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        <title>Lob der Krankheit</title>
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            <title>Aluminium - Die Evidenz</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Auf meine Blogbeiträge zu möglichen Risiken von Aluminiumverbindungen in Impfstoffen kamen eine Menge Kommentare, in denen - meist überaus freundlich - Belege für meine diesbezügliche Besorgnis gefordert wurden. Hier bringe ich einen ersten Überblick zu dieser Thematik.</p><p><br />
Die Verwendung von Aluminiumsalzen als Hilfsstoff oder Adjuvans in Impfstoffen hat eine lange Tradition. Bereits 1931 publizierte Alexander Thomas Glenny seine Entdeckung eines an Aluminium gebundenen Diphtherie-Impfstoffes. Trotz dieser enormen Anwendungserfahrung ist das Verständnis der Wirkmechanismen der Aluminiumsalze bis heute noch weitgehend ungeklärt. </p>

<p>Erst 2006 erschien beispielsweise eine <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16188325">Übersichtsarbeit</a> des schottischen Immunologen James M. Brewer mit dem programmatischen Titel: „(Wie) Funktionieren Aluminium-Adjuvantien?" Darin drückt er seine Verwunderung darüber aus, dass trotz einer mehr als 70-jährigen Anwendungsgeschichte so wenig Wissen über die physikalisch-chemischen Interaktionen zwischen Aluminium-Adjuvans und dem Impfstoff-Antigen besteht und auch die genaue biologische Wirkungsweise der Aluminiumsalze im Organismus bislang kaum studiert wurde.<br />
Die Neuausgabe des <a href="http://www.atsdr.cdc.gov/toxprofiles/tp22.html">„Toxicological Profile For Aluminum" </a>des US-Department of Health and Human Services hat zwar einen Umfang von 357 Seiten, die Wirkungsweise und das Sicherheitsprofil von Aluminiumhaltigen Adjuvantien in Impfstoffen wird darin jedoch nur auf wenigen Seiten und hier vor allem in Fragezeichen abgehandelt. Der Großteil der Arbeit beschränkt sich auf die orale, inhalative und dermale Aufnahme von Aluminium aus den verschiedensten Verbindungen.<br />
Einige Zitate zur Illustration der bestehenden Wissenslücken:<br />
<blockquote>Although the neurodevelopmental toxicity of aluminum is well-documented in animals, there are a number of data needs that preclude fully assessing the significance of the findings to human health (Golub and Domingo 1996).  An important issue not adequately addressed in the existing studies is the potential for effects on more complex central nervous system functions, including learning and memory and sensory abilities. </blockquote></p>

<p> <blockquote>There are no human data on the genotoxicity of aluminum.</blockquote> </p>

<blockquote>The mechanism of action for aluminum toxicity is not known, hence it is not known whether biomarkers of effect exist or not. Additional studies examining the 
possible relationship between urine, blood, or other tissue levels and aluminum exposure would be useful in establishing biomarkers of exposure. </blockquote>

<p><br />
Zur Absorption:<br />
<blockquote>Available data indicate that the gastrointestinal absorption of aluminum is often in the range of 0.1-0.6% in humans, although absorption of poorly available aluminum compounds such as aluminum hydroxide can be <0.01% Flarend et al. (1997) estimated aluminum absorption in rabbits following intramuscular injection of Al <br />
labelled aluminum hydroxide or aluminum phosphate adjuvants used for vaccines.  Aluminum from both solutions was absorbed, appearing in the blood as early as 1 hour after injection.  Three times as much aluminum from the aluminum phosphate adjuvant was absorbed during the first 28 days after exposure; since the terminal phase of the blood concentration curve was not reached by that time, this difference may be due to differences in the rate of absorption. </blockquote></p>

<p><br />
Hier ein Ausschnitt zur Neurotoxicity (ganz allgemein auf Aluminium und Aluminiumverbindungen bezogen):<br />
<blockquote>Various neurotoxic effects of aluminum have been induced in animals, ranging from neurobehavioral and neurodevelopmental alterations following repeated oral exposures in mice and rats to neurodegenerative pathological changes in the brain caused by acute parenteral administration in nonrodent species.  Numerous mechanistic studies of aluminum neurotoxicity have been performed, but no single unifying mechanism has been identified (Erasmus et al. 1993; Jope and Johnson 1992; Strong et <br />
al. 1996); it is likely that more than one mechanism is involved.  The main sites of action of aluminum are difficult to discern because the studies have been performed using a variety of exposure methods (including a number of different in vivo injections and in vitro systems) and animal species, and a number of typical effects are not common to all species and exposure circumstances (i.e., are only expressed using certain models of neurotoxicity).  Although insufficient data are available to fully understand the <br />
mechanism(s) of aluminum toxicity, some general processes that are involved have been identified.  Changes in cytoskeletal proteins, manifested as hyperphosphorylated neurofilamentous aggregates within the brain neurons, is a characteristic response to aluminum in certain species (e.g., rabbits, cats, ferrets, and nonhuman primates) and exposure situations (e.g., intracerebral and intracisternal administration).  Similar neurofibrillary pathological changes have been associated with several neurodegenerative disorders, suggesting that the cause of aluminum-related abnormal neuronal function may involve changes in cytoskeletal protein functions in affected cells.</blockquote>  </p>

<p><br />
Sicher ist, dass Aluminium die spezifische Immunantwort gegen die Antigene des Impfstoffes verstärkt. Das funktioniert über mehrere Mechanismen. Zum einen wird durch die Bindung des Antigens an den Hilfsstoff eine verlangsamte Freisetzung und damit ein Depoteffekt erzielt. Dadurch kommen mehr Zellen des Immunsystems mit dem Wirkstoff in Kontakt und es erfolgt eine bessere Immunantwort mit einer breiteren Streuung auf Makrophagen, dendritische Zellen und Lymphozyten.<br />
Eine der wichtigsten Anforderungen an einen Hilfsstoff ist, das es die Immunantwort auf die Wirkstoffe in der Impfung fördert, aber gleichzeitig keine eigene Immunreaktion gegen sich selbst hervorruft. Adjuvantien sollen sich dann nach getaner Arbeit im Organismus wieder abbauen und ohne negative Folgen ausscheiden lassen. Soweit die Theorie.<br />
Bei den bislang fast ausnahmslos verwendeten Adjuvantien handelt es sich um anorganische Salze, die schwer löslich sind und damit das an sie gebundene Antigen nur langsam freigeben. Zugelassen sind hier im wesentlichen Aluminiumsalze in Form von Aluminiumphosphat und Aluminiumhydroxid.<br />
Der Vorteil von Aluminiumsalzen ist, dass sie als Immunreaktion eine starke Antikörperbildung hervorrufen. Das heißt, sie aktivieren eher eine Th2-Reaktion des Immunsystems. Die zelluläre Abwehr (Th1-Reaktion) stimulieren sie hingegen nur gering. Eine dominante Th2 Reaktion besteht z.B. bei Allergien.<br />
„Mit Ausnahme der alten Tuberkulose-Impfung forcieren die meisten Impfungen, die wir derzeit anwenden eine Th2-Reaktion des Immunsystems", <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9540269">erklärt</a> das beispielsweise der Immunologe Graham Rook vom University College in London. Impfungen verschieben das immunologische Gleichgewicht also in die allergische Richtung. „Aluminium, der meistverwendete Hilfsstoff in Impfungen ist ebenfalls ein Th2-Förderer, genau wie die Keuchhustenkomponente in den Mehrfachimpfungen für Babys."</p>

<p> Die Antigene in vielen Impfstoffen reichen nicht aus, um eine ausreichende Immunreaktion zu erzielen, wahrscheinlich, weil sie - auf Grund ihrer Beschaffenheit (z.B. Oberflächenproteine, abetötete „ausgehöhlte" Viren, entgiftete Toxine, Bakterienteile) vom Immunsystem nicht als Gefahr eingestuft und werden. Erst die durch die Aluminiumsalze hervorgerufene Entzündung an der Einstichstelle sorgt für die Alarmierung des Abwehrsystems. Da die anorganischen Salze vom Immunsystem als Nicht-Lebewesen weitgehend ignoriert werden, werden die an derselben Stelle vorgefundenen Antigene für die Verursacher des Desasters gehalten und z.B. von dendritischen Zellen gefasst und zu den Lymphknoten geführt. Das Aluminium-Adjuvans jubelt also, salopp formuliert, den Polizisten der Immunabwehr einen falschen Verdächtigen unter, den es als Brandstifter im Gewebe denunziert.<br />
Dass dieser Trick nicht immer optimal funktioniert, ist bekannt. Denn das derart manipulierte Immunsystem reagiert manchmal völlig unberechenbar auf diese Provokation und nicht so, wie es laut Lehrbuch sollte. Aluminium gilt aufgrund seiner Wirkweise als potenzieller Auslöser sowohl von Allergien als auch von Autoimmunkrankheiten. Zudem ist es eine der Hauptursachen für unerwünschte Impfnebenwirkungen, weil die Entzündung, die es im Gewebe verursacht - und auch verursachen soll, um seine Wirkung zu erzielen -, oft schlecht abheilt. Die Aluminiumsalze lösen sich manchmal schlecht auf und bleiben eine dauernde lokale Irritation, die bei den Geimpften lange andauernde Schmerzen an der Einstichstelle auslösen kann.<br />
Dazu sind bereits zwei Krankheitsbilder beschrieben, die so genannte Eosinophile Myofasziitis und Makrophagenmyofasziitis.<br />
Hier die Beschreibung aus dem Pädiatrie-Lehrbuch  „<a href="http://www.springerlink.com/content/glmung2310258286/">Idiopathische entzündliche Myopathien</a>" (Michael J. Lentze, Franz J. Schulte, Jürgen Schaub und Jürgen Spranger) erschienen bei Springer 2007:</p>

<p>„Beide Krankheiten führen idiopathisch zu lokalen Schmerzen <br />
der betroffenen Körperabschnitte, ödematöser Verschwellung <br />
von Faszie und angrenzendem Muskel und meist proxima- <br />
ler Schwäche. Weitere Allgemeinsymptome wie Fieber und <br />
Arthralgien kommen vor. Histologisch zeigen die verdickten <br />
Faszien eosinophile oder Makrophageninfiltrate. Mindes- <br />
tens eine Form entsteht nach Impfungen mit Präparaten, die <br />
Aluminiumhydroxyd enthalten, das eine zytotoxische T-Zell- <br />
Reaktion auslöst. Steroide sind meist gut wirksam." </p>

<p><br />
Die meisten Impfexperten wünschen sich lieber heute als morgen eine geeignete Alternative für das Aluminium. Doch das ist nicht so einfach. Erst wenige andere Adjuvantien sind zugelassen. Sie haben ebenso ihre Nachteile und sind in der praktischen Anwendung noch wenig geprüft. </p>

<p>Eine <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11115725">interessante Arbeit</a>, die einen weiteren Fragenkomplex zur Wirkungsweise der Aluminiumsalze  aufmacht, stammt von einem niederländischen Team um Anita Boelen vom National Institute of Public Health in Bilthoven.</p>

<p>In der Studie ging es um Erfahrungen mit einer Impfung gegen RS-Viren. Diese weit verbreiteten Viren bilden - speziell für Kinder - ein wesentlich stärkeres gesundheitliches Risiko als die Grippe-Viren. Bloß gibt es gegen die Grippe eine Impfung und gegen RS-Viren nicht. Deshalb hört man auch nicht so viel über RS-Viren, umso mehr dagegen über Grippe.<br />
Bereits seit den 60er Jahren gab es zahlreiche Versuche gegen dieses "respiratory syncytial virus" (RSV) eine Impfung zu entwickeln. Doch bislang sind alle Impfstoff-Versuche sowohl mit lebenden als auch mit inaktivierten Viren fehl geschlagen.<br />
Das Problem war meist folgendes:<br />
Sowohl bei Menschen als auch im Tierversuch zeigte sich, dass die Geimpften (dank der Aluminium-Hilfsstoffe) ganz enorme Antikörperspiegel entwickeln. Eigentlich sollte die Impfung also funktionieren.<br />
Doch leider tritt dann, wenn die Geimpften künstlich mit den RS-Viren infiziert werden, eine enorm heftige Immunreaktion auf, die mehr Schaden (vor allem im Bereich der Lunge) anrichtet, als eine natürliche Infektion bei Ungeimpften verursachen würde.<br />
In der zitierten Arbeit haben die Holländer drei verschiedene Effekte im Tierversuch untersucht:<br />
Sie testeten wie sich die Mäuse bei einer Infektion mit RS-Viren verhalten, wenn sie zuvor:</p>

<p>a) eine aluminiumhaltige RSV-Impfung erhalten hatten<br />
b) eine aluminiumhaltige Placebo-Impfung erhalten hatten<br />
c) gar nicht geimpft worden waren</p>

<p>Im Fall c) reagierten die Tiere mit einer Th1-Immunreaktion und einer zumeist leichten Erkrankung (das ist also der Normalfall)</p>

<p>Im Fall a) reagierten die Tiere nicht mehr mit einer Th1-Immunreaktion sondern diese wurde durch die Impfung auf Th2 "umgepolt". Die Tiere reagierten mit einer schweren Entzündung, die zu starken Schäden in der Lunge führten. Von den RS-Viren konnte diese Reaktion nicht stammen, denn eigentlich "wirkte" die Impfung: Es wurde bei den geimpften Tieren keine weitere Vermehrung der RS-Viren beobachtet.</p>

<p>Im Fall b) reagierten die Tiere noch ärger als bei a). Ebenfalls mit der "falschen" Th2 Reaktion - und noch stärkeren Lungenschäden.</p>

<p>Das Aluminium-Adjuvans verursacht also eine Umorientierung der Immunreaktion in Richtung einer krankhaften sehr heftigen Th2 Reaktion, die in erster Linie das eigene Gewebe schädigt.<br />
Die Probleme treten in der Studie allerdings nicht zum Zeitpunkt der Impfung auf, sondern erst dann, wenn die Tiere Kontakt mit Viren haben.<br />
In einem "natürlichen" Szenario würde dieser Effekt zweifellos auch bei einem zufälligen Kontakt mit RS-Viren auftreten. Möglicherweise aber auch bei jedem Kontakt mit anderen Viren (eventuell aber auch beim Kontakt mit Blütenpollen oder anderen Fremdeiweißen).<br />
Und das finde ich das bemerkenswerteste Ergebnis an dieser Arbeit:<br />
Denn es werden ja eine Menge Viren bzw. generell Infekte oder Fremdeiweiße als Auslöser von Allergien bzw. Autoimmunkrankheiten verdächtigt.<br />
Im Lichte dieser Arbeit scheint es aber, dass die Weichen in diese krankhafte Entwicklung bereits ZUVOR mit der Verabreichung der Aluminiumhaltigen Impfung gestellt werden.<br />
Krankheitsauslöser wäre demnach nicht der Infekt oder das Allergen, sondern die Umorientierung des Immunsystems durch die Aluminiumsalze zu einer nicht adequaten Immunantwort.<br />
Die niederländischen Wissenschaftler schreiben am Ende ihres Artikels folgendes:</p>

<blockquote>"Der Schluss drängt sich nun auf, dass das Vorherrschen einer Th2-Immunantwort in allergiekranken Kindern diese auch anfälliger macht für wesentlich ernstere Atemwegsinfektionen (z.B. durch RS-Viren). Diese Hypothese wird dadurch unterstützt, dass im Tierversuch eine allergische Maus (mit Th2-Immunantwort) auf eine RSV Infektion wesentlich stärker reagiert als eine nicht-allergische Maus. Deshalb verweisen unsere Resultate darauf, dass als Auslöser der von den Impfungen verursachten Immunschäden nicht die RSV-spezifischen Komponenten der Impfung in Frage kommen, sondern in erster Linie der Aluminiumhaltige Hilfsstoff."</blockquote>

<p>Yehuda Shoenfeld, Vorstand des Zentrums für Autoimmunkrankheiten an der Universität von Tel Aviv hat bereits viele Übersichtsarbeiten über die vermutlichen Auslöser dieser Krankheiten publiziert und organisierte 2006 einen Kongress im italienischen Sorrent, bei dem erstmals auch Impfungen als potenzielles Risiko im Mittelpunkt standen und diskutiert wurden. Selbst stellte er die diversen Möglichkeiten dar, wie Impfungen hier eine Autoaggression anstoßen könnten. (Moshe Tishler, Yehuda Shoenfeld „<a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15274537">Vaccination may be associated with autoimmune diseases</a>", Vered Molina, Yehuda Shoenfeld „<a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16126512">Infection, vaccines and other environmental triggers of autoimmunity</a>") <br />
Im Zentrum dieser Betrachtungen steht ein Mechanismus der als „molekulare Mimikry" bezeichnet wird. Moleküle auf der Oberfläche von Krankheitserregern können körpereigenen Molekülen ähneln oder mit ihnen sogar identisch sein. Zum einen könnte dies eine Taktik von bestimmten Keimen sein, um sich im Organismus zu tarnen. Genauso kann es aber auch bloß Zufall sein. Problematisch wird es, wenn das Immunsystem daraufhin die eigenen Zellen attackiert, weil es sie für Krankheitserreger hält. Und hier kommt wieder der Überlistungstrick mit Aluminiumsalzen ins Spiel. Denn mit der Präsentation irgendwelcher toten Proteinbestandteile, die von einer nicht real vorhandenen Bakterienoberfläche stammen, wächst natürlich die Gefahr, dass das Immunsystem sich irrt.</p>

<p>Dass es bislang nur recht wenige neue Adjuvantien am Markt gibt, liegt auch daran, dass ein unspezifisches Boostern des Immunsystems häufig zu unerwünschten Autoimmun-Reaktionen führt. Ein interessantes Beispiel dazu liefert eine <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18802084">veterinärmedizinische Arbeit</a> über den Einsatz von Adjuvantien auf Öl-Wasser-Basis die in Impfstoffen bei Lachsfarmen eingesetzt werden. Die Autoren schreiben:<br />
<blockquote>In the present study, whether the farmed salmon that received oil-adjuvanted vaccine have autoimmune syndrome similar to adjuvant oil-injected rodents was examined. Sera and tissues were collected from vaccinated or unvaccinated Atlantic salmon (experimental, seven farms) and wild salmon. Autoantibodies (immunofluorescence, ELISA, and immunoprecipitation) and IgM levels (ELISA) in sera were measured. Kidneys and livers were examined for pathology. Autoantibodies were common in vaccinated fish vs unvaccinated controls and they reacted with salmon cells/Ags in addition to their reactivity with mammalian Ags. Diffuse nuclear/cytoplasmic staining was common in immunofluorescence but some had more specific patterns. Serum total IgM levels were also increased in vaccinated fish; however, the fold increase of autoantibodies was much more than that of total IgM. Sera from vaccinated fish immunoprecipitated ferritin and approximately 50% also reacted with other unique proteins. Thrombosis and granulomatous inflammation in liver, and immune-complex glomerulonephritis were common in vaccinated fish. Autoimmunity similar to the mouse model of adjuvant oil-induced lupus is common in vaccinated farmed Atlantic salmon. This may have a significant impact on production loss, disease of previously unknown etiology, and future strategies of vaccines and salmon farming.</blockquote></p>

<p>Die in meinem <a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/11/neues-diagnoseverfahren-bestatigt-hirnschaden-bei-adhs.php">ADHS-Artikel </a> erwähnte kanadische Arbeit von <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17114826">Petrik et al </a><br />
zeigte im Tierversuch Schäden bei mit Aluminiumadjuvantien geimpften Mäusen:</p>

<blockquote>Apoptotic neurons were identified in aluminum-injected animals that showed significantly increased activated caspase-3 labeling in lumbar spinal cord (255%) and primary motor cortex (192%) compared with the controls. Aluminum-treated groups also showed significant motor neuron loss (35%) and increased numbers of astrocytes (350%) in the lumbar spinal cord. The findings suggest a possible role for the aluminum adjuvant in some neurological features associated with GWI and possibly an additional role for the combination of adjuvants.</blockquote>

<p>Eine beunruhigende Ähnlichkeit beschreibt dieses US-Team in einem <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16866298">Case Report</a> <br />
bei vier Kindern.<br />
Und hier noch eine <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12660567">Übersichtsarbeit</a> von Gherardi RK<br />
Zitat aus dem Abstract, dessen Schlusssatz auch meine Meinung zu dieser Thematik treffend wieder gibt:<br />
<blockquote>Macrophagic myofasciitis is characterized by a stereotyped and immunologically active lesion at deltoid muscle biopsy. Electron microscopy, microanalytical studies, experimental procedures, and an epidemiological study recently demonstrated that the lesion is due to persistence for years at site of injection of an aluminum adjuvant used in vaccines against hepatitis B virus, hepatitis A virus, and tetanus toxoid. Aluminum hydroxide is known to potently stimulate the immune system and to shift immune responses towards a Th-2 profile. It is plausible that persistent systemic immune activation that fails to switch off represents the pathophysiologic basis of chronic fatigue syndrome associated with macrophagic myofasciitis, similarly to what happens in patients with post-infectious chronic fatigue and possibly idiopathic chronic fatigue syndrome. Therefore, the WHO recommended an epidemiological survey, currently conducted by the French agency AFSSAPS, aimed at substantiating the possible link between the focal macrophagic myofasciitis lesion (or previous immunization with aluminium-containing vaccines) and systemic symptoms. Interestingly, special emphasis has been put on Th-2 biased immune responses as a possible explanation of chronic fatigue and associated manifestations known as the Gulf war syndrome. Results concerning macrophagic myofasciitis may well open new avenues for etiologic investigation of this syndrome. Indeed, both type and structure of symptoms are strikingly similar in Gulf war veterans and patients with macrophagic myofasciitis. Multiple vaccinations performed over a short period of time in the Persian gulf area have been recognized as the main risk factor for Gulf War syndrome. Moreover, the war vaccine against anthrax, which is administered in a 6-shot regimen and seems to be crucially involved, is adjuvanted by aluminium hydroxide and, possibly, squalene, another Th-2 adjuvant. If safety concerns about long-term effects of aluminium hydroxide are confirmed it will become mandatory to propose novel and alternative vaccine adjuvants to rescue vaccine-based strategies and the enormous benefit for public health they provide worldwide.</blockquote></p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 01 Dec 2008 12:05:03 +0100</pubDate>
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            <title>&quot;Aluminium muss raus aus Impfstoffen!&quot;</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ein <a href="http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag3/downloads/Stellungnahme_Wirksamkeit_HPV-Impfung.pdf">Manifest</a>, in dem 13 Wissenschaftler öffentlich die Neubewertung der Empfehlung für die HPV-Impfung verlangen, sorgt für Aufregung. Doch nicht nur die Wirksamkeit der Impfung ist fraglich. Auch ihre Sicherheit. Ich sprach darüber zu Jahresbeginn mit dem  Wiesbadener Impfexperten Klaus Hartmann.</p><p></p>

<p><em>Ehgartner: Bei den Zulassungsstudien zur HPV-Impfung wurden relativ wenige Nebenwirkungen gefunden. Es gab kaum Unterschiede zur Placebogruppe.</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Das lag aber vor allem an der Wahl des Placebos. Es wurde hier nämlich keine neutrale Wasserlösung verwendet, sondern ein Gemisch sämtlicher Inhaltsstoffe der Impfung, bloß ohne die HPV-Antigene. Das Placebo enthielt also unter anderem die erwiesen problematischen Aluminiumsalze.</p>

<p><em>Ehgartner: Was war die Folge?<br />
</em><br />
<strong>Hartmann: </strong>Die HPV Impfung wurde gegen ein Medikament getestet, das die gleichen Nebenwirkungen machen kann. Das ist ein ganz bedenkliches Vorgehen und es ist mir ein Rätsel, warum das die Ethikkommissionen genehmigt haben. Die Aluminium haltigen Adjuvantien sind in letzter Zeit gewaltig in die Diskussion gekommen. Bislang wurde nur retrospektiv ihre Sicherheit abgeleitet, weil ja Millionen von Dosen verimpft wurden und hier ja eigentlich nichts passiert sei. Das stimmt so nicht. Man weiß, dass diese Hilfsstoffe bei bestimmten Menschen, die hier empfänglich sind, Autoimmunreaktionen auslösen. Das wurde auch im Tierversuch bestätigt. Sie können zudem das Nervensystem schädigen, weil Aluminiumhydroxid auch neurotoxisches Potenzial hat. Man weiß derzeit nicht wen es trifft.</p>

<p><em>Ehgartner: In welchem Zeitraum nach der Impfung passiert das?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Das kann bis zu fünf Wochen nach der Impfung auftreten. Es handelt sich um zwei Mechanismen: Zum einen können Aluminiumsalze Autoimmunreaktionen triggern, zum zweiten gibt es den direkten schädigenden Effekt auf Nervenzellen. Das erfassen Sie nicht, wenn sie nur Vorfälle binnen zwei Wochen berücksichtigen. Dieser toxische Effekt wurde kürzlich auch an humanen Zellen nachgewiesen, auch in Dosen, wie wir sie in Impfstoffen verabreichen.</p>

<p><em>Ehgartner: Warum sind diese Substanzen nicht längst ersetzt worden?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Dass Aluminium raus muss, wissen die Hersteller und es sind auch alle heftig am arbeiten. Das wird sich nicht mehr lange halten können, so wie ja auch das Quecksilber haltige Konservierungsmittel in Kinderimpfstoffen als neurotoxische Substanz in die Diskussion kam und ersetzt wurde. </p>

<p><em>Ehgartner: Sollten durch die Wahl dieses Placebos Nebenwirkungen der HPV-Impfung verschleiert werden?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Auf alle Fälle. Wenn sie auch in der Kontrollgruppe diese seltenen Autoimmunreaktionen haben, so haben sie das nivelliert und es fällt niemandem mehr auf. <br />
<em><br />
Ehgartner: Bei den behördlichen Meldestellen für Nebenwirkungen heißt es, dass zur HPV-Impfung keine auffälligen Häufungen vorliegen.</em> </p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Das ist eine reine Beruhigungsmaßnahme. Wenn ein Impfstoff zugelassen ist, sind diese spontanen Rückmeldungen die einzige Kontrolle. Hier werden aber - wenn überhaupt - meist nur Sofortreaktionen gemeldet. Man weiß um die Schwächen des Erfassungssystems, will das aber gar nicht verbessern. Das ist eine echte Verschleierungstaktik. Behörden und Hersteller sind sich hier einig und man gibt auch kein Geld aus. Wirkliche langfristige Sicherheitsdaten gibt es gar nicht. Solange das nicht hinterfragt wird und auf den Prüfstand kommt, wird das Problem weiter existieren. Es wird dann weiter voller Gewissheit gesagt werden, es gibt keine Probleme, wobei wir das gar nicht wissen können bei den derzeitigen Möglichkeiten.</p>

<p><em>Ehgartner: Die beiden Todesfälle in Deutschland und Österreich haben nun aber Aufsehen erregt.</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>So etwas kann man nicht einfach überspringen. Mit großem Aufwand versucht man nun, die Impfung davon freizusprechen. Auf der anderen Seite wird niemand damit beauftragt, einen möglichen Zusammenhang zur Impfung ernsthaft zu prüfen. Da gibt es eine unglaubliche Verzerrung. Vernünftige Forschung zu diesem Thema findet überhaupt keine Unterstützung.</p>

<p><em>Ehgartner: Sie haben sich auch über die österreichischen Fälle informiert. Gibt es hier einen Zusammenhang zur HPV-Impfung?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Die verstorbene junge Frau hatte bereits vor ihrem plötzlichen Tod Probleme. Sie hat eine auffällige Lichtscheu entwickelt, hatte Kopfschmerzen und eine länger andauernde Darmsymptomatik. Das sind ganz typische Anzeichen für eine ADEM (Anm: Akute disseminierte Enzephalomyelitis). Wenn man bei einer Obduktion nicht ganz explizit danach sucht, so finden sie das nicht mehr. Ein ADEM Herd ist ja kein Tumor oder eine Gewebeveränderung, die sich auch nach Tagen noch nachweisen lässt. Das ist ein flüchtiges entzündliches Geschehen. Wenn das im Atemzentrum entsteht, können sie durch einen ADEM-Herd einen Atemstillstand kriegen. Und sie finden die Ursache nicht mehr, wenn das erst Tage oder Wochen danach untersucht wird. </p>

<p><em>Ehgartner: Es kam das Argument, dass die Studentin bei ADEM vorher schon massivere Probleme gehabt haben müsste, dass sie in diesem Fall nicht mehr hätte fortgehen können.</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Nein, das ist Unsinn. Es kommt immer darauf an, wo die Nervenschädigung einsetzt. Es gibt mannigfache Symptome. Die Patienten können plötzlich Psychosen entwickeln, verhaltensauffällig werden. Es gibt kein einheitliches Bild. Jede Art von neurologischer cerebraler Auffälligkeit kann im Prinzip durch ein ADEM ausgelöst werden. In den meisten Fällen wird das gar nicht als ADEM erkannt und zum Glück ist es ja dann auch so, dass es in den meisten Fällen reversibel erfolgt. Lebensbedrohlich ist es nur selten und dann kann es eben leider so ausgehen, wie bei der jungen österreichischen Frau.<br />
<em><br />
Ehgartner: Hatten Sie bei Ihren begutachteten Fällen ADEM?</em><br />
<strong><br />
Hartmann: </strong>Das ist bei Impfschadensfällen in meiner Gutachter-Praxis eine der häufigsten Diagnosen. Es ist eines der größten Probleme bei inaktivierten Impfstoffen.</p>

<p><em>Ehgartner: Wieviele Gutachten machen Sie pro Jahr?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Ich habe etwa 60 bis 70 pro Jahr, die von Sozialgerichten in Auftrag gegeben werden.</p>

<p><em>Ehgartner: Wie hoch ist denn eigentlich die Dunkelziffer bei unerwünschten Wirkungen von Impfstoffen in passiven Meldesystemen wie Deutschland oder Österreich?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Eine deutsche Studie untersuchte das für Arzneimittel-Nebenwirkungen und kam auf eine Melderate von fünf bis zehn Prozent. Bei Impfungen wird das wohl noch etwas schlechter aussehen, weil Ärzte über Nebenwirkungen bei Impfungen kaum informiert sind und auch die psychologische Hemmschwelle zu melden höher ist. Bei Lipidsenkern oder Antibiotika ist das viel selbstverständlicher, da ist schon eine gewisse Skepsis da. Bei Impfungen wenden sich die Ärzte an ihre Pharmareferenten und dort wird meist schon im Vorfeld abgewiegelt. </p>

<p><em>Ehgartner: Sollte nicht unmittelbar bei den Behörden gemeldet werden?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Die gesetzliche Meldepflicht ist schon seit 2001 verankert. Das kam bei den Ärzten aber kaum an. Es wird auch keine Aufklärung betrieben.</p>

<p><em>Ehgartner: In Österreich hieß es dazu von Impfexperten, dass eine Nebenwirkung drei Wochen nach der Impfung praktisch auszuschließen sei.</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Auch vom langjährigen STIKO (Anm: Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut) Vorsitzenden Heinz-Joseph Schmitt kamen häufig solche Aussagen. Das ist wissenschaftlich vollkommener Unsinn. So wie die österreichischen Stellungnahmen, dass Nebenwirkungen entweder gleich oder gar nicht auftreten. Das ist absoluter Quatsch.</p>

<p><em>Ehgartner: Woher kommen die Impfexperten dann zu ihrer Expertise?</em></p>

<p><strong>Hartmann: </strong>Die Bezeichung „Impfexperte" ist ja nicht geschützt. Als solches kann sich jeder bezeichnen. Zudem stehen diese Impfexperten zu 100 Prozent auf irgendeiner Industrie-Gehaltsliste. Entweder direkt oder über Drittmittelforschung in universitären Instituten. Das sind alles Leute, die dafür bezahlt werden, dass sie das sagen. Unser STIKO-Vorsitzender Schmitt ist ja kürzlich offiziell in die Industrie zum Imfpstoffhersteller Novartis-Behring gewechselt. Und dort erzählt er wohl noch immer dieselben Geschichten. </p>

<p></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/dr.%20klaus%20hartmann.jpg"><img alt="dr. klaus hartmann.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/dr. klaus hartmann-thumb-300x400.jpg" width="150" height="200" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></a></span><em>Der Wiesbadener Mediziner <strong>Klaus Hartmann</strong>, 48, war zehn Jahre lang beim deutschen Paul Ehrlich Institut für die wissenschaftliche Bewertung unerwünschter Wirkungen von Impfstoffen zuständig. Heute ist er einer der meist beschäftigten gerichtlichen Gutachter zur Feststellung möglicher Impfschäden.<br />
Dieses Interview ist die Langfassung eines Gespräches, das ich in Ausschnitten für einen <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=3206550">Artikel zur HPV-Impfung</a> verwendet habe, der im Februar dieses Jahres in der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" veröffentlicht wurde. Anlass des Artikels waren zwei ungeklärte Todesfälle bei jungen Frauen in engem zeitlichen Zusammenhang mit der HPV-Impfung.</em></p>
     <hr />

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            <pubDate>Fri, 28 Nov 2008 07:02:26 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Jeder fünfte Brustkrebs heilt von selbst</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/Mammographie.jpg"><img alt="Mammographie.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/Mammographie-thumb-250x188.jpg" width="192" height="145" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span>22 Prozent aller Fälle von Brustkrebs, die in den Mammographie-Programmen entdeckt und dann über Chirurgie, Bestrahlung oder Chemotherapie behandelt werden, wären von selbst wieder verschwunden. So lautet das Ergebnis einer <a href="http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/168/21/2311">spektakulären Studie</a> aus Norwegen. <br />
</p><p>Überall in Europa war die Einführung von organisierten Früherkennungsuntersuchungen mittels Mammographie von einem enormen Anstieg der Brustkrebs-Rate begleitet. An sich eine logische Folge, die auch erwartet wurde. Denn, so das Dogma der Krebstherapie, "früh entdeckte Tumoren sind leichter heilbar". Später müssten diese Krebsfälle dann allerdings - weil geheilt - den Frauen erspart bleiben.<br />
Ob dieser logisch klingende Schluss auch in der Realität hält, ist seit vielen Jahren heftig umstritten. Speziell Peter Goetzsche, der Direktor des Nordischen Cochrane-Zentrums in Kopenhagen ist hier vermehrt als Häretiker aufgetreten und hat allzu optimistische Annahmen kräftig erschüttert. Besonders gegen den Strich gehen ihm die <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17537243">Werbemaßnahmen für die offiziellen Screening Kampagnen</a>, die mit objektiver Information über Nutzen und Risiken wenig zu tun haben.<br />
Berühmt wurden die Kernsätze seiner 2006 publizierten <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17054145">Cochrane Review</a> zu den Folgen des organisierten Mammographie-Screenings:<br />
<blockquote>This means that for every 2000 women invited for screening throughout 10 years, one will have her life prolonged. In addition, 10 healthy women, who would not have been diagnosed if there had not been screening, will be diagnosed as breast cancer patients and will be treated unnecessarily. It is thus not clear whether screening does more good than harm. Women invited to screening should be fully informed of both benefits and harms.</blockquote></p>

<p>Per-Henrik Zahl hat mit seinem Kollegen Jan Maehlen vom Norwegischen Institut für Public Health in Oslo nun eine weitere Facette in die Diskussion eingebracht. Nämlich die Frage, wie sich Brustkrebs verhält, wenn er <b>gar nicht</b> behandelt würde. </p>

<p>Dazu gingen die beiden recht raffiniert vor. Sie verglichen eine Kohorte von rund 120.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren, die ab 1996 am ersten organisierten norwegischen Mammographie-Screening teilnahmen mit einer Kontrollgruppe von Frauen, die in den  Jahren davor noch ohne Screening auskommen mussten. Die Altersgruppe wurde so gewählt, dass die Frauen der Kontrollgruppe im Jahr 1996, wenn die erste Gruppe gerade mit dem Screening begann ihre letzte Untersuchung absolvierten.<br />
Damit hatte also auch die Kontrollgruppe am Ende der Untersuchungsperiode einmal ein Bruströntgen.<br />
Die beiden Gruppen unterschieden sich hinsichtlich der Häufigkeit von invasivem Brustkrebs dramatisch:<br />
In der Screening-Gruppe wurde bei 660 (pro 100.000) Frauen die Diagnose gestellt, in der Kontrollgruppe ohne Früherkennungsprogramm waren es nur 384 Krebsfälle.<br />
Zwei Jahre vergingen und "der nicht entdeckte Krebs in der Kontrollgruppe hatte die Chance klinisch evident zu werden", schreiben die Autoren. Tatsächlich verkleinerte sich die Differenz zwischen den beiden Gruppen. Mit 1268 vs. 810 Fällen blieb dennoch die Krebsrate in der Screening Gruppe um 57 Prozent höher.<br />
Nach sechs Jahren schließlich erhielten auch die Frauen in der Kontroll-Gruppe ihre erste Einladung zum Mammographie-Termin. Für die Frauen in der Screening-Gruppe war dies bereits der dritte Termin. Und nun wurden auch in der Kontrollgruppe viele Krebsfälle neu diagnostiziert. Dennoch  blieb noch immer ein Unterschied von 22 Prozent aufrecht (2580 vs. 2152 Fälle).<br />
Dieser Unterschied blieb auch nach weiteren zwei Jahren bei einem zusätzlichen Mammographie-Termin in beiden Gruppen konstant.</p>

<p>Was passierte also mit diesen 22 Prozent an Krebsfällen, die spurlos verschwanden? Das ist die Kernfrage, die sich aus dieser in der aktuellen Ausgabe der "Archives of Internal Medicine" publizierten Forschungsarbeit ergibt.<br />
Der kalifornische Public Health Experte Robert M. Kaplan und der Ulmer Gesundheitsökonom Franz Porzsolt warnen in ihrem <a href="http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/full/168/21/2302">Kommentar</a>, die Ergebnisse der Norweger auf die leichte Schulter zu nehmen. "Hier könnte sich eine Erklärung für Phänomene finden, die Wissenschaftler schon seit langem beunruhigen." Randomisierte klinische Studien bestätigen beispielsweise nur sehr selten die propagierten Vorteile des Screenings. Den Effekt über eine große gut gemachte Arbeit zu objektivieren, sei, so die beiden, "zwar wissenschaftlich notwendig, ethisch aber kaum durchsetzbar", zumal sich "ethische Bedenken häufig auf vorgefassten Meinungen basieren, aber nur selten auf Evidenz."</p>

<p>Die Studienautoren betonen, dass sich aus ihrer Arbeit keine Schlüsse ableiten lassen, ob Mammographie die Krebssterblichkeit reduziert. "Unsere Ergebnisse bringen aber neue Einsichten auf das wichtigste mit Mammographie verbundenen Schadenspotenzial, nämlich die Entdeckung und Behandlung von Krebsfällen, die sich von selbst zurückgebildet hätten."</p>

<p>Es ist dies nicht die erste Arbeit, mit der Per-Henrik Zahl und sein Team den Glauben an die heilsame Kraft der Früherkennung erschüttern. Die Medizinstatistiker <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15013948">publizierten bereits 2004 eine Studie</a>, in der sie zeigen, wie sich die Einführung der Reihenuntersuchung in Norwegen auf die Zahl der Brustkrebserkrankungen ausgewirkt hat. Norwegen eignet sich sehr gut für einen Vergleich, weil das organisierte Screening im Jahr 1996 zunächst nur in fünf Bundesländern eingeführt wurde, die zusammen 40 Prozent der norwegischen Bevölkerung ausmachen. Der Unterschied war beträchtlich. Denn in den fünf Screeningländern stieg die Häufigkeit von Brustkrebs um 54 Prozent an. <br />
Dass eine Früherkennungsmaßnahme die Zahl der entdeckten Krebsfälle erhöht, liegt in der Natur der Sache. Dies sollte allerdings dadurch kompensiert werden, dass dann in den späteren Jahren deutlich weniger Fälle von Brustkrebs gefunden werden. Schließlich, so die Grundthese der Früherkennung, sind diese Fälle ja schon zuvor, im leichter heilbaren Frühstadium entdeckt worden und müssen deshalb später fehlen. Soweit die Theorie, die sich in diesem Fall aber als reichlich grau entpuppte. Denn Per-Henrik Zahl fand keinen Rückgang der Krebszahlen im höheren Alter, der den enormen Anstieg von 54 Prozent auch nur annähernd ausgeglichen hätte.<br />
Um zu sehen, ob es sich bei diesem Ergebnis um eine norwegische Besonderheit handelte, besorgten sich die Wissenschaftler auch noch die Zahlen aus Schweden, wo das Screening bereits zehn Jahre früher, zur Mitte der Achtzigerjahre, eingeführt wurde. Drei Viertel aller Frauen in der Zielgruppe der 50- bis 69-Jährigen nahmen dort das Angebot an. Zuvor lag in Schweden der jährliche Anstieg der Brustkrebsrate bei 0,8 Prozent. Mit der Einführung des Screenings ergab sich auch beim skandinavischen Nachbar ein plötzlicher radikaler Anstieg der Krebsrate um 45 Prozent. Auch hier fanden die Wissenschaftler keinen nachfolgenden Rückgang in der Gruppe der 70- bis 74-jährigen Frauen. Erst in der Gruppe der 75- bis 80-Jährigen ergab sich eine bescheidene Verringerung der Krebshäufigkeit um 12 Prozent. Damit konnte der extreme Anstieg in den jüngeren Jahren aber nicht im Mindesten ausgeglichen werden.<br />
Das Resümee der Autoren fällt denn auch reichlich düster aus: „Ohne Screening wäre ein Drittel aller Fälle von invasivem Brustkrebs zu Lebzeiten der Frauen nie entdeckt worden." Jede dritte Brustkrebspatientin in Norwegen und Schweden hätte sich ihr Schicksal also erspart, wenn sie den Aufforderungen der Behörden zur Mammografie nicht gefolgt wäre. <br />
Und das, schreiben die Autoren, bezieht sich nur auf die Entdeckung von „echtem" Krebs. Die Röntgenuntersuchungen finden nämlich besonders leicht sogenannte Krebsvorstufen, die sich möglicherweise irgendwann einmal zu invasivem Krebs weiterentwickeln. Würde das auch noch berücksichtigt, läge die Steigerungsrate sogar bei 80 Prozent. </p>

<p>Im Vergleich zu diesen Ergebnissen, sind die aktuellen Resultate ja nachgerade beruhigend. Zahl und Co. geben allerdings zu bedenken, dass die ermittelten 22 Prozent „verschwundener" Brustkrebsfälle den Effekt auch unterschätzen könnte. Dann nämlich, wenn der Einfluss des so genannten „wilden Screening" in der Auswertung berücksichtigt würde. Gaben doch etwa die Hälfte der Frauen aus der Kontrollgruppe an, dass sie zuvor bereits mindestens einmal eine Mammographie - ganz ohne offizielles Programm - durchführen ließen. </p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 25 Nov 2008 12:30:23 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Neues Diagnose-Verfahren bestätigt Hirnschäden bei ADHS </title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="ADHS-Kind.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/ADHS-Kind.jpg" width="180" height="180" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Mit einem <a href="http://www.cis.jhu.edu/computationalanatomy/diffeomorphiclandmarkmapping.html">neuartigen Verfahren</a> der Magnet-Resonanz-Tomografie gelang es nun, Hirnveränderungen bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitäts Störung (ADHS) bildlich darzustellen. Offen bleibt die Frage, was diese Anomalien verursacht.</p><p>Das Team des "<a href="http://www.kennedykrieger.org/kki_news.jsp?pid=7449">Kennedy Krieger Institute</a>" in Baltimore/Md. verglich die Gehirnstrukturen von 47 ADHS-Kindern mit jenen von 66 Kindern ohne Entwicklungsstörung. Dabei fanden sich bei den Knaben eindeutige Formunterschiede und ein verringertes Volumen im Bereich der Basalganglien. Die betroffene Hirnregion ist besonders bei der Kontrolle der Motorik involviert. Bei Mädchen wurde keine signifikanten Veränderungen festgestellt, was abermals auf den starken Einfluss des Geschlechts bei dieser Krankheit hinweist. Die <a href="http://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/abstract/appi.ajp.2008.08030426v2">Arbeit</a> wurde im "American Journal of Psychiatry" publiziert. <br />
Die Ergebnisse hatten sich auch in vorangegangenen Studien bereits angekündigt. Allerdings brauchte es das neue technische Verfahren, um die Volumsbestimmung zu präzisieren. Zuvor hatten die Messungenauigkeiten konkrete Aussagen nicht möglich gemacht, auch wenn bereits ein Trend sichtbar war.</p>

<p>Ob die Hirnveränderungen von Geburt an bestehen, oder ob sie, beispielsweise über entzündliche Prozesse oder Vergiftungen im frühen Lebensalter hervorgerufen werden, ist unklar - und bezeichnet das Grundrätsel von ADHS. Seit Jahrzehnten wird heftig über alle möglichen Ursachen dieser Störung diskutiert. Manchmal sogar über die Frage, ob es sich dabei überhaupt um eine Störung handelt, oder ob nicht bloß eine gestörte Gesellschaft mit "den besonders aktiven und frechen Kindern" nicht mehr zurecht kommt - und diese deshalb "mit Psychopharmaka ruhigstellt".<br />
Aussagen wie diese kommen meist von Personen, die noch nie näheren Kontakt mit ADHS-Betroffenen hatten.</p>

<p>Wesentlich ernsthafter sind wissenschaftliche Überlegungen, die ADHS zum Krankheitsbereich des Autistischen Spektrums zuzählen. Auch hier gibt es etwa das selbe Geschlechterverhältnis (dreimal mehr betroffene Knaben als Mädchen), die selbe Bedeutung der genetischen Komponente, und etwa das selbe Manifestationsalter. <br />
Bei Autismus besteht das Kernproblem in einer "Vernetzungsstörung" im Gehirn, wo bestimmte wichtige Areale nicht miteinander in Kontakt sind, isolierte Areale aber à la "Rain Man" besonders hoch entwickelt sein können. <br />
ADHS wäre somit ein Spezialform von Autismus. Welche Krankheit sich manifestiert, hängt demnach von Art und Ausmaß der Hirnschädigungen ab.</p>

<p>Nach dieser These muss also irgendwo ein Umwelteinfluss bestehen. Die erbliche Komponente wirkt sich bloß in einer höheren Empfänglichkeit für die Auswirkungen dieses unbekannten Faktors aus.<br />
Für dieses Argument spricht, dass sich eine Erbkrankheit über die Jahrhunderte in der Prävalenz recht stabil verhält, sich die Fallzahlen bei Autismus und Hyperaktivität aber im Lauf der letzten Jahrzehnte vervielfacht haben. Von Autismus ist heute laut Untersuchungen der US-Behörde CDC etwa eines von 150 Kindern betroffen. An ADHS leiden etwa 4 Prozent der Kinder in Deutschland. Im Schnitt befindet sich also bereits in jeder Schulklasse ein Zappelphilipp.<br />
Worin aber besteht dieser fatale Umwelteinfluss?</p>

<p>Manche vermuten den Schuldigen in der fortgeschrittenen Reizüberflutung im Kindesalter mit Dauerfernsehen, Computerspielen und Mobiltelefonen. Andere in der Strukturlosigkeit mancher Familien oder in den überfordernden Leistungs-Ansprüchen der Schule. Ältere Thesen identifizierten Erziehungsfehler, Vernachlässigung oder frühkindliche Traumata als Auslöser. Dass daraus organische Hirnschäden entstehen, wäre allerdings ungewöhnlich.<br />
Im Journal Lancet thematisierte vor einem Jahr <a href="http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140673607613063/abstract?isEOP=true">eine Studie</a> den Einfluss von Lebensmittel-Zusätzen auf Hyperaktivität. Als problematisch erwiesen sich dabei bestimmte Farbstoffe sowie das Konservierungsmittel Natriumbenzoat (E 211)<br />
Mir persönlich erschiene es wichtig, endlich auch den möglichen Einfluss der Impfungen im Babyalter unvoreingenommen zu untersuchen. Konkret geht es dabei um die Aluminiumsalze, die in zwei Drittel der derzeitigen Kinderimpfungen als Hilfsstoffe enthalten sind. Dass diese Substanzen beträchtliches toxisches Potenzial haben, zeigte erst kürzlich eine <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17114826?ordinalpos=2&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum">kanadische Studie</a>.</p>

<p>Anstatt die Ursachensuche ernsthaft zu forcieren, beschäftigen sich Wissenschaft und Medizin aber lieber mit der Verwaltung und Vermarktung von ADHS. Ritalin und Co. sind heute Magaseller. Und die ADHS-Experten <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1271731/">gut im Geschäft</a>.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/11/neues-diagnoseverfahren-bestatigt-hirnschaden-bei-adhs.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">ADHS</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">ADS</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kinderpsychiatrie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Ritalin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Syndrom</category>
            
            <pubDate>Sat, 22 Nov 2008 11:33:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Ärzte als Komplizen der Konzerne</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Heute stellt der "Bittere Pillen"-Autor Hans Weiss sein neues Buch <a href="http://www.amazon.de/Korrupte-Medizin-Komplizen-Konzerne-Pharma-Consultant/dp/3462040375/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1226905357&sr=1-1">"Korrupte Medizin"</a> vor, in dem er zeigt, wie bereitwillig sich Ärzte von Pharmafirmen bezahlen und einspannen lassen. Wie sie sich dafür rechtfertigen, habe ich kürzlich selbst am Beispiel der österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) erfahren.</p><p><a href="http://www.profil.at/articles/0846/560/225582/wie-medizin-wie-aerzte-pharmaindustrie<br/><br/>">"Wie korrupt sind Ärzte?",</a> fragt das Nachrichtenmagazin profil auf seiner Titelseite und beschreibt den Wallraff-Ansatz des neuen Buches: <span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/korrupte-medizin-cover.jpg"><img alt="korrupte-medizin-cover.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/korrupte-medizin-cover-thumb-240x240.jpg" width="240" height="240" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></a></span><br />
<blockquote>Weiss hatte ungewöhnliche Methoden gewählt, um an brisante Informationen zu kommen. Er absolvierte eine sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründete auf dem Papier eine Beratungsfirma für die Arzneimittelindustrie, um sich eine neue Identität zu verschaffen. Mal trat er als Arzt auf, mal als Pharma-Consultant oder als Export-Import-Händler und verwendete außer seinem Autoren- auch seinen Geburtsnamen Johann Alois Weiss, das Pseudonym Peter Merten sowie den erfundenen Firmennamen „Solutions - Pharma-Consulting".</blockquote></p>

<p>Weiss zeigte, wie einfach es ist, nahezu jeden Arzt in Kampagnen einzuspannen, die auf die eine oder andere Weise der Promotion von Medikamenten dienen. Zahlreiche Spitzenmediziner ließen sich problemlos bestechen. Große Beraterfirmen sammeln Daten über Ärzte und verkaufen sie Pharma-Konzernen. Die teilen Ärzte in Verschreibungsklassen ein und starten ihr aggressives Marketing, schreibt Hans Weiss. "Jeder Arzt wird von der Firma danach beurteilt, nützt mir der was, wie viel bringt er mir, wenn ich den einkaufe. Ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte in Deutschland liefert genaueste Auskünfte über sich selber und liefern damit der Pharmabranche selber den Strick, an dem sie dann wie Marionetten baumeln", erklärte er im <a href="http://oe1.orf.at/inforadio/98752.html">ORF-Morgenjournal</a>.<br />
<blockquote>Die Komplizenschaft zwischen Pharma-Industrie und Ärzten bezahlen die Patienten, führt Hans Weiss aus. Denn, so seine Kritik, Medikamente seien viel zu teuer, die Wirkstoffe kosten einen Bruchteil des Verkaufspreises. "Die 2,6 Milliarden Euro, die die Krankenkassen in Österreich für Medikamente ausgeben, sind in Wirklichkeit nur rund 50 Millionen Euro wert." </blockquote></p>

<p>Ein konkretes Beispiel, wie diese "Kooperation" zwischen Ärzten und Industrie in der Praxis abläuft, haben Kurt Langbein und ich in der <a href="http://presse.orf.at/ORF2/2008-11-04/ORF2_2008-11-04_47/text_show">TV-Sendung "Report Spezial"</a> dokumentiert, die vor zwei Wochen im ORF ausgestrahlt wurde. <br />
Wir drehten dazu am Internisten-Kongress in Graz, wo u. a. heftig für den <a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/09/krebs-durch-aggressive-cholesterinsenkung.php">umstrittenen</a> Cholesterinsenker Inegy geworben wurde. Dazu lag am Firmenstand ein Stapel mit Konsensus Berichten der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin auf, in der ein Überblick zur Evidenz-basierten <a href="http://www.oegam.at/upload/1306_%D6GAM_KHK_Konsensus_Mar2008_final.pdf"> Prävention, Diagnostik und Therapie der chronisch koronaren Herzkrankheit</a> gegeben wurde.<br />
ÖGAM-Vorsitzender Erwin Rebhandl beschreibt in einer Kolumne der Zeitschrift "periskop" den Zweck solcher Konsensus-Statements so:<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Erwin Rebhandl.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/Erwin%20Rebhandl.jpg" width="150" height="171" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
<blockquote>Das Konsensus-Statement der ÖGAM versteht sich als wissenschaftliche Publikation und stellt einen praxisorientierten Leitfaden dar, der dem Allgemeinmediziner in präziser und klar strukturierter Form als Orientierungshilfe dienen soll, um die Patientenbetreuung zu optimieren und auch die Kooperation und Kommunikation mit den Spezialisten weiter zu verbessern.</blockquote></p>

<p>Ob das im März 2008 veröffentlichte KHK Papier dazu dient, die Patientenbetreuung zu optimieren, ist zweifelhaft. Denn in erster Linie dient es dazu, den praktischen Ärzten die Verschreibung des Wirkstoffes Ezetimib (enthalten in Inegy) schmackhaft zu machen. Ganze 25 Mal wird der vom US-Konzern Schering-Plough entwickelte Cholesterinsenker im ÖGAM-Bericht erwähnt. Dreimal sogar falsch geschrieben ("Ezitimib"). Und die Botschaft ist klar: Sobald es nicht gelingt, den angestrebten niedrigen LDL-Wert mit der Verschreibung von Statinen zu erreichen, sollte sofort das Statin-Ezetimib Kombi-Präparat Inegy eingesetzt werden.</p>

<p>"Wir können diese Papiere nur dann produzieren, wenn wir finanzielle Unterstützung von der Industrie haben", erklärte dazu ÖGAM-Chef Erwin Rebhandl im Report-Spezial. "Wir versuchen, wo es geht, mehrere Firmen als Sponsoren zu gewinnen, um eben das zu vermeiden, dass ein Produkt zu stark gepusht wird."</p>

<p>Beim KHK Papier scheint diese Ausgewogenheit etwas gelitten zu haben. Wohl deshalb weil es sich bei den beiden Sponsoren um die Hersteller von Inegy, Schering-Plough und MSD handelte.</p>

<p>"Es ist sicher nicht optimal, dass es nur einen einzigen Sponsor gegeben hat", gibt sich Rebhandl zerknirscht. "Aber wenn wir nur einen finden, müssen wir schauen, dass wir das trotzdem umsetzen können."</p>

<p>Was eigentlich genau umsetzen? </p>

<p>Erraten: Es geht um das Image der ÖGAM. Ein Gegengeschäft: Hier ein wenig Pharmawerbung, dafür kann die ÖGAM ihren Mitgliedern gegenüber den Eindruck vermitteln, dass es sich dabei um eine hoch aktive, öffentlich präsente Ärztevereinigung handelt, bei der es sich lohnt Mitgliedsbeitrag zu bezahlen.</p>

<p>Die PR-Vertretung der ÖGAM erfolgt seit vielen Jahren über die Agentur Welldone, bzw. von "peri-consulting". Zwei Firmen, die in der berühmten Lazarettgasse 19 in Wien logieren und an denen Peter Riedl maßgeblich beteiligt ist. Näheres zu diesem wohl umtriebigsten Pharma-Lobbyisten Österreichs und seinen diversen Firmen findet sich <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/712063/">hier</a> oder <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/980707/">hier</a>. Erst kürzlich gelang "peri" das Kunststück, eine Kampagne zu fahren, in der sich die Spitzen der Kassen bereitwillig <a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/09/eine-patienteninitiative-als-trojaner.php">selbst ins Knie schießen</a>.</p>

<p>Im selben Haus befindet sich weiters die Firma "Update Europe", die sich auf Ärztefortbildung konzentriert. Auch sie gehört den Welldone Besitzern. Auf der Website der ÖGAM wird für die Ärzte-Krone geworben: „ÖGAM-News finden Sie in der Ärzte-Krone". Auch an diesem Verlag ist der Welldone Geschäftsführer mit 20% beteiligt. 10% hält der Leiter des Gesundheitsressorts der Kronen Zeitung Dr. Wolfgang Exel. <br />
Die Ärzte vertreten aber auch gleich die Patienten mit. „Der Österreichische Patient" heißt eine Initiative der ÖGAM, die ebenfalls in der Lazarettgasse logiert. </p>

<p>Die Vertreter von Welldone bieten die Leistungen der ÖGAM offensiv den Pharmafirmen an. Uns liegt dazu eine Preisliste vor.<br />
Ein "Pharma-Scan" oder "Newsletter" (wird auch auf der ÖGAM-Homepage veröffentlicht) kommt laut Liste auf 10.500 Euro. (exkl. Honorar für Experten) Konsensus-Berichte kosten 20.300 Euro (nur schriftliche Aktualisierung, Modifikation). Wenn ein Meeting vorgesehen ist, steigt der Preis auf 22.450 (excl. Honorare, Spesen der Teilnehmer, Chair, Unterkunft, Catering, Technik).</p>

<p>Die Preise stammen von 2005 und sind seither möglicherweise angehoben worden. ÖGAM-Vorsitzender Erwin Rebhandl betont, dass das Geld jedoch nicht von seiner Gesellschaft kassiert wird, sondern bei "unserer Agentur" bleibt. Schließlich müsse diese ja auch viel Hintergrund-Arbeit leisten. Update Europe, besorge etwa die Literaturrecherchen.</p>

<p>Dabei werden aber scheinbar Rückschläge für das zu bewerbende Medikament nobel zurückgehalten. Bei Erscheinen des ÖGAM-Papiers war beispielsweise seit zwei Monaten die Ergebnisse der <a href="http://www.americanheart.org/presenter.jhtml?identifier=3053094">ENHANCE-Studie</a> bekannt. Sie sollte eigentlich zeigen, dass Ezetimb das Wachstum der Gefässablagerungen (Plaque) reduzieren kann. Stattdessen wuchsen die Ablagerungen bei Patienten, die Ezetimb zusammen mit Simvastatin als Cholesterinsenker erhalten hatten, sogar stärker als in der Kontrollgruppe mit Simvastatin allein. <br />
Schließlich mussten auf Aufforderung der FDA Depressionen als weitere mögliche Nebenwirkung in den Beipackzettel dieser Medikamente aufgenommen werden. Im Sommer kamen erste Gerüchte auf, dass Inegy weitere schwere Nebenwirkungen hat. Sie hatten ihren Ursprung in Zwischenauswertungen der <a href="http://content.nejm.org/cgi/reprint/NEJMoa0804602v1.pdf">SEAS-Studie</a>, die dann Anfang September veröffentlich wurde. Seither wird <a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33570">diskutiert</a>, ob Ingey möglicherweise das Krebsrisiko erhöht. </p>

<p>Das ÖGAM Papier ist vollständig frei von derlei unangenehmen Nachrichten.<br />
Rebhandl rechtfertigt das so: "Ein Papier kann immer nur den Stand bei Fertigstellung sozusagen repräsentieren. Manchmal passierts, dass das eben sehr knapp zusammen kommt und eine Information, die rauskommt, nicht mehr hineingegeben werden konnte, weil der Herstellungsprozess schon im laufen war."</p>

<p>Auf die Idee, dazu einen Newsletter herauszubringen und auf diese beunruhigende Entwicklung hinzuweisen, kam die ÖGAM ebenso wenig, wie einen simplen Hinweis auf der eigenen Homepage zu posten.<br />
Möglicherweise fanden sich dafür keine Sponsoren.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 17 Nov 2008 08:40:19 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Verbieten wir die Vitamine!</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="vitamine.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/vitamine.jpg" width="240" height="160" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Dass Vitaminpillen und -zusätze kaum einen positiven Effekt haben, steht seit Jahren fest. Im aktuellen JAMA beweist nun abermals eine große Studie den fehlenden Nutzen. Einzig das Risiko für Hirnblutungen steigt signifikant. Warum entsorgen wir den Dreck nicht endlich?</p><p>Zu Beginn der 90er Jahre war die Vitaminwelt noch in Ordnung. Die so genannten „freien Radikale" waren als wichtige Auslöser von Arteriosklerose, Krebs und diversen Alterungsprozessen überführt worden.<br />
Doch die Retter waren gleich mit identifiziert: die Vitamine A, C und E, die als „Radikalenfänger" ausschwärmen und die Blutgefäße und Zellwände vor den schädlichen Oxidationsprozessen schützen sollten, indem sie selber mit den freien Radikalen Verbindungen eingehen und auf diese Weise neutralisieren. <br />
Ernährungswissenschafter und Ärztegesellschaften rieten deshalb zur vorbeugenden Vitaminkur, am besten über frisches Obst und Gemüse, fünf Portionen pro Tag. <br />
„Daran hält sich aber in der Praxis nicht einmal ein Zehntel der Bevölkerung", klagten die Vitamin-Verfechter, und empfahlen Mitte der neunziger Jahre das Gießkannenprinzip: „Vitaminzusätze sollten so wie Impfungen der gesamten Bevölkerung verabreicht werden - auch jenen, die es sich nicht leisten können", formulierte es beispielsweise  Lester Packer, führender Antioxidantien-Experte der Universität Berkeley/CA.<br />
Wie die meisten seiner Kollegen hielt es Packer nicht für nötig, eine Obergrenze einzuziehen. Problematisch sei nur der Mangel: „Denn Antioxidantien sind selbst hundertfach über der empfohlenen Tagesdosis nicht giftig."<br />
Die Presse verbreitete die Hoffnung der Experten mit euphorischen Berichten. Vitamine als Antioxidantien waren bald in aller Munde - meist in Form von Pillen und Mulitvitamin-Säften. Bis heute ist es ungeheuer mühsam, im Supermarkt Produkte einzukaufen, denen keine künstlichen Vitamine zugesetzt sind. Speziell bei Kinder-Nahrungsmitteln und bei Tiernahrung.</p>

<p>Und das obwohl die Vitamin-Euphorie mittlerweile längst als wissenschaftlicher Irrweg gilt. Unveränderte Jubellieder zur Vitaminkur kommen heute nur noch von dubiosen Geschäftemachern wie dem Vitaminguru Dr. Rath oder ähnlichen wissenschaftlichen Ignoranten.</p>

<p>In der Realität zeigen die Studien entweder gar keinen Effekt - oder einen negativen.</p>

<p>• Den Beginn machten die löblichen Ansätze, unverbesserlichen Rauchern mit Betacarotin Kapseln (Vitamin A) zumindest einen kleinen Teil des gesundheitlichen Schadens abzufangen. Dumm nur, dass das nicht funktionierte. Eine der Arbeiten musste sogar abgebrochen werden, weil die Raucher im Vitamin-Arm der Studie ein um 46 Prozent höheres Lungenkrebs-Risiko hatten, wie in der Kontrollgruppe mit Placebo-Pillen.</p>

<p>• Noch trister ist die Bilanz bei Vitamin E, das als große Hoffnung, sowohl für Diabetiker als auch zur Krebsvorsorge galt. Leider zeigte sich bei Diabetikern ein Nulleffekt - auch nach sieben Jahren Einnahme. Lediglich ihr Risiko auf eine unheilbare Herzschwäche stieg signifikant (Hope-Studie). In der Krebsvorsorge derselbe Nulleffekt. Und bei Patienten die bereits an Krebs erkrankt waren, kehrte sich die Therapie ins Gegenteil: Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, denen nach der Strahlenbehandlung hohe Dosen Vitamin E verabreicht wurden, zeigten eine beinahe dreifach höhere Rate an Zweittumoren.</p>

<p>• Vitamin D Pillen wurden erfolglos zur Vorsorge gegen Knochenbrüche getestet (Record-Studie)</p>

<p>• B-Vitamine: Die im Sommer 2005 präsentierte norwegische NORVIT-Studie beobachtet seit 1998 knapp 3.800 Herzinfarkt-Patienten, die zur Infarktvorsorge die als herzschützende Stoffe geltenden Vitamine B6, B12 und Folsäure einnahmen oder eben ein Placebo bekamen. Keine der Vitaminkombinationen brachte den Teilnehmern Vorteile. Jene, die eine Kombination aus den Vitaminen B6 und Folsäure eingenommen hatten, hatten sogar ein um 20 Prozent höheres Risiko eines neuerlichen Infarkts oder Schlaganfalls. </p>

<p>• Am günstigsten ist die Bilanz noch bei Vitamin C. Hier zeigen sich zumindest keine auffälligen negativen Ergebnisse. Wir scheinen Vitamin C sogar in Hochdosen recht gut zu vertragen. Dünnpfiff sorgt notfalls für einen raschen Export. Und hier und da finden sich sogar vereinzelt positive Ergebnisse (z.B. bei Sportlern).</p>

<p>Die derzeit aktuellste Arbeit ist <a href="http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/300/18/2123">im Journal der amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA)</a> erschienen. <br />
Dabei handelt es sich um den Endbericht einer placebo-kontrollierten Studie, an der mehr als 14.000 männliche Ärzte teilnahmen, die zu Studienbeginn im Jahr 1997 mindestens 50 Jahre alt waren. Geprüft wurde die Frage, ob die regelmäßige Einnahme von Vitamin C bzw. Vitamin E - Präparaten günstige Auswirkungen auf die Vermeidung kardiovaskulärer Erkrankungen hat.<br />
Die Antwort war in jeglicher Beziehung negativ. Weder weniger Herzinfarkte, noch weniger Schlaganfälle, noch ein geringeres Sterberisiko. Die beiden Vitamine lieferten sich beinahe einen Paarlauf. Kein einziges Ergebnis war signifikant.<br />
Mit Ausnahme des Risikos auf Hirnblutungen. Hier wurde in der Vitamin E - Gruppe ein Risikoanstieg um 74 Prozent beobachtet.</p>

<p>Mittlerweile weiß man auch etwas mehr über die biologischen Zusammenhänge. <br />
Vitamin E ist etwa ein sehr guter Radikalenfänger und senkt dadurch das Oxidationsrisiko in den Zellmembranen was als eine der Hauptursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall gilt. Allerdings werden aus den intakten  Vitamin E Molekülen nach getaner Arbeit selber Radikale, die z.B. bei der Oxidation des LDL-Cholesterins eine negative Rolle spielen können, vor allem bei zu hoher Dosierung. Und das ist bisher wohl unterschätzt worden. </p>

<p>Warum, frage ich mich, zeigen all diese Ergebnisse keinerlei Auswirkungen auf die Praxis?<br />
Warum ist nach wie vor ein hoher Teil der Supermarkt-Ware Vitamin-verseucht?<br />
Warum greifen hier die Behörden nicht ein?</p>

<p>Verbieten wir doch endlich die - im besten Fall sinnlosen, oft aber gesundheitsschädlichen - künstlichen Vitamine. </p>
     <hr />

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            <pubDate>Fri, 14 Nov 2008 12:25:26 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Statine als Balsam für kranke Blutgefäße</title>
            <description><![CDATA[
     <p>54 Prozent weniger Herzinfarkte, 48 Prozent weniger Schlaganfälle, ein Minus von 20 Prozent bei der Gesamt-Sterblichkeit. Wahrlich kein schlechtes Ergebnis für ein Cholesterin senkendes Medikament. Das beste kommt aber noch: Die Studienteilnehmer hatten gar keinen hohen Cholesterinspiegel.<br />
</p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="aorta.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/aorta.jpg" width="165" height="256" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span>Die fast 18.000 Probanden, die in 26 Ländern für die <a href="http://content.nejm.org/cgi/reprint/NEJMoa0807646v1.pdf">JUPITER-Studie</a> rekrutiert wurden, mussten als Teilnahmebedingung nämlich genau das Gegenteil vorweisen: Einen normalen Cholesterinspiegel mit einem LDL-Wert unter 130 mg/dl. Dafür aber sollten die beteiligten Männer (älter als 50) und Frauen (älter als 60) einen erhöhten Wert eines anderen Risikomarkers  haben: C-reaktives Protein sollte über dem Grenzwert von 2,0 mg/l liegen.<br />
C-reaktives Protein gilt ganz allgemein als Hinweis auf eine bestehende chronische Entzündung im Körper. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Arteriosklerose, die mit Abstand häufigste Todesursache in den Industrieländern.<br />
Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht ein paar wenige Ursachen für die krankhaften Veränderungen, Verletzungen und Ablagerungen der Arterienwände (siehe Foto, © CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr.) gibt, sondern zahlreiche. Die wichtigsten negativen Einflüsse sind Rauchen, schlechte Ernährung sowie Stress. Rauchen hat jedoch einen derart überragend negativen Einfluss, dass sich Raucher zumindest keinen Stress mehr wegen schlechter Ernährung machen müssen. (Dies nur als kleinen Trost für die Giftler unter Euch.) </p>

<p>Astra Zeneca, Hersteller des getesteten Statins (Crestor) und natürlich auch Financier der Studie, <a href="http://www.astrazeneca.com/pressrelease/5412.aspx">freute sich sehr</a>. Und auch auf der Tagung, wo die Arbeit präsentiert wurde, machte sich laut <a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=34323">Deutschem Ärzteblatt</a> heftige Jubelstimmung breit. Das sei die "wichtigste Studie des Jahrzehnts" und werde "die gesamte Kardiologie" verändern.</p>

<p>Natürlich gibt es gegen vorzeitige Euphorie auch berechtigte Einwände. So klingt die Risikoreduktion wesentlich bescheidener wenn der Vergleich in absoluten, statt in relativen Zahlen angegeben wird: Demnach waren in der Statin-Gruppe 83 Personen (0,9 Prozent), in der Placebogruppe 157 Personen (1,8 Prozent) von den vordefinierten Endpunkten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herztod) betroffen. Die absolute Risikoreduktion betrug also "nur" 0,9 Prozent.<br />
Dieser hoch signifikante Unterschied gab den Ausschlag, um die Studie nach 1,9 Jahren vorzeitig abzubrechen. Eigentlich war eine Laufzeit von 4 Jahren vorgesehen.<br />
Dieser Unterschied bedeutet aber auch, dass man immerhin 120 Personen 1,9 Jahre lang mit Statinen behandeln muss, um einen einzigen kardiovaskulären Vorfall zu vermeiden.<br />
Wie lange dieser Vorfall vermieden wird - ob es sich dabei um einige Jahre oder nur um wenige Monate handelt, wurde mit JUPITER nicht geklärt.<br />
Dafür lässt es sich recht einfach ausrechnen, dass die Vermeidung/Verzögerung einer einzigen Herzattacke (bzw. eines Schlaganfalles) mit Crestor Kosten von mehr als 250.000 Euro verursacht. <br />
Bei der kurzen Laufzeit der Studie ist zudem noch unklar, wie schwer die Nebenwirkungen der Therapie wiegen. Schon jetzt zeigte  sich ein signifikant negativer Einfluss auf die Neu-Entstehung von Diabetes. Und das obwohl nur gesunde Personen als Probanden zugelassen wurden. Wie sich der Masseneinsatz des Medikaments bei den in der "Normalwelt" meist multimorbiden älteren Menschen auswirkt, ist schwer abschätzbar.<br />
Zudem zeigen <a href="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/09/krebs-durch-aggressive-cholesterinsenkung.php">aktuelle Arbeiten</a>, dass die radikale Senkung von Cholesterin auch mit anderen Risiken, etwa von Depressionen oder Krebs assoziiert ist.<br />
Der  Kardiologe Mark A. Hlatky von der Stanford University warnte in seinem <a href="http://content.nejm.org/cgi/reprint/NEJMe0808320v1.pdf">Editorial im New England Journal of Medicine</a> denn auch eindringlich vor einer zu euphorischen Aufnahme dieser Ergebnisse, auch wenn sie zweifellos bemerkenswert wären.</p>

<p>Mir erscheint an dieser Studie zusätzlich interessant, dass sich damit die Bedeutung eines hohen Cholesterinspiegels weiter relativiert.<br />
Lange Zeit wurde der Cholesterin senkende Effekt der Statine ja als deren eigentlicher Wirkmechanismus betrachtet. <br />
Nun zeigt sich immer mehr, dass in Wahrheit ihre entzündungshemmenden Eigenschaften den wesentlichen Vorteil der Statine darstellen und diese scheinbar völlig unabhängig von hohem oder normalem Cholesterin bestehen.<br />
Nachdem viel Hirnschmalz in die Klärung der Frage investiert wurde, wie Statine in den Cholesterin-Stoffwechsel eingreifen, steht dieselbe Arbeit beim Mechanismus der Entzündungsabläufe in den Arterien noch zum Großteil bevor.<br />
Klar aber dürfte schon jetzt sein: Einfache Antworten - wie z.B. die Ablagerung von fettigen Plaques als Folge von fettigem Essen - haben endgültig ausgedient.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Wed, 12 Nov 2008 15:09:27 +0100</pubDate>
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            <title>Sie wollen nur unser Bestes</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Beim Streit um Gesundheitsreform, Pensionserhöhung, Pflegegeld oder "Hacklerregelung" wurde um jeden Euro gefeilscht, bis sich die Regierungskoalition in Österreich selbst sprengte. Bei den Banken wird nun nicht mehr gekleckert, sondern ungeniert geklotzt. <br />
Das inspirierte Attac zu einem netten Spot.</p><p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/AjUXxnVGICw&hl=de&fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/AjUXxnVGICw&hl=de&fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 11 Nov 2008 10:47:02 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>„Grippe-Experten beraten die Bevölkerung wie Staubsaugervertreter&quot;</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Grippe-Impfungen wirken schlecht. Bei Millionen von Tamiflu-Packungen, die 2005, am Höhepunkt der Vogelgrippe-Hysterie angeschafft wurden, läuft demnächst das Haltbarkeitsdatum ab. Zum Glück ist weit und breit keine Pandemie im Anmarsch. Der Cochrane-Impfexperte Tom Jefferson hält die ganze Influenza-Vorsorge für einen schlechten Aprilscherz.<br />
</p><p>In der aktuellen Ausgabe des österr. Nachrichtenmagazins profil ist ein <a href="http://www.profil.at/articles/0844/560/224239/die-geschaefte-influenza-luegen-vorsorge-hirngespinst">Artikel von mir zur Influenza-Vorsorge</a> erschienen. Ein ähnlicher <a href="http://www.gesund-magazin.de/artikel/virenlotto-ohne-wirkung">Artikel</a> auch zuvor in der Beilage "Gesund" der Berliner Morgenpost<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="tjefferson.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/Immagine%20097.jpg" width="154" height="205" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>  Hier bringe ich die ungekürzte Fassung des Interviews, das ich mit dem britischen Epidemiologen Tom Jefferson geführt habe. Er hat als Koordinator der Cochrane-Vaccine-Field die gesamte Evidenz zur Grippe-Impfung aufgearbeitet. Das größte Wirksamkeitsloch fand sich bei Senioren, sowie bei Babys und Kleinkindern. Auf seiner <a href="http://www.attentiallebufale.it/">persönlichen Homepage</a> hat Jefferson eine "Pandemie-Clock" eingerichtet, die in der Art eines Countdowns die Tage bis zum Ausbruch der katastrophalen Influenza-Pandemie herunter zählt. Auf "Null" springt sie jährlich am 1. April.</p>

<p><br />
<strong>Ehgartner: </strong>In den letzten beiden Jahren haben mehrere aufwendige Studien Ihre Analysen zur schlechten Wirksamkeit der Grippe-Impfung bestätigt. Hat sich damit ihre Sichtweise international durchgesetzt?</p>

<p><strong>Jefferson: </strong>Nein, denn zu den Entscheidungsträgern ist das gar nicht durchgedrungen. Diese haben ja auch keinerlei Notiz von unseren Übersichtsarbeiten im Journal Lancet genommen. Darf ich noch mal in Erinnerung rufen, dass wir dafür nicht eine oder zwei oder drei Studien geprüft haben, sondern wir haben alle verfügbaren Daten der letzten 50 Jahre zur Wirksamkeit und Sicherheit der Grippe-Impfung in unsere Analysen aufgenommen.</p>

<p><strong>Ehgartner: </strong>Wie war denn die Qualität dieser Studien?</p>

<p><strong>Jefferson: </strong>Großteils sehr schlecht - die Laufzeit war meist viel zu kurz, auf Nebenwirkungen wurde kaum geachtet. Das Hauptproblem lag allerdings in der Interpretation der Daten. Meist standen diese nämlich in direktem Gegensatz zu den Schlussfolgerungen der Autoren. Die Grippe-Impfung ist scheinbar zu einer Art Gospel geworden, wo vor allem der Glaube zählt. </p>

<p><strong>Ehgartner: </strong>Liegt das daran, dass die meisten Studien von den Herstellern selbst finanziert werden?</p>

<p><strong>Jefferson: </strong>Zum einen natürlich. Aber es wäre zu einfach, die Schuld allein der Pharmaindustrie zu geben. Sie verkaufen Impfungen, weil das ihr Geschäft ist. Das wirkliche Problem sind - wie ich sie nenne - die schlechten Lehrer: so genannte Impfexperten, die die Bevölkerung beraten wie Staubsaugervertreter, die ihre Ware anbringen wollen.</p>

<p><strong>Ehgartner: </strong>Was wäre denn das Problem, wenn die Grippe-Impfung weniger gut wirkt als andere Impfungen? Das ist doch immerhin besser als gar kein Schutz.</p>

<p><strong>Jefferson: </strong>Weltweit werden viele Milliarden in die Influenza-Vorsorge investiert. Das ist eine Menge Geld, das die Politiker auf Basis guter wissenschaftlicher Evidenz sinnvoll einsetzen sollten. Zuerst muss man prüfen, ob der Impfstoff wirkt, als nächstes ob er sicher ist. Was wir derzeit haben ist die perfekte Ungewissheit. Wir wissen nicht, ob Impfen besser oder gleich oder sogar schlechter ist, als gar nichts zu tun. Impfungen sind pharmazeutische Interventionen, die - wie alle Arzneimittel - auch Schaden anrichten können. Wir brauchen endlich große, unabhängig finanzierte Studien über mehrere Grippe-Saisonen, in der die Impfstoffe gegen Placebo getestet werden. Nur so können wir Sicherheit gewinnen. Und die Kosten wären verschwindend im Vergleich zu dem, was wir derzeit - völlig ins Blaue hinein - ausgeben. </p>

<p><strong>Ehgartner: </strong>Mediziner und Behördenvertreter meinen, eine derartige Studie wäre unethisch, weil jene, die in die Placebogruppe gelost würden, keinen Schutz vor Grippe haben.</p>

<p><strong>Jefferson: </strong>Derzeit wird Gesundheitspolitik betrieben, ohne dass es dafür irgend eine wissenschaftliche Basis gibt. Das nenne ich unethisch.<br />
Nehmen sie beispielsweise die Empfehlung des Robert-Koch-Institut zur Frage, ob schwangere Frauen Grippe geimpft werden dürfen. Darin heißt es: "Zur Influenza-Impfung in der Schwangerschaft wird seitens der pharmazeutischen Unternehmen darauf verwiesen, dass gezielte Studien zur Sicherheit der Impfung bei Schwangeren fehlen, Schäden aber nicht bekannt sind, die Impfung ist daher nicht kontraindiziert". Man weiß also nichts, empfiehlt die Impfung aber trotzdem. Leute, die solche Richtlinien herausgeben, sollten schnellstens von ihren Posten entfernt werden.</p>

<p><br />
<em>Tom Jefferson, 54, ist Koordinator der Cochrane-Vaccine-Field, und hat in den letzten drei Jahren eine Serie von Metaanalysen zur Influenza Vorsorge bzw Therapie mit Neuraminidase Inhibitoren (Tamiflu, Relenza) veröffentlicht. <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?db=pubmed&cmd=Search&Term=Cochrane%20vaccine%20field&itool=QuerySuggestion">Hier </a>findet sich eine Literatur-Übersicht. <a href="http://www.cochrane.de/de/docs/d_lancet_influencia.pdf">Hier eine deutsche Zusammenfassung</a> der Analyse Ergebnisse zur antiviralen Therapie. <br />
Tom Jefferson lebt mit seiner Familie in Rom.<br />
</em></p>
     <hr />

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            <pubDate>Fri, 07 Nov 2008 07:38:38 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Eine &quot;Patienteninitiative&quot; als Trojaner</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Über mehrere Wochen schaltete die Initiative "Der Österreichische Patient" zahlreiche ganzseitige Inserate in den wichtigsten Zeitungen, um eine möglichst frühzeitige Therapie der Rheumatoiden Arthritis einzufordern. Nun deckte "Transparency International" auf, dass es sich dabei in Wahrheit um eine verdeckte Werbekampagne des US-Konzerns Wyeth für das Präparat Enbrel handelt.</p><p>In der ersten Phase der Anzeigen-Kampagne wurden wichtige "Player" des österreichischen Gesundheitssystems direkt angesprochen und mit den Folgekosten konfrontiert, die bei Rheumapatienten anfallen. Im Schnitt, heißt es, summieren sich diese Kosten für Krankenstände, Operationen und Krankenhausaufenthalte pro Patient auf jährlich 21.768 Euro. Dies könnte durch den frühzeitigen Einsatz neuer Arzneimittel geändert werden.<br />
Und dann folgt in Balkenlettern die <a href="http://oe000103.host.inode.at/download/index.php?&cms=3&file=mediafiles/documents/BIO_Fra_BITTNER_Kurier198x270_final.pdf">Frage, z.B. an Franz Bittner</a>, den Chef der Wiener Gebietskrankenkasse:<br />
WIE SIEHT IHRE LÖSUNG DAFÜR AUS, HERR BITTNER?</p>

<p>Die Antworten der damit konfrontierten Kammer- und Kassenfunktionäre ist vom Tenor recht einhellig: klar, doch, logisch! früher behandeln ist sinnvoll, wenn man damit Leid und Geld gleichzeitig sparen kann. <br />
Oder im Originalton, wieder von <a href="http://oe000103.host.inode.at/download/index.php?&cms=3&file=mediafiles/documents/BIO_Antw_BITTNER_Kurier198x270_final.pdf">Franz Bittner</a>:</p>

<blockquote>Gerade bei rheumatoider Arthritis ist ein früher Therapie beginn ent -
scheidend, da die schwerwiegendsten Schäden in den ersten beiden Erkrankungsjahren entstehen. Hier gilt es, alte Denkmuster zu entsorgen und ihnen die
tatsächliche Kostenwahrheit fair gegenüberzustellen.
Natürlich ist der möglichst frühe Einsatz moderner Medikamente zuerst einmal
kostenintensiver. Aber was man sich ersparen kann, neben Leid für die Betroffenen,
sind die Folgekosten durch Krankenstände, Operationen, Prothesen, Krankenhausaufenthalte etc.</blockquote>

<p>Wer sich über die Urheber dieser doch recht aufwändigen oder teuren Kampagne informieren wollte, wurde auf zwei Patientenorganisationen verwiesen: die Rheumaliga und die Initiative "Der Österreichische Patient". </p>

<p>Andrea Fried, Chefredakteurin der Österreichischen Krankenhauszeitung und Mitglied des Beirates von "Transparency International", deckte nun in einem Editorial des aktuellen <a href="http://hta.lbg.ac.at/de/newsletter_download.php?iNewsletterID=24">HTA-Newsletters des Wiener Ludwig Boltzmann Institutes</a> auf, dass es keineswegs Patienteninitiativen waren, die diese Kampagne finanziert haben, sondern der US-Konzern Wyeth, der die Wiener Werbeagentur Welldone dafür mit einem kolportierten Auftrags-Etat von rund 300.000 EUR bedachte.</p>

<p>Auffällig ist die Herkunft der Initiative <a href="http://www.oesterreichischerpatient.at/index.php?SID&sb=1&sub1=30&sub2=35">"Der Österreichische Patient"</a>. Dabei, so Fried, <br />
<blockquote>...handelt es sich um eine Kooperation der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) und dem Verein Altern mit Zukunft - beide enge Partner und Kunden der Werbeagentur Welldone, wo sich auch die Kontaktadresse der Initiative "Der Österreichische Patient" befindet.</blockquote></p>

<p>Andrea Fried findet es höchst eigenartig, warum Versicherer (wie z.B. Franz Bittner) ausgerechnet pharmagesponserte Inserate brauchen, um auf eine vermeintlich schlechte Versorgung von PatientInnen hinzuweisen. "Sollte es hier wirklich Mängel geben", schließt Fried, wären statt Inseraten wohl eher Handlungen gefragt.</p>

<p>Interessant ist neben dem finanziellen auch der fachliche Hintergrund der Kampagne.</p>

<p>Dem Auftraggeber Wyeth geht es offensichtlich darum, den Umsatz seines Medikamentes Enbrel (Wirkstoff Etanercept) zu erhöhen.<br />
So wie Humira (Adalimumab) oder Remicade (Infliximab) gehört Enbrel zu den TNF-Blockern. Es handelt sich dabei um gentechnisch hergestellte Proteine, die in den Kreislauf der Immunreaktion eingreifen uu damit das - bei Rheuma aus dem Ruder gelaufene - autoaggressive Potenzial zu reduzieren.</p>

<p>Enbrel kostet für die in der Praxis üblichen Drei-Monats-Kur pro Patient fast 5.000 EUR und ist derzeit, so wie die anderen beiden Präparate, bei therapieresistenter mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis zugelassen.</p>

<p>"Für eine frühere oder breitere Anwendung", sagte mir der Stockerauer Rheuma-Experte Burkhart Leeb, "gibt es jedoch derzeit noch viel zu wenig Daten. Ich wäre da sehr vorsichtig."</p>

<p>Zumal die Nebenwirkungen, obzwar selten, so doch sehr ernsthaft sein können.<br />
Im Austria Codex werden diese so zusammengefasst:<br />
<blockquote>Lokale Reaktionen, Infektionen (auch schwerwiegend), unspezifische Symptome, Lupus, Allergien, Blutbild, sehr selten ZNS entmyelinisierende Ereignisse</blockquote></p>

<p>Seit kurzem wird zudem ein höheres Krebsrisiko diskutiert (Zitat aus: a-t 2006; 37: 59-60):</p>

<blockquote>Auch der Verdacht, dass sie Lymphome und andere Krebserkrankungen auslösen können, ist bislang nicht ausgeräumt. Die Störwirkungen sind biologisch plausibel, da TNF α an der Abwehr von Infektionen und bösartigen Erkrankungen beteiligt ist. Eine Auswertung der in randomisierten klinischen Studien und offenen Verlängerungsphasen bei Patienten mit rheumatoider Arthritis unter Etanercept, Infliximab und Adalimumab dokumentierten Lymphome ergibt, jeweils bezogen auf eine hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare "Normalbevölkerung", für Etanercept ein relatives Risiko von 2,31 (95% Konfidenzintervall [CI] 0,85-5,03), für Adalimumab von 5,52 (95% CI 2,6-10,0) und für Infliximab von 6,35 (95% CI 1,7-16,3). </blockquote>

<p></p>

<p><br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 23 Sep 2008 06:15:41 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Krebs durch aggressive Cholesterin-Senkung?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Inegy, der umsatzstärkste Cholesterinsenker Deutschlands, verdankt seinen guten Ruf bei Ärzten vor allem seiner Fähigkeit das "böse" LDL-Cholesterin radikal zu senken. Zu Jahresbeginn zeigte eine Studie, dass dies leider keine positiven Effekte auf Atherosklerose hat. Nun wird sogar ein mögliches höheres Krebsrisiko diskutiert.</p><p>Inegy (in den USA: Vytorin) ist ein Kombipräparat aus einem Statin (Simvastatin) und dem Wirkstoff Ezetimibe. Dieser wurde erst vor wenigen Jahren von den Gesundheitsbehörden zugelassen und über seine konkreten Interaktionen im Organismus weiß man nicht all zuviel. Sicher ist seine hemmende Wirkung auf die Bildung von LDL Cholesterin. Binnen weniger Wochen fällt das LDL bei den Patienten um rund 50% steil ab. Das sollte doch genügen für einen positiven Gesundheitseffekt, schlossen die Experten. Die Marketing-Abteilungen der Hersteller Merck und Schering-Plough legten sich voll ins Zeug.<br />
Mit einem weltweiten Umsatz von 5,2 Milliarden US $ im letzten Jahr stießen die Ezetimibe-Kombos weit vor in die Liste der umsatzstärksten Arzneimittel. In Deutschland belegt Inegy als bestverkaufter Lipidsenker mit einem Umsatz von 135 Mio. Euro den 12. Rang der pharmazeutischen Kassenschlager.<br />
Nun ist seit Jahresbeginn Katzenjammer.<br />
Zuerst wurde die Publikation der relativ kleinen ENHANCE Studie unter immer neuen Vorwänden zwei Jahre lang verschleppt, bis die Herstellerfirmen am 14. Januar 2008 eingestehen mussten, dass ihre Präparate <a href="http://gesundheit.blogger.de/stories/1018993/">"außer dem Risiko für Leberschäden keine Wirkung zeigen"</a>. <br />
Steve Nissen, einer der Kardiologen, die diese Studie durchgeführt hatten, äußerte gegenbüber CBS sein Erstaunen so:<br />
<object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KLMnpgVBpJg&hl=en&fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/KLMnpgVBpJg&hl=en&fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>

<p>Studienleiter John Kastelein fasste die Ergebnisse markant so zusammen:</p>

<blockquote>The results show the drug had no result --  in no subgroup, in no segment, was there any added benefit in terms of reducing plaque.</blockquote>

<p>Seit dem Januar sind Merck und Schering-Plough nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwunden. Vor allem die US-Pharmablogs haben hier ganze Arbeit geleistet und ständig neues Belastungsmaterial präsentiert. Die FDA forderte schließlich noch, dass zum fehlenden Nutzen des Präparates auch noch die mögliche Nebenwirkung Depressionen in den Beipacktext eingefügt wird. Depressionen sind als Folge niedriger Cholesterinspiegel seit langem bekannt.</p>

<p>Die größere Nachfolgestudie SEAS, die nun auf der <a href="http://content.nejm.org/cgi/content/full/NEJMoa0804602">Website des New England Journals</a> vorgestellt wurde, bestätigt den fehlenden Nutzen des Kombi-Präparats gegenüber Placebo, bzw. einer herkömmlichen (billigeren) Statin-Monotherapie.<br />
Nun zeigt sich aber auch noch ein alarmierender zusätzlicher Effekt: Während in der Ezetimibe-Gruppe 105 neue Fälle von Krebs aufgetreten sind, waren es in der Placebogruppe nur 70 Fälle.<br />
Nun wird unter den Experten heftig diskutiert, ob es sich dabei um einen Zufallseffekt handelt, oder ob das millionenfach verabreichte Präparat tatsächlich das Krebsrisiko erhöht.</p>

<p>Völlig unwahrscheinlich ist dies nicht. Eine im Journal der kanadischen Medizingesellschaft erschienene <a href="http://www.cmaj.ca/cgi/content/full/179/5/427">aktuelle Studie</a> zum Zusammenhang von Krebs und LDL-Cholesterin bei Diabetikern zeigte einen U-förmigen Zusammenhang: Sowohl hohe LDL Werte, als auch niedrige führen zu einem höheren Krebsrisiko.</p>

<p>Sowohl Merck als auch Schering-Plough zittern nun vor den in einigen Jahren erwarteten Ergebnissen zweier weiterer Ezetimibe-Studien (SHARP, IMPROVE-IT). Die Schadenersatzanwälte stehen schon in den Startlöchern. Und das <a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33570">Deutsche Ärzteblatt</a> beschreibt die Lage so:</p>

<blockquote>Bis die Ergebnisse der Endpunktstudien SHARP und IMPROVE-IT vorliegen, werden viele Millionen Patienten mit Ezetimib behandelt worden sein. Wenn sich dann ein erhöhtes Krebsrisiko zeigen sollte, wäre der Skandal wohl perfekt.</blockquote>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/09/krebs-durch-aggressive-cholesterinsenkung.php</link>
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            <pubDate>Thu, 04 Sep 2008 09:03:30 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wert der Grippe-Impfung für Ältere bleibt ein Rätsel</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="senioren.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/senioren.JPG" width="230" height="198" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span>Einmal hopp - einmal drop. Während manche Studien enorme Überlebens-Vorteile durch die Influenza Impfung suggerieren, sehen andere - so wie jetzt wieder im Journal Lancet - keinen Effekt. Immer mehr Experten fordern deshalb eine randomisierte kontrollierte Studie, um das Rätsel endlich zu klären.</p><p>Der finanzielle Aufwand, der von öffentlicher und privater Seite zur Influenza-Vorsorge betrieben wird, ist beträchtlich. Als erste Risikogruppe gelten die Senioren. Die Zahl der jährlichen Influenza-Todesopfer wird von Experten meist mit 12000 bis 15.000 angegeben, vom Robert Koch Institut aber salopp auch schon mal auf <a href="http://www.zeit.de/online/2005/39/grippe">„bis zu 20.000" </a>aufgerundet. Wer nicht zum Impfdoktor geht, so die implizierte Botschaft, ist entweder lebensmüde oder asozial. Wahrscheinlich aber beides.</p>

<p>Diese enorme Zahl an Todesopfern ist insofern suspekt, weil sie die gesamte Übersterblichkeit in der kalten Jahreszeit umfasst. In den Wintermonaten sterben in Deutschland etwa 20.000 Menschen mehr als im Jahresschnitt. Es ist aber völlig absurd, dass diese Übersterblichkeit ausschließlich durch Grippe verursacht wird.</p>

<p>Wenn es nach den Angaben auf den Todesurkunden geht, sind es je nach Heftigkeit der Grippewelle - gar nur zwischen 100 und 300 Personen pro Jahr. Grippe ist eine meldepflichtige Krankheit. Entweder die Ärzte vertuschen hier also etwas, oder die Grippe ist nicht ganz so brutal, wie das Behörden und Impfpromotoren behaupten. Außer natürlich die Influenza-Todesfälle verbergen sich unter anderen Indikationen.</p>

<p>Auf die vom RKI genannten Zahlen käme man, wenn auch der Großteil der Todesfälle durch Lungenentzündung in Wahrheit von Influenza verursacht würde. <br />
Lungenentzündung ist die häufigste Todesursache im Greisenalter. Die Mehrzahl der Opfer ist älter als 85 Jahre.</p>

<p>Nehmen wir mal an, es wäre so, dass die Grippe hinter diesen Todesfällen steckt. Dann stellt sich folgende wichtige Frage:<br />
Kann die Influenza-Impfung vor Lungenentzündung - einer bekannten Komplikation der Influenza - schützen?</p>

<p>Eine ganze Reihe von Arbeiten hatte diese Frage bislang bejaht. Geimpfte haben demnach ein um 30 bis 50 Prozent niedrigeres Risiko an Lungenentzündung zu erkranken. Der Schutz geht aber weit darüber hinaus.<br />
So haben Grippe-Geimpfte laut einer <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17210878">Arbeit aus dem Vorjahr</a> sogar dann ein um satte 70 Prozent geringeres Sterberisiko, wenn sie trotz Impfung an Lungenentzündung erkranken. Die so genannte "All-cause-mortality", also die Sterblichkeit an allen Ursachen, ist bei Geimpften dramatisch reduziert.</p>

<p>Derartige Ergebnisse werden von Experten wie <a href="http://www.cochrane.org/reviews/de/ab001269.html">Tom Jefferson</a>, Leiter des Vaccine-Field der unabhängigen Cochrane-Collaboration, aber auf die Tatsache zurück geführt, dass sich Menschen mit guter Gesundheit eben häufiger Impfen lassen. „Sonst müsste man nämlich aus derartigen Studien folgern, dass die Grippe Impfung auch noch vor Diabetes, Schlaganfall, Vergiftungen oder Verkehrsunfällen schützt", sagte Jefferson in einem Interview, das ich kürzlich mit ihm geführt habe. „Und das wäre natürlich völlig absurd."</p>

<p>Ob die Grippeimpfung für Menschen mit vergleichbarer Gesundheit einen Vorteil bietet, diese Kernfrage untersuchte nun ein Team vom „Center for Health Studies" in Seattle. Dabei handelt es sich um das Forschungsinstitut einer großen US-Krankenkasse, die Antwort auf die Frage haben wollte, wie viel Behandlungsaufwand für Lungenentzündung sich mit einer gratis verabreichten Grippe-Impfung einsparen lässt. Die Arbeit erschien vergangenen Samstag im Journal „<a href="http://www.thelancet.de/artikel/963536">The Lancet</a>".<br />
1173 Versicherte, die während einer Grippesaison an einer Pneumonie erkrankt waren, wurden mit einer doppelt so großen Kontrollgruppe ohne Pneumonie verglichen. Fälle und Kontrollen wurden in Bezug auf Alter, Geschlecht, Raucherstatus und andere Pneumonie-begünstigenden Faktoren gematcht. Zudem wurde auch noch die Frage untersucht, ob Menschen, die sich impfen lassen, gesünder sind als solche, die nicht zur Grippe-Impfung gehen.</p>

<p>Tatsächlich gab sich hierfür ein starker Hinweis. Geimpfte - so zeigte sich - haben nämlich auch im Zeitraum vor der Grippesaison, also ohne Beteiligung der Influenza-Viren, ein um 40 Prozent niedrigeres Lungenentzündungs-Risiko. </p>

<p>In der Grippezeit selbst unterscheidet sich das Risiko dann allerdings kaum. Geimpfte erkrankten während der Grippewellen bloß um 8 Prozent seltener als Ungeimpfte. Das Konfidenzintervall lag zwischen 0,77 und 1,10 im nicht signifikanten Bereich. Der ohnedies marginale Unterschied könnte also auch zufällig sein.</p>

<p>Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kamen kanadischen Public Health Experten der University of Alberta in Edmonton in einer <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18556629">Publikation</a> vom vergangenen Juni. Auch hier zeigte sich, dass das geringere Sterberisiko Geimpfter mit dem unterschiedlichen Gesundheitszustand der Patienten zusammen hängt und nichts mit der Grippeimfpung zu tun hat. </p>

<p>Die Conclusio der Kanadier lautet demnach:</p>

<blockquote>The 51% reduction in mortality with vaccination initially observed in patients with pneumonia who did not have influenza was most likely a result of confounding. Previous observational studies may have over-estimated mortality benefits of influenza vaccination.</blockquote>

<p>Experten wie Tom Jefferson fordern seit langem vehement eine unabhängig finanzierte, randomisierte placebokontrollierte Studie, die den Effekt der Influenza-Impfung bei Älteren objektiv misst. „Damit würden endlich auch die Nebenwirkungen der Impfung erfasst, die umso mehr ins Gewicht fallen, je geringer die Schutzwirkung ist."</p>

<p>Auch Michael Jackson, der Hauptautor der Lancet Arbeit sieht laut <a href="http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33252">Deutschem Ärzteblatt</a> die Zeit für ein solches Vorhaben gekommen, „weil die Verunsicherung über den tatsächlichen Wert der Grippe-Impfung wohl nur durch eine randomisierte klinische Studie behoben werden könnte."</p>

<p>Bleibt nur noch die Frage, wer sich dieses heißen Eisens, das wohl weltweit mit großem Interesse  verfolgt würde, annimmt? <br />
Etwa gar die deutschen Kassen, das IQWiG? Man wird sehen.<br />
</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/2008/08/wert-der-grippeimpfung-fur-altere-bleibt-ein-ratsel.php</link>
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            <pubDate>Thu, 07 Aug 2008 14:21:36 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Chemische Kastration ist keine gute Option bei lokalisiertem Prostatakrebs</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ärzte, die Hormonpräparate verschreiben, um damit die Tumore vorsorglich am Wachstum zu hindern, tun ihren Patienten keinen Gefallen, ergab nun eine große Studie. Es zeigte sich kein Überlebensvorteil, dafür jede Menge Nebenwirkungen. </p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="prostatakrebs.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/prostatakrebs.jpg" width="200" height="169" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span><br />
Prostatakrebszellen wachsen meist schneller, wenn sie mit männlichen Sexualhormonen versorgt werden. Bei aggressiv fortschreitendem Tumorwachstum ist die antihormonelle Therapie deshalb eine wirksame Maßnahme, die den Patienten - meist in Kombination mit Bestrahlung und Chirurgie - deutliche Überlebensvorteile bringt. </p>

<p><br />
Aus dieser Beobachtung entstammte die Hoffnung, dass eine antihormonelle Therapie auch bei „schlafenden" gut lokalisierten Tumoren Nutzen bringen könnte.  Etwa 85 Prozent der Tumoren werden in diesem Stadium diagnostiziert.<br />
Die wissenschaftlichen Meinungen zur Anti-Androgen-Therapie waren bislang geteilt. Ist die chemische Kastration, die mit einer Neutralisierung der männlichen Geschlechtshormone einher geht, doch ein nebenwirkungsreicher Eingriff, der die Lebensqualität der betroffenen Patienten stark beeinträchtigt. <br />
Zudem ist der Altersschnitt der betroffenen Männer meist sehr hoch. Je älter die Patienten, desto unwahrscheinlicher wird das Risiko, dass ein Fortschreiten des Tumors noch zu Lebzeiten relevant würde. </p>

<p>Dennoch zeigten einige Arbeiten deutliche Vorteile für die vorsorgliche Hormontherapie. Und so wurde die Maßnahme - neben dem so genannten „watchful waiting" (regelmäßige Überwachung des Tumors) - in der therapeutischen Praxis häufig angewandt und von Experten heftig empfohlen..   </p>

<p>Die Hamburger <a href="http://www.promann-hamburg.de/">Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe ProMann</a> bietet dazu als <a href="http://www.promann-hamburg.de/Texte/Labrie_deutsch.pdf">Download (PDF)</a> beispielsweise eine Publikation des kanadischen Krebsexperten Fernand Labrie an, der den bisherigen Wissensstand zur Hormontherapie so zusammen fast:</p>

<blockquote>Obwohl in der Behandlung des fortgeschrittenen
Prostatakrebs bedeutende Fortschritte erzielt
worden sind, bleibt es unbestritten, dass
einzig die Therapie des lokalisierten Prostatakrebs
einen wesentlichen Einfluss auf die Überlebenszeit
mit sich bringt. In den letzten
Jahren haben sechs prospektiv-randomisierte
Studien einen wesentlichen Vorteil der Androgenblockade
bei lokalisiertem Prostatakrebs im
Hinblick auf die Überlebenszeit gezeigt. Werden die auf Prostatakrebs
zurückzuführenden Todesfälle im 5-Jahres-
Verlauf nach Beginn der Therapie verfolgt, so
zeigt sich in den verschiedenen Studien eine
Reduktion der Todesfälle zwischen 37 % und
81 %, was auf dem Gebiet der Krebserkrankungen
ein bemerkenswertes Resultat darstellt.
Die erste publizierte Studie, jene von
Bolla et al. im Jahr 1997, weist eine Reduktion
der prostatakrebsbedingten Todesfälle
um 77 % aus.</blockquote>

<p>Labrie zählt noch weitere sensationell klingende Erfolge auf. So scheint seine weitere Empfehlung nur logisch:<br />
<blockquote>Wenn mit der Therapieeinleitung<br />
bis zum Auftreten von Knochenmetastasen<br />
gewartet wird, hat das zur Folge, dass es für<br />
eine angestrebte Heilung zu spät geworden ist<br />
und dass einzig die Hoffnung bleibt, das Leben<br />
um einige Monate zu verlängern, was alles<br />
andere als befriedigend ist. Realistischerweise<br />
muss beim heutigen Wissensstand davon ausgegangen<br />
werden, dass die verfügbaren Hormontherapien<br />
eindrückliche Resultate hinsichtlich<br />
der Überlebensdauer möglich machen und<br />
dass in der Mehrheit der Fälle, die im klinisch<br />
lokalisierten Stadium diagnostiziert und behandelt<br />
werden, sogar eine Heilung möglich<br />
ist.</blockquote></p>

<p>In der heutigen Ausgabe des Journals der US-Ärztegesellschaft JAMA erschien nun eine umfangreiche <a href="http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/300/2/173?etoc">Arbeit</a>, die diese Angaben als völlig realitätsfern ausweist.</p>

<p>In der in New Jersey durchgeführten Kohortenstudie wurden fast 20.000 Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom erfasst. Das durchschnittliche Alter lag bei 77 Jahren. 41 Prozent der Patienten erhielten eine vorsorgliche antihormonelle Therapie, der Rest eine konventionelle Therapie, die zumeist „watchful waiting", seltener auch Chirurgie oder Bestrahlung  umfasste.</p>

<p>Aus vielen Arbeiten weiß man, dass die Therapie des Zuwartens - mit den häufigen Kontrollterminen beim Urologen - von den meisten betroffenen Männern als sehr belastend empfunden wird. Viele ziehen, um das Krebsgespenst los zu werden, deshalb einen chirurgischen Eingriff vor. Doch hier besteht wiederum ein hohes Risiko von Folgeschäden wie Inkontinenz und Impotenz.</p>

<p>Die Hormontherapie galt deshalb vielfach als sichere und halbwegs sanfte Alternative. In den USA boomten diese Medikamente in der Folge und stellten mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar pro Jahr den zweit größen Ausgabeposten der Krankenkassen.</p>

<p>Völlig unnütz, wie die aktuelle Studie zeigt. Denn in der Hormongruppe war die Sterblichkeit an Prostatakrebs sogar um statistisch signifikante 17 Prozent höher. Die allgemeine Sterblichkeit unterschied sich nicht.</p>

<p>„Ich hoffe, dass diese Studie Auswirkungen auf die klinische Praxis hat und nun weniger Männer diese primäre Hormontherapie erhalten", erklärte der Strahlentherapeut Howard M. Sandler als Sprecher der US-Gesellschaft für klinische Onkologie gegenüber der <a href="http://www.latimes.com/features/health/la-sci-prostate9-2008jul09,0,4425615.story">LA-Times</a>.<br />
</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Hormontherapie</category>
            
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            <pubDate>Wed, 09 Jul 2008 13:08:20 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Zahlreiche Todesfälle in Studie mit neuem Vogelgrippe Impfstoff</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Für ein Honorar von umgerechnet 2 Euro nahmen 350 Obdachlose im Vorjahr an einer Studie zu einem experimentellen Vogelgrippe-Impfstoff in Polen teil. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA fand bei der Inspektion vor Ort starke Qualitätsmängel. Angeblich gab es zahlreiche Todesfälle. Der Hersteller des Impfstoffes, Novartis, zog nun seinen Zulassungsantrag bei der EMEA zurück. </p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="flu-shot.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/flu-shot.jpg" width="256" height="244" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 20px 20px;" /></span>Noch vor einem Jahr hatte der Schweizer Novartis Konzern seinen neuen präpandemischen Vogelgrippe-Impfstoff Aflunov auf gutem Weg gesehen, 2008 die EMEA-Zulassung zu erhalten. Der Impfstoff sollte, so  Michael Pfleiderer, Experte des Paul Ehrlich Institutes „<a href="http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2754">quasi ab sofort eingesetzt werden, sobald die ersten toten Vögel vom Himmel fallen</a>." <br />
Verabreicht würde die Impfung zunächst jenen, die diese Vögel einsammeln. In weiterer Folge kämen aber auch Regierungen, Firmen oder die Allgemeinbevölkerung als Kunden in Betracht. Novartis freute sich in seinem Strategiepapier (<a href="http://www.novartis.ch/downloads/investors/events/broker-conferences/2007_09_Novartis_for_BS.pdf">PDF</a>) bereits über Vorbestellungen im Umfang von 228 Mio. US$.</p>

<p>Völlig überraschend teilte die EMEA jedoch am 16. Juni mit, dass Novartis den diesbezüglichen Antrag zurück gezogen hat. Novartis bestätigte den Rückzug und gab als Grund dafür an, dass das „Committee for Medicinal Products for Human Use" (CHMP)  der EMEA zusätzliche klinische Daten angefordert habe. Die Daten hätten aber nicht innerhalb der gesetzten Frist geliefert werden können.</p>

<p>Heute Abend kam dazu vom CHMP eine detailliertere Begründung. Und die besagt <a href="http://www.emea.europa.eu/humandocs/Humans/EPAR/aflunov/aflunovW.htm">folgendes</a>:<br />
<blockquote>The CHMP was concerned over the way the main clinical study was carried out. An inspection of some of the study sites showed that the study had not been conducted in compliance with 'good clinical practice' (GCP). <strong>Consequently, the study results could not be considered reliable and could not be used for the evaluation of the vaccine. </strong>As a result, the size of the clinical database for the assessment of the vaccine's safety was not sufficient to fulfil the requirements of the EMEA's guidelines on prepandemic vaccines. <br />
Therefore, at the time of the withdrawal, the CHMP could not conclude on the benefit-risk balance of Aflunov. </blockquote></p>

<p>Im <a href="http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00434733">Registrierungsformular </a> dieser Studie wird als Studienzentrum das „Centrum Bada Farmakologii Klinicznej monipol" in Krakau angegeben. Insgesamt sollten 4.400 Studienteilnehmer aufgenommen werden. </p>

<p>Ein Teil der Studie, wurde laut polnischen Medien mit Teilnehmern eines Obdachlosen-Zentrums in der Stadt Grudziadz durchgeführt, wie der Warschau-Korrespondent des britischen <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/poland/2235676/Homeless-people-die-after-bird-flu-vaccine-trial-in-Poland.html?service=print">Telegraph</a>  berichtet.<br />
Insgesamt seien 350 Obdachlose für ein Honorar von rund 2 Euro in die Studie aufgenommen worden. Angeblich unter der Vorspielung, dass es sich um eine ganz normale Grippe-Impfung handle. Dass es sich hingegen um ein noch nicht zugelassenes Arzneimittel gegen H5N1 Viren handle, sei verschwiegen worden.</p>

<p>Der Direktor des Obdachlosen-Zentrums Mieczyslaw Waclawski wird in den polnischen Medien mit der Aussage zitiert, dass im vergangenen Jahr als die Studie lief 21 Bewohner seines Zentrums gestorben seien. In normalen Jahren seien es im Schnitt hingegen nur acht.</p>

<p>Die Gesundheitsbehörden leiteten gegen drei an der Studie beteiligte Ärzte und sechs Krankenschwestern Gerichtsverfahren ein. Dass die Todesfälle unmittelbare Folge der Impfstoff-Versuche sind, ist bislang nicht erwiesen. Laut der polnischen Gesundheitsministerin Ewa Kopacz, sei derzeit jedoch nicht daran gedacht, das über die beschuldigten Ärzte und Schwestern verhängte Berufsverbot aufzuheben. "Es ist im Interesse aller Ärzte, dass jene, die hierfür verantwortlich sind, bestraft werden", betonte Kopacz.<br />
Was genau den Beschuldigten vorgeworfen wird und ob Novartis von diesen Vorgängen Kenntnis hatte, scheint derzeit nicht bekannt.<br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Thu, 03 Jul 2008 17:04:37 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>EPO-Doping in Krebs-Therapie lässt Tumore wachsen</title>
            <description><![CDATA[
     <p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="blutspritzer.gif" src="http://www.scienceblogs.de/lob-der-krankheit/blutspritzer.gif" width="230" height="172" class="mt-image-none" style="" /></span></p>

<p>Nach den Epo-Dopingaffären im Sport kommt der Biotech-Bestseller zur Therapie von Blutarmut auch in der Medizin heftig unter Beschuss. Nachdem Studie um Studie ein höheres Krebsrisiko bestätigt, sieht sich nun auch die verschlafene EMEA zu einer Warnung veranlasst.<br />
</p><p>Bereits im Mai 2007 kam von der US-Behörde FDA eine „Black-Box"-Warnung. Mit mehr als einem Jahr Verspätung zog nun auch die Europäische Arzneimittelagentur EMEA nach. <br />
 <br />
<blockquote>The Agency's Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) had reviewed new data from studies that showed an increased risk of tumour progression, venous thromboembolism and shorter overall survival in cancer patients who received epoetins compared to patients who did not receive them. Following this review, the CHMP concluded, at its June 2008 meeting, that the benefits of epoetins continue to outweigh their risks in the approved indications.<br />
However, in cancer patients with a reasonably long life-expectancy, the benefit of using epoetins does not outweigh the risk of tumour progression and shorter overall survival and therefore the Committee concluded that in these patients anaemia should be corrected with blood transfusions.</blockquote></p>

<p><a href="http://emea.europa.eu/pdfs/human/press/pr/33396308en.pdf">Hier</a> gibt es den Download der aktuellen EMEA-Mitteilung.</p>

<p>Tatsächlich rollt bereits seit einigen Jahren eine regelrechte Lawine von Studien, die mit wenigen Ausnahmen nur Hiobsbotschaften brachte: <br />
• November 2006: Im New England Journal of Medicine erscheinen zwei große Studien mit Nierenkranken, die unter Blutarmut leiden. Patienten, bei denen mit Hilfe von Epo höhere Ziel-Blutwerte angestrebt wurden, hatten in der Folge ein signifikant höheres Risiko für schwere Herz-Kreislauf Komplikationen  <br />
• Dezember 2006: Eine dänische Studie unter Patienten mit Kopf- und Halstumoren muss abgebrochen werden, weil in der Epo-Gruppe das Tumorwachstum stark zunahm und die Sterblichkeit anstieg.<br />
• Diese Arbeit war die Wiederholung und Bestätigung einer Studie des deutschen Krebsmediziners Michael Henke (siehe dazu mein <a href="http://med.blogger.de/stories/1030210/">Interview</a>), der bereits 2003 gezeigt hatte, dass Epo das Risiko eines fortschreitenden Tumorwachstums um 69 Prozent, das Sterberisiko um 39 Prozent erhöht. <br />
• Januar 2007: Die Resultate einer Studie mit 989 anämischen Krebspatienten, die keine Chemotherapie bekamen, zeigen in der Epo-Gruppe keine Verringerung des Bedarfs an Bluttransfusionen, dafür eine um 25 Prozent höhere Sterblichkeit<br />
• Februar 2007: Bei 681 Patienten mit Wirbelsäulenoperationen wird  in der Epo-Gruppe eine doppelt so hohe Zahl von Venenthrombosen beobachtet<br />
• Im selben Monat werden der FDA Ergebnisse einer Studie an Lungenkrebspatienten gemeldet. Daran sollten ursprünglich 300 Patienten teilnehmen um zu testen, ob Epo die Lebensqualität verbessert. Bereits nach Einschluss von 70 Patienten wird die Studie jedoch abgebrochen, weil die Patienten in der Placebogruppe im Schnitt 131 Tage, jene in der Epo-Gruppe nur 68 Tage überlebten.</p>

<p>Sowohl für die Krebsmediziner als auch für die Nierenspezialisten kamen diese Ergebnisse völlig unerwartet. „Wir wollten die Natur nachahmen, weil wir wissen, dass Menschen mit normalen Blutwerten länger leben", erklärt mir dazu Heinz Ludwig, Präsident der europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie. Scheinbar gilt das nicht uneingeschränkt für Krebspatienten. „Nun müssen wir uns wohl vom Traum verabschieden, dass wir mit Epo eine Lebensverlängerung erzielen." </p>

<p>Bei Nierenpatienten bleibt der Nutzen der Therapie hingegen unbestritten.</p>

<p>Noch in den Achziger Jahren waren die Aussichten für Patienten mit chronischer Nierenschwäche katastrophal. Der fortschreitende Organschaden führte dazu, dass die Produktion des vor allem in den Nieren gebildeten Wachstumshormons Erythropoetin (Epo) immer mehr zum Erliegen kam. Ohne Epo können die roten Blutkörperchen nicht ausreifen. Damit verschlechtert sich die Versorgung des Organismus mit Sauerstoff rapide. Der Anteil der roten Blutkörperchen, der so genannte Hb-Wert, sank von einem Normalwert von 14 g/dl Blut rasch unter 10 g/dl ab. Die Patienten fühlten sich elend und hatten oft nicht mehr die Kraft, vom Bett aufzustehen. <br />
Einzige Therapie war die Gabe von Blutkonserven, die erst bei massivster Anämie bei einem Hb-Grenzwert von 6 g/dl gestartet wurde. Fremdblut ist an sich schon ein Risiko. Dazu litten die Patienten an Eisenüberladung und bauten Antikörper gegen Fremdeiweiss auf. Spendernieren wurden in der Folge häufig abgestoßen. Als 1989 das erste biotechnologisch hergestellte Epo auf den Markt kam, war das eine wirkliche Revolution. Die Patienten verloren die bedrückende Müdigkeit und konnten wieder ein weitgehend normales Leben führen.</p>

<p>Der Bedarf nach einem derartigen Wundermittel war natürlich enorm. Und parallel zum raketenartig steigenden Absatz stieg die Herstellerfirma Amgen aus dem kalifornischen Thousand Oaks zum Superstar der jungen Biotech-Unternehmen auf. In den Anfangsjahren war der Einsatz des Mittels auf die Behandlung der Blutarmut bei Dialyse-Patienten beschränkt. Bald war es auch für Nierenkranke im Vorstandium der Dialyse zugelassen. Da sich die Chemotherapie bei Krebspatienten negativ auf die Blutbildung auswirkt, wurde ein weiterer attraktiver Absatzmarkt gefunden. Und schließlich überlegten die Mediziner, ob Epo-Produkte nicht auch vorbeugend zum absehbaren Abfall der Blutwerte - auch bei Krebspatienten ohne Chemotherapie nutzbringend wäre. Der Wiener Onkologe Heinz Ludwig wurde schließlich zu einem der Verfechter der These, Epo generell zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten einzusetzen.  In einer europaweiten Studie zeigte er, dass zwei Drittel aller Krebspatienten zumindest einmal im Lauf ihrer Therapie anämisch waren.<br />
Diese neu definierte Blutarmut hatte nun aber nichts mehr mit den historischen Tiefstwerten zu tun, die einst bei Nierenkranken die Gabe von Blutkonserven notwendig machte. In Ludwigs Analyse galt beispielsweise bereits als anämisch, wenn der Anteil der roten Blutköperchen auf Werte unter 12 g/dl fiel. Anstelle der konkreten Diagnose einer Anämie wurde diese also auf Grund der Laborwerte definiert. </p>

<p>Dieses Konzept, das von der Industrie immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Werbung gerückt wurde, kurbelte den Epo-Verbrauch neuerlich an. Denn nun wurde die Therapie im Regelfall dann eingeleitet, wenn der Hb-Wert unter eine bestimmte Grenze abfiel. „Es ist dem gegenüber viel aufwändiger, den Patienten zu befragen, wie es mit seiner Leistungsfähigkeit steht, ob die Belastbarkeit abgenommen hat, oder ob Atemnot oder sonstige konkrete Beschwerden der Anämie bestehen", erklärt der Freiburger Radioonkologe Michael Henke. „Da ist es viel einfacher, den Patienten ins Labor zu schicken, ich guck mir den Wert an und geb die Epo-Spritze, das war von den Firmen gut eingefädelt." <br />
Gleichzeitig wurden von den verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften immer höhere Zielwerte in der Therapie angepeilt. Wenn die Blutwerte der Patienten annähernd im Normalbereich der Gesunden wären, so die Theorie, könnte ihnen das ja kaum schaden.</p>

<p>Was sich nun immer mehr als Trugschluss herausstellt, wirkte auf den Absatz der Epo-Präparate jedenfalls wie ein Turbo. Die Dosierungen wurden erhöht, die Einsatzgebiete stetig erweitert. In den USA erhalten Dialyse-Patienten heute die dreifache Dosis wie zu Beginn der 90er Jahre. Und während die Marktsättigung bei Nierenpatienten schon beinahe am Plafond ist, schwärmten Marktanalysten vom weiten Feld der Krebstherapie als neuem riesigen Hoffnungsmarkt. Hier prognostizierten Experten der Deutschen Bank noch vor kurzem eine Verdoppelung des Umsatzes bis 2012. </p>

<p>Derzeit halten die drei marktbeherrschenden Firmen Amgen, Johnson & Johnson sowie Roche bei einem weltweiten Volumen von rund zehn Milliarden Euro.<br />
Österreich gehört laut einer Analyse des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment zu den Meistverbrauchern in Europa und liegt in Relation um 20 Prozent über den Verbrauchswerten Deutschlands. Die durchschnittlichen Aufwändungen pro Patient und Jahr kletterten zuletzt auf rund 2.400 Euro. </p>

<p>In den USA, wo Epo-Produkte im Ausgabenkatalog der staatlichen „Medicare" den ersten Rang einnehmen, haben die Kassen mittlerweile schon die Konsequenzen aus den Warnungen der Behörde gezogen. Zu hohe Zielwerte in der Therapie wurden herabgesetzt, strengere Kontrollen angekündigt. Dass dies durchaus nötig ist, zeigten einige Vorfälle, wo Ärzte und Dialysezentren regelrechte Provisionen von den Firmen bekamen, wenn sie für Epo-Rekordumsätze sorgten. Auch die in den USA übliche Werbung für Epo-Produkte im TV wird nun einer strikten Kontrolle unterzogen, die Firmen konkret vor weiterem aggressivem Marketing im Kampf um Ärzte und Patienten gewarnt.</p>

<p>Einig sind sich die meisten Experten darin, dass es nun nicht mehr möglich ist, einfach zum Status Quo vor den schief gegangenen Studien zurückzukehren. „Es muss nun ein für alle mal geklärt werden, ob Epo-Produkte das Tumorwachstum fördern", forderte der US-Krebsmediziner Fadlo Khuri im Juni 2007 in einem Leitartikel des New England Journal of Medicine. Bleibt die Frage, wer die teuren Studien bezahlt. Die Hersteller zeigen bislang wenig Begeisterung. „Doch wir brauchen eindeutig mehr Daten, die zeigen, dass die Vorteile überwiegen", sagt Ludwig, „und das müssen schon die Firmen finanzieren, damit die Zulassung aufrecht bleibt."</p>
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            <pubDate>Fri, 27 Jun 2008 11:35:44 +0100</pubDate>
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