<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:blogger='http://schemas.google.com/blogger/2008' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd="http://schemas.google.com/g/2005" xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127</id><updated>2023-06-15T12:22:28.852+02:00</updated><category term="Strategien"/><category term="Alltag"/><category term="Gruppe"/><category term="Biografisches"/><category term="Erinnerung"/><category term="Fernsehen"/><category term="Emotionalität"/><category term="Spiegelbild"/><category term="Wortwahl"/><title type='text'>ProsopAgnosie</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default?redirect=false'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>15</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-8585684347680099665</id><published>2012-11-11T18:38:00.000+01:00</published><updated>2016-01-20T18:53:35.476+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Die Sache mit dem Blickkontakt</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es gibt Menschen, die behaupten, sie könnten den Charakter ihrer Mitmenschen an den Augen ablesen. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Wirklich? Dann sollten sie es mal bei mir versuchen. Ich wette, ich weiß schon jetzt, wie ihre Urteile ausfallen werden: verschlossen, unehrlich, überheblich, verschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: right; margin-left: 1em; text-align: right;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-DpRmECRgPn8/VHRRXAllY7I/AAAAAAAAAtk/X7vr4RIQz58/s1600/venetian-429812_640%2Bpix.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; height=&quot;150&quot; src=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-DpRmECRgPn8/VHRRXAllY7I/AAAAAAAAAtk/X7vr4RIQz58/s1600/venetian-429812_640%2Bpix.jpg&quot; width=&quot;200&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;http://pixabay.com/de/venetian-maske-karneval-venedig-429812/&quot;&gt;Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Wer andern nicht geradewegs ins Gesicht schaut, hat was zu verbergen. Ich bestreite das. Bei mir ist es anders. Ich fürchte nicht den Blick meiner Mit- menschen als Entlarvung geheimer Wünsche oder Absichten; ich kann mit dem Gesicht und den Augen anderer nur nicht viel anfangen. Sie vermitteln mir nicht jene Fülle an Informationen, die meine Mitmenschen aufzunehmen in der Lage scheinen und die ihnen so elementar wichtig sind. Ich konzentriere mich weit mehr auf gesprochene Worte. Und beim Wiedererkennen bekannter Personen erweisen sich ohnehin Stimme, Frisur und Bewegungsmuster als viel effektiver als das angestrengte Starren ins Gesicht. &lt;/div&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Umgekehrt&lt;/span&gt; kann ich gut und gern auf gleiche Behandlung verzichten. Man muss mich nicht anglotzen, damit ich um eine gerade stattfindende Kommunikation weiß. Manche Menschen stieren einen lange und pentrant in die Augen, ohne zwischendurch den Blick abzuwenden oder auch nur zu blinzeln. Mich macht das hochgradig nervös. Ich empfinde es als Zumutung, obwohl mir bekannt ist, dass dies in der sozialen Welt eine durchaus akzeptable Variante darstellt. Dennoch empfinde ich es als Eindringen in meine Privatsphäre. Potenziert wird das Ganze noch, wenn ich sitze während mein Gegenüber steht, weswegen ich den Kopf heben muss, um die Höflichkeit einer angemessenen Kommunikationshaltung zu wahren. Das ist derart unangenehm, dass ich vor lauter Schaudern oft nicht mehr genau mitkriege, über was wir überhaupt reden.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;b&gt;Dieses Geglotze muss ich mir nicht antun. &lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Ähnlich empfinde ich beim bloßen Zuschauen einer derart gelagerten Kommunikation zwischen zwei anderen Personen. Im Fernsehen, in Dokumentarsendungen, ist das oft zu beobachten. Im Bild ist der Interviewte zu sehen, leicht von der Seite aufgenommen, der wiederum seinem Interviewer außerhalb der Kameraeinstellung unbeweglich ins Gesicht starrt. Obwohl ich nicht gemeint bin, löst der Blick Unbehagen aus. Ich schaue weg. Vor dem Fernseher kann ich es mir leisten, in der realen Welt dagegen ist ein Rückzug oft nicht möglich.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Die sozialen Erwartungen sind nun mal eng mit dem Blickkontakt verbunden. Wer hier ausschert, läuft Gefahr, mit negativen Urteilen belegt zu werden. Unhöflich und desinteressiert sind da noch die harmlosen Alternativen. Solange ich auf ein wohlwollendes Feedback angewiesen bin (z. B.&amp;nbsp; in&amp;nbsp; beruflichen Gesprächen), können mir diese Vorgänge nicht egal sein. Ich versuche es also mit Schadensbegrenzung, wenn ich schon nicht qualitativ auf selber Stufe mithalten kann. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, meinen Gesprächspartnern auf den Mund zu schauen. Das klappt gut, zumindest auf eine gewisse Entfernung. Der andere nimmt wahr, dass ich ihn &quot;irgendwie&quot; anschaue. Das reicht oft, um einen sozial akzeptabeln Modus zu erfüllen. Sitzen wir uns allerdings frontal gegenüber, muss ich mich noch stärker konzentrieren, um diesen Vorgang aufrechtzuerhalten. Irgendwann schweife ich immer ab, blicke im Zimmer umher oder fixiere einen bestimmten Punkt an den Möbeln. Meiner Teilhabe am Gespräch tut das keinen Abbruch, nur weiß der andere das nicht und zieht entsprechend negative Schlüsse. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Fällt es mir irgendwann selbst auf, dass ich ja mal wieder meinen Gesprächspartner anschauen müsste, um die Spielregeln einzuhalten, geschieht das oft derart hektisch und angestrengt, dass mich dieses Bemühen vermutlich auch nicht mehr rettet. Selbst wohlwollende Mitmenschen finden mein Blickverhalten &quot;komisch&quot;. Die meiste Zeit schaue ich sonstwohin, nur nicht ins Gesicht. Was sollen dann erst jene denken, die mich gar nicht kennen und denen nur ihre gängigen Interpretationen zur Verfügung stehen? Kein Wunder, dass sie irritiert sind. Aber muss man mich deswegen gleich zu einem andern Menschen machen? Unehrlich trifft es nun wirklich nicht. Verschlagen auch nicht. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Ich würde mir wünschen, dass meine Mitmenschen gelegentlich ihre Maßstäbe, Denkmuster und Erwartungen überprüfen. Interaktion bleibt ein subjektives Geschäft. Vieles beruht auf Gewohnheit. Hier ein paar eingefahrene Strukturen aufzuweichen würde mir sehr helfen. Als Prosopagnostiker kann ich manchmal nicht anders, als aus der Rolle zu fallen, obwohl ich mich durchaus bemühe, meinen Kreis in euer Dreieck zu quetschen – immer wieder, Tag für Tag.&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/8585684347680099665/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/11/die-sache-mit-dem-blickkontakt.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/8585684347680099665'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/8585684347680099665'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/11/die-sache-mit-dem-blickkontakt.html' title='Die Sache mit dem Blickkontakt'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/-DpRmECRgPn8/VHRRXAllY7I/AAAAAAAAAtk/X7vr4RIQz58/s72-c/venetian-429812_640%2Bpix.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-1609487584259905836</id><published>2012-08-04T22:50:00.000+02:00</published><updated>2016-01-20T20:31:58.355+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Biografisches"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Erinnerung"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Bob Marley war hier</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Einmal saß ich einer Frau gegenüber, die ich gerade kennen gelernt hatte. Wir unterhielten uns eine Stunde lang. Als mich ein paar Tage später meine Freundin anrief, erzählte ich ihr von dem Treffen. Die Frau sei sehr sympathisch, sagte ich. Sie habe lange blonde Haare, wirke harmonisch, ruhig und sehr weiblich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;table align=&quot;center&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-XhU_GyegM04/UVWodV5yczI/AAAAAAAAAss/4_PqgNXR1ok/s1600/file000122716689+400+bb.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; height=&quot;240&quot; src=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-XhU_GyegM04/UVWodV5yczI/AAAAAAAAAss/4_PqgNXR1ok/s320/file000122716689+400+bb.jpg&quot; width=&quot;320&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.morguefile.com/archive/display/123584&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: black;&quot;&gt;Foto:&amp;nbsp;&lt;/span&gt; MorgueFile&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Der Zufall wollte es, dass wir uns ein zweites Mal trafen. Diesmal war ich – gelinde gesagt – schockiert, aber nicht über die Frau, sondern über mich. Die Überprüfung meiner Beschreibung ergab nämlich, dass ich bei ihrem Aussehen vollständig daneben gelegen hatte. Die Frau trug keineswegs lange blonde Haare – ihre Haare waren rot und reichten ihr nur bis zum Kinn. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Wie habe ich mich dermaßen irren können? Konnte ich überhaupt noch meiner Wahrnehmung trauen, wenn sich in meiner Erinnerung eine Frisur festgesetzte, die meine Augen gar nicht gesehen hatten? Passierte mir das öfter, nur merkte ich nichts davon? &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Mir ließ dieses Ereignis keine Ruhe. Solange ich keinen Grund angeben konnte, was dort mit mir geschehen war, war ich verunsichert. Souverän geht anders. &lt;/div&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Inzwischen&lt;/span&gt; weiß ich, dass ich Menschen nach Kategorien einordne. Das erleichtert mir die Orientierung als Alternative, wenn mir mein Gegenüber kein praktikables Merkmal an die Hand gibt, das sich gut zur individuellen Unterscheidung eignen würde, eine deutliche Narbe im Gesicht beispielsweise. Die meisten Menschen sind nun mal recht unauffällig, ohne krasse optische Abweichungen von der Masse. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Hier hilft es mir, wenigstens einen Typus festzulegen. Der lässt sich später beim Wiedererkennen genauso zur Abgrenzung nutzen wie der direkte Vergleich zwischen dicken und schmalen Nasen. So wird ein Mann mit Rasterlocken zu Bob Marley, eine weißhaarige, energische Dame im eleganten Kostüm zu Inge Meysel und ein junger Langhaariger mit anachronistischem Habitus zum Typ &quot;Che Guevara lebt&quot;. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Als Vorbild für die Typisierung eignen sich prominente Persönlichkeiten, die irgendetwas an sich haben, was mein Gegenüber auch hat (oder was ich in ihn hineininterpretiere). Bestimmte Berufsgruppen erfüllen ebenfalls den Zweck (Typ Fleischer oder Typ Parfümerieverkäuferin – so wie sie mir vorstelle) und natürlich Vergleiche mit ähnlichen Menschen, die in früheren Zeiten ganz privat in meinem Leben einmal eine Rolle gespielt hatten. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es geht mir darum, meine Mitmenschen wiedererkennbar zu machen. Dass solche Typisierungen reines Schubladendenken sind, ist mir klar. Ich bediene Vorurteile. Ich belege Menschen, die ich kaum kenne, mit Eigenschaften ihrer optischen Vorbilder, ohne zu wissen, ob sie tatsächlich zutreffen. Für meine Belange reicht dies aber vollkommen aus; ich benötige lediglich ein nützliches Schema. Körperliche Merkmale wie Statur oder Kopfform sind dabei ebenso hilfreich wie Persönlichkeitseigenschaften: die Art zu reden, das Temperament oder auch nur die Art, sich zu kleiden. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;b&gt;&quot;Du warst mal Stan Laurel&quot;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Manch einer, den ich inzwischen gut kennen gelernt habe, wird sich vielleicht wundern, wenn er wüsste, mit welchem Etikett ich ihn versehen hatte, als wir uns gerade erst begegnet waren. Da solche Klimmzüge im Alltag aber für Nicht-Prosopagnostiker unnötig sind und daher wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen werden, behalte ich mein Schubladendenken lieber für mich. Es würde mir nur den Ruf der Oberflächlichkeit einbringen. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Zu meiner Verteidigung kann ich aber versichern, dass solche Kategorisierungen sofort überflüssig werden, sobald andere Merkmale das Wiedererkennen übernehmen. Wenn ich mein Gegenüber zum Beispiel öfter sehe und Zeit gewonnen habe, mir unauffällig seinen Gang einzuprägen oder seine Frisur, dann ist der Typus Börsenmakler passé und ich beginne wie jeder andere auch, den Menschen in seinen Worten und seinen Handlungen kennen zu lernen und daran meine Urteile festzumachen, nicht mehr an der Zuweisung optischer oder anderer Assoziationen. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Wenn einem solche Mechanismen bewusst sind, kann man entsprechend wachsam damit umgehen. Manche Typisierungen geschehen unbemerkt, so wie im obigen Beispiel mit der angeblich blonden Frau. Es scheint sich um eine Strategie zu handeln, die sich mein Gehirn irgendwann angeeignet hat, um besser mit dem Defizit der Prosopagnosie klarzukommen. Ich kann mich nicht erinnern, diese Krücke selbst eingeführt zu haben. Mit gewissen Überraschungen werde ich also auch in Zukunft rechnen müssen, denn über den puren Willen lückenlos kontrollieren lässt sich das Gehirn nun mal nicht. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Manchmal muss ich sogar feststellen, dass sich die erste Schublade, in die ich mein Gegenüber gesteckt hatte, nicht nur als vollkommen falsch erweist, sondern auch als unbrauchbar. Bei jener Bekannten aus dem Eingangsbeispiel war dies der Fall. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Was war nun der Grund, warum ich die rothaarige Frau mit den kinnlangen Haaren kurzerhand zur Blondine gemacht hatte? Ganz einfach: In meiner Vorstellung haben sanfte, ruhige, harmonisierende Frauen lange blonde Haare (warum auch immer). Daher hatte meine Erinnerung die tatsächliche Optik ausgeblendet und stattdessen den Typus sanfte Frau stilecht mit jenen Merkmalen belegt, die ich damit verbinde, nämlich mit den langen blonden Haaren – schon war die Kategorie &quot;unaggressive Prinzessin&quot; geboren. Doch dass ich damit gar nichts anfangen konnte, denn nach den langen blonden Haaren hätte ich im Ernstfall ja vergeblich gesucht, das ist mir erst aufgegangen, als ich die Frau wiedertraf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier muss mein Prospagnostikerhirn wohl noch etwas nachbessern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/1609487584259905836/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/08/bob-marley-war-hier.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/1609487584259905836'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/1609487584259905836'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/08/bob-marley-war-hier.html' title='Bob Marley war hier'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://4.bp.blogspot.com/-XhU_GyegM04/UVWodV5yczI/AAAAAAAAAss/4_PqgNXR1ok/s72-c/file000122716689+400+bb.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-2855995425693431954</id><published>2012-05-01T15:35:00.000+02:00</published><updated>2016-01-20T19:01:30.766+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Biografisches"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gruppe"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Aber neulich,  das hat doch prima geklappt?</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Meine Leute haben sich inzwischen an mein Dasein als Prosopagnostikerin gewöhnt. Wirklich verstehen können sie das Phänomen aber noch immer nicht. Vielmehr akzeptieren sie, was ich ihnen darüber berichte, ohne stichhaltig dagegen argumentieren zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table align=&quot;center&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto; text-align: center;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-RstjcU5p5DE/Vp_JDqJNZdI/AAAAAAAAA2U/HSlNJVc0onk/s1600/station-839208_640.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-RstjcU5p5DE/Vp_JDqJNZdI/AAAAAAAAA2U/HSlNJVc0onk/s1600/station-839208_640.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;https://pixabay.com/de/bahnhof-titel-schiene-eisenbahn-839208/&quot;&gt;Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
&amp;nbsp;Am Anfang, zu Beginn meines Outings, war die Gegenwehr noch bedeutend größer gewesen. Es war (und ist nach wie vor) schwierig, sich ein Defizit ohne völliges Versagen vorzustellen: Entweder es fehlt dem Prosopagnostiker die körperliche Voraussetzung, um Gesichter wiederzuerkennen&amp;nbsp; –&amp;nbsp; so der Gedankengang&amp;nbsp; – , dann müsste ich aber auch bei jedem Versuch konsequent scheitern, oder man kriegt es irgendwie hin, meistens jedenfalls, dann dürfte ich mich an dieser Stelle aber nicht von der restlichen Menschheit unterscheiden.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es ist meine Unauffälligkeit, die irritiert. Irgendwie schaffe ich es, im Strom der sozialen Konformität mitzuschwimmen. In der Regel falle ich nicht sonderlich auf. Meist gelingt es mir, die wichtigsten Leute meiner sozialen Biotope so weit mit spontan wirkender Aufmerksamkeit zu erfreuen, dass es nicht negativ auf mich zurückfällt. Meine Umgebung schließt daraus, dass ich ja genauso sei wie sie selbst.&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;color: #ffd966;&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #f1c232;&quot;&gt;Kläre&lt;/span&gt; &lt;/span&gt;ich dann meine Mitmenschen auf, sind sie überrascht. Meine Freunde wollten es erst nicht glauben. Aber sie hatten es auch besonders schwer, weil sie mich schon seit der Schulzeit kennen und nie etwas bemerkt hatten, was meine Behauptung im Nachhinein gerechtfertigt erscheinen ließ. Und nun kam ich daher und stellte ihre Wahrnehmung auf den Kopf.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&quot;Ach! Nee? Echt?&quot;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Nicht-Betroffene übersehen in der Regel eins: Die Ergebnisse mögen zwar die gleichen sein, doch die Wege zum Ziel sind andere. Während jene Mitmenschen, die sich nicht mit den Einschränkungen der Prosopagnosie herumschlagen müssen, den geraden Weg wählen, nämlich – bildlich gesprochen&amp;nbsp; – die paar Schritte mitten durchs Wohnzimmer nehmen, um dann durch die Terrassentür ins Freie zu treten, muss ich vorne raus, an der Seite am Haus entlang laufen und mich von der Gartenseite nähern. Am Ende stehen wir zwar beide nebeneinander auf der Terrasse, doch der Aufwand war ein anderer.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es ist bekannt, dass Prosopagnostiker Ausgleichsstrategien pflegen. Statt sich an den Gesichtern zu orientieren, ziehen wir Informationen aus anderen Merkmalen heran wie aus Kinnform, Stimme, Frisur oder Bewegungsmuster. Wie gut dies klappt, hängt von den Bedingungen ab. Sind die Merkmale prägnant genug, taugen sie zum raschen Wiedererkennen, fehlen dagegen individuell zuzuordnende Kennzeichnen (vielleicht weil ich diesen Menschen noch nicht oft genug gesehen hatte), werde ich unsicher und liege daher möglicherweise falsch mit meiner Einschätzung, ob ich den betreffenden Menschen kenne oder nicht. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es ist wie bei einem Rotgrün-Blinden. Auch er bleibt unfähig, diese beiden Farben zu sehen, selbst wenn er gelernt hat, dass an der Ampel rot oben ist und grün unten, so dass er hier handeln kann wie jeder andere. Für seine Umwelt mag es ausschauen, als hätte er keinerlei Einschränkung. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&quot;Du hast mich doch am Bahnhof abgeholt! Du hast mich doch sofort erkannt!&quot;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Sich in solche Umwege hineinzudenken bleibt für meine Leute schwierig. Als mich meine Freundin einmal besuchen kam und ich am Bahnsteig auf sie wartete, klappte die Zusammenführung problemlos. Sie sah mich, ich sah sie, alles in Ordnung. Meine Freundin schloss daraus, dass es daher mit dieser Prosopagnosie bei mir nicht ganz hinhauen könne, da ich ja sogar – erschwerender Umstand!&amp;nbsp; –&amp;nbsp; inmitten einer größeren Menschenmenge, die ein Bahnhof nun mal darstellt, vorbildlich funktioniert hätte.&amp;nbsp; Ihrer Vorstellung nach hätte ich kläglich versagen müssen. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&quot;Nun ja&quot;, lautete meine Antwort. &quot;Du vergisst Folgendes:&amp;nbsp; Ich war vorbereitet. Ich wusste doch, dass du kommst. Und wenn ich auch keine Vorstellung von deinem Gesicht hatte, so kenne ich deine Statur, ich weiß, wie du dich bewegst und dass du blond bist. Das alles sind Informationen, die sich zum Aussieben der anderen Passanten eignen. Außerdem hast du auf mich reagiert. Du hast gelächelt, als du mich dort stehen sahst. Welcher Fremde kommt lächelnd auf einen zu? In der Regel keiner, also konnte ich mit allem Recht davon ausgehen, dass es sich um dich handelte.&quot;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Um den Unterschied zu einer weniger günstigen Situation&amp;nbsp; zu verdeutlichen, habe ich meiner Freundin noch folgendes Beispiel angeführt: &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&quot;Dann mach mal die Probe aufs Exempel. Zieh dir eine Kapuze über, so dass ich deine Haare nicht sehen kann, schlag den Jackenkragen hoch und stell dich – ohne mich vorher darüber zu informieren – an eine Straßenkreuzung und warte, dass ich vorbeikomme. Wenn du mich dann siehst, bleib ruhig stehen, reagiere nicht auf mich: kein Lächeln, kein Zwinkern, keinerlei zugewandte Reaktion. Und dann sollst du mal sehen, ob ich dich dann immer noch wiedererkenne.&amp;nbsp; – Wahrscheinlich nicht. Denn weder bin ich vorbereitet, dass ich dich dort treffe, noch reichen die Informationen (verdeckte Haare, keine Bewegung, kein Entgegenkommen), um dies mit deiner Person in Verbindung zu bringen.&quot;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Hier versagt der Umweg über meinen Kopf. Hier reicht nicht mehr angestrengtes Nachdenken. In solchen Situationen ist es wesentlich vorteilhafter, stattdessen sein eingebautes Gesichtsscanner-Programm arbeiten zu lassen (sofern man es besitzt). Einmal in die Kapuze geguckt, und schon ist man im Bilde, wen man vor sich hat. Dies wiederum wird&lt;i&gt; mir &lt;/i&gt;ein ewiges Rätsel bleiben – wie das funktionieren kann. Ich würde es gern mal wissen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/2855995425693431954/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/05/aber-neulich-das-hat-doch-prima.html#comment-form' title='6 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/2855995425693431954'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/2855995425693431954'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/05/aber-neulich-das-hat-doch-prima.html' title='Aber neulich, &lt;/br&gt; das hat doch prima geklappt?'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/-RstjcU5p5DE/Vp_JDqJNZdI/AAAAAAAAA2U/HSlNJVc0onk/s72-c/station-839208_640.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>6</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-1291596422376732892</id><published>2012-01-22T15:16:00.000+01:00</published><updated>2014-11-25T11:35:56.382+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Erinnerung"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Fernsehen"/><title type='text'>Fernsehen</title><content type='html'>&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Früher als Kind konnte man mich kaum von der Mattscheibe wegkriegen, heute besitze ich nicht mal mehr einen Fernsehapparat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: right; margin-left: 1em; text-align: right;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-BTJeN4Jv65s/VHRS_ZISR9I/AAAAAAAAAtw/vmohn_WqxDM/s1600/tv-310801_640%2BPix.png&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-BTJeN4Jv65s/VHRS_ZISR9I/AAAAAAAAAtw/vmohn_WqxDM/s1600/tv-310801_640%2BPix.png&quot; height=&quot;200&quot; width=&quot;185&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;http://pixabay.com/de/tv-fernsehen-technologie-bildschirm-310801/&quot;&gt;Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Ich mochte die Zeichentrickfilme wie Bugs Bunny oder die Blaue Elise und die Vorabendserien im ersten und zweiten Programm, die halbe Stunde „Lieber Onkel Bill“ oder „Westlich von Santa Fé“ vor dem Abendessen und dem Fingerzeig in Richtung Bett. Private Sender gab es derzeit noch nicht, dementsprechend überschaubar war das Angebot, und ich glaube, auch die Präsentation, die Kameratechnik hat sich inzwischen gewaltig geändert. Damals bestand ein Film noch aus längeren, nahtlosen Sequenzen, ohne dass ständig zwischen mehreren Perspektiven hin und her geschaltet wurde.&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann im Laufe meiner Jugend fiel dann meiner Umgebung auf, dass ich die Schauspieler verwechselte. Das trug zur Erheiterung bei oder provozierte Kopfschütteln: Wie kann man nur …! Mir selbst wurde allmählich bewusst, dass fernsehen anstrengender wurde. Mit Dokumentarfilmen oder Quizshows kam ich gut zurecht, doch Spielfilme ödeten mich zunehmend an. Sie bereiteten mir keine Entspannung, im Gegenteil, es wurde anstrengend ihnen zu folgen &lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Inzwischen&lt;/span&gt; kann ich die Gründe benennen. Meine Erfolglosigkeit beim Fernsehen ist unter anderem auf die Prosopagnosie zurückzuführen. Mir fehlen die Voraussetzungen, um die bildlichen Informationen, die über das Medium Film transportiert werden, genauso schnell und vor allem richtig zu entschlüsseln, so wie es vom Regisseur gedacht ist.
&lt;!--weiterlesen--&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Bei Dokumentarsendungen ist das Problem bei weitem nicht so deutlich, denn bei Dokumentationen geht es in erster Linie um die Vermittlung von Inhalten, um Sachthemen, und die wiederum sind in der Regel gut zu handhaben über Argumentation und Folgerichtigkeit. Ich muss das optische Drumherum also nicht in jeder Einzelheit verstehen, solange die inhaltlichen Aussagen über die Sprache schlüssig vermittelt werden, so dass ich mich daran entlanghangeln kann. 
&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Spielfilmen dagegen reicht das nicht aus. Spielfilme sind fiktive Geschichten. Sie folgen der individuellen Dramaturgie des Regisseurs, und ich als Zuschauer kann nicht wissen, was mich erwartet. Wenn ich den Film verstehen will, muss ich auf die vorgegebenen Strukturen eingehen, muss mich an die Hand nehmen lassen und die Handlungen, Dialoge, Gesten und Schnitte als gegeben akzeptieren in der Hoffnung, dass die Signale so unmissverständlich sein mögen, dass selbst ich zu den beabsichtigten Schlussfolgerungen kommen kann. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Doch mit den Gesichtern ist das so eine Sache. Wie soll ich einen Film begleiten, wenn ich nicht mal alle Schauspieler als unterscheidbare Individuen wahrnehme? Schauspieler sind meist sehr gut aussehend mit harmonischen Gesichtszügen. Besonders das Schönheitsideal der alten Hollywood-Produktionen brachte einen Typus hervor, der in seiner ebenmäßigen Gleichförmigkeit zum Abziehbild wurde. Die Gesichter sind austauschbar, ohne dass dies in die Aussagen des Filmes eingreifen würde. Bis heute kann ich nicht Cary Grant von James Stewart, Gary Cooper, Gene Kelly und Rock Hudson unterscheiden. Sollten zwei dieser Schauspieler im selben Film mitspielen, wird es schwierig für mich, denn wer nicht genau weiß, wer welche Rolle verkörpert, wird es schwer haben, der Handlung zu folgen. Lediglich solche Schauspieler wie Spencer Tracy oder Orson Welles, die in markanter Weise vom Mainstream abweichen (und sei es in ihrer gedrungenen Gestalt), bringen einen deutlichen Wiederkennungswert mit sich. Ein Inspektor Colombo ist also schon allein deshalb attraktiv, weil mich sein auffällig hängendes Auge und sein immer gleicher Trenchcoat zuverlässig durch den Film navigieren. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Doch selbst wenn ich die zwei, drei Hauptdarsteller - nehmen wir zum Beispiel Kommissar Stöver und sein Kollege Brocki vom Hamburger „Tatort“ - gut im Blick zu behalten vermag, gibt es ja noch die Nebendarsteller, und die können alles ganz schön durcheinander bringen.&amp;nbsp; Je mehr Gesichter beteiligt sind, desto konfuser wird es. Filme bestehen ja aus Zeitsprüngen und anderen Perspektiven, aus immer neuen Sequenzen, die aneinander gereiht werden und&amp;nbsp; an verschiedenen Orten mit wechselnden Straßen, Häusern oder Zimmereinrichtungen spielen. Wenn nun also bei Kommissar Stöver – um bei diesem Bild zu bleiben – die Zeugin XY ins Büro auf dem Polizeirevier kommt, um eine Aussage zu machen, ist für mich nicht automatisch ersichtlich, um wen es sich handelt. Es könnte eine Filmfigur sein, die zum ersten Mal auftaucht. In diesem Fall wäre es nicht verwunderlich, wenn mir ihr Gesicht unbekannt vorkäme. Allerdings wäre es ebenso denkbar, dass die Person bereits ein paar Szenen vorher schon einmal aufgetreten ist, nur weiß ich das nicht, weil ich die Frau mit dem Kopftuch und den Gummistiefeln, die derzeit von Kommissar Stöver im Vorgarten eines Reihenhauses befragt worden war, nicht als identisch mit jener Dame erkenne, die nun im Kamelhaarmantel und Brille auf seinem Bürostuhl sitzt. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Allein dass ich bereits bei solch unbedeutenden Nebenszenen zum falschen Ergebnis komme, kann das Verständnis des gesamten Films gefährden. Manchmal fällt mir schon während des Zuschauens auf, dass mir der Inhalt entgleitet. Dann muss ich in Gedanken zurücklaufen und versuchen, die Abzweigung zu finden, wo ich falsch abgebogen bin. Die Dame mit den Gummistiefeln im Vorgarten wird somit nachträglich zur passenden Funktion korrigiert, so dass ihr Auftritt mit dem jener Dame auf dem Polizeirevier endlich eine schlüssige Einheit bildet. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
In andern Fällen unterliege ich recht lange der Illusion, ich hätte alles richtig verstanden. Manchmal dauert es bis zur Spielfilmmitte, bis ich merke, dass etwas nicht mehr logisch zusammenpasst. So erging es mir beispielsweise mit einem skandinavischen Film. Er handelte von einer Handvoll junger Menschen, über die in wechselnden Szenen aus ihrem Alltag berichtet wurde, zum Beispiel von einer Ärztin im Krankenhaus oder einer jungen Frau, die ihren Partner mit ihrem hartnäckigen Kinderwunsch nervte. Die einzelnen Figuren hatte ich soweit korrekt eingeordnet. Jedenfalls war ich zufrieden mit meiner Interpretation; das Zuschauen empfand ich nicht als sonderlich anstrengend. Nur eins verstand ich nicht: Wie gehörten diese Ärztin und die Frau mit dem dringenden Kinderwunsch in dieses Konstrukt? Für mich ergab sich kein Sinn. Eine der beiden Frauen schien übrig zu sein, passte nicht recht in den Handlungsablauf. Ihr Auftreten hing sonderbar unvollständig im Raum. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte lange, bis ich endlich begriffen hatte, dass die Ärztin und die junge beabsichtigte Mutter ein und dieselbe Schauspielerin waren. Ich hatte sie nur nicht als identisch erkannt, weil die Darstellerin im Krankenhaus einen weißen Kittel und einen Pferdeschwanz trug und daheim in Privatkleidern und mit offenen Haaren unterwegs war. Für mich waren dies zwei eigenständige Personen gewesen. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ärger, den solche Unzulänglichkeit verursacht, hat mir im Laufe der Jahre den Spaß an den Spielfilmen vergällt. Spielfilme sind keine Entspannung, sie sind Arbeit. Ich konnte ohnehin nie recht verstehen, was andere Leute so attraktiv daran finden, in einem Kino auf einem engen Sitz eingeklemmt auf eine große Leinwand zu starren. Ebenso wenig kann ich die Freude nachempfinden (seit ich die Bugs-Bunny-Phase hinter mir habe), warum man freiwillig daheim seinen Feierabend mit dem Anstarren des Fernsehbildes verbringt. Ich habe stets nebenbei etwas anderes erledigt – Karten gespielt, gebastelt, gestrickt, die Ablage gemacht – und dabei nur sporadisch auf die Mattscheibe geschaut. Filme waren also schon früh zu Hörspielen geworden. Die Sprache war mir wichtig.&amp;nbsp; Vor allem sie vermittelte mir den Inhalt; die Bilder waren nebensächlich, allenfalls praktisch, um eine grobe Orientierung zu gewähren, denn wer schon fertige Bilder nutzt, braucht sich keine eigenen zu schaffen. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen besitze ich, wie gesagt, überhaupt keinen Fernseher mehr. Ich habe den Abschied nie bereut. Ab und zu spüre ich Lust nach einem alten „Tatort“, nach Brocki und Stöver oder nach Kommissar Haverkamp. Es ist mehr Nostalgie, das Heraufbeschwören schöner Erinnerungen an meine Jugendzeit, als der Wunsch nach Ablenkung oder Anregung. Das Sehen ist dabei noch immer unwichtig. Ich schalte YouTube an, lasse den „Tatort“ im Hintergrund laufen und sortiere meine Fotos am Bildschirm. Die Sprache reicht.&amp;nbsp; Die Bilder dazu produziert jetzt mein eigener Kopf – oder auch nicht. Ich vermisse nichts. &lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/1291596422376732892/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/01/fernsehen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/1291596422376732892'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/1291596422376732892'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2012/01/fernsehen.html' title='Fernsehen'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://4.bp.blogspot.com/-BTJeN4Jv65s/VHRS_ZISR9I/AAAAAAAAAtw/vmohn_WqxDM/s72-c/tv-310801_640%2BPix.png" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-4369928291220305762</id><published>2011-10-05T12:28:00.005+02:00</published><updated>2012-06-04T20:20:33.337+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gruppe"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Wo entlang?</title><content type='html'>&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Mir gefällt das Bild, es hat was Friedliches. Nur eins verstehe ich nicht: Was soll die Laterne mitten auf der Straße? Oder ist es eine Ampel? So niedrig? Und im menschenleeren Ort? &lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;table align=&quot;center&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto; text-align: center;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-8jK6lSIJdNI/TowqdnvB7UI/AAAAAAAAAcA/UZ4Gnqy2qcc/s1600/002178_0480+Cortes%252C+Bert.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-8jK6lSIJdNI/TowqdnvB7UI/AAAAAAAAAcA/UZ4Gnqy2qcc/s1600/002178_0480+Cortes%252C+Bert.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Bert Cortes/Visipix.com&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Auf jeden Fall ist es ein Hindernis, es zwingt mich zum Ausweichen. Entweder muss ich an der einen Seite vorbei oder an der andern. Ich könnte natürlich auch davor stehen bleiben und umkehren oder gar als dritte Möglichkeit alle Folgen ignorieren und geradewegs in den Pfahl hineinlaufen. Warum zwingt man ohne ersichtliche Not die Passanten, solche Entscheidungen zu treffen?&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Im übertragenen Sinn ist die Prosopagnosie meine persönliche Straßenlaterne. Sie steht genauso idiotisch im Weg herum wie jene hier auf dem Gemälde. Wenn die Straße ein Sinnbild ist für die zwischenmenschliche Interaktion, dann ist die Prosopagnosie das Hindernis, das mich hemmt. Der Verkehrsfluss ist darauf ausgerichtet, dass es reibungslos vorangeht. Wir Menschen sollen uns verstehen, unmissverständlich kommunizieren und befriedigende Sozialkontakte pflegen. Darum stellt man nicht absichtlich eine Barriere auf, die all dies erschwert. Ich aber habe solch ein Hindernis auf meiner Interaktionsstraße stehen. Zwar habe ich es nicht selbst dort hingetan, aber ich werde es auch nicht los. Die Frage ist, wie ich damit umgehe.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Nach&lt;/span&gt; meiner Erfahrung bleiben mir drei Möglichkeiten:&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;ol&gt;&lt;li&gt;mein Handikap negieren, so tun, als hätte ich keinerlei Einschränkung&amp;nbsp;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Flucht nach vorn antreten, meine Umwelt von meinen Schwierigkeiten unterrichten, und&amp;nbsp;&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;aussteigen, mich der belastenden Situation entziehen&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Um es gleich zu sagen: Der erste Punkt ist nichts für mich. Der Aufwand, den ich betreiben müsste, um meiner Umwelt vorzuspielen, dass ich interaktionstechnisch genauso gut ausgestattet wäre wie sie, würde mir viel zu viel Energien rauben. Natürlich erzähle ich nicht jedem Fremden von meiner Prosopagnosie, doch besteht ein Unterschied zwischen schweigen und abstreiten. Ich lächele allenfalls freundlich oder antworte mit einem simplen: „Tut mir Leid, ich habe sie nicht erkannt“, sollte ein entfernter Bekannter ignorantes Wegschauen monieren. Das muss reichen – je nach Situation. Ich entziehe mich zwar einer Erklärung, zu der ich keine Lust habe oder die mir übertrieben erscheint, doch bleiben die Gründe nach wie vor offen. Ich tu nichts, um meinem Gegenüber aktiv weiszumachen, dass ich grundsätzlich keinerlei Problem hätte. Darin besteht der Unterschied zum Abstreiten. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Mit der zweiten Möglichkeit habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Wann immer es mir angebracht erscheint, sage ich ein paar erklärende Worte über meine Schwierigkeiten. Die Leute sind erstaunlich offen. Mir hat noch keiner ins Gesicht gesagt, dass ich mich herausreden wolle oder gar spinne. Man hört mir zu. Gelegentlich kommt ein „Aha“ oder sogar: „Darüber habe ich neulich was im Fernsehen gesehen“, und manchmal werde ich später noch mal darauf angesprochen, weil ihnen inzwischen ein paar Fragen eingefallen sind. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Ich freue mich darüber, denn es erleichtert meinen Alltag. Ich kann dadurch einen Teil meiner Verantwortung abtreten. Solange ich nämlich schweige und der andere nichts weiß von meinem Handikap, darf ich kein Entgegenkommen erwarten. Ist jedoch der andere ins Bild gesetzt, obliegt ihm – zu gleichen Teilen wie mir – die Verantwortung fürs Gelingen unserer Interaktion. Er weiß jetzt Bescheid und muss seinerseits zusehen, wie er das Beste aus unserer Situation macht.&lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Ein paar Worte in eigener Sache ...&quot;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Mir bringt dieses Wissen enorme Entspannung. Daher pflege ich in Gruppen, mit denen ich länger zu tun haben werde, gleich zu Anfang ein paar Dinge anzusprechen. Ich erkläre kurz, was die Prosopagnosie ist, gefolgt von der Bitte, dass man mir nicht böse sein möge, falls ich auf den einen oder andern nicht sofort reagieren sollte. Dies geschehe nicht mit Absicht, und es wäre schön, wenn man mich dann einfach mit „Hallo“ anreden würde. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Zwar bin ich überzeugt, dass vielen dennoch das Phänomen der Prosopagnosie unverständlich bleibt. Ich glaube, es ist für Nichtbetroffene schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich in mich hineinzuversetzen. Doch das ist auch gar nicht nötig; Hauptsache, das Verhalten passt. Durch die Erklärungen leiste ich meinen Anteil, damit die Interaktion im Fluss bleiben kann. Jetzt sind die andern dran. Ich kann mich zurücklehnen und abwarten, was passiert. Wie gesagt, ich bin jetzt nur noch zur Hälfte verantwortlich. Den Entspannungseffekt, der hieraus erwächst, kann ich nicht hoch genug loben. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Trotzdem hilft manchmal alles nichts. Manche Situationen sind derart vertrackt, dass Bemühen und gute Laune scheitern. Dann wird es Zeit für die dritte Strategie. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Aussteigen kann zweierlei bedeuten. Zum einen heißt es, dass ich mich gar nicht erst einer prekären Lage aussetze. Ich bleibe also daheim, gehe nicht mit auf die Party oder die Ausstellungseröffnung. Gott sei Dank bewege ich mich selten exponiert. Ich bin nur eine unter vielen, schwimme mit im großen Strom. Niemand schaut auf mich und niemand hegt besondere Erwartungen. Das reduziert die Gefahr der Fettnäpfchen. Aber manchmal gibt es eben doch Konstellationen, wo ich im Mittelpunkt stehe, wo man mich extra begrüßt und wo ich zu vermehrtem Small Talk gezwungen bin. Wenn ich dann vorher schon weiß, dass gleich eine ganze Reihe älterer Herren im Anzug mit Stirnglatze und typischer Männerbrille auf mich zuströmt und jeder Einzelne ein sofortiges Wiedererkennen erwartet, dann weiß ich, dass ich diesen Kampf nie und nimmer gewinnen werde. Wie soll ich die uniformierte Altherrenriege auseinanderhalten? Und wie sollten die netten Herren wissen, dass mein Zögern bei der Begrüßung eine ganz andere Ursache hat als Desinteresse oder Unhöflichkeit? &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Diese Schlacht kann ich nicht gewinnen. Manchmal ist es daher besser zu kapitulieren, als sich übergebührlichem Stress auszusetzen und sich am Ende dann doch unverschuldet als Arrogantling in der Erinnerung wichtiger Leute einzunisten.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Zum anderen meine ich mit aussteigen, ein kleines Täuschungsmanöver zu veranstalten. Es ist die interne Notbremse, wenn alles andere nicht funktioniert. Man befindet sich vielleicht auf einer wichtigen Veranstaltung, man gibt sich alle Mühe, niemanden zu übersehen und falsch anzureden, aber dennoch merkt man, dass man es nicht schaffen wird. Zu groß ist die Unbekannte X und zu wenig sind die Informationen, die wirklich weiterhelfen. Den Ort körperlich verlassen und physisch der stressigen Situation entfliehen ist aus bestimmten Gründen nicht möglich, also bleibt man da und versucht anders den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.&lt;/div&gt;&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Ach, ich war in Gedanken ...&quot;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Dafür gut geeignet sind Gespräche mit dem Handy oder intensiv im Veranstaltungsblättchen lesen; so tun, als durchsuche man seinen Schlüsselbund; sich am Büfett zu schaffen machen; mit einem Gast über das Bild an der Wand diskutieren oder in der Handtasche kramen. Gewissen Personen, die andernfalls höfliche Ansprache erwarten, weil sie sozial höher stehen oder aus einem andern Grund für mich wichtig sind, wird dadurch signalisiert: „Ich seh dich gerade nicht, ich bin beschäftigt.“ Das kann schon ausreichen, um mir das Wohlwollen zu erhalten. Ich liefere dem andern eine plausible Erklärung, warum ich mich gerade nicht mit ihm befasse. Es gilt noch immer als sozial akzeptabel, jemanden nicht wahrzunehmen, weil man sich gerade auf seinen Teller konzentriert. Niemand wird einem deswegen ernsthaft unterstellen, man mache es absichtlich, um den andern nicht begrüßen zu müssen. Es sind allgemein anerkannte Unpässlichkeiten; sie werden einem verziehen.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Ich mache mir diesen Umstand zunutze. Wenn die Alternative lautet, dass ich am Begrüßungsritual scheitere und für unhöflich, ungeschickt oder arrogant gehalten werde, dann ziehe ich es vor, dass mein Gegenüber mich stattdessen für verfressen hält. Ich liefere ihm eine Alternativbegründung. Die Prosopagnosie bleibt außen vor. Sachdienliche Erklärungen würden hier sowieso nicht greifen; die Situation lässt es nicht zu. Also mache ich mich notfalls selbst ein wenig schusseliger oder gedankenversunkener, als ich bin. Mein Gegenüber mag denken, was er will, solange er mir keine böswillige Absicht unterstellt. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;Man verzeiht, was man kennt, und verurteilt, was einem fremd ist. Aussteigen bedeutet also auch, eine vertraute Begründung zu liefern für etwas, worin der andere unkundig ist. Es ist ein Schauspiel, vorne und hinten zusammengelogen, aber ohne dies wäre ich manchmal nackt unterwegs. In einem günstigeren Moment kann ich mich ja wieder als Prosopagnostiker outen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/4369928291220305762/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/10/wo-entlang.html#comment-form' title='4 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4369928291220305762'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4369928291220305762'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/10/wo-entlang.html' title='Wo entlang?'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/-8jK6lSIJdNI/TowqdnvB7UI/AAAAAAAAAcA/UZ4Gnqy2qcc/s72-c/002178_0480+Cortes%252C+Bert.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>4</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-2464555561440448502</id><published>2011-03-02T11:03:00.005+01:00</published><updated>2016-01-20T20:28:37.559+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Erinnerung"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Fernsehen"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gruppe"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Individualität</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Worin unterscheiden sich zehn aufgereihte grüne Gummibärchen? Sollte darauf die Antwort kommen: „Na, der eine ist doch Rudi, daneben steht Thomas und ganz außen, das ist Manfred“, dann dürften Nichtbetroffene jetzt einen Eindruck haben, wie man sich als Prosopagnostiker fühlen mag. Ich zumindest wäre fassungslos, wie man so was hinkriegen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://lh4.googleusercontent.com/-jtP9Pwi3_Q8/TW4TpzyuiMI/AAAAAAAAAMk/wxkDNSJ0SmI/s1600/Daumier+Gleichf%25C3%25B6rmigkeit.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://lh4.googleusercontent.com/-jtP9Pwi3_Q8/TW4TpzyuiMI/AAAAAAAAAMk/wxkDNSJ0SmI/s1600/Daumier+Gleichf%25C3%25B6rmigkeit.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;H. Daumier/Visipix.com&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Natürlich bin ich in der Lage, Gesichter zu vergleichen; ich habe ja nichts an den Augen. Also brauche ich nur hin und her zu schauen, Nase A mit Nase B zu vergleichen, Kinn B mit Kinn D und anschließend alles von vorn durchzugehen an Mund, Augenbrauen und Wangen. Insofern trifft jene Aussage nicht auf mich zu, die ich mal irgendwo gehört habe: „Für mich sehen alle Gesichter gleich aus.“ In meinem Verständnis hieße das, es müsste einen Prototyp geben, ein einziges Gesicht für alle, und so müsste dann meine Mutter genauso aussehen wie meine Kusine, wie die Frau am Käsestand, wie Queen Victoria, Audrey Hepburn oder wie die Lehrerin aus meiner Grundschulklasse. Dies aber beschreibt nicht mein Problem. Ich nehme durchaus wahr, dass sich jeder Mensch im Gesicht unterscheidet, ich weiß nur nicht, ob ich jedem einzelnen Gesicht schon einmal begegnet bin oder ob wir uns hier zum ersten Mal treffen. Genau dies ließe sich im obigen Satz ausdrücken; man brauchte nur ein bestimmtes Wort hinzuzufügen. Lautete der Satz: „Für mich sehen alle Gesichter gleich &lt;i&gt;fremd&lt;/i&gt; aus“, so träfe es meine Realität.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Nun&lt;/span&gt; weiß aber jeder: Individuelles Aussehen lässt sich reduzieren. Soldaten in Uniform, Diener in Livree, Ärzte in weißen Kitteln – da bleibt nicht viel an persönlichen Merkmalen übrig, erst recht nicht wenn alle auf einem Fleck stehen und Helme, Mützen oder Hüte die Sicht erschweren. Nichtbetroffene mögen dennoch im Spalier der Gleichgekleideten ihre Angehörigen erblicken, denn sie haben unter den Helmen ja immer noch deren Gesichtszüge, woran sie sich orientieren können, während mir die Helme die Frisuren verdecken, die ich aber dringend zum Identifizieren benötige, da ich mich ja auf die Gesichtszüge nicht verlassen kann. Die Haare sind neben der Stimme und dem Gang die wichtigsten Merkmale, woran ich Menschen wiedererkenne. Vor einem Gruppenfoto mit Kochmützen wäre ich überfordert. Ich würde gerade noch konstatieren können, dass sich die Kopfformen unterscheiden, manche ein runderes Gesicht haben, andere ein schmaleres, aber den Rest müsste ich raten. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Auch im Fernsehen kann ich nichts mit Gleichförmigkeit anfangen. Mein Lieblingsfilm ist eine alte Episode aus einer Krimiserie. Es geht um Hehlerei im Bahnmilieu. Die Arbeiter tragen Dienstkleidung und Schutzhelm. Die Helme legen sie weg nach Feierabend, Haare kommen zum Vorschein, Zivilkleidung belebt den Bildschirm. Ich nehme es zu Kenntnis und denke, ebenso gut könnten sich jetzt Zwiebeln entpellen; der Informationsgehalt wäre der Gleiche. Dann wieder laufen die Uniformen zwischen den Bahnwaggons umher, die ebenso monoton anmuten wie sie selbst, und die Schienen bieten auch keine Hilfe, damit ich mich wenigstens an der Örtlichkeit orientieren könnte. Lediglich die ermittelnden Kommissare heben sich ab, weil sie anders gekleidet sind und sich anders benehmen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;So eine konsequente Inszenierung hat seinen Reiz. Als ich den Film das erste Mal sah, war ich anfangs noch bemüht, dem Inhalt zu folgen. Bald aber merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde. Von da an hatte ich mich treiben lassen. Ich wollte wissen, wie viel ich dennoch mitkriegen würde. Um es kurz zu machen: Ich habe nichts von dem Film verstanden, rein gar nichts. Ich wusste nicht, wer wer war, warum jemand dies tat und ein anderer jenes, und warum jene Männer, die ich nicht einordnen konnte,  die Fragen der Kriminalpolizei so beantworteten, wie sie es taten. So aufgeschmissen bei einem Film bin ich allerdings selten; in den meisten Filmen gibt es noch genügend Anhaltspunkte, so dass ich mich wenigstens stückweise am Ablauf entlanghangeln kann. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Selbstverständlich ist es nicht den Machern anzukreiden, wenn ein Film an mir vorbeigeht. Ich wollte hier nur meine Schwierigkeit verdeutlichen. Letztendlich hatte ich sogar einen sehr amüsanten Abend, denn als Depp vorgeführt zu werden kann lustig sein, sofern man allein ist und niemand in der Wunde bohrt. Privates Versagen bleibt halt unsichtbar, solange man es will. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ich kann also Gesichter nicht speichern. Folglich kann ich keine visuellen Daten zu den Gesichtern abrufen, wenn ich dann wieder vor einem Menschen stehe und entscheiden soll, ob ich ihm schon mal begegnet bin oder nicht. Das betrifft sowohl das reale Leben als auch Gesichter auf Fotos. Da mir die Gesichtsmerkmale also nicht zur Verfügung stehen, ist es umso wichtiger, dass mir wenigstens die Frisur bleibt. Oder Teile der Kleidung. Daran kann ich mich nämlich eventuell erinnern bei einer bekannten Person. Entzieht man mir jedoch beides, indem man die Haare zum Beispiel unter einen Hut zwängt und seinen individuellen Kleidungsstil gegen eine Uniform tauscht – wie viel bleibt mir dann noch an Hinweisen? &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
Um zu veranschaulichen, warum Gleichförmigkeit so schwierig ist, habe ich ein Foto präpariert.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://lh6.googleusercontent.com/-7DstJ4tsLno/TW4PPkzxMHI/AAAAAAAAAMc/YuZMHTdVjPY/s1600/Kopf+200+Morguefile.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://lh6.googleusercontent.com/-7DstJ4tsLno/TW4PPkzxMHI/AAAAAAAAAMc/YuZMHTdVjPY/s1600/Kopf+200+Morguefile.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.morguefile.com/archive/display/97534&quot;&gt;Foto: Morguefile&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;a href=&quot;https://lh5.googleusercontent.com/-E67zxd6TXyo/TW4PVcH5ZjI/AAAAAAAAAMg/9-f5PWm-0XM/s1600/Kopf+200+blur+Morguefile.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://lh5.googleusercontent.com/-E67zxd6TXyo/TW4PVcH5ZjI/AAAAAAAAAMg/9-f5PWm-0XM/s1600/Kopf+200+blur+Morguefile.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Links das Bild, das Original, zeigt, wie ich Menschen &lt;i&gt;sehe&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das rechte Bild zeigt, an was ich mich &lt;i&gt;erinnere&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Das zweite Foto demonstriert dieses Problem. Die Haare sind von der Aufnahmetechnik nur angedeutet, sie könnten ebenso gut unter einer Mütze stecken. Das Oberteil, das das Mädchen trägt, verrät nicht genug Persönliches, zumal ich nicht weiß, wie sie sich sonst kleidet. Also: Woran sollte ich das Mädchen wiedererkennen? Am Hautton? Am Ohr? An der Haarfarbe? Am Hals? Und was ist, wenn das Kind obendrein in einer Gruppe steht und die Kolleginnen ähnlich aussehen?&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/2464555561440448502/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/03/individualitat.html#comment-form' title='5 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/2464555561440448502'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/2464555561440448502'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/03/individualitat.html' title='Individualität'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://lh4.googleusercontent.com/-jtP9Pwi3_Q8/TW4TpzyuiMI/AAAAAAAAAMk/wxkDNSJ0SmI/s72-c/Daumier+Gleichf%25C3%25B6rmigkeit.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>5</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-4157541921285937269</id><published>2011-02-19T16:34:00.006+01:00</published><updated>2016-01-20T20:25:58.780+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Wer hat Recht?</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Ich gebe es zu: Ständig den Arrogantling spielen zu müssen macht mich wütend. Auf der einen Seite steht meine Unfähigkeit, immer und überall den sozialen Erwartungen zu genügen; auf der andern Seite behandeln mich Nicht-Betroffene genauso abwertend, wie sie es mir vorwerfen, ihnen angetan zu haben. Die Nicht-Betroffenen jedoch haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind in der Überzahl. Daher dürfen sie definieren, was opportun ist, und sich angegriffen fühlen, sobald jemand danebentritt. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: right; margin-left: 1em; text-align: right;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-51YrGwaBTVk/TV_gPyu1jHI/AAAAAAAAAMQ/GFJg-YEDUjI/s1600/Daumier+Tragik+300+Zeno.org.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-51YrGwaBTVk/TV_gPyu1jHI/AAAAAAAAAMQ/GFJg-YEDUjI/s1600/Daumier+Tragik+300+Zeno.org.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.zeno.org/nid/20003971635&quot;&gt;Quelle: Daumier/Zeno.org&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Danebentreten, das passiert mir öfter: Mit meinen Nachbarn weiß ich bis heute nichts anzufangen. Nur sehr wenige vermag ich zu grüßen, weil ich weiß, wer sie sind. Den Rest, dem ich auf der Straße begegne, kann ich nicht von fremden Passanten unterscheiden. Ich wohne aber schon lange genug dort, so dass es auffällt, wenn mir Leute entgegenkommen, die demonstrativ an mir vorbeischauen. Man will mich also nicht teilhaben lassen am freundlichen Miteinander, und man will obendrein, dass ich dies deutlich zu spüren bekomme. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Die Logik sagt mir: Da ist jemand beleidigt. Den Grund kann ich mir denken, denn da ich mich an keinerlei persönlichen Kontakt erinnere, kann es nur bedeuten, dass ich wieder jemandem den erwarteten Gruß verweigert hatte. Ganz selbstverständlich wird mir dies als Absicht unterstellt. Als Retourkutsche werde ich nun ebenso radikal abserviert. &lt;/div&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;E&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;s&lt;/span&gt; ist manchmal ganz schön bitter. Wer will schon für etwas bestraft werden, wofür er nichts kann? Manch anderer Prosopagnostiker verfährt nach dem Motto: Zum Grüßen gehören zwei; soll der andere doch anfangen, ich grüße dann freundlich zurück. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ich finde diese Haltung verständlich, aber nicht zielführend. Einfach nur den Spieß umzudrehen verlagert lediglich die Erwartung auf einen Partner, der  genauso schuldlos in ein Konstrukt hineingerät wie der Prosopagnostiker. Denn die Prosopagnosie ist noch immer ein Kuriosum für jene, die noch nie etwas darüber gehört haben. Im allgemeinen Denken existiert unser Defekt nicht; insofern ist es nicht verwunderlich, dass Menschen zu falschen Schlüssen kommen. Ich kann nicht Anpassung an mein Handikap erbitten, wenn mein Gegenüber weder von meiner Einschränkung weiß noch daher mein Verhalten richtig zu interpretieren in der Lage ist. Aus seiner Sicht sind seine Schlussfolgerungen durchaus logisch. Dort bin ich die Komponente, die nicht in die logische Kette passt. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Vergegenwärtige ich mir manche Alltagssituation, so muss ich tatsächlich zugeben, dass meine Umwelt mit bizarren Herausforderungen konfrontiert ist. Da bin also ich, eine Person, die zunächst einmal als gleichwertig und gruppenzugehörig empfunden wird. Ich absolviere regelmäßig wiederkehrende Stationen, zum Beispiel einen Pförtner passieren. Ich begrüße den Pförtner jedes Mal höflich, oft in Begleitung einiger netter Worte. Einmal aber treffe ich ihn nicht am gewohnten Ort, nicht in seinem Kabuff hinter seiner Glasscheibe, sondern er steht vorne an der Straßenkreuzung. Er sieht mich herannahen, er bemerkt, wie ich aufschaue, wie mein Blick sein Gesicht streift und dann wieder abwandert. Ohne zu reagieren, gehe ich weiter. Dem Pförtner wird dies komisch vorkommen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; „Nanu“, wird er denken, „was ist denn mit der los?“ &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Beim ersten Mal wird mich wahrscheinlich noch ein Erklärungsversuch schützen: &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; „Sie war wohl in Gedanken“, wird sich der Pförtner sagen. Damit bin ich rehabilitiert – noch.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Am nächsten Morgen klappt alles wieder bestens. Der Pförtner sitzt in seinem Kabuff, ich nicke ihm meinen Gruß zu. Dann aber treffen wir uns nachmittags im Supermarkt. Mein persönliches Wiedererkennungssystem versagt, warum auch immer. Der Mann, der gegenüber in der Schlange steht und penetrant zu mir herübergrinst, kommt mir gänzlich fremd vor.&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Was soll das? Grinst und nickt, grinst und nickt. Hat er sie nicht alle?“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Nichts veranlasst mein Gehirn, ihn mit der Schublade „Pförtner“ in Verbindung zu bringen: nicht seine Statur, nicht seine Kleidung und sein Gesicht erst recht nicht. Vielleicht würde ich ihn wiedererkennen, wenn ich seine Stimme hörte, doch er sagt nichts, versucht nur weiter durch Lächeln einen Kontakt herzustellen. Ich wiederum empfinde dies als aufdringlich und wende mich ab, vermutlich mit entsprechend deutlicher Körpersprache. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Tags darauf passiere ich wieder das Pförtnerhäuschen. Wie immer grüße ich freundlich. Ich meine es ehrlich, denn ich bin mir keines Versäumnisses bewusst. In meiner Vorstellung sehe ich den Pförtner das erste Mal seit dem gestrigen Morgen. Warum er plötzlich so zurückhaltend reagiert, kann ich mir nicht erklären. Der Pförtner ist meiner Prosopagnosie aufgesessen. Doch das weiß er nicht, während ich nicht weiß, was ihm gerade durch den Kopf schießt, nämlich so etwas wie:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; „Das ist ja niedlich. Gestern tat sie so, als würde sie mich nicht kennen, und jetzt macht sie hier auf gute Bekannte.“&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Vielleicht habe ich spätestens jetzt einen Mitmenschen verloren, der mir gerade eben noch positiv zugetan war. Nun wird er mich als arrogant empfinden, da ich mir erlaube, ihn einmal mit meiner Wertschätzung zu ehren, ihn aber ein andermal zu ignorieren, je nachdem wie es mir gerade gefällt. Kann ich ihm dieses Urteil verdenken?&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Solange beide Seiten aneinander vorbeiagieren, kann es nichts werden mit der Verständigung. Da ich diejenige bin, die erstens zur Minderheit gehört und zweitens den Wissensvorsprung mitbringt, bin ich es wohl, die den ersten Schritt machen muss. Ich verstecke meine Prosopagnosie nicht, doch definiere ich mich nicht darüber. Ich will mich nicht ständig erklären müssen – oder besser gesagt: Ich will nicht ständig darüber nachdenken, was ich mit meinem Manko anrichten könnte. Lange Ausführungen sind für viele Gelegenheiten unangemessen, kurze Sätze wie „Ich bin gesichtsblind, ich habe Sie nicht wiedererkannt“ erweisen sich oft als zu oberflächlich. Hier einen guten Kompromiss zu finden ist schwierig. Manchmal warne ich meine Umwelt, besonders wenn ich weiß, dass ich dort regelmäßig verkehre und Missverständnisse schwerer wiegen, als dass es der Fall wäre, wenn ich beim Kioskbesitzer an der Ecke durchfiele. Trotzdem bleiben noch immer genug Gelegenheiten übrig, wo es einfach nicht zusammenpassen will. Minderheiten schwimmen immer gegen den Strom, zwangsläufig. Fragt sich nur, ob der Strom auf seine Empörung verzichten möchte.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/span&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/4157541921285937269/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/wer-hat-recht.html#comment-form' title='15 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4157541921285937269'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4157541921285937269'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/wer-hat-recht.html' title='Wer hat Recht?'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/-51YrGwaBTVk/TV_gPyu1jHI/AAAAAAAAAMQ/GFJg-YEDUjI/s72-c/Daumier+Tragik+300+Zeno.org.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>15</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-9006444497026884555</id><published>2011-02-09T11:14:00.007+01:00</published><updated>2016-01-20T19:22:37.165+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Biografisches"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>So ging es weiter</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: right; margin-left: 1em; text-align: right;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TVJlfntlNPI/AAAAAAAAAKc/IoMVQgOk4bY/s1600/Modigliani+Zeno+300.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://2.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TVJlfntlNPI/AAAAAAAAAKc/IoMVQgOk4bY/s1600/Modigliani+Zeno+300.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.zeno.org/nid/20004192451&quot;&gt;Quelle: Modigliani/Zeno.org&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Als Jugendliche wurde meine Welt ein bisschen großzügiger. Wir zogen samstags los in die Kneipe oder in die Disco. Alles war neu und ich fühlte mich noch immer nicht gehandikapt. Es mag durchaus sein, dass ich damals irrtümlicherweise den einen oder andern flüchtigen Neuzugang unter „fremd“ ablegte, doch ist mir nichts dergleichen Unangenehmes in Erinnerung. In meinem Denken existierte die Prosopagnosie nicht. Allerdings sind mir ein paar unwichtige Begebenheiten im Gedächtnis geblieben. Sie hatten weder Folgen noch waren sie ein Problem, aber sie zeigen, dass die Prosopagnosie mich damals schon begleitete – ich war mir dessen nur nicht bewusst.  &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
So erntete ich heftiges Kopfschütteln von meiner Freundin, weil ich erstaunt gefragt hatte, seit wann unsere Deutschlehrerin eine Brille trug. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
„Brille?“, lautete die Antwort. „Sie trägt soooo ‘nen Oschi auf der Nase!“&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Ein andermal hatte ich mich beim Fernsehen als Volltrottel geoutet. Wir schauten gerade einen alten Film. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
„Das ist doch nicht O. E. Hasse – das ist O. W. Fischer!“, wurde ich zurechtgewiesen. &lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
Vermutlich hatte ich mich am Vornamen orientiert, vielleicht nach einem Blick in die Fernsehzeitschrift. Eine gewisse erinnerungsfreundliche Extravaganz ist ja auch nicht von der Hand zu weisen. Was die Gesichter betraf, so konnte ich nur wenige Schauspieler auf Anhieb wiedererkennen. Das waren unter anderem Heinz Rühmann, Hans Moser und Theo Lingen. Heute frage ich mich allerdings, ob ihre charakteristischen Stimmen mehr dazu beitrugen als ihr Aussehen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;D&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;ass&lt;/span&gt; grundsätzlich etwas im Argen lag, merkte ich zum ersten Mal, als ich Studentin war. Ich bewohnte eine kleine Kellerwohnung in einem bürgerlichen Viertel: links und rechts Einfamilienhäuser mit Garten und Blumenbeet vor der Haustür. In unserer ruhigen Nebenstraße traf man auf keine Passanten, nur auf Nachbarn. Trotzdem brachte ich es fertig, diese Tatsache völlig zu ignorieren. Einmal kam ich vom Einkaufen heim. Ich überholte eine Frau, die mit einem Kind unterwegs war. Zum Überholen war ich extra kurz auf die Fahrbahn getreten. Als das Hindernis überrundet war und ich weiter unbeirrt vorwärts strebte, hörte ich, wie der Junge leise hinter mir zu seiner Mutter sagte:&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; „Ist sie das nicht?“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Und die Mutter antwortete:&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; „Ja.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Mir fuhr ein Blitz durch die Erkenntnis. Ich war entsetzt. Doch nicht so sehr, weil ich frisch bei einer Unhöflichkeit ertappt worden war, sondern weil mir plötzlich klar wurde, dass da etwas ablief, was sich meinem Einfluss entzog. Denn für mich selbst war die Welt ja in Ordnung gewesen; ich hatte keinerlei Veranlassung gesehen, dass ich diese beiden fremden Menschen grüßen müsste. Aber ganz offensichtlich gab es eine Diskrepanz zwischen meiner Einschätzung und der Einschätzung meiner Nachbarn. Jedenfalls ließ ihre Reaktion keine andere Einsicht zu, als dass sie mich kennen mussten – womit ich absolut nicht gerechnet hatte. Schlimmer noch: Womöglich war es nicht das erste Mal, dass so was passierte. Und all dies geschah mit meiner Beteiligung, jedoch ohne dass ich es wusste oder wollte. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Wahrscheinlich ist es immer von  Nachhaltigkeit, wenn man plötzlich seinen Kontrollverlust begreift. So profan der Vorfall damals auf dem Bürgersteig auch war, er hatte mir schlagartig ins Bewusstsein gedrückt, dass mein Wille hier versagte. Stattdessen war etwas am Werk, dessen ich mich offenbar zu unterwerfen hatte. Es diktierte mich wie eine Marionette am Faden und meine Einflussmöglichkeiten schienen nur begrenzt zu sein. Das war mir neu. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Von nun an wusste ich von meiner Prosopagnosie. Der Name existierte noch nicht, aber das Profil. Ich lernte die Symptome kennen. Sie lagen offen da, ich brauchte sie nur zu beobachten und dann zu ihrer Systematik zu ordnen.  &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Es hat seine Vorteile, wenn man weiß, wo seine Grenzen sind. Sofern man aber kaum etwas dagegenzusetzen hat, weil man sowieso nichts daran ändern kann, bringt das pure Wissen um die eigene Unzulänglichkeit kein großes Aufatmen. Mir fehlte die Bestätigung, die letzte Gewissheit, dass ich meiner Wahrnehmung und meinem Urteil zu Recht vertraute.&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;Prosopagnostiker-Freigehege:&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;„Oh, es gibt ja noch mehr von uns.“&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Noch war ich nur eine Einzelperson mit einem offenbar ungewöhnlichen Schicksal. Ich sah die Angelegenheit zwar nicht als drängend, aber loslassen wollte sie mich auch nicht. Ich fand es unbefriedigend, dass ich meiner Umwelt mit keiner offiziellen Antwort kontern durfte, denn ein privater Verdacht ist nun mal weit weniger wirksam als eine Expertenmeinung.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Doch wo ansetzen? Das Internet gab es damals noch nicht. Wer etwas erfahren wollte, musste sich selbst auf den Weg machen. Wann immer sich die Gelegenheit bot, sprach ich Mediziner, Psychologen oder Pädagogen auf meine Beobachtungen an. Die gesamten 90er Jahre vergingen darüber. Aber gefunden habe ich nicht einen einzigen Menschen, der mit meinen Symptomen hätte etwas anfangen können. Ich stieß nur auf Unkenntnis. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Irgendwann sah ich zufällig einen kurzen Fernsehbericht. Er handelte von einem amerikanischen Geschäftsmann, der seine Kunden schlecht auseinanderhalten konnte. Beim Gesprächstermin merkte er sich deren Krawatten. Einmal war er zwischendurch kurz rausgegangen, und als er wiederkam, hatten sich die beiden Männer umgesetzt. Kurze Verwirrung war die Folge. Ich weiß noch, dass der Interviewte sagte, er würde sich scheuen, sein Problem öffentlich zu machen, da er berufliche Nachteile fürchte. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Dieser Bericht wirkte zwar nicht gerade als Aha-Erlebnis, denn dafür erschienen mir die dargestellten Symptome zu individuell, doch zum „Seht ihr – ich hatte Recht“ langte er allemal. Ich weiß nicht mehr, ob der Begriff Prosopagnosie fiel. Vermutlich nicht, denn sonst hätte ich ihn mir gemerkt. Oder ich war so hingerissen von der Entdeckung eines Artgenossen, dass ich den Namen überhörte.  &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Unterm Strich blieben alle Hinweise nur flüchtig. Ganz selten liefen mir in Presse oder Fernsehen ein paar Andeutungen über den Weg, leider aber nie erklärend genug. Ich konnte die Prosopagnosie nicht fassen.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;„Nein, tut mir Leid – hab ich noch nie gehört.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Es war so, als würde immer mal kurz ein Scheinwerfer draufgehalten, doch dann wurde es wieder dunkel für lange Zeit und mir blieben mehr Fragen als Antworten.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Das wurde anders, als ich 2003 im Internet auf erste ausführliche Berichte stieß. Zum ersten Mal sah ich die Symptome beschrieben und das Ganze  erhielt plötzlich einen Namen. Erleichterung – das trifft mein Gefühl in dieser Zeit sehr genau. In erster Linie war ich froh, dass sich meine Beobachtungen bestätigten, denn bis  auf ein paar Kleinigkeiten, die ich andern Ursachen zugeordnet hatte, deckten sich meine formulierten Symptome mit den offiziellen über die Prosopagnosie. Ich begriff die Schriften also als Absegnung dessen, was ich schon lange wusste. Mit dem Inhalt selbst ging ich bereits seit 20 Jahren offensiv um. Daher sah ich mich jetzt nicht völlig neuen Sphären ausgesetzt. Es gab zwar einiges zu entdecken, aber ich fühlte mich bereits initiiert, so als würde man im tiefsten Amazonas-Dschungel plötzlich deutsche Worte hören und sich einfach dazusetzen, an den  Kaffeetisch mit Ostfriesentee und Bienenstich. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Ich war von einer gelassenen Heiterkeit. Dass ich mir alles nur einbildete oder gar verrückt wäre, das hatte ich sowieso nie gedacht. Ich begriff mein Defizit als naturgegeben. Wie und woher, das sollten mir andere erklären. Mir war wichtig, dass ich einen Namen hatte für mein Handikap – und dass ich diesen Namen auch meinen Mitmenschen nennen konnte, wenn ich in peinliche Situationen geriet. Dieser Wunsch hatte sich nun erfüllt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;/span&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/9006444497026884555/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/so-ging-es-weiter.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/9006444497026884555'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/9006444497026884555'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/so-ging-es-weiter.html' title='So ging es weiter'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TVJlfntlNPI/AAAAAAAAAKc/IoMVQgOk4bY/s72-c/Modigliani+Zeno+300.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-6768378728409577296</id><published>2011-02-05T13:39:00.007+01:00</published><updated>2011-10-14T15:10:46.706+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Biografisches"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>So fing es an</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;table align=&quot;center&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto; text-align: center;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TU1CKF5yLmI/AAAAAAAAAKY/8x0lW2SUWWM/s1600/Hans+Huckebein+klein+Zeno+5.2.11.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TU1CKF5yLmI/AAAAAAAAAKY/8x0lW2SUWWM/s1600/Hans+Huckebein+klein+Zeno+5.2.11.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.zeno.org/nid/20003915980&quot;&gt;Quelle: Busch/Zeno.org&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;
Ich kann mich nicht erinnern, dass in meiner Kindheit die Prosopagnosie eine Rolle gespielt hätte. Ich bin aufgewachsen in der geordneten Welt von Schwarzweiß-Fernseher, Karo-Kaffee und Neubauviertel. Mein Leben war überschaubar: vormittags in der Schule, nachmittags mit den Nachbarskindern auf der Straße. Eine große Verwandtschaft hatten wir nicht, so kamen weder dauernd Leute zu Besuch noch musste ich ständig mitgeschleppt werden. Vereine gab es kaum, höchstens den Turnverein. Die Abende gehörten der Familie, der Sonntag dem Kirchgang und die Feiertage dem Spielen, Basteln und Lesen. Eine Fluktuation fand nicht statt; neue Menschen kreuzten nur sporadisch meinen Weg. Im Nachhinein würde ich sagen, besser hätte ich es nicht treffen können, denn unter den Anforderungen von Vereinsfeiern, Chortreffen, Kinderfesten oder Sportfahrten wäre ich bestimmt viel eher aufgefallen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;N&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;atürlich&lt;/span&gt; legten meine Eltern Wert auf gutes Benehmen. Mehr als einmal hatte meine Mutter mich angewiesen, immer schön die Nachbarn zu grüßen, wenn ich mit dem Fahrrad die Straße entlangkam. Ich war guten Willens, wusste aber nicht immer, wie ich es machen sollte. Stand Frau Meier in ihrem Vorgarten und zupfte Unkraut, war die Sache klar. Guckte sie dann hoch, antwortete ich mit einem artigen „Guten Tag“. Sonderbarerweise aber fiel es mir schwer, die Nachbarn auch dann noch korrekt zu Namen und Grundstück zu ordnen, wenn ich ihnen woanders begegnete. Besonders die Mütter der Nachbarskinder machten mir zu schaffen; sie auf Anhieb zu identifizieren gelang mir nur selten. Das war umso unangenehmer, weil gerade sie eine anständige Begrüßung erwarteten, schließlich ging ich bei ihnen ein und aus. Ich weiß noch, wie einzelne Frauen den Bürgersteig hinabkamen und wie nervös ich wurde, weil ich nicht wusste, ob es sich wirklich um Ulrikes Mutter handelte. Auf Verdacht zu grüßen fand ich peinlich, nicht zu grüßen ebenso. Manchmal bin ich schnell mit dem Rad einen Bogen gefahren und über den gleichen Weg abgehauen, den ich gekommen war.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Vielleicht mag so mancher Nachbar gedacht haben, was für ein ungezogenes Kind ich doch war, aber beschwert hat sich niemand darüber, auch nicht bei meinen Eltern. Sie lebten jahrelang im Glauben, ihre Anleitung zur Höflichkeit werde fehlerfrei ausgeführt. Ich nehme an, mein Verhältnis zur Prosopagnosie würde heute anders aussehen, hätte ich damals Druck und Unverständnis erlebt. Ich gehe recht entspannt mit meinem Defizit um. Vielleicht ist dies nur möglich, weil mir schmerzhafte oder gar demütigende Kindheitserfahrungen erspart geblieben sind. Ich kenne nur lästige und anstrengende Situationen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Allerdings reicht meine Phantasie, um mir auszumalen, was hätte geschehen können, wären meine Eltern tatsächlich angesprochen worden auf mein stieseliges Grußverhalten. Auf Nachsicht hätte ich nicht hoffen dürfen, denn da niemand etwas von Prosopagnosie wusste, wäre mir meine Weigerung ganz selbstverständlich als Absicht ausgelegt worden. Dass es dann Spuren hinterlässt, wenn man womöglich über Jahre mit dem gleichen ungerechten Urteil belegt wird, sollte nicht wundern. Ich war ein weiches Kind; mir wäre es schwer gefallen, solche Angriffe wegzustecken, zumal ich die Zusammenhänge ja selbst nicht verstand und folglich nicht mal eine gute Erklärung zur Verteidigung hätte vorbringen können.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Mir selbst war nur klar, dass ich manchmal Probleme bei der Entscheidung hatte, ob manche Nachbarn tatsächlich jene Personen waren, für die ich sie hielt. Aber ich begriff dies nicht als bleibendes Manko, sondern als vorübergehende Unpässlichkeit, vergleichbar mit meiner Träumerei, wenn ich den Einkaufszettel auf dem Küchentisch vergessen hatte und nun ein zweites Mal losziehen musste. So was passierte und war keines weiteren Nachdenkens wert. Ich fühlte mich nicht eingeschränkt. Abgesehen von gewissen Ausnahmen klappte ja auch alles prima: Ich wusste, wie meine Lehrerin ausschaute, und meine Mitschüler kannte ich auch alle. Hätte man mich nach Schwierigkeiten mit Gesichtern gefragt, wäre die Antwort „Nein ... wieso?“ ausgefallen.&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/6768378728409577296/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/so-fing-es.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/6768378728409577296'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/6768378728409577296'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/so-fing-es.html' title='So fing es an'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TU1CKF5yLmI/AAAAAAAAAKY/8x0lW2SUWWM/s72-c/Hans+Huckebein+klein+Zeno+5.2.11.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-545478878321866424</id><published>2011-02-03T10:18:00.006+01:00</published><updated>2016-01-20T20:23:09.726+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Wortwahl"/><title type='text'>Die Crux mit der richtigen Wortwahl</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: left;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-P_9iPJX4YbI/Vp_duFxJfxI/AAAAAAAAA3A/sKz6yklay-s/s1600/font-705665_640%2Ba.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; height=&quot;238&quot; src=&quot;http://2.bp.blogspot.com/-P_9iPJX4YbI/Vp_duFxJfxI/AAAAAAAAA3A/sKz6yklay-s/s320/font-705665_640%2Ba.jpg&quot; width=&quot;320&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;https://pixabay.com/de/schrift-bleisatz-buchdruck-705665/&quot;&gt;Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Es fängst schon ungastlich an. Die Prosopagnosie bezieht sich auf Gesichter, aber es fehlt das passende Adjektiv. „Er hat ein prosopagnostisches Problem“ – das sagen nur Fachleute, „Er hat gesichtliche Defizite“ geht überhaupt nicht. Es bleibt also nur das Hantieren mit Substantiven und oft sperrigen Umschreibungen.  &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Wenn diese Umschreibungen dann wenigstens eindeutig wären. Ich habe arge Schwierigkeiten mit folgendem Satz, den man immer wieder liest: „Manche Prosopagnostiker erkennen nicht mal die eigene Mutter.“ Es geht mir hier um das Wort „erkennen“. Für mich hat „erkennen“ eine optische Qualität. Man sagt: „Ich kann das nicht erkennen“, und meint damit, dass ein Hindernis die freie Sicht versperrt. Die Einschränkung kann von mir selbst ausgehen (ich bin stark kurzsichtig), von außen kommen (es ist nicht hell genug) oder vom betrachteten Gegenstand selbst (liegt inmitten eines Haufen Gerümpels). Doch in allen Fällen ist mein Sehen beeinträchtigt, bezieht sich mein Misserfolg auf die Augen, und sind die Hemmnisse erst einmal ausgeräumt (Brille auf, Licht an, Gegenstand isoliert), ist das Problem beseitigt: Meine Augen können wieder ungehindert schauen; das Ergebnis ist korrektes „Erkennen“. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Übertrage ich diesen Vorgang auf Gesichter, stoße an eine Grenze. Da die Prosopagnosie keine Störung des Sehapparats ist, sondern ein unveränderliches neurologisches Defizit, ist „erkennen“ nicht der richtige Ausdruck. Denn ich sehe ja alles, die Nase, den Mund, die Mimik, genau wie jeder Nicht-Prosopagnostiker mit den gleichen optischen Voraussetzungen, ich kann nur nichts mit diesen Informationen anfangen, ich kann sie keiner Person zuordnen. Es geht also nicht ums Sehen, sondern ums Identifizieren.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;D&lt;/span&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;och&lt;/span&gt; zu welchem Ergebnis mag mein Gegenüber kommen, wenn ich ihn mit den Worten überraschte: „Ich kann Sie nicht erkennen“? Wird er denken: „Nun gut, sie hat wohl ihre Brille vergessen“? Oder wird er in Betracht ziehen, was wirklich los ist, nämlich dass ich gar nicht weiß, wen ich vor mir habe, also nicht entscheiden kann,  ob er ein Bekannter ist oder ein Fremder? Ich vermute, die erste Möglichkeit ist die wahrscheinlichste. Folglich sage ich so was gar nicht erst, sondern wähle den drastischen, aber eindeutigen Weg: „Ich weiß leider nicht, wer Sie sind.“&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Fatalerweise wird im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff „erkennen“ dann aber doch für den Vorgang des Identifizierens benutzt. Dies wird deutlich an dem Satz: „Ach, ich habe Sie jetzt gar nicht erkannt.“ Nehmen wir an, dies sagt eine Frau, die im Supermarkt einem Nachbarn begegnet, ihn aber nicht mit der erwarteten positiven Reaktion erfreut. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;blockquote style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;pullquote&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Ich kann Sie heute nicht treffen“ –&lt;/span&gt; &lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Meinen Sie, Sie zielen daneben, oder klappt es nicht mit unserm Termin?“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Kurz darauf bemerkt sie ihr Versäumnis, und um die Wogen zu glätten und nicht als unhöflich zu gelten, fügt sie nun – wahrheitsgemäß - als Begründung hinzu, dass sie durch irgendetwas am Grüßen gehindert worden sei. Der Nachbar wird ihre Beschwichtigung dahingehend interpretieren: Sie kennt mich, sie weiß genau, wer ich bin, doch sie war gerade abgelenkt oder in Gedanken versunken, so dass sie sich ausnahmsweise nicht angemessen mit mir befassen konnte. – Hier wird also keine optische Ursache vermutet, sondern der Verschmähte unterstellt – zu Recht – eine Verzögerung beim Ablesen seiner Identität. Solche Situationen geschehen überall und jederzeit. Mit Prosopagnosie haben sie nichts zu tun. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Doch so ganz passt das „Erkennen“ hierhin auch wieder nicht. Eigentlich müsste es „wiedererkennen“ heißen, denn „wiedererkennen“ konkretisiert auf jenes, was ich schon einmal gesehen habe: Ich muss wissen, um was es sich handelt, außerdem eine Erinnerung daran haben. Damit fällt Fremdes weg.  „Erkennen“ dagegen kann sich aber nach wie vor rein auf die Augen beziehen und auch auf Dinge, die ich zum ersten Mal sehe. Um exakt zu sein, müsste man also hinzufügen, welche der beiden Bedeutungen man gerade meint, oder die Frau aus obigem Beispiel hätte gleich anders formulieren sollen: „Ach, ich habe Sie jetzt gar nicht … &lt;i&gt;wiedererkannt&lt;/i&gt;.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Gerade deshalb fühle ich mich wesentlich wohler beim Wort „wiedererkennen“  –  es ist unmissverständlich. Formuliert man dessen Merkmale als Mangel, so beschreibt „wiedererkennen“ genau meine Situation als Prosopagnostiker: Ich weiß nicht, um wessen Gesicht es sich handelt, und ich kann mich nicht entsinnen, dass ich jemals schon etwas damit zu tun gehabt hätte. Wäre diese Person meine Mutter, so träfe der Satz zu: „Manche Prosopagnostiker erkennen nicht mal die eigene Mutter … &lt;i&gt;wieder&lt;/i&gt;.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Für den täglichen Gebrauch ist so eine Unterscheidung aber wahrscheinlich zu hinderlich. Inzwischen beginne ich mich damit abzufinden: mit dem leidigen „Erkennen“ als Sammelbegriff. Ich benutze ihn gelegentlich sogar selbst, als Entgegenkommen – oder soll ich sagen als Resignation? Noch scheue ich mich aber, mit fliegenden Fahnen überzulaufen, denn meine Erfahrung zeigt, dass manche sehr wohl an ein Augenproblem denken, besonders wenn sie zum ersten Mal von Prosopagnosie hören. Hier einen Begriff zu verwenden, der dies beinhalt, aber auch anderes meint, ist nicht sehr produktiv. So blöke ich gegen den Chor der Gepflogenheit, und es bleibt zu fragen, was der Welt verloren ginge, würde ich es bleiben lassen. Ich liebe nun mal das Exakte.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;/span&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/545478878321866424/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/die-crux-mit-der-richtigen-wortwahl.html#comment-form' title='2 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/545478878321866424'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/545478878321866424'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/02/die-crux-mit-der-richtigen-wortwahl.html' title='Die Crux mit der richtigen Wortwahl'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://2.bp.blogspot.com/-P_9iPJX4YbI/Vp_duFxJfxI/AAAAAAAAA3A/sKz6yklay-s/s72-c/font-705665_640%2Ba.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-4521071120428295670</id><published>2011-01-31T13:25:00.018+01:00</published><updated>2016-01-20T20:09:49.604+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gruppe"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Paradox ... eben Prosopagnosie</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: left;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
Was man kennt, ist einem vertraut; was einem unbekannt ist, erscheint einem fremd. Ich kann das nicht bestätigen, jedenfalls nicht in allen Lebenslagen. Es gibt Situationen, da ist es genau umgekehrt: Das vermeintlich Sichere bleibt distanziert, während völlig unbekannte Menschen mir plötzlich seltsam nah erscheinen. Beim ersten Mal war das irritierend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-hbrwJuNqtt0/Vp_aZjJ3AEI/AAAAAAAAA20/0ejKjW9vnGY/s1600/file000177845008%2Ba.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; height=&quot;213&quot; src=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-hbrwJuNqtt0/Vp_aZjJ3AEI/AAAAAAAAA20/0ejKjW9vnGY/s320/file000177845008%2Ba.jpg&quot; width=&quot;320&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;http://www.morguefile.com/archive/display/156627&quot;&gt;Morguefile&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Als Prosopagnostiker stelle ich mir die Ausgangslage so vor: Während wir alle zwar von Natur aus mit der nötigen Hardware ausgestattet sind (dem Gehirn), ist bei meinem Mitmenschen zusätzlich eine überaus praktische Software installiert. Sie erlaubt meinen Mitmenschen, mit nur einem Blick ins Gesicht des andern blitzschnell zu entscheiden, ob sie einen Fremden vor sich haben oder ob es sich um einen Bekannten handelt. Dies läuft automatisch ohne Anstrengung, ohne sich darauf konzentrieren zu müssen, treffsicher und rasend schnell, in einem Bruchteil einer Sekunde.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Mir dagegen fehlt diese Software; oder sie ist installiert, aber funktioniert nicht. Während ich einer Person ins Gesicht schaue, schweigt mein Gehirn. Ich erhalte weder die Mitteilung: „Diesen Menschen kennst du“, noch den gegenteiligen Bescheid: „Nein, dieser Person bist du noch nie begegnet.“ Ich werde diesbezüglich völlig allein gelassen. Für Außenstehende mag das schwer verständlich sein, denn Nichtbetroffene setzen anschauen mit identifizieren gleich: „Wer mir ins Gesicht sieht, weiß, wer ich bin.“ Das wird nicht in Frage gestellt – es ist einfach so. Senke ich dann wieder den Blick und gehe weiter, weil mich keinerlei Signal aus meinem Gehirn zu einem gegenteiligen Handeln auffordert, heißt dies in der Schlussfolgerung: „Sie schaut absichtlich weg, obwohl sie mich sehr wohl erkannt hat – sie will sich nicht mit mir befassen; sie ist arrogant und unhöflich.“&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Doch&lt;/span&gt; was einige Traktierte nicht wissen: Im Gegenzug verhalten sie sich – ebenfalls ohne darüber nachzudenken – derart unverbindlich, so dass sie mir keinen Schritt entgegenkommen. Sie mögen sich zwar über meine vermeintliche Ablehnung ärgern, doch stehen sie selbst nur da mit versteinerter Miene, sagen nichts, lächeln nicht, nicken mir nicht zu oder zeigen mir nicht auf andere Weise, dass sie mich kennen. Sie erwarten eine akzeptable Reaktion von  mir, tragen aber selbst nichts zum Gelingen der Kommunikation bei. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Dass Missstimmigkeiten dann nicht gerade eine heimelige Atmosphäre begünstigen, ist klar. Jedenfalls ist die Gefahr, dass ich an einem guten Bekannten grußlos vorbeilaufe, ungleich größer, als dass ich aus Versehen einen Fremden grüße, weil ich ihn fälschlicherweise für jemanden halte, den ich zu kennen meine. Wie gesagt, mein Gehirn hilft mir nicht bei derlei Entscheidungen; von dieser Seite kommt keine Anleitung. Da man im Alltag aber auf ungleich mehr fremde Menschen trifft als auf bekannte, folge ich dem Wahrscheinlichkeitsprinzip: Ich gehe erst mal davon aus, dass alle Menschen um mich herum Fremde sind, und zwar so lange, bis sich das Gegenteil herausstellt. Dies spart zumindest Energie, denn andernfalls müsste ich auf Verdacht all jene, die meinen Weg kreuzen, auf andere verwertbare Anhaltspunkte absuchen. Dieser Aufwand würde mir an anderer Stelle als Kraft fehlen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Selbst in privater Umgebung will sich nicht immer eine ungezwungene Atmosphäre einstellen. Hin und wieder werde ich zum geselligen Beisammensein eingeladen, zu einem Einweihungsbrunch beispielsweise oder zu einem Geburtstagsbüfett. Naturgemäß mischen sich auf solchen Veranstaltungen fremde Gäste mit jenen, die ich noch vom letzten Mal kennen müsste – mit einem Unterschied: Jene, die immer wieder dabei sind, erwarten von mir ein entsprechend freundliches Widererkennen. Damit kann ich aber leider nicht immer aufwarten, denn einige altgediente Gäste erscheinen mir ebenso unbekannt wie die neu Hinzugekommenen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;pullquote&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Immer schön grinsen. Gleich friert mir die Mimik ein.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;pullquote&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Wenn ich Glück habe, ist ein Eingeweihter darunter, der mir schnell mal unauffällig souffliert. Das entkrampft ungemein. Doch sollte ich  auf mich allein gestellt sein, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit einem prophylaktisch aufgezogenem Lächeln durch die Masse zu schreiten in der Hoffnung, dass mir genug Bälle zugeworfen werden, damit ich auf jeden angemessen reagieren kann. Es ist wesentlich leichter, entweder als Erster zu kommen und dann das Defilee der andern abzunehmen, oder konsequent jeden ohne Ausnahme reihum per Handschlag zu begrüßen, oder an der Tür stehen zu bleiben und der Gemeinschaft ein allgemeines Hallo zuzurufen. Bei all dem wird niemandem auffallen, dass ich tatsächlich gar nicht weiß, wer da alles sitzt. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Unterm Strich mögen diese netten Runden durchaus erfolgreich verlaufen – erfolgreich im Sinn ausbleibender Fehltritte: peinlicher Verwechslungen oder versäumter angemessener Begrüßung. Irgendwann im Laufe der Veranstaltung werde ich wahrscheinlich sogar die Anwesenden identifiziert und eingeordnet haben. Spätestens jetzt sollte die Anspannung weichen zugunsten eines gewissen Sicherheitsgefühls, aber ganz los werde ich die Anstrengung nie, jedenfalls nicht in Gruppen. Es bleibt ein Rest Distanz und Unnahbarkeit, vielleicht als Folge des mühsamen Einstiegs. Das heißt keineswegs, dass mir das Beisammensein keinen Spaß machte, aber es zehrt Kräfte. Lange halte ich solche Termine nicht durch, und hat sich die Tür hinter mir wieder geschlossen, fällt augenblicklich die Anspannung ab und ich freue mich, einfach so in der Straßenbahn zu sitzen, ohne ständig auf der Hut zu sein, weil irgendjemand etwas von mir erwarten könnte. Restlose Entspannung erlebe ich nur in meinen eigenen vier Wänden.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Dann wiederum gibt es einen kuriosen Vorgang in ganz anderen Gruppenzusammensetzungen. Im Wartezimmer beim Arzt oder im Abteil auf einer Zugfahrt teilt man sich den Platz mit Gleichgesinnten. Auch mir ist sehr wohl bewusst, dass ich mit lauter Fremden zusammensitze, doch irgendwann verschiebt sich der Eindruck.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;b&gt;Oh, du entzückender Mensch, darf ich meinen Kopf an deine Schulter legen?&lt;/b&gt;&lt;/span&gt; &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Es passiert nicht nach ein paar Minuten, aber sehr wohl nachdem ich oft meine Nachbarn angeschaut hatte. Meist handelt es sich um jene, die mir gegenüber sitzen, deren Gesicht ich also zwangsläufig kurz streife mit meinem Blick, sobald ich hochschaue. Nach einer gewissen Zeit, vielleicht nach einer Stunde,  meine ich in diesen Leuten Bekannte zu entdecken. Deren Gesichtszüge kommen mir seltsam vertraut vor, als ob wir uns schon lange kennen würden. Ich betrachte die Gesichter heimlich umso genauer und je intensiver ich blicke, desto stärker wächst das Gefühl der Nähe. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Inzwischen weiß ich aus Erfahrung, dass ich nur einem Trugschluss aufsitze; ich falle nicht mehr darauf rein. Aber manchmal, wenn ich Lust habe, mich treiben zu lassen, setze ich mich ganz bewusst den Eindrücken aus. Ich wundere mich dann über die Intensität der Vertrautheit. Es ist nicht das Gefühl, jetzt plötzlich den andern als Person identifizieren zu können, ihm seinen Namen zu geben und den Kontext, woher ich ihn angeblich kenne, sondern sein Gesicht bewirkt fast so etwas wie eine Intimität, wie eine freundliche emotionale Bande zwischen uns – als wären wir uns herzlich zugetan. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Soll ich das erschreckend finden? Eigentlich wäre die Nähe angebracht in jenen Gruppen, wo ich unter realen Bekannten bin, nicht nur unter eingebildeten. Doch bei mir ist es genau umgekehrt: Das Eingebildete vermittelt jene Vertrautheit, die mir andernorts von bekannten Gesichtern verweigert wird.  Das ist ein Angriff auf die Logik. Aber man kann ja diese Logik gegen die andere tauschen.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/span&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/4521071120428295670/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/paradox-eben-prosopagnosie.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4521071120428295670'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4521071120428295670'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/paradox-eben-prosopagnosie.html' title='Paradox ... eben Prosopagnosie'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/-hbrwJuNqtt0/Vp_aZjJ3AEI/AAAAAAAAA20/0ejKjW9vnGY/s72-c/file000177845008%2Ba.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-6310081194784471846</id><published>2011-01-24T15:27:00.019+01:00</published><updated>2016-01-20T19:57:46.702+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Emotionalität"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Erinnerung"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Ist das nicht schrecklich?</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;a href=&quot;http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT2V3j_ZTOI/AAAAAAAAAJ8/l59AJjq0rNk/s1600/Puzzle.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT2V3j_ZTOI/AAAAAAAAAJ8/l59AJjq0rNk/s1600/Puzzle.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;Ein Mangel wird von jenen, die ihn nicht haben, im Allgemeinen als beklagenswerter Zustand gefürchtet. Das ist bei der Prosopagnosie nicht anders. Wenn ich mit Leuten rede und sie mich um Beschreibungen bitten, damit sie sich von meinem Alltag ein Bild machen können, bemerke ich immer wieder ein gewisses Unbehagen. Es dreht sich vor allem um zwei Aspekte:&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
• dass Prosopagnostiker Menschen nicht am Gesicht wiedererkennen und&lt;br /&gt;
• dass sie keine optischen Erinnerungen an Gesichter haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Oft folgt die Reaktion: „Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“ Da ein besorgter Unterton mitschwingt, komme ich zu dem Ergebnis, dass hier nicht nur einem simplen Unvermögen Ausdruck gegeben wird, sondern dass die Angelegenheit Angst macht. Gesichter scheinen für meine Mitmenschen weit mehr zu sein als ein purer Körperteil. Auf Gesichter konzentriert sich die Kontaktaufnahme, über Gesichter wird die Kommunikation gesteuert, fällt die Entscheidung für Sympathie oder Antipathie. &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Sind Gesichter dagegen nicht im selben Maß verfügbar, so wie es Nicht-Prosopagnostiker für unbedingt notwendig erachten, wird dies offenbar gleichgesetzt mit sozialem und emotionalem Kontaktverlust: Der Andere entgleite mir, verliere an Einzigartigkeit, gehe unter in der anonymen Masse, werde als Individuum unbedeutend und büße schließlich die Beziehung zu mir ein. Dieser Gedanke wird umso beängstigender, je stärker sich die Vorstellung um geliebte Menschen dreht. Die Augen zu schließen und dann nicht mehr zu wissen, wie das Gesicht der Mutter, des Bruders, des Mannes oder der Tochter aussieht, hat eine ähnliche Qualität, wie ihnen nicht mehr nah zu sein. Gleiches wird befürchtet, wenn man sich gedanklich plötzlich gezwungen sieht, seinen Vater statt am Gesicht an seiner Jacke wiederzuerkennen. In beiden Fällen schrumpft in der Phantasie der Nicht-Prosopagnostiker die emotionale Bindung zu diesen geliebten Menschen auf ein unkontrollierbares Niveau zusammen. Was vorher als stark und dauerhaft empfunden wurde, wird plötzlich instabil und angreifbar.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Die&lt;/span&gt; gute Nachricht: Es ist nicht so. Die Fähigkeit, emotionale Nähe aufzubauen und zu halten, ist nicht abhängig von der Art, wie versiert oder mangelhaft jemand mit Gesichtern umgehen kann. Im Gegenteil: Den Gesichtern wird viel zu viel Bedeutung beigemessen. Mit emotionalen und sozialen Aspekten wie Achtung, Zuneigung, Interesse oder Solidarität lässt sich auch anders umgehen, nicht nur über Gesichter. Die Sprache ist ebenso wirksam, Taten sind es noch viel mehr. Wir alle senden pausenlos irgendwelche Informationen, die andere auswerten und nutzen, um daran ihre Beziehung zu uns auszurichten. Dies alles geschieht meist unbewusst. Doch weil wir gelernt haben, dass fürs soziale Miteinander Gesichter enorm wichtig zu sein hätten, entgeht den meisten, dass sie sich im Alltag gar nicht so sehr von uns Prosopagnostikern unterscheiden. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ein Beispiel: Stellen wir uns vor, jemand kommt nach Hause. Der Schlüssel wird ins Schloss gesteckt, die Person ruft: „Ich bin wieder da!“, sie geht in die Küche und sieht dort einen Mann stehen, der mit dem Rücken ihr zugewandt am Herd in einem Kochtopf rührt. Diese Person wird doch sicherlich keine Schwierigkeiten haben, in diesem Mann ihren Freund zu erkennen – oder nicht? Aber wie macht sie das? Sie sieht doch nicht sein Gesicht, sie sieht ihn nur von hinten. Trotzdem ist sie absolut sicher, wen sie vor sich hat. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Diese Sicherheit ist ein Ergebnis ihrer Erinnerung, denn ohne es zu wissen, speichern wir alle – ob Prosopagnostiker oder nicht – Daten von andern Menschen, sobald wir sie treffen. Dazu gehören die Körperhaltung, Besonderheiten der Kleidung, die Frisur und der Körperbau.  All diese Informationen können genutzt werden, um Menschen zu identifizieren. Folglich sprechen auch Nicht-Prosopagnostiker in der Kantine Kollegen an, obwohl sie in der Warteschlange nur deren Rücken sehen, oder tippen einem Passanten von hinten auf die Schulter, weil sie glauben, in ihm einen Nachbarn erkannt zu haben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Nichts anderes machen Prosopagnostiker: mehrere Merkmale aus verschiedenen Quellen zu einem möglichst Ganzen zusammenzufügen. Der Unterschied besteht darin, dass Nicht-Prosopagnostiker diese Art der gespeicherten Merkmale als sekundär begreifen und sie nur heranziehen, solange das Gesicht als eigentliches Identifizierungsobjekt nicht zur Verfügung steht. Diese Ersatzhandlung wird sofort aufgegeben, sobald ein Gesicht wieder zugänglich ist.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;pullquote&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&quot;Ach, Entschuldigung – ich dachte, Sie wären meine Frau.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div class=&quot;pullquote&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Dagegen müssen Prosopagnostiker grundsätzlich immer den Umweg beschreiten, selbst dann, wenn ihnen das Gegenüber die Vorderseite zukehrt und sie direkt anschaut. Allerdings macht bekanntlich Übung den Meister: Vergleicht man die Trefferquote, wie oft Nicht-Prosopagnostiker richtig liegen, wenn sie auf der Straße jemanden ansprechen, dessen Rückseite sie zu kennen meinen, so wird sich bestimmt zeigen, dass sie sich öfter irren als Prosopagnostiker. Das ist nicht verwunderlich, denn warum sollten Nichtbetroffene eine Ersatzstrategie trainieren, solange der Originalzustand ihnen alles liefert, was sie brauchen? Trotzdem sticht in ihrer Wahrnehmung nur der Mangel der andern hervor: Prosopagnostiker sind ungelenker und langsamer als die Masse – zumindest wenn man glaubt, es gäbe nur eine einzige Art, Menschen zu identifizieren, nämlich an ihrem Gesicht. Tatsächlich aber bedienen sich gelegentlich auch Nicht-Prosopagnostiker verschiedener Zusatzinformationen - sie wissen es nur nicht. Auch dass sie darin an Können und Treffsicherheit überflügelt werden von jenen, die sie als eingeschränkt wahrnehmen (also von den Prosopagnostikern), findet in ihrem Denken nicht statt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Noch stärker angstbesetzt erscheint die Vorstellung, seine Lieben optisch nicht komplett erinnern zu können. Erzähle ich Nichtbetroffenen, dass in meiner Erinnerung alle Menschen zwar sehr wohl einen individuellen Körper mit spezifischen Merkmalen besitzen, dass jedoch alle Menschen vor meinem geistigen Auge kein  Gesicht haben, so drängt sich in der Phantasie meiner Zuhörer das Verlustgefühl in den Vordergrund. Am Gesicht wiederum wird die emotionale Beziehung festgemacht: Wer nicht mehr weiß, wie Schwester oder Freundin zwischen Scheitel und Hals aussieht, der büßt die Nähe zu ihr ein. Nur was optisch als lückenlos ausgemalt wird, wird als stabil begriffen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Ich halte dagegen: Ist das Gesicht alles, was ein Mensch zu bieten hat? Was ist mit seinen Worten, mit seinen Gesten, der Art sich zu bewegen, zu handeln? Wird darüber nicht ebenso wirksam soziales Miteinander gepflegt und werden darüber nicht ebenso erfolgreich Emotionen vermittelt und empfangen? Man müsste sich nur von der Fixierung auf das Gesicht lösen. Stattdessen mehr Verbindlichkeit in den Worten würde ich persönlich sehr begrüßen. Bliebe aber noch das Problem, dass meine Mitmenschen es als höchst unattraktiv empfinden, sollten sie künftig ihre Lieben nur noch unvollständig, nämlich ohne Gesicht, in Erinnerung behalten müssen. Doch dies kann so schlimm nicht sein, vergegenwärtigt man sich folgenden Vergleich:&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Angenommen wir sitzen gemeinsam in einem Café an einem kleinen Tisch. Vermisst mein Gegenüber etwas an mir? Stellte ich ihm diese Frage,  würde er vermutlich erst überlegen und dann mit nein antworten. Was sollte er auch vermissen? Ich sitze ihm vis á vis, er sieht mich, er ist in Kontakt mit mir, er nimmt mich als vollständig war.&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;b&gt;Was du nicht siehst, ist trotzdem da&lt;/b&gt;.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Wirklich? Aber bin ich das tatsächlich? Was ist mit meinen Beinen? Er sieht sie nicht, er kann sie gar nicht sehen, denn die Tischplatte ist darüber. Warum macht ihm das keine Angst? Warum formuliert er diesen Mangel nicht einmal? – Die Antwort ist einfach: Er vermisst nichts, weil er weiß, dass ich Beine habe, selbst wenn sie gerade nicht sichtbar sind. Er muss sich dessen nicht extra vergewissern; das theoretische Wissen reicht ihm.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Genauso verhält es sich mit Gesichtern: Ich weiß, dass alle Menschen ein Gesicht haben. Ich muss niemandes Gesicht mental visualisieren, um die dazugehörige Person als komplett zu begreifen. Den Menschen fehlt nichts, lediglich auf ihr Abbild in meinem Kopf hat sich ein optisches Hindernis gelegt. Es ist kein realer Verlust, nur eine Frage der Darstellung. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; Interessanterweise wird dieser Zustand von vielen in einem andern Zusammenhang klaglos hingenommen oder sogar begrüßt: Das Internet ist über weite Strecken ein gesichtsloser Raum. Dennoch werden in Chats und Foren emotionale und soziale Bedürfnisse ausgelebt, ohne dass die Kommunizierenden wüssten, wie die anderen aussehen. Dem Erfolg tut dies keinen Abbruch, und ich frage mich, warum ich noch nie das Lamento gehört habe: „Das ist ja furchtbar – wenn ich die Augen schließe, haben meine Chatfreunde Klaus und Elfie ja gar kein Gesicht!“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;/span&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/6310081194784471846/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/ist-das-nicht-schrecklich.html#comment-form' title='10 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/6310081194784471846'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/6310081194784471846'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/ist-das-nicht-schrecklich.html' title='Ist das nicht schrecklich?'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT2V3j_ZTOI/AAAAAAAAAJ8/l59AJjq0rNk/s72-c/Puzzle.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>10</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-4554394317789042835</id><published>2011-01-02T00:55:00.011+01:00</published><updated>2018-05-21T12:35:31.821+02:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Spiegelbild"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Blick in den Spiegel</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;font-size: large;&quot;&gt;&lt;i&gt;„Manche Prosopagnostiker erkennen nicht mal ihr eigenes Spiegelbild.“&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/blockquote&gt;
Diese Aussage liest man öfter in Zeitschriftenartikeln. Zugegeben, der Satz hat Potential. Er eignet sich gut, um dem Leser ein erstauntes „Donnerwetter!“ zu entlocken, denn wer würde nicht die Vorstellung furchtbar oder doch wenigstens befremdlich finden, wenn er in den Spiegel schaute, aber nichts mit jenem Gesicht anzufangen wüsste, das dort auf ihn herausblickte? &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT8uFhiMSWI/AAAAAAAAAKE/gX9dPRoU6U4/s1600/Daumier+Honor%25C3%25A9+klein+Visipix.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;https://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT8uFhiMSWI/AAAAAAAAAKE/gX9dPRoU6U4/s1600/Daumier+Honor%25C3%25A9+klein+Visipix.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&amp;nbsp; H. Daumier/Visipix.com&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Bis zu einem gewissen Grad kann ich die Freude an sensationellen Aussagen verstehen, doch vermisse ich eine Erklärung, wie das funktionieren soll. Stellen sich Nichtbetroffene vor, wir Prosopagnostiker würden morgens ins Bad kommen und uns erschrecken, weil plötzlich ein Fremder hinter dem Zahnputzbecher und der Cremetube auftauchte, von dem wir dächten: „Oh Gott, wer ist das denn?“ Oder dass wir mit Onkel, Tante, Cousins und Cousinen im Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt Aufstellung nähmen, wobei wir den einen oder andern namentlich zuordnen könnten, nur uns selbst nicht?&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: white;&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Ich&lt;/span&gt; &lt;/span&gt;stelle dem eine andere Szene entgegen: Ein ganz gewöhnlicher Menschen feiert die Nacht durch. Er stößt sich am Küchenschrank die Stirn blutig, am folgenden Mittag steht er mit besoffenem Kopf und lädiertem Gesicht vorm Spiegel. „Gütiger Himmel - das soll ich sein?“, schießt es ihm in den Sinn, doch wird er deshalb sein Spiegelbild für einen Fremden halten?&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Nein. Das wird er sicher nicht, denn davor bewahrt ihn seine Erfahrung. Seit er etwa zwei Jahre alt ist, seit sich das Bewusstsein vom Ich ausgebildet hat, begleitet ihn das Wissen: Wenn ich in einen Spiegel schaue, muss das, was ich dort sehe, mein Abbild sein – einerlei, ob ich gerade etwas damit anfangen kann oder nicht.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;blockquote style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;
&lt;h4 class=&quot;pullquote&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Nee – bin ich das?“&lt;/span&gt;&lt;/h4&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Nur: Dieses Bewusstsein vom Ich hat auch jeder Prosopagnostiker; er unterscheidet sich hierin nicht von der Masse, denn jene Einschränkungen im Umgang mit Gesichtern, die für die Prosopagnosie typisch sind, beruhen auf speziellen neurologischen Defiziten, haben aber nichts zu tun mit verstandesbedingten Erkenntnissen. So weiß auch jeder Prosopagnostiker, dass er selbst es ist, der gerade in den Spiegel schaut, und dass es folglich unlogisch wäre, würde er jenes Gesicht, das er dort erblickt, nicht als sein eigenes Gesicht bezeichnen. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Trotzdem wird behauptet, Prosopagnostiker (oder zumindest die besonders schwer gebeutelten) würden ihr eigenes Spiegelbild nicht erkennen. Ich halte dies für eine falsche Aussage. Zu mehr, als einen Artikel reißerisch aufzubauschen, taugt so ein Satz nicht. Die Fähigkeit zum logischen Denken ist nicht beeinträchtigt, nur weil ein Gehirn kein automatisch eingebautes Programm zur Gesichtsarchivierung besitzt.  &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Dennoch wird ein Unterschied im Umgang mit Spiegelbildern wahrgenommen, andernfalls würde das Thema nicht als Abweichung thematisiert. Der Anstoß muss von Betroffenen selbst ausgehen oder von deren Umwelt, wobei die eigenen Beobachtungen in dieser Weise formuliert oder die Aussagen der Prosopagnostiker entsprechend interpretiert werden. Demnach halte ich es für möglich, dass hier lediglich eine ungeschickte Wortwahl in die Irre führt. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Vielleicht meint „sein eigenes Spiegelbild nicht erkennen“ nur ein gewisses Erstaunen, das manchen Prosopagnostiker beim Blick in den Spiegel befallen mag. Also nicht der Gedanke: „Das Gesicht gehört einem Fremden“, wäre hier ausschlaggebend, sondern das überraschte Urteil: „Huch, ich sehe ja anders aus, als ich gedacht hatte.“ Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Dem liegt folgender Gedankengang zugrunde:&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Als Prosopagnostiker fehlen mir innere Bilder. Ich kann zwar aus der Erinnerung einen Menschen zusammensetzen, was seine Statur betrifft, seine Kopfform, die Frisur, die Form der Hände oder welche Gesten er bevorzugt und wie er sich bewegt, aber ein Gesicht, einerlei welches, mental zu visualisieren gelingt mir nicht. Alle Menschen in meiner Erinnerung sind also gesichtslos. Dort, wo ihr Gesicht sein sollte, befindet sich nichts, keine wie immer geartete Ausweichmasse oder ein Mangel, der sich irgendwie anders beschreiben ließe. Folglich habe ich keine aktive Erwartung an lebende Gesichter – wohl aber eine passive.  &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Bei der aktiven Erwartung müsste ich ein Gesicht aus dem Gedächtnis so beschreiben können, dass ein Dritter daraus ein realistisches Bild zu erstellen in der Lage wäre, zum Beispiel mithilfe eines Computerprogramms, wie Kriminalisten es benutzen, um ein Phantombild zusammenzusetzen. Dies aber wird mir schwerlich gelingen, denn solange meine Erinnerung keine Gesichter speichert, fehlt mir die Grundlage, um hier erfolgreich Material beizusteuern. Dennoch ist es kein Widerspruch, dass ich trotzdem eine Erwartung habe: Ich möchte nicht enttäuscht werde,  wie ein bestimmtes Gesicht auszusehen hat, sollte es denn zu einem persönlichen Kontakt kommen. Ich nenne dies die passive Erwartung: Zwar kann ich noch immer nicht beschreiben, was genau ich sehen werde, weil ich dies ja noch nicht weiß, wohl aber kann ich im Nachhinein sagen, ob das Gesicht, das ich zu sehen bekam, so ausgesehen hat, wie ich es erwartet hatte, oder ob es mir überraschenderweise verändert vorkam.&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Es geschieht öfter, dass ich erstaunt neue Details in Gesichtern bemerke, sogar bei alten Bekannten und guten Freunden. Die Gefahr wächst, je mehr Zeit zwischen unsern Treffen vergeht. Da es sich aber nicht um vorübergehende kosmetische Abweichungen handelt, sondern um Gesichtszüge, sagt mir wiederum der Verstand, dass jener Mensch vor vier Wochen schon genauso ausgesehen haben muss wie heute - nur gehen meine Erwartungen hierin nicht konform.&lt;/div&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Dein schmales Kinn ist neu … oder?“&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Das Gleiche betrifft mein eigenes Spiegelbild. Auch dies vermag ich nicht in der Vorschau aktiv zu beschreiben, doch bleibt mir natürlich die Freiheit, meinem Erstaunen Ausdruck zu verleihen, sollte ich bei der Überprüfung plötzlich daran etwas Unerwartetes entdecken. Möglicherweise werde ich dann so etwas sagen wie: „Das kann ich nicht sein!“ oder: „So sehe ich aus?“ oder: „Gott, wo bin ich gelandet!“&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Bei oberflächlicher Betrachtung könnten Dritte daraus den Eindruck gewinnen, ich hätte mein Spiegelbild nicht wiedererkannt. Im Ergebnis unterscheidet sich dieser Vorgang jedoch nicht vom fröhlichen Zecher, der sich anderntags über sein grausiges Aussehen wundert. Denn beide, sowohl der Betrunkene als auch der Prosopagnostiker, wissen, dass sie selbst es sind, deren Abbild sie betrachten, jedoch hatten beide mit einem anderen Gesicht gerechnet.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Es gibt also noch andere Gelegenheiten, wo Gesichter im Selbstbild nicht mit der Realität übereinstimmen. Dazu muss man kein Prosopagnostiker sein – die Nacht durchzusaufen reicht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/4554394317789042835/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/blick-in-den-spiegel.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4554394317789042835'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4554394317789042835'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/blick-in-den-spiegel.html' title='Blick in den Spiegel'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="https://3.bp.blogspot.com/__vOeU-OIUGA/TT8uFhiMSWI/AAAAAAAAAKE/gX9dPRoU6U4/s72-c/Daumier+Honor%25C3%25A9+klein+Visipix.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-4230740699340941704</id><published>2011-01-01T23:40:00.021+01:00</published><updated>2016-01-20T19:55:39.359+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Immer wachsam bleiben</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span style=&quot;font-family: &amp;quot;times&amp;quot;;&quot;&gt;K&lt;/span&gt;ombinieren und Wahrscheinlichkeitsrechnung ersetzen mir den eingebauten Gesichtsscanner. Ich bin geübt darin, schließlich praktiziere ich es schon von Kindesbeinen an, dennoch vergesse ich im Alltag oft die Absicherung. Die aber ist sinnvoll, denn als Prosopagnostiker gerät man ständig in heikle Situationen. Damit man dann nicht eine allzu ratlose Figur abgibt, empfiehlt es sich, einen Schritt vorauszudenken. Das heißt, man sollte einplanen, dass man möglicherweise gleich einen Menschen wiedererkennen soll, der jetzt noch neben einem steht. Es ist daher ratsam, beizeiten Ausschau zu halten nach prägnanten Anhaltspunkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;float: left; margin-right: 1em; text-align: left;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-6eQ8qnzL1Wc/Vp_U3mCHY6I/AAAAAAAAA2k/djsWZ4-XvoE/s1600/grimace-388987_640.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;clear: left; margin-bottom: 1em; margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; height=&quot;277&quot; src=&quot;http://4.bp.blogspot.com/-6eQ8qnzL1Wc/Vp_U3mCHY6I/AAAAAAAAA2k/djsWZ4-XvoE/s320/grimace-388987_640.jpg&quot; width=&quot;320&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;span style=&quot;font-family: Verdana,sans-serif;&quot;&gt;Foto:&lt;a href=&quot;https://pixabay.com/de/grimasse-lustig-ausdruck-maske-388987/&quot;&gt; Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
Viele Menschen aber haben leider nichts sonderlich Auffälliges an sich; nichts lässt sie aus der Masse heraustreten. Das mag meine Mitbürger empören, zumindest jene, die auf Individualität großen Wert legen, doch aus meiner Sicht ist es so. Die Wenigstens tragen auffällige Narben, haben verkrüppelte Gliedmaßen, sprechen mit einer Fistelstimme oder sind schon von weitem an ihrer grünen Stirnlocke zu erkennen. Die Masse bewegt sich im optischen Gleichmaß. Das ist schade, denn eine unschöne Warze auf der Oberlippe würde ich mir ebenso gut merken können wie einen besonders attraktiv geformten Mund; die Zuordnung zu ihren Besitzern würde mir dadurch sehr viel leichter fallen. So aber geben meine Mitmenschen oft nicht viel her. Woran soll ich mich orientieren, wenn alle gleich unscheinbar aussehen?&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Die&lt;/span&gt; nützlichen Merkmale wichtiger Personen lerne ich auswendig. Es reicht leider nicht, Menschen nur flüchtig anzuschauen, denn dabei bleibt nicht genug hängen. Was in der Erinnerung verankert sein will, muss bewusst visualisiert werden, damit es sich einprägt. Das hat viel Ähnlichkeit mit Vokabeln lernen. Ich beobachte unauffällig mein Gegenüber und spreche mir im Geiste vor:&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Brille: randlos, blauer Bügel.“&lt;br /&gt;
„Haare: hellbraun, glatt.“&lt;br /&gt;
„Augen: grün.“&lt;br /&gt;
„Ehering: schmal, links.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Je länger ich eine Person betrachten kann und je öfter ich solche Übungen wiederhole, desto sortierter wird der Fundus an Anhaltspunkten, von denen ich hoffe, dass diese Merkmale künftig ausreichen werden, um diese Person erfolgreich widerzuerkennen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Danke schön – Ihre Pickel sind toll!“&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Im Alltag jedoch bleibt meist nicht genug Zeit für detailliertes Einprägen. Es würde auch überfordern, würde ich jeden Menschen, der sich nur in meiner Nähe aufhält, so behandeln, als käme ihm eine wichtige Rolle zu. Die meisten Passanten bleiben, was sie sind: flüchtig. Ich sehe sie nie wieder; hätte ich aber trotzdem meine Energien auf das Lernen ihrer Merkmale verwendet, nur für den Fall, dass ich den einen oder andern doch noch mal wiederträfe und ein rasches Wiedererkennen dann nützlich wäre – ich käme vor lauter Anstrengungen zu nichts anderem mehr.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;So bewege ich mich auf dünnem Eis. Extra abgesichert bin ich nicht – und schon passiert es, das Unvermeidbare: Ich suche im Kaufhaus die Verkäuferin, der ich vor wenigen Minuten eine Frage gestellt hatte. Ich kehre zurück an den Platz, wo wir soeben gestanden hatten. Sie ist fort. Wie sah sie aus? Darauf weiß ich keine Antwort, außer dass sie weiblich war und weder sehr jung noch sehr alt.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Spätestens an dieser Stelle ärgere ich mich über mich selbst. Ich hätte wissen müssen, dass ich aufgeschmissen bin, sobald ich der Frau den Rücken kehre. Es wäre klüger gewesen, mir schnell noch etwas zu merken, ihre Frisur zum Beispiel oder ihre Schuhe. Doch das hatte ich vergessen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Jetzt ist kombinieren gefragt: Dort steht eine Verkäuferin und da drüben steht eine andere. Es kann diese gewesen sein, aber auch jene. Keine guckt herüber, keine gibt zu erkennen, dass sie sich mir verpflichtet fühlt. Während die eine Pullover auszeichnet, schiebt die andere einen Kleiderwagen vor sich her.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;
&lt;/span&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Sind Sie das, die ich suche?“&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ist das nicht der entscheidende Hinweis? Gehört Waren auszeichnen nicht eher zu den Tätigkeiten, die man nicht unterbricht, um zwischendurch kurz woandershin zu gehen, wo man dann von Kunden – von mir - angesprochen wird? Ist es nicht vielmehr wahrscheinlicher, dass ihre Kollegin erst etwas anderes gemacht hatte (wobei ich sie dann störte) und inzwischen eine neue Aufgabe übernommen hat, nämlich erst den Kleiderwagen aus dem Magazin zu holen und nun die Jacken zu den Ständern zu fahren? Spricht etwas gegen meine Annahme? Ist sie unlogisch?&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ich überlege noch einmal kurz, begutachte noch einmal diskret die beiden Damen aus der Ferne: War die Frau nicht doch blond? Dann wird es Zeit für eine Entscheidung. Ich spreche die Auserwählte an. Nicht immer liege ich richtig. Und nicht immer steht mein Aufwand im angemessenen Verhältnis zum Ergebnis.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/4230740699340941704/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/immer-wachsam-bleiben.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4230740699340941704'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/4230740699340941704'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/immer-wachsam-bleiben.html' title='Immer wachsam bleiben'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://4.bp.blogspot.com/-6eQ8qnzL1Wc/Vp_U3mCHY6I/AAAAAAAAA2k/djsWZ4-XvoE/s72-c/grimace-388987_640.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-7145894596098748127.post-5780885138742469053</id><published>2011-01-01T22:27:00.027+01:00</published><updated>2016-01-20T19:40:52.036+01:00</updated><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Alltag"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Gruppe"/><category scheme="http://www.blogger.com/atom/ns#" term="Strategien"/><title type='text'>Ein Ziel, zwei Wege</title><content type='html'>&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;table align=&quot;center&quot; cellpadding=&quot;0&quot; cellspacing=&quot;0&quot; class=&quot;tr-caption-container&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto; text-align: center;&quot;&gt;&lt;tbody&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-ETW__fEVsu4/Vp_Gz00iXZI/AAAAAAAAA2I/GaluWnpvzxU/s1600/crossroads-997123_640.jpg&quot; imageanchor=&quot;1&quot; style=&quot;margin-left: auto; margin-right: auto;&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://1.bp.blogspot.com/-ETW__fEVsu4/Vp_Gz00iXZI/AAAAAAAAA2I/GaluWnpvzxU/s1600/crossroads-997123_640.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;tr&gt;&lt;td class=&quot;tr-caption&quot; style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;https://pixabay.com/de/kreuzung-pfad-wahl-stra%C3%9Fe-richtung-997123/&quot;&gt;Pixabay&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;
&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;
&lt;br /&gt;
Es spart viel Energie, wenn man von der Natur mit einem automatischen Gesichtswiedererkennungs-Programm ausgestattet ist. Ein Blick und innerhalb eines Sekundenbruchteils ist die Sache klar: „Sie sind Frau Meier. Wir haben uns letzten Sommer auf der Abschlussfeier kennen gelernt.“&amp;nbsp; &lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
Mir als Prosopagnostiker gelingen solche spontanen Treffer nur selten. Vielleicht sind die Bedingungen gerade günstig und mein Gehirn unterstützt mich mit ein, zwei gespeicherten Informationen über Frau Meiers auffallend bunte Brille oder über ihre sonderbare Art, mit den Händen zu fuchteln, woran es mir möglich wird, in die korrekte Richtung zu denken. Doch Frau Meiers Gesicht allein wird mir wenig nützen; es taugt nicht zur Identifizierung.&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;div class=&quot;separator&quot; style=&quot;clear: both; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;/div&gt;
Stattdessen orientiere ich mich an anderen Merkmalen. Jeder Prosopagnostiker hat wohl seine eigenen Vorlieben. Für den einen sind es die Augenbrauen, die sich gut unterscheiden lassen, für den andern ist es die Stirn oder die Zahnstellung. Ich konzentriere mich auf die Frisur, auf die Stimme und auf das Bewegungsmuster meiner Mitmenschen.&lt;br /&gt;
&lt;a name=&#39;more&#39;&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span style=&quot;background-color: #fff2cc;&quot;&gt;Ich&lt;/span&gt; bin sehr gut im Beobachten. Mein Gedächtnis für feinste Unterscheidungen funktioniert wirksam. Mancher würde sich vielleicht wundern, wenn er wüsste, wie genau ich seinen Gang kenne, seine Eigenart, den rechten Fuß ein wenig nach innen zu stellen oder wie er einen Stift hält oder mit dem Messer Fleisch schneidet. Ich erkenne bekannte Menschen schneller von hinten als von vorn. Von all diesen Merkmalen habe ich innere Bilder, mentale Profilvideos sozusagen. Auf sie kann ich zurückgreifen, wenn es darum geht, eine Person zu identifizieren. Von Gesichtern dagegen habe ich keine Archivbilder. In meiner Erinnerung sind alle Menschen, ich eingeschlossen, gesichtslos. Ich weiß zwar, dass alle Menschen ein Gesicht haben, aber ich sehe keins.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Allerdings zehrt es an den Kräften, wenn man auf eine Ersatzstrategie ausweichen muss. Worüber andere nicht nachdenken, weil es ihnen selbstverständlich ist, erfordert von mir eine gezielte kognitive Beteiligung. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;color: #bf9000; text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;„Dreh dich mal um und lauf ein paar Schritte vor mir her.“&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ich besitze kein eingebautes Programm zur effizienten Personenidentifizierung, daher muss ich andere Wege beschreiten, um zum gleichen Ziel zu gelangen. Was andere unbewusst erledigen, absolviere ich über Kombinieren, Wahrscheinlichkeitsrechnung und logischen Abgleich.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Dieser Vorgang lässt sich an einem kleinen Planspiel verdeutlichen. Nehmen wir an, ich hätte Frau Meier aus dem obigen Beispiel tatsächlich kennen gelernt. Nachdem inzwischen einige Monate vergangen sind, in denen wir uns nicht mehr gesehen hatten, weiß ich nur noch sehr wenig über ihr Aussehen, nämlich lediglich dass Frau Meier sehr klein ist und, so glaube ich, dunkle Haare hat. Von ihrem Gesicht fehlt mir jegliche Erinnerung. Angenommen, es würde nun jemand drei Frauen vor mir aufreihen - eine große, eine mittlere, eine kleine - und mich auffordern, aus diesem Angebot Frau Meier zu identifizieren. Dies wird mir mit Sicherheit auf Anhieb gelingen, denn das Unterscheidungsmerkmal „klein“ kann ja nur auf eine einzige Person zutreffen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Nun die gleiche Aufgabe mit größerer Auswahl. Jetzt stehen dreißig Frauen vor mir. Wieder heißt es: „Eine davon ist Frau Meier – welche?“ Nun habe ich ein Problem: Klein von Statur sind mehrere, mein wichtigstes Werkzeug greift nicht mehr exklusiv. Also muss ich die Taktik verfeinern. Zunächst werde ich gedanklich wiederum alle Frauen mit großer und mittlerer Statur aussortieren. Übrig bleibt ein Grüppchen mehr oder weniger gleich kleiner Frauen, das aber leider noch zu unübersichtlich sein dürfte, als dass es mir Frau Meier offenbaren würde. Daher ist ein weiterer Schritt notwendig: Ist Frau Meier nicht dunkelhaarig? Ja, mir war so. Also landen diesmal im Abseits alle Blonden und Rothaarigen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: center;&quot;&gt;
&lt;b&gt;&lt;span style=&quot;color: #bf9000;&quot;&gt;„Bitte nicht vom Fleck rühren, solange ich noch sortiere.“&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Wieder bleibt ein Grüppchen übrig. Jetzt allerdings sind all meine Kriterien verbraucht, um noch eine weitere Unterscheidung vorzunehmen, denn an mehr als klein und dunkelhaarig kann ich mich nicht erinnern. Ich werde dennoch die restlichen Frauen der Reihe nach betrachten. Mich treibt die Hoffnung, dass mein Gehirn damals beim ersten Treffen doch noch irgendetwas an Frau Meier gespeichert hat, das mir jetzt behilflich sein könnte: vielleicht die Form der Nase oder die Figur oder die Haarlänge, irgendetwas, das mir zwar nicht bewusst zu sein braucht, das mir aber jetzt die Entscheidung lenkt.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Am Ende werde ich meine Wahl getroffen haben; nur noch eine einzige Person kommt in Frage. Mit einigem Recht kann ich sogar voraussagen: Es wird die richtige Frau Meier sein. Aber: Wie viel Zeit hat es mich gekostet und wie viel Energie musste ich aufwenden? Dagegen schauen meine Mitmenschen einmal in die Runde, taxieren flüchtig die dreißig Frauen, lassen den Blick vorsichtshalber ein zweites Mal über die Gesichter streifen – nur ein paar Sekunden sind nötig und schon ist das Urteil gefällt, rasch und treffsicher.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt; &lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ja, in der Tat - so lässt sich energiesparend leben.&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;&lt;span class=&quot;fullpost&quot;&gt;Ich habe prinzipiell nichts dagegen, mich diesbezüglich ein wenig mehr ins Zeug zu legen, schließlich kenne ich es nicht anders und ändern lässt es sich sowieso nicht. Mich stört allerdings die unreflektierte Zuordnung in richtig und falsch. Wie gesagt, Nichtbetroffene sind meist schon nach einem Sekundenbruchteil fertig mit ihrer Gesichtsanalyse. Das gleiche Tempo erwarten sie auch von mir: Man soll bitte schön genauso rasch reagieren, wie sie mich identifiziert haben. Ich als Prosopagnostiker aber kann das nicht leisten. Folglich wird mein Zögern als Verweigerung gewertet, als persönliche Zurückweisung, zumindest aber als beabsichtigter Verstoß gegen die herrschenden Spielregeln. Wie oft ich hochschnellende Augenbrauen vorgeführt bekomme statt wertfreier Geduld, kann ich nicht mehr zählen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div style=&quot;text-align: justify;&quot;&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;
</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/feeds/5780885138742469053/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/ein-ziel-zwei-wege.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/5780885138742469053'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/7145894596098748127/posts/default/5780885138742469053'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://prosopagnosie-pro.blogspot.com/2011/01/ein-ziel-zwei-wege.html' title='Ein Ziel, zwei Wege'/><author><name>Pro</name><uri>http://www.blogger.com/profile/10713764988680593486</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='30' src='//blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjFZzqbUICxlAtbZxGBMOygrlmHI4X366MCjtdEhmrNrqdyG7ojlRrre977E-9yqT6E4KtU4e2gEvsKPA7_PL-0kpEwzW8VBESHu_wE1aIvYGnckIw8hbnXmni9Xkm1zg/s220/Avatar+3+gelb.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/" url="http://1.bp.blogspot.com/-ETW__fEVsu4/Vp_Gz00iXZI/AAAAAAAAA2I/GaluWnpvzxU/s72-c/crossroads-997123_640.jpg" height="72" width="72"/><thr:total>0</thr:total></entry></feed>