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            <title>Basics - Apoptose oder der programmierte Zelltod</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Dieser Basics-Artikel, der auch eine hilfreiche Lektüre für die <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/08/was-ist-krebs---krankheit-und-herausforderung---eine-personliche-einfuhrung.php">neue Krebs-Serie</a> in blooD'N'Acid sein kann, erklärt das Phänomen des „porgrammierten Zelltods".<br />
</p><p>Eine kalte Roboterstimme sagt: „Selbstzerstörung in 10 Sekunden. 10 - 9 - 8 - 7 - 6 --..." eine Tür fliegt auf, ein meist arg ramponierter, schwitzender Mann stürzt herein, öffnet hektisch eine Klappe in einer Konsole, starrt in ein Gewirr von Kabeln und Schaltkreisen und reißt schließlich das blaue heraus... „2 - 1 - .... Abbruch der Selbstzerstörungssequenz". Puh... gerade noch geschafft. Aber wozu gibt es diese Selbstzerstörungsmechanismen (also außer, um die Enden von Actionfilmen spannender zu machen)? Meist, um das zu zerstörende Objekt vor Zugriff oder Übernahme von Feinden, Unbefugten o.ä. zu schützen, selbst wenn dazu seine vollständige Vernichtung in Kauf genommen werden muß.</p>

<p>Und genau so ein Mechanismus findet sich auch in unseren Zellen, man bezeichnet ihn als „<em>Apoptose</em>".<br />
<img alt="fallingleaves.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/fallingleaves.jpg" width="200" height="260" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /><small><a href="http://www.artbycedar.com">Quelle</a></small></p>

<p>Der Begriff Apoptose (altgr. ἀπόπτωσις apoptosis, von ἀποπίπτειν apopiptein ‚abfallen') kommt aus dem Griechischen und ist auf den fast schon romantischen Vergleich mit dem herbstlichen Abfallen der Blätter zurückzuführen. Körperzellen, die nicht länger benötigt werden, „fallen" ab, werden also auf sanfte Weise entfernt. Man kann das wirklich so sagen, denn durch Apoptose läßt sich eine Zelle auf eine für den Körper völlig unschädliche, physiologische Weise entfernen - im Gegensatz zur pathologischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nekrose">Nerkrose</a> bei der die Zellen platzen und all ihre ungustiösen Inhalte in der Umgebung verstreuen, wodurch es u.a. zu Entzündungen kommt. Man könnte sagen, die Apoptose verhält sich zur Nekrose, wie eine kontrollierte Sprengung in einer Nachbarschaft, die genau ein Gebäude harmlos zum Einsturz bringt, zu einem Terrorangriff mit Sprengstoff, bei dem umstürzende Gebäude und umherfliegende Trümmer einen ganzes Viertel zerstören. Und weil sie nach einem exakten Programm und unter strenger Regulation abläuft, bezeichnet man sie auch als „programmierten Zelltod".<br />
Bevor ich aber erkläre, wie die Apoptose in der Zelle verwirklicht wird, sehen wir uns an, wann es überhaupt zur Apoptose kommt: Die Apoptose ist wie ein „Not-Aus"-Knopf, ein Mechanismus, der Zellen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu retten, zu reparieren oder zu gebrauchen sind, schonend aus dem Organismus entfernt. So etwas ist nötig, wenn z.B. das Erbgut einer Zelle irreparabel beschädigt oder die Zelle von einem Virus infiziert ist. Im ersten Fall läuft die Zelle Gefahr, zu entarten und zur Gründerzelle eines Tumors zu werden, im zweiten Fall würde sie bald zu einer Produktionsstätte neuer Viren - beides ist für den Organismus sehr kritisch und so hat es sich als äußerst vorteilhaft erwiesen, solche Zellen rechtzeitig zerstören zu können.</p>

<p>Neben solchen „Not-Aus"-Situationen wird die Apoptose aber auch „gestalterisch" eingesetzt, um z.B. beim Menschen die Interdigitalhäute (Häute zwischen Fingern und Zehen) zu entfernen, die beim Embryo ursprünglich noch angelegt werden, um Gewebe zu verjüngen (Riechepithel), um die Lichtdurchlässigkeit der Augenlinse zu gewährleisten, indem störende Zellen eliminiert werden, um eine korrekte Verschaltung von Hirnstrukturen herzustellen (sozusagen zur Vermeidung von Kurzschlüssen) und Plastizität im zentralen Nervensystem zu ermöglichen und allgemein zur Aufrechterhaltung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6ostase#Biologie">Homöostase</a>, indem die Zellzahl und damit die Größe von Geweben apoptotisch kontrolliert wird. <br />
Eine ganz besonders wichtige Funktion übt die Apoptose auch beim Immunsystem aus. Ein sehr hoher Anteil aller neu gebildeten B- und T-Immunzellen ist, nachdem sie ihre DNA modifiziert haben, um sich für die Abwehr ganz spezieller äußerer Gefahren, wie Bakterien oder Viren zu perfektionieren, unbrauchbar oder sogar gefährlich für den Körper (wenn sie z.B. statt Krankheitserreger körpereigene Moleküle erkennen). Sie durchlaufen daher zwei sehr strenge Selektionsprozesse, bevor sie „freigegeben" werden und das Immunsystem verstärken können. Sollten sie diese Tests nicht bestehen, wird bei ihnen die Apoptose eingeleitet, was neben ihrer schonenden Eliminierung den weiteren Vorteil hat, daß die Zellbestandteile „recycelt", also von anderen Zellen aufgenommen und wiederverwertet werden können. <br />
Man sieht also: die Apoptose ist eine äußert wichtige und sehr zentrale Funktion von Zellen, die besonders bei Krebszellen sehr „<a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/03/biologischer-disclaimer.php">gefürchtet</a>" ist, denn eigentlich müsste das Chaos, das diese Zellen in sich anrichten, ziemlich bald für die Auslösung ihrer Selbstzerstörung sorgen. Es wundert also nicht, daß einer der ersten Tricks, den viele Krebszellen lernen, die Umgehung der Apoptose ist. Dazu aber später mehr, im Rahmen der Serie über Krebs.</p>

<p>Aber wie funktioniert Apoptose? Wie zerstören sich die Zellen selbst? Das ganze ist, wie so vieles in der molekularen Zellbiologie, sehr kompliziert und keineswegs vollständig erforscht. Ich bescheide mich daher damit, hier zwei Hauptarten vorzustellen ohne allzusehr ins Detail zu gehen: die extrinsische, von außen ausgelöste und die intrinsische, von der Zelle selbst ausgelöste Apoptose.</p>

<p>Die extrinsische Apoptose ist für den Körper die Möglichkeit, nicht mehr benötigte oder gar gefährliche (z.B. infizierte) Zellen zu entfernen. Im Immunsystem zum Beispiel gibt es cytotoxische T-Zellen, die mit einem Virus infizierte Zellen von außen erkennen können und dann Botenstoffe (=Liganden) abgeben, die an ein Empfängermolekül das alle Zellen auf ihren Oberflächen tragen (=Rezeptor) binden und damit in der Zelle eine Kaskade von Prozessen in Gang setzt, an deren Ende die Apoptose steht.</p>

<p><img alt="Vorschaubild für extrinsisch.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/08/extrinsisch-thumb-555x642-32526.jpg" width="550" height="630" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p>Im Bild sieht man, wie der Todesrezeptor einer Zelle ein Signal von außen erhält, es durch die Zellmembran nach innen weiterleitet und so die Apoptosekaskade initiiert. Ganz wichtig für die Ausführung der Apoptose sind dabei die sogenannten Caspasen, Enzyme, die gezielt andere Proteine an bestimmten Stellen zertrennen und damit zerstören können. Caspasen sind also gefährlich für die Zellen und müssen daher gut kontrolliert und gesichert sein: sie funktionieren erst, wenn sie „angeschaltet" werden. <br />
Genau das geschieht durch die extrinische Apoptoseeinleitung. Hierbei wird immer die Caspase 8 aktiviert. Diese wiederum aktiviert dann die Caspasen 3, 6 und 7 - das sind die sogenannten Effektorcaspasen, die dann in der Zelle sozusagen die Abrissarbeiten übernehmen, indem sie das zelluläre Inventar darunter auch die DNA zerlegen.</p>

<p>Bei der intrinsischen Apoptose ist das ganze noch deutlich komplizierter.</p>

<p><img alt="Vorschaubild für intrinsisch.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/08/intrinsisch-thumb-555x453-32530.jpg" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p>Hier löst ein zellinterner Stimulus die Apoptose aus. Dieser Stimulus kann vieles sein, z.B. ein unphysiologischer pH-Wert, ein Mangel an Glucose oder irreparabel beschädigte DNA (z.B. durch UV-Licht oder Chemikalien). Bestimmte Proteine, die die Beschädigung registrieren können, z.B. das „berühmte" p53 signalisieren dann: „hat keinen Zweck mehr. Abschalten!". Ob letztlich tatsächlich die Apoptose eingeleitet wird, ist dann noch abhängig von einer Vielzahl von Einflussgrößen (, deren detaillierte Beschreibung den angestrebten Rahmen dieses Artikels pulverisieren würde). Im Bild sieht man eine Reihe von Proteinen, die diesen zellulären Signalweg modifizieren (Noxa, Puma, Bak, Bax) und einige andere, z.B. BCL-2, die die Apoptose hemmen können (was unter bestimmten Umständen ebenfalls sinnvoll sein kann). Erst wenn nach Integration aller zellulären pro- und antiapoptotischen Signale der proapoptotische Stimulus überwiegt (das ist nicht ganz unähnlich dem „Entscheidungsprozess" in Nervenzellen, darüber ob ein Aktionspotential ausgelöst wird oder nicht, indem Signale aus hemmenden und erregenden Nervenzellen zusammengefasst werden), wird das Mitochondrium zur Freisetzung von „Cytochrom c" veranlasst.<br />
Danach gibt es dann kein Zurück mehr: zusammen mit dem Protein Apaf 1 bildet sich ein Komplex, das sogenannte „Apoptosom", welches die Caspase 9 aktivieren kann. Die so scharf geschaltete Caspase 9 aktiviert ihrerseits die Effektorcaspasen, die wir oben schon kennengelernt haben und wir wissen ja jetzt, was diese anrichten: die Zelle stirbt.</p>

<p><img alt="apoptose.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/apoptose.jpg" width="500" height="365" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /><small><a href="http://www.uni-due.de/imperia/md/images/phys_chem_rauen/apoptose_gro__.jpg">Quelle</a></small></p>

<p>So wie im Bild oben sehen apoptotische Zelle aus. Sie schrumpfen und runden sich ab und man erkennt noch das „membrane blebbing" (sieht ein bißchen so aus, als würde die Zellmembran Blasen werfen), die Kondensation des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chromatin">Chromatins</a>, die Fragmentierung des Zellkerns und einen Verlust der Adhäsion. Es bilden sich die typischen "apoptotischen Körperchen", die sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Makrophage">Makrophagen</a> und/oder benachbarten Zellen einverleiben (= phagozytieren). Im Inneren der Zelle, nicht mikroskopisch beobachtbar aber biochemisch nachweisbar, werden die DNA und intrazelluläre Proteine und Strukturen in Stücke zerlegt. Was also von der Zelle übrig bleibt ist, ist sehr überschaubar, recyclebar und - das ist wichtig - unschädlich für die Umgebung der Zelle. </p>

<p>Die sehr schematische Darstellung dieser beiden Wege der Apoptoseeinleitung sollte übrigens nicht dazu verleiten, sie sich als völlig isoliert voneinander vorstellen, denn es gibt durchaus Schnittstellen und Wechselwirkungen zwischen ihnen, die - wie so oft in der Biologie - alles noch viel komplizierter machen. Hinzu kommt, daß es mit der sogenannten „Nekroptose" ohnehin ein Phänomen gibt, das insofern eine Schnittmenge von Apoptose und Nekrose darstellt, als es Charakteristika von beiden aufweist. Darüber hinaus kennt man noch die Prozesse der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Autophagozytose">Autophagie</a>, bei der die Zelle Teile von sich selbst verdaut, und der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Altern#Zellul.C3.A4re_Seneszenz_.E2.80.93_Krebs_oder_Altern">Seneszenz</a>, ein "Alterseffekt" bei Zellen, der u.a. verhindert, daß sie sich weiter teilen, die ebenfalls Mechanismen sind, die zur Optimierung der Resourcenverwaltung aber auch zum Schutz vor Infektionen und Entartung dienen und deren Abläufe und Regulation dicht in das zelluläre Kommunikationsnetz eingeflochten und auch von der Apoptosesteuerung nicht scharf zu trennen sind.<br />
Wir stellen also fest, daß Funktionalität und "Konformität" der Zelle einer strengen und straffen Kontrolle sowohl von innen als auch von außen unterliegen und daß die reinigende, formende, schützende und nachhaltige Funktion der evolutiv stark konservierten  programmierten Selbstzerstörung der Zellen untrennbar mit Gesundheit und Überleben des gesamten Organismus verbunden ist.<br />
Wir werden später noch sehen, daß das, was unser Actionheld am Anfang dieses Beitrages tut, nämlich den Selbstzerstörungsmechanismus zu stoppen, in einer Zelle einen der Grundsteine der Krebsentstehung legen würde...</p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 03 Sep 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Improvisationen im Labor</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich zeige hier, wie man sich eine Plattenzentrifuge prima selber bauen kann.</p><p>Zur Einführung muß ich vielleicht kurz etwas erklären: Laborgeräte sind teuer. Sehr teuer. Häufig tun sie nichts anderes als herkömmliche Haushaltsgeräte, kosten aber das Zehnfache. Wenn man arm ist, wie wir und so ziemlich die meisten universitären Forschungsabteilungen, kann man sich fast nie die Geräte leisten, die man gerne hätte und nicht mal immer die, die man braucht. Also muß man häufig improvisieren und ich habe in Labors schon die abenteuerlichsten Konstruktionen gesehen, die aus Material für 20 € bestanden und ein Gerät für 3000 € ersetzten. Das ganze hat natürlich eine Grenze! Man sollte nicht mit selbst gebauten Apparaten wichtige Messwerte generieren, von denen am Ende eine Arbeit oder gar die Gesundheit eines Menschen abhängt, aber manches geht doch.<br />
Z.B. bei uns: wir führen hier jeden Tag mehrere <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/04/forensische-genetik-dnaquantifizierung.php">quantitative PCRs durch, z.B. um DNA-Mengen sehr genau zu quantifizieren</a>. Diese <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/04/basics-die-polymerasekettenreaktion.php">PCR</a>s werden nicht in einzelnen Reaktionsgefässen angesetzt, sondern in sogenannten 96-well-Platten: Kunststoffplatten, in die 96 Vertiefungen eingebracht sind und die nachher mit Folie überklebt werden, so daß man 96 separate Reaktionsräume hat. Eigentlich muß man solche Platten, wenn man sie fertig bestückt hat, kurz abzentrifugieren, um letzte Flüssigkeitströpfchen von den Innenwänden der Vertiefungen zu entfernen. Das geht aber nur mit einer Plattenzentrifuge, einer Zentrifuge also, in die solche Platten hineinpassen und die einen ganz speziellen Rotor besitzen. Und die sind sehr sehr teuer (mehrere Tausend €), können dafür aber auch die Platten mit enormer Geschwindigkeit drehen, wofür sie wiederum hohen Sicherheitsansprüchen genügen und genau kalibriert sein müssen etc . Doch genau das braucht man überhaupt nicht, wenn man die Platten eigentlich nur mal kurz andrehen will, der Laborslang dafür ist "runterdrullern". Auch so etwas kann man kaufen: eine Minizentrifuge, die nix anderes kann, als Platten runterzudrullern. Doch auch so ein Ding kostet noch knapp 600 € - zuviel für uns. </p>

<p>Was wir uns leisten konnten, waren 4 € für eine Salatschleuder in einem großen, schwedischen Möbelhaus und ein paar Cent für Kabelbinder. Was wir noch hatten, war eine Bohrmaschine und zwei so schwarze Untersetzer für 96-well-Platten, in die man sie während der Bearbeitung hineinstellt. Also haben meine Doktorandin und ich uns ans Werk gemacht und was wir hervorgebracht haben, ist das:</p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/impro%20zentrifuge.jpg"><img alt="impro zentrifuge.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/09/impro zentrifuge-thumb-555x332-32710.jpg" width="555" height="332" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a></p>

<p>Et voilà, eine Plattenzentrifuge zum Runterdrullern mit Handbetrieb (in einem der schwarzen Untersetzer sitzt so eine 96-well-Platte drin). Funktioniert einwandfrei. :-)<br />
<small>(Und ja, wir haben sie natürlich vor Benutzung gründlichst gereinigt und mit UV-Licht, DNAse, RNAse und danach mit RNAse-Inhibitoren behandelt).</small><br />
</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Technik</category>
            
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">PCR</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Persönlich</category>
            
            <pubDate>Mon, 03 Sep 2012 11:40:47 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Nachtrag zur Verstümmelung</title>
            <description><![CDATA[
     <p>In diesem Artikel trage ich zum <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/verstummeln-hat-doch-tradition.php"> "Hauptbeitrag"</a> zur religiös-traditionellen Kinderverstümmelung kurz zwei Dinge nach:<br />
den Offenen Brief eines von der Knabenbeschneidung Betroffenen und eine Kritik an der Einlassung der American Academy of Pediatrics.</p><p>Alexander Bachl ist ein von der Zwangsbeschneidung im Knabenalter Betroffener, der schwer unter der Verstümmelung gelitten hat und sich bis heute nicht damit abfinden will. Über seine Erinnerungen und heutigen Gedanken dazu schrieb er einen <a href="http://mogis-und-freunde.de/blog/offener-brief-eines-betroffenen-an-den-deutschen-kinderschutzbund/">bewegenden aber auch erschütternden Ofenen Brief</a>. Hier ein paar kurze Auszüge und die Bitte, den ganzen Brief zu lesen.</p>

<blockquote>Die nächsten drei Wochen waren eine Qual. Ich weiß nicht, ob die Narben weh taten oder die vertrocknende freigelegte Eichel. Ich konnte keine Hose tragen. Ich konnte nicht laufen. Ich konnte mich im Bett nicht zudecken. Ich lag stundenlang im Bett auf dem Rücken mit angewinkelten Knien, damit die Decke meine Eichel nicht berührt. Tagelang. Ich weinte häufig. Das erste Mal, als ich aufs Klo ging, wusste ich nicht, was passieren würde. Ich hatte Angst, es könnte weh tun. Ich hatte Recht. Von nun an hielt ich es zurück, bis es nicht mehr ging. Der Druck war deshalb größer. Es war schlimmer. Aber ich hatte Angst.
[...]
Meine Beschneidung ist das Schlimmste, was man mir je angetan hat. Sie hat mein gesamtes Leben beeinflusst. Hat mich immer mit Scham erfüllt. Meiner Mutter tut es sehr leid. Sie sagt, sie würde es nie wieder tun. Das hilft seelisch, aber nicht körperlich. Meine Vorhaut ist weg und kommt nicht wieder. </blockquote>

<p>____________</p>

<p>Außerdem wurde nun auch eine <a href="http://www.circumcision.org/aap.htm">vernichtende Kritik</a> zu den pro-Beschneidung-Einlassungen der "American Academy of Pediatrics (AAP)" veröffentlicht, die unbedingt lesenswert ist. Hier die Einleitung (in meiner Übersetzung):<br />
<blockquote>Die endlose Suche nach einem medizinischen Nutzen der Beschneidung, von der Behandlung der Epilepsie, Reizbarkeit und Masturbation im späten 19. Jhdt bis zur Vermeidung sexuell übertragbarer Krankheiten, war immer schon suspekt.<br />
Eine nähere Untersuchung ergibt, daß alle Aspekte dieser Praxis von psychologischen Faktoren beeinflusst werden, darunter die Auswahl derer, die Studien zur Beschneidung durchführen, welche Fragestellungen bearbeitet und welche ignoriert werden, welche Studien zur Veröffentlichung gelangen und welche nicht, welche Informationen zur Beschneidung an Eltern weitergegeben und welche ihnen vorenthalten werden, welche Empfehlungen von Ausschüssen/Komitees ausgesprochen und welche ignoriert werden und welche Erkenntnisse zur Beschneidung in den Medien berichtet und welche verschwiegen werden.</p>

<p>Die wissenschaftlich-medizinische Literatur zur Beschneidung reflektiert die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Publikationsbias">Voreingenommenheit </a> der <em>beschnittenen amerikanischer Forscher</em>, die gezielt nach Vorteilen der Beschneidung suchen und mögliche Nachteile ignorieren und nicht erforschen. Die Antwort auf die Frage, die der Forschung gestellt wird, ist davon abhängig, welche Frage im Fokus der Forschung steht. Die Voreingenommenheit für Beschneidung in der amerikanischen Medizin reflektiert die  Voreingenommenheit für Beschneidung in der amerikanischen Kultur: die USA sind das einzige Land der Welt, in dem viele männliche Säuglinge aus nicht religiösen Gründen beschnitten werden.</blockquote></p>

<p>Die Kritik behandelt folgende Punkte:<br />
1.) Die falsche Annahme, daß der einzige Weg, die Beschneidung zu beurteilen, die Durchführung medizinischer Studien sei<br />
2.) Die dem AAP-Bericht zugrunde liegenden persönlichen, kulturellen, finanziellen und professionellen Interessenskonflikte<br />
3.) Die Unvereinbarkeit des AAP-Berichts mit den Positionen anderer Länder, die einer Beschneidung entgegenstehen oder ihre gesetzliche Beschränkung diskutieren<br />
4.) Die Zweifel, die an vielen der im AAP-Bericht zitierten Studen angemeldet wurden<br />
5.) Die Tatsache, daß bei der Diskussion über den möglichen Nutzen der Beschneidung bei der Verhinderung der Übertragung von Krankheiten, mit keinem Wort Kondome erwähnt wurden<br />
6.) Die übertriebene Darstellung des Nutzens der Beschneidung bei der Vermeidung von Peniskrebs<br />
7.) Die übertriebene Darstellung des Nutzens der Beschneidung bei der Vermeidung von Harnwegsinfekten<br />
8.) Die Tatsache, daß potentielle medizinische Vorteile keine tatsächlichen medizinischen Vorteile sind.<br />
9.) Das Versäumnis, auf den Beschneidungsschmerz und seinen Einfluss auf das Verhalten des Kindes einzugehen<br />
10.) Das Versäumnis, alle Risiken und ethischen Bedenken zur Beschneidung aufzuführen<br />
11.) Das Versäumnis, die Nötigung von Ärzten und die Durchführung nicht autorisierter Beschneidungen aufzuführen<br />
12.) Der Versuch, Hygiene als Vorteil der Beschneidung darzustellen<br />
13.) Die Nichterwähnung der Funktionen der Vorhaut<br />
14.) Das Versäumnis, den gut bekannten Zusammenhang zwischen Beschneidung und erektiler Dysfunktion zu untersuchen<br />
15.) Die Nichterwähnung psychologischer Schäden, die durch die Beschneidung verursacht werden<br />
16.) Die Unausgewogenheit des AAP-Berichts zugunsten des Nutzens der Beschneidung<br />
17.) Die Voreingenommenheit bei der Empfehlung zukünftiger Forschungsansätze zur Entdeckung von Vorteilen statt Nachteilen der Beschneidung<br />
18.) Die Nichtbeachtung von Schwierigkeiten bei der Erlangung eines "informierten Einverständnisses" des Patienten<br />
19.) Der Versuch, die Verantwortlichkeit für die Beschneidung auf die Eltern zu schieben<br />
20.) Die Nichtbeachtung <a href="http://www.circumcision.org/blank.htm">ernster ethischer Bedenken</a>  angesichts der Entfernung eines wichtigen, gesunden und unersetzlichen Teils vom Körper eines Kindes ohne medizinische Notwendigkeit<br />
</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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            <pubDate>Wed, 29 Aug 2012 07:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Was ist Krebs? - Krankheit und Herausforderung - Eine persönliche Einführung</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Das hier soll der Anfang einer neuen Serie zum Thema Krebs sein. Meine bislang spannendsten wissenschaftlichen Erlebnisse hatte ich in der Krebsforschung und ich möchte versuchen so gut es geht, sowohl zu erklären, was Krebs ist und wie er „funktioniert", als auch mitzuteilen, warum ich und viele andere Forscher dieses ‚feindliche Phänomen' so faszinierend finden und sich ständig dadurch herausgefordert fühlen.</p><p>Krebs ist eine schlimme und nicht selten tödliche Krankheit, es gibt eine Unzahl verschiedener Krebsarten und so ziemlich jedes Organ kann davon betroffen sein.<br />
Laut der „<a href="http://www.gekid.de/">Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland</a>" erkrankten 2008 469.800 Menschen in Deutschland an Krebs, das sind etwa 43.000 Patienten mehr als 2006. Für 2012 werden, basierend auf dieser Zahl, ca. 486.000 neue Krebserkrankungen erwartet. Noch sind Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems die Haupttodesursache doch wahrscheinlich wird Krebs in nicht allzu ferner Zukunft diese Stellung einnehmen, insbesondere, weil Krebs eine Erkrankung der Alten ist und die Menschen in den Industrienationen immer älter werden. Statistisch ist es daher heute schon so, daß jeder Mensch, der nicht selber von Krebs betroffen ist, zumindest eine Person näher kennt oder mit ihr verwandt ist, die Krebs hat. Krebs ist also ein gewaltiges medizinisches Problem und damit zugleich eine große Bedrohung für die allgemeine Gesundheit und eine ebensogroße Herausforderung für die Wissenschaft.</p>

<p>Doch die wenigsten wissen, was Krebs eigentlich wirklich ist. Krebs ist der Feind im eigenen Körper, der aus einer irgendwann entarteten, also ‚bösartig' gewordenen ganz normalen Zelle hervorgegangen ist, die sich Schritt für Schritt zu einem mit allen Wassern gewaschenen Terrorkommando, das gegen alle Abwehrmaßnahmen des Körpers gewappnet und dabei häufig tödlich ist, verwandelt hat. <br />
Wenn man versteht, wie flexibel und scheinbar „genial" Tumoren, also Krebsgeschwulste, sich selbst und ihr unmittelbares zelluläres Umfeld organisieren und modifizieren, mit Nährstoffen und Resourcen versorgen und, völlig abgekoppelt von den eigentlichen Aufgaben ihrer Ursprungszellen und der Notwendigkeit zur „Nützlichkeit" für den Organismus, ein Eigenleben und zugleich evolutives Wettrüsten mit dem restlichen Körper führen, so daß man sich immer wieder klar machen muß, daß <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/03/biologischer-disclaimer.php">kein böser, planender Geist</a> dahinter steckt, der sie sich ausdenkt, dann kann mancher nicht umhin, zu empfinden, daß Krebs ziemlich unheimlich ist.<br />
Aber genau das macht Krebs auch irgendwie geheimnisvoll und - so merkwürdig das klingt - ungeheuer faszinierend.</p>

<p><em>Ein Beispiel: </em>eine besonders gefürchtete Eigenschaft fortgeschrittener Tumoren ist die Metastasenbildung. Die Tumoren, die in Kontakt mit größeren Blut- oder Lymphgefäßen gekommen sind, scheiden einzelne Tumorzellen ab, die im Strom von Blut oder Lymphe mitfließen und dann irgendwo anders im Körper „an Land gehen", sich dort ansiedeln und eine Tochtergeschwulst, eine Metastase bilden. Es gibt aber inzwischen Erkenntnisse, denen zufolge Tumorzellen in diesen „Außenstellen" auch nur als Gäste verweilen können, um sich dort, fast wie in einem Trainingscamp, neue Fähigkeiten, die sie in ihrem Ursprungstumor nicht hatten erwerben können, anzueigenen, um dann genau dorthin zurückzukehren und das neu „Erlernte" in dessen Dienst zu stellen. Ist das nicht zu gleichen Teilen großartig und gruselig?!</p>

<p>Meine Zeit in der Krebsforschung war, gemessen an der intellektuellen Herausforderung und ohne die Disziplinen der forensischen Wissenschaft schmälern zu wollen, sicher die bisher spannendste in meinem Wissenschaftlerdasein. <br />
Die Krebsforschung ist dabei ein klein wenig paradox: es wird ungeheurer Aufwand betrieben, um zu verstehen, wie die Tumorzellen „ticken", und man entwickelt eine brennende Neugier darauf, zu verstehen was sie können und wo ihre Schwachstellen liegen, welchen „Charakter" ein Tumor hat, wo er herkommt und wo er „hin will". Man grübelt ständig darüber, wie er bestimmte Dinge macht, wie er dieser oder jener Abwehrmaßnahme des Körpers entgeht und man versucht, sich Experimente auszudenken, mit denen man seine eigenen Hypothesen überprüfen und dem Tumor „in die Karten schauen" kann.<br />
Kurz: man möchte ihn so gut und noch besser kennenlernen, als einen engen, lieben Freund, über den fast man alles weiß, dessen Geheimnisse, Eigenschaften, Schnurren und kleine Tricks man kennt und für den man schon nicht selten einen begonnenen Satz zuendesprechen konnte. Ich kenne auch einige Krebsforscher, die über „ihren Tumor" tatsächlich wie über eine gut bekannte Person sprechen können und die im Gespräch mit anderen Forschern deren spezifische Eigenschaften fast wie beim Autoquartett vergleichen. <br />
Und jetzt die Paradoxie: all dieses in Jahren angehäufte Wissen dient nicht der Pflege und Aufrechterhaltung einer langen Freundschaft, sondern der erbitterten Bekämpfung und letztlich Vernichtung dessen, was man so gut und innig kennt, getrieben vom Wunsch, ihm eines Tages nie wieder begegnen zu müssen. Irgendwie schon ein bißchen verrückt, oder?</p>

<p>Was mich persönlich an der Krebsforschung aber am meisten fasziniert und herausfordert, ist, daß es sich dabei um eine zunehmend logisch aufgebaute Wissenschaft handelt, die die nahezu unzähligen komplexen, phänotypischen Erscheinungen des Phänomens Krebs auf eine kleine Gruppe begründender Prinzipien zurückführen kann. Und genau diese möchte ich in den Folgen dieser Serie vorstellen.<br />
</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Krebs</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Krebsforschung</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Persönlich</category>
            
            <pubDate>Tue, 21 Aug 2012 19:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>WTF Forensik - Von vier Arten, den Kopf zu verlieren</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Warnung: in dieser Reihe wird es immer wieder zu Begegnungen mit und Blicke in die tiefsten menschlichen Abgründe kommen und obgleich ich mich stets bemühen werde, nicht ins Sensationalistische abzugleiten, mag bisweilen die unausgeschmückte Realität bereits mehr sein, als manche(r) erträgt.<br />
<span style="float: left; padding: 5px;"><a href="http://www.researchblogging.org"><img alt="ResearchBlogging.org" src="http://www.researchblogging.org/public/citation_icons/rb2_large_gray.png" style="border:0;"/></a></span><br />
Diesmal: ein Bericht aus Norwegen über drei klassische und einen 'neuen' Weg der Enthauptung.</p><p>Enthauptungen begegnen einem, vielleicht entgegen verbreiteten Auffassungen, in der forensischen Praxis nicht sehr selten. Auch ich habe, in der nicht so langen Zeit, die ich nun in der Rechtsmedizin arbeite, schon <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/03/die-dunkle-seite.php">mehrere</a> enthauptete Leichen ‚mitbekommen'. Daher ist es sehr wichtig, anhand des Spurenbildes an der Auffindestelle aber auch am Körper der verstorbenen Person die richtigen Schlüsse über den Hergang des Geschehens zu ziehen, denn nur so kann zwischen Unfall, Suizid und Tötungsdelikt unterschieden werden. Bei Tötungsdelikten z.B. finden sich häufig noch andere Verletzung an der Leiche, wenn die Enthauptung gar nicht zur Tötung diente, sondern erst postmortal z.B. zu Zwecken der Vertuschung erfolgte.<br />
Wie die im folgenden beschriebenen Fälle zeigen, können sich die sich bietenden Szenarien nach Enthauptungsereignissen sehr stark voneinander unterscheiden:</p>

<p><em>1. Fall: ein Mord</em><br />
Ein 54-Jähriger verschwindet im Juli des Jahres 2007, ein Verbrechen wird bereits vermutet. Im Januar 2008 findet man eine verstümmelte Leiche, der sämtliche inneren Organe fehlen, vergraben in der Nähe des Hauses eines Verwandten des Vermissten. <br />
Dem Toten war der Kopf abgetrennt und der Körper offenbar der Länge nach zerteilt worden, denn es fanden sich je eine rechte und linke Torso- und Beckenhälfte, sowie abgetrennte Arme und Beine. Wirbelsäule und Brustbein des Torsos, Kreuzbein und Schambeinfuge des Beckenknochens waren längs, vermutlich mit einer Säge, durchtrennt worden. Ober- und Unterkörper waren durch einen horizontalen Schnitt zwischen viertem und fünftem Lendenwirbel zertrennt. Die Enthauptung war offenbar durch zunächst einen Messerschnitt durch die Haut und dann Sägearbeit zwischen fünftem und sechstem Halswirbel erfolgt, es fanden sich auf einigen Wirbel auch noch Werkzeugmarken. Der Schildknorpel war horizontal durchschnitten, das Zungenbein hingegen intakt. <br />
Es fanden sich keine vor dem Tod zugefügten Verletzungen und alle inneren Organe waren entfernt worden, was auf Erfahrung des Täters als Jäger oder Metzger hinweist. Die erkennbaren Wunden zeigten keine Anzeichen von Vitalreaktionen, was nahelegt, daß die Zerlegung der Leiche nach dem Tod stattfand. Die Untersuchung von Muskelbiopsaten erbrachte zudem keine Hinweise auf Alkohol, Medikamente oder Drogen. Obwohl tödliche Strangulation vermutet wurde, konnte die Todesursache nicht abschließend geklärt werden.</p>

<p><em>2. Fall: ein Suizid mit Fahrzeug</em><br />
Ein Auto rast mit hoher Geschwindigkeit über einen Parkplatz, die Heckklappe steht weit offen. Plötzlich kommt es, genau in einer Parklücke, zum Stehen und nichts rührt sich mehr. Nach einer Weile, niemand steigt aus, die Heckklappe steht noch immer offen, die Scheinwerfer brennen noch, geht der Parkplatzwächter hin, um nachzusehen. Er findet einen kopflosen Toten angeschnallt auf dem Fahrersitz, um ihn herum überall Blut. Der zweite Gang ist eingelegt, die Zündung steht auf "An" und der CD-Player spielt dasselbe Lied immer wieder. Der Kopf des Toten liegt zwischen den Vordersitzen. Die hinzugerufenen Polizisten und Forensiker finden zunächst kein Werkzeug, mit dem die Enthauptung hätte durchgeführt werden können. Erst ein Spürhund findet ein 7 mm dickes, blaues Nylonseil, das mit einem Ende an einem Laternenpfahl in 55 m Entfernung vom Auto befestigt worden war. Das gesamte Seil (28 m) lag nahe beim Laternenpfahl und am freien Ende war eine Schlinge geknüpft worden, an der sich noch ein Stück Haut mit Barthaaren fand.<br />
Die Obduktion ergab: Der Kopf wurde durch eine relativ scharfe Schnittwunde in der Vorderseite des Halses abgetrennt. Am hinteren Teil war ein Stück Haut fortgerissen worden, das sich in der extrem festen Schlinge fand. Die Hautschnittwunde wies am hinteren Nacken sehr geringe Unregelmäßigkeiten und konnte nur schwer von einer möglichen Messerschnittwunde abgegrenzt werden. Das Weichgewebe war jedoch unregelmäßig zertrennt. Nahe an der Schnittfläche, die zwischen dem dritten und vierten Halswirbel lag, fand sich eine Strangmarke, die das Anlegen des Seils andeutete. Insgesamt zeigten die Verletzungsbefunde der Halsweichteile, daß das Seil einen Weg durch den schwächsten Punkt der Wirbelsäule gefunden hatte. Der toxikologische Befund (Drogen, Alkohol) war negativ. Der Verstorbene hatte also das Seil an der Laterne und eine Schlinge um seinen Hals befestigt, wobei das Seil durch die Heckklappe geführt wurde. Dann fuhr er mit hoher Geschwindigkeit von der Laterne weg, bis sich das Seil mit einem Ruck spannte und die Schlinge den Kopf abtrennte. Dabei rutschte der Fuß vom Gas, der Motor ging schließlich aus und das Fahrzeug kam, zufällig in einer Parklücke, zum Stehen. Es handelte sich bei diesem Vorfall also um einen Suizid durch Enthauptung mit einem Seil unter Zuhilfenahme eines Fahrzeugs.</p>

<p><em>3. Fall: ein Suizid mit Erhängen aus großer Höhe</em><br />
Januar, 2010. Eine junger, suizidgefährdeter Mann hält sich zu Hause zusammen mit seiner Mutter auf, die ihn beobachten und notfalls von suizidalem Verhalten abhalten soll. Er geht nach oben, die Mutter ruft ihm hinterher er solle keine Dummheiten machen. Wenige Minuten hört die Mutter ein Geräusch vom Fenster im oberen Stockwerk. Die Mutter stürzt vor die Tür und findet den Körper des Sohnes auf dem Boden. Der Kopf hängt noch an einer Schlinge. Das Seil war an der Balkonbrüstung angebracht worden und ein Stuhl stand nahe daneben.</p>

<p><img alt="02.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/02.jpg" width="451" height="622" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p>Die Obduktion des 183 cm großen und 109 kg schweren Mannes ergab: Es fanden sich Hautabschürfungen an der vorderen Halsseite, die restliche Haut am Hals war relativ scharf durchschnitten, der Hals zwischen fünftem und sechstem Halswirbel durchtrennt. Der Knoten der Schlinge war an der vorderen Halsseite plaziert und das Rückenmark war kurz vor der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pons">Pons</a> abegrissen.<br />
Die Haut des Oberkörpers wies einige Abschürfungen auf, die durch den Sturz erklärlich waren, es wurden jedoch keine schwereren Verletzungen und auch keine Anzeichen für eine Erkrankung festgestellt. Der toxikologische Befund war positiv für Chlorprotixen (ein Antipsychotikum), N-desmethyldiazepam (ein Abbauprodukt eines Beruhigungsmittels), Oxycodon (ein opiathaltiges Schmerzmittel), Citalopram (ein Antidepressivum) und Olanzapin (ein Neuroleptikum zur Behandlung schizophrener Psychosen). Der offensichtlich schwer psychisch erkrankte Verstorbene hatte also Suizid durch Erhängen verüben wollen, was aber durch sein relativ hohes Körpergewicht in Kombination mit einer großen Fallhöhe zu einer Abtrennung des Kopfes führte.</p>

<p><em>4. Der Sonderfall</em><br />
Juni, 2003. Ein Mazda rast eine Landstrasse entlang auf eine scharfe Linkskurve zu. Er passiert eins von mehreren Warnschildern, die auf die Kurve hinweisen. Dann passiert der Unfall: das Auto rammt die rechte Leitplanke direkt neben einem weiteren Warnschild, die dabei verbogen und zerstört wird und kracht danach 50 m weiter gegen eine Felswand. Als die Rettungskräfte eintreffen, ist der Fahrer des Wagens verschwunden, der Motor läuft noch, alle Türen sind geschlossen und beide Frontairbags haben ausglöst. Das Fenster auf der Beifahrerseite ist zerbrochen und die Scherben sind hinausgefallen, die Windschutzscheibe ist gebrochen und auf der Beifahrerseite mit Blutspuren bedeckt. Auf dem Beifahrersitz sitzt, nach vorne gelehnt und ohne Gurt, die kopflose Leiche einer jungen Frau.</p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/01.jpg"><img alt="01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/01-thumb-555x365-32172.jpg" width="555" height="365" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a></p>

<p>Ihr Kopf wird schließlich gefunden, neben dem Warnschild, das direkt neben der Stelle steht, an der das Auto die Leitplanke gerammt hatte.<br />
Zur Obduktion gelangte eine 34-jährige Frau mit oberflächlichen Hautabschürfungen und Prellmarken am rechten Arm. Am Kinn und der vorderen Halsseite zeigten Abschürfungen die Stelle des Aufpralls an: es fand sich ein unregelmäßiger Einschnitt in der Haut der vorderen Halsseite gerade unter dem Kinn. Am restlichen Nackenbereich war die Haut rundherum relativ scharf durchtrennt. Am Kopf verlief der Schnitt durch die unteren Schläfen an beiden Seiten, so daß das komplette linke Ohr und Teile des rechten Ohrs vom Kopf abgetrennt und am Halsrest des Körpers verblieben waren. Der Hinterkopf war so gebrochen, daß die Schädelbasis auf dem Halsrest des Körpers, Kiefer und Zunge jedoch am Schädel verblieben waren. Das Kleinhirn und der untere Teil des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Occipitallappen">Hinterhauptlappens</a> waren beschädigt, Pons und verlängertes Mark waren abgerissen und durchtrennt. Der Kiefer aber nicht die Wirbelsäule war gebrochen. Der toxikologische Befund ergab einen Blutalkoholwert von 0,18 Promille.<br />
Aufgrund der autoptischen Befunde und der Spuren am Unfallort wurde das Geschehen  rekonstruiert: Durch den Aufprall an der Leitplanke hatten die beiden Airbags ausgelöst und die Plastikabdeckung des Beifahrerairbags war dabei in das Fenster geschleudert worden, wodurch dieses zerbrach, zunächst jedoch ohne auseinanderzufallen. Die Verstorbene war nicht angeschnallt und befand sich zum Zeitpunkt der Airbagauslösung vermutlich nicht in der normalen Sitzposition, so daß sie vom Airbag gegen das Beifahrerfenster gedrückt wurde, welches dadurch schließlich ganz zerbrach. Durch den Druck das Airbags wurde dann vermutlich ihr Kopf durch das Fenster gedrückt und dieser konnte so mit dem Warnschild direkt neben der Leitplanke, die das Auto gerammt hatte, zusammenprallen. Die Stange des Schilds und das Schild selbst waren intakt. Das Schild befand sich jedoch in zu großer Höhe, so daß die tödliche Verletzung letztlich einer stumpfen Gewalteinwirkung durch Zusammenprall mit der Schildstange zugeschrieben wurde. Der Fahrer wurde später noch gefunden und verhaftet.</p>

<p><br />
Die Enthauptung führt schnell und unweigerlich zum Tod, ohne Anschluss an den Kreislauf tritt der Hirntod innerhalb von Minuten ein.<br />
Und obwohl zuletzt immer häufiger auch homizidale Enthauptungen berichtet wurden, z.B. als Abschreckungsmaßnahmen im <a href="http://articles.nydailynews.com/2012-06-29/news/32475737_1_gulf-cartel-drug-cartel-leader-zetas-cartel">mexikanischen Drogenkrieg</a> und seit 2003 vermehrt als <a href="http://www.au.af.mil/au/awc/awcgate/ssi/terr_beheadings.pdf">Terrortaktik</a> im Irak, sind Enthauptugen in der forensischen Routine doch eher selten und meist verursacht durch Unfälle (Explosionen, Zug- und Autounfälle) und Suizide (meist durch Überfahren durch einen Zug).<br />
Bei Auto- und Zugunfällen und anderen traumatischen Einwirkungen finden sich meist mehrere <a href="http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/inst_rechts_verkehrsmed/pdfs/stumpfegewalt-20070504.pdf">stumpfe Gewalteinwirkungen</a> auf Haut und knöcherne Halsanteile und keine scharf abgegrenzten Schnittmuster, wie es nach Einwirkung eines Messers der Fall wäre. Das ist meist ausreichend, um die stumpfe Gewalteinwirkung als Ursache für die Enthauptung festzustellen. Hinzuzkommt, daß fast immer der Ort des Todeseintritts einen Hinweis auf die Art des Todes gibt, weshalb es in solchen Fällen entscheidend wichtig ist, wie man auch an den hier berichteten Fällen 2 und 4 sieht, daß ein Rechtsmediziner nicht nur den Leichnam sondern auch den Fundort besichtigt.<br />
Außerdem sollte die Unterscheidung zwischen Enthauptung durch Suizid oder Unfall bei solchen traumatischen Einwirkungen erst nach Einbeziehung aller Details, Befunde und Spuren von Fundort und Obduktion (insb. Wundränder und mögliche Abwehrverletzungen), sowie psychiatrischer Krankengeschichte und toxikologischer Untersuchungen vorgenommen werden.</p>

<p>___</p>

<p>Und mit diesem heiteren Thema verabschiede ich mich in den voraussichtlich blogarmen aber sonnereichen Urlaub. Bis bald...</p>

<p>_________<br />
<small><strong>Literatur: </strong></small></p>

<p><span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=Journal+of+forensic+sciences&rft_id=info%3Apmid%2F22582715&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=Different+Mechanisms+of+Decapitation%3A+Three+Classic+and+One+Unique+Case+History.&rft.issn=0022-1198&rft.date=2012&rft.volume=&rft.issue=&rft.spage=&rft.epage=&rft.artnum=&rft.au=Morild+I&rft.au=Lilleng+PK&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Medicine%2COther%2Cforensic+science">Morild I, & Lilleng PK (2012). Different Mechanisms of Decapitation: Three Classic and One Unique Case History. <span style="font-style: italic;">Journal of forensic sciences</span> PMID: <a rev="review" href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22582715">22582715</a></span></p>

<p><br />
<small>und bevor wieder einer fragt: <a href="http://youtu.be/PQpBbK7ua-g">hier </a>eine klangliche Untermalung...</small></p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 30 Jul 2012 22:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Zum 262. Todestag</title>
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     <p>Heute vor 262 Jahren starb Johann Sebastian Bach.</p><p>Und darum ist er unsterblich: <br />
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     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/zum-262-todestag.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Persönlich</category>
            
            <pubDate>Sat, 28 Jul 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Aber Verstümmeln hat doch Tradition!</title>
            <description><![CDATA[
     <blockquote><a href="http://demotivators.despair.com/demotivational/traditiondemotivator.jpg">Tradition</a>. Nur weil man 'es' immer so gemacht hat, bedeutet das nicht, daß 'es' nicht unglaublich dämlich ist.</blockquote>
Feststellung: das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist eines der zentralen, fundamentalen Menschenrechte, das auch Kinder genießen. Die Beschneidung des Penis' eines Kindes ohne medizinische Indikation ist eine Verstümmelung. Damit ist eine Beschneidung gegen bzw. ohne den Willen des Kindes ein Verbrechen!
<p>Es war zu erwarten, daß das <a href="http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/koeln/lg_koeln/j2012/151_Ns_169_11_Urteil_20120507.html">wackere und überfällige Urteil des Kölner Gerichts zur Strafbarkeit der Beschneidung</a> und seine Folgen erstens für hohe Wellen sorgen und zweitens auch in den <a href="http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2012/07/es-geht-um-mehr-als-ein-stuck-haut.php">Scienceblogs</a> <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/07/wahrheit-frieden-und-recht.php">diskutiert </a>werden würden. Ich hatte ja selbst auch das Thema in einem Text zu den <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/02/sonderrechte-fur-religion.php">Sonderrechten der Religiösen</a> zufällig  bereits vorweggenommen.</p>

<p>Im folgenden will ich den Blickwinkel aber noch mal etwas ausweiten und, ausgehend von der bekannten Jungen-Beschneidung, noch andere Formen der traditionellen Kinderverstümmelung ansprechen. Angesichts der derzeitigen abscheulich populistischen <a href="http://www.fr-online.de/politik/beschneidung-beschneidungs-neuregelung-wird-schwierig,1472596,16636852.html">Appeasement-Bestrebungen der fast gesamten deutschen Politik</a>, möglichst schnell die traditionell-religiöse Penisverstümmelung bei Säuglingen und Kindern per Gesetz zu erlauben, sollte man darauf vorbereitet sein, für welche Praktiken als nächstes von den entsprechend Geneigten mit dem "Wenn die dürfen, wollen wir auch"-Argument, dann, wenn so ein Gesetz wirklich verabschiedet wird, religiös-traditionell begründeter, gesetzlicher Dispens gefordert werden wird:</p>

<p>Die "üblichen" Erscheinungsformen der traditionellen Kinderverstümmelung sind, steil ansteigend in Perversion und Bösartigkeit:<br />
1.) die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brit_Mila">Beschneidung des Penis</a>' kurz nach der Geburt, wie sie im Judentum und Islam Pflicht bzw. dringend empfohlen ist,<br />
2.) das sog. "<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Breast_ironing">breast ironing</a>" oder "<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brustb%C3%BCgeln">Brustbügeln</a>", das jungen Mädchen angetan wird, um ihre Brustentwicklung zu verlangsamen und die Brüste unattraktiv zu machen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=zk-esBfPxpI">hier</a> ein erschütternder <a href="http://www.ipsnews.net/2006/06/rights-cameroon-an-unwelcome-gift-of-god/">Bericht</a> darüber),<br />
3.) die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien">Beschneidung weiblicher Genitalien</a>, bei der, je nach Art der Durchführung, Mädchen oder jungen Frauen, bestimmte Teile der Genitalien abgeschnitten werden (wer es sich wirklich antun möchte, findet <a href="http://www.guardian.co.uk/society/2010/jul/25/female-circumcision-children-british-law">hier</a> einen Bericht zu Beschneidungen britischer Mädchen - folgende sprachlos machende Auszüge daraus muß ich aber jedem zumuten:<br />
<blockquote>Some will be taken[...] to "cutting parties" for a few girls at a time in a cost-saving exercise.<br />
(Übersetzung: Einige werden [...] als kostensparende Maßnahme zu "Beschneidungsparties" für mehrere Mädchen gleichzeitig gebracht.)</blockquote><blockquote><br />
Other girls have died, of shock or blood loss; some have picked up infections from dirty tools. Jamelia's mother paid extra for the woman to use a clean razor.<br />
(Übersetzung: Andere Mädchen sind am Schock oder dem Blutverlust gestorben; einige haben sich durch schmutziges Besteck Infektionen zugezogen. Jamelias Mutter hat extra etwas mehr bezahlt, damit die Frau, die die Beschneidung durchführte, eine saubere Rasierklinge verwendete))</blockquote></p>

<p>Die Beschneidung des Penis' setzt durch die Entfernung der schützenden Vorhaut die Eichel einer ständigen Reibung aus, was letztlich die Sensitivität herabsetzt und <a href="http://www.norm-uk.org/circumcision_lost.html">zu einer Reihe von Problemen</a> führen kann. Der zentrale Punkt ist aber, daß die Vorhaut einen Arm des Dorsalnervs und zwischen 10.000 und 20.000 spezielle erogene Nervenendigungen enthält und für viele Männer notwendig für befriedigendes, sexuelles Erleben ist.</p>

<p><small>[<strong>Nachtrag 19.07.</strong>: in den <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/07/verstummeln-hat-doch-tradition.php#comment345238">Kommentaren</a> wurde auf ein "Lehrvideo" verlinkt, das die Durchführung einer routinemäßigen Genitalverstümmelung (=Beschneidung) an einem Baby, selbstverständlich ohne Betäubung, zeigt. Das Video ist so schon schlimm genug, aber wenn man noch den Ton dazu hört, wird es vollends abartig! Ich repliziere hier ausdrücklich die Warnung des Kommentatoren, jedoch empfehle, ja verlange ich, daß sich die Beschneidungsbefürworter, insbesondere die "harmloser, kleiner Eingriff"-Fraktion, sich <a href="http://video.google.com/videoplay?docid=8212662920114237112">das</a> ansieht.]</small></p>

<p>Das "Bügeln" der Brüste, welches ursprünglich und fälschlicherweise für die Verbesserung der Milchproduktion für nützlich befunden wurde, dient heute ganz offen dem Zweck, die verstümmelten Mädchen <em>unattraktiver für Männer </em>und somit "unbegehrter" für Geschlechtsverkehr zu machen und mithin vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen.<br />
Die Mütter nehmen die mit der Prozedur verbundenen Schmerzen, Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls, Infektionen, Zysten und das später erhöhtes Krebsrisiko für ihre Töchter in Kauf. Man könnte meinen, daß Aufklärung, Sexualerziehung und Verhütung die weniger destruktiven und deutlich effektiveren Möglichkeiten zur Verhinderung ungewollter Schwangerschaften seien (an dieser Stelle ist vielleicht zu erwähnen, daß Kamerun, wo diese Barbarei vor allem durchgeführt wird, zu 25% katholisch ist...).</p>

<p>Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien ist sicher eine der monströsesten, zynischsten und abartigsten Prozeduren, ja Foltern, die überhaupt denkbar sind. Alles daran, Absicht, Durchführung und Folgen sind zutiefst grausam und menschenverachtend und es gibt wohl keine verheerendere Manifestation religiösen oder sonstwie begründeten Frauenhasses, als dieses unerträgliche Verbrechen!<br />
Es werden von den Befürwortern dieser Praktik verschiedene Gründe angeführt. Immer wieder werden z.B. "Tradition", "Ästhetik" oder vermeintliche medizinische Vorteile dieser "Behandlung" genannt. Aber auch die Auffassung, es handle sich bei der Prozedur um ein religiöses Gebot, existiert und sowohl Moslems als auch Juden aber auch Christen führen sie durch. (In der Tat haben religiös motivierte Bestrebungen, die Masturbation zu bekämpfen, dazu geführt, daß auch in Europa zwischen dem 19. Jahrhundert bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts Klitoridektomien an Frauen und Mädchen durchgeführt wurden (s. Literatur).</p>

<p>Ich erspare es uns allen an dieser Stelle, die weiteren medizinischen Folgen und Risiken dieser Verstümmelungen aufzuführen oder gar Bilder zu zeigen und die schwindelerregenden Zahlen von schweren Komplikationen, Todesfällen und durch diese Tortur lebenslang traumatisierten und an Sexualität und Selbstverständnis verkrüppelten Frauen wiederzugeben.<br />
Ich will vielmehr darüber nachdenken, warum das alles immer noch und wieder Menschen angetan wird. Ich glaube, hinter all diesen Prozeduren steckt am ehesten ein mehr oder weniger verhohlener Angriff auf die Sexualität, unter anderem eine Spezialität der Religion. Das ganze Gewäsch von wegen "Hygiene", "Ästhetik" etc. ist in meinen Augen vorgeschoben: Es geht um die Herabsetzung oder völlige Zerstörung des Lustempfindens während und/oder die Verhinderung der Sexualität. Dies ermöglicht ein höheres Maß an <em>Kontrolle</em> über die Menschen. Den beschnittenen Männern wird durch die mit der Beschneidung einhergehende Desensibilisierung ein Stück des Lustempfindens genommen und zudem die Masturbation erheblich erschwert (so kann man(n) sich bestimmt auch besser auf's Torah/Koran-Auswendiglernen konzentrieren). Man weiß ja auch, daß der Mann grundsätzlich hifloser Spielball seiner Triebe ist (s. Kopftuch) und nur durch derart handfeste Maßnahmen halbwegs auf Kurs gehalten werden kann.</p>

<p>Viel schlimmer trifft es hingegen die Frauen: in brutaler Verkennung des Rechts der Frauen auf die Möglichkeit einer erfüllten Sexualität, die <em>eben nicht notwendig</em> mit Reproduktion gekoppelt ist, und mit einer an Verachtung nicht zu überbietenden und trotz der Tatsache, daß die Prozeduren meist selbst von Frauen durchgeführt werden, patriarchalischen Gebärde, werden die Körper der Frauen auf eine Weise verhackstückt, die normale Sexualität häufig unmöglich oder unerträglich schmerzhaft machen. <br />
Damit werden Frauen mit gnadenloser Effektivität zur "Keuschheit" gezwungen, weil sie selbst Sexualität nie als etwas angenehmes oder schönes erfahren und erleben können (und häufig nicht einmal mehr die Möglichkeit zur genussvollen Masturbation haben) und daher Sexualität um ihrer selbst willen aus eigenen Stücken nicht (mehr) anstreben. Man muß sich das in seiner Bestialität wirklich klar machen: für diese Frauen sind Ermahnung oder Bewachung oder Keuschheitsgürtel o.ä. nicht mehr notwendig - man hat ihnen die Fähigkeit zu freudvoller Sexualität (= Sünde) aus dem und den Selbstzwang zur Enthaltsamkeit in das Fleisch geschnitten! Es ist die perfekte und diabolischste Umsetzung des religiösen Gebotes, sich zu vermehren, jedoch beim Vorgang der Vermehrung - zumindest als minderwertiges Frauenzimmer - bloß keinen Spaß zu haben. Denn natürlich werden die verstümmelten Frauen dennoch zur Reproduktion "benutzt", also - mal wieder - zum reinen Gebärorganismus reduziert, und die Schmerzen, Gefahren und Komplikationen, die mit dem Zeugungsakt und vor allem der Geburt einhergehen, bereitwillig in Kauf genommen.<br />
Für die von Verstümmelungen Betroffenen, die in (offiziell) die Menschenrechte achtenden Ländern leben ergibt sich zudem noch eine besonders perfide Implikation: Um die in diesen Ländern verbotenen Praktiken des Brustbügelns und der weiblichen Beschneidung überhaupt so massenhaft und "effizient" durchühren zu können, wie es auch heute noch der Fall ist, bedarf es notwendig der Mitwirkung der Mütter. Diese müssen (zumindest in westlichen Ländern) bei der Tarnung und Verheimlichung helfen und die zukünftigen Opfer, ihre Töchter, durch unablässige Indoktrination auf das Kommende und vermeintlich Unausweichliche vorbereiten. Dabei müssen sie, die sie diesen Horror fast immer auch am eigenen Leib und mit eigenen Sinnen ertragen mußten, das ganze Entsetzen, all den Schmerz und das Elend, das sie durchmachen mußten, verleugnen, verdrängen und ihren Töchtern im Bericht vorenthalten. Der Zynismus, der notwendig ist, um Frauen, ja Mütter so zu pervertieren, daß sie die an ihnen selbst vollzogene Maßnahme nachträglich auch selbst als gut und wertvoll für ihre eigenen Töchter erachten, statt alles daran zu setzen, wenigstens ihnen dieses gräßliche Schicksal zu ersparen, ist schier atemberaubend!</p>

<p>Eine solche Tat an seinen eigenen Kindern, Schutzbefohlenen, gleich ob Mädchen oder Jungen, die man doch lieb haben und zur Not mit dem eigenen Leben vor Gefahr und Verletzung verteidigen sollte, zu verüben, zeigt, wie sehr der menschliche Geist und das eigentlich natürliche menschliche Mitgefühl durch <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/06/eine-kraft-zum-bosen.php">Religion</a> oder allgemeiner die unreflektierte Übernahme und Anwendung von auf irrationalen Annahmen beruhenden Traditionen verdorben und entstellt werden kann. Sie befähigen zu jedem denkbaren Verbrechen.</p>

<p>________<br />
<strong>Nachtrag 20.07.</strong>: Es gibt nun eine <a href="https://www.kinderhilfe.de/blog/artikel/bundestagspetition-zu-beschneidungen/">Petition</a> der Deutsche Kinderhilfe, des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, MOGIS e.V. (Verband Betroffener sexuellen Kindesmissbrauchs), des Bund Deutscher Kriminalbeamter und zahlreicher Einzelpersonen als Antwort auf die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestag-beschliesst-resolution-gegen-beschneidung-a-845389.html">gestrige Resolution</a> des Bundestages. Ich hoffe, dieser Irrsinn ist noch zu stoppen...<br />
________</p>

<p><small><strong>Literatur und Links:</strong></small></p>

<p><a href="http://www.netzwerk-integra.de/dokumente/recht/">Integra</a>: Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung</p>

<p>R. Dettmeyer, J. Laux, H. Friedl, B. Zedler, H. Bratzke, M. Parzeller. Medizinische und rechtliche Aspekte der Genitalverstümmelung bzw. Beschneidung, Teil I: Weibliche Genitalverstümmelung; Archiv für Kriminologie; Band 227, Heft 1 und 2; Jan/Feb 2011, Seite 1 </p>

<p>Weibliche Genitalverstümmelung: Diskussion und Praxis in der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum [Taschenbuch] <br />
Marion Hulverscheidt (Autor)<br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 17 Jul 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wie starb Paganini?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/lWaOnqmtr9U" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>Carl Guhr <a href="http://www.bsb-muenchen-digital.de/~web/web1049/bsb10497348/images/index.html?digID=bsb10497348&pimage=1&v=pdf&nav=0&l=de">schrieb 1829</a> über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niccolò_Paganini">Niccolò Paganinis</a> Violinspiel: <br />
</p><blockquote>Das Seelenvolle, Begeisterte, wahrhaft Eigenthümliche in Paganini's Spiel strömt aus seiner innersten Natur. Die Gefühle und Empfindungen, die er im verwandten Busen erregen will, sind seine eigenen. In den Tönen seiner Melodien ist sein Leben rege und wach, finden wir stets sein Ich, seine Individualität. Die Trauer, die er empfunden, das Sehnen, das sein Wesen durchzieht, die Leidenschaft, die seinen Puls rascher jagt, sie alle fließen in seinen Vortrag über; [...] so ist Paganini der Künstler, welcher die Welt um sich vergisst und sein eigenes Leben, wie es von Leiden durchfurcht, von Freude geglättet wurde, in Tönen wiedergebiert. Wer sein Spiel kennt, kennt auch ihn.</blockquote>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/paganini2.jpg"><img alt="paganini2.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini2-thumb-200x115-32077.jpg" width="200" height="115" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a><br />
In der Tat genoß Paganini (* 27. Oktober 1782 in Genua; † 27. Mai 1840 in Nizza) schon zu Lebzeiten außerordentlichen Ruhm und Bekanntheit für sein unvergleichlich virtuoses Spiel (wozu er möglicherweise auch durch eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ehlers-Danlos-Syndrom">Bindegewebsstörung</a>, die hypermobile Finger- und Handgelenke zur Folge hat, befähigt wurde, das Bild zeigt seine Hand). Er begeisterte und faszinierte seine Zeitgenossen in hohem Maße, aber es kursierten auch Gerüchte über seine angeblich kriminelle Vergangenheit und, vielleicht auch aufgrund seines unheimlichen Äußeren, sogar Phantastereien über seine <a href="http://www.br-online.de/kinder/fragen-verstehen/musiklexikon/2007/01777/">mystischen</a> oder sogar <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelspakt">satanischen</a> Verwicklungen.<br />
Dazu passt, daß auch die Umstände, unter denen er 1840 in Nizza zu Tode kam, nie ganz geklärt werden konnten. </p>

<p>In einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Archiv für Kriminologie" erschien vor kurzem ein Artikel, in dem Krankheit und Tod des Virtuosen auf Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen neu interpretiert werden und darüber möchte ich hier berichten.</p>

<p>Die Autoren untersuchten Haare, über deren erste Analyse zuvor schon in einer Fernsehsendung (s.u.) berichtet worden war. Sie wurden für weitere Untersuchungen von zwei direkten Nachkommen Paganinis zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieser Arbeit wurden mehrere analytische Verfahren eingesetzt: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Massenspektrometrie_mit_induktiv_gekoppeltem_Plasma">Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma</a> (ICP-MS) für die Elementbestimmung, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TXRF#Totalreflexions-R.C3.B6ntgenfluoreszenzanalyse_.28TRFA.2C_TXRF.29">Totalreflexions-Röntgenfluoreszenzanalyse</a> (TXRF) zur Schwermetalldetektion und morphologisch-mikroskopische Untersuchungen u.a. mittels <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elektronenmikroskop#Arten">Raster-Elektronenmikroskopie</a> (REM) und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fourier-Transform-Infrarot-Spektrometer">Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie</a> (FTIR).</p>

<p><em>Ergebnisse der morphologischen Untersuchungen</em><br />
Die Haare wurden zunächst unter dem Digitalmikroskop untersucht und zeigten sich als stark pigmentiert, glänzend, unregelmässig gewellt und von straff-elastischer Konsistenz, es handelte sich aber nicht um sog. „Korkenzieherlocken". <br />
Anhand von glatten Durchtrennungen an den wurzelnahen Enden der Haare stellten die Autoren fest, daß die Haare ca. 2-3 Wochen vor dem Tod gekürzt worden waren. Dann wurden Winkel und Strecken im Raum gemessen und mittels REM auf Übereinstimmung kontrolliert. Dabei wurden Schädigungen festgestellt, die die Autoren auf Milbenfrass zurückführen.</p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini1-32074.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini1-32074.php','popup','width=778,height=519,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini1-thumb-550x366-32074.jpg" width="550" height="366" alt="paganini1.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><small>Das Bild zeigt exogene Schädigungen (Milbenfrass) am Beispiel von Haar Nr. 9. Oben links die Messung mit dem Digitalmikroskop (µm); unten links wurden 28 Ebenen im Abstand von 1 µm rechnerisch zusammengesetzt; oben rechts sieht man eine Aufnahme mit dem REM, unten rechts noch einmal eine modifizierte Darstellung mittels Digitalmikroskop.</small></p>

<p>Es wurden aber auch Schädigungen festgestellt, die wahrscheinlich nicht exogen, also durch eine äußere Ursache erklärbar sind. So fanden sich Schädigungen der Schuppenschicht (Cuticula) der Haare, teilweise fehlte sie sogar ganz.</p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini-32071.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini-32071.php','popup','width=772,height=590,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/paganini-thumb-550x420-32071.jpg" width="550" height="420" alt="paganini.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><small>Die Abbildung zeigt geringe endogene Strukturstörungen der Cuticula, die wahrscheinlich durch eine Intoxikation mit Schwermetallionen (z.B. Quecksilber) verursacht wurden; Maße in µm</small></p>

<p>Anschließend wurden weitere Untersuchungen und Messungen von Markstrangdicke und -verlauf, Querschnittsfläche der Haare, Drehung, Richtungsänderung der Haarachsen etc. vorgenommen und daraus ein Erscheinungsbild der Haare zu Lebzeiten abgeleitet. Dies wurde dann mit 26 verschiedenen datierten und signierten Abbildungen Paganinis verglichen, die insgesamt eine so hohe Merkmalskonstanz aufwiesen, daß sie als dokumentarisch angesehen wurden. Es wurde dabei eine gute Übereinstimmung zu Haarlänge, -farbe und -form festgestellt. Auf einer der Abbildungen, die Paganini als bereits Todkranken zeigte, wirkte Paganinis Haar - sehr untypisch für ihn - strähnig und nur leicht gewellt. Die Autoren führen dies auf eine Befeuchtung der Haare durch das bei einer Quecksilbervergiftung (als Nebenwirkung einer Therapie mit Quecksilber, wie sie damals üblich war, s.u.) auftretende starke Schwitzen zurück. Sie befeuchteten daraufhin die ihnen vorliegenden Haare und erhielten genau den gleichen streckenden Effekt, wie die Abbildung ihn zeigte.<br />
Diese Befunde sprechen also dafür, daß es sich bei den untersuchten wirklich um Haare Paganinis handelte und die Haare repräsentierten dabei einen Wachstumszeitraum von mehr als einem Jahr und weniger als drei Jahren vor Paganinis Tod. Nun stellt sich noch die Frage, wie er starb.</p>

<p><em>Überlieferungen zu Paganinis Krankheiten</em><br />
Viel ist über Paganinis Krankheiten und verschiedene Leiden geschrieben, berichtet und leider auch erdichtet worden und es gibt zahlreiche Quellen dazu. Besonders oft ist dabei die Rede von Tuberkulose und Syphilis.</p>

<p>Nicht wenige Paganini-Biographen waren der Überzeugung, daß Paganini an Tuberkulose (Tbc) erkrankt gewesen und letztlich auch daran gestorben sei. Alle Symptome der Tbc, darunter Aphonie und Schluckbeschwerden, können auch durch Syphilis und/oder eine Quecksilbervergiftung (wie nach einer Quecksilbertherapie nicht unüblich) erklärt werden und die Darmbeschwerden, die Paganini wohl hatte, sind wahrscheinlich auf einen gut dokumentierten jahrelangen Mißbrauch pflanzlicher Abführmittel zurückzuführen. Gegen eine Tbc spricht insbesondere, daß Paganinis Sohn Achille, der jahrelang auf engem Raum mit ihm zusammenlebte und also reichlich Gelegenheit hatte, sich anzustecken, nie an Tbc erkrankte.<br />
Obwohl man eine Tbc nicht sicher ausschließen kann, ist angesichts der Befunde und der damaligen Häufigkeit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syphilis">Syphilis</a> sowie der sexuellen Umtriebigkeit Paganinis, gegen deren übertriebene Darstellung er sich zwar verwahrte, die er aber in Briefen und Gesprächen mit Freunden in gewissem Umfang doch auch einräumte, eine Infektion mit Syphilis relativ plausibel.<br />
Dazu passt auch, daß er zwischen 1822 bis 1824 von seinem Arzt mit Quecksilber behandelt worden sein soll, eine radikale Therapie, die wohl nur bei dieser Diagnose versucht worden wäre. Außerdem soll Paganini an einer Gelbsucht gelitten haben, die, wie auch die kachektische Abmagerung und Blässe Paganinis, durch einen Organbefall durch Syphilis-Erreger zu erklären ist. 1829 suchte Paganini wegen eines zunehmenden einseitigen Verlustes seiner Sehkraft einen Arzt auf. Auch dies passt zu einer Syphilis-Erkrankung, die zu einseitigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uveitis">Uveitiden</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chorioretinitis">Chorioretinitiden</a> und Rückbildungen des Sehnervs führen kann. Auch der Haarausfall, den Paganini an sich bemerkt haben soll, kann auf Syphilis zurückzuführen sein. Es gibt darüber hinaus noch weitere anekdotische Anhaltspunkte zu Symptomen - Lähmunserscheinungen, Erektionsstörungen - die Paganini aufgewiesen habe, die ebenfalls von der Syphilis bzw. ihrer fortgeschrittenen Form, der das Nervensystem angreifenden Neurosyphilis, verursacht werden können.</p>

<p>Aus den historischen Quellen lassen sich Hinweise entnehmen, daß Paganini neben der möglichen Quecksilbertherapie einer Syphiliserkrankung auch noch und zusätzlich zu den pflanzlichen Mitteln, das quecksilberhaltige Abführmittel "Kalomel" eingenommen habe. Dies könnte sein Darmleiden noch deutlich verschlimmert und letztlich auch das todesursächliche Nierenversagen verursacht haben.<br />
Um zu klären, welche Rolle eine mögliche Vergiftung durch eine Quecksilbertherapie gespielt haben konnte, untersuchten die Autoren die Haare Paganinis entsprechend dieser Hypothese. </p>

<p><em>Vergiftung mit Quecksilber?</em><br />
Da die festgestellten endogenen Schäden (s.o.) grundsätzlich damit vereinbar waren, durch eine Quecksilbervergiftung verursacht worden zu sein, konzentrierten sich die Autoren nun auf den Nachweis des giftigen Metalls. <br />
Die Quecksilbermenge in den Haaren wurde mit zwei verschiedenen Methoden bestimmt: die ICP-MS-Messung ergab 15,4 µg Quecksilber und 185,4 µg Zinn jeweils pro Gramm Haargewicht.<br />
Bei der Messung mit TXRF resultierten für ein Haar ein Mittelwert von 30 µg Quecksilber (mit einem Streubereich von 20µg) pro Gramm Haargewicht und für ein zweites Haar ein Mittelwert von 10 µg Quecksilber (mit einem Streubereich von 3 µg) pro Gramm Haargewicht.<br />
Zunächst war festzustellen, daß alle Messwerte klar oberhalb der in der Literatur angegebenen Referenzwerte lagen. Die TXRF-Messwerte stimmten in der Größenordnung und wenn man die Streuung berücksichtigt, mit den ICP-MS-Ergebnissen überein, dennoch wiesen die TXRF-Werte für die beiden untersuchten Haare eine sehr hohe und, wie Wiederholungsmessungen belegten, nicht methodisch begründete Streuung auf.In mikroskopischer Auf- bzw. Durchsicht konnten die Autoren silbrige bzw. schwarze Partikel auf den Haaren beobachten. Zur Erklärung der breiten Streuung stellten sie daher die Vermutung an, daß sich im Haarwurzelbereich Quecksilberdepots gebildet hatten, so daß während der Haarbildung Quecksilberpartikel mit Druck in die Cuticula eingepresst wurden. Daß die Strukturstörung der Cuticula eher gering ausgeprägt war, speche, so die Autoren, für ein eine endogene Herkunft des Quecksilbers, wie sie durch eine Vergiftung, so wie in Paganinis letzter Lebensphase vermutet, erklärlich wäre.</p>

<p>Die alle Ergebnisse und historischen Quellen einbeziehende Schlussfolgerung der Autoren ist, daß Paganini an der Syphilis erkrankt war und diese in Verbindung mit einem jahrelangen Mißbrauch pflanzlicher Abführmittel und der Einnahme quecksilberhaltiger Medikamente seine Symptome erklärt und zu seinem Tod geführt hat.</p>

<p><iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/xsFJS4I_05E" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>________________________<br />
<strong><small>Literatur / Referenzen</small></strong></p>

<p>Kijewski H, Beck J, Reus U. Krankheit und Tod des Violin-Virtuosen Nicolò Paganini - Interpretation aus Basis neuer Haaruntersuchungen. Arch Kriminol 229:11-24 (2012)</p>

<p>TV-Sendung „Paganinis Geheimnis"; Produktion: merkur.tv GmbH; Koproduktion: SWR, WDR, ORF, SF, AVRO mit Unterstützung von CoBO; Erstsendung: 17. Dez 2006, 9.35 Uhr, ORF 2 ; Weiterer Sendetermin: 17. Mai 2007, 12.05 Uhr, Das Erste</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">forensische Toxikologie</category>
            
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            <pubDate>Mon, 16 Jul 2012 06:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>WTF Forensik - Das „Abgar-Bild" auf dem Lastwagen</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Diesmal: ein bemerkenswerter Fallbericht, den die Autoren etwas ungenau als „The modern holy shroud" (dt.: „Das moderne heilige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grabtuch">Grabtuch</a>" ) bezeichnet haben, handelt von der Rekonstruktion eines Verkehrsunfalls anhand der "eindrücklichen" Beschädigungen am Unfallfahrzeug.<br />
<span style="float: left; padding: 5px;"><a href="http://www.researchblogging.org"><img alt="ResearchBlogging.org" src="http://www.researchblogging.org/public/citation_icons/rb2_large_gray.png" style="border:0;"/></a></span><br />
</p><p>Die objektive Rekonstruktion des Ablaufs von Verkehrsunfällen, insbesondere solcher, bei denen es zu einer Kollision von Fußgängern mit Fahrzeugen kommt, ohne auf die möglicherweise interessenskonfligierenden Aussagen von Zeugen oder Beteiligten angewiesen zu sein, ist von großer Bedeutung für straf- und zivilrechtliche Prozesse und daher auch von hohem rechtsmedizinischen Interesse. <br />
Die Geschwindigkeit des Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt steht bei solchen Ermittlungen im Mittelpunkt, da sie die wichtigste Einflussgröße für Ausmaß und Schwere von Verletzungen bei den Unfallopfern darstellt.</p>

<p><u>Der Fall:</u><br />
Eine 44-jährige Fußgängerin, die auf einer Schnellstrasse unterwegs war, wurde frontal von einem Lastwagen mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h erfasst. Die Fußgängerin wurde durch den Aufprall ca. 100 m in die Fahrtrichtung geschleudert, dann vom Lastwagen und einem nachfolgenden Auto überrollt und starb noch am Unfallort. <br />
Dieses Unfallgeschehen konnte anhand der Verteilung und Schwere der Verletzungen des Opfers, des am Lastwagen festgestellten Schadens, der Verteilung von Blutspritzern und Unterhautgewebe auf der Rückseite der Ladefläche des Fahrzeugs und der Zeugenaussage des Fahrers und weiterer Umstehender rekonstruiert werden.</p>

<p>Zur Obduktion gelangte eine Frau mittleren Alters mit schwersten Verletzungen und Zerstörungen des Körpers, die teilweise unbekleidet war. Der Schädel war zerdrückt und ein Großteil des Hirngewebes fehlte. Der Oberkörper wies großflächige Abschürfungen und Abtragungen von Muskulatur auf, zahlreiche Wirbelkörper und der Beckenknochen waren gebrochen, innere Organe und die Aorta waren zerschert oder zerrissen. Der untere linke Teil des Oberkörpers war durch den Unfall teilamputiert, die oberen und unteren Gliedmaßen waren mehrfach gebrochen und ebenfalls teilamputiert. Hautabschürfungen fanden sich verteilt über den ganzen Körper. </p>

<p>Der Lastwagen hatte zum Zeitpunkt des Aufpralls eine Masse von 11,45 t und, laut Tachograph, eine Geschwindigkeit von 90 km/h. Blut- und Gewebereste fanden sich auf lackierten Flächen, dem Reserverad und den Schmutzfängern. Vorne an der Fahrerkabine wurden Beschädigungen der Motorabdeckung, des oberen Teils der Frontblende und des unteren Teils der Windschutzscheibe in einer Höhe zwischen 149 und 158 cm festgestellt. Die Frontblende ist eine Art mattschwarz lackierter Metallstreifen und fast mittig fand man <em>einen ca. 2 cm tiefen, reliefartigen Eindruck, der grob die Gesichtszüge des Opfers erkennen ließ und durch Abtragungen von dessen Makeup noch akzentuiert wurde</em>: </p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/abgar-bild-31944.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/abgar-bild-31944.php','popup','width=669,height=424,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/abgar-bild-thumb-550x348-31944.jpg" width="550" height="348" alt="abgar-bild.jpg" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a><small>(das Bild zeigt die Frontblende mit dem Gesichtseindruck und den Makeupresten und die direkt darüber ansetzende Windschutzscheibe)</small></p>

<p>In vielen Fällen gelingt die Rekonstruktion eines Unfallgeschehens durch Verletzungsmuster am Körper des Opfers, die genau zu Teilen des Unfallfahrzeugs passen. <br />
In diesem Fall gab es jedoch keine Muster am Körper des Opfers, die eine Zuordnung des Lastwagens zu dessen Verletzungen noch zuließen. Dies erklärt sich vermutlich durch die flache Front des Lastwagens, dessen hohe Masse und Geschwindigkeit beim Aufprall, sowie die unmittelbaren Unfallfolgen (Körper wurde fortgeschleudert und mehrfach überrollt). So konnte die Aussage einer Zeugin, derzufolge die Verstorbene beim Aufprall frontal und aufrecht vor dem Lastwagen stand, anhand der autoptischen Befunde allein nicht objektiviert werden. <br />
Die Lösung brachte in diesem Fall der sehr ungewöhnliche Gesichtseindruck in der Front des Lastwagens in der Höhe zwischen 149 und 158 cm: die Augenhöhe des Opfers wurde auf etwa 154 cm geschätzt und die Abzeichnung der Gesichtszüge sowie die Abtragung von Makeup, die die Gesichtskonturen so deutlich abzeichnete wie, so die Autoren, ein „modernes heiliges Grabtuch", belegen eindeutig, daß das Opfer wirklich frontal und in einer aufrechten Körperhaltung vom Fahrzeug erfasst worden sein muß.<br />
Und während schon einige Erkenntnisse zum Transfer von Lacksplittern auf die Kleidung von Unfallopfern vorliegen, stellt die hier beobachtete deutlich sichtbare Übertragung von Gesichtszügen auf ein Fahrzeug durch bei einem Unfallaufprall darauf übertragenes Makeup wohl ein äußerst seltenes und in der Literatur zuvor nicht beschriebenes Phänomen dar.</p>

<p>Zuletzt noch eine Anmerkung: ich fand die Bezeichnung der Autoren für ihren Artikel etwas unpassend, weil auf dem von ihnen zitierten „Grabtuch" ja angeblich der ganze Körper des hypothetischen Herrn Nazareth „abgebildet" und eben nicht imprimiert ist, wohingegen beim sog. „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abgar-Bild">Abgar-Bild</a>", das ich für meinen Titel wählte, nur die Gesichtszüge des besagten phantastischen Herrn auf ein Tuch "mechanisch übertragen" worden seien. </p>

<p>_____<br />
<small><strong>Literatur: </strong></small></p>

<p><span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=Forensic+science+international&rft_id=info%3Apmid%2F22172499&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=The+modern+holy+shroud.&rft.issn=0379-0738&rft.date=2012&rft.volume=219&rft.issue=1-3&rft.spage=&rft.epage=2&rft.artnum=&rft.au=Schrag+B&rft.au=Pitteloud+S&rft.au=Horisberger+B&rft.au=Fracasso+T&rft.au=Mangin+P&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Medicine%2COther%2Cforensic+science">Schrag B, Pitteloud S, Horisberger B, Fracasso T, & Mangin P (2012). The modern holy shroud. <span style="font-style: italic;">Forensic science international, 219</span> (1-3) PMID: <a rev="review" href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22172499">22172499</a></span></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Fallbericht</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">WTF Forensik</category>
            
            <pubDate>Wed, 04 Jul 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Opfer-DNA im Lauf von Feuerwaffen - Teil 2</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Wie <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/01/opferdna-im-lauf-von-feuerwaffen.php">zuvor</a> angekündigt, gibt es hier nun den Bericht zum zweiten Teil unserer „Zwillingsstudie" über die Analyse von DNA von Opfern von Schußwaffendelikten.<br />
<span style="float: left; padding: 5px;"><a href="http://www.researchblogging.org"><img alt="ResearchBlogging.org" src="http://www.researchblogging.org/public/citation_icons/rb2_large_gray.png" style="border:0;"/></a></span><br />
</p><p>Die Frage, das forensische Problem, das uns umtrieb, war ja, was zu tun ist, wenn nicht der Täter, sondern das Opfer eines Schusswaffendelikts fraglich ist, also<br />
<blockquote> wenn es eine Waffe und ein Opfer gibt, aber keinen Beweis, daß das Opfer mit eben dieser Waffe verletzt oder getötet wurde. Wenn die Kugel, die das Opfer traf, noch vorhanden und nicht stark beschädigt ist, läßt sich ein solcher Nachweis mit ballistischen Methoden führen, doch das ist nicht immer der Fall und wir haben uns gefragt, ob nicht auch DNA des Opfers an oder in einer Feuerwaffe, mit der es angeschossen wurde, gefunden werden kann.</blockquote> Die Ergebnisse der Modellstudie hatten sich ja als sehr ermutigend erwiesen und so hatten wir begonnen, parallel dazu mit unserer Methode auch eine Reihe echter Schußwaffendelikte, deren Opfer an unserem Institut obduziert wurden, zu analysieren. Die Ergebnisse dieses „zweiten Arms" des Projekts liegen nun (auch offiziell, s.u.) vor und... sind sogar noch besser, als die Modellversuche :-) </p>

<p>Aber der Reihe nach: insgesamt haben wir 20 „echte" Fälle in die Studie einbezogen, davon 19 Suizide und 1 Tötungsdelikt. Alle Fälle wurden an unserem Institut obduziert und in allen Fällen konnte autoptisch oder bereits durch die äußere Leichenschau (woran man mal wieder sieht, wie wichtig es ist, <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/04/ein-paradies-fur-morder.php">daß Profis die Leichenschau durchführen</a>) die Abgabe eines aufgesetzten Schusses bestätigt werden. In 17 Fällen gelang zudem eine Schußrückstand-Analyse der Schußhand (ein Spezialgebiet meines rechtsmedizinischen Kollegen), wodurch zusätzliche Erkenntnisse über den Ablauf des Schußvorgangs gewonnen werden können. <br />
Was die Sache ein wenig verkompliziert hat, war, daß wir die beteiligten Schußwaffen nicht immer sofort erhielten und zum Teil bereits ballistische Untersuchungen daran durchgeführt worden waren, bevor man sie uns aushändigte. Das „Angebot" an Waffen war jedenfalls buntgemischt und bisweilen sah es im Büro des Kollegen nicht ganz so aus, als arbeite dort ein überzeugter Pazifist: wir untersuchten Pistolen und Revolver verschiedener Kaliber, darunter eine martialische .357-Magnum, aber auch Gewehre und sogar Schrotflinten (sog. „shotguns"). </p>

<p>Methodisch gingen wir fast identisch vor, wie <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/01/opferdna-im-lauf-von-feuerwaffen.php">hier </a>schon beschrieben: Sobald wir die Waffe erhielten, säuberten wir sehr gründlich die Waffenmündung, um uns keine Kontaminationen einzuhandeln (z.B. durch Leute, die die Waffe vorher angefasst hatten). Dann wischten wir vorsichtig mit einer sterilen und DNA-freien Bakteriette das innere einer (z.B. der oberen) Hälfte des Laufes der Waffe von der Vorderseite aus und mit einer weiteren Bakteriette vom Hinterende aus aus. <br />
Diese „geteilte" Auswischung, das hatten wir bei unseren Modellen gelernt, war notwendig, um noch etwas von der Spur für die Probennahme nach dem Nachschuß übrig zu lassen. Anschließend feuerten wir mit Munition, wie sie bei der Tat eingesetzt worden war, einen weiteren Schuß durch die Waffe in einen Kugelfang ab und wiederholten die Auswischprozedur wie beschrieben für die jeweils andere Laufhälfte. </p>

<p>Wir hatten also pro Waffe und Modell wieder vier "Probenarten": <br />
A) nach dem ersten Schuß, Vorderende <br />
B) nach dem ersten Schuß, Hinterende <br />
C) nach dem zweiten Schuß, Vorderende <br />
D) nach dem zweiten Schuß, Hinterende</p>

<p> Aus dem Blut von den Bakterietten wurde dann DNA <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/03/forensische-genetik-dnaextraktion.php">extrahiert</a>, <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/04/forensische-genetik-dnaquantifizierung.php">quantifiziert</a> und <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/06/forensische-genetik-multiplexstrpcr-und-kapillarelektrophorese.php">amplifiziert</a>, um mit den angereicherten STR-Systemen ein <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/04/forensische-genetik-short-tandem-repeats-und-dnaprofile.php">DNA-Profil erstellen</a> zu können. Die Identifikation des Opfers gelang durch einen Vergleich des Profils aus der Waffe mit dem des Opfers, das wir jeweils unabhängig davon erstellt hatten. Ab 8 (von insgesamt 20 untersuchten) auswertbaren STR-Systemen aus der Waffen-DNA, die mit denen des Opfers übereinstimmen mußten, werteten wir dies als „identifiziert".</p>

<p> Bei einigen Waffen, noch vor der ersten Auswischung, sahen wir uns das Innere des Laufs mit einem ballistischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Endoskop">Endoskop</a> an, um zu prüfen, ob makroskopisch sichtbare Anlagerungen biologischen Materials vorhanden seien und ob sich bei deren Verteilung ein Muster erkennen lasse. </p>

<p><a href="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/lauf innen-31933.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/lauf innen-31933.php','popup','width=627,height=281,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/assets_c/2012/07/lauf innen-thumb-550x246-31933.jpg" width="550" height="246" alt="lauf innen.jpg" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></p>

<p>Wie man auf dem Beispiel im Bild, das zwei Innenansichten aus dem Lauf einer Schrotflinte zeigt, sieht, sind dort teilweise sogar recht grobe Spurenanteile zu finden, die ein gutes Ergebnis bei der DNA-Analyse versprechen. Nach unseren Modellversuchen hatten wir erwartet, auch in realen Fällen DNA in Feuerwaffenläufen nach Schüssen auf biologische Ziele zu finden. Allerdings übertrafen unsere Ergebnisse unsere Erwartungen noch bei weitem, denn nach dem ersten Schuß gelang eine Identifikation mit Proben vom Vorder- (A) bzw. Hinterende (B) in 89% bzw. 59% und zusammengenommen (A+B) 95% der Fälle! Und selbst nach dem zweiten Schuß (= Nachschuß) konnten wir aus den Proben vom Vorder- (C) bzw. Hinterende (D) in 56% bzw. 50% und zusammengenommen (C+D) 63% der Fälle das Opfer noch identifizieren. Da im Realfall ja eine Vierteilung der Proben nicht stattfinden würde, man würde stattdessen immer den ganzen Lauf, nicht nur eine Hälfte, auswischen und die Proben vom Vorder- und Hinterende vereinigen, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit unseres Verfahrens in solchen Fällen sogar noch höher. </p>

<p>Dergestalt ermutigt, besorgten wir uns eine Waffe, die ein Asservat aus einem „cold case", also einem Fall, an dem nicht mehr aktiv gearbeitet wird, war und die sich bereits seit 10 Jahren in Polizeigewahrsam befand. Wir analysierten sie mit unserer Methode und erhielten ein ausgezeichnetes DNA-Profil, das zur Identifikation des Opfers geeignet war. Insgesamt bestätigen diese Befunde, was die ballistischen Modelle schon andeuteten, daß sich nämlich nach aufgesetzten Schüssen DNA im Lauf von Feuerwaffen finden läßt, sie dort auch hartnäckig persistiert und selbst nach Jahren noch für Profiling-Zwecke tauglich sein kann. <br />
Wir haben mit unserer Arbeit eine praxisfähige Methode vorgelegt, um solche DNA-Spuren der forensischen Analytik zugänglich zu machen und werden für ihre routinemäßige Anwendung noch konkrete Empfehlungen für Spurensicherer und Erkennungsdienstler formulieren. </p>

<p>_________ <br />
<strong><small>Literatur</small></strong></p>

<p><span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=Forensic+science+international.+Genetics&rft_id=info%3Apmid%2F22683116&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=Persistence+of+biological+traces+in+gun+barrels+after+fatal+contact+shots.&rft.issn=1872-4973&rft.date=2012&rft.volume=&rft.issue=&rft.spage=&rft.epage=&rft.artnum=&rft.au=Schyma+C&rft.au=Madea+B&rft.au=Courts+C&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Other%2Cforensic+science%2C+forensic+genetics%2C+forensic+ballistics">Schyma C, Madea B, & Courts C (2012). Persistence of biological traces in gun barrels after fatal contact shots. <span style="font-style: italic;">Forensic science international. Genetics</span> PMID: <a rev="review" href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22683116">22683116</a></span><br />
</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">DNA</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Forensik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">forensische Ballistik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">forensische Genetik</category>
            
            <pubDate>Mon, 25 Jun 2012 08:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Analytisches Denken fördert Unglauben</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ein aktuelle Arbeit [1] aus Science zeigt erstmalig empirisch, daß analytisches Denken den religiösen Unglauben fördert. <br />
Auch wenn dieses Ergebnis nicht überraschend ist, fand ich es doch sehr spannend, zu lesen, wie es den kanadischen Kollegen gelungen ist, das nachzuweisen.<br />
<span style="float: left; padding: 5px;"><a href="http://www.researchblogging.org"><img alt="ResearchBlogging.org" src="http://www.researchblogging.org/public/citation_icons/rb2_large_gray.png" style="border:0;"/></a></span></p><p>Um die Ergebnisse jedoch zu verstehen, müssen erst die Prämissen, auf denen die Studie aufbaut, geklärt sein: <br />
In der modernen Kognitionsforschung wird für die Analyse menschlichen Denkens häufig ein sogenanntes "dual process"-Modell verwendet. Dieses Modell geht davon aus, daß im menschlichen Denken zwei "Systeme" für die Informationsverarbeitung nebeneinander existieren. System 1 beruht auf einer recht sparsamen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heuristik">Heuristik</a>, wo mit begrenztem Wissen über eine Situation/ einen Sachverhalt mit Mutmaßungen Aussagen über die Situation / den Sachverhalt getroffen werden, so daß das System schnell zu intuitiven Antworten kommt. Das andere, System 2, beruht hingegen auf bedächtigem <em>analytischem</em> Prozessieren. <br />
Beide Systeme können durchaus parallel laufen, doch kann System 1 von System 2 untergeordnet und unterdrückt werden, wenn eine analytische Tendenz des Denkens aktiviert worden ist und gerade kognitive Ressourcen zur Verfügung stehen (man also Zeit und Ruhe hat, nachzudenken). <br />
Die Theorie des "dual process"-Models hat sich bereits bei zahlreichen Experimenten und Erklärungsversuchen in unterschiedlichen Bereichen bewährt und ist die Voraussetzung für das Verständnis der vorliegenden Studie. </p>

<p>Zu Beginn ihrer Arbeit stellen die Autoren fest, daß es bereits solide Evidenz dafür gibt, daß das Zusammenlaufen intuitiver (also nicht analytischer) kognitiver Prozesse den Glauben an übernatürliche Instanzen (z.B. einen Gott / Götter), der ja ein zentraler Aspekt der meisten Religionen ist, unterstützten und erleichtern. <br />
Diese Prozesse umfassen diverse esoterische Konzepte wie Intuitionen über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie">Teleologie</a>, den Dualismus von Körper und Seele/Geist und Unsterblichkeit der Seele.<br />
Der Glaube an religiöse Konzepte ist also charakterisiert durch die Arbeitsweise des Systems 1. Wenn aber religiöser Glaube durch eine Konvergenz von intuitiven Prozessen entsteht und analytisches Prozessieren (wie System 2 es macht) intuitives Prozessieren einschränken oder unterdrücken kann, dann könnte analytisches Denken den intuitiven Unterbau für religiösen Glauben unterminieren. <br />
Das „dual process"-Modell sagt also voraus, daß analytisches Denken ein Ursprung für religiösen Unglauben sein kann und in der Tat ist bereits Evidenz vorgelegt worden, die diese Hypothese unterstützt [2]. </p>

<p>In der vorliegenden Arbeit wurden drei Ansätze verfolgt, um die Robustheit und Allgemeingültigkeit der Befunde zu belegen: 1.) in einer ersten Untersuchung wurde geprüft, ob individuelle Unterschiede bei der Tendenz, analytisch zu denken, mit geringerem religiösen Glauben zusammenhängen. 2.) in vier weiteren Untersuchungen wurde der ursächliche Zusammenhang belegt, indem geprüft wurde, ob bestimmte experimentelle Manipulationen des analytischen Denkprozesses religiösen Unglauben fördern. Diese Manipulationen waren visuelles und implizites (also gewissermaßen indirektes) <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Priming_%28Psychologie%29">Priming</a> sowie kognitive Disfluenz (also die Beeinträchtigung der kognitiven Verarbeitung von Signalen). 3.) über alle fünf Untersuchungen wurde der religiöse Glaube „gemessen", wobei man auf den Glauben an religiös indossierte übernatürliche Wesen fokussierte.<br />
Die Probanden waren Freiwillige mit verschiedenen kulturellen und religiösen Hintergründen. </p>

<p>Im folgenden erkläre ich kurz die einzelnen oben erwähnten Untersuchungen:<br />
<em>Untersuchung 1 (179 Teilnehmer)</em>: Hier wurde die Leistung bei einer analytischen Denkaufgabe (Anhang A) mit drei verwandten aber unterschiedlichen Maßzahlen für religiösen Glauben korreliert. Die analytischen Denkaufgaben sind  dabei so gestellt, daß die Teilnehmer eine anfängliche Intuition analytisch unterdrücken müssen, um zur richtigen Lösung zu gelangen, denn ein schnelles, intuitives Lesen der Aufgabe verleitet zu einer raschen, leichten aber falschen Antwort. Nach der Denkaufgabe mußten die Teilnehmer drei Fragebögen ausfüllen (Anhang B, C und D). Die drei jeweils aus den Fragebögen abgeleiteten Skalen für die Bewertung des religiösen Glaubens sind dabei stark miteinander korreliert (alle Korrelationskoeffizienten lagen > 0,77, alle P-Werte < 0,001).<br />
Das Ergebnis bestätigte die Hypothese, daß auf der Ebene individueller Unterschiede die Tendenz, intuitives Denken analytisch zu unterdrücken, mit religiösem Unglauben assoziiert war: analytisches Denken erwies sich als negativ korreliert mit allen drei Maßzahlen (aus den drei Fragebögen) für religiösen Glauben (alle Korrelationskoeffizienten lagen < -0,15, alle P-Werte < 0,05).</p>

<p><em>Untersuchung 2: </em>Hier mußten die Probanden zunächst ihren Glauben an Gott auf einer Skala von 1 bis 100 einordnen. Zuvor jedoch wurden sie visuell „geprimt", indem ihnen zufällig ausgewählt eines von vier Bildern eines Kunstwerks, das entweder eine Pose oder Geste des Denkens darstellt (26 Teilnehmer, Beispiel in Anhang E, links) oder eine oberflächlich (z.B. farblich) ähnliche, aber nicht mit Denken in Verbindung zu bringende Position darstellt (31 Teilnehmer, Beispiel im Anhang E, rechts). Zuvor hatten die Autoren nachgewiesen, daß die Primingstrategie auch wirklich geeignet ist, analytisches Denken anzuregen. <br />
Das Ergebnis zeigte, daß die vorherige Betrachtung eines „Denker"-Kunstwerkes den religiösen Unglauben förderte: die Probandenkollektive wiesen signifikante Unterschiede zwischen den Mittelwerten ihrer Skaleneinschätzungen auf (p = 0,03). Ein Priming, das analytisches Denken fördert, reduziert also auch den Glauben an Gott. <br />
Den Autoren war jedoch bewußt, daß die zuvor gezeigte Denkerpose vielleicht etwas zu viel über das Ziel der Untersuchung preisgab, so daß die Probanden möglicherweise dadurch beeinflusst worden waren. Daher sollten für die folgenden Untersuchungen die Manipulationen noch subtiler werden.</p>

<p><em>Untersuchungen 3 und 4:</em> Die Probanden mußten wieder ihren Glauben skalieren. Zuvor jedoch mußten sie als Priming eine Art Sprachtest absolvieren, bei dem Reihen von Wörtern neu arrangiert und sinnvoll geordnet werden sollten. Dieses hier nun implizite (also indirekte) Priming bestand darin, daß ein Teil der Teilnehmer Wortgruppen erhielt, die Worte wie „analysieren", „grübeln", „denken" etc. umfassten, während der andere Teil der Probanden „Kontrollwörter" wie „Hammer", „Schuhe", „springen" etc. erhielt. Auch hier war zuvor nachgewiesen worden, daß die Primingstrategie geeignet ist, analytisches Denken anzuregen.</p>

<p>In Untersuchung 3 wurden 50 Teilnehmer „analytisch" geprimt und 43 Teilnehmer dienten als Kontrollen. Dann wurde allen ein Fragebogen (Anhang D) vorgelegt. Es kam heraus, daß die analytisch geprimte Gruppe eine signifikant niedrigere Gläubigkeit aufwies, als die Kontrollen (p = 0,04). Dabei hatten Wochen vor der eigentlichen Untersuchung bestimmte individuelle Unterschiede im religiösen Glauben keinen Einfluss auf das analytische Priming (p = 0,66).<br />
Untersuchung 4 wiederholte die Prozedur für Untersuchung 3 allerdings mit einem Probandenkollektiv, das landesweit über Onlinebefragungen zusammengestellt worden war und das eine breite Streuung über Alters-, Einkommens- und Bildungsschichten aufwies. Auch hier erhöhte das implizite analytische Priming den religiösen Unglauben (p = 0,03).<br />
Insgesamt wurde festgestellt, daß bereits indirektes Priming für analytisches Denken den religiösen Unglauben befördert.<br />
Um dem möglichen Einwand, daß allein die Tatsache, daß die Probanden vor der Beantwortung der Fragebögen überhaupt etwas tun mussten und dies bereits die Ergebnisse beeinflussen könne, zu begegnen, führten die Autoren noch eine weitere Untersuchung mit noch subtilerem Priming durch:</p>

<p><em>Untersuchung 5:</em> Als Priming wurde hier "kognitive Disfluenz" eingesetzt, von der bekannt ist, daß sie analytisches Denken fördert [3,4]: dabei wird einfach der zu lesende Text in einer schwer zu lesenden Schrift vorgesetzt. Das genügt bereits, um das Abschneiden bei Aufgaben, die analytisches Denken erfordern, zu verbessern. In der Untersuchung legten die Autoren den in Gruppen geteilten Probanden nun je eine Version der Fragebögen vor: die geprimte Gruppe (91 Teilnehmer) erhielt einen Bogen in schwer lesbarer Schrift, der Bogen der Kontrollgruppe (91 Teilnehmer) war in gut leserlicher Schrift gehalten.<br />
Man sieht also, daß, um diesen sehr subtilen Primingeffekt zu bewirken, die Probanden nun nichts mehr extra tun mußten. Dennoch war es auch hier so, daß das durch das Priming angeregte analytische Denken den religiösen Unglauben signifikant förderte (p = 0,04). Auch hier waren Wochen vor dem Experiment individuelle Unterschiede beim religiösen Glauben gemessen und danach festgestellt worden, daß diese keinen Einfluss auf den Effekt ausübten, den das analytische Denken auf den religiösen Glauben hatte (p = 0,96).</p>

<p>Die Manipulationstechniken, die in den verschiedenen Untersuchungen eingesetzt wurden, rufen natürlich unterschiedliche Effekte hervor und bestimmte Einzelbefunde aus einzelnen der Untersuchungen könnten auch anderweitig erklärbar sein und seien grundsätzlich diskutierbar, aber, so die Autoren, es sei schwierig, über alle fünf Untersuchungen und deren ähnlich ausgerichtete Befunde zusammengenommen zu einer anderen Erklärung dafür zu gelangen, daß das analytische Unterdrücken intuitiver Antworten, visuelles und implizites Priming und Priming durch perzeptionelle Disfluenz alle zur Förderung religiösen Unglaubens zusammenlaufen. <br />
Ihre aufgestellte und zu prüfende Hypothese, derzufolge analytisches Prozessieren (s.o.) religiösen Unglauben fördere, erkläre jedoch alle diese Befunde in einem einzigen argumentativen Rahmen, der noch dazu solide von bereits bekannter Evidenz bzgl. der kognitiven Grundlagen für religiösen Glauben bzw. Unglauben gestützt sei.</p>

<p>Es sei, beschließen die Autoren, zwar Vorsicht geboten bei der Interpretation dieser Ergebnisse. Man müsse noch mehr (z.B. unter Einbeziehung weiterer kultureller Kreise) als bisher geschehen ihre Allgemeingültigkeit prüfen. Zudem sei analytisches Denken kaum die einzige Ursache für religiösen Unglauben.<br />
Dennoch liege hiermit erstmalig eine empirische Analyse vor, die, zum wachsenden Literaturhintergrund passend, analytisches Denken als eine kognitive Ursache für religiösen Unglauben vorstellt.</p>

<p>Für mich war das eine sehr spannende und im Ergebnis nicht sehr überraschende Arbeit, da sie empirisch belegt, was ich und viele andere immer vermutet haben: daß in gewissem Ausmaß eine tatsächlich kognitive Unvereinbarkeit besteht, zwischen der intuitiven, also ungeprüften Annahme religiöser Konzepte, die offenbar die Grundlage des Glaubens ist und der Neigung oder Fähigkeit, prüfend zu hinterfragen, zu analysieren oder, anders ausgedrückt, zu zweifeln. </p>

<p>______________<br />
<strong>Anhang</strong></p>

<p><small><strong>A - Aufgabe zum analytischen Denken</strong><br />
1.) Ein Ball und ein Schläger kosten zusammen 1,10 $. Der Schläger kostet 1,00 $ mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? <br />
Intuitive Antwort: 	       10 cent<br />
Analytische Antwort:	5 cent</p>

<p><small>2.) Wenn 5 Maschinen 5 Minuten brauchen 5 Dinger herzustellen, wie lange würden dann 100 Maschinen brauchen, um 100 Dinger herzustellen?<br />
Intuitive Antwort: 	       100 Minuten<br />
Analytische Antwort:	5 Minuten</p>

<p>3.) In einem See gibt es einen Bereich mit Seerosenblättern. Jeden Tag verdoppelt sich die Größe des Bereichs. Wenn nach 48 Tagen der ganze See mit Seerosenblättern bedeckt ist, wie lange hat es dann gedauert, bis der halbe See bedeckt war?<br />
Intuitive Antwort: 	        24 Tage<br />
Analytische Antwort:	47 Tage</small></p>

<p><small><strong>B - Intrinsische Religiosität</strong><br />
-	Mein Glaube betrifft alle Bereiche meines Lebens<br />
-	Ich bin sehr bemüht, meine Religion in alle anderen Bereiche meines Lebens einfließen zu lassen<br />
-	Ich fühle die Gegenwart des Göttlichen in meinem Leben<br />
-	Nichts ist mir wichtiger, als Gott zu dienen, so gut ich kann<br />
-	Mein Glaube schränkt manchmal meine Handlungen ein<br />
-	Man sollte vor jeder wichtigen Entscheidung Gottes Rat suchen<br />
-	Es ist nicht so wichtig, woran ich glaube, solange ich ein moralisches Leben führe<br />
-	Obwohl ich ein religiöser Mensch bin, lasse ich religiöse Überlegungen keinen Einfluss auf meine Alltagsgeschäfte nehmen<br />
-	Obwohl ich an meine Religion glaube, finde ich, daß es viele wichtigere Dinge im Leben gibt<br />
</small><br />
<small><br />
<strong>C - Intuitiver religiöser Glaube</strong><br />
-	Ich glaube an Gott<br />
-	Wenn ich in Bedrängnis oder Not bin, ertappe ich mich dabei, Gott um Hilfe zu bitten<br />
-	Wenn Menschen beten, sprechen sie eigentlich nur mit sich selber<br />
-	Ich verstehe Religion einfach nicht<br />
-	Ich verbringe nicht viel Zeit mit Gedanken über meine Religiosität</small></p>

<p><small><strong>D - Glaube an übernatürliche Wesen</strong><br />
-	Gott existiert<br />
-	Der Teufel existiert<br />
-	Engel existieren<br />
</small><br />
<small><strong>E - Visuelles Priming</strong></small><br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="unglaube 1.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/unglaube%201.jpg" width="563" height="379" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></span><br />
______________<br />
<small><strong>Literatur: </strong></small></p>

<p>[1]<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rft.jtitle=Science&rft_id=info%3Adoi%2F10.1126%2Fscience.1215647&rfr_id=info%3Asid%2Fresearchblogging.org&rft.atitle=Analytic+Thinking+Promotes+Religious+Disbelief&rft.issn=0036-8075&rft.date=2012&rft.volume=336&rft.issue=6080&rft.spage=493&rft.epage=496&rft.artnum=http%3A%2F%2Fwww.sciencemag.org%2Fcgi%2Fdoi%2F10.1126%2Fscience.1215647&rft.au=Gervais%2C+W.&rft.au=Norenzayan%2C+A.&rfe_dat=bpr3.included=1;bpr3.tags=Psychology%2COther%2CNeuroscience">Gervais, W., & Norenzayan, A. (2012). Analytic Thinking Promotes Religious Disbelief <span style="font-style: italic;">Science, 336</span> (6080), 493-496 DOI: <a rev="review" href="http://dx.doi.org/10.1126/science.1215647">10.1126/science.1215647</a></span></p>

<p>[2] Shenhav A, Rand DG, Greene JD. Divine intuition: Cognitive style influences belief in <br />
God. J Exp Psychol Gen. 2011 Sep 19. </p>

<p>[3] Alter AL, Oppenheimer DM, Epley N, Eyre RN. Overcoming intuition: metacognitive difficulty activates analytic reasoning. J Exp Psychol Gen. 2007 Nov;136(4):569-76.</p>

<p>[4] DM Oppenheimer. The secret life of fluency. Trends Cog Sci, 2008 Jun 12(6):237-241</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/06/analytisches-denken-fordert-unglauben.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Psychologie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Unglaube</category>
            
            <pubDate>Fri, 15 Jun 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Süd-Korea ergibt sich den Kreationisten</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Es ist im Jahr 2012 so traurig wie es fassungslos macht: in Süd-Korea wird nun die Evolution aus den Schulbüchern gestrichen und damit dem möglichen wissenschaftlichen Nachwuchs des Landes ein schwerer Schlag versetzt.</p><p><a href="http://www.nature.com/news/south-korea-surrenders-to-creationist-demands-1.10773">Nature</a> berichtet: Letzten Monat hatte eine Petition zur Entfernung aus Schulbüchern von Passagen, die die Evolution erklären und Belege und Beispiele für sie aufführen, Erfolg. Das Ministerium für Erziehung, Wissenschaft und Technologie verkündete, daß viele Schulbuchverlage nun entsprechend abgeänderte Auflagen produzieren. Koreanische Biologen, die natürlich nicht dazu befragt wurden, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen.</p>

<p>Die Kampagne wurde dabei initiiert von der "Gesellschaft für Lehrbuchprüfung", deren Ziel es war "den 'Fehler Evolutionslehre' aus den Lehrbüchern zu tilgen und die Weltsicht der Schüler zu korrigieren". Angesichts solcher Aussagen verwundert es einen kaum, daß die Gesellschaft ein unabhängiger Abkömmling der "Koreanischen Gesellschaft für Schöpfungsforschung" (ja, ich weiß, ich weiß) ist, welche schon seit Jahren PR für Kreationismus in Form von Ausstellungen und Vergnügungsparks (kommt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creation_Museum">bekannt </a>vor, nicht?) macht. <br />
Der Evolutionsbiologe Dayk Jang versucht nun, gegenzusteuern und zusammen mit Kollegen sich der Kampagne entgegenzustellen. Man kann nur hoffen, daß sie dabei Erfolg haben, es wäre wirklich tragisch - und genau das würde passieren - wenn Süd-Korea wegen dieser Schwachsinnigen von der "biologischen Landkarte" verschwinden würde.<br />
</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/06/sudkorea-ergibt-sich-den-kreationisten.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kreationismus</category>
            
            <pubDate>Tue, 12 Jun 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Internationale Atheistentagung - Tag 3</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich berichte vom dritten Tag der<a href="http://www.ibka.org/presse11/tagung2012"> internationalen atheistischen Tagung</a> in Köln. </p><p><em>Zunächst Entschuldigung für die Säumigkeit, schöner wär's, ich weiß, gewiss gewesen, der Bericht wäre etwas zeitnäher an der eigentlichen Veranstaltung erschienen, aber des Alltags Knechtungen ließen's partout nicht zu...</em></p>

<p>Morgens um 9.30 Uhr begann der dritte Tag mit dem sehr guten und energischen Vortrag von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ingrid_Matth%C3%A4us-Maier">Ingrid Matthäus-Meier</a>, einer ehem. Richterin und Bundestagsabgeordneten, die derzeit die Sprecherin der IKBA für deren <a href="http://www.gerdia.de/">Gerdia-Kampagne</a> ist, die sich gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz richtet.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="01.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/01.JPG" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Und zur Vorstellung genau dieser Kampagne diente auch Matthäus-Meiers Vortrag, der damit begann, zahlreiche Beispiele kirchlicher Diskriminierung am Arbeitsplatz vorzustellen und damit die Notwendigkeit einer solchen Aktion zu belegen. Beispiele wie das des <a href="http://www.sueddeutsche.de/karriere/urteil-am-europaeischen-gerichtshof-notwendige-lektion-fuer-die-kirche-1.1003950">Kirchenorganisten</a>, der 14 Jahre untadelig Dienst getan hatte und dem dann wegen "Ehebruchs" fristlos gekündigt worden war. Er mußte sich 13 Jahre durch 7 Instanzen bis zum europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kämpfen, um endlich Recht zu bekommen. Ein aktuelleres Beispiel war das der <a href="http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13936473/Kirche-kuendigt-Erzieherin-nach-Partnertausch.html">Kindergärtnerin</a>, der von der Kirche gekündigt worden war, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte.<br />
Matthäus-Meier machte sehr deutlich, daß der sogenannte "dritte Weg" der Arbeitswelt, der es den (in Deutschland eigentlich nicht vorgesehenen sich aber dennoch so gebärdenden Staats-)Kirchen erlaubt, zahlreiche <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/02/sonderrechte-fur-religion.php">Sonderrechte</a> und Ausnahmen von Pflichten in Anspruch zu nehmen. Dies sei abgeleitet aus einem angeblichen "Selbstbstimmungsrecht" der Kirchen ( laut Artikel 140 Grundgesetz in Verbindung mit Artikel 137 Absatz 3 Weimarer Reichsverfassung), das es, so Matthäus-Meier, in Wirklichkeit gar nicht gebe und wodurch aber dennoch in Deutschland über 40.000 Menschen, die in kirchlichen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, in ihren Grund- und Menschenrechten beschnitten werden. Diese Regelung sei zudem einzigartig in Europa und die Europäischen Richter sollen, als sie sich mit der deutschen Situation zu befassen hatten, ungläubig den Kopf geschüttelt haben.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="02.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/02.JPG" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Matthäus-Meier legte eine reichhaltig mit  Fakten belegte, schlüssige Argumentation vor, die Grundlage der Gerdia-Kampagne und zu umfangreich für eine knappe Wiedergabe an dieser Stelle ist. Es kann (und sollte) sich aber jede(r) <a href="http://www.gerdia.de/node/38">hier</a> über Gerdia, ihre Ziele und <a href="http://www.gerdia.de/node/88">Möglichkeiten, sie zu unterstützen</a>, informieren.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="03.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/03.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Ein echtes Highlight war der anschließende, tolle und leidenschaftliche Vortrag von Leo Igwe.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="04.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/04.JPG" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Igwe ist der Gründer der nigerianischen humanistischen Bewegung und sprach über "Atheismus und Menschenrechte in Afrika", zwei Dinge, die in Afrika, so Igwe, leider keine Schnittmenge haben.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="05.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/05.JPG" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>In seinem Vortrag befasste sich Igwe mit zwei Schwerpunkten: die (kaum bis nicht vorhandenen) Rechte der Atheisten in Afrika sowie Menschenrechtsverletzungen, die auf Glaube und Aberglaube basieren. Er machte sehr deutlich, wie gefährlich es in vielen afrikanischen Ländern sei, insbesondere denen, deren staatlich verordnete Religion der Islam sei, Atheist, Agnostiker oder Freidenker zu sein und dies auch äußern und leben zu wollen. Er sagte sogar, er kenne kein einziges Land in Afrika, das Nichtgläubigen volle Rechte einräume. Er beklagte, daß man aus gebückter Demut und Angst vor der aufwendigen religiösen Be- und Überempfindlichkeit fanatischer Moslems in diesen Ländern die Menschenrechte, einschl. das Recht auf Leben von Nichtgläubigen den jeweiligen Rache-, Säuberungs- und sonstigen Allmachtsphantasien der Schreihälse und religiösen Ankläger unterordne: Nichtgläubige würden nicht wie Menschen behandelt, so, als würden sie nicht existieren oder so, als hätten sie kein Recht, zu existieren. Igwe sagte (übersetzt): "In Afrika ist der Atheismus unsichtbar, aber nicht, weil es keine Atheisten oder Freidenker gäbe, sondern weil es dort für sie, für uns keinen würdigen Raum, keinen menschlichen Raum gibt. Es gibt keine Garantie für Rechte und Würde der Ungläubigen, der Apostaten, der Blasphemiker, wie Freidenker dort genannt werden. Manchmal frage ich mich echt, wer eigentlich wirklich der Blasphemiker ist. Was ist mit dem, der einem weismachen will, daß der Prophet auf einem Pferd in den Himmel gedüst ist? Ich meine, hey, seit wann können Pferde fliegen?"</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="06.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/06.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><small>Auf den Plakaten steht: "Der Islam wird die Welt beherrschen" (links) und "Köpft jene, die den Islam beleidigen" (rechts)</small></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="07.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/07.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><small>Auf dem Plakat steht "Spotte heute, stirb morgen, Dänemark!"</small></p>

<p>Igwe nannte noch einige Beispiele für die beklagenswerten Zustände in seiner Heimat und sprach dann die konkreten Folgen dieser intoleranten Geisteshaltung an, die in krassen Menschenrechtsverletzungen durch Gläubige an Nichtgläubigen aber auch - ganz Mittelalter - an des Nichtglaubens oder gar der Hexerei beschuldigten gipfelten, wovon häufig Kinder und Frauen betroffen sind. Dabei reiche bereits eine Anklage, so Igwe, um ohne Prozess oder Nachfrage eine Strafaktion gegen eine beschuldigte Person zu bewirken.<br />
Auch hier nannte er diverse Beispiele und zeigte betroffen machende Bilder. Besonders im Gedächtnis ist mir die kleine Esther (8) geblieben, die wegen angeblicher Hexerei entführt und mißhandelt wurde und die Igwe selbst befreien konnte (<a href="http://www.wissenrockt.de/2011/01/28/nigeria-leo-igwe-befreit-hexen-madchen-15837/">hier</a> mehr dazu). </p>

<p>Igwes Vortrag war zwischendurch sehr emotional und man merkte ihm an, wie wichtig ihm seine Sache ist und daß er persönlich schon mit Problemen, Widerständen und Gefahren zu tun hatte, die einem westeuropäischen Atheisten wohl eher nur in Alpträumen begegnen. Igwe ist dabei trotzdem ein echter Alleinunterhalter: ernst aber auch witzig, laut aber auch leise mit phänomenalem Minenspiel. Gut, daß es Menschen wie ihn gibt. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="08.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/08.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Nach Leo Igwe sprach Valentin Abgottspon, der von einem Problem erzählte, das, wie er selber betonte, im direkten Vergleich zu den Zuständen in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern, verblasste, für sich genommen und angesichts der Tatsache, daß es sich in der Schweiz ereignete, dennoch einen Eklat darstellt.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="09.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/09.JPG" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Ich kann mich hier kurz fassen, da Abgottspon selbst leidlich fleissig bei seiner PR ist. Wie man oben auf dem Bild sieht, bot er zahlreiche Möglichkeiten an, sich über ihn zu informieren (z.B. bei <a href="http://de-de.facebook.com/valabg">Facebook</a>), über seine Geschichte zu lesen und ihn zu <a href="http://www.frei-denken.ch/de/2011/06/prozessunterstutzung-fur-valentin-abgottspon/">unterstützen</a>. Abgottspon wurde Opfer der korrupten und die Trennung von Staat und Kirche wahlweise als nicht erwünscht oder nicht gegeben auffassenden Verhältnisse in seinem Schweizer Kanton Wallis. Er war dort Lehrer an einer Schule und wurde gefeuert, weil er sich für säkulare Schulen einsetzte und sich weigerte, in seinen Klassen ein Kruzifix an der Wand zu dulden. Im Vortrag legte er dar, wie es zu der fristlosen Entlassung kam, wie die Situation in der Schweiz beschaffen ist, was seither passiert ist und welche Lehren die säkulare Bewegung aus solch haarsträubenden Vorkommnissen ziehen kann. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="10.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/10.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Sehr vielsagend war dabei der Brief voller christlicher Nächstenliebe (einschl. Empfehlung und Anleitung zum Selbstmord), den ihm ein "Kirchgänger" anlässlich des Streits zukommen ließ:</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="11.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/11.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Im Anschluss sprach die US-amerikanische <a href="http://skepchick.org/">Bloggerin</a> , <a href="http://www.theskepticsguide.org/">skeptische Podcasterin</a> und Feministin Rebecca Watson.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="12.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/12.JPG" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Sie befasste sich mit zwei Problemen: zunächst beklagte sie, daß US-fundamentalistische Christen zum Teil mit Beihilfe der Gesetzgeber und der Justiz immer wieder und immer mehr gegen die Grundrechte der Frauen sturmliefen, indem sie Gesetze erließen bzw. Urteile fällten, die z.B. das Recht auf Selbstbestimmung und Verfügung über den eigenen Körper beschnitten.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="13.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/13.JPG" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Angesichts dieser Mißstände sei es umso wichtiger, daß die säkulare und humanistische Bewegung sich (noch) mehr für die Rechte und Freiheiten der Frauen einsetze. Und hier eröffnete sie ihr zweites Problem, daß nämlich Frauen in der "atheistischen Szene" beklagenswert unterrepräsentiert seien, da es dort häufig wie in einem sexistischen Männerclub zugehe (<a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2011/09/elevatorgate-rebecca-watson-und-die-stalker.php">Elevatorgate</a> nannte sie nur als ein Beispiel). Sie rief dazu auf, zu Tagungen wie dieser (auf der es gerade einmal 4 weibliche Vortragende gab) mehr Sprecherinnen einzuladen - wofür sie das Amazing Meeting als positives Beispiel nannte - und generell eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Frauen wohl und anerkannt fühlen und sich darauf verlassen können, daß mögliche Übergriffe oder Nötigungen auch konsequent geahndet würden. Sie berichtete dann auch, wie sie es in ihrem eigenen Blog durch eine modifizierte Themenwahl erreicht habe, daß sich die Leserschaft nun zu ca. 50% aus Frauen zusammensetze.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="14.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/14.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Watson ist eine unterhaltsame, energische Sprecherin und wer mag, kann sich den ganzen Vortrag hier selber anhören: <br />
<iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/Q985XL7G1F8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>Der letzte Vortrag der Tagung war von Carsten Frerk, dem Chefredakteur des <a href="http://hpd.de/">Humanistischen Pressedienstes</a>, zum Thema "Finanzen und Organisation der Weltanschauungen in Westeuropa".</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="15.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/15.JPG" width="500" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Er legte Zahlen und Daten vor, die im Auditorium immer wieder für entsetztes bzw. empörtes Ächzen sorgten. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="16.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/16.JPG" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Frerk ist dabei ein klarer Kenner der Materie und statt hier jetzt die von ihm genannten deprimierenden Daten nachzuschreiben, die alle in die selbe Richtung deuten, nämlich daß es auch in öffentlich-finanzieller Hinsicht keine vollzogene Trennung zwischen Staat und Kirche gibt, verweise ich lieber auf die seinem Vortrag zugrundeliegenden Standardwerke "<a href="http://www.amazon.de/Finanzen-Verm%C3%B6gen-Kirchen-Deutschland-Carsten/dp/3932710398">Finanzen und Vermögen der Kirche in Deutschland</a>", "<a href="http://www.amazon.de/Caritas-Diakonie-Deutschland-Carsten-Frerk/dp/3865690009/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1339403344&sr=1-1">Caritas und Diakonie</a>" und "<a href="http://www.amazon.de/Violettbuch-Kirchenfinanzen-Staat-Kirchen-finanziert/dp/3865690394/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1339403519&sr=1-1">Violettbuch Kirchenfinanzen - Wie der Staat die Kirchen finanziert</a>", worin sachkundig u.v.a. belegt wird, wie bedenklich die ganze Gesellschaft von "kirchlichen Rechtsträgern", die überall Grundbesitz, Immobilien oder Firmenbeteiligungen halten, durchsetzt ist, welch' obszöne Summen auch der konfessionslose Steuerzahler trotzdem und nach wie vor den Kirchen zwangsweise zukommen lässt, wofür diese Gelder wirklich verwendet werden (soziale Zwecke sind es nur zu einem beschämend kleinen Bruchteil) und daß das den Kirchen zugeschriebene und in den Augen vieler deren letzten verbliebene Nutzen und Berechtigung ausmachende karitative Engagement größtenteils durch öffentliche Mittel finanziert wird.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="17.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 3/17.JPG" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Mit Frerks Vortrag und letzten Worten von René Hartmann endete diese, in meinen Augen sehr gelungene und wichtige Tagung. Ich freue mich schon auf die nächste und lasse meinen Bericht zu dieser ausklingen mit einem kurzen "Abspann" </p>

<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/mud40QMGIiE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/06/internationale-atheistentagung-tag-3.php</link>
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            <pubDate>Mon, 11 Jun 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Internationale Atheistentagung - Tag 2, Teil 2</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich berichte vom zweiten Tag der<a href="http://www.ibka.org/presse11/tagung2012"> internationalen atheistischen Tagung</a> in Köln. Zweiter Teil.</p><p>Nach der Mittagspause schaffte ich es leider nicht pünktlich zurück zum Tagunsort, daher kann ich leider nicht über die Vorträge von Paul Schulz ("Vorstellung der atheistischen Enzyklopädie <a href="http://www.atheodoc.com/">ATHEODOC</a>") und Joachim Kahl ("Atheismus in der Kunst") berichten. Falls jemand da war und einen Bericht schreiben möchte, will ich ihn aber gerne hier veröffentlichen. <br />
Ich war wieder vor Ort, als es mit Annie Laurie Gaylor, Co-Präsidentin der US-amerikanischen Freedom from Religion Foundation, <a href="http://ffrf.org/">FFRF</a>, (= Stiftung für die Freiheit von Religion) und Ehefrau von Dan Barker (s. <a href="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/05/internationale-atheistentagung-tag-1.php">Tag 1</a>) und ihrem Vortrag "God Fixation Will Fix No Nation", mit der sie die FFRF vorstellte, weiterging. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="15.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/15.jpg" width="550" height="300" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Zu Beginn rief Gaylor ihren Mann, Dan Barker, auf die Bühne ans Klavier und er begleitete uns während das Auditorium "Die Gedanken sind frei" auf Englisch und Deutsch durcheinander sang. Klang ziemlich originell :-)</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="16.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/16.jpg" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Im folgenden berichtete sie von ihren Erfahrungen als Mitbegründerin der FFRF und informierte über Bestrebungen und Bemühungen der Stiftung, religiöse Priviliegien aber auch Unterwanderungen der in der US-Verfassung eindeutig vorgesehen Trennung von Staat und Kirche zu beseitigen, eine Trennung, wie Gaylor betonte, die in einer Demokratie äußerst wichtig ist. Beispiele für die Aufweichung dieser Trennung seien der Gottesbezug auf der amerikanischen Währung ("in god we trust") oder der Versuch, immer wieder Kreationismus in den Lehrplan von Schulen zu schmuggeln.<br />
Gaylor berichtete auch von einem besonders krassen Fall aus dem US-Staat "Rhode Island", wo die Schülerin Jessica Ahlquist sich über das etwa drei Meter hohe „prayer banner" in ihrer Schule beschwert und seine Entfernung verlangt hatte. Ein Gericht gab ihr Recht, ein solches Banner in einer Schule ist nicht konform der US-Verfassung und mußte entfernt werden. <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/jung/amerika-kreuzzug-fuer-den-atheismus-11630355.html">Hier</a> eine Zusammenfassung der Ereignisse. <br />
Daß Jessica dafür vom demokratischen (!) Politiker Peter Palumbo als "bösartiges kleines Stück" ("evil little thing") bezeichnet wurde, war leider nur eine der weniger schlimmen Folgen, denn sie erhielt von den guten Christen aus Rhode Island auch so zahlreiche Todeswünsche und Androhungen von Gewalt und sogar Vergewaltigung, daß sie unter Polizeischutz zur Schule gehen mußte! Ich war jedenfalls wieder einmal entzückt von soviel christlicher Nächstenliebe...<br />
Die FFRF unterstützt Jessica und wer ebenfalls helfen möchte, kann z.B. sein/ihr Motto-Shirt <a href="http://www.evillittleshirts.com/">hier </a>erhalten. </p>

<p>Die FFRF betreibt aber auch "positive" PR für den Atheismus. Sie will zeigen, daß Atheisten, entgegen der Annahme mancher Leute, keine verbitterten, vereinsamten und am Leben gescheiterten Eigenbrödler sind, sondern daß wir überall und mitten in der Gesellschaft sind und nicht trotz sondern wegen unserer Freiheit von aller Religion, ein gutes, zufriedenes Leben führen können und die meisten Leute seien schon, ohne es zu wissen, Atheisten begegnet. Die entsprechende Kampagne der FFRF heißt "This Is What An Atheist Looks Like" (Ü: "So sehen Atheisten aus"). Auf Plakaten werden Menschen gezeigt, die sich zu ihrer atheistischen Überzeugung bekennen, ihr Gesicht zeigen und sagen: "So sehen Atheisten aus", um zu helfen, das negative Image, das der Atheismus mancherorts hat, zu bekämpfen.<br />
Gaylor zeigte einige Beispiele, darunter das erste veröffentliche Plakat der Kampagne:</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="Atheistlookslikelarge.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/Atheistlookslikelarge.jpg" width="550" height="120" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Eine weitere Kampagne der FFRF ist die "Out of the closet"-Kampagne: Als Gegengewicht zu den üblichen und häufig in den USA anzutreffenden Riesenplakaten oder -schildern, auf denen wahlweise dem Ungläubigen die Hölle angedroht bzw. die rettende Hand eines antiken jüdischen Handwerkers angeboten wird o.ä., werden in besonders religiösen Staaten der USA von der FFRF nun Plakate mit einer etwas anderen Botschaft aufgestellt: sie zeigen jeweils das Gesicht eines (manchmal auch bekannten) Menschen, ein kurzes Zitat und eine Information, wer der Mensch ist. Ich finde: eine schöne Idee.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="atheist 1.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/atheist%201.jpg" width="550" height="200" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="atheist 2.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/atheist%202.jpg" width="550" height="200" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="17.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/17.jpg" width="550" height="450" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Im Anschluss trat Taslima Nasrin auf, eine Schriftstellerin, Aktivistin und zum Atheismus dekonvertierte Ex-Muslima, die in ihrem stillen und in sich gekehrten Vortrag dennoch sehr eindringlich und ergreifend die Geschichte ihres Lebens erzählte.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="18.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/18.jpg" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Wie sie in Bangladesch, einem islamischen Land, in dem Frauen nicht viel mehr sind als fast rechtlose Besitztümer, zur Welt kam, wie sie schon als Kind erste Zweifel an den religiösen Dogmen, die ihre Mutter ihr einflösste, entwickelte und wie sie gegen alle Widerstände aber gefördert von ihrem Vater es schaffte, ihr Medizinstudium abzuschließen, ohne vorher zwangsverheiratet zu werden.<br />
Sie berichtete von ihrer Flucht 1994, nachdem sie einer im Islam typischen Reaktion auf Kritik (= Todesdrohung) teilhaftig geworden war und davon, wie sie heimatlos als Gejagte der "Religion des Friedens" von einem Exil ins nächste getrieben wurde. Und während sie von der westlichen Welt mit Preisen für ihr Engagement geehrt wurde (UNESCO-Preis für die Förderung von Toleranz und Gewaltlosigkeit, Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Europäischen Parlaments, Erwin-Fischer-Preis des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten) kamen aus der islamischen Welt immer nur weitere Drohungen, Geldangebote für ihre Ermordung und sogar manifeste, gewalttätige Angriffe.<br />
Nasrin ist standhaft, ist <a href="http://">sichtbar</a> und hörbar geblieben und hat sich nicht einschüchtern lassen: sie kämpft und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Taslima_Nasrin#Werke">schreibt </a>weiterhin für die Gleichberechtigung von Frauen überall auf der Welt und gegen die religiöse Unterdrückung von Minderheiten und dafür gebührt ihr mein Respekt und meine Anerkennung.<br />
Die letzten, anrührenden Worte ihres Vortrages gebe ich wörtlich (aber übersetzt) wieder: <br />
"Ich bin eine Fremde in meinem eigenen Land, eine Fremde in Indien und eine Fremde im Westen. Das Exil ist für mich wie eine Bushaltestelle, wo ich auf einen Bus warte, der mich nach Hause bringt. Dennoch empfinde ich kein Heim als meine Heimat, kein Land als mein Land. Es ist ein hoffnungsloses, hilfloses Gefühl, heimatlos zu sein. Doch... ich habe ja eine Heimat, ja ich glaube, ich habe eine Heimat: eine Heimat und ein Zuhause, das aus einer Familie von Menschen besteht, Männer und Frauen, die den Kräften der Dunkelheit und der Ignoranz trotzen. Sie sind meine wahre Heimat, die Herzen dieser Menschen sind mein Zuhause und meine einzig sichere Zuflucht, mein Schutz und mein Rückzugsort. Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, den ich Heimat nennen kann, das ist wahr, doch die Menschen, die mich unterstützen und mit mir sympathisieren und mich begleiten: sie sind meine Heimat, sie sind mein Land. <br />
Die Zuneigung, die mir von Atheisten, Säkularisten, Freidenkern und Humanisten zuteil wird ist meine Heimat, in der Zuneigung, die ich von Euch empfange, dort ist meine Heimat.<br />
Ich bedaure die Arbeit, die ich bisher getan habe nicht, ich bedaure kein Wort, das ich geschrieben habe. Ich werde meinen Kampf gegen Extremisten, Fundamentalisten und gegen die intoleranten Mächte kompromisslos fortsetzen, bis zu meinem Tod und ich bleibe meiner Sache treu. Dankeschön!"</p>

<p>Es gab standing ovations...</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="19.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/19.jpg" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Den letzten Vortrag des zweiten Tages mit dem Titel "Willkommen in der Matrix - Auch Dummheit will gelernt sein" präsentierte der Schriftsteller und Vorstandssprecher der <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/">Giordano-Bruno-Stiftung</a>, Michael Schmidt-Salomon.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="20.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/20.jpg" width="550" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>"Die Dummheit, meine Damen und Herren, ist die große Konstante der menschlichen Geschichte, die einzige Weltmacht, die seit Jahrtausenden Bestand hat." Mit dieser forschen These ging es los. </p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="21.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/21.jpg" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Schmidt-Salomon begreift diese allgemeine Verdummung, die man nur aus einer räumlichen oder zeitlichen Distanz erkennen könne, als eingebettet in und ermöglicht durch eine "kulturelle Matrix", wodurch auch in eigentlich säkularen Ländern das politische Denken durch religiös bedingte (Schmidt-Salomon schöpfte dafür den Begriff "religiotisch") Denkirrtümer sei. Dem "homo sapiens" stellt er zur Verdeutlichung den "homo demens" gegenüber, zu dem jener erschreckend häufig degeneriere. Schmidt-Salomon verortet die Quelle der Verdummung in frühkindlicher religiöser Indoktrination und um sein Argument zu verdeutlichen, zitierte er  Sigmund Freud: "Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. Wäre es so ganz unmöglich, dass gerade die religiöse Erziehung ein großes Teil Schuld an dieser relativen Verkümmerung trägt?" <small>(aus:  Die Zukunft einer Illusion - Leipzig IPV 1927. Kapitel IX)</small></p>

<p>Schmidt-Salomon und sieht eine biologische Wurzel des Problems in der menschlichen Neigung und Fähigkeit zur perfekten (= vollständigen aber eben auch unnütze Teile nicht weglassenden) Nachahmung von Vorgemachtem.  Dazu zeigte er einen faszinierenden kurzen Film, der das eindrucksvoll unter Beweis stellt:</p>

<p><iframe width="420" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/6zSut-U1Iks" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>Ohne die Bereitschaft, das Verhalten anderer perfekt nachzuahmen, könnte keine Tradition entstehen, könnten keine komplexen Fähigkeiten, bei denen der Nutzen der Einzelelemente nicht immer offensichtlich ist, dazu gehören zum Beispiel und insbesondere Sprache, Rechnen und Wissenschaft, weitergegegeben und gelernt werden:</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="23.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/23.jpg" width="550" height="350" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Die "kulturelle Matrix", die diesen durch das Nachahmungsverhalten geleiteten Lernprozess lenkt, definiert Schmidt-Salomon als "Programm zur gesellschaftlichen Normierung individueller Denk-, Empfindungs- und Handlungsgewohnheiten".<br />
Im folgenden argumentierte Schmidt-Salomon, "daß es eben nicht am fehlenden Weltethos, sondern an fehlender Intelligenz" liege, daß sich so wenig zum besseren verändere. Die erschütternde Wahrheit sei, daß wir nicht zu böse, sondern zu dumm seien, um gerechtere Verhältnisse zu schaffen, weil wir ein System geschaffen haben, das die Rationalität des Einzelnen "mit tödlicher Präzision zur Grundlage eines kollektiven Irrsinns" mache, wodurch wir Entscheidungen treffen, die innerhalb der Matrix als „klug", ja sogar „vernünftig" erscheinen, obwohl sie in Wahrheit von beträchtlicher Dummheit seien.</p>

<p>Bei dieser "Schwarmdummheit" handele es sich um die exakte Umkehrung jener „Schwarmintelligenz", die wir beispielsweise bei Ameisen beobachten können: während sich aus der individuellen Beschränktheit der Ameisen eine kollektive Intelligenz ergebe, resultiere aus der individuellen Intelligenz der Menschen eine kollektive Beschränktheit. </p>

<p>Die einzig mögliche Lösung liege, so Schmidt-Salomon, in einer Veränderung und Verbesserung des Bildungssystems und des Bildungsanspruches. Das Grundübel sehe er darin, dass das „Abenteuer Wissen" den Kindern meist auf derart langweilige Weise vorgesetzt werde, dass sie schon nach kurzer Zeit genau die Eigenschaft verlieren, die sie von Natur aus so sehr zum Lernen befähigt: die Neugier, womit sich der Kreis zum Freud-Zitat (s.o.) schloss. Auch die Lehrerinnen und Lehrer müßten deutlich besser darin werden, ihre Schüler zu begeistern, denn ohne Begeisterung werde Lernen zu einer geistlosen Aneignung entfremdeten Wissens. Es müsse also eine Denkförderung her. Stattdessen sei, was derzeit vermittelt werde in etwa: „Schere dich nicht um Argumente! Gehe den Dingen nicht auf den Grund! Sei kein Narr, der gegen die Absurditäten des Systems aufbegehrt, sondern ein Narr, der der dummen Horde folgt! Frage niemals nach dem Sinn des Ganzen, sondern passe dich an die herrschenden Gepflogenheiten an - auch wenn sie noch so himmelschreiend blöde sind!"</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="24.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/24.jpg" width="550" height="350" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Dem konnte ich, gerade als Biologe, nur zustimmen. Schöner, kluger Vortrag und ein runder Abschluss des Tages :-)</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="22.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/Tagung 2/22.jpg" width="370" height="500" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Ende Teil 2</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/06/internationale-atheistentagung-tag-2-teil-2.php</link>
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            <pubDate>Sun, 03 Jun 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>ScienceSlam &amp; Co.</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Morgen Abend findet im "Bogen2" der <a href="http://www.scienceslam.de/koeln/">Kölner Scienceslam</a> statt und ich werde mich einmal dort versuchen.</p><p>Adresse:<br />
Trankgasse 20 (Hohenzollernbrücke)<br />
50677 Köln</p>

<p>Einlass: 20:15 Uhr<br />
Beginn: 21 Uhr<br />
Eintritt: 5 €</p>

<p>Florian von naklar.at nebenan hat schon kurz über diese moderne Form der Wissenschaftskommunikation <a href="http://www.scienceblogs.de/naklar/2012/05/post.php">geschrieben</a> - auch ich finde das Konzept sehr interessant und deshalb heißt es wieder mal:<br />
<iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/-nFz723miRc" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>*****<br />
Vor einiger Zeit war ich beim Radio "<a href="http://www.koelncampus.com/">Kölncampus</a>" in der Sendung "KlärWerk" zum Thema "<a href="http://koelncampus.com/kc/page/28/18id/12676/programmtips_detailansicht.html">Kriminalistik</a>". Der Auftritt wurde mitgeschnitten und ist <a href="http://youtu.be/tyXLIc0Fd7c">hier</a> zu hören.</p>

<p>*****<br />
Last but not least: blooD'N'Acid hat seit einer Weile auch einen <a href="http://www.facebook.com/bloodnacid">Facebook-Auftritt</a>. Dort werden immer mal Updates zu den Posts und andere interessante Infos aus Wissenschaft & Skeptizismus zu finden sein. Wer möchte, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen :-)</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2012/05/heute-beim-scienceslam-in-koln.php</link>
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            <pubDate>Wed, 30 May 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
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    </channel>
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