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        <title>Gesundheits-Check</title>
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        <lastBuildDate>Sat, 26 May 2012 10:28:53 +0100</lastBuildDate>
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            <title>Arbeitsschutz: Top bei Großbetrieben, Nachholbedarf bei Kleinbetrieben?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Arbeit ist der gesellschaftliche Prozess, der unser ganzes Leben in Gang hält. Ohne Arbeit kein menschliches Dasein. Einerseits. Anderseits kann Arbeit auch Menschen zerstören, sie kann ausbeuterisch sein, sie kann krank machen. Es kommt eben darauf an, wie sie organisiert ist. </p><p>Arbeitsschutz ist ein Ansatz, Arbeit menschlich, menschengerecht, zu gestalten. So steht es auch in § 2 des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsschutzgesetz" rel="nofollow">Arbeitsschutzgesetzes</a>. Verantwortlich dafür ist in erster Linie der Arbeitgeber. Er hat als Eigentümer die Verfügungsgewalt über Arbeitsstätten, Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe und muss daher dafür sorgen, dass daraus möglichst keine Gefährdungen für die Gesundheit der Beschäftigten resultieren. Unterstützt - und kontrolliert - wird er dabei u.a. durch die staatlichen Arbeitsschutzbehörden und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Unfallversicherung_in_Deutschland" rel="nofollow">Unfallversicherungsträger</a> (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen). </p>

<p>Beide, die Arbeitsschutzbehörden und Unfallversicherungsträger, haben lange Zeit eher nebeneinander her als miteinander gewirkt. Seit einigen Jahren verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz sie unter dem Dach der <a href="http://www.gda-portal.de/de/Startseite.html" rel="nofollow">„Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie"</a> zu einer systematischeren Zusammenarbeit als früher. Sie sollen auf gemeinsame Ziele hinarbeiten, ihr Vorschriftenwerk harmonisieren und auch ihre Überwachungspraxis so weit wie möglich an einheitlichen Bewertungsmaßstäben ausrichten.</p>

<p>Dieser Prozess wird evaluiert und seit kurzem sind vorläufige Daten aus einer Unternehmens- und einer Beschäftigtenbefragung dieser Evaluation freigegeben. Dabei sind ganz interessante Dinge herausgekommen. Der Arbeitsschutz wird nämlich von der Mehrheit der Unternehmen nicht als bürokratische Last gesehen, sondern als nützlich. 73 % der Großbetriebe meinen sogar, dass Arbeitsschutz hilft, Kosten zu senken. In den mittelgroßen Betrieben (50 bis 250 Beschäftigte) sind es immerhin noch 65 %. Selbst in Kleinbetrieben (10 bis 50 Mitarbeiter) waren es noch mehr als die Hälfte der Betriebe. Die meisten Unternehmen fühlen sich zudem von den Aufsichtsdiensten kompetent beraten. Diese positive Wahrnehmung war so nicht zu erwarten, vielleicht sollten manche Arbeitgeberfunktionäre ihre ideologischen Vorbehalte gegen den Arbeitsschutz einmal überdenken.</p>

<p>Allerdings gibt es auch ausgesprochen kritische Punkte. Die nach Arbeitsschutzgesetz für alle Unternehmen vorgeschriebene „Gefährdungsbeurteilung", d.h. die Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Belastungen an den Arbeitsplätzen, wird zwar praktisch von allen Großbetrieben durchgeführt, bei der Mehrzahl der Kleinbetriebe aber nicht bzw. nicht ordnungsgemäß. Das ist zwar nichts Neues, das wusste man im Prinzip auch schon vorher, aber das macht die Sache nicht besser und jetzt hat man dazu recht differenzierte Daten. 85 % der Betriebe, die keine bzw. keine ordnungsgemäße Gefährdungsbeurteilung durchgeführt haben, gaben als Grund dafür an, es gäbe keinen Bedarf, weil keine nennenswerte Gefährdung gesehen werde. Das festzustellen, wäre aber gerade die Funktion der Gefährdungsbeurteilung und oft gibt es auch in den Kleinbetrieben erhebliche Gefährdungspotentiale, sie werden aber häufig nicht ernst genommen oder einfach als „branchentypisch" akzeptiert. Bei den Kleinbetrieben muss man sich offensichtlich noch etwas einfallen lassen. Ganz davon abgesehen, dass man auch sonst nicht selbst entscheiden darf, ob man sich an ein Gesetz hält oder nicht.</p>

<p>Die Evaluation der ersten Phase der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (2008-2012) besteht im Wesentlichen aus einer „Nullmessung" - aus der Beschreibung des Ist-Zustands zu Beginn der koordinierten Interventionen. In der zweiten Phase (2013-2018) wird es dann stärker auch darum gehen, ob die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie ihrem Auftrag gerecht wird und die Arbeitsbedingungen menschengerechter werden. Ein Schwerpunktthema der zweiten Phase wird übrigens die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz sein.</p>

<p>Die Evaluationsergebnisse werden in absehbarer Zeit veröffentlicht und es dann hoffentlich auch der Bundesregierung erschweren, zu sagen, man habe keine Kenntnisse über die Zahl durchgeführter Gefährdungsbeurteilungen, wie vor kurzem noch in einer <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/02/arbeitsbedingte-erkrankungen-ahnungslose-bundesregierung-oder-missachtung-des-parlaments.php" rel="nofollow">Antwort auf eine parlamentarische Anfrage</a> zu lesen war.<br />
</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Sat, 26 May 2012 10:28:53 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wissenschaftstheorie, Wissenschaftspraxis, Wissenschaftspolitik - die unendliche Geschichte esoterischer Betätigungen an der Viadrina</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Vorwürfe esoterischer Betätigungen am „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften" der Viadrina, Frankfurt/Oder, gehen seit einiger Zeit durch die <a href="http://pdf.zeit.de/zeit-wissen/2011/04/Dossier-Esoterik-Esoterisierung.pdf" rel="nofollow">Medien</a>. Durch Debatten hier auf <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/04/gericht-sagt-global-scaling-ist-betrug.php" rel="nofollow">scienceblogs</a> und auf <a href="http://blog.esowatch.com/?cat=7" rel="nofollow">esowatch</a> ist jetzt noch einmal eine Masterarbeit an jenem Institut ins Visier der Kritik geraten. Titel: <a href="http://www.fostac.ch/de/docs/kurse/kozyrev-prinzip-masterarbeit-dr.med.-peter-conrad-2011.pdf" rel="nofollow">„Der Kozyrev-Spiegel in der Praxis"</a>.</p><p>Diese Arbeit eines Berliner Orthopäden ist ein Beispiel für die völlige Entgleisung akademischer Qualitätsstandards. Da werden in einer Aluminiumhülle geheimnisvolle telepathische Erfahrungen gemacht, da werden Raum-Zeit-Löcher generiert, da ist von „Zeitwellen", von „abzuschirmender Zeitenergie" und einer Menge anderer Merkwürdigkeiten die Rede, die auf den ersten Blick als absurder Unsinn zu erkennen sind. Dazu nur zwei Beispiele: </p>

<p><i>„Ausgangspunkt der Zeitwellen-Theorie ist die Entdeckung (Vision von) einer physikalischen Strahlung, welche alle Lebewesen und Himmelskörper aussenden. Diese Strahlung dient dem Informationsaustausch, ist eng mit der Raum-Zeit verbunden und beeinflußt alle materiellen Körper in der physikalischen Raum-Zeit"</i>.</p>

<p>Und über die Zeitwellen:</p>

<p><i>„Sie sind mit bestimmten Materialien spiegelbar, dabei kehrt sich das Vorzeichen um. Das bedeutet, daß im Zeitwellenmuster auch immer Informationen aus der Vergangenheit und aus der Zukunft enthalten sind"</i>.</p>

<p>Behauptungen wie die erste kann man sonst nur in astrologischen Werken lesen, die zweite vielleicht in Science Fiction-Romanen. Die ganze Arbeit ist eine akademische Ungeheuerlichkeit. Dennoch wurde sie vom amtierenden Institutsdirektor Prof. Dr. Dr. Harald Walach und seinem Juniorprofessor Prof. Dr. Stefan Schmidt angenommen und sogar als „hervorragende" Arbeit gewürdigt. Guttenbergs Dissertation konnte man immerhin noch zugutehalten, dass sie - wenn auch weitgehend abgeschrieben - einen sinnvollen und wissenschaftlich gehaltvollen Text darstellt. Die Frankfurter Masterarbeit ist einfach nur Nonsens. Wie kann so etwas geschehen?</p>

<p>Walach sagt, und jetzt wird es ganz krude, die „Kozyrev-Theorie" sei zwar „abgedreht", aber die Masterarbeit beschreibe „ein relativ pfiffiges Experiment". Daher würde die Arbeit demnächst auch einem peer-reviewten Journal vorgelegt. Das „einzige Kriterium von Wissenschaft" sei „gute Methodik". Das sei bei dieser Arbeit der Fall, sie sei „mit einer dreifach verblindeten, randomisierten Methodik durchgeführt." Dass man auch „abgedrehte Theorien" methodisch korrekt untersuchen kann, ist zwar richtig. In diesem Fall wurde untersucht, ob sich mit einem „Kozyrev-Spiegel", also der wunderlichen Aluminium-Vorrichtung, intuitive Fähigkeiten von Versuchspersonen verbessern lassen. Der Autor der Arbeit kommt zu einem positiven Ergebnis. Es sei einmal dahingestellt, ob nicht schon das affirmative Aufgreifen der Kozyrev-Theorie die Arbeit hätte disqualifizieren müssen, es sei auch dahingestellt, ob die Methode wirklich „pfiffig" und der Fragestellung angemessen war, aber spätestens bei der Ergebnisdiskussion gibt es keinen Spielraum mehr: Wenn man die Befunde nicht vernünftig, z.B. psychologisch deutet, sondern im Rückgriff auf die physikalisch nicht haltbare, selbst nach Walach „abgedrehte" Kozyrev-Theorie, muss Schluss sein. Was aller Vernunft widerspricht, ist keine Wissenschaft. </p>

<p>Davon abgesehen ist auch Walachs These, das einzige Kriterium von Wissenschaft sei gute Methodik, nicht unproblematisch. Demnach könnte man auch die Unterdruckexperimente des SS-Arztes Rascher im KZ Dachau als gute Wissenschaft durchgehen lassen. Irgendetwas fehlt offensichtlich in Walachs Bestimmung des Wissenschaftlichen. Gute Methodik ist nicht unabhängig davon, um welchen Untersuchungsgegenstand es geht und was dabei als Erkenntnisstand bereits gewonnen wurde. In der Physik stecken vorgängige physikalische Erkenntnisse in jedem Versuchsaufbau, in jedem Messinstrument, auch in der Messtheorie. In der Psychologie bestimmt das Gegenstandsverständnis, wo man mit dem Experiment und wo man mit anderen Methoden arbeitet. Methodik und Gegenstand, Methodik und Resultate - sie stützen sich gegenseitig. Was wäre das für eine Wissenschaft, wenn mit guten Methoden gewonnene Resultate keine wissenschaftliche Relevanz hätten? Wer die Physik des letzten Jahrhunderts infrage stellt, der stellt höchst relevante Resultate infrage, die sich in tausenden von Experimenten bestätigt haben und sich alltäglich millionenfach in technischen Anwendungen bewähren. Zwar sind auch die Fundamente der Physik nicht sakrosankt, aber ihre Revision wird sich sicher nicht über eine Masterarbeit an Walachs Institut vollziehen. </p>

<p>Am „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften" ist die Wissenschaft als Handwerk der Vernunft unter die Räder gekommen. Die Viadrina wäre gut beraten, hier wieder die notwendigen Qualitätstandards wissenschaftlichen Arbeitens durchzusetzen, bevor Masterabschlüsse der Viadrina insgesamt in Misskredit geraten.</p>

<p>Der Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der bei Fragen wissenschaftlichen Fehlverhaltens vermitteln soll, erklärte sich auf Anfrage für nicht zuständig. Man greife konkrete Hinweise auf wissenschaftliches Fehlverhalten entsprechend der <a href="http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf" rel="nofollow">DFG-Denkschrift zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis"</a> auf, zu Streitigkeiten über die „Qualität wissenschaftlicher Arbeiten" könne man sich nicht äußern. Aber geht es hier überhaupt um die Qualität einer „wissenschaftlichen" Arbeit? </p>

<p>Das Brandenburgische Wissenschaftsministerium, ebenfalls angeschrieben, hat sich bisher nicht geäußert. Ob es den Konflikt mit dem in der SPD prominenten Präsidenten der Viadrina scheut oder keine Meinung zu den Vorgängen hat - man weiß es nicht. Angesichts der in der Masterarbeit erwähnten „aurachirurgischen" Behandlungen wäre außerdem auch die zuständige Ärztekammer gut beraten, sich die Sache einmal näher anzusehen.</p>

<p>In diesem ganzen Fall bestehen deutliche Parallelen zur Guttenberg-Affäre. Offenkundig ist den Beteiligten das Gefühl dafür abhandengekommen, was Wissenschaft ist und was nicht. Es fehlt so etwas wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radbruchsche_Formel" rel="nofollow">Radbruchsche Formel</a> in den Rechtswissenschaften. Als sich nach dem Krieg immer wieder Nazi-Verbrecher darauf beriefen, ihre Taten seien durch das damals geltende Recht gedeckt gewesen, hat Gustav Radbruch eine Unterscheidung vorgeschlagen, derzufolge manche gesetzliche Vorschriften aufgrund ihres offenkundigen Unrechts kein Recht sein könnten. Im Institut des Herrn Walach scheint man für diese Differenzierung kein Gespür zu haben; hier bezeichnen Professoren Arbeiten als hervorragende Leistungen, die zwar als Wissenschaft auftreten, aber keine Wissenschaft sind.</p>

<p>Für den Frankfurter Studiengang geht es auch um die <a href="http://www.akkreditierungsrat.de/index.php?id=33" rel="nofollow"> Akkreditierung bei der AHPGS</a>, der Akkreditierungsagentur für Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales. Werden solche Studiengänge akkreditiert, ist der Fortschritt der Gesundheitswissenschaften unübersehbar - in Richtung junk science.<br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Fri, 27 Apr 2012 17:47:18 +0100</pubDate>
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            <title>Gesunde Tote</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Das Deutsche Ärzteblatt wartet heute mit der Meldung auf: <a href=" http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49916" rel="nofollow">„Männer im Alter gesünder als Frauen"</a>. Das lässt aufhorchen, denn bekanntlich sterben Männer früher als Frauen und haben auch in jeder Altersgruppe höhere Sterberaten als Frauen, darüber hatten wir <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2011/10/manner-das-schwache-geschlecht-mit-zahen-alten.php" rel="nofollow">hier</a> schon diskutiert. </p><p>Früher sterben passt nicht ganz so einfach zu besserer Gesundheit. Liest man weiter, was das Ärzteblatt schreibt, stellt man fest: Es geht um die „beschwerdefreie Lebenserwartung", das sind die Jahre, die ohne ernstere gesundheitliche Einschränkungen verbracht werden können. Das Ärzteblatt greift dazu Daten auf, die das Europäische Statistische Amt gerade auf einer Tagung in Paris veröffentlicht hat. Männer im Alter von 65 Jahren haben demnach im EU27-Durchschnitt noch eine fernere Lebenserwartung von 17,4 Jahren, davon 8,7 Jahre beschwerdefrei. Frauen im Alter von 65 Jahren haben noch eine fernere Lebenserwartung von 21 Jahren, davon laut Ärzteblatt aber „nur 8,8 Jahre in guter gesundheitlicher Verfassung". Daraus die Botschaft zu machen, dass Männer im Alter gesünder seien als Frauen, ist schon eine eigenwillige Interpretation der Daten. Schließlich haben Frauen etwas mehr an beschwerdefreier Lebenserwartung, dann folgen bei den Frauen zwar mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen, aber nur deswegen, weil die Männer vorher sterben. Gesundheit im Alter durch frühen Tod? James Dean hätte das sicher gut gefunden.</p>

<p>Davon abgesehen, stellt sich ohnehin die Frage, wie verlässlich die Berechnung der beschwerdefreien Lebenserwartung im Geschlechtervergleich ist. Hierzu werden nämlich Befragungsdaten zu gesundheitlichen Einschränkungen mit der Lebenserwartung kombiniert. Viele Studien zeigen aber übereinstimmend, dass Frauen generell häufiger gesundheitliche Beschwerden angeben als Männer. Ob das eine unterschiedliche Häufigkeit von Beschwerden anzeigt oder eine unterschiedliche Sensibilität für Beschwerden, ist nicht so ganz klar. Außerdem ist davon auszugehen, dass ein Teil der betroffenen Frauen nicht schwer krank ist, sondern mehr oder weniger stark unter altersentsprechenden Zipperlein leidet.</p>

<p>Das Ärzteblatt referiert des Weiteren die beschwerdefreie Lebenserwartung in verschiedenen europäischen Ländern - da schneidet Deutschland deutlich schlechter ab als der europäische Durchschnitt. Aber auch hier gilt: Der Vergleich ist nicht unproblematisch, weil die Wahrnehmung von Beschwerden je nach kulturellem Hintergrund unterschiedlich sein kann und die Fragen zudem national jeweils etwas anders gestellt wurden. Dennoch ist die beschwerdefreie Lebenserwartung ein wichtiger Indikator im Ländervergleich, als eine Art Benchmark. Da wären Verhältnisse wie in Norwegen schön: Die 65-jährigen Frauen haben dort noch eine Lebenserwartung von 21,2 Jahren, davon 15,7 Jahre beschwerdefrei, bei den Männern sind es immerhin 18 Jahre, davon 14,5 beschwerdefrei. Ähnliche Zahlen hat Schweden vorzuweisen. Deutschland liegt in etwa auf dem Niveau von Slowenien und Portugal.</p>

<p>Geht man davon aus, dass das nicht alles Methodenartefakte sind, kann Deutschland bei der Lebensqualität seiner Älteren also noch zulegen - man will ja schließlich etwas von seiner Rente haben.<br />
</p>
     <hr />

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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 23 Apr 2012 18:10:00 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Krebsprävention durch Impfung</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Gestern habe ich in München einen Vortrag von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harald_zur_Hausen" rel="nofollow">Harald zur Hausen</a> gehört, dem Mann, der 2008 den Medizinnobelpreis erhalten hat. Thema: „Krebsprävention durch Impfung". Zu hören war ein bescheiden auftretender älterer Herr, ohne Starallüren, allerdings mit viel Engagement für das Impfen im Allgemeinen und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Humane_Papillomviren" rel="nofollow">HPV-Impfung</a> im Besonderen. </p><p>Zur Hausens Forschung war grundlegend für unser heutiges Wissen über den Zusammenhang von Infektionen und Krebs und für die Entwicklung der HPV-Impfung. Die Umstände der Einführung der Impfung in Deutschland und die Preispolitik der Pharmaindustrie einmal dahingestellt, ist die HPV-Impfung eine durchaus vielversprechende Sache.</p>

<p>Etwa ein Fünftel aller Krebserkrankungen gehen auf Infektionen zurück, so zur Hausen, davon etwa zwei Drittel auf virale Infektionen, ein Drittel auf bakterielle Infektionen und ein paar auf Parasiten. Humane Papillomviren spielen bekanntlich eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung des Zervixkarzinoms, verursachen aber auch Krebserkrankungen der Mundhöhle, des Rachens und des Analbereichs. Zur Hausen verwies darauf, dass in den Entwicklungsländern das Zervixkarzinom eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen sei. Die Impfung sei sehr wirksam, mit einer Antikörperproduktion, die etwa 10 mal höher sei als bei einer natürlichen Infektion und viele Jahre anhalte. Zur Frage, ob es sinnvoll sei, auch Jungen und junge Männer gegen HPV zu impfen, gab es von ihm ein eindeutiges „ja". Sie seien angesichts ihrer Überträgerrolle und der eigenen Betroffenheit bei Rachen- und Analkarzinomen eigentlich sogar vorrangig zu impfen. In den USA würden auch schon Jungen und junge Männer geimpft. Insgesamt müssten, so zur Hausen, die HPV-Impfraten in Deutschland gesteigert werden. Zurzeit seien es etwa 35 %, deutlich mehr seien es z.B. in Großbritannien und den Niederlanden, deutlich weniger z.B. in Österreich, wenn ich mich recht erinnere, sprach er von 5 % dort. Ganz interessant waren auch zur Hausens Überlegungen, ob das mit dem Verzehr von rotem Fleisch einhergehende Krebsrisiko teilweise auf Infektionen zurückgehen könnte - wenn Rindfleisch nicht durchgebraten wird. Als Indizien dafür sieht er Übereinstimmungen der Häufigkeit bestimmter Krebsarten mit der Häufigkeit des Rindfleischverzehrs im Ländervergleich, vor allem auch den Anstieg der Darmkrebsraten in Korea und Japan parallel zur Verbreitung des Rindfleischkonsums dort.</p>

<p>Impfungen gegen HPV und gegen Hepatitis B, das ist die zweite für die Krebsentstehung relevante impfpräventable Virusinfektion (gegen andere, z.B. gegen das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Epstein-Barr-Virus" rel="nofollow">Epstein-Barr-Virus</a>, gibt es keine Impfung), könnten nach seiner Einschätzung 12-15 % der Krebsfälle bei Frauen und 4-5 % der Krebsfälle bei Männern verhindern. Das wäre in der Tat ein erhebliches präventives Potential. <br />
</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/krebspravention-durch-impfung.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
            <pubDate>Fri, 13 Apr 2012 17:35:34 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Die Praxisgebühr und die Ökonomie</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Beide Themen, die <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/20-milliarden-euro-wer-soll-sie-haben.php" rel="nofollow">Praxisgebühr</a> und die <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/falsches-denken-falsches-handeln.php" rel="nofollow">Ökonomie</a>, hatten wir gerade erst diskutiert. Eigentlich also abgehakt. Jetzt gibt es aber doch einen Anlass, beides noch einmal aufzugreifen. </p><p>Die <a href="http://www.dggoe.de/" rel="nofollow">Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö)</a> hat sich vor zwei Tagen dafür ausgesprochen, die <a href="http://file.dggoe.de/presse/DGGOE_zur_Praxisgebuehr_11-04-2012.pdf" rel="nofollow">Praxisgebühr zu reformieren</a>. Die Praxisgebühr sind die 10 Euro, die gesetzlich Versicherte beim Arztbesuch einmal im Quartal bezahlen müssen. Mit ihrer Einführung hatte man sich versprochen, dass die Zahl unnötiger Arztbesuche zurückgeht. Inzwischen besteht Einigkeit darüber, dass die Praxisgebühr zumindest in ihrer gegenwärtigen Form keine sinnvolle Steuerungswirkung entfaltet.</p>

<p>Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie schlägt nun vor, nicht im Quartal einmal 10 Euro zu erheben, sondern bei jedem Arztbesuch 5 Euro. Damit soll die im internationalen Vergleich hohe Zahl der Arztbesuche in Deutschland - pro Kopf 17 im Jahr - gesenkt werden. Zuzahlungen bei Krankenhausbehandlungen sollen dagegen abgeschafft werden, weil hier in der Regel der Arzt über die Einweisung entscheide, also die Patient/innen keine Steuerungsmöglichkeiten hätten.</p>

<p>Der Vorsitzende der DGGÖ, Prof. Friedrich Breyer, wird in der „WELT" mit den Worten zitiert: „Sinnvoll ausgestaltete Zuzahlungen können das Kostenbewusstsein der Patienten stärken und geben ihnen einen Anreiz, auf unnötige und weniger wirksame Leistungen zu verzichten". Hier kommt die Unterstellung eines moral hazard-Verhaltens bei den Versicherten zum Tragen, kombiniert mit der angeblich längst ausrangierten Denkfigur des homo oeconomicus. Ob Menschen tatsächlich öfter unnötig zum Arzt gehen, wenn es nichts kostet? Viel Freude wird der Arztbesuch den meisten jedenfalls nicht machen. Und warum ausgerechnet die Patient/innen wissen sollen, welche Leistungen „weniger wirksam" sind, erschließt sich ebenfalls nicht auf Anhieb.</p>

<p>Prof. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen und selbst Mitglied des erweiterten Vorstands der DGGÖ, sieht auch sonst keine sachliche Grundlage für den Vorschlag. Wenn man unnötige Behandlungen vermeiden wolle, sei es kein sinnvoller Ansatz, pauschal die Zahl der Arztkontakte zu verringern. Das hat etwas für sich. Eine unnötige Röntgenaufnahme beispielsweise dürfte in der Tat kaum durch die Praxisgebühr zu vermeiden sein. Klaus Jacobs verweist zudem darauf, dass sich das Leistungsgeschehen auf vergleichsweise wenige Versicherte konzentriert: 72 % der Krankenhausausgaben, 52 % der Arzneimittelausgaben und 31 % der ambulanten Ausgaben bei der AOK würden auf nur 5 % der Versicherten entfallen, diese seien offenkundig „richtig krank". Über die Praxisgebühr können diese Ausgabenbündel nicht gesteuert werden und sie sollen es auch nicht.</p>

<p>Andere Kritiker verweisen darauf, dass man die Zuzahlungen bei Krankenhausbehandlungen sogar eher rechtfertigen könne, weil die Betroffenen hier während des Krankenhausaufenthalts immerhin Lebenshaltungskosten sparen. Auch dass die DGGÖ so einfach die Zahl der Arztbesuche in einen internationalen Vergleich setzt, wird kritisiert. So würde der Zugang zum Versorgungssystem in anderen Ländern teilweise ganz anders geregelt, während in Deutschland die Arztpraxis oft die erste Anlaufstelle ist - vom Rezeptabholen bis zur Krankschreibung. Hartmut Reiners, Ökonom mit langjähriger Erfahrung in allen Seitenwinkeln der Krankenversicherung, kann dem Vorschlag daher ebenfalls wenig abgewinnen. </p>

<p>Die Frage, was das Ziel der Stellungnahme der DGGÖ ist und wie solide die dahinter stehende Analyse der Situation ist, scheint also nicht ganz unberechtigt.</p>

<p>Auf die politische Entscheidungslage hatte die DGGÖ-Stellungnahme bisher keinen erkennbaren Einfluss. Die FDP will die Praxisgebühr inzwischen am liebsten abschaffen (vielleicht auch im Sinne der DGGÖ ändern), SPD und Grüne würden sie ebenfalls gerne los, aber die Bundeskanzlerin hat heute noch einmal gesagt, die Praxisgebühr bleibe. Sie hat allerdings nicht gesagt, wie lange und in welcher Form.<br />
</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/die-praxisgebuhr-und-die-okonomie.php</link>
            <guid>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/die-praxisgebuhr-und-die-okonomie.php</guid>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Fri, 13 Apr 2012 17:10:35 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Falsches Denken - falsches Handeln?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Inwiefern die Wirtschaftswissenschaften empirische Wissenschaften sind, darüber wird seit langem gestritten. Nicht erst seit Karl Marx steht der Vorwurf im Raum, dass sich hinter den scheinbar ehernen Gesetzen der Ökonomie vor allem die Interessen privilegierter Klassen verbergen und dass sich das ökonomische Denken eher im „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit" (Max Weber) bewegt als dem auf den Grund zu gehen, was tatsächlich in der Welt der Arbeit und des Handels vor sich geht.</p><p>Etwas weniger klassenkämpferisch, aber in Hinblick auf den empirischen Charakter der Wirtschaftswissenschaften nicht weniger vernichtend, hat vor einigen Jahrzehnten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Albert" rel="nofollow">Hans Albert</a> geurteilt, ein etwas in Vergessenheit geratener Vertreter des Kritischen Rationalismus in Deutschland. Er sah in den Wirtschaftswissenschaften einen nichtfalsifizierbaren „Modellplatonismus" am Werk - einen Glauben an die Realität weltfremder Abstraktionen. Auch das war nicht neu, denn dass die gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Lehren unrealistische Annahmen machen, etwa die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neoklassische_Theorie" rel="nofollow"> Neoklassik</a> mit ihrem Menschenbild des „homo oeconomicus", der Idee „vollständiger Märkte" und dem Ausblenden externer Effekte, das kann man schon bei Keynes oder Schumpeter nachlesen. Neu ist, dass die Kritik daran, die seit den 1970er Jahren in den Wirtschaftswissenschaften kaum mehr vernehmbar war, angesichts des theoretischen Blackouts des ökonomischen Mainstreams in Sachen Finanzkrise in jüngster Zeit wieder lauter wird. Witzigerweise ist es ein Literaturwissenschaftler, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Vogl" rel="nofollow">Joseph Vogl</a>, dessen Buch „Das Gespenst des Kapitals" seit einiger Zeit für besonders viel Aufregung sorgt - vielleicht weil viele Leute inzwischen zurecht befürchten, dass so manche Wirtschaftswissenschaftler nur Geschichten erzählen. Auch der Ideologieverdacht lässt sich nicht mehr einfach als „altlinkes" Gerede abtun. Dass die Grundlinien der Wirtschaftspolitik und der sie beratenden Wirtschaftswissenschaften zu sehr neoliberal gezeichnet sind, kann man heute bei vielen Konservativen und sogar in manchen Winkeln der FDP hören. An den Hochschulen hat es in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern, was die Grundphilosophie angeht, eine auffällige geistige Verarmung gegeben. Jetzt haben 93 Professoren und Professorinnen ein <a href="http://www.mem-wirtschaftsethik.de/memorandum-2012/das-memorandum/" rel="nofollow">Memorandum „Für eine Erneuerung der Ökonomie"</a> auf den Weg gebracht, in dem sie diese geistige Verarmung ebenso kritisieren wie sie an die ethische Verantwortung der Wirtschaftswissenschaften für ein "gutes Leben" erinnern - und indirekt so auch daran, dass der Empiriebezug der Wirtschaftswissenschaften nicht von der gleichen Art sein kann wie der der Naturwissenschaften. Eine „ethisch verantwortungsvolle Physik" kann man sich ja nur schwer vorstellen, bestenfalls gibt es ethisch verantwortungsvolle Physiker.</p>

<p>Das Memorandum „Für eine Erneuerung der Ökonomie" kann man übrigens <a href="http://www.mem-wirtschaftsethik.de/memorandum-2012/unterzeichnen/" rel="nofollow">mitzeichnen</a>. Ich habe es getan, weil mir Wirtschaftswissenschaften, in denen Leute wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Georg_Zinn" rel="nofollow">Karl Georg Zinn</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Hickel" rel="nofollow">Rudolf Hickel</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Bofinger" rel="nofollow">Peter Bofinger</a> schon „fachfremd" wirken, ziemlich unheimlich sind - eben ideologieverdächtig.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/falsches-denken-falsches-handeln.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Wed, 04 Apr 2012 20:28:36 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Studie weist Wirksamkeit der Homöopathie nach</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Eine neue spanische Studie, in der der Einsatz von Homöopathie gegen eine Standardbehandlung und gegen Placebo getestet wurde, hat nun doch überraschende Ergebnisse zur Wirksamkeit der Homöopathie erbracht. </p><p>Behandelt wurden Menschen, die mindestens 5 Jahre an morbus algia imperceptible litten, einer sehr seltenen Schmerzerkrankung des Metencephalon. Die Studie wurde an 5.000 Patienten und Patientinnen in einem Krankenhaus in Barcelona durchgeführt. Das Durchschnittalter lag bei 47 Jahren, der Anteil der Frauen betrug 68 %. In der Studie wurde für Confounder wie Bildung, Rauchen, Bewegungsverhalten, Ernährung und Suggestibilität kontrolliert. Es zeigte sich, dass unter homöopathischer Behandlung 42,5 % der Behandelten nach 6 Wochen deutliche Veränderungen spürten, unter Standardbehandlung dagegen nur 38,8 % und unter Placebo 12,5%. Der Cox-Albus-Koeffizient der Studiengruppen lag bei 4,3, das gilt gemeinhin als ein sehr guter Wert. Der Intergruppendifferenzparameter Phi-2 war mit 6,7 dagegen nur befriedigend. Die Wissenschaftler erklären das mit der möglichen Kointerferenz der Liegedauer im Krankenhaus. Warum diese Studie eine Wirkung der homöopathischen Behandlung gezeigt hat, nachdem so viele Studien vorher keine Wirkung nachweisen konnten, ist nicht bekannt. Die Autoren verweisen auf die Möglichkeit, dass sich der Effekt über morphische Felder der schwachen Quantentheorie („Sheldrake-Walach-Wechselwirkung") erklären lässt. Diese Erklärung gilt in wissenschaftlichen Kreisen jedoch als unorthodox. Nachzulesen ist die Studie unter Chiva S, Pocha C, Macana H, Gazapo E, Infundio R, Mentira Z (2012) Effects of homeopathic treatment of 5,000 persons with morbus algia imperceptible. J PubH Rev 45: 104-12.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/04/studie-weist-wirksamkeit-der-homoopathie-nach.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
            <pubDate>Sun, 01 Apr 2012 00:04:01 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Noch einmal das Thema Tabak</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Vor ein paar Tagen ging in Singapur die <a href="http://wctoh2012.org/" rel="nofollow">"15. World Conference on Tobacco or Health"</a> zuende. Vom 20. bis zum 24. März tagte hier sozusagen die Hauptversammlung der internationalen Tabakkontrollbewegung mit mehr als 2.500 Aktivisten. Auch Prominenz war da, z.B. die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, Margaret Chan, und die Gesundheitsminister einiger Länder, wie Johannes Spatz, einer der deutschen Teilnehmer, <a href="http://www.forum-rauchfrei.de/files/Weltkongress_in_Singapur.pdf" rel="nofollow"> in einem Kongressbericht schreibt</a>.</p><p>Die Teilnehmer haben sich dort darauf verständigt, bei ihren Aktivitäten künftig stärker als bisher die Tabakindustrie ins Visier zu nehmen. Das ist im Hinblick auf die Rolle, die die Tabakindustrie jahrzehntelang bei der Verschleierung der wissenschaftlichen Evidenz zu den gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums und der Hintertreibung eines wirksamen Nichtraucherschutzes gespielt hat, konsequent. Nicht die Raucher und Raucherinnen gilt es zu bekämpfen, sondern eine Industrie, die im wahrsten Sinn des Wortes über Leichen geht.</p>

<p>Der amerikanische Historiker Robert Proctor hat in einem <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22345227" rel="nofollow">Artikel</a>, auf den ich vor kurzem schon einmal <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/rauchen-schadet-der-gesundheit.php" rel="nofollow">hingewiesen habe</a>, eine Rechnung aufgemacht, die einzelnen Tabakfabriken entsprechend ihrer Produktion an Zigaretten die daraus resultierende Produktion an Leichen zuteilt. Er geht dabei davon aus, dass auf ca. 1 Mio. gerauchte Zigaretten ein tabakbedingter Sterbefall kommt. Das Ergebnis sieht dann für die von ihm betrachteten Fabriken so aus:</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/tabaktote.png"><img alt="tabaktote.png" src="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/tabaktote-thumb-390x372.png" width="390" height="372" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span><br />
  <br />
Wenn man will, kann man das auf die  Tabakunternehmen hochrechnen. Die größten Unternehmen sind Philip Morris International (Weltmarktanteil 2010: 24,4 %, 899,9 Mrd. Zigaretten, Philip Morris USA mit 140,8 Mrd. Zigaretten nicht mitgerechnet), British American Tobacco (20,5 %, 708 Mrd. Zigaretten), Japan Tobacco/Japan Tobacco International (16,2 %, 563 Mrd. Zigaretten) und Imperial Tobacco (8,6 %, 308,7 Mrd. Zigaretten). Die Daten sind aus einem aktuellen <a href="http://tobaccocontrol.bmj.com/content/21/2/92.abstract" rel="nofollow">Artikel von Stella Aguinaga Bialous und Silvy Peeters</a>. Allein für diese vier Unternehmen ergeben sich, wenn man das Rechenmodell von Proctor zugrunde legt, etwa 2,5 Mio. tabakbedingte Sterbefälle im Jahr 2010. Dass man angesichts solcher Zahlen auf der Konferenz in Singapur die Zielrichtung der Tabakkontrollbemühungen neu justiert hat, ist nachvollziehbar. Man steht etwas fassungslos vor diesen Zahlen.<br />
</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/noch-einmal-das-thema-tabak.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 27 Mar 2012 19:40:41 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Die deutsche Staatsangehörigkeit als Sterberisiko?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>In der Todesursachenstatistik werden die Sterbefälle nach Staatsangehörigkeit erfasst. Schaut man sich die Sterberaten der deutschen und der nichtdeutschen Bevölkerung an, so liegen, abgesehen von der Kindern, die Sterberaten der Deutschen während der gesamten Lebensspanne über denen der Nichtdeutschen. Ganz besonders ist das im höheren Lebensalter der Fall.</p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/Sterberaten_Staatsangeh%C3%B6rigkeit.png"><img alt="Sterberaten_Staatsangehörigkeit.png" src="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/Sterberaten_Staatsangehörigkeit-thumb-350x587.png" width="350" height="587" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span></p>

<p>Migrantinnen und Migranten - haben die nicht höhere Arbeitslosenraten, schlechtere Schulbildung, geringere Einkommen? Das belastet, wie man weiß und vor kurzem auch <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/armut-und-gesundheit.php" rel="nofollow">hier diskutiert wurde</a>, doch die Gesundheit. Und statistisch derart durchschlagende Gesundheitsvorteile von Migrantinnen und Migranten gegenüber der herkunftsdeutschen Bevölkerung sind <a href="http://www.aerzteblatt.de/archiv/62423" rel="nofollow">aus der Gesundheitsberichterstattung auch nicht bekannt</a>. </p>

<p>Warum leben sie dann länger? Das zu erklären, ist gar nicht so einfach. Eine Erklärung bemüht den „healthy migrant effect". Damit ist gemeint, dass Menschen, die ihre Heimat verlassen und woanders neu beginnen, eher gesünder und durchsetzungsfähiger sind. Die hier lebende ausländische Bevölkerung wäre demnach eine positive Auslese. Zudem, so geht die Erklärung weiter, verbringen diese Leute vor allem ihre gesunden Lebensjahre in Deutschland - sie kommen als Erwachsene, wenn das relativ lebensgefährliche Säuglingsalter vorüber ist und manche von ihnen kehren im Alter, wenn sie kränker werden, wieder in ihre Herkunftsländer zurück. Der Erklärungsansatz des „healthy migrant effects" hatte zumindest in der Zeit der Gastarbeiteranwerbung einiges für sich, denn da wurden in der Tat die Gesunden ausgesucht. Aber gilt das heute noch genauso? Für nachziehende Familienangehörige aus der Türkei, für Kriegsflüchtlinge aus dem Kosovo, für Hungerflüchtlinge aus Afrika?</p>

<p>Eine andere Erklärung hebt darauf ab, dass die Langlebigkeit der ausländischen Bevölkerung schlicht eine statistische Täuschung darstellt. Beispielsweise, weil sich manche, die Deutschland wieder verlassen, nicht abmelden. In der Sterberate schlagen sie dann nur noch im Nenner zu Buche, bei der ausländischen Bevölkerung - als Karteileichen. Im Zähler der Sterberate, als echte Leichen, tauchen sie dagegen nicht mehr auf. Oder sie geraten bei Umzügen durch Schreibfehler ihres Namens doppelt in die Melderegister, oder werden anderweitig als Datenfehler weitergeschleppt. Diese Erklärung favorisiert der Rostocker Bevölkerungswissenschaftler Rembrandt Scholz und kann dafür auch statistische Hinweise anführen - nachzulesen in einem lesenswerten <a href="http://www.mpg.de/4622829/F003_Fokus_032-038.pdf" rel="nofollow">Beitrag in der Zeitschrift Max-Planck-Forschung</a>. Vielleicht bringt ja die aktuelle Volkszählung etwas Aufklärung - wenn zumindest ein Teil der Karteileichen statistisch „beerdigt" wird. Eine andere Staatsangehörigkeit zur Anhebung der Lebenserwartung braucht jedenfalls niemand zu beantragen, der Tod nimmt auf solche Formalitäten keine Rücksicht.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/die-deutsche-staatsangehorigkeit-als-sterberisiko.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 26 Mar 2012 23:20:41 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Loose Cannon FDP</title>
            <description><![CDATA[
     <p>In Nordrhein-Westfalen wird demnächst neu gewählt, die rotgrüne Minderheitsregierung hat ihren Haushalt nicht durchgebracht. Wie man in der Zeitung lesen kann, hatte das unter anderem damit zu tun, dass den Beteiligten nicht rechtzeitig klar war, was das Scheitern des Haushalts in der zweiten Lesung bedeutet und sie ihre Taktierereien nicht mehr darauf einstellen konnten. </p><p>Man ist ja inzwischen aus der Politik vieles gewöhnt, aber dieser Stolperer ist schon recht obskur. Wie auch immer. Eine der dadurch unberechenbar gewordenen Größen war, so heißt es, die FDP. Statt sich doch noch zu enthalten, hat sie mit einem „Nein" zum Haushalt unerwartet den Weg in den Untergang ihrer Landtagsexistenz beschritten. Das wiederum lässt daran denken, dass vor kurzem die Jamaika-Koalition im Saarland von der CDU aufgekündigt wurde - mit dem Argument, dass die FDP nicht mehr berechenbar sei. Und bei der Bundespräsidentenwahl hat sich die FDP, ebenfalls gegen alle Erwartungen, zumindest gegen alle Erwartungen Merkels, auf Joachim Gauck als Kandidaten festgelegt und damit die Koalition auf Bundesebene an den Rand des Scheiterns gebracht. Bei alldem beschleicht einen das ungute Gefühl, dass sich die FDP in der jüngsten Zeit zur loose cannon entwickelt hat, die für ihre Koalitionspartner ausgesprochen gefährlich geworden ist. Erratische Verhaltensweisen anderer Art, etwa die Libyen-Entscheidung Westerwelles im Weltsicherheitsrat oder der eigenartige Rücktritt des FDP-Generalsekretärs Lindner runden das Bild ab. Was ist nur los mit der FDP? Wird sie zur Frei Dahinirrenden Partei - eben zur loose cannon?</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/loose-cannon-fdp.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 15 Mar 2012 21:56:26 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Rauchen schadet der Gesundheit ...</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Dass Rauchen nicht sonderlich gesund ist, weiß heute jeder. Vor allem mit Herzkreislaufkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Krebs bezahlen Raucher/innen für ihr Vergnügen. Die Vermutung, dass Rauchen Krebs verursacht, wurde übrigens vor genau 100 Jahren von Isaac Adler formuliert, zu einer Zeit, als Lungenkrebs noch zu den medizinischen Raritäten gehörte. Der amerikanische Historiker Robert Proctor weist darauf in einer eben <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22345227" rel="nofollow">veröffentlichten Abhandlung</a> hin. Etwa 40 Jahre später galt der Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs als gesichert, nur die Tabakindustrie wollte noch einige Jahrzehnte länger offiziell nichts davon wissen. Das ist Geschichte.</p><p>Seit Jahren häufen sich nun die Befunde, dass auch das Passivrauchen der Gesundheit schadet, angefangen von einer Schädigung des ungeborenen Lebens über eine Erhöhung des Risikos für den plötzlichen Kindstod und des Risikos für Atemwegserkrankungen bei Kindern bis hin zu vorzeitigen Sterbefällen bei Erwachsenen, die statistisch dem Passivrauchen zugerechnet werden. Das war mit ein Anlass, den Nichtraucherschutz zu verbessern und das Rauchen in öffentlichen Räumen einzuschränken. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Nach der Einführung von Rauchverboten in öffentlichen Räumen wurde eine <a href="https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/gesu/doi/10.1055/s-0028-1124108" rel="nofollow">Serie von Studien</a> veröffentlicht, die diese Rauchverbote mit einem Rückgang von Herzinfarkten in Zusammenhang brachte. Die Raucherlobby hat diesen Zusammenhang als „Herzinfarktwunder" bestritten und ihre Kritik u.a. auf die Behauptung gestützt, dass die Studien selektiv Regionen mit einem Rückgang der Herzinfarkte herausgreifen würden, obwohl es auch Regionen gäbe, in denen sich kein Rückgang der Herzinfarkte zeige. In der Tat war die Studienlage anfangs durch Studien in kleineren Regionen geprägt, mit der Zeit kamen größere Studien hinzu. Eine große Studie dieser Art, die gerade durch alle Medien geht, wurde heute auf einer Pressekonferenz in Berlin <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22350716" rel="nofollow">vorgestellt</a>. Sie evaluiert den Nichtraucherschutz in Deutschland. Grundlage sind die Daten der DAK-Versicherten in Deutschland. Die Studie verzeichnet einen Rückgang von stationären Angina Pectoris-Fällen um 13,3 % und einen Rückgang von akuten Herzinfarkten von 8,6 % im Zusammenhang mit der Einführung der Rauchverbote hierzulande. Eine solche Studie war überfällig, über die gesundheitlichen Auswirkungen der Rauchverbote in Deutschland war bisher kaum etwas bekannt. Angesichts der deutlichen positiven Effekte der Rauchverbote, die in dieser und in anderen Studien berichtet werden, fragt man sich, warum es nicht viel früher große Evaluationsstudien zum Nichtraucherschutz in Deutschland gegeben hat - und wann Studien mit den Daten anderer großer Krankenkassen folgen. Das Geld für die Studien wäre gut angelegt, wie die anhaltenden Debatten um den Nichtraucherschutz in einzelnen Bundesländern zeigen. Das <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/20-milliarden-euro-wer-soll-sie-haben.php" rel="nofollow">Geld</a> für solche Studien wäre jedenfalls gerade da.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/rauchen-schadet-der-gesundheit.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 13 Mar 2012 19:07:57 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>20 Milliarden Euro - Wer soll sie haben?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Bei den gesetzlichen Krankenkassen haben sich durch glückliche, leider vorübergehende Umstände Rücklagen in Höhe von 20 Mrd. Euro angesammelt. Jetzt wird darüber diskutiert, was mit dem Geld geschehen soll. </p><p>Zur Debatte stehen z.B. die Abschaffung der Praxisgebühr (also der 10 Euro, die gesetzlich Versicherte beim Arztbesuch einmal im Quartal entrichten müssen), eine Senkung der Krankenkassenbeiträge um 0,1 %, eine Zuführung an den Bundeshaushalt und andere tolle Ideen. Weder die Abschaffung der Praxisgebühr noch eine Senkung der Krankenkassenbeiträge um 0,1 % werden die davon Begünstigten reich machen. Das ist politische Gießkannenmentalität. Und die Zuführung an den Bundeshaushalt - naja, da gäbe es vielleicht auch Sinnvolleres, so wie dort zurzeit die Milliarden spurlos in Rettungsfonds verschwinden, deren volkswirtschaftlicher Sinn unter Ökonomen recht umstritten ist. Wie wäre es statt dessen z.B. damit: Nach Jahren fruchtloser Debatten um ein Präventionsgesetz werden 5 Mrd. Euro in eine Präventionsstiftung eingebracht. Aus den Erlösen kann dann z.B. Forschung zur Evidenzbasierung in der Prävention finanziert werden, daran mangelt es nämlich. Oder man finanziert damit den Transfer von Präventionsforschung in die Praxis, damit die ewige Modellprojektitis endlich einmal ein Ende hat. Angeblich sind sich in der Politik ja alle einig, dass angesichts des demografischen Wandels und der drohenden Flut kranker alter Menschen mehr Prävention nötig ist. Als „vierte Säule des Gesundheitswesens" (neben Kuration, Rehabilitation und Pflege) soll die Prävention ausgebaut werden, nur zahlen will keiner dafür. Weitere 5 Mrd. gehen in eine Stiftung zur Versorgungsoptimierung. Aus deren Erlösen könnte z.B. unabhängige Forschung zu Arzneimitteln oder Medizinprodukten finanziert werden. Oder es könnten neue Ansätze zur pflegerischen Betreuung von Demenzkranken finanziert werden. Das wäre angesichts der demografisch bedingten Zunahme an Demenzkranken und dem Ausbleiben einer erfolgreichen Kuration ganz sinnvoll angelegtes Geld. Wahrscheinlich würde sich das volkswirtschaftlich sogar amortisieren. Die anderen 10 Mrd. sollen die Krankenkassen ruhig behalten, sie werden sie bald brauchen. Finden Sie solche Ideen gut, haben Sie eigene? Diskutieren Sie mit! Das Niveau der Vorschläge der Politiker können Sie intellektuell nicht unterlaufen.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/03/20-milliarden-euro-wer-soll-sie-haben.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Sat, 10 Mar 2012 23:02:01 +0100</pubDate>
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            <title>Armut und Gesundheit</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Am 9. und 10. März 2012 findet in Berlin der <a href="http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/kongress-armut-gesundheit/?uid=4eb693935759c2b00b712dfb28e89c0e" rel="nofollow">17. Kongress Armut und Gesundheit</a> statt. </p><p>Neu ist das Thema nicht, wie man an der Zahl der stattgefundenen Kongresse sieht, im Gegenteil, das Thema ist sehr alt: Schon im Jahr 1790 hielt Johann Peter Frank, einer der Pioniere der Sozialmedizin, in Pavia eine berühmte Rede über das „Volkselend als der Mutter aller Krankheiten". Keine Frage: Der Wohlstand in Europa heute ist mit der Situation damals in keiner Weise vergleichbar und die Lebenserwartung aller sozialen Schichten hat sich erheblich verbessert. Dessen ungeachtet ist die soziale Lage auch in Deutschland einer der stärksten Einflussfaktoren auf die Gesundheit. Diejenigen, deren Einkommen weniger als 60 % des Durchschnitteinkommens beträgt, sterben etwa 10 Jahre früher als diejenigen, deren Einkommen 150 % und mehr des Durchschnittseinkommens beträgt. Darüber hatten wir <a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2011/12/sozialpolitische-hiobsbotschaft-oder-presseente-sinkt-die-lebenserwartung-der-armen.php" rel="nofollow">hier</a> vor einiger Zeit schon einmal diskutiert.</p>

<p>Auch vor dem Tod bedeutet soziale Ungleichheit gesundheitliche Ungleichheit. Fast bei allen Krankheitsarten gibt es einen Sozialgradienten, d.h. je schlechter die soziale Lage, desto schlechter die Gesundheit. Nun könnte man in neoliberaler Lesart sagen, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und für sozial bedingte gesundheitliche Gleichheit gibt es keine gesellschaftliche oder gar staatliche Verantwortung. Das ist aber eine Position, die sich wohl nicht gut begründen lässt, weil man sich seine soziale Lage nicht aussucht und auch bei bestem Bemühen die gesundheitliche Situation nicht völlig von der sozialen Lage ablösbar ist. Vor allem, wenn es um Kinder aus sozial benachteiligten Familien geht, werden solche Thesen zynisch. Auch die Gesundheit der Kinder ist durch die soziale Lage der Familien geprägt, vom Auftreten psychischer Störungen bis hin zur Adipositas. Und den Kindern kann man ihre soziale Lage wohl kaum als „selbst verantwortet" zuschreiben. Weniger klar ist dagegen, was aus dem Zusammenhang von sozialer Lage und Gesundheit politisch konkret folgt. Darüber und über andere Fragen wird auf dem Kongress diskutiert. Oder hier, wenn Interesse an dem Thema besteht.<br />
</p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Fri, 02 Mar 2012 15:40:21 +0100</pubDate>
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            <title>Wehrhafte Demokratie oder Kontrollwahn?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Geheimdienste in Deutschland haben im Jahr 2010 37 Mio. E-Mails und Datenverbindungen überprüft. Artikel 10 des Grundgesetzes lautet: „Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich." Steht irgendwo im Kleingedruckten, dass millionenfache Ausnahmen erlaubt sind? Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, zitiert dazu in der heutigen Ausgabe den früheren Verfassungsrichter Jürgen Kühling mit seiner Äußerung, das Fernmeldegeheimnis könne man „als Totalverlust abschreiben". Es wäre ja interessant zu erfahren, was da alles überprüft wurde. Nur Mails, in denen von „Atom" und „Bombe" die Rede war, ein- oder ausschließlich der Kalorienbomben, oder auch solche mit „Stuttgart 21", „attac" und „Weltwirtschaftsforum"? Und ist diese umfassende Überwachung eine den modernen Herausforderungen angemessene Reaktion der „wehrhaften Demokratie" - oder ein Schuss zu viel Stasi-Denken bei unseren Geheimdiensten? </p>
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            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/02/wehrhafte-demokratie-oder-kontrollwahn.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
            <pubDate>Mon, 27 Feb 2012 08:52:58 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Rubens hatte eine Vorliebe für Rundungen ...</title>
            <description><![CDATA[
     <p>... genau wie wir alle. In vielen epidemiologischen Studien werden gesundheitliche Merkmale, z.B. die Zahl der gerauchten Zigaretten, die Zahl der Wochenstunden mit sportlicher Aktivität oder anderes nicht gemessen, sondern erfragt. Dabei lässt sich beobachten, dass Angaben in der Nähe runder Werte wesentlich häufiger sind als „krumme" Werte. </p><p>Die folgende Grafik zeigt, wie häufig bestimmte Angaben zur Körpergröße in cm beim Mikrozensus 2005 gemacht wurden. Der Mikrozensus ist eine große bevölkerungsrepräsentative Befragung, die 1 % der privaten Haushalte einschließt.</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/K%C3%B6rpergr%C3%B6%C3%9Fe.png"><img alt="Körpergröße.png" src="http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/Körpergröße-thumb-520x307.png" width="520" height="307" class="mt-image-left" style="float: left; margin: 0 20px 20px 0;" /></a></span></p>

<p>Wie man sieht, wird beispielsweise die Körpergroße 1,70 m viel häufiger angegeben als die Körpergrößen 1,69 m oder 1,71. Beim Körpergewicht, das im Mikrozensus auch erfragt wird, sieht es ganz ähnlich aus und auch andere Merkmale in anderen Erhebungen zeigen diese Klumpungseffekte in der Nähe von runden Werten. </p>

<p>Beim Vergleich der Zahl der Menschen, die 1,69 und 1,70 groß sind, sollte man also aufpassen, dass man nicht nur einem Befragungsartefakt aufsitzt. Richtig relevant kann die Sache werden, wenn die Originaldaten nicht mehr präsent sind, wenn z.B. Gruppen verglichen werden, die aus solchen Verteilungen gebildet wurden, etwa die Zahl derer, die 160 bis 170 cm groß sind in Deutschland mit denen in Frankreich. Da die Klassengrenzen genau solche runden Werte mit hohen Besetzungszahlen sind, werden die Klassen unterschiedlich groß, je nachdem, wo man welche Klassengrenze zurechnet. Daher steht in der amtlichen Statistik oft so mathematisch genau „von ... bis unter" - zum Beispiel „von 20 kg bis unter 25 kg", damit klar ist, ob kleiner oder kleiner gleich gemeint ist. „170 bis 180 cm" kann ja beides bedeuten. Diese Genauigkeit ist erst recht notwendig, wenn mehrere solcher Merkmale mit Klumpungseffekten in einem Index verrechnet werden, z.B. Körpergröße und Körpergewicht im Body Mass-Index.</p>

<p>Nun könnte man meinen, das sei nur ein Problem bei Befragungsdaten. Aber auch bei (analog) gemessenen Werten lassen sich solche Effekte beobachten, nämlich immer dann, wenn es bei der Dokumentation der Messwerte einen „Medienbruch" gibt, d.h. wenn das Ablesen der Messwerte und das Eintragen ins Protokoll manuell geschieht. Auch da wird gerne „gerundet".</p>

<p>Psychologisch gesehen, macht sich dabei vermutlich eine Art Ordnungsfunktion bemerkbar, die das Wesentliche hervorhebt. Prägnant geht vor genau. Verwandte Phänomene kennt man z.B. aus der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie" rel="nofollow">Gestaltpsychologie</a>, die postuliert, dass unsere Wahrnehmung zur Gestaltbildung neigt. Rubens dicke Frauengestalten verdanken sich allerdings anderen Motiven.</p>
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            <link>http://www.scienceblogs.de/gesundheits-check/2012/02/rubens-hatte-eine-vorliebe-fur-rundungen.php</link>
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            <pubDate>Fri, 24 Feb 2012 17:02:42 +0100</pubDate>
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