<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0">
    <channel>
        <title>For Women in Science</title>
        <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/</link>
        <description></description>
        <language>de</language>
        <copyright>Copyright 2010</copyright>
        <lastBuildDate>Tue, 28 Oct 2008 10:45:00 +0100</lastBuildDate>
        <generator>http://www.sixapart.com/movabletype/</generator>
        <docs>http://www.rssboard.org/rss-specification</docs>




   
        <item>
            <title>Mehr Zeit und mehr Flexibilität</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="background: #EFEFEF; padding: 8px; margin-bottom: 25px; ">Die Preisträgerin Dr. Susanne Schreiber von der Charité Berlin erforscht die Kommunikation von Nervenzellen im Gehirn. Welche Spannung von einem Nervenzellentyp übertragen wird, ist von den unterschiedlichen Ionenkanälen der Zelleund deren räumlicher Verteilung abhängig. Ihre Forschungsergebnisse sollen zur Aufklärung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen beitragen. Als letzter Gastbeitrag der Preisträgerinnen für „For Women in Science" berichtet Susanne Schreiber, weshalb es für deutsche Forscherinnen keine Selbstverständlichkeit ist, auch von zu Hause aus arbeiten zu können.</div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Schreiber200.jpg" title="Quelle: L'Oréal" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Schreiber200.jpg" width="200" height="301" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Auch ich bin Mutter von zwei Kindern und gleichzeitig engagierte Forscherin und habe mich damit für ein Leben entschieden, dessen Alltag mich mitunter vor größere Herausforderungen stellt. Wie bereits in mehreren Beiträgen geschildert wurde, ist es nicht immer ganz einfach, das Familien- und das Wissenschaftlerinnenleben unter einen Hut zu bekommen. Das Hauptproblem ist und bleibt der Zeitmangel. Auch wenn man dieses Problem wohl nie ganz zufriedenstellend wird lösen können, so gibt es doch aus meiner Sicht einige wesentliche Dinge, die es Frauen erleichtern, gleichzeitig Mutter und Forscherin zu sein. Dies sind (1) eine gute Ganztagskinderbetreuung, mitunter auch über die Schließzeiten der Kita hinaus, (2) die Möglichkeit, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und unwichtigere Dinge zu delegieren, (3) die Flexibilität des Arbeitsplatzes und (4) ein engagierter Partner.</p><p>Während sich der letzte Punkt nur bedingt steuern lässt und es letztlich eine große Glückssache ist, ob man einen entsprechenden Partner zur Seite hat, der nicht nur ebenso wie man selbst Freude an der Erziehung der Kinder hat, sondern auch bereit ist, dafür  manchmal Kompromisse einzugehen, gibt es für die anderen Punkte in zunehmenden Maße Unterstützungsmöglichkeiten. Mir persönlich wurden diese zuteil, als ich mich vor einem guten Jahr um ein Stipendium der Nüsslein-Volhard Stiftung beworben habe.  </p>

<p>Von „For Women in Science" hatte ich zwar gehört - allerdings kannte ich nur das internationale Programm von der UNESCO und L'Oréal. Mich habe ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht als Zielgruppe für die Auszeichnung gesehen - darum war ich umso überraschter, als ich über die Nüsslein-Volhard-Stiftung für eine Förderung vorgeschlagen wurde. Durch dieses umfassende Stipendium konnte ich im vergangenen Jahr meine Kinder zusätzlich und mit gutem Gewissen individuell betreuen lassen und somit deutlich mehr Zeit für meine Arbeit aufwenden und mir andere Arbeiten, im Haushalt, abnehmen lassen. </p>

<p>Bei der Preisverleihung tauschte ich mich mit den beiden weiteren Preisträgerinnen Maiwen Caudron-Herger und Petra Ritter über den Verwendungszweck des Stipendiums aus und wir stellten bald fest, dass wir drei über die familiäre Unterstützung hinaus gar nicht so individuelle, sondern vielmehr dieselben Bedürfnisse für unsere Arbeit hatten: Wir alle hatten zu Hause nur „alte Krücken" stehen, uralte Laptops, die die Arbeit nicht gerade erleichtern. Gerade, wenn man zu Hause aber ein Kleinkind hat, ist es umso wichtiger, auch mal von dort aus Paper schreiben zu können.</p>

<p>In der deutschen Förderlandschaft ist es schwer, einen Laptop zu bekommen. Wenn man zum Beispiel an die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Projektantrag stellt, sind Fördermittel für die „Grundausstattung" darin nicht inbegriffen, da Grundausstattung in unserem föderalen System Ländersache ist und die Universitäten selbst für solchen "Luxus" meist kein Geld haben. Laptops müssen privat finanziert werden, leider. Dabei ist es nicht nur praktisch, sondern extrem hilfreich, auch einmal vom „Home Office" aus zu arbeiten oder via Skype Konferenzschaltungen mit den Kollegen - die ja zum Teil im "zeitverschobenen" Ausland arbeiten - abzuhalten. Auch wenn ursprünglich eher für individuelle Karriereseminare gedacht, wurde von Seiten der Stiftung und UNESCO-L'Oreal unserem Wunsch stattgegeben und ich tippe inzwischen diesen Artikel abends von zu Hause auf dem neuen Laptop - die Kinder sind bereits im Bett. Auch wenn ein Laptop nicht das Institut beziehungsweise Labor ersetzen kann: Er trägt auch wesentlich dazu bei, dass ich die vorhandene Zeit besser nutzen kann.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="SchreiberLabor200.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/SchreiberLabor200.jpg" title="Quelle: L'Oréal" width="301" height="200" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span>Eine pauschale Lösung für die Herausforderungen, denen Wissenschaftlerinnen mit Kindern sich stellen müssen, gibt es leider nicht. Aber ich persönlich habe erfahren können, dass mit einer überschaubaren finanziellen Unterstützung auch scheinbar kleine Dinge wesentlich dazu beitragen, dass man als Forscherin seinen individuellen Weg weitergehen kann. Ich hoffe, dass die Initiative der Nüsslein-Volhard Stiftung nicht die einzige bleibt, sondern dass es langfristig politisch durchsetzbar wird, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Kindern und Partnern, die ebenfalls beruflich engagiert sind, die Vereinbarkeit von Familie und Forschung durch finanzielle Unterstützung zu erleichtern.<br />
</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/mehr-zeit-und-mehr-flexibilitat.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/mehr-zeit-und-mehr-flexibilitat.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">for women in science</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Karriere</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kinder</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Mutterschaft</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">neurobiologie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">neurotransmitter</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">preisträgerin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">preisverleihung</category>
            
            <pubDate>Tue, 28 Oct 2008 10:45:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Ewiger Kampf gegen Vorurteile: Entwicklungslinien akademischer Bildung von Frauen seit 1945</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">Als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Anspruch auf gleiche Bildungschancen und ein gleichberechtigtes Studium erhoben, wurde diesem Ansinnen von vielen Männern mit recht <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/unweiblich-durch-bildung-und-studium---gegenstimmen-zur-akademischen-bildung-von-frauen.php">abenteuerlichen Argumenten</a> begegnet. Aber auch noch in den 60er Jahren wurden bildungswillige Frauen belächelt oder gar offen diskreditiert: ihre "intellektuellen Fähigkeiten" seien geringer, "abstraktes Denken und Denken überhaupt liege ihnen weniger" und überhaupt fehle es ihnen an "wissenschaftlicher Phantasie". 
 <br/>
</br><p><strong>Eva Matthes</strong> skizziert den Geschlechterkampf um Bildungschancen seit Ende des Zweiten Weltkriegs und die ermüdende Auseinandersetzung mit den immergleichen Vorurteilen. </p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img title="Prof. Dr. Eva Matthes, Uni Augsburg" alt="Eva_Matthes.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Eva_Matthes.jpg" width="145" height="230" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 13px 12px;" /></span><br />
Bald nach Kriegsende wurden 1945/46 die Universitäten auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik Deutschland unter den drei Besatzungsmächten Frankreich, Großbritannien und USA wieder eröffnet. Vor dem Trümmerhaufen einer Ideologie, von Hunger, Familienzerstörung und Armut gezeichnet, begannen Studierende und Lehrende 1945 mit dem Aufbau der zu 80 % zerstörten Universitätsgebäude. 1946 konnte ein stark eingeschränkter Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden. </p>

<p><strong>Aufbau der Nachkriegsuniversitäten</strong></p>

<p>Der Andrang der Studierenden war groß, die finanzielle Ausstattung der Universitäten blieb demgegenüber weit zurück. Bald wurden Zulassungsbeschränkungen nötig. Die Diskussion um eine Beschränkung des Frauenstudiums lebte erneut auf. </p>

<p>Nicht nur in der studentischen Presse entbrannte eine über Jahre hinweg geführte Kontroverse über das Frauenstudium schlechthin, in der den Frauen vielfach das Recht auf ein Studium vollständig abgesprochen wurde. Trotz der im Grundgesetz verankerten Gleichberechtigung der Geschlechter (Art. 3/Abs. 2 GG) wurden in den 50er Jahren traditionelle Rollenbilder propagiert und der Beruf der Frau zur Hausfrau und Mutter betont. </p>

<blockquote class="left">In den 50er Jahren ging der Frauenanteil unter den Studierenden erstmal zurück.</blockquote>

<p>Diese gesellschaftliche Grundeinstellung blieb nicht ohne Wirkung: Der Frauenanteil an den Studierenden ging zurück, zumal auch die Berufschancen für Akademikerinnen als sehr schlecht eingeschätzt wurden. Hatte etwa der Studentinnenanteil an der Universität Erlangen 1946/47 noch 23 % betragen, so sank er in den 50er Jahren auf 16 %. In München und Würzburg lag er noch deutlich niedriger.<br />
</p><p>Auch die bereits in den Kriegsjahren und auch noch in den Nachkriegsjahren - aus Mangel an männlichen Kollegen - erfolgte Steigerung der Zahl der Hochschuldozentinnen trug keine Früchte. Die meisten von ihnen erhielten - trotz Habilitation - keinen Lehrstuhl; sie wurden nach Rückkehr der Männer von diesen wieder verdrängt. In diesem Zusammenhang ist die zwischen dem Wintersemester 1953/54 und dem Wintersemester 1955/56 durchgeführte repräsentative Erhebung des Soziologen Hans Anger an den Universitäten Bonn, Frankfurt/M., Heidelberg und Kiel aufschlussreich. 138 Hochschullehrer wurden unter anderem zu den Themen "Die Frau als Studentin" und "Die Frau als Dozentin" befragt. </p>

<blockquote class="right">Nach Kriegsende wurden viele Dozentinnen wieder aus der Hochschule verdrängt.</blockquote>

<p>Ausgangspunkt für diese Befragung war die extreme Seltenheit weiblicher Hochschullehrer. Die fachlichen Leistungen der Studentinnen wurden im Vergleich zu den Studenten - in bekannter Weise - dahingehend eingeschätzt, "daß rein intellektuelle Fähigkeiten geringer oder seltener seien, abstraktes Denken, jedes Denken überhaupt liege ihnen nur weniger, es mangele an Kritikfähigkeit, Erfindungsgabe, Einfällen, wissenschaftlicher Phantasie, sie seien schüchterner, nicht selbständig genug und hätten weniger Initiative" (Anger 1960, S. 475f.). Markanter noch als diese Einschätzungen waren die Aussagen über die weiblichen Kollegen.</p>

<blockquote>"Die akademische Tätigkeit ist eine vorwiegend abstrakte und liegt deshalb der Frau nicht so; auch die intellektuellen Beziehungsverknüpfungen liegen ihr nicht. Die Notwendigkeit der Autorität mag der Frau auch Schwierigkeiten bereiten. Der Mann kann bis ins hohe Alter hinein eine intellektuelle Steigerung erfahren. Die Frau neigt bei wachsendem Alter zur Ruhe und Seßhaftigkeit. In jungen Jahren wird sie sicher sehr Gutes leisten, aber auch physisch ist der Beruf zu anstrengend für sie, deshalb haben wir kein Angebot seitens der Frauen." (Anger 1960, S.479)</blockquote>

<blockquote class="left">Mangelnde Präsenz von Frauen auf Professuren und Lehrstühlen wurde als naturgegeben interpretiert.</blockquote>

<p>Mangelnde Präsenz von Frauen auf Professuren und Lehrstühlen wurde als naturgegeben interpretiert, der natürlichen Bestimmung der Frau entsprechend. Die Vorurteile, die die Studentinnen erlebten, aber nach wie vor auch die Aufgabe des Studiums mit der Eheschließung führten zu deutlich höheren Abbruchquoten als die ihrer männlichen Kommilitonen. </p>

<p><strong>Der frustrierende Kampf gegen Vorurteile</strong></p>

<p>In einer Studentinnenbefragung um 1960 finden sich Aussagen wie: </p>

<blockquote>"Studentinnen werden nicht als echte Studierende angesehen; von der Mehrzahl belächelt; es gibt immer noch viele Professoren, die Mädchen [...] nicht für voll nehmen. Das habe ich selbst erlebt; Ja, ich habe mich immer sehr durcheinanderbringen lassen, wenn man mich nicht ernst nahm; Wenn man seine geistige Persönlichkeit immer wieder beweisen muß, sich immer wieder gegen Vorurteile wehren muß, kann einen das schon mürbe machen; Es ist schwer, Achtung zu erringen." (Gerstein 1965 , S. 88f.)</blockquote>

<p>Mitte der 60er Jahre wurde die Bildungspolitik zu einem zentralen öffentlichen Thema. Auslöser war die 1964 von Georg Picht veröffentlichte Schrift "Die deutsche Bildungskatastrophe", in der er darlegte, wie sehr das deutsche Bildungswesen im internationalen Vergleich zurückgeblieben sei und - um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland zu erhalten - eine deutliche Steigerung höherer Bildungsabschlüsse anmahnte. Großes Aufsehen erregte auch Ralf Dahrendorfs 1965 veröffentlichte Schrift "Bildung ist Bürgerrecht", in der er betonte: </p>

<blockquote>"Es darf keine systematische Bevorzugung oder Benachteiligung bestimmter Gruppen aufgrund leistungsfremder Merkmale wie soziale Herkunft oder wirtschaftliche Lage geben" (S. 22). </blockquote>

<p><strong>Bildungsoffensive der Sozial-liberalen Koaltion</strong></p>

<p>Die sozial-liberale Regierung von 1969 schrieb sich eine Bildungsoffensive auf ihre Fahnen. Brachliegende Begabungsreserven sollten mobilisiert werden. In diesem Kontext stieg die Zahl der Abiturientinnen und Studentinnen in den 70er Jahren deutlich an. In Erlangen etwa stieg der Studentinnenanteil von 18,9 % im Jahre 1967 auf 35, 2 % im Jahre 1980. An der Universität München verdoppelte sich zwischen 1970/71 und 1975/76 die Zahl der Studentinnen, die Zahl der männlichen Studierenden erhöhte sich im selben Zeitraum nur um ca. 30 %. </p>

<blockquote class="right">Auch bei den 68ern hatten Frauen mit Vorurteilen zu kämpfen</blockquote>

<p>Im Zuge der 68er Bewegung hatten sich auch die Studentinnen politisiert. Zunächst kämpften sie an der Seite ihrer männlichen Kommilitonen für eine Demokratisierung der deutschen Hochschulen und eine gesellschaftstheoretische Verankerung der Wissenschaften. Doch schnell mussten sie feststellen, dass sie auch von ihren männlichen Kommilitonen nicht ernst genommen wurden und für sie für unterschiedliche Dienstleistungen zur Verfügung stehen sollten. Aus Protest gründeten sich deshalb in allen größeren Städten der Bundesrepublik "Weiberräte", zu denen Männer keinen Zugang hatten. </p>

<p><strong>Die Neue Frauenbewegung</strong></p>

<p>Auf dieser Basis begann sich zu Beginn der 70er Jahre eine Neue Frauenbewegung zu organisieren. So trafen sich im ASTA der Universität München seit Anfang 1971 die "Roten Frauen", die zusammen mit einer Berliner und einer Frankfurter Frauengruppe die von Alice Schwarzer nach Deutschland importierte Aktionsidee gegen den § 218 aufgriffen. Gemeinsam organisierten sie die Unterschriftenaktion "Wir haben abgetrieben", die als "Stern"-Titel im Juni 1971 die bundesdeutsche Öffentlichkeit in Aufruhr versetzte.</p>

<p>Kritik und Anstöße der Neuen Frauenbewegung fanden jedoch auch Eingang in den Universitätsbetrieb. Erstmals wurden in Lehrveranstaltungen frauenspezifische Themen aufgegriffen, Forschungsprojekte zu Frauenfragen wurden initiiert, Sommeruniversitäten für Frauen durchgeführt, Ringvorlesungen veranstaltet, universitäre Frauenvollversammlungen einberufen. Innerhalb der studentischen Vertretung traten nun eigenständige Frauengruppen auf.<br />
Was die weitere Integration von Frauen in die Wissenschaft betrifft, standen die 80er Jahre im Zeichen der Bemühungen von (jungen) Wissenschaftlerinnen, Frauenförderung und Frauenforschung an den Hochschulen zu verankern.</p>

<p><strong>Universitäre Gleichberechtigung wird ein Thema - endlich</strong></p>

<p>Zielsetzung der in Frauenfragen engagierten Wissenschaftlerinnen war es, mehr begabten Frauen größeren Anreiz bieten zu können, sich die Universität als Arbeitsfeld zu erobern, also sie zu Promotion und Habilitation zu ermuntern. Doch noch immer fehlten häufig die Vorbilder und es stellt(e) sich das Problem der schwierigen Vereinbarkeit von Studium/Berufstätigkeit und Familie. Frauenförderpläne und Frauenbeauftragte an den Hochschulen wurden gefordert; Frauenforschung sollte institutionalisiert werden.</p>

<p>Nachdem der Passus "Die Hochschulen wirken bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben auf die Beseitigung der für Wissenschaftlerinnen bestehenden Nachteile hin" in das 1985 novellierte Hochschulrahmengesetz Eingang gefunden hatte, das Defizit an Gleichberechtigung auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Konkurrenz also gleichsam bestätigt worden ist, wurden die Landeshochschulgesetze und schließlich die Grundordnungen der Länderuniversitäten dieser Zielvorgabe angepasst.</p>

<blockquote>"Frauenbeauftragte achten auf die Vermeidung von Nachteilen für Wissenschaftlerinnen, weibliche Lehrpersonen und Studierende; sie unterstützen die Hochschule in der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken." (Bayerisches Hochschulgesetz Art.34, Abs. 1)</blockquote>

<p>Neben der vom Senat gewählten Universitätsfrauenbeauftragten und ihren Stellvertreterinnen gibt es noch die Fakultätsfrauenbeauftragten, die von den jeweiligen Fachbereichsräten gewählt werden. Erst seit 1998 hat die Universitätsfrauenbeauftragte Stimmrecht im Senat und in den Kommissionen, denen sie durch ihr Amt angehört, vorher hatte sie lediglich beratende Funktion. <br />
Abschließend will ich noch auf etwas hinweisen, was in bestimmten Frauenkreisen manchmal allzu gern tabuisiert wird. Nicht nur Männer bekämpfen Frauen als Konkurrentinnen, die Konkurrenz unter Frauen ist manchmal mindestens ebenso hart. Zugespitzt formuliert in diesem Kontext die Soziologieprofessorin Ulrike Gräßel:</p>

<blockquote>
"Projekten von Männern bekunden viele Frauen lobendes Interesse, den Verriss schreiben sie über die Kollegin. Notwendig wäre an dieser Stelle ein bisschen mehr Solidarität unter Frauen. Frauen sollten Frauen leben und arbeiten lassen wie Männer auch."(Gräßel 2003, S. 43).</blockquote>

<p>Männer und Frauen werden an der Universität damit leben und umgehen lernen müssen, die Konkurrenz von Frauen auszuhalten, beide Geschlechter werden sich darum bemühen müssen, ihr Konkurrenzverhalten zu humanisieren und sachbezogene Arbeitsbündnisse zu schließen.<br />
Frauen werden stärker als bisher Netzwerke gründen und ihre Berührungsängste gegenüber mit Macht und Einfluss verbundenen Positionen aufgeben müssen. </p>

<p></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 10px 10px 0pt 0pt; margin-top: 10px;"></div>

<p><em>In den ersten beiden Artikeln rekonstruierte Eva Matthes zunächst <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/es-fehlten-die-vorbilder---der-steinige-weg-der-frauen-zur-universitaren-gleichberechtigung.php">die ersten Schritte der Frauen an Universitäten und den Kampf um die Zulassung zu einem regulären Studium</a>. Im zweiten Text behandelte sie die <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/unweiblich-durch-bildung-und-studium---gegenstimmen-zur-akademischen-bildung-von-frauen.php">Situation von bildungswilligen Frauen in der Weimarer Republik und der Nazizeit.</a> </em><br />
<p><strong><a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/literatur.php">» Literatur</a></strong></p></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;"><a href="http://www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/paedagogik/paed1/mitarbeiterInnen/Matthes/"><strong>Prof. Dr. Eva Matthes </strong></a>hat seit dem Jahr 2000 einen Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität Augsburg. Sie ist u.a. Expertin für die Bildungs- und Erziehungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. </div>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/entwicklungslinien-akademischer-bildung-von-frauen-seit-1945.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/entwicklungslinien-akademischer-bildung-von-frauen-seit-1945.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gender Mainstreaming</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Geschlechtergerechtigkeit</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gleichstellung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Weibliche Karrieren</category>
            
            <pubDate>Thu, 23 Oct 2008 15:45:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Selbstinszenierung und die Konstruktion des &quot;erfolgreichen Chemikers&quot;: Warum Männer in der Chemie besser bezahlt werden </title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">Die Unterrepräsentanz von Frauen in den Führungsebenen von Wissenschaft und Wirtschaft hat bestimmt viele Gründe. Manche sind offensichtlich, andere Mechanismen wirken eher subtil. <br />

<p><strong>Ines Weller</strong> zeigt, dass in der Chemie quasi ein Idealbild des "erfolgreichen Chemikers" dominiert und gepflegt wird - und dieses ist männlich codiert. Pech für die Chemikerinnen... </p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Ines_Weller.jpg" title="Prof. Dr. Ines Weller, Uni Bremen" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Ines_Weller.jpg" width="160" height="190" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 12px 12px;" /></span>Die unzureichende Partizipation von Frauen insbesondere in den einflussreichen Positionen der Chemie in Wissenschaft und Unternehmen wirft die Frage auf, worauf dies zurückzuführen ist. Hier bieten z.B. Studien über den Einfluss der jeweiligen Fachkultur und den Habitus ihrer VertreterInnen Ansatzpunkte für Erklärungen. </p>

<p>Für die Chemie hat dies beispielsweise die Sozialwissenschaftlerin Barbara Nägele untersucht (Nägele 1998). An einem konkreten Fachbereich, dem Fachbereich Chemie der Universität Göttingen, hat sie eine Fallstudie zu den Geschlechterverhältnissen durchgeführt. </p>

<blockquote class="left">Wissenschaftliche Disziplinen unterscheiden sich auch durch den Habitus, der in ihnen gepflegt wird...</blockquote>Sie hat dazu weibliche und männliche Mitglieder der verschiedenen Statusgruppen zu ihrer Wahrnehmung der Geschlechterordnung befragt, mit ihnen Gruppendiskussionen durchgeführt und das Geschehen an diesem Fachbereich mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung untersucht.<p><strong>Je attraktiver die Stellen, desto seltener bekommen sie Frauen</strong></p>

<p>Dabei hat sie zum einen die häufig wenig greifbaren Formen der Benachteiligung von Frauen z.B. bei der Vergabe von Qualifizierungsstellen und Forschungsressourcen, sowie bei der Einbindung in professionelle Netzwerke nachgezeichnet. Beispielsweise konnte sie zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Besetzung eines Arbeitsplatzes mit einer Chemikerin abnehme, „je besser eine Stelle bezahlt ist, je mehr Karriereaussichten sie bietet und je besser sie sozialrechtlich abgesichert ist" (Nägele 1998: 48). </p>

<p>Ihre Untersuchungen verdeutlichen außerdem den nach wie vor schwierigen Zugang von Chemikerinnen zu den Netzwerken der jeweiligen scientific community, der für den erfolgreichen Aufbau einer wissenschaftlichen Karriere jedoch eine wesentliche Voraussetzung darstellt.<br />
Zum anderen hat sie versucht, den Habitus, d.h. die Selbstdarstellungen und -inszenierungen der Chemiker und Chemikerinnen, zu bestimmen. </p>

<p><strong>Der "erfolgreiche Chemiker"</strong></p>

<p>Als ein Ergebnis hat sie bei den von ihr befragten RepräsentantInnen der Chemie die geschlechtliche Codierung des „erfolgreichen Chemikers" herausgearbeitet. Danach wird das Bild eines erfolgreichen Chemikers implizit mit Eigenschaften, wie z.B. praktisches Geschick und Intuition verknüpft. </p>

<p>Diese werden sowohl männlich gedacht, als auch naturalisiert, d.h. dass sie als biologisch gegeben gelten: </p>

<blockquote>„Die meisten Professoren betreiben in ihren Diskursen eine Vergeschlechtlichung ihres Berufes (insbesondere Intuitionsdiskurs und Praktikerdiskurs). Sie konstruieren ihn so, dass er rein männlich ist und bleibt" (Nägele 1998: 142).  </blockquote>

<p>Zugleich verweist sie auf mögliche, in Ansätzen erkennbare Modernisierungstendenzen in den jüngeren ChemikerInnengenerationen, deren Relevanz für eine tatsächliche Umsetzung von mehr Chancengleichheit in der Chemie allerdings noch zu überprüfen ist. </p>

<p>Nägeles Untersuchung über einen chemischen Fachbereich einer Universität bezieht sich streng genommen nicht allein auf die Ebene „women in chemistry", sondern verweist durch ihren Blick auf die Fachkultur bereits auf „gender in chemistry" und die Wechselbeziehungen zwischen beiden.</p>

<p><em>Literatur:</em></p>

<ul>
	<li>Nägele, Barbara (1998): Von ´Mädchen` und ´Kollegen`. Zum Geschlechterverhältnis am Fachbereich Chemie. NUT-Frauen in Naturwissenschaft und Technik e.V. Schriftenreihe, Band 6, Mössingen-Talheim </li>
</ul>

<p> <br />
<small>* Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Passage aus: Weller, Ines (2006). Geschlechterforschung in der Chemie: Spurensuche in der Welt der Stoffe. In: Smilla Ebeling, Sigrid Schmitz (Hrsg.). Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden, 117-138 (Daten 2008 aktualisiert)</small></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;">
<a href="http://www.artec.uni-bremen.de/team/person.php?id=9/"><strong>Prof. Dr. Ines Weller </strong></a>ist Professorin am Forschungszentrum Nachhaltigkeit und am Zentrum Gender Studies, Universität Bremen (seit April 2007 Sprecherin Forschungszentrum Nachhaltigkeit).</div>

     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/selbstinszenierung-und-die-konstruktion-des-erfolgreichen-chemikers-warum-manner-in-der-chemie-besser-bezahlt-werden.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/selbstinszenierung-und-die-konstruktion-des-erfolgreichen-chemikers-warum-manner-in-der-chemie-besser-bezahlt-werden.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Chemie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gender Mainstreaming</category>
            
            <pubDate>Wed, 22 Oct 2008 16:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>&quot;Ich finde, ich sollte in fünf Jahren Professorin sein!&quot;</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="background: #EFEFEF; padding: 8px; margin-bottom: 25px; ">Die Niederländerin Dr. Corette Wierenga erforscht am <a href="http://www.neuro.mpg.de/index2.html">Max-Planck-Institut für Neurobiologie</a> das Gehirn. Begonnen hat die junge Mutter ihre akademische Laufbahn dabei in einem ganz anderen Bereich der Forschung: Erst nachdem sie ihr Physikstudium abgeschlossen hatte, wechselte Wierenga in die Neurobiologie. Weshalb sie das Gehirn aber spannender findet als physikalische Details.</div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="wierenga150.JPG" title="Quelle: Jessica Riccò" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/wierenga150.JPG" width="150" height="251" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Im Grunde halte ich Frauen und Männer nicht per se für grundverschieden. Es gibt viel eher einfach Unterschiede zwischen Leuten, also auch unter Frauen. Aber genau das ist das Schöne an der Forschung: Sie ist ganz individuell. Und jeder Wissenschaftler forscht auf seine eigene, unvergleichliche Art. </p>

<p>Dass ich mal in der Hirnforschung lande, war auch ein recht individueller Weg. Ich konnte in der Schule gut lernen und habe anschließend Physik studiert. Das Fach fand ich interessant. Am Gehirn war ich zwar schon immer interessiert, aber ein Biologiestudium reizte mich so gar nicht - ich dachte, dort geht es nur um Pflanzen und Tiere. Medizin wollte ich nicht studieren, weil ich auf keinen Fall Ärztin werden wollte. </p><p>Forschung und Hochschularbeit kannte ich zu dem Zeitpunkt ein wenig durch meinen Vater: Er ist Wirtschaftsprofessor mit dem Schwerpunkt Marketing. Zugegeben, das ist ein völlig anderes Feld als meine Studien, aber das wissenschaftliche Umfeld lag mir durch ihn nicht fern. Meine Mutter hat studiert und  immer gearbeitet. Auch meine Schwester und Cousinen haben alle studiert - als Frau an eine akademische Laufbahn einzuschlagen war bei uns eigentlich ganz normal - was aber nicht heißen soll, dass wir unter Druck gesetzt wurden, ein Studium machen zu müssen. </p>

<p>Am Ende des Physikstudiums hatte ich dann schon verstanden, dass ich nicht in dieser Disziplin bleiben werde. Ich fand es zwar interessant, aber um als Physikerin in die Forschung zu gehen, fehlte mir persönlich die Abwechselung. In der Physik hat man schon alles,  beziehungsweise fast alles verstanden. Zumindest war das mein Eindruck: Physikforschung geht „nur" noch ins Detail, weil das Große schon verstanden wurde. </p>

<p>Das Gehirn schien mir dazu der genaue Gegensatz. Dort gibt es noch viel zu erforschen und man kann noch ganz große Schritte machen. Darum habe ich meinen Ph.D. in Neurobiologie in Amsterdam angefangen, das hat richtig Spaß gemacht. Von dort bin ich einfach weitergegangen nach Boston und bin jetzt hier in München - geplant war das nicht. In der Schule habe ich mir nicht gesagt, dass ich in die Forschung möchte. Für mich fühlt es sich eher an, als hätte ich mein Studium nur wieder verlängert - bis jetzt eigentlich.</p>

<p>Ich komme aus den Niederlanden. Dass Frauen in der Wissenschaft hierzulande eine auffallende Minderheit sind, hat mich zunächst überrascht. Wenn bis 2014 ein Drittel aller Professoren in den Ruhestand gehen, bin ich gespannt, welche Rolle dem weiblichen Nachwuchs dann zugedacht wird. Bisher ist mein Eindruck, dass man in der Bundesrepublik mindestens 40, gar 50 Jahre alt sein muss, um Professor zu werden. </p>

<p>Das ist in den Niederlanden ein bisschen besser und soweit ich weiß in den USA auch. Es gibt dort einen „Assistant Professor", das kann man auch in jüngeren Jahren werden. Es fehlt in Deutschland an Festanstellungen für junge Forscher. Hier gibt es ja nur Vollprofessuren und die machen den Sprung vom PostDoc zum Professor riesig. Das gilt allerdings für Männer wie für Frauen.</p>

<p>Ich bin natürlich dafür, dass es mehr Frauen in der Forschung gibt, aber eine Gleichstellungsquote halte ich dennoch für falsch - viele Frauen wollen auch gar nicht so hoch hinaus. Nur: Diese Grundhaltung, das Männer eben besser sind als Frauen, die darf es nicht geben. Um Professor zu werden braucht man eine gewisse Einstellung, muss bestimmte Qualitäten haben, das ist meiner Meinung nach zwar schwer zu finden aber grundsätzlich bei beiden Geschlechtern gleichermaßen möglich. </p>

<p>Gerade für Frauen, die Kinder haben, ist der Sprung nach dem PostDoc mit vielen Unsicherheiten verbunden. Es gibt sicher nicht viele, die das in Kauf nehmen. Vielleicht brauchen Männer diese Sicherheit, dass sie nach Jahren in der Forschung auch Professor werden, weniger. Professuren müssen ja auch nicht Fifty-Fifty unter den Geschlechtern aufgeteilt werden, aber 10 bis 20 Prozent mehr Frauen wären schon sehr toll.</p>

<p>In Holland ist es viel normaler „mit Kind" zu arbeiten. Hier hat mich jeder gefragt, wieso ich mir das antue, als ich drei Monate nach der Geburt meiner Tochter wieder zu arbeiten anfing. „Bleib das erste Jahr zu Hause," sagten mir andere Mütter, „das ist viel besser fürs Kind!" Ich halte das für Blödsinn. Aber hier ist es ganz normal, dass die Frau ein Jahr zu Hause bleibt - aber wenn man das in der Forschung macht, ist ein Jahr viel zu lang. </p>

<p>In Holland ist es viel normaler, dass man nach drei oder vier Monaten wieder zur Arbeit kommt. Fast alle meine Freunde haben das so gemacht - und Mann und Frau teilen sich die Arbeit auch, indem z.B. jeder nur drei oder vier Tage pro Woche arbeitet. Das finde ich gut, weil das Kind dann seine Eltern zu gleichen Anteilen kriegt aber auch in die KiTa gehen kann. Für Forscher ist das natürlich nicht immer möglich, man kann nicht nur drei Tage pro Woche ein guter Forscher sein. </p>

<p>Dass es hier die Möglichkeit gibt, ein Jahr Elterngeld zu beziehen, ist natürlich schön - meine holländischen Freunde sind neidisch auf solche Möglichkeiten. In Holland muss man nach vier Monaten spätestens wieder arbeiten, glaube ich, aber da bin ich mir nicht ganz sicher.</p>

<p>Was die Geschlechterverteilung betrifft: In der Neurobiologie ist das Verhältnis insgesamt ohnehin recht ausgeglichen. Am Professorenlevel gibt es nur nach wie vor mehr Männer. Noch ist das normal, aber ich hoffe doch, dass das in 10 Jahren anders sein wird. Ich zumindest finde, in fünf Jahren sollte ich Professorin sein!</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/ich-finde-ich-sollte-in-zehn-jahren-professorin-sein.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/ich-finde-ich-sollte-in-zehn-jahren-professorin-sein.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">for women in science</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">frauen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Frauenförderung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">neurobiologie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Physik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">preisträgerin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">preisverleihung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Weibliche Karrieren</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Women in Science</category>
            
            <pubDate>Wed, 22 Oct 2008 11:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>&quot;Unweiblich&quot; durch Bildung und Studium? - Gegenstimmen zur akademischen Bildung von Frauen</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">Heute wird - Ausnahmen bestätigen die Regel - kaum noch angezweifelt, dass Frauen ihren Weg auch in Universitäten und Forschung gehen können.<br/>
</br><p><strong>Eva Matthes</strong> skizziert, mit welchen obskuren, heute nur noch lächerlich erscheinenden Argumenten zu Beginn des 20. Jahrhunderts versucht wurde, den Anspruch von Frauen auf höhere Bildung abzuwehren. </p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img title="Prof. Dr. Eva Matthes, Uni Augsburg" alt="Eva_Matthes.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Eva_Matthes.jpg" width="145" height="230" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 13px 12px;" /></span>Wir haben inzwischen gehört, warum es Initiativen für eine akademische Bildung von Frauen gab - es gab allerdings auch viele Gegenstimmen. Ganz entscheidend war hierbei immer die Konkurrenz, die Männer durch die Frauen fürchteten. Scharfe Gegner einer akademischen Bildung für Frauen waren von daher vorrangig Gymnasiallehrer und Ärzte. </p>

<p>Erstere fürchteten, dass Frauen, die bisher den Volksschullehrerinnenberuf erlernten, in die höhere Laufbahn der Gymnasiallehrerin drängen würden. Ärzte hatten die Konkurrenz bereits durch im Ausland ausgebildete und im Deutschen Reich praktizierende Ärztinnen zu spüren bekommen. Den Gegnern ging es also nie ausschließlich um die Frage, ob Frauen zum Studium berechtigt seien, vielmehr stand die Ausübung eines akademischen Berufs im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Die Männer reagierten auf die Gefährdung ihrer Alleinvertretungsansprüche nach dem Motto: "Wo Gleichheit [und damit Konkurrenz; E. M.] droht, muss Natur her!" </p>

<blockquote class="left">Abwehrkampf der männlichen Besitzstandswahrer: "Ein Studium widerspricht der Natur der Frau..."</blockquote>

<p>Es ging also darum zu "beweisen", dass ein Universitätsstudium der Natur der Frau widerspricht. Theodor von Bischoff (1807-1882), ein im In- und Ausland anerkannter Anatom und Physiologe, der an der Universität München lehrte, war einer der ersten, der aus Ergebnissen der vergleichenden Gehirn- und Schädelanatomie die intellektuelle Unzulänglichkeit von Frauen für ein Studium und die Ausübung eines akademischen Berufes folgerte.<br />
</p><blockquote>"Es fehlt dem weiblichen Geschlechte nach göttlicher und natürlicher Anordnung die Befähigung zur Pflege und Ausübung der Wissenschaften und vor Allem der Naturwissenschaften und der Medicin. Die Beschäftigung mit dem Studium und der Ausübung der Medicin widerstreitet und verletzt die besten und edelsten Seiten der weiblichen Natur, die Sittsamkeit, Schamhaftigkeit, Mitgefühl und Barmherzigkeit, durch welche sich dieselbe vor der männlichen auszeichnet. Die Bildung weiblicher Ärzte läßt sich mit unseren staatlichen Einrichtungen auf Schulen und Universitäten nicht vereinigen.<br/>
Ihre Theilnahme an dem an denselben ertheilten Unterricht stört und hindert denselben in unerträglicher Weise, und gefährdet das sittliche Wohl der männlichen Theilnehmer auf das allerschlimmste. Die Überladung des ärztlichen Standes mit unbefähigten halbgebildeten weiblichen Handwerkern, wie sie allein von dem weiblichen Geschlechte zu erziehen sind, hemmt und stört die Fortbildung der ärztlichen Wissenschaft und Kunst auf das Schädlichste." (Bischoff, T.: Das Studium und die Ausbildung der Medicin durch Frauen 1872)</blockquote>

<p>Die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm hielt von Bischoff folgerichtig Konkurrenzangst entgegen.</p>

<blockquote>"Sind die Männer wirklich das höhere Geschlecht, das heißt, mit höheren Kräften für alle die Fächer begabt, von denen sie die Frauen ausschließen, so brauchen sie doch die Concurrenz nicht zu fürchten, im Gegentheil, die Frauen werden ihnen zur Folie dienen; sind ihre Kräfte aber nicht höher, so setzen sie sich dem Verdacht aus, daß sie die Frauen einsperren, damit dieselben ihnen die Preise nicht verderben, und ihr Verhalten wird zur Gewaltthat, zur widerrechtlichen Aneignung eines Monopol". (Dohm, H.: Die wissenschaftliche Emancipation der Frau 1874)</blockquote>

<blockquote class="left">Obskure Argumente: "Wissende" Frauen büßen ihre (sexuelle) Attraktivität ein... </blockquote>
Weitere Stellungnahmen, wie die von Prof. Dr. med Lewin, zeigten die Befürchtungen der Männer, dass sie wissenden Frauen, Akademikerinnen gegenüber keine Erregbarkeit, keine sexuelle Lust mehr verspüren könnten, da hierfür ein Gefühl der Unterlegenheit der Frau wohl unverzichtbar erscheint.

<blockquote>"Eine Frau, die über die Anatomie der Geschlechsteile nicht allein des Weibes, sondern auch des Mannes orientiert ist und über das Mysterium des Geschlechtsaktes ohne Erröten sprechen kann, wird den Mann, wann nicht immer abstoßen, so doch immer kalt lassen". (Prof. Dr. med Lewin 1897)</blockquote>

<p>Auch wenn heute wohl kein Mann in Deutschland mehr wagte, öffentlich eine ähnliche Aussage zu tätigen, sind damit verbundene Ängste und - quasi als Entlastung - das Weibliche betonende Erwartungshaltungen gegenüber Frauen durchaus präsent. Und es können auch heute noch sehr viele Hochschullehrerinnen ihre individuellen Bestätigungen hierzu beitragen.</p>

<p><big>4. Die Weiterentwicklung des Frauenstudiums von 1903 bis zum Ende der NS-Zeit</big></p>

<p>Doch trotz aller Proteste - die Reform von 1903 wurde von vielen als Anspruch der Mädchen auf wissenschaftliche Bildung verstanden. In den ersten Jahren studierten mehr als die Hälfte der Frauen Naturwissenschaften, doch wuchs der Anteil bald nicht mehr so schnell wie in den Geisteswissenschaften. </p>

<p>An den theologischen und juristischen Fakultäten studierten wegen ihrer beruflichen Perspektivlosigkeit fast keine Frauen. Erst 1922 wurden Frauen zum Referendariat und zur Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst zugelassen.<br />
Die soziale Herkunft der Studentinnen konzentrierte sich auf die Beamtenschaft und die freien Berufe. Ihre Väter waren Professoren, Gymnasiallehrer, Rechtsanwälte, Ärzte, Fabrikanten oder Rittergutsbesitzer, die sich ein Studium ihrer Töchter leisten konnten.</p>

<p>Die Motive für ein Studium und die Fächerwahl waren unterschiedlich. Sie reichten von dem Wunsch, einer wissenschaftlichen Neigung nachzugehen über die Absicht, einen akademischen Beruf außerhalb der Universität zu ergreifen bis zu dem Anliegen, die Zeit bis zur Ehe sinnvoll auszufüllen. Manche brachen ihr Studium mit der Heirat oder der Geburt eines Kindes ab.</p>

<blockquote class="right">Häufig versuchten Studentinnen durch Anpassung in Kleidung und Verhalten sich dem männlichen, akademischen Habitus anzupassen.</blockquote>

<p>Nicht selten versuchten die ersten Studentinnen durch Anpassung an die Sitten und Gebräuche, ja selbst an die Kleidung der männlichen Kommilitonen als das "andere Geschlecht" an der Universität nicht aufzufallen, ihren Geschlechtscharakter - zumindest innerhalb des wissenschaftlichen Bereiches - zu neutralisieren. Aufschlussreich ist auch folgende Aussage Elisabeth Flitners: </p>

<blockquote>"Als in unserem Freundeskreis bekannt wurde, daß ich Abitur machen und studieren wolle, verblüffte uns Otto Herbig, der Maler, durch den [...] Ausruf: ,Wie schade!' und begründete sein Bedauern auf Fragen hin mit: 'Da wird man [er meinte allerdings nur: frau; E. M.] doch so häßlich'." (Flitner 1988, S.153).</blockquote>

<p>Während des Ersten Weltkriegs stieg die Zahl der studierenden Frauen relativ stark an - in Würzburg etwa lag er bei ca. 25%, obgleich nicht nur Studenten Kriegsdienst leisteten, sondern auch Studentinnen in Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder in Rüstungsbetrieben arbeiteten. Die Studienbedingungen verschlechterten sich deutlich unter den Folgen des Ersten Weltkriegs.</p>

<blockquote>"Als ich im Herbst 1917 nach München kam, saßen in den Hörsälen Frauen und Kriegskrüppel. Die Studenten hungerten und froren in ihren schlecht geheizten Buden und in den schlecht geheizten Hörsälen und Bibliotheken." (ehemalige Studentin Julie Meyer-Frank)</blockquote>

<p>Auch fürchteten die Studenten während der Jahre des ersten Weltkriegs verstärkt die weibliche Konkurrenz.<br />
<blockquote><br />
"In Heuschreckenschwärmen fallen die weiblichen Berechtigten' über die deutschen Universitäten her, seitdem die männlichen Berechtigten in vielen Tausenden sich aufgemacht haben, dem Vaterlande Gut und Leben zu weihen [...] Während sich die Elite der deutschen Männerschaft vor dem Feind verblutet, besetzen daheim die Weibchen die Kollegienbänke, um die gelehrten Berufsarten zu feminisieren." (Adam Röder in der Süddeutschen Conservativen Correspondenz 12. Mai 1916)</blockquote></p>

<p>Die Weimarer Republik brachte die Frauen auf ihrem Weg zur Gleichberechtigung ein entscheidendes Stück voran. Am 12. November 1918 erhielten die Frauen per Dekret des Rates der Volksbeauftragten das allgemeine, gleiche, aktive und passive Wahlrecht. Im Art. 109 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 heißt es: "Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten".</p>

<p><strong>Die Weimarer Republik bringt Fortschritte </strong></p>

<p>Diese Bestimmung wurde zur Grundlage der Zulassung von Frauen zu Berufen im Öffentlichen Dienst und in der Rechtspflege. Diese Entwicklungen und erweiterte Möglichkeiten, das Abitur zu erwerben, führten in der Weimarer Republik zu einer deutlichen Zunahme der weiblichen Studierenden. Auch die soziale Herkunft veränderte sich im Verlauf der Weimarer Republik; allmählich kamen auch Töchter aus den Mittelschichten an die Hochschulen. </p>

<blockquote class="left">Verzweifelte Thesen vor 90 Jahren: Die "stärkere Erregbarkeit", die insgesamt psychische Labilität der Frau, ihre "sexuelle Bindung" behinderten ihre geistigen Fähigkeiten.</blockquote>

<p>Je normaler im Laufe der Jahre das Erscheinen von Studentinnen in den Hörsälen wurde, desto stärker formierte sich auch wieder der Widerstand, der schließlich in einer in aller Öffentlichkeit geführten Kampagne gegen das Frauenstudium mündete. Hierbei wurde häufig auf die Argumentation des Berliner Gynäkologen Professor Ernst Bumm Bezug genommen, der mit einer vielbeachteten Rektoratsrede im Jahre 1917 die Gegner mit neuer Munition aus dem alten Repertoire versorgte.</p>

<p>Die "stärkere Erregbarkeit", die insgesamt psychische Labilität der Frau, ihre "sexuelle Bindung" behinderten ihre geistigen Fähigkeiten. "Der vollen dauernden Hingabe ans Werk wirft sich der Körper entgegen". Wenn die Frauen nicht mehr von den Universitäten ausgeschlossen werden könnten, dann müsse zumindest versucht werden, ihre Zahl zu begrenzen. </p>

<p>1926 beruft sich etwa die "Nürnberger Zeitung" in einem Bericht über "Das Schicksal weiblicher Akademiker" ausdrücklich auf Professor Bumm. Der Artikel endet mit dem Vorwurf: <em>"Von zehn akademisch gebildeten Frauen empfängt das Land nur sechs Kinder, während es nahezu 40 erhalten würde, wenn die studierten Frauen den anderen glichen". </em></p>

<p><strong>Mehr Polemik in Krisenzeiten</strong></p>

<p>In den Jahren der Weltwirtschaftskrise verschärfte sich die Polemik gegen das Frauenstudium zunehmend. In dem 1932 veröffentlichten Pamphlet des promovierten Juristen Manfred Rompel "Die Frau im Lebensraum des Mannes" wurden die Studentinnen als die Schuldigen für die auch unter Akademikern wachsende Arbeitslosigkeit ausgemacht. Das Abitur sei für sie zur "Modesache" geworden. Massiv kritisiert Rompel die Öffnung der höheren Lehranstalten für die Mädchen. </p>

<p>Es finden sich die uns bereits vertrauten Argumentationsmuster: Wo Konkurrenz droht, muss Natur her. Und so heißt es bei Rompel dann auch: Durch die immer stärkere Angleichung an das Vorbild der männlichen Bildung werde "im Mädchen der Trieb zur Weichheit, Zärtlichkeit und Hingabe gehemmt oder verdrängt." Worum es ihm eigentlich geht bzw. was ihm im Letzten Angst einjagt, macht folgende Aussage deutlich: </p>

<blockquote>"Die unvermeidliche Folge des weiblichen Massenstudiums und das Eindringen der Frau in alle männlichen Berufe sind Blaustrumpfkultur und Frauenherrschaft." </blockquote>

<p>Auch aus dem Deutschen Studentenwerk erhoben sich Stimmen, den Anteil weiblicher Studierender deutlich einzugrenzen. Diese Stimmungsmache gegen das Frauenstudium, verbunden mit der schlechten Wirtschaftslage und der hohen Akademikerarbeitslosigkeit, führte Anfang der 30er Jahre zu einem deutlichen Rückgang der Zahl weiblicher Studierender (war deren Anstieg gegenüber der Zahl männlicher Studierender in der Weimarer Republik zunächst überproportional hoch gewesen, so war nun auch der Rückgang überproportional hoch).</p>

<p><strong>Frauenstudium und Wissenschaftskarrieren in Zeiten des Nationalsozialismus</strong></p>

<p>Einen nochmaligen Schub erhielt diese Entwicklung durch das von den Nationalsozialisten am 25. April 1933 erlassene "Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" mit der entsprechenden Ausführungsverordnung mit konkreten Zahlenangaben Ende des Jahres, am 28. 12. 1933. Die Verordnung trennte für den Abiturjahrgang 1934 Abitur und Hochschulreife voneinander. Letztere, und damit die Möglichkeit zu studieren, sollten vom Abiturjahrgang 1934 höchstens 15.000 Abiturienten erhalten, wobei darunter in keinem Land mehr als 10% Mädchen sein durften. </p>

<p>Mit diesem geschlechtsspezifischen Numerus Clausus enthielt die Verordnung eine eklatante Schlechterstellung der weiblichen Abiturienten gegenüber den männlichen. Denn sie bedeutete, dass von zu erwartenden 40.000 Abiturienten (30.000 Männer und 10.000 Frauen) zwar jeder zweite männliche Abiturient, aber nur jede siebte Abiturientin die Hochschulreife und damit einen Studienplatz erhalten würde. </p>

<p>Bayern durfte nach der Durchführungsverordnung insgesamt 1670 Studienplätze vergeben, also höchstens 167 an Frauen. Allerdings hob der Reichserziehungsminister, Bernhard Rust, die Verordnung bereits am 9. Februar 1935 wieder auf, sie hatte also nur für die Abiturienten und Abiturientinnen des Jahrgangs 1934 gegolten. Trotzdem hielt die Talfahrt der Zahl der Studierenden beiderlei Geschlechts, allerdings wieder überproportional des weiblichen Geschlechts, noch bis Ende der 30er Jahre an. Hierzu trug nicht zuletzt die seit 1933 nochmals deutlich verstärkte Stimmungsmache gegen studierwillige und studierende Frauen bei, die der nationalsozialistischen Ideologie korrespondierte. Diese war generell antiintellektualistisch; für die Frauen sah sie den Beruf der Hausfrau und Mutter vor. </p>

<blockquote class="right">Die Nazis verschärften die Stimmungsmache gegen studierwillige Frauen.</blockquote>

<p>Das Gesetz gegen das "Doppelverdienertum" erschwerte die Berufstätigkeit verheirateter Frauen, zugleich wurde Frauen der Beruf als Richterin und als Staatsanwältin verschlossen, 1934 verheirateten Ärztinnen die Kassenzulassung entzogen. </p>

<p>Zur Reduktion weiblicher Studierender trug nicht zuletzt auch das "Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" und der weiteren "Nürnberger Gesetze" vom 15. September 1935 bei, mit deren Anwendung die Zulassung von Studentinnen und Studenten jüdischer Herkunft zu Promotion und Staatsprüfungen untersagt wurde. Der Anteil der "nichtarischen" Studentinnen an der Gesamtzahl der studierenden Frauen war etwa dreimal so hoch wie bei den männlichen Studierenden. </p>

<p>Den Hintergrund hierfür bildete, dass das jüdische Bürgertum, der Mädchen- und Frauenbildung überdurchschnittlich aufgeschlossen gegenüberstand. Dementsprechend war auch der Anteil jüdischer Akademikerinnen relativ hoch. Mit dem Gesetz "Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 wurden Jüdinnen aus ihren universitären Ämtern oder aus ihren beruflichen Positionen vertrieben. Manche konnten sich in die Emigration retten und dort die wissenschaftliche Laufbahn beginnen, die ihnen in Deutschland versagt blieb. Einige erhielten Rufe an ausländische Universitäten. Von den 58 Wissenschaftlerinnen, die 1933 in Deutschland an Universitäten als Dozentinnen lehrten, ging ein sehr hoher Anteil ins Exil, andere wurden deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet.</p>

<blockquote class="left">Als man Ingenieurinnen brauchte, wurden Frauen plötzlich zum Studium ermuntert...</blockquote>

<p>Ende der 30er Jahre vollzog sich in der Haltung des nationalsozialistischen Staates aus funktionalen Gründen gegenüber dem Frauenstudium ein Einstellungswandel. Frauen wurden nun zur Aufnahme eines Studiums ermuntert. Die Frauen sollten den inzwischen eingetretenen Akademikermangel beheben helfen. Entgegen der bisherigen Geschlechterideologie sollten Frauen vor allem Naturwissenschaften studieren, damit sie zum Berufseinsatz in der Industrie oder in der Forschung zur Verfügung stünden. </p>

<p>Hierfür wurde ihnen sogar der Reichsarbeitsdienst erlassen. Vor diesem Hintergrund stieg während des Krieges der Frauenanteil kontinuierlich wieder an, bis im Sommersemester 1943 mit 25.000 Studentinnen (47,8 %) absolut und relativ mehr Frauen als jemals zuvor in Deutschland studierten. 1943 betrug der Frauenanteil an der Universität München 45 %, an der Universität Erlangen sogar 51 %.</p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 10px 10px 0pt 0pt; margin-top: 10px;"></div></p>

<p><em>Im <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/es-fehlten-die-vorbilder---der-steinige-weg-der-frauen-zur-universitaren-gleichberechtigung.php">ersten Artikel</a> berichtete Eva Matthes über die Einführung des Frauenstudiums und die Widrigkeiten für bildungswillige Frauen und Mädchen. <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/entwicklungslinien-akademischer-bildung-von-frauen-seit-1945.php">Im abschließenden Artikel</a> beschreibt sie die Entwicklung seit Ende des Zweiten Weltkriegs. </em><br />
<p><strong><a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/literatur.php">» Literatur</a></strong></p></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;"><a href="http://www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/paedagogik/paed1/mitarbeiterInnen/Matthes/"><strong>Prof. Dr. Eva Matthes </strong></a>hat seit dem Jahr 2000 einen Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität Augsburg. Sie ist u.a. Expertin für die Bildungs- und Erziehungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. </div>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/unweiblich-durch-bildung-und-studium---gegenstimmen-zur-akademischen-bildung-von-frauen.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/unweiblich-durch-bildung-und-studium---gegenstimmen-zur-akademischen-bildung-von-frauen.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Frauenstudium</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nationalsozialismus</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Weibliche Karrieren</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Weimarer Republik</category>
            
            <pubDate>Tue, 21 Oct 2008 15:35:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Es fehlten die Vorbilder - Der steinige Weg der Frauen zur universitären Gleichberechtigung </title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">Wenn wir heute über die Situation von Frauen in der Wissenschaft reden, dann wird häufig auf den bedauernswert niedrigen Frauenanteil von gerade einmal 15% unter den Professuren verwiesen. Und auch andere Zahlen und Daten belegen, dass wir von einer wirklichen akademischen Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. <br/>
</br><p>Dabei vergessen wir manchmal, dass sich Frauen die Beteiligung in der Wissenschaft erst mühsam erkämpfen mussten. Noch vor wenigen Generationen war die Immatrikulation an Universitäten Männern vorbehalten. <strong>Eva Matthes</strong> rekonstruiert die ersten Schritte der Frauen auf dem Weg zu akademischer Anerkennung und Gleichberechtigung. </p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img title="Prof. Dr. Eva Matthes, Uni Augsburg" alt="Eva_Matthes.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Eva_Matthes.jpg" width="145" height="230" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 13px 12px;" /></span>In Gesprächen mit Frauen werden als ein Haupthindernis für die akademische Laufbahn von Frauen häufig die fehlenden Vorbilder und damit die fehlende Orientierung an weiblichen Biographieverläufen an der Universität genannt. </p>

<p>Inzwischen nehmen zwar mehr Frauen als Männer ein Studium auf - in dieser Hinsicht fehlt es also nicht mehr an Vorbildern - aber schon auf Lehrstuhlebene und erst recht aber in Leitungs- und hochschulpolitischen Entscheidungsgremien sind die Frauen in der Unterzahl. Der Weg bis zur gleichberechtigten Präsenz von Frauen in allen universitären Bereichen wird wohl steinig bleiben. </p>

<blockquote class="left">Blick zurück auf die ersten Schritte der Frauen an der Universität.</blockquote>

<p>Allerdings wurde in den vergangenen 100 Jahren doch sehr vieles für die Frauen an den Universitäten erreicht. Zwar nicht alles, aber immerhin - blicken wir nun zurück zu den ersten Schritten der Frauen an der Universität.</p>

<p><big>„Der geistige Fortschritt geht vom Süden aus"</big></p>

<p>Am 21. September 1903 unterzeichnete Prinzregent Luitpold mit einem knappen "Genehmigt" eine Vorlage des Bayerischen Kultusministeriums, nach der "vom Wintersemester 1903/04 an Damen, welche das Reifezeugnis eines deutschen humanistischen Gymnasiums oder eines deutschen Realgymnasiums besitzen, zur Immatrikulation an den bayerischen Universitäten zugelassen werden". <br />
</p><p>Das klingt zunächst fortschrittlich und ein Kommentator schrieb hierzu: <em>"Es geht ein geistiger Fortschritt vom Süden aus"</em>. Das ist nicht ganz verkehrt, denn in anderen Ländern erfolgte die Zulassung von Frauen zum ordentlichen Universitätsstudium noch später. In Württemberg erst 1904, in Sachsen 1906, in Thüringen 1907, in Hessen und Preußen 1908 und in Mecklenburg 1909. </p>

<p>Allerdings war ehrlicherweise das Großherzogtum Baden Vorreiter: es hatte als erstes deutsches Land die gesetzlichen und strukturellen Voraussetzungen für eine Gleichstellung des höheren Mädchen- mit dem höheren Knabenschulwesen schon im 19. Jahrhundert geschaffen. Der badische Staat anerkannte das 1893 eröffnete erste deutsche Mädchengymnasium in Karlsruhe, das als sechsjähriges humanistisches Gymnasium konzipiert war und mit dem Abitur abschloss. </p>

<p>Am 28. Februar 1900 verfügte Baden schließlich: <br />
<blockquote>"Frauen, welche ein anerkanntes Reifezeugnis vorzulegen vermögen, sind versuchs- und probeweise zur Immatrikulation an den beiden Landesuniversitäten [Heidelberg und Freiburg] zugelassen." </blockquote><br />
Allerdings war die formelle Öffnung der Universitäten nur ein sehr begrenzter Fortschritt. Die Etablierung von Bildungseinrichtungen für Mädchen, die zur allgemeinen Hochsculreife führten, ging nur schleppend voran. Und folglich konnte in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts nur eine verschwindende Minderheit deutscher Frauen ein Abiturzeugnis nachweisen.</p>

<p>So blieb den allermeisten studierwilligen Frauen weiterhin nichts anderes übrig, als - anstelle der Immatrikulation - sich darum zu bemühen, als Hörerin zugelassen zu werden. Im Wintersemester 1903/4 besuchten 107 Hörerinnen und 29 Studentinnen die drei bayerischen Universitäten. Noch 1910/11 überstieg die Gesamtzahl der Hörerinnen (301) die der Studentinnen (236) erheblich. </p>

<blockquote class="right">Zunächst wurden die meisten studierwilligen Frauen nur als "Hörerin" zugelassen. Gleichberechtigte Studenten waren sie damit nicht.</blockquote>

<p>Was hatte es mit den "Hörerinnen" auf sich? Kurz gesagt: Die Institution der "Hörerin" unterstreicht den Ausnahmecharakter von Frauen an der Universität, die "Studentin" erhebt den Anspruch einer gleichberechtigten universitären Existenz. </p>

<p><strong>Akademikerinnen zweiter Klasse</strong></p>

<p>Dem mit der Einführung des Immatrikulationsrechts für Frauen verbundenen Anspruch auf universitäre Gleichberechtigung wurde auch noch dadurch entgegengewirkt, dass Frauen zunächst noch nicht zu den juristischen und auf das Lehramt bezogenen Staatsprüfungen zugelassen wurden. Auch immatrikulierte Frauen hatten also den Status von "Akademikern zweiter Klasse". Zudem blieb die formale Benachteiligung der Studentinnen eingebettet in frauenverachtende Anschauungen.</p>

<p>Im Folgenden will ich mich nun der Frage zuwenden, warum (bürgerliche) Frauen im 19. Jahrhundert an die Universitäten drängten und sich nicht mehr damit abzufinden bereit waren, dass die Universität - wie über die vergangenen Jahrhunderte hinweg - eine Männerinstitution war.</p>

<p><big>2. Der Kampf bürgerlicher Frauen um den Zugang zu den Universitäten</big></p>

<p>Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich für studierwillige Frauen im 19. Jahrhundert die Situation gegenüber vergangenen Jahrhunderten gewissermaßen nochmals verschärfte. Bis dahin war nämlich der Besuch der Universität an keine spezifischen staatlichen Zulassungsbedingungen gebunden. Nun aber führte die staatliche Institutionalisierung des Schulwesens und das Abitur - das zunächst ausschließlich am humanistischen Gymnasium erworben werden konnte - dazu, dass Mädchen die ordentlichen Zugangsvoraussetzungen für ein Studium gerade nicht aufbringen konnten. </p>

<blockquote class="left">Paradox: Für den Besuch der Universität wurde im 19. Jh. das Abitur an einem humanistischen Gymansium verlangt. Das stand allerdings nur Jungen offen.</blockquote>

<p>Gleichzeitig drängten jedoch im 19. Jahrhundert zunehmend bürgerliche Frauen in die Arbeitswelt. Den Hintergrund hierfür bildete die Erwerbslosigkeit und Armut unverheirateter Frauen in bildungsbürgerlichen Schichten. </p>

<p><strong>Strukturwandel der bürgerlichen Familie</strong></p>

<p>Der Wandel der bürgerlichen Familie führte dazu, dass sich für unverheiratete Frauen die Notwendigkeit ergab, in der Zeit zwischen Beendigung der Schule und einer eventuellen Eheschließung berufstätig zu sein. Die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen waren allerdings sehr eingeschränkt. Nur die Berufe der Gouvernante, Gesellschafterin und Lehrerin waren am Ende des 19. Jahrhunderts für ledige Frauen aus dem Bürgertum zugänglich. Alle diese Positionen waren schlecht bezahlt.</p>

<p>In diesem Zusammenhang ist auch die erste bürgerliche Frauenbewegung zu verstehen. Ihr Anliegen war es, die Situation der bürgerlichen Töchter über eine qualifizierte Schul- und Hochschulbildung sowie eine ihrem gesellschaftlichen Status angemessene und anerkannte Erwerbstätigkeit zu verbessern. Auguste Schmidt verlangte bei der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Frauenvereins" in Leipzig 1865 die Öffnung der "Arena der Arbeit" für die "höheren Töchter". </p>

<p>In diesem Sinne beschloss die Leipziger Frauenkonferenz: <br />
<blockquote>"§ 1. Wir erklären die Arbeit, welche die Grundlage der ganzen neuen Gesellschaft sein soll, für eine Pflicht und Ehre des weiblichen Geschlechts (und) nehmen das Recht der Arbeit in Anspruch und halten es für notwendig, dass alle der weiblichen Arbeit im Wege stehenden Hindernisse entfernt werden". </blockquote></p>

<p>Auf dieser Basis entstanden in vielen Städten Frauenvereine. Am entschiedensten trat der 1888 von Johanna Kettler in Weimar gegründete "Deutsche Frauenverein Reform" für die Zulassung "des weiblichen Geschlechts zum Besuch deutscher Universitäten" und "in logischer Folgerung" zugleich auch für die Errichtung von zur Hochschulreife führender Mädchengymnasien ein. <br />
In zahlreichen Städten gründeten sich Initiativen und Vereine, die Ende des 19. Jahrhunderts immer vehementer die Gründung von Mädchengymnasien einforderten und insgesamt eine Frauenbildungs-Reform anmahnten. </p>

<p><strong>Mit Beharrlichkeit zum Erfolg: Die ersten Mädchengymnasien werden eingeführt</strong></p>

<p>Den meisten Vereinen ging es dabei gar nicht um Zulassung zu allen akademischen Berufen, vordringlich ging es um die Schaffung von erweiterten Berufsmöglichkeiten für Frauen, weniger um den Gedanken der Frauenemanzipation. </p>

<p>Der anhaltende Druck, die Petitionen und Positionspapiere hatten in der Summe aber doch Erfolg. In Bayern und andernorts wurden letztlich doch Mädchengymnasien eingeführt und auch das Immatrikulationsrecht auf Frauen ausgeweitet. <br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 10px 10px 0pt 0pt; margin-top: 10px;"></div></p>

<p><em>Im <a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/unweiblich-durch-bildung-und-studium---gegenstimmen-zur-akademischen-bildung-von-frauen.php">nächsten Artikel </a>berichtet Eva Matthes über die Widerstände gegen das Frauenstudium und die Situation für Wissenschaftlerinnen und Studentinnen unter den Nazis.</em><br />
<p><strong><a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/literatur.php">» Literatur</a></strong></p></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;"><a href="http://www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/paedagogik/paed1/mitarbeiterInnen/Matthes/"><strong>Prof. Dr. Eva Matthes </strong></a>hat seit dem Jahr 2000 einen Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität Augsburg. Sie ist u.a. Expertin für die Bildungs- und Erziehungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. </div>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/es-fehlten-die-vorbilder---der-steinige-weg-der-frauen-zur-universitaren-gleichberechtigung.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/es-fehlten-die-vorbilder---der-steinige-weg-der-frauen-zur-universitaren-gleichberechtigung.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Bildungsgeschichte</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Frauenförderung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Frauenstudium</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gleichstellung</category>
            
            <pubDate>Fri, 17 Oct 2008 13:40:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>&quot;Institute müssen die Forscherinnen unterstützen!&quot; Maria Furtwängler im Interview</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="MariaFurtwängler200.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/MariaFurtw%C3%A4ngler200.jpg" width="200" height="278" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Bekannt ist Maria Furtwängler vor allem für ihre schauspielerische Leistung - als niedersächsische Tatort-Kommisarin Charlotte Lindholm etwa oder ganz aktuell in der Filmbiographie "Räuber Kneissl". Vor ihrer Karriere vor der Kamera arbeitete Dr. Maria Furtwängler als Ärztin in München - und kennt daher die Situation junger Forscherinnen in Deutschland.</p><p><strong>ScienceBlogs:</strong> "Was müsste sich Ihrer Meinung nach in Deutschland ändern, um die Situation von Wissenschaftlerinnen mit Kindern zu verbessern?"</p>

<p><strong>Maria Furtwängler:</strong> "Was fehlt, sind bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten - etwa KiTas, die direkt an Institute angegliedert sind. Und gerade im wissenschaftlichen Bereich mangelt es oft an Offenheit gegenüber Familien: Eine Vereinbarkeit von Kindern und Forschung kann es aber nur geben, wenn die Vorgesetzten dies auch unterstützen, das heißt, wenn Mütter zum Beispiel die Möglichkeit erhalten, auch ein paar Stunden in der Woche von zu Hause aus zu arbeiten oder KiTa-Plätze vom Arbeitgeber mitfinanziert werden."</p>

<p><strong>SB:</strong> "In der Diskussion um die akademische Chancengleichheit wird immer wieder der Ruf nach einer Quote für Professorinnen laut. Ist die Quote der einzige Weg, um eine Gleichstellung zu erreichen?</p>

<p><strong>M.F.:</strong> "Die Quote sehe ich mit gemischten Gefühlen. Natürlich soll man begabte Forscherinnen unterstützen und versuchen, Berufungsverfahren für beide Geschlechter fair zu gestalten - aber eine Quote zu „erzwingen" sollte meiner Meinung nach nur der letzte Ausweg im Hinblick auf die Chancengleichheit an Hochschulen sein."</p>

<p><strong>SB:</strong> "Hatten Sie, als Sie sich für ihr Medizinstudium entschieden, (weibliche) Vorbilder?"</p>

<p><strong>M.F.:</strong> "In meinem direkten Umfeld nicht, aber mir fällt spontan Marie Curie als Vorbild für alle Frauen in der Wissenschaft ein. Und das nicht nur, weil sie gleich zwei Mal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, sondern weil sie es geschafft hat, parallel dazu zwei Töchter großzuziehen. Eine der beiden wurde ebenfalls Wissenschaftlerin und hat später auch einen Nobelpreis bekommen."</p>

<p><small>Bild: Paul Schirnhofer für SUPERillu.</small></p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/institute-mussen-die-forscherinnen-unterstutzen-maria-furtwangler-im-interview.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/institute-mussen-die-forscherinnen-unterstutzen-maria-furtwangler-im-interview.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">interview</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">maria furtwängler</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">schauspielerin</category>
            
            <pubDate>Thu, 16 Oct 2008 14:00:08 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Wissenschaft &amp; Kind und Kegel: Aus dem Leben einer Wissenschaftlerin und Mutter</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">Der wissenschaftliche Arbeitsalltag hält im Grunde genug Herausforderungen bereit; wenn dann noch ein Familienleben organisiert werden soll oder gar Kinder ins Spiel kommen, wird aus der Doppel- schnell eine Dreifachbelastung. Zwar sind Mentoringprogramme, Stipendien und andere Maßnahmen zur Frauenförderung in der Wissenschaft sehr wertvoll, aber der Tag einer Wissenschaftlerin, die gleichzeitig Mutter ist, hat dennoch nicht mehr als 24 Stunden.</br>
<p>Die Soziologin <strong>Dr. Kerstin Dressel </strong>gibt einen Einblick in diesen ganz normalen Wahnsinn. Sie schildert, was es konkret bedeutet, Wissenschaft und Familie miteinander in Einklang zu bringen und weshalb sie trotz der Mehrfachbelastung nicht tauschen möchte.</p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Kerstin_Dressel.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Kerstin_Dressel.jpg" width="142" height="129" class="mt-image-right" style="float: left; margin: 0 14px 20px 0px;" /></span>Nein, früher ging es einfach nicht! Ich musste vergangene Woche einen Zwischenbericht für ein Projekt abgeben und dann hatte ich gleich anschließend zwei wichtige Vorträge auf internationalen Konferenzen. Es war einfach nicht möglich diesen Beitrag früher zu schreiben - obwohl ich Lust dazu hatte und es mich wirklich drängte, diesen Artikel für Scienceblogs zu schreiben. </p>

<p>Aber vielleicht ist ja das genau Ausdruck davon, einerseits meinen beiden Kindern eine gute Mutter, aber gleichzeitig eine gute Wissenschaftlerin sein zu wollen. Zeit habe ich eigentlich keine mehr seitdem ich Mutter bin - weder für Sachen die drängen (Steuerberaterin!), noch für Dinge, zu denen ich Lust habe (z.B. regelmäßig Freundinnen zu treffen). Die Abgabetermine für Abstracts, für Artikel, für Anträge, Zwischen- und Abschlußberichte koste ich praktisch immer bis zum Schluss aus (23.58 Uhr ist schließlich immer noch im Rahmen der Deadline!). </p>

<p><strong>Ständig unterwegs, immer just in time</strong><blockquote class="right">Freie Zeit habe ich eigentlich keine mehr seitdem ich Mutter bin.</blockquote></p>

<p>Obwohl ich Pünktlichkeit sehr schätze, schaffe ich es trotzdem immer nur gerade noch in allerletzter Minute zu einem Termin einzutreffen. Im Grunde genommen bin ich ein umweltbewußter Mensch, aber trotzdem fliege ich praktisch zu allen beruflichen Terminen, auch wenn ich das Zugfahren bevorzugen würde. Es geht einfach schneller. Dass ich dabei den letztmöglichen Flieger benutze, und den erstmöglichen wieder nach Hause, versteht sich ohnehin von selbst als Mutter. Ich fühle mich eigentlich ständig gehetzt. </p><p>Es ist ein Lebensgefühl des immer Mittendrin-Seins und dabei doch Nicht-Genügens: Ein Leben ohne Kinder ist für mich schlechthin unvorstellbar! Aber ich wäre meinen Kindern (10 und 5 Jahre) eine schlechtere Mutter, wenn ich nicht arbeiten könnte. Davon bin ich überzeugt! Ich liebe meinen Beruf als Soziologin und ich bin gerne Wissenschaftlerin. Aber ich bin auch ständig unter Zeitdruck und mittlerweile sehr häufig auch am körperlichen Limit. </p>

<p><strong>Der ambivalente Luxus freier Zeiteinteilung</strong></p>

<p>Das Leben als Wissenschafterlin bietet aber auch Freiheiten: Wenn schon die Zeit hinten und vorn nicht reicht, um nur das Pflichtprogramm zu absolvieren, dann kann ich mir wenigstens die nicht vorhandene Zeit relativ frei einteilen. Ich denke mir häufig, dass jede Kassiererin an der Supermarktkasse schlechter dran ist. Normalerweise haben wir Wissenschaftlerinnen keine 9-to-5-Jobs, was ich wirklich als Luxus empfinde. Denn schließlich möchte ich meinen Kindern auch gerecht werden. </p>

<blockquote class="right">Es kommt nicht darauf an, wieviel Zeit man miteinander verbringt. Es zählt, wie intensiv und bewußt man die Zeit mit Kindern nutzt.</blockquote>

<p>Nach einem meist stressigen Morgenprogramm, bis meine Tochter in der Schule und mein Sohn im Kindergarten ist, habe ich ein paar Stunden, die ich ganz der Wissenschaft widmen kann. Der Nachmittag, so ab 15 Uhr, gehört dann meinen Kindern, Zeit für und mit Ihnen, bis sie gegen 20 Uhr wieder im Bett sind. Ich bin eine Verfechterin der These, dass es auf die Qualität der miteinander verbrachten Zeit ankommt, nicht auf die Quantität. </p>

<p>Auch sollen meine Kinder, wie andere Kinder auch, deren Mütter weitaus mehr Zeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilhaben: Musik machen, zum Fußballspielen gehen, rauschende Kindergeburtstage feiern und Reitstunden nehmen - das volle Programm halt. Da auch mein Mann beruflich sehr eingespannt ist, liegt das Gros der Familienorganisation bei mir, d.h. neben dem Haushalt das Kümmern und Anmelden der Kinder zu diversen Aktivitäten, das Bringen und Abholen, das Organisieren von Kindergarten- und Schulfesten, das Dabeisein beim Üben - nur um eine kleine Auswahl zu geben. </p>

<p><strong>Verantwortung für Kinder und Familie zu haben kostet Zeit und Kraft</strong></p>

<p>Und weil man bekanntlich für seine Kinder nur das berühmte „Beste" will, läßt man sich auch gleich noch in den Elternbeirat wählen, um aktiv daran mitzuarbeiten, damit die Kleinen auch wirklich „das Beste" bekommen. </p>

<blockquote class="left">Förderprogramme für Wissenschaftlerinnen sind wertvoll, aber wenn mein Kind krank wird, dann helfen die auch nicht weiter.</blockquote>

<p>Ja, mein Leben ist anstrengend! Natürlich weiß ich um all die Förderprogramme, die für Wissenschaftlerinnen aufgelegt werden, weiß um die Vorteile von Frauenpromotions- und -habilitationsstipendien, Mentoringprogrammen und Frauenquoten. Rede mit, wenn die Sprache auf Gender Mainstreaming kommt. </p>

<p>Allein das ist nur die eine Seite der Medaille. Selbstverständlich bin ich froh, dass es all das gibt und mir ist klar, dass wir ohne diese Maßnahmen noch weitaus schlechter dastünden. Aber diese Programme helfen nur sehr wenig, wenn auf einmal ein Kind krank ist, gerade einen schlechten Tag (oder Nacht!) hat oder anderweitig Mama-bedürftig ist - und das ist die andere Seite der Medaille, die sich mit den wenigsten institutionalisierten Programmen auffangen läßt.</p>

<blockquote class="right">Oft wenn einem die besten Einfälle kommen, wird man durch ein herbeistürzendes Kind unterbrochen, das getröstet werden will oder sonstwie Zeit beansprucht.</blockquote>

<p>Erfahrungsgemäß kollidieren solche familiären Ereignisse immer mit wichtigen beruflichen Terminen. Auch ein weiteres Phänomen ist vielen - nicht nur Müttern - bekannt: dass nämlich die besten Einfälle nicht unbedingt in der dafür vorgesehenen Schreibtischzeit kommen, sondern häufig zwischendurch. Allerdings: tolle Einfälle werden dann, bevor sie auch nur richtig zu Ende gedacht werden konnten, von herbeistürzenden Kindern, die getröstet, liebkost, bespielt oder irgendwohin gefahren werden wollen, dringend noch Schulhefte besorgen müssen, Streit mit der besten Freundin haben o.ä. einfach so vorbeigewischt. </p>

<p><strong>Wer hat nur die Schulferien erfunden?</strong></p>

<p>Ein Graus aller beruftstätigen Eltern, das im beruflichen Horrorszenario einer Wissenschaftlerin nicht fehlen darf, sind diese unsäglichen 14-Wochen dauernden Schulferien! Wer sich das ausgedacht hat, hatte entweder selbst keine Kinder oder hing dem klassischen male breadwinner model an, wo die nicht-beruftstätige Hausfrau und Mutter nur darauf wartet, mit ihren Kindern die sechs Wochen Sommerferien von frühmorgens bis zum Abend im Schwimmbad zu verbringen. Also jedenfalls nicht die typische Wissenschaftlerin. Natürlich brauchen Kinder Ferien und freie Zeit - mehr als Erwachsene. Aber doch keine 14 Wochen im Jahr! </p>

<p><strong>Herkulesaufgabe: Wissenschaft und Partnerschaft zu vereinbaren</strong></p>

<p>Auch hier erweist sich einmal mehr der Luxus der freien Zeiteinteilung in der Wissenschaft als Rettungsanker. Wenn auch als kein guter: Denn natürlich versuche ich das, was ich tagsüber nicht geschafft habe, in den Nächten wieder reinzuarbeiten. </p>

<p>Das Wissenschaftlerinnen-Dasein ist in jedem Fall partnerfeindlich. Denn selbst wenn ich es unter Normalumständen immer irgendwie noch schaffe, Kinder und Beruf zu vereinbaren, Zeit für Partnerschaft bleibt jedenfalls kaum mehr. Und gerade hier helfen Netzwerke leider auch nur sehr bedingt. Ja, man lernt es, das berühmte Networking, wenn man Wissenschaft mit aktivem Familienleben kombinieren will. Obgleich ich immer wieder feststellen musste, dass mir das Kinder-Networking häufig weitaus besser gelingt, als das berufliche, denn letzteres braucht Zeit - und gerade die habe ich ja nicht (siehe oben). </p>

<blockquote class="left">Mein Leben als Wissenschaftlerin mit Kindern ist wahnsinnig anstrengend. Aber es ist mein Leben.</blockquote>

<p>Und so schließt sich der Kreis wieder und wieder. Ja, ich empfinde mein Leben als Wissenschaftlerin mit Kindern als sehr anstrengend. Nein, freie Zeit für mich habe ich keine mehr. Aber ohne Kinder geht es für mich nicht - genauso wenig wie ohne Wissenschaft. Es mag anstrengend sein dieses Leben als Mutter und Wissenschaftlerin, aber es ist mein Leben. </p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;"><a href="http://www.sine-institut.de/sine/kerstin-dressel.htm"><strong>Dr. Kerstin Dressel </strong></a>ist Soziologin und Geschäftsführerin des Süddeutschen Instituts für empirische Sozialforschung (<a href="http://www.sine-institut.de/index.htm">sine</a>). Sie arbeitet hauptsächlich im Bereich der Umwelt-, Risiko- und Technik- sowie Wissenschaftsforschung, außerdem zu Fragen politischer Entscheidungsprozesse.</div>

     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/wissenschaft-kind-und-kegel-aus-dem-leben-einer-wissenschaftlerin-und-mutter.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/wissenschaft-kind-und-kegel-aus-dem-leben-einer-wissenschaftlerin-und-mutter.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Familie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gender Mainstreaming</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Weibliche Karrieren</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftliche Karriere</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Work-Life-Balance</category>
            
            <pubDate>Wed, 15 Oct 2008 16:15:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Frauen in der Chemie: Partizipation von Frauen und Chancengleichheit in der Chemie</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;">In manchen Sprach- oder kulturwissenschaftlichen Fächern findet man heute auch in den höheren Positionen erfreulich viele Frauen - in den Naturwissenschaften sieht die Situation meist deutlich schlechter aus. Auch die Chemie ist hier keine Ausnahme, obwohl das Fach (zumindest für Schülerinnen und Studentinnen sehr attraktiv) ist. <br />

<p><strong>Ines Weller</strong> informiert über den aktuellen Stand und aktuelle Zahlen in Sachen Geschlechtergerechtigkeit in der Chemie.<small>*</small></p></div>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Ines_Weller.jpg" title="Prof. Dr. Ines Weller, Uni Bremen" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Ines_Weller.jpg" width="160" height="190" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 12px 12px;" /></span>Bis in die 1980er Jahre lagen für das Feld der Chemie kaum nach Geschlecht differenzierte Daten über Studium und Berufsleben vor. Heute ist die Datenlage über die Beteiligung von Frauen in der Chemie dagegen vergleichsweise gut. Neben einer allgemeinen Sensibilisierung für das Thema Frauen in Naturwissenschaft und Technik, ist dies mit zurückzuführen auf das Konzept Gender Mainstreaming. Es zielt auf die de facto Umsetzung der Chancengleichheit der Geschlechter und hat europaweit seit Ende der 1990er Jahre eine hohe Verbindlichkeit entfaltet. </p>

<blockquote class="left">Deutschland ist im europaweiten Vergleich häufig das Schlusslicht bei der Beteiligung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik.</blockquote>

<p>Seitdem finden Analysen über die Beteiligung von Frauen in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft immer mehr Beachtung. Ihre hohe politische und auch programmatische Relevanz ergibt sich für Deutschland mit daraus, dass im europaweiten Vergleich Deutschland häufig das Schlusslicht bei der Beteiligung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik bildet (Färber et al. 2003).</p><p>Speziell bezogen auf die Situation in der Chemie zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Studium und Beruf bzw. wissenschaftlicher Professionalisierung. Auf der einen Seite ist der Anteil von Frauen im Studium im Vergleich zur Physik oder zu den Ingenieurwissenschaften sehr hoch. So lag der Frauenanteil bei den StudienanfängerInnen in der Chemie bei 42% und ist damit im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurückgegangen (GDCh 2007). (1)</p>

<p><strong>Je höher die Qualifikationsstufe, desto weniger Frauen </strong></p>

<p>Andererseits gelingt es nicht, diese hohe Frauenbeteiligung zu halten, vielmehr nimmt sie im Rahmen der weiteren Qualifizierungsphase deutlich ab. So lag der Anteil von Frauen bei den abgeschlossenen Promotionen 2007 bei 33%, bei den Habilitationen 2006 bei 19% (GDCh 2007, Schmitz 2007). Auffallend ist, dass Chemiestudentinnen mit durchschnittlich besseren Abiturnoten als Chemiestudenten das Studium beginnen, sich bei den Diplom- und Promotionsnoten dies Verhältnis aber umkehrt: Während 63,1% der Chemiker mit Auszeichnung bzw. der Note 1 ihr Diplom abschließen, sind dies nur 51,4% bei den Chemikerinnen (Könekamp 2004).  </p>

<p>Auch der Eintritt in den Beruf stellt für Chemikerinnen eine Hürde dar, so waren beispielsweise 36% der in 2003 promovierten ChemikerInnen, die noch keine Anstellung hatten, weiblich (GDCh 2004). Im Berufsleben sind die Chancen auf Erfolg und Anerkennung zwischen den Geschlechtern ebenfalls ungleich verteilt, wie eine aktuelle Befragung der Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) aus dem Jahr 2003 zeigt (Könekamp 2004). </p>

<blockquote class="right">Führungspositionen in der Chemie werden deutlich häufiger von Männern besetzt. Und diese erzielen auch höhere Gehälter.</blockquote>

<p>Männer arbeiten deutlich häufiger in Führungspositionen: 16,1% der männlichen und nur 5,1% der weiblichen GDCh-Mitglieder hatten eine Position in der Bereichsleitung, Geschäftsführung oder im Vorstand. Besonders deutlich sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern: nur 6% der Chemikerinnen, aber immerhin 23% der Chemiker hatten ein Jahreseinkommen über 90.000 € (Könekamp 2004).</p>

<p>Gerade in den einflussreichen Bereichen und Spitzenpositionen der chemischen Forschung und Entwicklung, sowohl in den Hochschulen, als auch in der Industrie verharrt somit die Zahl der Chemikerinnen trotz leichter Verbesserungen in den letzten fünfzehn Jahren auf niedrigem Niveau. Dies bestätigen zwei Studien des Verbands angestellter Akademiker und leitender Angestellter in der chemischen Industrie (VAA) über den Anteil von Frauen in verschiedenen Hierarchieebenen. Nach den VAA-Befragungen lag er 1993 in den beiden oberen Führungsebenen in der Chemieindustrie bei 2 % (Betriebs- bzw. Bereichsleitung) und in der Ebene darunter durchschnittlich bei 3,2 % (Abteilungs- bzw. Gruppenleitung), in Großunternehmen wie Bayer und BASF sogar noch deutlich darunter (VAA 1996, Fell 1999). </p>

<blockquote class="left">Unter den Chemie-Studenten liegt der Frauenanteil bei 40%. Unter den Professoren nur bei 7%.</blockquote>

<p>Bei der jüngsten Befragung 2001 zeigte sich eine Verbesserung insofern, dass bei den Befragten 18% der Frauen als Abteilungs- bzw. Gruppenleiterinnen arbeiteten, sie aber in den Spitzenpositionen als Führungskräfte mit 4,5% nach wie vor kaum vertreten waren (VAA 2001). Ein deutliches Missverhältnis lässt sich zwischen dem Frauenanteil bei den Studierenden und bei den Professorinnen feststellen: Während immerhin etwas mehr als 40% Frauen Chemie studieren, ist der Anteil der Professorinnen mit 7% nach wie vor sehr gering (Schmitz 2007), auch wenn er in den letzten Jahren angestiegen ist, denn 1999 lag er noch bei nur 4% (Statistisches Bundesamt 1999). </p>

<p>Während aber die Frage nach der (adäquaten) Beteiligung von Frauen bis Anfang der 1990er Jahre für die Chemie kaum ein Thema war, (2) hat sie heute deutlich mehr Gewicht. Dies ist u.a. daran zu erkennen, dass einer der wichtigsten Berufsverbände der Chemie, die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Jahr 2000 eine Arbeitsgruppe „Chancengleichheit in der Chemie" gegründet hat. </p>

<p>Dass heute die geringe Partizipation von Frauen in der Chemie zunehmend als Problem anerkannt wird, ist meines Erachtens wesentlich darauf zurückzuführen, dass die Chemie sich angesichts deutlich gesunkener Studierendenzahlen Sorgen um ihren Nachwuchs macht und dabei das Potenzial von Frauen entdeckt. Zum anderen trägt dazu auch die bereits erwähnte EU-Strategie zum Gender Mainstreaming bei, die zur Folge hat, dass europaweit systematisch Statistiken über die Beteiligung von Frauen und Männern in Naturwissenschaft und Technik erarbeitet werden und es hier zu einem Ranking kommt, in dem Deutschland bislang eher schlecht abschneidet und damit der Veränderungsbedarf auf nationaler Ebene nicht mehr geleugnet werden kann. Welche Rolle dabei das Ziel Chancengleichheit der Geschlechter jenseits der Forderung nach einer besseren Beteiligung von Frauen hat, wird sich erst noch zeigen müssen.</p>

<p> <br />
<p><strong><a href="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/literatur.php">» Literatur</a></strong></p></p>

<p><small>* Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Fassung von: Weller, Ines (2006). Geschlechterforschung in der Chemie: Spurensuche in der Welt der Stoffe. In: Smilla Ebeling, Sigrid Schmitz (Hrsg.). Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden, 117-138 (Daten 2008 aktualisiert)</small></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; margin-top: 20px;">
<a href="http://www.artec.uni-bremen.de/team/person.php?id=9/"><strong>Prof. Dr. Ines Weller </strong></a>ist Professorin am Forschungszentrum Nachhaltigkeit und am Zentrum Gender Studies, Universität Bremen (seit April 2007 Sprecherin Forschungszentrum Nachhaltigkeit).</div>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 10px 0pt 0pt; color: rgb(105, 105, 105); font-size: 11px; margin-top: 20px;">
(1) Nach der aktuellen statistischen Auswertung der GDCH (Gesellschaft Deutscher Chemiker) lag der Frauenanteil bei den Studienanfängern im Jahr 2003 bei 45%, gegenüber 46% im Vorjahr (GDCH 2004). Zum Vergleich: 1982 betrug er 36,8% (Weller 1995).<br />
(2) So sprach sich der Bundesarbeitgeberverband Chemie 1988 noch gezielt gegen spezifische Frauenfördermaßnahmen aus (siehe Weller 1995).<br /></div>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/frauen-in-der-chemie-partizipation-von-frauen-und-chancengleichheit-in-der-chemie.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/frauen-in-der-chemie-partizipation-von-frauen-und-chancengleichheit-in-der-chemie.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Chemie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gender Mainstreaming</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftliche Karriere</category>
            
            <pubDate>Tue, 14 Oct 2008 15:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Warum Hunger im Gehirn anfängt - die Preisträgerin Dr. Eva Rother im Interview</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Eva Rother ist Medizinerin und erforscht am Institut für Genetik der Universität zu Köln die Ursachen für Übergewicht und Typ-2-Diabetes: In Versuchen mit Mäusen identifizierte sie das Areal im Gehirn, das den Tieren signalisiert, ob sie satt oder noch hungrig sind. Mit ihren Forschungen hofft Eva Rother neue Ansätze für Therapien gegen die Stoffwechselerkrankung zu finden. Neben ihrem Beruf ist sie Mutter von zwei Kindern - und erzählt hier im Interview, wie sie das Stipendium von "For Women in Science" für ihre Arbeit und ihre Kinder nutzt. </p><p><script type="text/javascript" src="http://de.sevenload.com/pl/RK0J7xV/445x364"></script><p>Link: <a href="http://de.sevenload.com/videos/RK0J7xV-For-Women-in-Science-Eva-Rother"><img src="http://static.sevenload.com/img/sevenload.png" width="66" height="10" alt="For Women in Science - Eva Rother" /></a></p><br />
Interview: Monika Hombach.</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/preistragerin-dr-eva-rother-im-interview.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/preistragerin-dr-eva-rother-im-interview.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">diabetes</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">eva rother</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">for women in science</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Forschung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">genetik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">interview</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">video</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft</category>
            
            <pubDate>Mon, 13 Oct 2008 12:30:28 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>„Lasst uns geduldig sein&quot; - die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Ebadi200.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Ebadi200.jpg" title="Quelle: Shahram Sharif" width="200" height="158" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>In dieser Woche wollen wir an dieser Stelle Nobelpreisträgerinnen vorstellen. Für ihren Einsatz für den Frieden wurden diverse Frauen ausgezeichnet - Rigoberta Menchu Túm, Wangari Maathai und Jody Williams etwa. Die Iranerin Shirin Ebadi jedoch unterscheidet sich von ihnen, weil sie den Preis nicht alleine erhielt: Ihre Auszeichnung ging stellvertretend auch an alle Iranerinnen und Iraner, die in ihrem Land für Demokratie kämpfen. </p><p>Und unter denen sticht die Juristin Shirin Ebadi als kluge wie mutige Einzelkämpferin hervor. Ebadi  wurde am 21. Juni in Hamadan im Nordwesten des Irans geboren. Ihr Vater war dort Direktor der Meldebehörde, während ihre Mutter, wie ihr Mann Akademikerin und praktizierende Muslima, zwei weitere Töchter und einen Sohn großzog. </p>

<p>Schon als Shirin ein Jahr alt war, zog Familie Ebadi jedoch nach Teheran, wo sie bis heute lebt. Ihr Vater, ebenfalls Jurist, schrieb in den folgenden Jahren die ersten Bücher über persisches Verhandlungsrecht. Auch Shirin zog es zu den Rechtswissenschaften und so begann sie 1965 ihr Jurastudium an der Universität Teheran. </p>

<p>Im März 1969 wurde Shirin Ebadi zur Richterin vereidigt - als erste Frau im Iran. Sechs Jahre später wurde sie von einem kleineren Gericht an den Teheraner Gerichtshof befördert, den sie bis 1979 als Senatsvorsitz leitete. </p>

<p>Im Jahr der Iranischen Revolution, Shirin Ebadi war 32 Jahre alt, änderte sich ihr Leben radikal: Als im Februar der Schah endgültig gestürzt wurde und Mullahs die Macht im Iran übernahmen, änderten sich die Gesetze: Der Iran, bis dahin einer der „westlichsten" Staaten Vorderasiens, wurde ein Gottesstaat. Und in dem, so legten die neuen Machthaber die Scharia aus, waren Frauen nicht als Richterinnen zugelassen. Shirin Ebadi wurde Sekretärin am selben Gerichtshof, den sie kurz zuvor noch geleitet hatte.</p>

<p>Hier zeigt sich zum ersten Mal in Shirin Ebadis Biographie ihr Kampfgeist: Gemeinsam mit weiteren aus dem Amt gejagten Richterinnen protestierte Ebadi gegen die Degradierung und erreichte so, dass sie mit ihren Kolleginnen als „Expertinnen" an ihren jeweiligen Gerichtshöfen wieder eingestellt wurden. </p>

<p>Diese schwammige Berufsbezeichnung reichte ihr jedoch nicht aus - Shirin Ebadi war frustriert, fühlte sich unterfordert und reichte einen Antrag auf frühzeitige Pensionierung ein. Den gaben die neuen Juristen des Landes auch statt - allerdings erteilten sie Shirin Ebadi zugleich Berufsverbot, sodass sie bis 1992 arbeitslos war. In dieser Zeit gebar sie zwei Töchter und schrieb Bücher über annähernd jede Fachrichtung der Rechtswissenschaften, unter anderem Urheberrecht, Architektur, Medizin und Arbeitsrecht um nur einige zu nennen. </p>

<p>Zeitgleich bemühte sich die renommierte Juristin jedoch um einen Wiedereinstieg in den Beruf, was ihr 1992 auch gelang: Dann erhielt sie ihre Berufslizenz wieder und praktizierte fortan als Anwältin. Zu ihren Klienten gehören politisch Verfolgte, größtenteils intellektuelle Iraner, aber auch Opfer von Kindesmissbrauch und Zeitungen, die in medienrechtlichen Prozessen von Shirin Ebadi vertreten werden. 1996 wurde sie dafür mit der Medaille der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geehrt. </p>

<p>Parallel Ebadi Vorlesungen an der Universität Teheran zu Menschenrechten und setzt sich bei der UNICEF Teheran und der von ihr 1995 gegründeten Association for Support of Children's Rights für die Rechte der Kinder im Iran ein. Auch dort bemüht sie sich um eine Änderung der Gesetzeslage - bisher sind Mädchen im Iran beispielsweise ab neun Jahren voll strafmündig, Jungen ab ihrem 15. Lebensjahr. </p>

<p>1997 beteilitge sie sich am Wahlkampf des reformorientierten Präsidentschaftskandidaten Mohammed Khatami - in den folgenden Jahren arbeitete ihr Mann, ein Elektroingenieur, als politischer Berater des Präsidenten. Dennoch gratulierte ihr der Präsident nicht offiziell als sie einige Jahre später den Nobelpreis erhielt mit der Begründung, der Friedensnobelpreis sei nicht so wichtig wie die Nobelpreise der naturwissenschaftlichen Kategorien. </p>

<p>Für ihre Verteidigung politisch Verfolgter wurde die Anwältin im Jahr 2000 wegen „Störung der öffentlichen Meinung" angeklagt und zu 26 Tagen Einzelhaft verurteilt - außerdem wurde ihr ein zeitlich begrenztes Berufsverbot auferlegt. </p>

<p>Im Jahr 2003 erhielt sie als erste muslimische Frau den Friedensnobelpreis für „Für ihre Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte" - dem vorausgegangen war 2001 der norwegische Rafto-Menschenrechtspreis. Zur Preisverleihung erschien sie ohne Kopftuch und kommentierte dies damit, dass sie sich im Iran eben an die zur Zeit geltenden Gesetze halten müsse. Sie selbst verstehe sich als demokratische Frau muslimischen Glaubens. Die Gesetzgebung im Iran bezeichnet sie als „Missbrauch der Religion und Fehlinterpretation der Scharia". Shirin Ebadi fordert eine pluralistische demokratische Gesellschaft und lehnt fundamentalistisches Gedankengut ab.</p>

<p>In den letzten Jahren betonte Shirin Ebadi wiederholt, dass eine Demokratie im Iran nur mit der Ausdauer und dem Kampfgeist der Iraner selbst zu erreichen sei - nicht mit Eingriffen aus dem Ausland. „Die Menschenrechte kann man den Menschen gewiss nicht durch Bomben bringen," erklärte sie etwa im Oktober 2005 bei einer Rede an der Universität Tübingen und forderte ihre Landsleute zugleich auf: „Lasst uns geduldig sein, wir haben keine andere Wahl." Die Migration intellektueller Iraner in den Westen auf der Hoffnung nach einer besseren Lebensqualität verurteilt sie drastisch und gab in einem Interview an, den Kontakt zu migrierten Freunden abzubrechen. </p>

<p>Kritik erntete Shirin Ebadi auch für ihre offene Verteidigung des iranischen Nuklearwaffenprogramms: „Neben der wirtschaftlichen Rechtfertigung ist es eine Frage des Nationalstolzes geworden, speziell für so eine alte Nation mit einer glorreichen Geschichte. Keine iranische Regierung, unabhängig von ihrer Ideologie oder Zeugnissen ihrer Demokratie, würde dieses Programm je abbrechen."</p>

<p>Vor zwei Jahren gründete Shirin Ebadi gemeinsam mit weiteren Friedensnobelpreisträgerinnen die Nobel Women's Initiative, ein Netzwerk, das sich weltweit für Frauenrechte engagiert. Zur Zeit vertritt sie als Anwältin sieben Führer der religiösen Minderheit der Baha'i, weswegen sowohl sie als auch ihre Familie Morddrohungen erhielten. <br />
</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/lasst-uns-geduldig-sein-die-friedensnobelpreistragerin-shirin-ebadi.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/lasst-uns-geduldig-sein-die-friedensnobelpreistragerin-shirin-ebadi.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">frieden</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">iran</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">nobelpreis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">shirin ebadi</category>
            
            <pubDate>Fri, 10 Oct 2008 07:00:05 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Interview mit Andrea Löther vom CEWS: &quot;Hochschulen müssen die Forscherinnen motivieren!&quot;</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Am CEWS, dem Kompetenzzentrum für Frauen in der Wissenschaft und Forschung in Bonn, beschäftigt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Andrea Löther sich mit Gleichstellungspolitik und Chancengleichheit an Hochschulen. Unter anderem veröffentlich das CEWS alle zwei Jahre ein Hochschulranking nach Gleichstellungsaspekten.</p><p>Im letzten Durchlauf verriet dieses Ranking: An der Freien Universität Berlin ist die Lage für Frauen in der Forschung am besten - Passauer Wissenschaftlerinnen haben hingegen nichts zu lachen. Im Videointerview erklärt die Historikerin und Soziologin Andrea Löther, weshalb das so ist - und was Hochschulen in ihrer Gleichstellungspolitik verbessern können.</p>

<p><script type="text/javascript" src="http://de.sevenload.com/pl/Bkdlbct/445x364"></script><p>Link: <a href="http://de.sevenload.com/videos/Bkdlbct-Dr-Andrea-Loether-vom-CEWS-im-Interview"><img src="http://static.sevenload.com/img/sevenload.png" width="66" height="10" alt="Dr. Andrea Löther vom CEWS im Interview" /></a></p></p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/interview-mit-andrea-lother-vom-cews-hochschulen-mussen-die-forscherinnen-motivieren.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/interview-mit-andrea-lother-vom-cews-hochschulen-mussen-die-forscherinnen-motivieren.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">cews</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Chancengleichkeit</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">freie universität berlin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gleichstellung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">hochschulen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">interview</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">universitäre Gleichstellung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">universität passau</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Universitäten</category>
            
            <pubDate>Thu, 09 Oct 2008 15:30:34 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Pearl S. Buck: Eine Amerikanerin für die Völkerverständigung</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="pearlbuck200.jpg" title="Quelle: Welcome House" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/pearlbuck200.jpg" width="200" height="250" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Nachdem der ständige Sektretär des schwedischen Literaturnobelpreiskomitees Horace Engdahl letzte Woche damit provozierte, dass US-amerikanische Autoren "zu isoliert und unwissend, um große Literatur zu schreiben" seien, möchte ScienceBlogs gerne eines von zahlreichen Gegenbeispielen vorstellen: Pearl S. Buck erhielt 1938 den Literaturnobelpreis und war damit neben Ernest Hemingway, John Steinbeck und Toni Morrison eine von zehn PreisträgerInnen in ihrer Heimat.</p><p>Geboren wurde die Tochter eines presbyterianischen Missionars als Pearl Comfort Sydenstricker am 26. Juni 1892 in Hillsboro in West Virginia als viertes von insgesamt sieben Kindern. Bereits als Pearl drei Monate alt war, reiste ihre Familie nach China, wo das Mädchen große Teile seiner Kindheit verbrachte. Vier ihrer Geschwister starben bereits während ihrer Kindheit. </p>

<p>Pearl wurde sowohl von ihrer Mutter als auch einem chinesischen Erzieher großgezogen, wodurch sie nicht nur zweisprachig aufwuchs, sondern auch den Wunsch entwickelte, diese beiden so gegensätzlichen Kulturen zu überbrücken. Dieser Gedanke hatte auch großen Einfluss auf ihr späteres Werk als Autorin.</p>

<p>Während ihr Vater als Missionar viel durch das Land reiste, missionierte Pearls Mutter im kleinen Kreis in einer Apotheke in Zhenjiang, die sie selbst errichtete. Während des Boxeraufstandes 1900 flüchteten die Sydenstrickers zunächst nach Shanghai um später in die USA zurückzukehren. </p>

<p>Dort machte Pearl im Jahre 1914 ihren Abschluss am Woman's College in Lynchburg in Virginia. Ihre Eltern waren mittlerweile wieder nach China zurückgekehrt - Pearl selbst zog es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht nach Asien. Als sie jedoch erfuhr, dass ihre Mutter dort schwer krank sei, reiste sie dennoch wieder ins Reich der Mitte.</p>

<p>Dort verliebte sie sich 1915 den Landwirtschaftsökonomen John Lossing Buck, den sie 1917 heiratete. Das Paar zog in die ärmliche Provinz Anhui, wo Pearl zum ersten Mal den wahren Lebensstandard der Mehrheit der chinesischen Bevölkerung kennenlernte.</p>

<p>Ihre Ehe wurde auf eine harte Probe gestellt: 1921 wurde die Tochter Carol mit einer starken geistigen und körperlichen Behinderung geboren. Kurze Zeit später wurde bei Pearl Unterleibskrebs diagnostiziert, der sie zu einer Gebärmutterentfernung zwang. 1921 stirbt Pearls Mutter, kurze Zeit später zieht Pearls Vater bei dem jungen Paar ein. 1925 adoptierten die Bucks ihre zweite Tochter Janice. Ihre bis dahin bereits zerrüttete Ehe lässt sich damit nicht retten - "18 Jahre gab ich alles, was ich geben konnte, ... und 18 Jahre bekam ich nichts zurück," erklärte sie später. </p>

<p>Bis 1933 arbeiten Pearl und John Lossing als Lehrer in Nanjing. Parallel dazu veröffentlichte Pearl bereits Kurzgeschichten in englischsprachigen Zeitungen in China. Ihr erster Roman, "Ostwind - Westwind" wird 1930 veröffentlicht, ein Jahr später erscheint "Die gute Erde". Der Roman beschreibt das alltägliche, harte Leben chinesischer Bauern. </p>

<p>Bereits ein Jahr, nachdem "Die gute Erde" auf den Markt kommt, erhält Pearl S. Buck für den Roman den Pulitzerpreis. 1935 heiratet Pearl S. Buck ihren ersten Verleger Richard Walsh, nachdem beide aus ihren vorigen Ehen geschieden sind. Zwei Jahre später wird "Die gute Erde" von Sidney Franklin verfilmt.</p>

<p>1934 kehrt Pearl S. Buck edngültig in die USA zurück, da ihre Tochter Carol dort in einer betreuten Wohneinrichtung lebt und auch ihr Mann fast ausschließlich in den USA arbeitet. Dort lebt sie auf einer Farm in Pennsylvania und adoptiert mit Richard Walsh in den folgenden Jahren sechs weitere Kinder.</p>

<p>1938 dann erhält sie als erste US-amerikanische Frau den Literaturnobelpreis "für ihre reichhaltigen und wahrlich epischen Beschreibungen des Lebens chinesischer Bauern und für ihre biographischen Meisterwerke". Die Verleihung gilt als eine der umstrittensten, da zwischen der "Guten Erde" und dem Preis die für Nobelverhältnisse wenigen sieben Jahre liegen und Kritiker ihr keinen großen literarischen Rang beimessen. Die seither geltende Regelung, den Nobelpreis nur an AutorInnen zu verleihen, die bereits vorher mindestens einmal dafür nominiert waren, wird bis heute oft als „Lex Buck" bezeichnet.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="pearlbuck2200.jpg" title="Quelle: Welcome House" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/pearlbuck2200.jpg" width="200" height="254" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span>Mit ihrem Mann gründet Pearl 1942 die "East and West Association", eine Gesellschaft, die sich um den kulturellen Austausch zwischen Asien und den USA bemüht. Daneben engagiert sie sich für Frauen- und Bürgerrechte. Da in den bis dahin in den USA verfügbaren Adoptionsagenturen asiatische Kinder als "nicht-adoptierbar" gelten, ruft sie 1949 die erste internationale, hautfarbenübergreifende Adoptionsagentur "Welcome House" ins Leben.</p>

<p>Nach dem Tod Richard Walshs 1960 stürzt Pearl S. Buck sich in neue Hobbies und beschäftigt sich unter anderem mit Bildhauerei, Filmregie und Landwirtschaft. Sie gründet eine Hilfsorganisation für alleingelassene Kinder amerikanischer Soldaten mit asiatischen Frauen.</p>

<p>Als sie am 6. März 1973 in Danby in Vermont stirbt, hat sie über 70 Bücher veröffentlicht, darunter Romane, Kurzgeschichtensammlungen, Biographien, ihre Autobiographie, Theaterstücke, Kinderbücher, Übersetzungen aus dem Chinesischen und Gedichte. Bis heute besuchen jedes Jahr 15.000 Menschen ihr Anwesen in Pennsylvania.</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/pearl-s-buck-eine-amerikanerin-fur-die-volkerverstandigung.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/pearl-s-buck-eine-amerikanerin-fur-die-volkerverstandigung.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">autorin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">frauen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">literatur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">nobelpreis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">schriftstellerin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">usa</category>
            
            <pubDate>Thu, 09 Oct 2008 07:00:14 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Dorothy Crowfoot Hodgkin: Mit Beharrlichkeit zum Chemie-Nobelpreis</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Die englische Biochemikerin Dorothy Crowfoot Hodgkin ist geradezu ein Musterbeispiel für eine weibliche Wissenschaftskarriere des 20. Jahrhunderts. Die Voraussetzungen bestehen in einer privilegierten Herkunft und herausragendem Talent. Die weiteren Zutaten sind Beharrlichkeit und eine gewisse Frustrationstoleranz im Umgang mit Benachteiligungen.</strong></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Dorothy_Crowfoot_Hodgkin01a.jpg" "title="Chemie-Nobelpreis 1964: Dorothy Crowfoot Hodgkin" src="http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/Dorothy_Crowfoot_Hodgkin01a.jpg" width="160" height="195" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 12px 12px;" /></span>In der Summe ergibt sich eine beeindruckende Forscherinnenbiographie, die 1964 mit dem Nobelpreis für Chemie ihren Höhepunkt fand. Dorothy Crowfoot Hodgkin war damit die dritte Frau, der diese Ehrung zuteil wurde. Aber auch die (vorläufig) Letzte. Seit über 40 Jahren hielt das Stockholmer Nobelpreiskomitee keine andere Chemikerin mehr für preiswürdig. Ob sich das mit der Bekanntgabe des Chemie-Nobelpreisträgers 2008 ändert?</p><p><strong><br />
Kindheit und frühes Interesse für die Chemie</strong></p>

<p>Geboren wurde Dorothy Crowfoot am 12. Mai 1910. Der Geburtsort Kairo erklärt sich ganz einfach: ihr Vater war Archäologe und englischer Kolonialbeamter und zu jener Zeit in Ägypten tätig. Ihre Mutter, vielleicht daher das naturwissenschaftliche Gespür, war Botanikerin.</p>

<p>Das unstete Familienleben und der erste Weltkrieg veranlasste die Eltern dazu, ihre Töchter zurück nach England zu schicken. Dort wuchs Dorothy Crowfoot bei ihrer Großmutter behütet auf. Die älteste von vier Töchtern interessierte sich schon in der Grundschule für Kristalle und deren Züchtung. Als sie fünfzehn Jahre alt war, bekam sie von ihrer Mutter das Buch "Über die Dinge der Natur" des Nobelpreisträgers William Bragg geschenkt. Kurz darauf verschlang sie das Standardwerk von Dorothy Parsons "Grundlagen der Chemie". </p>

<p>Ihr Berufswunsch Chemikerin zu werden, stand fest. Sie studierte von 1928 bis 1932 in Oxford Chemie und war hier eine Exotin unter all den jungen, ehrgeizigen Männern. Nach ihrem Abschluß ging sie für zwei Jahre nach Cambridge, um dort mittels der Röntgenstrukturanalyse Sterole zu untersuchen. Diese Methode hatte es ihr angetan: </p>

<blockquote>"Die Röntgenstrukturanalyse zeigte uns Dinge, von denen wir anfangs nicht einmal geträumt hatten."</blockquote>

<p><strong>Ein Forscherleben in Oxford</strong></p>

<p>1934 kehrte sie nach Oxford zurück und blieb dieser ehrwürdigen Institution bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1977 treu. Eine Professur erhielt sie allerdings erst im Jahr 1956, damals hatte sie sich längst einen Namen im Feld der Biochemie gemacht. </p>

<p>Ihr Lebensthema war das Insulin. Über 30 Jahre lang arbeitete sie an der chemischen Analyse und vollendete diese Arbeit Ende der 60er Jahre. In der Zwischenzeit sorgte sie aber mit anderen Erfolgen für Aufsehen: 1946 gelang es ihr nach langen Jahren intensiver Arbeit die Struktur von Penicillin aufzuschlüsseln: die Voraussetzung zu seiner halbsynthetischen Herstellung.</p>

<p>1956 veröffentlichte sie auch ihre Untersuchungen zur Struktur des Vitamins B12, die ihr acht Jahre später auch den Nobelpreis einbrachten. <br />
<strong><br />
Mit Leidenschaft der Krankheit trotzen</strong></p>

<p>Diese außergewöhnliche Forscherleistung ist freilich umso höher zu bewerten, wenn man weiß, daß Dorothy Crowfoot Hodgkin im Alter von 28 Jahren kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes Luke schwer an entzündlichem Gelenkrheuma erkrankte. </p>

<p>Bei der Biografin Luise F. Pusch <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/dorothy-crowfoot-hodgkin/">lesen wir</a> die Aussage eines Labormitarbeiters:  </p>

<blockquote>"Trotz ihrer schrecklich verkrüppelten Finger und Handgelenke,war sie so gut wie jeder im Labor und besser als die meisten."</blockquote>

<p>Und Dorothy Crowfoot Hodgkins Engagement beschränkte sich keineswegs nur auf die Chemie: sie mischte sich auch in gesellschaftliche Debatten ein und engagierte sich in der Friedensbewegung. Sie war Gründungsmitglied und zeitweilig sogar Präsidentin der Pugwash-Konferenz, eines Zusammenschlusses von WissenschaftlerInnen, die sich - besonders während des kalten Krieges - für die Verständigung zwischen WissenschaftlerInnen in Ost und West einsetzten.</p>

<div style="border-top: 1px dotted #696969; padding: 8px 0 0 0; margin-top: 25px; "><b>
&raquo; Weiterlesen: die <a href="http://www.scienceblogs.de/mt/mt-search.cgi?tag=Wissenschaftlerinnenportr%C3%A4ts&blog_id=41&IncludeBlogs=41">Serie mit Porträts herausragender Wissenschaftlerinnen</a></b>.</div>

<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/662f607b677ae68fd2a8dfad026ea9" width="1" height="1" alt=""><br />
</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/dorothy-crowfoot-hodgkin-mit-beharrlichkeit-zum-chemie-nobelpreis.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/dorothy-crowfoot-hodgkin-mit-beharrlichkeit-zum-chemie-nobelpreis.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Chemie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Chemie-Nobelpreis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Dorothy Crowfoot Hodgkin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nobelpreis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftlerinnenporträts</category>
            
            <pubDate>Wed, 08 Oct 2008 11:35:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard - eine deutsche Nobelpreisträgerin im Interview</title>
            <description><![CDATA[
     <p>"Diskriminierung fängt dort an, wo Männer erklären: Das kann nicht funktionieren," erklärte die Biologin anlässlich ihrer Rede bei der For-Women-in-Science-Preisverleihung. Damit fasste sie zusammen, woran viele Wissenschaftlerinnen scheitern: Am Beweis, dass es eben doch funktioniert, Forscherin aus Leidenschaft und zugleich Mutter (und obendrein eine gute!) zu sein.</p><p>Frauen, die einer solchen Doppelbelastung ausgesetzt sind, unterstützt die Nüsslein-Volhard-Stiftung seit nunmehr vier Jahren. Im Interview mit ScienceBlogs erklärte Christiane Nüsslein-Volhard dazu "Zeit muss man sich kaufen" - sowohl Kinderbetreuung als auch Forschung würden viel Energie und eben Zeit kosten und um beide Aufgaben zu vereinen bräuchten die meisten Wissenschaftlerinnen eben mehr Geld, als das Durchschnittseinkommen von Post-Docs biete.</p>

<p>Die Idee, eine solche Stiftung zu gründen, sei ihr gekommen, als eine besonders talentierte Forscherin an ihrem Institut vor einigen Jahren schwanger geworden sei. Der jungen Frau blieb in ihrer finanziellen Situation keine andere Wahl, als sich aus der Forschung zu verabschieden. Dagegen wollte Christiane Nüsslein-Volhard etwas unternehmen.</p>

<p>Im Exklusivinterview mit ScienceBlogs erklärt Christiane Nüsslein-Volhard, was Spitzenwissenschaftler mit Spitzenmusikern- oder -Sportlern eint und was sie jungen Wissenschaftlerinnen empfiehlt, die eine Karriere in der Forschung anstreben.</p>

<p><script type="text/javascript" src="http://de.sevenload.com/pl/SvR5NpH/445x364"></script><p>Link: <a href="http://de.sevenload.com/videos/SvR5NpH-For-Women-in-Science-Christiane-Nuesslein-Volhard-im-Interview"><img src="http://static.sevenload.com/img/sevenload.png" width="66" height="10" alt="For Women in Science - Christiane Nüsslein-Volhard im Interview" /></a></p><br />
Interview: Monika Hombach & Jessica Riccò</p>
     <hr />
<p>Jeden Freitag mit dem Besten aus ScienceBlogs - der Podcast:</p>
<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8991,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwissenschaft-zum-mitnehmen%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/Podcast_RSS_Feed_468.jpg" border="0" alt="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." title="Der ScienceBlogs-Podcast. Jeden Freitag zusammengestellt von Thomas Wanhoff." /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/prof-dr-christiane-nussleinvolhard-eine-deutsche-nobelpreistragerin-im-interview.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/for-women-in-science/2008/10/prof-dr-christiane-nussleinvolhard-eine-deutsche-nobelpreistragerin-im-interview.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Familie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">for women in science</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">frauen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nachwuchswissenschaftlerinnen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">nobelpreis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">nüsslein-volhard-stiftung</category>
            
            <pubDate>Tue, 07 Oct 2008 17:00:45 +0100</pubDate>
        </item>
        
    </channel>
</rss>