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	<title>Peter Porsch</title>
	
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	<description>Ich störe gern. Auch von außerhalb der Parlamente.</description>
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		<title>Von der Freiheit</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 06:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen, und sie hat uns nicht im Stich gelassen. Ich habe diesen Satz im Internet gefunden. Gesagt hat ihn unser aller Bundespräsident Joachim Gauck. Wann und zu welcher Gelegenheit ist nicht vermerkt. Und weil ich so beim Suchen war, fand sich noch ein anderer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wir haben die Freiheit ersehnt, sie hat uns angeschaut, wir sind aufgebrochen, und sie hat uns nicht im Stich gelassen.</em></p>
<p>Ich habe diesen Satz im Internet gefunden. Gesagt hat ihn unser aller Bundespräsident Joachim Gauck. Wann und zu welcher Gelegenheit ist nicht vermerkt. Und weil ich so beim Suchen war, fand sich noch ein anderer Satz zur Freiheit:</p>
<p><em>Wir, die wir hinter der Mauer gesessen haben, wir dachten wirklich, wenn wir die Bewegungsfreiheit hätten, wenn wir lesen könnten, was wir wollen, dann wäre die Welt in Ordnung.</em></p>
<p>Der Satz ist wesentlich skeptischer bezüglich der nach der Mauer errungenen Freiheit. Er stammt von Regine Hildebrandt. Würde sie noch leben, vielleicht hätte sie die SPD zur Bundespräsidentin gemacht. Aber darum soll es nicht gehen. Es geht um die Freiheit, die sie meinen. Es geht um die Freiheit, die wir haben. Die „Freiheit“ des Joachim Gauck ist seine Freiheit, ausschließlich seine, wie es aussieht. Er kann nach Israel reisen. Oder muss er? Er ist ja eingeladen. Anders Günter Grass. Der wurde ausgeladen. Dafür hat er sich die Freiheit genommen, zu sagen, was er schon lange sagen wollte &#8211; nein sollte. Er hatte sich nämlich auch lange die Freiheit genommen, es nicht zu sagen. Aber das war nicht wirklich aus Freiheit. Das war so, weil unsere Freiheit an Grenzen stößt. Zu lesen, was wir wollen, und auch zu sagen, was wir wollen, kann schon die Bewegungsfreiheit einschränken &#8211; die körperliche wie die geistige: „Schnauze halten!“, tönte es ziemlich unverhüllt durch den Blätterwald. Nicht einmal die vornehmere Variante der Antike wurde ihm gegönnt: „Wenn Du geschwiegen hättest, wärest Du Philosoph geblieben.“ Im Gegenteil! Der Philosoph wurde seiner Ehren entkleidet. In der Republik, in der nach 1945 schon bald wieder alte Nazis das Sagen hatten, in der Republik, in der es alte Nazis zu Ministerposten, zum Bundeskanzler und zum Bundespräsidenten schafften, sollte der Sündenfall des Siebzehnjährigen plötzlich zum lebenslänglichen Kainsmal werden. Der Eine hat frei weg etwas gesagt und die Anderen haben es ihm in aller Freiheit so um die Ohren gehauen, dass er möglichst aller Freiheit verlustig gehen sollte. Dennoch, es steht da immer noch Freiheit gegen Freiheit. Ein Duell in der Sonne, die Freiheit des „Wilden Westens“ zwar, aber die Freiheit hat uns (noch) nicht im Stich gelassen!? Es ist die Bewegungsfreiheit, von der Regine Hildebrandt spricht, nicht wirklich eingeschränkt, wenn man mal nicht nach Israel reisen darf. Günter Grass wird die Strapaze im Alter vielleicht gar nicht mehr auf sich nehmen wollen, lieber die letzte Tinte zu Hause verschreiben, statt sie für Einreiseformulare zu verschwenden. Wir können doch immer noch sonst wohin reisen. Und frei reisen mit uns unsere Daten. Sie sind längst da, bevor wir z.B. in den USA angekommen und sie bleiben noch lange da, wenn wir schon wieder weg sind. Mag das manchem und mancher schlimm vorkommen, es ist dennoch Bestandteil eines Privilegs. Bewegungsfreiheit hat ihre harten Grenzen, ob mit oder ohne Daten. „Ich bin von dem Engagement der Bulgaren zur Grenzsicherung beeindruckt“, sagte kürzlich ein österreichischer Staatssekretär. Und die dazugehörige „Kronen-Zeitung“ lobt im Detail: „Hightech-Hubschrauber, mobile Röntgenfahrzeuge, Infrarotüberwachungstürme &#8211; Bulgarien gibt sich gewappnet, Europas Außengrenze zur Türkei dichtzumachen“ (22.03.12, S.16). Böse Schelte gibt es hingegen für die Griechen, „deren Grenze zur Türkei, offen wie ein Scheunentor‘ steht“ (ebenda). Holla!, entfährt es mir da. Was ist da jetzt mit Axel Springers einstiger Kampagne „Macht das Tor auf“? Er meinte ein Tor, durch das dazumals eben jener Günter Grass auch nicht gehen durfte, nicht in jenes Land gehen durfte, das sich abschirmte. Sehr viele mehr aber durften das Land durch dieses Tor nicht verlassen, was sicher schlimmer war. Dieses Tor gibt es nicht mehr. „Wir sind aufgebrochen.“ Geschaffen und verschlossen haben wir aber neue Tore und gebaut haben wir neue Wachtürme, „die jeden Zentimeter des Grenzraumes rund um die Uhr überwachen.“ (Krone, ebenda, S. 17) Die Welt ist nicht in Ordnung!</p>
<p>Geschrieben für Links, Mai 2012</p>
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		<title>Noch nicht gewonnen, schon zerronnen!</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 15:27:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Das können derzeit Frau Merkel und Herr Schäuble bejammern. Aus der von ihnen neuerdings so heiß erwünschten Finanztransaktionssteuer wird nichts. Wichtige europäische Staaten machen nicht mit. Es ist ihnen der Unglück bringende Uhl, was Schäuble und Merkel die Glück bringende Nachtigall werden sollte. Österreich gar wähnte sich schon im Besitz des Glücksvogels und hatte für die nächsten vier Jahre satte 1,5 Milliarden Euro zusätzlicher Einnahmen aus einer Finanztransaktionssteuer in sein Sparpaket aufgenommen. Die sind nun zerronnen wie der letzte Schnee in der Frühlingssonne. April! April!<br />
Erinnern wir uns: Es war 1972 ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler namens Tobin, der meinte, man könnte Spekulation zum Schaden von Wirtschaft, Mensch und Natur durch eine Steuer auf alle Finanzgeschäfte einschränken und zusätzlich daraus noch Gewinn für die öffentlichen Haushalte schlagen. Es sollte um 0,01% bis 0,1% des Umsatzes gehen. Die Botschaft hörten viele und es fehlte ihnen auch nicht der Glaube. Wohl aber fehlte den Betroffenen und den ihnen hörigen Politikerinnen und Politikern der Wille. Also war auch kein Weg. Angeblich ist das Kapital ein scheues Reh, weshalb es nicht angebracht zu sein scheint, im Dschungel der Finanzgeschäfte allzu viel Rabatz zu machen. Da ist es schon besser im Unterholz zu jagen. Das Kleinvieh macht auch Mist: Einkommenssteuer, Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer usw. Ertragreiche Abgabequellen finden sich ebenso im Unterholz, für Energie, Wasser, Abwasser, Rundfunk zum Beispiel. Heutzutage muss man sogar für das Regenwasser zahlen, das auf das Hausdach fällt. Schon Bismarck war sich sicher, dass man bei leerer Staatskasse nicht die Sektsteuer um fünf Mark erhöhen sollte, sondern die Biersteuer um fünf Pfennig. Die Summe macht es, nicht der Beitrag der Einzelnen. Das Großwild macht ohnehin kaum mit. Dem erlässt man ja nicht nur die Finanztransaktionssteuer, man verminderte z.B. auch die Körperschaftssteuer bis zur Bedeutungslosigkeit. Vermögenssteuer? Null! Bedroht man die Großen zu sehr, verschwinden sie einfach in den nächsten Wald. Das Kleinvieh freilich hat zu kurze Beine um davonzulaufen, und die kann man noch weiter kürzen. Wir kennen die Nullrunden bei den Renten und deren angeblich „beträchtliche“ Erhöhung um 2,18% bzw. 2,26%, wir kennen die niedrigen Sätze bei Hartz IV und die Praxisgebühr &#8230; wir kennen, wir kennen! Den „schrägen Vögeln“ im Forst aber stutzt man die Flügel mit Kürzungen im Kulturbereich. Es haben 60% der Beschäftigten in Deutschland überhaupt keine Ersparnisse. Die Zahl der mit Niedriglohn Abgespeisten steht derzeit bei acht Millionen Menschen: ein Zehntel der Bevölkerung, ein Viertel der Beschäftigten. Die Hälfte davon verdient, nein, bekommt weniger als sieben Euro die Stunde, ein knappes Drittel davon weniger als sechs Euro. Der Teufel scheißt aber weiterhin auf die größten Haufen. Da belohnen sich Manager in der Autoindustrie schon mal mit 6,1 bis 17,4 Millionen Bonus für ein gutes Geschäftsjahr &#8211; Steigerung um die 50% &#8211; wohlgemerkt, neben ihrer regulären Bezahlung. Der Malocher am Fließband freut sich aber im allergünstigsten Fall über 7.000 zusätzliche Euro. Das ist gar nicht so schlecht, aber der Anteil der Chefs ist 800 bis 2.500 Mal höher. Der Malocher geht mit seinem zusätzlichen Geld einkaufen und zahlt tapfer die 19% Mehrwertsteuer. Der Chef hat schon alles und legt seinen Bonus in Aktien an. Das kostet online abgewickelt etwas mehr als 1% vom Kaufpreis. Erst der Gewinn oder Verkauf werden besteuert. Und wenn der Malocher zuckt, spricht der Chef von Neiddebatte. Die Zahl der Menschen in Armut wächst und die Zahl der Millionäre wächst. Bert Brecht hat den Zusammenhang lakonisch erfasst: „Und der Arme sagte bleich: wär‘ ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“ „Armut ist keine Schande“, tröstet man sich im Volk. Nein, das ist sie nicht! Aber Reichtum wird immer schändlicher!</p>
<p>Geschrieben für &#8220;Links&#8221; April 2012</p>
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		<title>Was Du nicht willst, dass Dir man tu, das füg auch keinem andern zu</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 12:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit diesem Wahlspruch hat mich meine Großmutter schon sehr früh traktiert &#8211; ein kluges Motto einer klugen Frau. Es ist die deutliche Warnung davor, im Konflikt eine möglicherweise endlose Kette von, „Aug‘ um Aug‘, Zahn um Zahn“, zu eröffnen. Daran erinnert hat mich jüngst eine Zeitungsmeldung: „Die NATO beginnt ungeachtet des wilden Protests des Kremls mit dem Aufbau des Raketenabwehrschilds für Europa &#8230; Der Kreml argumentiert, dieser Anti-Raketenschirm würde automatisch auch Russlands Vergeltungskapazität außer Kraft setzen.“ (Kronen-Zeitung, 07.02.12, S. 4) Es empört sich ein Land, das Auge und Zahn durch das andere gefährdet sieht, mit „wildem Protest“ über die verhinderte Möglichkeit der abschreckenden Revanche. Dies wird wiederum als Ausfluss böser Absichten denunziert. Entsprechend die Überschrift über das Ganze, „Russland gegen Europa“, und die Empörung am Schluss: „Russlands Strategen haben also noch immer Europa im Visier!“ Spätestens jetzt tönt mir das scheinheilig-perfide, „Haltet den Dieb“, des eigentlichen „Täters“ im Ohr. Man möchte schon fragen, wer sich hier unverwundbar macht und warum? Die NATO streitet Feindseligkeit gegen Russland ab. Es ginge nur um die Verteidigung gegen iranische Gefahr. Die Russen wieder bleiben misstrauisch und wollen sich lieber die Option des „wie Du mir, so ich Dir“ erhalten. Unsereiner aber kommt ins Grübeln. Wäre nicht meine Großmutter mit ihrer Weisheit die bessere Diplomatin? Wir lächeln. In den internationalen Beziehungen geht es eben anders zu als in der Welt meiner Oma. Schade! Die NATO macht sich z.B. mehr und mehr im Mittelmeerraum breit. Die Russen, die das auch versuchten, werden verdrängt. Noch vergelten sie deshalb nicht Gleiches mit Gleichem. Von russischen Bombern über afrikanischen und arabischen Mittelmeeranrainern habe ich noch nicht gehört; von russischen Bomben und Granaten, die dort explodieren, allerdings schon. Anschläge auf israelische Diplomaten sind zu verurteilen. Das stimmt ja auch! Anschläge auf iranische Atomphysiker oder auf Al Quaida Führer in Pakistan sind zumindest hinzunehmen. Wer erklärt mir das plausibel? Irgendwie drängt sich doch der Eindruck auf, zwei machten da nicht nur das Gleiche, sondern auch dasselbe. Mitnichten, belehren uns Mächtige und ihre Medien. Worin besteht also der Unterschied? Die alten Römer hatten eine praktische Lösung, die lautete: „Quod licet Iovi, non licet bovi“, „was Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh nicht erlaubt“. Interessant! Sind die NATO und ihre Schützlinge geborene Götter und besteht der Rest der Welt deshalb nur aus Rindviechern? Sind Deutschland und Frankreich göttlicher Natur und siedeln in Griechenland, Portugal, Spanien nur Kühe, Ochsen und triebblinde Stiere? Das will man uns glauben machen. Hier ist die alte Einsicht, „hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“, verdreht worden zur Anmaßung, „hilf Dir selbst, dann bist Du Gott“. Göttern gleich wähnen sich manche Staatenlenker und -lenkerinnen und machen sich zu Klägern und Richtern zugleich. Lassen wir doch alle Sprichwörter sein und stellen wir fest, es herrscht in der Welt am Ende doch nur das Recht des Stärkeren &#8211; trotz aller UNO, trotz Völkerrechts, trotz EU, trotz Arabischer Liga, trotz internationaler Gerichtshöfe, trotz aller angehäufter Weisheit der Völker. Den Haag für den Balkan und Afrika, Selbstjustiz für mich! „Ist erst die Henne mein, so gehören mir auch die Eier.“ Und um die Eier geht es, nicht um Recht und Gerechtigkeit. Wie alt ist doch die Menschheit und wie wenig hat sich im Umgang miteinander geändert! Dabei könnten die Völker mit ihren Weisheiten die Welt nicht nur verschieden interpretieren, sondern auch verändern. </p>
<p>Geschrieben für &#8220;Links&#8221;, März 2012</p>
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		<title>“Vom Pumpen lebt die ganze Welt”</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 11:49:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dies verkündete einst Erich Mühsam in seinem Gedicht „Erziehung“. Es ist der Rat des Vaters an den Sohn, sich zum eigenen Vorteil mit Pump durch die Welt gegenseitiger Ausbeutung zu schlagen. Wie so oft, steht dem eine andere Erkenntnis gegenüber: „Borgen bringt Sorgen.“ Die gilt jedoch üblicherweise nur für den Kleinen Mann und die Kleine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies verkündete einst Erich Mühsam in seinem Gedicht „Erziehung“. Es ist der Rat des Vaters an den Sohn, sich zum eigenen Vorteil mit Pump durch die Welt gegenseitiger Ausbeutung zu schlagen. Wie so oft, steht dem eine andere Erkenntnis gegenüber: „Borgen bringt Sorgen.“ Die gilt jedoch üblicherweise nur für den Kleinen Mann und die Kleine Frau. Üblicherweise, denn die Zeit um Weihnachten hat ja wohl gezeigt, dass das Borgen auch ganz Großen Sorgen bringen kann &#8211; dem Bundespräsidenten gar &#8211; und nicht zu kleine. Obwohl, der hat doch nichts anderes getan, als andere auch. Er hat sich bei mehreren Angeboten das günstigste herausgesucht. Dass es nicht von einer Bank kam, sondern von Freunden, sollte zum Ausgangspunkt des Verhängnisses werden. Vorteilsnahme gewährt, statt Zinsen gezahlt, war der Vorwurf, der den ehemaligen Ministerpräsidenten aus dem höchsten Amt kippen sollte. In wessen Interesse? Wer weiß? „Die große Weltpresse, diese ungeheure Lügenküche &#8230; ist abhängig von allen Maklern der Welt, den Spekulanten, den internationalen Banken und von Geheimfonds, die man den Steuereinnahmen entnommen hat.“ Das schrieb Henri Barbusse 1920. Wer solcher Presse gar noch frech kommt, wird erledigt. Unbeholfenheit treibt das Hamsterrad. „Trotz der Widrigkeiten des Metiers“, sei die Presse „eine verteufelte Macht“, erkannte Emile Zola schon im 19. Jahrhundert. Wir wissen das, und wir werden es über Nacht nicht ändern. Ob es mit dem Bundespräsidenten den Falschen, den Unschuldigen traf, sei dahingestellt. Viel interessanter ist doch die Sache mit dem Kredit. Was warf man Herrn Wulff eigentlich vor? Er hat sich doch „marktwirtschaftlich“ verhalten, der Bundespräsident; nicht anders als gleich zu Jahresbeginn die Bundesregierung. Da erreichte uns doch eine unglaubliche Meldung zu einer Neuerung auf den Finanzmärkten, die bisher unvorstellbar war: Es gibt „Minuszinsen“. Das heißt im Klartext, Geldgeber zahlen an Deutschland Gebühren dafür, dass sich Deutschland bei Ihnen Geld leiht. Das hätte sich auch ein Erich Mühsam nicht träumen lassen. Die Wortbedeutungen von „Gläubiger“ und „Schuldner“ wechseln ihren Platz. Der bisherige Schuldner wird gegenüber dem Gläubiger anspruchsberechtigt. Mühsams „Glück ist auf Ruhm und Pump gestellt“, wird auf merkwürdige Weise wahr. Deutschland kann sein Glück nicht fassen und der Ruhm des soliden Gläubigers wächst ins Unermessliche. Das Elend vieler Staaten wird zum Glück Deutschlands. Es ist so, wie wenn Oma den Banken nicht traut und das Geld zunächst in ihren Strumpf und unters Kopfkissen tut. Aus Angst, dass es aber auch dort gestohlen werden könnte, geht sie nun doch zur Bank. Allerdings legt sie das Geld nicht an, sondern deponiert es im sicheren Schließfach. Dafür muss sie natürlich bezahlen. Deutschland, das große, gebührenpflichtige Schließfach für das Geld verunsicherter Anleger! Was früher Schulden waren, ist heute eine vermögensbildende „Sicherungsverwahrung“ für Geld. In Deutschland jedenfalls. Solches musste freilich erst herbeigeführt werden: vornehmlich durch Lohnverfall, Rentenklau und Sozialabbau im eigenen Land. Das machte es erst zum Exportweltmeister, andere jedoch zu Verschuldungsweltmeistern. Solches muss jetzt abgesichert werden: vornehmlich durch Spardiktate, die man anderen aufzwingt. „Borgen bringt Sorgen“, ereilte plötzlich Staaten und erst recht dort die Kleine Frau und den Kleinen Mann. Für sie wurde die Warnung des Polonius in Shakespeares Hamlet Wahrheit: „Borgen stumpft der Wirtschaft Spitze ab.“ Die „Rating-Agenturen“ tragen durch Herabstufung der Kreditwürdigkeit das Ihrige bei. Können und dürfen sich die meisten europäischen Länder Schulden nicht mehr leisten, was bleibt dann denen übrig, die auf dem Geld sitzen, als es in sicheren Lagern für bessere Zeiten aufzuheben? Natürlich kostet das was. Deutschland reitet munter auf dem Rücken der ausnahmsweise seinen Speichel leckenden Finanzhyänen durch die Welt, und es hat sich Erich Mühsams bittere Warnung dreist in süße Wirklichkeit gewendet: „Was andere schufen, nenne dein! Was andere haben, steck dir ein! Greif zu, greif zu! Gott wird‘s dir lohnen. Hoch wirst du ob der Menschheit throhnen!“  Und wenn alles in Scherben fällt &#8230;?</p>
<p>Geschrieben für &#8220;Links&#8221;, Februar 2012</p>
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		<title>Laudatio zum 10. Geburtstag “PDS JUGEND/junge LINKE/linksjugend sachsen”</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 11:42:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hallo! Ihr alle hier, liebe Mitglieder, Sympathisantinnen und Sympathisanten der Linksjugend Sachsen, liebe Genossinnen und Genossen, hallo Jugendbrigade, hallo Jugendclique, liebe Repräsentanten und Repräsentantinnen eines nicht hingekriegten Generationenwechsels, sehr verehrte junge und nicht mehr ganz so junge Mitglieder von Vorständen der Partei die LINKE in Kommunen und auf Landes- und Bundesebene, Sprecherinnen und Sprecher, Koordinatorinnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo! Ihr alle hier, liebe Mitglieder, Sympathisantinnen und Sympathisanten der Linksjugend Sachsen, liebe Genossinnen und Genossen, hallo Jugendbrigade, hallo Jugendclique, liebe Repräsentanten und Repräsentantinnen eines nicht hingekriegten Generationenwechsels, sehr verehrte junge und nicht mehr ganz so junge Mitglieder von Vorständen der Partei die LINKE in Kommunen und auf Landes- und Bundesebene, Sprecherinnen und Sprecher, Koordinatorinnen und Koordinatoren für alles Mögliche, im Dienst und bereits wieder außer Dienst, geehrte junge und nicht mehr ganz so junge Mitglieder von Gemeinde- und Stadträten, Landtagen und des Bundestages und hallo deren jungen und nicht mehr ganz so jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hallo allen SkateboardfahrerInnen, StudentInnen, HedonistInnen, ComputerspielerInnen und LangschläferInnen usw. und so fort &#8230;</p>
<p>So! „Aller Anfang ist schwer!“ Hoffentlich habe ich niemanden vergessen.<br />
Ich wollte eigentlich mit der Anrede schon die 10 Jahre, die es hier zu feiern und schließlich noch mit einer laudatio zu bedenken gibt, umreißen. Die Anrede enthält Zitate von Benennungen für die Linksjugend unterschiedlicher Herkunft, solche, die bereits vor 10 Jahren auftauchten oder auch solche, die ganz aktuell sind, wenn ich an den „nicht hingekriegten Generationenwechsel“ denke. Ich zitiere, nenne aber die Quellen nicht, was mir bitte nachgesehen wird. Der letzte Bundesparteitag der Partei die LINKE und auch der letzte Landesparteitag in Sachsen haben eine Harmonie in der Partei bewirkt und konstatiert, die solche Zitate nur mehr zu Erinnerungsstücken machen. Als Waffen taugen sie nicht mehr und sie sollten für immer in den Waffenkammern rosten. </p>
<p>Die Anrede zeugt davon, wie „heiß umfehdet, wild umstritten“ (das ist ein Zitat aus der österreichischen Bundeshymne und aus meinem Abituraufsatz) die Sache begann und wo sie endete. Nun, als 68er kann ich nur sagen: Es begann als Marsch junger Leute durch die Institutionen, rüttelte und wummerte damals mächtig an deren Toren, verbreitete Angst im Inneren und quittiert nach bereits zehn Jahren über Erfolge, die ich ja in der Anrede auch zum Ausdruck gebracht habe. Wichtige Positionen sind besetzt! Eine erste Frage wäre freilich schon, ist die jeweilige Institution besetzt und deshalb veränderbar oder gar schon verändert oder sind es nur Posten? Eine zweite Frage schließt sich mir als ständiger Widerspruchssucher an: Was hat die Institution unter Umständen an den Besetzerinnen und Besetzern verändert? Es sollen ja schon welche in Turnschuhen ihren Marsch durch die Institutionen angetreten haben und am Ende im Smoking rausgekommen sein. Und die dritte Frage ist ganz unabhängig von den Institutionen, durch die Ihr gerade marschiert: Was wird im Laufe der Jahre aus Menschen, die als Jugendbrigade antreten, als Jugendclique Furcht verbreiten und doch den Zeiten nicht entgehen können, Zeiten, die sich bekanntlich ändern und wir uns mit ihnen?</p>
<p>Drei Fragen, deren Beantwortung heute nicht gelingen wird. Die Zeit reicht nicht einmal für eine halbe und außerdem auch nicht der Anlass. Nehmt die Fragen einfach mit. Beantwortet sie Euch bald oder in zwanzig Jahren. Beantwortet sie Euch aber besser selbst, bevor es die nächste Generation macht. Gestattet mir daher ein bisschen Philosophie über die dritte Frage. Und gestattet mir dabei Volksweisheiten und kluge Sentenzen kluger Leute aufzugreifen. Denn alles, was in Sprichwortnähe kommt oder Sprichwort wird, ist bewährtes Wissen und es ist zugleich so widersprüchlich wie die ganze Welt und ihre Geschichte. </p>
<p>Warum war bei manchen und mancher die Angst so groß und die Abwehr so heftig gegen junge Menschen, die mitmachen wollten und Verantwortung tragen, die ihre und der Gesellschaft Zukunft nicht nur den Älteren überlassen wollten; die nicht nur Kampfreserve sein wollten wie weiland die FDJ, sondern Kampfressource &#8211; von Anfang an? „Früh krümmt sich doch, was ein Häkchen werden will“ und „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Und „learning by doing“ ist doch nicht falsch. Welche Angst war das, die dem entgegenschlug? War es die Angst um die Welt oder die Angst um eigenen Bedeutungsverlust? Meine Güte! Ich will über niemanden schlecht reden, auch Ängste akzeptieren. Ansprüche haben aber das gleiche Recht akzeptiert zu werden und, dass man nicht schlecht über sie redet. </p>
<p>Die Älteren haben es leichter. Schon der Volksmund ist auf ihrer Seite: „Jugend hat keine Tugend“ tönt es aus diesem und schon ist die Sache erledigt. Welcher Mund ist aber der Volksmund? In diesem Fall wohl am ehesten der Mund jener, die als Generation der „heutigen Jugend“, wie man so schön sagt, unmittelbar vorausgingen. Die Jugend selbst (was auch immer das sein mag) wird es wohl nicht sagen. Die sagt höchstens „Jugend braucht keine Tugend“! Und die richtig Alten sind eher auf Seiten der richtig Jungen. Die tun ihnen ja nichts mehr, könnten aber als Rächerinnen und Rächer an jener Generation herhalten, die sie, die richtig Alten, einst ebenso verdrängte. Und darum verteidigen sie die Jugend mit ihren Ansprüchen und unterstützen sie. So sind eben die Großeltern zu den Enkelkindern. Jedenfalls manche. Und Theodor Fontane gar, der ja erst im Alter zu schreiben begann, meint: „Jugend hat keine Tugend ist falsch, wie fast alle Sprichwörter; wenn wer noch Tugend hat, so ist‘s eben die Jugend.“ </p>
<p>Der hat möglicherweise recht, der alte Fontane, jedenfalls nicht völlig unrecht. Deshalb &#8211; und jetzt kommt wieder eine Volksweisheit &#8211; deshalb „leiden junge Leute weniger unter eigenen Fehlern als unter der Weisheit der Alten.“ Fast hämisch könnte man jetzt hinzufügen, was einst der im 18. Jahrhundert wirkende irische Staatsmann, Politologe und Philosoph Edmund Burke sagte: „Die Arroganz des Alters muss sich damit abfinden, von der Jugend zu lernen.“</p>
<p>Nun will ich heute nicht den Generationenkonflikt schüren und vielleicht gar endgültig zu Gunsten der Jugend entscheiden. Manche mögen jetzt mein Zurückweichen für die glatte Freundlichkeit eines Wiener Kaffeehauskellners halten. Ihr habt mich ja einmal in diese Rolle gesteckt; zum Landesjugendtag in Weißwasser. Ich weiche nicht zurück, aber ich habe gelernt, zu „leben in Widersprüchen und Bewegung“. Darum wieder eine Volksweisheit: „Man soll die alten Leute nicht auslachen, man will auch einmal alt werden.“ Die Alten hinwiederum sollten sich merken, dass „wie sie einst sungen, so zwitschern auch die Jungen.“ Dieser Spruch muss aber von einem oder einer Alten erfunden worden sein, denn &#8211; der Volksmund lässt mich nicht los &#8211; „die Jugend nährt sich von Träumen, das Alter von Erinnerungen“. In der Erinnerung verklärt sich dann das ehemalige Zwitschern zum Gesang und der Gesang der Jugend wird zum Zwitschern herabgestuft. Je nachdem, wie man geworden ist: „Das Alter ermangelt der Güte, wie das trockene Wetter des Taus“ verabsolutieren die Chinesen. „Das Alter verklärt oder versteinert“ sagt Marie von Ebner-Eschenbach. Die Eröffnung dieser Alternative ist mir sympathischer und sie steckt in jedem Alten drin. Da sind die mal so und mal so! Nehmt uns das nicht übel! Das ist die Dialektik des Lebens!</p>
<p>Richtig gefährlich ist etwas anderes in einer chinesischen Weisheit Fixiertes: „Sind die Alten nicht aufrichtig, so lehren sie die Jungen Schurken zu werden.“ Wollt Ihr also nicht Schurkin oder Schurke werden, folgere ich, müsst Ihr die Alten zur Aufrichtigkeit zwingen. </p>
<p>Manchmal denke ich, es waren die Altvorderen doch klüger als die Altjetzigen. Zehn Jahre Linksjugend Sachsen. Ist da jemand, der sich vielleicht nach den Jahren korrigiert und sagt: „Die Jugend ist der großartigste, der beweglichste Teil der Menschheit“? Dies verkündete der sowjetische Politiker Michail Iwanowitsch Kalinin nämlich in seiner Rede auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Komsomol. Nachzulesen ist das unter anderem in dem Buch „Über Erziehung zu kommunistischem Bewusstsein.“ Dieses Buch ist zuletzt in Berlin, damals Ost, 1977 erschienen. Die meisten von jenen, die Angst vor der Jugendbrigade hatten, waren 1977 schon alt genug, um Kalinins Rede zu lesen und eigentlich auch angehalten dazu. Die Angst wäre möglicherweise in Optimismus umgeschlagen. Das trifft auch zu auf jene, die die Befürchtung in sich tragen &#8211; jetzt zitiere ich wieder &#8211; „dass das, was man über viele Jahre aufgebaut hat, nicht ausreichend von Nachfolgern gestaltet wird.“ Ob es ausreichend ist, werden die Nachfolger und natürlich auch die Nachfolgerinnen selbst erleben, dass es anders sein wird und sein muss, als man sich vielleicht vorstellen will, ist sicher. Deshalb übrigens zur Ehrenrettung des Zitierten. Er fügte seiner Befürchtung einen der weisesten Sätze hinzu, den ich je gehört habe: „Wenn es so wäre, kann ich es allerdings auch nicht ändern.“ Punktum, so ist es. </p>
<p>Nun habe ich Euch mit Volksmund, Weisheiten und Philosophie traktiert. Seht es mir nach. Obwohl man ja von einer laudatio eher erwartet, dass sie alles möglichst lobend anführt, was in den vergangenen und zu feiernden zehn Jahren so passiert ist. Ich glaube, das habt Ihr aber selbst schon gemacht, indem die meisten von Euch in Erinnerungen schwelgten, schwelgen und schwelgen werden. Längst wurden bei facebook die Fotos gesammelt und die Lieder, die ihr gesungen und nicht bloß gezwitschert habt, die Musik, die Euch begleitete. Lars Kleba hat mir alles aufgeschrieben, was da zu würdigen ist: Die Landesjugendtage, die Pfingstcamps, Fraktionsjugendtage, Jugendwahlprogramme, das erste 2004, die Jugendwahlkampftouren, der „neuroticker“ und selbst altvorderste Gründungsgenossen der ersten Jugendstruktur, wie z.B. Andre Hahn und die AG Junge GenossInnen mit ihren „kinder- und jugendpolitischen“ Forderungen. Lars hat mir aufgeschrieben, wer aller im Laufe der Jahre wofür kandidierte und das dann meist auch wurde. Ihr kennt die Namen besser und vollständiger als ich. Ich brauche sie deshalb nicht zu verlesen. </p>
<p>Wenn ich sage, dass KandidatInnen „meist auch wurden“, wofür sie kandidierten, so heißt das natürlich nicht, dass dies auch alles glatt, ohne Auseinandersetzung und immer von Anfang an richtig verlief. Die Wege waren oft verschlungen, nicht gleich nachvollziehbar oder in die Irre führend.</p>
<p>Als ich 1999 zum 2. Landesjugendtag als Landes- und Fraktionsvorsitzender ein Grußwort sprechen sollte, durfte und auch wollte, nahm ich meinen damals 13jährigen Sohn und den 14jährigen Enkel mit. Die beobachteten das Treiben, bis zu meiner Rede und noch ein Weilchen danach. Da wurde abgestimmt, beantragt, in Zweifel gezogen, erneut abgestimmt, abgestimmt, ob man denn überhaupt schon abgestimmt hätte, und was denn nun eigentlich usw. Als wir wieder draußen waren, sagte mein Sohn, der alles sehr interessiert verfolgt hatte: „Papa, angesichts dieses Erlebnisses, habe ich beschlossen, meine Jugend doch mit einem Studium zu überbrücken.“ Das hat er getan und nun schon fast bis zum Ende gebracht. Dafür bin ich dem 2. Landesjugendtag dankbar. Mit 16 ist er aber dennoch &#8211; ohne mein Wissen übrigens &#8211; in die PDS eingetreten, ist heute noch dabei, bei der LINKEn &#8211; im 10. Jahr also Mitglied &#8211; und zumindest bei den Pfingstcamps doch häufiger Teilnehmer. Man kann in dieser Partei machen, was man will, man wird wache Jugendliche nicht los. Möglicherweise auch gerade darum, weil man wirklich immer (na jedenfalls fast immer) machen kann, was man will. Manchmal habe ich das unterstützt &#8211; denkt an die erste Runde um die Freigabe aller Drogen und lest dazu im aktuellen „Links“. Manchmal gab‘s Stunk. Denkt an die Fußball-WM. Na und! Verboten habe ich nichts und konnte und wollte ich ja auch nicht. Und bei der Fußball-WM ging der heftige Streit sehr viel mehr um die vermisste Tugend bei der Durchsetzung der Aktion als um die Aktion selbst.</p>
<p>Eines aber, eines &#8211; lasst mich das sagen &#8211; eines habt Ihr immer richtig gemacht: Ihr standet immer ganz vorn und Ihr wart immer die ersten, wenn es gegen alte und neue Nazis ging, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Rassismus. „Kein Fußbreit den Faschisten“, das ist Eure Volksweisheit, „Nazis raus aus den Köpfen“, ist Eure Kampflosung und beides ist so richtig und wichtig, wie es nur richtig und wichtig sein kann. Wer das in Zweifel gezogen hat, wer das abgetan hat, hat spätestens heute die Quittung. Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen und er gebiert immer wieder Verbrechen. Da kann und darf man Widerstand nicht kriminalisieren. Wer dies tut, macht sich mitschuldig! Lasst Euch in dieser Sache nicht beirren &#8211; nie! </p>
<p>Am 25.02.2005 meinte ein flotter Journalist in den DNN &#8211; wahrscheinlich im Auftrag &#8211; schreiben zu müssen: „Katja Kipping, mit 27 Jahren immerhin PDS-Bundesvize hinter Lothar Bisky, ist in Sachsen vollends ohne Profil. Außer flotten Sprüchen („kein Fußbreit den Faschisten“) hat der Jungstar seit Monaten nichts zu bieten &#8230; dieses miserable Erscheinungsbild hat viel mit Peter Porsch zu tun.“ Ehrlich, und wenn Katja bis heute nicht mehr zu bieten hätte als den einen Satz, „kein Fußbreit den Faschisten“, ich wäre stolz, wenn es mit mir sehr viel zu tun hätte.</p>
<p>Was die Erinnerungen und die Fotos betrifft, so konnte sogar ich ein Foto von mir beisteuern, das mich als ABC-Schützen in der ersten Volksschulklasse 1950 in Wien zeigt und dass Ihr einst dafür verwendet habt, auf den wachsenden Bildungsnotstand aufmerksam zu machen. Ach, war ich da lieb und brav und ebenmäßig schön. Und heute? Das ist der Zeiten und des Lebens Lauf. Ihr werdet davon nicht ausgenommen sein. Und manches an diesem 10. Jahrestag erinnert ja auch schon an ein Veteraninnen- und Veteranentreffen. „Traue keinem über 30“, war die 68er-Losung. Gut, ich habe das dann jedes Jahr und nunmehr schon seit 37 Jahren für mich heimlich um ein Jahr verlängert &#8211; natürlich als nur für mich gültig. Auf alle anderen über 30 trifft es zu. Nein &#8211; nicht wirklich, aber schon als Warnung! </p>
<p>Wenn sich einst hier Menschen zum 20. Gründungsjubiläum versammeln, so müssen die Jungen auch Neue sein, die Gründungsmenschen nur noch Ehrengäste. Menschen sind keine „Unechten Karettschildkröten“, die 50 Jahre benötigen, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Denkt daran, Ihr habt einst eine Jugendquote beschlossen: Höchstalter für Landesjugendtage 27 Jahre, für Landtagsmandate 30 Jahre und für Bundestagsmandate 35 Jahre. Ich hoffe der Beschluss gilt noch und bleibt gültig! Alternde Gremien wie Kardinalskollegien oder Politbüros zeigen die Tendenz, solche Beschlüsse außer Kraft zu setzen.</p>
<p>Liebe Leute, eine letzte und sehr ernste Sentenz: „Keiner so alt, der nicht noch ein Jahr leben will, und keiner so jung, der nicht heute sterben kann.“ Darin steckt einzig und allein Wahrheit, schmerzliche und brutale Wahrheit. Es waren junge Leute vor 10 Jahren dabei, die sich engagierten, die Euch und uns weiter brachten und die dennoch heute nicht mehr hier sein können. Ich weiß von vier, deren Tod wir beklagen müssen: Anja Steglich, Erik Richter, Sascha Wagener und Stefan Grunwald. </p>
<p>Vergesst sie nicht, wenn Ihr heute tanzt.<br />
&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..<br />
Danke dafür und danke für alles in diesen 10 Jahren!</p>
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		<title>Ein Gläschen in Ehren …</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 12:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; kann niemand verwehren“, höre ich aus Volkes Mund. „Im Wein die Wahrheit“, auch das weiß der Volksmund. Analog gilt das natürlich für all die anderen Drogen, die zu unserem Alltag gehören: „Bier her, Bier her oder ich fall‘ um!“ Und weil es auf Hawaii kein Bier gibt, fahren wir auch nicht hin. „Die Landschaft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; kann niemand verwehren“, höre ich aus Volkes Mund. „Im Wein die Wahrheit“, auch<br />
das weiß der Volksmund. Analog gilt das natürlich für all die anderen Drogen, die zu unserem Alltag gehören: „Bier her, Bier her oder ich fall‘ um!“ Und weil es auf Hawaii kein Bier gibt, fahren wir auch nicht hin. „Die Landschaft ist wie vom lieben Gott gekämmt“, lese ich in einer Zeitung über den Anblick von Weinbergen. „Schade, dass man den Wein nicht streicheln kann“, seufzte einst Kurt Tucholsky, und wer ein wahrer Deutscher ist, wünscht sich das Wasser des Rheines in goldenen Wein verwandelt und möchte so gerne ein Fischlein sein. Bis das aber so weit ist, trinken national gesinnte deutsche Studenten Bier &#8211; oft mehr als sie vertragen. Da steppt der Bär beim Kommers, wenn die Füchse voll sind und durch Trinksprüche angestachelt zum dritten Mal kotzen, kultiviert natürlich; denn auf der Toilette gibt es ein eigenes Kotzbecken, groß genug, dass nichts danebengeht, und auch in der richtigen Höhe angebracht. Es macht einen eigenenTon, wenn es benutzt wird. Deshalb heißt der Vorgang bei manchen auch „Ulfrufen“. Das ist alles ein Heidenspaß. Mit Drogen hat es nichts zu tun. Die verachtet man, zumal die Linken diese jetzt auch noch freigeben wollen. „Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort“, das ist natürlich Spaß. Der Drogentote auf der öffentlichen Toilette nicht. Nein, ist er auch nicht, aber genau so wenig wie die Schnapsleiche. Neben dem „Gläschen in Ehren&#8230;“, wissen wir freilich auch, dass „wer Sorgen hat, hat auch Likör.“ Sorgen drängen wohl öfter zur Droge als das Gläschen in Ehren. Missbrauch von Alkohol, Nikotin und Medikamenten kostet die Gesellschaft jährlich Milliarden von Euro, vornehmlich im Gesundheitswesen, illegale Drogen machen außerdem horrende Kosten bei der Polizei.<br />
Es sind nicht zuletzt die Folgen ungelöster persönlicher Probleme, entstanden in einer Gesellschaft, die Wettbewerb vor Solidarität, Ellenbogen vor Mitmenschlichkeit stellt, die so auf die Gesellschaft zurückfallen. Käme aber deshalb jemand auf die Idee, die Weinberge zu bombardieren, wie man es für die Mohnfelder in Burma immer wieder vorschlägt? Wer wollte schon den von Gott gekämmten Scheitel zerstören! Käme jemand auf die Idee, die Schnapsbrennereien, Pharmafabriken und Brauereien zu stürmen? Ist der Winzer, ist der Braumeister schuld am Alkoholkranken? Da spricht<br />
man dann doch eher von der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen und stellt diese zwischen den Trinker und den Erzeuger und die Entziehungsanstalt. Freilich können sich Freiheit und Verantwortung im Falle der Not so sehr nicht mehr entfalten, weshalb es auch<br />
niemandem erlaubt sein kann, Verzweiflungstaten von Menschen in Not, sei es Drogenmissbrauch oder Suizid, dem freien Willen zuzuordnen. Solche Menschen brauchen nichts als unsere Hilfe. Jede Kultur hat ihre Drogen, eigene und aus anderen Kulturen übernommene. Der Wein, im Alten Testament als Lebenswasser<br />
gepriesen, kam über die Römer zu uns. Kaffee und Tabak kommen aus Amerika, genauso wie die Kartoffel, der Grundstoff für Wodka. Zuerst verpönt, dann kultiviert! Jede Kultur hat ihre Drogen und ihre Drogenprobleme. Letztere kann man nicht ernst genug nehmen. Ihre Ursachen liegen aber nicht vordergründig in den Drogen. Deshalb reicht es überhaupt nicht, Drogen in gute und schlechte einzuteilen. Es gibt nicht gute und schlechte Drogen. Es gibt nur – sagen wir einmal vorsichtig – etwas weichere, wie Bier oder Cannabis, und deutlich härtere, wie Schnaps oder Heroin. Es gibt in der Kultur angekommene, wie bei uns Wein oder Tabak, und solche, die noch an die Tür der Kultur klopfen. Deshalb ist der Umgang mit Drogen zu lernen und zu kontrollieren wie der Umgang mit Streichhölzern und mit Automobilen. Darin liegt unsere Verantwortung. Verbote und Kriminalisierung von Erwerb und Besitz sind da zu einfache Lösungen und der Aufkleber „Rauchen kann tödlich sein“ auf der frei verkauften Zigarettenpackung ist merkantiler Zynismus pur.</p>
<p>Geschrieben für &#8220;Links&#8221;, Dezember 2011</p>
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		<title>“Wörtlichkeit ist die Kernfeste der Wirklichkeit”</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 14:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Ausspruch stammt vom österreichischen Schriftsteller Heimito von Doderer. Im Grunde bedeutet er nichts anderes, als dass man mit Sprache gegenüber der Wirklichkeit im Wort steht, Wörter der Wirklichkeit verpflichtet sind. Gehen wir der Sache nach: Schon in einem kleinen Synonymwörterbuch vom Compact Verlag in München finde ich z.B. beim Stichwort „reden“ 23 angeblich „bedeutungsgleiche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Ausspruch stammt vom österreichischen Schriftsteller Heimito von Doderer. Im Grunde bedeutet er nichts anderes, als dass man mit Sprache gegenüber der Wirklichkeit im Wort steht, Wörter der Wirklichkeit verpflichtet sind. Gehen wir der Sache nach:<br />
Schon in einem kleinen Synonymwörterbuch vom Compact Verlag in München finde ich z.B. beim Stichwort „reden“ 23 angeblich „bedeutungsgleiche Wörter“ und dazu noch die Hinweise auf die Eintragungen unter „sprechen“ und „tratschen“. Bleiben wir allein bei „reden“, so entdecken wir bald, dass die angeführten 23 Wörter zwar tatsächlich alle etwas gemeinsam haben, nämlich jenen Vorgang zu benennen, in dem wir auf irgend eine Weise mit Hilfe von Sprache etwas mündlich mitteilen. Zugleich bemerken wir aber, dass dies auf sehr unterschiedliche Art und Weise geschehen kann: „vortragen“, „von sich geben“, „sich ergehen“, „erzählen“, „plaudern“, „parlieren“. „Deklamieren“ kann man auch, das steht jedoch gar nicht da. Dafür finden wir „palavern“, „salbadern“, „plappern“, „quatschen“, „schwätzen“, „schwafeln“ usw. Offensichtlich hält die Sprache für sinnloses, nervendes Äußern sehr viel mehr Worte parat, als für notwendiges, ernst zu nehmendes oder feierliches. Da steckt wohl Erfahrung der Sprecherinnen und Sprecher dahinter. Konrad Adenauer hat es zugegeben: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“, ist einer seiner berühmtesten Aussprüche. „Geschwätz“? Vielleicht für viele die von Politikerinnen und Politikern am meisten gepflegte Weise des Redens?</p>
<p>Es war am 07. März 1996, ist also schon eine Weile her, da sagte ich im Sächsischen Landtag in einer Aktuellen Debatte zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Sachsen: „Die steigenden Unternehmergewinne werden &#8230; immer weniger in Arbeitsplätze investiert. Es steigen vielmehr die Geldvermögen und ihr spekulativer Einsatz &#8230; Wenn heute solide Investmentfonds Renditen zwischen 10 % und 50 % im Jahr versprechen, so ist nicht zu erwarten, dass in nennenswerten Größen in Fertigung und Dienstleistung investiert wird, es sei denn, es winken ähnlich traumhafte Renditen durch Rationalisierungseffekte.“ So weit so gut! Die Ursache der heutigen Finanzkrise war eigentlich benannt und erahnt. In allen Dimensionen erkannt war sie noch nicht, weil wir damals irrtümlich annahmen, die Investmentfonds seien solide. Geschwätz ist es deshalb nicht, am wenigsten von gestern. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verlangte vor nicht all zu langer Zeit erst 25 % Rendite für produzierende Betriebe, wenn Geld dort hin fließen sollte und nicht auf die Finanzmärkte. Das schien selbst Schäuble unerreichbar und er erkannte, „dass der Finanzmarkt sich nur noch um sich selbst dreht, statt seine Aufgabe zu erfüllen und eine vernünftige, nachhaltig wachsende Wirtschaft zu finanzieren.“ (spiegel-online, 22.05.11)</p>
<p>Mittlerweile ist aber nicht nur Schäuble in der Wirklichkeit angekommen, sondern auch die Sprache. Was ich 1996 &#8211; also vor 15 Jahren &#8211; noch gar nicht richtig in Worte fassen konnte bzw. mit vielen Worten umschreiben musste, ist heute in einem Wort geronnen: „Realwirtschaft“. Das Wort „Realwirtschaft“ gibt es tatsächlich erst seit kurzem. Das muss doch Gründe haben. Entsteht ein Wort, so braucht man es. Man braucht es, um etwas sprachlich einzugrenzen und von anderem abzugrenzen, was man als „eigen Ding“ erkannt hat. Man braucht es, um offensichtliche Veränderung sprachlich zu fixieren. In der 4. Auflage des „DUDEN-Universalwörterbuch“ von 2001 ist das Wort noch nicht zu finden. In der 7. Auflage von 2011 ist es jedoch verzeichnet. Die Bedeutungsdefinition beschreibt uns die „Realwirtschaft“ als jenen Teil der Gesamtwirtschaft, der von Finanzwirtschaft und Finanzmärkten zu unterscheiden ist, weil sie sich „mit realen Dingen wie Waren und Dienstleistungen befasst.“ Das ist eine alte Unterscheidung. Das neue Wort setzt sie uns aber in ein neues Licht.</p>
<p>Ich will mich jetzt nicht all zu weit in die Volkswirtschaftslehre hinein wagen, aber eines ist doch festzustellen: Bis vor nicht allzu langer Zeit ging man noch davon aus, Finanzwirtschaft oder Finanzmarkt würden umlaufendes Geld sammeln und an jene gegen Zinsen weitergeben, die es für Produktion und Dienstleistung brauchen. Das erst vor kurzem „erfundene“ Wort „Realwirtschaft“ zeigt an, dass sich heute die Finanzmärkte von Produktion und Dienstleistung (eben der „Realwirtschaft“) getrennt haben. Sie haben Geld zu einer Ware gemacht, die sich angeblich selbst gewinnbringend vermehrt. In Wirklichkeit entstand ein Jagdrevier, in dem Geld Geld jagt, es so neu verteilt, der Produktion und Dienstleistung jedoch entzieht.</p>
<p>Kurt Biedenkopf warf mir immer vor, von Wirtschaft nichts zu verstehen. Ich sei Germanist und könne über Wirtschaft höchstens „schwätzen“. Gerade als Germanist fällt mir aber auf, dass mein angebliches Geschwätz von gestern, heute in der Sprache zur Wörtlichkeit gebracht ist. Die Finanzmärkte leisten nichts Wirkliches mehr für die Realwirtschaft. Die Verbindung ist gekappt. Im Wahn, allein aus Geld Geld machen zu können, ließen die Akteure der Finanzmärkte die Realwirtschaft im Stich und ruinieren obendrein sich selbst und uns.</p>
<p>Geschrieben für &#8220;Links&#8221;, November 2011</p>
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		<title>Walle, walle manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe …</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Sep 2011 08:16:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Unlängst wurde mir kritisch entgegengehalten, dass die Forderung nach einem „atomfreien Deutschland“ unsinnig sei, weil es dann bei Durchsetzung der Forderung Deutschland gar nicht mehr gebe. Wären doch in diesem Fall alle Atome verschwunden und nicht nur die Erzeugung von Energie in Atomkraftwerken. Man sollte dem nicht mit der Retourkutsche begegnen, dass dann auch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst wurde mir kritisch entgegengehalten, dass die Forderung nach einem „atomfreien Deutschland“ unsinnig sei, weil es dann bei Durchsetzung der Forderung Deutschland gar nicht mehr gebe. Wären doch in diesem Fall alle Atome verschwunden und nicht nur die Erzeugung von Energie in Atomkraftwerken. Man sollte dem nicht mit der Retourkutsche begegnen, dass dann auch die Forderung nach „erneuerbarer Energie“ falsch sei, weil ja physikalisch gesehen an Energie ohnehin nichts verloren gehen kann, weshalb man da auch nichts zu erneuern braucht.</p>
<p>Die Sache verhält sich anders und hat nichts mit Physik zu tun, sondern mit der Sprache. Sprache ist nicht logisch und sie hält sich auch nicht an die Erkenntnisse der Physik. Sie ist also auch nicht wissenschaftlich korrekt. Sprache ist vielmehr sehr alltäglich. Sie ist praktisch. Darum haben wir auch den „Walfisch“, der nach den Regeln der Biologie gar kein Fisch ist. Wer sagt denn aber, dass nicht alles das Fisch sein kann, was Flossen hat und ausschließlich im Wasser lebt &#8211; eine sehr alltägliche und praktische Ordnung, in der eben auch die Sonne auf- und untergeht. Sprache lebt von Bildern und Vergleichen, die auf Alltagswissen und Alltagswahrnehmung Bezug nehmen. Damit werden komplizierte Sachverhalte meist recht gut verständlich. So ist es z.B. auch mit Bildern, die das Wasser und seine Eigenschaften liefert. Der elektrisch Strom „fließt“, aber auch Geld „fließt“. Wir sprechen von „Geldströmen“. Wer Geld hat, ist „flüssig“. „Geldquellen sprudeln“ oder „versiegen“. Der „Geldhahn“ kann „zugedreht werden.“ </p>
<p>Die Bilder haben es in sich und können „weitergemalt“ werden: Verschiedene Währungen haben die Geldströme oft am Fließen gehindert, Strudel entstehen lassen und die Nutzung des Geldes unnötig belastet. Das traf jene am meisten, die daran beteiligt waren, Warenströme in Geldströme zu verwandeln. Also schuf man sich eine gemeinsame Währung und riss auch die Zollschranken nieder. Die Flüsse schienen reguliert. Aber wie das so ist mit einem regulierten Fluss, die Regulierer zwingen ihn in sein Bett, wissen aber viel zu wenig von den möglichen Folgen. Warenströme werden irgendwo am Flussbett freudig aufgesogen oder überschwemmen gar dahinter liegendes Land. Geldströme jedoch sind diesen Ufern fern. Macht nichts, sagt man an den Quellen. Wir regulieren das, wir schicken Geldströme hinterher, wir bezahlen uns sozusagen vorläufig selbst und irgendwann, wenn die Zeiten besser, kehrt Ihr da unten den Geldstrom um und das Geld kommt zurück. Natürlich ein wenig mehr als wir geschickt haben, als Lohn für unsere Freundlichkeit. „Walle, walle manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe &#8230;“ beschwor Goethes Zauberlehrling die Besen. Die brachten das Wasser. Der Zauberlehrling wollte nur baden, konnte den Strom jedoch nicht mehr anhalten. Er hatte vergessen wie. Die Sache weitete sich zur Katastrophe, der erst der Zaubermeister Einhalt gebot. Kein Zaubermeister rettet aber vor den Überschwemmungen, wenn man im aufgestauten Schuldensee zu ertrinken droht. Da kommt unweigerlich die Rechnung für alles, was geflossen ist. Der Geldstrom jedoch wird hinter den Staumauern angehalten, die die vorsichtig gewordenen Besitzer des Geldes angelegt haben. Sie machen das Geld zur Ware, sind bereit, es wieder fließen zu lassen, wenn es gut bezahlt wird oder neue Zuflüsse eröffnet werden. Unten sollte zugleich das Geld bloß noch für die Organisation der Rückkehr nach oben ausgegeben werden. Das staut freilich wiederum die anderen Warenströme, was unten Armut schafft und oben Krise. Die Aktienkurse fallen. Das Wasser aber steht uns allen bis zum Hals &#8211; und steigt und steigt &#8230;!?</p>
<p>Geschrieben für &#8220;links&#8221;, Oktober 2011</p>
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		<title>Sehnsucht nach Babel</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 07:40:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie gehen wir mit den vielen Sprachen um? Meine Antwort: http://www.gfds.de/publikationen/der-sprachdienst/beitraege/sehnsucht-nach-babel-3-411/]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gehen wir mit den vielen Sprachen um? Meine Antwort:</p>
<p>http://www.gfds.de/publikationen/der-sprachdienst/beitraege/sehnsucht-nach-babel-3-411/</p>
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		<title>Ach wie gut, dass niemand weiß …</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 09:03:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Porsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir alle kennen das Märchen: Da war ein König, der hatte offensichtlich sehr viel Stroh, aber zu wenig Gold. Ein Müller wollte sich dies zu Nutze machen und bei der Gelegenheit seine Tochter zur Gemahlin des Königs werden lassen. Wider besseren Wissens erzählte er dem König, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen könne, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir alle kennen das Märchen: Da war ein König, der hatte offensichtlich sehr viel Stroh, aber zu wenig Gold. Ein Müller wollte sich dies zu Nutze machen und bei der Gelegenheit seine Tochter zur Gemahlin des Königs werden lassen. Wider besseren Wissens erzählte er dem König, dass seine Tochter Stroh zu Gold spinnen könne, und überließ sie damit ihrem Schicksal. Tränen der Verzweiflung brachten die Müllerstochter nicht weiter, wohl aber ein kleines Männchen, das doch tatsächlich das reichlich zur Verfügung gestellte Stroh zu Gold verspann. Als aber das Mädchen in der dritten Nacht für die Dienstleistung des Männchens nichts mehr zu geben hatte, verschenkte sie ihr noch gar nicht geborenes erstes Kind. Wir wissen, wie es weiterging. Nur ein Zufall rettete der tatsächlich Königin gewordenen Müllerstochter das Kind und im Zorn darüber zerriss sich Rumpelstilzchen selbst in zwei Teile. Ein Märchen! </p>
<p>Die Wirklichkeit ist anders und dennoch nicht ganz unähnlich: Da gibt es eine Staatsregierung in Sachsen, die drischt viel leeres Stroh und hätte doch viel lieber, dass man es für Gold halten könnte. Aber wie soll das gehen? Da war kein Müller, der seine Tochter verkuppeln wollte, wohl aber gab es einen Mann, dem man das erwünschte Kunststück zutraute. Er hatte sich zuvor lange in Afrika und im Morgenland aufgehalten. Vielleicht vermutete man deshalb die Kenntnis von Zauberkräften. Ein „Handschlagvertrag“, wie man aus Regierungskreisen hörte, besiegelte den Bund. Ein bescheiden „Pressesprecher“ Genannter war für das Wunder eingestellt. Munter kam das Stroh weiter aus den Mündern der Regierung, goldene Worte sollten es jetzt werden, mediengerecht, überzeugend und wirkungsvoll &#8211; wurden es aber nicht. Wie der Müllerstochter war es auch dem neuen Regierungssprecher nicht wirklich möglich, das Stroh zu Gold zu spinnen. Ja nicht einmal ein verführerischer Goldglanz kam zustande. Das Stroh blieb vorerst Stroh. Wie bei der Müllerstochter war jetzt dringend Hilfe nötig, um beim Chef nicht in Ungnade zu fallen und natürlich auch um diesen nicht blamabel bloß zu stellen, weil er tatsächlich daran geglaubt hatte, man könne sein Stroh in Gold verwandeln. Bloß Rumpelstilzchen war weit und breit nicht zu sehen. Ein Kind war wohl auch nicht zu verschenken; vielleicht jedoch Geld, das ursprünglich für die Landeskinder vorgesehen war? Solches Geld war vorhanden. Es sollte zwar angelegt werden in soziale Projekte, in Bildung für das Volk, in Kultur und auch bei der Polizei. Das erschien aber jetzt zweitrangig. Ein Rumpelstilzchen musste her! Ohne lange zu suchen. Koste es, was es wolle! Und siehe da, man wurde schneller fündig, als gedacht. Die Sucherei war schon zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte Für popelige 4.500 Euro pro Nacht &#8211; nein diesmal pro Tag &#8211; war eine Agentur bereit zur „Medienschulung“, wie man jetzt den Zauber nannte. An insgesamt acht Tagen sollte dem glücklosen Mann der Trick gelehrt werden, für 36.000 Euro &#8211; plus Mehrwertsteuer versteht sich. Kein Zufall verhalf zur Einsparung. Das Geld freilich war weg, denn Gold kam keines dafür zurück. Nur das Volk war eine Weile sauer, als es von der Gaukelei erfuhr. Denn auch hier scheiterte schließlich das „Ach wie gut, dass niemand weiß &#8230;“ Keiner riss sich deshalb aber selbst mittendurch. Wer will denn auch ernsthaft glauben, dass man Stroh zu Gold spinnen könne, wenn doch selbst die Nachricht, dass es Leute oder gar ein Partei gäbe, die die umgekehrte Kunst verstünden, nämlich Gold zu Stroh zu spinnen, sicher nur ein unhaltbares Gerücht ist.</p>
<p>Geschrieben für &#8220;links&#8221;, September 2011</p>
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