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        <title>ScienceBlogs</title>
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        <copyright>Copyright 2009</copyright>
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<title>Wissenschaftsstrukturen im Wahlkampf [[sic]]</title>
<description><![CDATA[Ein vorwahlkampfsgeprägter Rundumschlag zur Forschungspolitik in Deutschland, erschienen in <a href="http://www.tagesspiegel.de/wissen/wissenschaftssystem-helmholtz-stellt-die-machtfrage/7085058.html"><em>Tagesspiegel</em></a> und auf <a href="http://www.zeit.de/studium/2012-09/helmholtz-gemeinschaft-forschung-wissenschaft"><em>ZEIT Online</em></a> ‒ <strong>Max-Planck </strong>wolle das Promotionsrecht, <strong>Leibniz </strong>träume von Forschungsfakultäten, die <strong>DFG </strong>fürchte um ihre Pfründe und stilisiere sich zum Retter der Unis, <strong>EFI </strong>fordere gar eine grundlegende Reform der Forschungsförderung in Deutschland, <strong>Schavan </strong>zimmere weiter an ihrer Grundgesetzänderung, und <strong>Helmholtz </strong>ziehe den Zorn aller wegen angeblicher Allmachtsphantasien auf sich...  ;-)<br />
 <br />
Zumindest wird es wohl tatsächlich ein spannender Wahlkampf ‒ endlich auch einmal in punkto Wissenschaft und Innovation. <br /><a href="http://www.scienceblogs.de/sic/2012/09/wissenschaftsstrukturen-im-wahlkampf.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Tue, 04 Sep 12 11:37:50 -0400</pubDate>
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<title>In eigener Sache: ScienceBlogs baut um [Geograffitico]</title>
<description><![CDATA[<img alt="200px-Zeichen_123.svg.png" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/200px-Zeichen_123.svg.png" width="200" height="176" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 10px;" />Jeder braucht mal "Tapetenwechsel". Auch (oder gerade) die deutschen Scienceblogs - unsere bisherige Blog-Software <em>Movable Type </em> hat sich auf Dauer als nicht unbedingt ideal entpuppt; und nach dem jüngsten <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/06/technische-probleme-bei-scienceblogs.php">Update</a>, der (leider) zwangsweise durchgeführt wurde, funktioniert vieles auf der Homepage und in den einzelnen Blogs nicht mehr. Ab jetzt soll das alles besser werden: Am Dienstag werden die ScienceBlogs.de auf <a href="http://de.wordpress.org/">WordPress</a> als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Content-Management-System">Content-Management-System</a> umrüsten; es wird hier daher für ein paar Stunden kein "normaler" Betrieb auf unseren Seiten herrschen. Und wie bei allen Umbauarbeiten kann es dabei zu kleinen (hoffentlich!) Störungen kommen. Wir bitten daher alle unsere Leserinnen und Leser um Geduld, falls in den ersten Stunden und (hoffentlich nicht!) Tagen mal etwas nicht funktioniert. Doch unabhängig vom Design, werden die ScienceBloggerinnen und -Blogger sich auch unverändert darum bemühen, Ihr Bestes an Wissenschaftskommunikation zu bieten. Ganz wie gehabt.<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/09/in-eigener-sache-scienceblogs-baut-um.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Mon, 03 Sep 12 23:43:20 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Bemannte (und unbemannte) Raumfahrt - eine Zeit- und Gelderschwendung? [Frischer Wind]</title>
<description><![CDATA[Im Fahrwasser der überaus erfolgreichen <a href="http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2012/08/curiosity-ist-gelandet.php">Marsmission Curiosity</a> (von der es auf den Scilogs gerade <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/fischblog/technik/2012-08-24/noch-mehr-curiosity-der-landeanflug-hochaufgel-st">zwei großartige Videos</a> zu sehen gibt) wurde in der Presse wieder mal die Debatte "Ist Raumfahrt nicht Geldverschwendung?" <a href="http://www.rp-online.de/wissen/weltraum/curiosity-zweifel-an-der-mars-mission-1.2961622">aufgewärmt</a>. Zu diesem Thema bin ich über ein schönes Zitat aus dem Jahr 1997 gestolpert, welches ich euch nicht vorenthalten möchte.Wie sich die auf den ersten Blick sehr hohen Kosten der Curiosity-Mission darstellen, wenn man sie ins Verhältnis zu anderen Ausgaben setzt, hat Florian ja neulich schon <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/wissenschaft-vs-sport-uber-scheinbare-geldverschwendung-und-dinge-die-wirklich-viel-kosten.php">sehr schön aufgezeigt</a>. Der Umstand, dass allein die Mehrkosten, die aufgrund der Fehlplanungen beim neuen Berliner Groflughafen noch auf uns Steuerzahler zukommen werden, bereits für eine halbe Marsmission <a href="http://www.spiegel.de/reise/aktuell/flughafen-berlin-brandenburg-duerfte-eine-milliarde-euro-teurer-werden-a-840428.html">gereicht hätten</a>, sei an dieser Stelle dennoch ergänzend erwähnt.<br />
<br />
Nun kommt im Rahmen dieser Kostendebatte immer wieder das Argument zum Tragen, im Grunde sei man ja mit unbemannten Missionen schon ziemlich gut bedient und könne daher zumindest auf die noch kostspieligere, bemannte Raumfahrt verzichten. Auch hier auf den ScienceBlogs haben wir dieses Thema schon <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/07/ist-bemannte-raumfahrt-geldverschwendung.php">mehrfach diskutiert</a> - und dabei festgestellt, dass viel für den Einsatz autonomer Sonden spricht, um vor allem die Bereiche unseres Sonnensystems zu erkunden, in die Menschen in naher Zukunft nicht gelangen können. Benötigen wir denn aber angesichts so erfolgreicher robotischer Missionen wie Curiosity überhaupt noch die bemannte Raumfahrt?<br />
<br />
<a href="http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/assets_c/2012/08/vonPuttkammer-32441.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/assets_c/2012/08/vonPuttkammer-32441.php','popup','width=898,height=595,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/assets_c/2012/08/vonPuttkammer-thumb-512x339-32441.jpg" width="512" height="339" alt="vonPuttkammer.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><br />
<br />
<em><div style="text-align: center;">Jesco Freiherr von Puttkamer (Foto: Michael Schilling; Quelle: <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Jesco-von-puttkamer.jpg">Wikipedia</a>)</div></em><br />
<br />
Erst neulich fiel mir zu eben dieser Frage wieder ein Buch in die Hände, das ich vor etlichen Jahren antiquarisch erstanden und fast schon wieder vergessen hatte: "Der Mars - Chance und Schicksal der Menschheit", verfasst im Jahr 1997 durch den ja auch hierzulande sehr bekannten deutschstämmigen NASA-Projektleiter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jesco_von_Puttkamer_(NASA)">Jesco von Puttkamer</a>. Darin findet sich dieses auch nach 15 Jahren noch hochaktuelle Zitat zur nun wieder aufgeflammten Debatte um den Nutzen der bemannten Raumfahrt bzw. der Raumfahrt an sich:<br />
<br />
<blockquote>Mancher hierzulande sieht Raumfahrt als bloße Hochtechnologie im Wettstreit mit anderen Hochtechnologien, andere erachten sie as reines Prestigeunternehmen und sogar als fixe Idee von Phantasten und daher als frivole Verschwendung. Dagegen steht die hier vertretene Ansicht, dass der bemannte Raumflug in Wirklichkeit ein kultureller Wachstumsprozeß ist, der als techo-utilitärer Vorreiter von großem Wissens- und  Wirtschaftspotential wirkt. Auf längere Sicht liefert er darüber hinaus der ihn unternehmenden Volksgemeinschaft durch seine Abenteuer- und Explorationsethik neue Wachstumsanstöße zu einem Begriffs- und Bewußtseinswandel, dessen humanistische Potentiale allein schon den menschlichen Schritt ins All sinn- voll machen: Dadurch, daß er der Frage nach dem Warum allen Seins und unserer Existenz neue Dimensionen und tiefere Bedeutung verleihen kann.<br />
<br><br><br />
Geht man davon aus, daß unser ultimatives Ziel die ständige Bewohnung und Nutzung des Sonnensystems sein wird, so bildet die menschliche Anwesenheit auf anderen Planeten definitionsgemäß einen integralen Teil davon. Wie die Mondlandungen gezeigt haben, können Menschen vor Ort viel gezielter nach Erkenntnissen forschen als Automaten, und seien diese noch so aufwändig konzipiert. Bemannte Missionen sind deshalb ein wesentliches zukünftiges Element der Planetenforschung, wo immer der Mensch Zugang hat, wie auf dem Mars. Ein Forschungsprogramm ohne menschliche Präsenz bliebe fehlerhaft und unvollständig: intellektuell, technisch und emotional weniger herausfordernd und damit weniger befriedigend und gewinnbringend. Wir müßten auf Erfahrungen verzichten, die uns bestimmt sind, wie ich meine, und ohne die dem Menschengeschlecht letzten Endes Stagnation und Untergang in einer Sackgasse drohen könnten. Kurz und vorausschickend gesagt: Wir werden Menschen dorthin entsenden, weil wir leben und Menschen sind; mit der Aussendung von Robotern wird man sich niemals zufrieden geben, schlichtweg deshalb, weil wir keine sind.<br />
<br><br><br />
<em>- Seite 306/309, 1997 in: Jesco von Puttkamer: Jahrtausendprojekt Mars - Chance und Schicksal der Menschheit</em></blockquote><br />
<br />
In dieser Aussage möchte ich im Grunde jeden Satz unterstreichen: Raumfahrt ist allein deshalb schon weder Zeit- noch Geldverschwendung, da der Aufbruch in den Weltraum für die Menschheit insgesamt langfristig  die einzig sinnvolle Überlebensstrategie darstellt. Und da wir uns als Menschen schon emotional nie allein mit der Entsendung von Maschinen - egal wie großartig die Impressionen auch sein mögen, die wir auf diesem Wege noch gewinnen - zufriedengeben können, werden wir über kurz oder lang selbst Fuß auf  den Mars setzen (und hoffentlich auch zum Mond zurückkehren). Wer sich mit von Puttkamers Gedanken zur Bedeutung der bemannten Raumfahrt sowie zu möglichen Marsmissionen näher befassen will, findet im Account der NASA bei youTube auch noch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_xUlhaFKjsE&feature=player_embedded">diesen empfehlenswerten Vortrag</a>:<br />
<br />
<iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/_xUlhaFKjsE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe><br />
<br />
Die Lektüre von "Mars - Chance und Schicksal der Menschheit" lohnt sich übrigens nicht nur wegen seiner philosophischen Überlegungen zum Sinn und Zweck der Raumfahrt, sondern auch wegen seiner lebendigen Darstellung der Geschichte der Marsforschung (man denke nur an die <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/07/aus-den-astronomischen-archiven-die-marskanale.php">Kontroverse um die vermuteten Marskanäle</a>) sowie der Rolle des Mars in der irdischen Fiktion - von H.G. Wells <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_der_Welten">"Krieg der Welten"</a> über die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Prinzessin_vom_Mars">Mars-Romane</a> von Edgar Rice Burroghs bis hin zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Mars-Chroniken">Mars-Chroniken</a> von Ray Bradbury...<br />
<br />
<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/e7fbe8a4529d4bf68498c8d7cfd18b45" width="1" height="1" alt=""><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2012/08/bemannte-und-unbemannte-raumfahrt---eine-zeit--und-gelderschwendung.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 24 Aug 12 17:33:33 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Sind Computerspiele gefährlich? [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Während meiner <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/auszeit.php">Auszeit</a> erscheinen hier einige Gastbeiträge von anderen Bloggern.<br />
<br />
Der heutige Artikel stammt von <a href="http://lastknightnik.wordpress.com/">Dominik Hintze</a>.<hr><strong>Im journalistischen Alltag dieser Republik gibt es ein Phänomen, dessen Zweck und Daseinsbestimmung darin besteht, moderne Medien mit Gewalt in Verbindung zu bringen. So sollen Computerspiele Jugendliche gewalttätig machen und zu irrsinnigen Taten anstiften. Das ist etwas ganz neues, bestimmt.</strong><br />
<br />
Nur - ich glaube das nicht. In der Geschichte hat es immer wieder den gleichen Vorgang gegeben: Ein neues Medium entsteht und wird erfolgreich - und schon deutete der Konservative es als Bedrohung für alles "was gut und richtig ist" - womit er meint, für alles was er kennt. Glauben Sie nicht?<br />
<br />
<strong>Das finstere Theater, der böswillige Fußball</strong><br />
<br />
Im Jahr 2002 kramte der spätere PDS und WASG - Politiker Helge Meves für <a title="Meves Artikel" href="http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/download.cgi?artikelnr=12973&amp;pfad=/tp/r4/artikel/12/12973" target="_blank">diesen Artikel</a> einen Text von Philipp Stubbe heraus, und zwar "<a title="Stubbes Text" href="http://www.archive.org/stream/phillipstubbessa00stubuoft/phillipstubbessa00stubuoft_djvu.txt" target="_blank">the anatomy of abuses in England</a>", also die "Anatomie der Mißstände in England". Darin wehrt sich der Puritaner Stubbe massiv gegen die aus seiner Sicht geradezu obszönen Formen der Unterhaltung wie beispielsweise das Theater nach William Shakespeare.<br />
<br />
Auch anderes kam nicht gut weg. Die <em>Anatomy of Abuses</em> beschreibt zum Beispiel Fußball so: "<em>Ein teuflicher Zeitvertreib (...) der Neid, Groll und Bosheit wachsen lässt, und manchmal gar zu Streit, Mord, Totschlag und großem Blutverlust führt</em>.". Auch Tanz ist nicht gerade gesund: "<em>Manche haben ihre Beine beim Hüpfen, Springen, Drehen und Kopfschlagen gebrochen (...) Männer und Frauen gemeinsam (...) bei öffentlichen Versammlungen mit grosser Beteiligung, mit so viehischem Geifern, Küssen und schlechtem Betragen (...) jeder Hüpfer oder Sprung im Tanz führt sie der Hölle näher</em>."<br />
<br />
Infolge dieses Denkens wurde 1612 eine spezielle Order erlassen, die ein "<em>Verbot der Gigues am Ende der Stücke aus dem Grunde, dass die unzüchtigen Gigues, Lieder und Tänze (...) es zum Sammelpunkt von Beutelschneidern und anderen übelgesinnten Personen machten und zu Verletzungen des Friedens führten</em>."<br />
<br />
Für das Theater, bei dem es ja bekanntlich auch nur um Unkultur geht, fand Stubbe noch deutlichere Worte:<br />
"<em>Bei ihren geheimen Treffen betreiben sie dann Sodomie und Schlimmeres. Und dies ist die Frucht von Schauspielen und Interludien, zum größten Teil. (...) wenn Du lernen willst zu morden, zu schinden, zu töten, zu klauen, zu stehlen, zu rauben, zu vagabundieren; wenn Du lernen willst, dich gegen Fürsten zu erheben, (...) dann brauchst du in keine andere Schule zu gehen, denn all diese guten Beispiele kannst Du in Interludien und Schauspielen vor deinen Augen ausgemalt sehen</em>."<br />
<br />
Man kann deutlich erkennen, was uns das Theater antut: Es macht uns alle zu Mördern, zu Gotteslästerern und zu Widerstandskämpfern gegen die Obrigkeit. Und sowas wird im Deutschunterricht behandelt!<br />
<br />
<strong>Die brutale Literatur</strong><br />
<br />
Apropos Deutschunterricht: Ganz übel ist ja die Unterhaltungsliteratur. Oder, um es christlich zu formulieren, die Schmutz- und Schundliteratur. Damit gemeint ist die besonders im 19. und 20. Jahrhundert aufkommende Welle von Abenteuer- und Unterhaltungsromanen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts sogar zu erotischer Literatur führten. Nicht, daß es dergleichen nicht vorher auch schon gegeben hätte - Goethes "Werther" zum Beispiel mußte deutlich entschärft werden bevor er auf den Markt kommen durfte, er war an einigen Stellen dann doch zu direkt und deutlich. Nicht nur das - der "<a title="Werther Effekt" href="http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/werther.html" target="_blank">Werther-Effekt</a>" beschreibt ein Phänomen, das Jugendliche durch Literatur angestiftet worden sind, sich umzubringen. Das lesen Jugendliche in der Schule, wissen Sie!<br />
<br />
Literatur hat sogar weitergehende, gefährliche Einflüsse, wie das unten stehende Beispiel sehr schön zeigt:<br />
<br />
<a href="http://lastknightnik.files.wordpress.com/2011/02/schundliteratur-01.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-645" title="Schundliteratur 01" src="http://lastknightnik.files.wordpress.com/2011/02/schundliteratur-01.jpg" alt="" width="500" height="481" /></a>..<br />
<a href="http://lastknightnik.files.wordpress.com/2011/02/schundliteratur-02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-646" title="Schundliteratur 02" src="http://lastknightnik.files.wordpress.com/2011/02/schundliteratur-02.jpg" alt="" width="500" height="385" /></a>"<em>Ein junger Mensch von 17-18 Jahren geht aus meinem Dorfe vor etwa zehn Jahren ins 'Niederland' in Arbeit. Zurückgekehrt macht er seine Kameraden mit einem Buche bekannt, das Aufschluß gibt über die lüsternen Dinge. (...) Einer von diesen jungen Leuten, ein körperlich wie geistig nicht völlig normaler Mensch, arbeitet später als Handwerksgeselle in der Großstadt, sucht hier die Gelegenheit zu dem, wovon er durch das Buch Kenntnis hat - und versinkt im Sumpf des Lasters. Er kommt zurück, teilt den Genossen seine Erlebnisse mit, und da es ihm hier an solchem Umgange fehlt, lockt er keine Kinder zu sich heran und vergeht sich mit ihnen, wie sich später herausstellt in der schwersten Weise. (...)</em>"<br />
<br />
Wie Sie sehen, machen Bücher über 'lüsterne Dinge' Menschen zu Kinderschändern. Welch Fluch das Buch also für die Gesellschaft ist.<br />
<br />
<strong>Das mordende Kino</strong><br />
<br />
Damit aber nicht genug! Denn die Menschen begannen Anfang des 20. Jahrhunderts den "Bildern das Laufen beizubringen" - der Film wurde erfunden und <a title="Erste Pornos" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pornofilm#Erste_erotische_Stummfilme" target="_blank">praktisch im gleichen Atemzug dann auch der Pornofilm</a>. Aber schon die unterhaltende Branche war schlimm. Oftmals zitiert wurde ein Aufsatz von Robert Gaupp (Über die Gefahr des Kinos in: Süddeutsche Monatshefte 9 (1911/ 12), S. 363-366; Nachdruck in Jörg Schweinitz (Hrsg.): Prolog vor dem Film 1992 ) und daraus hat Meves diesem Abschnitt zitiert gehabt: "<em>(...) Die widerliche Spekulation auf die Freude der Menschen am Krassen und Schauerlichen, am Sentimentalen, am sexuell Aufregenden macht sich breit. Von historischen und politischen Ereignissen früherer Zeit bekommen wir namentlich grauenerregende Dinge zu sehen: die Schrecken der Bartholomäusnacht, die Folter der Inquisition, die Grausamkeiten der russischen Justiz. (...) Zerrbilder von Elend und Not, Armut und Krankheit erzeugen quälende Gedanken über die Ungerechtigkeit der Welt, rauben die Achtung vor dem Gesetz und staatlicher Autorität (...) Für noch gefährlicher halte ich die grauenhaften Darstellungen aus dem Verbrecherleben ... auch der Selbstmord wird mit allem nur denkbarem Grauen im Kino vor Augen geführt. Die Zeitungen melden uns erschreckende Vorkommnisse, bei denen jugendliche Personen das im Kino gesehene Verbrechen in der Wirklichkeit nachahmen wollen."</em><br />
<br />
Auch hier folgt wieder der Fall - das Kino macht die jungen Menschen zu Selbstmördern, zu Verrückten, zu gefährlichen Menschen und vor allem zu richtig ungehorsamen Wesen!<br />
<br />
<strong>Das Selbstmörderische Fernsehen</strong><br />
<br />
Derartiges findet sich erst recht beim Fernsehen wieder, der nächsten Stufe der "Vergewaltung der Gesellschaft". Auch das Fernsehen macht uns krank, bringt uns zu Gewalttaten und anhand des Beispiels der Sendung "Der Tod eines Schülers" (eine Arbeit dazu<a title="Werther bis Fernsehen" href="http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/werther_faust.pdf" target="_blank"> findet sich hier</a> auf Seite 6) wird der Nachahmungseffekt exemplarisch deutlich gemacht. Damals stieg die Suizidrate nach einer sechsteiligen Sendung recht brutal in die Höhe, ähnlich wie das durch den Werther geschah. Blieb dort allerdings nicht sondern sank wieder, wenn auch nicht ebenso rasch.<br />
<br />
<strong>Das verstandraubende Rollenspiel</strong><br />
<br />
Aber die Macher unseres Untergangs sind ja noch nicht fertig - sie erfanden Rollenspiele! in den 60er Jahren erfanden zwei Männer namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gary_Gygax">Gary Gygax</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dave_Arneson">Dave Arneson</a> das Pen&amp;Paper Rollenspiel, das in den 70er und 80er Jahren einen Boom erlebte. Rollenspiele, eine frühe Form der interaktiven Geschichte, quasi ein neues Medium des Interaktiven Erzählens beschäftigten viele junge Menschen und fanden sofort wieder Gegner, diesmal wieder aus der christlich-konservativen Ecke. Woher auch sonst?<br />
<br />
1980 brachte sich der gerade einmal 18 Jahre alte Schüler <a title="James Egbert" href="http://en.wikipedia.org/wiki/James_Dallas_Egbert_III" target="_blank">James Dallas Egbert III</a> um - und war selbst ein Rollenspieler. Diesen Fall als Ausgang nehmend - <a title="Spieleschmiedeartikel" href="http://www.texteschmie.de/cms/images/stories/30_jahre_killerspiele.pdf" target="_blank">und dabei auch möglichst die Fakten ignorierend</a> - machte eine recht lautstarke Bewegung auf sich aufmerksam, die das Rollenspiel als Teufelei wider die natürlich Ordnung verstand und die junge Menschen dazu bringe, Menschen für Objekte zu halten und zu töten, sie in den Selbstmord treibe und überhaupt, da treffen sich die jungen Leute und tun - ja, was miteinander?<br />
<br />
Gut, sie spielen, so wie andere Leute sich treffen und Karten spielen. Aber das ist nicht gut, dagegen muß man vorgehen. Zweifelhafte und sicherlich interessante Höhepunkte dieser Bewegung sind der Roman "Mazes and Monsters" von <a title="Rona Jaffe" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rona_Jaffe" target="_blank">Rosa Jaffe</a> und der darauf basierende Film "<a title="Film" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Labyrinth_der_Monster" target="_blank">Labyrinth der Monster</a>" - einem der ersten Filme von <a title="Hanks, Thomas" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Hanks" target="_blank">Tom Hanks</a>.<br />
<br />
Sie haben sicherlich bemerkt, daß die christlichen Bewegungen hier zu "Schundliteratur und Gewalttätigkeitsfilm" gegriffen haben, um ihre Kampagne voranzutreiben. Aber Zwecke heiligen ja bekanntlich Mittel. Die Bewegung "<a title="seufz" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Patricia_Pulling" target="_blank">Bothered About Dungeons</a> And Dragons" definierte ihre Existenz sehr deutlich: "<em>Dungeons &amp; Dragons ist ein Fantasy-Rollenspiel, das Dämonologie, Hexerei, Voodoozauber, Mord, Vergewaltigung, Gotteslästerung, Geisteskrankheit, Suizid, Attentate, sexuelle Perversion, Homosexualität, Prostitution, satanische Rituale, Glücksspiel, Barbarei, Kannibalismus, Sadismus, Schändung, Geister- und Totenbeschwörung, Hellseherei und andere Lehren nutzt</em>."<br />
<br />
Ähnlichkeiten mit vorangegangenen Beispielen sind sicherlich kein Zufall.<br />
<br />
BADD löste sich 1990 auf, nachdem der Science-Fiction Autor Michael A. Stackpole seinen "<a title="Pulling Report" href="http://www.rpgstudies.net/stackpole/pulling_report.html" target="_blank">Pulling Report</a>" veröffentlichte und darin die fragwürdigen und manipulierenden Methoden der BADD nachwies. Das bedeutet aber nicht, daß die <a title="Die Chick - eine christliche Bewegung gegen alles" href="http://www.chick.com/reading/tracts/0046/0046_01.asp" target="_blank">Idee einer solchen Bewegung gestorben wäre</a>.<br />
<br />
<strong>Das Mörder machende Killerspiel</strong><br />
<br />
Nun sind wir in der heutigen Zeit - eine Zeit die nicht nur vom Computerspiel als Unterhaltungsmedium entschieden beeinflusst wird sondern deren digitale Community-Erschaffung auch eine neue Gesellschaft bildet, deren genaue Entwicklung wir in Wahrheit weder absehen noch begreifen können. Die Cyber-Demokratie kommt, so orakelten manche noch vor kurzem, andere sehen in dem daraus sich ableitenden Unterhaltungsangebot, das ja ein nicht unerheblicher finanzieller Motor dieser Entwicklung ist, die Vorboten unseres Untergangs.<br />
<br />
Der Begriff Killerspiel, eine inflationär gebrauchte Bezeichnung für Ego-Shooter, impliziert eigentlich nicht ein Spiel, in dem "gekillt" wird sondern versucht den Link zu einem Killer, also einem Mörder herzustellen. Dieselben Leute, die wutentbrannt aufschreien wenn jemand Tucholsky zitiert und "Soldaten sind Mörder" schreibt, schreiben nun im Grunde "Spieler sind Mörder". Jeder Mensch, der Computerspiele spielt ist also ein Mörder, oder, um mit Dieter Hildebrand zu sprechen, ein "potentieller Mörder".<br />
<br />
So werden Computerspiele mit allem in Verbindung gebracht, was irgendwie schlecht ist in der Welt: <a title="Aktuell: Terrorismus. Boah...." href="http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Das-Killerspiel-ist-brutale-Realitaet-geworden-19781249" target="_blank">Terrorismus</a> oder Amokläufe, Selbstmorde, Beziehungszerfall oder unregelmäßiges Niesen. Kein Anlaß ist zu nichtig, auch wenn sich die kritischen oder wenigstens nachdenklichen Stimmen durchaus mehren.<br />
<br />
<strong>Foll finsteres Fazit</strong><br />
<br />
Ja, da ist ein Rechtschreibfehler aber ich brauchte hier eine Alliteration. So etwas ist auch ein Spiel, eines mit Sprache eben, und es macht niemanden zum Mörder. Unterhaltung ist längst nicht nur ein Teil unserer Gesellschaft und zumindest im Westen sicherlich einer der wichtigsten Wirtschaftszweige - wenn man den Profisport dazurechnet denke ich mal, daß im Unterhaltungsbereich am meisten Geld umgesetzt wird. Ich habe zu dieser Behauptung keine Zahlen finden können und wäre dankbar um Hinweise.<br />
<br />
Unterhaltung hatte schon immer mit Gewalt zu tun - jeder Krimi hat seine Leiche, jedes Drama seinen Mord. Offensichtlich ist es ein für den Menschen durchaus wichtiges Detail der Unterhaltung, daß Gefahr und Tod dabei sind - wir fiebern mit Helden mit die in Lebensgefahr geraten und freuen uns wenn sie es schaffen beziehungsweise leiden ein bißchen wenn sie es nicht schaffen.<br />
<br />
Das ist seit Jahrhunderten so - mittelalterliche Romane sprechen Bände davon und erst antike Geschichten bis hinunter zu homerischen Zeiten? Da wird gemordet und überlebt was das Zeug hält, es zerbrechen Ehen und Beziehungen, da wird erschlagen und gewütet, geliebt und gestraft so weit das Auge reicht.<br />
<br />
All das war schon immer Unterhaltung und ist es auch heute. Die neuen Medien steigern lediglich die Unmittelbarkeit des Erlebens oder geben dem Konsumenten die Möglichkeit, Protagonist zu sein, sich auszuleben. Das wird an nicht wenigen Stellen zu unbequemen Erkenntnissen führen, auch mitunter über sich selbst. Eine mögliche Endstufe ist sicherlich das "<a title="Holodeck" href="http://de.memory-alpha.org/wiki/Holodeck" target="_blank">Holodeck</a>", das in der Fernsehserie "Star Trek: The Next Generation" sehr ausgiebig behandelt wurde und innerhalb der Serie <a title="Der schüchterne Reginald" href="http://de.memory-alpha.org/wiki/Der_sch%C3%BCchterne_Reginald" target="_blank">auch als Idee diskutiert</a> werden konnte.<br />
<br />
Ich gehe felsenfest davon aus, daß nahezu jedes neue Medium seine Kritiker finden wird. In der Regel stets Leute, die es nur vom Hörensagen kennen, begleitet von (eben meist konservativen) Politikern die mit einer gewissen Panikmache und dem damit verbundenen Versprechen "etwas zu tun" Punkte zu sammeln erhoffen. Meistens hat das nichts mit Überzeugung zu tun sondern es geht in der Regel nur darum, Menschen die keine Ahnung haben vorsichtshalber für sich zu gewinnen, bevor sie aufgeklärt werden können.<br />
<br />
Im Grunde ist das schade, auch wenn ein gesundes Mißtrauen gegenüber allem Neuen nicht unbedingt dumm oder verkehrt ist. Ich vermute mal, daß dies am treffendsten der als Philosoph leider kaum beachtete Douglas Adams zusammengefasst hat:<br />
<blockquote>Ich habe ein paar Regeln aufgestellt, die unsere Reaktion auf technische Neuerungen beschreiben:<br />
<br />
1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.<br />
<br />
2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.<br />
<br />
3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.</blockquote><br />
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.<br />
<br />
--- <br />
<br />
Die beiden Grafiken entstammen einem Scan des "Wächters von Jugendschriften" vom 15.10.1910. Danke an dieser Stelle an Johanna Altheintz<br />
<br />
Weil es durchaus Interesse wecken könnte, woher ich so alles bezogen habe, sei hier eine weiterführende Linklist gegeben. Ich bin nicht mit jedem Link einer Meinung, aber um das Thema zu vertiefen ist dies erst einmal geeignet:<br />
<br />
Dissertationen:<br />
<br />
<a title="Dis 1" href="http://www.ub.uni-konstanz.de/kops/volltexte/2000/400/pdf/400_1.pdf" target="_blank">Medium und Initiation. Béla Balázs: Märchen, Ästhetik, Kino Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Universität Konstanz vorgelegt von Hanno Loewy aus Frankfurt am Main</a><br />
<br />
<a title="Diss 2" href="http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=972223592&amp;dok_var=d1&amp;dok_ext=pdf&amp;filename=972223592.pdf" target="_blank">Medienrevolutionen und Redereflexe. Die Etablierung neuer Medien im Spiegel ihrer Diskurse. Dissertation<br />
am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Gesamthochschule Siegen vorgelegt im Jahr 2000 von Tilman Welther</a> Eine hochinteressante Arbeit!<br />
<br />
Gesammeltes:<br />
<ul><br />
	<li><a title="Uni Bielefeld" href="http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/Seminare/moeller02/04computerspiele/index.html" target="_blank">Studie Uni Bielefeld</a></li><br />
	<li><a title="Unterhaltung" href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/info/downloads/leseprobe/9783938258750_lese.pdf" target="_blank">Zur Ökonomie der Unterhaltungsproduktion</a></li><br />
	<li><a href="http://pressetext.de/news/061219033/gewalttaetige-computerspiele-machen-kinder-nicht-aggressiv/">http://pressetext.de/news/061219033/gewalttaetige-computerspiele-machen-kinder-nicht-aggressiv/</a></li><br />
	<li><a href="http://www.zeit.de/online/2006/45/kfn-computerspiele?page=1">http://www.zeit.de/online/2006/45/kfn-computerspiele?page=1</a></li><br />
	<li><a href="http://www.suite101.de/content/wirkung-von-computerspielen-auf-die-entwicklung-a67342">http://www.suite101.de/content/wirkung-von-computerspielen-auf-die-entwicklung-a67342</a></li><br />
	<li><a href="http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerziehung/computer-konsolenspiele,did=108062.html">http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerziehung/computer-konsolenspiele,did=108062.html</a></li><br />
	<li><a href="http://www.onlinewelten.com/games/interview/news/pfeiffer-brutale-computerspiele-ausloeser-amoklaeufe-96352/#comment213451">http://www.onlinewelten.com/games/interview/news/pfeiffer-brutale-computerspiele-ausloeser-amoklaeufe-96352/#comment213451</a></li><br />
	<li><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,739509,00.html">http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,739509,00.html</a></li><br />
	<li><a href="http://issuu.com/betanien/docs/show-online">http://issuu.com/betanien/docs/show-online</a></li><br />
	<li><a href="http://www.stmi.bayern.de/presse/archiv/2009/127.php">http://www.stmi.bayern.de/presse/archiv/2009/127.php</a></li><br />
	<li><a href="http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Das-Killerspiel-ist-brutale-Realitaet-geworden-19781249">http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Das-Killerspiel-ist-brutale-Realitaet-geworden-19781249</a></li><br />
	<li><a href="http://www.stern.de/digital/computer/pro-und-contra-muessen-killerspiele-verboten-werden-576908.html">http://www.stern.de/digital/computer/pro-und-contra-muessen-killerspiele-verboten-werden-576908.html</a></li><br />
	<li><a href="http://www.texteschmie.de/cms/images/stories/30_jahre_killerspiele.pdf">http://www.texteschmie.de/cms/images/stories/30_jahre_killerspiele.pdf</a></li><br />
	<li><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,640413,00.html">http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,640413,00.html</a></li><br />
	<li><a href="http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/AggressionMedien.shtml#Computerspiele%20machen%20aggressiv">http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/AggressionMedien.shtml#Computerspiele%20machen%20aggressiv</a></li><br />
	<li><a href="http://www.iphpbb.com/foren-archiv/2/100800/99320/dsa-dummkoepfe-und-ungerechte-esels-09663698-5649-30.html">http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MEDIEN/FernsehenGewalt.shtml</a></li><br />
	<li><a href="http://www.rpgstudies.net/schmid/vortrag.html">http://www.iphpbb.com/foren-archiv/2/100800/99320/dsa-dummkoepfe-und-ungerechte-esels-09663698-5649-30.html</a></li><br />
	<li><a href="http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/download.cgi?artikelnr=12973&amp;pfad=/tp/r4/artikel/12/12973">http://www.rpgstudies.net/schmid/vortrag.html</a></li><br />
	<li><a href="http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/download.cgi?artikelnr=12973&amp;pfad=/tp/r4/artikel/12/12973">http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/download.cgi?artikelnr=12973&amp;pfad=/tp/r4/artikel/12/12973</a></li><br />
</ul><br />
<a href="http://flattr.com/thing/130251/Lastknightnik-de" target="_blank"><br />
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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 24 Aug 12 13:39:10 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Viel (Passiv)Rauch um nichts?: Die Piratenpartei Deutschland und die Pseudowissenschaft [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Während meiner <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/auszeit.php">Auszeit</a> erscheinen hier einige Gastbeiträge von anderen Bloggern.<br />
<br />
Der heutige Artikel stammt von Wolfgang. Ich vermute, es könnten sich hitzige Diskussion entwickeln... Es geht ums Rauchen <i>und</i> die Piratenpartei. Jede Menge Material zum Streiten. Bemüht euch aber trotzdem, halbwegs vernünftig zu bleiben. Über das Passivrauchen hat Josef Kuhn übrigens kürzlich einen <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/07/beda-stadler---ein-skeptiker-auf-abwegen.php">interessanten Artikel geschrieben</a>. Das Thema wurde vor einigen Tagen auch schon bei <a href="https://lobbywatch.wordpress.com/2012/08/17/tabaklobbyisten-kapern-die-piratenpartei/">Lobbywatch</a> aufgegriffen, dort gibt es weitere Informationen. Und damit es nicht wieder heißt, hier würde die Piratenpartei einseitig präsentiert, verweise ich noch auf das Projekt <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Skeptische_Piraten">Skeptische Piraten</a>! (strengt euch an, ihr werdet gebraucht).<br />
<br />
<small>P.S. Und um etwaige aufgeregte Kommentare von Piraten abzuwenden: Ja, sowohl mir als auch dem Autor dieses Gastartikels ist klar, dass es sich hier nicht um offizielle Parteimeinung handelt. Es sind nur "irgendwelche" Mitglieder, die sich hier äußern. Aber die äußern sich eben als Piraten - und die Partei kann nicht ständig so tun, als würde es sie nichts angehen, was ihre Mitglieder unter dem Piratenlogo im Internet verkünden...</small><br />
<hr>Die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,804278,00.html">Esoterik Affäre um Daniela Scherler</a> ist kaum ausgesessen, da treiben es die<br />
Piraten weiter auf die Spitze. Eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Datei:AG_Nichtraucherschutz_Studien_zur_Gef%C3%A4hrlichkeit_von_Passivrauch.pdf ">Arbeitsgruppe der Piratenpartei</a><br />
übt sich in Pseudowissenschaft und will belegen, dass Passivrauch<br />
eigentlich gar nicht schädlich ist. In der Untersuchung heißt es:<br />
<br />
<blockquote>Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Summe<br />
der Studien keinen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs<br />
beweisen können. Es gibt also mehr als genug Anlass, die offizielle<br />
Lehrmeinung hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung durch Passivrauch<br />
in Zweifel zu ziehen.</blockquote><br />
<br />
Man muss sich nun auf der Zunge zergehen lassen, was hier veranstaltet<br />
wird: In einem 8 Seiten langen Dokument widerlegen sie eine Hypothese,<br />
über die es jahrelangen Konsens gibt. Konsens, der sich aus groß<br />
angelegten und von Epidemiologen durchgeführten Meta-Analysen gebildet<br />
hat. Hier stehen in wissenschaftlichen Fachjournalen publizierte<br />
Ergebnisse, die damit der weltweiten Kritik von Experten standhalten<br />
mussten, einer in Eigenpublikation erschienenen Erhebung gegenüber.<br />
Die Aussage der Fachleute zum Thema ist klar und deutlich:<br />
<br />
<blockquote>"The abundance of evidence, consistency of finding across<br />
continent and study type, dose-response relationship and biological<br />
plausibility, overwhelmingly support the existence of a causal<br />
relationship between passive smoking and lung cancer."  (Taylor et<br />
al., 2007, International Journal of Epidemiology)</blockquote><br />
<br />
Oder:<br />
<br />
<blockquote>"Worldwide, 40% of children, 33% of male non-smokers, and<br />
35% of female non-smokers were exposed to second-hand smoke in 2004.<br />
This exposure was estimated to have caused 379,000 deaths from<br />
ischaemic heart disease, 165,000 from lower respiratory infections,<br />
36,900 from asthma, and 21,400 from lung cancer. 603,000 deaths were<br />
attributable to second-hand smoke in 2004, which was about 1·0% of<br />
worldwide mortality. (Oberg et al., 2011, Lancet)</blockquote><br />
<br />
Ein weiterer absurder Punkt ist, dass die Arbeitsgruppe der<br />
Piratenpartei kurz und knapp beschließt, Lungenkrebs für den alleinig<br />
ausschlaggebenden Faktor der Passivrauch-Schädigung zu erklären:<br />
<br />
<blockquote>"Wir beschränken uns hier der Übersichtlichkeit halber<br />
bewusst auf den Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs,<br />
wo auch nach der offiziellen Lehrmeinung der deutlichste Zusammenhang<br />
gesehen wird. Sollte dieser in Frage stehen, dann gilt das natürlich<br />
um so mehr für die anderen Krankheiten, wo ein Zusammenhang weit<br />
weniger evident ist."</blockquote><br />
<br />
Auch hier ist die Fachwelt gänzlich anderer Meinung:<br />
<br />
<blockquote>"There is evidence of a strong, consistent and<br />
dose-dependent association between exposure to secondhand smoke and<br />
risk of stroke, suggestive of a causal relationship, with<br />
disproportionately high risk at low levels of exposure suggesting no<br />
safe lower limit of exposure." (Oono et al., 2011, J Public Health<br />
(Oxf))</blockquote><br />
<br />
Oder:<br />
<br />
<blockquote>"Meta-analysis of before and after studies shows a 10%<br />
reduction in acute coronary events after introduction of comprehensive<br />
smoke-free legislation." (Mackay et al., 2010, Heart)</blockquote><br />
<br />
So weit so unseriös. Nun stellt man sich natürlich zu Recht die Frage:<br />
Die Piratenpartei betreibt nun also Epidemiologie im großen Stil? Ich<br />
denke das Thema Einschätzung der Wirkung von Faktoren, die langfristig<br />
über viele Jahre zur Schädigung des Organismus führen, gehört durchaus<br />
zu den Königsklassen in Statistik und Epidemiologie. Hat die<br />
Piratenpartei also nun eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe mit großen<br />
Namen an Epidemiologen und Statistikern gegründet? Nein, so ist es<br />
nicht. Vielmehr haben sich zwei bekannte Namen aus dem Umkreis<br />
"Netzwerk Rauchen" <a href="http://lobbywatch.wordpress.com/2012/08/17/tabaklobbyisten-kapern-die-piratenpartei/">in die Piratenpartei "eingebracht"</a>. Es werden unter Anderem Seiten<br />
wie rauchernews.de oder verbotswahn.de von einer dieser Personen<br />
betrieben. Mit einer kurzen Google Suche zu den betreffenden Namen,<br />
kann man ihre Gesinnung innerhalb von wenigen Minuten bestätigen.<br />
<br />
Dennoch ist es kein Problem für offensichtlich befangene Personen bei<br />
der Piratenpartei Arbeitsgruppen zum Thema zu gründen und noch viel<br />
schlimmer: ungehindert im Namen der Piratenpartei Meinungsbildung zu<br />
betreiben. Dies nahm seinen Anfang bereits bei der "<a href="http://www.piratenpartei-nrw.de/47559/2012-07-02/position-zur-novellierung-des-nichtraucherschutzgesetz-nrw/">Position zur Novellierung des Nichtraucherschutzgesetz NRW</a>".<br />
<br />
Die Auswirkungen dieses pseudowissenschaftlichen Treibens sind<br />
nachhaltig. Auf einschlägigen Seiten werden die Meldungen bereits<br />
wohlwollend aufgegriffen und verbreitet. Etwa: "PIRATENPARTEI BRINGT<br />
STUDIE ZUM NICHTRAUCHERSCHUTZ" von <a href=""http://www.tabakmeier.com/piratenpartei-bringt-studie-zum-nichtraucherschutz/" rel="nofollow">tabakmeier</a> und " PIRATEN bezweifeln Passivrauch-These" auf <a href="http://www.cigarworld.de/community/Blog_show_post.php4?blogID=489" rel="nofollow">Cigar-World</a>.<br />
<br />
Bei den Piraten ist die Sachlage <a href="http://www.facebook.com/PiratenparteiDeutschland/posts/346198595466341">mittlerweile bekannt</a>. Getan wurde aber immer noch nichts. Es gibt weder eine offizielle Stellungnahme, noch wurden Konsequenzen gesetzt. Die Arbeitsgruppe treibt weiterhin ungehindert ihr Unwesen.<br />
<br />
Wissenschaft darf und will kritisch gesehen werden. Was hier betrieben<br />
wird, ist aber Meinungsbildung auf niedrigem Niveau. Dass das Ganze<br />
von einer Partei unterstützt wird, setzt dem Ganzen die Krone auf.<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/viel-passivrauch-um-nichts-die-piratenpartei-deutschland-und-die-pseudowissenschaft.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 24 Aug 12 09:22:47 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Berufsverbot für Wissenschaftler [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Während meiner <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/auszeit.php">Auszeit</a> erscheinen hier einige Gastbeiträge von anderen Bloggern. Wenn ihr auch Lust habt, euer Blog (euren Podcast, euer Videoblog, etc) hier vorzustellen oder einfach nur mal einen Artikel schreiben wollt, dann <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/gastautoren-gesucht.php">macht mit</a>!<br />
<br />
Diesmal habe ich einen Aufruf von <a href="http://www.scilogs.de/blogs/blog/graue-substanz/2012-08-16/berufsverbot-fuer-wissenschaftler">SciLogs-Kollege Markus Dahlem</a>, dem ich mich gerne anschließe:<br />
<hr><p><strong>Bitte Platz machen f&uuml;r den neuen wissenschaftlichen<br />
Nachwuchs. Aufruf eines Journalisten.</strong></p><br />
<p>Als <span id="hauptspalte" class="topo_col main_col">im Februar<br />
2002 das neue Hochschulrahmengesetz (HRG) in Kraft trat, war die<br />
Aufregung gro&szlig;. So fragte zum Beispiel die TAZ unter dem Titel<br />
"</span><a href="http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2002/08/07/a0218">Anleitung<br />
zum befristeten Gl&uuml;cklichsein</a>" ab wann Wissenschaftler besser<br />
Taxi fahren sollten? Andere raunten, dies sei ein Berufsverbot.</p><br />
<p>Wissenschaftler sollen gezwungen werden, sechs Jahre nach<br />
abgeschlossener Promotion Platz zu machen f&uuml;r den neuen<br />
wissenschaftlichen Nachwuchs und sich rechtszeitig eine neue<br />
berufliche Perspektive aufbauen, wenn sie es bis dahin nicht zur<br />
Professur geschafft haben. So beschreibt die Lage damals Hannelore<br />
Kraft <a href="http://www.berndporr.me.uk/zwoelfender/zeit.html">in<br />
einer Reaktion auf einen polemischen Leserbrief</a> in der Zeit ("<a<br />
href="http://www.zeit.de/2004/11/B-Braindrain">Lockruf der<br />
Heimat</a>").</p><br />
<p><img style="margin: 5px;"<br />
src="http://www.scilogs.de/blogs/gallery/25/kraft2Ausschnitt.png"<br />
alt=""></p><br />
<p>Nun, 10 Jahre sp&auml;ter <span class="st">&ndash;</span><br />
mittlerweile gab es einige Korrekturen im HRG <span<br />
class="st">&ndash;</span> bleibt die Frage, ob es in einigen<br />
F&auml;llen zu einem faktischen  Berufsverbot kam oder bald konkret so<br />
kommen wird?</p><br />
<p>Hierzu plant der Zeitenspiegel eine Reportage und sucht Kontakt zu<br />
betroffenen wissenschaftlichen Mitarbeitern  an Hochschulen und<br />
Forschungseinrichtungen. Der Journalist <a<br />
href="http://zeitenspiegel.de/en/autoren/jan-ruebel/">Jan<br />
R&uuml;bel</a> schrieb mich an und bat folgenden Aufruf hier zu<br />
ver&ouml;ffentlichen, dem ich sehr gerne nachkomme.</p><br />
<blockquote><br />
<div><em>Ich plane einen Report &uuml;ber die Folgen des<br />
Wissenschaftszeitvertraggesetz.  Im Fokus stehen die Befristungen<br />
f&uuml;r wissenschaftliche Mitarbeiter, die  an Hochschulen und<br />
Forschungseinrichtungen etc. arbeiten. Ich will  herausarbeiten, wie<br />
dieses Gesetz in diesen F&auml;llen zu einem faktischen  Berufsverbot<br />
f&uuml;hren kann.</em></div><br />
<div><em>Daher meine Frage:  &nbsp;Ich suche Personen, &uuml;ber denen<br />
genau solch ein Damoklesschwert des  Berufsverbots steht, welche die<br />
Befristungen erleben - und das absehbare  Ende ihrer derzeitigen<br />
beruflichen T&auml;tigkeit sowie die wom&ouml;gliche  Notwendigkeit<br />
einer Neuorientierung .</em></div><br />
<div><em>Als Journalist garantiere ich auf Wunsch Anonymisierung.<br />
Selbstverst&auml;ndlich werden alle Aussagen im vornherein<br />
autorisiert.</em></div><br />
</blockquote><br />
<p>Bei Interesse bitte sich direkt an <a<br />
href="http://zeitenspiegel.de/en/autoren/jan-ruebel/">Jan<br />
R&uuml;bel</a> wenden.<a<br />
href="http://zeitenspiegel.de/en/autoren/jan-ruebel/"><br></a></p>===<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/berufsverbot-fur-wissenschaftler.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>

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<link>http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/berufsverbot-fur-wissenschaftler.php</link>
<guid>http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/berufsverbot-fur-wissenschaftler.php</guid>
<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 17 Aug 12 13:22:50 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Von Banken und Neon-Schildern [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Während meiner <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/auszeit.php">Auszeit</a> erscheinen hier einige Gastbeiträge von anderen Bloggern. Wenn ihr auch Lust habt, euer Blog (euren Podcast, euer Videoblog, etc) hier vorzustellen oder einfach nur mal einen Artikel schreiben wollt, dann <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/gastautoren-gesucht.php">macht mit</a>!<br />
<br />
Heute gibt es einen Artikel von <a href="http://imkom.wordpress.com/">homo economicus</a>. Viel Spaß damit!<br />
<hr><br />
<br />
"Zwei Oekonomen, drei Meinungen" lautet ein beliebtes und kurzes Sprichwort, welches die Unterschiede zwischen den Denkschulen verdeutlicht, oder auch nicht =). Vor kurzem konnte die Internetgemeinde erfahren was wirklich passiert wenn Oekonomen im Meinungsaustausch aufeinander treffen. Denn im Gegensatz zum ueblichen Auseinandernehmen des jeweiligen neuesten Fachartikels der Gegenseite fand die Schlacht in der Blogsphaere statt, welches schon von Carney (2012) und dem Blog unlearningeconomics (2012) beobachet wurde. Angetreten waren auf der einen Seite Steve Keen, Professor fuer Volkswirtschaftslehre an der University of Western Sydney, seines Zeichens Postkeynesianer und Anhaenger von Hyman Minsky, und auf der anderen Seite Paul Krugman, Professor fuer Volkswirtschaftslehre an der Princeton University, Centenary Professor an der London School of Economics und selbstbezeichneder "free-market Keynsianer".<br />
<br />
<strong>Runde 1: Finanzkrise voll auf die Fresse</strong><br />
<br />
Begonnen hat der ganze Spass nachdem Steven Keen (2012a) fuer die INET Konferenz in Berlin ein Essay ueber die Instabilitaet von Finanzmaerkten geschrieben hat. Dabei bezog er sich als Fan ganz brav auf die Theorie instabiler Maerkte die Hyman Minsky bereits in den 1950ern und 1960ern entwickelte (Minsky, 1992). In dieser beschreibt Minsky, wie gerade Finanzmaerkte aufgrund des Akteursverhalten instabil werden obwohl sie als stabil erscheinen (Keen, 2012a). Die Grundidee dabei ist, dass in unsicheren Zeiten Investitionsverhalten von Unternehmen und Banken sehr konservativ ist aber mit steigender Zuversicht die Investitionen immer risikoreicher werden und ab einem gewissen Punkt nicht mehr durch den Cash-Flow gedeckt werden (Keen, 2012b; Schnyder, 2002). Dies geht soweit, dass irgendwann Investitionen nach dem Ponzi-Schema getaetigt werden. Eine der Hauptaussagen dieser Theorie ist, dass Geld endogen, von innen heraus, erzeugt wird, d.h. Banken koennen die Geldmenge durch die Vergabe von Krediten erhoehen. Durchaus ein bekanntes Argument welches in zumeist un- oder schlecht begruendeten Polemiken von Zeitungen und Politkern, und Internetforen, zu lesen ist.<br />
<br />
<strong>Runde 2: Hast du eigentlich ne Ahnung wovon du redest?</strong><br />
<br />
Genau diese Behauptung hat nun Paul Krugman (2012b) auf dem Plan gerufen und er hat klar gestellt, dass die Geldmenge nicht endogen ist sondern nur exogen, also von aussen kommend, ueber die Zentralbanken erhoeht werden kann. Entsprechend der Geldtheorie behauptet er, dass Banken kein Geld verleihen koennen bevor sie nicht Guthaben haben, ein kleiner Exkurs dazu in einer Minute (Krugman, 2012a). Zunaechst einmal meldete sich daraufhin Steve Keen (2012a) erneut zu Wort und erklaert wiederum, dass Krguman sich irrt und erzaehlt mit einigen Literaturverweisen dass Banken durch buchhalterische Tricks Geld verleihen koennen und gleichzeitig Guthaben verbuchen koennen und daher nicht erst darauf warten muessen bis jemand Geld auf seinem Konto parkt. Dazu gleich auch noch mehr. Dabei begin Keen Krugman sogar als Neoklassiker zu beschimpfen. Das interessante an der Debatte in diesem Moment ist, dass beide irgendwie Recht haben.<br />
<br />
<strong>Runde 3: Woher kommt denn nun das Geld?</strong><br />
<br />
Es heisst ja bekanntlich, dass wenn zwei sich streiten der dritte sich freut. Nun zumindestens lockt das Aas weitere Geier an und so meldete sich Nick Rowe (2012) auch noch mal fix zu Wort und hierbei wird es erleuchtend. Rowe nimmt generell die Position Krugmans und der Geldtheorie ein, zeigt aber gleichzeitig Verstaendnis fuer Keen's Arugmente. Aber zunaechst der versprochene Exkurs in Geldtheorie, im speziellen zur Geldpolitik. Grundlegend gibt es zwei Moeglichkeiten der Geldschoepfung, also der Vermehrung des Geldes, im Bankensystem. Zum einem das hart erarbeitete Geld der Kunden in Form ihrer Guthaben und zum anderen die Erfuellung der gesetzlichen Mindestreserve durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank.  Das ist der Teil der Geldpolitik, denn die Zentralbank hat so politischen Einfluss auf den Markt. Krugman hebt hier die Bedeutung von letzterem hervor, also die Moeglichkeit der Zentralbanken z.B. durch Leitzinsen, also der Zinssatz der die Hausbank fuer die Aufnahme der Mindestreserve zahlen muss, als Steuerungsmethode die Geldmenge zu steuern. Das entsprechende Modell zum Geldmarkt sieht wie folgt aus:<br />
<br />
 <img alt="geldmenge.png" src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/08/geldmenge.png" width="517" height="397" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /><br />
<br />
In diesem Diagramm, welches ich selbst gemalt habe, steht MS fuer money supply, also die durch die Zentralbank angebotende Geldmenge, und MD fuer money demand, also die von allen anderen auf dem Geldmarkt nachgefragte Geldmenge. Der Grund warum MD fallend ist liegt schlicht in der Erkenntnis, dass je teurer das Geld, also je hoeher der Zinssatz, desto weniger Geld wird nachgefragt. Die Zentralbank kann nun die Geldschoepfung steuern indem sie entweder die Geldmenge oder den Zinssatz aendert, was zu einer Verschiebung von MS oder MD fuehrt. Verringert sie bspw. die Geldmenge so verschiebt sich MS nach links, die Zinsen steigen und so weiter.<br />
<br />
In diesem Teil stimmt Rowe Krugman also zu, allerdings gibt er auch zu dass Hausbanken selbst in der Lage sind Geld zu schoepfen. Krugman hingegen beisst sich an der Zentralbanksache etwas fest.<br />
<br />
<strong>Runde 4: Krugman wankt dank Neon-Schildern</strong><br />
<br />
Unbeeindruckt von allem besteht Krugman auf seiner Position zur Zentralbank, welche ja von keinem irgendwie angezweifelt wurde, und zitiert ein Paper welches bloederweise seinen Standpunkt untergraebt (Krugman, 2012f).<br />
<br />
Inzwischen betritt auch Scott Fullwiler (2012), ein Denkschulengenosse Keen's, den Ring und gibt Krugman eine Breitseite mit einem aus einem seiner eigenen Lehrbuecher entnommenen Neon-Schild auf dem steht "ICH HABE KEINE AHNUNG WOVON ICH REDE". Hier erklaert er schlicht anhand von guter alter Buchhaltung, wie der Geldmarkt wirklich funktioniert, z.B. anhand diesem Bild:<br />
<br />
<a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/1-32324.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/1-32324.php','popup','width=612,height=211,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/1-thumb-500x172-32324.png" width="500" height="172" alt="1.png" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><div style="text-align: center;"><em><small>Figure 1: Bank A erzeut einen Kredit fuer einen Kunden der gleichzeitig das Geld abbucht (Fullwiler, 2012, p. n.g.)</small></em></div><br><br />
<br />
Daran erkennt man am Ende auch, dass die Bank den Kredit mit einem anderen Kredit deckt und diese muss nicht zwingend ueber die Mindestreserve bedient sondern kann von einer anderen Bank erhalten werden.<br />
<br />
<strong>Runde 5: Wasn nun los?</strong><br />
<br />
Was folgt ist eine selbsterfuellende Prophezeiung, oder in diesem Fall selbsterfuellendes Sprichwort, in Reinkultur. Krugman (2012e) erkennt erst einmal an, dass Banken selbst endogen Geld schoepfen kann. Dann stellt er aber, und richtigerweise, fest dass sie es eben nicht unendlich machen koennen, was jedoch nie Gegenstand der Debatte von Seiten Keens oder Fullwiler war. Hier hat Krugman schlicht einen klassischen Strohmann aufgebaut (unlearningeconomics, 2012). Genau 3 Stunden und 22 Minuten spaeter kommt Krugman (2012d) und erklaert, dass alleinig die Zentralbanken Geld schoepfen koennen und widerspricht damit seinen eigenen Aussagen und Kritiken ueber den Monetarismus (Krugman, 2007). Soviel zum Thema zwei Oekonomen und drei Meinungen, hier haben wir schon mal einen mit zwei Meinungen.<br />
<br />
<strong>Runde 6: Steht er noch mal auf oder bleibt er liegen?</strong><br />
<br />
In der Zwischenzeit hat sich auch Steve Keen (2012c) noch einmal zu Wort und beschreibt Krugman buchstaeblich als Idioten, da er seinen Fall voellig gegen die Empirie argumentiert:<br />
<br />
"How on earth can someone believe that the manifest reality that transactions involve money being exchanged for goods can be ignored, and pretend instead that goods are exchanged for goods? How on earth can the institutional reality of banks be ignored by those who claim to be macroeconomists" (Keen, 2012c, p. n.g.).<br />
<br />
Was folgt ist ein kurzes Aufbaeumen von Krugman (2012c) indem er seinen Rueckzug aus der Konservation ankuendigt und wiederum Keen vorwirft nix aber auch gar nix verstanden zu haben. Seine saemtlichen Modellimplikationen seien falsch. Zu guter letzt beweist Keen (2012b) noch etwas Humor in dem er fragt was er und Keynes gemeinsam haetten... beide haette Krugman nicht verstanden. Und er hat offensichtlich Recht, Krugman hat den Punkt nicht verstanden.<br />
<br />
<u>Quellen:</u><br />
<br />
Carney, J. (2012). Paul Krugman vs. MMT: The great debate. Retrieved July 14, 2012, from http://www.cnbc.com/id/46944145<br />
<br />
Fullwiler, S. (2012, July 14). Scott Fullwiler: Krugman's flashing neon sign Retrieved from http://www.nakedcapitalism.com/2012/04/scott-fullwiler-krugmans-flashing-neon-sign.html<br />
<br />
Keen, S. (2012a. Instability in financial markets: Sources and remedies. presented at the meeting of the INET Conference, Berlin, Germany. Retrieved from http://ineteconomics.org/sites/inet.civicactions.net/files/keen-steve-berlin-paper.pdf<br />
<br />
Keen, S. (2012a, July 14). Krugman on (or maybe off) Keen. Retrieved from http://www.debtdeflation.com/blogs/2012/03/29/krugman-on-or-maybe-off-keen/<br />
<br />
Keen, S. (2012b, July 14). Oh My, Paul Krugman. Retrieved from http://www.debtdeflation.com/blogs/2012/04/03/oh-my-paul-krugman/<br />
<br />
Keen, S. (2012b, July 14). A prime on Minsky. Retrieved from http://www.economonitor.com/blog/2012/03/a-primer-on-minsky/<br />
<br />
Keen, S. (2012c, July 14). Ptolemaic economics in the age of einstein. Retrieved from http://www.debtdeflation.com/blogs/2012/04/02/ptolemaic-economics-in-the-age-of-einstein/<br />
<br />
Krugman, P. (2007, July 14). Who was Milton Friedman? Retrieved from http://www.nybooks.com/articles/archives/2007/feb/15/who-was-milton-friedman/<br />
<br />
Krugman, P. (2012a, July 14). Banking mysticism, continued. Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/03/30/banking-mysticism-continued/<br />
<br />
Krugman, P. (2012b, July 14). Minsky and methodology (wonkish). Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/03/27/minksy-and-methodology-wonkish/<br />
<br />
Krugman, P. (2012c, July 14). Oh my, Steve Keen edition. Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/04/02/oh-my-steve-keen-edition/<br />
<br />
Krugman, P. (2012d, July 14). A teachable money moment. Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/04/02/a-teachable-money-moment/<br />
<br />
Krugman, P. (2012e, July 14). Things i should not be wasting time on. Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/04/02/things-i-should-not-be-wasting-time-on/<br />
<br />
Krugman, P. (2012f, July 14). Tobin-Brainard 1963. Retrieved from http://krugman.blogs.nytimes.com/2012/04/01/tobin-brainard-1963/?smid=tw-NytimesKrugman&seid=auto<br />
<br />
Minsky, H. (1992). The financial instability hypothesis. Prepared for Handbook of Radical Political Economy by Philip Arestis, Malcolm Sawyer, Edward Elgar.  Retrieved from http://www.levyinstitute.org/pubs/wp74.pdf<br />
<br />
Rowe, N. (2012, July 14). Banking "mysticism" and the hot potato.<br />
<br />
Schnyder, M. (2002). Die hypothese finanzieller instabilität von Hyman P. Minsky: Ein versuch der theoretischen abgrenzung und erweiterung. Universität Freiburg, Freiburg, Schweiz.<br />
<br />
unlearningeconomics. (2012, July 14). The Keen/Krugman debate: A summary. Retrieved from http://unlearningeconomics.wordpress.com/2012/04/03/the-keenkrugman-debate-a-summary/<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/von-banken-und-neon-schildern.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Tue, 14 Aug 12 09:31:39 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Romantik und Raumfahrt [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Während meiner <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/auszeit.php">Auszeit</a> erscheinen hier einige Gastbeiträge von anderen Bloggern. Wenn ihr auch Lust habt, euer Blog (euren Podcast, euer Videoblog, etc) hier vorzustellen oder einfach nur mal einen Artikel schreiben wollt, dann <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/gastautoren-gesucht.php">macht mit</a>!<br />
<br />
Heute gibt es einen Artikel von Tibor Rácskai.<br />
<hr>Sind bemannte Weltraumflüge wirklich nötig? Warum Menschen ins Weltall bringen, wenn wir Sonden schicken können, die uns Daten liefern? Was könnte ein Astronaut auf dem Mars vollbringen, was Curiosity und seine Epigonen nicht leisten können? In der französisch-kanadischen Dokumentation "Kein Mensch mehr im All?" warnt der Astronaut Jean-Loup Chretien davor, auf die bemannte Raumfahrt zu verzichten. Wir würden uns an der jungen Generation orientieren, die sich immer mehr in einer virtuellen Realität einschließen werde. Der Mensch sei dafür aber nicht bestimmt, er habe Arme, Beine und ein Gehirn, die er zum Laufen, Arbeiten und Überleben einsetzen solle. Der Mensch besitze eine Art Forscher-Gen und würde seine Bestimmung verfehlen, wenn er nur Roboter aussenden würde, das Universum zu erforschen. Er könne sie vorausschicken, aber nur, um ihnen zu folgen. <br />
<br />
Ist diese Auffassung der Raumfahrt tatsächlich Ausdruck eines Generationenkonflikts? Sie ist vor allem romantisch und zugleich Symptom einer pessimistischen Weltsicht. Chretien konstruiert einen Gegensatz zwischen dem aktiven und dem passiven Menschen, der so nicht existiert, und er schließt daraus auf einen gesellschaftlichen Verfall. Der Astronaut nimmt dabei die Stelle des frontiersman ein, der die Grenzen der Zivilisation in das Unbekannte hinaus verschiebt. Er erweitert unseren Herrschaftsraum konkret. Er fühlt stellvertretend für diejenigen, die nicht ins All reisen können, weil sie physisch und psychisch nicht dazu in der Lage sind, und er kann zurückkehren, um von seinen Gefühlen zu berichten. Der Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg weist zu Recht darauf hin, dass Raumfahrt in diesem Sinne eine Art Sport sei, so wie die Besteigung der höchsten Gipfel und die Reise zu den Gräben der Tiefsee. Sie ist eine körperliche, geistige und gesellschaftliche Herausforderung, aber sie ist nicht bewusstseinserweiternd.<br />
<br />
Damit einher geht die von Chretien formulierte Furcht vor der äußeren Bewegungslosigkeit der inneren Reise. Dies ist das eine Paradox der bemannten Raumfahrt im Computerzeitalter. Bisher sah sich der homo faber als Gegenpol eines angeblich praxisfernen Denkers, als einer, der an die Machbarkeit nicht nur glaubt, sondern der weiß, wie er sich die Welt im praktischen Sinne Untertan machen kann und es tut. Nun zeigt sich allerdings, dass der Ingenieur, der Abenteurer und der Pilot im Grunde Romantiker sind, die nach individueller Erfüllung ihrer persönlichen, ins Unendliche gerichteten Sehnsucht streben. Ihr Traum von der physischen Präsenz an der Grenze des Unbekannten ist jedoch beinah obsolet geworden. Beinah, denn auf die physische Existenz einer Sonde kann auch der Astronom nicht immer verzichten. Nur, kein Astronaut kann jemals, so wie die Voyager-Sonden, an die Grenzen unseres Sonnensystems vordringen. Der praktische Nutzen dieser Mission scheint gering, aber ihre spirituelle Bedeutung ist weit größer als die eines Fußabdrucks im Staub des Mars.<br />
Nicht erst die Technik hat dem Menschen ermöglicht, virtuelle Reisen zu unternehmen, aber gestützt auf Beobachtungen und Messungen modernster Instrumente hat der Mensch sein geistiges Hoheitsgebiet bis an die Grenzen des Universums und der Zeit ausdehnen können, ohne sich in eine Raumkapsel zwängen zu müssen. Was vorher nur gedacht werden konnte, hat sich bestätigt, und einiges, was noch nicht gedacht worden ist, wurde so entdeckt. Das ist natürlich eine Beleidigung für den Piloten und scheint seine Mühen und Verdienste zu schmälern.<br />
<br />
Steven Weinberg führt als Beispiele für bewusstseinserweiternde Leistungen des Menschen Liebe, Kunst und die Erforschung der Natur an. Jedes davon hat eine physische und eine geistige Komponente. Ist die Physis der Psyche überlegen? Selbstverständlich nicht. Auch die virtuelle Reise kann nicht in jedem Fall die physische Erfahrung ersetzen, aber man muss akzeptieren, dass dem Körper engere Grenzen gesetzt sind als dem Geist. Eine Reise zum Mars ist möglich, vielleicht kann auch Wirklichkeit werden, wofür Kubrick in "A Space odyssey" schon die Bilder geliefert hat, aber wo liegt die Grenze? Noch ist der Warp-Antrieb eine Fiktion. Die Macht der Bilder suggeriert seine Machbarkeit, aber Science-Fiction bebildert dennoch weiterhin nur romantische Phantasien. Bemannte Raumfahrt muss letztlich den Körper überwinden, um weite Räume überwinden zu können, aber sie wird dabei nie transzendent werden, sondern nur unethisch.<br />
<br />
Richard Heidman, ein ehemaliger Raumfahrtingenieur und Leiter der Pariser Sektion der Mars-Society, beschreibt ein Konzept einer experimentellen Marskolonie: Angesichts der Schwierigkeiten, die es bereitet, eine Gruppe erwachsener Menschen auf den Mars und gesund wieder zurück zu bringen, sei es vielleicht besser, Embryonen zu schicken, die, wie auch immer das möglich sein soll, dann auf dem Mars aufgezogen würden. Die eigentliche Frage sei, so Heidman, ob sie unter den dortigen Bedingungen überlebensfähig seien. Das ist offensichtlich falsch, denn die eigentliche Frage ist nicht die nach der Überlebensfähigkeit des menschlichen Körpers auf dem Mars, sondern die nach den ethischen Konsequenzen eines solchen Experiments. Irgendwann wird es ohne Zweifel technisch möglich sein, Embryonen zum Mars zu bringen und sie aufzuziehen, aber ob eine Gesellschaft dies auch durchführen wird, hängt davon ab, welchen Wert sie dem Individuum und seiner Menschenwürde zumisst. Manche Nationen scheinen in beiderlei Hinsicht auf dem besten, also aus humanistischer Sicht auf dem schlechtesten Weg zu sein. Dies ist das zweite Paradox der bemannten Raumfahrt. Zum einen verachtet der Astronaut den nur virtuell reisenden Astronomen und unterstellt ihm, den Menschen seiner Natur zu entfremden, zum anderen muss der künftige Astronaut seine Natur überwinden, um noch Astronaut sein zu können.<br />
Es scheint also, so die Autoren der Dokumentation, dass zukünftige Forschungsreisen allein im Geiste stattfinden werden. Der Astronaut wird, wenn er eine Zukunft haben sollte, nicht mehr sein als er jetzt schon ist: der Repräsentant einer Industrie im Weltraum und ein lebendiges (und daher zwangsläufig der Rationalisierung anheimfallendes) Werkzeug, das ein paar hundert Kilometer über der Erde Ersatzteile montiert. Nicht sehr romantisch.<br />
<br />
Die Dokumentation "Kein Mensch mehr im All?" wird am Samstag, den 18. August auf ARTE wiederholt und ist noch bis zum 16. August in der ARTE-Mediathek zu sehen: <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/kein_mensch_mehr_im_all_-6849208.html">http://videos.arte.tv/de/videos/kein_mensch_mehr_im_all_-6849208.html</a><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/romantik-und-raumfahrt.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<link>http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/romantik-und-raumfahrt.php</link>
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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Sun, 12 Aug 12 09:53:39 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Wissenschaft vs. Sport: Über scheinbare Geldverschwendung und Dinge, die wirklich teuer sind [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Früh am Montag Morgen ist die Raumsonde <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/bild-curiosity-auf-dem-weg-nach-unten.php">"Curiosity" auf dem Mars gelandet</a>. Am Sonntag enden die 30. Olympischen Sommerspiele London. Die beiden Ereignisse haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Ich quetsche sie aber trotzdem in einen einzigen Artikel, denn es geht um die Frage, was die Dinge eigentlich so kosten.<a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/PIA16029-32377.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/PIA16029-32377.php','popup','width=3653,height=755,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/PIA16029-thumb-500x103-32377.jpg" width="500" height="103" alt="PIA16029.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><div style="text-align: center;"><em><small>360 Grad Panorama-Bild des Gale-Craters; eine der ersten Aufnahmen, die Curiosity am Mars gemacht hat (<a href="http://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/PIA16029">Bild: NASA/JPL-Caltech/MSSS</a>)</small></em></div><br><br />
<br />
Wann immer irgendwo ein großes und teures wissenschaftliches Instrument gebaut wird, dann finden sich schnell viele Leute, die sich über die Kosten beschweren. So viel Geld für eine Raumsonde/einen Teilchenbeschleuniger/ein Teleskop/etc auszugeben, sei reine Verschwendung und es gäbe viel sinnvollerer Möglichkeiten das Geld zu verwenden. Immerhin kostet Curiosity <a href="http://www.spacenews.com/civil/110608-msl-needs-more-nasa-audit.html">2 Milliarden Euro</a>! Das ist definitiv nicht wenig. Aber ist es auch Verschwendung?<br />
<br />
Ich habe mich hier im Blog schon mehr als einmal mit diesem Thema beschäftigt. Grundlagenforschung <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/der-wert-der-sinnlosigkeit.php">ist immer wichtig</a>. Ohne sie gibt es keine neuen Anwendungen, gibt es keine neue Forschung, gibt es keinen Fortschritt. Die Entdeckung des Higgs-Bosons oder die Erforschung des Marshaben auf den ersten Blick keine konkrete Anwendungen. Diese Forschungsergebnisse lassen uns die Welt besser verstehen als vorher, aber sie liefern keine neuen Produkte, die man im Elektronikladen kaufen kann. Aber <i>weil</i> wir die Welt dank der Grundlagenforschung besser verstehen als vorher, wird die Welt davon zwangsläufig beeinflusst. Die Erforschung des Mars bietet auch ein gutes Beispiel für diese Art des Einfluss. Bei der Untersuchung der globalen Sandstürme, die am Mars immer wieder auftreten, stießen die Planetologen das erste Mal auf das Phänomen des "nuklearen Winters" (eine globale Abkühlung, verursacht durch große Mengen an Staub in der Atmosphäre eines Planeten) und fanden so heraus, dass ein Atomkrieg <i>immer</i> auch globale Folgen hat, egal wer gegen wen kämpft und wo die Bomben landen...<br />
<br />
Grundlagenforschung ist also definitiv wichtig. Aber es ging ja um die Frage der Geldverschwendung. Und da lohnt es sich, die Kosten für die Wissenschaft ein wenig ins Verhältnis zu anderen Kosten zu setzen (ich habe so etwas früher <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/10/wissenschaft-ist-teuer-unsinn.php">schon mal gemacht</a>). Kosten, über die viel weniger gemeckert wird. Zum Beispiel die Kosten für die Olympischen Spiele.<br />
<br />
Ich habe kein Problem mit sportlichen Großereignissen. Ich habe mir die olympischen Spiele angesehen und ich habe mich dabei gut unterhalten. Und das ist es ja auch, worum es dabei geht: Unterhaltung! Und Unterhaltung auf globalen Maßstab kann schon einiges kosten. In London hat man knapp 11 Milliarden Euro <a href="http://www.webcitation.org/69oC2xvDA">öffentlichen Geldern ausgegeben</a> um die Spiele zu finanzieren. Im Forbes-Magazin <a href="http://www.webcitation.org/69oC7AlUg">schätzt man die Kosten</a> auf 12 bis 16 Milliarden Euro. Zwei Wochen olympische Spiele kosten also sechsmal so viel, wie die Mission zum Mars.<br />
<br />
<!--<a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-olympics-32366.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-olympics-32366.php','popup','width=7880,height=10000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-olympics-thumb-500x634-32366.jpg" width="500" height="634" alt="msl-olympics.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a>--><br />
<br />
Ich sage natürlich jetzt nicht, dass die olympischen Spiele eingespart werden müssen, damit wir mehr Geld für die Wissenschaft haben. Ich sage auch nicht, dass Wissenschaft wichtiger ist als Sport (obwohl...). Es geht mir nur darum zu zeigen, dass auf dieser Welt ständig Unsummen für die verschiedensten Dinge ausgegeben werden, ohne dass wir uns großartig über Geldverschwendung aufregen. Und dass diese Summen im Allgemeinen viel größer sind, als die, die für die Wissenschaft ausgegeben werden. Allein die Fernsehrechte für die Sommerspiele 2012 für die USA und Europa haben mit 1,6 Milliarden Euro fast so viel gekostet wie die Mission zum Mars. <br />
<br />
Im Internet habe ich noch ein anderes schönes Beispiel für einen Vergleich gefunden. Soziologieprofessor Ryan Cragun von der Universität Tampa in Florida hat in einer Arbeit geschätzt, wie viele Einnahme den USA jedes Jahr entgehen, weil dort religiöse Gruppen einen steuerbefreiten Sonderstatus genießen. <a href="http://www.webcitation.org/69oD7qgfw">Es sind</a> 57 Milliarden Euro. Pro Jahr.<br />
<br />
<a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-religion-32369.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-religion-32369.php','popup','width=3475,height=10000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-religion-thumb-500x1438-32369.jpg" width="500" height="1438" alt="msl-religion.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><br />
<br />
Mit diesem Geld, könnte man also 28 Rover zum Mars schicken. Also eine Raumsonde alle zwei Wochen! Und das jedes Jahr! Finanziert nur aus den Steuereinnahmen, die den USA entgehen, weil sie religiösen Organisationen einen Sonderstatus einräumt.<br />
<br />
Aber selbst das sind Peanuts, wenn man die Menge an Geld betrachtet, die wir Menschen dafür ausgeben, uns gegenseitig umzubringen. Das <i>Stockholm International Peace Research Institute</i> hat die globalen Ausgaben für das Militär <a href="http://www.sipri.org/research/armaments/milex/resultoutput/milex_15/the-15-countries-with-the-highest-military-expenditure-in-2011-table/view">zusammengestellt</a>. 2011 waren es 1411 Milliarden Euro:<br />
<br />
<a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-war-32372.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-war-32372.php','popup','width=2640,height=10000,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/assets_c/2012/08/msl-war-thumb-500x1893-32372.jpg" width="500" height="1893" alt="msl-war.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><br />
<br />
Mit dem Geld, dass die Länder dieser Erde allein im letzten Jahr für das Militär ausgegeben haben, hätten wir 705 Marsrover finanzieren können! Also zwei Raumsonden jeden Tag! <br />
<br />
Ihr könnt gerne selbst weiter rechnen. Beispiele werden sich genug finden lassen. Man könnte zum Beispiel ausrechnen, wie viele Marsrover man mit dem Geld kaufen könnte, dass die Banker dieser Welt bei ihren Glücksspielen verloren haben. Ich habs nicht gemacht, weil es wohl zu deprimierend wäre...<br />
<br />
2 Milliarden Euro für einen Rover am Mars sind definitiv nicht wenig Geld! Aber verglichen mit dem Geld, dass ständig für andere Dinge ausgegeben wird, <i>ist</i> es wenig. Die olympischen Spiele in London haben uns 2 Wochen lang gut unterhalten. Curiosity wird die nächsten <i>Jahre</i> den Mars erforschen. Curiosity wird jahrelang spannend sein. Bei den olympischen Spielen bekommen manche Menschen am Ende eine Medaille aus Metall, die meist nach wenigen Jahren wieder vergessen ist. Curiosity schenkt uns <i>allen</i> vielleicht am Ende ein völlig neues Weltbild und einen neuen Blick auf unseren Platz im Universum, der für immer bestehen bleibt. Und das alles für viel weniger Geld... 	<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/11a66df919054c5e8a6f84f717aadd71" width="1" height="1" alt=""><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/08/wissenschaft-vs-sport-uber-scheinbare-geldverschwendung-und-dinge-die-wirklich-viel-kosten.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 10 Aug 12 11:07:53 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title><![CDATA[R&auml;tsel III [Mathlog]]]></title>
<description><![CDATA[Gender-Bias in Mathematik-Aufgaben, jetzt auch bei Telepolis.Was ist die letzte Ziffer des Produkts der ersten 25 Primzahlen? (Falls jemand die Primzahlen nicht auswendig weiß, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Primzahl">Wikipedia hilft</a>: 2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, 31, 37, 41, 43, 47, 53, 59, 61, 67, 71, 73, 79, 83, 89, 97.)<br />
<br />
<br />
<br />
Auf diese Aufgabe stieß ich vor einigen Monaten in einem Artikel des Buchautors <a href="http://www.amazon.com/G.-Patrick-Vennebush/e/B003W13FV0">G.Patrick Vennebusch</a> unter der &Uuml;berschrift <a href="http://mathjokes4mathyfolks.wordpress.com/2012/04/29/prime-number-problem-and-gender-bias/">"Prime numbers and Gender bias"</a>. Im Artikel wurde diese Aufgabe als Beispiel f&uuml;r eine Mathematik-Aufgabe mit "gender bias" diskutiert, also als eine Aufgabe, die M&auml;dchen benachteiligen w&uuml;rde:<br />
<blockquote>I mentioned to AJ that if a larger number were chosen -- for instance, if it involved the product of the first 1,000 prime numbers -- then it might be more obvious that students ought to look for a pattern. "You haven't met my daughter," he said. "She'd still try to compute it."<br />
</blockquote><br />
Vennebusch ist eigentlich bekannt als Autor eines mathematischen Witzebuchs, aber <a href="http://mathjokes4mathyfolks.wordpress.com/2012/04/29/prime-number-problem-and-gender-bias/">dieser Artikel</a> ist offenkundig ernstgemeint. (Immerhin bezweifelt er aber doch die in einem AAUW-Report empirisch beobachtete Feststellung, dass die Aufgabe "What is the value of n if n + 2 = 7?" M&auml;dchen benachteiligen w&uuml;rde.)<br />
<br />
Ich hatte damals kurz &uuml;berlegt, ob ich die Aufgabe hier zur Diskussion stelle, die Sache dann aber wieder vergessen. <br />
<br />
Ins Ged&auml;chtnis kam mir der Artikel wieder durch den gestern auf Telepolis ver&ouml;ffentlichten Artikel von Florian R&ouml;tzer &uuml;ber eine psychologische Studie, welche "geschlechtsspezifische Unterschiede bei der L&ouml;sung arithmetischer Aufgaben" festgestellt haben will. (Wegen des <a href="http://www.scienceblogs.de/mathlog/2012/01/wissenschaftler-aller-lander-vereinigt-euch.php">Elsevier-Boykotts</a> verlinke ich hier nicht auf die Original-Arbeit, sondern nur auf den <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/10/152494">Artikel in Telepolis</a>.) In dem Artikel geht es um die additiven F&auml;higkeiten von Grundschulkindern. Ich habe jetzt weder Zeit noch Lust mich mit dem Artikel oder der Studie zu besch&auml;ftigen, aber wenn jemand hier in den Kommentaren etwas dazu schreiben will: nur zu!<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/mathlog/2012/07/ratsel-iii-1.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Tue, 31 Jul 12 20:02:30 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Armes Bayern [Gesundheits-Check]</title>
<description><![CDATA[Ein Hinweis vorweg: Der folgende Beitrag stellt keine politikwissenschaftliche Analyse dar. Er ist Resultat eines Unbehagens, das mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Eschenburg" rel="nofollow">Theodor Eschenburg</a> zur Feststellung kommt: „Die Gesamtsituation ist unbefriedigend". Auch wenn sonst alles gut ist.<br />
<br />
<br />
<br />
Armes Bayern. Die <a href="http://www.moodys.com/pages/default_de.aspx" rel="nofollow"> Ratingagentur Moody´s</a> hat jetzt auch Bayern eine Mahnung zugestellt. Zwar ist Stoiberland noch längst nicht abgebrannt, zwar behält Bayern sein AAA-Rating, aber die Zukunftsperspektiven Bayerns sieht Moody´s nicht mehr ganz so rosig. Das ist etwas kurios, weil diese kassandrischen Gesänge damit begründet werden, dass Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke Banken in Europa rettet. Wirtschaftliche Stärke bedeutet so gesehen Schwäche. Orwell hätte seine Freude an diesen Zeiten. Aus bayerischer Sicht ist es ein besonderes Unding, dass wir Bayern jetzt auch noch Deutschlands europäisches Gutmenschentum ausbaden müssen - wo wir doch nicht mal den innerdeutschen Länderfinanzausgleich mögen. Wir kriegen ja nichts mehr.<br />
<br />
Das Thema Finanzpolitik ist aber auch sonst nicht arm an Kuriositäten. Da leihen die Steuerzahler den Banken Geld zum Nulltarif, damit die Banken den Steuerzahlern teure Kredite geben können. Etwas seltsam ist das schon, oder? Was mich außerdem schon lange befremdet, ist die Rede von der „Systemrelevanz" der Banken. Davon steht im Grundgesetz so kein Wort, eher könnte man aus der Lektüre dort auf die Idee kommen, die Menschenwürde sei systemrelevant. Aber davon hat man noch nie was gehört. Was wäre das auch für ein System?<br />
<br />
Sehr schön hat übrigens die Süddeutsche Zeitung gestern die Reaktion des bayerischen Finanzministers Markus Söder auf Moody´s umschrieben: „Söder stuft Moody´s herunter". Weiter so, Herr Finanzminister. Vielleicht wird aus dem Primat der Politik ja doch noch was.<br />
<br />
Aber irgendwie trifft Moody´s schon den weißblauen Nerv der Zeit. Bayern wirkt in letzter Zeit eigenartig perspektivlos. Nicht nur das Wetter, auch sonst. Und das ein Jahr vor den Landtagswahlen. Die stolze CSU, die aus dem rückständigen Agrarland Bayern einst eine moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft gemacht hat, unter Bewahrung gewisser Rückständigkeiten natürlich, die als „bayerische Lebensart" gelten - Laptop und Lederhose eben, diese CSU hat in den letzten Jahren spürbar an geistiger Vitalität eingebüßt. Ob Atomenergie, G8, Transrapid oder Flughafenausbau, sie trifft irgendwie nicht mehr ins Schwarze. Sie hat aber eine Lebensversicherung, die bayerische SPD. Wer wählt schon statt der CSU eine SPD, bei deren Vorsitzendem sich die Älteren unter uns fragen, wie sich Heintje all die Jahre so gut halten konnte und deren Spitzenkandidat nicht weiß, <a href="http://www.sueddeutsche.de/bayern/ude-muss-bayern-besser-kennenlernen-mit-landkarte-in-den-wahlkampf-1.1171144" rel="nofollow">wo Aschaffenburg liegt</a>? Wer oben und unten in Franken verwechselt, bringt das vielleicht auch sonst durcheinander. Und weiß jemand, was die SPD überhaupt politisch anders und besser machen will, was ihre 10 zentralen Themen sind? Äh ... , nun gut, das weiß man bei der geseehoferten CSU auch nur noch mit kurzer Halbwertszeit.<br />
<br />
Zur FDP sage ich lieber gar nichts Schlechtes. Das wäre Leichenschändung. Ratingtechnisch ist die Partei auf Ramschniveau. Aber schlimmer geht immer: Die Linkspartei in Bayern steht vermutlich inzwischen unter der Beobachtung des Sektenbeauftragten, ein esoterischer Zirkel, Ernst, aber nicht ernst gemeint. Immerhin fährt Ernst symbolträchtig einen roten Porsche, die Erben der Arbeitereinheitsfront haben wenigstens Sinn für schwarzen Humor. Wir haben dann noch „Freie Wähler", aber frei sind die nicht, die hat ihr Chef im <a href="http://www.sueddeutsche.de/bayern/aiwangers-schraubstock-hubert-und-die-rippe-1.472041" rel="nofollow">eisernen Griff</a>, der Rippenbruch gilt in diesen Kreisen als Liebkosung. GRÜNE auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gibt es in Bayern natürlich auch, derzeit lost in time and space, weil Merkel die Atomkraftwerke abschaltet und Söder gegen Gentechnik und Donauausbau ist. Vielleicht sollten sie schon mal den grünen Porsche bestellen. Ach ja, PIRATEN haben wir neuerdings auch. Die sind aber bei uns wie im Rest der Republik noch dabei, politische Positionen zu kapern. Ob sie schon Beute gemacht haben, ist nicht bekannt. <br />
<br />
Da stabilisiert sich also ein System von Untoten und Toten gegenseitig. Was bleibt da 2013? Soll man wünschen, dass die Toten an die Regierung kommen, damit die Untoten eine Chance auf Rekonvaleszenz kriegen (oder gar ein christliches Wunder geschieht und die Toten auferstehen)? Soll man sich für ein „Weiter so" entscheiden, weil es uns ja eigentlich in Bayern trotz Moody´s Blues gar nicht schlecht geht? Ja, wir jammern auf hohem Niveau, auf Triple-A-Niveau sogar, granteln, heißt das auf bairisch. Die Gesamtsituation ist eben unbefriedigend!<br />
<br />
<br />
<b>Nachtrag 30.7.2012:</b> Vor ein paar Tagen hat das Bayerische Sozialministerium den <a href="http://www.stmas.bayern.de/sozialpolitik/sozialbericht/" rel="nofollow">3. Bayerischen Sozialbericht</a> veröffentlicht. Er bestätigt, dass es uns in Bayern - im Durchschnitt, verglichen mit Preußen, materiell gesehen - recht gut geht. Das macht das Granteln nicht leichter. <br /><a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/07/armes-bayern.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 27 Jul 12 16:25:55 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Das private Leben von Sally Ride [Geograffitico]</title>
<description><![CDATA[Dass es nach den Meldungen zum <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/zum-tod-von-sally-ride.php">Tod von Dr. Sally Ride</a> Diskussionen geben würde, hatte ich erwartet, sogar erhofft: Diskussionen darüber, warum<a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/04/was-frauen-die-lust-auf-technik-verdirbt.php"> Frauen trotz nachgewiesen gleicher Befähigung noch immer in mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Berufs- und Forschungsfeldern benachteiligt</a> sind. Doch die Debatte, die sich nun zum <a href="http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5i0YrCpbx_pR99IxRWUcgxbJn19Mg?docId=7d69eb5fd34b4630a5df0d2fce707f6d">Shitstorm</a> auszuweiten scheint, geht nicht um die Leistungen von Sally Ride im Besonderen und Frauen im Allgemeinen - sondern eigentlich nur darum, dass die promovierte Physikerin/Astronautin/Unternehmerin seit 27 Jahren eine Lebensgefährtin hatte. Ich kann zwar die Häme verstehen, die nun über Politiker wie <a href="http://twitter.com/MittRomney/status/227537833345294336">Mitt Romney</a> oder <a href="http://twitter.com/SpeakerBoehner/statuses/227529280677085185">John Boehner </a>ausgegossen wird, die einerseits salbungsvoll eulogisieren, aber andererseits nicht zögern, Homosexuelle - und damit implizit auch Sally Ride - als Bürger zweiter Klasse zu behandeln. Aber auch die <a href="http://thenewcivilrightsmovement.com/sally-ride-was-a-lesbian-why-the-media-is-refusing-to-tell-you/discrimination/2012/07/24/44445">Medien kommen unter Beschuss</a>, weil sie in ihren Nachrufen die Homosexualität von Sally Ride nicht prominent gewürdigt hätten.Und da komme ich erst mal nicht mit: Ist es wirklich das maßgebliche Thema, welche sexuelle Orientierung Sally Ride - die übrigens von 1982 bis 1987 mit ihrem Astronautenkollegen <a href="http://www.jsc.nasa.gov/Bios/htmlbios/hawley.html">Steve Hawley </a>verheiratet war - hatte? Wichtiger als ihre Rolle als Astronautin, als Vorbild und Erzieherin? Frau Dr. Ride war eine sehr private Person - dass sie in einer lesbischen Beziehung lebte, wurde erst durch die <a href="https://www.sallyridescience.com/sallyride/bio"> Mitteilung</a> bekannt, in der ihre Firma (vermutlich verfasst von ihrer Lebens- und Businesspartnerin <a href="https://www.sallyridescience.com/bios/oshaughnessy.html">Tam O'Shaughnessy</a>) ihren Tod bekannt gab. In ihrem <a href="http://www.nytimes.com/2012/07/24/science/space/sally-ride-trailblazing-astronaut-dies-at-61.html?pagewanted=3&_r=2&hp">Nachruf</a> verwendete die <a href="http://www.nytimes.com">New York Times </a> etwa die gleiche Ein-Satz-Formulierung: <blockquote>In addition to Tam O'Shaughnessy, her partner of 27 years, Sally is survived by her mother, Joyce; her sister, Bear;...</blockquote>schrieb die Firma, vermutlich dem Willen ihrer Gründerin folgend, und <blockquote>Dr. Ride is survived by her partner of 27 years, Tam O'Shaughnessy; her mother, Joyce; and her sister, Ms. Scott, who is known as Bear</blockquote>steht in der NY Times. Doch der Blogger <a href="http://andrewsullivan.thedailybeast.com/">Andrew Sullivan</a> wittert hier eindeutige Homophobie:<blockquote>The only thing preventing the NYT from writing an honest obit is homophobia. They may not realize it; they may not mean it; but it is absolutely clear from the obit that Ride's sexual orientation was obviously central to her life. And her "partner" (ghastly word) and their relationship is recorded only perfunctorily. The NYT does not routinely only mention someone's spouse in the survivors section. When you have lived with someone for 27 years, some account of that relationship is surely central to that person's life. To excise it completely is an act of obliteration</blockquote>wettert er <a href="http://andrewsullivan.thedailybeast.com/2012/07/americas-first-woman-in-space-was-a-lesbian-ctd-1.html">hier</a>. Aha. Wenn also jemand sagt "mein Privatleben ist meine Privatangelegenheit", und ein Medium diesen Wunsch uneingeschränkt honoriert, dann ist homophob? Ich bin ja gerne bereit, die Unfähigkeit meiner Fachkollegen anzuprangern, aber wie, bitteschön, hätte der Nachruf sonst aussehen sollen? Sich breit darüber auslassen, dass die Astronautin ihre sexuelle Neigung bis zu ihrem Tod vertraulich gehalten hat? Dass sie sich nie offen dazu bekannt hat? (Auch Sullivan und all jene, die jetzt "Homophobie" schreiben, wussten das ja erst nach ihrem Tod.) Oder, besser noch, schon zu Lebzeiten die Nase in ihr Prvatleben stecken und sie "outen" sollen? Wollen wir das wirklich lesen?<br />
<br />
Nein, andersherum wird ein Schuh draus: Die Leistungen von Sally Ride sprechen für sich. Sie war ein(e) Astronaut(in), Physiker(in) und Unternehmer(in). Dass sie eine Frau war, hatte garantiert mehr Bedeutung für andere, die dies thematisiert sehen wollen, als für sie selbst. Und dass sie als Frau eine Frau liebte - das war ihre private Angelegenheit. Wenn sie zu Lebzeiten nicht wollte, dass es an die große Glocke gehängt wird, dann sollte es auch aus Anlass ihres Todes mit dem gleichen Respekt behandelt werden. Eben so, wie sie es wollte.<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/das-private-leben-von-sally-ride.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Thu, 26 Jul 12 04:06:13 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>US-Russische Handelsbeziehungen und die Menschenrechte (Teil II) [zoon politikon]</title>
<description><![CDATA[<img alt="rb2_large_gray.png" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/rb2_large_gray.png" width="70" height="85" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" />Dies ist der zweite Teil zu den US-Russischen Handelsbeziehungen und der Frage der Menschenrechte. Wer den ersten Teil verpasst hat, findet <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/menschenrechte-und-freihandelsabkommen.php">diesen hier</a>.Wer internationale Politik mitverfolgt kann leicht zynisch werden. Manchmal ist es Selbstschutz aber oft ist es eine durch beobachtete Dopplestandards, pragmatische Kompromisse und äusseren Zwängen genährte Wahrnehmung, dass das System bar jeder Moral und Idealen funktioniert. Nun wäre es am einfachsten den USA zu unterstellen, dass sie die Handelsliberalisierung mit Russland mit Menschenrechtsfragen koppeln möchten ihnen einen willkommenen Hebel in die Hand gibt, um, sollte es plötzlich opportun sein, einen Rückzieher zu machen oder damit zu drohen. Das ist kaum von der Hand zu weisen und auch Russland lässt eine solche Gelegenheit meist nicht vorbeiziehen.<br />
<br />
Nun ist eine Politik immer das Resultat verschiedener Kräfte und Interessen. Direktbetroffene, Lobbies, Politikerinnen und Politiker kurz vor oder nach Wahlen und mehr oder weniger idealistische Nichtregierungsorganisationen (ich möchte hier auch kurz bemerken, dass "idealistisch" keineswegs "gut" bedeuten muss; der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert, wie man auf Englisch sagt). Nun finde ich es schwer die dominanten Motive des US Kongresses zu eruieren warum er den Freihandel mit Russland an Menschrechte koppeln will. Diese Spekulationen sind für ein anderes Mal. Hier geht es darum, dass es durchaus Hinweise gibt, dass solche Massnahmen effektiv sind. Mir sind zu diesem Thema zwei Artikel bekannt, deren Schlussfolgerungen ich hier kurz wiedergeben möchte.<br />
<br />
Da wäre zuerst Emilie Hafner-Burton, die sich Freihandlesabkommen ausserhalb der WTO annimmt (<a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=325071">Trading human rights: How preferential trade agreements influence government repression</a>, <em>International Organization</em>, 59(03):593-629, 2005 [paywall]). Sie argumentiert, dass es zwei Möglichkeiten gibt einen anderen Staat dazu zu bewegen, Menschenrechte besser zu respektieren: Überzeugeung (<em>Persuasion</em>) oder Zwang (<em>Coercion</em>). Das Problem mit Überzeugung ist, dass sie lange dauert, man mit wechselnden Gesprächspartnern konfrontiert ist und man permanenten Zugang benötigt. Diverse Formen von Zwang (oder "Druck", wer diese Formulierung bevorzugt) sind diesbezüglich wesentlich effektiver. Sie vergleicht auf dieser Basis "reine" Menschenrechtsabkommen mit Freihandelsabkommen die Menschenrechtsregelungen beinhalten. Sie überprüft ob nach dem Inkraftreten solcher Abkommen Repression gegen die Bevölkerung abgenommen hat. Dazu benutzt sie Datensätze, die auf Berichten von Amnesty International beruhen. Sie stellt fest, dass je "härter" die Regelung in einem Freihandelsabkommen ist, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitgliedstaat repressive Methoden anwendet.<br />
<br />
Der zweite Artikel, den ich erwähnen möchte, stammt von Susan Ariel Aaronson und Rodwan Abouharb (<a href="http://elliott.gwu.edu/assets/docs/research/articles/aaronson-unexpected-bedfellows.pdf">Unexpected Bedfellows: The GATT, the WTO and Some Democratic Rights</a> <span style="font-style: italic;">International Studies Quarterly</span>, 2011). Im Gegensatz zu Hafner-Burton konzentrieren sich die beiden auf die Welthandelsorganisation (WTO) in ihrem Artikel. Sie argumentieren folgendermassen: Die WTO verlangt von ihren Mitgliedern, dass aus dem Ausland importierte Produkte (und deren Produzenten) eine gewisse Rechtsicherheit gewährt wird. Diese beinhaltet zum Beispiel das Recht auf ein ordentliches Verfahren, gewisse politische Teilnahme an der Entscheidungsfindung und Bestimmungen zur Transparenz in der Gesetzgebung. Diese Rechte werden auch den inländischen Firmen gewährt. Aaronson und Abouharb argumentieren nun, dass diese "Fähigkeiten" (<em>skills</em>) auch auf andere Politikbereiche übertragen werden können, da Handel heutzutage eine fast alle Bereiche betrifft von Umweltschutz bis zu Gesundheitspolitik. Tatsächlich finden die beiden in ihrer Analyse einen Zusammenhang zwischen WTO Mitgliedschaft und gewissen demokratischen Rechten. Je länger ein Staat dabei ist, desto besser sieht es bei ihm intern diesbezüglich aus.<small><sup>1</sup></small><br />
<br />
Das Argument, dass Demokratie, der Rechtsstaat, persönliche Freiheiten und Menschenrechte Freihandel auf den Fuss folgen, ist ein altes Argument (vielleicht erinnert sich wer an die <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/12/internationale-beziehungen-von-midlleearth-teil-i.php">Elben-Analogie</a>) und eng mit mit der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Idealism_in_international_relations#Liberalism">Denkschule des Idealismus</a>' (oder spezifischer in dem Fall Liberalismus) in internationalen Beziehungen verbunden. Die grosse Frage ist natürlich, gesetzt der Fall, Freihandel ist wirklich ein effektives Mittel um Menschenrechten zur Durchsetzung zu verhelfen, will man dies wirklich. Wie kann verhindert werden, dass solche Rechte nur als Vorwand für Protektionismus oder als Druckmittel verwendet werden? Wie kann man sicherstellen, dass diese sachfremden Themen nicht für Machtspiele missbraucht werden? Aber vielleicht drückt da bei mir nur der Zyniker wieder durch.<br />
<br />
<small><sup>1</sup>WTO Mitgliedschaft ist zumindest für die Anfangsjahre durchaus eine selektive Variabel, da es sich mehrheitlich um demokratische Staaten handelte (ich bin unter anderem deshalb etwas ihren Resultaten gegenüber etwas skeptischer). Nun kontrollieren die beiden jedoch auf diverse potentielle andere Einflüsse und auch die effektiven Rechte, die sie betrachten variieren. Die Details kann und will ich hier aber nicht besprechen. Da der Artikel frei erhältlich ist, kann diese Diskussion natürlich in den Kommentaren geführt werden, wenn jemand dies möchte.</small><br />
<br />
<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=International+Organization&rft_id=info%3Adoi%2F10.1017%2FS0020818305050216&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=Trading+Human+Rights%3A+How+Preferential+Trade+Agreements+Influence+Government+Repression&rft.issn=&rft.date=2005&rft.volume=&rft.issue=&rft.spage=&rft.epage=&rft.artnum=&rft.au=Emilie Hafner-Burton&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Social+Science%2CPolitical+Science">Emilie M Hafner-Burton (2005). Trading Human Rights: How Preferential Trade Agreements Influence Government Repression <span style="font-style: italic;">International Organization</span> DOI: <a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1017/S0020818305050216">10.1017/S0020818305050216</a></span><br />
<br />
<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=International+Studies+Quarterly&rft_id=info%3Adoi%2F10.1111%2Fj.1468-2478.2011.00646.x&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=Unexpected+Bedfellows%3A+The+GATT%2C+the+WTO+and+Some+Democratic+Rights&rft.issn=&rft.date=2011&rft.volume=&rft.issue=&rft.spage=&rft.epage=&rft.artnum=&rft.au=Susan+Ariel+Aaronson+and+M.+Rodwan+Abouharb&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Social+Science%2CPolitical+Science">Susan Ariel Aaronson and M. Rodwan Abouharb (2011). Unexpected Bedfellows: The GATT, the WTO and Some Democratic Rights <span style="font-style: italic;">International Studies Quarterly</span> DOI: <a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-2478.2011.00646.x">10.1111/j.1468-2478.2011.00646.x</a></span><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/us-russische-handelsbeziehungen-und-die-menschenrechte-teil-ii.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Wed, 25 Jul 12 22:05:28 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Amerikas Waffen-Epidemie [Geograffitico]</title>
<description><![CDATA[Wieder mal eine <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/es-geht-um-mehr-als-ein-stuck-haut.php">leicht verspätete Reaktion</a> meinerseits auf ein aktuelles Ereignis - diesmal auf das <a href="http://www.spiegel.de/thema/die_aurora_morde_2012/">Blutbad</a>, das ein durchgeknallter (kein Wortspiel beabsichtigt!) junger Mann am vergangenen Freitag in einem Kino in Aurora (Colorado) angerichtet hatte. Aber diesmal ist die Ursache meines Zögerns die pure Resigniation - die Einsicht, dass auch dieser Waffenmissbrauch nichts an der Waffenverliebtheit Amerikas ändern wird. Und prompt war eine der ersten Reaktionen eines US-Politikers (in diesem Fall des texanischen Kongressabgeordneten <a href="http://gohmert.house.gov/">Louie Gohmert</a>, dass das Problem <a href="http://www.cbsnews.com/8301-503544_162-57476790-503544/gop-rep-links-shooting-to-attacks-on-judeo-christian-beliefs/?tag=contentMain;contentBody">nicht zu viele, sondern zu wenige Waffen</a> seien:<blockquote>"With all those people in the theater, was there nobody that was carrying a gun that could have stopped this guy more quickly?"</blockquote>Was aus meiner Sicht zum tödlichen Waffenbesitz zu sagen/schreiben wäre, habe ich nach dem <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2011/01/die-todliche-logik-des-waffenbesitzes.php">Massaker von Tuscon (Arizona) vor mehr als einem Jahr</a> schon geschrieben. Der Einfachheit halber stelle ich den kompletten Beitrag hier noch einmal ein; meine LeserInnen mögen in Gedanken einfach nur "Tucson" durch "Aurora, Colorado" ersetzen:<br />
<br />
=======================================<br />
<br />
<big>Die tödliche Logik des Waffenbesitzes</big><br />
<br />
<form mt:asset-id="22140" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/M%C3%BCndungsfeuer.jpg"><img alt="Mündungsfeuer.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Mündungsfeuer-thumb-299x164.jpg" width="299" height="164" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 10px;" /></a></form>Über die <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2011/01/giffords-gedanken-zu-politischer-gewalt.php">möglichen politischen Konsequenzen des Attentats von Tuscon</a> (Arizona), bei dem die demokratische US-Abgeordnete Gabrielle Gifford durch einen Kopfschuss schwer verletzt und sechs Personen (darunter ein neunjähriges Mädchen) getötet wurden, hatte Ali bereits auf seinem Blog <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon">Zoon Politikon</a> nachgedacht. Ich will hier das Thema aus einem etwas anderen Winkel noch aufgreifen und mich zur (Un-)Möglichkeit äußern, dass der Anschlag vielleicht zu einer strengeren Waffengesetzgebung in den USA führen könnte. Diese Diskussion, die nach jedem Schusswaffenmassaker - <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schulmassaker_von_Littleton">Littleton (Columbine)</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_an_der_Virginia_Tech">Blacksburg (Virginia Tech) </a>fallen mir spontan ein - angestrengt wird, hat auch sofort nach den Schüssen von Tucson begonnen. Um meine Meinung gleich vorweg zu sagen: Weder Columbine noch Virginia Tech haben zu einer Verschärfung der Waffengesetzgebung geführt, und auch nach Tuscon wird sich hier nichts ändern.<br />
<br />
Da ist ja zuerst mal die amerikanische Verfassung, die dem Waffenbesitz einen hohen Rang einräumt und ihn als zweiten Verfassungszusatz (Second Amendment) in der <a href="http://www.constitution.org/billofr_.htm">Bill of Rights</a> garantiert:<blockquote style="background-color:#F8E0E0">A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed.<br />
<em><small>Da eine gut geordnete Miliz notwendig für die Sicherheit eines freien Staates ist, soll das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beschnitten werden.</small></em></blockquote>Dass da auch die Worte "well regulated" stehen, also selbst die Verfasser dieses Grundrechtsartikels schon irgend eine Ordnung und Kontrolle im Sinn gehabt haben müssen, ist - wie ich nach 20 Jahren in diesem Land weiß - eine naive Sichtweise; die herrschende Rechtsauslegung basiert auf der als übergeordnet eingestuften Vorschrift <em>"shall not be infringed"</em>. Ergo: Keine, oder wenn, dann nur minimale Waffenkontrolle (Arizona ist ein Staat mit extrem lockerer Waffengesetzgebung; jeder darf praktisch überall eine Waffe bei sich tragen).<br />
<br />
<br />
Nun zeigt die Logik - und die Statistik - zwar, dass die Zahl der Waffendelikte direkt mit der Zahl der verfügbaren Waffen gekoppelt sein muss. Die nachstehende Grafik bestätigt diesen Zusammenhang:<form mt:asset-id="22129" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/International1.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/geograffitico/International1.php','popup','width=1383,height=1452,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/assets_c/2011/01/International-thumb-550x577.gif" width="550" height="577" alt="International.gif" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a></form><em><small><a href="http://www.gun-control-network.org/GF01.htm">Via Gun Control Network </a></small></em><br />
<br />
Aber selbst solche Zahlen ändern nichts an der "tödlichen Logik" (<a href="http://www.lethallogicthebook.com/">Lethal Logik</a> ist auch der Titel eines Buches von <a href="http://www.huffingtonpost.com/dennis-a-henigan">Dennis Henigan</a> vom <a href="http://www.bradycenter.org/about/bio">Brady Center to Prevent Gun Violence</a>), die Amerikas Waffendiskussion mit plakativen Parolen auf Schlagzeilenniveau reduziert hat: <br />
<br />
<em><strong>"Guns don't kill people; people kill people."<br />
</strong></em><em><small>Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen.</small></em><br />
<br />
<em><strong>"When guns are outlawed, only outlaws will have guns."<br />
</strong></em><em><small>Wenn Waffenbesitz zum Verbrechen wird, werden nur Verbrecher Waffen besitzen.</small></em><br />
<br />
Und natürlich, nicht mehr zu toppen, jene pathetische Rede des damaligen Vorsitzenden der <a href="http://home.nra.org/#/home">National Rifle Association</a></a>, Charlton Heston, aus dem Jahr 2000, in dem er Politikern wie Al Gore (damals Vizepräsident), die für mehr Waffenkontrolle eintraten, entgegenschleuderte: "Ihr könnt meine Waffe haben - wenn ihr sie meinen kalten, toten Händen entringt."<br />
<object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/5ju4Gla2odw?fs=1&amp;hl=en_US"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/5ju4Gla2odw?fs=1&amp;hl=en_US" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object><br />
Und so wird sich für jeden Amerikaner, der nun nach Tuscon <a href="http://www.cbsnews.com/8301-503544_162-20028184-503544.html">strengere Waffenkontrollen </a>fordert, einer finden, der <a href="http://republicanifi.com/news/Keith-Fimian-Says-College-Students-Should-Pack-Heat-1505643.html">gerade deswegen die Waffenkontrolle lockern will</a>. Und darum wird auch am Ende vielleicht ein Gesetzesentwurf herauskommen, der die <a href="http://www.csmonitor.com/USA/Politics/2011/0111/Congress-readies-new-gun-control-bills-after-Gabrielle-Giffords-shooting">Zahl der Patronen begrenzt, die in einem Magazin enthalten</a> sein dürfen, was etwa so wirksam sein dürfte wie der Vorschlag, tödliche Alkoholfahrten durch eine Verkleinerung der Benzintanks zu verhindern.<br />
<big><strong><br />
Eine Million Todesopfer in den USA</strong></big><br />
<form mt:asset-id="22134" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet1.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet1.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form>Aber folgende Zahlen, die ich auf der Website der <a href="http://www.bradycampaign.org/facts/gunviolence">Brady Campaign</a> gefunden habe, sprechen eigentlich eine viel deutlichere Sprache als alle Stammtischparolen und Politiker-Plattitüden:<form mt:asset-id="22135" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet2.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet2.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form><ul><li>In einem durchschnittlichen Jahr werden etwa 100.000 Menschen in den USA durch Schusswaffen verletzt oder getötet</ul></li><form mt:asset-id="22136" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet3.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet3.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form><ul><li>Die Rate der Gewaltverbrechen liegt in den USA um das 6,9-Fache höher als in den 22 vergleichbaren Industrienationen zusammengerechnet. </ul></li><form mt:asset-id="22137" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet4.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet4.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form><ul><li>80 Prozent aller Tötungsdelikte mit Schusswaffen, die in den 23 höchstindustrialisierten Ländern verübt werden, geschehen in den USA</ul></li><form mt:asset-id="22138" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet5.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet5.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form><ul><li>Der volkswirtschaftliche Schaden durch Schusswaffen wird auf runde 100 Milliarden Dollar jährlich geschätzt</ul></li><form mt:asset-id="22139" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet6.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet6.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form>Seit den Attentaten auf Martin Luther King jr. und Robert F. Kennedy im Jahr 1968 sind <u>mehr als eine Million Menschen</u> in den USA durch Schusswaffen ums Leben gekommen - das ist, als ob jemand die gesamte Stadt Köln ausradiert hätte ...<form mt:asset-id="22142" class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Bullet7.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/Bullet7.jpg" width="549" height="32" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></form><br />
<br />
<strong>Nachtrag am 13.1.2011: Wer nun immer noch meint, dass der Zusammenhang zwischen Waffenbesitz und Waffengewalt hier noch nicht ausreichend belegt und dokumentiert sei, dem empfehle ich einen Blick auf <a href="http://www.hsph.harvard.edu/research/hicrc/firearms-research/guns-and-death/index.html">diese Seite</a>, wo <a href="http://www.hsph.harvard.edu/research/hicrc/faculty-and-staff/hemenway-david/index.html">David Hemenway</a>, Professor und Direktor des <a href="http://www.hsph.harvard.edu/research/hicrc/index.html">Harvard Injury Control Center</a> an der <a href="http://www.hsph.harvard.edu/">Harvard School of Public Health</a>, mal eine ganze Reihe von wissenschaftlich belegten Fakten (nebst Quellennachweisen) zusammengestellt hat.</strong><br />
<em><small>Fotos: <li>Clinton & Charles Robertson (CC) via <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Glock_17_%289mm%29_Muzzle_Flash.jpg">Wikimedia Commons</a></li><li><a href="http://web.mit.edu/Edgerton/">Edgerton Center/MIT</a>; eigene Fotomontage</li></small></em><br />
<br />
<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/amerikas-waffen-epidemie.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Tue, 24 Jul 12 00:36:40 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>US-Russische Handelsbeziehungen und die Menschenrechte (Teil I) [zoon politikon]</title>
<description><![CDATA[Am <a href="http://www.ntn24.com/news/news/russian-parliament-approves-hi-15088">10 Juli 2012 hat die Russische Duma den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) besiegelt</a>. Dies war der letzte Schritt von scheinbar endlosen Verhandlungen, die sich seit 1993 zäh vorwärts bewegten (über die Hintergründe habe ich <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2010/11/welthandelsorganisation-der-david-in-der-working-party-gegen-den-russischen-goliath.php">hier schon geschrieben</a>). Das heisst aber nicht, dass Russland ab sofort ins Freihandelsnirvana eintritt, wo Einhörner über Handelsschranken springen und am Ende eines jeden Regenbogens völlige Zollfreiheit herrscht. Wie immer steckt da noch viel Politik drin. Vor allem ist interessant, was sich im Moment gerade im US Kongress dazu abspielt. Darum gibt es hier einen Zweiteiler zu den US-Russischen Handelsbeziehungen und Menschenrechte in Freihandelsabkommen.Zwei Dinge müssen zuerst erklärt werden, um die Hintergründe des Problems verstehen zu können: Einerseits ist da der historisch Kontext in den USA zu erwähnen, anderseits zwei spezifische WTO Regeln (wer damit vertraut ist, kann sich die Langeweile sparen und gleich zum Abschnitt "Letzten Mittwoch hat die Finanzkommission des US Kongresses..." springen).<br />
<br />
Beginnen wir mit den WTO Regeln. Da wäre zuerst einmal ein zentrales Prinzip in der WTO, die sogenannte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meistbeg%C3%BCnstigungsprinzip"><em>Most favoured nation</em> Klausel (MFN) oder Meistbegünstigungsprinzip</a>. Sie besagt, dass ich jede Reduktion eines Zolles, welche ich einem Handelspartner gewähre, allen anderen Vertragsunterzeichnern ebenfalls zugestehen muss. Ich kann Land A nicht ein Privileg gewähren, das ich Land B verweigere. Die bringt uns zur zweiten, spezifischeren Regel, <a href="http://www.wto.org/english/docs_e/legal_e/04-wto_e.htm#articleXIII">Artikel XIII, des WTO Abkommens lautet nämlich</a>:<br />
<br />
<blockquote>This Agreement and the Multilateral Trade Agreements in Annexes 1 and 2 shall not apply as between any Member and any other Member if either of the Members, at the time either becomes a Member, does not consent to such application.</blockquote><br />
<br />
Die Aussage dieses Artikels ist eigentlich relativ simpel (und darum spar ich mir die Übersetzung): Das Abkommen trifft zwischen zwei Mitgliedern (und nur zwischen diesen) nicht in Kraft, wenn ein Land vor dem Beitritt einen Rückzieher macht. Dies passiert sehr selten, es gibt meines Wissens nur drei Länder, die diese Klausel bisher beansprucht haben: Die Türkei (gegenüber Armenien), El Salvador (gegenüber China) und die USA für sechs Länder, wobei sie den Vorbehalt für vier Länder drei Jahre später wieder zurückgezogen hat.<br />
<br />
Die USA haben also offensichtlich eine spezielle Umgang mit dieser Klausel. Dazu muss man wissen, dass in den USA MFN seit 1998 <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Permanent_normal_trade_relations"><em>permanent normal trade relations</em> (PNTR) heisst</a>. Grundsätzlich gewähren die USA allen Ländern PNTR ausser es gibt eine explizites Gesetz, welches diese zurück nimmt. Solche Gesetzte gibt es für Kuba und Nordkorea. Dann gibt es das sogennante <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jackson-Vanik_amendment"><em>Jackson-Vanik amendment</em></a> und hier nähern wir uns dem historischen Kern des Problems.<br />
<br />
Das Gesetz stammt von 1974 und regelte die Beziehungen mit Ländern des ehemaligen kommunistischen Blocks. Es entzog allen nicht-markt-basierenden Ökonomien den NTR Status, wenn sie die Auswanderung beschränkten (etwas dass damals ziemlich weit oben auf der Liste der Menschenrechte stand, deren Verletzung man dem Kommunismus vorwarf). Wie auch immer, der Präsident kann über eine Ausnahme zu dieser Regel verfügen (ja, die Ausnahme zur Ausnahme. Handelsgesetze ähneln diesbezüglich sehr französischer Grammatik). Eine solche Ausnahme gab es in den späten 70ern für China und sie wird jetzt auch regelmässig Russland zugestanden. Nun sollte es auch klar sein, warum die USA so oft den WTO Artikel XIII beanspruchten: Die betroffenen Länder waren nämlich Rumänien, die Mongolei, Kirgistan, Georgien, Moldova und Armenien (zurückgezogen wurde es für Rumänien, die Mongolei, Kirgistan und Georgien).<br />
<br />
Letzten Mittwoch hat die <a href="http://thecable.foreignpolicy.com/posts/2012/07/18/russia_trade_and_human_rights_legislation_advances_but_time_running_short">Finanzkommission des US Kongresses einstimmig eine Vorlage gutgeheissen</a>, die Russland rechtzeitig zum WTO Beitritt PNTR gewähren soll. Das Problem ist nun aber, dass man den "Menschenrechtsaspekt" nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen will (vermutlich ist man natürlich auch nicht abgeneigt, ein Druckmittel gegen Russland in den Händen zu behalten). Das Gewähren von PNTR ist daher mit einem anderen Gesetz gekoppelt, welche Sanktionen beim Nichteinhalten von Menschenrechten vorsieht. Die Version der grossen Kammer des Kongresses bezieht sich sogar spezifisch nur auf Russland.<br />
<br />
Nun muss das natürlich schnell über die Bühne gehen, da sonst eine Ausnahme unter Artikel XIII der WTO beansprucht werden muss, da der Beitritt unmittelbar bevorsteht. Ansonsten hätte das WTO Abkommen dann beidseitig keine Gültigkeit. In diesem Fall sorgen sich einige US Politkerinnen und Politiker, dass damit US Firmen benachteiligt wären, wenn sie nicht von den Handelsliberalisierungen mit Russland profitieren könnten. Selten werden die Spannungen zwischen Realpolitik, Wirtschaftspolitik und vermutlich teilweise sogar idealistischer Menschrechtspolitik so offensichtlich.<br />
<br />
<em>Morgen folgt dann ein zweiter Teil zu diesem Artikel in dem ich mich der Frage annehme, ob das Koppeln von Menschrechtsfragen an Handelsliberalisierung sinnvoll ist und was die Literatur in meinem Fach dazu sagt.</em><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/menschenrechte-und-freihandelsabkommen.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<link>http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/menschenrechte-und-freihandelsabkommen.php</link>
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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Mon, 23 Jul 12 14:00:52 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Wer braucht schon den Eiffelturm? [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Wissenschaft sieht sich oft dem Vorwurf gegenüber, zu teuer und zu nichts gut zu sein. Das trifft besonders auf Disziplinen wie Astronomie oder Physik zu, die einerseits große Geräte wie Teleskope, Satelliten oder Teilchenbeschleuniger verwenden und andererseits intensiv Grundlagenforschung betreiben. Im Gegensatz zur angewandten Forschung weiß man bei der Grundlagenforschung <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/05/das-zentrale-lemma-uber-die-anwendung-neuer-technologien.php">vorher noch nicht</a>, was sich damit später einmal anfangen lässt. Aber es ist trotzdem <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/der-wert-der-sinnlosigkeit.php">enorm wichtig</a>, diese Art von Forschung durchzuführen. Wie der Name schon sagt, stellt sie die <i>Grundlage</i> jeder weiteren Forschung dar. Jede Anwendung; jedes technische Gerät entspringt der Grundlagenforschung. Manchmal dauert es halt ein paar Jahrzehnte, bevor sich eine Anwendung ergibt (so war es zum Beispiel mit dem Laser und der Quantenmechanik). Aber eins ist sicher: Ohne Grundlagenforschung gibt es auf jeden Fall irgendwann <i>keine</i> neuen Anwendungen. Trotzdem ist das "Zu teuer und zu nichts gut"-Argument weit verbreitet und beliebt.Die <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/hat-man-das-higgs-jetzt-entdeckt-oder-was.php">Entdeckung des Higgs-Teilchens</a> ist ein gutes Beispiel. Dabei handelt es sich definitiv um Grundlagenforschung. Durch die Entdeckung des Higgs-Teilchens erwachsen uns unmittelbar keine neuen Anwendungen. Wir wisse nun "nur" ein wenig mehr über das Universum als vorher (was irgendwann mit ziemlicher Sicherheit zu neuen Anwendungen führen wird). Um das Higgs zu finden, brauchte man eine große und teure Maschine. Und neben den vielen positiven Stimmen zur Entdeckung gab es hier natürlich auch die, die meinten, der Betrieb eines Teilchenbeschleunigers wie des LHC sei reine Geldverschwendung. Das Geld könnte anderswo doch viel "sinnvoller" eingesetzt werden. <br />
<br />
Dieses Argument ist aus mehreren Gründen falsch. Einmal ist Forschung <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/10/wissenschaft-ist-teuer-unsinn.php">gar nicht so teuer</a> wie immer angenommen wird; auf jeden Fall nicht, wenn man sie <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/05/was-ist-uns-grundlagenforschung-wert.php">mit anderen Ausgaben vergleicht</a>. Und dann ist das Geld natürlich auch in der Grundlagenforschung sinnvoll eingesetzt. Nicht nur, weil es ohne Grundlagenforschung keinen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt mehr gibt (und der ist die Grundlage zur Lösung der meisten großen Probleme die wir haben). Forschung ist auch ganz für sich alleine eine sinnvolle Tätigkeit. Zach Weiner hat das in einem seiner Comics gut zum Ausdruck gebracht:<br />
<br />
<center><a href="http://www.smbc-comics.com/index.php?db=comics&id=2674"><br />
<img src="http://www.smbc-comics.com/comics/20120716.gif"></a></center><br><br />
<br />
Genau! Wer braucht schon den Eiffelturm? Was nützen uns die großen Pyramiden? Wozu ist die Mona Lisa im Louvre gut? <br />
<br />
Wir sind Menschen. Und weil wir Menschen sind, besteht unser Leben aus mehr als nur der Befriedigung unserer grundlegender Triebe. Wirklich <i>brauchen</i> tun wir nur Nahrung und eine Möglichkeit uns fortzupflanzen. Aber um wirklich zu <i>leben</i>, brauchen wir mehr. Wir brauchen die Mona Lisa, die Pyramiden, den Eiffelturm und all das was sie in uns auslösen. Wenn wir die Mona Lisa betrachten, dann befriedigt uns ihre Schönheit. Wenn wir die Pyramiden ansehen, dann fasziniert uns ihr Alter und ihre Geschichte. Das gleiche gilt auch für die Forschung. Wir erforschen die Welt nicht nur, weil wir mit diesem Wissen irgendwelche neuen Maschinen bauen wollen. Wir erforschen sie, weil wir <i>Menschen</i> sind, und weil wir die Welt <i>verstehen</i> wollen. Wir können nicht anders und es gut so. Der Blick auf die Welt, die uns große Teleskope oder Teilchenbeschleuniger liefern, ist für viele Menschen genauso wichtig und befriedigend wie es der Blick auf ein Gemälde oder die Lektüre eines Buches ist.<br />
<br />
Ein Wissenschaftler wurde einmal gefragt, ob er die Kosten des Hubble-Teleskops für gerechtfertigt gehalten hatte. Immerhin ist es eines der teuersten wissenschaftlichen Instrumente und hat bis jetzt insgesamt ungefähr 10 Milliarden Dollar gekostet. Die Antwort des Wissenschaftlers lautete: <i>"Das Hubble-Teleskop mag zwar teuer gewesen sein. Aber es hat uns das Universum gebracht!"</i>. Und dem kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen... <img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/7128f1c115c343708c7f7b45fbb5b94a" width="1" height="1" alt=""><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/wer-braucht-schon-den-eiffelturm.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Mon, 23 Jul 12 09:26:05 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Wahrheit, Frieden und Recht [Gesundheits-Check]</title>
<description><![CDATA[Eigentlich wollte ich nicht auch noch einen Blogbeitrag zur Beschneidungsfrage schreiben und damit die Diskussion zu diesem Thema hier auf scienceblogs weiter zersplittern. Schließlich gibt es schon ausführliche Debatten dazu bei <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/beschneidung-was-durfen-religionen.php" rel="nofollow">astrodicticum</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/es-geht-um-mehr-als-ein-stuck-haut.php" rel="nofollow">geograffitico</a> und <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/verstummeln-hat-doch-tradition.php" rel="nofollow">blooDNAcid</a>. Und ich bin weder Religionswissenschaftler, noch Jurist, noch Arzt. Was habe ich also überhaupt zu dem Thema beizutragen? Die Antwort darauf ist auch der Grund, warum ich jetzt doch einen Beitrag dazu mache. Es geht mir um einige eher „politische" Überlegungen zum Verlauf der Beschneidungsdebatte.Diese Debatte wird mit vielen Emotionen geführt, aber sie fördert auch viele Informationen zutage, die vorher so nicht im öffentlichen Bewusstsein präsent waren. Mir ist beispielsweise erst im Verlauf der Debatte klargeworden, dass die medizinische Bewertung der <i>präventiven</i> Beschneidung, im Gegensatz zur <i>therapeutischen</i> Beschneidung, nicht so einfach ist. Es gibt Pro- und Contra-Argumente und dabei spielen Rahmenbedingungen (z.B. um welche Länder und Gesundheitssysteme geht es) und Verfahrensvariationen (um welches Beschneidungsalter geht es, wer operiert, wird betäubt oder nicht usw.) eine wichtige Rolle. Allein bei <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/" rel="nofollow">Pubmed</a> gibt es mehr als 1.500 Einträge, wenn man nur nach „male infant circumcision" sucht. Mit spezielleren Suchstrategien oder in anderen Datenbanken, z.B. <a href="http://www.embase.com/" rel="nofollow">Embase</a>, habe ich gar nicht mehr gesucht. Zudem müsste man bei diesem Thema auch graue Literatur und Erfahrungsberichte einbeziehen, da möglicherweise die Studienlage allein nicht die ganze Wirklichkeit abbildet. Eine solche umfassende Evidenzsynthese, die die vorhandenen Erkenntnisse und Erfahrungen für eine Bewertung zur präventiven Beschneidung kleiner Kinder in Deutschland zusammenführt, scheint es bisher nicht zu geben. Das finde ich erstaunlich und aus meiner Sicht wäre das überfällig, auch für die angestrebte gesetzliche Regelung zur <i>rituellen</i> Beschneidung.<br />
<br />
Die Beschneidung aus rituellen Gründen, nicht aus medizinischen Gründen, ist Gegenstand der laufenden Debatte in Deutschland. Hier scheinen sich Positionen von säkularen Teilen der Gesellschaft, die sich auf die Werte (!) und die Tradition (!) der Aufklärung berufen, und von religiös gebundenen Teilen der Gesellschaft, die die Beschneidung als unverzichtbaren Bestandteil ihrer religiösen Praxis sehen, unvereinbar gegenüberzustehen. Beide Seiten beanspruchen die „Wahrheit" für sich. Durch die Medien gehen Meinungsumfragen, nach denen die deutsche Bevölkerung sich mehr oder weniger gleich auf beide „Seiten" verteilt, vielleicht sogar mit einer <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umfrage-beschneidungsverbot-entzweit-deutsche-a-845208.html" rel="nofollow">leichten Mehrheit für die säkulare Position</a>. Kein Wunder, dass die Debatte breit geführt wird, dass dabei alle möglichen Trittbrettfahrer, auch aus dem antisemitischen Spektrum, mitreden und dass es mehr und weniger kluge Meinungsäußerungen zu dem Thema gibt. <br />
<br />
Erschreckend ist allerdings, wie schnell die Politik das Debattenfeuer austreten wollte. Da beklagt man sonst so wortreich den Verlust von Werten in der Gesellschaft und dass viele Menschen so gleichgültig und konsumorientiert seien, und wenn einmal eine ernste Wertedebatte geführt wird, hat man in der politischen Klasse Angst vor den Folgen. Man will derart überstürzt handeln, dass man eine gesetzliche Befriedung der Debatte sogar im Patientenrecht überlegt, so der Gesundheitsminister Bahr, als ob es hier um Patienten ginge, und als ob nicht das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%BCber_die_religi%C3%B6se_Kindererziehung" rel="nofollow">"Gesetz über die religiöse Kindererziehung"</a> der angemessenere Ort für eine Regelung zur rituellen Beschneidung wäre.<br />
<br />
Warum diese Eile? Dass jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland nicht nur möglich sein soll, sondern normaler Teil „unseres" Lebens, steht doch eigentlich nicht wirklich infrage. Was das bedeutet, muss aber diskussionsfähig sein. Ohne eine ausführliche Diskussion wird die bei diesem Grundrechtekonflikt zwischen der körperlichen Unversehrtheit des Kindes und der Religionsfreiheit der Eltern gebotene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Praktische_Konkordanz" rel="nofollow">"praktische Konkordanz"</a> vielleicht gar nicht gefunden werden. Jedenfalls wird sie dann nur wenig gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, ein Teil der in der Debatte engagierten Bevölkerung wird sich mit einer zu schnell verabschiedeten gesetzlichen Regelung „unterlegen" fühlen und vielleicht der vielbeklagten Politikverdrossenheit wieder einen Schritt näher sein. <br />
<br />
Von dem Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde soll die Formulierung stammen, dass das Recht nicht dafür sorgen könne, dass die Menschen „in der Wahrheit leben", aber dafür, dass sie „in Frieden leben". Ich weiß nicht, ob die Formulierung wirklich von ihm ist, sie scheint mir aber recht klug zu sein. Und mir scheint, in diesem Konflikt wird eine „Seite" gegen ihre innersten Überzeugungen, gegen ihre „Wahrheit", zurückstecken müssen, um des gesellschaftlichen Friedens willen. Es zeichnet sich ab, dass das die säkulare Seite sein wird. Aber ist es dann damit getan, dass man eine „medizinisch fachgerechte" Beschneidung der Kinder straffrei stellt, oder gar explizit erlaubt? Oder müsste man nicht zumindest auch einen Prozess der Reflexion innerhalb der Religionsgemeinschaften anstoßen, der ein Überdenken der althergebrachten Riten befördert? Denn diese Riten beinhalten offenkundig ein magisches Denken, das symbolische Ausdrucksformen für den „Bund mit Gott" für bare Münze nimmt. Und noch dazu wird hier ein „Gebot Gottes" als Fundament des Glaubens hochgehalten, dem man doch auch andere „Gebote Gottes", z.B. das Tötungsverbot, als höherwertig entgegenhalten könnte. „Du sollst nicht töten" - könnte das nicht auch aus der Sicht von Gläubigen das wahre Fundament einer aufgeklärten Religion sein und der beste Ausdruck des „Bundes mit Gott"? So viel Emotion für die Beschneidung, so wenig Emotion für Syrien, ist das so „gottgefällig"?<br />
<br />
Ich denke, die Politik ist gut beraten, diese Debatte noch etwas laufen zu lassen. Das schafft die nötige Zeit, durch mehr Information über die Sache selbst leichter zu der erwähnten „praktischen Konkordanz" der konfligierenden Grundrechte zu kommen und es schlägt dem Engagement vieler Menschen in der Diskussion nicht so ignorant ein „Basta" vor den Kopf. Es ist schließlich eine Debatte, die uns alle angeht, ob wir religiös sind oder nicht, ob wir der politischen Klasse angehören oder nicht. Die politische Klasse sollte erkennen, dass diese Debatte etwas Positives ist.<br />
<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/07/wahrheit-frieden-und-recht.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Fri, 20 Jul 12 20:44:37 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Bücher für den Urlaub IV: Die Geschichte Deutschlands und Newtons zweite Karriere als Detektiv [Astrodicticum Simplex]</title>
<description><![CDATA[Heute wird es ein wenig historisch. Ich möchte euch zwei Bücher vorstellen, die sich mit der Geschichte beschäftigen. Das erste behandelt einige tausend Jahre der mitteleuropäischen Geschichte, das zweite beschränkt sich auf ein paar Jahre im Leben zweier Männern. Interessant sind sie aber beide.<a href="http://www.amazon.de/gp/product/0330451405/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=0330451405&linkCode=as2&tag=astrodisimple-21">"Germania"</a> von Simon Winder (auf deutsch: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499626640/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=3499626640&linkCode=as2&tag=astrodisimple-21">Germany, oh Germany: Ein eigensinniges Geschichtsbuch</a>) verspricht "A Personal History of Germans Ancient and Modern". Im Klappentext wird darauf hingewiesen, dass das Buch <i>"hilarious"</i> ist und der Rezensent der Sunday Times meint sogar <i>"It made me laugh so hard that I woke up my wife"</i>. Er muss wohl ein anderes Buch gelesen haben, den lustig ist das Buch definitiv nicht. Ok, ab und zu gibt es den einen oder anderen (etwas lahmen) Witz, aber wer sich wegen der Aufmachung des Buches nun eine humorvolle Betrachtung von Deutschland und der deutschen Geschichte á la Bill Bryson (der im Klappentext auch erwähnt wird) erwartet, der wird enttäuscht werden.<br />
<br />
Simon Winder hat ein Buch über die deutsche Geschichte geschrieben. Angefangen bei Arminius und der Varusschlacht arbeitet er sich durch die Jahrzehnte und probiert zu erklären, was Deutschland und deutsch ist. Ich bin kein Historiker und kann nicht beurteilen, wie komplett Winders Abhandlung ist. Aber man bekommt auf jeden Fall einen guten Überblick. Winder erzählt nicht nur von der Geschichte, er reist auch selbst durch Deutschland und nützt die Orte die er dort besucht als Aufhänger für seine Erklärungen. Ob das nun die vielen "Wunderkammern" in den Schlössern und Burgen sind, oder das eher unaufregende Gera: Winder findet immer etwas Interessantes. Ich habe aus dem Buch einiges gelernt. Deutschlands ungesunde Faszination mit dem Mittelalter war mir so bis jetzt noch nicht bewusst und was der 30jährigen Krieg mit Europa angerichtet hat, habe ich vorher auch in der Form noch nicht erfahren. Das Buch hat aber auch so seine Probleme. Winder reist zwar ständig durch das moderne Deutschland - spricht aber darüber kaum; genauso wenig wie er mit Deutschen gesprochen hat. Das moderne Deutschland wird überhaupt nicht behandelt; das Buch endet im Jahr 1933 (was Winder aber natürlich nicht hindert, sich überall im Buch auf Hitler und das Dritte Reich zu beziehen - anders geht es in Großbritannien wohl nicht). Wer kein Deutscher ist und objektive Informationen über Deutschland möchte, der sollte sich vielleicht lieber ein anderes Buch besorgen. Wer aber nur sein Geschichtswissen über Deutschland ein wenig auffrischen möchte, der findet in Winders Buch einen gut lesbaren Überblick mit vielen interessanten Details.<br />
<br />
<img alt="Germania.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/11/Germania.jpg" width="500" height="743" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /><br />
<br />
Um ein ganz anderes Thema geht es in <a href="http://www.amazon.de/gp/product/057122993X/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=057122993X&linkCode=as2&tag=astrodisimple-21">"Newton and the Counterfeiter"</a> von Thomas Levenson. Nach der Lektüre der Einleitung könnte man meinen, man sei in einem originellen Sci-Fi/Fantasy-Roman gelandet, der in einer Parallelwelt spielt: Levenson erzählt von Isaac Newton, der ingocnito in einer schäbigen Kneipe in London sitzt um sich dort mit ebenso schäbigen Gesindel zu treffen um Informationen über einen Geldfälscher zu erhalten, den Newton unbedingt hinter Gitter bringen wollen. Der große Physiker Isaac Newton als Detektiv, der Verbrecher jagt? Das klingt tatsächlich nach einer äußerst coolen Idee für ein Buch. Aber Stevenson hat keinen Roman geschrieben, sondern ein Sachbuch. Das Treffen zwischen Newton und dem Informaten in der Kneipe hat tatsächlich stattgefunden. Denn was viele nicht wissen: Newton war nicht nur ein genialer Wissenschaftler, er hat die zweite Hälfte seines Lebens als Beamter im Dienst der englischen Krone verbracht. Im Jahr 1696 wurde Newton zum "Wächter der königlichen Münzprägeanstalt" ("Warden of the Royal Mint") ernannt. <br />
<br />
Das englische Finanzwesen war damals in keinem guten Zustand. Banknoten existierten damals noch nicht wirklich und die Münzen aus Edelmetall wurden zum Opfer kreativer Fälscher und Betrüger. Die Leute feilten die Ränder ab oder schnitten kleine Stücke aus den Münzen heraus. Heute würde so etwas keinen Sinn machen, aber damals war das ein Problem. Eine Münze war deswegen wertvoll, weil sie aus einer genau definierten Menge edlen Metalls bestand. Die manipulierten Münzen waren daher ein großes Problem für das Finanzsystem. Hinzu kamen die üblichen Versuche, bei denen aus billigeren Metallen gefälschte Münzen gemacht wurden. Das die Führung der Royal Mint im Allgemeinen durch und durch korrupt war, war dabei nicht unbedingt hilfreich.<br />
<br />
Isaac Newton war als Warden der Royal Mint genauso gründlich wie als Wissenschaftler. Er räumte mit dem korrupten Laden auf; dachte sich neuen Methoden aus, um die Münzen fälschungssicher zu machen und das Finanzsystem wieder auf Vordermann zu bringen und widmete sich vor allem einer weiteren Pflicht, die im als Wächter der Prägeanstalt zufiel: Der Bekämpfung der Geldfälscher. Sein Gegner war der Betrüger und Fälscher <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/William_Chaloner">William Chaloner</a>. <br />
<br />
Die Geschichte von Newton vs. Chaloner hat wirklich das Potential für einen Kriminalroman! Chaloner war ein gewifter Gauner, der es dank seiner Kontakte und seiner überzeugenden Geschichten immer wieder schaffte, sich aus dem Gefängnis zurück in die Gesellschaft zu kommen um dort mit seinen Trickbetrügereien erfolgreich zu sein. Er fälschte Geld und nutzte das marode Finanzsystem aus um mit Pyramidenspielen und ähnlichen Betrügereien an Geld zu kommen. Aber sein Ziel war die königliche Prägeanstalt. Wenn er es schaffen konnte, sich durch seine Trickserei dort einen Posten zu erschleichen, dann könnte er das Finanzwesen ganz nach Lust und Laune manipulieren um reich zu werden. Aber wenn der Gegenspieler Isaac Newton heißt, dann ist es nicht überraschend, wie die Geschichte ausgeht. Am 16, März 1699 starb er am Galgen; verurteilt wegen Hochverrats.<br />
<br />
Für die Welt- und Wissenschaftsgeschichte ist die Auseinandersetzung zwischen Isaac Newton und William Chaloner nur eine unbedeutende Fußnote. Aber trotzdem ist es eine wunderbar spannende Geschichte und man wird dabei einen ganz anderen Isaac Newton kennenlernen... Lest das Buch, es lohnt sich!<br />
<br />
<div style="text-align: center;"><em><small><br />
(Ich bin gerade in Urlaub, also wundert euch nicht, wenn ich auf Kommentare nicht antworte)</small></em></div><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/f1db71c9fcf342dfb30d1c1e17da7aa1" width="1" height="1" alt=""><br /><a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/bucher-fur-den-urlaub-iv-die-geschichte-deutschlands-und-newtons-zweite-karriere-als-detektiv.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Thu, 19 Jul 12 10:00:28 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Aus dem Lexikon der Internationalen Beziehungen: Neo-Realismus [zoon politikon]</title>
<description><![CDATA[<a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/die-bombe-fur-den-iran.php">Bei Jürgen</a> wurde ein Artikel von Kenneth Waltz im Foreign Affairs heiss diskutiert. Waltz argumentierte, dass man den Iran doch die Bombe haben lassen soll. Dies ist in etwa so überraschend wie Justin Bieber Fans an einem Justin Bieber Konzert. Waltzs Artikel ist eine gute Gelegenheit kurz zu skizzieren warum.Vielleicht erinnern sich einige daran, dass ich schon von den <a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/12/internationale-beziehungen-von-midlleearth-teil-i.php">Orks der Internationalen Beziehungenen, den sogenannten Realisten, geschrieben</a> habe. Einige Orks haben nämlich eine Evolution durchgemacht (wie die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Uruk-hai">Uruk-hai</a>, aber leider bricht da die Analogie zusammen). Es gibt nämlich auch einen sogenannten Neo-Realismus. Kennt man den, versteht man auch warum Waltzs Position alles andere als eine Überraschung ist.<br />
<br />
Ich werde hier nur kurz versuchen deren Sichtweise der Internationalen Beziehungen zu skizzieren. Ein Service aus Anlass der Diskussion bei Jürgen, weil es vielleicht einigen hilft, Waltzs Artikel besser einzuordnen. Leute die mit den Denkschulen des Fachs vertraut sind werden nichts neues lernen (sie sind jedoch herzlich dazu eingeladen im Kommentarbereich Ergänzungen oder Korrekturen anzubringen).<br />
<br />
Im Neo-Realismus ist wie im Realismus der Staat der zentrale Akteur. Dieser ist einheitlich und tritt nach Aussen auch so auf. Es ist egal wer an der Macht ist oder wie das politische System aussieht, es gibt nur das eine Staatsinteresse. Wie im Realismus geht auch der Neo-Realismus von einem anarchischen System aus, in dem jeder Staat auf sich selber gestellt ist und das Recht des mächtigeren gilt. Im Gegensatz zum Realismus konzentriert sich der Neo-Realismus hingegen auf das System selbst.<br />
<br />
Die systemischen Bedingungen dominieren das Verhalten der Staaten. Das System (oder die strukturellen Bedingungen) setzt einen engen Rahmen, in welchem sich ein Staat bewegen kann. Seine Hauptsorge ist (zumindest in der klassischen Variante des Neo-Realismus) sein Überleben zu sichern. Man muss sich das so ein wenig wie eine extreme <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes#Staatskunde">Hobbessche Welt</a> vorstellen (ausser man denkt bei Hobbes zuerst an einen Plüschtiger, dann ist das vermutlich nicht hilfreich). Um dieses Überleben zu sichern rüstet man am besten auf. Dies verschärft aber die Bedrohungslage im System, so dass sich alle anderen wiederum bedroht fühlen und darum weiter aufrüsten. Den Rest kann man sich denken.<br />
<br />
Nun ist diese Denkweise relativ klar zu Zeiten nuklearer Rüstung entstanden. Der Neo-Realismus postuliert auch, dass dieses internationale System uni-, bi- oder multipolar ist. Ähnlichkeiten mit uns bekannten Systemen und Konfrontationen während des Kalten Krieges sind nicht ganz auszuschliessen. Es gibt jedoch verschiedene Ansichten, ob die Staaten wirklich nur auf ihr Überleben fokussiert sind oder vielleicht an relativem Machtgewinn.<br />
<br />
Wie auch immer, der Vater des Neo-Realismus ist eben dieser Kenneth Waltz, der sich auch im Foreign Affairs geäussert hat. Nun erstaunt seine Stellungnahme wohl niemanden mehr. Im Falle des Irans ist alles drin in der Mischung: Atomwaffen, systemische Argumentation und Staaten als rationale, einheitliche Akteure.<br />
<br />
Ich hatte vor zwei Jahren die Gelegenheit einen Vortrag von Waltz zu hören. Er hat dabei betont, wie wichtig es sei, sich als auch als Politikwissenschaftlerin oder -schaftler in den Internationalen Beziehungen sich in die Politik einzumischen. Gerade wenn man anecken muss. Er und viele seiner Kolleginnnen und Kollegen hätten das auch schon beim Vietnamkrieg gemacht. <br />
<br />
Waltz ist übrigens ein sympathischer älterer Herr. Er vertrat den Neo-Realistischen Standpunkt bei weitem nicht so dogmatisch wie man vielleicht meinen könnte (zumindest im Vergleich zu wie mir der Neo-Realismus nahe gebracht wurde). Liest man seine zum Buch verarbeitete Dissertation "<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Man,_the_State,_and_War">Man, State and War</a>" (1959) versteht man das vielleicht auch besser. Da ist die System-Ebene nur eine von mehreren. Auch wird dort deutlich, was er in seinem Vortrag auch erwähnt hat: Es handelt sich eigentlich um eine Arbeit der politischen Philosophie. Die, so soll hier noch angemerkt sein, auch Spass beim Lesen macht.<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/aus-dem-lexikon-der-internationalen-beziehungen-neo-realismus.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
<pubDate>Thu, 19 Jul 12 08:02:02 -0400</pubDate>
</item>

<item>
<title>Aber Verstümmeln hat doch Tradition! [blooDNAcid]</title>
<description><![CDATA[<blockquote><a href="http://demotivators.despair.com/demotivational/traditiondemotivator.jpg">Tradition</a>. Nur weil man 'es' immer so gemacht hat, bedeutet das nicht, daß 'es' nicht unglaublich dämlich ist.</blockquote><br />
Feststellung: das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist eines der zentralen, fundamentalen Menschenrechte, das auch Kinder genießen. Die Beschneidung des Penis' eines Kindes ohne medizinische Indikation ist eine Verstümmelung. Damit ist eine Beschneidung gegen bzw. ohne den Willen des Kindes ein Verbrechen!<br />
Es war zu erwarten, daß das <a href="http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/koeln/lg_koeln/j2012/151_Ns_169_11_Urteil_20120507.html">wackere und überfällige Urteil des Kölner Gerichts zur Strafbarkeit der Beschneidung</a> und seine Folgen erstens für hohe Wellen sorgen und zweitens auch in den <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/es-geht-um-mehr-als-ein-stuck-haut.php">Scienceblogs</a> <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/07/wahrheit-frieden-und-recht.php">diskutiert </a>werden würden. Ich hatte ja selbst auch das Thema in einem Text zu den <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/02/sonderrechte-fur-religion.php">Sonderrechten der Religiösen</a> zufällig  bereits vorweggenommen.<br />
<br />
Im folgenden will ich den Blickwinkel aber noch mal etwas ausweiten und, ausgehend von der bekannten Jungen-Beschneidung, noch andere Formen der traditionellen Kinderverstümmelung ansprechen. Angesichts der derzeitigen abscheulich populistischen <a href="http://www.fr-online.de/politik/beschneidung-beschneidungs-neuregelung-wird-schwierig,1472596,16636852.html">Appeasement-Bestrebungen der fast gesamten deutschen Politik</a>, möglichst schnell die traditionell-religiöse Penisverstümmelung bei Säuglingen und Kindern per Gesetz zu erlauben, sollte man darauf vorbereitet sein, für welche Praktiken als nächstes von den entsprechend Geneigten mit dem "Wenn die dürfen, wollen wir auch"-Argument, dann, wenn so ein Gesetz wirklich verabschiedet wird, religiös-traditionell begründeter, gesetzlicher Dispens gefordert werden wird:<br />
<br />
Die "üblichen" Erscheinungsformen der traditionellen Kinderverstümmelung sind, steil ansteigend in Perversion und Bösartigkeit:<br />
1.) die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brit_Mila">Beschneidung des Penis</a>' kurz nach der Geburt, wie sie im Judentum und Islam Pflicht bzw. dringend empfohlen ist,<br />
2.) das sog. "<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Breast_ironing">breast ironing</a>" oder "<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brustb%C3%BCgeln">Brustbügeln</a>", das jungen Mädchen angetan wird, um ihre Brustentwicklung zu verlangsamen und die Brüste unattraktiv zu machen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=zk-esBfPxpI">hier</a> ein erschütternder <a href="http://www.ipsnews.net/2006/06/rights-cameroon-an-unwelcome-gift-of-god/">Bericht</a> darüber),<br />
3.) die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien">Beschneidung weiblicher Genitalien</a>, bei der, je nach Art der Durchführung, Mädchen oder jungen Frauen, bestimmte Teile der Genitalien abgeschnitten werden (wer es sich wirklich antun möchte, findet <a href="http://www.guardian.co.uk/society/2010/jul/25/female-circumcision-children-british-law">hier</a> einen Bericht zu Beschneidungen britischer Mädchen - folgende sprachlos machende Auszüge daraus muß ich aber jedem zumuten:<br />
<blockquote>Some will be taken[...] to "cutting parties" for a few girls at a time in a cost-saving exercise.<br />
(Übersetzung: Einige werden [...] als kostensparende Maßnahme zu "Beschneidungsparties" für mehrere Mädchen gleichzeitig gebracht.)</blockquote><blockquote><br />
Other girls have died, of shock or blood loss; some have picked up infections from dirty tools. Jamelia's mother paid extra for the woman to use a clean razor.<br />
(Übersetzung: Andere Mädchen sind am Schock oder dem Blutverlust gestorben; einige haben sich durch schmutziges Besteck Infektionen zugezogen. Jamelias Mutter hat extra etwas mehr bezahlt, damit die Frau, die die Beschneidung durchführte, eine saubere Rasierklinge verwendete))</blockquote><br />
<br />
Die Beschneidung des Penis' setzt durch die Entfernung der schützenden Vorhaut die Eichel einer ständigen Reibung aus, was letztlich die Sensitivität herabsetzt und <a href="http://www.norm-uk.org/circumcision_lost.html">zu einer Reihe von Problemen</a> führen kann. Der zentrale Punkt ist aber, daß die Vorhaut einen Arm des Dorsalnervs und zwischen 10.000 und 20.000 spezielle erogene Nervenendigungen enthält und für viele Männer notwendig für befriedigendes, sexuelles Erleben ist.<br />
<br />
<small>[<strong>Nachtrag 19.07.</strong>: in den <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/verstummeln-hat-doch-tradition.php#comment345238">Kommentaren</a> wurde auf ein "Lehrvideo" verlinkt, das die Durchführung einer routinemäßigen Genitalverstümmelung (=Beschneidung) an einem Baby, selbstverständlich ohne Betäubung, zeigt. Das Video ist so schon schlimm genug, aber wenn man noch den Ton dazu hört, wird es vollends abartig! Ich repliziere hier ausdrücklich die Warnung des Kommentatoren, jedoch empfehle, ja verlange ich, daß sich die Beschneidungsbefürworter, insbesondere die "harmloser, kleiner Eingriff"-Fraktion, sich <a href="http://video.google.com/videoplay?docid=8212662920114237112">das</a> ansieht.]</small><br />
<br />
Das "Bügeln" der Brüste, welches ursprünglich und fälschlicherweise für die Verbesserung der Milchproduktion für nützlich befunden wurde, dient heute ganz offen dem Zweck, die verstümmelten Mädchen <em>unattraktiver für Männer </em>und somit "unbegehrter" für Geschlechtsverkehr zu machen und mithin vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen.<br />
Die Mütter nehmen die mit der Prozedur verbundenen Schmerzen, Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls, Infektionen, Zysten und das später erhöhtes Krebsrisiko für ihre Töchter in Kauf. Man könnte meinen, daß Aufklärung, Sexualerziehung und Verhütung die weniger destruktiven und deutlich effektiveren Möglichkeiten zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften seien (an dieser Stelle ist vielleicht zu erwähnen, daß Kamerun, wo diese Barbarei vor allem durchgeführt wird, zu 25% katholisch ist...).<br />
<br />
Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien ist sicher eine der monströsesten, zynischsten und abartigsten Prozeduren, ja Foltern, die überhaupt denkbar sind. Alles daran, Absicht, Durchführung und Folgen sind zutiefst grausam und menschenverachtend und es gibt wohl keine verheerendere Manifestation religiösen oder sonstwie begründeten Frauenhasses, als dieses unerträgliche Verbrechen!<br />
Es werden von den Befürwortern dieser Praktik verschiedene Gründe angeführt. Immer wieder werden z.B. "Tradition", "Ästhetik" oder vermeintliche medizinische Vorteile dieser "Behandlung" genannt. Aber auch die Auffassung, es handle sich bei der Prozedur um ein religiöses Gebot, existiert und sowohl Moslems als auch Juden aber auch Christen führen sie durch. (In der Tat haben religiös motivierte Bestrebungen, die Masturbation zu bekämpfen, dazu geführt, daß auch in Europa zwischen dem 19. Jahrhundert bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts Klitoridektomien an Frauen und Mädchen durchgeführt wurden (s. Literatur).<br />
<br />
Ich erspare es uns allen an dieser Stelle, die weiteren medizinischen Folgen und Risiken dieser Verstümmelungen aufzuführen oder gar Bilder zu zeigen und die schwindelerregenden Zahlen von schweren Komplikationen, Todesfällen und durch diese Tortur lebenslang traumatisierten und an Sexualität und Selbstverständnis verkrüppelten Frauen wiederzugeben.<br />
Ich will vielmehr darüber nachdenken, warum das alles immer noch und wieder Menschen angetan wird. Ich glaube, hinter all diesen Prozeduren steckt am ehesten ein mehr oder weniger verhohlener Angriff auf die Sexualität, unter anderem eine Spezialität der Religion. Das ganze Gewäsch von wegen "Hygiene", "Ästhetik" etc. ist in meinen Augen vorgeschoben: Es geht um die Herabsetzung oder völlige Zerstörung des Lustempfindens während und/oder die Verhinderung der Sexualität. Dies ermöglicht ein höheres Maß an <em>Kontrolle</em> über die Menschen. Den beschnittenen Männern wird durch die mit der Beschneidung einhergehende Desensibilisierung ein Stück des Lustempfindens genommen und zudem die Masturbation erheblich erschwert (so kann man(n) sich bestimmt auch besser auf's Torah/Koran-Auswendiglernen konzentrieren). Man weiß ja auch, daß der Mann grundsätzlich hifloser Spielball seiner Triebe ist (s. Kopftuch) und nur durch derart handfeste Maßnahmen halbwegs auf Kurs gehalten werden kann.<br />
<br />
Viel schlimmer trifft es hingegen die Frauen: in brutaler Verkennung des Rechts der Frauen auf die Möglichkeit einer erfüllten Sexualität, die <em>eben nicht notwendig</em> mit Reproduktion gekoppelt ist, und mit einer an Verachtung nicht zu überbietenden und trotz der Tatsache, daß die Prozeduren meist selbst von Frauen durchgeführt werden, patriarchalischen Gebärde, werden die Körper der Frauen auf eine Weise verhackstückt, die normale Sexualität häufig unmöglich oder unerträglich schmerzhaft machen. <br />
Damit werden Frauen mit gnadenloser Effektivität zur "Keuschheit" gezwungen, weil sie selbst Sexualität nie als etwas angenehmes oder schönes erfahren und erleben können (und häufig nicht einmal mehr die Möglichkeit zur genussvollen Masturbation haben) und daher Sexualität um ihrer selbst willen aus eigenen Stücken nicht (mehr) anstreben. Man muß sich das in seiner Bestialität wirklich klar machen: für diese Frauen sind Ermahnung oder Bewachung oder Keuschheitsgürtel o.ä. nicht mehr notwendig - man hat ihnen die Fähigkeit zu freudvoller Sexualität (= Sünde) aus dem und den Selbstzwang zur Enthaltsamkeit in das Fleisch geschnitten! Es ist die perfekte und diabolischste Umsetzung des religiösen Gebotes, sich zu vermehren, jedoch beim Vorgang der Vermehrung - zumindest als minderwertiges Frauenzimmer - bloß keinen Spaß zu haben. Denn natürlich werden die verstümmelten Frauen dennoch zur Reproduktion "benutzt", also - mal wieder - zum reinen Gebärorganismus reduziert, und die Schmerzen, Gefahren und Komplikationen, die mit dem Zeugungsakt und vor allem der Geburt einhergehen, bereitwillig in Kauf genommen.<br />
Für die von Verstümmelungen Betroffenen, die in (offiziell) die Menschenrechte achtenden Ländern leben ergibt sich zudem noch eine besonders perfide Implikation: Um die in diesen Ländern verbotenen Praktiken des Brustbügelns und der weiblichen Beschneidung überhaupt so massenhaft und "effizient" durchühren zu können, wie es auch heute noch der Fall ist, bedarf es notwendig der Mitwirkung der Mütter. Diese müssen (zumindest in westlichen Ländern) bei der Tarnung und Verheimlichung helfen und die zukünftigen Opfer, ihre Töchter, durch unablässige Indoktrination auf das Kommende und vermeintlich Unausweichliche vorbereiten. Dabei müssen sie, die sie diesen Horror fast immer auch am eigenen Leib und mit eigenen Sinnen ertragen mußten, das ganze Entsetzen, all den Schmerz und das Elend, das sie durchmachen mußten, verleugnen, verdrängen und ihren Töchtern im Bericht vorenthalten. Der Zynismus, der notwendig ist, um Frauen, ja Mütter so zu pervertieren, daß sie die an ihnen selbst vollzogene Maßnahme nachträglich auch selbst als gut und wertvoll für ihre eigenen Töchter erachten, statt alles daran zu setzen, wenigstens ihnen dieses gräßliche Schicksal zu ersparen, ist schier atemberaubend!<br />
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Eine solche Tat an seinen eigenen Kindern, Schutzbefohlenen, gleich ob Mädchen oder Jungen, die man doch lieb haben und zur Not mit dem eigenen Leben vor Gefahr und Verletzung verteidigen sollte, zu verüben, zeigt, wie sehr der menschliche Geist und das eigentlich natürliche menschliche Mitgefühl durch <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/06/eine-kraft-zum-bosen.php">Religion</a> oder allgemeiner die unreflektierte Übernahme und Anwendung von auf irrationalen Annahmen beruhenden Traditionen verdorben und entstellt werden kann. Sie befähigen zu jedem denkbaren Verbrechen.<br />
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<strong>Nachtrag 20.07.</strong>: Es gibt nun eine <a href="https://www.kinderhilfe.de/blog/artikel/bundestagspetition-zu-beschneidungen/">Petition</a> der Deutsche Kinderhilfe, des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, MOGIS e.V. (Verband Betroffener sexuellen Kindesmissbrauchs), des Bund Deutscher Kriminalbeamter und zahlreicher Einzelpersonen als Antwort auf die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestag-beschliesst-resolution-gegen-beschneidung-a-845389.html">gestrige Resolution</a> des Bundestages. Ich hoffe, dieser Irrsinn ist noch zu stoppen...<br />
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<small><strong>Literatur und Links:</strong></small><br />
<br />
<a href="http://www.netzwerk-integra.de/dokumente/recht/">Integra</a>: Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung<br />
<br />
R. Dettmeyer, J. Laux, H. Friedl, B. Zedler, H. Bratzke, M. Parzeller. Medizinische und rechtliche Aspekte der Genitalverstümmelung bzw. Beschneidung, Teil I: Weibliche Genitalverstümmelung; Archiv für Kriminologie; Band 227, Heft 1 und 2; Jan/Feb 2011, Seite 1 <br />
<br />
Weibliche Genitalverstümmelung: Diskussion und Praxis in der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum [Taschenbuch] <br />
Marion Hulverscheidt (Autor)<br />
<br /><a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/verstummeln-hat-doch-tradition.php">Zum Beitrag im Blog&nbsp;&raquo;</a><hr />

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<pubDate>Tue, 17 Jul 12 18:00:00 -0400</pubDate>
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