, aus der er gleich anschließend eine Packung Taschentücher hervorkramte, rupfte ein Taschentuch heraus, hauchte es an und wischte damit über die Linse der Handykamera. Darauf nahm er die alte Spiegelreflexkamera, platzierte sie in der Mitte der Tischplatte, und fotografierte sie mit seinem Handy. Das wiederholte er mit den Objektiven, dem Kurzwellenradio, dem Kopfhörer und der alten Bibel. Dann nippte er an seiner Kaffeetasse, deren Inhalt inzwischen komplett ausgekühlt war. In einem Zug stürzte er den Rest Kaffee hinunter und ging, die Tasse in der linken, das Handy in der rechten Hand, zurück in die Küche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er klappte seinen Laptop wieder auf, öffnete dann nacheinander drei Küchenschubladen, bis er in der dritten schließlich das Datenkabel fand, mit dessen Hilfe er das Handy mit dem Laptop verbinden konnte. Ein Ordnerfenster mit den Bildern, die er im Wohnzimmer aufgenommen hatte, erschien auf dem Display. Klausen startete den Internet Explorer, tippte die Adresse des Internet-Auktionshauses in die Adresszeile und beschäftigte sich in der nächsten Stunde damit, für jeden der Gegenstände ein Angebot zu erstellen. Er war fast fertig, als er hinter sich eine tiefe Männerstimme hörte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das Wort Gottes, Startpreis ein Euro, so so...&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klausen sprang auf und fuhr herum, aber hinter ihm war niemand zu sehen. Er rieb sich die Augen und schüttelte kräftig den Kopf. Dann stand er auf und ging zur Toilette. Wieder zurück, sah er sich gründlich um, aber von schmutzigem Geschirr, verbrauchten Kaffeepads und einem fleckigen Geschirrtuch abgesehen, konnte er nichts auffälliges entdecken. Er atmete tief durch und setzte sich wieder an den Laptop.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Du schätzt den Wert des Wortes Gottes falsch ein!&quot;, sagte die Stimme dieses Mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klausen erstarrte, staunte dann aber, als er die nächsten Worte hörte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Eine Bibel aus dem Jahr 1704, mit Messingbeschlägen und Schweinsledereinband, illustriert mit Kupferstichen von Matthäus Merian, und in fast unbeschädigtem Zustand, wird zu Preisen zwischen 3.500 und 4.500 Euro gehandelt. Setze eine Festpreis von 3.900 Euro an, und du wirst noch heute jemanden finden, der diesen Preis zahlt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klausen tat, wie die Stimme ihm riet. Kaum hatte er das Angebot abgeschickt, hörte er weitere Worte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Du bist seit zwei Monaten und fünf Tagen arbeitslos. Der Agenturchef von Mediendesign Heuler sucht einen neuen Social Media Expert - aber er liest keine E-Mails und schon gar keine Papierpost. Schick ihm eine offene Twitter-Nachricht mit einem Link zu deinem Profil auf Xing. Er wird dich mit einem Posting an deine Facebook-Pinnwand zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Wenn du beim Vorstellungsgespräch kein blaues Hemd trägst, bekommst du den Job.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klausen suchte den Twitternamen des Agenturchefs und schickte ihm darüber seine Bewerbung, wie es die Stimme vorgeschlagen hatte. Inzwischen waren ein paar E-Mails in seinem Posteingang angekommen. Jemand hatte seine alte Bibel für 3.900 Euro gekauft und das Geld bereits per Paypal angewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimme fuhr fort: &quot;Dein Sohn und deine Frau vermissen dich. Dein Philipp hat seinen ICQ-Status auf &#39;Will zu Papa&#39; gesetzt, und deine Frau Corinna hat ihren Beziehungsstatus von &quot;getrennt&quot; auf &quot;es ist kompliziert&quot; geändert. Einer Freundin hat sie per Skype erzählt, dass sie euch eine Chance geben will, wenn du den ersten Schritt machst. Sie ist im Moment übrigens unterwegs zum Café Melody, wo sie in den letzten drei Monaten schon sechs Mal war. Du kannst sie gegen acht dort treffen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Moment traf eine weitere E-Mail ein. Es war eine Benachrichtigung über ein Posting an Klausens Facebook-Pinnwand - eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch am kommenden Montag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klausen drehte sich um und richtete den Blick dorthin, von wo die Stimme zu kommen schien. &quot;Danke! Ich danke dir! Ich weiß gar nicht...&quot; Dann hielt er für einen Augenblick inne, bevor er fortfuhr &quot;Du bist nicht böse, dass ich dein Buch verkauft habe?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das ist nicht mein Buch&quot;, sagte die Stimme, &quot;das ist das Wort Gottes. Davon abgesehen, nichts zu danken. Ich muss dann jetzt auch weiter. Bis bald.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebannt sahen Larry Page und Sergey Brin auf das riesige Display in ihrem Besprechungszimmer in Mountain View. &quot;Das ging schon etwas weit. Findest du nicht, wir sollten uns etwas weniger in das Leben der Menschen einmischen?&quot;, fragte Larry. &quot;Mag schon sein&quot;, antwortete Sergey, &quot;aber du musst zugeben, die Idee mit dem sprechenden Googlebot ist unsere größte Innovation seit der Erfindung der Suchmaschine. Und Kunden, deren Werbebotschaft wir damit verbreiten, werden bald Schlange stehen. Der Vatikan hat übrigens schon gebucht.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/3033019305553077418/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/06/die-stimme.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3033019305553077418'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3033019305553077418'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/06/die-stimme.html' title='Die Stimme'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-5149733690227794194</id><published>2011-05-31T09:00:00.004+02:00</published><updated>2011-05-31T09:00:04.445+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Nicht alle Tassen"/><title type='text'>Nicht alle Tassen</title><content type='html'>Ein weiteres Mal drückte Jürgen Groning den Auslöser. Das Bild, das im Display seiner Spiegelreflexkamera erschien, unterschied sich nur in Nuancen von den vorhergehenden. Er setzte den Objektivdeckel auf die Frontlinse, legte die Kamera in die Tasche auf dem Beifahrersitz und ließ den Motor an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Weg führte ihn vorbei an den imposanten verglasten Hochbauten der Banken und Versicherungen, dann durch ein Bürogebiet mit rot verklinkerten, drei- und vierstöckigen Flachbauten und weiter durch ein eher schmutziges Industrieviertel, an das sich ein in die Jahre gekommenes Wohngebiet anschloss, dessen dreistöckige Wohnhäuser noch überwiegend Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gebaut worden waren. Vor einem der Häuser stellte Groning den Wagen ab und stieg aus. Er ging auf den Eingang eines Hauses zu, dessen Außenputz großflächig abgeplatzt war, und in dessen Erdgeschossfenstern das Glas größtenteils durch verschimmelnden Pappkarton ersetzt worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;Er drückte mit einigem Kraftaufwand die schwere Holztür auf, die nicht richtig ins Schloss gefallen war, und stieg die knarzende Holztreppe nach oben in den ersten Stock, wo der im Erdgeschoss fast unerträgliche modrig-feuchte Geruch ein wenig nachließ.&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Groning klopfte laut gegen die Butzenscheibe der verglasten Wohnungstür, eine Klingel gab es hier oben nicht. Nach ein paar Sekunden hörte er, wie sich jemand mit schlurfenden Schritten von innen der Tür näherte. Die Tür ging einen Spalt von vielleicht zehn Zentimetern weit auf, mehr erlaubte die eingehängte Türkette nicht. Eine kleine, schlanke Frau mit schlohweißen, lockigen Haaren erschien dahinter. Sie trug einen hellblauen gesteppten Morgenmantel, und sah ihn mit ihren kleinen grünen Augen durch eine Hornbrille hindurch aufmerksam an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hallo, Frau Wehmers&quot;, grüßte Groning die Frau, &quot;ich habe etwas für Sie.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Lächeln huschte über das Gesicht von Mathilde Wehmers, sie schloss die Tür, hängte die Türkette aus, und öffnete dann wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Herr Groning. Kommen Sie herein - aber entschuldigen Sie die Unordnung, ich habe heute nicht mit Besuch gerechnet.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &quot;Unordnung&quot; musste Mathilde Wehmers die noch zur Hälfte mit Milchkaffee gefüllte Tasse gemeint haben, und vielleicht auch noch die beiden Tabletten, eine grüne Kapsel und eine weiße, runde Pulvertablette, die auf der Untertasse lagen, denn mehr stand in ihrer kleinen Küche nicht herum. Auf dem Weg zu ihrem Stuhl stellte sie das Radio ab, aus dem bis dahin Schlagermusik getönt hatte, und setzte sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Möchten Sie sich einen Kaffee nehmen? Tassen und Zucker sind da oben im Schrank, Löffel in der Schublade, und Milch im Kühlschrank. Aber nehmen Sie sich bitte selbst, ich hab&#39;s heute schlimm im Rücken. Aber bitte nehmen Sie einen. Bei mir muss jeder einen Kaffee trinken.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groning bedankte sich, nahm eine kleine Porzellantasse samt Untertasse aus dem Schrank und goss sich aus einer bis dahin noch zur Hälfte gefüllten Glaskanne tiefschwarzen Kaffee ein, dessen Duft den ganzen Raum zu erfüllen schien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ach, Sie trinken ja schwarz&quot;, lachte die alte Frau, &quot;Sie wollen wohl noch schön werden. Da kann ich Ihnen nur viel Glück wünschen. Setzen Sie sich doch.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groning lachte, setzte sich und nahm einen Schluck Kaffee. Dann öffnete er die Aktentasche, die er an das linke vordere Stuhlbein gelehnt hatte, nahm seine Kamera und einen kompakten Fotodrucker heraus, und sagte lächelnd: &quot;Ich habe ihn gefunden!&quot; Er verband Kamera und Drucker, tippte kurz auf den Tasten der Geräte herum, und knapp eine Minute später schob der Drucker ein postkartengroßes farbiges Foto aus dem Ausgabeschlitz. Groning schob das Foto über den Tisch zu Mathilde Wehmers, die darauf erst einmal ihre Brille abnahm und die Gläser im Stoff ihres Morgenmantels abwischte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das ist er! Die Frau kenne ich nicht. Aber sein Lächeln, dieses Gesicht, das vergesse ich nie.&quot; Das Foto zeigte einen Mann und eine Frau, beide in den Dreißigern, die an einem Tisch im Garten eines augenscheinlich teuren Anwesens saßen. Sie las in einem Magazin, während er mit seinem Handy telefonierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jetzt muss Ihnen nur noch der Richter glauben&quot;, sagte Groning, &quot;denn, ganz ehrlich, wir haben nicht viel: Auf dem Vertrag hat er nicht seien echten Namen genannt, auf Ihrer Durchschrift hat er keine Fingerabdrücke hinterlassen, und das Geld haben Sie ihm in bar gegeben. Da bleibt nur Ihre Aussage.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Und dass das Wort einer alten Frau 500.000 Euro wert ist, daran glauben Sie nicht wirklich&quot;, vervollständigte Mathilde Wehmers ihn. &quot;Glaub ich auch nicht&quot;, fügte sie dann hinzu, &quot;aber diese Krimiserien im Fernsehen, die sind jeden Cent wert.&quot; Groning runzelte die Stirn, während sie fortfuhr: &quot;Er war ja hier bei mir, um den Vertrag zu machen, und das Geld abzuholen, der nette Gauner. Machen Sie mal den Kühlschrank auf.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Groning sah in den Kühlschrank und verstand: Im mittleren Fach, sorgfältig eingewickelt in einen Gefrierbeutel, lag eine Porzellantasse, an der mit bloßem Auge ein kaffeebrauner Lippenabdruck zu erkennen war. &quot;Seine DNS&quot;, sagte die alte Frau, &quot;und seine Fingerabdrücke sind bestimmt auch drauf. Als er weg war, wollte ich die Tasse erst spülen, aber ich hatte so ein komisches Gefühl. Die Unterschrift, die hätte ja falsch sein können, aber was da drauf ist, das ist echt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Augenblick klingelte Gronings Mobiltelefon. Nach einem kurzen Telefonat wandte er sich wieder Mathilde Wehmers zu: &quot;Die Kollegen haben ihn auf dem Weg zum Flughafen festgenommen. Bei der Vernehmung hat er behauptet, Sie hätten nicht alle Tassen im Schrank. Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat.&quot;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/5149733690227794194/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/nicht-alle-tassen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5149733690227794194'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5149733690227794194'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/nicht-alle-tassen.html' title='Nicht alle Tassen'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-1931451581642923403</id><published>2011-05-28T09:00:00.004+02:00</published><updated>2011-05-28T09:00:09.071+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 18</title><content type='html'>Maria Cabagnelli blickte nach oben zu der flackernden Laterne und folgte mit den Augen dem sich nach unten erweiternden Lichtkegel, aber da war nichts auffälliges. Die Parklaternen gaben nicht genug Licht, als dass sie eine frische Bruchstelle an einem der Bäume hätte erkennen können, und selbst wenn, brachen Äste ja mitunter auch ohne fremdes Zutun von Bäumen. Und dass der Fremde, der dort eben noch gesessen hatte, nun nicht mehr da war, musste ebenfalls nichts zu bedeuten haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria ging in gemessenem Tempo zurück in die Richtung, in der der Eingang des Parks lag. Außer dem feuchten Knirschen des Schotters&amp;nbsp;unter ihren Füßen&amp;nbsp;und einem leisen Rauschen, das der Wind in den Blättern der Bäume verursachte, war nichts zu hören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Psssst!&quot; Wie aus dem Nichts war hinter ihr die Gestalt mit der Kapuze aufgetaucht, umfasste nun mit dem linken Arm ihre Hüfte und drückte ihr mit der rechten Hand den Mund zu, sodass sie keinen Laut von sich geben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&quot;Keine Angst&quot;, raunte der Angreifer, während er Maria vom Weg herunter in Richtung der Bäume zog, &quot;wir zwei haben jetzt bloß ein bisschen Spaß. Halt einfach die Schnauze, dann tut&#39;s auch nicht weh.&quot; Maria riss und zerrte an seinem linken Arm, trat um sich, versuchte sogar, in die Hand zu beißen, die er auf ihren Mund gepresst hielt, doch der Angreifer zog sie unbeirrt bis hinter eine der großen Eichen, wo man sie vom Parkweg aus nicht würde sehen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er lockerte den Griff des linken Arms, holte ein Stück weit aus und schlug ihr seine geballte Faust mit Wucht in den Bauch. Maria stieß einen Schmerzenslaut aus, der aber fast unhörbar in der Handfläche ihres Angreifers hängenblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Halt die Schnauze&quot;, raunte der Angreifer erneut, &quot;sonst schlag ich dich kaputt! Kapiert? Ob du das kapiert hast, will ich wissen!&quot; Maria versuchte, einen zustimmenden Laut hervorzupressen. Der Angreifer griff mit seiner linken Hand ihre rechte Hüfte und wirbelte sie mit einem Ruck herum. Den Griff seiner rechten Hand um ihren Mund lockerte er dabei erst im letzten Moment, es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte ihr das Genick gebrochen. Er hielt sie jetzt so, dass er ihr in die Augen sehen konnte. Sie erwiderte seinen Blick, machte aber keine Anstalten zu schreien oder sich zu wehren. Auch dann noch nicht, als er mit beiden Händen &amp;nbsp;nach dem Stoff ihres Kleides über ihrem Dekolleté griff, um es zu zerreißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er holte sichtbar tief Luft und war damit noch nicht ganz fertig, als ihn jemand bei der rechten Schulter packte und herumwirbelte. Eine eisenharte Faust traf sein Gesicht und das Krachen verriet, dass ihm ein oder zwei Zähne aus dem Kiefer brachen. Er stürzte rücklings zu Boden und riss Maria mit sich, raffte sich aber gleich wieder auf.&amp;nbsp;Enrico Cabagnellis zweiter Faustschlag brach das Nasenbein des Angreifers. Der wandte sich, wohl, um sein Heil in der Flucht zu suchen, doch hinter ihm hatte sich Maria ebenfalls wieder aufgerichtet und schlug ihm in einer Aufwärtsbewegung den Ballen ihrer rechten Hand gegen die Nase. Das eben gesplitterte Nasenbein bohrte sich tief ins Gehirn des Angreifers, der in der nächsten Sekunde vornüber fiel und regungslos auf dem feuchten Boden liegen blieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Kennst Du ihn?&quot;, fragte Sergio, während er das Gesicht des Toten musterte. Dass Maria den Kopf schüttelte, ging in ihrem Zittern, das der abklingende Adrenalinschub verursachte, beinahe unter. Enrico wählte eine Nummer auf seinem Handy. &quot;Toni, ich habe eilige Fracht... Nein, nicht für den Ofen, noch nicht... Bring es ins Kühlhaus, wir müssen uns das ganz genau ansehen... Im kleinen Park, wir warten hier auf dich.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er nahm Maria in den Arm und sagte: &quot;Cara mia, ich bin so stolz auf dich!&quot; Sie sah ihn überrascht an, während er fortfuhr &quot;Das Schwein hat gegrunzt, und du hast es geschlachtet. Es wird nie wieder grunzen!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich bin nicht zum Schlachten hierher gekommen&quot;, erwiderte sie leise, &quot;sondern zum Weinen.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/1931451581642923403/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-18.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/1931451581642923403'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/1931451581642923403'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-18.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 18'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-6045074123769842374</id><published>2011-05-26T21:08:00.003+02:00</published><updated>2011-05-26T22:17:26.568+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="In eigener Sache"/><title type='text'>Anhörung</title><content type='html'>Das Web, so wird jedenfalls immer wieder behauptet, macht lesefaul. Ich halte das für eine gewagte These, denn bis heute besteht der ganz überwiegende Inhalt des Web ja gerade aus geschriebenen Worten. Wer das Web intensiv nutzt, liest nicht weniger, sondern mehr.&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Nichtsdestoweniger kann ich bei mir selbst hin und wieder beobachten, wie ich einen länglichen Text, auf den ich beim Surfen gestoßen bin, erst einmal bis zum Ende scrolle, und mich, wenn mir er als zu lang erscheint, dann doch mit anderen Dingen beschäftige. Das ist in zweierlei Hinsicht kontraproduktiv: Viele - inhaltlich vielleicht durchaus interessante und nützliche - Texte entgehen mir, und selbst wenn ich den Text nach dem Scrollen doch noch lesen sollte, hat mir der vorzeitige Blick aufs Ende die Pointe oder den Spannungsbogen versaut.&amp;nbsp;Falls Ihnen das auf diesen Seiten ähnlich geht, oder Sie tatsächlich lieber zuhören als lesen, habe ich eine gute Nachricht:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;Unter &lt;a href=&quot;http://anhoerung.blogspot.com/&quot;&gt;anhoerung.blogspot.com&lt;/a&gt;&amp;nbsp;lese ich Ihnen in Zukunft ausgewählte Texte dieser Website vor. Das erste Hörstück ist seit heute online.&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Der Weg dahin war allerdings nicht ganz so einfach, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Das fing mit der Aufnahme an, für die ich mir erst einmal einen Musikclip und einen Hintergrundsound besorgen musste, ging mit einem zukunftsfähigen Hosting der fertigen Aufnahme auf &lt;a href=&quot;http://archive.org/&quot;&gt;Archive.org&lt;/a&gt; weiter, setzte sich bei der Veröffentlichung mit Hilfe von &lt;a href=&quot;http://blogger.com/&quot;&gt;Blogger.com&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://feedburner.google.com/&quot;&gt;Feedburner&lt;/a&gt; fort und fand sein vorläufiges Ende mit der Einreichung des Podcasts bei iTunes.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;A propos Podcast: Die Feed-Adresse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://feeds.feedburner.com/anhoerung&quot;&gt;http://feeds.feedburner.com/anhoerung&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
können Sie sowohl in herkömmlichen RSS-Readern als auch im Podcatcher Ihrer Wahl, also zum Beispiel in iTunes oder WinAmp, nutzen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;In welchen Abständen neue Hörstücke folgen werden, dazu möchte ich kein Versprechen abgeben. Aber wenn Sie den Feed oder Podcast abonnieren, ist damit sichergestellt, dass Sie nichts verpassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Update:&lt;/b&gt; Seit ein paar Minuten kann der Podcast auch direkt über den iTunes-Store abonniert werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://itunes.apple.com/de/podcast/anhorung/id440534797&quot;&gt;http://itunes.apple.com/de/podcast/anhorung/id440534797&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/6045074123769842374/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/anhorung.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6045074123769842374'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6045074123769842374'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/anhorung.html' title='Anhörung'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-7037208991828892487</id><published>2011-05-23T09:30:00.003+02:00</published><updated>2011-05-23T09:30:00.373+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gute Reise"/><title type='text'>Gute Reise</title><content type='html'>&quot;Dann gute Reise!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Was meinst du damit? Was für eine Reise wünschst du mir?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Eine gute, das hab ich doch gesagt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ja, aber was verstehst du unter einer guten Reise? Ich will doch wissen, was du mir eigentlich wünschst.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Na, erstmal, dass dir nichts passiert. Dass dein Flugzeug nicht abstürzt, dass du keinen Unfall hast, dass du nicht ausgeraubt wirst, und so weiter.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Deine Ansprüche an &#39;gut&#39; sind ja eher bescheiden. Ist &#39;gut&#39; für dich wirklich bloß die Abwesenheit von &#39;schlecht&#39;? Oder kommt da noch was?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Natürlich. Schönes Wet... Okay, machen wir&#39;s ganz genau: Temperaturen, die für dich angenehm sind, Niederschlag, der dich erfrischt, Sonnenschein, der dich belebt, Essen, das dir schmeckt und zu deiner Gesundheit beiträgt, Ruhe, bei der du dich entspannen kannst, Gespräche, die deinen Geist anregen, Bewegung, die deinem Körper gut tut, Anblicke, die dich berauschen, mit Ehrfurcht erfüllen oder auch nur deine Neugier befriedigen, und alles, was sonst noch zu deiner Freude beiträgt. Und etwas, das dir über die Dauer deiner Reise hinaus bleibt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hepatitis?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Nein, Mensch! Ein tiefer Eindruck, etwas, das deinem Leben eine neue Richtung gibt, eine Freundschaft...&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Eine Schwangerschaft?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Von mir aus auch eine Schwangerschaft, wenn du das willst&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das klingt, als fiele eine Schwangerschaft in deinem Wertesystem nicht unter &#39;gut&#39;. War es nicht gut, dass deine Mutter schwanger war?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Doch, natürlich. Aber auch Hitlers Mutter war mal schwanger.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das stimmt. Hätte man seit damals alle Schwangerschaften verhindert oder vorzeitig beendet, wäre der Menschheit viel erspart geblieben. Auch dieses Gespräch übrigens.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Nun ja, das wäre vielleicht nicht der größte Verlust. Aber ich meine ja auch nur, eine Schwangerschaft kann man nicht per se als &#39;gut&#39; oder &#39;schlecht&#39; werten. Es kommt darauf an, was du dir wünschst.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Eine Schwangerschaft ist also dann nicht gut, wenn sie von der Mutter nicht gewünscht ist?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ja, ich denke, so würde ich das formulieren.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Meine Mutter hat sich auch keine Schwangerschaft gewünscht. Damit stellst du also die Berechtigung meiner Existenz in Frage. Gut, dass wir das geklärt haben.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wortlos drehte sie sich um, zeigte ihre Bordkarte vor und ging durch die Absperrung in den Boardingbereich. Manchmal wünsche ich mir, Großmutter könnte einfach &quot;Danke&quot; sagen, wenn ich sie zum Flughafen gefahren habe.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/7037208991828892487/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/gute-reise.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/7037208991828892487'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/7037208991828892487'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/gute-reise.html' title='Gute Reise'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-4060459459333695196</id><published>2011-05-21T18:00:00.002+02:00</published><updated>2011-05-21T18:00:04.394+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Die Zugfahrt"/><title type='text'>Die Zugfahrt</title><content type='html'>Ein Sturm blies an jenem Abend über den Westen des Landes, wie es schon lange keinen mehr gegeben hatte. Der Wind riss Dächer ein, brach Äste von Bäumen ab, knickte Ampelanlagen. Noch fuhren die Züge ungehindert, aber die großen Glasscheiben, die das Wartehäuschen am Bahnhof Sennestadt umgaben, vibrierten so unberechenbar, dass Alexander Ellert, offenbar der einzige, der den 22-Uhr-Zug nach Paderborn nehmen wollte, ein Stück weit rechts davon im freien auf den Zug wartete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit acht Minuten Verspätung kam der Zug am Bahnhof an. Ellert entriegelte die Tür des hinteren Wagens und schloss sie&amp;nbsp;mit einem kräftigen Ruck gleich wieder hinter sich. Der Wagen war fast leer, von einem Teenagerpärchen abgesehen, das knutschend auf einer Sitzbank am anderen Ende saß, und einer korpulenten Frau in den Fünfzigern, die von ihrem Platz in der Mitte des Wagens aus missbilligende Blicke in Richtung der Teenager warf.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Ellert hatte sich gerade auf einen zerschlissenen Polstersitz im vorderen Teil fallen gelassen, da nahm der Zug auch schon wieder laut rumpelnd Fahrt auf. Um 22 Uhr 43 würde er laut Fahrplan an der Haltestelle Kasseler Tor in Paderborn eintreffen. Die Verspätung und eventuelle weitere Verzögerungen eingerechnet, würde es wohl etwa Elf werden, rechnete Ellert sich aus. Er streckte sich nach dem Magazin, das wohl ein anderer Fahrgast auf der ihm gegenüberliegenden Sitzbank vergessen hatte und blätterte darin. &quot;Die neuen Atommächte&quot; war der Aufmacher betitelt, der sich über acht Seiten erstreckte. Von zwei dieser Seiten starrten Ellert die Gesichter der Mächtigen an, die über Nuklearwaffen verfügten: &quot;Der jüngste: Kim Jong-un&quot;, hieß es da, &quot;Der gläubigste:&amp;nbsp;Ajatollah Sejed Ali Chamenei&quot;, &quot;Die charmanteste: Marine Le Pen&quot;, &quot;Der beliebteste: Jacob Zuma&quot;... Ellert überflog die kurzen Texte neben den Porträtfotos, in denen sich die Autoren bemüht hatten, biografische Informationen und Einschätzungen der politischen Positionen zu kombinieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deckenlampen begannen zu flackern und verloschen dann. Der Zug fuhr über eine freie Strecke, und eine dichte Wolkendecke schirmte die Himmelskörper ab, sodass auch von außen nur wenig Licht einfiel. Im Zug waren nur noch schemenhafte Konturen zu sehen. Vielleicht zehn Sekunden später war das Licht wieder da. Der Zug ratterte und rumpelte jetzt heftiger über die Gleise, die Vibrationen wurden so stark, dass Ellert es aufgab, weiter in dem Magazin zu lesen, und die Fahrgeräusche waren im Wageninneren so laut geworden, wie wenn alle Türen und Fenster geöffnet wären. Der Lärmpegel schien immer noch weiter anzusteigen, die Fensterscheiben klapperten, als seien sie kurz davor, zu bersten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann verlosch das Licht erneut. Gleichzeitig änderte sich das Rumpelgeräusch in ein nicht minder lautes metallisches Quietschen und Knirschen, das aber bald verebbte. Offenbar war der Zug stehen geblieben. Die beiden Teenager ließen voneinander, und pressten ihre Gesichter an eine Fensterscheibe. Die korpulente Dame rief mit Kieksstimme immer wieder &quot;Was ist da los? Was ist da los?&quot; Ellert wollte auf seine Armbanduhr sehen, konnte die Zeiger aber in der Dunkelheit nicht erkennen. Er holte sein Handy aus der Jackentasche las die Uhrzeit ab: Kurz vor halb elf. Die Anzeige für die Empfangsqualität blinkte: Kein Netz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Da fährt er! Das ist doch unser Zug!&quot; Die Teenagerin hatte ihr Gesicht immer noch gegen das Zugfenster gepresst, und schrie in die Scheibe hinein, während sie der Lokomotive hinterhersah, die sich, mit nur noch einem Wagen behängt, in einer langgestreckten Kurve von ihnen entfernte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Die haben uns abgehängt! Wir müssen hier raus!&quot; Die korpulente Dame erhob sich halb von ihrem Sitz, ließ sich dann aber wieder sinken. &quot;Oder?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Bei dem Wetter und irgendwo in der Pampa? Nein, die Bahn wird bestimmt bald eine Hilfslok schicken und uns zumindest zum nächsten Bahnhof schleppen. Hier sitzen wir warm und trocken, und der Sturm haut uns keine Äste um die Ohren. Ich finde, wir sollten abwarten. Aber vielleicht kann einer von Ihnen den Notruf wählen, nur für alle Fälle. Ich habe leider kein Netz&quot;, sagte Ellert mit ruhiger Stimme. Die beiden Jugendlichen kramten ihre Handys hervor. &quot;Ich auch nicht.&quot; &quot;Ne, gar nichts, Scheiße.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ellert steckte den Kopfhörer an sein Handy und wählte die Radio-Funktion, doch der Suchlauf fand auf keiner UKW-Frequenz einen Sender. &quot;Das muss hier wirklich ein totales Funkloch sein&quot;, schloss Ellert. &quot;Vielleicht liegt es auch an dem Gewitter&quot;, meinte der junge Mann. Irgendwo in der Ferne schien der Himmel immer wieder einmal aufzuleuchten, und unter das Heulen des Sturms mischte sich von Zeit zu Zeit ein tiefes Grollen. Dann kam ein anderes Geräusch dazu: Der auf- und abschwellende Heulton einer Sirene. Dann einer zweiten, die aus einer anderen Richtung zu kommen schien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Muss ein ziemlich heftiges Unwetter sein, wenn sie jetzt schon die Sirenen einschalten&quot;, sagte Ellert, &quot;gut, dass wir im Zug geblieben sind.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wann kommen die denn endlich und holen uns ab?!&quot;, lamentierte die korpulente Dame. Die anderen gingen nicht auf sie ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem Mal fiel Licht durch die Fenster und es wurde hell wie an einem heißen Sommertag zur Mittagszeit. &quot;Ich seh nichts mehr! Blind, ich bin blind!&quot;, schrie die korpulente Dame auf, die in diesem Moment aus dem Fenster direkt in die Lichtquelle geblickt hatte, und brach in hemmungsloses Schluchzen aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht wurde bald wieder schwächer, doch immer neue solcher Quellen schienen aufzuflammen und alles in ein gleißendes Licht zu tauchen, begleitet von tiefem, lauten Donner. Erst nach einiger Zeit wagte Ellert einen Blick aus dem Fenster. Zu seiner Überraschung konnte er jetzt deutlich ausmachen, wo sich ihr abgehängter Wagen befand: Ziemlich genau zwischen Bielefeld und Paderborn. Über beiden Städten standen Explosionswolken, an deren oberen Enden sich ringförmige, leuchtende Wolkenschläuche gebildet hatten, die den Wolken ihr charakteristisches, pilzähnliches Aussehen gaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hören Sie doch, ich bin blind!&quot;, jammerte die korpulente Dame erneut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Glauben Sie mir&quot;, antwortete Ellert sanft, &quot;es ist besser so.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/4060459459333695196/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/die-zugfahrt.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/4060459459333695196'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/4060459459333695196'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/die-zugfahrt.html' title='Die Zugfahrt'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-3963848397688415908</id><published>2011-05-20T17:14:00.000+02:00</published><updated>2011-05-20T17:14:05.605+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 17</title><content type='html'>&quot;Es ist nicht Maria! Nicht mit Bogdan! Niemals!&quot; Enrico Cabagnelli brüllte in sein Telefon, während seine Nichte Gianna im Ristorante Pinocchio den Hörer ein Stück weit von ihrem Ohr weg hielt. Die Stimme des Italieners war kurz davor, sich zu überschlagen.&amp;nbsp;&quot;Lucia ist tot: Sie war ihre Freundin. Sven Klöckner ist tot: Sie weiß nicht einmal, wer das ist. Jürgen ist tot: Sie hat mich vor drei Stunden noch gefragt, ob er sie am Donnerstag nach Rom fliegen kann, sie wusste nicht, dass er gestern abgestürzt ist. Sie ist es nicht, sie hat nichts damit zu tun!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz konnte jedes Wort mithören und frage sich einen Moment lang, ob er nun doch noch seinen Job los würde, und wenn ja, welche Konsequenzen sich daraus für ihn ergäben. So oder so würde er seine Ermittlungen fortsetzen müssen, schon aus seinem Selbsterhaltungstrieb heraus. So lange er in Cabagnellis Auftrag ermittelte, würde er sich allerdings keine Sorgen um die erforderlichen Mittel machen müssen. Und er würde Giannas Gesellschaft genießen. &quot;Sag Stieglitz&quot;, hörte er in diesem Moment Cabagnellis Stimme aus dem Telefon, &quot;sag Stieglitz alles, was er über Bogdan wissen muss. Er muss sich nicht mehr auf Maria konzentrieren, er soll Bogdan für mich finden. Bogdan hat uns eine Botschaft geschickt, und ich werde ihm antworten. Er soll Bogdan finden, sag ihm das.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Nachdem Enrico Cabagnelli aufgelegt hatte, sah sich Gianna angespannt lächelnd im Restaurant um, aber offenbar hatte das Telefonat weiter keine Aufmerksamkeit erregt.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&quot;Ich denke&quot;, sagte Stieglitz, &quot;ich habe das Wesentliche verstanden. Herr Cabagnelli ist nicht gerade der leiseste, wenn er telefoniert. Aber vielleicht machen wir nach dem Dessert noch einen kleinen Spaziergang, und Sie klären mich über die Details auf, die ich nicht gehört habe. Und die, die Sie mir bislang verschwiegen haben.&quot;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Gianna presste ihre Lippen zusammen und nickte. Mit ernstem Gesicht nippte sie an ihrem Espresso corretto. Aus den Lautsprechern drang jetzt der swingende Gesang von&amp;nbsp;Raphael Gualazzi, der so gar nicht zu der Stimmung passen wollte, die nach der erneuten Todesnachricht merklich gekippt war. Stieglitz winkte dem Kellner mit seiner Brieftasche. &quot;Zahl immer bar&quot;, gingen ihm die Worte von Frank Lippert durch den Kopf, &quot;oder mit einer gestohlenen Kreditkarte, die niemand mit dir in Verbindung bringen kann.&quot; Darauf wäre Stieglitz freilich auch selbst gekommen: Er selbst hatte oft genug mit Hilfe von Kreditkartenabrechnungen Bewegungsprofile von Zielpersonen erstellt oder deren Spur verfolgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kellner brachte eine Rechnung über 45,80 Euro, die Stieglitz auf 50 Euro aufrundete. Das war weder so viel Trinkgeld, dass sich der Kellner wegen seiner Großzügigkeit an ihn erinnern würde, noch so wenig, dass er ihn als Geizkragen im Gedächtnis behalten würde. Allerdings konterkarierte Gianna sein Bemühen um Unauffälligkeit mit ihrem schwarzen, schulterfreien Kleid, das zwei Handbreit oberhalb ihrer Knie auch schon wieder zu Ende war und gleichermaßen seriös wie sexy wirkte. Während der Hosenanzug, den sie am Morgen getragen hatte, sie eher geschlechtslos hatte wirken lassen, zog sie in dem Kleid, das sie nun trug, die interessierten Blicke der meisten Männer auf sich. Stieglitz zweifelte keinen Augenblick daran, dass sie sich der Wirkung ihres Äußeren bewusst war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz hätte für sich selbst zwar Jeans und T-Shirt bevorzugt, hatte sich dann aber doch für den dezenten grauen Anzug in Kombination mit einem schwarzen Hemd und einer lila gemusterten Seidenkrawatte entschieden, die Gianna aus seinem Kleiderschrank mitgebracht hatte. Äußerlich passten die beiden durchaus zusammen, doch für ein Ehepaar hätte sie wohl kaum jemand gehalten: Man sah ihnen die Aufmerksamkeit und Neugier an, mit der sie einander beobachteten, und die bei Eheleuten im Laufe der Zeit einer routinierten Vertrautheit zu weichen pflegte. Es gab auch keine der gewohnten, aber weitgehend bedeutungslos gewordenen Berührungen, wie man sie nach einiger Zeit bei Paaren beobachten kann. Immerhin bot er ihr seinen Arm an, sie hakte sich unter und sie gingen aus dem Restaurant in Richtung Altstadt. Es hatte aufgehört zu nieseln, das noch nasse Kopfsteinpflaster reflektierte das Licht der Straßenlaternen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sie schweigend ein Stück gingen, dachte Stieglitz darüber nach, wem der Tod dieser Menschen überhaupt einen Nutzen brächte. Außer der Tatsache, dass sie alle zum Umfeld der Cabagnellis gehört hatten, &amp;nbsp;gab es keine Gemeinsamkeiten. Doch, eine: Sie alle hatten zwar zu seinem Umfeld gehört, aber bislang kein einziger zur Familie selbst. Dann schweiften seine Gedanken zu Gianna und zu der Tatsache, dass sie diese Nacht, und wohl noch weitere Nächte, gemeinsam in einem Hotelzimmer verbringen würden. Dann musste er ein Lachen unterdrücken: Seine Ex-Frau, von der er vor vier Jahren geschieden worden war, hatte ihn in den unmöglichsten Momenten gefragt &quot;Was denkst Du?&quot;, und oft unwirsch reagiert, wenn er zugegeben hatte, mit den Gedanken noch bei seiner Arbeit gewesen zu sein. Deshalb hatte er es sich angewöhnt, diese Frage stets mit einem Kompliment oder einer romantischen Anekdote zu beantworten. &quot;Ich habe gerade gedacht, wie toll dir dieses Kleid steht&quot;, oder &quot;Ich musste gerade daran denken, was für ein riesiges Glück ich hatte, dass du mir damals beim Ausparken über den Fuß gefahren bist. Sonst hätten wir uns ja nie kennengelernt.&quot; Meist hatte er in Wahrheit an lächerlich banale Dinge gedacht. Würde ihn nun aber Gianna nach seinen Gedanken fragen, dann täte er wohl besser daran, über seine Arbeit zu reden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Woran denken Sie?&quot;, fragte Gianna.&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/3963848397688415908/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-17.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3963848397688415908'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3963848397688415908'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-17.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 17'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-6987908084465989373</id><published>2011-05-10T09:30:00.004+02:00</published><updated>2011-05-10T09:30:01.018+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Das Konzert"/><title type='text'>Das Konzert</title><content type='html'>Ja, er musste auf dieses Konzert, und nein, er konnte sie nicht mitnehmen. &quot;Nie soll ich auf deine Konzerte&quot;, klagte sie, &quot;noch nicht ein einziges Mal habe ich dich live hören können.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit tat sie ihm Unrecht. An so manchem Abend hatte er ihr auf der Gitarre vorgespielt und dazu gesungen, und in einem dieser Momente war ihr klar geworden, dass sie sich in ihn verliebt hatte. Über die letzten beiden Jahre hatte sie ihn sicher öfter live gehört als jeder andere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gab Dinge, die er nicht mit ihr teilte, von denen er offenbar nicht einmal wollte, dass sie sie auch nur aus der Ferne sah. Er hatte Freunde, darunter die Jungs aus seiner Band, die er ihr noch nie vorgestellt hatte, und er ging zu Treffen, über die er ihr gegenüber selten auch nur ein Wort verlor. &quot;Das ist so ein Männer-Ding, das musst du respektieren&quot;, hatte er gesagt, &quot;ich respektiere ja auch deine Weiber-Sachen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Jeder braucht seine Freiräume in einer Beziehung&quot;, hatte eine Freundin ihr gesagt, und sie hatte beschlossen, ihm diese Freiräume zu lassen. Bis heute, als sie glaubte zu fühlen, wie er sie mit sehnsüchtig-traurigem Blick musterte, bevor er seine Gitarre in das Gigbag packte und diese dann samt dem großen Marshall-Verstärker zu seinem alten VW Passat trug. Da hatte sie beschlossen, ihm diese Last von der Seele zu nehmen. Sie würde ihn überraschen, würde beim Konzert in der ersten Reihe stehen - oder sich sogar in den Backstagebereich schleichen. Sie malte sich aus, wie er und die Jungs von der Band nach dem Konzert hinter die Bühne gingen, und sie ihm dort um den Hals fallen würde. Wenn von draußen die Zugabe-Rufe immer lauter würden, dann würde er sie vielleicht sogar mit auf die Bühne nehmen und sie den Fans als seine &quot;Muse&quot; vorstellen, wie er sie manchmal nannte, und sie würde dort die letzten paar Songs ganz nah bei ihm verbringen können. Sie konnte ihr Herz pochen fühlen, wenn sie nur daran dachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie holte ihr kurzes weißes Sommerkleid mit den Spaghettiträgern aus dem Schrank. Sie wusste, er mochte dieses Kleid an ihr, das perfekt mit ihrer Haut kontrastierte, die braun wie dunkler Kakao war, und das ihre schlanken, langen Beine betonte. Sie war erst gestern bei ihrer Mutter gewesen, die ihr geholfen hatte, ihr Haar in dutzende von schmalen Zöpfen zu flechten, wie Frauen aus dem Senegal ihr Haar gern zu tragen pflegten. &quot;Du bist wunderschön!&quot;, hatte er gesagt, als sie heimgekommen war, hatte sie in die Arme genommen und zärtlich geküsst. Sie waren jetzt zwei Jahre zusammen, aber immer noch gab es Tage, an denen sie vor Verliebtheit wie auf Wolken ging.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte ihr nicht gesagt, wo und wann er genau spielen würde, aber ihm war vor zwei Tagen ein Zettel aus der Tasche gefallen, auf dem er eine Anschrift notiert hatte, den Vereinssaal einer Schützenbruderschaft aus der Nachbarstadt. Sie kannte den Saal, schließlich hatte sie mit ihren Eltern lang genug in der Nachbarstadt gewohnt. Es waren keine guten Erinnerungen, die sie mit diesem Ort verband, aber das war ja alles lange her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie beim Vereinssaal ankam, war sie etwas verwundert: Nirgends hing ein Plakat, auf dem für heute ein Konzert angekündigt worden wäre. Aber es bestand kein Zweifel: Aus dem Gebäude drang der kraftvolle Sound verzerrter Gitarren und wummernder Bässe, und jemand schien zu singen, auch wenn der Text von hier aus nicht zu verstehen war. Vor dem Haupteingang standen zwei breitschultrige junge Männer mit kurz geschorenen Haaren, auf deren Jacken das Wort &quot;SECURITY&quot; aufgedruckt war, und die übellaunig ihre Blicke kreisen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Konzert war offenbar schon in vollem Gange, es würde ihr kaum gelingen, sich bis in die erste Reihe vor zu arbeiten. Doch es gab einen etwas versteckten Eingang, der direkt hinter die Bühne führte. Sie wusste das, weil sie in der vierten Klasse der Grundschule hier bei einer Theateraufführung mitgemacht hatte. Sie ging in weitem Bogen um das Gebäude, und hoffte inständig, dort würde kein Aufpasser stehen - oder wenigstens einer mit Herz, der ihr glaubte, dass sie die Freundin des Gitarristen sei, und sie hinter die Bühne ließe. Sie hatte Glück: Niemand passte auf den Bühneneingang auf. Sie öffnete die Tür und schlich sich zum rechten seitlichen Bühnenaufgang. Besonders leise musste sie dabei freilich nicht sein: Selbst überlaute Geräusche gingen in dem Lärm unter, der sich von der Bühne aus in alle Richtungen ergoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stück, das sie gerade spielten, endete mit einem rasanten Schlagzeugsolo. Die Menge skandierte &quot;Zugabe! Zugabe! Zugabe!&quot; . Sie konnte sehen, wie der Bassist, der zugleich der Sänger war, wieder nach vorn ans Mikro trat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Kameraden! Genug ist Genug! Lasst uns den Abend beschließen mit einer Huldigung an den Herrn! Den einen, der uns führt! Den LENKER DER SCHLACHTEN!&quot; Die Menge begann zu johlen, Bass, Gitarre und Schlagzeug setzten ein, ganz offenbar gaben sie ihre letzte Zugabe. In diesem Moment beschloss sie, gleich nach dem Song zu ihm auf die Bühne zu rennen und ihm dort vor all seinen Freunden um den Hals zu fallen. Sie musste nur noch den Song abwarten. Der Bassist sang jetzt, aber die Worte waren dort, wo sie stand, kaum zu verstehen. Am Ende des Stückes kam sein großer Auftritt - erst eine ruhige, fast unverzerrt gespielte Passage, die dann in ein E-Gitarrensolo mündete: Sie himmelte ihn vom Bühnenrand aus an und konnte ihr Herz bis in den Hals hinauf spüren. Dann war er endlich da, der Schlussakkord, und wie sie es sich vorgenommen hatte, rannte sie auf die Bühne, schob seine Gitarre auf die Seite, presste sich an ihn und küsste ihn leidenschaftlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit einem Mal war es still geworden. Mehr als dreihundert Augenpaare sahen aus dem Zuschauerraum hinauf zu der hübschen jungen Afrikanerin, wie sie im gleißenden Scheinwerferlicht den Gitarristen küsste. Sie spürte, wie nicht nur ihres, sondern nun auch sein Herz bis zum Hals klopfte. Sie nahm ihre Lippen von seinen und blickte sich lächelnd um. Dann erst sah sie die Bühnendekoration: Ein wandgroßes, rotes Tuch mit einem kreisrunden, weißen Feld in der Mitte, auf dem ein Hakenkreuz prangte. Er atmete ein paar Mal tief ein und aus, sagte leise &quot;Wir sind am Arsch!&quot;, und küsste sie noch einmal.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/6987908084465989373/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/das-konzert.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6987908084465989373'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6987908084465989373'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/das-konzert.html' title='Das Konzert'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-5624107858089361236</id><published>2011-05-08T13:05:00.001+02:00</published><updated>2011-05-08T13:05:43.234+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 16</title><content type='html'>&quot;Wo waren Sie während des Überfalls?&quot; &quot;Was haben Sie beobachtet?&quot; &quot;Wie viele Täter haben Sie gesehen?&quot; &quot;Können Sie die Täter beschreiben?&quot; &quot;Haben Sie in den Minuten vor dem Überfall etwas ungewöhnliches bemerkt?&quot; Dass bei einer polizeilichen Ermittlung jeder der Zeugen die selben Fragen mehrfach gegenüber verschiedenen Polizeibeamten beantworten muss, ist keine Ermittlungstaktik, sondern ein schlichter Mangel an Koordination.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie jeden anderen der Gäste und Angestellten hatten die Ermittler auch Maria Cabagnelli befragt. Auf einer Skizze hatte sie markieren sollen, wo sich jeder einzelne zum Zeitpunkt des Überfalls aufgehalten hatte. Sie hatte die Polizisten darauf aufmerksam gemacht, dass sie selbst zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Gastraum gewesen sei, dennoch hatten die Beamten sie gedrängt, die Skizze zu vervollständigen. Erst danach hatten sie ihr eine Betreuung durch einen Psychologen angeboten, der etwa eine halbe Stunde nach den ersten Beamten am Ort des Geschehens eingetroffen war. Maria Cabagnelli hatte dankend abgelehnt und war vor die Tür getreten. Drinnen war ihre Freundin Andrea noch mit ihrer Aussage beschäftigt, die sie immer wieder laut schluchzend unterbrechen musste.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Die Sonne war längst untergegangen, aber die Scheinwerfer der in dichter Folge vorbeifahrenden Autos und Motorräder, die Straßenlaternen, die beleuchteten Reklameschilder und das Licht, das aus Dutzenden von Cafés, Bars und Restaurants drang, hatten die Straße erhellt. &amp;nbsp;Ein feiner Nieselregen hatte Maria Cabagnellis Gesicht&amp;nbsp;benetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte ihr Telefon aus ihrer Handtasche genommen und Enricos Nummer gewählt. Erst hatte Enrico sie reden lassen - hastig und unter Tränen hatte sie Stück für Stück hervorgestoßen, was geschehen war, bis Enrico ihre Geschichte zu einem erschreckenden Ganzen zusammensetzen konnte. Dann hatte er ihr vorgeschlagen, zu Manuela, der Frau des angeschossenen Kellners hinauf zu gehen, und dort auf ihn zu warten, doch die war mit in den Krankenwagen gestiegen und hatte Gian Lucas Hand gehalten. Maria hatte Enrico dann gesagt, sie würde auf ihn in dem kleinen Park warten, der ein paar hundert Meter die Straße hinunter auf der rechten Seite lag. Enrico war damit zuerst nicht einverstanden gewesen, er hätte es lieber gehabt, sie an einem sicheren Ort zu wissen. &quot;So sicher wie ein Ristorante? Nur der Tod ist sicher&quot;, hatte sie - mit einem Mal eiskalt - erwidert, &quot;und der war heute schon da.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt hatte sie gerade den Zugang zum Park erreicht. Der Weg in den Park war von hohen, uralten Eichen gesäumt, zwischen denen alle fünfzig Meter Parkbänke aufgestellt waren. Jede der Bänke stand im Licht einer Parklaterne. Die Stadt hatte vor kurzem neue Solarlaternen aufgestellt, die tagsüber ihre Akkus an der Sonne aufluden. Die hatte ein Mitglied des Stadtrats auf einer Messe entdeckt und die Chance gesehen, sich für die nächste Wahl zu profilieren, bei der Umweltthemen, wie stets in den letzten Jahren, eine große Rolle spielen würden. Doch die Messeneuheiten litten noch unter technischen Kinderkrankheiten: Schon nach ein paar Monaten im Einsatz waren einige der Akkus reif für die Schadstoffsammlung und manche Solarzellen durch Taubendreck funktionsuntüchtig geworden. Vorsichtig geschätzt, war inzwischen jede dritte Parklaterne unbrauchbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria ging etwa hundert Meter in den Park hinein, wo sie die Geräusche der Stadt schon nicht mehr hören konnte. Ohne den Kopf zu drehen, ging sie an einer Gestalt vorüber, die, augenscheinlich in sich versunken, auf der ersten Parkbank kauerte. Die Gestalt hatte die Kapuze eines Jogginganzugs über den Kopf gezogen und stützte, die Ellenbogen in die Oberschenkel gestemmt, das Kinn in die Hände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria blieb bei der zweiten Parkbank stehen, die von einer defekten Lampe in ein schwaches Flackerlicht gehüllt wurde, das an ein fernes, aber anhaltendes Gewitter erinnerte. Hinter sich hörte sie ein Krachen - weniger, wie wenn jemand auf einen Zweig tritt, mehr wie wenn jemand einen Ast von einem Baum reißt. Sie drehte sich um, sah aber nichts, was das Geräusch hätte verursacht haben können. Die Gestalt, die auf der ersten Parkbank gesessen hatte, war verschwunden.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/5624107858089361236/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-16.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5624107858089361236'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5624107858089361236'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-16.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 16'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-6877555281265554380</id><published>2011-05-06T09:30:00.002+02:00</published><updated>2011-05-06T09:58:00.881+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 15</title><content type='html'>&quot;Diese Kaltblütigkeit hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut&quot;, lächelte Gianna Modugno. Stieglitz und sie saßen jetzt im Pinocchio und warteten auf ihr Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich Ihnen schon&quot;, entgegnete Stieglitz, &quot;von Berufs wegen. Ihres Berufs wegen, um genau zu sein.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von außen wirkte die Pizzeria sehr einfach, schon fast etwas schäbig, doch das Innere entschädigte dafür vollständig. Der Innenraum war fast quadratisch, und maß in jede Richtung in etwa acht Meter. Die Wände waren mit einer Art cremefarbenem Glanzputz versehen, in den die Maler eine dezente Bordüre eingearbeitet hatten. Der Boden wirkte auf den ersten Blick, als sei er aus hellem Marmor, und nur Kenner konnten darin ein strapazierfähiges Laminat erkennen. Der hintere Bereich, von dem aus eine Tür in die Küche führte, war durch einen Tresen abgetrennt, der mit dem gleichen Material verkleidet zu sein schien. Die Tische waren teils für Vierergruppen zusammengestellt, zum größeren Teil standen sie jedoch einzeln, sodass an ihnen zwei Personen gemeinsam essen konnten. Auf makellosen weißen Tischdecken lagen ebensolche Stoffservietten, und in der Mitte jedes Tisches stand eine einzelne Kerze aus rotem Wachs in einem schlichten Metallkerzenständer. Die Stühle waren mit Korb durchflochtene Stahlgestelle mit hoher Rückenlehne, die beim Setzen und Aufstehen federnd ein klein wenig nachgaben.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Sie mögen keine Anwälte?&quot; Gianna blinzelte Stieglitz herausfordernd zu. &quot;Es stimmt, mein Berufsstand ist nicht besonders beliebt, aber was ist mit Ihrem? Einem Schnüffler steht der erhobene Zeigefinger auch nicht gut zu Gesicht.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Na ja, wir Schnüffler sammeln eigentlich nur Puzzleteilchen ein und setzen sie zusammen, bis daraus ein Bild entsteht, das der Wahrheit einigermaßen entspricht. Und dann kommt Ihr Anwälte, bearbeitet unsere Puzzleteilchen mit Schere und Filzstift, werft die Teile weg, die euch nicht passen und malt die Lücken in den buntesten Farben aus, damit eure Mandanten um so vieles hübscher aussehen, als sie in Wahrheit sind.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Anwälte also die natürlichen Feinde des Schnüfflers?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Aber nein&quot;, sagte Stieglitz in einem beschwichtigend-spöttischen Tonfall, &quot;sie sind die natürlichen Feinde des Menschen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;So, so&quot;, lachte Gianna, &quot;Sie haben also den natürlichen Feind des Menschen zum Essen eingeladen?!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ach wissen Sie&quot;, entgegnete Stieglitz, der ebenfalls lachte, &quot;der Mensch an sich taugt nicht viel, der hat sich seine Feinde redlich verdient.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Augenblick brachte ein in eine weiße Jeans und ein ebensolches T-Shirt gekleideter Kellner eine Flasche&amp;nbsp;Calabrese d’Avola, und goss einen Schluck der tiefroten Flüssigkeit in Stieglitz&#39; Glas. Der kostete und nickte dem Kellner zu, worauf dieser erst Gianna, dann Stieglitz die Gläser füllte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz hob sein Glas, um anzustoßen und sah Gianna dabei lächelnd in die Augen. In der Luft lag der mildwürzige Duft mediterraner Speisen. Der sanft-rauhe Gesang von Tiziano Ferro und das flackernde Kerzenlicht trugen wohl das ihre dazu bei, in Stieglitz Gefühle wach zu rufen, die er in diesem Augenblick zwar als ganz und gar deplatziert empfand, deren Präsenz er aber um so deutlicher spürte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Auf Teufel und Beelzebub&quot;, sagte Stieglitz, &quot;auf den Schnüffler und die Anwältin&quot;.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/6877555281265554380/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-15.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6877555281265554380'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6877555281265554380'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-15.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 15'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-2230585251219704590</id><published>2011-05-05T00:39:00.000+02:00</published><updated>2011-05-05T00:39:55.912+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 14</title><content type='html'>Das San Lorenzo, zur besten Zeit, voll mit Gästen, und seine Schwiegertochter Maria nur durch einen glücklichen Zufall &amp;nbsp;nicht im Gästeraum, eine ihrer Freundinnen tot, Gian Luca, der Oberkellner, auf der Intensivstation, die Kasse geraubt: Sergio Cabagnelli saß an einem wuchtigen antiken Schreibtisch in seiner Bibliothek und ließ sich von seinem Sohn Enrico am Telefon jede Einzelheit des Überfalls schildern, so wie Enrico sie in Erfahrung gebracht hatte. Vor ihm lag ein aufgefächerter Papierstapel. Die einzelnen Seiten waren eng mit einer altmodischen Schreibmaschine beschrieben. Rechts davon lagen übereinander drei im A4-Format ausbelichtete Farbfotos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wer ist das?! Wer tut das?! Das ist unsere gottverdammte Stadt!&quot; In Enricos Wut mischten sich Unglauben und leise Verzweiflung, so als könnten nur überirdische, unbezwingbare Mächte es überhaupt gewagt haben, das Protektorat der Cabagnellis anzurühren. Und in der Tat hatten er dafür gesorgt, dass in der ganzen Stadt kein Ladendieb auch nur eine Schachtel Zigaretten aus einem Laden zu stehlen wagte, der den Schutz der Cabagnellis genoss.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Sergio Cabagnelli schwieg einen Augenblick. Dann sprach er bedächtig: &quot;Ein Schuss in den Kopf, genau zwischen die Augen, das ist nicht die Tat eines Räubers, der die Nerven verliert, auch wenn es das ist, was die Policia wohl denkt. Es ist die Tat eines kühlen, besonnenen Mannes, der uns eine Botschaft senden will.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Eine Botschaft, indem er Lucia tötet? Sie ist nur eine Freundin der Familie, sie ist nicht Familie. Gian Luca ist Familie, aber Gian Luca wird leben.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Lucia war nur das Papier, auf das er seine Botschaft geschrieben hat.&amp;nbsp;Ich kenne nur einen Mann, mit dem die Wege unserer Familie sich gekreuzt haben, der seine Botschaften auf diese Art übermittelt: Bogdan.&amp;nbsp;Enrico, du weißt, was du zu tun hast&quot;, sagte Sergio mit entschlossener Stimme, &quot;Wir bekämpfen unsere Feinde nicht. Wir unterwerfen oder vernichten sie &lt;i&gt;senza indulgence&lt;/i&gt;. Und dieses Mal hat Bogdan seine Hand nicht nur gegen unsere Freunde erhoben, sondern gegen unsere Familie. Finde ihn, und lass ihm Gerechtigkeit zuteil werden.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sergio nahm das oberste der Farbfotos in die Hand. Es war eines der Tatortfotos. Es zeigte Lucias Gesicht, auf der Seite liegend, Augen und Mund weit geöffnet. Aus der Stirnwunde war Blut über ihr rechtes Auge gelaufen und bedeckte dieses nun wie eine halbtransparente Augenklappe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich werde ihn finden&quot;, hörte er Enricos Stimme aus dem Hörer, &quot;und dann werden sich seine Wege zum letzten Mal mit denen unserer Familie gekreuzt haben.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sergio Cabagnelli nahm das zweite Foto vom Stapel. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er sich die Aufnahme genauer ansah, die von der Überwachungskamera im San Lorenzo stammte. Diese stahlgrauen entschlossenen Augen erkannte er auch durch die schmalen Schlitze in der Sturmhaube ohne jeden Zweifel. Schließlich war Frank Lippert lang genug sein Sicherheitsmann gewesen.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/2230585251219704590/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-14.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2230585251219704590'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2230585251219704590'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/05/hieb-und-stichfest-kapitel-14.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 14'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-3754999325995509178</id><published>2011-04-27T09:30:00.004+02:00</published><updated>2011-04-27T09:30:00.748+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Der letzte Sturm"/><title type='text'>Der letzte Sturm</title><content type='html'>„Steuerbord! Verfluchter Sohn einer achtköpfigen Höllenhure, hart Steuerbord!“ Kapitän Holgers brüllte zum Rudergänger hinüber, doch der Sturm verschluckte beinahe jedes Wort. Die Santa Barbara lag jetzt fast quer zur Richtung der Wellen, die krachend am Rumpf des Schiffes brachen. Jeden Augenblick konnte der Schoner querschlagen und kentern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tausendsiebenhundertvierundzwanzig Seemeilen über Grund hatte der Schoner in den letzten zwei Wochen zurückgelegt. Zwei Tage hatten sie gegen den Wind kreuzen müssen, zwei weitere Tage waren sie einen Kurs hart am Wind gesegelt, doch je weiter sie nach Osten gekommen waren, desto besser schien es das Wetter mit ihnen zu meinen: Fast eine Woche waren sie bei steifer Brise raumschots dahin gesegelt. Der Sturm war aufgekommen, als sie nur noch fünfzig Seemeilen von ihrem Zielhafen entfernt waren.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Der Rudergänger stemmte sich mit aller Kraft gegen die ungeheuren Kräfte, die auf Rumpf und Ruder wirkten, und tatsächlich gelang es ihm, das Boot gegen Wind und Wellen zu drehen, die nun direkt von vorn gegen den Bug kamen. „Treibanker raus!“ brüllte Kapitän Holgers den beiden Männern zu, die sich mit fahlen Gesichtern im Heck des Schoners festhielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnete jetzt aus dicken, tiefhängenden Wolken, die Gischt trübte die Sicht auf die durch den Schaum der Wellen fast weiße See, der Sturm blies mit einer Stärke zwischen neun und zehn Beaufort. Kapitän Holgers hatte schon viele solcher Stürme erlebt. Und eines Tages, das wusste er, würde er seinen letzten Sturm erleben. Eine Welle würde ihn über Bord schleudern, ein brechender Mast erschlagen, ein sinkendes Schiff mit sich in die Tiefe reißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er presste das Fernglas an seine Augen: Am Horizont, direkt aus der Windrichtung, meinte er, etwas entdeckt zu haben. Vielleicht einen Frachter. Alle zwei Minuten gab die Schiffspfeife der Santa Barbara einen langen Ton, gefolgt von zwei kurzen Tönen ab. Dass man diese Signale an Bord eines anderen Schiffes hören würde, ließ sich gerade bei diesem Sturm nur schwerlich hoffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der dunkle Fleck am Horizont wurde bald größer. Kapitän Holgers blickte ungläubig durch das Fernglas: Es war eine alte dreimastige Fregatte, die ihnen unter vollen Segeln und scheinbar ohne Mühe entgegen kam. Er suchte mit dem Fernglas das Deck ab, konnte aber niemanden entdecken, selbst die Ruderanlage war unbesetzt. In diesem Augenblick hob eine Welle die Santa Barbara an um sie gleich darauf wieder in die Tiefe krachen zu lassen. Holgers sprang seinem Rudergänger bei, um den Schoner wieder in eine sichere Position zu bringen. Als er aufsah, war der Dreimaster schon so nah, dass er kein Fernglas mehr brauchte. Er kam ihnen immer noch entgegen, da die Santa Barbara aber praktisch keine Fahrt machte, würde die Fregatte an Steuerbord an ihnen vorbei gehen – wenn auch so dicht, dass der Rudergänger nun wohl auch noch mit deren Bugwelle zu kämpfen hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holgers wollte gerade zu einem wüsten Fluchen ansetzen, als er erstaunt bemerkte, dass keiner aus seiner Crew die Fregatte auch nur ansah. Der Rudergänger blickte konzentriert über den Bug in Richtung Horizont, ein anderer versuchte augenscheinlich, mit Hilfe des Wolkenbildes abzuschätzen, wie lange der Sturm noch andauern würde, einer blickte hin und wieder nervös auf das Display des Tiefenmessers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fregatte lag nun genau längsseits an Steuerbord, und schien plötzlich keinerlei Fahrt mehr zu machen. „Kapitän Holgers!“ Der Sturm trug den Ruf von der alten Fregatte zu ihm hinüber. Überrascht blickte Holgers hinauf zur Reling der Fregatte, wo nun einen alter Mann in der Uniform eines Admirals stand. Dessen Gesichtszüge waren Holgers seltsam vertraut. Er musste ihn wohl als viel jüngeren Mann kennengelernt haben. „Kapitän Holgers! Kommen Sie an Bord.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich kann dieses Schiff nicht verlassen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Doch, das können Sie. Der Sturm lässt nach, und Ihr Rudergänger wird die Santa Barabara sicher in den Hafen bringen! Ihre Arbeit ist getan.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Holgers sah im Gesicht des alten Admirals etwas, das ihm bedingungsloses Vertrauen einflößte, während in seiner Stimme eine Autorität lag, der er nicht zu widersprechen wagte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Kommen Sie an Bord. Wir sind hier, um Sie nach Hause zu bringen!“ Holgers stieg nach Steuerbord, griff nach dem herabhängenden Fallreep und kletterte die Bordwand der Fregatte hinauf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Altenpflegerin in sein Zimmer kam, merkte sie gleich, dass er nicht mehr lebte. Sie schloss seine Augen und hängte den Infusionsbeutel ab. Die Kollegen aus der Verwaltung würden seine Familie und den Bestatter benachrichtigen.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/3754999325995509178/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/der-letzte-sturm.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3754999325995509178'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3754999325995509178'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/der-letzte-sturm.html' title='Der letzte Sturm'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-6981231287630361327</id><published>2011-04-26T09:30:00.002+02:00</published><updated>2011-04-26T09:30:01.963+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 13</title><content type='html'>&quot;Sie verzeihen uns hoffentlich die Störung, aber meine Gattin und ich müssten dringend ein paar Worte mit Ihnen wechseln&quot;, leitete Stieglitz das Gespräch mit Schultheiss ein, der an der Rezeption saß und dabei war, ein Kreuzworträtsel lösen, das er sich aus der letzten Wochenendausgabe der Tageszeitung aufbewahrt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irritiert blickte der alte Hotelier auf. &quot;Es ist doch hoffentlich alles zu Ihrer Zufriedenheit?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Vielleicht wäre es besser, in Ihr Büro zu gehen. Ich bin sicher, dass Diskretion auch in Ihrem besten Interesse sein dürfte&quot;, führte Gianna die Unterhaltung fort. Schultheiss sah sie fragend an. Zwischen Daumen und Zeigefinger hielt sie den herausgebrochenen Türgriff des Kleiderschranks. Sie drehte ihn so, dass Schultheiss ihn und seine ungewöhnliche Einlage genau betrachten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&quot;Gehen wir in mein Büro&quot;, stimmte der Hotelier zu und ging ihnen mit unsicheren Schritten voraus in einen Raum, der hinter der Rezeption lag. Durch ein Innenfenster würde er Gäste, die an die Rezeption kamen, auch von dort aus sehen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich bin untröstlich. Ich bitte Sie, meine untertänigste Entschuldigung zu akzeptieren. Zu keiner Zeit war es beabsichtigt, Sie beide zu belauschen... Eine zutiefst bedauerliche Nachlässigkeit der Polizei. Sie müssen wissen, vor zwei Wochen hat hier... ein Gaunerpärchen gewohnt, und um Beweise zu sammeln, haben die Beamten diese ... Wanze eingebaut. Ich war damit einverstanden, unter der Bedingung, dass... die beiden nicht hier im Hotel verhaftet werden... Das Aufsehen, Sie verstehen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gianna lächelte: &quot;Herr Schultheiss, bitte bemühen Sie Ihre Phantasie nicht weiter. Sie machen lange Pausen, während Sie sprechen, Ihre Pupillen sind geweitet, Ihr Blick wandert nach links oben - Sie sind ein Musterbeispiel für einen schlechten Lügner.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn Sie lang genug nachdenken&quot;, fuhr Stieglitz fort, &quot;fallen Ihnen sicher auch Gründe dafür ein, dass die Wanze in unserem Zimmer nur eine von sehr vielen in diesem Hotel ist. Und dafür, dass dieses Modell schon seit Jahren nicht mehr hergestellt wird, aber trotzdem angeblich erst vor zwei Wochen hier eingesetzt worden ist. Von der Polizei, wie Sie sagen, von der wir ganz sicher wissen, dass sie dieses Modell noch nie verwendet hat. Und glauben Sie mir, wenn die Polizei in den letzten Wochen hier eine Observation durchgeführt hätte, dann wüssten wir es.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wir könnten jetzt natürlich die Polizei rufen&quot;, führte Gianna das Gespräch weiter, &quot;damit die Beamten ihre kostspielige Ausrüstung endlich abholen. Aber ich bin nicht sicher, ob das in Ihrem Interesse wäre.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ganz sicher wäre es aber auch nicht in Ihrem Interesse&quot;, übernahm Stieglitz, &quot;wenn Informationen samt glaubwürdiger Belege an die Presse durchsickerten. Boulevardblätter lieben solche Geschichten und bauschen sie immer furchtbar auf: Den Verrat von Staatsgeheimnissen werden die Ihnen andichten. Das verlorene Paradies wird als &quot;Spionage-Hotel&quot; in die Geschichte eingehen, und Sie als &quot;Abhör-Opa&quot;. Dabei haben Sie bloß ein paar verdammte Ehebrecher wieder auf den rechten Weg gebracht und Ihre Hotelkasse ein klein wenig aufgebessert, stimmts?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schultheiss sah zu Boden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Denken Sie auch einmal an die Menschen, die sich im Laufe der Jahre Ihr Schweigen erkauft haben. Darunter mag so mancher sein, dessen Ehe inzwischen trotz Ihrer Verschwiegenheit in die Brüche gegangen ist, und dem es jetzt nichts mehr ausmacht, seine Geschichte öffentlich zu machen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das wäre Ihr Ruin&quot;, sagte Gianna, &quot;aber seien Sie gewiss, daran haben wir keinerlei Interesse.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schultheiss sah sie überrascht an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wir arbeiten für eine staatliche Behörde, sind aber auf Grund der Besonderheiten unserer Aufgaben nicht gezwungen, Straftaten, von denen wir Kenntnis erhalten haben, zur Verfolgung zu bringen. Wir würden stattdessen gern eine Vereinbarung mit Ihnen treffen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schultheiss hatte Tränen in den Augen. &quot;Alles, was Sie wollen&quot;, stieß er hervor.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/6981231287630361327/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-13.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6981231287630361327'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6981231287630361327'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-13.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 13'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-251070085464628998</id><published>2011-04-25T09:30:00.068+02:00</published><updated>2011-04-25T09:30:00.601+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 12</title><content type='html'>&quot;Du hast Ihn verloren! Buono a nulla! Deficiente! Wie kannst du ihn verlieren?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Maria Cabagnelli saß mit zwei Freundinnen im San Lorenzo, einem schicken hellen Restaurant am Ortsrand und konnte offenbar nur mit Mühe ihre Wut zügeln. Gerade eben hatte ihr Telefon geklingelt, und das Konterfei von Boris Karloff in seiner Paraderolle als Frankensteins Monster war auf dem Display erschienen. Dieses Gesicht teilten sich auf ihrem Smartphone ausnahmsweise mehrere Männer. Männer, die eigentlich für ihren Gatten Enrico arbeiteten, nützliche Idioten ohne einen Wert an sich.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;Sie stand auf und ging mit schnellen Schritten in den Gang, der zu den Toiletten führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hör zu, du findest ihn! Er wohnt in der Stadt, er hat sein Büro in der Stadt, er hat Freunde in der Stadt. Und so lange ich hier bin, wird er die Stadt nicht verlassen. Früher oder später kommt er nach Hause oder in sein Büro, und dann hängst du dich wieder an ihn. Du hast doch gesagt, du kannst sein Auto orten - was ist damit?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Antwort schien sie nicht eben zufrieden zu stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Dein Programm behauptet, er fährt kreuz und quer durch die Stadt, aber sein Auto ist nirgends zu sehen? Wirf deinen Computer weg und mach deine Arbeit endlich wieder selbst, stupido. Die andere Sache, ist wenigstens da alles arrangiert?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Cabagnelli sah auf ihre Uhr und nickte, augenscheinlich etwas zufriedener. &quot;Gracie. Und jetzt finde ihn. Ciao.&quot; Mit diesen Worten beendete sie das Telefonat, gerade als vom Eingang her das laute Quietschen abrupt abgebremster Autoreifen zu hören war. Sie ging ein Stück weiter in den Gang hinein, während vom Eingang her aufgeregte Stimmen zu hören waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es knallte. Ein langgezogener, hoher Schrei ertönte, der mit einem zweiten Knall ein abruptes Ende fand. Dann folgte ein lautes Knattern, eine Sekunde darauf eine tiefe Stimme &quot;Schnauze halten und auf den Boden legen! Jetzt! Keiner rührt sich!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria Cabagnelli presste sich an die Wand, die Augen zu Schlitzen zusammengepresst, und atmete mit geschlossenem Mund in schneller Folge ein und aus. Stimmen waren jetzt nicht mehr zu hören, aber ein Scheppern wie von einer größeren Menge zerbrechendem Geschirr, dann noch ein undefinierbares Krachen, und dann, einen Augenblick lang, völlige Stille, der ein paar Sekunden später wieder das Quietschen von Reifen folgte. Dieses Mal von beschleunigenden Reifen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann setzte ein Stimmengewirr ein: Hysterisches Schluchzen, Rufe nach einem Arzt, nach der Polizei, auch immer wieder nüchterne, kalte Stimmen, die Anweisungen zu geben schienen. Maria Cabagnelli ging zögerlich wieder in Richtung Gästeraum. Ihre Augen weiteten sich. Während sie in den Raum sah, presste sie die rechte Hand vor ihren Mund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Tische und ein Servierwagen waren umgestoßen, zerbrochenes Geschirr lag auf dem Boden. Zwei Männer knieten über einem Kellner, der reglos am Boden lag und aus einer Wunde im Bauchbereich blutete. Einer der Männer drückte rhythmisch auf den Brustkorb des Kellners, der andere blies in größeren Abständen Luft in seine Lungen. Maria Cabagnellis Freundin Andrea saß an dem Tisch, an dem sie vor ein paar Minuten zusammen gegessen hatten und schluchzte in ein Taschentuch. Lucia, die dritte im Bunde, lag mit seltsam verdrehtem Oberkörper auf dem Tisch. In ihrer Stirn klaffte ein Loch mit dem Durchmesser einer Ein-Euro-Münze. Niemand würde sie wiederbeleben können.&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/251070085464628998/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-12.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/251070085464628998'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/251070085464628998'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-12.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 12'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-5213728184388793762</id><published>2011-04-24T21:57:00.004+02:00</published><updated>2011-04-25T00:16:29.125+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Wie ich Thomas ruinierte"/><title type='text'>Wie ich Thomas ruinierte</title><content type='html'>Vor ungefähr zwei Jahren habe ich begonnen, Thomas zu verändern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thomas ist aus dem Büro unseres Geschäftsführers gekommen. &quot;Ich bin jetzt dein Boss!&quot;, hat er mir zugerufen, und dann erklärt: &quot;Der Alte hat mich zum Abteilungsleiter befördert.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe gelächelt, bin aufgestanden, auf ihn zu gegangen, habe ihn in die Arme geschlossen und gesagt: &quot;Thomas, ich freue mich sehr für dich. Du hast dir diese Beförderung verdient. Ich bin so froh, dass du jetzt unser Abteilungsleiter bist. Ich frage mich nur, warum nicht Hauptabteilungsleiter?&quot; Thomas hat mich irritiert angesehen, &quot;Danke&quot; gesagt und seine Sachen zusammengeräumt, um sie in sein neues Büro zu tragen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Vier Wochen später ist Thomas kurz vor Feierabend zu mir an den Schreibtisch gekommen. &quot;Ich bekomme jetzt zweieinhalbtausend Euro mehr als du&quot;, hat er mir zugeraunt. &quot;Das ist großartig, Thomas&quot;, habe ich ihm geantwortet, &quot;es ist schön, dass du für deine harte Arbeit Anerkennung bekommst. Ich glaube aber, du hättest mehr verdient. Müller aus der Finanzbuchhaltung kriegt auch mehr.&quot; Thomas hat die Stirn gerunzelt, aber nichts gesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Monate später habe ich ihn auf dem Firmenparkplatz getroffen. Er ist aus einem ganz neuen BMW 5er Gran Tourismo ausgestiegen. &quot;Netter Firmenwagen, was?&quot;, hat er gesagt. Ich habe erwidert: &quot;Gutes Auto. Ein Mann mit deinen Aufgaben braucht auch ein angemessenes Fahrzeug. Müller meint allerdings, in einem Fahrzeug, das kleiner sei als sein 7er BMW, könne er überhaupt nicht vernünftig arbeiten. Dabei ist der sowieso immer bis acht im Büro. Aber ich freu mich für dich.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich in den Wochen danach abends am Firmengebäude vorbei spaziert bin, hat auch um halb neun immer noch das Licht&amp;nbsp;in Thomas Büro&amp;nbsp;gebrannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im letzten Sommer hat Thomas die anderen und mich aus der Abteilung zu einer Gartenparty in sein neues Haus eingeladen. Er hat uns die Marmortäfelungen und die Designermöbel gezeigt, und uns in seinem Pool schwimmen lassen. &quot;Du hast ein fantastisches Haus&quot;, habe ich ihm gesagt, &quot;und niemand hat härter dafür gearbeitet als du. Ach ja, warst du schon mal bei Müller zu Besuch? Der hat viel weniger Marmor. Von der Anhöhe, auf der sein Haus steht, hat man aber einen tollen Blick auf die ganze Stadt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von da an habe ich nichts mehr getan. Im Herbst hat Müller sich zu einer Fortbildung angemeldet. Zwei Wochen später hat Thomas ein Abendstudium begonnen. Als ich Thomas letzten Monat gesehen habe, hat er blass ausgesehen, nur die Ränder unter seinen Augen waren dunkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letzte Woche ist es dann passiert: Der Geschäftsführer hat Müller zum Prokuristen gemacht. Thomas hat Müller auf dem Gang getroffen und zusammengeschlagen. Müller liegt noch im Krankenhaus, Thomas sitzt in Untersuchungshaft. Thomas ist nicht zu beneiden. Dabei hätte er sich so gefreut über ein wenig Neid.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/5213728184388793762/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/wie-ich-thomas-ruinierte.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5213728184388793762'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/5213728184388793762'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/wie-ich-thomas-ruinierte.html' title='Wie ich Thomas ruinierte'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-4929185470975517415</id><published>2011-04-23T09:30:00.005+02:00</published><updated>2011-04-23T09:30:00.399+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 11</title><content type='html'>Das &quot;verlorene Paradies&quot; war eine der billigeren Absteigen der Stadt. Dennoch war Karl Schultheiss, der einundsiebzigjährige Inhaber, Direktor und Portier in einer Person, um einen seriösen, gediegenen Auftritt bemüht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Herzlich willkommen, Herr Helmholtz&quot;, begrüßte er Stieglitz, der sich unter diesem Namen vorgestellt hatte, &quot;Zimmer 17 im ersten Stock, Ihre Gattin erwartet Sie bereits.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz bedankte sich lächelnd und stieg die Treppe hinauf. Er trug nur den kleinen Koffer mit Ausrüstung bei sich, den Lippert ihm mitgegeben hatte. Eine weitaus größere Reisetasche hatte Gianna Modugno ihm mitgebracht. So hoffte er wenigstens. Stieglitz hatte sie noch von Lippert aus angerufen und sie gebeten, alles für den Umzug in das Hotel zu arrangieren. &quot;So, so, meine Gattin, interessant&quot;, murmelte er, dann klopfte er an die Tür von Zimmer 17.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&quot;Willkommen im verlorenen Paradies&quot;, begrüßte ihn Gianna, die gerade dabei war, den Inhalt eines großen Koffers in einem der Schränke zu verstauen: Blusen, Röcke, Hosenanzüge, Stoffhosen, Dessous - Stieglitz war sich sicher, dass nichts davon aus seiner Wohnung stammte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Deine Sachen habe ich schon eingeräumt, Schatz&quot;, sagte sie, ohne dabei ihre Tätigkeit zu unterbrechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Augenblick war Stieglitz von der vertraulichen Anrede irritiert, musste sich aber eingestehen, dass es ihrer Tarnung nicht schaden würde, auch jenseits der Öffentlichkeit wie ein Ehepaar miteinander zu reden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Super, Schnucki!&quot;, entgegnete er deshalb, während er seine Hälfte des Kleiderschranks inspizierte. Er war sich nicht sicher, ob er ihr von dem GPS-Sender erzählen sollte, den er unter seinem Auto entdeckt hatte. Sofern sich seine Verfolger darauf beschränkt hatten, seine Bewegungen mittels dieses Gerätes zu beobachten, würden sie sich jetzt erst einmal eine Weile damit aufhalten, einem Bus der Linie 31 bei seiner Fahrt durch die Stadt zuzusehen, wo er den Sender unter einen Sitz geklemmt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe einen Hunger wie ein Wolf&quot;, sagte er, &quot;lass uns ins Pinocchio gehen, wenn du fertig bist.&quot; Das Pinocchio war ein kleines italienisches Restaurant mit Pizza-Lieferservice, nur ein paar Häuser vom &quot;verlorenen Paradies&quot; entfernt. &quot;Ich habe dir übrigens etwas schickes für drunter mitgebracht&quot;, zwinkerte er, klappte den kleinen Koffer auf und holte eine zweite Schutzweste heraus. &quot;Trägst du es heute abend?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Verführerisch&quot;, lächelte Gianna, &quot;aber ich habe schon etwas ganz exklusives für &#39;drunter&#39;.&quot; Mit diesen Worten begann sie, die obersten Knöpfe ihrer dunkelgrünen Bluse zu öffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Dass du gut ausgestattet bist, weiß ich ja schon lang&quot;, sagte Stieglitz anerkennend, &quot;aber damit hast du mich doch mal wieder überrascht.&quot; Wer nicht wusste, dass sie eine Schutzweste trug, würde es ihr tatsächlich nicht ansehen. &#39;Erstaunlich&#39;, dachte er bei sich, &#39;auch eine Anwältin hat einen gewissen menschlichen Charme.&#39; Allerdings war er sich nicht ganz im klaren darüber, welchen Sinn dieses Spiel genau hatte: Die Leute, die hinter den Morden im Umfeld von Enrico Cabagnelli steckten, kannten dieses Umfeld zu gut, um sich davon täuschen zu lassen. Allenfalls den alten Hotelier würden sie so aufs Glatteis führen. Aber der würde sie ja wohl kaum bespitzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jetzt mal Spaß beiseite...&quot;, fing er an, aber Gianna legte schnell den Zeigefinger auf ihre Lippen und zog ihn ins Bad, das zu ihrem Hotelzimmer gehörte. Sie drehte den Wasserhahn auf, setzte die Dusche in Gang und begann, mit gedämpfter Stimme zu sprechen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Zunächst möchte ich Sie bitten, mein Verhalten nicht zu missdeuten&quot;, war sie plötzlich wieder ganz die nüchterne Anwältin, und fuhr dann fort:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe im Türgriff des Kleiderschranks ein Abhörgerät entdeckt. Es steckt wahrscheinlich schon länger dort, sonst wären frische Werkzeugspuren zu sehen gewesen, es ist aber alle Kanten stumpf und matt. Ich glaube nicht, dass es jemand damit auf Sie und mich abgesehen hat, wir können es aber nicht riskieren, im Zimmer frei zu sprechen. Spielen Sie also bitte weiter den guten Ehemann - aber behalten Sie Distanz, denn eine Kamera, der Sie etwas vormachen müssten, habe ich nicht entdeckt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es mochte stimmen, dass die Wanze schon länger in ihrem Zimmer montiert war. Dass sie beide zufällig in einem verwanzten Zimmer einquartiert worden waren, wollte Stieglitz dennoch nicht recht glauben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Sind Sie mit Ihrem eigenen Auto hergekommen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Mit dem Taxi, wie ausgemacht. Mit dem vierten von fünf Taxen, die am Bahnhof auf Fahrgäste warteten. Mir ist definitiv niemand gefolgt.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Könnte es sein, dass unsere Telefonate abgehört wurden?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Möglich, aber unwahrscheinlich. Ich habe Sie zwar zuerst auf Ihrem Smartphone angerufen, über den Umzug ins Hotel haben wir aber per Bürotelefon gesprochen - für meines kann ich die Hand ins Feuer legen, und auch Ihrem Freund Lippert dürfte so schnell niemand ein Ei ins Nest gelegt haben.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Und als Sie hier angekommen sind...&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;... hat mir Schultheiss drei freie Zimmer genannt, von denen ich dieses ausgesucht habe. Es hätte überhaupt niemand die Möglichkeit gehabt, da noch schnell ein Abhörgerät zu montieren.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz atmete hörbar erleichtert aus. &quot;Ich weiß, was hier gespielt wird. Kommen Sie, wir spielen ein wenig mit.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/4929185470975517415/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-11.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/4929185470975517415'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/4929185470975517415'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-11.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 11'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-6449004640906268772</id><published>2011-04-22T18:18:00.003+02:00</published><updated>2011-04-23T19:09:41.344+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Der Clip"/><title type='text'>Der Clip</title><content type='html'>&quot;Wir brauchen noch mehr!&quot; Der alte General brüllt. Er hebt die Hand und zeigt auf ein Wohnhaus. &quot;Das da. Holt mal vierzehn Leute da raus und bringt sie auf den Platz.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Soldaten treten die Tür zum Hauseingang ein, zwei weitere folgen ihnen ins Haus. Wohnung für Wohnung durchsuchen sie, treiben mit vorgehaltenen Sturmgewehren die Bewohner auf die Straße.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn.&quot; Vierzehn, so lautet der Befehl. &quot;Du da&quot;, sagt einer der Soldaten zu einem etwa zehn Jahre alten Jungen mit lockigen schwarzen Haaren, der sich zitternd an seine Mutter klammert, &quot;geh wieder ins Haus.&quot; Der Junge will nicht. &quot;Lass ihn&quot;, sagt ein anderer Soldat, &quot;er hat doch sonst keinen mehr.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die fünfzehn sollen sich in drei Reihen auf dem Platz aufstellen, aber weil sechs Kinder dabei sind, wird nur ein unförmiger Haufen daraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte General nickt, und die vier Soldaten, die um die Menschen herumstehen, schießen die Magazine ihrer AK-47 leer. Als die Schüsse verhallen, liegen die fünfzehn, zum Teil in grotesken Körperhaltungen und mit unzähligen Schusswunden übersät, auf dem Boden. Als ein Soldat ein leises Wimmern hört, lädt er sein Gewehr noch einmal durch. &quot;Nein, das ist gut so&quot;, ruft ihm ein weiterer Soldat zu, der eine kleine Videokamera in der Hand hält. Er filmt erst die Umgebung: Ein menschenleeres Stadtzentrum, beschädigte Gebäude, Rauchwolken am Horizont. Dann &amp;nbsp;filmt er die Toten, verharrt ein paar Sekunden auf dem Gesicht des kleinen Lockenkopfes, und dann noch ein paar Sekunden auf der riesigen Blutlache. Dann schaltet er die Kamera ab und nickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Gut. Und jetzt zu YouTube damit&quot;, sagt der General, &quot;Die Welt wird die Botschaft verstehen. Die NATO muss mehr tun, um unsere Zivilisten zu beschützen.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/6449004640906268772/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/der-clip.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6449004640906268772'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/6449004640906268772'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/der-clip.html' title='Der Clip'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-2184439739664862913</id><published>2011-04-21T11:29:00.001+02:00</published><updated>2011-04-22T12:48:14.661+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 10</title><content type='html'>&quot;Spielzeug für Nerds&quot;, grummelte Stieglitz, während er sein Auto aufschloss und einen kleinen Koffer voll mit elektronischen Geräten und rätselhaften mechanischen Werkzeugen auf den Beifahrersitz legte. Frank Lippert hatte ihm eine Menge Equipment mitgegeben, aber keine Schusswaffe. Stieglitz hatte ihm von bisherigen Todesfällen berichtet und musste sich Lipperts Argument geschlagen geben, keinem der Opfer hätte eine Schusswaffe das Leben gerettet. Bei Georg Fauster, dem Bordellbetreiber, der aus dem Fenster gestürzt - oder gestürzt worden - war, hatte die Polizei sogar eine Schusswaffe gefunden, die unangerührt im Schulterholster des Toten gesteckt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Du hast hier keinen Revolverhelden vor dir, der seine Gegner im Morgengrauen vor dem Saloon erwartet. Und das ist auch keine Machtdemonstration, bei der von Kugeln durchsiebte Leichen weitere Gegner - von wem auch immer - einschüchtern sollen. Zwei Unfälle, ein Herzleiden, und ein Feuer, bei dem Brandstiftung genau so wahrscheinlich ist wie eine Verkettung unglücklicher Zufälle: Wenn es sich überhaupt um Morde handelt...&quot;, hatte Lippert seine Zweifel zum Ausdruck gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann hatte Stieglitz&#39; Mobiltelefon geklingelt und er hatte einen Augenblick mit Gianna Modugno telefoniert. &quot;Dazu kommen noch drei Tote bei einem Banküberfall, und einer bei einem Flugzeugabsturz&quot;, hatte Stieglitz danach, etwas blasser, Lipperts Aufzählung ergänzt. &quot;Das einzige Muster ist die Verbindung der Toten zu Cabagnelli - von den drei Toten in der Bank stand allerdings nur einer mit Cabagnelli in Verbindung. Aber alle anderen waren Freunde, oder zumindest Geschäftsfreunde, der Familie.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Gut&quot;, hatte Lippert gesagt, &quot;so viele Tote innerhalb eines begrenzten Personenkreises und innerhalb eines Zeitraums von wenigen Wochen sind nicht durch bloßen Zufall zu erklären&quot;, und dann hatte er begonnen, die Todesfälle Stück für Stück auseinander zu nehmen, um doch noch ein paar Muster mehr sichtbar zu machen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die - ausnahmsweise offenkundigen - Morde in der Bank, der Flugzeugabsturz und der Tote, der durch einen Brand ums Leben gekommen war, dokumentierten nach Lipperts Auffassung, dem Täter seien Kollateralschäden gleichgültig, es habe also im Ernstfall keinen Wert, sich in eine Menschenmenge zu flüchten. Sah man sich die Todesfälle in ihrer Gesamtheit an, schien der Täter zudem umfangreiche technische Kenntnisse zu besitzen, sich in der Verwendung von Giften auszukennen, und über ausreichend innere Kälte zu verfügen, seine Opfer aus dem Fenster zu stoßen, zu überfahren und mit Kopfschüssen hinzurichten. Er schien außerdem gezielt seine Tötungsmethoden zu variieren. &quot;Du hast es nicht mit einem Mörder zu tun&quot;, hatte Lippert geschlussfolgert, &quot;sondern mit einem ganzen Rudel von Mördern, deren Arbeit jemand wahrscheinlich zentral koordiniert. Kurz und gut: Willkommen im Mafiakrieg.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas ähnliches war Stieglitz auch schon in den Sinn gekommen. Maria Cabagnelli allein wäre zu einer solchen Mordserie allein logistisch kaum in der Lage gewesen, falls sie überhaupt damit in Verbindung stand. Doch jetzt ging es ihm erst einmal darum, sich selbst zu schützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Man kann jemanden nur töten, wenn man weiß, wo er sich aufhält&quot;, hatte Lippert geraten, &quot;Tarnen, täuschen und in Bewegung bleiben ist das ganze Geheimnis.&quot; Tarnen und Täuschen war für Stieglitz vertrautes Terrain. Wenn er mutmaßlich untreuen Ehepartnern nachstellte, pflegte er in kurzen Abständen Kleidung und Kopfbedeckung zu wechseln, arbeitete auch schon mal mit Brillen und falschen Bärten, fuhr mit Taxen und wechselnden Mietwagen hinter seinen Zielpersonen her. Neu war ihm allerdings Lipperts Rat gewesen: &quot;Sie wissen, wo du wohnst. Schick jemanden in deinen Wohnung, lass dir einpacken, was du brauchst, und zieh unter falschem Namen in ein Hotelzimmer, das du möglichst täglich wechselst.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Ratschlag war ihm zunächst sympathischer gewesen: &quot;Wenn sie dich trotzdem aufspüren, kannst du nur überleben, indem du dich schützt.&quot; Doch statt der erhofften Waffe hatte ihm Lippert eine Schutzweste und ein Suspensorium aus dem Ausrüstungspool seiner Firma geholt, die ihn vor Schüssen, Tritten und Stichverletzungen schützen sollten. &quot;Fühl dich damit nicht zu sicher&quot;, hatte Lippert ihn belehrt, &quot;einen Stich in die Oberschenkelarterie oder einen Schuss in den Kopf überlebst du trotzdem nicht.&quot; Das hätte er sich sparen können: Stieglitz war selten weiter entfernt davon gewesen, sich zu sicher zu fühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nächsten Ratschläge hatten das schnelle Erfassen von Gefahrensituationen und das Vermeiden von Risikosituationen zum Thema. Lippert hatte ihm Bilder, Schemazeichnungen und immer wieder auch einmal Schockfotos von Mordopfern gezeigt, um seine Aufmerksamkeit wach zu halten, und ihm die Verhaltensregeln einzuprägen. Nie in das einzige Taxi steigen, das &quot;zufällig&quot; in der Nähe parkt, nie zu Fuß in kaum frequentierte Nebenstraßen flüchten, nie auf dem gleichen Weg zurückkehren, auf dem man gekommen ist, und überhaupt nie zwei Mal den gleichen Weg benutzen: Stieglitz fragte sich, wie er solche Ratschläge umsetzen und gleichzeitig seine Arbeit - die ja im wesentlichen daraus bestand, Zielpersonen hinterher zu schleichen - &amp;nbsp;machen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt würde er sich erst einmal mit einem Teil der Ausrüstung vertraut machen: Er öffnete das Sicherungsfach seines alten Opel Astra, und drückte ein kleines Gerät, auf dessen Rückseite sich einige LEDs befanden, in die dort untergebrachte Diagnosebuchse. Eine rote LED begann, hektisch zu blinken. Stieglitz drückte die Kalibriertaste für sieben Sekunden: Die LED verlosch. Jetzt kannte das Gerät den aktuellen Zustand von Motor und Fahrzeug-Elektronik und würde jede Manipulation zuverlässig anzeigen. Stieglitz musste nur daran denken, vor dem Starten einen kurzen Blick in das Sicherungsfach zu werfen. &quot;Alles merkt das Ding aber auch nicht&quot;, hatte Lippert ihn gewarnt, &quot;also geh vor dem Einsteigen besser einmal um das Fahrzeug, und sieh es dir auch einmal kurz von unten an.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz entschloss sich, gleich damit anzufangen, und sah sich, bewaffnet mit einer Taschenlampe, auch den Unterboden an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Verdammte Scheiße!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am hinteren Querträger, unweit der Abschleppöse, haftete eine kleine schwarze Box, aus der ein kurzer Metallstummel ragte, nicht unähnlich denen, die er selbst gelegentlich benutzte, um über den Aufenthaltsort seiner Observationsziele auf dem laufenden zu bleiben - jemand legte offenbar Wert darauf, stets über den Standort von Stieglitz&#39; altem Opel informiert zu sein. Stieglitz nahm sich vor, in Zukunft mehr zu Fuß zu gehen - und seine Schuhe nicht aus den Augen zu lassen.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/2184439739664862913/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-10.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2184439739664862913'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2184439739664862913'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-10.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 10'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-3860379705041894984</id><published>2011-04-18T09:30:00.004+02:00</published><updated>2011-04-18T19:24:28.934+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 9</title><content type='html'>Die Morgensonne schien durch einen Spalt in den Vorhängen und weckte Sergio Cabagnelli. Der zwinkerte und drehte den Kopf auf die Seite. Die junge Frau war noch nicht aufgewacht. Er verzog das Gesicht und stieß ihr mit der Hand vor die Schulter: &quot;Ee, steh auf, zieh dich an und verschwinde!&quot; Er drehte sich auf die andere Seite und murmelte leiser, aber immer noch so, dass sie es unmissverständlich hören konnte: &quot;Maledetta puttana&quot;. Ohne ein Wort stand die junge Frau auf, schlüpfte in die Kleider, die sie unweit auf einem Stuhl abgelegt hatte und schloss leise die Tür hinter sich, als sie das Schlafzimmer verließ. Sich so behandeln zu lassen, gehörte zu ihrem Job. Sergio Cabagnelli pflegte Vorkasse zu zahlen und war nicht geizig.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zehn Minuten später stand er selbst auf, legte sich einen seidenen Morgenmantel um, und ging ins Bad. Es war kurz nach sieben, die Uhrzeit, zu der er den Tag für gewöhnlich zu beginnen pflegte. Seinen Bediensteten hatte er strenge Anweisung erteilt, ihn spätestens um halb acht zu wecken, wenn er im Hause übernachtete, aber das war in den ganzen vergangenen acht Jahren, seitdem er die Villa in Saronno, nordwestlich von Mailand, bezogen hatte, vielleicht ein- oder zweimal notwendig gewesen. Vor acht Jahren war Sergio Cabagnellis Frau Emanuela, Enricos Mutter, an Darmkrebs gestorben. Auch über die übliche Trauerzeit hinaus hatte Cabagnelli keine neue Beziehung mehr begonnen, wenngleich er die Nächte hin und wieder gern in Gesellschaft verbrachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ging ins Speisezimmer. Eine Bedienstete sah ihn kommen, und eilte davon, um sein erstes Frühstück zu holen, das nur aus einem Espresso, ein paar Keksen und der &quot;La Republicca&quot; bestand, die er aber meist nur überflog. Noch vor einigen Jahren hatte er die Zeitung gründlich studiert, und mitunter sogar Artikel ausgeschnitten, wenn sie unmittelbar mit seinen Geschäften in Zusammenhang gestanden waren. Doch auch an ihm war das Internet nicht vorbeigegangen: Die wirklich wichtigen Informationen bezog er längst überwiegend aus dem Internet. Dass im März sein zweiundsiebzigstes Lebensjahr begonnen hatte, war ihm dabei kein Hindernis. Als Geschäftsmann begrüßte er jede Möglichkeit, sich einen Informationsvorsprung zu verschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der würzige, intensive Duft des Espresso verteilte sich aus der kleinen Tasse in den Raum. Cabagnelli rührte etwas Zucker hinein und stürzte die heiße Flüssigkeit dann in einem Zug die Kehle hinunter. Ein zufriedenes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er einen der Kekse aufnahm und ein Stück abbiss. Weiter hinten im Wirtschaftsteil der Republicca fand er einen kurzen Absatz, in dem ein Analyst Fiats Übernahmeangebot kommentierte und den Aktionären empfahl, nicht zu früh zu verkaufen. &quot;Aber auch nicht zu spät. Das Leben währt nicht ewig&quot;, kommentierte Cabagnelli halblaut. Die Hausangestellte, die ihm das Frühstück gebracht hatte, konnte sich auf seine Worte keinen Reim machen und sah ihn irritiert an. &quot;Das war nicht für Sie bestimmt, Francesca&quot;, erklärte ihr Cabagnelli, der ihren Blick bemerkt hatte, &quot;ich habe nur laut gedacht.&quot; Urplötzlich verzog Cabagnelli das Gesicht zu einer schmerzverzerrten Grimmasse und presste seine Handflächen gegen die Schläfen. Für einen Moment sah es so aus, als kippe er jeden Augenblick vornüber auf den Frühstückstisch, dann entspannten sich seine Gesichtszüge wieder und er setzte seine Zeitungslektüre fort, als sei nichts geschehen.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/3860379705041894984/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-9.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3860379705041894984'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/3860379705041894984'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-9.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 9'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-8279380836042344990</id><published>2011-04-16T09:30:00.000+02:00</published><updated>2011-04-16T09:30:01.398+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 8</title><content type='html'>&quot;Du brauchst keine Waffe.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wie, ich brauche keine Waffe? Das musst ausgerechnet du mir sagen!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert Stieglitz war irritiert. Er saß in dem Büro seines ehemaligen Schulkameraden Frank Lippert, der inzwischen ein gutgehendes Personenschutzunternehmen führte, und seit seiner Jugend leidenschaftlicher Sammler von Schuss-, Hieb und Stichwaffen aller Art war. Stieglitz hatte ihn angerufen und um ein Gespräch gebeten. Gehofft hatte er, Frank werde ihm auf dem &quot;kurzen Dienstweg&quot; eine Waffe samt der notwendigen Papiere besorgen. Zur Not auch ohne Papiere. Und vielleicht noch einen Crashkurs im Pistolenschießen geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stattdessen bemühte sich genau dieser Frank Lippert nun, ihm klar zu machen, er benötige keine Waffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Zieh eine Waffe nur, wenn du auch bereit bist, zu schießen. Und schieß nur, wenn du auch bereit bist, zu töten. Du willst aber gar nicht töten. Du brauchst also auch keine Waffe.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Nach der Logik bräuchtest du auch keine...&quot; wollte Stieglitz entgegnen, brach den Satz aber ab, als er sah, wie Frank seinen Blick über die fünf Jagdtrophäen gleiten ließ, die die Wand an der fensterlosen Seite seines Büros schmückten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Pass auf&quot;, sagte Frank und bemühte sich sichtlich, Mitgefühl und Verständnis in seine Worte zu legen, &quot;du willst dich schützen, und das ist legitim. Aber eine Waffe wird dir dabei nicht helfen. In dem Moment, in dem du eine Waffe ziehst, ist das die maximale Eskalation. Angenommen, ein Schläger will dich verprügeln, und du ziehst deine Waffe: In diesem Moment wird aus einer harmlosen Prügelei ein Kampf auf Leben und Tod. Und den könntest am Ende du verlieren.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Niemand will mich verprügeln. Jemand will mich, vielleicht jedenfalls, umbringen!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Aha. Und deshalb willst du ihn zuerst umbringen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn es sein muss, ja. Ich will mich wenigstens verteidigen können.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Erste Frage: Wann will er dich umbringen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Keine Ahnung, ich hoffe ja nicht, dass er das schon in seinen Kalender eingetragen hat.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Bei einem professionellen Killer müsstest du damit schon rechnen. Zweite Frage: Wo will er dich umbringen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Mann, wie soll ich das denn wissen? Keine Ahnung, ich muss eben überall auf der Hut sein.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Das ist doch schon mal eine gute Einsicht. Dritte Frage: Wie will er dich umbringen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hör zu, er hat allem Anschein nach schon einige Male getötet, und jedes Mal anders.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Siehst du, du brauchst keine Waffe. Wenn er die Bremsleitungen deines Autos durchschneidet, oder deine Wohnung anzündet, oder deinen Kaffee vergiftet, was nutzt dir da eine Waffe? Mit einer Waffe kannst du mit viel Glück einen direkten, frontalen Angriff abwehren, aber mehr auch nicht. Eine Waffe würde dir wahrscheinlich mehr schaden als nutzen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stieglitz musste ihm widerwillig recht geben. Doch eine Beruhigung waren ihm die Worte seines alten Schulkameraden nicht. Der Gedanke, jemand könne es auf sein Leben abgesehen haben, überforderte ihn. &quot;Mann, verdammt, was soll ich denn machen? Pass auf, ich kann mir keinen dauerhaften Personenschutz leisten, aber könntest du mir die nächsten zwei Wochen einen von deinen Jungs an die Seite stellen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Dann erwischt er dich in der dritten Woche. Wir machen das anders. Komm mit!&quot; Mit einem Ruck stand Lippert auf und ging zur Bürotür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wohin?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Du bekommst jetzt einen Crashkurs. In &#39;Überleben&#39;.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/8279380836042344990/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-8.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/8279380836042344990'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/8279380836042344990'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-8.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 8'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-2747150838077659641</id><published>2011-04-15T09:30:00.001+02:00</published><updated>2011-04-15T09:30:00.640+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 7</title><content type='html'>Sehr sorgfältig trug Maria Cabagnelli den nachtblauen Nagellack auf die Fingernägel der rechten Hand auf. Sie saß vor der Schminkkommode in ihrem Schlafzimmer, bekleidet mit einem ebenso nachtblauen spitzenbesetzten Body. Musik füllte den Raum, &quot;Through the Barricades&quot;, ein alter Song von Spandau Ballet, klang aus der Surround-Anlage. Als endlich auch der Fingernagel des kleinen Fingers mit einer makellosen Lackschicht überzogen war, schraubte sie sorgsam den Deckel mit dem eingearbeiteten Pinsel wieder auf das Lackfläschchen. Dann musterte sie sich mit der Andeutung eines Lächelns im Spiegel. Maria Cabagnelli war eine schöne Frau mit zarten, schlanken Gesichtszügen. Sie war im letzten März fünfunddreißig geworden, von ein paar Lachfalten abgesehen, war ihre hell gebräunte Haut makellos glatt. Sie war nicht überschlank, ihre Proportionen unterstrichen wirkungsvoll ihre Weiblichkeit. Ihr langes gewelltes Haar trug sie im Moment offen, wenn sie ausging, hatte sie es jedoch meist zu einer komplizierten, aber glamourösen Hochsteckfrisur geflochten. Dann noch etwas Make-Up, und sie wäre perfekt für den Abend.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria wartete mit gespreizten Fingern einen Song lang ab, bis der Nagellack getrocknet war. Bruce Springsteens &quot;Streets of Philadelphia&quot; tönte jetzt aus den Boxen. Ein aufdringliches Klingelgeräusch aus ihrem Smartphone durchschnitt den melancholischen Klangteppich. Auf dem Display erschien das Gesicht von Papst Benedikt XVI, aber es war natürlich nicht wirklich der katholische Kirchenführer, der mit ihr sprechen wollte. Den meisten der Kontakte in ihrem Telefonbuch hatte sie Fotos bekannter Persönlichkeiten zugeordnet: Rief ihre Freundin Andrea an, erschien das Bild von Angelina Jolie, bei ihrem Ehemann Enrico war es ein Foto von George W. Bush, bei ihrer Mama das Konterfei von Barbara Streisand, und bei ihrem Schwiegervater Sergio war es eben das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Papa, wie geht es dir!&quot; - in ihrer Stimme lag eine Mischung aus Überraschung und Freude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn ich die Stimme meiner Maria höre, kann es mir nur großartig gehen. Ohne dich ist Mailand doch nur eine Stadt aus Staub und Steinen. Cara mia, wir müssen uns treffen. Nächsten Freitag, aber nicht in Mailand: Liegt eure Yacht noch in Santa Marinella?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ja, Enrico überlegt zwar immer wieder, die&amp;nbsp;Spicchio di Luna zu verkaufen, weil wir so wenig Zeit haben, aber es hängen so viele Erinnerungen daran. Ich muss sowieso nach dem Boot sehen, der Winter hinterlässt doch immer irgendwelche Spuren. Kommst du direkt in die Marina?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Donnerstag würde sie nach Rom fliegen, und von da aus mit einem Mietwagen in den kleinen Hafenort Santa Marinella fahren. Enrico hätte keinen Anlass, das verdächtig zu finden. Zwar waren Pflege und Wartungsarbeiten an der Yacht einer Firma anvertraut worden, aber es konnte nicht schaden, wenn jemand aus der Familie dort hin und wieder selbst nach dem rechten sah. Aus seinen geschäftlichen Aktivitäten hatte Enrico Mario zwar stehts herauszuhalten versucht, aber wenn es um die Pflege ihrer privat genutzten Besitztümer ging, hatte er ihr Engagement in der Vergangenheit sehr geschätzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria griff zu dem Flacon mit ihrem Lieblingsparfum, und gab je ein paar Tropfen hinter jedes Ohr, auf ihr Dekolleté und auf die Handgelenke. Mit geschlossenem Mund atmete sie ein paar Mal tief ein. Dann stand sie lächelnd auf und ging zu ihrem Kleiderschrank.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/2747150838077659641/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-7.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2747150838077659641'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2747150838077659641'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-7.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 7'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-1814292873303879424</id><published>2011-04-14T09:30:00.002+02:00</published><updated>2011-04-15T01:08:15.109+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 6</title><content type='html'>&quot;Das Ellenbogengelenk ist durchgedrückt,&amp;nbsp;die Schießhand umfasst den Griff der Waffe so, dass die&amp;nbsp;Laufachse ungefähr die Verlängerung des Unterarmes darstellt... Ach verdammt!&quot; Norbert Stieglitz warf das Buch in die Ecke. Dann hob er es auf und stellte es zurück ins Regal rechts neben dem großen gläsernen Schreibtisch in seiner Detektei. Schießen lernt man nicht beim Lesen, sondern beim Schießen. Seitdem Stieglitz vor mehr als zwanzig Jahren seinen Wehrdienst absolviert hatte, hatte er keine Pistole mehr angerührt. Er hatte eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, Schießtraining zu absolvieren, als er sich mit seiner Detektei selbständig gemacht hatte, aber mangels Notwendigkeit den Gedanken bald wieder aufgegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch dieser Auftrag änderte alles: Im Laufe des Gesprächs mit Gianna Modugno war ihm klar geworden, dass er ganz unerwartet auf lebensgefährliches Terrain geraten war. &lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Dass es sich bei der vermuteten Untreue der Zielperson nicht einfach um eine weitere von zahllosen Affären handelte, für die er den betrogenen Partnern im Laufe der Jahre Nachweise geliefert hatte. Dass Menschen in Enrico Cabagnellis Umfeld getötet worden waren, und dass vielleicht noch weitere Menschen sterben würden. Und dass es viel zu spät war, den Auftrag abzulehnen, denn eigentlich schon mit dem Besuch Cabagnellis in seiner Detektei, spätestens aber nach dem morgendlichen Besuch seiner Anwältin bei ihm zu Hause gehörte auch Stieglitz zu Cabagnellis Umfeld.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Richtmikrofone, Abhör- und Peilsender, Knopfkameras und die zugehörigen Aufnahmegeräte, das waren seine Werkzeuge. Mit Gewalt war er, von einem vergleichsweise unbedeutenden Schlag in die Magengrube vor acht Jahren abgesehen, praktisch nie konfrontiert worden. Der Gedanke, sich nun plötzlich buchstäblich seiner Haut erwehren zu müssen, bereitete ihm feuchte Hände und einen stechenden Druck in der Magengegend. Das schlimmste war, er wusste weder, ob er bereits in das Visier der Mörder geraten war, noch gingen die - wenn es sie überhaupt gab - mit einer absehbaren Methodik vor. Auf der anderen Seite war die Häufung von Todesfällen im Umfeld des italienischen Geschäftsmannes nicht mit bloßem Zufall zu erklären: &amp;nbsp; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marco Tozzi, ein Laufbursche Cabagnellis, war beim Überqueren einer selten genutzten Seitenstraße von einem Auto erfasst und überrollt worden, der Fahrer hatte Unfallflucht begangen. Es gab zwar Zeugen, aber die konnten sich nicht einmal auf die Farbe des Unfallfahrzeugs festlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Julius Bramstätter, Cabagnellis Steuerberater, war vier Tage später tot in seiner Steuerkanzlei gefunden worden. Nachdem sein Hausarzt die Aussage von Bramstätters Frau bestätigt hatte, ihr Mann sei schwer herzkrank gewesen, und alle Indizien auf ein Herzversagen hindeuteten, hatte man auf eine Obduktion verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Georg Fauster, der für Cabagnelli das Bordell &quot;Al Ghadaffi&quot; am Stadtrand geleitet hatte, war letzte Woche rücklings durch ein geschlossenes Fenster im dritten Stock seines Etablissements gestürzt und hatte sich beim Aufprall das Genick gebrochen. Die Ermittlungen standen kurz davor, eingestellt zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Carlo Niccolini, der eine freie Autowerkstatt betrieb, aber gut die Hälfte seiner Einnahmen mit der Pflege und Instandsetzung der Autos von Cabagnelli und dessen Mitarbeitern erzielte, war in der Wohnung über seiner Werkstatt verbrannt, nachdem unter ihm aus bislang ungeklärten Gründen ein Feuer ausgebrochen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren vier Todesfälle, von denen Stieglitz zu diesem Zeitpunkt wusste, und die der eigentliche Grund waren, weshalb Cabagnelli ihn aufgesucht hatte. Deshalb, und weil er um die käufliche Loyalität seiner eigenen Mitarbeiter wusste, hatte er jemanden von außerhalb beauftragt, die aus seiner Sicht Hauptverdächtige zu überwachen. Er hatte Stieglitz ursprünglich in dem Glauben lassen wollen, es ginge ihm bloß darum, ihr Ehebruch nachzuweisen. Er selbst hätte dann die Fotos, Videos und Tonaufnahmen genutzt - deren Bedeutung Stieglitz ohnehin nicht begriffen hätte - um alle zu entlarven, die sich mit ihr gegen ihn verschworen hatten, und gründlich aufzuräumen. Aber er hatte mit jemandem darüber sprechen müssen - mit seiner Nichte Gianna, der Tochter seiner in Mailand lebenden Schwester, der einzigen, der er im Augenblick vertraute. Gianna Modugno hatte vor zwei Jahren ihr Jurastudium mit dem Staatsexamen abgeschlossen, und seitdem ihren Onkel juristisch beraten. Sie hatte schnell gelernt, wovon ihr Onkel sprach, wenn vom &quot;Aufräumen&quot; die Rede war und den kleinen moralischen Schwachpunkt seines Vorhabens entdeckt: Hätte er erst einmal mit dem Aufräumen begonnen, würde es sich Cabagnelli nicht leisten können, Stieglitz am Leben zu lassen, der sich sonst früher oder später auf alles einen Reim machen würde. &quot;Und dann&quot;, hatte sie ihrem Onkel gesagt, &quot;können wir ihm auch gleich alles sagen. Jeder arbeitet besser, wenn er weiß, dass es um sein Leben geht.&quot;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/1814292873303879424/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-6.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/1814292873303879424'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/1814292873303879424'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-6.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 6'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-2629357593672980525</id><published>2011-04-13T09:30:00.001+02:00</published><updated>2011-04-15T01:08:15.109+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 5</title><content type='html'>Als Sven Klöckner an diesem Morgen die Tür zu seiner Bankfiliale aufschloss, wusste er, der Tag wird gut. Er hatte sich in den letzten Stunden gezwungen, keine Wirtschaftsnachrichten zu lesen, hatte im Auto statt des Radioprogramms eine CD gehört, hatte nicht einmal die Schlagzeilen der BILD eines Blickes gewürdigt, die an dem Kiosk auslag, den er auf dem kurzen Fußweg vom Parkplatz bis zur Bank passieren musste. Er wollte den Triumph nicht häppchenweise, sondern in einer einzigen großen emotionalen Welle auskosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Schlagzeile in der BILD, das wäre die Meldung ohnehin nicht wert gewesen, die Klöckner an diesem Tag erwartete, und selbst die Wirtschaftsseiten der Publikumszeitungen würden kaum Kenntnis davon nehmen. Fiat würde einen kleinen, aber börsennotierten Zulieferer schlucken wollen, und den Aktionären deshalb ein Übernahmeangebot für dessen Aktien unterbreiten, das zwei Euro, also mithin zwanzig Prozent, über dem letzten Tageskurs lag. Und damit würde der Kurs um - mindestens - zwanzig Prozent steigen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klöckner hatte in den letzten Jahren nicht schlecht verdient und war klug mit seinem Geld umgegangen. Deshalb konnte er, als er diese Information erhielt, spontan 120.000 Euro investieren. Klöckner hatte gestern Abend, kurz vor Börsenschluss, das ganze Geld in Optionsscheine gesteckt, deren Wert heute von 20 Cent auf zwei Euro pro Stück steigen würden. Seine 120.000 Euro würden also nicht, wie die Aktie, um 20 Prozent steigen, sondern sich verzehnfachen: Seine erste Million war zum Greifen nah, was entgegen dem Volksglauben für den Leiter einer Drei-Mann-Filiale einer kleinen Genossenschaftsbank Anfang Dreißig keine Selbstverständlichkeit war. Und die Information war absolut verlässlich, stammte sie doch von Sergio Cabagnelli, dem Gründer und Mehrheitsaktionär der kleinen Zulieferfirma, persönlich. Dem hatte Klöckner in den letzten paar Jahren hin und wieder ein paar Gefallen getan, zum Beispiel Informationen über die finanzielle Situation von Mitbewerbern besorgt, Meldungen nach dem Geldwäschegesetz unter den Tisch fallen lassen, nichts großes also. Cabagnelli hatte sich stets erkenntlich gezeigt, und bei seinem Anruf gestern hatte er von einem &quot;kleinen Bonus&quot; gesprochen, der nun fällig sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 9:10 Uhr ging Fiat mit dem Übernahmeangebot an die Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 9:12 Uhr hatte Sven Klöckner seine Optionsscheine verkauft und der Erlös von 1,2 Millionen Euro wurde seinem Verrechnungskonto gutgeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 9:16 Uhr rief Klöckner seine Frau an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 9:21Uhr hielt ein dunkler Van vor der Bankfiliale, und drei mit Uzis bewaffnete Maskierte stürmten daraus in den Schalterraum der Filiale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 9:24 Uhr kehrten die Maskierten zu ihrem Fahrzeug zurück, das mit quietschenden Reifen anfuhr und verschwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 10:12 Uhr betraten zwei Kunden den Schalterraum und entdeckten dort die Leichen. Sven Klöckner, sein Kassierer und seine Kundenberaterin waren mit je einem Schuss in die Stirn getötet worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sergio Cabagnelli zeigte keine Regung, als er den Anruf erhielt. Der Herr gibt, der Herr nimmt. Gelobt sei der Herr. Klöckners kleiner Familie würde es an nichts fehlen, dafür jedenfalls war gesorgt.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/2629357593672980525/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-5.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2629357593672980525'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/2629357593672980525'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-5.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 5'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-8455238952271258483</id><published>2011-04-12T09:31:00.000+02:00</published><updated>2011-04-15T01:08:15.110+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 4</title><content type='html'>&quot;Guten Morgen. Enrico Cabagnelli schickt mich. Darf ich hereinkommen?&quot; Stieglitz war misstrauisch. Die schlanke Frau an seiner Wohnungstür, vielleicht Ende zwanzig,&amp;nbsp;leicht südländische Gesichtszüge,&amp;nbsp;glatte dunkle Haare, die offen über ihre Schultern fielen, war in einen dunklen Hosenanzug gekleidet. Auftreten und Erscheinung erinnerten Stieglitz an eine Anwältin oder Steuerprüferin, und mit beiden Berufsgruppen stand er sich nicht sonderlich gut. &quot;Ach, entschuldigen Sie, ich habe mich gar nicht vorgestellt:&amp;nbsp;Gianna Modugno, ich bin Herr Cabagnellis Mitarbeiterin, und soll Ihnen bei Ihrem Auftrag assistieren. Sollen wir uns nicht doch lieber drinnen darüber unterhalten?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ja natürlich, kommen Sie herein. Gehen Sie gleich durch ins Wohnzimmer.&quot; Stieglitz trat einen Schritt zur Seite und deutete mit ausgestrecktem Arm in Richtung seines Wohnzimmers. Die Observation, so hatte er es mit Cabagnelli vereinbart, würde er am kommenden Montag beginnen - heute war erst Donnerstag. Außerdem pflegte er Klienten, oder deren &#39;Mitarbeiterinnen&#39;, was immer das in diesem Fall bedeuten mochte, in seiner Detektei zu empfangen und nicht bei sich zu Hause. Und: Dass Cabagnelli ihm eine &#39;Assistentin&#39; zur Seite stellen würde, hatte er gestern mit keiner Silbe angedeutet. Stieglitz war jetzt hellwach.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Setzen Sie sich doch.&quot; Stieglitz deutete auf einen ausladenden weißen Ledersessel. &quot;Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Vor Ihrem Kaffee hat Herr Cabagnelli mich zwar ausdrücklich gewarnt, aber - ja, bitte, mit viel Milch, ohne Zucker.&quot; Ganz gelang es Gianna Modugno nicht, mit dieser Bemerkung und ihrem Lächeln das Eis zu brechen, Stieglitz zwang sich aber seinerseits zu einem Lächeln und ging in die Küche, wo er einen weißen Porzellan-Kaffeebecher mit dem Aufdruck &quot;Krisenmanager&quot; zu gleichen Teilen mit Milch und Kaffee füllte. Als er zurück kam, hatte sie bereits zwei flache Stapel mit Papieren auf seinem Wohnzimmertisch abgelegt. &quot;Anwältin, ich hätt&#39;s mir denken können&quot;, dachte Stieglitz bei sich, während er den Kaffeebecher neben den Unterlagen abstellte. Dann setzte er sich auf das Sofa ihr gegenüber und sagte laut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wie kommt es, dass Herr Cabagnelli Sie mit keinem Wort erwähnt hat?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe es ihm erst gestern abend vorgeschlagen. Vielleicht genügt Ihnen das hier, aber Sie können ihn natürlich gern auch selbst fragen.&quot; Mit diesen Worten schob sie ihm ein offenbar von Cabagnelli unterschriebenes Schriftstück zu, in dem er Gianna Modugno in verklausuliertem Juristendeutsch diverse Vollmachten im Rahmen der beauftragten Observierung erteilte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schriftstück schürte Stieglitz&#39; Misstrauen nur noch mehr: Enrico Cabagnelli hatte sogar eine Quittung über die Anzahlung rundheraus abgelehnt, ebenso wie eine schriftliche Vereinbarung darüber, welche Leistungen der Auftrag umfassen würde. Und jetzt saß seine angebliche Mitarbeiterin bei ihm und breitete gleich ganze Stapel von Papieren vor ihm aus. Stieglitz griff zu seinem Mobiltelefon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Cabagnelli musste ihn schon an der Rufnummer erkannt haben: &quot;Ah, Stieglitz, ich dachte mir, dass Sie anrufen. Sie haben Gianna kennengelernt? Sie werden sie mögen. Sie können das ja nicht alleine schaffen, und ich will nicht, dass noch mehr ihre Nasen in meine Familie stecken. Sie gehört Ihnen für das halbe Jahr.&quot; Als er aufgelegt hatte, lächelte Stieglitz die Anwältin an: &quot;Na gut, Sie gehören mir, sagt er.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Im Rahmen eines klar definierten Aufgabenbereichs trifft das zu&quot;, entgegnete Gianna&amp;nbsp;Modugno trocken und schob Stieglitz ein mehrseitiges, zusammengeheftetes Schriftstück über den Tisch, das ebenfalls in jenem gestelzten Juristendeutsch abgefasst war, das den doppelten Zweck hatte, den Leser einzuschüchtern und möglichst wenig Interpretationsspielraum zuzulassen. &quot;Sie müssen das nicht lesen&quot;, ergänzte sie, &quot;ich weise sie dann schon darauf hin, wenn Sie über Ihre Kompetenzen hinausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Na gut&quot;, entschied sich Stieglitz, &quot;lassen Sie uns über den Auftrag sprechen. Und darüber, wie Sie mich dabei unterstützen werden.&quot; Und dann begann Gianna Modugno zu erzählen, nüchtern und faktenorientiert wie bei einer Powerpoint-Präsentation, überreichte Stieglitz dabei nach und nach die Unterlagen, die sie vor sich aufgestapelt hatte, fasste anschließend die wesentlichen Aspekte noch einmal zusammen und fragte zum Schluss, ganz Profi, ob noch irgendwelche Fragen offen geblieben seien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Tausende&quot;, dachte Stieglitz. Aber zwei Dinge hatte er begriffen: Sie würde in den kommenden sechs Monaten nicht ihm gehören, sondern er ihr. Und: &#39;Eheliche Untreue&#39; war das geringste aller Probleme von Enrico Cabagnelli.</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/8455238952271258483/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-4.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/8455238952271258483'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/8455238952271258483'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-4.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 4'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7149597620125450974.post-7764102038696986299</id><published>2011-04-11T09:45:00.000+02:00</published><updated>2011-04-15T01:08:15.110+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Hieb- und stichfest"/><title type='text'>Hieb- und stichfest - Kapitel 3</title><content type='html'>Jeder andere hätte das leise Zischen überhört, das sich unauffällig unter das Dröhnen des Motors gemischt hatte. Jürgen Dempf nicht: Der vierundfünfzigjährige Pilot hatte tausende von Flugstunden in seiner Beechcraft Bonanza zugebracht und pflegte mit einer an Paranoia grenzenden Aufmerksamkeit während des Flugs auch die kleinste Unregelmäßigkeit zu bemerken. Fand er dann nicht innerhalb weniger Minuten deren Ursache, steuerte er unweigerlich den nächsten Flugplatz an, um dem, was er wahrgenommen hatte, am Boden auf den Grund zu gehen. Erst vor zwei Wochen hatte er einen Dienstflug wegen ungewöhnlicher Geräusche unterbrochen, die, wie sich dann gezeigt hatte, von einem Popcornbecher stammten, der im Fußraum des Passagierbereichs herum gerollt war.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Heute war es kein Popcornbecher, der seine Aufmerksamkeit erregte. Er war - ohne Passagiere - auf dem Weg von Frankfurt nach Mailand, wo er drei Geschäftsleute aufnehmen und nach Berlin bringen würde. Die Cabagnellis waren seine ersten Kunden gewesen, damals, als er sich mit dem kleinen Lufttransportunternehmen selbständig gemacht hatte, und sie waren ihm über all die Jahre treu geblieben. Damals hatte Dempf seltener Passagiere, dafür häufiger eilige Fracht für die Cabagnellis transportiert. Er hätte preislich nie mit den großen Kurierdiensten mithalten können, aber Geld schien für die Cabagnellis keine all zu große Rolle gespielt zu haben. Als Sergio Cabagnelli, der große alte Mann der Unternehmerfamilie, ihn gestern angerufen hatte, war Dempf gerade im Begriff gewesen, sich mit seiner Lebesgefährtin in ein langes Wochenende abzusetzen, und hätte gern einen seiner Mitarbeiter mit dem Flug betraut, aber Sergio Cabagnelli hatte davon nichts wissen wollen. &quot;Jürgen, du bist mir wie Sohn. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen, he? Nix Mitarbeiter, flieg du uns.&quot;&lt;/div&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;div&gt;Jürgen Dempf konnte diese Art von Zischen beim besten Willen nicht zuordnen. Aus dem Motor konnte es nicht kommen, Kabine und Treibstofftanks waren dicht, keines der Instrumente zeigte auch nur die kleinste Unregelmäßigkeit an. Eine Verwirbelung an den Tragflächen? Die&amp;nbsp;Beechcraft Bonanza ist ein Tiefdecker, von seinem Cockpit aus konnte Dempf deshalb die Oberseiten der Tragflächen genau in Augenschein nehmen, ohne etwas zu entdecken, das eine solche Verwirbelung hätte erklären können. Eine Windbö rüttelte an der Maschine. Dempf hielt das Flugzeug in einer Höhe von 3000 Fuß über Grund, wo in dieser Gegend und um diese Tageszeit - es war kurz vor eins am Mittag - gewöhnlich nicht mit Turbulenzen zu rechnen war. Er leitete eine Linkskurve ein und zog dabei den Knüppel etwas zu sich hin, um keine Höhe zu verlieren, da hörte das Zischen abrupt auf. Und auch der Motor schwieg plötzlich, nur noch den Wind, der über die Tragflächen rauschte, hörte Dempf, während der Rotor flatternd an Geschwindigkeit verlor und die Bonanza sich nach vorn neigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Scheiße, was ist das denn?!&quot; Dempf kämpfte die aufkommende Panik nieder und versuchte, das Flugzeug geradeaus gleiten zu lassen, doch der Steuerknüppel rührte sich keinen Millimeter und auch die Pedale für die Querruder schienen wie festgeschweißt. Dass die Instrumententafel keinerlei verwertbare Information mehr zeigte, war da schon fast nebensächlich. Nebensächlicher jedenfalls als die Tatsache, dass auch das Funkgerät keinen Mucks mehr zu machen schien. Dempf konnte nicht mit letzter Sicherheit wissen, ob sein Funkspruch nicht doch irgendwo empfangen würde, und setzte einen letzten Notruf ab, während das Flugzeug sich in einer langgezogenen Spirale dem Boden näherte. Wenn sich an der Fluglage nicht schnell etwas änderte, würde die Maschine mit der Spitze in den Boden rammen, und dann wohl auseinander brechen und in Flammen aufgehen, analysierte Dempf die Situation mit einer Klarheit, die ihn selbst überraschte. Es gab hier viele Äcker und Wiesen, auf denen er eine solche Bruchlandung mit viel Glück überleben könnte, und ein paar Gewässer. Dempf schlug ein Kreuz, und tatsächlich schien das jemanden milde zu stimmen: Die Bonanza flog, immer noch im Bogen und in unveränderter Fluglage, einen See von ein paar hundert Quadratmetern an. Dann prallte sie, wie Dempf es erwartet hatte, auf die Wasseroberfläche auf, und er wurde mit ungeheurer Wucht in den Gurt gepresst. Die linke Tragfläche riss durch die Wucht des Aufpralls ab, und gleichzeitig brachen Dempf zwei Rippen. &quot;Jetzt nur noch raus&quot; - ein gewaltiger Adrenalinstoß ermöglichte es Dempf, den Schmerz der Rippenbrüche zu ignorieren. &quot;Nur nicht ertrinken...&quot; - In diesem Augenblick explodierte das Cockpit und ein Feuerball schien das schon halb versunkene Flugzeug von innen zu zerreißen. Das Ertrinken blieb Jürgen Dempf erspart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seiner Villa in Mailand sah Sergio Cabagnelli gerade auf seine Armbanduhr. Dann bekreuzigte er sich und sagte leise &quot;Ciao, Jürgen&quot;.&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://luftnot.blogspot.com/feeds/7764102038696986299/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-3.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/7764102038696986299'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7149597620125450974/posts/default/7764102038696986299'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://luftnot.blogspot.com/2011/04/hieb-und-stichfest-kapitel-3.html' title='Hieb- und stichfest - Kapitel 3'/><author><name>Unknown</name><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='https://img1.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>