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        <title>Wissenschaft und Wiedervereinigung</title>
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        <copyright>Copyright 2010</copyright>
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            <title>Über eine Erfolgsgeschichte, die Verlierer produzierte</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Im Rückblick auf vergangene Ereignisse wird häufig von Siegern und Verlierern gesprochen, es werden Erfolge und Mißerfolge dargestellt oder andere (vermeintlich!) eindeutige Zuschreibungen vorgenommen. Dass die Sache so einfach nicht zu haben ist, wurde beim Symposium "Wissenschaft und Wiedervereinigung" immer wieder deutlich.</strong></p>

<p>Der Blick auf die unterschiedliche Entwicklung einer jahrzehntelang geteilten Wissenschaftslandschaft, den Umbruch von 1989/1990 und die sich anschließenden Transformationsprozesse zeigte, dass die Einteilung in Sieger oder Verlierer zum Scheitern verurteilt ist. Aber wen konnte das ernstlich wundern? Schließlich hatte der Wissenschaftshistoriker Mitchell Ash in seiner Keynote am gestrigen Vormittag schon auf diese grundlegende Einsicht hingewiesen:<em> "Zeitgeschichte ist aus einer Perspektive nicht zu haben."</em></p>

<blockquote class="right">Der Aufbau des gesamtdeutschen Wissenschaftssystems ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte, die allerdings viele Verlierer produzierte. </blockquote>

<p>Und um die Diskussion und Rekonstruktion dieser verschiedenen Perspektiven ging es eben bei dieser Veranstaltung im Berliner Akademiegebäude. Die Debatten während der 1 1/2 Tage waren lebhaft. Und es wurde deutlich, dass zwischen vielen Teilnehmern wirklicher Konsens über die (Be-)Deutung vieler Prozesse kaum herzustellen sein wird. Letztlich ließ sich allenfalls folgende These aufstellen, die wohl bei den allermeisten auf Zustimmung hoffen dürfte: </p>

<p>Die Gestaltung des gesamtdeutschen Wissenschaftssystems (die unter enormen Zeitdruck ablaufen musste und im mehrfachen Wortsinne beispiellos ist) ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte, die allerdings (auf institutioneller und individueller Ebene) viele Verlierer produzierte. </p><p><img title="Manfred Bierwisch" alt="IMG_5638_Bierwisch.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/IMG_5638_Bierwisch.jpg" width="200" height="274" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 8px 0;" />Manfred Bierwisch, hochdekorierter Linguist (und <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/sprachwissenschaft-in-der-ddr-erfolge-und-erbfolge.php">Gastautor für dieses Blog</a>) rief diese Ambivalenz in Erinnerung. Bierwisch erinnerte an den ungeheuren (Zeit-)Druck unter dem die Neustrukturierung ablief, schließlich sollte etwa die HU zu einer "ganz normalen Massenuni" umgestaltet werden. Das bedeutete freilich, dass innerhalb nur eines Jahres in den Sprachwissenschaften 20 Professuren neu besetzt werden mussten! </p>

<p>An dieser Mammutaufgabe gemessen, so Bierwisch, könne man mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Allerdings, so führte er weiter aus: </p>

<blockquote>Man muß auch sagen: die Vereinigung hat stattgefunden auf Kosten und zu Lasten der Wissenschaftler in der DDR. Wenn man das schon nicht mehr ändern kann, wenn es schon keine Alternative dazu gab, dann muß man das wenigstens sagen dürfen. (Manfred Bierwisch)</blockquote>

<p>Dass es also Verlierer gab, daran sollten man nicht zweifeln. Wie auch? Schließlich war die Transformation des Wissenschaftssystems nur nur ein Teilprozeß innerhalb eines übergreifenden politischen Prozesses, wie Renate Mayntz erinnerte. Und dieser Kontext ist eben insofern wichtig, als dass die "Abwicklung" der DDR-Wissenschaft eben auch eine politische Dimension hatte. </p>

<p>Mitchell Ash verdeutlichte das anhand von einigen Zahlen. Der Stellenabbau und die Entlassungen zwischen 1989-1994 waren umfassender - so Ash - als die Entlassungen bei den Regimewechseln von 1933 und 1945ff. zusammengenommen! Ein beispielloser Vorgang. Und Ash zitierte hier Götz Aly, der in diesem Zusammenhang feststellte:</p>

<blockquote>"Die Bundesrepublik muß wohl ein sehr reiches Land sein, um auf derart viele Wissenschaftler verzichten zu können." (Götz Aly)</blockquote>

<p><strong>Personalabbau, Umbrüche, Abwicklung und Brain Drain?</strong></p>

<p>Am Nachmittag lieferte <a href="http://www.peer-pasternack.de/">Peer Pasternack</a> (Forschungsdirektor des Instituts für Hochschulforschung der Uni Halle-Wittenberg) weitere (mit Zahlen gesättigte) Informationen. </p>

<p>Insgesamt wurde an den DDR-Hochschulen rund 60% des Personals abgebaut. (25% des Potentials waren in Berlin konzentriert, weitere 25% in drei sächsischen Bezirken.) In der Akademie der Wissenschaften fand ein Abbau im selben Umfang statt. In der Industrieforschung ist gar ein Minus von 85% zu verzeichnen. </p>

<p><img title="Thomas Kuczynski" alt="IMG_5615_Kuczynski.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/IMG_5615_Kuczynski.jpg" width="220" height="254" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 8px 12px;" /><strong>DDR war keine Insel der Unglückseligen</strong>!</p>

<p>Diese Zahlen lassen sich nicht wegdiskutieren. Doch wie sind sie zu bewerten? Ging es bei der sogenannten Abwicklung wenigstens weitgehend "gerecht" zu, wie lief die "Überleitung" von Wissenschaftlern ab? Welche Chancen und Perspektiven hatten DDR-Forscher überhaupt ab 1990?</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Kuczynski">Thomas Kuczynski</a>, Wirtschaftshistoriker und letzter Direktor des Instituts für Wirtschaftsgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR brachte die Perspektive der Betroffenen ein. Für ihn steht fest: Die Evaluation war fachlich überflüssig. </p>

<blockquote>"Ein Prüfer, bei dem alle Prüflinge durchfallen, da funktioniert irgendwas nicht." (T. Kuczynski) </blockquote>

<p>Und Kuczynski meckerte weiter. Er forderte auf, über den deutsch-deutschen Tellerrand hinauszuschauen. Und die Vorstellung - daran ließ er keinen Zweifel - , daß die DDR (insbesondere für Forscher) eine Insel der Unglücksseligen gewesen sei, halte er für grotesk. </p>

<blockquote>"Wer sagt, er habe sich publizierte Literatur nicht verschaffen können, der war zu feige, zu faul oder zu blöd!" (T.Kuczynski)</blockquote>

<p>Mit diesem Statement erntete er natürlich heftigen Widerspruch. Aber er blieb dabei: man habe sich die Literatur durchaus "organisieren" können.</p>

<blockquote class="right">Waren die Strukturen der DDR-Forschungslandschaft tatsächlich "wissenschaftsfeindlich"?</blockquote>

<p><strong>Ein abgewirtschaftetes Wissenschaftssystem</strong></p>

<p>Die Gegenposition wurde unter anderem von Joachim Sauer vertreten (der übrigens sein Statement direkt mittels Notizen aus seinem aufgeklappten Macbook abgab). Er teile die Meinung, dass der Bereich der Wissenschaften ein gelungenes Beispeil der Vereinigung sei. </p>

<p><img alt="IMG_5635_Sauer.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/IMG_5635_Sauer.jpg" width="200" height="168" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 16px 10px 0;" /></p>

<p>Und: "Ich teile die Ansicht, dass wir blühende Wissenschaftslandschaften haben." So bestätigte er die Aussage von Dagmar Schipanski <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/operation-am-offenen-herzen-die-herstellung-eines-gesamtdeutschen-wissenschaftssystems.php">vom Vorabend</a>.</p>

<p>Es gab - so Sauer - tolle Forschung in der DDR. </p>

<blockquote>"Aber die Struktur war wissenschaftsfeindlich angelegt. Die Akademien waren das Ergebnis von 40 Jahren sozialistischer Kaderpolitik."</blockquote>

<p>Ein Drittel der Akademiemitarbeiter hätten nichts getan, und das andere Drittel habe das letzte Drittel am Arbeiten gehindert, so stellte er beinahe sarkastisch fest.</p>

<p>Die Meinungen, wie gesagt, gingen auseinander. Am Ende versuchte sich <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/interview-kocka.php">Jürgen Kocka</a> an einer Bilanz. Er nahm Bezug auf Mitchell Ash und konstatierte: Wir müssen die Transformation als "Prozeß" verstehen! </p>

<p>Und er führte weiter aus: Es gab keinen zentralen Plan, keine expliziten Reformziele, die wirklich in Reinform verwirklicht werden konnten, da Zeitdruck und Komplexität dies nicht zuließen. Die "wissenschaftliche Wiedervereinigung" als Ereignis! Sie hat sich vollzogen, sie ist passiert, ohne dass jemand oder eine Institution eine zentrale Lenkungsfunktion innehatte. Und vor diesem Kontext müsse man dann wohl doch von einer Erfolgsgeschichte sprechen. - Verlierer inbegriffen...</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8373,http%3A%2F%2Fsurveybox.de%2Fstudio%2Fmm%2FWissenschaftsblogs_2_0%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/ScienceBlogs_Befragung.jpg" border="0" alt="" title="" /></a>


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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">DDR-Wissenschaft</category>
            
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            <pubDate>Thu, 26 Nov 2009 10:15:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Operation am offenen Herzen: Die Herstellung eines gesamtdeutschen Wissenschaftssystems</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Die Wiedervereinigung ist auch für die Wissenschaft ein riesiges Geschenk! Darüber war man sich zum gestrigen Auftakt des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung" einig. Über die Frage jedoch, wie die Neugestaltung des gesamtdeutschen, intregrierten Wissenschaftssystems nach nunmehr 20 Jahren zu bewerten ist, ob man den Prozess als Erfolg oder Misserfolg einstufen muss, ob (und welche!) Sieger und Verlierer es gab, darüber gingen die Ansichten weit auseinander. </strong><br />
<img alt="Thierse_IMG_5588a.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/Thierse_IMG_5588a.jpg" width="260" height="186" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 14px 0 10px 14px;" /><br />
Für Wolfgang Thierse - und hier fand er breite Zustimmung im Plenum - steht jedenfalls fest: Für die Wissenschaft bedeutet die Wende von 1989/1990 eine <em>"unerhörte Veränderung."</em> Man müsse sich nur einmal vergegenwärtigen, wie die heutige Wissenschaftslandschaft aussehen würde, wenn es die DDR noch gäbe, dann werde offensichtlich, wie elementar die Veränderung sei, so Wolfgang Thierse, der den akademisch-universitären Umbruchprozess als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zentralinstituts für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR aus nächster Nähe miterlebt hatte. </p>

<p>Neben Thierse saß Dagmar Schipanski auf dem Podium. Und auch sie konnte ganz unmittelbare Erfahrungen beisteuern. Und in ihrem Eingangsstatement stellte sie unmißverständlich fest, wie unvergleichlich die Ausgangsbedingungen der beiden deutschen Wissenschaftssysteme vor 20 Jahren war. Auf der einen Seite das freiheitliche Diskurssystem, auf der anderen - so erlebte  es Schipanski - eine selbst in den technischen Disziplinen ideologisch geprägte Wissenschaftslandschaft. Das begann mit der Selektion der Akademiker vor dem Studium: </p>

<blockquote>"Wir hatten keinen freien Zugang zum Studium. Der Zugang war rigide beschränkt." (Schipanski)</blockquote>

<p>Und für die weitere akademische Karriere stellt Dagmar Schipanski klar:<br />
<blockquote>"Nicht die Leistung allein war ausschlaggebend, sondern soziale Herkunft. Und ebenso entscheidenend: poltisches Wohlverhalten dem Staat gegenüber." (Schipanski)</blockquote></p><p>Diesen Eindruck konnte Jens Reich, Biologe und Bürgerrechtler, nur bestätigen:<br />
<blockquote>"Vielleicht hat der ideologische Faktor sich in den Humanities stärker ausgewirkt, aber die Weltanschauungen haben auch in meinem Fach starken Einfluß gehabt." (Jens Reich)</blockquote></p>

<blockquote class="right">Jens Reich: In vielen Bereichen war die DDR-Forschung einfach nur Mittelmaß.</blockquote>

<p>Und er ließ keinen Zweifel, dass die Wende für die Wissenschaft einen unbedingten Gewinn darstellt. Denn rein wissenschaftlich betrachtet, so sei die DDR-Forschung zumindest in seinem Bereich nicht über Mittelmaß hinausgekommen. Einer der Hauptfaktoren für diese Schwäche sei natürlich die Tatsache, dass "die junge aktive und mittlere Generation weitgehend vom internationalen Austausch ausgeschlossen wurde." Und Reich weiter:<br />
<blockquote>"Die DDR-Wissenschaft meines Fach hat in der Topliga einfach nicht mitspielen können." (Jens Reich)</blockquote></p>

<p>Im weiteren Verlauf lief Reich freilich Gefahr, die Situation in der DDR ein wenig zu romantisieren oder zu verklären. Reich erinnerte (aus seiner Perspektive) daran, dass die Wissenschaftler untereinander damals eine Art "Lebensgemeinschaft" gebildet hätten. Die Loyalität und Zusammengehörigkeit sei stark ausgeprägt gewesen, heute erlebe er (die befristeten Verträge und die Konkurrenz seien die Hauptgründe) die Wissenschaftler häufig eher als "Söldnerheere".</p>

<p>Widerspruch erntete Reich dafür nicht. Gerhard A. Ritter, maßgeblich am Neuaufbau der Geschichtswissenschaft an der Humboldt Uni beteiligt, erinnerte allerdings daran, wie erfreulich sich die Wissenschaftslandschaft entwickelt habe. Mit Jena, Greifswald, Dresden, Rostock, Leipzig oder Potsdam hätten sich an so vielen Stellen alte und gute universitäre Traditionen neu belebt, die heute als Innovationsmotoren in die jeweiligen Regionen ausstrahlten. </p>

<p>Da mochte Ritter niemand so recht widersprechen, Wolfgang Thierse nahm allerdins nochmal die Schattenseiten in den Blick. Zwar sei die Befreiuung von Bevormundung und von intellektueller Beschränkung ein riesiges Glück, aber es sei an der Zeit, die Veränderungsprozesse kritisch zu beleuchten. Denn, so Thierse:<br />
<blockquote>"Im Prozeß der Umgestaltung waren die Ostdeutschen immer seltener Akteure, sie wurden immer häufiger Objekte." (Wolfgang Thierse)</blockquote></p>

<p>Über diese und viele weitere Fragen, über die Rolle der Ehrenkommissionen, die individuellen Schicksale vieler Wissenschaftler und die strukturellen Aspekte wird am heutigen Tag in insgesamt vier Podiumsdiskussionsrunden debattiert. </p>

<p>--</p>

<p><em>Das Symposium findet im Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, Einstein-Saal, Jägerstraße 22-23, Berlin statt.</p>

<p>Es ist eine Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften  im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 "Forschungsexpedition Deutschland"</em></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8373,http%3A%2F%2Fsurveybox.de%2Fstudio%2Fmm%2FWissenschaftsblogs_2_0%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/ScienceBlogs_Befragung.jpg" border="0" alt="" title="" /></a>


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            <pubDate>Wed, 25 Nov 2009 08:45:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Wissenschaftliche Wiedervereinigung: Ein Erfolg mit Schönheitsfehlern</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>Die meisten Beobachter sind sich einig: es gab kaum eine realistische Alternative zur Art und Weise wie der wissenschaftliche Wiedervereinigungsprozeß ablief. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Erhardt">Prof. Dr. Manfred Erhardt</a> war einer der Akteure, die diesen Transformationsprozeß mitgestaltet haben. Der Jurist und Wissenschaftspolitiker war ab 1991 Berliner Wissenschaftssenator. </p>

<p>In diesem Gastbeitrag resümiert er den wissenschaftlichen Vereinigungsprozeß:</em></p></div>

<p>Berlin ist heute eine der führenden Wissenschaftsregionen. Beim Exzellenzwettbewerb standen sowohl HU als auch FU auf der Short-List, wobei Letztere gekürt wurde. Die BBAW ist im Verbund mit Leopoldina und Acatech zur National-Akademie erhoben worden. Die Kunst- und die Fachhochschulen spielen an der Spitze ihrer jeweiligen Liga. Der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof ist eine blühende Landschaft. Und die außeruniversitäre Forschung floriert in einer Qualität, Dichte und Breite, wie sonst nur noch in Bayern und Baden-Württemberg.</p>

<p>Ich halte deshalb an meiner schon 1993/94 verlautbarten Bewertung fest, wonach die Wissenschaft der Bereich ist, in dem die Wiedervereinigung vergleichsweise am besten und darüber hinaus erstaunlich rasch und gut gelungen ist. </p><p>Zu verdanken ist dieser gelungene Erneuerungsprozess dem Einigungsvertrag und dem Wissenschaftsrat, dessen Empfehlungen nicht nur die Ziele, sondern auch die Wege und Instrumente aufzeigten:</p>

<p>So wurden in Berlin<br />
<ul>	<li>eine prominent besetzte Landeshochschulstrukturkommission unter dem Vorsitz von Jürgen Mittelstraß eingesetzt,</li><br />
	<li>für alle Fachbereiche Struktur- und Berufungskommissionen gebildet, </li><br />
	<li>für jede Hochschule neben den Ist- auch neue Soll-Stellenpläne erstellt, </li><br />
	<li>alle Professuren neu definiert und öffentlich ausgeschrieben.</li><br />
	<li>Bloße Überleitungen gab es nicht,</li><br />
	<li>lediglich das Hausberufungsverbot wurde ausgesetzt.</li><br />
	<li>Und zur Erleichterung von Hausberufungen war eine Prognose abzugeben, ob sog. „systembedingte Defizite" (wegen fehlender wissenschaftlicher Austauschbeziehungen, fehlender Literatur, mangelhafter Ausstattung usw.) in einigen Jahren behoben sein könnten. Bei positiver Prognose wurde berufen.</li></ul></p>

<p>Für die Hausbewerber nachteilig und belastend war es, dass quasi über Nacht neue, nämlich an internationalen Standards orientierte Bewertungsmaßstäbe galten, denen in den Geistes- und Sozialwissenschaften diejenigen kaum genügen konnten, denen der Zugang zur einschlägigen Literatur fehlte, die nicht Reisen und internationale Kontakte pflegen durften.</p>

<p>Aber auch hier gab es Ausnahmen. Ich erwähne beispielhaft den Fall eines Philosophen, dem - wie vielen - das Publizieren verwehrt war, der jedoch erklären konnte, er habe zwar nicht publiziert, wohl aber geschrieben und lege deshalb seine unveröffentlichten Werke als maschinenschriftliche Manuskripte vor, womit er die Berufungskommission überzeugte, aber bei seinen Kollegen aneckte. Er wurde alsbald auf eine C 4-Stelle empfohlen und berufen. <br />
Hatte der Wissenschaftsrat noch 1990 gefordert, selbstkritisch zu prüfen, inwieweit das bundesrepublikanische Bildungs- und Forschungssystem der Neuordnung bedürfe, bevor es einfach auf das Beitrittsgebiet übertragen werde, so setzte der Einigungsvertrag nicht auf Reform, sondern auf Einpassung. </p>

<p>Diese „Einpassung" war eine fast zwangsläufige Folge des von den Repräsentanten der DDR gewünschten „Beitritts". Und sie war zweifellos die bessere Lösung, auch wenn Jürgen Mittelstraß mit seiner Prophezeiung aus dem Jahre 1993 Recht behielt:</p>

<blockquote>„Am Ende werden wir im Osten nur den Westen wiederfinden - mit seiner Stärke, sprich Wissenschaftsfreiheit, und seiner Schwäche, sprich Reformunfähigkeit."</blockquote>

<p>Aber gerade diese Reformunfähigkeit wäre es gewesen, die die - heute gleichrangigen - Ost-Einrichtungen einer Geduldsprobe ausgesetzt und die rasche Erlangung internationaler Wettbewerbsfähigkeit verzögert hätte. </p>

<blockquote class="left">Auf der einen Seite steht die Wissenschaftsfreiheit. Auf der anderen die Implementierung all jener Systemmängel und Reformdefizite, die zuvor schon Elend, Bürde oder Nachteil des Westens waren.</blockquote>

<p>Einpassung bedeutete freilich auch die Implementierung all jener Systemmängel und Reformdefizite, die zuvor schon Elend, Bürde oder Nachteil des Westens waren.</p>

<p><strong>Mein Fazit also: </strong></p>

<p>Gelungen ist der Erneuerungsprozess, wenn wir ihn am Maßstab des Hochschulsystems West messen. Misst man ihn aber am Reformbedarf, den auch die West-Hochschulen angesammelt hatten, so sind mit der Einpassung in das West-System auch dessen organisatorische und strukturelle Mängel mit implantiert worden.</p>

<p>Misst man die Ost- und die West-Hochschulen an den Rahmen-, Struktur- und Arbeitsbedingungen von internationalen Spitzenuniversitäten, so fehlt es an Gestaltungsfreiheit, Wettbewerbs-, Qualitäts- und Leistungsorientierung, an Geld und politischer Unterstützung.</p>

<p><br />
--</p>

<p><em>Prof. Dr. Manfred Erhardt ist Panel-Teilnehmer des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung". </em></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8373,http%3A%2F%2Fsurveybox.de%2Fstudio%2Fmm%2FWissenschaftsblogs_2_0%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/ScienceBlogs_Befragung.jpg" border="0" alt="" title="" /></a>


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            <pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Peter Ruben: Wechselvolle Karriere eines unbequemen Geistes</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>Wenn man auf den Prozeß der Wiedervereinigung in Wissenschaft und Forschung zurückblickt, dann läuft man allzu leicht Gefahr, lediglich die institutionelle Dimension zu beleuchten und die vielen, vielen Einzelschicksale zu vergessen. </p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Bierwisch">Prof. Dr. Manfred Bierwisch</a> stellt uns heute exemplarisch die wechselvolle Karriere des Philosophen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Ruben">Peter Ruben</a> vor. </em></p></div>

<p>Die Brüche und Ungleichheiten, die mit dem Einigungsprozess für die einzelnen Wissenschaftler verbunden waren, sind nicht generalisierbar. Sie können aber am Einzelfall auf irritierende Weise sichtbar werden. </p>

<blockquote class="right">Peter Ruben gehört zu den markanten Figuren in der Philosophie der DDR. Dennoch - oder gerade deswegen? - hatte er mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen.</blockquote>

<p>Peter Ruben gehört zu den markanten Figuren in der Philosophie der DDR. Mit seinen profunden, unorthodoxen Arbeiten zum Verhältnis von Philosophie und Naturwissenschaft hat er im In- und Ausland Interesse und Anerkennung bei seinen Fachkollegen gefunden als ein Denker, der marxistische Positionen für Philosophen und Wissenschaftstheoretiker verschiedener Positionen diskutierbar und interessant gemacht hat. </p>

<p>Seine eigenständige Haltung, die bereits 1958 mit Parteiausschluss und Exmatrikulation geahndet worden war, führte Ende der siebziger Jahre zu einem schweren Konflikt mit der SED, in die er nach einer „Bewährung in der Produktion" wieder aufgenommen worden war. Im Verlauf einer inquisitorischen Kampagne im Institut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften, in dem Ruben inzwischen als Abteilungsleiter tätig war, wurde er 1981 erneut aus der Partei ausgeschlossen, aller Positionen entkleidet und de facto mit Publikationsverbot belegt.</p><p>Diese Maßregelung löste beträchtliche Reaktionen aus, mindestens zehn prominente Kollegen aus der Bundesrepublik und dem Ausland wandten sich an die Verantwortlichen der DDR und erhoben Einspruch gegen die Reglementierung. Der Erfolg dieser Einsprüche führte immerhin dazu dass Peter Ruben zwar zum Schweigen gebracht wurde, aber am Institut für Philosophie der Akademie der DDR verbleiben konnte, um keinen Anlass für weiteren Eklat zu geben. Seine philosophischen Positionen hat er, allen Pressionen zum Trotz, nicht preisgegeben. Am Ende der DDR wurde er der erste von den Mitarbeitern frei gewählte Direktor des Instituts, nachdem der Skandal von 1981 aufgearbeitet worden war. </p>

<p>Der Einigungsprozesses hatte zur Folge, dass Peter Ruben zugleich auch der letzte Direktor des Instituts war, der  - wie viele andere gerade eben von den Mitarbeitern gewählte Institutsleiter - nur noch die Aufgabe hatte, das Institut abzuwickeln. Er hat die Tatsachen akzeptiert, obwohl er die Auflösung des Instituts so wenig für richtig gehalten hat wie zuvor das Revisionismusverdikt gegen seine Theorie über Arbeit und Erkenntnis. Jedenfalls verlor er, wie viele andere auch, mit dem Ende des Instituts seine Stelle. Aufgrund seiner Reputation wurde er in das „Wissenschaftler-Integrations-Programm" aufgenommen, was ihm von 1994 bis 96 eine Mitarbeiterstelle für Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt/Oder eintrug. </p>

<blockquote class="left">Was nutzt Publikationsfreiheit, wenn man dafür keine (universitäre) Stelle mehr hat?</blockquote>

<p>Nach dem Auslaufen dieses Programms wurde er - anders als in der DDR - schlicht arbeitslos. Er hatte nun zwar uneingeschränkte Publikationsfreiheit, aber keine Arbeitsstelle. Empörte Briefe wegen dieses Skandals hat es nicht gegeben - an wen auch? Es ging ja nicht um eine gezielte Maßnahme mit individueller Verantwortung. Seit 1989 ist Peter Ruben Rentner, aber nicht untätig. </p>

<p>Das Beispiel ist exemplarisch, wenn auch mitnichten verallgemeinerbar. Andere Geschichten gehen anders, meist weniger paradox, oft, aber nicht immer, so, dass man zufrieden sein kann. Jedenfalls ist das, was in den 20 Jahren gesamtdeutscher Entwicklung geschehen ist, durchwachsen.    </p>

<p><br />
--</p>

<p><em>Der Linguist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Bierwisch">Prof. Dr. Manfred Bierwisch </a> war von 1957 bis 1991 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, von 1992 bis 1998 war er Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe 'Strukturelle Grammatik' und Professor für Linguistik an der HU Berlin. In früheren Beiträgen hat er bereits <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/wissenschaft-und-wiedervereinigung-wer-bestimmte-die-spielregeln.php">allgemein den Vereinigungsprozeß in den Wissenschaften</a> und dann die <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/sprachwissenschaft-in-der-ddr-erfolge-und-erbfolge.php">besondere Situtation in den Sprachwissenschaften</a> in den Blick genommen.</em></p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/peter-ruben-wechselvolle-karriere-eines-unbequemen-geistes.php</link>
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            <pubDate>Fri, 20 Nov 2009 10:15:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Sprachwissenschaft in der DDR: Erfolge und Erbfolge</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>In Wissenschaft und Forschung gab es teilweise erhebliche Unterschiede zwischen der BRD und der DDR; wobei dies in Abhängigkeit von einzelnen Disziplinen nochmals variierte. Die <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/dynamische-zeiten-biowissenschaften-im-deutschdeutschen-vergleich-in-den-1960er-jahren.php">Situation in den Biowissenschaften</a> stellte sich beispielsweise ganz anders dar, als in der Philosophie oder den Wirtschaftswissenschaften.</p>

<p>Der Linguist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Bierwisch">Prof. Dr. Manfred Bierwisch </a> war von 1957 bis 1991 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, von 1992 bis 1998 war er Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe 'Strukturelle Grammatik' und Professor für Linguistik an der HU Berlin. In diesem Gastbeitrag skizziert Manfred Bierwisch, unter welchen Bedingungen die Sprachwissenschaften in der DDR agierten.</em></p></div>

<p>Diese ziemlich generellen Bemerkungen können durch den Blick auf ein einzelnes Fachgebiet und seine Geschichte in der DDR etwas konkretisiert werden. Solche Feststellungen sind natürlicherweise durch persönliche Erfahrungen geprägt und überdies für verschiedene Fachgebiete und Institutionen sehr unterschiedlich, jedenfalls nicht generalisierbar. Die hier für die Sprachwissenschaft zu machenden Anmerkungen könnten dennoch charakteristisch sein.</p>

<p>Zunächst ist zur Kenntnis zu nehmen, dass 1945 in der ersten Phase nach dem Ende des Krieges der Osten vielen als das bessere Deutschland galt. Die Rückkehrer aus der Emigration von Brecht und Bloch bis Anna Seghers und Hans Mayer haben die DDR - ungeachtet des noch völlig ungebrochenen Stalinismus - nicht nur als echte Alternative zur Bundesrepublik, sondern auch als Möglichkeit einer sozialistischen Gesellschaft verstanden. Das hat viele Entscheidungen geprägt und Realitäten geschaffen.</p>

<blockquote class="right">Für eine bestimmte Phase war die Linguistik in der DDR womöglich näher an der internationalen Entwicklung als die in der Bundesrepublik.</blockquote>

<p>Der Bruch mit erstarrten oder kompromittierten Teilen der Tradition im Osten des Landes hat in manchen Bereichen neue Möglichkeiten eröffnet. In der Sprachwissenschaft sind, insbesondere durch Initiativen von Wolfgang Steinitz, Entwicklungen in Gang gekommen, die in der Bundesrepublik erst verzögert zum Zuge kamen. Für eine nicht sehr lange und keineswegs stabile Phase war die Linguistik in der DDR womöglich näher an der internationalen Entwicklung als die in der Bundesrepublik. Jedenfalls haben einige Anstöße der 50er Jahre Spuren erzeugt, die auch nach dem Ende der DDR noch wahrnehmbar sind. Solche Feststellungen sind mit gebührender Zurückhaltung zu treffen, sie sind sehr fachspezifisch und allenfalls in jeweiligen Einzelfällen auf andere Bereiche übertragbar.</p><p><strong>Wie viel wissenschaftliche Autonomie war in der DDR möglich?</strong></p>

<p>Und sie müssen sogleich ergänzt werden durch den Hinweis auf die Reglementierung, der alle die Öffentlichkeit berührenden Vorgänge unterlagen. Die von Beginn an und mit heftigen Schwankungen bis zum Ende der DDR ganz grundsätzlich wirksame Kontrolle der SED über alle Bereiche der Gesellschaft - gemäß der Doktrin von der „führenden Rolle der Partei" - hat die wissenschaftliche Eigenständigkeit immer wieder behindert und oft massiv gestört, vielfach durch direkt gesteuerte Eingriffe und bösartige Kampagnen, die auch in persönliche Verhältnisse eingriffen, etwa durch Postkontrolle, Reisesperren oder Publikationsrestriktionen. </p>

<p>Dennoch hat das, was in den letzten Jahren der DDR als Aktivität von Dissidenten ins öffentliche Bewusstsein gelangte, innerhalb des Wissenschaftsbetriebes immer wieder und von Beginn an stattgefunden, mit Unbotmäßigkeiten, deren amtlicher Unterbindung, aber auch mit gelegentlichem Erfolg. Die Realitäten waren viel differenzierter als der zusammenfassende Rückblick es erscheinen lassen mag.</p>

<blockquote class="left">Was in den alten Bundesländern über lange Perioden entstanden und üblich geworden war, sollte nun in weniger als zwei Jahren in den neuen Ländern nachgebildet werden.</blockquote>

<p>Aufgrund der in Wahrheit zum Teil recht unübersichtlichen Verhältnisse im universitären und außeruniversitären Wissenschaftsbetrieb war es bei der Vereinigung 1990 keineswegs einfach, angemessene Lösungen der zweifelsfrei bestehenden Probleme festzulegen. Die Maxime, dass eine einheitliche Wissenschaftslandschaft zu schaffen sei, war so unausweichlich wie problematisch, da sie die Übertragung des bundesdeutschen Wissenschaftssystems auf den Osten des Landes bedeutete. Was aber in den alten Bundesländern über lange Perioden entstanden und üblich geworden war, sollte nun in weniger als zwei Jahren in den neuen Ländern nachgebildet werden. Gewollt war das keineswegs nur von den Eliten in der alten Bundesrepublik, sondern auch von vielen neugierigen und erwartungsvollen Wissenschaftlern der neuen Länder, wenn auch die Erwartungen und Chancen in den beiden Teilen des Landes sehr unterschiedlich waren.</p>

<p><strong>Welche Errungenschaften der DDR-Linguistik hatten Bestand?</strong></p>

<p>In dem Bereich, zu dem die Linguistik gehört, ist immerhin in Form der (zunächst sieben, dann sechs) Geisteswissenschaftlichen Zentren eine eigene Variante der Forschungsorganisation eingerichtet worden. Sie ist mit gebührender Vorsicht und gegen heftigen Widerstand von Institutionen der alten Bundesländer entstanden als Neugestaltung von Ansätzen, die sich aus dem Nachlass der DDR ergaben. In diesen Zentren ist der Einigungsprozess längst abgeschlossen, die Gegenwart ist international. </p>

<p>Die Probleme und Unangemessenheiten, die mit den Umwertungen bei der Vereinigung verbunden waren, sind in den mehr als 15 Jahren, die seither die zunehmend einheitliche Wissenschaftslandschaft geprägt haben, weitgehend gegenstandslos geworden. Viele Personen sind mit ihren Schwierigkeiten auf allmählich ganz natürliche Weise verschwunden. Andererseits haben manche der völlig unumstrittenen Guthaben aus DDR-Zeiten, so zum Beispiel der Akademie-Wörterbücher, einen festen institutionellen Platz gefunden, den man gelegentlich sogar als solchen erkennt. Dominierend aber sind längst die Probleme aus der Zeit nach der Vereinigung, zu denen man getrost auch die Groteske des viel zu lange geltenden Osttarifs in der Vergütung gleicher Leistung zählen mag.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/sprachwissenschaft-in-der-ddr-erfolge-und-erbfolge.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Sprachwissenschaften</category>
            
            <pubDate>Thu, 19 Nov 2009 14:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Wissenschaft und Wiedervereinigung: Wer bestimmte die Spielregeln?</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>1989/1990 stand die Wissenschaftspolitik plötzlich vor der Aufgabe ein gesamtdeutsches, zukunftstaugliches Wissenschaftssystem zu gestalten. Wie sollten die Weichenstellungen aussehen? Welche Strukturen galt es zu bewahren, welche Reformen waren notwendig? </p>

<p>Der Linguist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Bierwisch">Prof. Dr. Manfred Bierwisch </a> war von 1957 bis 1991 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR, von 1992 bis 1998 war er Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe 'Strukturelle Grammatik' und Professor für Linguistik an der HU Berlin. In diesem Gastbeitrag blickt Manfred Bierwisch auf die Entwicklung vor 20 Jahren zurück.</em></p></div>

<p>Die Meinungen über Verlauf und Ergebnis der Vereinigung der beiden deutschen Staaten sind geteilt, auch im Bereich der Wissenschaft. Unterschiede im Urteil hängen naturgemäß mit der eigenen Erfahrung zusammen. Viele Probleme sind inzwischen aus dem Blickfeld geraten oder durch die eingetretenen Entwicklungen überholt oder überlagert. Werden die Erfahrungen und Bewertungen bewusst gemacht, lassen sich, stark vereinfacht, zwei Pole der Meinungsbildung erkennen:</p>

<ul>	<li>Die Vereinigung ist vollzogen, und das ist gut so. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer das bestreitet oder damit nicht zurechtkommt, verklärt die Verhältnisse davor.</li>
	<li>Die Vereinigung ist auf Kosten von Wissenschaftlern und Institutionen der DDR vollzogen worden. Wenn sich das schon nicht korrigieren lässt, muss man es wenigstens benennen.</li></ul>
 
Vermutlich sind beide Positionen richtig und begründet, aber nicht leicht vereinbar, so wenig wie die Erfahrungen und Interessen zwanglos vereinbar sind, aus denen sie entspringen. Ein paar thesenartige Bemerkungen können das verdeutlichen. <p><br />
<blockquote class="right">Von vornherein waren die Ausgangsbedingungen der (wissenschaftlichen) Wiedervereinigung asymmetrisch.</blockquote></p>

<p>1. Die Bedingungen der Vereinigung waren - in der Wissenschaft wie in praktisch allen Bereichen - durch massive Asymmetrien bestimmt. Zu vereinigen waren ein großes und ein kleines Land, ein erfolgreiches und ein gescheitertes Gesellschaftssystem und Bevölkerungen mit sehr ungleichartigen Erfahrungen und Meinungen übereinander. Diese Asymmetrien waren eine nicht zu umgehende Tatsache. Die Entscheidung darüber, wie die Vereinigung zu geschehen hätte, lag natürlicherweise bei bundesdeutschen Institutionen. Das hatte zur Folge, dass sich die Vereinigung der Wissenschaft beider Länder als Ausdehnung oder Übertragung des Systems der alten auf die neuen Bundesländer vollzog. </p>

<p>2. Damit waren mindestens drei Arten von Konsequenzen vorgezeichnet: <br />
<ul>	<li>(a) Strukturen und Verfahren der Bundesrepublik wurden auf das Vereinigungsgebiet übertragen - mit allen Vorzügen und Begrenztheiten.</li><br />
	<li>(b) Innovationen waren unter diesen Umständen (mit marginalen Ausnahmen) nicht vorgesehen und praktisch auch gar nicht möglich.</li><br />
	<li>(c) Einrichtungen und Personal der DDR-Wissenschaft verschwanden, soweit sie den neuen Bedingungen nicht entsprachen. </li></ul></p>

<blockquote class="left">Die alte Bundesrepublik gab die Spielregeln vor. Dazu gab es keine reale Alternative.</blockquote>

<p>3. Die Spielregeln und Zielstellungen der angestrebten einheitlichen Wissenschaftslandschaft waren die der alten Bundesrepublik, ohne dass das hätte erörtert werden können, aber auch ohne dass es eine reale Alternative gegeben hätte. Das hatte, unbeschadet aller Umsicht, nicht nur Ungleichheiten im personellen Bereich zur Folge, sondern legte schon im Vorhinein ungleiche Ausgangsbedingungen fest. Hinterfragt wurden ja (zu recht) die Defizite der DDR-Hinterlassenschaft, nicht die der alten Bundesländer. Das Wort führten in allen damit befassten Gremien ganz selbstverständlich die Vertreter der alten Bundesländer. Auch wer davon nicht persönlich betroffen war, konnte nicht umhin, zu erfahren, dass die wissenschaftliche Elite der DDR mit ihren Verdiensten und unbestreitbaren Verfehlungen und Defiziten de facto ausgemustert war.</p>

<p>4. Der Vereinigungsprozess fand unter beträchtlichem Zeitdruck und mit hoher Intensität statt. Das war von den Akteuren und den Betroffenen der Veränderungen nicht zu beeinflussen. Abwägung der Voraussetzungen oder auch möglicher Alternativen war nur sehr beschränkt möglich. Sie hat auch im Nachhinein kaum stattgefunden. Etwaige Korrekturen einmal getroffener Entscheidungen wären auch schwer vorstellbar gewesen. Selbst Maßnahmen, die erkennbare Defizite hätten auffangen können und sollen - etwa in den Integrationsprogrammen für die Mitarbeiter aufgelöster Institutionen - sind praktisch im Sand verlaufen. </p>

<p>Spätere Strukturänderungen und Umdispositionen in den Hochschulen, (zum Beispiel der Curricula) haben nichts mit dem Einigungsprozess zu tun. Der weitere Entwicklungsgang auf der Basis der anfänglichen Weichenstellung ist weitgehend durch Gewöhnung an die entstandenen Bedingungen bestimmt, mit allen Vorteilen und Hindernissen.</p>

<blockquote class="right">Die DDR ist Geschichte, ihr Personal ist zu immer größeren Teilen in Rente.</blockquote>

<p>5. Die noch immer keineswegs restlos verschwundenen Unterschiede der Ausgangsverhältnisse werden zunehmend randständig, sie werden eher eingeebnet als dass sie behoben würden. Mit dem natürlichen Generationenwechsel und der damit verbundenen Personalumschichtung werden sie obsolet und für die aktuellen Vorgänge uninteressant. Die DDR ist Geschichte, ihr Personal ist zu immer größeren Teilen in Rente.</p>

<p>--</p>

<p><em>In einem folgenden Beitrag nimmt Prof. Dr. Manfred Bierwisch <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/sprachwissenschaft-in-der-ddr-erfolge-und-erbfolge.php">die Sprachwissenschaften genauer unter die Lupe</a>.</em></p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/wissenschaft-und-wiedervereinigung-wer-bestimmte-die-spielregeln.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft und Wiedervereinigung</category>
            
            <pubDate>Wed, 18 Nov 2009 13:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Samuel Mitja Rapoport: Biowissenschaften im Zeichen von Forschungsplanung und Fortschrittsdenken in der DDR</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>Wer sich mit der biomedizinischen Forschung der DDR beschäftigt, der stellt fest, dass man ab den 1960er Jahren - in überaus fortschrittlicher Weise - das Augenmerk auf Transdisziplinarität legte, ambitionierte Großprojekte startete und sich ausdrücklich am Diskurs der (westlichen) Scientific Community orientierte. Wesentlich dafür verantwortlich war der Biochemiker Samuel Mitja Rapoport. </p>

<p>Der Historiker <a href="http://www.charite.de/medizingeschichte/">Dr. Andreas Malycha</a> skizziert die Bedeutung Rapoports und erklärt, weshalb sein ehrgeizigstes Projekt letztlich nicht erfolgreich war.*</em></p></div>

<p>Für die Profilierung und Wettbewerbsfähigkeit biowissenschaftlicher Forschungen in der DDR hat sich in besonderer Weise der Biochemiker <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Mitja_Rapoport">Samuel Mitja Rapoport</a> engagiert. Rapoport hat wie kein anderer die molekular- und zellbiologische Grundlagenforschung zu verschiedenen Anlässen immer wieder in das Zentrum biowissenschaftlicher Forschungsgramme gestellt und auf die praktische Bedeutung ihre Ergebnisse verwiesen. Die Erforschung molekularer Grundlagen der Lebensvorgänge beim Menschen, bei Tieren und Pflanzen, so versuchte er auch die SED-Führung unter Ulbricht in den 1960er Jahren zu überzeugen, habe entscheidende Bedeutung für die gesamte Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. </p>

<blockquote class="right">Auch die politische Führung der DDR bemerkte, dass die molekularbiologische und biomedizinische Forschung international hinterhinkte.</blockquote>

<p>Allerdings war - auch aus Gründen der zunehmenden internationalen Isolierung nach dem Mauerbau 1961 - die molekularbiologische und biomedizinische Forschung in der DDR der internationalen wissenschaftlichen Konkurrenz, insbesondere der amerikanischen schon damals nicht mehr gewachsen. Das wurde auch in den politischen Führungsinstanzen, erst recht in der innerwissenschaftlichen Kommunikation so wahrgenommen und mehrfach beklagt. </p>

<p>Daher unternahm Rapoport mit seinem nicht geringen Einfluss auf wissenschaftspolitische Grundsatzentscheidungen immer wieder Versuche, von der DDR-Regierung umfassende Förderprogramme für die biowissenschaftliche Grundlagenforschung und unkonventionelle Strukturentscheidungen im festgefügten Wissenschaftssystem mit seinem fünfjährigen Planungsmodus zu fordern. Als Referenzebene für die geplanten „Spitzenleistungen" biowissenschaftlicher Forschungen diente ihm keineswegs die Sowjetwissenschaft, wie dies beispielsweise noch in der Genetik der frühen 1950er üblich gewesen war, sondern die amerikanische Forschung mit ihrem innovativem Forschungsmodell.</p><p><strong>Samuel Mitja Rapoport: Bewegte politisch-wissenschaftliche Karriere</strong></p>

<p>Rapoports Engagement für das amerikanischen System der Forschung mit seinen flachen Hierarchien und interdisziplinären Denkweisen hatte gute Gründe. Der 1912 in der Ukraine geborene Biochemiker Rapoport wirkte vor seiner Übersiedlung in die DDR als Wissenschaftler in Wien und seit 1937 in Cincinnati (USA). Dort leitete er im Auftrag der „National Research Council" der Vereinigten Staaten eine Arbeitsgruppe, die sich mit Problemen der Konservierung des Blutes beschäftigte. Während seiner Forschungsjahre in den USA lernte er eine Form von Wissenschaftsorganisation schätzen, die auf autoritäre Hierarchien verzichtet, das Primat der Forschung vor der Politik betont, einen intensiven, interdisziplinären Austausch pflegt, die Neuverteilung von Verantwortlichkeiten unkonventionell regelt und kleine innovative Arbeitsgruppen bevorzugt. </p>

<p>Als Rapoport, der 1950 vor der Kommunistenverfolgung McCarthy`s wiederum nach Wien floh, im Januar 1953 zum Professor für physiologische Chemie an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen wurde, war er den Ordinarien der Berliner Medizinischen Fakultät durchaus suspekt. Sie misstrauten ihm als Emigranten der USA, im Hinblick auf seine völlig andere wissenschaftliche Sozialisation, seinen andersartigen Forschungs- und Kommunikationsstil wie seine anderen wissenschaftlichen Methoden. Zudem galt er den „bürgerlichen" Medizin-Professoren als politischer Überzeugungstäter, der ihrer Ansicht nach den Einfluss der SED an der Berliner Universität erweitern wolle.</p>

<p>Es dauert viele Jahre, bis Rapoport am Ende der 1960er Jahren seinen Vorstellungen von interdisziplinär arbeitenden Forscherteams im Rahmen der laufenden Diskussion über neue Formen und Inhalte der Wissenschaftsorganisation überhaupt erst Gehör verschaffen konnte und dazu nutzte, seine Ideen zur biowissenschaftlichen Forschung auch letztlich zu placieren. Er machte in wissenschaftspolitischen Beratungsgremien, so im Forschungsrat der DDR, seinen Einfluss dahin geltend, in „Sozialistischen Großforschungsvorhaben" der Biowissenschaften einen neuen Arbeitsstil zu realisieren, der von Interdisziplinarität und einer stärkeren Problemorientierung geprägt sowie am „Weltniveau" orientiert war. </p>

<p>Die institutionelle Zusammenführung bislang regional angesiedelter Forschungseinrichtungen der Universitäten und der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Großforschungszentren bzw. Großforschungsverbänden sollte zur Konzentration des Forschungspotentials führen, eine zentralistische Planung und Leitung der Wissenschaft und einen möglichst effektiven Einsatz der materiellen und personellen Ressourcen ermöglichen, also zur Rationalisierung der Forschung beitragen. </p>

<p><strong>Das Großforschungsvorhaben MOGEVUS</strong></p>

<p>Krönung dieser ehrgeizigen Pläne war die Etablierung des Großforschungsvorhabens MOGEVUS (Molekulare Grundlagen der Entwicklungs-, Vererbungs- und Steuerungsprozesse) im Jahre 1971. Seine Gründung fiel in eine Zeit, in der der internationale Durchbruch zu molekularbiologischen Forschungsprogrammen längst vollzogen war und die klassische biologische Forschung zunehmend in den Hintergrund drängte. </p>

<blockquote class="left">Kam MOGEVUS zu spät? Woran scheiterte das ehrgeizige Großprojekt?</blockquote>

<p>Schwerpunkt dieses „Sozialistischen Großforschungsvorhabens" bildeten molekularbiologische Schlüsselprobleme der Grundlagenforschung bei höheren Zellen, deren Aufklärung die Voraussetzungen für anwendungsorientierte Lösungen in humanmedizinischer Diagnose und Therapie, in der Züchtung von Pflanzenzellen in Zellkulturen, gentechnischen Projekten in der Tierzüchtung und der Erhöhung der Erträge in der Landwirtschaft schaffen sollte.</p>

<p>Am 1. Februar 1971 eröffnet, verkörperte MOGEVUS mitnichten eine genuine Neugründung, sondern vielmehr eine formelle Zusammenfassung verschiedener Akademie- und Universitätsinstitute, deren Kern das „Forschungszentrum für Molekularbiologie und Medizin" der Akademie in Berlin-Buch bildete. Innerhalb des Wissenschaftssystems der DDR war es einzigartig, nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch, weil es als einziges Großforschungsvorhaben nicht unmittelbar an einen Industriezweig und damit an einen staatlichen Produktionsbetrieb gebunden war. Wie weitreichend der Plan angelegt war, lässt sich auch daran ablesen, dass über 800 Wissenschaftler der Akademie und aus Universitäten und Hochschulen der DDR in „MOGEVUS" zusammengeführt und der Leitung des Ministeriums für Forschung und Technik unterstellt wurden. Insgesamt sollten sich mehr als 2.000 Wissenschaftler an diesem Forschungsverbund beteiligen.</p>

<p>Doch schon bald erwies sich dieses gigantomanische Vorhaben als undurchführbar, da Pläne und Möglichkeiten immer stärker auseinander klafften. Letztlich konnte das ambitionierte Programm aufgrund seiner Komplexität sowie der drastischen Einschränkung der Mittel für die Ausstattung und den laufenden Betriebsbedarf nicht umgesetzt werden. Der Schwerpunkt der Investitionen wurde in die Sozialpolitik verlagert. MOGEVUS scheiterte angesichts eklatanter Mängel in der technologischen Basis biowissenschaftlicher Forschung, insbesondere bei Forschungsgeräten, elektronischer Datenverarbeitung und Laborchemikalien. Nach dem Machtwechsel von Ulbricht zu Honecker wurde das neue „Großforschungszentrum" unauffällig wieder demontiert, ehe es nennenswerte Forschungsergebnisse präsentieren konnte.</p>

<p>Mit dem Scheitern von MOGEVUS in den 1970er Jahren endeten auch die Versuche Rapoports, unkonventionelle Strukturen für die Erforschung komplexer biologischer Phänomene und neue Organisationsmethoden zu schaffen. Er scheiterte auch an dem Unwillen der Honecker-Führung, den Forschern Autonomie zu gewährleisten und die Forschung dort großzügig zu fördern, wo sie erfolgversprechend schien. Hinzu kam, dass der ostdeutsche Staat in den 1970er Jahren immer stärker in die Organisation der Forschung eingriff. Letztlich hatte die Einsicht kaum eine Chance, dass in modernen Gesellschaften wirtschaftliches Wachstum und wissenschaftliche Leistungsfähigkeit überwiegend auf nicht sicher planbarer und voraussehbarer Innovation beruht.   </p>

<p><br />
* Der Beitrag beruht auf einem von der DFG geförderten Projekt „Biowissenschaften/Biomedizin im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik in der DDR und der Bundesrepublik in den sechziger und siebziger Jahren", das am Institut für Geschichte der Medizin der Charité von Sabine Schleiermacher geleitet und von Ulrike Thoms und Andreas Malycha bearbeitet wird.</p>

<p>--</p>

<p><em><a href="www.charite.de/medizingeschichte">Dr. Andreas Malycha</a> ist Panel-Teilnehmer des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung". Mehr Informationen findet man auf dieser <a href="http://www.andreas-malycha.de">Homepage</a>.</em></p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/samuel-mitja-rapoport-biowissenschaften-im-zeichen-von-forschungsplanung-und-fortschrittsdenken-in-der-ddr.php</link>
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            <pubDate>Mon, 16 Nov 2009 09:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Dynamische Zeiten: Biowissenschaften im deutsch-deutschen Vergleich  in den 1960er Jahren</title>
            <description><![CDATA[
     <div style="padding: 8px; background: rgb(239, 239, 239) none repeat scroll 0% 0%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial; margin-bottom: 25px;"><em><p>Genau an der Schnittstelle von Medizin und Biologie sorgten Ende der 1950er neue Erkenntnisse für großes Aufsehen. Auch in den beiden deutschen Staaten nahm man zur Kenntnis, dass hier ein neues, vielversprechendes Forschungsfeld entsteht. Doch welche Schlußfolgerungen zog man beiderseits der Mauer daraus? </p>

<p>Der Historiker <a href="http://www.charite.de/medizingeschichte/">Dr. Andreas Malycha</a> hat sich in den letzten Jahren mit der Forschungspolitik in der SBZ/DDR beschäftigt und bearbeitet seit 2008 am Institut für Geschichte der Medizin der Berliner Charité ein Forschungsprojekt, das die Biowissenschaften/Biomedizin im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik in der DDR und der Bundesrepublik in den sechziger und siebziger Jahren zum Thema hat. - Hier sein Gastbeitrag:</em></p></div>

<p>„Dynamische Zeiten" hat die historische Forschung die 1960er Jahre genannt. In der Tat ist dieser Zeitraum gerade auf dem Feld der Biowissenschaften von tiefgreifenden Wandlungen geprägt. Während sich die Molekularbiologie in der Folge der Entdeckung der DNA durch Francis Crick und James Watson während der 1950er Jahre noch darauf beschränkt hatte, die Prozesse der Vererbung und Ausprägung der Erbinformationen zu untersuchen, stand in den 1960er Jahren der gezielte Eingriff in das genetische Material im Zentrum des Forschungsinteresses. </p>

<blockquote class="right">Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin der Zukunft.</blockquote>

<p>Die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beflügelten Visionen über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Medizin und nährten kühne Erwartungen an die Zukunft. Hier findet sich die Voraussage einer enormen Steigerung der Lebenserwartung, die Entwicklung von Ovulationshemmern mit zwanzigjähriger Wirkung, der allgemeinen Verwendung künstlicher Organe, das künstliche Wachstum von Gliedmaßen und Organen, der Einsatz elektronischer Prothesen, der Erstellung medizinischer Diagnosen durch Computer, der Winterschlaf für Menschen zu medizinischen Zwecken wie von Methoden zur Vererbungskontrolle, um nur einige Themen zu nennen. </p>

<p>Nicht nur Wissenschaftler, auch Politiker in Ost und West hofften darauf, mit innovativen Forschungsergebnissen der Biowissenschaften  Instrumente schaffen zu können, um Krankheiten (Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Viruserkrankungen) zu diagnostizieren und zu therapieren.</p><p><strong>Biowissenschaften als Schlüsseltechnologie der 1960er Jahre in Ost und West</strong></p>

<p>Die Biowissenschaften sollten also helfen, eine bessere, lebenswerte Welt zu schaffen. Ein Vergleich des Forschungsstandes in den Biowissenschaften mit den internationalen Entwicklungen fiel jedoch für die DDR und die Bundesrepublik gleichermaßen negativ aus, nahmen Wissenschaftler wie Politiker die eigene Situation doch als hoffnungslos rückständig, insbesondere gegenüber der amerikanischen Forschung wahr. Allgemein war von der „technologischen Lücke" gegenüber den Amerikanern die Rede. </p>

<p>Wenn die Erwartungen an die medizinischen Innovationen reale Gestalt annehmen sollten, mussten auch die Forschungsziele und dafür notwendige Ressourcen strategisch geplant werden. Für die Biowissenschaften ergab sich daraus ein sehr komplexer Vorgang, denn sie vereint viele an der Erforschung von Lebensvorgängen beteiligte wissenschaftliche Disziplinen.</p>

<p><strong>Forschungsplanung in der BRD</strong></p>

<p>Für die Bundesrepublik stellte die mittelfristige Planung in der Wissenschaft allerdings absolutes Neuland dar, stand doch jegliche Form von Forschungsplanung in dem negativen Ruf, das sowjetische Planwirtschaftsmodell zu imitieren. Sowohl in der universitären als auch der außeruniversitären Forschung dominierte in den Ländern ein streng disziplinär geordnetes Forschungsgefüge, in dem die Disziplinen um Forschungsmittel konkurrierten. Deshalb legte die Bundesregierung qualitativ neue Förderprogramme auf, um in mehrteiligen und vernetzten Forschungsinstitutionen der Biowissenschaften eine problemorientierte, interdisziplinär organisierte Forschung im großem Stil zu realisieren. </p>

<blockquote class="left">Konzertierte Forschungssteuerung: In der BRD betritt man Neuland. Gelingt es den Rückstand auf die USA in den Biowissenschaften aufzuholen?</blockquote>

<p>Das 1969 von der Bundesregierung initiierte Querschnittsprogramms „Neue Technologien" sollte die Vorteile anderer Staaten durch großzügige staatliche Forschungs- und Beschaffungsprogramme ausgleichen. Auf dem Gebiet einer neuen Förderpolitik waren vor allem die Förderinitiativen der 1962 gegründeten Volkswagenstiftung wegweisend. Von Anfang an war ihr Interesse besonders auf die Förderung der auch „physikalische Biologie" genannten Molekularbiologie gerichtet. Absicht war es, den wissenschaftlichen Rückstand vor allem gegenüber den biowissenschaftlichen Forschungen in den USA aufzuholen.</p>

<p><strong>Die "Biologieprognose" in der DDR</strong></p>

<p>Die auch in der DDR vorherrschende unproduktive Konkurrenz um Forschungsmittel, Wissenschaftler und materiell-technische Ressourcen, die mit einer Aufsplitterung von Zuständigkeiten und einer unkoordinierten Vielzahl spezieller Forschungsinteressen verbunden war, sollte hier durch eine breit angelegte Planungsinitiative -  der so genannten Biologieprognose - beendet werden. </p>

<blockquote class="right">Durch zentrale Planung und ambitionierte Programme sollte die Trendwende zur Molekurbiologie gemeistert und der Anschluss an die internationale Diskussion erreicht werden.</blockquote>

<p>Von 1966 bis 1968 wurde in Verantwortung des Biochemikers Samuel Mitja Rapoport die „Prognose zur Entwicklung der biologischen Forschung in der DDR für den Zeitraum 1970 bis 1980" (kurz: Biologieprognose) unter Beteiligung von nahezu 500 Wissenschaftlern hauptsächlich der Biologie und Medizin aus Universitäten und Instituten der Deutschen Akademie der Wissenschaften unter Hinzuziehung von Spezialisten anderer Disziplinen - z.B. Pflanzenphysiologen, Pharmazeuten, Agrarwissenschaftler - erarbeitet. Sie entwickelte für die Jahre von 1970 bis 1980 zentrale Forschungsprogramme und -ziele in der biomedizinischen sowie genetischen Forschung, die sich an der internationalen Wissenschaftsentwicklung orientierten und das Bemühen widerspiegelten, in den sich rasant entwickelnden Biowissenschaften die Trendwende von der konventionellen Biologie zur Molekularbiologie mit zu vollziehen.</p>

<p>So innovativ die Forschungsthemen für die Hauptforschungsrichtungen auch waren, so unvollständig wurden sie umgesetzt. Die in der Biologieprognose konzipierten Forschungsprogramme beeinflussten zwar die Grundrichtungen der biowissenschaftlichen Forschung für die 1970er Jahre, doch wurde die Vision eines langfristig und komplex angelegten Forschungsprogramms nicht realisiert. Sie scheiterte einerseits an der internen Planungsbürokratie wie den immer wieder aufbrechenden Kompetenzstreitigkeiten zwischen den verschiedenen Ministerien und andererseits an den fehlenden materiellen und finanziellen Möglichkeiten. Damit werden insbesondere die Grenzen der Wissenschaftspolitik in einem vermeintlich zentralisierten Staatswesen deutlich, das bei näherer Betrachtung offenbar nicht ganz so zentralistisch strukturiert war.</p>

<p>Im deutsch-deutschen Vergleich bleibt folgendes festzuhalten: Es gab in den 1960er Jahren eine identische Problemwahrnehmung, die zu neuen Fördermodellen und -programmen und schließlich zu ambitionierten Forschungsprojekten führte. Die neuen Förder- und Steuerungsprogramme berücksichtigten die andersartigen Anforderungen der auf Interdisziplinarität orientierten biowissenschaftlichen und biomedizinischen Forschung stärker als die bisherigen Programme. </p>

<blockquote class="left">Die Parallelen zwischen Ost und West sind verblüffend.</blockquote>

<p>Die zeitlichen Parallelen in der Dynamik der Entwicklung auf beiden Seiten der Mauer sind verblüffend, doch verbergen sich hinter den offensichtlichen Gemeinsamkeiten zugleich auch tiefgreifende Unterschiede. Setzte man in der Bundesrepublik bei einer nur losen Rahmenplanung auf das Nebeneinander verschiedener Initiativen und Fördermodelle mit Angebotscharakter, suchte man in der DDR der Zersplitterung von Zuständigkeiten zwischen den Ministerien und das streng disziplinär geordnete Forschungsgefüge durch „Sozialistischen Großforschungsvorhaben" zu beenden. </p>

<p>Während es in der Bundesrepublik gelang, die Forschung zu koordinieren, neue Fördermodelle zu schaffen, die jenseits straffer Institutsstrukturen neue, flexiblere und mobilere Arbeitszusammenhänge über Universitäten und Disziplinen hinweg entstehen ließen, während man hier die Absichten zu einer umfassenden Forschungsplanung in den 1970er Jahren aufgab, hielt die DDR an zentralistischer Forschungsplanung fest und schuf 1971 sogar ein neues Großforschungsinstitut für die Molekularbiologie. </p>

<p>Dies geschah also zu einem Zeitpunkt, als man in der Bundesrepublik die großen Risiken zu langfristiger Festlegung von Forschungszielen und zu großen Einheiten mit zu starker institutioneller Ausdifferenzierung längst erkannt hatte. Die planwirtschaftliche Organisation des Forschungsbetriebs lähmte die Entwicklung der Biowissenschaften in der DDR nicht zuletzt aufgrund ihres allumfassenden Anspruch, der angesichts der realen Möglichkeiten eine Utopie blieb.</p>

<p><br />
--</p>

<p><br />
<em><a href="www.charite.de/medizingeschichte">Dr. Andreas Malycha</a> ist Panel-Teilnehmer des Symposiums "Wissenschaft und Wiedervereinigung". Mehr Informationen findet man auf dieser <a href="http://www.andreas-malycha.de">Homepage</a>.</em></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8373,http%3A%2F%2Fsurveybox.de%2Fstudio%2Fmm%2FWissenschaftsblogs_2_0%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/ScienceBlogs_Befragung.jpg" border="0" alt="" title="" /></a>


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            <pubDate>Thu, 12 Nov 2009 15:45:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Forschung in der DDR: Jürgen Kocka im Interview</title>
            <description><![CDATA[
     <img title=prof. Dr. Jürgen Kocka, Foto: David Ausserhofer" alt="JuergenKocka.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/JuergenKocka.jpg" width="160" height="231" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 12px 16px;" /><p><strong>Die Wissenschaft der DDR hatte in manchen Disziplinen durchaus Weltgeltung, von anderen Fächern - ideologisch an der kurzen Leine gehalten - gingen keine nennenswerten Impulse aus. Und für die friedliche Revolution von 1989/90 spielten die DDR-Wissenschaftler im Grunde keine Rolle, das sagt der Berliner Historiker Prof. Dr. Jürgen Kocka</strong>. </p>

<p>Im Interview erinnert Kocka an die Rahmenbedingungen unter denen die Forschung in der DDR ablief, an die politische Steuerung und die begrenzten Ressourcen, mit denen man auskommen musste. "Insgesamt waren das keine sehr guten Bedingungen, um Wissenschaft zu betreiben", so das Urteil des Vizepräsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. </p>

</p>
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<br/>
<p></p>Auf die Frage nach der Einflußnahme der Politik auf die Wissenschaft stellt er klar:</p> 

<blockquote>"In der Tat war der politische Einfluß auch auf die Inhalte der Sozial- und Geisteswissenschaften, besonders der Geschichtswissenschaft, Soziologie und Philosophie, sehr viel stärker, als der politische Einfluß auf die Natur- und <p>Lebenswissenschaften. Das wirkte sich in einem hohen Maß an Konformität aus. Das führte zu einer Erschwerung von Innovation."</blockquote>

<p>Allerdings gab es natürlich Spielräume, die in manchen Feldern auch für innovative, spannende Forschungen genutzt wurde. Das führte dann durchaus auch dazu, dass von westdeutschen Forschern Kooperationen gewünscht wurden, die aber durch die Beschränkung der Außenkontakte in den Westen nur in sehr begrenztem Umfang möglich waren. </p>

<p>Und zur Rolle der akademischen Elite bei der friedlichen Revolution von 1989/90 stellt Kocka ganz klar fest: </p>

<blockquote>"Insgesamt waren die Wissenschaftler keine führende Gruppe unter den Trägern der friedlichen Revolution."</blockquote>

<p>Das war in anderen Ländern - Ungarn oder Polen - deutlich anders. Aber viele aufmüpfige oder kritische Köpfe gab es im DDR-Wissenschaftssystem eben nicht. Im kompletten Interview äußert sich Prof. Jürgen Kocka noch zu weiteren Fragen und erinnert u.a. daran, dass die wissenschaftlichen Karriere zu DDR-Zeiten eine deutlich bessere Planbarkeit und wirtschaftliche Sicherheit bedeutete. Davon können zeitvertragsgeplagte Wissenschaftler der heutigen Generation natürlich nur träumen...</p>

<p>Das Interview wurde im September für das <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinWirtschaftFinanzen/074/t4-wissenschaft.html">Online-Magazin der Bundesregierung</a> geführt. </p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">DDR-Wissenschaft</category>
            
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            <pubDate>Tue, 10 Nov 2009 12:45:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>20 Jahre gesamtdeutsche Wissenschaft: Rückblick, Bilanz und Perspektiven</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Der 9. November 1989 markierte auch für die Wissenschaft eine Zäsur. Über Jahrzehnte hatten sich zwei verschiedene Wissenschaftssysteme etabliert, hatten sich Forschungstraditionen und akademische Strukturen gebildet und nun stand auch das alles zur Disposition. </strong></p>

<blockquote class="right">Die ostdeutsche Wissenschaft war besser als Ruf.</blockquote>

<p>Die ostdeutsche Wissenschaft war - nach Ansicht vieler Experten - weit besser, als ihr (in Westdeutschland geprägter) Ruf. In nicht wenigen Disziplinen konnten DDR-Wissenschaftler durchaus bemerkenswerte wissenschaftliche Leistungen vorweisen. </p>

<p>Gerade die Fächer, in denen ideologische Fragen keine (oder nur eine untergeordnete) Rolle spielten, waren keineswegs zweitklassig. Sicher, in Philosophie oder Ökonomie segelte man unter dem Banner des Marxismus-Leninismus, aber in anderen Disziplinen, der Biologie und Medizin etwa, hatte das kaum einen negativen Einfluß. </p><p><strong>Was brachte die Wende für die Wissenschaft?</strong></p>

<p>Und doch muß man heute wohl konstatieren, dass die Wiedervereinigung vor allem eine Ausweitung des westdeutschen Wissenschaftssystems und dessen Gepflogenheiten mit sich brachte. Lag es daran, dass die akademischen Wort- und Meinungsführer eben westdeutsch sozialisiert waren? </p>

<blockquote class="left">Ist die Rede von der "Abwicklung" der DDR-Wissenschaft gerechtfertigt?</blockquote>

<p>Für viele ostdeutsche Forscher waren die Jahre 1989 schmerzhaft; Institute wurden geschlossen, Lehrstühle neu besetzt, die DDR-Akademien aufgelöst. Kein Wunder, dass man im Osten bald von "Abwicklung" sprach. </p>

<p>Nach zwanzig Jahren ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen. Wie hat sich die Wiedervereinigung in der Wissenschaft vollzogen? Was blieb von der DDR-Wissenschaft übrig? Wurde die Chance zu Reformen verspielt? </p>

<p>Am 24. und 25. November findet in Berlin ein Symposium statt, das sich <a href="http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/about.php">mit diesen und weiteren Fragen</a> beschäftigt. Das Symposium - das von der BBAW (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) organisiert wird und im Rahmen des <a href="http://www.forschungsexpedition.de/">Wissenschaftsjahres 2009/Forschungsexpedition Deutschland</a> stattfindet - wird in diesem Blog thematisch begleitet. </p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?8373,http%3A%2F%2Fsurveybox.de%2Fstudio%2Fmm%2FWissenschaftsblogs_2_0%2F" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/ScienceBlogs_Befragung.jpg" border="0" alt="" title="" /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/wissenschaft-und-wiedervereinigung/2009/11/20-jahre-gesamtdeutsche-wissenschaft-ruckblick-bilanz-und-perspektiven.php</link>
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            <pubDate>Mon, 09 Nov 2009 12:30:00 +0100</pubDate>
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