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        <title>zoon politikon</title>
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            <title>Ex und hopp: Biergläser und Trinktempo</title>
            <description>&lt;p&gt;&lt;span style="float: left; padding: 5px;"&gt;&lt;a href="http://www.researchblogging.org"&gt;&lt;img alt="ResearchBlogging.org" src="http://www.researchblogging.org/public/citation_icons/rb2_large_gray.png" style="border:0;"/&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;Hier war die letzten Tage trotz guter Vorsätze nicht viel los. Dies unter anderem weil ich sonst sehr viel um die Ohren habe. Später diese Woche werde ich noch über einen Teil davon berichten. Zur Überbrückung hier aber etwas harte Wissenschaft: Ein Artikel der sich der wichtigen Fragen des Lebens annimmt. Es geht um Bier, Gläser und Trinktempo.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In der Woche in der das Weisse Haus das Bierrezept ihres Homebrews veröffentlicht hat ("&lt;a href="http://www.whitehouse.gov/blog/2012/09/01/ale-chief-white-house-beer-recipe"&gt;Ale to the Chief&lt;/a&gt;") komme ich nicht darum hin, auch kurz über Bier zu schreiben. Es geht mir aber nicht darum, inwiefern Obama sich von Romneys Mormonen-Abstinenz abgrenzen will, oder um die Inkonsequenz, dass Obama trotz der behaupteten Bier-Feinschmeckerei am "&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Louis_Gates_arrest_controversy#.22Beer_Summit.22"&gt;Biergipfel" ein Bud Light getrunken hat&lt;/a&gt; (da lasse ich es persönlich lieber gleich bleiben).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es geht um etwas ganz anderes: Einen in PLoS ONE veröffentlichen Artikel, der die Trinkgeschwindigkeit in einen Zusammenhang mit Glasformen bringt. Bierfans wissen in der Regel sowieso, welches Glas zu welchem Bier gehört. Für weniger entschiedene, für solche die eine Bar betreiben und für Alkoholpräventionsstellen gibt es nun ein paar zusätzliche harte Zahlen zum Berücksichtigen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die zwei verglichenen Gläser waren eines mit gerader Wand gegen ein gebogenes Flute Glas (was in der Schweiz die übliche Form von dem ist, was bei uns "Stange" heisst).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/BierGlaeser.png"&gt;&lt;img alt="BierGlaeser.png" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/assets_c/2012/09/BierGlaeser-thumb-500x219-32706.png" width="500" height="219" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;em&gt;&lt;small&gt;Quelle: Angela S. Attwood, Nicholas E. Scott-Samuel, George Stothart, Marcus R. Munafò (2012). Glass Shape Influences Consumption Rate for Alcoholic Beverages &lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Testpersonen kriegten ein Glas vorgesetzt. Dieses Glas war entweder voll oder halbvoll und mit Limonade oder mit Bier gefüllt. Sie mussten dann einen Dokumentarfilm gucken und anschliessend Fragen beantworten um sie über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand im dunklen zu lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Tatsächlich zeichnete sich ab, dass das Trinktempo konstant ist mit einer Ausnahme: Das volle geradwandige Glas wurde langsamer geleert. Halbvolle Gläser im Allgemeinen und Limonade wurde schneller getrunken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/BierResults.png"&gt;&lt;img alt="BierResults.png" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/assets_c/2012/09/BierResults-thumb-500x319-32708.png" width="500" height="319" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;em&gt;&lt;small&gt;Quelle: Angela S. Attwood, Nicholas E. Scott-Samuel, George Stothart, Marcus R. Munafò (2012). Glass Shape Influences Consumption Rate for Alcoholic Beverages &lt;span style="font-style: italic;"&gt;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Hypothese der Autorinnen und Autoren ist, dass die trinkenden bei Alkohol ihr Tempo mässigen möchten. Als Referenzpunkt dient die "halbvoll" Marke. Nun ist diese schwieriger einzuschätzen wenn ein Glas nicht gerade ist. Die Testpersonen wurden zur Nachbefragung nochmals herbeizitiert. Tatsächlich schätzten sie halbvoll konsequent falsch ein in gebogenen Gläsern. Eine alternative Erklärung die die Forschenden anbieten ist, dass das gebogene Glas mehr mit Alkoholkonsum in Verbindung steht und darum die Teilnehmenden die so auf "mehr Durst" konditioniert waren, schneller getrunken haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich denke hier ist definitiv "more research needed." Ich stelle mich der der Wissenschaft gerne dafür zur Verfügung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&amp;rft.jtitle=PLoS+ONE&amp;rft_id=info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0043007&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&amp;rft.atitle=Glass+Shape+Influences+Consumption+Rate+for+Alcoholic+Beverages&amp;rft.issn=&amp;rft.date=2012&amp;rft.volume=&amp;rft.issue=&amp;rft.spage=&amp;rft.epage=&amp;rft.artnum=&amp;rft.au=Angela+S.+Attwood%2C+Nicholas+E.+Scott-Samuel%2C+George+Stothart%2C+Marcus+R.+Munaf%C3%B2&amp;rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Social+Science"&gt;Angela S. Attwood, Nicholas E. Scott-Samuel, George Stothart, Marcus R. Munafò (2012). Glass Shape Influences Consumption Rate for Alcoholic Beverages &lt;span style="font-style: italic;"&gt;PLoS ONE&lt;/span&gt; DOI: &lt;a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0043007"&gt;10.1371/journal.pone.0043007&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/ijs1o6pKwq8" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 03 Sep 2012 13:01:51 +0100</pubDate>
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            <title>Geistes-, Sozial- und andere Nichtwissenschaften?</title>
            <description>&lt;p&gt;Vor ein paar Tagen fand sich beim &lt;em&gt;Scientific American&lt;/em&gt; ein Blogeintrag mit dem Titel &lt;em&gt;&lt;a href="http://blogs.scientificamerican.com/literally-psyched/2012/08/10/humanities-arent-a-science-stop-treating-them-like-one/"&gt;Humanities aren't science. Stop treat them like one&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;.  Die Autorin (die an einer Doktorarbeit in Psychologie arbeitet) kritisiert darin, dass Sozial- und Geisteswissenschaften die Naturwissenschaften nachahmen, aber halt keine "harten" Wissenschaften seien. Sie sollen dies endlich akzeptieren und sich entsprechend anpassen. Eine kurze Replik ist angebracht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gleich zum Einstieg muss ich festhalten, dass es mir nicht ganz klar ist was die Autorin genau als These vertritt: Manchmal scheint es sich um eine Methodenkritik zu handeln (primär quantitativer Ansätze in Nicht-Naturwissenschaftlichen Fächern), manchmal scheint es nur eine Kritik von zu weit gehenden Schlussfolgerungen in gewissen Studien zu sein, einige Zeilen lesen sich wie sie vor allem einige Geisteswissenschaften kritisiert und manchmal betrifft es wiederum alle Geistes- und Sozialwissenschaften. Auch auf die Gefahr hin in Anbetracht dieser unklaren Kritik dem Eindreschens auf einen Strohmann bezichtigt zu werden, finde ich ist der Post eine unfaire Kritik, vielleicht nicht zuletzt wegen dieser sehr mobilen Zielscheibe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Meine Kritik an der Kritik ist auf drei Ebenen: Da ist zuerst die unklare Begrifflichkeit, die die Bloggerin verwendet. Zweitens stören mich ein paar spezifische Argumente die sie vorbringt (so sehr, dass ich versucht bin das Wort in Anführungs- und Schlusszeichen zu setzen). Drittens und auf einer allgemeineren Ebene werfe ich der Autorin vor, eine Zweiteilung vorzunehmen, die so klar gar nicht existiert. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Da ist also zuerst die Verwirrung um Begriffe geklärt werden. Auf Englisch wird &lt;em&gt;science&lt;/em&gt; (Wissenschaft) meist für die Naturwissenschaften verwendet. Es ist daher zugegebenermassen etwas verwirrliche, dass Begriffe wie &lt;em&gt;Social Science&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Poltical Science&lt;/em&gt; trotzdem dieses Wort angefügt haben. Die Autorin scheint dieser Verwirrung zum Opfer zu fallen, scheint sie oft eine breitere Definition für &lt;em&gt;science&lt;/em&gt; zu akzeptieren. Mehrmals grenzt sie &lt;em&gt;hard science&lt;/em&gt; von anderen ab. Wenn es aber "harte Wissenschaften" gibt, dann gibt es auch die weichen. &lt;em&gt;Science&lt;/em&gt; wird also für diverse Disziplinen von ihr verwendet und impliziert als Begriff akzeptiert. Dies führt die im Titel enthaltenen These ad absurdum und es bleibt unklar, was für sie &lt;em&gt;science&lt;/em&gt; genau ist. Erschwerend kommt dazu, dass sie für ihre Argumentation nicht zwischen &lt;em&gt;Humanities&lt;/em&gt; (Geisteswissenschaften) und &lt;em&gt;Social Science&lt;/em&gt; (Sozialwissenschaften) zu unterscheiden scheint.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf einer spezifischeren Ebene habe ich am Eintrag auch Dinge zu bemängeln. Wenn immer jemand Forschung mit dem Doppelargument "was bringt uns das" und "Verschwendung von Steuergeldern" kritisiert, gehen bei mir Warnlampen an. Nicht weil ich der Meinung wäre, dass öffentlich finanzierte Forschung nicht hinterfragt werden soll und muss, sondern weil es meist ein populistisches Blanko-Argument ist, dass von Leuten vorgebracht wird, die oft nicht viel von der kritisierten Forschung verstehen. Auch stellte es jede Form von Grundlagenforschung grundsätzlich in Frage (auch die Naturwissenschaften werden oft mit diesem Doppelargument in Frage gestellt). Auf diese wichtige Debatte wird im Post nicht eingegangen. Die Unterstellung der Steuergeldverschwendung wird mit der rhetorischen "Was bringt es"-Frage einfach so in den Raum gestellt, nach dem verschwörerischen Motto, wir kennen die Antwort ja und sind uns alle einig.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dann wäre da das von der Autorin kritisierte Papier. Eine soziale Netzwerkanalyse von mythologischen Erzählungen im Vergleich mit moderner Fiktion. Ich habe diese Studie (wie die Autorin, wie ich verdächtige) nicht gelesen. Trotzdem ist es offensichtlich, dass die Autorin die Studie primär auf der Basis ihrer vorgefassten Meinung kritisiert. Erstens scheint sie ein Problem mit der dafür verwendeten "sehr komplizierten Mathematik". Doch wenn diese dafür missbraucht wurde oder die Autorinnen oder Autoren der Studie diese nicht verstanden haben, dann sollte diese Kritik spezifisch gemacht werden. Dies einfach anzunehmen ist überheblich und unfair. Ich finde auch die Fragestellung des Papiers eigentlich interessant. Es entsteht der Eindruck, dass was die Blogautorin vermutlich kritisieren will, ist nicht primär die Methode, sondern die (angeblichen?) Schlussfolgerungen der Studie: Dass dies ein Hinweis sei, dass die Mythen auf echten historischen Begebenheiten beruhen würden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich verstehe auch nicht, was an der Verwendung von statistischen Methoden in der Psychologie und den Politikwissenschaften (im Eintrag in diesem Zusammenhang genannte Fächer), handelt es sich doch um ein sehr nützliches Instrument. Wird damit in diesen Disziplinen Schindluderei betrieben? Ja. Gibt es viele, die die Methoden benutzen ohne sie wirklich zu verstehen? Sicherlich. Doch das selbe gilt zum Beispiel oft auch in der medizinischen Forschung. Soll sie deshalb auf statistische Methoden verzichten? Niemand ausser vielleicht Homöopathen würden dies ernsthaft verlangen, da es trotz aller Unzulänglichkeiten, das beste ist, was uns zur Verfügunge steht. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch erwähnen, dass die Art und Weise wie die Autorin diesbezüglich den Begriff &lt;em&gt;proof&lt;/em&gt; (Beweis) verwendet, nahelegt, dass sie diejenige ist, die diese Instrumente nicht ganz verstanden hat. Ich finde in diesem Kontext von "Beweis" zu schreiben eher befremdlich. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Schluss noch die dritte Kritikebene: Die meines Erachtens falsche Dichotomie zwischen "harten" und "weichen" Wissenschaften. Ich stelle nicht in Frage, dass sich Untersuchungsobjekte wie Sozialverhalten oder literarische Texte sich klar von solchen wie Naturgesetzen oder chemischen Prozesse unterscheiden. Nur ist es nicht ein entweder oder. Die Mathematik kann diesbezüglich vielleicht auf die Physik runterschauen, welche wiederum die Geologie belächelt, die sich über der Biologie sieht, welche "härter" als die Archäologie ist, die sich wissenschaftlicher als die Ökonomie gibt, etc. In dieser Nahrungskette gibt es keine klaren Trennlinien, Ränder überlappen und die Methoden müssen der spezifischen Fragestellung angepasst und die Schlussfolgerungen entsprechend vorsichtig formuliert werden. In all diesen Fächern gibt es schlechte Forschung und überinterpretierte Resultate. Diese können aber nicht allgemein an der Kombination von Disziplin und verwendeter Methode festgemacht werden. Dies scheint die Blogautorin jedoch zu versuchen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die wissenschaftliche Methode schliesst in meinen Augen quantitative Ansätze ebenso mit ein wie qualitative. Wichtig ist die Transparenz, die Resultate nachvollzieh- und kritisierbar macht. Die Methode ist eine gemeinsame Sprache (und für viele ist das Abstrahieren bis auf das Niveau von Formeln und Zahlen eine solche). Eine derartige Kritik offeriert uns die Autorin des Blogposts aber nicht. Ihr reicht die Verknüpfung einer Methode mit einer ganzen Gruppe von Disziplinen. Doch ist nicht oft die gegenseitige Befruchtung an den Rändern verschiedener Disziplinen was zu den interessantesten und originellsten Forschungsansätze führt? Der Autorin scheint mehr einer Art methodischer Getthoisierung der Disziplinen vorzuschweben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Damit keine Missverständnisse entstehen: Ich teile die Kritik, dass nicht zuletzt in meinem Fach viel mit Statistiken zu blenden versucht wird und dass der Druck in Richtung quantitativen Methoden oft nicht zu besseren Resultaten führt, sondern eher das Gegenteil der Fall ist. Diese Kritik muss aber auf die spezifische Forschung bezogen werden. Oder eine disziplinbezogen Diskussion über methodische Prioritäten und Nutzen soll geführt werden (etwas was seit Jahren zum Beispiel in den Politikwissenschaften stattfindet). Was sicher nicht konstruktiv ist, ist ein Rundumschlag, der gleich einem ganzen Satz an Disziplinen der Nutzen quantitativer Forschung absprechen möchte. Das ist dann eher "Methode Broder": Hauptsache provoziert, ob viel Ahnung des kritisierten Objektes oder nicht. Was Aufmerksamkeit schafft und sein applaudierendes Publikum findet muss seine Berechtigung haben. Eine wirkliche Diskussion bleibt hingegen leider auf der Strecke.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/Ie-zkQf6ZAs" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 16 Aug 2012 13:58:20 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Ein Rätsel ohne Antwort: Wie betrügt man beim Boston Marathon?</title>
            <description>&lt;p&gt;Manchmal kommt es hier vor, trotz meines Disclaimers in der Kurzbio, dass sich das eine oder andere Sportthema einschleicht. Da gestern zum Abschluss der Olympiade auch der Marathon der Männer stattgefunden hat, gibt es hier ausnahmsweise etwas zum Thema Langestreckenlauf. Eine Art Rätsel dessen Lösung nur ein Mann kennt. Ein Zahnarzt aus Michigan. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im New Yorker Magazin vom 6. August fand sich ein &lt;a href="http://www.newyorker.com/reporting/2012/08/06/120806fa_fact_singer"&gt;Artikel über diesen Herren, der irgendwann beschlossen hat, Marathons zu laufen&lt;/a&gt; (Paywall, wer den Artikel möchte, kann mir eine Mail schreiben). Der Mann lief gemäss Resultaten ziemlich bald Zeiten unter drei Stunden auf der Marathondistanz (eine Zeit die die meisten Hobbyläuferinnen und -läufer nie erreichen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun fielen einigen Unregelmässigkeiten auf. Nicht zuletzt wegen der wachsenden Popularität von Marathon- und anderen Langestrecken-Rennen werden häufig zwei Zeiten gemessen. Eine individuelle Zeit (mit Chip an verschiedenen Checkpoints gemessen, "Chip-Time") und die offizielle Startzeit ("Gun time"). So können die Laufenden auch weit hinter der Startlinie starten und immer noch eine Echtzeit-Messungen kriegen. Kip Litton, so der Name des Mannes um den es hier geht, startete immer relativ weit hinter der Startlinie (trotz ausgezeichneten Zeiten) und zeigte dann eindrückliche Tempi. Dies kam jemandem verdächtig vor und tatsächlich schien einiges nicht in Ordnung zu sein bei vielen Läufen von Kip. Es ist kaum anzunehmen, dass er mit einem solchen Rückstand sich im Tempo eines sehr fitten Läufers mit freier Bahn durch die Menschenmassen vor ihm wühlt. In einem Laufforum machten sich diverse kommentierende dann auf die Suche nach Unregelmässigkeiten. Der &lt;a href="http://www.letsrun.com/forum/flat_read.php?thread=3863010"&gt;Monsterthread auf Letsrun.com&lt;/a&gt; hat inzwischen über 4700 Posts.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gewisse Muster schienen sich zu wiederholen: Da war fast immer diese grosse Differenz zwischen indvidueller Zeit und Gun-Time. Fast immer gibt es keine Fotos von Litton während des Rennens sondern nur von ihm beim Zieleinlauf. Er erscheint oft auf den Fotos in einer Art, die ihn schwer erkennbar machen (Nummmer überdeckt, Sonnenbrille, Hut). In diesem Zusammenhang ist auch verdächtig, dass er oft die Kleider oder gar Schuhe zu wechseln scheint, während des Rennens. Es gab mehrere Marathons bei denen er einen ausgezeichneten Rang in den Top 10 erreichte, sich aber einige von ihm geschlagene Läufer sich nicht daran erinnern können überholt worden zu sein. Dazu kommenoft sehr verdächtige bis praktisch unmögliche Temposchwankungen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Kip Litton wurde dann tatsächlich in mehreren Läufen nachträglich disqualifiziert. Er streitet ab, betrogen zu haben und insistiert offensichtlich, dass es möglich ist, dass er vielleicht manchmal unachtsam war und ihm Fehler unterlaufen seien. Es ist natürlich schwer das Gegenteil zu beweisen. Dass er einen ganzen Marathonlauf erfunden inklusive Website, 28 Konkurrenten und ein Direktor (der West Wyoming Marathon) hilft nicht gerade in vertrauenswürdiger zu machen. Es ist auch schwer erklärbar warum Kip Litton die Gelegenheit nicht wahrgenommen hat, einfach unter Beobachtung eine unter drei Stunden Zeit (oder einen Marathon überhaupt) zu laufen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie viele andere interessiert mich natürlich wie er es gemacht hat. Da hier viele skeptische Rätselfans mit beeindruckenden Google- und Kombinierfähigkeiten mitlesen, habe ich mir gedacht diese Blogeintrag zu schreiben, um ein wenig darüber zu spekulieren, wie Kip Litton es geschafft hat. Am besten dafür geeignet ist vermutlich der Boston Marathon. Es ist wohl der berühmteste in den USA. Die &lt;a href="http://www.baa.org/~/media/Files/BAA/Races/Boston%20Marathon/BMCourseMap2012.pdf"&gt;Strecke ist kein Kreis&lt;/a&gt; und alle fünf Kilometer findet eine Zeitmessung statt (5, 10, 15, 20, Halbe Strecke, 25, 30, 35, 40, Ziel). Gemäss den Resultaten lief Litton in 2010 die Strecke in 2:52:12. Wie konnte er an jeder Messung registriert werden, seine Kleider wechseln und trotzdem unter drei Stunden laufen? Dass er bei diesem Lauf betrogen hat wird noch weiter untermauert durch die Existenz einer Foto, welche (vermutlich) ihn bei Kilometer 30 zeigt, ohne Nummer in langen Hosen und langem Oberteil (&lt;a href="http://kiplitton.blogspot.ch/2011/01/kip-litton-longsleeve-pants-early-on-at.html"&gt;Foto und Zeiten hier&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass das Messsystem gehackt wurde gilt gemäss Veranstaltern als sehr unwahrscheinlich. Wenn wir davon ausgehen, dass er tatsächlich betrogen hat, dann würde und das mit der Möglichkeit lassen, dass er mit dem Fahrrad oder Auto abgekürzt hat. Trotzdem wie kann man das effizient gestalten ohne aufzufallen. Oder gibt es andere Möglichkeiten wie man die Chip-Zeit überlisten könnte? Wer hat sonstige Ideen?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die andere grosse Frage, die aber auch durch noch soviel Recherche und Spekulation wohl kaum beantwortet werden kann: Warum tut man so was? Läuft man nicht zuerst einmal primär gegen sich selber bei einem Langstreckenlauf? Aber vielleicht schreibt er nach diesem New Yorker Artikel einmal eine Autobiographie. Dann lernen wir vielleicht mehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;small&gt;Falls sich jemand noch weiter einlesen und gefundene Lauf-Fotos von Litton studieren möchte, neben dem Artikel im New Yorker und dem endlos Thread bei letsrun.com gibt es auch &lt;a href="http://kiplitton.blogspot.ch/"&gt;ein Blog, dass sich mit Litton auseinandersetzt.&lt;/a&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/CaQaB7MbNPM" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Mon, 13 Aug 2012 15:19:33 +0100</pubDate>
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            <title>Das Partyleben der Promovierenden</title>
            <description>&lt;p&gt;Vermutlich kommt diese Situation den meisten promovierenden bekannt vor: Beim Party Smalltalk kommt die unvermeidliche Frage: "Und was machst du so?" Fängt man dann an zu erwähnen, dass man an einer Doktorarbeit schreibt und forscht, kommt nicht selten etwas in die Richtung von "Aha, ewige Studentin / ewiger Student." Geht es ganz schief, folgt dann die Frage nach dem genauen Forschungsthema. Das ist der Moment, wo ich oft eine selbstironische "Warnung" gab, als Konversations-Notausgang sozusagen. Wurde diese Gelegenheit nicht genutzt, kam man dann nach etwas angestrengtem Zuhören und einem immer mehr in Richtung des Kühlschranks oder in die Ferne schweifenden Blickes zum Endspiel: "Was nützt uns das" (diese Frage ist eigentlich legitim, wenn sie tatsächlich als Frage gemeint ist) und das schreckliche "Was willst du denn einmal damit machen?"&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Letzte Woche fand sich beim &lt;em&gt;&lt;a href="http://www.independent.co.uk/student/postgraduate/postgraduate-study/the-plight-of-a-phd-7976138.html"&gt;Independent&lt;/a&gt;&lt;/em&gt; ein sehr lesenswerter Artikel zu diesen Standardsituationen und wie sie eine verbreitete Wahrnehmung Promovierender reflektiert. Da es auf Twitter nicht wirklich zu einer Diskussion dazu gekommen ist, entschied ich mich für einen Blogbeitrag dazu. Hier also die Diskussion aus meiner Sicht (die sich weitgehend mit jener im Artikel deckt) und auf Deutsch:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Es gibt es vor allem zwei Aspekte die ich als Missverständnisse sehe: Das erste ist die Sicht, das Schreiben einer Doktorarbeit sei einfach eine Weiterführung des Studiums und sozusagen die Fortsetzung des Grundstudiums mit anderen Mitteln. In dem Sinne ist es auch nur ein temporärer Zustand, da man danach dann etwas "richtiges" machen wird. Zweitens schwingt nicht selten diese Idee des studentischen Lotterlebens mit. Da man "für niemanden arbeitet" und auch nicht für Geld, da das Thema nur aus Spass am Thema erforscht wird ("die Idee eines vereinigten Europas in den Widerstandsbewegungen des zweiten Weltkrieges? Was nutzt das der Menschheit, da wir kein Krebs geheilt...") und da man sehr flexibel in seiner Zeiteinteilung ist, hangelt man sich vermutlich gemäss dieser Sicht der Dinge sorglos und von den Lasten des Arbeitswesens unbeschwert von Party zu Party. Man steht nur um sechs Uhr auf, damit es noch reicht vor Ladenschluss Bier kaufen zu gehen. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun, das ist nicht so, wie es (bei den meisten) funktioniert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zuerst einmal behaupte ich, dass Promovieren nicht primär als weitere Ausbildung gesehen werden sollte. Prüfung, Betreungsverhältnisse, Teilnahmepflichten an Vorlesungen und oder Seminaren, wirken zwar wie eine Weiterführung des Studiums. Gleichzeitig arbeitet man aber an einem eigenen Forschungsprojekt. Man ist weitgehend autonom und es sind die eigenen Ideen, das eigene Produkt, das am Ende steht. Promovierende leisten einen wichtigen Forschungsbeitrag mit ihren Arbeiten. Dazu kommt, dass in vielen Bereichen Forschungsknochenarbeit von Armeen von Doktorandinnen und Doktoranden geleistet wird. Was auch nicht vergessen werden darf ist, was die Ökonomie als Opportunitätskosten bezeichnet: Nicht wenige würden vermutlich in der Privatwirtschaft besser dastehen und verdienen. Sie alle opfern also auch Zeit und Geld für die Wissenschaft.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Arbeit an der Disseration beinhaltet (wenn ernstgenommen, Herr Guttenberg) viel harte Arbeit. Material muss gesammelt werden, Daten werden geordnet und verwertbar gemacht, Literatur muss gesichtet werden, der Umgang mit Software erlernt, Computerprobleme gelöst, Resultate vorgestellt und wieder überarbeitet werden und Texte ent- und verworfen werden. Das Lesen von hunderten von Fachpublikationen sollte dabei auch noch nebenher irgendwie passieren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gerade psychologisch nagt die vermeintlich grosse Freiheit oft. Keine zeitlichen Verpflichtungen heisst manchmal nicht "immer" sondern "nie" frei. Ständig sitzt einem das schlechte Gewissen wie eine Zecke im Nacken. Ein Kaffeepausenklatsch oder Austausch unter Kolleginnenen und Kollegen ist bei einer Stempeluhrarbeit durchaus drin. Es gibt in der Berufswelt auch unproduktive Tage und trotzdem hat man, ist man angestellt, meist seine acht Stunden bezahlt gearbeitet. Wenn ich aber alleine für mein Projekt verantwortlich bin (wie ein selbständiger übrigens), dann ist jede nicht produktive Zeit eine verpasste Möglichkeit, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Der Umgang damit ist nicht immer einfach. Dazu kommt nicht selten ein &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Impostor_syndrome"&gt;Gefühl von Unzulänglichkeit&lt;/a&gt;, da man mit diesem Gefühl völlig mit sich alleine ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nicht wenige promovierende sind dazu einer anderen Doppelbelastung ausgesetzt (von Familie spreche ich mal gar nicht erst): Neben der Doktorarbeit müssen nicht wenige auch noch Geld verdienen. Ich blieb auch drei Jahre lang 50% für ein Projekt tätig, das nichts mit meiner akademischen Arbeit zu tun hatte. Eine Erfahrung, die mir viel gebracht hat, aber dem Dissertationsprojekt viel Zeit gekostet hat. Die Alternative dazu ist was oft in den USA passiert: Eine hohe Verschuldung dank Darlehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun gibt es aber auch noch den Kern Wahrheit in den Klischees zu würdigen. Ich hatte immer das Gefühl, gewisse Privilegien zu geniessen. Tatsächlich konnte ich mir meine Zeit immer einteilen wie ich mochte. Ich kann auch am Donnerstag Nachmittag einkaufen gehen und nach Ladenschluss arbeiten und am Sonntag schreiben und am Montag Wandern gehen. Das ist die positive Seite von nie fertig sein (auch wenn dies immer mit schlechtem Gewissen geschah). Ich habe auch Teile meines Projektes inklusive eines Auslandsaufenthaltes durch Stipendien finanziert erhalten. Das persönliche Forschungsprojekt so finanziert zu erhalten und sich voll darauf konzentrieren zu dürfen ohne viele Nachfragen und Rechenschaft, ist natürlich ein riesiges Privileg, dass man ausserhalb von Akademia kaum findet und für welches ich auch dankbar war. Wenige Menschen werden fürs Nachdenken bezahlt und ich finde es natürlich schmeichelhaft, das&lt;br /&gt;
man dies für mich tat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich kann mir gut vorstellen, dass die Erfahrungen je nach Bereich stark varieren und gehe zum Beispiel davon aus, dass Teile der Erfahrungen in den Naturwissenschaften ganz andere sind als in den Geistes- und Sozialwissenschaften, vor allem in Abhängigkeit von der Existenz einer allfälligen Anstellung. Doch es würde mich erstaunen, wären anderen (Ex-)Promovierenden die Eingangs geschilderte Party-Smalltalk Situation gänzlich unbekannt. Und ein Doktorratsprojekt ist alles andere als eine fünf Jahre andauernde Party. Es steckt viel Herzblut, Schweiss und Tränen drin.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/SebhxxXVpf0" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Hausnotizen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Fri, 10 Aug 2012 14:53:23 +0100</pubDate>
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            <title>"Mitt the Twit"</title>
            <description>&lt;p&gt;Mitt Romney hat auf seiner Auslandreise einen sicheren Schritt nach dem anderen in diverse Fettnäpfchen gemacht. Angefangen hat er mit undiplomatischen (wenn auch korrekten) Aussagen zur Organisation der olympischen Spielen. Er hat dann seinen Hürdenlauf in Israel und Polen fortgesetzt und hat auch dort ein paar der Hürden einfach überrrannt statt übersprungen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber ich will hier die ganzen Fehltritte, Missverständnisse und undiplomatischen Scharmützel gar nicht nochmals auflisten. Das haben genug andere schon getan. Eine gute Zusammenfassung findet man zum Beispiel &lt;a href="http://countdown2012.blog.nzz.ch/2012/07/31/pleiten-pech-und-pannen/"&gt;hier bei der NZZ&lt;/a&gt; von Niklaus Nuspliger. Es ist vielleicht sogar etwas unfair, dass nun die von der Sun &lt;a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/johncassidy/2012/07/mitt-the-twit-in-london.html"&gt;zugegebenermassen gut getextete Schlagzeile "Mitt the Twit"&lt;/a&gt; (in etwa "Mitt die Dumpfbacke") überall die Runde macht. Romeny spielt intellektuell ziemlich sicher in einer anderen Liga als einige sogar zum Präsidenten gewählten Politkern. Immerhin habe ich bei der Geschichte &lt;a href="http://blogs.telegraph.co.uk/culture/lucyjones/100065349/mitt-romney-is-a-wazzock/"&gt;dank dem &lt;em&gt;Telegraph&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; ein neues Wort gelernt: &lt;a href="http://en.wiktionary.org/wiki/wazzock"&gt;Wazzock&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich wollte vor allem &lt;a href="http://hosted.ap.org/dynamic/stories/M/ML_ROMNEY?SITE=AP&amp;SECTION=HOME&amp;TEMPLATE=DEFAULT&amp;CTIME=2012-07-30-07-49-43"&gt;eine Aussage von Romney&lt;/a&gt; hier kurz diskutieren:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;Mitt Romney told Jewish donors Monday that their culture is part of what has allowed them to be more economically successful than the Palestinians (...) "As you come here and you see the GDP per capita, for instance, in Israel which is about $21,000, and compare that with the GDP per capita just across the areas managed by the Palestinian Authority, which is more like $10,000 per capita, you notice such a dramatically stark difference in economic vitality. (...) And as I come here and I look out over this city and consider the accomplishments of the people of this nation, I recognize the power of at least culture and a few other things."&lt;br&gt;&lt;br&gt;
Mitt Romney sagte jüdischen Spendern am Montag, dass ihre Kultur ein Grund dafür sei, warum sie wirtschafltich mehr Erfolg als die Palästinenser haben (...) "Wenn man hier her kommt und man sich beispielsweise das pro Kopf Bruttoinlandprodukt ansieht, in Israel ist es etwa 21'000$ und nun vergleicht man dies mit dem anliegenden Gebiet welches von den Palästinensichen Autonomiebehörden geführt wird, dieses bewegt sich mehr um die 10'000$ pro Kopf, der drastische Unterschied in der ökonomischen Vitalität ist nicht zu übersehen (...) Wenn ich also hier her komme und über die Stadt schaue und über die Errungenschaften der Menschen dieser Nation, erkenne ich die Macht der Kultur und einiger anderen Dinge"&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Die Reaktionen darauf waren heftig (eine &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2009/01/bad-social-science.php"&gt;ähnliche Diskussion um ein solche schlechtes Argument&lt;/a&gt; gab es übrigens auch einmal hier im Blog). Das die Palästinenser sich angegriffen fühlten ist nicht weiter erstaunlich (sie bezeichneten die Aussage als "rassistisch"). Hier soll es aber um jene Reaktionen gehen, die Drezner als den &lt;a href="http://drezner.foreignpolicy.com/"&gt;"Albtraum eines Forschenden in den Sozialwissenschaften"&lt;/a&gt; nannte. Da Romney für diese Aussage kritisiert wurde (ja auch das &lt;a href="https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/we.html"&gt;CIA World Factbook&lt;/a&gt; weist daraufhin, dass die von der Autonomiebehörde geführten Gebiete durchaus grössere Probleme als ihre Kultur haben, die ihren ökonomischen Output erklären könnten), verteidigte er sich. Er liess das "und einige andere Dinge" fallen und sprach nur noch von Kultur. Er lieferte auch noch Autoren nach, die gemäss seiner Meinung eben diese These stützen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun meldete sich einer nach dem anderen dieser Autoren zu Wort um festzustellen, dass Romney nichts von ihren Büchern respektive Thesen verstanden hätten. Unter ihnen &lt;a href="http://www.nytimes.com/2012/08/02/opinion/mitt-romneys-search-for-simple-answers.html?smid=pl-share"&gt;Jared Diamond in der New York Times&lt;/a&gt; (&lt;em&gt;Guns, Germs and Steel&lt;/em&gt;) oder &lt;a href="www.foreignpolicy.com/articles/2012/08/01/uncultured"&gt;Daron Acemoglu und James Robinson in &lt;em&gt;Foreign Policy&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; (&lt;em&gt;Why Nations Fail&lt;/em&gt;). Drezner vergleicht die Situation mit der Kinokassen-Szene aus Woody Allens "Annie Hall". Ein sehr schönes Bild wie ich finde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/9wWUc8BZgWE" frameborder="0" allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bei der Frage wie bestimmend Kultur für wirtschaftlichen Erfolg ist, sind wir bei einem Klassiker der Politikwissenschaften angelangt und auch darum ist die Diskussion interessant. Das Problem mit dem Konzept Kultur ist oft, dass es unglaublich schwammig und schlecht definiert ist. Das ist vermutlich auch ein Teil des Reizes, dass solche kulturelle Argumente immer wieder gemacht werden. Es kann alles bedeuten, was man gerne möchte und die Mobilität der Torpfosten ist im Argument schon enthalten. Man ist sich aber weitgehend einig, dass der entscheidende Faktor in der Regel Institutionen sind. Institutionen im politikwissenschaftlichen Sinn. Das heisst also Regeln oder Praktiken, die sich halten und das Verhalten andere Akteure bestimmt und/oder prägen. Kultur wäre eher etwas wie Wert und Überzeugungen (siehe dazu den verlinkten Artikel von Acemoglu und Robinson). Die autonomen Gebiete unter der Kontrolle der palästinensischen Autonomiebehörde sind also eher ein gutes Beispiel für die Bedeutung von Institutionen und nicht Kultur.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zumindest hat Romneys wenig durchdachte, faktisch dünn unterlegte, sich auf schlecht definierte Konzept stützende und sich auf ein denkbar schlechtes Beispiel beziehende Aussage nun eine interessante Diskussion ausgelöst. Selten bekommt man die Möglichkeit, diese Debatte breiter führen zu können und etwas sozialwissenschaftlichen Hintergrund für oft einfach dahingeworfene Begriffe wie Kultur ("wir wissen ja was es bedeutet") einzubringen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Schluss aber noch eine andere politische Randnotiz: Ebenfalls interessant finde ich, wie immer wieder erwähnt wird, dass Romneys Patzer nicht so schlimm seien, dass US Präsidentschaftswahlen nicht mit Aussenpolitik gewonnen werden. Ich glaub das stimmt zwar. Aber es ist ein Teil des Bildes des Kandidaten. Er hat diesen Auslandsabstecher bestimmt auch nicht geplant weil es völlig irrelevant ist (dann hätte er lieber die Zeit in den USA auf Kampagnen-Pfaden verbracht). Es mag nicht entscheidend sein, aber er wollte staatsmännisch und weltgewandt erscheinen und sich als Freund Israels profilieren. Ersteres scheiterte ziemlich klar. Wie sehr es das zweite Ziel beeinflusst hat, ist schwer zu sagen.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/jMGa6nK7nGs" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Fri, 03 Aug 2012 15:53:17 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Die spinnen, die Schweizer. Alle anderen übrigens auch.</title>
            <description>&lt;p&gt;"Die spinnen, die Römer!" An dieses Bonmot des dicken, Verzeihung, stark gebauten Galliers musste ich denken, als ich letztes Woche &lt;a href="http://www.newyorker.com/online/blogs/johncassidy/2012/07/is-america-crazy-ten-reasons-it-might-be.html"&gt;den Kommentar von John Cassidy im New Yorker Magazin&lt;/a&gt; gelesen habe. Unter dem Titel "Is America Crazy?" (&lt;em&gt;Spinnt Amerika?&lt;/em&gt;) denkt er über die Schiesserei von letzter Woche nach und dem offenbar unbeirrbaren Glauben weiter Teile der Bevölkerung, dass eine Änderung der Waffengesetz nicht zur Diskussion stehen darf.  &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als Ausgangspunkt dient ihm ein Zitat aus einem anderen Artikel zum Thema von seinem Kollegen Adam Gopnik.&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;Every country has, along with its core civilities and traditions, some kind of inner madness, a belief so irrational that even death and destruction cannot alter it.&lt;br&gt;&lt;br&gt;
Jedes Land hat, zusammen mit seinen Kern-Umgangsformen und Traditionen, eine Art inneren Wahnsinn, ein Glaube so irrational, dass nicht einmal Tod und Zerstörung diesen zu ändern mag.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Cassidy argumentiert, dass es seines Erachtens mehr als nur einen solchen Glauben gibt. Er könne eine ganze Liste davon erstellen. Er bietet dann auch eine Liste von 10 solche Glaubensätzen, die seines Erachtens typisch für die US Bevölkerung sind. Er rückt, so scheint mir, ein wenig vom Hintergrund von "Tod und Zerstörung" ab. Es sind eher Aussagen die vermutlich von einer klaren Mehrheit der Bevölkerung als unverrückbare Wahrheiten empfunden werden. Einige davon, so glaube ich, sind universell und nicht wirklich US spezifisch (wir alle kennen eine zumindest schwächere Form des US-amerikanischen &lt;em&gt;&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/American_Exceptionalism"&gt;exceptionalism&lt;/a&gt;&lt;/em&gt; zum Beispiel).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/kuh.jpg"&gt;&lt;img alt="kuh.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/assets_c/2009/04/kuh-thumb-500x750-6978.jpg" width="500" height="750" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Eintrag hat mich das dazu angeregt, darüber nachzudenken, was solche "Polit-Dogmen" für die Schweiz wären. Hier ein paar Vorschläge, wo man solche Glaubensätze finden könnte (einige davon sind vermutlich nicht nur helvetisch):&lt;/p&gt;

&lt;ol&gt;
	&lt;li&gt;Ein Volks-Mehrheitsentscheid ist immer richtig und darf in keinem Fall in Frage gestellt werden&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Unsere Form der Demokratie ist die beste.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Der Volksentscheid ist absolut. Keine andere Gewalt darf einen solchen ändern.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Jede Reduktion von direkten Volksrechten ist per Definition eine Verschlechterung.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Nur eine Milizarmee kann Garantin für innere und äussere Sicherheit sein.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Menschenrechtsverletzungen sind das, was andere tun. Wenn der Schweiz solche vorgeworfen werden, handelt es sich um politisierte äussere Einmischung und muss gegenstandslos sein.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Eine Abgabe von Souveränität ist immer etwas negatives.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Neutralität ist ein unabänderliches, absolutes Konzept.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Die Schweiz ist ein leuchtendes Beispiel für das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen. Dies gilt nicht mehr, wenn es um Zuwanderung geht.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Machtpolitik ist der Schweiz fremd (jeglicher Druck aus dem Ausland gegen die Schweiz ist hingegen solche und darum doppelt unfair).&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Landwirtschaft ist in jedem Fall schützenswert (dazu gehören Mythen von Naturnähe und Erdverbundenheit, unverdorben vom "schlechten" Stadtleben).&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Es ist eng in der Schweiz und wir sind an der Kapazitätsgrenze.&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Echte Schweizerin, echter Schweizer kann man (fast) nicht werden. Man muss als solche/solcher geboren sein.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;

&lt;p&gt;Wie Cassidy schreibt, geht es nicht darum ob diese Aussagen "wahr" sind oder nicht (einige davon können es durchaus sein), sondern der unverrückbare Glaube, dass sie es sind, den keine Form von Gegenbeleg erschüttern kann oder ein zaghaftes Zweifeln in Gang setzen könnte. Es ist in gewisser Weise ein Verweigerung einer grossen Gruppe sich überhaupt auf eine Diskussion darüber einzulassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was gibt es da anzufügen oder gehört nicht auf die Liste? Was würdet ihr auf eine solche  für Deutschland oder Österreich setzen?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;em&gt;Bildquelle: Daniel Schwen, wikimedia commons&lt;/em&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/GsgbJBoemEI" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Mon, 30 Jul 2012 13:30:04 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>US-Russische Handelsbeziehungen und die Menschenrechte (Teil II)</title>
            <description>&lt;p&gt;&lt;img alt="rb2_large_gray.png" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/rb2_large_gray.png" width="70" height="85" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /&gt;Dies ist der zweite Teil zu den US-Russischen Handelsbeziehungen und der Frage der Menschenrechte. Wer den ersten Teil verpasst hat, findet &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/menschenrechte-und-freihandelsabkommen.php"&gt;diesen hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wer internationale Politik mitverfolgt kann leicht zynisch werden. Manchmal ist es Selbstschutz aber oft ist es eine durch beobachtete Dopplestandards, pragmatische Kompromisse und äusseren Zwängen genährte Wahrnehmung, dass das System bar jeder Moral und Idealen funktioniert. Nun wäre es am einfachsten den USA zu unterstellen, dass sie die Handelsliberalisierung mit Russland mit Menschenrechtsfragen koppeln möchten ihnen einen willkommenen Hebel in die Hand gibt, um, sollte es plötzlich opportun sein, einen Rückzieher zu machen oder damit zu drohen. Das ist kaum von der Hand zu weisen und auch Russland lässt eine solche Gelegenheit meist nicht vorbeiziehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun ist eine Politik immer das Resultat verschiedener Kräfte und Interessen. Direktbetroffene, Lobbies, Politikerinnen und Politiker kurz vor oder nach Wahlen und mehr oder weniger idealistische Nichtregierungsorganisationen (ich möchte hier auch kurz bemerken, dass "idealistisch" keineswegs "gut" bedeuten muss; der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert, wie man auf Englisch sagt). Nun finde ich es schwer die dominanten Motive des US Kongresses zu eruieren warum er den Freihandel mit Russland an Menschrechte koppeln will. Diese Spekulationen sind für ein anderes Mal. Hier geht es darum, dass es durchaus Hinweise gibt, dass solche Massnahmen effektiv sind. Mir sind zu diesem Thema zwei Artikel bekannt, deren Schlussfolgerungen ich hier kurz wiedergeben möchte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Da wäre zuerst Emilie Hafner-Burton, die sich Freihandlesabkommen ausserhalb der WTO annimmt (&lt;a href="http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&amp;aid=325071"&gt;Trading human rights: How preferential trade agreements influence government repression&lt;/a&gt;, &lt;em&gt;International Organization&lt;/em&gt;, 59(03):593-629, 2005 [paywall]). Sie argumentiert, dass es zwei Möglichkeiten gibt einen anderen Staat dazu zu bewegen, Menschenrechte besser zu respektieren: Überzeugeung (&lt;em&gt;Persuasion&lt;/em&gt;) oder Zwang (&lt;em&gt;Coercion&lt;/em&gt;). Das Problem mit Überzeugung ist, dass sie lange dauert, man mit wechselnden Gesprächspartnern konfrontiert ist und man permanenten Zugang benötigt. Diverse Formen von Zwang (oder "Druck", wer diese Formulierung bevorzugt) sind diesbezüglich wesentlich effektiver. Sie vergleicht auf dieser Basis "reine" Menschenrechtsabkommen mit Freihandelsabkommen die Menschenrechtsregelungen beinhalten. Sie überprüft ob nach dem Inkraftreten solcher Abkommen Repression gegen die Bevölkerung abgenommen hat. Dazu benutzt sie Datensätze, die auf Berichten von Amnesty International beruhen. Sie stellt fest, dass je "härter" die Regelung in einem Freihandelsabkommen ist, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitgliedstaat repressive Methoden anwendet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der zweite Artikel, den ich erwähnen möchte, stammt von Susan Ariel Aaronson und Rodwan Abouharb (&lt;a href="http://elliott.gwu.edu/assets/docs/research/articles/aaronson-unexpected-bedfellows.pdf"&gt;Unexpected Bedfellows: The GATT, the WTO and Some Democratic Rights&lt;/a&gt; &lt;span style="font-style: italic;"&gt;International Studies Quarterly&lt;/span&gt;, 2011). Im Gegensatz zu Hafner-Burton konzentrieren sich die beiden auf die Welthandelsorganisation (WTO) in ihrem Artikel. Sie argumentieren folgendermassen: Die WTO verlangt von ihren Mitgliedern, dass aus dem Ausland importierte Produkte (und deren Produzenten) eine gewisse Rechtsicherheit gewährt wird. Diese beinhaltet zum Beispiel das Recht auf ein ordentliches Verfahren, gewisse politische Teilnahme an der Entscheidungsfindung und Bestimmungen zur Transparenz in der Gesetzgebung. Diese Rechte werden auch den inländischen Firmen gewährt. Aaronson und Abouharb argumentieren nun, dass diese "Fähigkeiten" (&lt;em&gt;skills&lt;/em&gt;) auch auf andere Politikbereiche übertragen werden können, da Handel heutzutage eine fast alle Bereiche betrifft von Umweltschutz bis zu Gesundheitspolitik. Tatsächlich finden die beiden in ihrer Analyse einen Zusammenhang zwischen WTO Mitgliedschaft und gewissen demokratischen Rechten. Je länger ein Staat dabei ist, desto besser sieht es bei ihm intern diesbezüglich aus.&lt;small&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Argument, dass Demokratie, der Rechtsstaat, persönliche Freiheiten und Menschenrechte Freihandel auf den Fuss folgen, ist ein altes Argument (vielleicht erinnert sich wer an die &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/12/internationale-beziehungen-von-midlleearth-teil-i.php"&gt;Elben-Analogie&lt;/a&gt;) und eng mit mit der &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Idealism_in_international_relations#Liberalism"&gt;Denkschule des Idealismus&lt;/a&gt;' (oder spezifischer in dem Fall Liberalismus) in internationalen Beziehungen verbunden. Die grosse Frage ist natürlich, gesetzt der Fall, Freihandel ist wirklich ein effektives Mittel um Menschenrechten zur Durchsetzung zu verhelfen, will man dies wirklich. Wie kann verhindert werden, dass solche Rechte nur als Vorwand für Protektionismus oder als Druckmittel verwendet werden? Wie kann man sicherstellen, dass diese sachfremden Themen nicht für Machtspiele missbraucht werden? Aber vielleicht drückt da bei mir nur der Zyniker wieder durch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt;WTO Mitgliedschaft ist zumindest für die Anfangsjahre durchaus eine selektive Variabel, da es sich mehrheitlich um demokratische Staaten handelte (ich bin unter anderem deshalb etwas ihren Resultaten gegenüber etwas skeptischer). Nun kontrollieren die beiden jedoch auf diverse potentielle andere Einflüsse und auch die effektiven Rechte, die sie betrachten variieren. Die Details kann und will ich hier aber nicht besprechen. Da der Artikel frei erhältlich ist, kann diese Diskussion natürlich in den Kommentaren geführt werden, wenn jemand dies möchte.&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&amp;rft.jtitle=International+Organization&amp;rft_id=info%3Adoi%2F10.1017%2FS0020818305050216&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&amp;rft.atitle=Trading+Human+Rights%3A+How+Preferential+Trade+Agreements+Influence+Government+Repression&amp;rft.issn=&amp;rft.date=2005&amp;rft.volume=&amp;rft.issue=&amp;rft.spage=&amp;rft.epage=&amp;rft.artnum=&amp;rft.au=Emilie Hafner-Burton&amp;rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Social+Science%2CPolitical+Science"&gt;Emilie M Hafner-Burton (2005). Trading Human Rights: How Preferential Trade Agreements Influence Government Repression &lt;span style="font-style: italic;"&gt;International Organization&lt;/span&gt; DOI: &lt;a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1017/S0020818305050216"&gt;10.1017/S0020818305050216&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&amp;rft.jtitle=International+Studies+Quarterly&amp;rft_id=info%3Adoi%2F10.1111%2Fj.1468-2478.2011.00646.x&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&amp;rft.atitle=Unexpected+Bedfellows%3A+The+GATT%2C+the+WTO+and+Some+Democratic+Rights&amp;rft.issn=&amp;rft.date=2011&amp;rft.volume=&amp;rft.issue=&amp;rft.spage=&amp;rft.epage=&amp;rft.artnum=&amp;rft.au=Susan+Ariel+Aaronson+and+M.+Rodwan+Abouharb&amp;rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Social+Science%2CPolitical+Science"&gt;Susan Ariel Aaronson and M. Rodwan Abouharb (2011). Unexpected Bedfellows: The GATT, the WTO and Some Democratic Rights &lt;span style="font-style: italic;"&gt;International Studies Quarterly&lt;/span&gt; DOI: &lt;a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-2478.2011.00646.x"&gt;10.1111/j.1468-2478.2011.00646.x&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/KGTylrRrny8" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Wed, 25 Jul 2012 22:05:28 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>"Das sprachliche Versagen der Schweizer Universitäten"</title>
            <description>&lt;p&gt;Alle die sich nun schon wie Kinder auf Weihnachten gefreut haben, dass ich den zweiten Teil zu meinem &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/menschenrechte-und-freihandelsabkommen.php"&gt;Abstieg in die Abgründe von Handelsverträgen nachliefere&lt;/a&gt;, bitte ich um Verzeihung. Der kommt hoffentlich morgen. Damit ihr aber nicht ohne Eintrag ins Bett müsst, möchte ich hier eine Randnotiz zu einem Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung anbringen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In den Schweizer Medien machte gestern die Nachricht die Runde, dass unsere &lt;a href="http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/besser-texten-mit-simonetta-sommaruga-1.17392841"&gt;Justizministerin ihre Angestellten in einen Schreibkurs schickt&lt;/a&gt;. Anscheinend waren die Texte ihrer Chefbeamtinnen und -beamten nicht verständlich genug. Dass das ganze natürlich auch ein guter PR Coup für sie ist und sie damit Volksnähe demonstrieren kann, blieb in allen Artikeln, die ich gelesen habe, unerwähnt. Aber das ist hier nicht das Thema.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die generierte Aufmerksamkeit veranlasste die NZZ dazu heute am Abend &lt;a href="http://www.nzz.ch/meinung/uebersicht/das-sprachliche-versagen-der-schweizer-universitaeten-1.17397016"&gt;einen Kommentar nachzuschieben&lt;/a&gt;. Sie verortet darin auch gleich einen Schuldigen für die sprachlich ungelenken Staatsdienerinnen und -diener: Die Schweizer Universitäten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die offensichtliche Ironie des Kommentars hat mich dazu bewegt, darüber zu bloggen. Eigentlich hat der Kommentator mich schon abgehängt, als er den direkten Sprung von Administrationsdeutsch zu den Schweizer Universitäten machte. Weder weiss man, ob das Problem tatsächlich existiert und in der Schweizer Verwaltung weit verbreitet ist, noch wie viele der Betroffenen tatsächlich einen Hochschulabschluss haben (beim Anti-Intellektualismus der Schweizer Politik, ist das nicht selbstverständlich), noch ob das ein allgemeines Problem ist (ich nehme an, dass im Justizdepartement noch mehr Juristinnen und Juristen arbeiten als sonst in der Verwaltung, wo sie auch schon zahlreich sind).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Autor argumentiert auschliesslich mit Einzelbeispiele und persönliche Erfahrungen:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;An Unis ist eine bizarre Kultur verbreitet: Akademische Texte werden oft bemängelt, wenn sie komplizierte Sachverhalte einfach erklären. Vor allem in Dissertationen und Habilitationsschriften gibt es einen Zwang zur Kompliziertheit. Akademisch belohnt wird, wer monströse Formulierungen und viel Fachjargon verwendet. Welche Blüten dieses System treibt, erlebte eine Anthropologie-Studentin unlängst an der Universität Freiburg. Die Frau, die nebenher als Journalistin arbeitete, wurde vom Professor dafür kritisiert, dass sie in Seminararbeiten zu kurze Sätze formuliere.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Nun das ist nicht &lt;em&gt;meine&lt;/em&gt; Erfahrung (und ich und der Autor scheinen die selbe Universität besucht zu haben).&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt; Ich habe hier schon die &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/06/kleine-verteidigung-der-wissenschaftssprache-oder-warum-jargon-manchmal-gut-ist.php"&gt;Notwendigkeit von Jargon verteidigt&lt;/a&gt;. Eine Unterscheidung zwischen Texten, die sich an ein Fachpublikum richten und solche die für eine breite Öffentlichkeit bestimmt sind, wird im Kommentar nicht vorgenommen. Tatsächlich fragt man sich, ob der Journalist irgend etwas substantielles zu bieten hat um seine Behauptungen zu untermauern, ausser dass er damit allgemein weit verbreitete Klischees anspricht und viele in dem bestätigt, was sie vorher schon zu wissen glaubten. Man erhält fast den Eindruck, dass hier eine Abrechnung stattfindet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich könnte jetzt natürlich den Kommentar mit meinen Erfahrungen zu demontieren versuchen, Beispiele bringen, die dem Bericht des NZZ Journalisten widersprechen und behaupten, dass man an "den" Schweizer Universitäten sehr wohl mehr als zwei Vorträge halten muss und Kommunikation gefördert wird (manchmal). Ich könnte gerade die Mehrsprachigkeit anführen, als Chance aber auch als Hinderniss (nicht zuletzt für die Schweizerdeutschsprachigen). Das tue ich aber nicht. Weil ich habe an der Universität gelernt, dass Einzelfälle und persönliche Erfahrungen keine allgemeinen Schlüsse zulassen. Ich habe dort gelernt, dass man transparent mit seinen Daten und Quellen sein soll, aus denen man Schlüsse zieht. Und ich habe dort gelernt zu differenzieren und argumentative Kausalketten klar darzustellen. Anscheinend kann man vom Autor nicht gleiches behaupten (oder er hat es wieder vergessen). Dies sind sogar noch fundamentalere Konzepte die Universitäten vermitteln sollten, als eine geschliffene Sprache. Vielleicht hat er also recht und es gibt tatsächlich ein Problem mit dem Schweizerischen Bildungssystem. Oder ist er doch nur ein Einzelfall?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;sup&gt;1&lt;/sup&gt; &lt;small&gt;Meine Erfahrung ist vor allem, dass es kaum jemanden kümmtert. Weder werden Texte verkompliziert noch wird man zum Vereinfachen angehalten, solange der Text für jemanden vom Fach verständlich ist. Wenn alles in einer Fremdsprache passiert (zuerst Französisch und später dann Englisch bei mir), wird man auch pragmatisch.&lt;/small&gt; &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Nachtrag: Auf Twitter hat sich Markus Häfliger, der Autor des Kommentars, zu Wort gemeldet. Er sagt, dass die beabsichtigte Hauptaussage &lt;a href="https://twitter.com/M_Haefliger/status/228372806742728704"&gt;eine andere war, als wie ich den Kommentar verstanden habe&lt;/a&gt;: "Dass [die Unis] das aktiv/bewusst fördern, glaube ich nicht. Gute Sprache ist vielen profs/unis einfach egal". Dem will ich, zumindest was die Deutschschweiz anbelangt, nicht widersprechen (für die Romandie ist es vielleicht schon wieder etwas komplizierter, aber nicht unbedingt in einem positiven Sinn). An dieser Aussage hätte ich mich nicht so gestossen. Friede, Freude, Eierkuchen und ein Hoch auf Twitter.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/fgaXtTJA4eg" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kommentar</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 24 Jul 2012 22:34:03 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>US-Russische Handelsbeziehungen und die Menschenrechte (Teil I)</title>
            <description>&lt;p&gt;Am &lt;a href="http://www.ntn24.com/news/news/russian-parliament-approves-hi-15088"&gt;10 Juli 2012 hat die Russische Duma den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) besiegelt&lt;/a&gt;. Dies war der letzte Schritt von scheinbar endlosen Verhandlungen, die sich seit 1993 zäh vorwärts bewegten (über die Hintergründe habe ich &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2010/11/welthandelsorganisation-der-david-in-der-working-party-gegen-den-russischen-goliath.php"&gt;hier schon geschrieben&lt;/a&gt;). Das heisst aber nicht, dass Russland ab sofort ins Freihandelsnirvana eintritt, wo Einhörner über Handelsschranken springen und am Ende eines jeden Regenbogens völlige Zollfreiheit herrscht. Wie immer steckt da noch viel Politik drin. Vor allem ist interessant, was sich im Moment gerade im US Kongress dazu abspielt. Darum gibt es hier einen Zweiteiler zu den US-Russischen Handelsbeziehungen und Menschenrechte in Freihandelsabkommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zwei Dinge müssen zuerst erklärt werden, um die Hintergründe des Problems verstehen zu können: Einerseits ist da der historisch Kontext in den USA zu erwähnen, anderseits zwei spezifische WTO Regeln (wer damit vertraut ist, kann sich die Langeweile sparen und gleich zum Abschnitt "Letzten Mittwoch hat die Finanzkommission des US Kongresses..." springen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Beginnen wir mit den WTO Regeln. Da wäre zuerst einmal ein zentrales Prinzip in der WTO, die sogenannte &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meistbeg%C3%BCnstigungsprinzip"&gt;&lt;em&gt;Most favoured nation&lt;/em&gt; Klausel (MFN) oder Meistbegünstigungsprinzip&lt;/a&gt;. Sie besagt, dass ich jede Reduktion eines Zolles, welche ich einem Handelspartner gewähre, allen anderen Vertragsunterzeichnern ebenfalls zugestehen muss. Ich kann Land A nicht ein Privileg gewähren, das ich Land B verweigere. Die bringt uns zur zweiten, spezifischeren Regel, &lt;a href="http://www.wto.org/english/docs_e/legal_e/04-wto_e.htm#articleXIII"&gt;Artikel XIII, des WTO Abkommens lautet nämlich&lt;/a&gt;:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;This Agreement and the Multilateral Trade Agreements in Annexes 1 and 2 shall not apply as between any Member and any other Member if either of the Members, at the time either becomes a Member, does not consent to such application.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Die Aussage dieses Artikels ist eigentlich relativ simpel (und darum spar ich mir die Übersetzung): Das Abkommen trifft zwischen zwei Mitgliedern (und nur zwischen diesen) nicht in Kraft, wenn ein Land vor dem Beitritt einen Rückzieher macht. Dies passiert sehr selten, es gibt meines Wissens nur drei Länder, die diese Klausel bisher beansprucht haben: Die Türkei (gegenüber Armenien), El Salvador (gegenüber China) und die USA für sechs Länder, wobei sie den Vorbehalt für vier Länder drei Jahre später wieder zurückgezogen hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die USA haben also offensichtlich eine spezielle Umgang mit dieser Klausel. Dazu muss man wissen, dass in den USA MFN seit 1998 &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Permanent_normal_trade_relations"&gt;&lt;em&gt;permanent normal trade relations&lt;/em&gt; (PNTR) heisst&lt;/a&gt;. Grundsätzlich gewähren die USA allen Ländern PNTR ausser es gibt eine explizites Gesetz, welches diese zurück nimmt. Solche Gesetzte gibt es für Kuba und Nordkorea. Dann gibt es das sogennante &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jackson-Vanik_amendment"&gt;&lt;em&gt;Jackson-Vanik amendment&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; und hier nähern wir uns dem historischen Kern des Problems.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Gesetz stammt von 1974 und regelte die Beziehungen mit Ländern des ehemaligen kommunistischen Blocks. Es entzog allen nicht-markt-basierenden Ökonomien den NTR Status, wenn sie die Auswanderung beschränkten (etwas dass damals ziemlich weit oben auf der Liste der Menschenrechte stand, deren Verletzung man dem Kommunismus vorwarf). Wie auch immer, der Präsident kann über eine Ausnahme zu dieser Regel verfügen (ja, die Ausnahme zur Ausnahme. Handelsgesetze ähneln diesbezüglich sehr französischer Grammatik). Eine solche Ausnahme gab es in den späten 70ern für China und sie wird jetzt auch regelmässig Russland zugestanden. Nun sollte es auch klar sein, warum die USA so oft den WTO Artikel XIII beanspruchten: Die betroffenen Länder waren nämlich Rumänien, die Mongolei, Kirgistan, Georgien, Moldova und Armenien (zurückgezogen wurde es für Rumänien, die Mongolei, Kirgistan und Georgien).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzten Mittwoch hat die &lt;a href="http://thecable.foreignpolicy.com/posts/2012/07/18/russia_trade_and_human_rights_legislation_advances_but_time_running_short"&gt;Finanzkommission des US Kongresses einstimmig eine Vorlage gutgeheissen&lt;/a&gt;, die Russland rechtzeitig zum WTO Beitritt PNTR gewähren soll. Das Problem ist nun aber, dass man den "Menschenrechtsaspekt" nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen will (vermutlich ist man natürlich auch nicht abgeneigt, ein Druckmittel gegen Russland in den Händen zu behalten). Das Gewähren von PNTR ist daher mit einem anderen Gesetz gekoppelt, welche Sanktionen beim Nichteinhalten von Menschenrechten vorsieht. Die Version der grossen Kammer des Kongresses bezieht sich sogar spezifisch nur auf Russland.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun muss das natürlich schnell über die Bühne gehen, da sonst eine Ausnahme unter Artikel XIII der WTO beansprucht werden muss, da der Beitritt unmittelbar bevorsteht. Ansonsten hätte das WTO Abkommen dann beidseitig keine Gültigkeit. In diesem Fall sorgen sich einige US Politkerinnen und Politiker, dass damit US Firmen benachteiligt wären, wenn sie nicht von den Handelsliberalisierungen mit Russland profitieren könnten. Selten werden die Spannungen zwischen Realpolitik, Wirtschaftspolitik und vermutlich teilweise sogar idealistischer Menschrechtspolitik so offensichtlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Morgen folgt dann ein zweiter Teil zu diesem Artikel in dem ich mich der Frage annehme, ob das Koppeln von Menschrechtsfragen an Handelsliberalisierung sinnvoll ist und was die Literatur in meinem Fach dazu sagt.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/EsFUmkRkZE8" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Internationale Politik</category>
            
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            <pubDate>Mon, 23 Jul 2012 14:00:52 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Aus dem Lexikon der Internationalen Beziehungen: Neo-Realismus</title>
            <description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/die-bombe-fur-den-iran.php"&gt;Bei Jürgen&lt;/a&gt; wurde ein Artikel von Kenneth Waltz im Foreign Affairs heiss diskutiert. Waltz argumentierte, dass man den Iran doch die Bombe haben lassen soll. Dies ist in etwa so überraschend wie Justin Bieber Fans an einem Justin Bieber Konzert. Waltzs Artikel ist eine gute Gelegenheit kurz zu skizzieren warum.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vielleicht erinnern sich einige daran, dass ich schon von den &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/12/internationale-beziehungen-von-midlleearth-teil-i.php"&gt;Orks der Internationalen Beziehungenen, den sogenannten Realisten, geschrieben&lt;/a&gt; habe. Einige Orks haben nämlich eine Evolution durchgemacht (wie die &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Uruk-hai"&gt;Uruk-hai&lt;/a&gt;, aber leider bricht da die Analogie zusammen). Es gibt nämlich auch einen sogenannten Neo-Realismus. Kennt man den, versteht man auch warum Waltzs Position alles andere als eine Überraschung ist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich werde hier nur kurz versuchen deren Sichtweise der Internationalen Beziehungen zu skizzieren. Ein Service aus Anlass der Diskussion bei Jürgen, weil es vielleicht einigen hilft, Waltzs Artikel besser einzuordnen. Leute die mit den Denkschulen des Fachs vertraut sind werden nichts neues lernen (sie sind jedoch herzlich dazu eingeladen im Kommentarbereich Ergänzungen oder Korrekturen anzubringen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Neo-Realismus ist wie im Realismus der Staat der zentrale Akteur. Dieser ist einheitlich und tritt nach Aussen auch so auf. Es ist egal wer an der Macht ist oder wie das politische System aussieht, es gibt nur das eine Staatsinteresse. Wie im Realismus geht auch der Neo-Realismus von einem anarchischen System aus, in dem jeder Staat auf sich selber gestellt ist und das Recht des mächtigeren gilt. Im Gegensatz zum Realismus konzentriert sich der Neo-Realismus hingegen auf das System selbst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die systemischen Bedingungen dominieren das Verhalten der Staaten. Das System (oder die strukturellen Bedingungen) setzt einen engen Rahmen, in welchem sich ein Staat bewegen kann. Seine Hauptsorge ist (zumindest in der klassischen Variante des Neo-Realismus) sein Überleben zu sichern. Man muss sich das so ein wenig wie eine extreme &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes#Staatskunde"&gt;Hobbessche Welt&lt;/a&gt; vorstellen (ausser man denkt bei Hobbes zuerst an einen Plüschtiger, dann ist das vermutlich nicht hilfreich). Um dieses Überleben zu sichern rüstet man am besten auf. Dies verschärft aber die Bedrohungslage im System, so dass sich alle anderen wiederum bedroht fühlen und darum weiter aufrüsten. Den Rest kann man sich denken.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun ist diese Denkweise relativ klar zu Zeiten nuklearer Rüstung entstanden. Der Neo-Realismus postuliert auch, dass dieses internationale System uni-, bi- oder multipolar ist. Ähnlichkeiten mit uns bekannten Systemen und Konfrontationen während des Kalten Krieges sind nicht ganz auszuschliessen. Es gibt jedoch verschiedene Ansichten, ob die Staaten wirklich nur auf ihr Überleben fokussiert sind oder vielleicht an relativem Machtgewinn.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Wie auch immer, der Vater des Neo-Realismus ist eben dieser Kenneth Waltz, der sich auch im Foreign Affairs geäussert hat. Nun erstaunt seine Stellungnahme wohl niemanden mehr. Im Falle des Irans ist alles drin in der Mischung: Atomwaffen, systemische Argumentation und Staaten als rationale, einheitliche Akteure.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich hatte vor zwei Jahren die Gelegenheit einen Vortrag von Waltz zu hören. Er hat dabei betont, wie wichtig es sei, sich als auch als Politikwissenschaftlerin oder -schaftler in den Internationalen Beziehungen sich in die Politik einzumischen. Gerade wenn man anecken muss. Er und viele seiner Kolleginnnen und Kollegen hätten das auch schon beim Vietnamkrieg gemacht. &lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Waltz ist übrigens ein sympathischer älterer Herr. Er vertrat den Neo-Realistischen Standpunkt bei weitem nicht so dogmatisch wie man vielleicht meinen könnte (zumindest im Vergleich zu wie mir der Neo-Realismus nahe gebracht wurde). Liest man seine zum Buch verarbeitete Dissertation "&lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Man,_the_State,_and_War"&gt;Man, State and War&lt;/a&gt;" (1959) versteht man das vielleicht auch besser. Da ist die System-Ebene nur eine von mehreren. Auch wird dort deutlich, was er in seinem Vortrag auch erwähnt hat: Es handelt sich eigentlich um eine Arbeit der politischen Philosophie. Die, so soll hier noch angemerkt sein, auch Spass beim Lesen macht.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/L8P6rgMh57U" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Internationale Politik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 19 Jul 2012 08:02:02 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Crowdsourcing einer Ölfirma (Updated)</title>
            <description>&lt;p&gt;Soziale online Netzwerke setzen Trends, sind das grosse Ding der Zukunft, lösen gar Revolutionen aus und verbreiten Angst und Schrecken unter Diktatoren. Da liegt es auf der Hand, dass jedes Unternehmen mit etwas Selbstrespekt dabei sein muss. Wohl deshalb hatte jemand bei Shell die grandiose Idee ihre nächsten Werbeslogans zu crowdsourcen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/d7a650f9519763b296429bab5e1df46c_0.jpg"&gt;&lt;img alt="Troll_Bear.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/assets_c/2012/07/d7a650f9519763b296429bab5e1df46c_0-thumb-500x386-32096.jpg" width="500" height="386" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Das Resultat ist amüsant. Shell wollte die Internetmassen für ihre Sache einspannen und diese machen mit. Nur nicht so wie sich das Shell vorgestellt hat.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Was für viele Firmen anscheinend nicht einfach zu verstehen ist, ist dass ein Reiz der Vernetzung der anarchische Aspekt ist. Man kann die Massen nicht einfach für den eigenen Zweck einspannen und der Schuss kann schnell nach hinten losgehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf der für das Projekt &lt;a href="http://arcticready.com/social/gallery?sort_by=value&amp;sort_order=DESC"&gt;kreierten Seite "Let's Go Public"&lt;/a&gt; finden sich nun haufenweise Plakate mit süssen Eisbären und Robbenbabies, Walen und imposanten Eislandschaften mit sarkastischen Slogans.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Sogar Star Wars Referenzen findet man dort. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Admiral Ackbar ist nicht von der Hand zu weisen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/Itsatrapwale.jpg"&gt;&lt;img alt="Itsatrapwale.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/assets_c/2012/07/Itsatrapwale-thumb-500x386-32098.jpg" width="500" height="386" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendwie musste ich dabei an die unglückliche Domainwahl von Shell denken. Als ich in Washington DC war, war die Metro vollgepflastert mit Plakaten mit einem nichtssagenden Spruch drauf und darunter prangte ihre Internetadresse "shell.us" Aufgrund meiner Ausbildung denke ich jedoch zuerst an Granatenbeschuss ("to shell") wenn ich das lese. Zumindest metaphorische fliegen tatsächlich faule Eier und Tomaten in die Richtung von Shell. Das Publikum scheint also durchaus auf die Firma zu hören. Hoffentlich merken sie es.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;em&gt;Bildquelle: Beide Bilder stammen von der &lt;a href="http://arcticready.com/"&gt;arcticready Website&lt;/a&gt; von Shell.&lt;/em&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;em&gt;Update&lt;/em&gt;: Wie von &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2012/07/crowdsourcing-einer-olfirma.php#comment344757"&gt;kaspernase in den Kommentaren&lt;/a&gt; vermerkt, bin ich da auf eine &lt;a href="http://www.greenpeace.org/international/en/news/Blogs/makingwaves/greenpeace-the-yes-men-and-the-inside-story-o/blog/40893/"&gt;Aktion von Yes-Men/Greenpeace&lt;/a&gt; reingefallen. Ich bin von Twitter einem Link gefolgt und habe dann nicht mehr recherchiert, da die Seite echt wirkte und die Geschichte plausibel war. Da ist wohl auch eine Netz-Lektion für mich enthalten. Dabei wollte ich nur einen kurzen, weniger Recherchen-intensiven Beitrag schreiben, da ich im Moment nicht zum Bloggen komme. So kann es gehen.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/md0TCg2NQtc" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Humor</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medien</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 17 Jul 2012 10:30:36 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Rote Tücher und Spaltpilze in der Blogosphäre</title>
            <description>&lt;p&gt;Mit Staunen und zugegebenermassen vielleicht mit der Faszniation des Gaffers bei einem Unfall, beobachte ich gerade die Diskussionen bei den Freethought Blogs um Konferenz-Regeln zu sexueller Belästigung. Das Blogging-Ping-Pong hat nun im &lt;a href="http://freethoughtblogs.com/dispatches/2012/07/01/major-changes-at-freethought-blogs/"&gt;Rausschmiss von zwei Bloggern kulminiert&lt;/a&gt;: Greg Laden und Thunderf00t.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe den Eindruck, dass sich vor allem zwei Themen in der SkeptikerInnen-Blogosphäre als veritable Kernspalter hervortun und anscheinend unüberwindbare Gräben aufreissen: Geschlechterfragen rund um Gleichstellung und politische Korrektheit. Auch bei uns hier findet man dazu nahezu endlose Threads mit klar verlaufenden Schützengräben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich nehme mich da auch überhaupt nicht aus und habe selber auch schon zu diesen Themen geschrieben. Was mich erstaunt ist, dass es mir fast ausschliesslich bei diesen Themen passiert, dass ich mit offenem Mund staune, wie dumm, simplistisch und undifferenziert so manche Person plötzlich argumentiert. Leute, die man eigentlich sonst für ihre gut durchdachten und begründeten Kommentare schätzt. Was mir nun besonders aufgefallen ist und was mich zu diesem Post hier animiert hat, ist dass man auf der anderen Seite die genau gleiche Klage findet. Manchmal gebe ich nicht viel auf solche Kritik, scheint sie doch nur aus einem Mangel an echten Argumenten oder Verständnis zu entspringen. Hier wird sie aber von einer Seite geäussert, deren Meinung ich sonst eigentlich als gut begründet wahrnehme. Diese Themenbereiche unterscheiden sich auch von anderen durch die Tatsache, dass ich mich nicht einmal zu einem &lt;em&gt;agree to disagree&lt;/em&gt; durchringen kann, so weit sind die Positionen von einander entfernt. Politische Ideologie erklärt diese Unterschiede nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Woran liegt es also? Ich gehe davon aus, dass es irgendwo an den vermutlich impliziten Grundannahmen scheitert. Dies würde wohl auch die gefühlte Häufung des Vorwurfes des Strohmann-Dreschens teilweise erklären. Wie beim Thema Religion, kann man Feminismus oder Politische Korrektheit als Projektionsfläche benutzen. Es kann genau das sein, was man möchte, das es ist, im Guten wie auch im Schlechten. Aber ich glaube diese Beobachtung alleine reicht noch nicht. In einer Diskussion, sollte es eigentlich möglich sein, dies zu überwinden. Woher kommt der Rest des Problems?&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich habe noch eine zweite These. Bevor ich dazu komme, möchte ich aber noch eine Klammer einfügen. Mein Problem hier ist natürlich, dass ich auch Partei bin. Wie alle anderen kann ich die Welt nicht anders sehen, als das ich sie sehe. Sollte also jemand das Gefühl haben, ich würde nur meinen Standpunkt zu rechtfertigen versuchen, ist das durchaus möglich. Es muss aber auch in Betracht gezogen werden, dass ich richtig liege, er oder sie dies aber aus dem eigenen Tunnelblick heraus nicht sehen kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun aber zu meiner These: Ich frage mich ob es vielleicht etwas (und ich benutze dieses Wort hier in einem nicht-wertenden Sinn) mit unterschiedlicher Empathiefähigkeit zu tun hat. Die Meinungsunterschiede werden in meiner Beobachtung in diesen Diskussionen dann am grössten, wenn es um die Empfängerinnen und Empfänger eines spezifischen Verhaltens geht (ich habe bewusst auf den Begriff "Opfer", der aus meiner Sicht angebracht wäre, verzichtet). Man beruft sich typischerweise auf die freie Meinungsäusserung oder dass Worte halt nur Worte seien. Nun bin ich eigentlich auch immer ein Verteidiger der freien Meinungsäusserung, glaube aber auch, dass nicht alles das gesagt werden darf, gesagt werden soll. Dies sollte eigentlich noch nachvollziehbar sein. Die Schluchten tun sich dann auf, wenn es darum geht, den Schaden zu bemessen, wenn es doch gesagt wird. Hier scheint der grosse Zusammenprall stattzufinden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun was kann man da tun? Vermutlich wenig, mache ich mir doch keine Illusionen, dass ich eine Lösung zum Verhindern der Gewitterstürme in der Blogsphäre gefunden hätte. Was wir vielleicht tun können ist, alle anderen Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Worüber wird überhaupt diskutiert, was ist genau die These und habe ich ausser Anekdoten irgendetwas um dies zu belegen. Vor allem aber müsste man dem gegenüber zuerst einmal nicht zum vornherein schlechte Absichten unterstellen. Und man sollte in diesen Diskussionen noch mehr als sonst versuchen, den guten respektvollen Ton zu wahren. Beleidigungen und Beschimpfungen sind Sauerstoff für die Explosionen dieser Diskussionen. Aber dies sind alles Regeln, die vermutlich allgemein in Internetdiskussionen zu befolgen wären und für mich zum alltäglichen Umgang mit den Mitmenschen gehören. Und eigentlich diskutieren wir genau darüber in meinen Augen, wenn wir über Gleichstellung und politische Korrektheit sprechen.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/7vBfvkOOLQY" height="1" width="1"/&gt;</description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Hausnotizen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kommentar</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 02 Jul 2012 12:20:02 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Assange will die Welt von Ecuador aus retten</title>
            <description>&lt;p&gt;Gestern lief mein Twitterfeed heiss, weil &lt;a href="http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Ecuador-prueft-Asyl-fuer-Assange/story/20359585"&gt;Julian Assange in Ecuador um Asyl angefragt hat&lt;/a&gt; und dieses sein Gesuch prüft. Es ist wohl sein letzter Versuch der Auslieferung nach Schweden zu entgehen (oder vielleicht der zweitletzte, nehme ich doch an, dass er sich noch an Strassbourg wenden kann).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img alt="Vorschaubild für wikileaks.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/wikileaks-thumb-250x575.jpg" width="250" height="575" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /&gt;Ich hatte Assanges Projekt und vor allem seiner Person gegenüber immer etwas zwiespältige Gefühle. Seine Weltretter-Rhetorik schien mir im Vergleich zum effektiven Output immer etwas übertrieben. Die meisten Dokumente waren meines Erachtens belanglos (dies gilt natürlich ebenso für die angeblichen negativen Auswirkungen der Publikationen). Einige wenige haben vermutlich wirklich eine wichtige öffentliche Diskussion in Gang gesetzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich finde es schwierig mir zu den juristischen Fragen betreffend  der Auslieferung ein Bild zu machen. Ich kenne das schwedische Rechtssystem kaum. Es erstaunt mich, dass er für eine Befragung ausgeliefert werden soll, gleichzeitig fällt es mir auch schwer zu sehen, warum ausgerechnet Schweden hier den Handlanger für die USA spielen soll. Seine Befürchtungen betreffend einer Anklage wegen Verrates in den USA und einer allfälligen Todesstrafe kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen. Verrat &lt;a href="http://www.law.cornell.edu/uscode/text/18/2381"&gt;kann meines Erachtens nur jemand begehen&lt;/a&gt;, bei dem eine Loyalität vorausgesetzt werden kann. Ausserdem kenne ich zwar das schwedische Rechtssystem nicht, aber bin mir ziemlich sicher, dass man wegen europäischen Menschrechtsbestimmungen jemanden nicht an ein Land ausliefern darf, wo ihm die Todesstrafe droht. Seine sexistischen Sprüche helfen nicht, bei mir sehr viel Sympathie zu wecken ("Sweden is the Saudi Arabia of feminism" oder "Vanity in a newspaper man is like perfume on a whore; they use it to fend off a dark whiff of themselves" beide Zitate &lt;a href="http://en.wikiquote.org/wiki/Julian_Assange"&gt;von hier&lt;/a&gt;). Ich bin jedoch gerne bereit, diese Fragen offen zu lassen, da ich auf viele einfach bisher noch keine befriedigenden Antworten gehört habe. Hier geht es um etwas anderes: Ich finde die Ironie seines Asylgesuchs an Ecuador illustriert gut mein Problem mit seiner Rhetorik: &lt;em&gt;Do as I say and not as I do!&lt;br /&gt;
&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
Wer eine neue Ära der Transparenz einläuten will und sich in die Pose des Davids wirft, der den regierenden Goliaths dieser Welt die Stirn bieten möchte, wird auch an seinen Taten gemessen werden und da ist Assanges neuster Coup kein überzeugender Schritt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ecuador hat den Rang 104 auf dem &lt;a href="http://en.rsf.org/press-freedom-index-2011-2012,1043.html"&gt;Press Freedom Index&lt;/a&gt;. Vor knapp einer Woche haben unter anderem die Reporter ohne Grenzen &lt;a href="http://en.rsf.org/equateur-four-radio-broadcasters-and-two-tv-13-06-2012,42788.html"&gt;Ecuador dafür kritisiert&lt;/a&gt;, dass dort sechs Radiostationen und zwei TV Sender geschlossen wurden. Offiziell wurde sie geschlossen wegen angeblich nicht bezahlten Lizenzgebühren, der Verdacht auf eine politische Motivation ist schwer von der Hand zu weisen. Auch Human Rights Watch weiss &lt;a href="http://www.hrw.org/world-report-2012/world-report-2012-ecuador"&gt;nicht viel gutes darüber zu berichten&lt;/a&gt;, wie die Regierung mit Dissidenten und Protesten umgeht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich verstehe natürlich, dass dies für Assange eine Möglichkeit darstellt, der Auslieferung zu entkommen (und ich weiss nicht wie ich an seiner Stelle handeln würde). Ist aber nicht genau dies dieser Zynismus, den er vielen Regierungen unterstellt? Der Zweck heiligt offensichtlich doch die Mittel zumindest wenn es um ihn geht. Nicht zuletzt wegen dem Schliessen der Sender ist Ecuador vermutlich interessiert, sich als Beschützerin der Medienfreiheit zu profilieren (gemeint ist damit natürlich immer nur die der anderen). Zurück bleibt der Verdacht, dass Wikileaks vielleicht doch einfach nur für Assanges Ego da war und doch nicht für die ganze Menschheit.&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/-9-sPczNuoc" height="1" width="1"/&gt;</description>
            <link>http://feedproxy.google.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~3/-9-sPczNuoc/assange-will-die-welt-von-ecuador-aus-retten.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medien</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Recht</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/upload/pics/wikileaks-thumb-250x575.jpg</category>
            
            <pubDate>Thu, 21 Jun 2012 12:25:05 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wortklaubereien um Gewalt: Bürgerkrieg oder Aufstand in Syrien?</title>
            <description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article106565287/UN-Friedenshueter-spricht-von-Buergerkrieg-in-Syrien.html"&gt;Gestern bezeichnete der UN Untergeneralsekretär&lt;/a&gt; für Friedenserhaltende Operationen &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Herv%C3%A9_Ladsous"&gt;Hervé Ladsous&lt;/a&gt; den Konflikt in Syrien als einen "Bürgerkrieg". Wie definiert man eigentliche einen Bürgerkrieg, findet in Syrien tatsächlich einer statt und warum soll es uns kümmern, wie die Gewalt schlussendlich bezeichnet wird?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gibt nicht wenige in den Internationalen Beziehungen, die sich mit Fragen zu Krieg und Frieden beschäftigen. Da kommt man auch nicht umhin zu definieren, was man überhaupt als Krieg bezeichnet und wie man verschiedene Formen von politischer Gewalt abgrenzen kann. Nicht jeder Schusswechsel über eine Grenzlinie ist gleich ein Internationaler Konflikt, nicht jede Gewalt eine Rebellion oder ein Aufstand. Aus aktuellem Anlass möchte ich darum kurz einen kurz darauf eingehen, wie man einen Bürgerkrieg definieren kann.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der &lt;a href="http://www.systemicpeace.org/inscr/inscr.htm"&gt;Datensatz zu &lt;em&gt;Grössere Episoden Politischer Gewalt&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; von 1946 bis 2008 (&lt;em&gt;Major Episodes of Political Violence&lt;/em&gt;) unterscheidet zum Beispiel zwischen "Internationale Gewalt", "Internationale Konflikte", "Internationaler Unabhängigkeitskrieg", "Zivile Gewalt", "Bürgerkrieg", "Ethnische Gewalt" und "Ethnischem Krieg" (&lt;em&gt;international violence, international war, international independence war, civil violence, civil war, ethnic violence, ethnic war&lt;/em&gt;). Gerade die Abgrenzung zwischen ethnisch motivierter Gewalt und "ordinärem" Bürgerkrieg ist aber schwierig, etwas das auch von den Autorenschaft eingeräumt wird.  Für Syrien bildet dieses Problem die Grundlage für eine noch viel weitreichendere Diskussion und ist darum für eine erste Eingrenzung hier wenig hilfreich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Fündig werden wir auf der Suche nach einer greifbareren Definition bei den &lt;a href="http://www.correlatesofwar.org/"&gt;Correlates of War&lt;/a&gt; (COW) einem weiteren Standard Datensatz. Ein Bürgerkrieg wird &lt;a href="http://www.correlatesofwar.org/COW2%20Data/WarData_NEW/COW%20Website%20-%20Typology%20of%20war.pdf"&gt;dort&lt;/a&gt; wie folgt definiert (meine Übersetzung):&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;&lt;ol&gt;
	&lt;strong&gt;&lt;li&gt;military action internal to the metropole of the state system member&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;the active participation of the national government&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;effective resistance by both sides&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;a total of at least 1,000 battle-deaths during each year of the war.&lt;/li&gt;&lt;/strong&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;br&gt;
&lt;ol&gt;
	&lt;li&gt;militärische Aktionen innerhalb des Mutterlandes eines Staates der internationalen Gemeinschaft&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;aktive Teilnahme der nationalen Regierung&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;effektiver Widerstand beider Seiten&lt;/li&gt;
	&lt;li&gt;Gesamthaft mindestens 1'000 Tote in Verbindung mit Kämpfen jedes Jahr des Krieges. &lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Für Syrien sieht man sogleich, dass vermutlich vor allem die vierte Kategorie entscheidend für die Klassifizierung sein wird. Es gibt aber zwei Probleme mit denen man sich zuerst herumschlagen muss. Erstens sind verlässliche Opferzahlen notorisch schwer zu kriegen, da jede Seite ein politisches Interesse hat, diese zu manipulieren. Zweitens stellt sich die Frage, ob man Tote in der Zivilbevölkerung mit einrechnet oder nicht. Die ursprüngliche Definition von &lt;em&gt;Battle-Related Deaths&lt;/em&gt; (Tote in Verbindung mit Kämpfen) die COW verwendet, schliesst diese mit ein. Dies ist sinnvoll, da gerade in einem Bürgerkrieg ist die Unterscheidung zwischen Militär und Zivilbevölkerung nicht immer einfach zu machen. COW jedoch ändert die Definition und schliesst die Zivilbevölkerung nicht mit ein, um die Zahlen vergleichbar zu halten mit den Daten zu anderen Kriegen. Im Rahmen des Projektes ist dies durchaus nachvollziehbar und kann gut gerechtfertigt werden. Schaut man die &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Syrian_uprising_%282011%E2%80%93present%29#Combatant_deaths"&gt;Zahlen zu den Toten in Syrien seit letztem Jahr&lt;/a&gt; an, sieht man, dass es nicht so einfach ist, mit Sicherheit festzustellen, ob es sich tatsächlich um politische Gewalt, die als Bürgerkrieg eingestuft werden kann, handelt oder nicht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun kann man sich in Anbetracht des Leidens fragen, wieso spielt es überhaupt eine Rolle, wie wir die Gewalt benennen? Ist es nicht genug zu wissen, dass Menschen sterben? Politisch ist es sehr relevant, wie ein Konflikt wahrgenommen wird. Die Art des Konflikts respektive der Gewalt löst normalerweise unterschiedliche politische Antworten aus. Offensichtlich ist dies zum Beispiel im Falle des Terrorismus. Das Bonmot, dass was für den einen ein Terrorist sei, sei für jemanden anderen ein Widerstandskämpfer, trifft genau den Kern des Problems. Nicht zufällig spricht das Assad Regime von "Terrorismus" im aktuellen Konflikt. Aber auch für die internationale Gemeinschaft macht es einen Unterschied, ob es Gewalt alsbrutale Niederschlagung von Protesten oder als Bürgerkrieg eingestuft werden. Im ersten Fall ist es vor allem eine Frage von Menschenrechten und dem Schutz des Individuums. Im Falle eines Bürgerkrieges hat man plötzlich Gruppen, die (auch mit Waffen) unterstützt oder legitimiert werden können, möglicher Ansprechspartner sind und auch juristisch gelten andere Regeln (ein grosser Teil der &lt;a href="http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2009/08/60-jahre-genfer-konventionen.php"&gt;Genfer Konventionen&lt;/a&gt; binden eigentlich auch Nicht-Regierungs Truppen).&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/XT3yBAcuK0A" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Wed, 13 Jun 2012 10:52:58 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Kleine Verteidigung der Wissenschaftssprache: Warum Jargon manchmal gut ist</title>
            <description>&lt;p&gt;Gestern konnte man &lt;a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/gute-stube/geisteswissenschaften/2012-06-04/wissenschaftssprache"&gt;bei den Scilogs eine "Kleine Kritik der Wissenschaftssprache" lesen&lt;/a&gt;. Genau genommen handelte es sich um eine &lt;a href="http://www.amazon.de/Wissenschaftssprache-Eine-Gebrauchsanweisung-Valentin-Groebner/dp/3862530256"&gt;Buchbesprechnung&lt;/a&gt;. Nun kann ich einer kleinen Replik nicht widerstehen, obwohl es mir wohl bewusst ist, dass eine solche auf ein Buch, das man nicht gelesen hat, etwas riskant ist. Man möge nachsichtig sein, handelt es sich doch um einen guten Zweck.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als Nicht-Soziologe, der mit dem deutschsprachigen Fachvokabular kaum vertraut ist, da das ganze Studium auf Französisch und Englisch gehalten war und die Fachliteratur fast ausnahmslos Englisch geschrieben wird, gebe ich zu, dass ich zum Beispiel mit Luhmann auch so meine Mühe habe. Ich frage mich bei der Lektüre öfters, ob er nun gerade eine tiefe Einsicht mit mir teilt, oder ob das bisschen Luft nur sehr gut verpackt war. "So what?" war erhlich gesagt die zweithäufigste Reaktion, die er bei mir auslöste, dicht auf den Fersen von "Hä?". Nur ist das nicht zwangsläufig sein Schuld (aber natürlich ist auch das Gegenteil nicht bewiesen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ich möchte hier gar nicht in Abrede stellen, dass viele wissenschaftliche Texte eine Zumutung für unbedarfte Leserinnen und Leser darstellen. Auch die Diagnose, dass in Seminar-, Magister- und Doktorarbeiten der Mangel an Leserbarkeit wegen den an solche Arbeiten gestellte Erwartungen oft die Schmerzgrenze überschreitet, teile ich eigentlich Meine eigene Dissertation bildet da keinesfalls eine Ausnahme. Trotzdem möchte ich hier kurz diese Unlesbarkeit verteidigen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein wichtiger Grund für die schwere Lesbarkeit von Texten ist in meiner Erfahrung schlicht die Verwendung von Jargon. Welcher vielleicht in den Naturwissenschaften besser als "Notwendigkeit" akzeptiert ist. Auch wenn Jargon eine negative Konnotation hat, glaube ich, dass er nicht selten einen sprachlichen Effizienzgewinn darstellt (zugegebenermassen leider keinen ästhetischen). Ich habe darum mal einen zufälligen Fachartikel auf meinem Computer geöffnet um ein zwei Beispiele für Jargon heraus zu picken. Dafür herhalten muss ein Artikel aus World Politics (Kurt Weyland, &lt;em&gt;Toward a New Theory of Institutional Change&lt;/em&gt; in &lt;em&gt;World Politics&lt;/em&gt;, Volume 60, Number 2, January 2008, pp. 281-314). Beispiel Nummer eins:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;Historical institutionalism expects path dependency&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Für jemand der mit dem Thema nicht vertraut ist, wird es notwendig, zuerst einmal nachzuschlagen, was &lt;a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Historical_institutionalism"&gt;historischer Institutionalismus ist&lt;/a&gt;. Schnell merkt man, dass es sich um eine Methode, aber auch einen ganzen Korpus von Literatur handelt. Es gibt keinen Konsens, wer alles zum Club gehört. Zudem gibt es anscheinend einen "alten" und einen "neuen" Institutionalismus. Um zu verstehen, was das ganze dann mit &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturfunktionalismus"&gt;Strukturfunktionalismus&lt;/a&gt; zu tun hat, muss man bereit sein, sich weiter in die Ideengeschichte einzulesen. Dann gilt es &lt;em&gt;Path Dependency&lt;/em&gt; (&lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pfadabh%C3%A4ngigkeit"&gt;Pfadabhängigkeit&lt;/a&gt;) zu dechiffrieren. Ein kurzer Blick auf den Wikipedia Artikel zeigt, wie viele Facetten dieser Begriff beinhaltet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nun könnte ich in einem Blogpost das Grundproblem vermutlich durch kleinere Ausformulierungen durchaus verständlich machen:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;Die Denkschulen, die sich auf die Analyse von Institutionen und deren historischen Entwicklung konzentrieren, haben als Grundanahme, dass Prozesse, wie auf Schiene verlaufen und die Strukturen, von denen man ausgeht, die Richtung vorgeben.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Diese "Übersetzung" erfasst vermutlich den Kerngedanken des Satzes. Wer aber mit den Begriffen &lt;em&gt;Historical Instutionalism&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Path Dependency&lt;/em&gt; vertraut ist, hat das zuvor auch im weniger schweren Konstrukt verstanden und hat noch einen ganzen Rucksack mit zusätzlicher Information, die in dieser "Transkription" teilweise verloren ging: Was die Denkschule betrifft, gibt es Kritik, historische Entwicklungen, verschiedene Ansätze und Schwerpunkte und konkurrierende Modelle. Zur Pfadabhängigkeit gibt es eine ganze Literatur und unzählige Konzepte, die damit verhangen sind (z.B. Feedback-Loops, Institutionelle Trägheit, Theorien wann und unter welchen Umständen Veränderung trotzdem möglich ist, Probleme um kollektives Handeln, etc.). All dies wird im Grunde mit dem kurzen ursprünglichen Satz besser transportiert.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Noch ein zweites Beispiel aus dem selben Artikel: &lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;In sum, &lt;em&gt;distributional issues&lt;/em&gt; and &lt;em&gt;power constellations&lt;/em&gt; make &lt;em&gt;institutional change&lt;/em&gt; less likely than the &lt;em&gt;individual-level&lt;/em&gt; findings of cognitive psychology might suggest. [Betonungen hinzugefügt]&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;Wie im vorherigen Beispiel repräsentieren alle diese Begriffe andere Forschung, Konzepte auf die man sich geeinigt hat (oder eben nicht) mit ihren eigenen Definitionen, Kritiken und Problemstellungen. Alleine &lt;em&gt;distributional issues&lt;/em&gt; könnte man eine eigene Serie im Zusammenhang mit Spieltheorie starten, bevor man zu praktischen Beispielen übergeht. &lt;em&gt;Machtkonstellationen&lt;/em&gt; sind nicht einmal primär Fachjargon (aber auch). Bei jemandem mit Hintergrund in Politikwissenschaften wird dieser Begriff gleich mehre Regionen des Hirns aufflackern lassen. Es ist mehr als die Frage nach "wer hat in einer gegebenen Situation am meisten Macht". Es gibt ganze Seminare zu &lt;em&gt;institutional change&lt;/em&gt;. Wer mit der Ideengeschichte der Internationale Beziehungen vertraut ist, weiss wie zentral die Frage ist, was die Basis-Analyseeinheit darstellt (Individuum, Staaten, andere Akteure?). Dies könnte man alles umschreiben. Der Satz würde verständlicher, vielleicht sogar ansprechender, aber Information würde für ein Fachpublikum verloren gehen und der Text aufgeblasen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Man sollte natürlich durchaus nach Publikum unterscheiden. Ich würde hier im Blog kaum in der selben Sprache ein Thema diskutieren, wie ich das in einem Fachartikel tun würde. Das scheitert schon an den formalen Anforderungen an einen solchen spezialisierten Text. Es geht aber auch darum, dass ich mich damit an ein anderes Publikum richte. Ich erkläre auch jemandem der zur Verbreitung von Nuklearwaffen forscht, meine Arbeit zu Präferentiellen Handelsabkommen anders als jemandem der ein ähnliches Gebiet beackert. Jargon macht solche Texte tatsächlich oft sehr viel schwerfälliger für ein Laienpublikum. Es erlaubt aber auch Information in einer grösseren Dicht zu Papier zu bringen. Solche Begriffe repräsentieren nicht selten eine ganze thematische Literatur, Ideengeschichte oder spezifische Forschung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Natürlich heisst das nicht, das darum automatisch gut bestellt ist um die Wissenschaftssprache in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Was mich zum Beispiel zum Sprachnörgeler macht, sind floskelhafte Sätze in einschlägigen Publikationen. Sätze die wie eine Parodie daherkommen und ausser Platz einzunehmen keine Funktion erfüllen und vermutlich nur dazu da sind, nach Aussen Expertise vorzugaukeln. Aber vermutlich bin ich selber auch schon Urheber solcher Stilsünden gewesen. Zu sehr verinnerlicht man solche Wendungen und zu gross bleibt häufig der Graben zur Muttersprache.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;small&gt;&lt;em&gt;Nachtrag: Ebenfalls bei den Scilogs findet sich auf &lt;a href="http://www.scilogs.de/chrono/blog/con-text/theorie/2012-05-22/vasteh-ik-nich"&gt;Con Text von Dierk Haasis&lt;/a&gt; auch noch ein lesenswerter Text zum Thema.&lt;/em&gt;&lt;/small&gt;&lt;/p&gt;
     &lt;hr /&gt;

&lt;a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /&gt;&lt;/a&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/ScienceBlogs/ZoonPolitikon/~4/_514epV-WiY" height="1" width="1"/&gt;</description>
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            <pubDate>Tue, 05 Jun 2012 17:17:12 +0100</pubDate>
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