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	<title>Punkt Magazin</title>
	
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	<description>Wirtschaft ist mehr</description>
	<lastBuildDate>Fri, 14 Jun 2013 08:58:49 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Made in Ober-Winterthur</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Jun 2013 07:56:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rino Borini</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Burckhardt Compression]]></category>
		<category><![CDATA[Kompressoren]]></category>
		<category><![CDATA[Marcel Pawlicek]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmer]]></category>
		<category><![CDATA[Winterthur]]></category>

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		<description><![CDATA[Marcel Pawlicek, der Unternehmensleiter von Burckhardt Compression im Gespräch über seine Leidenschaft zu Kompressoren und den Standort Schweiz.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/made-in-ober-winterthur/" title="Made in Ober-Winterthur">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Marcel Pawlicek, der Unternehmensleiter von Burckhardt Compression im Gespräch über seine Leidenschaft zu Kompressoren und den Standort Schweiz.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-15644" title="01_Made in Oberwinterthur" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/01_Made-in-Oberwinterthur.jpg" alt="" width="480" height="340" /><br />
</strong></p>
<p style="text-align: left;">Marcel Pawlicek ist seit 2011 Unternehmensleiter von Burckhardt Compression, der weltweiten Nummer Zwei für Kompressoren. Der hemdsärmlige Maschineningenieur kennt die Firma, seit er im Jahr 1979 seine Lehre angetreten hat. Heute ist er ihr Chef. Doch eine eigentliche Teppichetage gibt es nicht. Im achten Stock – der Boden im Korridor ist mit Linoleum bedeckt – liegt das Chefbüro: einfach, schlicht, zweckmässig. «Mein Büro ist nicht so wichtig, wir sind ein Industriebetrieb. Bei uns werden Maschinen gebaut», sagt Pawlicek und weist der Fotografin den Weg in die Fabrikhalle, wo es deutlich Spannenderes zu sehen gebe.</p>
<p style="text-align: left;">«Sämi, lauft alles? Sali Beat. Morge Urs. Christian, bisch zwäg?», so klingt es, wenn man frühmorgens mit Marcel Pawlicek durch die grosse Fabrikhalle in Oberwinterthur streift. Er grüsst mit kräftiger Stimme. Das muss er auch, denn der Lärmpegel ist beachtlich. In diesen Hallen werden die grössten Kolbenkompressoren der Welt gebaut. Der K10, der gerade auf einen Tausendfüssler verladen wird, ist immerhin der zweitgrösste, der je gebaut wurde. «Dieser geht nun nach Basel an den Rheinhafen und in wenigen Wochen wird er in Saudi-Arabien in Betrieb genommen», sagt der hemdsärmlige CEO mit geschwellter Brust.</p>
<p><strong>PUNKTmagazin_ Herr Pawlicek, Burckhardt Compression ist der zweitgrösste Produzent von Kolbenkompressoren. Ich wusste vor unserem Gespräch nicht, was ein solcher macht. Bin ich überhaupt schon mal mit Burckhardt in Kontakt gekommen?</strong></p>
<p>Marcel Pawlicek_  Aber in Winterthur waren Sie schon mal, oder? (lacht). Natürlich kamen Sie schon mit uns in Kontakt. Tagtäglich halten Sie irgendwelche Produkte in der Hand, bei deren Herstellungsprozess mit grösster Wahrscheinlichkeit Kompressoren von Burckhardt im Spiel waren. Ein Beispiel sind Kunststofftragtaschen: Mit höchster Wahrscheinlichkeit hat ein Burckhardt Compression Hyper Kompressor in der Produktionsanlage gearbeitet.</p>
<p><strong>2000 befand Sulzer, das Kompressorengeschäft sei unrentabel, und stellte es zum Verkauf frei. Fünf Geschäftsleitungsmitglieder von Sulzer Burckhardt, darunter Sie, ergriffen 2002 die Initiative. Dies war der Beginn einer wahren Erfolgsgeschichte. Was ist das Geheimrezept?</strong></p>
<p>Unsere Stärke ist der klare Fokus auf das Geschäft mit Kolbenkompressoren, das macht uns schlagkräftig. Wir bauen nicht nebenher noch irgendwelche Web- oder Petflaschenmaschinen, sondern einzig Kompressoren. Im Sulzer-Konzern war Burckhardt eben ein relativ kleines Geschäftsfeld unter vielen Divisionen.</p>
<p><strong>Seit dem Management-Buyout ist Burckhardt stark gewachsen. Wird man ab einer bestimmten Grösse nicht träge?</strong></p>
<p>Nein, überhaupt nicht. Wir haben sicherlich das Problem, dass ab und zu die Grosskonzernmentalität Einzug hält. Aber wir können immer noch flexibel und schnell agieren. Dazu braucht es flache Hierarchien und effiziente Strukturen. Zugute kommt uns, dass wir einen tollen Verwaltungsrat haben, der sehr schnell entscheidet. So haben wir beispielsweise nach dem Entscheid, in der Türkei eine Tochterfiliale aufzubauen, lediglich drei Monate gebraucht, bis diese in Betrieb war.</p>
<p><strong>Wird die Führung komplizierter?</strong></p>
<p>Nicht unbedingt, die Globalisierung ist für uns die grössere Herausforderung. Nach dem Management-Buyout hat sich alles am Winterthurer Hauptsitz konzentriert, hier spielte die Musik. Im Laufe der Jahre mussten wir unsere Prozesse – obwohl wir schon immer international tätig waren – globalisieren. Verkaufs- oder Personalrekrutierungsprozesse können wir nicht mehr nur auf den Hauptsitz beschränken. Wir müssen global leben.</p>
<p><strong>Wird der Standort Schweiz unwichtiger?</strong></p>
<p>Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Wir wollen hier nichts schliessen, sondern bauen weiter aus. Aber damit unsere Mitarbeiter im Ausland in ihren Märkten wachsen und die Kunden vor Ort besser bedienen können, müssen wir Verantwortung abgeben.</p>
<p><strong>Können Sie mit den hohen Schweizer Lohnkosten überhaupt kompetitiv produzieren?</strong></p>
<p>Natürlich, wie unsere Zahlen der vergangenen Jahre beweisen. In solchen Vergleichen werden meist nur die Lohnkosten berücksichtigt, damit muss man vorsichtig sein. Es ist schon so, dass die Löhne in den meisten europäischen Staaten niedriger sind, aber man muss das ganze «Paket Schweiz» betrachten. Dazu gehören die niedrige Steuerbelastung, die gut ausgebildeten Fachkräfte oder die Arbeitszeiten. Wir haben ja in Frankreich gesehen, wohin eine 35-Stunden-Woche führt.</p>
<p><strong>Ist der Anteil, der in Winterthur produziert wird, quantifizierbar?</strong></p>
<p>Rund 70 bis eher 80 Prozent der Maschinen werden in Winterthur hergestellt. Einen weiteren Produktionsstandort haben wir in Indien. Dort werden kleinere Prozessgas-Maschinen hergestellt. Zu Beginn nur für den indischen Markt, heute wird erfolgreich der Weltmarkt beliefert. Aber die grossen Maschinen werden in der Schweiz produziert.</p>
<p><strong>Wie wichtig ist für Sie der Werkplatz Schweiz?</strong></p>
<p>Immens. Die Marke Burckhardt steht für Qualität aus der Schweiz. Wir versuchen, unsere «Swissness» und die damit verbundene Schweizer Qualität weltweit hervorzuheben. Schon allein wegen der Mitarbeiter ist und bleibt die Schweiz für uns wichtig. Wir haben in Winterthur ausgezeichnete Mitarbeiter.</p>
<p><strong>Wie stellen Sie sicher, dass die Tochtergesellschaften Schweizer Qualität liefern?</strong></p>
<p>Indem wir die Mitarbeiter sehr intensiv schulen, auch hier am Hauptsitz Winterthur. Es ist nun mal so, dass zwischen den verschiedenen Kulturkreisen Unterschiede bestehen. Aber ich will nicht die Mentalität der Leute ändern. Doch es gibt gewisse Attribute, die wir auch von einem chinesischen Monteur erwarten. Er muss pünktlich sein, freundlich auftreten und sauber und exakt arbeiten – also all das, was wir hier gewohnt sind.</p>
<p><strong>Funktioniert es?</strong></p>
<p>Diese Eigenschaften nehmen auch Chinesen oder Inder auf. Uns ist wichtig, dass alle Mitarbeiter unsere Schweizer Qualität verkörpern. Wenn sie diese Qualitäten mal entdeckt haben, haben sie nämlich «schuurig freud» daran. Und selbstverständlich gehören auch gemeinsame Prozesse und die entsprechende Führung zum Erfolgsrezept.</p>
<p><strong>China kopiert gerne erfolgreiche westliche Produkte. Ist das auch eine Gefahr für Burckhardt Compression?</strong></p>
<p>Ja, das ist es. Ein Geschäftspartner sagte mir einmal, man könne stolz sein, wenn die Chinesen einen kopieren. Das beweise doch nur, wie gut die Produkte seien. Doch Spass beiseite. Für uns und unsere Kunden ist die Zuverlässigkeit der Maschinen extrem wichtig, sie dürfen im Produktionsprozess nie auch nur einen Tag stillstehen. Und da sind wir einfach stark, und das ist sicherlich auch eines unserer Differenzierungsmerkmale. Die Kopiererei darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.</p>
<p><strong>Viele exportorientierte Unternehmen beklagen sich über den starken Franken. Sie auch?</strong></p>
<p>Natürlich ist der tiefe Eurokurs für uns nicht von Vorteil. Das Dramatische war die Geschwindigkeit. Innerhalb von sechs Monaten ist der Kurs regelrecht zerfallen. Kurzfristig hatte dies einen negativen Margeneffekt. Aber wir verfügen über eine «natürliche» Währungsabsicherung, denn für jeden Franken, den wir einnehmen, kaufen wir für 50 Rappen Material. Dieses kaufen wir zu rund 70 Prozent im Euro- oder Dollarraum ein, weil das meiste in der Schweiz nicht erhältlich ist. Es gibt weitere Aspekte, die man berücksichtigen muss.</p>
<p><strong>Zum Beispiel?</strong></p>
<p>Die Inflation. Nehmen wir beispielsweise Deutschland. Dort betrug die kumulierte Inflation der letzten Jahre rund 10 Prozent, in der Schweiz nur zwischen 2 bis 3 Prozent. Das macht uns konkurrenzfähig. Man muss das Gesamtpaket betrachten.</p>
<p><strong>Sie erhöhen Ihre Mitarbeiterzahl ständig. Nur im Ausland oder auch hier?</strong></p>
<p>Sowohl als auch. Vor einem Jahr hatten wir in Winterthur noch rund 450 Mitarbeiter, heute sind es 500. Weitere 30 bis 40 rekrutieren wir derzeit. Mit unserer Servicestrategie müssen wir natürlich auch im Ausland Stellen aufbauen. Es macht keinen Sinn, diese Aufgaben von Winterthur aus zu pflegen. Wir müssen nahe beim Kunden sein.</p>
<p><strong>Sie haben vorhin die Zuverlässigkeit angesprochen. Wieso ist diese in Ihrer Branche derart wichtig?</strong></p>
<p>Unsere Maschinen müssen 365 Tage im Jahr effizient und ohne Unterbruch in Betrieb sein. Ein unbeabsichtigter Betriebsausfall kostet beim grössten Kompressor schnell einmal zwei Millionen, pro Tag. Derzeit sind 7000 Maschinen von uns in Betrieb. Die älteste, bei der wir Service betreiben, ist aus dem Jahr 1945.</p>
<p><strong>Deswegen verstärken Sie, nebst dem klassischen Kompressorenverkauf, auch das Servicegeschäft.</strong></p>
<p>Längerfristig soll dieser Bereich rund 50 Prozent ausmachen. Damit können wir auch die Abhängigkeit vom Neumaschinengeschäft reduzieren. Das Servicegeschäft ist spannend und wichtig. Das sagen zwar alle, handeln aber nicht entsprechend. Derzeit sind weltweit rund 75 000 Kolbenkompressoren im Betrieb. Von 25 000 ist der Hersteller nicht mehr im Geschäft. Hier wollen wir zugreifen. Unser Wissen soll auch für Maschinen eingesetzt werden, die nicht von Burckhardt gebaut wurden. In Winterthur haben wir kürzlich die Fabrik erweitert, um Komponenten für Fremdmaschinen herzustellen.</p>
<p><strong>In der Schweiz findet eine Akademisierung statt. Finden Sie überhaupt noch genügend Fachkräfte?</strong></p>
<p>Es wird immer schwieriger. Es kann nicht abgestritten werden, dass eine gewisse Akademisierung stattfindet. Da muss man Gegensteuer geben. Das duale System der Schweiz ist sensationell, dessen sind sich viele nicht genug bewusst. Und jeder Stift hat später immer noch die Möglichkeit, über den zweiten Bildungsweg eine Fachhochschule zu besuchen. Ich habe das auch so gemacht. Das ist eine super Sache, an der wir diskussionslos festhalten müssen. Und wir müssen für diese Lehrplätze Werbung machen, damit die Jungen sehen, dass es in unserem Bereich tolle Lehren gibt.</p>
<p><strong>Ihre Fluktuationsrate ist seit Jahren im einstelligen Bereich. Wie schaffen Sie es, diese so gering zu halten?</strong></p>
<p>Das hat mit unserer Firmenkultur zu tun und das ist wichtig, und zwar nicht nur auf dem Papier. Aber je grösser wir werden, desto schwieriger wird es. Als wir diese Firma 2002 übernommen haben, war alles noch sehr familiär. Für mich gilt die Devise: Nur glückliche Mitarbeiter bringen uns glückliche Kunden. Deswegen bin ich selber immer sehr nahe bei der Basis. Ich bin heute noch fast jeden zweiten Tag in der Werkstatt, schliesslich komme ich von dort, das vergesse ich nicht.</p>
<p><strong>In der Bevölkerung geht die Bedeutung der Schweiz als Industriestandort oft vergessen. Die Banken beherrschen die Schlagzeilen. Nervt Sie das?</strong></p>
<p>Das fuchst mich sehr. Das hat auch mit den Medien zu tun. Sie berichten praktisch nur noch über das Negative. Erfolgsmeldungen gehen unter. Kürzlich haben die Pilatus Flugzeugwerke ihren ersten Business-Jet vorgestellt. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Düsenjet, entwickelt und gebaut in der Schweiz. Das ist doch eine sensationelle Story und zeigt, wie innovativ, spannend und fähig der Werkplatz Schweiz ist. Geschichten wie diese gibt es noch viele, doch für die Medien sind sie kaum eine Schlagzeile wert.</p>
<p><strong>Sie wollen lieber als Unternehmer und nicht als Manager bezeichnet werden. Warum?</strong></p>
<p>Ein Unternehmer unternimmt etwas, wie es der Begriff ja schon suggeriert. Ein Manager verwaltet eher, er tut «managen». Das sind für mich schon zwei Paar Schuhe. Ich versuche, tagtäglich etwas zu unternehmen, um die Firma weiterzubringen, und das nicht nur in den nächsten fünf Jahren. Vielfach sind CEO fünf Jahre an Bord und gehen dann weiter. Wir hier bei Burckhardt sind schon fast von der Kompressoren-Leidenschaft befallen. Wir lieben unser Geschäft.</p>
<p><strong>Wie kann man eine Leidenschaft für Kolbenkompressoren entwickeln?</strong></p>
<p>(lacht) Ich habe die Lehre hier gemacht und mich dann zum Ingenieur weitergebildet. Ich habe noch gelernt, von Hand Maschinen zu berechnen, ohne Taschenrechner oder Computer. Ich kenne alle Entstehungsschritte eines Kompressors. Und wenn ich dann durch unsere Fabrikhallen laufe und den weltweit grössten Kolbenkompressor sehe, Made in Winterthur, dann läuft es mir kalt den Rücken herunter. Aber die Maschinen sind nicht das einzig Faszinierende.</p>
<p><strong>Was noch?</strong></p>
<p>Was sehr spannend ist, sind die Märkte, die wir beliefern. Dahinter steckt die ganze Energie-, Öl- und Gasindustrie. Gerade die aktuelle Schiefergasdiskussion in Amerika bietet neue Möglichkeiten. Da muss man fit sein und die ganze Welt auf dem Radar haben.</p>
<p><strong>Das Vertrauen in Wirtschaftsführer ging in den letzten Jahren verloren. Spüren Sie das?</strong></p>
<p>Wenn ich im Leben etwas gelernt habe, dann das: Man muss sich auf das konzentrieren, was man beeinflussen kann. In unserem Land passieren Dinge, die kann ich nicht beeinflussen. Also ärgere ich mich auch nicht darüber. Ich kann die überrissenen Löhne und Boni, die teils gezahlt wurden, nicht beeinflussen. Aber ich kann dafür sorgen, dass wir bei Burckhardt eine vernünftige Lohnpolitik umsetzen. Ich verstehe sehr gut, dass sich die Bevölkerung darüber aufregt. Das ist auch richtig so. Es ist einfach schade, dass aufgrund solch weniger Fälle Initiativen entstehen, die die Mehrheit der Schweizer Betriebe einschränkt. Damit müssen wir nun leben.</p>
<p><strong>Sie regen sich also nicht auf wegen der Minder-Initiative?</strong></p>
<p>Es ist schon ärgerlich, dass man sich anpassen muss, weil eine Minderheit über die Stränge geschlagen hat. Aber die Minder-Initiative ist vom Volk angenommen worden und wir müssen schauen, wie wir sie umsetzen. Obwohl es für uns ein Mehraufwand ist, rege ich mich nicht auf. Als Firma versuchen wir Einfluss auszuüben, so gut wie es geht, denn für uns ist ganz klar, dass wir den Standort Schweiz fördern müssen.</p>
<p><strong>Wie sorgen Sie dafür, dass es bei Burckhardt nicht zu irgendwelchen Exzessen kommt?</strong></p>
<p>Bei uns gilt der Grundsatz, dass das Management nichts darf, was die Mitarbeiter auch nicht dürfen. Wir haben ein einziges Reglement, und das gilt für alle: vom Fabrikarbeiter bis zum CEO.</p>
<p><strong>Marcel Pawlicek</strong>, Jahrgang 1963, hat bei Burckhardt Compression Karriere gemacht: vom Lehrling bis zum Geschäftsführer. Seit April 2011 steht er als Chief Executive Officer an der Spitze des börsenkotierten Unternehmens. Seit seiner Lehre beim damaligen Sulzer-Konzern faszinieren ihn Kolbenkompressoren. Nach seiner Weiterbildung im Technikum Winterthur zog der junge Ingenieur in die USA, wo er zehn Jahre als Verkaufschef für Nord- und Mittelamerika tätig war und internationale -Erfahrungen sammelte. Im Jahr 2000 beschloss der Sulzer-Konzern, das Kompressorengeschäft abzustossen. 2002 griffen fünf Geschäftsleitungsmitglieder, unter ihnen Marcel Pawlicek, mit der Unterstützung einer Private&#8211;Equity-Firma zu.</p>
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		<title>Fürst Marcello von Seborga</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Jun 2013 07:52:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>David Fehr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Fürst]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Seborga]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein kleines Dörfchen in Ligurien sieht sich als autonomes Fürstentum. Das Oberhaupt stammt aus der Schweiz und will jetzt Bauprojekte vorantreiben.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/furst-marcello-von-seborga/" title="Fürst Marcello von Seborga">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Ein kleines Dörfchen in Ligurien sieht sich als autonomes Fürstentum. Das Oberhaupt stammt aus der Schweiz und will jetzt Bauprojekte vorantreiben.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-15660" title="01_Fürst" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/01_Fürst.jpg" alt="" width="480" height="340" /><br />
</strong></p>
<p style="text-align: left;">Seborga mit seinen rund 300 Einwohnern ist eines jener verschlafenen Bergdörfer, wie es sie im italienischen Ligurien dutzendfach gibt. Damit gibt sich die Ortschaft aber nicht zufrieden: Seborga will nicht irgendeine Gemeinde Italiens sein, sondern ein souveränes Fürstentum. Begonnen hat der «Spuk» 1963, als sich Giorgio Carbone zum ersten Fürsten Seborgas wählen liess. Er «regierte» bis 2009. Möglich war dies, weil er sich mit der Historie seines Dorfes befasste und – wenn man ihm glaubt – Unglaubliches herausfand: Das Dorf, das 954 von einem Grafen an die Benediktiner verschenkt wurde, sei in den offiziellen Dokumenten vergessen gegangen, gehöre somit gar nicht zu Italien und habe das Anrecht auf einen eigenen Regenten. Allzu viel zu tun hat dieser freilich nicht: Seborga hat zwar Grenzen (die jeder überqueren kann), eigene Pässe (die nirgends gültig sind) und eine eigene Währung (die nirgendwo akzeptiert wird), aber keinerlei offizielle Anerkennung seitens Italien oder irgendeines anderen Staates. Als Giorgio der Erste starb, dachte der offizielle Bürgermeister denn auch, der Spuk sei vorüber. Doch er hatte die Rechnung ohne die Bürger Seborgas gemacht, denn die wollten ein Fürstentum bleiben und wählten ein neues Oberhaupt: Marcello Menegatto. Der gebürtige Luganese hat grosse Pläne- mit dem kleinen Ort: Er will Bauprojekte lancieren, Arbeitsplätze und Hotels schaffen und den Tourismus wieder ankurbeln. Das Vorbild ist das Fürstentum Monaco, wo Fürst Marcello seinen Wohnsitz hat. Ob in einigen Jahren auch Formel-1-Boliden durch die engen Strassen Seborgas donnern sollen, weiss nur Fürst Marcello.</p>
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		<title>Grenzen des Wachstums</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Jun 2013 07:51:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dmitrij Gawrisch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomen]]></category>
		<category><![CDATA[Wachstum]]></category>

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		<description><![CDATA[Staaten rund um den Globus häufen immer mehr Schulden an, um das Wirtschaftswachstum am Laufen zu halten. Könnte der Kapitalismus, dem das Wachstum quasi in den Genen steckt, freiwillig darauf verzichten? Ja, sagen führende Ökonomen.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/grenzen-des-wachstums/" title="Grenzen des Wachstums">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Staaten rund um den Globus häufen immer mehr Schulden an, um das Wirtschaftswachstum am Laufen zu halten. Könnte der Kapitalismus, dem das Wachstum quasi in den Genen steckt, freiwillig darauf verzichten? Ja, sagen führende Ökonomen. Und machen konkrete Vorschläge, wie es gelingen könnte.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-15666" title="01_Grenzen des Wachstums" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/01_Grenzen-des-Wachstums.jpg" alt="" width="480" height="340" /><br />
</strong></p>
<p><em>H</em>ochschule St. Gallen, 1972: Ein Mann und seine Frau halten einen Vortrag, der in die Geschichte eingehen wird. Dennis L. Meadows ist Ökonom, Donella Meadows Umweltwissenschafterin, zusammen sprechen sie über das Wachstum der Wirtschaft, der Industrieproduktion und der Bevölkerung, sie prognostizieren die Ernährungslage und den Rohstoffverbrauch in hundert Jahren. Sie sprechen davon, dass wichtige Rohstoffe, selbst wenn neue Vorkommen entdeckt und erschlossen werden sollten, bis zum Jahr 2100 erschöpft sein werden. Dass daraufhin die Industrieproduktion einbrechen wird. Dass die erodierten Böden nicht in der Lage sein werden, die elf Milliarden Menschen, die dann die Erde bevölkern, zu ernähren. Sie sprechen von Hungersnöten, von ausbrechenden Konflikten um knappe Nahrung und sauberes Wasser, sie sprechen vom Kollaps, vom Massensterben, von der Apokalypse. Die Meadows sind Mitglieder des Club of Rome, einer heute in Winterthur ansässigen internationalen Vereinigung führender Denker und Forscher. Die Arbeit, die sie vorstellen, trägt den Titel «Die Grenzen des Wachstums».</p>
<p>Die Studie trifft einen empfindlichen Nerv. Zum ersten Mal wagen es anerkannte Wissenschafter, die Maxime vom endlos andauernden Wirtschaftswachstum in Frage zu stellen. Und noch mehr: Sie geben der Wirtschaft die Hauptschuld an der drohenden Katastrophe. Sie verlangten ein Umdenken. Schnell. Denn der Kollaps lässt sich abwenden: Nicht alle computersimulierten Szenarien führen zur Apokalypse, doch um diese abzuwenden, wäre es notwendig, schnell und entschlossen auf die Wachstumsbremse zu treten und einen Gleichgewichtszustand anzusteuern. Was ist seither geschehen?</p>
<p>Seit 1972 hat sich die Weltbevölkerung von knapp vier auf über sieben Milliarden Menschen fast verdoppelt. Statt zu verlangsamen hat sich auch die Weltwirtschaftsleistung auf mehr als das Doppelte beschleunigt. Vor allem in den eigenen vier Wänden ist der gestiegene Wohlstand nicht zu übersehen. Noch vor 100 Jahren besass ein mittelständischer Städter rund 100 Dinge: Kleider, Schuhe, Möbel, vielleicht eine Taschenuhr, Handtücher, ein Stück Seife, eine Bibel und einige andere Bücher. Heute besitzt ein durchschnittlicher Erwachsener in Westeuropa rund 10 000 Dinge, jedes Sockenpaar, jede Unterhose, jede Halskette und jedes Küchengewürz mitgerechnet. Und ständig kommen neue Dinge hinzu, als Ergänzung, Zusatz oder Ersatz. Müssen hinzukommen. Zwingend. Sonst kann die Wirtschaft nicht wachsen. Was, da scheinen sich vor allem Politiker sämtlicher Couleur erstaunlich einig zu sein, eine Katastrophe wäre –  und zum Kollaps führte.</p>
<p>Kollaps? Hat nicht der Club of Rome schon damit gedroht, wenn die Wirtschaft nicht aufhöre zu wachsen? Wenn nun Wachstum wie Nichtwachstum gleichermassen zum Untergang führen – ist der Planet überhaupt noch zu retten?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ein unwirklich grosser Kuchen</strong></p>
<p><strong> </strong>Wer die Wirtschaft verstehen will, muss ihre Mechanik durchschauen. Und ihren Kernindikator: das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das BIP ist heute die gebräuchlichste Grösse, um die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft auszudrücken. Das BIP ist eine Zahl, eine unwirklich grosse: In der Schweiz betrug es im vergangenen Jahr 593 Milliarden Franken, die US-Wirtschaft setzte im selben Zeitraum umgerechnet 14,5 Billionen Franken um. Das BIP addiert den Wert sämtlicher Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr in den jeweiligen Ländern hergestellt, von Haushalten oder vom Staat konsumiert, investiert oder exportiert wurden. Bewertet werden die Güter entweder zu Marktpreisen (nominelles BIP) oder zu einem festen Referenzpreis (reales BIP).</p>
<p>Eine Wirtschaft wächst, wenn sie mehr Güter und Dienstleistungen anfertigt als im Vorjahr. Was das für den einzelnen Konsumenten bedeutet, hängt von der Bevölkerungsentwicklung ab: Hat die Einwohnerzahl stärker zugenommen als das BIP gewachsen ist, muss der nur leicht grössere Kuchen auf wesentlich mehr Menschen verteilt werden – das Stück, das jeder einzelne erhält, ist kleiner. Ist der Wirtschaftskuchen dagegen kräftiger aufgegangen als die Bevölkerung, kriegt jeder ein grösseres Stück ab – zumindest im Durchschnitt. Wie sich die Menschheit vermehrt, ist hinlänglich bekannt – wie aber wächst eine Wirtschaft?</p>
<p>Vereinfachend gehen Ökonomen davon aus, dass zur Herstellung von Waren und Dienstleistungen zwei Produktionsfaktoren nötig sind: einerseits menschliche Arbeit, anderseits Kapital, mit dem Anlagen wie Maschinen, Kräne, Computer, aber auch Infrastruktur wie Strassen, Schienen oder Stromleitungen finanziert werden. In einer freien Marktwirtschaft stehen Unternehmen in ständigem Wettbewerb miteinander. Wollen sie nicht nur am Markt bestehen, sondern auch Gewinne und damit Renditen für ihre Eigentümer erwirtschaften, müssen sie ihre Anlagen und Abläufe erneuern, um die Effizienz zu erhöhen und die Kosten der hergestellten Produkte zu senken.</p>
<p>Diese Investitionen führen dazu, dass die Arbeitsproduktivität stetig steigt: Waren können mit geringerem Arbeitseinsatz hergestellt werden. So geschehen auch in der Schweiz: Zwischen 1992 und 2010 nahm die Arbeitsproduktivität im Mittel um 1,1 Prozent pro Jahr zu. Steigt die Produktivität, werden in der Produktion weniger Angestellte benötigt, es droht Arbeitslosigkeit – für jeden Staat ein Albtraum, der sich von sozialen Unruhen, steigenden sozialen Kosten, wachsender Verschuldung und letztlich dem Kollaps bedroht sieht. In einer sich beständig selbst modernisierenden Wirtschaft können Arbeitsplätze nur erhalten werden, wenn es den Firmen gelingt, immer mehr Waren herzustellen und abzusetzen.</p>
<p>Wie ein Motor treibt die Effizienz das Wachstum an. Schützenhilfe erhält sie dabei von der Innovation. Der Kapitalismus, so der Ökonom Joseph Schumpeter, entwickle sich in einem Prozess «schöpferischer Zerstörung». Immer wieder entstehen neue Technologien, neue Produkte werden entwickelt, hergestellt und vermarktet – und verdrängen die bestehenden. Weil auch die Innovation sich nicht aufhalten lässt, ist die freie Marktwirtschaft strukturell auf stetiges Wachstum angewiesen. Um langfristig stabil zu bleiben, ist sie gezwungen, jedes Jahr mehr – und neue – Güter zu verkaufen.</p>
<p><strong>Sprache der Güter</strong></p>
<p><strong> </strong>Die Strategie der destruktiv-kreativen Produzenten kann allerdings nur aufgehen, wenn die Konsumenten mitspielen und ständig neue Waren kaufen. Längst dienen die meisten Produkte nicht mehr der Befriedigung grundlegender materieller Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung oder Wohnen. Vielmehr bilden sie eine eigenständige Sprache, eine «Sprache der Güter», so der Konsumforscher Russ Belk, in der nicht nur der gesellschaftliche Status, sondern auch Identität, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und Gefühle – etwa in Form von Geschenken zum Valentins- oder Muttertag – ausgedrückt werden. Konsumgüter, so der amerikanische Anthropologe Grant McCracken, bauen eine Brücke zu unseren Träumen und Sehnsüchten. Naturgemäss bleibt der Zugang zu diesen verwehrt, so dass das Bedürfnis nach weiteren Brücken bestehen bleibt. Mit anderen Worten: Die Konsumkultur lebt weiter, indem sie ständig versagt.</p>
<p>Um zu überleben, ist die Wirtschaft auf Konsum angewiesen. Dabei erscheinen das rastlose Begehren des Konsumenten und die rastlose Innovation des Unternehmers nahezu deckungsgleich. Die Produktion des Neuen mittels schöpferischer Zerstörung stimuliert beim Verbraucher die Lust auf Neues – und wird von dieser wiederum stimuliert. Es werden immer mehr Waren erzeugt, Menschen haben Arbeit und verdienen genug, um diese Waren kaufen zu können. Dieser Mechanik, die sich ständig selbst antreibt – mit gelegentlichen Hilfen vom Staat und von den Zentralbanken, wenn der Konjunkturmotor mal stockt –, scheinen keine Grenzen gesetzt. Bis in alle Ewigkeit scheint das im Kreis laufende Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage weitergehen zu können und das Wachstum anzufeuern.</p>
<p>«Ökonomen sind ökologische Analphabeten», gibt Tim Jackson, selbst Ökonom im Dienste der britischen Regierung, zu bedenken. Wie schon der Club of Rome vor 40 Jahren kritisiert auch er, dass das marktwirtschaftliche Modell unvollständig ist. Zwei entscheidende Grössen seien darin nämlich nicht enthalten: Rohstoffe und negative externe Effekte. Letztere sind schädliche Auswirkungen der Produktion und des Konsums, die nicht entschädigt werden. Dazu gehören etwa Abfallberge. Oder der Kohlendioxid-Ausstoss (CO2), der für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. Würde die Umweltverschmutzung in die Herstellungskosten eingerechnet, würden sich sämtliche Waren massiv verteuern. Andere, Billigflüge zum Beispiel, wären sogar von einem auf den anderen Tag Geschichte – die Wirtschaft würde auf einen Schlag kräftig schrumpfen.</p>
<p>Auch Rohstoffe sind in den Produktionsmodellen der Volkswirte nicht enthalten. Produktionsanlagen und Arbeitskraft alleine können nichts herstellen, sie benötigen dazu Materialien wie Metalle, Kunststoffe oder Holz als Inputfaktoren und Energie, die die Maschinen und Rechner antreibt. Die Rohstoffe auf der Erde sind aber naturgemäss begrenzt: Selbst wenn beispielsweise mit neuen Fördermethoden wie Fracking noch so viele neue Erdöl- und Erdgasvorkommen erschlossen werden – irgendwann gehen fossile Energieträger dennoch aus, weil die Ressourcen der Erde zwar riesig, aber nicht unendlich sind.</p>
<p><strong>Mythos Entkopplung</strong></p>
<p><strong> </strong>Die Befürworter des ewigen Wachstums argumentieren, dass der menschlichen Kreativität und Neugier keine Grenzen gesetzt seien, dass sie immer wieder Wege und Technologien finden werde, um rar und teuer gewordene Rohstoffe durch andere zu ersetzen. Ihr Lieblingsbegriff lautet Entkopplung. Damit gemeint sind Verfahren, die den Material- und Energieverbrauch von der Produktion trennen, halt eben entkoppeln, sollen. Fokussiert man auf die relative Entkopplung, also die Menge an Energie und Rohstoffen, die zur Herstellung einer Gütereinheit notwendig ist, scheinen die Entkoppler recht zu haben: Die globale Energieintensität ist heute um 30 Prozent niedriger als 1970. In absoluten Zahlen haben der Energieverbrauch und CO2-Emissionen jedoch um 80 Prozent zugenommen. Weil sich die Weltwirtschaft in der Zwischenzeit mehr als verdoppelt hat und zwar sparsamer, aber deutlich mehr Güter herstellt. Dieses Phänomen ist als Backfire-Effekt bekannt: Mittel, die durch gestiegene Energieeffizienz freigeworden sind, werden in die Produktion von neuen Gütern und Dienstleistungen investiert, was die erzielten Einsparungen wieder aufhebt.</p>
<p>Tim Jackson hält die Entkopplung für Schönfärberei. Und belegt dies mit handfesten Daten. Trotz der Bemühungen des Kyoto-Protokolls, die CO2-Emissionen gegenüber dem Stand von 1990 um fünf Prozent zu senken, hat der weltweite Ausstoss 2011 mit 34 Milliarden Tonnen einen neuen Spitzenwert erreicht. Damit die Erwärmung des Weltklimas die Gefahrengrenzen von zwei Grad Celsius nicht überschreitet, darf der Anteil CO2 in der Atmosphäre nach konservativer Schätzung jedoch 450 ppm (parts per million, Teile pro Million) nicht überschreiten. Um 450 ppm zu erreichen, muss die Kohlenstoffintensität bis 2050 von aktuell rund 770 Gramm CO2 pro Dollar Wirtschaftsleistung auf 36 Gramm CO2 pro Dollar fallen, schätzt die Uno. Technologische Verbesserungen müssten die CO2-Intensität also jährlich um acht Prozent senken. Und dies ist erst das optimistische Szenario, das davon ausgeht, dass die Weltbevölkerung neun Milliarden nicht überschreitet und das aktuelle Arm-Reich-Gefälle bestehen bleibt. Nimmt man jedoch an, dass die Wirtschaften der ärmeren Länder aufholen, dann müsste die weltweite Energieintensität auf 14 Gramm CO2 pro BIP-Dollar sinken. Das hiesse, dass die technologische Effizienz jedes Jahr um 11 Prozent zunehmen müsse. Aktuell nimmt sie um magere 0,7 Prozent zu.</p>
<p>Aber auch innerhalb des herkömmlichen volkswirtschaftlichen Modells stockt nicht erst seit der Finanzkrise das Wachstum. Zum einen haben Haushalte Schulden angehäuft, die weiteren Konsum abwürgen: So lagen beispielsweise private Schulden in Grossbritannien im Mai 2013 mit 1,4 Billionen Pfund nur knapp unter dem BIP. Gleichzeitig erkennen immer mehr Menschen, dass materieller Wohlstand nicht mit Lebensqualität gleichzusetzen ist. Untersuchungen geben ihnen Recht. So zeigen Studien, dass das Glücksempfinden im Westen trotz anhaltendem Wachstum in den letzten drei Jahrzehnten nicht zugenommen hat. Güterüberfluss kann Glücksgefühle sogar abwürgen: Ernährungswissenschafter haben herausgefunden, dass ein mit Lebensmitteln bis oben gefüllter Kühlschrank eine Belastung sein kann: Der Konsument fühlt sich moralisch unter Druck gesetzt, all die Lebensmittel aufzuessen, bevor sie verderben – ein nervenaufreibendes Rennen gegen die Zeit und den Körper, der mit überflüssigen Kalorien vollgestopft wird.</p>
<p><strong>Wege aus dem Wachstumsdilemma</strong></p>
<p><strong> </strong>Die Menschheit scheint in einem selbst erzeugten Wachstumsdilemma gefangen. Auf der einen Seite verschlingt eine expandierende Wirtschaft immer mehr Ressourcen, gefährdet das Klima und nötigt die Konsumenten, immer mehr einzukaufen, ohne dass der Konsum sie zufriedener macht. Auf der anderen Seite drohen Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen, sollte das Wachstum aufhören. Beide Wege scheinen im Kollaps zu enden. In seinem soeben neu aufgelegten Standardwerk «Wohlstand ohne Wachstum» plädiert Tim Jackson für einen dritten Weg: die Grenzen des Wachstums nicht länger zu leugnen und das Wachstum kontrolliert zurückzunehmen.</p>
<p>Mit einer ökologischen Ökonomie könnte dies gelingen, ist Jackson überzeugt. Dazu müssten allerdings sowohl die beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital als auch der «Konsumismus» auf der Nachfrageseite angegangen werden. Wenn die Arbeitsproduktivität infolge von Investitionen und Innovationen stetig steigt und dies ein Prozess ist, der nicht verlangsamt werden kann (und soll), dann muss in einer Wirtschaft, die nicht mehr wächst, notwendigerweise die Arbeitszeit sinken. Bedeutet Verzicht auf Wachstum zwangsläufig Arbeitslosigkeit? Nein, meint Jackson, man müsse nur die vorhandene Arbeit gleichmässiger auf die Bevölkerung verteilen: kürzere Arbeitszeiten, kürzere Arbeitswoche, mehr Freizeit für alle – bei gleichbleibenden Löhnen.</p>
<p>Was nach einer Utopie klingt, wurde zwischen 1980 und 1995 in der EU bereits mit Erfolg angewendet. Die steigende Arbeitsproduktivität wurde durch drei Prozent mehr Freizeit aufgefangen. In den letzten fünfzehn Jahren allerdings drehte der Trend, der Zuwachs an Arbeitsproduktivität ging zurück, und die Arbeitszeiten stiegen wieder – und zwar um acht Prozent gegenüber 1995, damit das Wirtschaftswachstum anhalten konnte.</p>
<p>Das Problem zuneige gehender Ressourcen werden gleichmässiger verteilte Arbeitszeiten aber kaum lösen. Der Übergang in eine nachhaltige, kohlenstoffarme Wirtschaft ist mit gigantischen Investitionen verbunden. Um den weltweiten CO2-Ausstoss zu halbieren, müssten jährlich 2,1 Billionen Dollar, also drei Prozent des weltweiten BIP von aktuell 70 Billionen Dollar, aufgewendet werden, schätzt PricewaterhouseCoopers. Allein die Umwandlung sämtlicher Energiesysteme dürfte nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur 35 Billionen Dollar verschlingen – mehr als das Doppelte des aktuellen US-amerikanischen BIP.</p>
<p>Um Investitionen in erneuerbare Energien, saubere Technologien, grünes Unternehmertum, Klimaanpassung oder die Stärkung natürlicher Ökosysteme zu tätigen, steht ein zeitlich enges «Nachhaltigkeitsfenster» offen. Investieren wir zu langsam, gehen die Ressourcen aus, ehe Alternativen entdeckt sind. Investieren wir jedoch zu schnell, würgen wir die Wirtschaft ab und riskieren, dass nicht mehr genug Mittel für die Investitionen zur Verfügung stehen.</p>
<p>Wer soll die Investitionen in eine nachhaltige Wirtschaft finanzieren? «Ohne Konsumverzicht geht es nicht», sagt Jackson. Und meint damit, dass Mittel der privaten Haushalte, die derzeit in den Konsum fliessen, vermehrt gespart und investiert werden sollen – auf die Höhe des BIP hätte diese Umverteilung erst einmal keinen Einfluss, weil sich die Wirtschaftsleistung aus Konsum, Investitionen und Nettoexporten addiert. Auch Pensionskassen könnten Teile des von ihnen verwalteten Vermögens in die nachhaltige Aufrüstung investieren.</p>
<p><strong>Freiwillige Einfachheit</strong></p>
<p><strong> </strong>Jackson ist nicht so naiv zu glauben, dass allgemeine Abmahnungen, dem Konsumismus abzuschwören, genügen würden. Erst müssten dominante gesellschaftliche Strukturen gebrochen werden. Wie etwa der wenig produktive Statuswettbewerb, der normalerweise mit erhöhtem Materialverbrauch und seelischer Not einhergeht. In seinem Buch «Affluenza» belegt der Psychologe Oliver James, dass Gesellschaften mit ausgeprägter Einkommensungleichheit wie etwa die USA und Grossbritannien tiefer in der «sozialen Rezession» stecken als Gesellschaften, in denen Einkommen gleichmässiger verteilt sind, wie beispielsweise Japan, Finnland, Norwegen oder Schweden.</p>
<p>Deshalb schlägt Jackson vor, Lohnstrukturen grundsätzlich zu überarbeiten. Bisher hat die Wirtschaft vor allem Wettbewerb und Materialismus belohnt, selbst dann, wenn sie sich als sozial schädlich erwiesen. Würde man die sich daraus ergebende Ungleichheit der Einkommen verringern, wäre das ein wichtiges Signal, um zu zeigen, auf welche Werte es in der Gesellschaft ankommt. Mehr Anerkennung für Menschen, die sich um Kinder, Kranke, Alte oder Behinderte kümmern oder ehrenamtliche Arbeit leisten, würde die Anreize verschieben; weg vom Statuswettbewerb hin zu einer kooperativen Gesellschaft, in der ein Leben in «freiwilliger Einfachheit», wie es Mahatma Gandhi nannte, möglich wäre, ohne gleich ausgestossen oder als «alternativ» belächelt zu werden.</p>
<p>Dass das nicht zwangsläufig ungesund wäre und sogar das Sozialsystem entlasten könnte, zeigt das Beispiel Kubas. Die Wirtschaft der Insel brach nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 zusammen, da plötzlich das subventionierte sowjetische Öl fehlte. Die Kubaner mussten – zugegebenermassen unfreiwillig – den Gürtel enger schnallen, was in der Folge allerdings zu einer verbesserten Gesundheit führte: Die Kalorienaufnahme sank um ein Drittel, die Fettleibigkeit ging um die Hälfte zurück, es gab weniger Diabetes, weniger Herzerkrankungen, weniger Schlaganfälle – Gesundheits- und Pflegekosten gingen markant zurück. Gestiegen ist dafür die Anzahl körperlich aktiver Erwachsener: Sie hat sich verdoppelt.</p>
<p><strong>Neuer Gesellschaftsvertrag gefordert</strong></p>
<p><strong> </strong>Eine nachhaltige, ökologische Ökonomie, die sich im Gleichgewicht (steady state) befindet und in der die Menschen ein «gutes Leben» führen, erscheint also nicht nur nötig, sondern auch möglich. Zu klären bleibt, wie sie zu erreichen wäre. Dass der Markt sich besinnt und von heute auf morgen nachhaltig wird, erscheint wenig realistisch: Schliesslich war er es, der das aktuelle Wachstumsdilemma erst verursacht hat. Auf die Mündigkeit und Selbstverpflichtung des Verbrauchers zu vertrauen, erscheint ebenfalls gefährlich: Der Wirtschaftshistoriker Avner Offer hat herausgefunden, dass, wenn der Mensch auf sich allein gestellt ist, seine Entscheidungen in den meisten Fällen hoffnungslos kurzsichtig ausfallen.</p>
<p>Bleibt noch der Staat, oder vielmehr die Staaten, denn ein Staat allein kann den Wandel nicht bewältigen. Der Staat ist oft am besten in der Lage, gesellschaftliches Vermögen zu identifizieren und zu schützen. Zwar sind staatliche Renditen normalerweise niedriger als kommerzielle, dafür haben Investitionen oft einen längeren Zeithorizont. Freilich ist auch der Staat eine Geisel des Wachstumsdilemmas: Allzu oft hat er sich bislang darauf beschränkt, das Wachstum anzukurbeln.</p>
<p>Tim Jackson schwebt vor, dass Rousseaus Gesellschaftsvertrag zwischen der Politik und Bürgern wiederbelebt wird. Der Wandel soll gemeinsam und demokratisch erarbeitet werden – und nicht etwa diktatorisch verordnet. Der Ökonom fordert von der Wirtschaft, dass sie sich am Dialog beteiligt, statt sich mit Lobbymilliarden gegen den Wachstumsstopp zu wehren. Denn geschieht nichts, wird die Ökonomie, wie ein Baum, der immer mehr und immer schwerere Früchte trägt, früher oder später unter der Last des ständigen Wachstums zusammenbrechen. Wie es der Club of Rome schon vor 40 Jahren vorhergesagt hat. Noch immer lässt sich der Kollaps abwenden. Aber die Uhr tickt schneller. <sup> </sup></p>
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		<title>Hoi Nachbar</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Jun 2013 09:27:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Claudia Thoeny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Ländle]]></category>
		<category><![CDATA[Liechtenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Prinz Michael von und zu Liechtenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Fürstentum Liechtenstein kommt den meisten nicht viel in den Sinn: Kleiner Staat, ein Fürst, Steuerparadies und wenn es hoch kommt, der Slogan «Mal besser. Malbuner.» Die Autorin hat sich über die Grenze gewagt – und kam staunend zurück.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/hoi-nachbar/" title="Hoi Nachbar">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Zum Fürstentum Liechtenstein kommt den meisten nicht viel in den Sinn: Kleiner Staat, ein Fürst, Steuerparadies und wenn es hoch kommt, der Slogan «Mal besser. Malbuner.» Die Autorin hat sich über die Grenze gewagt – und kam staunend zurück.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-15656" title="01_Hoi Nachbar" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/01_Hoi-Nachbar.jpg" alt="" width="480" height="340" /><br />
</strong></p>
<p>Wenn man in der Bündner Herrschaft aufwächst, nimmt man das angrenzende Fürstentum Liechtenstein nicht als Nachbarland wahr, sondern als Region hinter der St. Luzisteig, dem kleinen Pass zwischen Maienfeld und dem Liechtensteiner Ort Balzers. Hinüber ins Fürstentum führte an sonnigen Sonntagen manchmal die Velotour mit den Eltern. In einer Gartenbeiz wurden wir mit einem kühlen Rivella belohnt, bevor wir die Steigung in die heimische Richtung in Angriff nahmen. 8,5 Kilometer Luftlinie. Ein Katzensprung. Bis auf zwei unscheinbare Grenzsteine vor Balzers deutet nichts darauf hin, dass hier ein anderer Staat beginnt: kein Zoll, keine Schranke, dafür gleiche Sprache, gleiche Währung – unexotischer kann Ausland kaum sein. Dass der zwischen der Schweiz und Österreich liegende Zwergstaat trotz der vermeintlich grossen Ähnlichkeit durchaus exotische Züge aufweist, die einem bei einem Kurzbesuch wahrscheinlich nicht auffallen, zeigen zehn ausgewählte Fakten. Zum Beispiel die Tatsache, dass ein Wohnsitzwechsel in den «kleinen Kanton» ein ungemein schwierigeres Unterfangen darstellt. Die scheinbar inexistente Grenze wird sichtbar, sobald man als Schweizer oder EWR-Bürger – von anderen Staaten ganz zu schweigen – nach Liechtenstein übersiedeln möchte. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht.</p>
<p>Mit 160 Quadratkilometern Fläche – davon sind zwei Drittel Berge – ist Liechtenstein noch winziger als der zweitkleinste Schweizer Kanton Appenzell Innerhoden. Mit seinen 36 000 Einwohnern zählt es jedoch mehr als doppelt so viele Bürger. «Bei einem so kleinen Land ist ein freier Personenverkehr aus Platzgründen nicht möglich», begründet Brigitte Haas, stellvertretende Geschäftsführerin der Liechtensteinischen Industrie- und Handelskammer, die Einwanderungsbeschränkung. Wem die Ehe mit einer Liechtensteinerin oder einem Liechtensteiner vergönnt ist, braucht für eine Wohnsitzbewilligung Geduld, Glück – und gute Gründe.</p>
<p>Als EWR-Mitgliedstaat gilt auch fürs «Ländle» die volle Personenfreizügigkeit, doch dies wäre weder im Sinne des Landes noch der anderen EWR-Mitglieder. Beide befürchten, dass zu viele EU-Bürger in den steuergünstigen Staat ziehen würden, was im bodenknappen Liechtenstein die Immobilienpreise in die Höhe schnellen liesse und den anderen Ländern Steuerausfälle bescheren würde. «Deshalb kann unser Land  jährlich nur 64 Wohnsitz-Anträge aus dem Ausland gutheissen, davon 56 für Erwerbstätige und 8 für Nichterwerbstätige – natürlich mit Familiennachzug», fügt Brigitte Haas an. Aus allen Anträgen wählt die Regierung 28 aus, die sie direkt bewilligt. «Wenn etwa ein Liechtensteiner Unternehmen einen neuen CEO erhält, der in Paris lebt, so genehmigt ihm die Regierung seinen Antrag vermutlich direkt.» Die restlichen Anträge kommen in einen Topf, aus dem die übrigen 36 Bewilligungen im Zufallsverfahren gezogen werden.</p>
<p>Bei der Wohnsitzvergabe sind laut Haas Distanz und wirtschaftlicher Nutzen entscheidende Kriterien. Je wichtiger der Erwerbstätige fürs Land und je grösser die Entfernung zu seinem jetzigen Wohnort, umso höher die Chancen auf eine Bewilligung. In den meisten Fällen jedoch ist die «Grenzgängerschaft» zumutbar, was bedeutet, dass grenznah wohnende Schweizer, Österreicher oder Deutsche, die in Liechtenstein arbeiten, pendeln müssen – womit wir bei Fakt Nummer drei sind: Täglich strömen 17 000 Grenzgänger nach Liechtenstein. Das Fürstentum hat gleich viele Arbeitsplätze wie Einwohner. Zum Vergleich: die Schweiz hat «nur» halb so viele Stellen wie Einwohner. Von den 36 000 Einwohnern Liechtensteins ist abzüglich der Rentner und Kinder die Hälfte erwerbstätig, die andere Hälfte der Arbeitnehmer pendelt täglich aus den Nachbarländern hinüber. «Unser Land ist ein Jobmagnet», sagt Christian Hausmann, Leiter des Amts für Volkswirtschaft in Liechtenstein. Grosse internationale Industrieunternehmen wie Hilti, ThyssenKrupp Presta oder OC Oerlikon Balzers sind im kleinen Land angesiedelt und machen, zusammen mit den rund 3900 im Gewerbe tätigen Unternehmen, 40 Prozent der nationalen Bruttowertschöpfung aus. Finanz- und Dienstleistungssektor steuern je ein Drittel bei. «Sieben Prozent unseres Bruttoinlandprodukts von 5,3 Milliarden Franken stecken wir in Forschung und Entwicklung, damit unser Werkplatz auch künftig die Innovationsführerschaft behält», sagt Hausmann stolz. «Ab drei Prozent gilt ein Land laut OECD als wirtschaftlich nachhaltig.»</p>
<p>Liechtenstein ist wie kaum ein anderes Land auf eine hohe Anzahl Grenzgänger angewiesen. Doch auch der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung ist erstaunlich hoch: 33 Prozent der Einwohner sind Ausländer.<strong> </strong>Davon stammt ein Drittel aus der Schweiz, ein Drittel aus Deutschland und Österreich und ein weiteres Drittel aus Italien, Ex-Jugoslawien, der Türkei und weiteren Ländern. Darunter befanden sich per Mitte letzten Jahres 29 Asylbewerber beziehungsweise vorläufig Aufgenommene.</p>
<p>Umgekehrt leben 8000 Liechtensteiner im Ausland, die meisten in der Schweiz. Hausmann relativiert: «Abwanderung oder Landflucht ist kein Thema. Im Gegenteil, die Zahl der Einwohner wächst stetig.» Warum auch ein Land verlassen, das keine Staatsverschuldung kennt, das noch höhere Löhne zahlt und noch weniger Steuern einfordert als die Schweiz? Ein Land, dessen Kaufkraft mit 70 000 Franken pro Kopf fast doppelt so hoch ist wie die schweizerische? «Na ja, Liechtenstein ist ein Provinzstaat. Möchte man etwa aus beruflichen Gründen in einem städtischen Umfeld leben, so bleibt einem gar nichts anderes übrig als wegzugehen», weiss Brigitte Haas aus eigener Erfahrung. Und so manchen verschlage auch die Liebe ins Ausland, was bei einer Landeseinwohnerzahl, die der einer Kleinstadt entspricht, nicht verwundert.</p>
<p>Die Liebe war es auch, die aus Sandro Kalberer einen «Liachtaschtaner» machte. Das steht zwar nicht auf seinem Pass, fühlt sich in seinem Herzen aber so an. Der gebürtige Melser lebt seit sechs Jahren mit seiner Liechtensteiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Balzers. «Als meine Frau schwanger wurde, mussten wir schnell heiraten, denn ich durfte ja bis dahin nicht bei ihr in Liechtenstein wohnen.» Für Kalberers war klar, dass das Fürstentum ihre Heimat sein soll. Seinen Schweizer Pass hat Sandro Kalberer behalten, denn diesen hätte er für den Liechtensteiner Pass abgeben müssen – Doppelbürgerschaften sind nicht üblich. Doch auch mit der Aufenthaltsbewilligung B lasse es sich bestens leben: gutes Salär, niedrige Steuern. «Aber die Immobilienpreise», setzt er entgegen, «die sind hier horrend!» So müsse man für eine «normale» Eigentumswohnung mit viereinhalb oder fünf Zimmern an die 800 000 Franken einrechnen.</p>
<p>«Bodenflächen sind aufgrund der kleinen Grösse des Landes ein knappes Gut, was sich auch in deren Preisen widerspiegelt», erklärt Christian Hausmann. Diese beginnen bei 2000 Schweizer Franken pro Quadratmeter, wobei es sich dabei um eher günstiges Industrieland handelt. Bei besseren Wohnlagen steigt der Quadratmeterpreis schnell auf 10 000 Franken, Grenzen nach oben gibt es nicht. So entscheiden sich denn Liechtensteiner – abgesehen von der ausländischen Liebe oder dem Wunsch nach Urbanität – vor allem aufgrund der Immobiliensituation dafür, das kleine grosse Wirtschaftsparadies zu verlassen.</p>
<p>Den Drang nach der Stadt oder einer günstigeren Wohnung verspürt Sandro Kalberer nicht. «Im Liechtenstein fühle ich mich Zuhause und vollkommen integriert. Der Dörfligeist stört mich nicht, im Gegenteil. Ich habe mich aktiv darum bemüht, hier Anschluss zu finden.» Deshalb sei er mehreren Dorfvereinen beigetreten und habe mittlerweile auch eine Arbeitsstelle in Vaduz.</p>
<p>An etwas hat sich der Auswanderer allerdings lange nicht gewöhnen können. «Egal, ob man per Sie oder per Du ist, hier grüssen sich alle mit einem ‹Hoi› – das ‹Grüezi› gibt es nicht.» Es habe eine Zeit lang gedauert, bis er verstanden habe, dass «Hoi Herr Kalberer» nicht von Überheblichkeit zeuge, sondern von Liechtensteiner Freundlichkeit.</p>
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		<title>Spielen von Trends</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Jun 2013 06:25:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Kalhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Investierbares]]></category>
		<category><![CDATA[Anleger]]></category>
		<category><![CDATA[Index]]></category>
		<category><![CDATA[Trend]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer neue Länder, Themen, Regionen und Branchen werden Anlegern zugänglich gemacht. So entsteht ein kontinuierlich wachsender Irrgarten an Themenanlagen. Neben der Auswahl stellt sich auch die Frage, welcher Trend sich überhaupt bezahlt macht.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/investierbares/spielen-von-trends/" title="Spielen von Trends">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Immer neue Länder, Themen, Regionen und Branchen werden Anlegern zugänglich gemacht. </strong><strong>So entsteht ein kontinuierlich wachsender Irrgarten an Themenanlagen. Neben der Auswahl stellt sich auch </strong><strong>die Frage, welcher Trend sich überhaupt bezahlt macht.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><img class="aligncenter size-full wp-image-15669" title="01_Spielen von Trends" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/01_Spielen-von-Trends.jpg" alt="" width="480" height="340" /><br />
</strong></p>
<p>Der Spruch, mit dem ein japanischer Autohersteller während Jahren erfolgreich geworben hat, trifft auch auf die Welt der Finanzprodukte zu: Nichts ist unmöglich. Anlegern bietet sich eine schier endlose Auswahl an Aktien, Obligationen, strukturierten Produkten, Anlagefonds oder börsenkotierten Indexfonds – quasi ein Garten Eden der Finanzprodukte. So weit das Investorenauge reicht, eröffnen sich laufend neue Investitionsmöglichkeiten, das Angebot wächst kontinuierlich. Bei steigender Vielfalt wird die Beantwortung einer Kernfrage jedoch immer schwieriger: Wie spielt man Trends?</p>
<p>Am einfachsten werden sie mit Zertifikaten umgesetzt. Immer neue strukturierte Produkte auf vermeintliche Boom-Länder, profitable Strategien und verheissungsvolle Anlagethemen werden aufgelegt. In den letzten Jahren konnten Anleger somit von Trends wie Nachhaltigkeit, Infrastruktur oder den sogenannten Frontier Markets profitieren. Heute gibt es für nahezu sämtliche Länder, Regionen, Branchen und Themen das passende Indexzertifikat, mit dem Anleger eins zu eins an der Wertentwicklung des Basiswertes partizipieren. Ihr grösster Vorteil ist, dass sie mit einer einzigen Investition eine breite Diversifikation sicherstellen können. Mit Indexprodukten können Anleger unkompliziert in Trends investieren – ganz nach dem Motto «The trend is your friend». Doch diese Börsenweisheit kann schnell zur Binsenweisheit werden.</p>
<p><strong>Wie Trends entstehen</strong></p>
<p><strong></strong>Die Zahl der angebotenen Börsenbarometer ist in der jüngsten Vergangenheit geradezu explodiert – die Schätzungen reichen bis zu einer Million. Dank der Vielfalt können Anleger nahezu jede beliebige Meinung mit dem passenden Barometer umsetzen. Dort, wo die Indexwelt Grenzen hat, wird einfach ein Korb aus Aktien kreiert. Diese können aus unterschiedlichen Branchen stammen, verfügen jedoch über einen gemeinsamen Nenner – eine thematische Schnittstelle oder den gleichen Wachstumstreiber wie beispielsweise Wasser oder Alternative Energien. Damit der Diversifikation Rechnung getragen ist, investieren diese Körbe in der Regel in mindestens acht bis zehn Wertpapiere. Im Vergleich zu Indexzertifikaten haben Basketprodukte einen entscheidenden Nachteil: Ihre Zusammensetzung und die Gewichtung werden von den Produktanbietern festgelegt und sind daher schwer nachzuvollziehen. Zusehends kreieren die Anbieter von strukturierten Produkten selber Indizes, doch auch hier mangelt es an Transparenz. Erst durch die Berechnung durch einem Indexanbieter ist die Unabhängigkeit gewährleistet.</p>
<p>Langfristige Trends entstehen meist nach einem ähnlichen Muster: Ein Land erlebt einen wirtschaftlichen Aufschwung oder ein Anlagethema findet sich, warum auch immer, in den Schlagzeilen der Wirtschaftspresse. Dies passiert oftmals noch unbemerkt von der grossen Öffentlichkeit. Anschliessend werden für das Thema passende Anlageprodukte kreiert. Da besonders strukturierte Produkte in kürzester Zeit lanciert werden können, sind sie die ersten, die den Trend bedienen. Die Preisentwicklung eines Index oder Korbes kann in einem bestimmten Verhältnis – 1:1 oder 1:100 – nachvollzogen werden. Dadurch können auch kleinere Beiträge in Indizes mit hohen Zählerständen angelegt werden. Kreiert werden die Produkte je nach Nachfrage. Darüber hinaus können die Zertifikate je nach Kundenwunsch mit weiteren Merkmalen ausgestattet werden wie beispielsweise einem integrierten Kapitalschutz, einer Währungsabsicherung oder einem Hebel.</p>
<p>Deutlich länger dauert es, bis Trendthemen mit Fonds abgedeckt werden können. Grund sind die höheren Initialkosten und die Tatsache, dass grössere Vermögen benötigt werden, um den Fonds rentabel zu gestalten. Häufig ist es so, dass strukturierte Produkte mit der Zeit von Kollektivanlagen abgelöst werden, wenn sich ein Trend nachhaltig positiv entwickelt. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Seltenen Erden, auf die es bereits seit einigen Jahren passende Basket-Zertifikate gibt. Aber erst vor einem Jahr lancierte die UBS auch einen passenden ETF auf Unternehmen, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung und Verarbeitung Seltener Erden erzielen.</p>
<p><strong>Verwirrende Namensgebung</strong></p>
<p><strong></strong>Die Seltenen Erden sind eines der zahlreichen Trendthemen der vergangenen Jahre. Dabei ist die Bezeichnung eigentlich eine Mogelpackung, denn die Metalle sind nicht selten, sondern nur schwer zu schürfen. Im Detail handelt es sich dabei um 17 chemische Elemente mit Namen wie Terbium oder Dysposium, die über wertvolle Eigenschaften verfügen und vor allem in High-Tech-Geräten wie Smartphones und Laptops verarbeitet werden. Ebenfalls zum Einsatz kommen sie bei Zukunftstechnologien wie Elektroautos und Solarpanele. Es ist nachvollziehbar, dass durch den technischen Fortschritt und die wachsende Nachfrage nach Alternativen Energien auch der Bedarf nach den Metallen steigt. Doch der Begriff gibt einen falschen Anreiz für den Kauf eines Produkts, weil er auf einen Mangel hindeutet. Da zudem nicht direkt in die Rohstoffe investiert werden kann, wird mit Zertifikaten und ETF auf die Entwicklung der Unternehmen gesetzt. Diese Firmen schürfen aber zumeist auch andere Rohstoffe, was eine reine Anlage in Seltene Erden nahezu unmöglich macht. Für Anleger ist es daher unumgänglich, sich kritisch mit den abgebildeten Wertpapieren auseinanderzusetzen. Nur so kann vermieden werden, dass man zwar das richtige Pferd meint, aber auf das falsche setzt. Auch mit Ölsand- und Schiefergas-Zertifikaten wird nicht direkt in den Rohstoff investiert. Ziel ist es, von einer alternativen Energiequelle zu profitieren. In den Indizes und Baskets sind ausschliesslich Unternehmen vertreten, die sich mit der Erschliessung, Förderung und Vermarktung des Rohstoffs beschäftigen.</p>
<p>Zahlreiche neue Anlagethemen sind mit dem Aufstieg und Wachstum der Schwellenländer verbunden, wobei China klar die Hauptrolle spielt. Mit rund 60 Prozent der Weltbevölkerung erwirtschaften die Wachstumsstaaten Asiens bereits rund 29 Prozent der globalen Wertschöpfung. Oxford Economics schätzt, dass der Anteil bis 2036 auf knapp 50 Prozent ansteigen wird. Beeinflusst von Globalisierung und demografischem Wandel wächst in den Ländern Asiens die Mittelschicht. Damit geht ein steigender Energie- und Rohstoffhunger einher, und auch der Konsum wächst, ebenso der Bedarf an Infrastrukturen.</p>
<p>So schafft der Aufschwung in den Schwellenländern neue Trends für Investoren. Eines der beliebtesten Themen der letzten Jahre war Infrastruktur. In den aufstrebenden Nationen fehlt es an Strassen und Schienen, Wasser- und Müllabfuhrsystemen. Somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Emittenten reihenweise neue strukturierte Produkte auf den Markt werfen. So können Anleger entweder gezielt in den Infrastrukturausbau eines bestimmten Landes oder in das Thema allgemein investieren. Der Infrax Infrastruktur-Index beispielsweise umfasst die 50 grössten internationalen Unternehmen aus dem Bereich. Je nach Gusto kann das jeweilige Produkt auf die passende Region oder Wachstumsstory ausgewählt werden.</p>
<p><strong>Welt ohne Grenzen</strong></p>
<p><strong></strong>Zahlreiche Banken bieten eine breite Palette an solchen Themenzertifikaten an. Darüber hinaus sind sie bestrebt, immer mehr Weltregionen abzudecken. Die Royal Bank of Scotland hat sogar eine eigene Weltkarte geschaffen, auf der ersichtlich ist, welche Länder bereits investierbar sind. Neben Industrie- und Schwellenländern gehören immer mehr sogenannte Frontier Markets wie Vietnam, Marokko oder die Mongolei dazu. Im Vergleich zu den Schwellenländern verfügen die Staaten der nächsten Generation über ein tieferes Einkommensniveau, einen geringen Binnenkonsum und ein weniger entwickeltes Finanzsystem. Jedoch sind die Länder vielfach auch nur gering verschuldet. Ihr Potenzial besteht oftmals in reichen Bodenschätzen und sie locken mit hohen Wachstumsraten.</p>
<p>Doch so spannend die Investmentstories auch klingen, so aussichtsreich die Prognosen, so vielversprechend die Studien über Wachstumsperspektiven – so ernüchternd fallen die tatsächlichen Renditen der verschiedenen exotischen Länderinvestitionen aus. Während Thailand in den letzten drei Jahren 112 Prozent zulegte, verloren Vietnam und Marokko mehr als 20 Prozent. Der Index für die Mongolei gab im letzten Jahr rund 60 Prozent nach, derjenige für Nigeria stieg um mehr als 60 Prozent. Ebenfalls durchwachsen ist die Entwicklung der Themenanlagen. Die vielversprechenden Seltenen Erden verloren innerhalb eines Jahres mehr als 50 Prozent, Ölsand 22 Prozent. Im Bereich der Alternativen Energien ist das Bild durchwachsen: Wasser erzielte auf drei Jahre mit 30 Prozent das grösste Plus. Solar- und Windenergie schwächelten in den vergangenen Jahren, holen aber seit Jahresbeginn kräftig auf. Auch der Index auf erneuerbare Energien, in dem Unternehmen aus den Branchen Wind, Solar, Wasser, Erdwärme, Brennstoffzellen und Bioenergie vertreten sind, liegt 2013 nach drei Verlustjahren im Plus.</p>
<p>Diese Themen zeigen, wie sich Trends eben auch entwickeln können. Zu Beginn ist der Hype riesig und Anleger springen auf den Zug auf, um von den Wachstumschancen zu profitieren. Doch oft schwindet die anfängliche Euphorie schnell – und nach wenigen Jahren ist der Trend ausgebrannt oder wartet zumindest auf neuen Zündstoff.</p>
<p><strong>Umfangreiche Analyse nötig</strong></p>
<p><strong></strong>Wie gelingt es, die aussichtsreichen Trends aufzuspüren? In erster Linie gilt es, das Anlagethema genau zu hinterfragen und es in einen gesamtheitlichen Portfoliokontext einzubetten. Sinn machen häufig Core-Satellite-Portfoliostrukturen, bei denen das Portfolio in zwei Segmente aufgeteilt wird. Ein nach klassischer Theorie optimiertes Portfolio bildet den Kern, der langfristig und eher konservativ ausgerichtet sein sollte. Zusätzlich zum Kern werden einige Einzelinvestments eingegangen. Die Satelliten gelten als Renditetreiber und sind mit einem höheren Risiko verbunden, ermöglichen es jedoch, sich schnell und flexibel an Marktveränderungen anzupassen. Und genau als diese Satelliten eignen sich Themen- und Länderinvestitionen.</p>
<p>Bei der Zusammensetzung der Indizes und Baskets sollte das Hauptaugenmerk auf mögliche Klumpenrisiken gelegt werden. Das gleiche Unternehmen kann nämlich in verschiedenen Produkten enthalten sein, wie etwa der Energie- und Automatisierungstechnikriese ABB. Die Aktie findet sich in Infrastruktur-Zertifikaten auf verschiedene Länder ebenso wie im Energiebereich. Ist ein Anleger zusätzlich im SMI investiert, hat er ein beträchtliches Übergewicht der ABB-Aktie. Um solche Konzentrationen zu vermeiden, muss die Zusammensetzung der Indizes genau studiert werden. Am besten sind Barometer mit einem klaren Regelwerk.</p>
<p>Wichtig ist auch die Frage, ob der Inhalt zum Titel passt. In vielen exotischen Ländern wie beispielsweise der Mongolei haben ausländische Marktteilnehmer keinen direkten Zugang zu den jeweiligen Börsen. An ihre Stelle treten dann oft Unternehmen, die hohe Umsätze im entsprechenden Land erzielen. Dabei darf nicht vergessen gehen, dass Investitionen in exotische Staaten per se höhere Risiken aufweisen. Die Gefahr eines politischen Umbruchs besteht ebenso wie Liquiditätsengpässe, die die Handelbarkeit der Aktien erschweren. Auch die Tatsache, dass es sich bei strukturierten Produkten um Schuldverschreibungen handelt und Anleger somit ein Emittentenrisiko eingehen, sollte nicht vergessen werden. Dasselbe gilt für Fremdwährungsrisiken.</p>
<p><strong>Nicht jeder Hype ist ein Trend</strong></p>
<p><strong></strong>Index- und Basketzertifikate sind zwar einfach und transparent, doch oft werden Dividenden nur teilweise an die Anleger ausgeschüttet. Was man in jedem Fall vermeiden sollte, ist der Herdentrieb, also das blinde Aufspringen auf einen Trend. Denn nicht selten ist dieser mehr Hype als Trend, der dank geschicktem Marketing seitens der Banken aufgebaut wird. Es kann daher sinnvoller sein, Unternehmen, die von den Megatrends profitieren, selbst auszuloten und deren Aktien zu kaufen, statt auf einen breiten Basket zu setzen.</p>
<p>Die Produktauswahl ist eine Herkulesaufgabe, die der Anleger selber meistern muss. Und auch wenn sie getroffen ist, kehrt keine Ruhe ein, denn schliesslich will ein Depot gepflegt und gehegt werden. Klar ist, das Anlageuniversum wird weiter wachsen – zurzeit um die Trends Social Media und 3D-Printing –, was die Sache für Anleger nicht einfacher macht. Sie sehen sich mit einer weiter und weiter wachsenden Produktvielfalt konfrontiert, einem wuchernden Produktdschungel, einem Irrgarten Eden.</p>
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		<title>Ein Drink an der Bar mit Eva Bräutigam</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Jun 2013 15:37:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Nill</dc:creator>
				<category><![CDATA[Genüssliches]]></category>
		<category><![CDATA[Anzüge]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Bräutigam]]></category>
		<category><![CDATA[Feinmassschneiderin]]></category>
		<category><![CDATA[Zigarren]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Zigarren rauchende Massschneiderin mit Box-Vergangenheit. <a href="http://www.punktmagazin.ch/genussliches/ein-drink-an-der-bar-mit-eva-brautigam/" title="Ein Drink an der Bar mit Eva Bräutigam">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Die Ostschweizerin Eva Bräutigam ist seit 2010 selbständige Feinmassschneiderin für Damen- und Herrenanzüge. Zuvor verbrachte sie viel Zeit in Südamerika und startete eine Karriere als Boxerin. In ihrer raren Freizeit geht sie auch schon mal mit den <em>Cuisine sans Frontière</em> in eine brasilianische Favela und unterrichtet die Frauen in Damenschneiderei. Zu all diesen Aktivitäten schmaucht sie am liebsten eine Zigarre. Sie ist noch keine 30.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/Bräutigam_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-15757" title="Bräutigam_01" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/Bräutigam_01.jpg" alt="" width="480" height="340" /></a><br />
</strong></p>
<p><em>So viel wird bei unserem Treffen mit Eva Bräutigam schnell klar: Mit dieser jungen Frau könnte man sich eigentlich stundenlang über alles unterhalten. Die weitgereiste hat einen entsprechend weiten Horizont und offenen Geist. Wir sprachen dann doch fast nicht über ihre Box-Vergangenheit, ihren Nebenjob als Zigarrenberaterin oder ihre Freiwilligenarbeit in einer Favela in Salvador de Bahia in Brasilien. Schliesslich interessierte uns vor allem etwas: Wie zieht Mann sich eigentlich korrekt an?</em></p>
<p><em>Wir treffen Eva Bräutigam mitten an einem Samstagnachmittag in der Zürcher Altstadt, in der Tina-Bar.</em><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Christian Nill</em>_Frau Bräutigam, bevor wir loslegen die wichtigste aller Fragen in einer Bar: Was trinken Sie?</strong></p>
<p><em>Eva Bräutigam</em>_Wasser! (lacht) Abends gerne ein Glas Rotwein. Oder einen Rum. Dazu eine Zigarre – perfekt.</p>
<p><strong>Was für einen Rum empfehlen Sie?</strong></p>
<p>Einen <em>Rum Nation Panama</em>. Das ist ein sehr feiner.</p>
<p><strong>Weshalb haben Sie sich gerade die altehrwürdige Tina-Bar für unser Treffen ausgesucht?</strong></p>
<p>Die Tina-Bar ist noch einer der wenigen Orte in Zürich, wo man drinnen noch rauchen darf. Und ich finde es sehr schön und gemütlich hier.</p>
<p><strong>Trifft man Sie oft hier?</strong></p>
<p>Ab und zu, im Sommer weniger, weil man dann die Zigarre draussen rauchen kann.</p>
<p><strong>Auch ein Entscheidungskriterium.</strong></p>
<p>(lacht) Ja, es ist von der Zigarre abhängig.</p>
<p><strong>Auch von der Länge der Zigarre?</strong></p>
<p>Eine Zigarre dauert zwischen 40 und 60 Minuten. Man nimmt sich Zeit dafür. Ich gehe nicht schnell, schnell in die Tina-Bar, um eine Zigarre zu rauchen.</p>
<p><strong>Es ist nach wie vor ein ungewohntes Bild: Eine Frau mit Zigarre. Solche Frauen stechen immer sofort aus der Masse.</strong></p>
<p>Das ist so. Es gibt nur wenige Frauen, die Zigarren rauchen. Mir wäre es lieber, es wären mehr. Dann würde ich nicht mehr so auffallen&#8230; Das kann auch unangenehm sein. Schliesslich möchte ich meine Zigarre in Ruhe geniessen.</p>
<p><strong>Sie waren als Teenager in einem Austauschjahr in Honduras. Haben Sie dort das Zigarrenrauchen entdeckt?</strong></p>
<p>Nein, das war schon früher.</p>
<p><strong>Ach ja? Wie denn?</strong></p>
<p>Durch einen Bekannten. Der ging regelmässig nach Kuba und brachte immer die guten Zigarren zurück in die Schweiz. Ich fands wahnsinnig toll. (lacht) Dafür habe ich nie Zigaretten geraucht.</p>
<p><strong>Geben Sie viel Geld aus für dieses Hobby?</strong></p>
<p>Es ist sicher eher ein teures Hobby. Wenn ich eine Zigarre rauche, dann soll es schon eine gute sein.</p>
<p><strong>Das heisst?</strong></p>
<p>15 bis 25 Franken sind es schnell pro Zigarre.</p>
<p><strong>Wie erleben Sie denn den aktuellen Zeitgeist mit seinem Hang, alles immer stärker zu regulieren oder gar zu verbieten. Wie zum Beispiel das herrschende Rauchverbot in öffentlichen Räumen.</strong></p>
<p>Ich finde es schade. Zigarren rauchen schafft wunderbaren Genuss, also schöne Momente. Ich glaube nicht, dass es positive Auswirkungen hat, wenn man erwachsenen Menschen den Genuss verbietet.</p>
<p><strong>Was ist Ihrer Meinung nach der Grund, dass man heutzutage so schnell nach der Verbotskeule greift?</strong></p>
<p>(überlegt) Das kann ich nicht beantworten. Ich finde es einfach schade.</p>
<p><strong>Engagieren Sie sich politisch?</strong></p>
<p>Also ich bin natürlich an die Urne gegangen, als über das Rauchverbot und die Verschärfung abgestimmt wurde. Eine Zigarre kann ich allerdings immer irgendwo rauchen, wenns sein muss. Engagiert bin ich daher in anderen Bereichen, die für mich grössere Dringlichkeit haben.</p>
<p><strong>Sie sprechen von Ihrem sozialen Engagement in einer brasilianischen Favela?</strong></p>
<p>Ja. Ich habe in Salvador de Bahia im Rahmen von <em>Cuisine sans Frontière</em> bei einem Projekt mitgearbeitet. Dort half ich vormittags in einer Art Suppenküche beim Kochen und nachmittags unterrichtete ich die Frauen aus der Favela im Schneidern.</p>
<p><strong>Warum haben Sie das gemacht?</strong></p>
<p>Wir leben hier doch in einem ziemlich grossen Luxus. Da kann man auch ein Stückchen abgeben und denen helfen, die viel, viel weniger haben. Ausserdem finde ich es schön, Bildung weitergeben zu können. Dieses Engagement ist mir dann schon wichtiger, als gegen das Rauchverbot zu kämpfen.</p>
<p><strong>Das eine hat mir dem andern nichts zu tun. Im fernen Brasilien unterstützen Sie Menschen, denen es nicht so gut geht. Ein Akt der Solidarität. Hier sind Sie selber betroffen, es geht um Ihre Heimat.</strong></p>
<p>Ja, aber mir fehlt die Zeit dafür.</p>
<p><strong>Sie sind zu viel in Ihrem Schneideratelier.</strong></p>
<p>Genau. Wenn Sie einen Laden kennen, wo man Zeit kaufen kann, bin ich froh um einen Tipp. (lacht)</p>
<p><strong>Sind Sie ein angepasster Mensch?</strong></p>
<p>Nicht nur.</p>
<p><strong>Wo nicht?</strong></p>
<p>Schwierige Frage. Ich falle durchaus auf. Zum Beispiel wenn irgendwo südamerikanische Musik läuft, bin ich die erste, die zu tanzen anfängt.</p>
<p><strong>Was tanzen Sie?</strong></p>
<p>Salsa, Samba – einfach das ganze südamerikanische Programm.</p>
<p><strong>Haben Sie das auch bei Ihrem Austauschjahr in Honduras gelernt?</strong></p>
<p>Nein, schon früher, hier in der Schweiz. Da war ich 14. Ich bin schon sehr früh in die Latino-Szene eingetaucht. Dort habe ich es gelernt.</p>
<p><strong>Bei einem waschechten Latino-Macho.</strong></p>
<p>Am liebsten gleich bei mehreren.</p>
<p><strong>Ach ja?</strong></p>
<p>(lacht) Nein, ich meine, wenn man einen ganzen Abend tanzt, dann tanzt man natürlich mit verschiedenen Tanzpartnern und lernt von allen etwas.</p>
<p><strong>Lassen Sie sich dann einen Abend lang einladen, oder bezahlen Sie selber?</strong></p>
<p>Nein, ich bin sehr eigenständig. Ich warte nicht, bis man mich einlädt. Ich bezahle selber.</p>
<p><strong>Tanzen Sie in High Heels oder flachen Schuhen?</strong></p>
<p>High Heels!</p>
<p><strong>Autsch.</strong></p>
<p>Das geht wunderbar. Die spürt man gar nicht mehr während des Tanzens.</p>
<p><strong>Eigentlich wollte ich über Männermode mit Ihnen sprechen.</strong></p>
<p>Sie führen. (lacht)</p>
<p><strong>Was machen Sie eigentlich genau?</strong></p>
<p>Als Damen- und Herrenschneiderin decke ich so ziemlich das ganze Gebiet ab, das mit Feinmassbekleidung zu tun hat: Bei den Damen sind das Blusen, Anzüge, Hochzeitskleider. Nur die Unterwäsche beziehe ich bei Zimmerli. Der Beruf Herrenschneider ist heute selten geworden, den gibt es fast nicht mehr. In diesem Bereich arbeite ich nach altem, traditionellem Handwerk. Ähnlich wie bei Rahmengenähten Schuhen, die man sich auf Mass machen lässt, arbeite auch ich mit den verschiedensten Einlagen. Diese sind alle von Hand pikiert.</p>
<p><strong>Einlagen für Herrenanzüge?</strong></p>
<p>Das sind eine Art Unterstoffe, die dem Anzug Stärke geben. Bei einem Konfektionsanzug sind sie lediglich lose geklebt. (<em>Sie greift nach dem Veston, in dem der Fragende steckt.</em>) Ich arbeite jedes Einzelteil von Hand ein. Die Einlagen bestehen aus Kamel- oder Rosshaar.</p>
<p><strong>Zur Begriffsklärung: Was ist denn Masskonfektion, also dieses Zwischending zwischen Konfektion und einem Feinmassanzug?</strong></p>
<p>Da nehme ich zwar die Masse des Mannes auf, der Anzug wird dann aber in einer Fabrik produziert. Beim Feinmass mache ich alles selber, den Schnitt zeichne ich nach den Kundenmassen. Bis ein Anzug fertig ist, braucht es rund drei bis vier Anproben.</p>
<p><strong>Und dann sitzt der Anzug perfekt.</strong></p>
<p>Genau.</p>
<p><strong>Klingt nach einer Menge Arbeit. Können Sie gut davon leben?</strong></p>
<p>Ich lebe davon. Ich arbeite viel, das ist klar. Es ist ein echter Handwerkerberuf. Aber ich arbeite gern. Es ist mein Traumberuf.</p>
<p><strong>Auf Ihrer Homepage heisst es, dass man bei einem Herrenfeinmassanzug ab 5500 Franken im Geschäft ist. Da müssen Sie ja mindestens zwei Anzüge pro Monat produzieren, das sich das rechnet.</strong></p>
<p>Es kommt auch noch drauf an, wie man lebt. (lacht) Ich lebe recht bescheiden.</p>
<p><strong>Wie lange haben Sie für einen Feinmassanzug?</strong></p>
<p>Man rechnet schon einen guten Monat, inklusive Anproben. Daneben bleibt natürlich genügend Zeit für kleinere Aufträge wie Jupes, Blusen, Hosen und so fort.</p>
<p><strong>Das Ausgangsmaterial dürfte auch nicht gerade wenig kosten.</strong></p>
<p>Ja, das Material ist kostbar. Ich arbeite mit englischen und italienischen Stoffen für Feinmassanzüge.</p>
<p><strong>Erklären Sie uns den Unterschied?</strong></p>
<p>Der macht sich vor allem bei der Musterung bemerkbar. Englische Stoffe sind sehr traditionell, klassisch. Starke Stoffe, gradlinig und klare Muster.</p>
<p><strong>Also viel Glencheck und Karos.</strong></p>
<p>Ja. Die gibt es natürlich auch bei den italienischen Stoffen. Wenn man sie jedoch miteinander vergleicht, sieht man, dass beim italienischen eine Art Hauch oder Nebel über dem Stoff liegt. Schwierig zu erklären. Der englische Stoff hingegen ist ganz klar.</p>
<p><strong>Die italienischen Anzüge wirken meistens viel eleganter, filigraner, auch moderner. Wohingegen die englischen etwas Konservatives, auch Robustes ausstrahlen.</strong></p>
<p>Die englische Mode in diesem Bereich ist definitiv robuster.</p>
<p><strong>Welches sind weitere Unterschiede zwischen der italienischen und der englischen Herrenanzugphilosophie?</strong></p>
<p>Das sind äusserliche Merkmale. Zum Beispiel Knöpfe. Die sind entweder küssend oder nebeneinander liegend.</p>
<p><strong>Ach jetzt wirds spannend.</strong></p>
<p>Von küssenden Knöpfen spricht man, wenn die Knöpfe leicht übereinander zu liegen kommen. Wie bei Ihrem Veston. (<em>Sie greift erneut nach dem Veston des Fragenden.</em>) Bei englischen Anzügen braucht man eher die nebeneinander liegenden, bei italienischen die küssenden.</p>
<p><strong>Das ist ja eigentlich keine Überraschung. Im königlichen England küsst man sich ja eigentlich auch nicht in der Öffentlichkeit.</strong></p>
<p>Nein. (lacht)</p>
<p><strong>In Italien gibt es diesen schönen Begriff für Männer: eine <em>bella figura</em> machen. Das heisst, dass sich ein Mann gut anzieht, dass er gut aussieht in seinem Anzug. Die Anzüge sind auch sehr körperbetont geschnitten.</strong></p>
<p>Das ist so. Bei mir wird das bei Feinmassanzügen allerdings von allen Kunden gewünscht, egal ob italienische oder englische Verarbeitung. Feinmassanzüge sollen heute körperbetont und elegant sein.</p>
<p><strong>Auch wenn der Monsieur, nun sagen wir: horizontal eher herausgefordert ist?</strong></p>
<p>Wie meinen Sie das?</p>
<p><strong>Wenn er einen dicken Bauch hat.</strong></p>
<p>(lacht) Dann ist es zu tailliert nicht wirklich möglich. Aber wir reden von Feinmass, wo man perfekt auf den Körper schneidert. Der Anzug wird so zu einer zweiten Haut für den Herrn.<em> </em></p>
<p><em>Wie man sich als Mann gut anzieht, welche Männer Eva Bräutigam gefallen und weshalb sie einen Hang zum Konservativen hat sowie diverse stimmungsvolle Bilder sehen Sie im vollständigen Bargespräch auf </em><em><a href="http://bar-storys.ch/" target="_blank">Bar-Storys.ch</a>.</em><br />
<em> </em><br />
<em> </em><a href="http://www.bar-storys.ch/" target="_blank"><img title="barstorys_ch-weblogo300x125" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2000/09/barstorys_ch-weblogo300x125.jpg" alt="" width="100" height="42" /></a></p>
<p><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/06/Bräutigam_02.jpg"></a><br />
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		<item>
		<title>Sonntag ist Tatort-Tag</title>
		<link>http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/sonntag-ist-tatort-tag/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Jun 2013 05:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stine Wetzel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizer Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Tatort]]></category>
		<category><![CDATA[Til Schweiger]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist vom «Tatort» die Rede, wird oft und gerne der Begriff «Kult» bemüht. Wie aber ist die einst gelbstichige Fernsehreihe zu dieser Ehre gekommen? Dem Kultkrimi auf der Spur.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/sonntag-ist-tatort-tag/" title="Sonntag ist Tatort-Tag">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Ist vom «Tatort» die Rede, wird oft und gerne der Begriff «Kult»  bemüht. Wie aber ist die einst gelbstichige Fernsehreihe zu dieser Ehre  gekommen? Dem Kultkrimi auf der Spur.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_078_b.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-15246" title="No43_078_b" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_078_b.jpg" alt="" width="480" height="340" /></a></p>
<p>«Dieses ganze Rumgeblute.» Der Polizeichef bringt es auf den Punkt. Im neuen Hamburger Tatort wird geblutet, viel geblutet: Til Schweiger gibt als Kommissar Tschiller sein Debut in der beliebtesten deutschsprachigen Krimireihe. Als Macho-Ermittler und emotionaler Halbtrottel mischt er einen Zuhälter-Clan auf.</p>
<p>Schon vor der Erstausstrahlung am 10. März gingen die Wogen hoch. Der grosse Til Schweiger hatte so seine Allüren: Sein ursprünglich für ihn vorgesehener Rollenname Tschauder gefiel ihm nicht. Und ohne seine Entourage (Tochter Luna, Kollege Fahri Yardim und seine Produktionsfirma für die Pressearbeit) ging sowieso gar nichts. Trotzdem – oder gerade deshalb – schalteten in Deutschland an diesem Sonntagabend 12,57 Millionen Zuschauer (33,5 Prozent Marktanteil) ein. Nur der krimi-komödiantische Münsteraner Tatort kam mit zuletzt 12,81 Millionen Zuschauern noch näher an den Rekord aus dem Jahr 1993 heran: Manfred Krug brachte es damals als Kommissar Stoever auf 12,83 Millionen.</p>
<p>Montag für Montag diktiert sich der neueste Tatort von selbst in die Agenda der Medien. Die Quote wird besprochen («er hat sie alle in den Schatten genuschelt», Die Welt), die Kommissare («Yardim ist eine Wucht», Tagesanzeiger), Plot und Machart («ironisch überhöhte Macker-Action», Spiegel Online). Tatort ist Thema. Tatort ist Kult, ungebrochen. Christian Hissnauer, Medienwissenschafter und selbst mit den Fällen des 80er-Jahre-Ermittlers Schimanski aufgewachsen, untersucht an der Universität Göttingen die medialen Lobeshymnen und Verrisse über den Tatort. Das ist eines der Teilprojekte der Forschergruppe «Ästhetik und Praxis populärer Serialität», die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. «Seit die ARD-Krimireihe läuft, besprechen die Zeitungen sie», sagt er. «Bereits Götz George als Schimanski wurde in Grund und Boden geschrieben.»</p>
<p>Der Schweiger-Tatort war die 865. Folge. Produziert wurde sie vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), wie schon der erste Fall im Jahr 1970. Aktuell ermitteln 21 Teams in allen deutschsprachigen Ländern. Jährlich werden rund 40 neue Folgen ausgestrahlt – bei 52 Sonntagen im Jahr ist der Tatort eine regelmässig wiederkehrende Grösse im Terminkalender der Fans. Zehn deutsche, ein Schweizer und ein österreichischer Sender verantworten die Episoden.</p>
<p>Medienwissenschafter Hissnauer sieht im föderalistischen Prinzip, nach dem der ARD zugearbeitet wird, auch das Erfolgsrezept der Krimireihe: «Kein anderes Fernsehformat ist so anpassungsfähig. Auf der Folie vom Beständigen – Kommissare und Themen – wird Neues ausprobiert. Die abwechselnden Ermittlerteams erlauben auch mal einen strategischen Fehltritt. Jeder Tatort-Sonntag ist eine Überraschung.» Zusammengehalten wird die Reihe vom 1970er-Jahre-Vorspann mit dem inzwischen berühmten Fadenkreuz und der Titelmelodie. Dass die Zuschauer am angestammten Intro hängen, zeigte sich an den Reaktionen, als sich Til Schweiger über den Vorspann mokierte: «Dämlich» sei der. «Selber», hallte es von Seiten der empörten Fans zurück.</p>
<p><strong>Unterhaltung für drei Generationen</strong></p>
<p>Mit einem Marktanteil von rund einem Drittel flimmert der Tatort regelmässig an die deutsche Marktspitze. In Österreich zeigt sich annähernd das gleiche Bild. Die Schweiz hinkt hinterher – es sei denn, es wird ein hierzulande produzierter Tatort gezeigt. Aber ist das wirklich Kult? Für Rainer Winter, Kulturwissenschafter an der Universität Klagenfurt, sind Kulte die «Manifestation des Populären.» Er meint: «Sie entstehen spontan, wenn soziale Formationen sich um einen medialen Text gruppieren und ihn sich in ritualisierten Praktiken aneignen.» Christine Hämmerling erforscht genau diesen sozialen Aspekt in Göttingen. Im Gespräch macht sie deutlich: Tatort ist eine einzige glückliche Koinzidenz. Hier kommt alles zusammen, was nur zusammenkommen kann: verschiedene Ebenen, die verschiedene Leute – quer durch alle Altersschichten und Milieus – vor dem Bildschirm versammeln. Tatort hat Tradition. Aufgrund der langen Laufzeit erreicht er gleich drei Generationen. Und: Tatort ist ein Krimi. Das Genre ist allgemein beliebt, weil sich Zuschauer beim Miträtseln involviert fühlen.</p>
<p>Auch der Ausstrahlungstermin, zumeist am Sonntagabend, ist glücklich gewählt. An Sonntagen wird mit durchschnittlichen 195 Minuten mehr ferngesehen als an anderen Tagen. Die sonntägliche Regelmässigkeit macht den Tatort zum Ritual, die Erstausstrahlung wird zum wiederkehrenden zelebrierten Event. «In Paarbeziehungen schaffen die gemeinsamen 90 Minuten zum Beispiel ein wichtiges gemeinsames Wissensuniversum», erklärt Christine Hämmerling. Dazu gibt es leckeres Essen, ein Glas Wein oder ein Bier.</p>
<p>Der Hang zur Eventisierung zeigt sich auch im Public Viewing. Im deutschsprachigen Europa gibt es fast 300 offiziell gelistete Tatort-Kneipen. Darunter ist seit anderthalb Jahren die Zürcher Bar «Le Calvados» am Idaplatz. Zum Schweiger-Tatort ist die Bar proppenvoll: 40 Leute, viele Nerd-Brillen und Strickpullover. Mit fünf Franken Einsatz wird hier auf den Täter getippt. Andernorts gibt es sogar Tatort-Gottesdienste, etwa in der evangelischen Kirche im hessischen Neuberg. Ein cleverer Schachzug: Laut Kulturwissenschafter Rainer Winter sind Kulte eine Reaktion auf die Säkularisierung, sie nehmen den Platz verdrängter religiöser Rituale ein. Den Kult in die Kirche zu bringen, ist eine geschickte Rückbindung.</p>
<p>Tatort ist der ideale Nährboden für Small-Talk, denn die dargestellten Verbrechen sind zumeist an sozialkritische Themen gekoppelt – Migration, Prostitution, Inzest, alles auf authentischer Bühne mit Lokalkolorit inszeniert. Die Zuschauer diskutieren über die brisanten Inhalte: in Foren, im Büro, in der Kneipe. «Anschlusskommunikation» nennt das die Medienwissenschaft. Auch unterhält man sich darüber, wie man den letzten Tatort fand. Befragungen von Christine Hämmerling haben ergeben, dass die Folgen «gar nicht so toll sein müssen»: Man möchte meckern, Kritik üben, den Schweiger doof finden.  «Das gehört zum Prinzip Tatort», meint Hämmerling. Ästhetische und inhaltliche Mittelmässigkeit prädestiniert für populären Kult.</p>
<p><strong>Das Format als Marke</strong></p>
<p>Es ist der Zuschauer, der das Medienprodukt zum Kultobjekt erhebt, nicht die Kulturindustrie. Diese reibt sich ob des Erfolges allenfalls erfreut die Hände. Im Falle von Tatort ärgert sich die ARD womöglich, weil sie als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt gebührenfinanziert ist und damit die Quote nicht in Werbeeinnahmen ummünzen kann. Laut Produzentenstudie 2012 der Hamburg Media School und Goldmedia lassen sich die deutschen Sender eine Folge im Schnitt umgerechnet 1,55 Millionen Franken kosten. Das alles nur für Ruhm und ganz ohne finanziellen Reichtum? Macht man hier den ideellen Dreischritt: Quote gleich Qualität gleich Legitimation? Oder gibt es doch eine Vertriebsnische? Seit Dezember 2009 vertreibt Disney Home Entertainment jedenfalls 150 Tatort-Folgen auf DVD – ohne konkret zu werden. «Wir kommunizieren generell keine Verkaufszahlen oder Vertragsdetails zu Lizenzen», heisst es auf Anfrage.</p>
<p>International wird der Tatort ohne den berühmten Vorspann unter dem Titel «Scene of the Crime» vermarktet, «aber deutschsprachige Filme sind in der Regel im Ausland keine Verkaufsschlager», so WDR-Programmleiter Gebhard Henke. Von Köln aus koordiniert er die Tatort-Folgen. Wann was gesendet wird und in welche Richtung es generell gehen soll: von der Metropole in die Provinz, Dialekt nur bedingt, jüngere Teams, noch mehr Ermittler. Freilich finden nicht alle die gross angekündigten Neuerungen toll und prophezeien den Overkill.</p>
<p>Dass die Schweiz, «das Sorgenkind der Krimi-Reihe», wie die «Süddeutsche Zeitung» einmal schrieb, mit dem Luzerner Tatort wieder dabei ist, freut Henke. Der erste Schweizer Tatort ging 1990 aus Bern auf Sendung. Nach insgesamt zehn Folgen stampfte das heutige Schweizer Radio und Fernsehen SRF die Eigenproduktion 2003 ein. Laut Redaktionsleiter Urs Fitze guckten in den acht folgenden «Abstinenz-Jahren» trotzdem bis zu 300 000 Schweizer den Tatort auf ARD – 15 Prozent Marktanteil. «Dieses Publikum wollten wir mit einem eigenen Tatort wieder zurückgewinnen», meint der aktuelle Schweizer Tatort-Chef zum erneuten Start 2011. Die Sendeplatzrangelei ist aber noch nicht ausgestanden. «Über 100 000 Zuschauer verfolgen den Tatort immer noch auf ARD.» Das ist ärgerlich für SRF. Schliesslich erhält der Sender für seine beiden Tatorte jährlich die Ausstrahlungsrechte für 26 andere Folgen. Wieder zeigt sich: Strategie ist die eine Geschichte. Was die Zuschauer daraus machen, eine ganz andere.</p>
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		<item>
		<title>Klim Bim</title>
		<link>http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/klim-bim/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Jun 2013 09:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Querdenker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Diktator]]></category>
		<category><![CDATA[Köniz]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.punktmagazin.ch/?p=15141</guid>
		<description><![CDATA[Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un sorgt für Wirbel. Gibt es einen Zusammenhang mit seinem Aufenthalt in Bern? <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/klim-bim/" title="Klim Bim">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un sorgt für Wirbel. Gibt es einen Zusammenhang mit seinem Aufenthalt in Bern?<br />
</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2012/04/KolumneQuerdenker_b.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-12277" title="KolumneQuerdenker_b" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2012/04/KolumneQuerdenker_b.jpg" alt="" width="480" height="340" /></a></strong></p>
<p>Er liegt in Fantasien. Die Hölle Rache kocht in seinem Herzen. Es flötet Zauber durch seine Venen. Von Rachsucht getrieben ohne Not. Ja, will er denn schon sterben? Ein verzweifeltes Feuerwerk lässt er steigen. Weit genug, um zu wirken. Er ist umringt von Schergen, die sein Vater ihm hinterliess. Ach, warum ist er nicht in Gümligen geblieben? Kaum vorstellbar, dass er sein Handwerk in der Nähe von Bern erlernte. Oder doch?</p>
<p>Der Beruf des Jungdiktators steckt zweifelsfrei in einer historischen Krise. Kein Diplomlehrgang, unzureichende Lehrmittel, keine freien Praktikumsplätze und nicht zuletzt mangelndes Lehrpersonal führten zum Abstieg einer bis anhin rundherum gefürchteten Berufsgruppe. Ja, das waren noch Kerle, die Herren Idi Amin, Pol Pot oder Benito Mussolini. Der gute Ruf der Tyrannei steht auf dem Spiel, denn sogar das Nachtgespenst Hui Buh sorgt derzeit für mehr Schrecken als unser «Uranutan» aus Fernost. Was kann man auch von einem erwarten, der weniger Testosteron produziert als Tinky-Winky, Heidi Kabel, Fred Feuerstein, Erich Honecker oder Micheal von der Heide? Was läuft derzeit schief bei unserem Maoam-Böögg? Eines steht fest: Sogar die Gymi-Prüfung sorgt aktuell für mehr Angst und Schrecken als das Kriegsgeschrei des Schwarzpulverdepps aus Pjöngjang.</p>
<p>Vielleicht ist er ja auch einfach nur schlecht beraten oder folgt einem wenig durchdachten Tagesablauf? Wie kann man sich den Arbeitstag des Napalm-Bernds vorstellen? Gegen 11 Uhr 23 wird aufgestanden. Im graubraunen Adidas-Trainer geht es direkt über den Geheimgang ins väterliche Heimkino. Mit einer Tüte Popcorn in der Hand und einer 3-D-Brille auf der Nase versucht er, sein kindliches Gemüt mit Hilfe des Klassikers «Apocalypse Now» abzustreifen, um später vor seinen echten Militärs die richtigen Worte zu finden. Doch das Halten von Reden war noch nie seine Stärke und wird es wohl auch nie werden, der Berner Herkunft zum Trotz. Er putscht sozusagen täglich gegen sein eigenes Ich, um zumindest in den Grundzügen schrecklich zu wirken.</p>
<p>Schulpsychologisch gesehen ist der Jungstar hoffnungslos überfordert. Zum Glück engagiert sich Reto Wittwer – allmächtiger Führer der Kempinski Hotelgruppe – als Unterhändler getarnt, um Kaspar Hauser dem III das zukünftige Exil am Thunersee schmackhaft zu machen. Angeblich besuchte Kim Jong-Un in den 90er-Jahren die öffentliche Schule «Liebefeld Steinhölzli» in Köniz, einem Vorort von Bern. Zum Glück gibt es immer noch grossen Gestaltungsspielraum in der Schulpolitik, sofern man ernsthaft daran interessiert ist, das Erwachsenwerden nicht nur auf bürgerlichen Tugenden aufbauen zu wollen.</p>
<p>Erinnern wir uns zurück: Diese Tugenden waren zentral, um sich im Mittelalter gegenüber dem Adel sowohl kulturell als auch wirtschaftlich zu emanzipieren. Dass die Schweizer Bildungsschablone diesem Vorbild heute noch nachjagt, ist leider die asoziale Realität. Die schulische Gleichmacherei war schon immer ein Un-Ding. In diesem Sinne: Finnland lässt grüssen.</p>
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		<title>Die Mischung macht’s</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Jun 2013 14:12:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Barbara Kalhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Investierbares]]></category>
		<category><![CDATA[Anlagefonds]]></category>
		<category><![CDATA[ETF]]></category>
		<category><![CDATA[Fondsanager]]></category>
		<category><![CDATA[Rendite]]></category>

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		<description><![CDATA[Studien belegen es immer wieder: Fondsmanager sind ihr Geld nicht wert. Trotzdem sollten Anlagefonds nicht generell verbannt werden, denn in Kombination mit Indexfonds können sie durchaus sinnvoll sein. <a href="http://www.punktmagazin.ch/investierbares/die-mischung-machts/" title="Die Mischung macht&#8217;s">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Studien belegen es immer wieder: Fondsmanager sind ihr Geld nicht  wert. Trotzdem sollten Anlagefonds nicht generell verbannt werden, denn  in Kombination mit Indexfonds können sie durchaus sinnvoll sein.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_046_b.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-15236" title="No43_046_b" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_046_b.jpg" alt="" width="480" height="340" /></a></p>
<p>Das Vertrauen in die Fondsbranche ist ungebrochen. Allein in der Schweiz verwaltet sie 737 Milliarden Franken, weltweit sind es sogar fast 19 Billionen Franken. Der Markt wächst kontinuierlich, da viele Anleger ihr Geld lieber in die Hände von Fondsmanagern geben, anstatt selber zu investieren. Das Vermögen der Fonds besteht aus den Geldern zahlreicher einzelner Anleger und wird von einem Fondsmanager oder einer Gruppe von Spezialisten verwaltet. Der Fondsmanager wählt möglichst ertragreiche Wertpapiere, versucht den optimalen Zeitpunkt für Zu- und Verkäufe zu finden und überwacht minuziös die Entwicklung der Aktien und der Unternehmen. Anleger profitieren durch Fonds von einer breiteren Diversifikation, da das Risiko, anders als beim Erwerb einiger weniger Einzeltitel, über verschiedene Wertpapiere gestreut ist. Zusätzlich bieten Fonds augrund der aktiven Verwaltung die Chance, den Vergleichsindex, die sogenannte Benchmark, zu übertreffen. Doch gerade an dieser Herausforderung scheitern viele Fondsmanager. Und so stellt sich die Frage: Ist das Vertrauen der Anleger berechtigt?</p>
<p><strong>Enttäuschende Renditen</strong></p>
<p>Jährlich erscheinen Studien, die besagen, dass nur gerade ein Fünftel der hoch bezahlten Fondsmanager ihren Vergleichsindex übertreffen. 80 Prozent der Manager schaffen es nicht. Eine aktuelle Studie, die dieses Ergebnis untermauert, stammt vom Berliner Unternehmen Scope Rating. Dieses untersuchte das Abschneiden von insgesamt 5000 Fonds der Kategorie «Aktien Global» und 165 Fonds der Kategorie «Aktien Europa» in den vergangenen Jahren. Das Ergebnis: Nur gerade 10,6 Prozent der global investierenden Fonds erzielten über fünf Jahre gegenüber dem Vergleichsindex eine Überrendite, auf drei Jahre betrachtet sind es 5,9 Prozent. Europäische Aktienfonds schneiden zwar etwas besser ab, doch auch ihre Erfolgsquote liegt lediglich bei rund 28 Prozent (über fünf Jahre) beziehungsweise bei 22,8 Prozent (über drei Jahre). Erschreckende Ergebnisse – die auch in der Schweiz ähnlich aussehen, wie eine Analyse des Anlage- und Finanzberaters Mymoneypark zeigt, der die Entwicklung von 5000 aktiven, für Privatanleger erhältlichen Fonds zwischen 2004 und 2012 analysierte. Der überwiegende Teil lag jährlich zwischen null und 2 Prozent hinter dem Markt zurück, durchschnittlich verloren die Fonds pro Jahr 0,75 Prozent. So ist es nicht verwunderlich, dass auf Sicht der vergangenen fünf Jahre nur 12 von insgesamt 57 Fonds besser abschnitten als der Swiss Performance Index SPI, wie aus den Zahlen von ifundservices hervorgeht. Ein ähnliches Bild zeigen die Fondsmärkte in Europa, den Schwellenländern und den USA (siehe Grafik S. 48). Dass aktive Fonds immer wieder als Geldvernichter oder Renditekiller bezeichnet werden, kommt nicht von ungefähr.</p>
<p>«Schuld sind die hohen Kosten der Fonds», nennt Matthias Weber, Partner und CIO bei ifund services AG, den Hauptgrund für die schwache Entwicklung. Im Schnitt würde die Rendite der Fonds rund ein Prozent über jener des Index liegen – doch die hohen Kosten (Management- und Vertriebsgebühren) machten diesen Vorteil zunichte. Durchschnittlich liegt die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) bei Anlagefonds zwischen 1 und 3 Prozent pro Jahr. Darüber hinaus fallen Ausgabe- und Rücknahmekommissionen an, die insgesamt zwischen zwei und drei Prozent ausmachen. Dass die Kosten von aktiv verwalteten Fonds hoch sind, ist kein Geheimnis. Marcel Schibli, Fondsmanager der Credit Suisse, gibt zu bedenken, dass die Kosten umso höher sind, je komplexer und anforderungsreicher ein Fonds ist. Aber die Rendite müsse die Kosten rechtfertigen, so Schibli. Was die Auswirkungen der Gebühren auf die Rendite sind, hat das Analysehaus Morningstar genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Produkte mit tiefen Gebühren vorzuziehen sind. Denn die günstigsten 20 Prozent der Aktienfonds auf amerikanische Standardwerte schlugen die teuersten 20 Prozent mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5. Der Blick auf die Kosten darf also in keinem Fall vergessen gehen.</p>
<p><strong>Abseits der Spur nach Chancen suchen</strong></p>
<p>Die tiefen Renditen haben mehrere Ursachen. So orientieren sich viele Fondsmanager zu stark am Index, sie gehen zu passiv vor. «Ein Mehrwert kann nur generiert werden, wenn man vom Vergleichsindex abweicht», betont Weber. Dies geschieht, indem Aktien, Märkte und Sektoren anders gewichtet werden als in der Benchmark. Wie stark ein Fonds tatsächlich vom Index abweicht, kann durch Vergleich der Gewichtungen festgestellt werden. Der Teil des Portfolios, der nicht an das zugrundeliegende Barometer gebunden ist, wird als «Active Share» bezeichnet. Je höher dieser ist, desto grösser sind die Abweichungen in den Gewichtungen. Martijn Cremers, Professor an der Universität Yale, bringt die Folgen einer starken Orientierung am Index in einem Interview mit Morningstar auf den Punkt: «Erstens schneiden Fonds, die ähnlich zur Benchmark positioniert sind, schwächer ab. Der einfache Grund hierfür ist, dass diese sehr Index-ähnliche Anlagen sind, aber im Vergleich zu typischen passiven Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETF) wesentlich höhere Gebühren aufweisen. Die gute Nachricht ist dagegen, dass Fonds mit grösseren Abweichungen zur Benchmark besser als ihre Vergleichsindizes abschnitten.» Entscheidend ist, dass der Anleger die Strategie des Fondsmanagers einordnet und hinterfragt.</p>
<p>Dass sich eine Spezialisierung auf ein Thema beziehungsweise eine spezielle Ausrichtung  bezahlt macht, zeigt sich eindrücklich an der Fondsentwicklung in der Schweiz. So erzielte der Credit Suisse Select Fund (CH) Swiss Equities 130/30 mit einem Plus von mehr als 23 Prozent auf Fünfjahressicht die beste Performance. Der Fonds, der sowohl von steigenden wie fallenden Kursen profitieren soll, investiert 100 Prozent des Kapitals am Aktienmarkt (Long-Position). Eine solche Long-Position entsteht durch den Kauf des Basiswertes. Zusätzlich kann der Fondsmanager mittels Short-Positionen in Aktien auf fallende Kurse setzen – und zwar mit rund 20 Positionen, was bis zu 30 Prozent des Volumens entspricht. Im Gegensatz zur Long-Position werden hierbei Aktien verkauft, die man nicht im Depot hält. Diese werden gegen einen Zins bei einem Broker ausgeliehen. Durch diese Methode können Fonds von fallenden Kursen an den Börsen profitieren. Der Erlös aus diesen Leerverkäufen wird für die Stärkung der Long-Positionen von aussichtsreichen Titeln oder für den Aufbau von neuen Positionen verwendet. So kann die Brutto-Investitionsquote bei bis zu 160 Prozent liegen. Der zuständige Fondsmanager, Marcel Schibli, gibt allerdings zu bedenken, dass der Fonds zwar eine höhere Chance auf Rendite biete, damit einher gingen jedoch ein grösseres Risiko und ein höherer Tracking Error. Der Tracking Error beschreibt, wie stark der Fonds vom Vergleichsindex abweicht.</p>
<p><strong>Herausforderndes Umfeld</strong></p>
<p>Doch nicht nur eine hohe Active Share oder eine bestimmte Strategie können zu einem Mehrwert des Fonds führen. Auch das Umfeld und die Marktphasen spielen eine zentrale Rolle. Fondsmanagern fällt es häufig leicht, hohe Renditen zu erzielen, wenn sich Trends länger fortsetzen. Es gibt jedoch auch einige Produkte, die aus starken Schwankungen an den Märkten Profit schlagen und auf kurzfristige Trends setzen können. Ebenfalls eine Herausforderung ist es, an Wendepunkten den richtigen Entscheid zu treffen. Da die Märkte in den vergangenen Jahren stark politisch getrieben waren, sei es den Managern laut Weber schwerer gefallen, mit Einzeltiteln gute Erträge zu generieren. Grund dafür war, dass die Entwicklungen der Aktien untereinander nur wenig voneinander abwichen. Politische Nachrichten trieben alle Aktien gemeinsam hoch und runter, der individuelle Geschäftsgang hatte nur wenig Einfluss auf die Kursentwicklung.</p>
<p>Doch auch in negativen Phasen ist die Lage nicht aussichtslos. Zumeist würden sich Fondsmanager dann nämlich auf solide Firmen mit hohen Cashflows und gesunden Bilanzen konzentrieren, erklärt Fondsspezialist Matthias Weber. Negativ zu Buche schlagen panikartige Verkäufe der Anleger in Verlustphasen. Wenn sich bei einem starken Absturz viele Anleger zurückziehen, muss der Fondsmanager die Rücknahmen finanzieren. Die Folge ist ein Verkaufszwang – egal zu welchem Preis. Dies wiederum schlägt auf die Rendite durch.</p>
<p>Vielen Fonds ist es aufgrund der oben genannten Gründe nicht möglich, einen kontinuierlichen Mehrwert zu erzielen. «Doch nicht nur die Marktphasen haben Einfluss, auch ein Wechsel des Fondsmanagers oder ein zu grosses Vermögen spielen eine Rolle», sagt Schibli. Mit zunehmender Grösse verlieren Fonds an Agilität, was eine Neupositionierung beeinträchtigt. Dies erschwert ein aktives Management, das besonders in kleinen und illiquiden Märkten lukrativ ist. Für grosse Fonds jedoch sind diese Anlageobjekte oft zu wenig stark kapitalisiert. Bei Aktien grosser Unternehmen, den sogenannten Blue Chips, ist eine überlegene Titelselektion durch die grosse Anzahl der Analysten schwieriger. Letztlich ist auch entscheidend, dass sich der Vermögensverwalter vor Ort Einblicke in das Unternehmen, das Management und die Standorte verschafft. Ebenfalls erforderlich ist die Kenntnis des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes.</p>
<p><strong>Kommissar Zufall entscheidet</strong></p>
<p>Meistens jedoch fruchten all die Bemühungen der Fondsmanager nicht. Sie seien sogar sinnlos, sagt Dirk Nitzsche, Finanzwissenschafter an der Cass Business School in London. Den Ergebnissen seiner Studie zufolge sind erfolgreiche Fonds nicht dem Können eines Fondsmanagers zuzuschreiben, sondern Zufall. Bei der Analyse von 550 deutschen Aktienfonds zwischen 1990 und 2009 kam er zum Ergebnis, dass das gute Ergebnis bei 83 Prozent der erfolgreichen Fonds durch Zufall zustande kam. Fondsmanager Schibli nimmt die Studie mit Humor: «Am Ende des Tages braucht es eben neben all den Bewertungssystemen, die wir verwenden, auch eine Portion Glück. Aber Glück alleine reicht nicht aus.»</p>
<p>Unbestritten ist: Der Anleger ist bei der Auswahl der Fonds gefordert. Er muss sich informieren über die Strategien, die vergangene Entwicklung und die Zusammensetzung des Fonds sowie die Kosten. Weber empfiehlt, die Auswahl in folgenden drei Schritten zu treffen: «Zuerst muss man den Hintergrund des Fonds kennen, dann die Rendite vergleichen und schliesslich die Kosten berücksichtigen.» Dennoch würden die meisten Anleger einfach jene Fonds kaufen, die in der Vergangenheit den grössten Mehrwert erzielten. Doch statt die kumulierte Entwicklung zu betrachten, sollten die einzelnen Jahre verglichen und auf Konstanz gesetzt werden. Gemäss Schibli ist ein längerer Zeithorizont nötig, um einen kontinuierlichen Mehrwert zu erzielen. Zudem müsse der Anleger einen gewissen Risikoappetit aufweisen. Das komplexe Angebot mache es jedoch oft unumgänglich, bei der Produktwahl eine Bank zuzuziehen. Weber zufolge sollten uninformierte Anleger besser auf ETF setzen. Viele tun dies bereits, wie die weltweit verwalteten Vermögen von mehr als 2 Billionen Dollar zeigen. ETF verfügen über zahlreiche Vorteile: Sie bilden den Index genau nach, sind transparenter und kostengünstiger als Fonds. Somit haben Anleger die Rendite des jeweiligen Barometers – abzüglich der Kosten – auf sicher. Die Gesamtkostenquote von ETF beträgt gemäss Morningstar durchschnittlich 0,36 Prozent. Darüber hinaus fallen Ordergebühren und Spread an. Als solcher wird die Spanne zwischen dem An- und Verkaufskurs des ETF bezeichnet. Diese sind bei ETF gering, bei einem Indexfonds auf den SMI Index beispielsweise sind es lediglich 0,15 Prozent. Ebenfalls für ETF spricht der kontinuierliche Handel. Da die Produkte quasi zu jeder Zeit wie Aktien handelbar sind, können sie flexibler eingesetzt werden. Doch nicht alle Märkte können mit ETF abgebildet werden. Daher liegt der Schluss nahe, die beiden Produktarten zu kombinieren.</p>
<p>Grosser Beliebtheit erfreuen sich traditionell Core-Satellite-Strategien. Bei diesen wird das Portfolio quasi in zwei Segmente aufgeteilt. Das Kerninvestment – meist ETF von hoch entwickelten und sehr effizienten Märkten – bildet die Basis und bietet eine Grundrendite. Ergänzt wird diese Anlage durch spezialisierte Anlagen, die zwar die Chance auf eine Überrendite bieten, aber ein höheres Risiko aufweisen. Durch diese Kombination von aktiven und passiven Elementen wird die Portfolio-Strukturierung verbessert und eine breite Streuung erreicht. Besonders wichtig ist die Auwahl. Hier muss der Anleger ein glückliches Händchen beweisen, um an einen Fondsmanager zu gelangen, der sein Geld auch wirklich wert ist. Und das ist bekanntlich nur rund jeder fünfte.</p>
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		<title>In Generationen denken, nicht in Quartalen</title>
		<link>http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/in-generationen-denken-nicht-in-quartalen/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Jun 2013 07:09:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Schröder</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaftliches]]></category>
		<category><![CDATA[Familienunternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Generation]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Quartal]]></category>

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		<description><![CDATA[Ethisches Wirtschaften ist das Gebot der Stunde. Während Konzerne dazu Nachhaltigkeitsprogramme auflegen müssen, geschäften Familien-unternehmen ohnehin nachhaltig. Es liegt in ihren Genen.
 <a href="http://www.punktmagazin.ch/wirtschaftliches/in-generationen-denken-nicht-in-quartalen/" title="In Generationen denken, nicht in Quartalen">zum Artikel</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong>Ethisches Wirtschaften ist das Gebot der Stunde. Während Konzerne  dazu umfangreiche Nachhaltigkeitsprogramme auflegen müssen, geschäften  Familienunternehmen ohnehin nachhaltig. Warum? Es liegt in ihren Genen.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_074_b.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-15244" title="No43_074_b" src="http://www.punktmagazin.ch/wp-content/uploads/2013/04/No43_074_b.jpg" alt="" width="480" height="340" /></a></p>
<p>Konservativ bis bieder, oft stark patriarchisch, meist ein wenig verschroben. Familiengeführte Firmen standen lange im Ruf der Rückständigkeit, ein belächeltes Auslaufmodell, ein Anachronismus des modernen Unternehmertums. Die spannenden Geschichten lieferten die weltweit agierenden Konzerne mit ihren neuen Management-Methoden und die rasant wachsenden Firmen der New Economy. Ein Traditionsbetrieb in Familienbesitz dagegen – wie langweilig war das denn?</p>
<p>Vom verschnarchten Image findet sich heute keine Spur mehr. Als die Träume der coolen neuen Wirtschaftswelt geplatzt waren und die Finanz- und Wirtschaftskrise grundlegende Fragen zu Moral und Verantwortung in den Unternehmen aufwarf, rückten die Familienfirmen plötzlich ins Rampenlicht. Mehr noch. Das Modell Familienunternehmen gilt heute sogar als Trendsetter, als Erfolgstyp mit Vorbildcharakter. Nicht per se besser oder schlechter. Aber anders. «Das Familienunternehmen  wird zunehmend als zukunftsweisende Wirtschaftsform betrachtet», sagt Melanie Ganter, Forscherin am Center for Family Business (CFB) der Universität St. Gallen.</p>
<p>Die Krise bewirkte ein Nach- bis Umdenken. Masshalten heisst die neue Maxime, Gier war gestern. Weg also vom Turbokapitalismus mit seiner Zocker-Mentalität und grösstmöglichen Profiten. Hin zu einem ethisch geprägten Wirtschaftssystem, das sich an Prinzipien wie Verlässlichkeit, Weitsicht und Solidarität orientiert. Die Wiederkehr der alten Werte stellt einen Paradigmenwechsel dar – für den Familienunternehmen jedoch bestens gerüstet sind. Denn was Manager und Konzerne sich heute als Corporate Social Responsibility, kurz CSR genannt, oft mühsam antrainieren und als gross angelegte Nachhaltigkeitsstrategie bewerben, das steckt Familienfirmen bereits in den Genen.</p>
<p><strong>Kontinuität und Langfristigkeit</strong></p>
<p>Ihr Wirtschaften ist naturgemäss langfristig angelegt. Das zentrale Merkmal eines Familienbetriebs ist die Einheit von strategischer und operativer Ebene, von Eigentum und Führung. Wer in das eigene Unternehmen investiert, arbeitet automatisch anders. Selbst verantwortlich zu sein verpflichtet zu Vorsicht. Im Unterschied zu vielen Konzernen steht für familiengeführte Firmen nicht der schnelle Gewinn an erster Stelle, sondern das Ziel, den Erben ein gesundes Unternehmen zu übergeben. «Familienunternehmer denken in Generationen, nicht in Quartalen», sagt die Zürcher Unternehmensberaterin Franziska Müller Tiberini. Mit dem Sicherheitsdenken verbunden ist zudem die überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalquote, die ihnen auch in schwierigen Zeiten Unabhängigkeit garantiert.</p>
<p>Wachstum auf Substanz bauen, reale Unternehmenswerte schaffen – der Ansatz galt viele Jahre als überholt. Erst in der Krise kehrte die langfristige Denkweise zurück. Sie verhindert zwar ein schnelles Wachstum, sorgt jedoch für Beständigkeit. Und nur wenn ein Unternehmer werthaltig wirtschaftet, kann er seine Firma als Vermögens- und Versorgungsquelle für die Nachfolger erhalten. Auf Kosten der kommenden Familienmitglieder zu agieren, verbietet sich von selbst, die aktive Generation verbraucht daher nicht mehr, als sie an Gewinn erzielt. Weitsichtig und massvoll handeln – das Grundprinzip der Nachhaltigkeit. Familienunternehmen leben den Gedanken ohnehin, «sie sind meist intrinsisch motiviert, sich ethisch korrekt zu verhalten», sagt Melanie Ganter vom CFB. Dieser Charakterzug mache sie zu «Pionieren des unternehmensethischen Handelns», meint Tom Rüsen, Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Privatuniversität Witten-Herdecke. «Sie nennen es Anstand, sie halten traditionelle Werte hoch, sie sind konservativ im besten betriebswirtschaftlichen Sinn.» Der Hype um CSR dagegen ist für Rüsen Marketing: «Das ist ein Begriff, den sich viele Unternehmen zu Werbezwecken überstülpen.» Beraterin Müller Tiberini sieht es genauso: «Warum muss anständiges Handeln erst zum Programm gemacht werden? CSR steht für eine Art des Wirtschaftens, die in jedem Unternehmen selbstverständlich sein sollte.» Verantwortliches Unternehmertum bedeute nicht, neben dem Betriebsalltag Engagement zu zeigen und darüber zu reden. Es gehe darum, wie eine Firma ihr Kerngeschäft betreibt. Vorausschauend agieren, die Mitarbeiter anständig behandeln, Einsatz für Umwelt und Gesellschaft bringen, das sind schliesslich keine neuen Trends – es sind die Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft. Unternehmensethik hat nichts mit Gutmenschentum zu tun. Ökologisch und sozial verantwortliches Wirtschaften liegt im Eigeninteresse der Firma. Es trägt dazu bei, Mitarbeiter zu motivieren, Kunden zu binden, Kosten zu reduzieren und die Innovationskraft zu stärken.</p>
<p>Beispiel Umwelt: Familienunternehmen achten naturgemäss auf ihren Ressourcenverbrauch. Zudem zahlen sich Investitionen in die Energieeffizienz und sparsamer Einsatz von Rohstoffen schon heute aus – und werden angesichts steigender Strom- und Materialpreise zunehmend wichtiger. Darüber hinaus verbessert grünes Denken die Wettbewerbsposition: Wer den Umweltschutz in seiner Unternehmensphilosophie verankert, bringt neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt, die für Kunden Alternativen darstellen. Gleichzeitig können sich ökologisch orientierte Firmen als attraktive Arbeitgeber positionieren, denn für die Mitarbeiter von heute ist das Gehalt nicht alles. Besonders die Jungen suchen in ihrer Arbeit vermehrt einen tieferen Sinn.</p>
<p><strong>Der Mensch im Zentrum</strong></p>
<p>Verantwortliches Wirtschaften ist für viele Familienfirmen eine Selbstverständlichkeit, die Werte sind ungeschrieben, das Vorgehen pragmatisch. Worin die Verantwortung genau liegt, variiert je nach der persönlichen Weltanschauung der Chefs. In einem aber ticken alle Familienunternehmer gleich: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter spielt für sie die zentrale Rolle. «Dass die Menschen ihr wichtigstes Kapital sind, wissen Familienunternehmen schon lange», sagt Frank Wallau vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Umfangreiche Aus- sowie Weiterbildungsangebote, Gewinnbeteiligung und gute Sozialleistungen, flexible Arbeitszeitmodelle plus Kinderbetreuung – Investitionen in die Angestellten sind immer auch Investitionen für die Zukunft. Nur wer sich an seinem Arbeitsplatz rundum wohl fühlt, leistet viel. Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit der Kompetenz, dem Engagement und der Loyalität der Mitarbeiter.</p>
<p>Deren Motivation ist zunehmend von weichen Faktoren abhängig. Denn das Wertschätzen von Mitarbeitern drückt sich vor allem immateriell aus. Transparenz und offene Kommunikation stehen für eine Vertrauenskultur, die flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswege in Familienunternehmen sorgen für eine hohe Effizienz und ein produktives Betriebsklima. Das wiederum vermittelt den Angestellten das Gefühl von Sinnhaftigkeit und stärkt die Kundenorientierung sowie die Innovationskraft der Firma. Da Familienunternehmer ihre Firma als Lebensaufgabe sehen, sind sie zudem spür- und fassbare Chefs, die familiäre Nähe sorgt für Nestwärme. «Familienunternehmer führen mit gesundem Menschenverstand anstatt mit ständig wechselnden Management-Methoden», sagt Wirtschaftsberaterin Müller Tiberini. «Sie behandeln ihre Leute so, wie sie selbst gerne behandelt werden möchten.»</p>
<p>Eine Atmosphäre menschlicher Verbindlichkeit, der vertrauensvolle Umgang im Team und die wechselseitige Solidarität zwischen Unternehmen und Mitarbeitern stellen Werte dar, die auf der Kriterienskala qualifizierter Bewerber immer weiter oben stehen. In unsicheren Zeiten rücken Menschen automatisch zusammen, die Krise krempelte das Wertesystem gründlich um. Einzelkämpfertum und Eigeninteressen erscheinen bereits heute als Maxime von gestern. Die Unternehmen der Zukunft sind «organische Gebilde», prognostiziert denn auch der Schweizer Unternehmensverband Family Business Network (FBN), «das Modell der ‹vernetzten Grossfamilie› löst die ‹hierarchische Armee› als betriebliches Organisationsmodell ab.»</p>
<p><strong>Moral ist nicht egal</strong></p>
<p>Unternehmensführung durch Verbinden und ein Fokus auf Menschen und Beziehungen erfordern neue Fähigkeiten. Anstatt Order zu erteilen, sei künftig das Ausgleichen widersprüchlicher Interessen gefragt, betont das FBN. Emotionale Intelligenz erhalte denselben Stellenwert wie Fachkompetenz. Ein Unternehmen, das sich über eine Familienstruktur definiert, hat somit eindeutig die Nase vorn. Unvorhersehbares und Problematisches in den Griff zu bekommen ist nirgendwo alltäglicher als in einer Familie. Einerseits flexibel und anpassungsfähig, andererseits traditionsbewusst – Familienfirmen als Blaupause für die Zukunft. Nicht zuletzt erweist sich das Wertebewusstsein von Familienunternehmen als klarer Pluspunkt beim Kunden. In der globalisierten Warenwelt suchen Konsumenten wieder nach dem persönlichen Faktor. Sie wollen wissen, wer hinter einem Produkt oder einer Marke steht, sie wünschen sich Echtheit und Verlässlichkeit. Ein Versprechen, das Familienunternehmen nicht erst künstlich aufbauen müssen. Traditionell eng in der Region verwachsen, können sie wahre Geschichten über ihre Herkunft erzählen, ihr Authentizitätsfaktor ist angeboren. Zudem bürgen sie mit ihrem Namen für die Qualität ihrer Produkte. Familienfirmen bilden damit einen Gegenpol zur Anonymität der Konzerne, sie stehen für Bekanntes und Bewährtes. Ein Stück Heimat in einer sich beschleunigenden Welt. Konzerne geben dafür Millionen aus.</p>
<p>In schwierigen Zeiten liegen immer auch Chancen. Die Krise entstaubt die alten Werte. Zuverlässig, anständig, ehrlich, engagiert – wer so auftritt, folgt dem historisch gewachsenen Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Doch im Modell von gestern liegt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: Gewinn macht auf Dauer nur, wer das Vertrauen von Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern besitzt. Reines Profitstreben lässt sich damit nicht vereinbaren. «Geschäft ist Geschäft und Moral ist egal» gilt also nicht mehr? Falsch. In langfristig erfolgreichen Unternehmen galt das noch nie.</p>
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