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	<description>Mit dem Moped von Hamburg nach Kapstadt</description>
	<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 14:18:19 +0000</pubDate>
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		<title>Slow Down! - It’s Cape Town!</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 08:33:27 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die ersten Kilometer in S&#252;dafrika bringe ich nur langsam hinter mich. Die Grenze zwischen Namibia und S&#252;dafrika bildet der Orange River. Auf namibischer Seite f&#228;hrt man erste viele Kilometer in das Flusstal hinunter, um es dann auf s&#252;dafrikanischer Seite wieder hinauf zu klettern. Als ich mich langsam wieder aus dem Tal hochgearbeitet habe, werde ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://slowwaydown.com/swd/wp-content/uploads/2009/05/capepoint3.jpg" rel="lightbox[102]" rel="lightbox[102]"><img class="alignleft" style="float: left;" title="CapePoint" src="http://slowwaydown.com/swd/wp-content/uploads/2009/05/capepoint4.jpg" alt="" width="445" height="167" /></a>Die ersten Kilometer in S&#252;dafrika bringe ich nur langsam hinter mich. Die Grenze zwischen Namibia und S&#252;dafrika bildet der Orange River. Auf namibischer Seite f&#228;hrt man erste viele Kilometer in das Flusstal hinunter, um es dann auf s&#252;dafrikanischer Seite wieder hinauf zu klettern. Als ich mich langsam wieder aus dem Tal hochgearbeitet habe, werde ich mal wieder eiskalt vom Wind erwischt. <span id="more-102"></span>Er weht heute nicht stark, ist aber grausig kalt. Die Antarktis ist nicht mehr weit entfernt und ich habe das Gef&#252;hl, dass der Wind direkt von dort hier r&#252;ber weht. Schon bald halte ich, um mir weitere T-Shirts anzuziehen. Gegen Mittag erreiche ich den Ort Springbok. Obwohl es noch fr&#252;h ist, nehme ich mir ein Zimmer in einem Bed &amp; Breakfast. Mir ist kalt und au&#223;erdem ist Springbock die erste gr&#246;&#223;ere Stadt seit Swakopmund und die Letzte vor Kapstadt. Hier will ich Geld abheben und mal wieder das Internet benutzen.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen ist es noch k&#228;lter als am Vortag. Trotz Skiunterw&#228;sche ist es ungem&#252;tlich auf dem Moped. Nur f&#252;nf Kilometer nach dem Start in Springbok halte ich auch schon wieder, um zu neuen Waffen im Kampf gegen die K&#228;lte zu greifen. Seit Beginn der Reise habe ich eine Sturmhaube im Gep&#228;ck. Nachdem ich sie in Europa, trotz K&#228;lte nie gebraucht habe, habe ich oft mit dem Gedanken gespielt, sie unterwegs einfach zu verschenken. Jetzt bin ich froh, sie noch immer dabei zu haben. Au&#223;erdem ziehe ich mir noch ein T-Shirt mehr drunter und die Regenjacke gegen den eisigen Winter dr&#252;ber. So geht es einigerma&#223;en.</p>
<p>Unterwegs sieht es dann immer wieder bedrohlich nach Regen aus. Es tr&#246;pfelt zwar auch einige Male, aber mir gelingt es erstaunlicherweise, immer ein kurzes St&#252;ck vor dem Regen zu bleiben. Den ganzen Tag &#252;ber halte ich nur einmal zum Tanken. Erst als mir ein Motorradfahrer entgegenkommt, mir zuwinkt und am Stra&#223;enrand h&#228;lt, mache ich eine Pause. Dave ist S&#252;dafrikaner und mit seiner BMW auf dem Weg nach Walvis Bay. Lange Zeit zu plaudern haben wir nicht, denn nach kurzer Zeit f&#228;ngt es an zu regnen. Von diesem kurzen Stopp bis nach Vanrhynsdorp sind es nur noch 60 Kilometer. In Vanrhynsdorp laufe ich den Campingplatz an, verwerfe aber die Camping-Idee sofort, als ich h&#246;re, dass sie auch Betten vermieten. Vor wenigen Tagen noch, habe ich mein Zelt am Fish River Canyon in sengender Hitze aufgebaut und hier werde ich selbst unter der hei&#223;en Dusche nur langsam wieder warm.</p>
<p>Bisher hatte ich aber noch Gl&#252;ck mit dem Wetter. Als ich am n&#228;chsten morgen aufwache, st&#252;rmt es heftig. Zur Abfahrt f&#228;ngt es an zu regnen. In Vanrhynsdorp verlasse ich die Hauptra&#223;e und folge einer der vielen Weinstra&#223;en S&#252;dafrikas. Diese hier f&#252;hrt in Richtung K&#252;ste. Bis nach Lamberts Bay sind es 80 Kilometer und davon 60 Kilometer Piste. Gerade als ich die Teerstra&#223;e verlasse, wird aus dem leichten Spr&#252;hregen erst ein heftiger Schauer, dann fast tropischer Niederschlag. Obwohl die Piste schnell schlammig wird, ist sie gl&#252;cklicherweise bei weitem nicht so rutschig, wie die Lateritpisten in Tansania. Nach einer halben Stunde steht die Strecke komplett unter Wasser. Und auch durch meine Regensachen sickert so langsam die Feuchtigkeit.</p>
<p>In Lamberts Bay halte ich erst an einer Tankstelle. Meine Hoffnung auf ein warmes Pl&#228;tzchen und einen hei&#223;en Kaffee erf&#252;llen sich hier aber leider nicht. Mehr Gl&#252;ck habe ich dann in einem Hotel direkt am Hafen des kleinen Ortes. Im Café des Hotels f&#228;llt mir sofort ein Typ in einer knall orangenen Regenkombination mit Leuchtstreifen auf. Ich halte ihn erst f&#252;r einen Hafenarbeiter. Es stellt sich aber schnell heraus, dass er mit seinem Motorrad unterwegs ist. Gemeinsam studieren wir den Wetterbericht in Zeitung und TV. So wie es aussieht, ist heute noch der beste Tag einer ganzen Reihe Regentage. Also trinke ich schnell einen Kaffee, esse ein Sandwich und schwinge mich dann wieder aufs Moped.</p>
<p>Von Lamberts Bay an, verl&#228;uft die Strecke weitestgehend direkt am Atlantik. Hier st&#252;rmt es jetzt richtig. Und wie sollte es auch anders sein, kommt der Wind nat&#252;rlich schr&#228;g von vorne. Der Regen f&#228;llt f&#252;r die n&#228;chsten Stunden fast durchg&#228;ngig. Ich bei&#223;e die Z&#228;hne zusammen und fahre noch bis in den Ferienort Langebaan. Auch f&#252;r die heutige Nacht checke ich wieder in ein Bed &amp; Breakfast ein. Trotz widriger Bedingungen, habe ich an diesem Tag fast 300 Kilometer zur&#252;ckgelegt.</p>
<p>Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster lacht mir die Sonne entgegen. Aber schon beim Fr&#252;hst&#252;ck f&#228;ngt es wieder an zu regnen. Mit der Abfahrt lasse ich mir heute viel Zeit. Vielleicht &#228;ndert sich das Wetter ja doch noch. Bis nach Kapstadt sind es noch 120 Kilometer. Da kann ich es ruhig angehen lassen und habe dann immer noch ausreichend Zeit, mich in der Stadt ordentlich zu verfahren. Und tats&#228;chlich ist es trocken, als ich das Moped aus der Garage der Herberge schiebe. Mit jedem Kilometer, der mich weiter in Richtung Tafelberg bringt, steigt meine ohnehin schon gute Stimmung. Als auf der H&#228;lfte der Strecke auch noch die Sonne rauskommt, wird daraus pure Euphorie.</p>
<p>30 Kilometer vor Kapstadt halte ich an einer Tankstelle mit Café. Ich will den Moment der Ankunft noch ein wenig hinausz&#246;gern, das Gef&#252;hl der Vorfreude noch ein wenig konservieren. Ich sitze in der Sonne, genie&#223;e den Kaffee und das leckere Essen und werde zu guterletzt auch noch von dem Besitzer des Lokals dazu eingeladen. Die letzten Kilometer vergehen dann wie im Fluge. Es wird schnell mehr und mehr st&#228;dtisch. Dann taucht vor mir der Tafelberg auf. Der Berg verschwindet zwar zur H&#228;lfte im Nebel, aber diese Skyline ist unverkennbar. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht parke ich eine viertel Stunde sp&#228;ter das Moped in der Stadt.</p>
<p>Ich habe das Ziel erreicht. Nach 248 Tagen bin ich angekommen. Ich bin in Kapstadt. 21.000 Kilometer durch 21 L&#228;nder auf drei Kontinenten mit einer 50 Kubik Simson Schwalbe, Baujahr 1978!</p>
<p>245. Tag<br />
Noordoewer - Springbok</p>
<p>246. Tag<br />
Springbok - Vanrhynsdorp</p>
<p>247. Tag<br />
Vanrhynsdorp - Langebaan</p>
<p>248. Tag<br />
Langebaan - K A P S T A D T</p>
<p><span style="color: #ffffff;">&#8211;</span></p>
<p>Das war der einfache Teil der Reise. Um das zweite Ziel dieser Unternehmung ebenfalls zu erreichen, ist aber jede Unterst&#252;tzung notwendig. F&#252;r die <a href="http://slowwaydown.com/swd/spenden/">HIV/Aids-Arbeit im Health Center in Mukujju, Uganda </a>wird dringend eine CD4-Maschine gebraucht. Ich bin immer davon &#252;berzeugt gewesen, dass man Afrika mit einer Mofa der L&#228;nge nach durchqueren kann. Und genauso glaube ich, dass wir gemeinsam das medizinische Ger&#228;t f&#252;r die wunderbaren Menschen in Uganda zusammen bekommen. <a href="https://de.betterplace.org/elements/1346/donations/new" target="_blank">Jetzt Spenden!</a></p>
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		<title>Namibia</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 16:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Bereits fr&#252;h am morgen sitze ich wieder auf dem Moped und fahre die restlichen 30 Kilometer bis zur Grenze. Die Tankstelle, an der ich eigentlich noch einmal g&#252;nstiges Botswana-Benzin kaufen wollte, hat leider keinen Sprit mehr, daf&#252;r aber leckere Fr&#252;hst&#252;cks-Sandwiches. Die Abfertigung an der Grenze ist z&#252;gig und die Zollformalit&#228;ten bestehen darin, dass ich mein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits fr&#252;h am morgen sitze ich wieder auf dem Moped und fahre die restlichen 30 Kilometer bis zur Grenze. Die Tankstelle, an der ich eigentlich noch einmal g&#252;nstiges Botswana-Benzin kaufen wollte, hat leider keinen Sprit mehr, daf&#252;r aber leckere Fr&#252;hst&#252;cks-Sandwiches. Die Abfertigung an der Grenze ist z&#252;gig und die Zollformalit&#228;ten bestehen darin, dass ich mein Kennzeichen auf beiden Seiten der Grenze in ein gro&#223;es Buch eintragen muss. Botswana befindet sich mit Namibia und S&#252;dafrika in einer Zollunion und das Carnet f&#252;r das Moped kann in der Tasche bleiben. Etwas &#252;berrascht bin ich, dass ich dann auf namibischer Seite eine Bearbeitungsgeb&#252;hr f&#252;r das Einreisen mit eigenem Fahrzeug entrichten muss. Habe ich die Bearbeitung mit dem Eintrag ins Zollbuch nicht gerade selbst vorgenommen? <span id="more-101"></span></p>
<p>Von der Grenze sind es 100 Kilometer bis Gobabis. Hier will ich erneut versuchen Ersatz f&#252;r meine in Botswana durchgebrannte Scheinwerfer-Gl&#252;hlampe zu bekommen. Ab Maun habe ich es bereits in Botswana &#252;berall probiert, bin aber allerorten nur achselzuckend weiter geschickt worden. Im gutsortierten Autozubeh&#246;r-Laden in Gobabis scheine ich zun&#228;chst mehr Erfolg zu haben. Der Verk&#228;ufer best&#228;tigt mir, so eine Birne zu kennen. Na, immerhin. Grinsend f&#252;gt er aber dann hinzu, dass er so etwas vor ungef&#228;hr zwei Jahren das letzte mal gesehen hat. In einem vierzig Jahre alten Traktor. </p>
<p>Auf halber Strecke nach Windhoek mache ich Halt bei Ziggi. Der Holl&#228;nder hat vor drei oder vier Jahren in dem kleinen Nest Witvlei eine alte Pension &#252;bernommen. Nachdem er dann bemerkt hat, was f&#252;r einen defizit&#228;ren Schuppen er da gekauft hat, hat er die &#196;rmel hochgekrempelt und aus der alten Pension ein Backpacker-Hostel und Campsite mit viel Charme gemacht. In K&#252;rze peilt er den &#8220;Break Even&#8221; an. </p>
<p>Der n&#228;chste Abschnitt bis nach Windhoek ist lediglich 150 Kilometer und ich freue mich, fr&#252;h in die Stadt zu kommen. Der &#252;ber Mittag auffrischende Wind macht mir dabei dann aber eine Strich durch die Rechnung. Erst am fr&#252;hen Nachmittag passiere ich den Flughafen von Windhoek. F&#252;r die restlichen 40 Kilometer von hier bis in die Stadt brauche ich noch mal zweieinhalb Stunden. Der Wind pfeift mir genau entgegen und wird auch noch st&#228;rker, als ich die Berge rund um die namibische Hauptstadt erreiche. Die Stadt hat ihren Namen zu Recht. Windhoek, die windige Ecke.</p>
<p>In Windhoek steure ich ein Hostel direkt in der Stadt an und finde einen Platz f&#252;r mein Zelt auf dem kleinen Campsite im Hinterhof. Eigentlich will ich nur f&#252;r zwei N&#228;chte bleiben. Am Ende werden es derer F&#252;nf, was eigentlich nur an der netten Atmosph&#228;re des Hostels liegen kann. Windhoek selbst hat au&#223;er Shopping eigentlich nur Shopping zu bieten. Eigentlich die besten Vorrausetzungen f&#252;r den Lampenkauf. Dennoch finde ich auch hier keine passende Gl&#252;hbirne. Selbst beim ortsans&#228;ssigen Bosch-Dienst bekomme ich, diesmal auf Deutsch, eine Abfuhr. </p>
<p>Mein n&#228;chstes Ziel ist die Atlantik-K&#252;ste. Auf meinem Weg aus der Stadt verfahre ich mich derma&#223;en und komme dabei durch so ziemlich s&#228;mtliche Stadtteile, vor denen mein Reisef&#252;hrer so eindringlich warnt. Auf einer Teerstra&#223;e fahre ich zun&#228;chst nach Norden. In Okahandja biegt die Stra&#223;e dann nach Westen ab. Ab hier habe ich wieder mit dem garstigen Wind zu k&#228;mpfen. Dieser Gegenwind ist wirklich frustrierend. Wenn man Berge hinauf kriecht, ist es wenigstens ersichtlich, weshalb man schleicht. Nach etwa 150 Kilometern komme ich kurz vor Wilhelmstal an einem Campingplatz-Schild vorbei. Ich beschlie&#223;e den Tag vorzeitig zu beenden und biege links in den Busch ab. Durch ein Gatter geht es auf eine &#8220;Hofeinfahrt&#8221;. Nach 10 Kilometern rauer Piste taucht dann vor mir die Farm auf. Der Hof und der angegliederte Campsite werden von einem deutschen Ehepaar gef&#252;hrt und ein bayerischer Dialekt ist, zumindest bei ihr, nicht zu &#252;berh&#246;ren. Nachdem die Beiden erfahren, welchen Weg ich bis Namibia hinter mir habe, sind sie der Meinung, dass mich das Tierleben rund um den Campsite ja wohl nicht st&#246;ren wird. &#8220;Gestern Nacht hat der Leopard hier ein Kalb gerissen.&#8221; Na, dann ist der wenigstens satt. </p>
<p>Der Zeltplatz liegt etwas abseits der Farm in traumhafter Umgebung. Das Feuer unter dem Wasserkessel an der Dusche wird angeheizt und das &#252;bersch&#252;ssige Holz bekomme ich f&#252;r ein Lagerfeuer. Kurze Zeit sp&#228;ter sind nicht weit entfernt Schakale zu h&#246;ren. Noch vor dem Sonnenaufgang bin ich wieder wach. Nachts wird es seit einiger Zeit immer bitterkalt. Seit der Kalahari wache ich jeden morgen in der letzen Stunde vor dem Sonnenaufgang durch die K&#228;lte auf. Erst wenn die Sonne dann &#252;ber den Horizont blinzelt und ein wenig w&#228;rme liefert, schlafe ich wieder ein. Nach einer Stunde brennt dann aber die Sonne so hei&#223;, dass ich wieder aufwache. </p>
<p>Nachdem ich am n&#228;chsten Morgen von der Farmer-Familie zum Fr&#252;hst&#252;ck eingeladen werde, bin ich erst sp&#228;t wieder auf der Stra&#223;e. Bis kurz hinter Usakos bleibe ich noch auf der Teerstra&#223;e, um vor dem Wind, der meist am fr&#252;hen Nachmittag einsetzt, noch einige Kilometer zu machen. Dann biege ich ab ins s&#252;dliche Damaraland. Vorbei an der Spitzkoppe geht es in die Namib. Die Namib hat an ihren R&#228;ndern starke &#196;hnlichkeit mit der Kalahari. Sandboden, bedeckt mit goldgelbem Gras. Und das, soweit das Auge reicht. Je weiter ich in Richtung der K&#252;ste komme, desto &#8220;w&#252;stiger&#8221; wird die Umgebung. Die Vegetation nimmt langsam ab, bis irgendwann nur noch Sand zu sehen ist. Das Fahren auf der Piste macht gro&#223;en Spa&#223; und die Strecke ist in einem super Zustand. Abschnitte mit heftigem Waschbrett sind nur kurz. Immer wieder geht es durch ausgetrocknete Flussbetten, die aber lediglich sandig und ohne gro&#223;e Steine sind. Ich bin froh, dass ich nicht schon fr&#252;her im Jahr hier l&#228;ngs gekommen bin. Im Februar hat es viel geregnet und Motorradfahrer, die ich unterwegs getroffen habe, haben mir erz&#228;hlt, dass sie in solchen Flussdurchfahrten regelm&#228;&#223;ig bis zum Bauchnabel im Wasser standen.</p>
<p>Je n&#228;her ich der K&#252;ste komme, desto mehr Wolken ziehen auf. Und als die Sonne vollst&#228;ndig hinter den Wolken verschwindet, wird es saukalt. Das erste mal seit der T&#252;rkei hole ich wieder meine Handschuhe raus. Als ich in Henties Bay ankomme bin ich total durchgefroren und laufe den erstbesten Campingplatz an. </p>
<p>In Henties Bay bin ich an der Skeleton Coast angekommen. Dieser K&#252;stenabschnitt, der sich von Swakopmund bis an die angolanische Grenze hoch zieht, hat seinen Namen von Seefahrern fr&#252;herer Zeiten erhalten. Ist ein Schiff in der t&#252;ckischen Str&#246;mung vor der K&#252;ste auf Grund gelaufen, bedeutete dies f&#252;r die Seeleute den sicheren Tod. Die Namib-W&#252;ste reicht hier bis an den Atlantik und im Umkreis hunderter Kilometer gab/gibt es kein trinkbares Wasser. </p>
<p>Auf einer Piste aus gepresstem Salz fahre ich entlang der K&#252;ste nach S&#252;den. Die Sonne verbirgt sich noch immer hinter Wolken und es ist bitterkalt. Immer wieder halte ich kurz, um mich aufzuw&#228;rmen und sitze dabei im Windschatten der Schwalbe frierend in der Namib. In Swakopmund nehme ich mir ein Bett in einem Mehrbettzimmer. Das Zimmer teile ich mir mit Miguel, den ich zuvor schon in Windhoek getroffen habe. Der Spanier ist mit seinem Fahrrad von Cape Town bis in den Norden Namibias geradelt. Er hat sich unterwegs ein bisschen gelangweilt, denn eigentlich arbeitet er als Mountainbike-Guide im Himalaja. Die Berge hier sind ihm einfach zu flach.</p>
<p>In Swakopmund ist es tats&#228;chlich sehr deutsch. Die meisten Gesch&#228;fte haben deutsche Namen und in den L&#228;den und Stra&#223;en wird viel Deutsch gesprochen. In einer Buchhandlung erstehe ich die letzten drei Ausgaben des Spiegel und verbringe zwei Tage mit Zeitungslekt&#252;re. Bevor ich nach drei Tagen weiterfahre, probiere ich mal wieder eine Gl&#252;hbirne zu ergattern. Nach zwei Fehlversuchen werde ich dann tats&#228;chlich f&#252;ndig. Ein Laden, der chinesische Import-Motorr&#228;der verkauft, hat tats&#228;chlich ein passendes Leuchtmittel. Der Inhaber erz&#228;hlt mir, dass sie irgendwann damit angefangen haben, auch die Gl&#252;hbirnen der China-Mopeds zu importieren. Ersatz in Namibia zu finden, war einfach zu schwierig. </p>
<p>Als ich Swakopmund verlasse, ist es mal wieder saukalt. Aber dieses Mal habe ich vorgesorgt und meine lange Unterw&#228;sche angezogen. Die K&#228;lte ist auf diese Weise einigerma&#223;en ertr&#228;glich. Von Swakopmund fahre ich via Walvis Bay in den Namib-Naukluft Park. Als ich nur wenige Kilometer in die Namib gefahren bin, klart das diesige Wetter auf und der Himmel ist wolkenfrei. Sofort wird es hei&#223;. Ich muss schon bald halten und mich der warmen Kleidung entledigen. Als ich mich gerade etwas umst&#228;ndlich aus meiner Unterw&#228;sche sch&#228;le, kommt ein Overland-Truck mitsamt Reisegruppe vorbei. Sch&#246;n, sich vorzustellen, wie die zu Hause aus ihrem Urlaub erz&#228;hlen: &#8220;Und in Namibia, da stand ein Typ bei 40 Grad in Skiunterw&#228;sche mitten in der Namib. Und er hatte keine Schuhe an und h&#252;pfte auf einem Bein - neben seiner Mofa&#8221;. &#8220;Bist du sicher, dass du in der W&#252;ste nicht zu viel Sonne abgekriegt hast?&#8221;</p>
<p>Erst kurz vor Sonnenuntergang erreiche ich Solitaire. Das &#214;rtchen ist ziemlich gro&#223; in meiner Karte eingezeichnet, besteht aber eigentlich nur aus einer Tankstelle und einer Lodge mit angeschlossenem Zeltplatz. Ich verbringe die Nacht auf dem Campingplatz und mache mich am n&#228;chsten Morgen fr&#252;h auf nach Sesriem. In Sesriem ist der Eingang zu dem Teil des Namib-Naukluft Parks, der nur gegen Geb&#252;hr betreten werden kann. Hier befinden sich die gro&#223;en Sandd&#252;nen rund um das Sossusvlei, einer Salzpfanne in der Namib. Die beste Zeit, die D&#252;nen zu besuchen ist der Sonnenauf- und Untergang. Aber, um zu diesen Zeiten noch im Park sein zu d&#252;rfen, muss man auf dem Campsite innerhalb des Parks &#252;bernachten. Neben den hohen Campinggeb&#252;hren, muss man auf diesem Platz auch noch eine horrende Grundgeb&#252;hr bezahlen. Als Alleinreisender ist man da angeschmiert. Also besuche ich die Sandd&#252;nen am Nachmittag und fahre dann, erst in der untergehenden Sonne, dann in der Dunkelheit weiter, um einen anderen Campsite zu finden. Mit mir fahren noch Sven aus Hamburg und Jens aus Krefeld, die zusammen mit zwei jungen Schweizern unterwegs sind. Wir finden nach etwas Suchen einen Campingplatz etwa 25 km von Sesriem entfernt, der zwar noch gar nicht offiziell er&#246;ffnet ist, uns aber trotzdem f&#252;r die Nacht aufnimmt. </p>
<p>Von hier aus geht es am n&#228;chsten Morgen weiter nach Helmeringhausen und von dort zum Fish River Canyon. Nachdem ich zwischendurch wieder das Vergn&#252;gen hatte, f&#252;r wenige Kilometer auf einer Teerstra&#223;e fahren zu k&#246;nnen, geht es ab Seeheim wieder auf eine Piste. Auch dieser Ort ist gro&#223; auf meiner Karte verzeichnet, besteht aber lediglich aus einem einzigen, kleinen H&#228;uschen. Die Strecke ist jetzt ein wenig rauer und immer wieder tauchen fiese Wellblech-Abschnitte auf. Auf einem dieser Abschnitte geht der Endschalld&#228;mpfer fl&#246;ten. Die Schelle ist losvibriert und die harten Ersch&#252;tterungen auf dem Wellblech, haben das Endst&#252;ck der Schwalben-Zigarre abgesch&#252;ttelt. Gl&#252;cklicherweise finde ich alle Teile auf der staubigen Stra&#223;e wieder und nach kurzer Unterbrechung geht die Fahrt weiter.</p>
<p>Der Fish River Canyon ist soetwas, wie der kleine Bruder des Grand Canyon in den USA. Diese Landschaft ist in Afrika einmalig und die tiefe Schlucht bildet einen beeindruckenden Kontrast zu der W&#252;steszenerie West-Namibias. Erst schaue ich mir den Canyon von oben aus an, um dann nach Ai Ais in die Schlucht hineinzufahren. In diesem kleinen Ort mitten im Canyon gibt es die einzige Tankstelle in der Umgebung. Nachdem ich die steile Stra&#223;e zur&#252;ck nach oben geschlichen bin, sind es nur noch etwa zwei Stunden bis zur Grenze nach S&#252;dafrika. In dem Grenzort Noordoewer nehme ich mir ein Zimmer in einem Bed &#038; Breakfast. Namibia hatte ich urspr&#252;nglich gar nicht auf meiner Route eingeplant. Ich bin aber froh, diesen Schlenker gemacht habe zu haben. Die Landschaft und die unglaubliche Weite dieses Landes hat mich beeindruckt. </p>
<p>Am n&#228;chsten morgen stehe ich fr&#252;h am Grenzh&#228;uschen und freue mich, dass auch der letzte Grenz&#252;bertritt auf dem Moped v&#246;llig reibungslos und unkompliziert &#252;ber die B&#252;hne geht. Um 9:00 ist der letzte Stempel im Pass und ich rolle vom Zollhof. Ich bin in S&#252;dafrika.</p>
<p>227. Tag<br />
30 km &#246;stlich der namib. Grenze - Witvlei</p>
<p>228. Tag<br />
Witvlei - Windhoek</p>
<p>229. - 233. Tag<br />
Windhoek</p>
<p>234. Tag<br />
Windhoek - Wilhelmstal</p>
<p>235. Tag<br />
Wilhelmstal - Henties Bay</p>
<p>236. Tag<br />
Henties Bay - Swakopmund</p>
<p>237. - 238. Tag<br />
Swakopmund</p>
<p>239. Tag<br />
Swakopmund - Solitaire</p>
<p>240. Tag<br />
Solitaire - 25 km nord&#246;stlich Sesriem</p>
<p>241. Tag<br />
25 km nord&#246;stlich Sesriem - Helmeringhausen</p>
<p>242. Tag<br />
Helmeringhausen - Fish River Canyon</p>
<p>243. Tag<br />
Fish River Canyon</p>
<p>244. Tag<br />
Fish River Canyon - Noordoewer</p>
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		<pubDate>Sat, 02 May 2009 16:08:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Von Kasane aus machen wir einen Bootstrip auf dem Chobe-River. Der Sunset-Trip beginnt am Nachmittag und f&#252;hrt ein gutes St&#252;ck in den gleichnamigen Nationalpark. Um diese Zeit sind am Ufer zahlreiche Elefanten, Antilopen und Krokodile zu sehen. Im Wasser ist der Uferbereich ges&#228;umt mit Herden von Flusspferden. Mit Beginn des spektakul&#228;ren Sonnenuntergangs macht das Boot [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Kasane aus machen wir einen Bootstrip auf dem Chobe-River. Der Sunset-Trip beginnt am Nachmittag und f&#252;hrt ein gutes St&#252;ck in den gleichnamigen Nationalpark. Um diese Zeit sind am Ufer zahlreiche Elefanten, Antilopen und Krokodile zu sehen. Im Wasser ist der Uferbereich ges&#228;umt mit Herden von Flusspferden. Mit Beginn des spektakul&#228;ren Sonnenuntergangs macht das Boot kehrt und bringt uns zur&#252;ck nach Kasane. Nach zwei N&#228;chten am Rande des Nationalparks machen wir uns auf nach S&#252;den. F&#252;r Motorr&#228;der ist die Durchfahrt durch den Park gesperrt und so nehme ich die Teerstra&#223;e weiter &#246;stlich. <span id="more-100"></span></p>
<p>Auch Johanna und Anselm nehmen diese Strecke, da die Park-Permit f&#252;r den gro&#223;en LKW unglaublich teuer w&#228;re. Die Teerstra&#223;e entlang der Grenze zu Simbabwe ist aber mindesten genauso spannend. Bereits wenige Kilometer s&#252;dlich, sind entlang der Stra&#223;e die ersten Elefanten zu sehen. Immer wieder halte ich an, um die Tiere in Ruhe beobachten zu k&#246;nnen. Es ist ein tolles Gef&#252;hl auf einem Moped zu sitzen, mit dem ich von meiner Haust&#252;r aus losgefahren bin, und diese Tiere in freier Wildbahn zu sehen. Bester Laune fahre ich durch die Landschaft und habe dabei meinen Blick mehr links und rechts im Busch, als auf der Fahrbahn. </p>
<p>Unterwegs begegne ich dann noch einigen Strau&#223;en und Giraffen. Richtig spannend wird es dann aber, als sich am Nachmittag die Sonne senkt und die Hitze abnimmt. Jetzt tauchen links und rechts immer mehr Elefanten auf. Kurz bevor ich den, f&#252;r heute angepeilten Campsite erreiche, tritt nur 200 Meter vor mir ein Elefant auf die Stra&#223;e. Beide bleiben wir stehen und mustern uns gegenseitig. Nach einem kurzem Moment verliert der Dickh&#228;uter das Interesse an mir und trottet weiter. Erst jetzt traue ich mich auszukuppeln und mit der linken Hand nach der Kamera zu fingern. </p>
<p>250 Kilometer s&#252;dlich von Kasane biege ich zum Campsite ab. Der Platz hei&#223;t &#8220;Elephant Sands&#8221; und der Name ist Programm. &#220;ber eine 1-2 Kilometer lange Zufahrt geht es durch losen Sand. Und &#252;berall sind Elefantenspuren und Elefantenmist zu sehen. Ich bin &#252;berrascht, wie viel Schwierigkeiten mir der Sand bereitet. Die Schwalbe hat wohl auf den knapp 10.000 Kilometern seit dem Sudan einige Prozent an Leistungsf&#228;higkeit eingeb&#252;&#223;t. Erst als ich Luft aus dem Hinterreifen lasse, komme ich einigerma&#223;en voran. Auch der Campingplatz selbst ist ein gro&#223;er Sandkasten. Ich baue mein Zelt unter einem kleinen Baum auf und zu dritt begeben wir uns an die Feuerstelle des Zeltplatzes. Das Feuer brennt nur zwanzig Meter von einem Wasserloch entfernt und es dauert nicht lange, bis der erste Elefant auftaucht, um zu trinken. Als ich am n&#228;chsten Morgen aus meinem Schlafsack steige, sind nur wenige Meter von meinem Zelt entfernt Elefanten-Spuren im Sand. </p>
<p>Wir bleiben zwei Tage auf diesem faszinierenden Platz und arrangieren f&#252;r den zweiten Tag einen Spaziergang durch die Umgebung. F&#252;r diese &#8220;Walking-Safari&#8221; stellt uns der Inhaber des Campsites zwei seiner Guides zur Verf&#252;gung. Wir laufen auf einer schmalen Piste in den Busch und einer der Guides erkl&#228;rt uns die Spuren und erz&#228;hlt eine Menge &#252;ber die vielen verschieden Pflanzen und Tiere in dieser Gegend. Irgendwann verlassen wir dann die Piste und laufen auf einem schmalen Pfad weiter. Laut unseres Guides ist dies einer der Verbindungswege der Elefanten. Nachdem wir erst wenige hundert Meter auf dem Pfad unterwegs sind, ist rechter Hand auch schon der erste Elefant zu sehen. Kurz nachdem wir das Tier bemerkt haben, hat es auch uns gewittert und gibt bedrohlich Laut. Als ich mich zu unseren Guides wende und darauf warte, dass sie uns nun erz&#228;hlen, wie wir uns jetzt verhalten sollen, sehe ich sie nur noch von hinten in den B&#252;schen verschwinden. Die beiden t&#252;rmen Hals &#252;ber Kopf! Uns bleibt nichts anderes &#252;brig, als auch in die B&#252;sche zu sprinten. Hinter uns h&#246;ren wir den Elefanten m&#228;chtig &#228;rgerlich und ziemlich bedrohlich trompeten und durchs Unterholz krachen. Nach wenigen hundert Metern laufen wir in unterschiedliche Richtungen weiter. Als wir uns nach einigen Minuten v&#246;llig au&#223;er Atem alle wieder zusammen finden, fragen wir drei uns, ob das jetzt wohl die richtige Reaktion war oder ob wir den Elefanten durch unsere hektische Reaktion nicht erst recht nerv&#246;s gemacht haben. Viel Zeit f&#252;r eine Diskussion bleibt nicht: Erneut trompetet und kracht es hinter uns gewaltig. Und die beiden Guides geben wieder Hackengas. Wie von der Tarantel gestochen verschwinden sie erneut im Geb&#252;sch. </p>
<p>Nur eine Tagesreise n&#246;rdlich von hier befindet sich an den Victoria-F&#228;llen das selbsternannte Epizentrum des Nervenkitzels in Afrika. F&#252;r viel Geld kann man hier Bungeejumping, Paragliding, Abseiling und vieles, vieles mehr buchen. Dabei reicht zum strapazieren der Nerven auch ein einfacher Spaziergang durch den Busch Botswanas. Und wenn man dann auch noch zwei so &#8220;Experten&#8221; als Guides dabei hat, ger&#228;t der Ausflug zum richtigen Adrenalinkick.</p>
<p>Bei der Fahrt vom Campsite durch den tiefen Sand zur&#252;ck zur Stra&#223;e, spielt mein Reifen nicht mit. Er dreht sich auf der Felge und rei&#223;t das Ventil des Schlauchs ab. Mit dem jetzt komplett platten Reifen komme ich zwar hervorragend durch den Sand, muss aber an der Stra&#223;e halten und den Schlauch wechseln. Johanna und Anselm sind kurz nach mir gestartet und gerade als Anselm das Fahrzeug so geparkt hat, dass ich im Schatten des LKW das Hinterrad demontieren kann, quert nur 200 Meter hinter uns ein Elefant die Stra&#223;e.</p>
<p>&#220;ber die, jetzt mit tiefen Schlagl&#246;chern &#252;bers&#228;te, Teerstra&#223;e fahren wir weiter nach S&#252;den. In Nata tanke ich noch einmal auf und wir decken uns mit reichlich Trinkwasser ein. Unser n&#228;chstes Ziel sind die &#8220;Makgadikgadi-Saltpans&#8221;. Von Nata fahren wir nun westlich in Richtung Maun und verlassen in Gweta die Teertrasse, um zu der riesigen Salzfl&#228;che zu gelangen. Erneut geht es ab hier wieder durch Tiefsand. Die Schwalbe hat schwer zu k&#228;mpfen und da ich mich aus Sorge um den Schlauch nicht traue, wieder so viel Luft abzulassen, komme ich nicht so recht vom Fleck. Auf wenigen Metern w&#252;rgt der Motor, trotz Vollgas und schleifender Kupplung immer wieder ab. Als es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis entweder ich oder das Moped einen Hitzekollaps erleiden, entlade ich die Schwalbe und packe mein Gep&#228;ck in den LKW. </p>
<p>Ohne die Last der Taschen fliegt die Schwalbe durchs Gel&#228;nde und die Qu&#228;lerei von eben ist vergessen. So macht das Fahren einen riesen Spa&#223;. Die Piste wird bald etwas fester und 15 Kilometer nach Verlassen der Stra&#223;e schlagen wir unser Nachtlager auf. Die Umgebung ist einfach traumhaft. Auf dem sandigen Untergrund w&#228;chst meterhohes Gras und in weitem Abstand stehen viele kleine B&#228;ume in dieser trocken-braunen Savanne. </p>
<p>Dem Reisef&#252;hrer entnehmen wir, dass es in dieser Gegend eventuell L&#246;wen geben k&#246;nnte und im Scheinwerferlicht des LKW baue ich noch schnell die Au&#223;enhaut meines Zeltes auf. Bei der klaren Nacht wollte ich eigentlich nur unter dem Moskitonetz schlafen. Am n&#228;chsten Morgen entdecken wir dann in der N&#228;he unseres &#220;bernachtungsplatzes K&#252;he - unwahrscheinlich, dass es hier auch L&#246;wen gibt. Und falls doch, dann h&#228;tten sie einen paradiesisch reich gedeckten Tisch. </p>
<p>Zur Abfahrt belade ich das Moped wieder mit meinen Taschen, lasse aber den gro&#223;en Packsack im LKW. Auf dem Weg zur Salzpfanne machen wir Halt an einem gigantischen Baum. Der Baobab soll bereits &#252;ber 2.500 Jahre alt sein und diente den Handelskarawanen fr&#252;her als Orientierungspunkt. Er steht an der schmalsten Stelle der Salzpfanne und markiert so, den schnellsten Weg durch die lebensfeindliche Umgebung. Diesen Weg wollen auch wir nehmen. Langsam wird die Vegetation immer d&#252;nner, bis sie schlie&#223;lich komplett verschwindet. So weit das Auge reicht, bleibt nur noch Salz. Eine gro&#223;e, wei&#223;e, grelle Fl&#228;che. Gl&#252;cklicherweise ist die Salzpfanne schon kurz nach der Regenzeit wieder ausgetrocknet. Feuchtigkeit l&#228;sst die Oberfl&#228;che aufweichen und macht die Salzpfanne unpassierbar. Bleibt man dann stecken, hat man kaum Chancen, wieder freizukommen. </p>
<p>Nach dem wir die Salzfl&#228;che verlassen haben, nimmt die Vegetation langsam wieder zu und es wird wieder sandiger. Unser Nachtlager schlagen wir auf ein leichten Anh&#246;he mit Blick auf einen s&#252;dlichen Arm der Salzpfanne auf. Hier beginnt die n&#246;rdliche Kalahari. Nachts bewegt sich dann wiederholt eine Rinderherde langsam durch unser Camp. Die ganze Nacht &#252;ber versichern sich die K&#252;he mit lautem Muhen gegenseitig, dass sie noch alle da sind. Wenig erholt steige ich am n&#228;chsten Morgen aus meinem Zelt. Meine erste Nacht in der Kalahari f&#252;hlt sich eher an, wie Ferien auf dem Bauernhof. </p>
<p>Bis zum Nachmittag fahren wir noch auf Mini-Pisten durch diese traumhafte Landschaft und begegnen erst kurz vor dem &#214;rtchen Mopipi wieder Menschen. Hier treffen wir auch wieder auf eine Teerstra&#223;e. F&#252;r mich war die Fahrt durch die Makgadikgadi-Saltpans ein absolutes Highlight der bisherigen Reise. Das Fahren hat nirgendwo mehr Spa&#223; gemacht, wie in dieser Umgebung. Die Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz in der N&#228;he des Nord-Eingangs zum &#8220;Central-Kalahari National Park&#8221; und machen uns am n&#228;chsten Morgen fr&#252;h auf zum Okavango-Delta.</p>
<p>In Maun, dem Zentrum des Delta-Tourismus&#8217;, schlagen wir unser Lager im Garten eines ziemlich mond&#228;nen Hotels auf. Das Campen ist hier aber erstaunlich billig. Unterwegs haben wir den Tipp erhalten, dass man f&#252;r kleines Geld am Flughafen von Maun Rundfl&#252;ge &#252;ber das Delta buchen kann. Wir haben Gl&#252;ck und es sind noch &#8220;Scenic-Flights&#8221; zu haben und gemeinsam mit einem Ehepaar aus S&#252;dafrika teilen wir uns f&#252;r eine Stunde eine f&#252;nfsitzige Cessna. Der Pilot kurvt mit uns in einer H&#246;he von 150 Metern &#252;ber dem Grund und es bietet sich ein phantastischer Blick &#252;ber das Binnendelta. Von hier oben sehen wir viele Elefanten, Giraffen, B&#252;ffel und Hippos. Kurz bevor die Sonne ganz hinter dem Horizont verschwindet, setzen wir wieder sicher auf der Rollbahn des kleinen Airports auf.</p>
<p>Von Maun aus, setze ich meinen Weg wieder alleine fort. Johanna und Anselm wollen noch eine weitere Nacht in der Stadt bleiben und dann eventuell &#252;ber den Caprivi-Zipfel nach Namibia einreisen. Mein Weg f&#252;hrt mich entlang des Westrandes der Kalahari, bis ich s&#252;dlich von Ghanzi auf den Trans-Kalahari Highway treffe. Dieser f&#252;hrt dann direkt nach Namibia und letztendlich bis nach Windhoek. Entlang der Strecke bis nach Namibia will ich zwei mal in der Kalahari wild Campen. Als die Sonne langsam untergeht, beginne ich mit der Suche nach einem &#220;bernachtungsplatz. Ung&#252;nstigerweise habe ich nur wenige Kilometer zuvor einen Veterin&#228;r Checkpoint passiert und das Gel&#228;nde jenseits der Stra&#223;e ist von hier an, f&#252;r die n&#228;chsten 100 Kilometer eingez&#228;unt. Ich r&#252;ttele an jedem Gatter, an dem ich vorbeikomme. Aber alle Tore sind verschlossen. Und wenn mal eine Piste abzweigt, so f&#252;hrt auch diese kilometerweit an einem Zaun entlang. </p>
<p>Als ich mir schon &#252;berlege, wie ich das Moped am Zaum mit Gras tarne, um dann mit meinem Zelt &#252;ber den Zaun zu steigen, taucht ein Campingplatz-Schild auf. Der Betreiber freut sich &#252;ber den seltenen Gast. Er hat den Platz vor zwei Jahren er&#246;ffnet, aber das Buch mit allen G&#228;steeintragungen ist noch sehr, sehr d&#252;nn. Eigentlich Schade, denn er gibt sich sehr viel M&#252;he mit dem Platz und die sanit&#228;ren Einrichtungen sind die besten, die ich auf der ganzen Tour gesehen habe. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, schenkt er mir ein B&#252;ndel Feuerholz und einen riesigen Wurstkringel aus Kudu-Fleisch.</p>
<p>Am n&#228;chsten Tag fahre ich bis kurz vor die Grenze zu Namibia. Hier habe ich mehr Gl&#252;ck. Es gibt weit und breit keine Z&#228;une. Ich biege links von der Stra&#223;e ab und fahre querfeldein einige hundert Meter in die Kalahari. Meine letzte Nacht in Botswana.</p>
<p>216. Tag<br />
Kasane</p>
<p>217. Tag<br />
Kasane - Elephant Sands</p>
<p>218. Tag<br />
Elephant Sands</p>
<p>219. Tag<br />
Elephant Sands - Nordseite Makgadikgadi Pan</p>
<p>220. Tag<br />
Nordseite Makgadikgadi Pan - Suedseite Makgadikgadi Pan</p>
<p>221. Tag<br />
Suedseite Makgadikgadi Pan - Naehe Rokops, Nord-Kalahari</p>
<p>222. Tag<br />
Naehe Rokops, Nord-Kalahari - Maun</p>
<p>223. - 224. Tag<br />
Maun</p>
<p>225. Tag<br />
Maun - 80 KM noerdlich von Ghanzi</p>
<p>226. Tag<br />
80 KM noerdlich von Ghanzi - 30 KM oestlich der namibischen Grenze</p>
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		<title>Sambia</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 14:22:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nachdem in der Nacht noch einige Tropfen Regen fallen, ist das Wetter am folgenden Tag trocken und sonnig. Den eigentlich ins Auge gefassten Ausflug in den &#8220;South-Luangwa Nationalpark&#8221; lassen wir aber dennoch ausfallen. Die Piste zum Park soll in einem desolaten Zustand und mit einer defekten Blattfeder am LKW nicht zu befahren sein. Stattdessen machen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem in der Nacht noch einige Tropfen Regen fallen, ist das Wetter am folgenden Tag trocken und sonnig. Den eigentlich ins Auge gefassten Ausflug in den &#8220;South-Luangwa Nationalpark&#8221; lassen wir aber dennoch ausfallen. Die Piste zum Park soll in einem desolaten Zustand und mit einer defekten Blattfeder am LKW nicht zu befahren sein. Stattdessen machen wir uns langsam auf den Weg in Richtung Lusaka. <span id="more-99"></span></p>
<p>Das Wetter h&#228;lt den ganzen Tag und durch zumeist flache Landschaft kommen wir schnell voran. Der LKW f&#228;hrt immer ein St&#252;ck voraus und Johann und Anselm warten dann alle zwei bis drei Stunden am Weg auf mich. Unsere Geschwindigkeit liegt nicht allzu weit auseinander und so m&#252;ssen die Beiden nie lange auf mich warten. Kurz vor Sonnenuntergang suchen wir uns einen ruhigen Platz f&#252;r die Nacht etwas abseits der Stra&#223;e. Nach einem Fehlversuch, der uns mitten auf den belebten Bolzplatz eines Dorfes f&#252;hrt, werden wir ein St&#252;ck weiter f&#252;ndig.</p>
<p>Nachdem Johanna und Anselm ihren LKW ausgerichtet und ich mein Zelt aufgebaut habe, bekommen wir Besuch. Ein Mann will uns zeigen, dass er nur einige Meter von Zelt und LKW entfernt, unter einigen Erdh&#252;geln Holzkohle macht. Er erkl&#228;rt uns, dass er h&#228;ufig die Glut kontrollieren muss und deshalb auch Nachts durch unser kleines Camp kommen wird - wir sollen ihn doch dann bitte nicht erschie&#223;en. Wir versprechen es ihm und entschuldigen uns unserseits f&#252;r die Unannehmlichkeiten.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen gehen wir es gem&#252;tlich an und brechen erst nach einem ausgiebigen Fr&#252;hst&#252;ck auf. Die Landschaft wird nun langsam bergiger und abwechselungsreicher. Die schmale Teerstra&#223;e schraubt sich durch dichte W&#228;lder einige kleine Berge hoch und f&#252;hrt dann in steilen Serpentinen hinunter zum Luangwa. Die Br&#252;cke &#252;ber den Fluss, wird vom Milit&#228;r bewacht. Die Grenze zu Mosambik ist nicht weit entfernt. Nach kurzem &#8220;woher und wohin?&#8221; ist der Checkpoint am Westufer schnell genommen und die Stra&#223;e f&#252;hrt wieder in die kleinen Berge hinauf. Auf halber Strecke zwischen Luangwa-Br&#252;cke und Lusaka beginnt dann linkerhand der &#8220;Lower Zambezi National Park&#8221;. Wir biegen nach rechts von der Stra&#223;e ab und finden einen sch&#246;nen Platz f&#252;r die Nacht.</p>
<p>Lusaka empf&#228;ngt uns mit einer autobahn&#228;hnlichen Zubringerstra&#223;e. An ihr liegen gleich mehrere imposante Einkaufszentren mit Superm&#228;rkten, wie ich sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Das afrikanische Abenteuer der letzten Monate geht hier wohl so langsam zu Ende. Zumindest was die Infrastruktur angeht. Eigentlich schade.</p>
<p>Auf dem Campingplatz etwas au&#223;erhalb von Lusaka bleiben wir vier Tage. Johanna und Anselm lassen ihren LKW reparieren und ich bastel ein wenig an der Schwalbe herum. Hier schaffe ich es endlich, erneut den Simmerring am Kickstarter zu wechseln. Schon kurze Zeit nach dem ersten Wechsel des Rings im Sudan, hat die Schwalbe hier wieder &#214;l verloren. Beim Wechsel der Scheinwerfer-Gl&#252;hbirne muss ich dann leider feststellen, dass meine letzte Ersatzgl&#252;hbirne auch nicht funktioniert. Eine Neue bekomme ich wohl erst nach den Osterfeiertagen.</p>
<p>F&#252;r die Fahrt an die Victoria-F&#228;lle in Livingstone ben&#246;tigen wir zweieinhalb Tage. Das Wetter ist jetzt hei&#223; und es sind kaum Wolken am Himmel. Die Regenzeit liegt nun endg&#252;ltig hinter uns. In einem kleinen Ort entlang der Strecke kann ich eine Birne f&#252;r meinen Scheinwerfer auftreiben. Leider gibt es nur eine, ich h&#228;tte gerne mein Ersatzteillager aufgef&#252;llt.</p>
<p>In Livingstone verbringen wir drei N&#228;chte. Am zweiten Tag besuchen wir die weltber&#252;hmten Wasserf&#228;lle am Zambezi-River. Den F&#228;llen, die eigentlich Mosi-Oa-Tunya hei&#223;en, wurden 1855 von David Livingstone, dem ersten Europ&#228;er, der an seiner Fallkante stand, der Name der damaligen englischen K&#246;nigin verpasst. Jetzt im April ist der Fluss reichlich gef&#252;llt. Zehn Millionen Liter Wasser schie&#223;en so kurz nach der Regenzeit jede Sekunde die 108 Meter hohen Wasserf&#228;lle hinunter. Auf der sambischen Seite kann man auf einem Fu&#223;weg unterhalb der F&#228;lle bis zur sog. &#8220;Knife Edge&#8221; laufen. Beim &#252;berqueren der Br&#252;cke zu diesem Aussichtspunkt wird man dann aber von der Gischt so Nass, als h&#228;tte man ein Bad im Fluss genommen. Der gesamte Fu&#223;weg entlang des &#8220;Eastern Cataract&#8221; ist die wahrscheinlich gr&#246;&#223;te und definitiv die spektakul&#228;rste Erlebnisdusche der Welt.</p>
<p>Noch weiter flussabw&#228;rts &#252;berquert eine Eisenbahn- und Autobr&#252;cke den Sambesi. Der Fluss stellt an dieser Stelle die Grenze zwischen Sambia und Simbabwe dar und die Br&#252;cke ist hierbei das Niemandsland zwischen diesen L&#228;ndern. Man kann als Fu&#223;g&#228;nger die Br&#252;cke betreten, ohne aus Sambia ausreisen zu m&#252;ssen. Von hier aus hat man einen imposanten Blick auf den Fluss und einen Teil der Victoria-F&#228;lle.</p>
<p>Wir verbringen auch noch den Ostermontag auf dem Campingplatz in Livingstone und brechen am folgenden Tag in Richtung Botswana auf. Bevor wir aber die Stadt verlassen, besuche ich noch schnell das Postamt. Hierher habe ich damals mein P&#228;ckchen mit einigen Ersatzteilen aus Kigali vorausgeschickt. Als der Postbeamte nach langem Suchen mit leeren H&#228;nden von hinten an seinen Schalter zur&#252;ckkehrt, bin ich nicht sehr &#252;berrascht. Ich hatte damals beim Abschicken in Ruanda schon so meine Zweifel, ob es &#252;berhaupt ankommen wird.</p>
<p>Umso &#252;berraschter bin ich dann aber, als ich einige Kilometer au&#223;erhalb Livingstones einen Trabi am Stra&#223;enrand entdecke. Das kleine Auto steht dort als Werbetr&#228;ger und Hinweisschild f&#252;r einen Campingplatz. Erst jetzt f&#228;llt mir ein, dass ich irgendwo unterwegs schon mal davon geh&#246;rt hatte. Ein Deutscher soll vor einigen Jahren die Pappe nach Sambia gefahren und hier einen Campingplatz er&#246;ffnet haben, so die Kurzfassung der Geschichte.</p>
<p>Von Livingstone nach Kazangula geht es 60 Kilometer entlang des Sambesi. Hier treffen auf engstem Raum die L&#228;nder Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe aufeinander. Mit einem Ponton &#252;berquert man den Sambesi und passiert hierbei die weltweit wohl k&#252;rzeste internationale Grenzverbindung. Ein einzelner Punkt inmitten des Flusses stellt die Grenze dar.</p>
<p>Die Grenzformalit&#228;ten auf sambischer und botswanischer Seite sind mal wieder weitestgehend unkompliziert und nach der Fahrt durch ein Desinfektionsbecken d&#252;rfen wir nach Botswana einreisen. In Kasane, nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt, bleiben wir auf einem Campingplatz direkt am Chobe-River. Die erste Nacht in Botswana wird begleitet durch das zufriedene Grunzen zahlreicher Flusspferde in umittelbarer N&#228;he des Camp-Sites.</p>
<p>204. Tag<br />
Chipati - wenige Kilometer s&#252;d-&#246;stlich von Petauke</p>
<p>205. Tag<br />
wenige Kilometer s&#252;d-&#246;stlich von Petauke - Nordrand des Lower Zambezi NP</p>
<p>206. Tag<br />
Nordrand des Lower Zambezi NP - Lusaka</p>
<p>207. - 209. Tag<br />
Lusaka</p>
<p>210. Tag<br />
Lusaka - s&#252;dl. von Monze</p>
<p>211. Tag<br />
s&#252;dl. von Monze - 100 KM vor Livingstone</p>
<p>212. Tag<br />
100 KM vor Livingstone - Livingstone</p>
<p>213. - 214. Tag<br />
Livingstone</p>
<p>215. Tag<br />
Livingstone - Kasane (Botswana)</p>
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		<title>Malawi</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 11:39:07 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nachdem ich von Mbeya kommend einen langen und steilen Anstieg im Schneckentempo bew&#228;ltigt habe, folgt eine lange Abfahrt hinunter zum Malawi-See. &#220;ber mehrere Kilometer fliegt die Schwalbe im Leerlauf dem See entgegen. Auf halber Strecke zur Grenze nach Malawi taucht dann der See glitzernd in der Ferne auf. Die Formalit&#228;ten auf tansanischer und malawischer Seite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich von Mbeya kommend einen langen und steilen Anstieg im Schneckentempo bew&#228;ltigt habe, folgt eine lange Abfahrt hinunter zum Malawi-See. &#220;ber mehrere Kilometer fliegt die Schwalbe im Leerlauf dem See entgegen. Auf halber Strecke zur Grenze nach Malawi taucht dann der See glitzernd in der Ferne auf. Die Formalit&#228;ten auf tansanischer und malawischer Seite sind z&#252;gig erledigt und ich stehe schon bald mit dem Moped wartend vor dem Schlagbaum. Aber nichts tut sich. Beamte kommen und gehen, aber niemand macht Anstalten die Fahrt freizugeben. Irgendwann kommt dann einer der Z&#246;llner, um mir zu sagen, dass sie den Schl&#252;ssel nicht finden und ich doch einfach auf der anderen Seite des Geb&#228;udes vorbeifahren solle. Also mache ich kehrt und fahre entgegen der Fahrtrichtung an der rechten Seite des Zollb&#252;ros vorbei.<br />
<span id="more-98"></span><br />
Hier kommt mir ein Auto mit drei jungen Leuten entgegen. Die Drei halten mich an, um kurz zu Plaudern. Sie sind Amerikaner und auf einer Rundreise durch S&#252;d- und Ostafrika. Als ich sie nach &#220;bernachtungsm&#246;glichkeiten in Malawi frage, schenken sie mir kurzerhand ihren Lonely Planet Reisef&#252;hrer f&#252;r das s&#252;dliche Afrika. Bisher war ich f&#252;r diesen Teil der Reise noch f&#252;hrerlos. Gut, dass die malawischen Z&#246;llner ein wenig schusselig sind&#8230; .</p>
<p>Im Norden Malawis verl&#228;uft die Strecke nicht weit entfernt des Sees und die Landschaft hier ist flach, wie an der deutschen Nordseek&#252;ste. Ohne Berge, Sand, Schlamm, Holperpiste, schlechtem Benzin oder sonstigen Widrigkeiten bringt das Moped noch immer &#252;ber 60 km/h Spitzengeschwindigkeit. Ein ungewohnt sch&#246;nes Reisetempo. Nach der teilweise recht heftigen Piste in Tansania bin ich froh erst einmal f&#252;r l&#228;ngere Zeit auf Asphalt unterwegs zu sein. In Karonga baue ich mein Zelt im Garten eines Motels auf und koche mir mit Blick auf den See eine Nudelsuppe zum Abendessen. </p>
<p>Am n&#228;chsten Tag geht es weiter durch die flache Landschaft. Auf der Stra&#223;e ist so gut wie kein Verkehr unterwegs, daf&#252;r aber wieder umso mehr Fu&#223;g&#228;nger und Radfahrer. Die Menschen winken mir zu und wenn ich stoppe, kommen sofort einige, um ein paar freundliche Worte zu wechseln. Nach einigen Kilometern wird die Landschaft allm&#228;hlich h&#252;geliger und im S&#252;den und Westen tauchen hohe Berge auf. Mein Tagesziel f&#252;r heute ist Livingstonia. Dieser kleine Ort liegt hoch oben in den Bergen etwa 15 Kilometer abseits des Sees. Ich hatte schon geh&#246;rt, dass der Ort wieder nur &#252;ber eine Piste zu erreichen ist. Aber 15 Kilometer k&#246;nnen ja nicht so schlimm sein&#8230; . An der Piste die mich dann erwartet, bei&#223;e ich mir aber fast die Z&#228;hne aus. Diese kurze Strecke ist, neben dem Schlamm in Tansania, die bisher gr&#246;&#223;te Herausforderung f&#252;r das Moped. Die Strecke ist in etwa so miserabel, wie die Piste in Nordkenia, nur das sie zus&#228;tzlich noch steil den Fels hinauff&#252;hrt. </p>
<p>Als ich den Campsite f&#252;nf Kilometer vor Livingstonia erreiche, bin ich selbst erstaunt, dass ich diesen Aufstieg bew&#228;ltigt habe. Aber der Blick vom Campsite hinunter zum See entsch&#228;digt mal wieder f&#252;r die Strapazen. Sp&#228;ter fahre ich noch einmal mit dem unbeladenen Moped in den Ort, um Lebensmittel zu kaufen. Ohne Gep&#228;ck klettert die Schwalbe wie eine junge Bergziege die Piste hinauf. Sollte ich noch einmal mit einer Schwalbe auf Reisen gehen, dann werde ich mehr auf eine leichte Ausr&#252;stung und leichtes Gep&#228;ck achten. Das macht eine Menge aus. Auf dem Campingplatz am Hang unterhalb Livingstonia bleibe ich zwei N&#228;chte. Dann begebe ich mich behutsam auf den Abstieg hinunter zum See. </p>
<p>Nach S&#252;den wird jetzt auch die Stra&#223;e entlang des Sees immer bergiger. F&#252;r die 120 Kilometer nach Mzuzu ben&#246;tige f&#252;nf Stunden. In dem gem&#252;tlichen Backpacker in Mzuzu, das eigentlich eher eine Bar mit Wiese zum Zelten ist, bleibe f&#252;r zwei Tage. Hier schnappe ich auch zum erstenmal das Ger&#252;cht auf, dass meine geplante Route entlang des Sees nach S&#252;den nicht m&#246;glich ist. In der Regenzeit ist eine Br&#252;cke eingest&#252;rzt und hat die Stra&#223;e unpassierbar gemacht. Da ich auf jeden Fall aber noch einige N&#228;chte direkt am See verbringen will, mache ich mich trotzdem auf den Weg. Notfalls muss ich halt wieder umkehren. </p>
<p>Als ich in Mzuzu noch kurz zur Bank fahren will, treffe ich auf alte Bekannte. Johanna und Anselm mit ihrem Magirus parken ebenfalls vor der Bank. Aus E-Mails wusste ich, dass sie ebenfalls in Malawi waren, hatte sie aber schon weiter s&#252;dlich vermutet. Eigentlich w&#228;ren sie auch schon l&#228;ngst auf halbem Wege nach Lilongwe, wenn sie nicht am Ortsausgang vom Mzuzu von der Polizei wegen zu schnellen Fahrens gestoppt worden w&#228;ren. Jetzt brauchen sie Cash, um den Strafzettel zu bezahlen. W&#228;hrend ich auf der Stra&#223;e halte und mit Anselm plaudere, kommen drei Polizisten zu mir. Ehe ich mich versehe, bekomme auch ich ein Kn&#246;llchen verpasst. T&#252;chtige Beamte. Ich verabrede mit Johanna und Anselm, mich mit ihnen in f&#252;nf Tagen in Lilongwe zu treffen und fahre weiter nach Nhkata Bay an den See.</p>
<p>Von Nkhata Bay f&#228;hrt eine F&#228;hre &#252;ber den Lake Malawi nach S&#252;den. Das w&#228;re auch eine Alternative f&#252;r die unpassierbare Stra&#223;e. Am Hafen erhalte ich die Information, dass die Mitnahme des Mopeds kein Problem ist und auch der Fahrplan sagt mir zu. Ich k&#246;nnte noch ein paar Tage am See verbringen und dann nach S&#252;den schippern. Auf dem R&#252;ckweg zum Campsite komme ich mit dem Fahrer eines Minibusses ins Gespr&#228;ch. Er erz&#228;hlt mir, dass die Br&#252;cke zwar immer noch kaputt ist, aber mit einem Motorrad trotzdem problemlos zu passieren w&#228;re. Mit den Bussen machen sie es immer so, dass sie die Passagiere bis zur Br&#252;cke fahren und diese dann zu Fu&#223; nach dr&#252;ben laufen. Auf der anderen Seite werden sie dann von einem anderen Bus wieder aufgenommen. Das h&#246;rt sich gut an. </p>
<p>Nach einer Nacht verlasse ich Nkhata Bay und fahre entlang des Sees nach S&#252;den. Nur 50 Kilometer weiter s&#252;dlich steuere ich das Camp in Kande Beach an. Der Platz ist traumhaft und liegt an einem sch&#246;nen Sandstrand direkt am See. Hier bleibe ich zwei N&#228;chte und faulenze in der H&#228;ngematte am Strand. Der n&#228;chste Abschnitt der Strecke entlang des Sees ist eine schmale Teerstra&#223;e, auf der au&#223;er mir, so gut wie kein Verkehr unterwegs ist. Auch der Campsite in Sani Beach, wenige Kilometer s&#252;dlich von Nhkotakota ist v&#246;llig verwaist. Seit die Br&#252;cke kaputt ist, bleiben die G&#228;ste aus, klagt mir der junge Betreiber sein Leid.</p>
<p>Am n&#228;chsten morgen tobt ein heftiger Sturm &#252;ber dem See und es sieht bedrohlich nach Regen aus. Ich packe schnell zusammen und mache mich auf den Weg in Richtung defekter Br&#252;cke. Kurz bevor ich die Querung erreiche, komme ich mal wieder an einen Checkpoint der Polizei. In keinem anderen Land bin ich bisher so h&#228;ufig von den Ordnungsh&#252;tern &#252;berpr&#252;ft worden, wie hier. Aber die Kontrollen waren bisher immer freundlich und problemlos. Meist wird ein schneller Blick auf F&#252;hrerschein und Versicherung geworfen und ich darf weiter fahren. So auch hier. Und auch kein Wort dar&#252;ber, dass die Br&#252;cke entlang der Strecke gesperrt ist. Ich hatte ein wenig Bedenken, Sie w&#252;rden mich vielleicht nicht bis zur Baustelle durchlassen. </p>
<p>Als ich die Br&#252;cke erreiche, ist diese schon wieder komplett repariert. Lediglich an den Zufahrtsrampen auf beiden Seiten wird noch gearbeitet. Trotzdem werde ich an der Br&#252;cke gestoppt. &#8220;No passing. Construction.&#8221; Der Bauarbeiter deutet mir an, ich solle, wie die Fu&#223;g&#228;nger, die provisorische Querung des weit &#252;ber die Ufer getretenen kleinen Flusses nehmen. &#220;ber eine Strecke von ungef&#228;hr 50 Metern sind Baumst&#228;mme und &#196;ste zu einem kleinen Pfad zusammengebunden. Einfach dr&#252;berfahren wird nicht funktionieren. Ich m&#252;sste das Moped entladen, die Sachen r&#252;bertragen und dann mit einem Helfer, das Moped langsam &#252;ber die St&#228;mme balancieren. Stirnrunzelnd wechselt mein Blick immer wieder zwischen dem provisorischen Pfad und der neuen, tadellosen und nur ca. f&#252;nf Meter langen Br&#252;cke. Der Bauarbeiter beobachtet mich die ganze Zeit und nach einem kurzen Moment nickt er mir zu und deutet mir an, &#252;ber die Br&#252;cke zu fahren. Scherzhaft drohend, f&#252;gt er noch hinzu: &#8220;But don&#8217;t tell anyone&#8221;. &#8220;I won&#8217;t, I promise. Thank you.&#8221; </p>
<p>Nach etwa 100 Kilometern und zwei weiteren Police-Checkpoints erreiche die Hauptstra&#223;e nach Lilongwe. Von hier es sind es nur noch 100 weitere Kilometer bis in die Hauptstadt. Diese f&#252;hren aber fast ausschlie&#223;lich bergauf ins Landesinnere und kosten mich viel Zeit. Als ich gerade die Stadtgrenze erreiche, &#246;ffnet der Himmel seine Schleusen. V&#246;llig durchn&#228;sst treffe ich auf dem Mabuya-Campsite wieder auf Johanna und Anselm. Die Beiden sind schon seit vier Tagen hier und haben erfolglos versucht eine gebrochene Blattfeder an ihrem LKW zu reparieren. Nun wollen sie so schnell es geht weiter nach Lusaka, um dort einen neuen Versuch zu starten. Als es am n&#228;chsten Tag noch immer wie aus Eimern regnet, bleiben wir aber noch einen weitere Nacht und brechen am folgenden Tag gemeinsam nach Sambia auf. </p>
<p>Auf dem Weg zur Grenze verschwindet dann die Sonne erneut und es beginnt wieder zu regnen. Gl&#252;cklicherweise sind es bis dahin nur 120 Kilometer. Am letzten Polizei-Checkpoint vor dem Grenzort verrichtet dann ein &#228;u&#223;erst gewissenhafter Polizist seinen Dienst. Genauer als seine Kollegen zuvor, studiert er meinen internationalen F&#252;hrerschein, um dann festzustellen, dass ich nicht berichtigt bin Motorr&#228;der zu lenken. Als ich ihm zustimme, ist er etwas verwirrt. &#8220;But you are sitting on a Motorcycle!&#8221; Naja, nee. 50 Kubik. Ein Moped. Kein richtiges Motorrad. Nun ist er nicht mehr verwirrt, sondern fest entschlossen, einen Versto&#223; zu ahnden. Seiner Meinung nach, ist das Fahren ohne F&#252;hrerschein. Alle Erkl&#228;rungsversuche (&#8221;it&#8217;s a scooter&#8221;, &#8220;a Bicycle with a Support-Engine&#8221;, &#8220;it is NOT a Motorcycle&#8221;) prallen an ihm ab. Irgendwann z&#252;cke ich zus&#228;tzlich noch meinen nationalen F&#252;hrerschein. Er verschwindet mit beiden Dokumenten und wendet sich Anselm und Johanna zu. Bremslichter und R&#252;ckfahrscheinwerfer werden hier gecheckt. Als er damit fertig ist, kommt er wieder zu mir und h&#228;ndigt Wortlos die F&#252;hrerscheine aus. Das war knapp. Und man kann ihm das noch nicht einmal ver&#252;beln. Der internationale F&#252;hrerschein ist da nicht sehr eindeutig. </p>
<p>Die Grenzformalit&#228;ten an der Grenze Malawis und Sambias sind dann mal wieder problemlos und schnell erledigt. Etwas au&#223;erhalb von Chipata in Sambia steuern wir einen Campsite an und verbringen die Nacht.</p>
<p>191. Tag<br />
Mbeya - Karonga</p>
<p>192. Tag<br />
Karonga - Livingstonia</p>
<p>193. Livingstonia</p>
<p>194. Tag<br />
Livingstonia - Mzuzu</p>
<p>195. Tag<br />
Mzuzu</p>
<p>196. Tag<br />
Mzuzu - Nkhata Bay</p>
<p>197. Tag<br />
Nkhata Bay - Kande Beach</p>
<p>198 - 199. Tag<br />
Kande Beach</p>
<p>200. Tag<br />
Kande Beach - Sani Beach</p>
<p>201. Tag<br />
Sani Beach - Lilongwe</p>
<p>202.<br />
Lilongwe</p>
<p>203. Tag<br />
Lilongwe - Chipata (Sambia)</p>
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		<title>Tansania</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 18:58:17 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Afrika]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ersten 120 Kilometer geht es weiterhin &#252;ber Asphalt, bis ich in Nyakanazi schlie&#223;lich die Teerstra&#223;e verlasse. Von hier aus liegen jetzt 1.000 Kilometer Piste vor mir, davon 50 Kilometer durch einen Nationalpark. Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich die gesamte Strecke auch fahren kann. In Uganda habe ich einen Engl&#228;nder getroffen, der die Strecke vor kurzem auf der Ladefl&#228;che eines Pick-Ups zur&#252;ckgelegt hat. Sein Bericht war nicht sehr ermutigend. Er erz&#228;hlt von viel Schlamm und zeigt mir Bilder auf seiner Digital-Kamera. Die Strecke sieht tats&#228;chlich nicht sehr gut aus - und die Regenzeit f&#228;ngt hier erst jetzt so langsam an. Viel besorgniserregender finde ich allerdings die zahlreichen L&#246;wen auf seinen Bildern, die er alle auf der Hauptstrecke durch den Katavi-Nationalpark aufgenommen hat. Ich will es trotzdem probieren und notfalls von Kigoma aus &#252;ber den Lake Tanganyika verschiffen.<span id="more-94"></span></p>
<p>Die Piste beginnt vielversprechend. Sie ist zwar sehr staubig, hat aber wenig Schlagl&#246;cher und ist gl&#252;cklicherweise kein Waschbrett. Hier kann ich das Moped auf 50 km/h aufdrehen und komme gut voran. Richtig aufpassen muss man nur auf die Busse auf dieser Strecke. Mit Vollgas rasen sie durch den Staub und nehmen die Kurven wie Rallye-Autos seitlich &#8220;driftend&#8221;. </p>
<p>Irgendwo zwischen Kakondo und Kibongo &#252;berholt mich dann ein Gel&#228;ndewagen und h&#228;lt vor mir. Es ist Jacob aus Holland, der seit 20 Jahren hier in der Gegend lebt und als Logistiker f&#252;r eine norwegische NGO arbeitet. Er besucht nach und nach die zahlreichen Fl&#252;chtlingscamp in dieser Region. In Nord-West Tansania leben noch immer mehrere 10.000 Menschen aus Burundi, dem Kongo und teilweise aus Ruanda in Aufnahmelagern. Jacob ist &#252;berrascht von dem guten Zustand der Piste. Es hat seit f&#252;nf Tagen nicht geregnet, aber das bedeutet auch, dass es jederzeit wieder losgehen m&#252;sste. Und wenn es regnet, dann ist die Strecke s&#252;dlich von Kasulu seiner Meinung nach, f&#252;r mich unpassierbar. </p>
<p>Die n&#228;chsten 20 Kilometer f&#228;hrt er langsam voran, um mir ein Guesthouse in Kibondo zu zeigen. Am Ortseingang kommt der wenige Verkehr pl&#246;tzlich zum Stehen. Obwohl sich der Staub der Stra&#223;e schnell legt, beginnen meine Augen zu tr&#228;nen. Erst als es immer schlimmer wird, merke ich, dass die Luft voller Tr&#228;nengas h&#228;ngt. &#220;ber die Kreuzung vor uns laufen ein paar Polizisten in Kampfmontur. Die Stra&#223;en in Kibondo sind voller Menschen und die Stimmung wirkt sehr aufgekratzt. Mir gegen&#252;ber sind aber alle ausgesprochen freundlich. Am Guesthouse ankommen, erz&#228;hlt der Hotelier, dass es einen Boxkampf in der Stadt gab. Ob es sich dabei um einen sportlichen Wettkampf oder eine gepflegte Keilerei auf der Stra&#223;e gehandelt hat, sagt er allerdings nicht. Als ich sp&#228;ter noch auf der Suche nach etwas zu Essen durch die Stadt laufe, hat sich die Stimmung wieder beruhigt und die meisten Leute haben die Stra&#223;en verlassen.</p>
<p>Als ich am n&#228;chsten morgen an der einzigen Tankstelle im Ort auftanken will, f&#228;llt der Strom aus. Gl&#252;cklicherweise l&#228;sst sich die Zapfs&#228;ule auf Handbetrieb umschalten. Weiter geht die F&#228;hrt auf der Piste entlang der Grenze zu Burundi. Immer wieder geht dabei an gro&#223;en Schildern des UNHCR vorbei, die auf die Fl&#252;chtlingscamps links und rechts der Stra&#223;e hinweisen. Als ich am fr&#252;hen Nachmittag Kasulu erreiche, bauen sich in meinem Nacken die ersten Gewitterwolken auf. Ich suche mir eine Herberge und beobachte, wie sich das Gewitter langsam auf die Stadt zu bewegt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gie&#223;t es wie aus Eimern. Das Gewitter kreist die ganze Nacht &#252;ber der Stadt. Am n&#228;chsten Tag herrscht aber wieder sch&#246;nster Sonnenschein. </p>
<p>In der Hoffnung, dass die Sonne die Piste trocknet, lasse ich mir mit meiner Abfahrt an diesem Tag viel Zeit. Erst gegen 11 Uhr rolle ich das Moped vom Hof der Herberge. Die Stra&#223;en im Ort stehen an den R&#228;ndern tief unter Wasser. Nach verlassen der Stadt bleiben mir noch 20 Kilometer, um mir zu &#252;berlegen, ob ich den Landweg in den S&#252;den in Angriff nehme, oder in Kigoma die F&#228;hre auschecke. Denn dann gabelt sich die Stra&#223;e und die Hauptstrecke f&#252;hrt an den Lake Tanganyika. Da ich nach dem Wechsel des vorderen Kettenritzels in Kigoma vergessen habe, den Mitnehmer f&#252;r den Tacho wieder richtig hinzubiegen, funktioniert der Kilometerz&#228;hler nicht mehr. Nach gef&#252;hlten 20 Kilometern ist weit und breit kein Abzweig zu sehen und auch in der n&#228;chsten dreiviertel Stunde komme ich an keiner Stichstra&#223;e vorbei. Die Piste nach S&#252;den muss ich wohl verpasst haben. Ein Blick auf den Kompass bringt Gewissheit. Ich fahre schnurstracks nach Westen, in Richtung Kigoma. So schnell kann einem die Entscheidung abgenommen werden. </p>
<p>Die Piste ist hier in einem super Zustand. Direkt nach dem Regen heute Nacht muss hier ein sog. &#8220;Grader&#8221; r&#252;bergefahren sein. Ein Baufahrzeug, dass mit einem Schild die obere Schicht der Piste wegkratzt und eine glatte Fahrbahn hinterl&#228;sst. Auf diesem Abschnitt der Strecke jagen die Autos mit H&#246;chstgeschwindigkeit an mir vorbei. Ein Auto, das vorbei fliegt, kommt mir bekannt vor. Es ist Jacob. Als er h&#228;lt, erz&#228;hlt er mir, dass er gerade aus Uvinza, entlang der Piste nach S&#252;den, kommt und die Strecke gut zu befahren und trocken sei. Jetzt &#196;rger ich mich doch, dass ich den Abzweig verpasst habe. Nun bin ich aber schon auf halbem Wege an den See&#8230; . Auch Jacob ist der Meinung, ich sollte erst mal nach Kigoma fahren und schauen, ob und wann das Boot f&#228;hrt und dann k&#246;nnte ich ja immer noch die Piste nehmen. Als er mir dann auch noch eine Abk&#252;rzung von Kigoma nach Uvinza verr&#228;t, ist mein &#196;rger verflogen. </p>
<p>Die letzten Kilometer haben es mal wieder in sich. Die Strecke wird gerade neu gemacht. Aber warum sie deshalb auf drei&#223;ig Kilometern komplett umgepfl&#252;gt wurde, erschlie&#223;t sich mir nicht wirklich. Als ich Kigoma erreiche, mache ich erst einmal wieder eine Erkundungsfahrt durch die Stadt per Moped. Die ersten Hotels, die ich anlaufe erweisen sich als zu teuer, aber schlie&#223;lich finde ich eine Bleibe etwas au&#223;erhalb des Zentrums. Mit dem Minibus, die hier Daladala hei&#223;en, fahre ich sp&#228;ter zum F&#228;hrhafen. Die Auskunft, die ich hier erhalte, ist ern&#252;chternd. Das Schiff f&#228;hrt inzwischen nur noch zweimal im Monat und hat gerade erst gestern in Richtung S&#252;den abgelegt. Der Hafenmeister ist aber sehr bem&#252;ht und treibt nach langem Suchen einen Mitarbeiter der Schiffahrtsgesellschaft auf. Aber auch der wei&#223; nichts weiteres zu berichten. Beide geben mir dann noch den Tipp, einfach den Kapit&#228;n eines Frachtschiffes zu fragen, ob er mich mitnehmen kann. F&#252;r ein paar Dollar machen die das eigentliche immer. &#8220;And it will be much more comfortable&#8221; gibt mir der Hafenmeister noch mit auf den Weg. Morgen probiere ich die Piste&#8230; .</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen werde ich von lautem Klopfen an meine Zimmert&#252;r geweckt. Das erste Klopfen ignoriere ich noch. Wenn es wichtig ist, kann es derjenige ja noch mal sp&#228;ter versuchen. Das Klopfen h&#228;lt unvermindert an und wird mit jedem mal nachdr&#252;cklicher. Es muss wohl wichtig sein. Also frage ich nach, wer da ist und was er will. Als Antwort erhalte ich lediglich: &#8220;I am coming to check on you.&#8221; Aha. &#8220;Who are you?&#8221; &#8220;I want to check on you.&#8221; Das ist mir zu bl&#246;d und ich leg mich wider hin, und versuche weiterzuschlafen. Das ist dem Klopfer vor der T&#252;r wiederum zu bl&#246;d und er beginnt mit beiden H&#228;nden an meine T&#252;r zu trommeln. Irgendwann gebe ich genervt nach und rei&#223;e die T&#252;r auf: &#8220;What do you want?&#8221; &#8220;Now I have to arrest you&#8221; antwortet der Klopfer. Soso, da w&#252;rde ich aber erst mal gerne ihre ID sehen. Er h&#228;lt mir seinen Ausweis unter die Nase und als ich danach greifen will, f&#228;hrt er mich an: &#8220;Just look, don&#8217;t touch!&#8221; Der Herr ist vom Immigrations-Office, der tansanischen Einwanderungsbeh&#246;rde. Als n&#228;chstes soll ich meinen Pass pr&#228;sentieren. Nat&#252;rlich lasse ich es mir nicht nehmen, ihm meinen Pass mit den Worten vor die Nase zu halten &#8220;just look, don&#8217;t touch&#8221;. Als er versucht, trotzdem den Pass zu greifen, lasse ich ihn aber gew&#228;hren. Vielleicht sollte ich den Bogen nicht zu sehr &#252;berspannen. Der Klopfer bl&#228;ttert meinen Pass von vorne nach hinten und von hinten nach vorne durch und wiederholt dabei immer wieder: &#8220;I have to arrest you, &#8230; have to arrest you&#8221;. Nachdem er alle Visa im Pass mehrmals genauestens angeschaut hat, entdeckt er endlich das Tansanische. Trotzdem er sichtlich bem&#252;ht ist, eine Unregelm&#228;&#223;igkeit in dem Dokument zu entdecken, bleibt er erfolglos. Schlie&#223;lich gibt mir wortlos den Pass zur&#252;ck. Dann verschwindet er mit den Worten &#8220;next time you don&#8217;t open the door I have to arrest&#8230; &#8221; Ja, ja. Ich lege mich wieder ins Bett.</p>
<p>Obwohl die Abk&#252;rzung nach Uvinza auf keiner meiner Karten verzeichnet ist, finde ich sie auf Anhieb. Wider habe ich Gl&#252;ck mit dem Wetter. Es regnet nicht und die Sonne trocknet die letzten Pf&#252;tzen auf der Strecke. Bereits am Mittag komme ich nach Uvinza. In meinen Reisef&#252;hrer habe ich gelesen, dass das kleine St&#228;dtchen ein wichtiges Salz-Abbaugebiet ist. Ich erwarte deshalb eher eine ungem&#252;tliche Industriestadt und bin &#252;berrascht ein kleines idyllisches Dorf vorzufinden. Der Ort ist mir auf Anhieb sympathisch und ich entschlie&#223;e, eine Nacht zu bleiben. Das gibt mir auch gen&#252;gend Zeit das Moped zu warten und den Tacho wieder zum Laufen zu bringen.</p>
<p>Der n&#228;chste Tag beginnt wolkenverhangen. Es ist schw&#252;l-hei&#223;, aber es Regnet nicht. Das &#228;ndert sich aber nur wenige Kilometer hinter Uvinza. Die Piste f&#252;hrt haupts&#228;chlich durch dichten Wald und bleibt somit f&#252;rs Erste trocken. Die Strecke schl&#228;ngelt sich als enges, rotes Laterit-Band &#252;ber kleine H&#252;gel und durch schmale T&#228;ler. In den T&#228;lern ist die Landschaft regendurchtr&#228;nkt, fast schon moorig. Nach 60 Kilometern beginnt es dann richtig zu Sch&#252;tten. Innerhalb k&#252;rzester Zeit verwandelt sich die Piste in eine Rutschbahn. Es dauert nicht lange und ich liege das erste Mal im Matsch. Viel zu unvorsichtig war ich die ersten Kilometer Schmierseife angegangen. Mit h&#246;chstens 20-30 km/h komme ich jetzt noch voran. Aber auch das &#228;nderst sich, als tiefe Spurrillen in der Piste auftauchen. Mein Vorder- und Hinterrad sind jetzt st&#228;ndig uneins dar&#252;ber, ob sie neben oder in den tiefen Rillen rollen sollen. Ab diesem Zeitpunkt h&#246;re ich auf, meine St&#252;rze zu z&#228;hlen. </p>
<p>Der Regen wird immer st&#228;rker und Abschnitte tiefen Schlammes nehmen an H&#228;ufigkeit und L&#228;nge zu. In diesen Abschnitten sinkt das Moped 20 Zentimeter tief in den Morast ein und nur mit M&#252;he und im ersten Gang, Vollgas komme ich noch vom Fleck. Alle paar hundert Meter muss ich anhalten und die Radl&#228;ufe und vor allem die K&#252;hlrippen des Motors mit einem Stock Freikratzen. An einigen besonders tiefen Stellen hilft nur Umschalten auf Allrad: Absteigen und im ersten Gang mit schleifender Kupplung schieben. Irgendwann h&#246;rt der Regen auf und ich mache mir Hoffnung, dass die Plackerei bald ein Ende hat. Zuerst scheint sich meine Hoffnung zu best&#228;tigen und auf ein paar Kilometern Schmierseife komme ich einigerma&#223;en gut voran. Dann aber wird es richtig schlammig. Zu meinem Gl&#252;ck sind entlang dieses St&#252;ckes Arbeiter damit besch&#228;ftigt, rinnen vom Pistenrand tief in den Wald zu graben, um das Wasser abzuleiten. Ob das Konzept aufgeht, wei&#223; ich nicht, aber bestimmt ein Dutzend mal kommen sie mir zu Hilfe und schieben mich an, wenn die Schwalbe hoffnungslos im Morast feststeckt und der Motor immer wieder abstirbt. Ich glaube, ich habe die Schwalbe auf der ganze Reise zusammengenommen, nicht so h&#228;ufig wieder angekickt, wie auf diesen wenigen Kilometern.</p>
<p>Irgendwann aber ist die Stafette hilfsbereiter Stra&#223;enarbeiter ersch&#246;pft und v&#246;llig schwei&#223;gebadet schiebe, ziehe und zerre ich das Moped Meter f&#252;r Meter die Schlammpiste entlang. Als ich mich auf dem schlechtesten Abschnitt nahezu hoffnungslos im Schlamm festgefahren habe, habe ich wieder Gl&#252;ck. Nur wenige hundert Meter vor mir hat sich ein LKW festgefahren, der eigentlich die Stra&#223;enarbeiter entlang der Strecke einsammeln sollte. Die Bauarbeiter, die er schon auf der Ladefl&#228;che hatte, haben es sich bei einem Feuerchen neben der Piste gem&#252;tlich gemacht. Als sie mich da rum krebsen sehen, kommen acht von ihnen zu mir her&#252;ber und mit vereinten Kr&#228;ften zerren wir das Moped weiter vorw&#228;rts. Kurz vor dem festgefahrenen Truck hilft dann nur noch tragen. Bis zu den Knien im Matsch versunken, hieven wir die Schwalbe um den festsitzenden LKW. Als Dank will ich meine Keksvorr&#228;te verteilen, aber stattdessen laden sie mich zum Essen ein. Es werden zwei gro&#223;e, ru&#223;geschw&#228;rzte T&#246;pfe rangeschafft und es gibt Ugali (Maismehl-Brei/Teig) mit Bohnen. </p>
<p>Als ich nach dem Essen gerade dabei bin, das Moped von den kiloschweren Erdma&#223;en zu befreien, kommt ein Land-Cruiser der UN angefahren. Nachdem dem Fahrer klar wird, dass der LKW so schnell nicht die Piste frei machen wird, probiert er es querfeldein durch den Busch. Nach wenigen hundert Metern hat er sich gnadenlos festgefahren. Die eben noch tatkr&#228;ftigen Helfer stehen jetzt mit dem H&#228;nden in den Hosentaschen und feixen sich einen. Als ich meine Hilfe anbieten will, halten sie mich zur&#252;ck. &#8220;No. Let them do it.&#8221; Gibt es da Ressentiments?</p>
<p>Hinter dem LKW ist die Strecke wieder besser und langsam nehme ich meine Rutschpartie wieder auf. Die Oberfl&#228;che der Laterit-Piste trocknet relativ schnell und ich werde zunehmend wieder mutiger. Nur dort, wo gro&#223;e Pf&#252;tzen die Piste bedecken, muss ich noch ab und an schieben. Gegen 19 Uhr beginnt die D&#228;mmerung und ich beginne, mich nach einem Schlafplatz umzublicken. Trotz Schinderei und Schneckentempo habe ich heute 120 Kilometer zur&#252;ckgelegt. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit biege ich in den Wald ab und rumpel einige hundert Meter von der Piste weg in die Walachei. Todm&#252;de schlaf eich sofort ein.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen scheint die Sonne. Die noch verbleibenden 80 Kilometer bis Mpanda lege ich bis zum Mittag zur&#252;ck. Im Ort nehme ich mir ein Zimmer und verschlafe den Tag, bis mich der Hunger wieder raustreibt. Auch den folgenden Tag bleibe ich in der Stadt. Das Moped braucht dringend ein bisschen Zuwendung. Alleine das Runterkratzen des festgetrockneten Schlammes dauert mehrere Stunden. Die Radl&#228;ufe und der Motor sind wie eingegipst. W&#228;hrend ich am Moped zu Gange bin, werde ich von mehreren Leuten angesprochen, ob ich die Piste durch den Nationalpark genommen habe. Als ich verneine und erz&#228;hle, dass der Park noch vor mir liegt, schlagen die Leute die H&#228;nde &#252;ber dem Kopf zusammen. &#8220;Don&#8217;t go! Lions!&#8221; </p>
<p>So gef&#228;hrlich kann es doch eigentlich gar nicht sein. Ich habe einige Reiseberichte von Motorradfahrern gelesen, die diese Route genommen haben. Und auch Christoph und Gideon, mit dem ich f&#252;r ein kurzes St&#252;ck im Sudan unterwegs war, sind vor zwei Monaten diese Strecke gefahren. Aber alle, mit denen ich spreche, erz&#228;hlen mir, dass sie gerade erst durch den Katavi-Nationalpark gefahren sind und zahlreiche &#8220;Simbas&#8221; auf der Strecke gesehen haben. Jetzt in der Regenzeit ist die Vegetation im Park so dicht, dass die Tiere bevorzugt die Piste benutzen. </p>
<p>Abends treffe ich drei Mitarbeiter des tansanischen Gesundheitsministerium, die in der Gegend Schulungen abhalten. Auch sie raten mir davon ab, den Park zu passieren. Wenn ich es dennoch probieren will, sollte ich so fr&#252;h wie m&#246;glich aufbrechen. Als mein Wecker an n&#228;chsten morgen noch vor dem Sonnenaufgang klingelt, prasselt heftiger Regen auf das Blechdach meiner Herberge. Ich drehe mich wieder um und schlafe weiter. Noch so eine Schlammschlacht, wie auf der Etappe zuvor, will ich mir ersparen. Dieses Terrain ist bei Regen nichts f&#252;r eine Schwalbe. Auch am darauf folgenden Tag Regnet es fast ununterbrochen. Ich begebe mich in die Stadt, um der Schwalbe und mir eine Mitfahrgelegenheit zu besorgen. Der Regen und die vielen Geschichten &#252;ber &#8220;Simbas&#8221; auf der Stra&#223;e haben mich nachdenklich gemacht. Ich spreche mit einigen Leuten, aber es ergibt sich keine M&#246;glichkeit mitzufahren. Nur der Bus, der ab hier wieder in Richtung S&#252;den verkehrt, will mich mitnehmen. Allerdings soll das Moped liegend in einem Gep&#228;ckfach unterhalb der Passagiere mitreisen. Bei den Pisten hier und der Fahrweise der Busse, w&#228;re das wie der Schleudergang in einer Waschmaschine f&#252;r die Schwalbe. Das muss nicht sein. Abends komme ich mit dem Leiter einer Schule im Ort ins Gespr&#228;ch. Er ist der Erste, der die L&#246;wengeschichten ein wenig relativiert. Er wohnt schon sein ganzes Leben hier im Ort, hat aber noch nie geh&#246;rt, dass ein L&#246;we im Park einen Menschen attackiert hat. Au&#223;erdem gibt es in der Regenzeit einen reich gedeckten Tisch f&#252;r die Tiere. &#8220;Fahr fr&#252;h morgens und es wird nichts passieren.&#8221;</p>
<p>Am n&#228;chsten morgen bin ich fr&#252;h startklar. Nach ca. 30 Kilometern erreiche ich den Eingang zum Park. Hier befindet sich auch das &#8220;Park-Headquarter&#8221;. Ich halte an und frage einen der Mitarbeiter der Parkverwaltung nach seiner Meinung zu meinen Transit-Pl&#228;nen. Es kann gut sein, dass ich auf L&#246;wen treffe, aber die Tiere sind an motorisierte Menschen gew&#246;hnt. Von alleine w&#252;rden sie niemals attackieren, nur wenn sie sich bedroht f&#252;hlen. Ich soll mich den Tieren nicht weniger als vier Metern n&#228;hern und m&#246;glichst nicht zwischen den L&#246;wennachwuchs geraten. &#8220;And: Stay away from the Elephants.&#8221; </p>
<p>Nachdem ich die Parkverwaltung verlassen, und die ersten Kurven im Park genommen habe, finde ich mich in einer Herde Impala-Antilopen wieder. Die Tiere traben nur langsam von der Stra&#223;e und verschwinden im Wald. Kurz darauf kreuzen zwei Giraffen meinen Weg. Die Piste ist nur auf den ersten Kilometern in einem guten Zustand. Danach ist sie wieder matschig, mit tiefen Spurrillen und immer wieder einigen Wasserdurchfahrten. Als ich nach 90 Minuten den Park durchquert habe und anhalte, um ein Foto zu schie&#223;en, endet der Tierfilm mit einer Attacke blutr&#252;nstiger Tsetsefliegen. L&#246;wen habe ich keine gesehen. Eigentlich schade, vielleicht aber auch ganz gut so&#8230; .</p>
<p>Au&#223;erhalb des Parks ist die Piste wieder in einem passablen Zustand und das Wetter spielt weitestgehend auch mit. Kurz vor Sumbawanga komme ich noch einmal in einen heftigen Schauer, den ich aber unter einem Baum aussitzen kann. Bis Sumbawanga kann ich dann allerdings wieder nur schlittern und schleichen. In Sumbawanga bleibe ich &#252;ber Nacht.</p>
<p>Kurz hinter dem Ort trennt sich die Piste. Die Hauptsrecke f&#252;hrt nach Mbala in Sambia und eine kleinere Piste zu einem weiteren Grenzort weiter im S&#252;d-Osten an der sambischen Grenze. Von hier aus beginnt die Teerstra&#223;e, die mich wieder ein St&#252;ck ins Landesinnere von Tansania bringen soll. Von hier aus geht es dann in einem kleinen Bogen nach Malawi. Die Piste von Sumbawanga nach Tunduma ist teilweise in einem katastrophalen Zustand. Die Strecke ist &#252;bers&#228;ht mit tiefen Schlagl&#246;chern, Rillen und Wellblech. Nach 214 Kilometer hat diese finale Tortur vorerst ein Ende. Erst in der Dunkelheit erreiche ich den lange herbeigesehnten Asphalt.</p>
<p>Nach einer kurzen Tagesetappe von 120 Kilometern checke ich in ein Guesthouse in Mbeya ein. Hier will ich 2-3 Tage bleiben und mal wieder das Moped warten. Bei den Fahrten durch die Wasserl&#246;cher ist schlammiges Wasser in die Bremstrommeln gelaufen und hat die Belege runter geschliffen. Au&#223;erdem verformt sich zunehmend die Blechkarosserie, so dass sie auf heftigen Schlaglochstrecken schon das Hinterrad ber&#252;hrt. Nach dem Ausbau des Hinterrads stelle ich dann auch nochfest, dass das Radlager festgelaufen ist. Gl&#252;cklicherweise habe ich auch hierf&#252;r Ersatz im Gep&#228;ck. Nach drei Tagen Basteln und Ruhe verlasse ich Mbeya in Richtung Malawi.</p>
<p>179. Tag<br />
Rusumo Falls - Kibondo</p>
<p>180. Tag<br />
Kibondo - Kasulu</p>
<p>181. Tag<br />
Kasulu - Kigoma</p>
<p>182. Tag<br />
Kigoma - Uvinza</p>
<p>183. Tag<br />
Uvinza - Mpanda</p>
<p>184. - 185. Tag<br />
Mpanda</p>
<p>186. Tag<br />
Mpanda - Sumbawanga</p>
<p>187. Tag<br />
Sumbawanga - Tunduma</p>
<p>188. Tag<br />
Tunduma - Mbeya</p>
<p>189. - 190. Tag<br />
Mbeya</p>
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		<title>Ruanda</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 12:43:57 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem ich die Piste verlassen habe und auf der Teerstra&#223;e unterwegs bin, merke ich, dass das Moped nicht gut l&#228;uft. Es kommt mal wieder nicht so richtig in die G&#228;nge. Da es gestern noch problemlos &#252;ber die Piste geflogen ist, kann es eigentlich nur an dem Benzin liegen, dass ich in Kisoro getankt habe. Viel unangenehmer als eine schw&#228;chelnde Schwalbe ist aber eine flatternde Schwalbe. Nun werde ich auch von dem gef&#252;rchteten Lenkerpendeln heimgesucht. Auf das Ph&#228;nomen des flatternden Lenkers bin ich schon von vielen Schwalbefahrern hingewiesen worden. Bei ungef&#228;hr 40 km/h f&#228;ngt das Vorderrad f&#252;rchterlich an zu schwingen und schaukelt das ganze Moped immer weiter auf, bis man die Kontrolle zu verlieren droht. Bisher bin ich gl&#252;cklicherweise von dem &#220;bel verschont geblieben. Aber jetzt flattert die Schwalbe gewaltig. Mit der Zeit hat man zwar den Bogen raus, den Lenker wieder einigerma&#223;en zu beruhigen, kann aber nie eine Hand vom Lenker nehmen. Sehr unangenehm. <span id="more-93"></span></p>
<p>Langsam krieche ich die vielen Berge hoch und flatter, mit beiden H&#228;nden fest am Lenker, wieder herunter. Die Stra&#223;e ist voller Fu&#223;g&#228;nger und Fahrradfahrer. So viele Menschen habe ich zuletzt in &#196;thiopien auf der Fahrbahn gesehen. &#220;berall werde ich von l&#228;chelnden und freundlich winkenden Menschen begr&#252;&#223;t. Und bergauf fordern mich radfahrende Jugendliche zum Rennen auf. Auf der Kurzdistanz werde ich dabei meist gnadenlos vers&#228;gt. Auf langen Anstiegen beweist die Schwalbe aber den l&#228;ngeren Atem. Nur die Radfahrer, die sich an vorbeifahrende LKW h&#228;ngen, ziehen lachend an mir vorbei.</p>
<p>Die Stra&#223;e via Ruhengeri nach Kigali ist vorbildlich ausgeschildert. Die Hauptstadt ereiche ich am fr&#252;hen Nachmittag in dr&#252;ckender, schw&#252;ler Hitze. Wie sollte es anders sein: Auch Kigali erstreckt sich &#252;ber mehrere H&#252;gel. Schleichend drehe ich eine Runde durch die Innenstadt. Kigali ist eine moderne Stadt und kaum mit den anderen Metropolen in Ostafrika zu vergleichen. Die Stadt wirkt gepflegt, die Bushaltestellen sind mit Warteh&#228;uschen ausgestattet, es gibt Fu&#223;wege, Fu&#223;g&#228;ngerampeln und die Autofahrer halten vor den  Zebrastreifen. &#220;berall wird an Stra&#223;en und Geb&#228;uden gewerkelt. Die Stadt befindet sich im Aufbruch - vielleicht sogar schon ein St&#252;ck dar&#252;ber hinaus.</p>
<p>Ein platter Hinterreifen beendet meine Sightseeingtour per Zweirad. Ich pumpe schnell den Reifen auf und begebe mich auf schnellstem Wege zu einem g&#252;nstigen Guesthouse. Obwohl, so richtig g&#252;nstig scheint hier gar nichts zu sein. Die Preise halten mit der Entwicklung der Stadt mit. Bereits am Abend beginne ich mit der gro&#223;en Inspektion. Kigali ist von der Strecke her so ungef&#228;hr die H&#228;lfte meiner Reise. Hier will ich mich ausgiebig um das Moped k&#252;mmern.</p>
<p>Im Laufe der n&#228;chsten Tage flicke ich zwei Schl&#228;uche, tausche die Vorder- und Hinterradfelgen gegeneinander aus und ziehe einen neuen Reifen auf. Den Hinterradreifen habe ich zwar erst in Khartoum gewechselt und er ist eigentlich noch recht gut. Aber was soll ich einen nagelneuen Enduroreifen mitschleppen und erst dann aufziehen, wenn ich im s&#252;dlichen Afrika haupt&#228;chlich auf Asphalt unterwegs bin. Tansania h&#228;lt noch ein paar Pisten f&#252;r mich bereit. Danach tausche ich mal wieder den Kolben und Zylinder. Auch das ist eigentlich noch nicht n&#246;tig. Da ich aber mit der Ersatzteillieferung von AKF nach Mombasa eine weitere Kolben-Zylinder-Kombi bekommen habe, habe ich nun insgesamt drei Kombinationen und will eine mit der Post ein St&#252;ck voraus schicken, um Gewicht zu sparen. Da es aber immer sein kann, dass in der Post etwas fl&#246;ten geht, will ich erst alle Kolben und Zylinder testen und dann die Schlechtesten als “Poste Restante” zum Postamt nach Livingstone in Sambia senden.</p>
<p>Nachdem ich die Kette und das vordere Ritzel gewchselt habe, kommen die &#252;blichen Routinema&#223;nahmen. Und dann ist da ja noch das Lenkerpendeln. Ich vesuche das Hinterrad so genau, wie m&#246;glich zu zentrieren und ziehe die gro&#223;e &#220;berwurfmutter am Lenker um Zehn Millimeter weiter fest. Wenn das nicht hilft, muss ich massiv Gewicht einsparen, um das Hinterrad zu entlasten. Wie ich das anstellen soll, ist mir allerdings schleierhaft. Immer wieder von langen Regenpausen unterbrochen, brauche ich drei Tage f&#252;rs Schrauben. Der neue Kolben und Zylinder besteht die Probefahrt und so bringe ich die allererste Kombination zusammen mit einem paar Bremsbacken und einigen gebrauchten Z&#252;ndkerzen aufs Postamt in Kigali.</p>
<p>Das P&#228;ckchen bringt zwei Kilo auf die Waage. Nicht viel, aber immerhin. Die Dame auf dem Postamt findet es ein wenig merkw&#252;rdig, dass ich ein Paket an mich selber schicken will und von “Poste Restante” hat sie bisher noch nichts geh&#246;rt. Kniffelig wird es dann aber, als sie mir die Briefmarken f&#252;r das P&#228;ckchen aush&#228;ndigt. Nur mit M&#252;he bringe ich alle Postwertzeichen auf dem kleinen P&#228;ckchen unter. Ich h&#228;tte mit die Verpackung sparen, und das Paket komplett in Briefmarken einwickeln k&#246;nnen. Ein winziges Feld f&#252;r die Adresse bleibt frei, ein Absender passt nicht mehr drauf. Das entspricht zwar nicht den Regularien der ruandischen Post, die Dame hat aber l&#228;ngst kapituliert und nimmt kopfsch&#252;ttelnd die Sendung entgegen. Ob es wohl ankommt? Ich habe da so meine Zweifel. In einigen Wochen wei&#223; ich mehr.</p>
<p>Am folgenden Tag besuche ich das Genocide-Memorial. Die Gedenkst&#228;tte f&#252;r den V&#246;lkermord an den Tutsis und vielen unangepassten Hutus befindet sich nur wenige Kilometer vom Stadt-Zentrum entfernt. Die gleichsam bedr&#252;ckende, wie beeindruckende Ausstellung zeigt den Prozess der “Entfremdung” der einstmals &#252;ber jahrhunderte friedlich zusammenlebenden Volksgruppen. Mit lang angelgter Propaganda und systematischer Volksverhetzung ist die Hutu-Bev&#246;lkerung gegen die Tutsis aufgebracht worden, bis es 1994 schlie&#223;lich zum V&#246;lkermord kam. Ein Muster, das man in den B&#252;chern zur Weltgeschichte dutzende Male wiederfindet. Im zentralen Bereich der Ausstellung findet sich das Zitat von Apollon Katahizi, der fragt: “when they said ‘never again’ after the holocaust, was it meant for some people and not for others?”</p>
<p>Das Land scheint offensiv mit seiner Vegangenheit umzugehen. Neben mehreren Gedenkst&#228;tten errinnern &#252;berall im Land Tafeln an die Ereignisse im April 1994 und mahnen: ein Ruanda, ein Volk. Wenn man in Ruanda gefragt wird, welche Nationalit&#228;t man hat, bekommt man im Laufe des Gespr&#228;ches auch immer zu h&#246;ren: “And I am Rwandan.”</p>
<p>Mit dem voll beladenen Moped mache ich mich auf dem Weg aus der Stadt. Das Lenkerpendeln ist verschwunden und die Schwalbe rollt wie auf Schienen. Jetzt kann ich endlich wieder auf dem Bock essen &amp; trinken, Fotos schie&#223;en und in der Nase bohren. Nachdem ich mich einmal kr&#228;ftig verfahre, finde ich schlie&#223;lich den richtigen Weg in Richtung der tansanischen Grenze. Das Land ist auch nach S&#252;d-Westen hin bergig, aber die Stra&#223;en sind l&#228;ngst nicht so steil, wie im Norden. Kurz bevor die Sonne hinter den Bergen im Westen verschwindet, ereiche ich den Grenzort an den Rusumo Wasserf&#228;llen. Ich ckecke in die einzige Herberge im Ort ein und g&#246;nne mir eine Dusche aus einem Wassereimer. Zum Abendessen gibt es einen gigantischen Teller mit scheinabr allen Resten, die die K&#252;che hergibt. Spaghetti zusammen mit Kochbananen, S&#252;sskartoffeln, Reis, Bohnen und und einigen Sachen, die ich nicht so recht identifizieren kann. Und oben drauf thront ein halber Hahn. Lecker, aber eine teilweise recht merkw&#252;rdige Kombination.</p>
<p>Bereits fr&#252;h am Morgen stehe ich vor dem Zollh&#228;uschen und f&#252;lle das Ausreiseformular aus. &#220;ber eine Br&#252;cke, die direkt &#252;ber die Rusumo Falls f&#252;hrt, rolle ich ins Niemandsland zwischen den zwei L&#228;ndern. F&#228;hrt man hier nun auf der rechten Stra&#223;enseite, wie in Ruanda oder auf der Linken, wie in Tansania? Mir kommt niemand entgegen und vor dem tansanischen Immigrations-Office parken die Autos und LKW wild durcheinander. F&#252;r Tansania brauche ich mal wieder ein Visum. Wie in Kenia kostet es auch hier wieder 50 US-Dollar - in Greenback only. Die Bearbeitung dauert nicht sehr lange und auch das Moped ist schnell abgefertigt. Tansania beginnt, wie Ruanda aufgeh&#246;rt hat. H&#252;gellig.</p>
<p>175. – 177. Tag<br />
Kigali</p>
<p>178. Tag<br />
Kigali – Russumo Falls</p>
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		<title>Uganda - Durch Gorilla-Country</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Mar 2009 16:08:07 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Tororo verlasse ich erst am fr&#252;hen Nachmittag. Mein n&#228;chstes Ziel, die Nilquelle in Jinja, ist nur 140 Kilometer entfernt. So habe ich viel Zeit, um mich ausgiebig von den Plan-Mitarbeitern in Tororo zu verabschieden. Zum Abschluss begleitet mich Milton auf seinem Motorrad noch ein paar Kilometer aus der Stadt. Die Landschaft ist hier nur leicht h&#252;gelig und verl&#228;uft immer wieder durch dichten Wald. Trotz teilweise starken Verkehrs, sitzen immer wieder ganze Horden von Affen auf der Stra&#223;e und sonnen sich. Wenn sich Fahrzeuge n&#228;hern, ziehen sie sich erst im allerletzten Moment an den Waldrand zur&#252;ck. Die haben Nerven. Etwa 20 Kilometer vor Jinja erblicke ich dann linker Hand erstmals den Viktoria See. Es ist nur eine kleine Bucht zu sehen und das tats&#228;chliche Ausma&#223; dieses riesigen Sees ist nur zu erahnen. In Jinja bleibe ich auf der Umgehungsstra&#223;e und biege kurz vor dem Nil nach S&#252;den ab. Obwohl sich die eigentliche Quelle des Nil in Jinja befindet, fahre ich acht Kilometer entlang des Stroms zu den „Bujagali Falls“. <span id="more-92"></span></p>
<p>In Jinja wurde ein Staudamm errichtet und statt der „Owen Falls“, die mal die Quelle symbolisierten, gibt es nur noch einen tr&#228;gen, kleinen Stausee. Seitdem gelten die „Bujagali Falls“ ein wenig als Ersatzquelle. Au&#223;erdem gibt es hier zahlreiche M&#246;glichkeiten zu zelten. Als ich auf einem der Campingpl&#228;tze kurz vor den F&#228;llen mein Moped parke, werde ich von der australischen Rezeptionistin mit den Worten begr&#252;&#223;t: „Ah, there you are. There is a cool beer waiting for you at the bar.“ Der Besitzer des Platzes hat mich unterwegs gesehen und schon mal telefonisch angemeldet: „If the guy on the old Vespa is coming to our Campsite, buy him a beer.” Super, daran k&#246;nnte ich mich gew&#246;hnen. </p>
<p>Der Campingplatz ist ein weiteres Kapitel im Buch der Gegens&#228;tze Ostafrikas. Willkommen im touristischen Uganda. Der Platz ist die Basis f&#252;r Rafting- und Kajaktouren auf dem Nil. Der Fluss ist hier reich an Stromschnellen und ein Mekka f&#252;r Wassersportler. Viele Overland-Trucks machen hier f&#252;r ein paar N&#228;chte Station. Reisen mit dem Overland-Truck sind im Grunde so etwas wie Busreisen durch Afrika, nur mit dem Unterschied, dass der Bus ein robuster LKW ist. </p>
<p>Es dauert ein wenig, bis ich zwischen l&#228;ndlichem Aids-Alltag und Fun-Sports umschalten kann. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit f&#252;llt sich die Bar. Die Rafting-Touren sind beendet und werden kollektiv mit einem k&#252;hlen Nile-Beer begossen. Die Stimmung erreicht den H&#246;hepunkt, als die Videos der gerade beendeten Rafting- und Kajaktouren gezeigt werden. Mich beeindrucken vor allem die Kajak-Bilder. Das hier ist wirklich aller feinster Wassersport und sieht nach einer Menge Spa&#223; aus. Als norddeutscher Flachland-M&#246;chtegern-Kajake juckt es mir beim Anblick der Videos geh&#246;rig in den Fingern. Das w&#228;re mal etwas anderes, als die Alster rauf und runter zu paddeln. Der Spa&#223; kostet aber 120 US-Dollar. Geld, dass ich vielleicht irgendwann schmerzlich vermissen w&#252;rde. Vielleicht habe ich die Dollars ja sp&#228;ter noch &#252;ber - auf meinem Weg nach S&#252;den komme ich ja auch noch am Sambesi vorbei&#8230;. . </p>
<p>Der Nil hat mich lange auf meiner bisherigen Reise begleitet. Erstmals habe ich ihn in &#196;gypten gesehen, als ich im Pick-Up von Yussuf nach Assuan gefahren bin. Danach folgte die F&#228;hrfahrt auf dem aufgestauten Fluss &#252;ber den Nasser Stausee und anschlie&#223;end die staubige Pistentour durch den Norden Sudans immer entlang des Stroms. In Khartoum habe ich mein Zelt nicht weit des Zusammenflusses von Wei&#223;em und Blauem Nil aufgeschlagen und bin anschlie&#223;end zur Quelle des Blauen Nil am Lake Tana in &#196;thiopien gefahren. Und schlie&#223;lich hat mich die Durchfahrt durch die „Blue Nile Gorge“ auf dem Weg nach Addis Abeba viele Nerven und meiner Kupplung beim Aufstieg eine Menge an Substanz gekostet. Ein bisschen wehm&#252;tig verlasse ich nach drei N&#228;chten den Nil. Dieses Mal endg&#252;ltig.</p>
<p>Mein n&#228;chstes Ziel hei&#223;t Kampala. In der Hauptstadt Ugandas komme ich am sp&#228;ten Nachmittag an und stecke schon bald im katastrophalen Verkehr dieser Stadt. Nicht mal mit dem Moped kommt man hier schnell voran. Die Autos und Minibusse stehen dicht an dicht und auch der Seitenstreifen wird zum Fortkommen genutzt. Jeder Zentimeter ist hier von der Blechlawine verstopft. Qu&#228;lende zwei Stunden ben&#246;tige ich, um einmal durch die Stadt zum Kampala-Backpacker zu kommen. Hier kann ich mein Zelt aufschlagen, mal wieder W&#228;sche waschen und kabellos im Internet surfen. </p>
<p>Am zweiten Tag in Kampala parkt nachmittags ein Gel&#228;ndewagen aus Deutschland neben meinem Zelt. Siggi kommt aus K&#246;ln und ist jeden Winter in Afrika unterwegs. Dieses mal wird er von Jochen begleitet. Der Stuttgarter will mal Abwechselung von seinem eigentlichen Winterzufluchtsort, der Sahara, haben und ist mit Siggi seit Addis Abeba unterwegs. Mit den Beiden mache ich am folgenden Tag eine ausf&#252;hrliche Tour durch die Stadt und abends geben wir uns trotz schw&#252;ler Hitze den Besuch einer holzbefeuerten Sauna. </p>
<p>Am n&#228;chsten Tag verabschieden sich Siggi und Jochen in Richtung Jinja. Die Beiden wollen sich die Nil-F&#228;lle anschauen und danach auf eine Insel im Lake Victoria. Ich bleibe noch einen Tag l&#228;nger und mache mich dann auf den Weg entlang des Sees nach Massaka. Unterwegs &#252;berquere ich mal wieder den &#196;quator. Nachdem ich in Kenia der Stra&#223;e entlang des &#196;quators gefolgt bin und dabei bestimmt 12 Mal von der Nord- auf die S&#252;dhalbkugel gewechselt bin, beachte ich die Nulllinie dieses mal kaum. Erst als ich schon viel weiter s&#252;dlich bin, wird mir bewusst, dass dies wohl das letzte mal auf dieser Reise war, dass ich mit dem Moped den &#196;quator &#252;berquert habe. </p>
<p>In Massaka steuere ich den Massaka-Backpacker an. Dieses Hostel ist ein kleines Guesthouse ein wenig au&#223;erhalb der Stadt in l&#228;ndlicher Umgebung mit einem gro&#223;en Garten zum Zelten. Als ich gerade mein Zelt aufgeschlagen habe, rollen Siggi und Jochen auf den Hof. F&#252;r die Querung zu den Sese-Islands kann man entweder eine F&#228;hre von Entebbe aus nehmen oder von einem kleinen Ort in der N&#228;he von Massaka aus fahren. Die Beiden haben sich f&#252;r das Schiff von Bukakata aus entschieden. Es verkehrt kostenlos zwischen dem Festland und der Inselgruppe. Kurzerhand entschlie&#223;e ich mich, die Beiden ein St&#252;ck zu begleiten. Es ist f&#252;r mich die letzte Chance den Lake Victoria aus der N&#228;he zu sehen. Obwohl ich heute den ganzen Tag entlang des Sees gefahren bin, habe ich ihn eigentlich nie richtig zu Gesicht bekommen. </p>
<p>Nach einem reichhaltigen R&#252;hreifr&#252;hst&#252;ck, f&#252;r das Jochen die gesamten Eivorr&#228;te der Nachbarschaft aufkauft, machen wir uns auf den Weg zum 40 Kilometer entfernten F&#228;hranleger. Die Pistenfahrt in Richtung Lake Victoria macht noch mehr Spa&#223;, als mir das Fahren abseits der Teerstra&#223;en ohnehin schon immer bereitet. Mein gro&#223;er Packsack f&#228;hrt im Mercedes von Siggi mit und beschert mir ungewohnte Beinfreiheit und den Sto&#223;d&#228;mpfern ein bisschen Ruhe. Und auch hier beweist sich mal wieder: Je schlechter die Piste, desto geringer der Unterschied in Hubraum und PS.</p>
<p>Auf halber Strecke machen wir einen Abstecher zum Lake Nabugabo. Der See gilt als Bilharziose-frei und ist an Wochenenden ein beliebter Ausflugsort in der Lake Victoria Region. Heute ist hier aber nicht viel los. Wir bleiben ein paar Stunden und fahren dann weiter zur F&#228;hre. </p>
<p>Auf Buggala Island, der Hauptinsel der Sese-Islands hat man das Gef&#252;hl mitten im Urwald gelandet zu sein. Bis an das Ufer des Sees erstreckt sich der dichte Wald. Nach 20 Kilometern Pistenfahrt erreichen wir das &#214;rtchen Kalangala. Unterhalb des Ortes befindet sich direkt am See das „Hornbill Camp“. Palmen erstrecken sich bis an den wei&#223;en Sandstrand und vermitteln einem das Gef&#252;hl, an einem Karibik-Strand gelandet zu sein. Der perfekte Ort f&#252;r ein, zwei Tage „Urlaub“. Nach eineinhalb Tagen unter Palmen verlassen wir die Insel wieder. Siggi und Jochen nehmen die F&#228;hre nach Entebbe und ich die Piste zur&#252;ck zur kostenlosen F&#228;hre von Liku nach Bukakata.</p>
<p>Nach einer weiteren Nacht im Garten des Backpacker-Massaka fahre ich weiter nach Mbarara. Den ganzen Morgen sieht es verd&#228;chtig nach Regen aus und ich lasse mir viel Zeit meine Sachen zu packen. Erst gegen Mittag breche ich auf und gerate nur kurz au&#223;erhalb Massakas in heftigen Niederschlag. Das erste Mal seit der T&#252;rkei fahre ich im Regen. Eine Stunde lang gie&#223;t es wie aus Eimern. Trotz Regensachen bin ich nach nur wenigen Minuten bis auf die Haut durchn&#228;sst. Die Stra&#223;e verwandelt sich in einen Fluss. Mal fahre ich entlang des Flussbetts, mal schie&#223;en die rot-braunen Wassermassen quer &#252;ber die Stra&#223;e. Dabei gilt es den Stromschnellen auszuweichen, denn hier lauern die Schlagl&#246;cher. Gl&#252;cklicherweise ist die Strecke durchgehend geteert. </p>
<p>Nachdem der Regen aufgeh&#246;rt hat, kommt auf halber Strecke nach Mbarara auch die Sonne hervor. Bis ich die Stadt erreiche, sind meine Sachen wieder getrocknet - nur in meinen Schuhen schwappt noch das Wasser. In Mbarara nehme ich mir ein Zimmer in einem Hotel und schaue mir Abends englischen Fu&#223;ball in der Bar an. Am n&#228;chsten Morgen bin ich fr&#252;h wach und habe das Moped f&#252;r die Weiterfahrt gepackt. Dann nehme ich Abschied von einem treuen Wegbegleiter. Das Schafsfell, dass seit Hamburg meine Sitzbank bedeckt, l&#246;st sich leider in Einzelteile auf. Der gestrige Regen hat der Haut den Rest gegeben und nicht mal mehr kleine Teile lassen sich zusammenh&#228;ngend &#252;ber den Sitz spannen. </p>
<p>Als ich gerade zur Abfahrt bereit bin, f&#228;ngt es wieder zu regnen an. Ein wenig frustriert schiebe ich das Moped wieder in eine trockene Nische und ziehe mich in ein Internetcafé zur&#252;ck. Der Regen dauert gl&#252;cklicherweise nur 90 Minuten und schon bald kann ich mich auf den Weg nach Kabale machen. Die Strecke ist teilweise in einem miserablen Zustand und Asphalt ist leider nur selten. In diesem aufgeweichten Terrain ger&#228;t eine Eigenart des ugandischen Verkehrs zum Drahtseilakt. Motorradfahrer werden hier nur als eine weitere Evolutionsstufe von Fahrr&#228;dern gesehen und genie&#223;en die gleichen Rechte wie die Drahtesel. N&#228;mlich keine. Der entgegenkommende Verkehr &#252;berholt immer, auch wenn es beim besten Willen keinen Platz f&#252;r ein Moped und zwei nebeneinander fahrende Autos gibt. Ich fahre hier immer mit Fernlicht. „Nicht gesehen“ ist also eine faule Ausrede. Immer wieder muss ich auf den Seitenstreifen ausweichen und ab und zu mit einer Vollbremsung in die B&#252;sche fl&#252;chten. Anwesende Fu&#223;g&#228;nger erleben dann immer einen Mzungu (fremden Wei&#223;en) in Rage und k&#246;nnen sich eine Kanonade an Fl&#252;chen und Verw&#252;nschungen anh&#246;ren. Jetzt ist der Seitenstreifen von Regen aufgeweicht und es bleibt eigentlich nur die Option „B&#252;sche“. Selten so geflucht&#8230;. .</p>
<p>Auf einem St&#252;ck Piste nicht weit vor Kabale kommt mir in einer leichten S-Kurve dann ein Bus entgegen. Nat&#252;rlich verl&#228;sst der Bus nicht seine Ideallinie und rauscht nur Zentimeter an mir vorbei. Soweit nicht ungew&#246;hnlich. Nur besteht die Strecke hier aus tiefem Schlamm und eine Welle roter, nasser Erde erwischt mich volle Breitseite. Hat der Anblick des Mzungu auf Boda-Boda Safari bisher schon bei vielen Menschen am Wegesrand f&#252;r Heiterkeit gesorgt, so sorgt nun der einseitig in roten Schlamm getunkte Mzungu erst Recht f&#252;r gute Laune. Wenigstens freut man sich, dass ich vorbeikomme&#8230; . </p>
<p>Mein Ziel in Kabale ist der Lake Bunyoni, etwa acht Kilometer au&#223;erhalb der Stadt. Nur bl&#246;derweise handelt es sich bei dem See um einen Krater-See. Und um an seine Ufer zu gelangen, muss man erst einmal die Krater-Wand &#252;berwinden. Steil geht es berauf. Zu steil f&#252;r mein Moped. Etwa zwei Kilometer vor dem Krater-Grad verweigert die Schwalbe das Bergsteigen. Mehr als einen Kilometer schiebe ich das Moped im ersten Gang und mit schleifender Kupplung die Piste hoch. Als dann immer wieder die Kupplung dicht macht und der Motor abw&#252;rgt, will ich schon aufgeben und umkehren. Ich starte noch einen letzten Versuch und schiebe um die letzte Haarnadelkurve. Gl&#252;cklicherweise l&#228;sst danach die Steigung nach und ich kann wieder aufsatteln. Der Blick in den Krater ist atemberaubend. Unten glitzert der See und in der Ferne kann ich erstmals einen Gipfel der Virunga-Vulkane ausmachen. An ihren H&#228;ngen leben weltweit die letzten Berggorillas. Ich schlage mein Zelt auf einem Campsite direkt am See auf und genie&#223;e die Aussicht und die exzellenten Duschen des Campingplatzes.</p>
<p>Kurz nachdem ich am n&#228;chsten Tag aufbreche, beginnt es wieder zu regnen. Unter einem Baum zw&#228;nge ich mich in meine Regenbekleidung. Als ich den Krater-Grad &#252;berfahre, stelle ich erfreut fest, dass es nur im Krater regnet. Au&#223;erhalb herrscht sch&#246;nster Sonnenschein. Die Piste von Kabale nach Kisoro hat es mal wieder in sich. Steil und eng schl&#228;ngelt sie sich durch die Berge in Richtung der Virunga Vulkane. Mein Etappenziel Kisoro ist aber nur  80 Kilometer entfernt und so st&#246;rt es mich nicht, stundenlang im Schneckentempo &#252;ber die Berge zu kriechen. Der Ausblick ist toll. Nachdem ich den Lake Bunyoni weit unter mir zur&#252;ck lasse, tauchen hinter einer Bergkette irgendwann die Virungas im Nebel auf. Durch dichte Bambusw&#228;lder geht es ins Tal. Trotz steiler Abfahrt, komme ich nur langsam in Richtung Kisoro voran. Die Piste gleicht teilweise einem ausgetrockneten Flussbett. Gut, dass es nicht regnet. </p>
<p>Kisoro ist ein verschlafenes Nest, verf&#252;gt aber &#252;ber ein gutes Angebot an &#220;bernachtungsm&#246;glichkeiten. Als die Sicherheitslage es noch zugelassen hat, sind von hier aus die Touristen zum Gorilla-Tracking in den Kongo aufgebrochen. Die Grenze zur DR Kongo ist nur 10 Kilometer entfernt. Eine Erlaubnis zum Besuch der Gorillas kostet in Uganda und Ruanda 500 US-Dollar, in DR Kongo war sie damals f&#252;r wenig mehr als die H&#228;lfte zu haben. </p>
<p>Neben meinem Zeltplatz wird in der Nacht eine lange Party gefeiert und so krieche ich am n&#228;chsten morgen ziemlich ger&#228;dert aus meinem Schlafsack. Aber immerhin scheint die Sonne. Ich habe wirklich Gl&#252;ck mit dem Wetter in dieser an Regen so reichen Region. Zum Grenz&#252;bergang nach Ruanda geht es wieder &#252;ber eine Holperpiste. Nach nur 12 Kilometern taucht dann der Schlagbaum der ugandischen Grenzstation vor mir auf. Die Formalit&#228;ten sind schnell und korrekt erledigt und ich darf weiter zum ruandischen Posten. Auch hier geht die Abwicklung z&#252;gig von statten und ohne ein Visum zu ben&#246;tigen oder auch nur einen Cent an Geb&#252;hren zu bezahlen, darf ich nach Ruanda einreisen. Das Land der „mille collines“, der tausend H&#252;gel empf&#228;ngt mich mit feinster Teerstra&#223;e. Und auch der Rechtsverkehr ist mal wieder eine sch&#246;ne Abwechselung. Von hier aus sind es noch 130 Kilometer bis nach Kigali.</p>
<p>160. Tag<br />
Tororo – Bujagali Falls</p>
<p>161. – 162. Tag<br />
Bujagali Falls</p>
<p>163. Tag<br />
Bujagali Falls – Kampala</p>
<p>164. – 166. Tag<br />
Kampala</p>
<p>167. Tag<br />
Kampala – Massaka</p>
<p>168. Tag<br />
Massaka – Sese Islands</p>
<p>169. Tag<br />
Sese Islands</p>
<p>170. Tag<br />
Sese Islands – Massaka</p>
<p>171. Tag<br />
Massaka – Mbarara</p>
<p>172. Tag<br />
Mbarara – Lake Bunyoni / Kabale</p>
<p>173. Tag<br />
Lake Bunyoni / Kabale – Kisoro</p>
<p>174. Tag<br />
Kisoro – Kigali (Ruanda)</p>
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		<title>Zu Besuch bei Plan in Uganda</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Feb 2009 14:33:27 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die ugandische Grenze erreiche ich in etwas mehr als vier Stunden. Obwohl die Abfertigung am Zoll recht schnell geht, brauche ich f&#252;r den Grenz&#252;bertritt letztendlich doch 90 Minuten. Dann sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Tororo. Je n&#228;her ich dem Plan-Office komme, desto mehr denke ich dar&#252;ber nach, was mich wohl erwarten wird. Auf den zur&#252;ckliegenden mehr als 10.000 Kilometern hatte ich h&#228;ufig die Gelegenheit, mich mit anderen Menschen -haupts&#228;chlich Reisenden- &#252;ber das F&#252;r und Wider von Entwicklungshilfe auszutauchen. Dabei habe ich viele kritische Stimmen geh&#246;rt und einigen Unmut wahrgenommen. Ist das Ganze nicht blo&#223; ein Business, von dem die Geber letztendlich am meisten profitieren? Ich beschlie&#223;e, mir einfach alles in Ruhe anzuschauen, mir eine eigene Meinung zu bilden und meinen Eindruck hier ehrlich wiederzugeben.<span id="more-90"></span></p>
<p>Tororo ereiche ich am fr&#252;hen Abend und schlage mein Zelt zun&#228;chst im Garten eines ziemlich noblen Hotels auf. Laut Reisef&#252;hrer ist es der einzige Ort in der ganzen Stadt, an dem man zelten kann. Neben einer hei&#223;en Dusche, gibt es hier sogar Internet via W-LAN. Ostafrika – wie immer voller Gegens&#228;tze. Am Dienstagmorgen nehme ich mir dann ein Boda-Boda Motorrad-Taxi zum Plan-Office. Bei Plan empf&#228;ngt mich Alex der „Program Area Manager“ und es folgt eine ausf&#252;hrliche Einf&#252;hrung in die Arbeit von Plan in Uganda und das Projekt in Mukujju. F&#252;r die Zeit meines Aufenthalts wird sich der Sozialarbeiter Milton um mich k&#252;mmern. Milton ist fast seit Beginn des Projekts vor f&#252;nf Jahren mit dabei und kennt die Arbeit hier vor Ort in- und auswendig. Nach einer kurzen Runde durch die einzelnen Abteilungen im Tororo-Office fahren wir auch gleich raus nach Mukujju, einige Kilometer vor den Toren Tororos. Hier befindet sich das Health-Center IV.</p>
<p>Eines der gr&#246;&#223;ten Probleme in der Gesundheitsversorgung in Uganda scheinen Distanzen und Transport zu sein. Die St&#228;dte sind h&#228;ufig mit Krankenh&#228;usern ausgestattet, nur f&#252;r ein Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung auf dem Land sind sie unerreichbar. Distanzen von wenigen Kilometern bedeuten hier meist eine Tagesreise. Eine M&#246;glichkeit, der Bev&#246;lkerung den Zugang zum Gesundheitssystem zu gew&#228;hrleisten, w&#228;re es, „Public Transport“ zur Verf&#252;gung zu stellen. Aber das ist utopisch. In weiten Teilen gibt es nicht einmal Stra&#223;en. Die einzig vern&#252;nftige Herangehensweise ist es, die Versorgung stattdessen zu den Menschen zu bringen. Diesen Weg hat das Plan Projekt im Mukujju Subcounty eingeschlagen. Im Programm-Gebiet gibt es mehrere Gesundheitsstationen der Kategorie I bis III und das Health-Center IV in Mukujju. Ziel ist es nun, nach und nach immer mehr Leistungen auf die Stationen „runter“ zu verteilen und so die Wege erheblich zu verk&#252;rzen. Die Behandlung von HIV/Aids ist zun&#228;chst auf Ebene IV angekommen.</p>
<p>Das Besondere in Mukujju ist, das hier ein Schwerpunkt auf der sogenannten „PMTCT“ (Prevention of Mother To Child Transmission) liegt, also der Aids-Pr&#228;vention bei Neugeborenen. Dazu geh&#246;ren neben der medizinischen Betreuung der Mutter vor der Geburt und der Versorgung von Mutter und Kind bei der Geburt auch Aufkl&#228;rung. Insbesondere Gesundheitsaufkl&#228;rung und Programme, um die elterliche Versorgungs-F&#228;higkeit der Kinder auch auf lange Sicht sicher zu stellen.</p>
<p>Das Health-Center IV in Mukujju ist die zentrale Aids-Anlaufstelle der Region. Im Health-Center IV gibt es kein CD4-Analyseger&#228;t. Erst nach einer CD4-Analyse kann eine Therapie bei Aids-Patienten begonnen werden. Anf&#228;nglich wird die Analyse alle zwei Monate wiederholt, sp&#228;ter dann alle sechs. Die in Mukujju genommenen Proben, werden alle drei Tage ins 60 Kilometer entfernte Mbale gefahren. Das verursacht Transportkosten, Personalkosten und bindet Ressourcen, die anderweitig eingesetzt werden k&#246;nnten. Und es kann die Qualit&#228;t der Ergebnisse beeintr&#228;chtigen. F&#252;r die Menschen bedeutet dies, dass sie im Normalfall nach Entnahme der Probe noch ein zweites Mal f&#252;r die Ergebnisse zur&#252;ck kommen m&#252;ssen. Dann erst k&#246;nnen die Medikamente dosiert werden. Die Patienten sind, vor allem zu Beginn der Therapie meist stark geschw&#228;cht und legen den Weg &#252;berwiegend zu Fu&#223; zur&#252;ck. Ist die Probe dann in der Qualit&#228;t verf&#228;lscht und nicht mehr brauchbar, machen sie den Weg sogar und ein drittes und viertes Mal. Jedes Mal sind sie einen vollen Tag unterwegs.</p>
<p>Der &#252;berwiegende Teile der Bev&#246;lkerung in dieser Gegend lebt von der Selbstversorger-Landwirtschaft. Als Aids-Patienten fallen diese Leute f&#252;r die Familien-Versorgung eh sehr h&#228;ufig aus. Sind auch Kinder infiziert, m&#252;ssen diese bei dem selben Prozedere begleitet werden. Die Patienten, die mit den Medikamenten versorgt sind, k&#246;nnen in den meisten F&#228;llen wieder die Rolle des Familienversorgers ausf&#252;llen. Aber daf&#252;r m&#252;ssen die Medikamente f&#252;r die Therapie richtig eingestellt sein.</p>
<p>Ein Ziel von Entwicklungshilfe muss auf lange Sicht sein, sich selbst &#252;berfl&#252;ssig zu machen. Irgendwann muss es m&#246;glich sein, die Versorgung auf eigene F&#252;&#223;e zu stellen, und das Projekt voll und ganz einem Tr&#228;ger im Land zu &#252;bergeben. Im Gesundheitsbereich wird dies wohl der Staat sein. Die Aussichten einer solchen &#220;bergabe sind um so besser, je geringer die laufenden Kosten ausfallen. Ein CD4-Analyseger&#228;t f&#252;r Mukujju tr&#228;gt erheblich zur Kostenverringerung bei und kann auf diese Weise einen gro&#223;en Beitrag f&#252;r die Nachhaltigkeit der Aids-Versorgung in der Region leisten.</p>
<p>Neben der medizinischen Versorgung im Allgemeinen und der Versorgung der HIV/Aids-Patienten im Besonderen beinhaltet das Projekt eine ganze Reihe weiterer Angebote f&#252;r Aids-Patienten. Ziel ist es, die Einschr&#228;nkungen, die die Krankheit mit sich bringt, f&#252;r die Patienten und ihre Angeh&#246;rigen so gering, wie m&#246;glich zu halten. Hierzu z&#228;hlt der Abbau von Vorurteilen gegen&#252;ber der Immunschw&#228;che und der von ihr betroffenen Menschen. In sogenannten „Post-Testclubs“ treffen sich positiv, wie negativ Getestete f&#252;r gemeinsame Aktivit&#228;ten. Neben der sozialen Komponente des Zusammenkommens haben die Clubs f&#252;r die Teilnehmer auch einen ganz praktischen Nutzen. So bieten sich ihnen hier zahlreiche  M&#246;glichkeiten, sich weiterzubilden. Beliebt sind auch die „Savings-Club“. In diesen Clubs sparen die Mitglieder gemeinsam Geld an und verleihen es gegen einen geringen Zins untereinander. Banken sind weit weg und verlangen in den meisten F&#228;llen absurd hohe Zinsen und Sicherheiten, die gerade f&#252;r HIV/Aids-Patienten in der Regel nicht zu erf&#252;llen sind. N&#246;tige Investitionen, wie Saatgut zu kaufen oder eine Ziege anzuschaffen, k&#246;nnen so unkompliziert und einfach durchgef&#252;hrt werden. Am Ende bekommt jeder seine Einlage verzinst wieder ausbezahlt.</p>
<p>Im Plan Programmgebiet leben 30.000 Menschen mit dem Virus. Auf unseren Fahrten durch die Gemeinde wird das Ausma&#223; erst richtig deutlich. Fast an jedem zweiten Haus oder Hof an dem wir vorbeifahren  macht Milton eine kurze Geste und bedeutet mir, dass hier Klienten von ihm wohnen. Hinzu kommen viele weitere Haushalte in denen Menschen leben, die noch Hemmungen haben, sich testen zu lassen. Zu gro&#223; ist die Angst vor dem Ergebnis.</p>
<p>Im Laufe der Zeit besuche ich mit Milton zahlreiche betroffene Familien im Projekt-Gebiet und erfahre viel &#252;ber die ganz pers&#246;nlichen Schicksale hinter der Statistik. Meist sind es die Frauen, die die Initiative &#252;bernehmen und sich testen lassen. Danach spielen sie eine wichtige Rolle dabei, andere Menschen aus der Community und nat&#252;rlich die eigenen Ehem&#228;nner von der Notwendigkeit eines Tests zu &#252;berzeugen. Hierbei werden sie von den Sozialarbeitern ermutigt und unterst&#252;tzt. F&#252;r mich sind diese Begegnungen nicht immer einfach. Jede Aids-Geschichte ist eine pers&#246;nliche Trag&#246;die. Die Auswirkungen f&#252;r die Betroffenen und ihre Familien sind drastisch, die vielen Familien-Geschichten in dieser H&#228;ufigkeit nicht einfach zu verdauen. Aber Milton geht bei unseren Besuchen immer sehr einf&#252;hlsam mit den Menschen um. Er hat einen guten Draht zu seinen Klienten aufgebaut. Meine Ber&#252;hrungs&#228;ngste kann er ein bisschen nachvollziehen, aber letztendlich hat er Recht, wenn er sagt: „AIDS is actually happening. Let’s face it, that’s the reality.”</p>
<p>Bei den vielen Gespr&#228;chen mit den Menschen, f&#228;llt immer wieder auf, wie viele HIV-Positive M&#252;tter Kinder zur Welt bringen, die frei vom Virus sind. Ein Ergebnis der PMTCT-Ausrichtung der Geburtsstationen in Mukujju. Mehrere Generationen sind hier bisher schon von HIV/Aids betroffen. Dieses Projekt hilft, eine Weitere vor der Katastrophe zu bewahren.</p>
<p>Inzwischen bin ich ins Plan-Office umgezogen und habe meine Isomatte in einem leer stehenden B&#252;ro ausgerollt. Hier bekomme ich auch mit, wie motiviert die Mitarbeiter sind. Bis sp&#228;t Abends brennt in den B&#252;ros noch Licht und auch am Wochenende sieht man viele der Plan-Mitarbeiter auf dem Gel&#228;nde. Auch Milton ist f&#252;r seine Klienten immer erreichbar. An einem Sonntag l&#228;dt er mich ein, ihn auf seine Abschlussfeier zu begleiten. Er hat neben seiner Arbeit bei Plan seinen Master an der Universit&#228;t in Mbale gemacht und soll nun sein Abschlusszertifikat bekommen. Zwischen dem offiziellen Foto, der Zeremonie und der Verleihung der Urkunde, findet er auch an diesem Tag immer wieder die Zeit, Anrufe seiner Klienten aus Mukujju zu beantworten.</p>
<p>Beim Besuch eines Health-Center der Kategorie II wird deutlich, mit welchen Widrigkeiten die Mitarbeiter hier h&#228;ufig zu k&#228;mpfen haben. Obwohl die ganze Station auf Elektrizit&#228;t ausgerichtet, und an eine &#220;berlandleitung angeschlossen ist, bleiben die Lampen dunkel. Die staatliche Hochspannungsleitung hat bisher einfach noch keinen Strom ausgespuckt. Nach Einbruch der Dunkelheit werden die Geburten mit dem Licht zweier Petroleumlampen durchgef&#252;hrt. Meist bringt die Hebamme dann auch noch ihre eigene Laterne von zu Hause mit. Trotzdem verlassen auch hier die Kinder von HIV-positiven M&#252;ttern in den meisten F&#228;llen die Geburtsstation ohne den Virus.</p>
<p>Am Ende meines Besuches treffe ich in Tororo auf Dr. Hans Sch&#246;nfelder. Das Vorstandsmitglied von Plan in Deutschland besucht neben einigen anderen Projekten in der Region auch das Health-Center in Mukujju. Als alter Hase in der Entwicklungshilfe, hat er in unterschiedlichen Funktionen schon viele Projekte gesehen und begleitet. Dennoch zeigt er sich -nicht nur von Amtswegen- &#252;berw&#228;ltigt von der umfassenden Wirkungsweise dieses Projektes. Auch er ist &#252;berzeugt: Das Konzept ist ausgereift. Die Hilfe wirkt.</p>
<p>Der Besuch in Mukujju hat mich wirklich beeindruckt. In den etwas mehr als zwei Wochen in Tororo/Mukujju konnte ich einen guten Einblick in die Arbeit von Plan vor Ort bekommen. Ich konnte mir in Ruhe alle Einrichtungen rund um die HIV/Aids-Behandlung und -Pr&#228;vention anschauen und die t&#228;gliche Arbeit des „Staff“ begleiten. Bei den vielen Begegnungen und den Gespr&#228;chen mit Menschen aus dem Programm-Gebiet h&#246;re ich immer wieder, wie Dankbar die Menschen f&#252;r die Unterst&#252;tzung sind. Sie verdanken dem Engagement von Plan eine gro&#223;e Erleichterung ihrer schwierigen Lebensumst&#228;nde - und in nicht wenigen F&#228;llen auch ihr Leben. Ich habe das Gef&#252;hl, dass bei der Konzeption dieses Projekts &#252;ber den Tellerrand geschaut wurde und in der Umsetzung versucht wird, der Bedrohung durch HIV/Aids auf ganzer Linie zu begegnen.</p>
<p>Der Besuch hier in Tororo/Mukujju hat mich &#252;berzeugt. Ich bin mir Sicher, dass das ben&#246;tigte CD4-Analyseger&#228;t tats&#228;chlich eine grundlegende Unterst&#252;tzung darstellt. Es hilft dem medizinischen Personal in seiner Arbeit und es ist eine gro&#223;e Erleichterung f&#252;r die Patienten selbst.</p>
<p>Ich bin froh, dass ich mir selbst ein Bild machen konnte. Ich bin ehrlich &#252;berzeugt.</p>
<p><a title="Spenden" href="https://de.betterplace.org/elements/1346/donations/new" target="_blank">Jetzt Spenden!</a></p>
<p>142. – 159. Tag<br />
Tororo</p>
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		<title>Kenia</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 06:00:16 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einigen Tagen zieht ein weiterer Gast ins Hotel in Nanyuki. Es ist Martin, der urspr&#252;nglich aus L&#252;beck stammt, aber seit vielen Jahren im Tourismus-Bereich arbeitet. Erst in Ozeanien und jetzt in Kenia. Er wurde von einer Lodge angeheuert, die mit Hilfe von EU-F&#246;rderung, Tourismus als Gemeinde-Entwicklung zu etablieren versucht. Die &#246;kologisch ausgerichtete Il Nkewesi-Lodge wird von einer Massai-Community gef&#252;hrt und s&#228;mtliche Profite flie&#223;en direkt in die Gemeinde. Fair-Trade-Eco-Tourism, so to speak.</p>
<p>Der Tourismus kehrt nach den unruhigen Zeiten der Pr&#228;sidentschaftswahlen erst langsam zur&#252;ck nach Kenia. Bis in den Norden und die Mt. Kenya-Region scheint er noch nicht wieder vorgedrungen zu sein.<span id="more-89"></span> Die Il Nkewesi-Lodge hat darunter zu leiden und in die entstandene Buchungsdelle, wie Martin es nennt, springe ich gerne ein. Zu einem sehr g&#252;nstigen Preis buche ich zwei Tage Safari.</p>
<p>Mit einem Minibus, die hier Matatus hei&#223;en oder allgemein Nissans genannt werden, obwohl es &#252;berwiegend Toyotas sind, geht es am n&#228;chsten morgen wieder zur&#252;ck in Richtung Isiolo. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, diese Form des Public-Transport zu meiden. Mit mir f&#228;hrt aber Ocean, der Lodge-Manager mit und ich nehme ihm das Versprechen ab, dem Fahrer ordentlich ins Gewissen zu reden, sollte er es mit der Geschwindigkeit allzu sehr &#252;bertreiben. Zu meiner &#220;berraschung halten wir direkt vor dem Eingang zur Lewa-Wildlife-Sanctuary, dem Tierschutzgebiet, dass eigentlich den gut betuchten vorbehalten ist. Am Gate wartet bereits ein Land-Cruiser der Lodge, um uns abzuholen. Die Massai haben auf diesem Gel&#228;nde ein Durchfahrtsrecht und warum soll man das nicht nutzen, um seinen G&#228;sten eine exklusive Safari zu bieten? Finde ich auch. </p>
<p>Die Fahrt durch Lewa ist wirklich atemberaubend. Innerhalb weniger Stunden sehen wir Unmengen an Antilopen, viele Zebras, einige Giraffen und B&#252;ffel und zwei gro&#223;e Herden Elefanten. Am fr&#252;hen Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg zur Lodge, der uns noch einmal drei Stunden weiter in den Busch f&#252;hrt. </p>
<p>Die Lodge ist ausschlie&#223;lich aus nat&#252;rlichen Materialien gebaut und unaufdringlich in der Landschaft platziert. Das Gel&#228;nde besteht aus einem Haupthaus und acht kleinen, offenen H&#252;tten die rings um einen kleinen H&#252;gel verteilt sind. Von allen H&#252;tten hat man eine fantastische Aussicht auf die Landschaft. Aus meiner H&#252;tte blicke ich direkt auf  ein Wasserloch, an dem gerade ein Elefanten-Bulle trinkt, als ich einziehe. Die kleine Buchungsdelle, von der Martin sprach, erweist sich eher als Totalschaden. Ich bin mal wieder der einzige Gast. </p>
<p>Am n&#228;chsten Tag geht es dann noch mal per Auto und zu Fu&#223; auf Safari und zu dem bisher Gesehenen gesellen sich noch etliche Water-Bucks und zwei Nash&#246;rner. Aber am besten ist immer noch der Platz auf der Terrasse meiner H&#252;tte. Das Wasserloch zieht die Tiere Herdenweise an. Ich brauche nur dazusitzen und zu staunen. Die Tiere kommen zu mir. Nachts rolle ich mein Bett auf die Terrasse und schlafe mit dem Sound der „lachenden“ Hy&#228;nen unter einem famosen Sternenhimmel ein. Perfekt.</p>
<p>Wieder zur&#252;ck in Nanyuki bastle ich noch ein wenig an der Schwalbe und mache mich dann bald auf den Weg. 10.160 Kilometer nach meiner Abfahrt in Hamburg &#252;berquere ich den &#196;quator. Mein heutiger Weg f&#252;hrt mich entlang des Mount Kenyas in das 60 Kilometer entfernte Nyeri. Mit freiem Blick auf den Berg, hat hier Robert Baden-Powell, der Gr&#252;nder der Pfadfinderbewegung seine letzte Ruhest&#228;tte gefunden. </p>
<p>Im Innenhof des Hotels in Nyeri sitzen einige Leute beim Bier zusammen und laden mich ein dazuzukommen. Obwohl erst fr&#252;her Nachmittag, kommt der Kellner mit dem Bier- und Whiskeynachschub kaum hinterher. Den Mittelpunkt der Runde bildet ein junger, vorlauter und ziemlich betrunkener Typ, der den ganzen Laden bei Laune h&#228;lt. Sobald er spricht, sind alle anderen auff&#228;llig still und ohne Widerworte. Irgendwann fl&#252;stert mir dann einer aus der Runde zu: „He is a member of the Royal-Family“. Er ist irgendwie mit dem Pr&#228;sidenten verwandt, der aus Nyeri stammt, und deshalb sorgt man lieber daf&#252;r, dass er einem Wohlgesonnen bleibt. Man wei&#223; ja nie&#8230; .</p>
<p>Der Nachmittag/Abend in der Runde gestaltet sich aber &#228;u&#223;erst kurzweilig. Irgendwann wird mir die Frage gestellt, die ich auf der Reise schon so h&#228;ufig geh&#246;rt habe: Hat Dein Moped eigentlich einen Namen? Als ich erz&#228;hle, dass die Schwalbe eigentlich blo&#223; Schwalbe hei&#223;t und das serienm&#228;&#223;ig, seit es 1978 das Werk verlassen hat, ist schnell klar: Ein richtiger Name muss her. Da wir uns hier im Kikuyu-Gebiet befinden, ist au&#223;erdem schnell klar, dass es ein Kikuyu Name sein muss. Nach langem Palaver wird die Simson dann schlie&#223;lich feierlich getauft. Die einstimmige Wahl f&#228;llt auf den Frauenname N&#8217;joki, was auf Englisch &#252;bersetzt so viel bedeutet wie &#8220;Sweet Regrets&#8221;.</p>
<p>Wieder mal habe ich das gro&#223;e Gl&#252;ck, dass Freunde von mir nicht weit entfernt von meiner Route Urlaub machen. Katja und Ralf verbringen ihre Ferien an der K&#252;ste in Mombasa und haben auch noch ein bisschen Platz f&#252;r ein paar Ersatzteile in ihren Koffern. Die Firma AKF ist sofort bereit, ein paar der auf der Piste in Mitleidenschaft gezogenen Teile an die Beiden zu schicken. Vielen Dank f&#252;r die wieder mal schnelle und unkomplizierte Hilfe. </p>
<p>Bis ich die Beiden in Mombasa treffen kann, habe ich noch eine Woche Zeit. Ich will langsam und in einem weiten Bogen nach Nairobi fahren und dann von dort den Zug nach Mombasa nehmen.</p>
<p>Dieser Bogen soll mich eigentlich von Nyeri aus durch die Aberdares zum Lake Naivasha f&#252;hren. Auf meiner Karte ist auch eine Stra&#223;e durch den langen Gebirgszug eingezeichnet. Es stellt sich aber heraus, dass die Stra&#223;e eine kleine Piste ist und mitten durch den Aberdare-Nationalpark verl&#228;uft. In Kenias Nationalparks haben Zweir&#228;der keinen Zutritt.</p>
<p>In Nyeri treffe ich sp&#228;ter auf Flemming. Der D&#228;ne hat viele Jahre f&#252;r die UN gearbeitet und war zuletzt in Nairobi im Einsatz. Irgendwann hat er dann sein Leben komplett umgekrempelt. Oder hat das Leben vielleicht ihn umgekrempelt? Jetzt lebt er mit seiner kenianischen Frau und seinen zwei Kindern auf einem kleinen Bauernhof in dem winzigen Dorf Mureru am Fu&#223;e von Mount Kenya. In Nyeri ist er, um einen K&#228;ufer f&#252;r ein kleines St&#252;ck Land zu finden. Gemeinsam gehen wir abends Essen und im Laufe des Gespr&#228;ches l&#228;dt er mich ein, ihn und seine Familie in den n&#228;chsten Tagen zu besuchen. Ich z&#246;gere erst, denn Mureru liegt im Norden und eigentlich will ich ja nach S&#252;den, nach Nairobi. Aber er macht mich neugierig und es klingt bei ihm ein wenig der Vorwurf durch, ich w&#252;rde mir nicht genug Zeit f&#252;r Land und Leute nehmen: „Stop using your Motorbike like an Aeroplane.“</p>
<p>Am n&#228;chsten Tag fahre ich nach Mureru. Die folgenden drei Tage verbringe ich eine nette Zeit im Kreise der d&#228;nisch-kenianischen Familie. Und als sie mir anbieten, die Schwalbe zu h&#252;ten, w&#228;hrend ich nach Mombasa fahre, stimme ich gleich zu. </p>
<p>Mit dem Zug fahre ich vom Nachbarort Naru Moru zun&#228;chst nach Nairobi. Der Zug braucht f&#252;r die 200 Kilometer lange Strecke mehr als 9 Stunden, ist aber ein tolles Erlebnis. Und au&#223;erdem kann ich so eine weitere Minibus-Fahrt vermeiden. Wie als Zeichen der Best&#228;tigung meiner Transportmittel-Wahl, st&#246;&#223;t die Bahn auf einem unbeschrankten &#220;bergang mit einem Matatu zusammen. Der Zug kann nach einer halben Stunde weiterfahren - was aus dem Bus geworden ist, wei&#223; ich nicht. </p>
<p>Unterwegs stoppt der Zug an jeder noch so kleinen Siedlung. Jeder Halt wird zu einem gro&#223;en Basar. Die Reisenden erledigen ganz bequem vom Waggon-Fenster aus ihre Wochenendeink&#228;ufe. Der Zug f&#228;hrt einmal die Woche und entsprechend motiviert sind die H&#228;ndler entlang der Strecke, diese Chance nicht zu verpassen. Am Ende sind mehr Bananenstauden an Bord, als Passagiere.</p>
<p>In Nairobi bleibe ich eine Nacht und fahre am n&#228;chsten Abend mit dem Nachtzug weiter nach Mombasa. Mein Reisef&#252;hrer preist die Zugfahrt als eines der letzten Bahn-Abenteuer des Kontinents und ein Muss f&#252;r Reisende auf dieser Strecke. Mir kommt der Zug eher wie ein schr&#228;ges &#220;berbleibsel kolonialer Zeiten vor. Die G&#228;ste in den Liegewagen-Abteilen sind fast ausschlie&#223;lich wei&#223;e Touristen und im Speisewagen servieren livrierte Kellner das Essen auf Porzellangeschirr. Die Zugfahrt tags zuvor hat mir besser gefallen. </p>
<p>Morgens um f&#252;nf bleibt der Zug stehen und wird sich auch nicht mehr r&#252;hren. Auf der Strecke gab es einen Unfall und die Trasse ist vorerst nicht mehr befahrbar. Erstaunlicherweise gibt es Ersatzbusse. Gegen halb Acht werden alle Passagiere in die Busse verfrachtet und &#252;ber die Stra&#223;e nach Mombasa gekarrt. 52 Stunden nach meiner Abfahrt am Mount Kenya komme ich im Hotel von Katja und Ralf an. Die Beiden haben aus Berlin etwas mehr als acht Stunden gebraucht.</p>
<p>Es ist sch&#246;n, mal wieder Leute von zu Hause zu treffen. Gemeinsam genie&#223;en wir die Ferien am  wei&#223;en Strand von Mombasa und leeren das ein oder andere k&#252;hle Tusker-Bier an der Strand-Bar. Au&#223;erdem verfolgen wir gespannt das Rennen um den Amazee-Bucket. 352 Menschen werden am Ende Projektunterst&#252;tzer von Slow Way Down. Das ist super! Vielen Dank, euch allen!</p>
<p>Zuguterletzt nehmen mich die Beiden auch noch mit auf Safari in die Masai Mara. Der Nationalpark grenzt n&#246;rdlich an die tansanische Serengeti und beeindruckt durch seine enorme Zahl an Wildtieren. Obwohl wir nur einen winzigen Teil der Masai Mara zu sehen bekommen, ist die Menge der Tiere &#252;berw&#228;ltigend. Innerhalb zwei halber Tage sehen wir Flusspferde, Krokodile, Antilopen, Giraffen, Zebras, Gnus, und Hy&#228;nen. Den H&#246;hepunkt aber bilden eindeutig die drei L&#246;wenrudel. </p>
<p>Zur&#252;ck in Nairobi nehme ich diesmal den Minibus zur&#252;ck zum Mount Kenya. Die Fahrt dauert nur vier Stunden, ist aber l&#228;ngst nicht so spannend, wie der Zug. In Murero verbringe ich noch weitere drei erholsame Tage im Kreise Flemmings liebensw&#252;rdiger Familie. Obwohl sie mich dann kollektiv noch zum Bleiben zu &#252;berreden versuchen, juckt es so langsam wieder in meinem rechten Handgelenk. Der letzte Monat in Kenia war toll, aber jetzt versp&#252;re ich wieder Lust, ein wenig Gas zu geben.</p>
<p>Mein Weg f&#252;hrt mich zun&#228;chst nach Nyahururu. Der kleine Ort ist eine der am h&#246;chsten gelegenen St&#228;dte Kenias und vom Mt. Kenya auf direktem Wege nur &#252;ber eine Piste zu erreichen. Trotzdem komme ich schnell voran. Das Moped l&#228;uft gut und die Strecke ist bei weitem nicht so herausfordernd, wie die Piste im Norden. Unterwegs muss ich dann erstmals einen Elefanten-Zaun passieren. Die Elektroz&#228;une wurden aufgestellt, um die Felder der Farmer vor allzu gefr&#228;&#223;igen Dickh&#228;utern zu sch&#252;tzen. Stra&#223;en &#252;berspannt der Zaun in ungef&#228;hr vier Metern H&#246;he, wobei einzelne Dr&#228;hte wie ein Vorhang bis 1,5 Metern &#252;ber die „Fahrbahn“ herunter h&#228;ngen. Wenn dieser Zaun Elefanten abh&#228;lt, was macht er dann mit einem Mopedfahrer? Eigentlich d&#252;rfte ich ja auf meinen Gummireifen nicht geerdet und somit gesch&#252;tzt sein. Aber darauf ankommen lassen will ich es nicht. In einer Art Moped-Limbo zw&#228;nge ich mich unter den geladenen Dr&#228;hten hindurch. Geschafft, ohne zu rei&#223;en. </p>
<p>In Nyaharuru bleibe ich f&#252;r eine Nacht und breche am n&#228;chsten morgen fr&#252;h auf. Nach einem Zwischenstopp f&#252;r eine Nacht in Nakuru geht es am folgenden Tag weiter nach Eldoret. Von hier aus will ich weiter nach Uganda und das Projekt von Plan in Mukujju bei Tororo besuchen. Da aber gerade das Wochenende beginnt, macht es keinen Sinn, schon morgen beim Plan-Office anzuklopfen. Also verbringe ich das Wochenende in Eldoret. Die Stadt ist die Viertgr&#246;&#223;te in Kenia und ein &#228;u&#223;erst lebendiger Marktflecken und es macht Spa&#223;, durch die vielen kleinen, bunten Stra&#223;en zu schlendern. </p>
<p>Am Sonntag Fr&#252;h muss ich dann &#252;ber Schleichwege aus der Stadt fahren. Die Innenstadt ist aufgrund einer Demonstration gesperrt und die freundliche Polizistin schl&#228;gt mir vor, doch das Ende der Veranstaltung abzuwarten. Wie lange es dauern wird? „Nicht lange, vielleicht ein paar Stunden.“ In einer Kolonne ebenso ungeduldiger LWW und Busse schleiche ich eine Stunde durch die Stadt. Dann endlich taucht die Hauptstra&#223;e wieder vor mir auf. Noch 140 Kilometer bis nach Uganda.</p>
<p>123. Tag<br />
Nanyuki – Nyeri</p>
<p>124. Tag<br />
Nyeri</p>
<p>125. Tag<br />
Nyeri – Mureru</p>
<p>126. – 136. Tag<br />
Mureru (und Ausflug nach Mombasa)</p>
<p>137. Tag<br />
Mureru – Nyahururu</p>
<p>138. Tag<br />
Nyahururu – Nakuru</p>
<p>139. Tag<br />
Nakuru – Eldoret</p>
<p>140. Tag<br />
Eldoret</p>
<p>141. Tag<br />
Eldoret - Tororo</p>
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