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        <title>Wissenschaftsfeuilleton</title>
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            <title>Inflation mit Quanten</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Niemand versteht Quanten, aber immer mehr Leute beanspruchen sie. In der Politik und im Management werden unentwegt unsinnige Quantensprünge angekündigt, die das Kleinste sind, was in der Physik angeboten wird und in einen Gundzustand übergehen, in dem dann Ruhe herrscht. Nun bietet die Europäische Akademie der Wissenschaften Workhops über "Quanten Leadership" an, auf denen man für 3.600 Euro am Tag - wahrlich ein Quantensprung - lernen kann, quantenhaft zu agieren. Und in der FAZ vom 1.9.12 stellt Frank Schirrmacher jemanden vor, den er als "Quant der Kritiker" - sogar als "Über-Quant" - anpreist, um ihm eine Kolumne einzuräumen. Der angesprochen Quant - er heißt Emanuel Derman - kommt selbst zu Wort, um zu verkünden, daß die Physik nicht hilft, wenn es um Gesellschaftsmodelle geht. Offenbar hat der FAZ Herausgeber den Beitrag nicht gelesen, den er lobt. Ist das nun ein Quantensprung oder nur Dummheit? Derman selbst überzeugt mit seinem Text, in dem er Modelle, die sich schlecht benehmen, beschreibt. Als ich in der Schule war, hätte mein Deutschlehrer dies zwar als Kategorienfehler angestrichen, aber wer wird denn so kleinlich sein. Wir können nicht genug Quanten springen lassen. Nur eine Frage: Wer weiß denn, wo man nach einem Quantensprung landet?   </p>
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            <pubDate>Sat, 01 Sep 2012 09:45:00 +0100</pubDate>
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            <title>Nur Gerede</title>
            <description><![CDATA[
     <p>"Das Gerede von der Wissensgesellschaft" - so lautet der Titel eines Aufsatzes, der gestern - am 1.8.12. - unter der Rubrick "Forschung und Lehre" in der FAZ (Seite N5) erschienen ist und in dem der Autor, Caspar Hirschi, vorschlägt, mehr daran zu denken, wie Gesellschaften Wissen kultivieren, wenn sie denn auf Wissen angewiesen sind. Man liest den Text so vor sich hin, bis es plötzlich heißt: "Niemals hat der Mensch so wenig von der Welt gewusst wie heute." Bitte? Wie bitte? Tasächlich - da steht es: "Niemals hat der Mensch so wenig von der Welt gewusst wie heute." Nun kann ich nicht wissen, was der Autor so alles weiß. Aber ich weiß, daß er weder wissen kann, was der Mensch - welcher ist gemeint? - von der Welt heute weiß, noch kann er dieses Nichtwissen mit dem gesamten Nichtwissen der Menschheitsgeschichte vergleichen. Der blühende Unsinn also, der einem als Phrase der dummer Art zugemutet wird. Der Leser weiß jetzt, daß der Autor nicht weiß, wovon er redet oder schreibt, und da er sich zum Wissen äußerst, bricht man die Lektüre am besten sofort ab. Wer dies leider versäumt, findet ein paar Zeilen später noch einen weiteren unsäglichen Unsinn, den von der Halbwertszeit des Wissens. Meines Wissens nach gibt es so etwas bei dem, was die Geschichte als Wissen kennt, gar nicht. Wenn ich richtig informiert bin, kommen wir mit dem Wissen, das wir Newton und Einstein verdanken, noch gut zurecht. Ob der Autor das weiß und versteht? Ich weiß es nicht und will es nicht wissen. Sein Gerede reicht mir.  </p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 02 Aug 2012 08:09:45 +0100</pubDate>
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            <title>EbM</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich bin kein Arzt und nur Patient. Das heißt, ich bin ein dankbarer Patient, da ärztliches (chirurgisches) Handeln mir das Leben gerettet hat, und eigentlich sollte das reichen. Aber man bleibt auch im zweiten Leben Patient, und in dieser Eigenschaft schaut man auf die Medizin, die sich in den letzten Jahren stolz als "evidenzbasierte Medizin" - eben EbM - angeboten hat, was mich immer gewundert hat. Offenbar gab es vorher Medizin, die ohne Evidenz vorgingt, und inzwischen scheinen auch die Offiziellen die eher peinliche Wortschöpfung zu bemerken. Still und heimlich wird EbM durch "wissenschaftlich begündete Medizin" ersetzt, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet (Ausgabe vom 9. Juli 2012, S. C 1205), oder doch nicht? Der Artikel verwendet den Begriff nämlich tapfer weiter und behauptet sogar, "EbM macht Spaß", den Ärzten nämlich, obwohl offenbar keiner von ihnen so recht Lust auf die Statistik hat, die dazugehört. Wahrscheinlichkeiten sind doch so schwierig, klagt die Ärzteschaft, und so verkündet das Ärzteblatt, man brauche keine Statistik, um die Güte einer Studie zu erfassen. Klar, warum nicht die Zahlen ganz abschaffen, wenn man nicht rechnen kann. Vermutlich halten die Ärzte an den Zahlen und Figuren vor allem fest, weil sie ihre Honorare sonst nicht angeben können. Gut, daß man als Notfallpatient diese Fragen erst stellen kann, wenn man alle Eingriffe überlebt hat - auch gegen jede Wahrscheinlichkeit.</p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
            <pubDate>Fri, 27 Jul 2012 10:56:55 +0100</pubDate>
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            <title>Identisch</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Es stand oder steht so bei SPIEGEL ONLINE - Meldung vom 17.7.2012, 16.24h:<br />
"Genetisch identische Menschen kommen mit sehr unterschiedlichen epigenetischen Voraussetzungen zu Welt - und zwar nicht nur auf einzelne Gene bezogen, sondern über das ganze Genom hinweg." <br />
So sagt es jedenfalls ein Fachmann, Jeffrey Craig aus Australien, und so druckt es ein Blatt mit Qualität. <br />
Also: "Genetisch identische Menschen unterscheiden sich in ihren Genen", sagt die Fachwelt. Man könnte verrückt werden. </p>
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            <pubDate>Tue, 17 Jul 2012 17:51:57 +0100</pubDate>
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            <title>Wirklich komisch</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Komisches aus der Welt der Wissenschaft und Politik: <br />
1) Die Kanzlerin erlaubt in Brüssel den dicken deutschen Autos, so viel Kohlendioxyd in die Luft zu schicken, wie sie wollen, und dann erklärt sie in Berlin, daß das Klima durch den Austoß von und so weiter sehr gefährdet sei - und alles klatscht. Komisch. <br />
2) Die Max-Planck-Gesellschaft hat ihren Jahresbericht 2011 verschickt. Vorne gibt es zwei Vorworte, eines in Deutsch und eines in Englisch. Beide Texte sind mit einem Bild des Präsidenten verziert. In der deutschen Version lacht er, in der englischen Version grummelt er. Ist das die Übersetzung der deutschen Stimmung? Komisch.<br />
3) In dem erwähnten Jahresbericht kommt ein Bildungsforscher zu Wort (Übrigens: Ich habe nie verstanden, ob Bildungsforscher sich selbst für gebildet halten oder immer nur andere meinen), der das Gesundheitswesen durch den Patienten retten will. Mehr Aufklärung und alles klappt. Mehr tun für den Patienten, weniger tun für Patente, sagt der Bildungsforscher, der das sicher witzig findet. Es ist bestenfalls komisch. Vor vielen Jahren hat der Präsident der Berliner Ärztekammer gesagt, das Arzneimittel der Zukunft sei das Medikament der Zukunft. Pharmaunternehmen predigen, daß sie nur bei Krankheiten helfen könnn. Gesundheit sei eine Aufgabe des Patienten. Es gibt massenhaft Angebote, nur nimmt sie niemand an, weil sie Mühe machen. Nun springen die Bildungsforscher auf das Patienten-Schiff auf. Wie krank ist eigentlich das Bildungssystem, das solchen Leute erlaubt, abgegriffene Sprüche zu publizieren und den Unsinn als Forschung zu deklarieren? Alles komisch. </p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 17 Jul 2012 09:16:26 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wo sind sie nur?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Ein guter Spruch aus den 1960er Jahren. Ich möchte zwei moderne Varianten nachlegen: Stell dir vor, eine der mächtigsten Wissenschaftsorganisationen der Welt wählt einen neuen Präsidenten, und kaum einer hört ihm zu. Stell dir vor, diese geballte Kraft der Forschung zeichnet ihren besten "Communicator" aus, und niemand stellt ihm eine Frage oder lädt ihn zu einem Gespräch ein. Genau diese beiden Dinge haben sich in den letzten Tagen abgespielt. Ich finde das deprimierend. Wenn ein zweitklassiker Schaupieler einer drittklassigen TV-Serie stirbt oder ein Fußballer sich das Hemd auszieht, berichtet die Tagesschau in Minutenlänge. Wenn wirklich etwas von Bedeutung passiert, kennt sich die Redaktion nicht aus. Ich finde das deprimierend. Wenn man bei der großen Wissenschaftsorganisation nachfragt, warum da keine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird, zuckt man mit den Schultern und verweist auf andere Aktivitäten - und hat schon vergessen, wer in den letzten Jahren für seine oder ihre kommunikativen Qualitäten ausgezeichnet worden ist. Ich finde das deprimierend.</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 05 Jul 2012 09:20:25 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Hallo Higgs</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Schön, daß das Higgs Teilchen, das kein Teilchen ist, gesichtet wurde, ohne sichtbar zu sein. Schön allein deswegen, weil jetzt die dauernden Versprechungen der Geldschleuderbetreiber am CERN aufhören, sie hätten etwas gefunden. Alles schön. Schrecklich nur, was gelehrte Münder jetzt meinen, mitteilen zu müssen. In der FAZ wird die Hoffnung, Higgs gefunden zu haben, mit der Präsentation der Doppelhelix verglichen. Was für ein Unsinn. Bei Higgs hat man gefunden, was man schon kannte, und bei der Doppelhelix hat man erfunden, was noch niemand kannte. Der Blick auf die Doppelhelix zeigt, wie aus eins zwei werden kann (wie sich also das Leben vermehrt), der Blick auf Higgs zeigt nichts. Und ein Nobelpreisträger hat verlauten lassen, daß Finden von Higgs lasse sich mit dem Bau der Pyramiden vergleichen. Hoffentlich hat sich der Herr damit ein eigenes kleines Grab geschaufelt. <br />
Ich verstehe die Hype um Higgs nicht. Das Teilchen schwirrt schon seit Jahrzehnten durch die Physik, und noch hat keiner der vielen grinsenden und allwissenden Moderatoren verstanden, wie es Higgs schafft, die Masse herzustellen, die sich in der Welt bemerkbar macht. Als Teilchen muss Higgs doch schon das haben, was erst mit ihm entstehen soll. Überall Nichtwissen, gerade bei Higgs. Mit dem Trubel um dieses Boson - was ist das? - demonstriert die moderne Welt nur, daß sie weniger weiß als die Alten. Sie weiß nicht einmal mehr, was sie nicht weiß.  </p>
     <hr />

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            <pubDate>Thu, 05 Jul 2012 09:05:38 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Die unwissenschaftliche Gewissheit</title>
            <description><![CDATA[
     <p>"Gewissheit ist unwissenschaftlich!" So stand am Wochenende (23.06.12) in der FAZ zu lesen, als die Zeitung den 100. Geburtstag der großen Mathematikers Alan Turing feierte. Aus dem schönen Satz folgt natürlich nicht, daß Ungewissheit wissenschaftlich ist, aber es gibt zahlreiche Beobachtungen, die in diese Richtung deuten. So kann man zwar Genome in aller Schnelligkeit und in jeder Menge sequenzieren, aber selbst bei simplen Fragen bleibt den zuständigen Wissenschaftlern nur die Ungewissheit - wie viele Gene hat denn nun ein Mensch? Und welche Funktion haben all die Proteine, die über eine Genomanalyse definiert werden können? Bei mehr als 60% tappt das Forschervölckchen im Dunklen, und es wird schlimmer, wenn man sich Klimamodellen zuwendet. Die Zeitschrift NATURE warnt (Ausgabe vom 14.6.12, S. 183), daß die kommenden Abschätzungen von Klimamodellen nicht mehr, sondern weniger Gewissheit vermitteln werden  - es gibt eben zu viele Faktoren, die Eínfluss nehmen und die man nicht wirklich versteht. Wissenschaft als Gefilde des Ungewissen - ein schöner Gedanke. Mit ihm könnte endlich das unsinnige Gespenst von der Entzauberung und Berechenbarkeit der Welt verschwinden, das Soziologen seit Max Weber an der Arbeit sehen. Je mehr Menschen die Welt wissenschaftlich erfassen, desto ungewisser wird, was sie tatsächlich ist oder wie sie tatsächlich abläuft. Mit anderen Worten - die Zukunft bleibt offen, auch wenn wir immer mehr über das Vergangene wissen. </p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://feedproxy.google.com/~r/ScienceBlogs/Wissenschaftsfeuilleton/~3/j26-GoSjb8I/die-unwissenschaftliche-gewissheit.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 25 Jun 2012 15:01:20 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Du musst Dein Leben ändern</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Jetzt tagen sie wieder - 50.000 Delegierte, die in Rio die Welt retten wollen. 50.000 Wegweiser, die alle wissen, in welche Richtung die Menschen zu gehen haben, und zwar die anderen, die nicht in Rio sind, sondern ihrem Leben weiter nachgehen. 50.000 besorgte Experten, die zehntausende von Empfehlungen abgeben, die unverdrossen von einer Konferenz zur nächsten fahren und selten auf die Frage antworten, wie sie denn ihr eigenes Leben geändert haben, seit sie sich um die Welt sorgen. Wer Nachrichten über den Gipfel in Rio liest, erfährt von einer Fülle von Organisationen, die vorschlagen, neue Organisationen zu gründen, die dafür sorgen, daß andere Organisationen Vorschläge machen, damit andere Organisationen sich berten und so weiter. Nirgendwo kann man lesen, was ein Einzelner - etwa der deutsche Entwicklungsminister - gemacht hat, um genügsam zu konsumieren und die Ressourcen zu schützen. Der Minister leitet jetzt das Amt, das er abschaffen wollte, was ein guter Beitrag gewesen wäre. In meinen Augen hat keiner der 50.000 Delegierten verlauten lassen, wie er oder sie sein oder ihr Leben ändern will, und erst recht sind keine Handlungskonsequenzen bekannt geworden. Man überlegt immer wieder 50.000fach, was anderswo von anderen gemacht werden müsste, und die Medien beschwören zum x-ten Mal eine Stimmung des Aufbruchs. In Ordnung - lasst uns aufbrechen. Ändert euer Leben. Jetzt. Jeder Teilnehmer in Rio sagt, wie sein erster erster Schritt konkret aussieht, und ansonsten halten alle Delegierten den Mund. Wer fängt an, ohne auf andere zu warten? </p>
     <hr />

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            <pubDate>Thu, 21 Jun 2012 09:44:22 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Der verdorbene Brei</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Es wird viel Hektik verbreitet in den Tagen vor dem zweiten Rio-Gipfel nach dem ersten im Jahre 1992. Zwar wissen alle, was passiert ist - nämlich nichts Gutes, und die Lage der Erde ist für Mensch und Tier und Pflanze schlechter als je zuvor und das in zunehmenden Maße -, aber es wird jetzt wieder viel Hektik verbreitet und viel geschrieben und gesagt. Ich habe einen Verdacht, was da bei allem guten Willen schief läuft, und den Verdacht findet man in dem Sprichwort, "Viele Köche verderben den Brei". Ein Blick in die Ausgabe der Zeitschrift NATURE, die sich der "Second Chance for the Planet" widmet (7. Juni 2012) zeigt, was schief läuft. Wer nämlich die Beiträge liest, verirrt sich bald in einem Wirrwarr von Abkürzungen und Institutionen und deren Einsichten. Um nur ein paar aufzuzählen: Da gibt es das Scientific Committee on Problems of the Environment (SCOPE), da wurde vom United Nations Environment Programm ein Global Biodiversity Assessment in Auftrag gegeben, das mit einem anderen internationalen Programm dieser Art - DIVERSITAS - kooperieren soll, da meldet sich ein 2005 Millenium Ecosystem Assessment zu Wort, da wird ein Integrated Valuation of Ecosystems Services and Tradeoffs (InVEST) ins Leben gerufen, da etabliert sich eine Intergovernmental Science-Policy-Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), da ist etwas von einem World Business Council for Sustainable Development zu lesen, da operiert irgendwo eine World Commission on Environment and Development  - und so weiter und so fort, wobei sicher auch noch jede noch so kleine Universität inzwischen ihren Lehrtstuhl für den Klimawandel und seine Folgen hat und deren Vertreter wie die vielen Mitgleder der zahllosen Kommissionen nach Rio müssen, um für uns kleine Leute den Planeten zu retten und die maßgebliche Einsicht all der Gruppierungen zu verkünden, die da lautet, daß nämlich wir Menschen außerhalb der Fachbereiche mehr wissen müssen, um uns richtig zu verhalten und etwa auf Flugreisen nach Rio zu verzichten. Wir müssen vor allen Dingen wissen, daß wir vielfach für dumm verkauft werden von all den vielen Experten, die ein überflüssiges Paper nach dem anderen produzieren und in weiteren 20 Jahren, wenn sie sich zum dritten Mal auf den Weg nach Rio machen, erneut merken, wie verdorben und schlecht der Brei ist, den sie uns vorsetzen. Wie ging nochmal der Witz: Ich habe gelesen, daß Rauchen tödlich ist und sofort aufgehört - zu lesen. Ich höre auch mit dem Lesen auf, wenn wieder einmal ein neu eingerichtetes Kommitee eine neue Studie mit neuen Abschätzungen über neue Gefahren vorlegt und von uns verlangt, das alles zu verstehen und sofort danach zu handeln. Dann lieber Fußball. Da geht es fair zu.</p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Sun, 17 Jun 2012 10:41:40 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Projekt Senckenberg</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Eine gute Idee mit guten Leuten, das Projekt Senckenberg, bei dem es in dem berühmten und beliebten Museum um die beiden Aufgaben geht,"Exhibit Nature - Explain Science". Anfang Juni gab es ein Auftaktveranstaltung, mit der man versuchte, das Frankfurter Museum zum "Weltort der Naturforschung" aufzuwerten, und in diesen Tagen kommt von der "Westermann Kommunikation" ein Schlußbericht zu diesem Event, wie man ja gerne sagt, und so sehr man sich auf diesen Text gefreut hat, bei ihm sträuben sich selbst die letzten Haare. <br />
Natürlich ist erneut von dem unsäglichen Leuchtturm die Rede, den das Museum sein will, obwohl man doch mit diesen Bauten nur Gefahren angezeigt bekommt. Dann liest man etwas von "Wunderkammer oder Welterklärungsmaschine", was bestenfalls blödsinnig ist. Weiter steht in dem Schlußbericht der Begriff des auratischen Objekts, der neben den der System-Darstellung auftaucht und ganz sicher den anvisierten Bürgern nichts sagt, denen man etwas vermitteln will, ohne sie staunen zu lassen. Es heißt ausdrücklich, "Vermittlung oder Staunen", worüber man sich nur wundern kann. Natürlich will das Projekt "das Rezeptionsverhalten revolutionieren", weshalb man "Hamster in Zeitlupe" zeigt, wie es sie schon seit Jahrzehnten zu betrachten gibt. Und so weiter, und so fort. Ein unsäglicher Text, den man sicher bei Senckenberg oder info@westermann-kommunikation.de bekommen kann und der Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zum Get-together und zum Science Slam einlädt und so weiter. Vielleicht sollte das Projekt Senckenberg sich erst einmal vornehmen, sich der eigenen Sprache besser zu bedienen. Immerhin sind die Betreiber in der Stadt Goethes, der auch angeregt hat, das Museum zu errichten. Von einer "museologischen Avantgarde" hätte er dabei nicht gesprochen. Er hätte sich die Ohren zugehalten. </p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 12 Jun 2012 10:51:13 +0100</pubDate>
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            <title>Wenn Wissenschaft versagt</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Manchmal kommt es knüppeldick. Heute zum Beispiel lese ich zum Frühstück vier Nachrichten aus dem Bereich der Wissenschaft, die nur eines erkennen lassen, daß unser Hort der Sicherheit und unsere Quelle des Wohlstands so versagt wie die europäischen Banken und Finanzmärkte. Erste Nachricht: Die Kenntnisse, die jemand von der Wissenschaft, entscheiden nicht, welche Ansicht man zum Klimawandel hat. Alles Wissen nützt nichts, wenn man nicht an den Klimawandel glauben will (New Scientist, Ausgabe 2.6.12, S. 5). Zweite Nachricht: Ein Psychologe der Cornell Universität im Staate New York hat herausgefunden und in einem Fachblatt publiziert, daß Menschen etwas über Ereignisse wissen, die noch vor ihnen liegen. (Ach!, würde Loriot sagen). Studien, die dieses Vorwissen reproduzieren wollten und (natürlich) nicht konnten, wurden von derselben Zeitschrift abgelehnt. Offenbar geht es in der Psychologie um Meinungen und Sensationen, nicht  um Wissenschaft (FAZ, Ausgabe vom 6.6.12, S. N5). Dritte Nachricht (ebenfalls in der FAZ, S. N2): Eine Studie proklamiert, daß Kinder, die durch Kaiserschnitt zur Welt kommen, dicker werden, und bekommt die Aufmerksamkeit, die sie erzielen wollte. Ernste Studien, die die nötigen Parameter angemessen berücksichtigen und andere Resultate produzieren, werden kaum beachtet. Man will nur wissen, was einem passt. Vierte Nachricht (ebenfalls FAZ vom 6.6.12, S. N3): Ein Trio aus Soziologen und Ökonomen behauptet, mit Hilfe des Transferwertes von Nationalmannschaften schon den Sieger der kommenden EM berechnen zu können. Ganz nett, was die Herren da witzig vorführen, bis auf einen Blackout. Sie unterscheiden zwischen Sportarten mit vielen Punkten (Basketball) und wenigen Treffern (Fussball) und stellen fest, daß die nominell schwächeren Mannschafte da, wo es viele Tore gibt, weniger Chance haben als da, wa es viele Punkte gibt. Sie weisen auf eine Handballmannschaft hin, die Meister geworden ist, ohne ein Spiel verloren zu haben, und fügen hinzu: "Dies ist im Fußball unmöglich". Ist es nicht! Es ist extrem unwahrscheinlich, aber doch nicht unmöglich. Das zu behaupten, ist unmöglich. Wie gesagt - an manchen Tagen kommt es knüppeldick. </p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Wed, 06 Jun 2012 08:59:54 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Kunst und Wissenschaft</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Es ist komisch oder vielleicht doch nicht. Aber immer dann, wenn sich ein Künstler zu der Frage äußert, was Kunst und Wissenschaft unterscheidet, dann sagt er, daß die Werke der Kunst einzigartig sind und nur von dem jeweiligen Künstler geschaffen werden konnten, während Werke der Wissenschaft reproduzierbar und jedem Forscher zuzutrauen sind. Dies bleibt Blödsinn, auch wenn es ununterbrochen wiederholt wird, in diesen Tagen in der Ausgabe von NATURE, die auf den 10. Mai 2012 datiert ist (S. 173). Ich will jetzt nicht die Banalität ansprechen, daß jedes (nicht plagiierte) wissenschaftliche Paper in seiner Wortfolge so einzigartig ist wie etwa eine (nicht abgeschriebene) Novelle. Ich will aber den Blödsinn anprangern, der meint, daß das, was Dr. A heute entdeckt hat, morgen von Dr. B gefunden worden wäre, während das Gedicht von dem Poeten P niemals von dem Poeten Q hätte geschrieben werden können. Kunst ist originell und voller Originale; Wissenschaft ist methodisch und ohne Originale.<br />
Wer so argumentiert, verwechselt einfach Werk und Inhalt. Das Werk ist in jedem Bereich einmalig. Und der Inhalt? In der Wissenschaft muss der Inhalt einer Arbeit wirklich neu sein. In der Kunst nicht. Da geht es immer um Liebe, Verrat und manches mehr, das die Menschen interessiert. Das Verhältnis von Wissenschaft ist nicht so einfach, wie Künstler meinen. Vielleicht denken sie ja, ihre unsinnige Aussage sei wissenschaftlich, weil sie ununterbrochen reproduziert wird. Da wendet sich das Gast mit Grausen und verzichtet auf die dazugehörige Kunst. Wissenschaft macht mehr Spaß.</p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Wed, 23 May 2012 10:04:19 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wissenschaftssprache</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Valentin Groebner, ein in Luzern tätiger Professor für die Geschichte des Mittelalters und der Renaissance, hat "eine Gebrauchsanweisung" für die WISSENSCHAFTSSPRACHE verfasst, die in der Konstanz University Press erschienen ist, wie es merkwürdig angelsächselnd heißt. Groebner ärgert sich über den Jargon vieler Experten und über Wissenschaftler, denen "schreiberische Eleganz" verdächtig ist, wie es etwas unelegant heißt, und er führt vor, wie gerade die manchmal nur modische Forderung nach Interdisziplinarität erkennen lässt, dass "stark gebrauchte Begriffe und Modelle ein Ablaufdatum haben." Groebner will zwar keine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben geben, seinen Lesern aber helfen, die Produktion von Jargon zu vermeiden. Er erzählt von Autoren und Autorinnen, die "Luhmanisieren, Habermasen und Verkittlern", was sie sagen wollen, und stellt fest, daß dann manchmal die wissenschaftliche Prosa kaum von ihrer Parodie zu unterscheiden ist. <br />
Meine Ansicht nach steckt hier die Quelle des beklagten Übels von Sprachlosigkeit - gerade in dem Lumanisieren, Habermasen und Verkittlern, das die sich hinter diesen Ausrücken versteckenden Herrn doch nicht erfunden haben, weil sie viel zu sagen hatten, sondern nur, weil sie imponieren wollten mit dem wenigen, das sie zu sagen hatten. Habermas muss man doch erst in Deutsche übersetzen, um ihn lesen zu können und dabei zu sehen, wie sich die Luft aus seinen Sprachblasen verzieht. Der angeblich wissenschaftliche Jargon wird doch bewundert. Er sollte endlich einmal gescholten und beklagt werden. </p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Sun, 13 May 2012 12:50:35 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Das letzte Licht</title>
            <description><![CDATA[
     <p>"Der Letzte macht das Licht aus" - so heißt das Buch des Physiknobelpreisträgers Robert B. Laughlin, in dem der berühmte Mann "Die Zukunft der Energie" abhandelt, die sicher für alle Menschen von Interesse ist. In dem Vorwort zur jetzt erschienenen deutschen Ausgabe - das amerikanische Original ist 2011 unter dem Titel "Powering the Future" auf den Markt gekommen - stellt Laughlin gleich zu Beginn fest, daß Energie zwar eine physikalische Größe ist, die erhalten bleibt (und daher ewig verfügbar sein sollte), daß aber nicht alle Arten von Energie genutzt werden können, vor allem nicht für das Fliegen, das wir so gerne tun. Das heißt, die Liste menschlichen Tuns wird durch die Energiequellen begrenzt, die wir kennen, und sie kennen wir schon heute, sagt Laughlin, denn  - so wörtlich - "es besteht nicht die geringste Möglichkeit, dass ... irgendeine grundlegend neue Energiequelle entdeckt werden wird." <br />
Diese Worte sind nicht neu und zum Beispiel im 19. Jahrhundert ebenso gefallen, als die Physiker einen zweiten Hauptsatz der Wärmelehre entdeckt hatten, der dem von der Erhaltung der Energie an die Seite trat und so gedeutet wurde, daß die Welt einem Kältetod entgegen geht - und dieses Ende sollte unvermeidlich sein, weil man sicher war, keine neue Energiequelle finden zu können. Es gab sie dann abe doch, und die Menschen kennen sie als Radioaktivität, mit der vieles anders geworden ist. Natürlich kann niemand vorhersagen, wie eine neue Energiequelle aussieht und was sie liefert. Aber dass die Zukunft an dieser Stelle versperrt ist, können selbst Nobelpreisträger nicht wissen. Der Letzte, der das Licht ausmacht, kommt vielleicht mit anderen Strahlen aus.  </p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 07 May 2012 15:34:25 +0100</pubDate>
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