<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>mach weniger</title>
	<atom:link href="https://mach-weniger.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://mach-weniger.de</link>
	<description>... und mehr von dem, was dir gefällt</description>
	<lastBuildDate>Sun, 08 Mar 2026 20:35:40 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>
	<item>
		<title>Girls to the front!</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2026/03/06/girls-to-the-front/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Mar 2026 14:45:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=280</guid>

					<description><![CDATA[So rief Kathleen Hanna vor mehr als 30 Jahren laut ins Publikum. Als Frontfrau der Band Bikini Kill ermutigte sie Frauen, beim Moshpit nach vorne&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>So rief Kathleen Hanna vor mehr als 30 Jahren laut ins Publikum. Als Frontfrau der Band Bikini Kill ermutigte sie Frauen, beim Moshpit nach vorne zu kommen – und sich nicht von den körperlich überlegeneren Männern wegdrängen zu lassen. Hanna war Symbolfigur der „Riot Grrrl“-Bewegung, die in den 1990er-Jahren entstand, in der Hochzeit des Grunge und Punkrock. Die Szene war lange Zeit männlich dominiert: Frauen waren auf der Bühne wie im Publikum selten, und wenn, dann höchstens als gefällige Groupies. Bands wie Bikini Kill oder Bratmobile waren laut, konfrontativ und politisch – in ihren Texten ging es um strukturelle Gewalt gegen Frauen und patriarchale Strukturen in der Musikszene.</p>



<p><em>„Steh auf, sei laut, komm nach vorne – lass dir nicht den Platz von Männern wegnehmen.“</em></p>



<p>Schon der Name der Riot Grrrls war ein Statement: Das extra „rrr“ sollte wie ein Knurren klingen – nicht süß, brav oder passiv, sondern wütend, laut, kämpferisch. Sprachlich wollten die feministischen Punks ein eigenes Selbstverständnis ausdrücken, unabhängig von männlich geprägten Normen. Das Ziel war klar: mit dem Bild des „lieben Mädchens“ brechen.</p>



<p>Die 90er-Musikwelt hatte generell klare Rollenbilder für Frauen: süß, sexy, gefällig. Kaum jemand stellte diese ernsthaft infrage. „Girl Power“ wurde gefeiert – solange sie verkaufbar blieb, erinnern wir uns an die Spice Girls. Hochglanz-Pop und kalkulierte Rebellion verpackten Weiblichkeitsbilder neu, doch wirklich gesprengt wurden sie selten.</p>



<p>Eine radikale Ausnahme war Skin von Skunk Anansie: kahl rasierter Kopf, aggressive Texte, kein Lächeln wenn es erwartet wurde. Als Schwarze, offen queere Frontfrau in einer von weißen Männern dominierten Rockszene zeigte sie, dass Weiblichkeit auch anders aussehen kann – unbequem, laut, rebellisch. Als junger, wütender Teenager fand ich sie wunderbar. Sie machte sichtbar, dass Rebellion, Selbstbestimmung und politische Aussagekraft auch in der Rockmusik möglich sind.</p>



<p><em>„Yes, it‘s fucking political – everything‘s political &#8211; wer still bleibt, stimmt den Regeln zu.“</em></p>



<p>Heute wird Feminismus häufig an Beispielen wie Ikkimel diskutiert. Sie provoziert mit expliziten, stark sexualisierten Texten, bezeichnet sich selbst als Fotze und deutet alte Macho-Schimpfwörter um. „Es nimmt den Wörtern den Beleidigungsspielraum“ sagt sie selbst. Damit spricht sie viele junge Frauen an. Sie spüren, „ich darf laut sein. Ich darf sexuell aktiv sein. Ich darf anecken“. Und obwohl Musikerinnen wie Ikkimel Begriffe neu deuten und selbstbewusst über ihren Körper bestimmen, bleibt häufig die gleiche alte Bewertungslogik: attraktiv = wertvoll. Eine echte Befreiung von dieser Logik ist noch lange nicht in unserer Gesellschaft angekommen. Das würde bedeuten, den Wert eines Menschen unabhängig vom Körperbild zu sehen und unabhängig von seiner geschlechtlichen Zuordnung. </p>



<p><em>Ich wünschte mir eine Welt, in der Vielfalt selbstverständlich ist</em></p>



<p>Die Riot Grrrls wurden schnell verschrien. Als sie Anfang der 1990er mediale Aufmerksamkeit erhielten, reagierte die Presse mit vertrauten Reflexen: hysterisch, überdreht, aggressiv – so lautete das vereinfachte Bild. Dabei brachten die Musikerinnen ernstzunehmende Themen wie Gewalt, Missbrauch und strukturellen Sexismus auf die Bühne. Doch statt sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen, kritisierten die Berichterstatter ausschließlich ihren Tonfall.</p>



<p>„Hysterie“ wurde dabei oft verwendet, dabei ist dies beileibe kein neutraler Begriff: Jahrhundertelang wurden Frauen als instabil dargestellt, ihre Wut als irrational abgewertet. Männliche Wut galt als Entschlossenheit; weibliche Wut wurde als Überreaktion diffamiert. Dieses Muster zieht sich bis heute durch, auch in sozialen Medien: Tonfall und Aussehen einer wütenden Frau werden diskutiert, ihre Argumente dagegen selten.</p>



<p><em>„Gefällig sein? Nicht wir. Alles, was wir tun, ist politisch.“</em></p>



<p>Bald ist der 8. März – der internationale Frauentag, oder auch feministischer Kampftag genannt. Die Themen der Riot Grrrls sind noch immer aktuell: Es gibt nach wie vor unglaublich viel physische und psychische Gewalt an Frauen, Lohnlücken, unfaire Verteilung von Sorgearbeit und Alltagssexismus. Frauen haben weiterhin viele Gründe, wütend zu sein – und sichtbar, laut und unbequem zu werden. Deshalb: geht auf die Straße am 8. und 9. März. Das <a href="https://toechterkollektiv.de/karte/">Töchterkollektiv </a>organisiert Demos, aber auch politische Parteien in eurer Nähe haben möglicherweise was auf die Beine gestellt.</p>



<p>Habt ihr keine Kraft zum streiken und seid in den sozialen Medien unterwegs? Dann könnt ihr unter den Hashtags #Frauenstreik2026 und #CareOhnePause Bilder von eurem Alltag zeigen. Denn viele Frauen, gerade Alleinerziehende, haben keine Kapazitäten, streiken zu gehen. Wenn sie ausfallen, springt niemand ein. Mit den Hashtags könnt ihr eine andere Form des Streiks wählen und gleichzeitig auf Missstände aufmerksam machen. Lasst uns den feministischen Kampftag nutzen, um auf die altbewährten Ungleichheiten hinzuweisen. Jede auf ihre Art. Lasst uns laut, sichtbar und wütend sein! Egal ob weiblich, männlich, dazwischen, Schwarz, weiß, dick, dünn, jung, alt, mit oder ohne Behinderung… Let&#8217;s go girls, to the front!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gemeinsam ackern &#8211; gemeinsam ernten</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2024/01/14/gemeinsam-ackern-macht-froh/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2024/01/14/gemeinsam-ackern-macht-froh/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jan 2024 18:48:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=260</guid>

					<description><![CDATA[Gärtnern macht Spaß, in Gemeinschaft noch mehr. Gerade für jene, die keinen eigenen Garten haben, ist es eine gute Möglichkeit, regionales Gemüse anzubauen, hochwertige Lebensmittel&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Gärtnern macht Spaß, in Gemeinschaft noch mehr. Gerade für jene, die keinen eigenen Garten haben, ist es eine gute Möglichkeit, regionales Gemüse anzubauen, hochwertige Lebensmittel zu ernten und Menschen zu treffen. Ich habe mich mit Engagierten aus drei Gemeinschaftsgärten in der Nähe unterhalten. Und auch wir planen dieses Jahr, den Garten für weitere Menschen zu öffnen und in Gemeinschaft zu ackern. </strong></p>



<p>Der „Mitmach-Garten unter der Burg“ ist ein Gemeinschaftsacker von etwa 900 Quadratmetern. Wer hier gärtnert, freut sich nicht nur über die üppige Ernte und die gute Gesellschaft, sondern auch über den wunderbaren Blick auf die Burgruine von Burglahr. „Bei uns im Garten gibt es immer gute Laune, hier wird viel gelacht“, so beschreibt es Gerti Nink. Das merken auch die Nachbarn aus dem Dorf, die immer öfter vorbeischauen und gerne mit den Hobbygärtnern klönen. Die gute Stimmung lässt sich auch im Ergebnis sehen, sind sich Gerti und Sami sicher: „Unsere gute Ernte haben wir auch den Menschen zu verdanken, die so viel Leidenschaft in das Projekt einbringen. Denn alles, was Menschen mit Freude tun, wird einfach schöner“, erzählt Sami Fayed, der das Gemeinschaftsprojekt mit Gerti neu aufgebaut hat. „Ganz wichtig ist uns, dass alles auf Vertrauen läuft, und ohne Zwänge“, betont Gerti. Das heißt, jeder bringt seine Arbeitskraft so ein, wie er kann und möchte. „Hier gilt das Solidaritätsprinzip: Jeder macht, so viel er oder sie kann und bedient sich aus der Fülle des Gartens, zu der alle auf ihre Weise beitragen“.</p>



<p>Das Prinzip gilt auch beim Gemeinschaftsgarten des „brodvereins“ in Ochsenbruch bei Weyerbusch. „Man kann keinen verpflichten“, erzählt Brunhilde Weser, die die Gartenarbeiten koordiniert: „Bisher hat es immer gut funktioniert“. Und auch die Gärtnergruppe aus Ingelbach bestätigt das. „Unsere Hauptregel ist, dass wir miteinander anerkennen, dass sich alle nach den eigenen Fähigkeiten und den eigenen begrenzten Möglichkeiten, also zeitlich, inhaltlich und körperlich einbringt. Was das Ernten betrifft, so achten natürlich alle, dass für die anderen auch noch genug bleibt. Oft passiert es sogar, dass zu wenig geerntet wird“, berichtet Olaf Riesner-Seifert aus Ingelbach. Das Prinzip scheint bei allen dreien erfolgreich zu funktionieren. Die Gemeinschaft in Burglahr bestätigt das aus eigener Erfahrung. Zuvor wurde das Gartenprojekt mit wirtschaftlichen Akteuren aufgezogen, war aber schon bald gescheitert. Zu starr waren die Regeln und Hierarchien, zu groß der Druck, die Ernte erfolgreich vermarkten zu wollen.</p>



<p><strong>Gemeinschaftliches Gärtnern als Mehrwert</strong></p>



<p>Denn der Vermarktungsgedanke fällt bei den Gemeinschaftsgärten komplett weg. Die Ernte wird in der Gruppe aufgeteilt. Und wenn zu viel von einem Gemüse anfällt, lassen sich die Aktiven etwas einfallen. In Burglahr wurde der Überschuss im benachbarten Hofladen gegen eine Spende abgegeben. In Ochsenbruch packte die Gemeinschaft Kartoffeln in 2-3 Kilo-Säcke und bot sie im Dorf gegen eine kleine Spende an. Außerdem wurde aus dem Kohl gemeinsam Sauerkraut gehobelt. In Ingelbach werden Ernteüberschüsse entweder im Dorf verschenkt oder im Unikum-Regionalladen in Altenkirchen verkauft. Aus dem Erlös wird neues Saatgut oder neue Gartengeräte beschafft.</p>



<p>Somit zählen als „Einnahmen“ vor allem die Ernte, also hochwertiges Obst, Gemüse und Kräuter, sowie die gute Gemeinschaft. Die Ingelbacher stellen fest: „Die Gemeinschaft ist uns mindestens genauso wichtig wie das Gärtnern selbst. Das Schönste sind das gemeinsame Tun und die gemeinsamen Pausen &#8211; mit Kaffee und Kuchen und viel Spaß“. Neben der Ernte verbindet die Gruppe in Ingelbach auch, dass sie durch die Selbstversorgung und das gemeinsame Miteinander ein bisschen die Welt verändern. Gleichzeitig profitieren alle von ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Garten-Kenntnissen. „Und vielen fällt die Gartenarbeit leichter, wenn noch jemand anderes dabei ist. So kann man sich dabei unterhalten und auch mal gärtnerisch unterstützen“ ist Olaf überzeugt. In Burglahr höre ich Ähnliches: „Jeder bringt seine Fähigkeiten ein, die er hat. Auch über die Gartentätigkeit hinaus.“ Gerti erzählt, wie einmal alle an der gedeckten Tafel bei Sonnenuntergang im Garten saßen. Die Puppenspielerin aus der Gruppe führte ein kleines Mini-Theater auf. „Das war ganz wunderbar“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.</p>



<p><strong>Kleingärten ernähren die Welt</strong></p>



<p>Doch Gemeinschaftsgärten haben noch einen weiteren Vorteil. Wenn man das Prinzip von Kleingärten global betrachtet, sprechen die Zahlen für sich. Kleinbäuerliche Strukturen ernähren die Welt nach wie vor zu 70%. Die großindustrielle Landwirtschaft bringt nur ein Drittel für die Welternährung auf, ist aber für die Mehrheit der Umweltschäden verantwortlich, da sie im Gegensatz zu Kleinbauern nicht ökologisch und regional wirtschaftet. In kleinbäuerlichen Strukturen werden traditionelle und ökologische Anbaumethoden angewendet, mit weniger Pestiziden und Gentechnik. Der letzte <a href="https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/baeuerliche-und-industrielle-landwirtschaft/baeuerliche-und-industrielle-landwirtschaft-volltext.html">Weltagrarbericht </a>bestätigt dies: „Kleinbäuerliche und auf Vielfalt ausgerichtete Strukturen sind die Garanten einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lebensmittelversorgung durch widerstandsfähige Anbau- und Verteilungssysteme“. Das trifft auch auf unsere Gemeinschaftsgärten hierzulande zu.</p>



<p><strong>Herausforderung Trockenheit</strong></p>



<p>Gleichzeitig haben hiesige Gemüsebauern, ob in Gemeinschaft oder nicht, alle mit den gleichen Problemen zu tun. Zum Beispiel mit der Wasserversorgung über die Dürremonate im Sommer. Allen half das Mulchen gut über die Trockenheit hinweg. Langfristig strebt die Gemeinschaft in Burglahr eine Tröpfchenbewässerung an, um Wasser zu sparen. Doch die Kosten für die nötige Infrastruktur sind hoch. In Ingelbach bemerkt man ebenfalls, dass sich die Trockenperioden deutlich verlängert haben. Um den Wasserverlust zu reduzieren, mulcht die Gemeinschaft mit Rasenschnitt aus dem Dorf. Das Wasser kommt aus einer Regenwasserzisterne. Die war im letzten Jahr allerdings schnell aufgebraucht und es war so trocken, dass nachts kein Tau fiel. Das machte den Pflanzen arg zu schaffen. Daher will die Gemeinschaft in Ingelbach das Mulchen verstärken und insgesamt die Anzuchtzeit im Jahr früher ansetzen.</p>



<p><strong>Tipps für Gartenprojekte in Gemeinschaft</strong></p>



<p>In allen drei Gemeinschaftsgärten war die Resonanz so groß, dass die Gruppen schnell ausgelastet waren. Die Gärtnergruppen des brodvereins sowie in Burglahr sind ungefähr zehn Leute stark, in Ingelbach etwas mehr, manchmal bis zu 18. Die Gruppengröße ist variabel, doch ist sie auch ein Richtwert. Mehr als zehn sollten es zu Anfang erstmal nicht sein.</p>



<p>Die drei Gruppen haben so gute Erfahrungen gemacht, dass sie ihr Wissen gerne weitergeben an Menschen, die einen Gemeinschaftsgarten planen. Und erste Tipps geben die Hobbygärtner auch schon mit. Brunhilde Weser aus Ochsenbruch empfiehlt: „Es braucht jemanden vor Ort, der schnell reagieren kann. Oder wenigstens eine/n Koordinator*in. Abends mal schnell ein paar Kartoffelkäfer absammeln geht dann auch mal nebenbei“. Das gleiche bestätigt Olaf Riesner-Seifert: „Die Ingelbacher*innen können mal eben was vom Acker holen oder abends nach der Hitze des Tages gießen. Der Wohnort der Aktiven sollte daher möglichst nah sein.“ Außerdem empfiehlt er, dass ein Gemeinschaftsgarten am besten generationenübergreifend organisiert wird. „Am Wichtigsten ist, dass sich Menschen zusammenfinden, die nicht nur Spaß am gemeinsamen Gärtnern haben, sondern sich auch darüber hinaus verbunden fühlen. Sei es als Dorfgemeinschaft oder wie wir als „Umweltbewegte“. In Burglahr gibt Sami mit auf den Weg: „Es ist gut, kleine Schritte zu gehen, nicht zu viel auf einmal planen, was der Gruppe schnell über den Kopf wächst“.</p>



<p>Weiterhin brauche es Unterstützer*innen von außen. In Ingelbach und Burglahr sind das Landwirte aus dem Dorf, die mit ihrem Land und ihren Maschinen die Vorbereitung der Ackerfläche unterstützen. Die können wiederum auch Teil der Gartengruppe sein. Es sollten auch Mitglieder mit praktischen Erfahrungen im Gärtnern dabei sein.</p>



<p>Sowohl Burglahr als auch Ingelbach bestätigen, dass es bei Gartenarbeiten immer viel Geduld, Zuversicht und Tatkraft braucht. „Denn jedes unserer letzten 9 Gartenjahre hat bisher immer eine neue Herausforderung bereitgehalten“, stellen die Ingelbacher fest. In Gemeinschaft gelinge es noch besser, diese Herausforderungen anzusprechen, Lösungen zu finden und dies gemeinsam anzugehen. „Überhaupt ist Lernen durch Mitmachen am Schönsten, Leichtesten und Fruchtbarsten“, ist sich Olaf sicher. Wenn man dann noch neben dem Acker an der gedeckten Tafel mit frischen Leckereien aus dem Garten zusammensitzt, wird man gleich doppelt für die Arbeit belohnt.  </p>



<p>Die drei Gärten inspirieren uns, dieses Jahr den Garten zu erweitern und weitere Leute einzuladen, mitzumachen. Wenn du auch Lust hast und in der Nähe wohnst, melde dich gerne bei mir. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2024/01/14/gemeinsam-ackern-macht-froh/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Grenzen überwinden&#8230; ein Privileg</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2023/11/27/grenzen-ueberwinden-ein-privileg/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2023/11/27/grenzen-ueberwinden-ein-privileg/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Nov 2023 09:36:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=238</guid>

					<description><![CDATA[Grenzen kennen wir alle. Wir setzen Grundstücksgrenzen, akzeptieren Nationalgrenzen, kommen an unsere eigenen Grenzen. Hier geht es um nationale Grenzen. Wer einmal an einer EU-Außengrenze&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Grenzen kennen wir alle. Wir setzen Grundstücksgrenzen, akzeptieren Nationalgrenzen, kommen an unsere eigenen Grenzen. Hier geht es um nationale Grenzen. Wer einmal an einer EU-Außengrenze warten musste, bis der Ausweis geprüft war und man passieren durfte, kennt vermutlich das beklemmende Gefühl, das einen zwangsläufig beschleicht.</strong></p>



<p>Die europäische Grenze nach Afrika und zurück habe ich mehrfach mit dem Auto durchfahren. Meterhohe Mauern mit Stacheldraht und Glassplittern dienen zur Abschreckung. Bewaffnete und unfreundliche Zollbeamten tun ihr Übriges, um Nicht-EU-Bürger*innen von der Einreise abzuhalten.</p>



<p>Grundsätzlich sind Grenzen nichts Schlechtes. Nationale Grenzen sorgen dafür, dass innerhalb dieser Grenzen die Normen und Gesetze eines Landes gelten. Sich zu einer Gesellschaft zugehörig zu fühlen, ist ein ureigenes Bedürfnis des Menschen. Grenzen helfen auch, sich von anderen zu unterscheiden, sei es in individueller, kultureller oder politischer Hinsicht. Grenzen können aber auch abschotten, diskriminieren und unmenschlich sein.</p>



<p>Die Mauern werfen meterlange Schatten, Kameras beobachten jeden Schritt, Spürhunde suchen alles ab. Ich habe Glück. Mein Pass und meine hellen Haare bewahren mich vor menschenunwürdigen Durchsuchungen und grenzüberschreitenden Fragen.</p>



<p>Ich bin privilegiert. Mein Pass sorgt dafür, dass ich einfach so die Grenze überschreiten darf. Neben und hinter meinem Auto warten zahlreiche Menschen zu Fuß darauf, ein Tagesvisum zu bekommen, um ihrer Gelegenheitsarbeit auf EU-Boden nachgehen zu können. Sie haben das Pech, den falschen Pass zu besitzen. Nichts anderes trennt uns. Es ist keine besondere Leistung, einen deutschen Pass zu besitzen. Aber der deutsche Pass gehört zu den „mächtigsten“ Reisepässen der Welt. Mit ihm kann ich in 190 Länder visafrei einreisen. Afghanische Bürger*innen nur in 27 Länder. Ich muss kein monatelanges Prüfungsverfahren für ein Visum durchlaufen, in dem Antragsteller*innen ihr Privatleben offenlegen müssen und teilweise nur durch Bestechung weiterkommen. Ich kann legal einfach so ein- und ausreisen, wie es mir passt und genieße als Deutsche weltweit ein hohes Ansehen. Für andere Staatsbürger ist es lebensgefährlich, eine Grenze zu Fuß zu überschreiten.</p>



<p>Das ist ungerecht und menschenunwürdig. Eine menschliche Lösung für alle ist bisher noch nicht gefunden worden. Empirisch belegt ist aber die Tatsache, dass Einwandernde schon immer Gesellschaften bereichert haben. In sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. </p>



<p><strong>Menschen haben sich schon immer bewegt, sind in andere Länder umgezogen. Sie sind keineswegs erst in der Moderne mobil geworden. Heute ist Migration für moderne Gesellschaften nicht mehr wegzudenken.</strong></p>



<p>Die globale Migration, also die Mobilität über Kontinente hinweg, begann bereits mit dem Kolonialismus im 16. Jahrhundert. Der Sklavenhandel war dabei trauriger Höhepunkt der Entwicklung. Bis zu zwölf Millionen Menschen wurden vom 16. Bis zum 19. Jahrhundert aus Westafrika nach Amerika verschleppt.</p>



<p>Migrationsströme hat es auch schon in der <a href="https://scilogs.spektrum.de/antikes-wissen/migration-in-der-spaetantike/">Spätantike</a> gegeben. Rom war unter anderem deshalb so mächtig geworden, weil die Römer Fremde und Unterworfene zu integrieren wussten. Spanier oder Syrer konnten als freie Bewohner aller Provinzen das Bürgerrecht erhalten. Rom duldete nicht nur Zuwanderung, sondern förderte sie, ja, erzwang sie sogar. Das stabilisierte das römische Reich für lange Zeit.</p>



<p>In Europa wuchs die Migrationsbewegung besonders im 19. Jahrhundert stark an. Viele wanderten westwärts Richtung Amerika ab. Sie taten das keineswegs aus freiem Willen, sondern sahen sich durch Armut oder politischer Verfolgung dazu gezwungen. Sie migrierten aus purer Not, und nicht alle überlebten die Strapazen der langen Überfahrt.</p>



<p>Zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich das Blatt zu wenden. Nach dem Höhepunkt der Auswanderungsbewegung begann zugleich die Geschichte Europas als Einwanderungskontinent. Viele Menschen kamen aus den ehemaligen Kolonien in Hauptstädte wie London, Paris, Brüssel. Während des Wirtschaftsaufschwungs nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele Gastarbeiter nach Deutschland.</p>



<p>Auch die heutigen Bewohner*innen von Deutschland sind das Resultat einer langen Kette von Ein- und Auswanderung. Migration durchzieht die menschliche Entwicklung konstant. Keine moderne Gesellschaft würde ohne Migration existieren. Das bemerken wir unter anderem am Bedarf von Fachkräften. Millionen Menschen aus osteuropäischen Ländern arbeiten bereits seit Langem in der Pflege, in der Landwirtschaft und im Baugewerbe.</p>



<p>In Deutschland hat sich der demografische Wandel inzwischen soweit verschärft, dass Fachkräfte in nahezu allen Branchen fehlen. Um in Deutschland bis 2040 die sinkende Zahl an Erwerbstätigen auszugleichen, müssten jährlich <a href="https://www.rosalux.de/publikation/id/49454/atlas-der-migration-2022">50.000 Migrant*innen </a>zusätzlich zu arbeiten beginnen. Doch die Hürden zum deutschen Arbeitsmarkt sind weiterhin hoch. Daher wurde dieses Jahr ein vereinfachtes Fachkräfte-Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Es soll den Zuzug ausländischer Fachkräfte vereinfachen und somit die hiesige Wirtschaft unterstützen.</p>



<p>Sich abzuschotten bedeutet weniger Vielfalt, weniger Austausch, und ja, auch weniger Fachkräfte. Wir könnten viel voneinander lernen, wenn wir aufeinander zu gingen ohne Ängste. Ohne starre und ungerechte Grenzen, wenn wir uns auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen.</p>



<p>Dieser Artikel wurde auch im <a href="https://www.lg-raiffeisenland.de/regionalmagazin/">Regionalmagazin &#8222;Gutes Leben &#8211; Gutes Land&#8220;</a> veröffentlicht. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2023/11/27/grenzen-ueberwinden-ein-privileg/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Streik statt Autos auf die Straßen</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2023/03/01/protest-statt-autos-auf-die-strassen/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2023/03/01/protest-statt-autos-auf-die-strassen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Mar 2023 20:50:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=221</guid>

					<description><![CDATA[Am Freitag ist mal wieder Klimastreik. Eines der großen Themen wird die Verkehrswende sein. Diesmal streiken ÖPNV-Mitarbeitende gemeinsam mit Fridays For Future. Damit ÖPNV bezahlbar&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Am Freitag ist mal wieder Klimastreik. Eines der großen Themen wird die Verkehrswende sein. Diesmal streiken ÖPNV-Mitarbeitende gemeinsam mit Fridays For Future. Damit ÖPNV bezahlbar und attraktiv wird. Und damit die Autos endlich mal stillstehen. Das sind dicke Bretter, die gebohrt werden müssen.</p>



<p>Gerade diese Woche ist mein Auto kaputt gegangen. Hier auf dem Land ist das fatal. In meinem Dorf gibt es eine Bushaltestelle, an der zweimal am Tag ein Schulbus hält. Diese Haltestelle ist wegen einer Fahrbahnsanierung über Monate gesperrt. Die Fahrbahn wird übrigens NICHT um einen Radweg erweitert. Also muss ich meinen Sohn zur Ersatzhaltestelle… fahren. Mit dem Auto. Es klingt wie ein schlechter Witz, und ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Aber hier gibt es keine ernstzunehmende Bemühung, alternative Verkehrskonzepte auf den Weg zu bringen. Im Gegenteil. Das Bundesverkehrswegekonzept sieht vor, unserem Dorf eine dreispurige Umgehungsstraße zu verpassen, damit die LKWs noch schneller aus dem Westerwald rauschen. Und die FDP ist redlich bemüht, den Plan schnellstens in die Tat umzusetzen. Eine echte Verkehrswende sieht anders aus.</p>



<p>Ich verstehe Menschen, die sagen, dass es keinen Unterschied mache, ob wir demonstrieren oder nicht. Die sagen, dass es keinen Unterschied mache, ob wir Einweg- oder Stofftaschentücher verwenden. Es stimmt. In der Gesamtbilanz macht es keinen Unterschied, wenn ich mich im Klein-Klein verliere. Damit beruhige ich mein Gewissen, aber das Klima rette ich noch lange nicht. Ob Protest hilft, bleibt offen. Es ist möglich, dass sich politisch was bewegt, wenn sich ganz viele zusammenschließen und auf die Straße gehen. Zumindest gibt mir der Klimaaktivismus das Gefühl, politisch teilhaben zu können.</p>



<p>Aber was mich echt nervt, ist: Ich will nicht jedes Mal in Panik geraten, sobald mein Auto in die Werkstatt muss! Ich möchte eines Tages die Wahl haben, ob ich sicher mit dem Rad zur Arbeit komme, oder den Bus nehme. Ob ich mit dem Lastenrad einkaufe oder in der nächstgrößeren Stadt was trinken kann, UND danach mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause komme. Ob ich im Mama-Taxi noch jemand anderen außer meinem Kind zum Musikunterricht befördern kann. Klingt utopisch. Aber vielleicht sind wir der Utopie etwas nähergekommen, wenn mein Sohn erwachsen ist und frei wählen kann, mit welchem Verkehrsmittel er seine Mutter auf dem Land besucht.</p>



<p>Also lasst uns am Freitag auf die Straße gehen, für eine ernstgemeinte Verkehrswende. Nimmt uns jemand mit? Wir könnten eine Fahrgemeinschaft gut gebrauchen. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2023/03/01/protest-statt-autos-auf-die-strassen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Zeit läuft</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2023/02/17/die-zeit-laeuft/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2023/02/17/die-zeit-laeuft/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Feb 2023 14:48:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=199</guid>

					<description><![CDATA[Einszweidrei, im SauseschrittLäuft die Zeit; wir laufen mit. (Wilhelm Busch) Vor Kurzem hatte ich einen wichtigen Arbeitstermin, zu dem ich unbedingt pünktlich sein musste. Kurz&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center">Einszweidrei, im Sauseschritt<br>Läuft die Zeit; wir laufen mit.</p>



<p class="has-text-align-center">(Wilhelm Busch)</p>



<p>Vor Kurzem hatte ich einen wichtigen Arbeitstermin, zu dem ich unbedingt pünktlich sein musste. Kurz bevor wir das Haus verließen, bekam mein Sohn Nasenbluten. Es tropfte zielgenau auf meine sorgfältig ausgewählte Hose. Ich verließ fluchend den Flur auf dem Weg zum Kleiderschrank. In die frische Hose hüpfend hangelte ich nach Taschentüchern für die tropfende Nase. Und weil Multitasking niemals &#8211; wirklich niemals &#8211; funktioniert, brauchte das auch wieder mehrere Minuten, die mich fast in den Wahnsinn trieben. Nach einer gefühlten Ewigkeit brachen wir auf – mit einer Laune auf dem Tiefpunkt. So sieht die vielbeschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Wirklichkeit aus. Vereinbar ist da gar nix. Zerrissen trifft es wohl eher. Mareice Kaiser schreibt dazu in ihrem Buch &#8222;Das Unwohlsein der modernen Mutter&#8220;: &#8222;Wie soll ich so arbeiten, dass ich meine Erwartungen an mich selbst erfülle, genügend Geld verdiene und gleichzeitig die Mutter bin, die ich sein möchte?&#8220;</p>



<p>Zeitnot ist uns allen bekannt. Und als wäre die Zeitnot an sich nicht schon schlimm genug, setzen wir dem Ganzen noch einen drauf und überhöhen den Zeitmangel moralisch. Wer gehetzt ist, ist anerkannt. Gehetztsein und volle Terminkalender sind zu einem merkwürdigen Statussymbol geworden. „Zeit ist Geld“, ist nach wie vor die Devise. Dabei kann man ohne Geld zwar irgendwie leben, aber ohne Zeit?</p>



<p>Eltern kleiner Kinder zum Beispiel verrichten in der Woche mehr als 60 Stunden bezahlte und unbezahlte <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-schaffen-wir-mehr-zeitgerechtigkeit-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arbeit</a>. Alleinerziehende sind davon nochmal stärker betroffen. Das ist aber nicht nur im Alltag, sondern im ganzen Erwerbsverlauf ein meist ungelöstes Problem. Wer sich um Kinder oder Angehörige kümmert, muss mit finanziellen Einbußen rechnen. Spätestens bei der Rente. Ich weiß, dass ich als Alleinerziehende mit meinen minimalistischen Karriereansprüchen geradewegs in die Altersarmut rutschen werde. Das kann ich auch nur deshalb so erfolgreich ausblenden, weil ich überhaupt keine Ressourcen habe, mich um das Thema auch noch zu kümmern. </p>



<p>Was macht die stetige Zeitnot mit uns als Gesellschaft? Wir rasen immer weiter, versuchen alles, so gut es geht, unter einen Hut zu packen. Die Mittagspause? In der Zeit geh ich lieber schnell einkaufen. Ein Nachmittagsspaziergang in der Sonne? Lieber schnell die Wohnung saubermachen. Beruflich runterfahren um sich selbst zu fragen, was man eigentlich mal wollte vom Leben? Utopisch.  </p>



<p>Chronische Überforderung macht krank. Dass ich an einem chronischen Nervenzusammenbruch litt, war mir lange nicht klar und ich hatte ja auch keine Zeit, mich darum zu kümmern. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Stress als eine der größten Gesundheitsgefahren des Jahrhunderts ein. Die zunehmend hohen Anforderungen im Alltag versetzen den Körper in eine Art Daueralarm und zehren an unseren körperlichen Reserven. Das schlägt sich auch auf das Immunsystem nieder. </p>



<p>Gerade die 40-Stunden-Woche, egal ob als Eltern oder nicht, verlangt besonders viel ab. Kein Tageslicht in der Zeit von Oktober bis Februar, und praktisch unmöglich, Geschäfte innerhalb der Öffnungszeiten zu besuchen oder Arzttermine wahrzunehmen. Soviel zu den Angestellten. Selbständige haben noch nicht mal eine gesetzlich geregelte Lösung für Mutterschutz, laut <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/mutterschutz-fuer-alle-wie-schwangere-selbstaendige-fuer-gleichbehandlung-kaempfen-dlf-kultur-e6e95f9e-100.html" target="_blank">Deutschlandfunk Kultur</a>. What the fuck &#8211; Wie kann es sein, dass 70 Jahre nach Einführung des Mutterschutzes erst jetzt im Bundesfamilienministerium darüber nachgedacht wird, diesen auch für Selbständige einzuführen?! Das sind nur wenige Beispiele für Zeit-Ungerechtigkeiten. Finden ließen sich davon noch viele. </p>



<p>Zeitforscher fordern von der Politik, sich mehr dem Thema „Zeit“ zu widmen und nicht nur auf die finanzielle Daseinsvorsorge zu schauen. Es gibt Konzepte, eine Art lebenslanges Zeitkonto einzurichten. Darin ist ein Zeitvolumen für Sorgearbeit vorgesehen, ebenso wie für berufliche Weiterbildung und eine persönliche Auszeit, die sozial und finanziell abgesichert ist. Das würde die Zeitungerechtigkeit spürbar verringern. Diese Denkansätze finden allerdings nur langsam ins öffentliche Bewusstsein. Bis das politische Realität werden kann, wird wohl noch viel &#8230; joah &#8230; Zeit vergehen. </p>



<p>Bis dahin sollten wir uns – sofern das möglich ist – immer mal wieder die Frage stellen: „Muss das echt sein?“. Ist der volle Terminkalender wirklich nötig, oder können wir nicht die eine oder andere Verpflichtung streichen? Wenn uns das gelingt, bleibt plötzlich Raum für Spontanes. Mein Sohn hat ein tolles Alter um die philosophischsten und verrücktesten Fragen zu stellen. &#8222;Wer kontrolliert eigentlich den Körper &#8211; das Gehirn oder der Mensch?&#8220;, &#8222;Besteht die Seele auch aus Sternenstaub?&#8220;, &#8222;Wie entsteht ein schwarzes Loch?&#8220;. Ich liebe meinen Sohn für diese Art von Fragen. Und freue mich über die Zeit, die wir uns dafür nehmen können, über diese Fragen zu philosophieren. </p>



<p>Funfact schwarzes Loch: Wusstet ihr, dass die Zeit in schwarzen Löchern stillsteht? Ich würde mir manchmal gerne wünschen, mich in ein schwarzes Loch zu zaubern. Doch leider finde ich die Vorstellung so gruselig, durch die Raum-Zeit komplett zerrissen und zermalmt zu werden, dass ich es mir eben doch nicht wünsche. Zerrissen bin ich ja schon im Alltag. Siehe Vereinbarkeit, ha ha. </p>



<p>Wenn also die Strukturen nicht dafür gemacht sind, uns Zeit zurückzugeben, müssen wir andere Wege finden. Es gibt viele gemeinschaftliche Konzepte, die uns entlasten können. Gemeinschaftliches Wohnen zum Beispiel. Meine Hausgemeinschaft gibt mir viel, nicht nur Zeit, sondern auch das Gefühl, nicht allein auf der Welt zu sein. </p>



<p>Kürzlich habe ich über drei Gemeinschaftsgärten in der Region berichtet. Die Engagierten sind allesamt begeistert von dem Konzept: es spart nicht nur Zeit, einen Acker gemeinsam zu bewirtschaften, es macht auch viel mehr Spaß. Es könnten noch viel mehr solcher Gemeinschaftskonzepte entstehen. Menschen könnten sich ihre Arbeitsstelle mit jemand anderem teilen. Werkzeuge und Maschinen können geteilt werden, dann muss nicht alles selbst beschafft werden, was auch wieder Zeit und Geld kostet. Mitfahrgelegenheiten können zusammengelegt werden, insbesondere für regelmäßige Fahrten. Kinderbetreuungen werden unter Eltern während schulfreier Tage organisiert. </p>



<p>Und was eben auch wichtig ist, damit langfristig ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet: wir müssen darüber reden. Gehetztsein ist nicht cool, es ist kein Statussymbol. Zeitnot macht krank und tut uns nicht gut. Wir sollten die Zeitungerechtigkeit viel öfter in die Welt posaunen und uns lauthals darüber beschweren. Auch wenn wir eigentlich keine Kraft mehr dazu haben. Wir sollten Faulheit viel öfter feiern und stolz sein, wenn wir es geschafft haben, uns mal wieder richtig zu langweilen. Und wenn wir dabei netflixstreamend und pralinenfutternd auf der Couch liegen, sollten wir uns das gönnen und uns nicht schlecht fühlen. Also her mit dir, schöne Langeweile. Stay away, Zeitnot. </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2023/02/17/die-zeit-laeuft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>4</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich arbeite, also bin ich?</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2022/10/16/ich-arbeite-also-bin-ich/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2022/10/16/ich-arbeite-also-bin-ich/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Oct 2022 17:46:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=187</guid>

					<description><![CDATA[Neben meiner Teilzeitarbeit ziehe ich ein Kind groß, bewirtschafte in Gemeinschaft einen großen Garten und engagiere ich mich in Politik, Umwelt- und Klimaschutz. Das ist&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Neben meiner Teilzeitarbeit ziehe ich ein Kind groß, bewirtschafte in Gemeinschaft einen großen Garten und engagiere ich mich in Politik, Umwelt- und Klimaschutz. Das ist eine Menge und bringt mich regelmäßig an meine Grenzen. Dennoch tu ich das gerne &#8211; es sind Tätigkeiten, die mich erfüllen. Und ich glaube, dass meine gemeinnützige Arbeit sinnvoll sein kann, auch wenn sie begrenzt ist. Aber mit meinem Engagement setze ich mich automatisch der Unzulänglichkeit aus. Ich fühle mich genötigt, mich mit anderen zu messen, die mehr tun als ich. Ehrenamt ist per definitionem unvergütet, der Leistungszwang ist trotzdem da.</p>



<p>Gleiches gilt für die Care-Arbeit. Es ist selbstverständlich, Sorgearbeit in Form von Kinderbetreuung, Altenpflege oder familiäre Unterstützung zu leisten und sich dafür beruflich und finanziell einzuschränken. Und auch diese Form von Tätigkeit ist dem Leistungszwang unterworfen. Der Mythos der „guten Mutter“ mit angeborener Opferbereitschaft ist immer noch tief in den Köpfen verankert. Wer sich nicht für seine Kinder aufopfert, ist mindestens komisch. Kinderlose Menschen ohne gemeinnütziges Engagement haben es da besonders schwer. Wenn sie nicht wenigstens einen hochdotierten Job haben, fallen sie gesellschaftlich durchs Raster.&nbsp;</p>



<p>Es ist der Leistungsgedanke hinter jedem Tun oder Nicht-Tun, der mich so sehr stört. Im ersten Kennenlern-Small-Talk fällt praktisch immer als erstes die Frage „Was machst du beruflich?“. Wer beruflich oder in anderer Form nichts leistet, ist nichts wert. Dass der Mensch einen Wert an sich darstellt, völlig unabhängig davon, ob er erwerbstätig ist oder nicht, wird nicht gesehen. </p>



<p>Wo ist die so oft beschworene Vielfalt? Zur Vielfalt gehört auch, dass Menschen unterschiedliche Dinge tun, eben auch unterschiedlich viel oder wenig. Das ist nur solidarisch. Während der eine zig Ehrenämter ausfüllt, macht die andere Musik, wieder andere kümmern sich um ihre vielen Kinder und der nächste liegt am allerliebsten auf der Couch und tut nichts. Alle haben ihre Gründe dafür, viel oder wenig zu tun. Und viel schöner wäre es doch, die Gründe dafür herauszufinden und den Menschen dahinter kennenzulernen, anstatt ihn aufgrund seiner Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Ich möchte auch nicht danach bewertet werden.</p>



<p>Wir sind erwachsen, fertig mit der Schule und brauchen keine Noten mehr. Lassen wir das Bewertungsdenken hinter uns und schauen den Menschen vor uns genau an. Es lohnt sich. Wirklich immer.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2022/10/16/ich-arbeite-also-bin-ich/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Sehnsucht nach Gemeinschaft</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2022/01/30/die-sehnsucht-nach-gemeinschaft/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2022/01/30/die-sehnsucht-nach-gemeinschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Jan 2022 08:11:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektivität]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=169</guid>

					<description><![CDATA[Vor einem Jahr wurde die „Generation Corona“ heraufbeschworen und es gab dazu eine breite, öffentliche Debatte. Es hieß, junge Menschen zwischen 15 und 25 seien&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vor einem Jahr wurde die „Generation Corona“ heraufbeschworen und es gab dazu eine breite, öffentliche Debatte. Es hieß, junge Menschen zwischen 15 und 25 seien von Corona nochmal anders getroffen als Ältere. Nämlich mitten in der intensivsten Bewegungs- und Suchphase ihres Lebens. In einem Artikel wurde beschrieben, dass die Gesellschaft schon seit längerem dabei sei, zu vereinzeln. Corona habe die Situation nur deutlich verschärft. Bei all der Vereinzelung hätten wir inzwischen verlernt, was echte zwischenmenschliche Begegnung bedeutet. Insbesondere junge Menschen sehnten sich nach Begegnung, aber auch nach Kollektivität. Also dem Wunsch, sich in einer Gemeinschaft wiederzufinden. Sie wüssten aber nicht mehr, wie es geht, sich echt und authentisch zu begegnen. </p>



<p>Heute, ein Jahr später, würde ich die These noch ausweiten: Es sind nicht nur die jungen Menschen, die sich nach Kollektivität sehnen, auch wenn sie vielleicht besonders betroffen sind. Es betrifft nahezu alle Generationen, in verschiedenen Lebensphasen und -entwürfen. Und vermutlich geht es sehr vielen Menschen so, dass sie in Begegnung nicht mehr geübt sind. Ich selbst bin inzwischen regelmäßig überflutet von Reizen, sobald ich auf mehr als eine Handvoll Menschen treffe. </p>



<p>Aber trotz aller Unbeholfenheit in zwischenmenschlicher Begegnung sehnen wir uns auch nach Kollektivität. Und wer sich für eine Sache brennend interessiert, schafft es, Leute zu mobilisieren und sich kollektiv wahrzunehmen. Themen dafür gibt es ja genug. Manche fühlen sich abgehängt, von Politikern und ihren Maßnahmen überfordert. Ich selbst fühle mich von der noch viel langsameren Klimapolitik nicht ernstgenommen. Ja, und auch jene, die für eine freie Impfentscheidung und gegen Spaltung und Hetze protestieren,  sehnen sich nach Gemeinschaft. Auch wenn die treibenden Kräfte hinter den &#8222;Montagsspaziergängern&#8220; alles andere als gemeinschaftsbildend sind. Es bildet sich Widerstand, und er wächst kollektiv, in verschiedene Richtungen. Auf der Straße spüren wir die physische Begegnung. Und wenn wir im zweiten Jahr der Pandemie, ausgehungert nach Begegnungen, Beziehungen, Kontakt sind, dann freuen wir uns, auf Gleichgesinnte zu stoßen. </p>



<p>Meinen letzten Geburtstag verbrachte ich mit Freunden auf der Klima-Demo unter tausenden Menschen. Kürzlich war ich auf einer Kundgebung für Demokratie und gegen rechte Demagogie. Hannes Wader wurde zitiert:</p>



<p class="has-text-align-center">Leben einzeln und frei<br>Wie ein Baum und dabei<br>Brüderlich wie ein Wald<br>Diese Sehnsucht ist alt</p>



<p class="has-text-align-center">Sie gibt uns Halt<br>In unserem Kampf<br>Gegen die Dummheit, den Hass, die Gewalt<br>Wir Gefährten im Zorn<br>Wir Gefährten im Streit<br>Mit uns kämpft die Vernunft und die Zeit</p>



<p>Begleitet von guter Musik und friedlichen Menschen, mit denen ich mich auf irgendeine Weise verbunden fühle, ist Demonstrieren eine schöne Sache. Ich vermute, dass es den Montagsspaziergängern ähnlich geht. Somit ist es nicht nur der Inhalt, für den Menschen gerade auf die Straße ziehen, es ist auch das Spüren von Begegnung. Das verbindet uns Demonstrierende, egal aus welchem Lager. </p>



<p>Dabei stehe ich persönlich zwischen den Stühlen, denn ich demonstriere mit Freunden und Gleichgesinnten, wohl wissend, dass auf der anderen Seite Verwandte und Bekannte von mir stehen. Das gehört wohl auch wieder dazu, wenn wir uns positionieren. Aushalten, dass es gegenteilige Meinungen, Spannungen und Konflikte gibt. Das sind wir nicht mehr gewöhnt, wo wir uns in den letzten zwei Jahren so wahnsinnig gut in Zurückhaltung geübt haben. Konflikte wollen geübt werden, in Begegnungen. Konflikte die sonst am Frühstücks- oder Stammtisch ausgetragen wurden, bringen wir heute auf die Straße. Hoffen wir, dass wir dies möglichst diszipliniert, friedlich und auf Augenhöhe schaffen, im Kollektiv. Auch das ist Begegnung. ` </p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2022/01/30/die-sehnsucht-nach-gemeinschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine andere Welt ist möglich</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2020/11/12/eine-andere-welt-ist-moeglich/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2020/11/12/eine-andere-welt-ist-moeglich/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2020 17:05:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=156</guid>

					<description><![CDATA[Ich hatte kürzlich die Chance, eine Online-Veranstaltung mit zu organisieren, die spannende Impulse lieferte. Das diesjährige Thema der Veranstaltungsreihe lautete „Leben im Wandel – von&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ich hatte kürzlich die Chance, eine Online-Veranstaltung mit zu organisieren, die spannende Impulse lieferte. Das diesjährige Thema der Veranstaltungsreihe lautete „Leben im Wandel – von der Schönheit der Veränderung“. Und zwei Referenten haben mir dabei besonders gut gefallen, die ich euch kurz vorstellen möchte.</p>



<p>Da war zum einen Ulrich Grober, Publizist und Autor. Er beschrieb, dass wir vor allem Empathie bräuchten, um den Wandel zu gestalten. Seine These: </p>



<p class="has-text-align-center">„<em><a href="https://www.oekom.de/_files_media/zeitschriften/artikel/POE_2019_02_50.pdf">Empathie</a> für die Um- und Mitwelt ist eine erneuerbare Ressource, von deren Wachstum das Gelingen der Großen Transformation abhängt. Wir brauchen sie in Zukunft dringender als Seltene Erden oder Algorithmen, denn sie eröffnet Möglichkeitsräume für eine andere Welt.</em>&#8222;[1]</p>



<p>Herr Grober hat eine wunderbare Art, in seinen Publikationen Naturnähe mit Lyrik zu verbinden. Für mich ist es ein Genuss, seine Publikationen zu lesen. Ich empfehle euch daher, sofern ihr lyrische Zitate vertragt, <a href="https://original-magazin.at/essay-von-ulrich-grober">„Vom Wert der Kreisläufe“</a> zu lesen. Darin geht er auch der Frage nach, wie wir die „neue“ Zeit verbringen, die durch die Pandemie, den Lockdown freigeworden ist.</p>



<p>Der andere Referent war Tobi Rosswog. Ich las sein Buch „After Work – Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit“, schon vor zwei Jahren. Daraufhin lud ich ihn zweimal zu unserer Veranstaltungsreihe ein. Er selbst lebte zwei Jahre komplett geldfrei und verabschiedete sich irgendwann von der Idee, Karriere zu machen. Inzwischen verzichtet er nahezu komplett auf Besitztümer und teilt fast alles in der Gemeinschaft. Wohnen, Essen, Mobilität, ja sogar der Kleiderschrank und das Geld wird geteilt. Jeder bringt ein, was er kann, und nimmt sich, was er braucht. Für Tobi entstehen dabei vor allem schöne Begegnungen und gelingende Beziehungen. </p>



<p>Er selbst sagt „Wir sind keine konsumierenden, sondern vor allem transformierende Wesen“. Damit meint er, dass wir eben nicht per Einkaufszettel wählen können, wie unsere Welt aussieht. Wer glaube, dass wir mit unserem Konsum die Welt verändern können, verleugne all unsere Gestaltungsmöglichkeiten, die jenseits des Konsums liegen. Nur weil wir bio und fair einkaufen, würden die Herausforderungen unserer Zeit nicht einfach weggezaubert. Im Gegenteil, erst wenn wir weniger konsumieren, haben wir wirklich die Chance, die Umweltzerstörung zu stoppen.</p>



<p>In seinem Buch beschreibt er eine Utopie, eine Welt, die frei ist von entfremdeter Arbeit. Die Argumente, die er dabei aufbringt, sind plausibel und durchschlagend. Ich kann euch das <a href="https://after-work-buch.de/">Buch </a> sehr empfehlen.</p>



<p>Beide Impulsvorträge, von Ulrich Grober und Tobi Rosswog, haben mich gründlich zum Nachdenken angeregt. Ulrich Grober mehr philosophisch, Tobi eher pragmatisch. Beide skizzieren eine eine Welt, die anders, bestenfalls gesünder ist. Und das nicht in Endzeitstimmung, sondern ganz wunderbar lebensbejahend. Solltet ihr mal über einen Artikel oder eine Publikation von ihnen stolpern, dann lest ihn ruhig zu ende. Es lohnt sich!</p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p><a href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="https://www.oekom.de/_files_media/zeitschriften/artikel/POE_2019_02_50.pdf">https://www.oekom.de/_files_media/zeitschriften/artikel/POE_2019_02_50.pdf</a>, S. 50 ff</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2020/11/12/eine-andere-welt-ist-moeglich/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Über Vernunft, Angst und andere Gefühle</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2020/09/19/ueber-vernunft-angst-und-andere-gefuehle/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2020/09/19/ueber-vernunft-angst-und-andere-gefuehle/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2020 19:59:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=126</guid>

					<description><![CDATA[Neulich las ich einen interessanten Artikel über Vernunft und Gefühle. Seit der Aufklärung stünde die Vernunft im Vordergrund. Schon Descartes sagte 1641 Cogito ergo sum&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Neulich las ich einen interessanten <a href="https://www.publik-forum.de/Politik-Gesellschaft/der-leblosigkeit-entkommen">Artikel </a>über Vernunft und Gefühle. Seit der Aufklärung stünde die Vernunft im Vordergrund. Schon Descartes sagte 1641 <em>Cogito ergo sum</em> &#8211; <em>ich denke also bin ich</em>. Erst wenn ich denke, bin ich&#8230; Dem Denken, der Vernunft, wurde seither ein hoher Stellenwert eingeräumt und hält bis heute an. Gefühle werden kleingeredet, man spricht nicht gern über Emotionen. Das wird mir in unseren Kommunikationstrainings deutlich. Gerade im beruflichen Kontext fällt es Menschen schwer, über Gefühle zu reden. Besonders Männern. Daher freuen wir uns immer, wenn Frauen an den Trainings teilnehmen, denn Frauen gelingt es leichter, Emotionen in die Runde zu bringen. Aber in einer nach wie vor männerdominierten Gesellschaft ist es schwer, Gefühle mitzuteilen. Wer es auf die Probe stellen will, sollte mal versuchen, sich mit seinem Automechaniker über Gefühle zu unterhalten. </p>



<p>Nicht, dass ich nicht gerne rational entscheide, mir fehlen nur manchmal die Emotionen in Gesprächen. Ich zitiere aus dem Lied &#8222;Da Draußen&#8220; von Sarah Lesch:</p>



<p class="has-text-align-center">Ich weiß das, weil ich es spüren kann<br>Das ist alles, was mir blieb</p>



<p class="has-text-align-center">Ich hab keine Worte nur Tränen<br>Für die Meisten ist das nicht viel</p>



<p class="has-text-align-center">Ich weiß nicht, wem ich noch glauben kann<br>Also glaube ich meinem Gefühl</p>



<p>Es heißt weiter in dem Artikel, dass in einer Gesellschaft, in der Gefühle wenig Raum haben, bzw. Menschen ihre Gefühle nicht gut einordnen können, Angst ein leichtes Spiel hat und eine Gesellschaft schnell polarisieren kann. Etwas, das wir derzeit gut an mehreren Stellen beobachten können. In der Corona-Krise, in der EU-Flüchtlingspolitik, in den USA, und nicht zuletzt in der Klimakrise.</p>



<p class="has-text-align-center">Wer wütend ist, ist nicht wachsam<br>Und sieht nicht, was wirklich passiert<br><br>Wer Angst hat, fängt an zu beißen<br>Wer sich hilflos fühlt, funktioniert</p>



<p>Wer über Flüchtlinge schimpft, scheint seine Empathie für dessen Schicksal verloren zu haben. Aus dem Schimpfenden spricht Angst. Aber wir Menschen sind nun mal empathische Wesen, das behauptet auch die Autorin des Artikels. Und mangelnde Empathie – für andere, aber auch für sich und seine eigenen Bedürfnisse – führt dazu, dass wir uns von uns selbst entfremden. Was mich wieder an unser Konsumverhalten erinnert. Unsere Wegwerfgesellschaft ist Ausdruck großer Entfremdung. Mit uns selbst aber auch mit unserer Umgebung. Wie sonst könnte man sich erklären, dass wir uns Essen reinstopfen, das uns nicht gut tut? Dass wir einer Tätigkeit nachgehen, die uns zwar Geld bringt, die uns aber nicht im Mindesten erfüllt? Dass wir den Bezug zur Natur und unserer Umwelt so verloren haben? Wer ausschließlich rational entscheidet, läuft Gefahr, sein eigenes Wesen zu verleugnen. Die Autorin des Artikels fordert: Man solle mehr „Mut haben, zu fühlen“. Das gefällt mir. &nbsp;&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-center">Denn Mut heißt nicht, keine Angst zu haben<br>Mut heißt nur, dass man trotzdem springt</p>



<p>&nbsp;Wenn ich gefragt werde, warum ich mich genau für das Leben entschieden habe, das ich lebe, kann ich darauf keine rationale Antwort geben. Ich arbeite wenig, weil es meinem Sohn und mir guttut. Bauchgefühl. Einmal bin ich gefragt worden, warum ich noch daran glaube, dass die Menschheit den Klimawandel aufhalten kann. Es ist wohl weniger ein Glaube im theologischen Sinne als auch mehr ein Bauchgefühl. Gemischt mit Hoffnung, die trotz allem Fatalismus nicht kaputtzukriegen ist. Ja, es sieht scheiße für uns aus. Aber ich WILL einfach nicht aufhören zu hoffen, dass Generationen nach mir noch auf diesem Planeten wohnen könnten.</p>



<p>Und ja, vielleicht holt um kurz vor zwölf ein milliardenschweres Unternehmen ein längst vergessenes Patent aus der Schublade hervor, das es irgendwann einem kleinen Startup abgekauft hat, und rettet damit die Welt. Es gibt zahlreiche kluge Köpfe auf der Welt mit verrückten Ideen. Kürzlich las ich über ein Projekt aus dem Silicon Valley. Die Arktis wolle man mit winzigen Glaskügelchen bestreuen, die das Sonnenlicht von der Erdatmosphäre reflektieren, um das verbliebene Eis und somit das Klima zu schützen. Abgefahrene Idee! Keine Ahnung, was das Ökosystem davon hält, aber es zeigt, dass auch im großen Stil an Ideen zum Klimaschutz gearbeitet wird. </p>



<p>Wenn die EU heute den Ausstieg des Verbrennungsmotors für 2030 beschließen würde, bin ich mir sicher, dass die Autoindustrie zackig in die Puschen käme um Alternativen marktfähig zu machen. Und darum halte ich daran fest, mich für den Klimaschutz einzusetzen, zu demonstrieren. Vielleicht geht es gut. Sicher bin ich mir nicht. Unbestimmtes Bauchgefühl. Aber, um Sarah Lesch noch einmal zu zitieren:</p>



<p class="has-text-align-center">Denn ich hab Angst um meine Freiheit<br>Ich hab Angst nach der Wahrheit zu fragen<br>Ich hab Angst vor meiner Freiheit<br>Ich hab Angst die Wahrheit zu sagen</p>



<p class="has-text-align-center">Ich hab Angst, mich richtig zu zeigen<br>Ohne Mauern und Heiligenschein<br>Ich hab Angst, dass wieder einer der Feind sein soll<br>Ich hab Angst, der Feind zu sein</p>



<p class="has-text-align-center">Aber Mut heißt nicht, keine Angst zu haben<br>Mut heißt nur, dass man trotzdem springt<br>Und ich weiß, dass man die Angst vergisst<br>Wenn man singt</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2020/09/19/ueber-vernunft-angst-und-andere-gefuehle/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Recycling-Versuch</title>
		<link>https://mach-weniger.de/2020/04/04/ein-recycling-versuch/</link>
					<comments>https://mach-weniger.de/2020/04/04/ein-recycling-versuch/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nadja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2020 10:34:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mach-weniger.de/?p=108</guid>

					<description><![CDATA[Letztes Jahr räumten wir unser Projektbüro auf. Das g.r.i.p.s.-Büro, das wir uns zu fünft teilen, braucht ab und zu mal eine gründliche Aufräumaktion. Über die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Letztes Jahr räumten wir unser Projektbüro auf. Das g.r.i.p.s.-Büro, das wir uns zu fünft teilen, braucht ab und zu mal eine gründliche Aufräumaktion. Über die Jahre hatten wir einige Drucker angesammelt, und so vermehrten sich auch Patronen und Toner. Wir warfen sie auf einen großen Haufen und ich rief enthusiastisch: „Ich kümmere mich um die Entsorgung!“ Das war naiv. Dass Druckertoner nicht in den Restmüll dürfen, wusste ich zwar, aber nicht, wie schwierig es sein würde, den Kram zu entsorgen. &nbsp;</p>



<p>Recycling in Deutschland ist eigentlich eine bequeme Angelegenheit. Am Pfandautomaten werfe ich meine Kästen oder Flaschen ein und ab dem Moment ist es für mich wie Zauberei. Die Flasche verschwindet, ich bekomme einen Bon ausgespuckt und dazu ein gutes Gewissen, da ich als verantwortungsvoller Erdenmensch gerne recycle. Überall kann man praktisch recyceln… vom eigenen Hausmüll über Glascontainer bis hin zu Batterien-Abgabestellen. Alles passiert wunderbar unsichtbar. Ich gebe meinen Müll ab, er verschwindet, Deutschlands Wiesen sind sauber, und mein Gewissen auch.</p>



<p>Als ich in Marokko wohnte, sah die Sache anders aus. Ständig fand sich in der Landschaft grotesk viel Müll. Von Autoreifen über Bauschutt, Batterien im Sand, bis hin zum Motoröl im Flussbett. Die Berge im Hochatlas waren gesprenkelt von bunten Plastiktüten. Ich fragte einen Einheimischen, warum ausgerechnet hier, auf diesem scheinbar unberührten Fleckchen Erde so wahnsinnig viel Plastik rumfliegt. Er sagte mir, dass die Müllkippe in der Nähe keine Abdeckung hat und beim kleinsten Wind die Plastiktüten eben in die Landschaft fliegt. Hunderte Kilometer weit. Da war mein Gewissen alles andere als rein. Denn insgeheim wusste ich, dass auch Deutschlands Schuttberge, Motoröl, Plastik nicht immer lupenrein entsorgt, sondern ganz gern nach Afrika verschifft werden. Und andere Länder haben nicht die Kapazitäten, den Müll, den sie von uns Industrieländern importieren, so zauberhaft verschwinden zu lassen. </p>



<p>Zurück zum g.r.i.p.s. Mit gutem Gefühl geh ich an den Toner-/Druckerpatronenberg. Easy-peasy, denke ich. Wir haben ja ein funktionierendes Recyclingsystem, Marokkos Müllberge blende ich dabei hervorragend aus. Also setz ich mich an den Rechner und suche nach „Entsorgung Druckerpatronen“. Ich stoße auf die Website <em><a href="http://www.geldfuermuell.de">Geld für Müll.</a></em> Interessant. „Vergütung bis zu 20 €“, lese ich da. „In Deutschland landen jährlich über 44 Millionen Tonerkartuschen in der Mülltonne (&#8230;). Dies ist eine enorme Belastung unserer Umwelt“, heißt es weiter. Wunderbar, hier bin ich richtig und suche nach einer Möglichkeit, meine Toner dort aufzulisten. Die Seite entpuppt sich zwar als nicht so richtig bedienerfreundlich, aber immerhin kann ich dort die aktuellen Annahmepreise für meine Toner suchen. Tatsächlich bekäme ich aber nur für einen Toner Geld, nämlich 5 €. Tintenpatronen werde ich hier gar nicht los. Okay, dann such ich mal weiter. Vielleicht gibt es etwas einfacheres.</p>



<p>Bei <a href="http://www.printer-care.de">Printer Care</a> werde ich fündig. Hier kann man ziemlich einfach eingeben, wieviel Toner und Tintenpatronen man zurückschicken will, bekommt einen Betrag genannt und kann seine Kontaktdaten angeben. Dann kann man die Sachen einfach in einen eigenen Karton packen, druckt den Rücksendeschein auf und schickt es weg. Ob diese Zwischensammelstellen so sinnvoll sind, kann ich zwar nicht beurteilen, aber die Seite hat mir bisher am besten gefallen.</p>



<p>Es gibt auch die Möglichkeit, den Müll zurück zu den jeweiligen Herstellern zu schicken. Für HP-Tintenpatronen muss ich einen extra Rücksendeumschlag anfordern. Ich stelle zu meinem Erstaunen fest, dass der Rücksendeumschlag, aus Plastik, aus Frankreich (!) geliefert wird, dorthin sollen die Patronen auch wieder zurückgesendet werden. Mal abgesehen von den irrwitzigen Wegen, die dieser Umschlag zurücklegt um ein paar Patronen zu recyceln, bezweifle ich, dass der Plastikumschlag wiederverwendet wird. Mein Enthusiasmus ist merklich zurückgegangen.</p>



<p>Lexmark bietet Rücksendeprogramme nur für mittelgroße und große Firmen an. Hier kann man eine sogenannte „Ecobox“ anfordern, und sobald man mindestens 10 Toner zusammen hat, kann man sie beim Postamt abgeben. Leider haben wir nur 2 Toner und keinen Lexmark-Drucker mehr. Kleinere Rücksendemöglichkeiten gibt es hier nicht.</p>



<p>Außerdem lerne ich, dass wir einige Refill-Tintenpatronen haben, also Patronen, die wiederaufbereitet wurden. Sie sind günstiger als die Originale, aber die Entsorgung läuft nur noch über den Wertstoffhof. Denn nochmal aufbereiten kann man sie nicht mehr.</p>



<p>Nach dreistündiger Recherche habe ich fünf Pakete mit alten Tonern und Patronen geschnürt und auf den Weg gebracht. Übrig bleiben noch die Lexmark-Toner und die Refill-Patronen, die noch zum Wertstoffhof gebracht werden müssen. Allerdings habe ich inzwischen die Lust verloren. Der Druckermüll liegt noch brav sortiert hinter meinem Schreibtisch, als Mahnmal für meine unerledigte Arbeit und meinen lange zurückliegenden Enthusiasmus.</p>



<p>Glücklicherweise arbeite ich jetzt im Homeoffice und muss mir den Müll nicht weiter anschauen. So wird er auch nach der Corona-Krise noch auf mich warten und mich daran erinnern, wie gerne ich doch mal recycelt habe. Naja und eigentlich immer noch gerne tue. Nur eben nicht mehr mit Druckerpatronen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://mach-weniger.de/2020/04/04/ein-recycling-versuch/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
