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	<title>Stahl auf Stahl</title>
	
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	<description>Historisches Fechten Deutschland</description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 Jan 2012 15:37:18 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Testbericht JiNo XVIIIb langes Schwert 1467</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/jino-xviiib-langes-schwert-1467/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/jino-xviiib-langes-schwert-1467/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 15:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Übungswaffen]]></category>

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		<description><![CDATA[<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Testbericht JiNo Oakeshott XVIIIb langes Schwert 1467</li></h4><li><h4>Einschätzung</li></h4><li><h4>Datenblatt</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/jino-xviiib-langes-schwert-1467/">Testbericht JiNo XVIIIb langes Schwert 1467</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Testbericht JiNo Oakeshott XVIIIb langes Schwert 1467</h3>
<p>◄ Hier die Vorstellung des neuen XVIIIb langen Schwerts von JiNo. Ausgearbeitet wurde diese Serie in Zusammenarbeit von Volker Kunkel mit Stahl auf Stahl Ende 2010. Das Ziel war es ein fechttaugliches langes Schwert für das Fechten nach Talhoffer 1467 „München“, bei dem vier verschiedene Varianten des Typ XVIII Schwertes dargestellt sind (sehr langes Schwert, langes Schwert, Reitschwert für Harnischfechten und Einhandschwert). Wir wollten die wirkliche lange Version des XVIIIb. Die Wahl fiel auf den tschechischen Schmied JiNo (Jiri Nowak), wegen der bekannten hohen Qualität von dessen Erzeugnissen.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1476" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/Seite1467.jpg" rel="lightbox[1472]"><img class="size-full wp-image-1476  " title="Seite1467" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/Seite1467.jpg" alt="" width="600" height="181" /></a><p class="wp-caption-text">GiNo langes Schwert Typ XVIIIb 1467</p></div>
<p>• Das Schwert sollte schon beim Entwurf nicht für Kampfübungen konzipiert sein, es ist also nicht „markttauglich“. Es handelt sich um ein reines Fechtschwert. Dies bitte ich immer in Erinnerung zu halten. Das Schwert ist für das Reenactmentfechten und Marktauftritte vollkommen untauglich.</p>
<p>• Dies ist nun der Serientyp. Leider unterliegt die Serie extremen Schwankungen, was die Qualität angeht. Ich habe vier Schwerter der Serie getestet und nur eines (das hier vorgestellte Fechtschwert) entsprach meinen Vorgaben. Die anderen drei Schwerter der Serie kann ich nicht empfehlen, da bei ihnen der Angelbruch nur eine Frage der Zeit ist, oder aber das Blatt unkontrollierbar schwang.</p>
<div id="attachment_1478" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/LS02K.jpg" rel="lightbox[1472]"><img class="size-medium wp-image-1478 " title="LS02K" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/LS02K-300x215.jpg" alt="" width="300" height="215" /></a><p class="wp-caption-text">Lange Schwerter Typ XVIIIb im &quot;München&quot; 1467</p></div>
<h3>Einschätzung</h3>
<p>◄ Die Haltbarkeit des Blatts beim Fechten entspricht denen der bekannten JiNo Schwerter. Die etwas vollkantigen Schlagkanten muß man abrunden, um der stumpfen Schneide möglichst wenig Angriffspunkte für den Verschleiß zu geben. Den Ort muß man, wie leider fast immer, beschneiden. Aber das ist ja mittlerweile das Standardverfahren, weil es immer noch Käufer gibt, die sich ein solches Fechtschwert an die Wand hängen wollen. Die Gefechtsübungen hinterlassen natürlich ihre Spuren, diese können jedoch mit dem Wetzstein wenn nicht gar entfernt, jedoch zumindest bereinigt werden können.</p>
<p>• Das lange Schwert ist in den Fechtübungen extrem schnell, was dem geringen Gewicht zugerechnet werden mag. Mit nur ca. 2kg läßt es sich fast genauso führen wie der kürzeren langen Schwerter von GiNo. Obwohl nur ca. 20cm länger als die kürzeren langen Schwerter, wirkt sich die größere Reichweite auffallend aus. Andererseits verzeiht das längere Blatt keine Fehler, so dass der Fechter dieses Schwert mit der entsprechenden Präzision zu führen hat. Das lange Gehilz verleiht dem Schwert einen ziemlichen Hebel, im Gegenzug ist der Hebel der längeren Klinge jedoch ein Nachteil, falls der Gegner es schafft, die eigene Reichweite zu unterlaufen.<br />
Die Länge der Klinge und des Gehilzes machen die Kenntniss der schwingungsfreien Knoten bedeutungsvoller als bei den kürzeren langen Schwertern. Die Schwingungen sind vergleichsweise enorm und das Schwert an einem anderen Punkt zu greifen bedeutet schnelle Ermüdungen der Hand und des Handgelenkes durch die Kompensation der Schwingungen.</p>
<div id="attachment_1477" class="wp-caption alignright" style="width: 270px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/Totale1467.jpg" rel="lightbox[1472]"><img class="size-full wp-image-1477  " title="Totale1467" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2012/01/Totale1467.jpg" alt="" width="260" height="450" /></a><p class="wp-caption-text">Die Länge macht&#39;s doch!</p></div>
<p>• Die Blatt ist durch seine Oakeshott Typ XVIII Geometrie recht biegesteif, was bei der Länge schon etwas erstaunt. Das macht das Schwert erstklassig im Gefühl und läßt es dem historischen Original des 1467 „München“ wahrscheinlich sehr nahe kommen. Das Schwert ist für Anfänger nur eingeschränkt nützlich und sollte erst nach einer soliden Handarbeit verwendet werden. Die Gefahr sich selber in den Fuß zu hauen ist gegeben. Beim Stechen und Winden spielt das lange Schwert seine wahren Stärken aus, hier ist es den kürzeren langen Schwertern ganz klar überlegen. Hans Talhoffers Motto „Bedenk Dich recht“ kann für dieses Schwert uneingeschränkt übernommen werden.</p>
<h3>Datenblatt</h3>
<p>◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen:</p>
<p>• Oakeshott Typ: XVIIIb, ein rautenförmiger Klingenquerschnitt mit leichter Blattform über den Verlauf der Schneiden, ohne Hohlkehle.</p>
<p>• Masse: ca. 2100g<br />
• Gesamtlänge: 1487mm (vor dem Abschneiden des Ortes)</p>
<p>Gehilz</p>
<p>• Gehilzlänge: ca. 377mm<br />
• Kreuzstärke: 10mm auf 14mm zu den Kreuzenden auslaufend (vierkantig, rhombisch)<br />
• Kreuzlänge: ca. 282mm<br />
• Grifflänge: ca. 265mm<br />
• Griffbreite: ca. 33mm am Kreuz, ca. 28mm am Knauf<br />
• Griffdicke: ca. 20mm durchgehend von Kreuz bis Knauf<br />
• Griffwicklung: Das typische JiNo 13mm Griffleder in Streifenform, Farbe: braun<br />
• Birnenknauf: größter Durchmesser 55mm, genietet</p>
<p>Klinge</p>
<p>• Klingenlänge: 1100mm (vor dem Abschneiden des Ortes) / 1092mm (nach Beschnitt am Ort)<br />
• Breite Klinge am Kreuz: 42mm<br />
• Klingenstärke am Kreuz: 6mm<br />
• Schlagkante am Kreuz: ca. 2mm<br />
• Breite Klinge am Ort: ca. 10mm (nach Beschnitt am Ort)<br />
• Klingenstärke am Ort: ca.3mm<br />
• Schlagkante am Ort: 2mm</p>
<p>Schwer- und Kippunkte</p>
<p>• Schwerpunkt: ca. 50mm vor dem Kreuz in der Stärke<br />
• Stärkeseitiger Kippunpt/ Kontrollpunkt: ca. 310mm vor dem Kreuz in der Stärke<br />
• Schwächeseitiger Kippunkt: Im Ort (Perfekt)<br />
• Schwächeseitiger schwingungsfreier Knoten: ca. 430mm vor dem Ort in der Schwäche<br />
• Gehilzseitiger schwingungsfreier Knoten: ca. 90mm hinter dem Kreuz</p>
<p>Preis</p>
<p>• Preis: um die 360,- Euro</p>
<p>►► Frankfurt am Main, 2012, Daniel Mohr und Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		<title>Bau eines Stechschildes</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/xa-schilde/bau-eines-stechschildes/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/xa-schilde/bau-eines-stechschildes/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 11:52:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schilde]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier beschreibe ich den Bau eines Stechschildes für den gerichtlichen Zweikampf aus der Zeit des 15. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen. Deswegen verzichte ich bewußt darauf, die Enden der Schildfessel spitz auszuführen. Der Stechschild ist generell, allein durch seine Masse, sehr gefährlich. Knochen brechen ist mit diesem Schild allzu leicht. Spitze Holzfesselenden stellen ein tödliches Risiko dar, wovor ich eindringlich warnen möchte. Wer mit dem Stechschild fechten möchte, der sollte auf keinen Fall die Holzenden der Schildfessel anspitzen!


Stechschild Darstellung im "Thott" 1459
• Stechschilde gibt es in den Quellen von Hans Talhoffer in den verschiedensten Ausführungen. Ich wähle die Ausführung mit dem denkbar ungefährlichsten Schildkörper, in der Form wie zwei an der Basis zusammengesetzte Mandeln, wie im „München“ 1467 zu finden. Ich verzichte auf Fanghaken an den Enden der Schildfesseln und Speerspitzen aus Eisen am Schildrand, Widerhaken und die im „Gotha“ 1443 durchgängig dargestellten zwei bis vier Greifhaken am Schildkörper. Die Schildgrößen variieren in den Quellen, zumeist sind die dargestellten Stechschilde deutlich über 2m hoch, im „Gotha“ 1443 um die 2,50m.

<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Bau eines Stechschildes als Fechtschild</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/xa-schilde/bau-eines-stechschildes/">Bau eines Stechschildes</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bau eines Stechschildes als Fechtschild</h3>
<p>◄ Hier beschreibe ich den Bau eines Stechschildes für den gerichtlichen Zweikampf aus der Zeit des 15. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen. Deswegen verzichte ich bewußt darauf, die Enden der Schildfessel spitz auszuführen. Der Stechschild ist generell, allein durch seine Masse, sehr gefährlich. Knochen brechen ist mit diesem Schild allzu leicht. Spitze Holzfesselenden stellen ein tödliches Risiko dar, wovor ich eindringlich warnen möchte. Wer mit dem Stechschild fechten möchte, der sollte auf keinen Fall die Holzenden der Schildfessel anspitzen!</p>
<div id="attachment_1440" class="wp-caption alignright" style="width: 206px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/05/Thott.jpg" rel="lightbox[1445]"><img class="size-full wp-image-1440  " title="Stechschild Darstellung im &quot;Thott&quot; 1459" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/05/Thott.jpg" alt="" width="196" height="350" /></a><p class="wp-caption-text">Stechschild Darstellung im &quot;Thott&quot; 1459</p></div>
<p>• Stechschilde gibt es in den Quellen von Hans Talhoffer in den verschiedensten Ausführungen. Ich wähle die Ausführung mit dem denkbar ungefährlichsten Schildkörper, in der Form wie zwei an der Basis zusammengesetzte Mandeln, wie im „München“ 1467 zu finden. Ich verzichte auf Fanghaken an den Enden der Schildfesseln und Speerspitzen aus Eisen am Schildrand, Widerhaken und die im „Gotha“ 1443 durchgängig dargestellten zwei bis vier Greifhaken am Schildkörper. Die Schildgrößen variieren in den Quellen, zumeist sind die dargestellten Stechschilde deutlich über 2m hoch, im „Gotha“ 1443 um die 2,50m.</p>
<p>• Ich dimensioniere meinen Fechtschild auf 2,13cm Fesselhöhe, 69cm Breite und 10,4kg Masse. Damit sollte er eher in die kleinen (und leichten) Stechschilde passen. Ein wesentliches Merkmal des Stechschilds ist der sargdeckelförmige Schildbuckel aus Holz. Ich möchte einen Schildbuckel von 1,0m Länge und gut 20cm Seitenlängen.</p>
<p>• Als Holzkörper verwende ich ein Stück Birken-Schichtholz, 9mm stark, 200cm auf 68cm. Ich möchte den Stechschild möglichst leicht, aber stoßfest bauen, und verzichte daher schon in der Planung auf eine Bespannung des Schildkörpers mit Leim und Stoff. Nur der Schildbuckel aus Holz soll eine Bespannung erhalten, damit der Schildbuckel schweren Belastungen standhalten kann. Die Schildbuckelseiten fertige ich aus zwei Stück Birken-Schichtholz, 9mm stark, 100cm auf 16cm.</p>
<p>• Dennoch wird der Stechschild eine Menge Leim erfordern, was die Konstruktion des Schildbuckels angeht. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.</p>
<p>• Der Bau beginnt mit dem Anzeichnen des Schildkörpers. Auf das Schichtholz zeichne ich die gewünschte Schildform an. Das geht bei Rundungen am besten mit steifem Fingergriff am Bleistift aus dem Ellbogen, also mit einem großen Radius. Dazu ziehe ich mir eine Reihe von Maßlinien, um die Symmetrie zu erhöhen. Besonders wichtig ist die gleiche Setzung der Übergänge der Rundungen. Dann wird der Schildkörper mit der Stichsäge ausgesägt. Hierbei immer auf das Stormkabel achten, daß es nicht in die Säge gelangt!</p>
<p>• Der Bau des Schildbuckels aus Holz gestaltet sich etwas aufwendiger. Es ist nötig die Stöße des Schildbuckels auf Gärung auszuschneiden. Die Gärung schneide ich mit der Stichsäge, deren Fuß man verstellen kann. Ich setzte den Fuß der Stichsäge auf 45 Grad fest. Für die Stöße des Schildbuckels verwende ich drei rechtwinklige Holzkeile, um die Kraftübertragung im Schildbuckel zu erhöhen.</p>
<p>• Habe ich die Gärungen geschnitten und mit dem Bandschleifer versäubert, kann ich den Holzbuckel zusammenleimen. Dazu leime ich zuerst eine Keilleiste auf die Gärung auf, nagele sie mit dünnen Drahtstiften ab und setze das zweite Stück des Holzbuckles an. Dann leime ich noch als Verstärkung einen Streifen Baumwoll-Segeltuch über die vordere Kante des Holzbuckels. Der Leim muß dann zuerst über Nacht austrocknen. Innen in den Stoß leime ich ebenfalls einen Streifen Baumwoll-Segeltuch.</p>
<p>• Nach dem Austrocknen schneide ich vom Schildbuckel im 45 Grad Winkel die beiden Enden ab. Wieder müssen Gärungen geschnitten werden, parallel zur Schnittebene im 45 Grad Winkel. Nach dem Abschneiden der Enden habe ich die endgültige Länge und Breite des Schildbuckels und kann dessen Öffnungsmaß am Schildkörper anzeichnen. Ich säge mit der Stichsäge die Öffnung des Schildbuckels aus und versäubere ich mit dem Bandschleifer.</p>
<p>• Da ich gerade kein Eschenholz in der gewünschten Länge zur Hand habe baue ich die Schildfessel aus drei Reststücken Eschenholz 35&#215;45mm. Genausogut kann man natürlich ein Stück von 220cm Länge nehmen. Die Innenseite der Schildfessel im Schildbuckel runde ich mit Hobel und Bandschleifer ab. Dann runde ich die Außenseite der Schildfessel, nicht aber die Aufleimflächen, ab. Um die Stücke gut zu verleimen setze ich ein Scherblatt. Die Schildfessel wird aufgeleimt, wobei ich immer Schraubzwingen benutze. Dann setze ich den Schildbuckel auf. Dieser wird aufgeleimt und mit dünnen Drahtstiften abgenagelt.</p>
<p>• Die beiden Endstücke für den Holzbuckel werden ausgeschnitten und am Schildkörper mit einer Gärung versehen. Jetzt kann ich die Endstücke aufleimen und mit dünnen Drahtstiften abnageln. Die Außenkanten des Schildbuckels runde ich mit dem Bandschleifer ab. Den gesamten Holzbuckel bespanne ich mit einer Lage Baumwoll-Segeltuch in Leim. Auf das Segeltuch bringe ich noch einen Leimfirnis an.</p>
<p>• Ich vervollständige die Schildfessel und leime mit Scherblatt die beiden fehlenden Teil Eschenholz 35&#215;45mm auf. Die Enden lasse ich 6,5cm über den Schildkörper überstehen. Die Kanten der stumpfen Spitzen werden abgerundet. Ich möchte die Schildfessel etwas viereckig haben, weil ich das griffiger finde, die Quellen scheinen aber eher voll abgerundete Schildfesseln darzustellen.</p>
<p>• Um Gewicht zu sparen leime ich den Schildrand mit einem 40mm Streifen Baumwoll-Segeltuch. Ich erwarte wenig Stahlkontakt mit dem Stechschild. Durch den aufgeleimten Rand habe ich auch keine Bohrlöcher zum Aufnähen eines Rohhautrandes, was die Schlagfestigkeit des Schildrands erhöht. Der aufgeleimte Schildrand erhält einen Leimfirnis.</p>
<p>• Als Abschluß bemale ich den Schild mit weißer Wandfarbe und natürlich mit dem immer dargestellten Kreuz in rot. Den Schildrand bemale ich nicht, weil sich die Farbe nicht abreiben soll. Der Stechschild wurde offenbar ausschließlich im Ordal, also im gerichtlichen Zweikampf benutzt, weshalb Wappenfarben entfallen.</p>
<p>►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>

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		<title>Bau eines Bucklers und großen Rundschilds</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 07:58:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schilde]]></category>

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		<description><![CDATA[An dieser Stelle beschreibe ich den Bau von Buckler und großem Rundschild mit Fesselgriff. Beide Schilde gründen sich auf derselben Bauweise, der einzige Unterschied ist der Schilddurchmesser und damit das Schildgewicht. Das wesentliche Merkmal beider Schilde ist der Eisenbuckel und die Schildfessel, also ein zentraler Griff aus Holz. Große Rundschilde dieser Bauart sind von etwa 300 vor bis 1100 nach Christus im Einsatz. Buckler, auch als Faustschilde bekannt, werden vor allem im 12.-15. Jahrhundert für den Zweikampf verwendet. Ich möchte voll kampftaugliche Fechtschilde bauen, die ich für den Fußkampf nutze.
<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Bau eines Bucklers oder großen Rundschilds als Fechtschild</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/xa-schilde/bau-eines-bucklers-und-grosen-rundschilds/">Bau eines Bucklers und großen Rundschilds</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bau eines Bucklers oder großen Rundschilds als Fechtschild</h3>
<p>◄ An dieser Stelle beschreibe ich den Bau von Buckler und großem Rundschild mit Fesselgriff. Beide Schilde gründen sich auf derselben Bauweise, der einzige Unterschied ist der Schilddurchmesser und damit das Schildgewicht. Das wesentliche Merkmal beider Schilde ist der Eisenbuckel und die Schildfessel, also ein zentraler Griff aus Holz. Große Rundschilde dieser Bauart sind von etwa 300 vor bis 1100 nach Christus im Einsatz. Buckler, auch als Faustschilde bekannt, werden vor allem im 12.-15. Jahrhundert für den Zweikampf verwendet. Ich möchte voll kampftaugliche Fechtschilde bauen, die ich für den Fußkampf nutze.</p>
<div id="attachment_1412" class="wp-caption alignright" style="width: 266px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/Amiens-BM-ms0107.jpg" rel="lightbox[1405]"><img class="size-medium wp-image-1412" title="Amiens - BM - ms. 0107, f. 009v" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/Amiens-BM-ms0107-256x300.jpg" alt="" width="256" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Aus Amiens - BM - ms. 0107, 15. Jhdt.</p></div>
<p>• Die selbstgebauten Buckler haben gegenüber den käuflichen Bucklers den Vorteil, daß man sie nach Belieben dimensionieren kann. Und natürlich machen die Holzkörperbuckler nicht den Höllenlärm, den Stahlbuckler beim Üben erzeugen. Große Rundschilde in brauchbarer Qualität zu kaufen ist fast nicht möglich, also ist bei großen Rundschilden der Eigenbau ohnehin notwendig.</p>
<p>• Als Holz für den Schildkörper verwende ich ein Stück Birkenmultiplex, fünf Lagen verleimt und 6,5mm stark. Für den Buckler wähle ich einen Durchmesser von 300-400mm, für den großen Rundschild 900-1000mm. Wer einen leichteren großen Rundschild haben möchte kann sich mit 8mm Pappelholz versorgen. Als Faustregel sollten große Rundschild mindestens die halbe eigene Körpergröße hoch sein, besser ist es 100mm Durchmesser zur eigenen halben Körpergröße dazuzurechnen. Buckler sind viel weniger an eine Flächenwirkung gebunden, werden sie doch ausschließlich als Fechtschilde verwendet und müssen deshalb nicht, wie große Rundschilde, gegen Beschuß schützen. Das Lagenholz gibt mir den Vorteil erhöhter Belastbarkeit. So erhalte ich später einen Schild, der nicht zu schwer und vor allem leicht flexibel ist, wenn er schweren Schlägen ausgesetzt ist.</p>
<p>• Der Schildbau erfordert stets recht viel Leim. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.</p>
<p>• Der Bau beginnt mit dem Anzeichnen des Mittelpunkts und des Durchmessers. Dazu verwende ich einen Nagel, den ich im Mittelpunkt des Buchenmultiplexholzes einschlage, und einen zweiten Nagel an einem Stück Draht oder einem gelochten Metall-Lineal. Mit dem zweiten Nagel reiße ich den Außendurchmesser des Schildes und den Durchmesser für das Griffloch im Holz an. Ich zeichne dann noch den Anriß mit einem Bleistift nach, um die gewählten Durchmesser besser beim Aussägen sehen zu können. Je nach verwendeten Buckler muß man den Durchmesser des Grifflochs einfach am Buckler ausmessen. 140mm sollten das Minimum sein, denn später muß ja die Hand in das Griffloch hineinfassen können.</p>
<div id="attachment_1409" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/buckler-sachsenspiegel2.jpg" rel="lightbox[1405]"><img class="size-medium wp-image-1409 " title="Aus dem Cod. Pal. germ. 164 Heidelberger Sachsenspiegel, 14. Jhdt." src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/buckler-sachsenspiegel2-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a><p class="wp-caption-text">Aus dem Cod. Pal. germ. 164 Heidelberger Sachsenspiegel, 14. Jhdt.</p></div>
<p>• Der Buckler sollte aus 2mm Eisen (rostend) bestehen und einen Durchmesser von 180mm aufweisen. Es gibt kostengünstige tiefgezogene Buckler, aber auch hochwertige gehämmerte Buckler, die den Vorteil einer teilweisen Verdichtung des Eisens besitzen. Außerdem sehen die gehämmerten Schildbuckel einfach gut aus.</p>
<p>• Der nächste Arbeitsschritt ist das Aussägen des Schildkörpers mit der Stichsäge. Die Sägekanten versäubere ich stets mit einer Schleifmaschine, um die Gefahr von Splittern zu vermindern. Ist der Schildkörper ausgesägt, dann wird die Schildfessel auf der Innenseite des Schildkörpers aufgeleimt. Dazu muß man eine Mittellinie durch den Mittelpunkt des Schildes anzeichnen, damit die Schildfessel mittig durch das Griffloch verläuft. Ich nehme für die Schildfessel 30mm Buchenholz, halbrund für innenliegenden Griff oder vierkantig für außenliegenden Griff. Beide Formen kann man fertig im Handel kaufen, 1000mm lang. Die Schildfessel sollte mindestes 25mm Zoll vor dem Schildrand auslaufen, denn später wir ja am Rand die Rohhaut aufgebracht. Den Auslauf der Schildfessel sollte man immer abgerundet gestalten, damit man später nicht mit dem Bein oder der Schulter an den Kanten hängen bleibt. Bei vierkantiger Schildfessel müssen die Außenränder mit dem Bandschleifer tüchtig abgerundet werden, und natürlich auch der innere Griffbereich. Ich leime die Schildfessel mit Schraubzwingen auf, damit die Verleimung unter gleichmäßigem Druck erfolgt.</p>
<p>• Bei innenliegenden Griff muß ich jetzt das innere Griffstück vorne auf die Schildfessel aufleimen. Dazu nehme ich ebenfalls das 30mm halbrunde 30mm Buchenholz. Das Griffstück mache ich etwa 10mm an beiden Enden des Grifflochs schmaler und leime es wie gehabt mit zwei Schraubzwingen auf. Die Ecken runde ich ab, damit die Schildhand sich später nicht an den Holzkanten stört.</p>
<p>• Vorderseite und Rückseite des Schildes werden als nächstes mit der Bespannung versehen. Für einen großen Rundschild reicht eine Lage Baumwoll-Segeltuch oder Leinen vorne und hinten aus. Die Bespannung der Rückseite ist wichtig, damit nicht unter schweren Schlägen Holzsplitter aus der Schildrückseite fliegen können. Ich bringe bei großen Rundschilden an der Vorderseite noch eine zweite, kleinere Bespannung von 400mm Durchmesser auf, um dem Schild zusätzliche Zähigkeit am Buckel zu geben. Buckler erhalten immer zwei Lagen Frontbespannung und eine Lage Rückenbespannung. Wird der Buckler für sehr harte Belastungen vorgesehen, dann gebe ich ihm drei Lagen Frontbespannung und zwei Lagen Rückenbespannung. Bei großen Rundschilden sind mehrere Lagen Bespannung immer eine Gewichtsfrage, ich rate dazu es bei einer vollen Lage Bespannung an Front und Rücken zu belassen.</p>
<p class="mceTemp">
<dl id="attachment_1408" class="wp-caption alignright" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/buckler-sachsenspiegel.jpg" rel="lightbox[1405]"><img class="size-medium wp-image-1408 " title="Aus dem Sachsenspiegel der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 3.1 Aug. 2°, Anfang 14. Jhdt." src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/buckler-sachsenspiegel-300x223.jpg" alt="" width="300" height="223" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Aus dem Sachsenspiegel der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Cod. Guelf. 3.1 Aug. 2°, 14. Jhdt.</dd>
</dl>
<p>• Ist die Frontbespannung trocken, dann kann sie bemalt werden. Für die Bemalung verwende ich einfache wasserlösliche Malerfarben aus dem Baumarkt in den Wappenfarben meiner Familie, rot und weiß. Wer es historisch will muß, der sich seine Naturfarben selber anrühren. Nach der Bemalung werden beide Schildseiten mit einem Leimabstrich versiegelt. Bei historischen Nachbauten empfiehlt sich hier ein Leimfirnis aus Knochenleim, den man aber selber ankochen muß.</p>
<p>• Jetzt ist es Zeit für den Rohhautrand. Rohhautstreifen kann man im 50mm Breite fertig kaufen, oder selber aus Spaltleder mit der Blechschwere schneiden oder sägen. Die Rohhautstreifen müssen eine Nacht zuvor in Wasser aufgeweicht werden. Ich setze sie dann naß auf den Schildrand auf und fixiere sie mit Wäscheklammern. Stöße werden schräg abgeschnitten und 20mm überdeckt. Die Wäscheklammern sollen jeden Zentimeter Rohhaut anpressen, man braucht also einen ganzen Schwung Wäscheklammern.</p>
<p>• Der Rohhautrand sollte zwei Tage abtrocknen. Dann entferne ich die Wäscheklammern und bohre in etwa 25mm Abstand 2mm breite Löcher mit einem Metallbohrer, gut 10-12mm vom Schildrand. Durch diese Löcher nähe ich den Rohhautrand doppelfadig auf. Ich verwende dazu Leinengarn und eine dicke Nähnadel. Ist der Rohhautrand fertig aufgenäht, dann streiche ich ihn noch einmal mit Leim ab, damit die Naht des Rohhautrands möglichst reißfest ist und sich selbst bei Garnriß nicht löst. Der genähte Rand ist mehr Arbeit als ein genagelter Rand, doch haben die Nägel im Rohhautrand immer das Bestreben herauszufliegen, wenn es gerade am ungünstigsten ist.</p>
<p>• Der Schildbuckel muß Bohrlöcher erhalten, wenn er nicht schon vorgebohrt geliefert wurde. Ich verwende für große Rundschilde und Buckler 50mm geschmiedeten Eisennägeln, welche mit einem Stoßblech aus Eisenblech vernietet werden. Also muß man die Bohrlöcher durch Anprobieren der geschmiedeten Eisennägel dimensionieren. Die Bohrlöcher sollte man genau anzeichnen, wozu ein einfaches auf Pappe gezeichnetes Kreuz im sauberen rechten Winkel hilfreich ist.</p>
<p>• Bei großen Rundschilden nicht unhistorisch ist das einfache Umschlagen der Eisennägel an der Schildinnenseite. Wenn ich Eisennägel umschlage, dann säge ich aus Sicherheitsgründen ihre Spitzen ab. Ich lege auch immer ein dickes Stück ausgehärtete Rohhaut wie ein Stoßblech unter den Eisennagel, damit das Holz durch das Umschlagen mit dem Hammer nicht zuviel leidet. Bei Bucklern empfehle ich das Umschlagen der Eisennägel nicht, werden sich ja oft beim Üben sehr nah an den Arm gebracht werden.</p>
<div id="attachment_1410" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/IRHT_058104-p.jpg" rel="lightbox[1405]"><img class="size-medium wp-image-1410" title="Amiens - BM - ms. 0018, f. 067, Psalterium Benedictinum" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/04/IRHT_058104-p-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Amiens - BM - ms. 0018, Psalterium Benedictinum, 9. Jhdt.</p></div>
<p>• Habe ich die Löcher im Schildbuckel, dann setzte ich den Schildbuckel auf die Schildvorderfläche und zeichne die Löcher mit dem Bleistift auf dem Schild an. Ich setzte die Bohrungen immer so, daß zwei Bohrungen durch die Schildfessel laufen, um dem Schildbuckel mehr Halt zu geben. Also ist es hilfreich die Mittelachse der Schildfessel dünn auf der Vorderseite des Schildes anzuzeichnen. Sind die Löcher fertig, setzte ich die Eisennägel ein und säge sie gute 6-8mm über der Schildinnenfläche ab. Es kann sein, daß die Eisennägel mit dem Hammer etwas in die Löcher im Schildbuckel getrieben werden müssen, da die Eisennägel einen eckigen Querschnitt haben. Die Sägekanten der Eisennägel sollte man mit einer Metallfeile versäubern, was später das Annieten erleichtert.</p>
<p>• Die Stoßbleche aus Eisen sollte man vorsichtig aufbohren und an den durch das Holz eingesteckten Eisennagel anpassen. Ich halte dazu die mit der Blechschwere geschnittenen Stoßbleche mit der Zange fest und fräse sie vorsichtig mit der Bohrerseite in Form. Die Stoßbleche sollen möglichst eng auf den Eisennägeln aufsitzen. Mit dem Schlosserhammer werden die Eisennägel dann auf dem Amboß vernietet. Dazu muß man vorsichtig von allen Seiten den Nagel anschlagen, nicht einfach auf den Nagel hauen! Mann kann sich auch ein Nieteisen dafür zulegen, doch Hämmern genügt völlig. Wer keinen Amboß hat sollte sich für kleines Geld ein Schustereisen kaufen (10-15 Euro auf dem Flohmarkt). Man kann als Stoßblech auch den abgesägten Kopf eines Eisennagels verwenden oder ein Stück vom Eisennagel am Amboß flach hämmern. Ich benutze 0,7mm Eisenblech. Stahlblech sollte man nicht verwenden, daran kann man sich zu leicht verletzen. Es ist eine gute Idee einen Freund zu bitten den großen Rundschild beim Nieten festzuhalten.</p>
<p>• Von Zeit zu Zeit wird es bei Fechtgebrauch notwendig werden die Nieten etwas mit dem Hammer nachzuziehen. Auch kann es vorkommen, daß Fäden der Naht der Rohhaut reißen. Ich leime sie dann einfach wieder auf der Rohhaut fest. Splitter an der Schildfessel muß man mit einem scharfen Messer entfernen und die beschädigte Stelle mit Leim abstreichen. Der große Rundschild wird um die 5kg wiegen, der Bucker um 1kg. Mit dem großen Rundschild sollte man es langsam angehen lassen, bis die Schultermanschette genügend Muskelkraft aufgebaut hat, um ihn unbekümmert tragen zu können.</p>

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<p>►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/ubungs-scheibendolch-markus-weiler-1467-prototyp/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/ubungs-scheibendolch-markus-weiler-1467-prototyp/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 15:10:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Übungswaffen]]></category>

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		<description><![CDATA[Für das Üben mit dem Scheibendolch kann man mit Holzrepliken arbeiten oder versuchen sich eine Stahlwaffe herzustellen, die sowohl von den Dimensionen wie auch von der Gewichtung nahe an die Originale herankommt. Holzrepliken haben den Nachteil, dass sie recht dick ausfallen und somit manche Hebel nicht leicht zu üben sind bzw. gar nicht funktionieren. Die Erstellung des vorliegenen Prototyps erfolgte auf Wunsch dessen, dass für die Fechtstücke bei Hans Talhoffer ein Scheibendolch mit einer ziemlichen Größe notwendig wurde.

<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp</li></h4><li><h4>Einschätzung</li></h4><li><h4>Datenblatt</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/ubungs-scheibendolch-markus-weiler-1467-prototyp/">Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für das Üben mit dem Scheibendolch kann man mit Holzrepliken arbeiten oder versuchen sich eine Stahlwaffe herzustellen, die sowohl von den Dimensionen wie auch von der Gewichtung nahe an die Originale herankommt. Holzrepliken haben den Nachteil, dass sie recht dick ausfallen und somit manche Hebel nicht leicht zu üben sind bzw. gar nicht funktionieren. Die Erstellung des vorliegenen Prototyps erfolgte auf Wunsch dessen, dass für die Fechtstücke bei Hans Talhoffer ein Scheibendolch mit einer ziemlichen Größe notwendig wurde.</p>
<h3>Testbericht Scheibendolch Markus Weiler 1467 Prototyp</h3>
<div id="attachment_1392" class="wp-caption alignright" style="width: 360px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/Scheibendolche.jpg" rel="lightbox[1389]"><img class="size-full wp-image-1392    " title="Scheibendolche" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/Scheibendolche.jpg" alt="" width="350" height="232" /></a><p class="wp-caption-text">Die zwei Prototypen, der obere Scheibendolch ist mit einer Griffumwicklung als Zwirn ausgestattet</p></div>
<p>Hier möchte ich die ersten fechtbaren Scheibendolch-Prototypen vorstellen, ausgearbeitet in Zusammenarbeit von Markus Weiler mit Stahl auf Stahl 2011. Die Aufgabe war es einen fechtbaren Scheibendolch für das Üben des Scheibendolchfechtens herzustellen, nach den Darstellungen des „München“ 1467 von Hans Talhoffer. </p>
<p>Gute Scheibendolche in Stahl gibt es zwar durchaus zu kaufen, auch in den von HansTalhoffer dargestellten Dimensionen, doch sind diese zumeist viel zu gefährlich für das Üben, weil ihre Spitzen auf null auslaufen. Auch sind die drei- und vierkantigen Querschnitte der Scheidendolche mit ihren angedeuteten Schneiden fast schon schnittfähig, was für eine Übungswaffe nicht hilfreich ist. Zweischneidige Scheibendolche steigern dieses Risiko noch. Zudem liegen gut gefertigte Scheibendolche preislich deutlich über den Ausgaben für eine reine Übungswaffe, weil es sich eher um Repliken handelt.</p>
<div id="attachment_1393" class="wp-caption alignleft" style="width: 330px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/1467-SD1.jpg" rel="lightbox[1389]"><img class="size-full wp-image-1393  " title="1467-SD1" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/1467-SD1.jpg" alt="" width="320" height="294" /></a><p class="wp-caption-text">Fechtstück von Hans Talhoffer aus dem &quot;München&quot; 1467</p></div>
<p>• Der Scheibendolch war also von Anfang an als kostengünstige Übungswaffe gedacht. Dieser Scheibendolch ist also für die Darstellung nicht geeignet. Scheibendolchfechten ist generell sehr gefährlich. Auch der Prototyp ist mit großer Vorsicht zu genießen. Dies darf man beim Scheibendolchfechten keine Sekunde vergessen! </p>
<h3>Einschätzung</h3>
<p>◄ Der Scheibendolch erfüllt alle von mir gemachten Vorgaben. Er ist ein wenig ortlastig, was der Geometrie der Übungswaffe geschuldet ist und deswegen leider als unvermeidlich hingenommen werden muß. Besonders wichtig war für mich der kreisförmige Querschnitt der Klinge, damit die Ringtechniken am Scheibendolch mit einem Höchstmaß an Sicherheit ausgeführt werden können. </p>
<p>• Die Klinge ist hohl, um Masse einzusparen. Ich wollte auf das Metallgefühl nicht verzichten. Übungsscheibendolche aus Holz gibt es viele, doch ist mir die Stahlausgabe deutlich lieber. Und Holz kann immer brechen und Splitter freisetzen. Die hohle Klinge kann leicht gerichtet werden, wenn sie durch schwere Schläge deformiert wurde, was aber beim Scheibendolchfechten nicht Sinn und Zweck der Waffe ist. </p>
<p>• Der Konus am Ort ist ausreichend stumpf, damit er auf keinen Fall Gewebe penetrieren kann. Blaue Flecken sind aber nicht vermeidbar, weswegen beim intensiven Üben immer Schutzausrüstung getragen werden sollte. Der Scheibendolch ist nicht schön, aber zum Erlernen der historischen Fechttechnik völlig ausreichend. Was für ihn spricht liegt auf der Hand: Er ist billig und ausreichend sicher. Das ist für eine Übungswaffe eine unschlagbare Kombination. </p>
<p>• Markus Weiler hat hier erst einmal reine Prototypen vorgelegt. Der Griff aus Holz sollte vom Käufer umwickelt werden. Ich habe einen der Scheibendolche mit einer Griffwicklung aus Zwirn ausgestattet, damit er besser in der Hand liegt. </p>
<div id="attachment_1394" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/1467-SD2.jpg" rel="lightbox[1389]"><img class="size-full wp-image-1394 " title="1467-SD2" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2011/03/1467-SD2.jpg" alt="" width="200" height="146" /></a><p class="wp-caption-text">Detail eines Scheibendolches aus dem &quot;München&quot;</p></div>
<h3>Datenblatt</h3>
<p>◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen: </p>
<p>• Scheibendolch nach Darstellungen des „München“ 1467 von Hans Talhoffer, als Übungswaffe. </p>
<p>• Masse: 630g<br />
• Gesamtlänge: 535mm </p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Gehilz</span> </p>
<p>• Gehilzlänge: 135mm<br />
• Scheibenstärke beider Scheiben: 4mm<br />
• Scheibendurchmesser beider Scheiben: 58mm<br />
• Die zweite Scheibe ist mit einer Schraube befestigt<br />
• Grifflänge: 122mm<br />
• Griffdurchmesser: 25mm<br />
• Griffwicklung: Nicht vorhanden, meine Ausführung Zwirn </p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Klinge</span> </p>
<p>• Klingenlänge: 400mm<br />
• Klingendurchmesser: 18mm<br />
• Breite Klinge am Ort: 8mm, konisch </p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Schwer- und Kippunkte</span> </p>
<p>• Schwerpunkt: 60mm vor der Scheibe<br />
• Stärkeseitiger Kippunkt: 220mm vor der Scheibe<br />
• Schwächeseitiger Kippunkt: Im Ort (Perfekt) </p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Preis</span> </p>
<p>• Preis: um die 75,- Euro </p>
<p>►► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Prinzip Talhoffer</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/ee-grundlagen/prinzip-talhoffer/das-prinzip-talhoffer/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/ee-grundlagen/prinzip-talhoffer/das-prinzip-talhoffer/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 17:56:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prinzip Talhoffer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stahlaufstahl.de/wr/?p=1359</guid>
		<description><![CDATA[<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Das Prinzip Talhoffer</li></h4><li><h4>Hans Talhoffers Hauübung im „Gotha“</li></h4><li><h4>Hans Talhoffers Kreisübung im „Gotha“</li></h4><li><h4>SIC</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/ee-grundlagen/prinzip-talhoffer/das-prinzip-talhoffer/">Das Prinzip Talhoffer</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Prinzip Talhoffer</h3>
<p>◄ Dies sind meine Gedanken zur Fechtkunst von Hans Talhoffer. Ich möchte versuchen diese Fechtkunst von Hans Talhoffer auf ein Prinzip zu reduzieren, eben das Prinzip Talhoffer. Es ist mir wichtig, daß der Leser versteht, daß im Historischen Fechten die Auslegung auf reiner Forschung beruht, also keine absolute Wahrheit darstellt. Dies ist um so wichtiger, als daß ja verschiedene Auslegungen zur Fechtkunst von Hans Talhoffer existieren. Der geneigte Leser möge also immer in Erinnerung behalten, daß meine Forschung meine Meinung darstellt, so viel und so wenig.</p>
<p>• Wir haben im Historischen Fechten vordergründig eine sehr große Zahl von Quellen in Bild und Schrift vorliegen, welche dem Namen nach die Lehre vom langen Schwerte behandeln. Die meisten dieser Quellen stammen aus dem 15. Jahrhundert. Rein vom fechterischen Inhalt her verdichten sich diese Quellen auf drei besonders wichtige Werke, die sich im 14. und 15. Jahrhundert finden: Das GNM 3227a, auf 1389 datiert, das 44A8, auf 1452 datiert, und die Fechtbücher von Hans Talhoffer, welche in der Datierung von 1443 bis 1467 reichen. Ich habe schon oft angeführt, daß sich die Fechtlehren von Johannes Liechtenauer und Hans Talhoffer meiner Meinung nach unterscheiden. Deswegen stelle ich das Prinzip Talhoffer oft der Lehre von Johannes Liechtenauer gegenüber, um die theoretische Grundlage von Hans Talhoffers Fechtlehre beleuchten.</p>
<p>• Das Prinzip Talhoffer möchte ich an Hans Talhoffers „Gotha“ aus dem Jahre 1443 veranschaulichen. Dies hat zwei Gründe. Erstens ist dies das frühste Werk, welches uns von Hans Talhoffer erhalten geblieben ist, möglicher Weise also Hans Talhoffers Erstlingswerk. Zweitens finden sich in dieser Quelle außergewöhnlich gut zu veranschaulichende Übungen, welche Hans Talhoffer wahrscheinlich nicht ohne Grund an den Beginn des Fechtbuchs gestellt hat.</p>
<p>• Überhaupt muß man sich fragen, warum Hans Talhoffer im Gothaer Codex, das kein langes Schwert im Bloßfechten enthält, mit Übungen beginnt, die eben das lange Schwert im Bloßfechten zum Inhalt haben. Dazu muß man wissen, daß Hans Talhoffer im Gothaer Codex die gesamte Ordaltradition vorstellt, also die gesamte Austragung eines gerichtlichen Zweikampfs, vom Beginn der Fehde mit dem Aushändigen des Fehdebriefs an einen Boten, der Überbringung des Fehdebriefs durch diesen Boten an den Gegner, der Einstellung eines Fechtlehrers für das Ordal, die gesamte, über Wochen dauernde Vorbereitung des Ordals und schließlich seine Durchführung mit ihren blutigem Ende.</p>
<p>• Dazu rahmt Hans Talhoffer die bloßen Waffenübungen in eine ganze Reihe von physiologischen und psychologischen Begleitumstände ein, um nicht nur den Körper, sonder auch Geist und Seele des Kämpfers zu stärken: Gebet, Kraftübungen, Ernährung, Baden, Schlaf in beheizter Kammer, Entspannung bei der Jagd und Musik, Besuch eines Klosters und/ oder Heiligtums, die Segnung der Waffen durch einen Geistlichen und das Feiern der heiligen Messe. Man sollte bei einem Ordal nicht vergessen, daß der psychologische Druck eines in einigen Wochen kommenden Kampfes auf Leben und Tod enorm ist und vom Fechtlehrer deswegen unbedingt bedacht werden muß. Und hier, im Fechtbuchteil, noch vor dem ganzen Ordalablauf, finden wir Hans Talhoffers Übungen für das lange Schwert.</p>
<p>• Dem ganzen Fechtbuch vorangestellt sind kabbalistisch-astrologische Tafeln zur Berechnung des günstigsten Kampftages für das Ordal sowie Namenstafeln zur Einteilung des Vornamens des Kämpfers in kabbalistisch-astrologischen Gruppen. Sogar die Art der zu erwartenden Verletzungen, wenn man nicht an einem für diese kabbalistisch-astrologischen Gruppen günstigen Zeitpunkt ficht, sollen berechenbar sein. Auch diese kabbalistische Astrologie dient nur einem Zweck: Der Psychologie, die den Kämpfer mit einem Schicksalsglauben beruhigen soll. Nur wer eine gewisse Seelenruhe genießt kann durch Waffenübungen sinnvoll auf das Ordal vorbereitet werden. Diesen Berechungen folgen die Zettel von Johannes Liechtenauer und Meister Ott. Das Gotha ist die älteste uns bekannte Kompilation von Johannes Liechtenauers Lehrgedicht in der Zweiten Überlieferung und des Ringens von Meister Ott.</p>
<p>• Die Waffen, die im „Gotha“ vorgestellt werden, sind das Gefecht mit Stechschild und Kolben sowie Harnischfechten mit dem langen Schwerte im gerichtlichen Zweikampf, des weiteren Harnischfechten mit der Mordaxt, Nierendolchfechten und Ringen. Außerdem finden sich im „Gotha“ 16 Blätter mit Kopien aus dem Bellifortis Kriegsbuch von Konrad Kyesers aus dem Jahre 1405.</p>
<p>• Das Fechtbuch beginnt, wie schon erwähnt, mit Übungen zum langen Schwerte im Bloßfechten, also dem Fechten ohne Harnisch, welches sich vom Harnischfechten mit dem langen Schwerte massiv unterscheidet. Diese Lehre des langen Schwertes im Bloßfechten wird, im Gegensatz zu andere Werken von Hans Talhoffer, nicht in Gotha durch Bildabläufe dargestellt. Es werden auch, im Gegensatz zum gesamten Fechtbuch, keine Gefechte gezeigt, sondern Hauabläufe, denn es fehlen bei den Darstellungen der Haue ganz eindeutig Gegner. Es kann sich also nicht um Gefechte handeln, denn ein Gefecht benötigt nun mal einen Gegner. Nach den Hauübungen folgt eine Partnerübung, die ich eine Kreisübung nenne. Eine Kreisübung ist eine Übung des Fühlens im Bande, wieder kein Gefecht, denn es kommt zu keinem das Gefecht beendendem Treffer und damit Ende des Gefechts. Man kann diese Kreisübung in einem endlosen Ablauf wiederholen, was für mich ganz klar auf einen sehr wichtigen Übungsinhalt hinweist, den Hans Talhoffer für wert hält viel geübt zu werden.</p>
<p>• Genauso, mit Kreisübungen, baue ich heute meinen eigenen Unterricht auf, um das Fühlen am Schwert zu vermitteln. Auch führe ich im Unterricht Hauübungen durch, mit verschiedenen Graden der technischen Schwierigkeit. Deswegen liegt es für mich so nahe im „Gotha“, welches mit Übungen für das Ordal und der Ordaldarstellung beginnt, einen wichtigen Übungsinhalt dargestellt zu sehen, und nicht, wie allgemein vermutet, eine wirre Darstellung von Huten. Für Huten, also Vorkampfstellungen, sind die Ausholbewegungen der Figuren viel zu groß, niemand würde solche Bewegungen in einem Gefecht benutzten. Und Hans Talhoffer geht sogar so weit manche Figuren der Hauübungen überlappt zu zeichnen, so daß man wirklich sehen kann welche Figur als erstes kommt und welche als zweites. Hans Talhoffer legt also eine zeitliche Abfolge fest.</p>
<p>• Wenn man sich schon die Mühe macht Hauübungen und eine Kreisübung darzustellen, dann ist es durchaus angeraten zu versuchen zu ergründen, was denn nun der Inhalt dieser Übungen ist. Diese beide Blöcke, die Hauübungen und die Kreisübung, stellen für mich glasklar den Versuch Hans Talhoffers dar, seine Lehre, ganz im Sinne von Johannes Liechtenauer, auf einen Kern oder ein Prinzip zu verdichten. Denselben Ansatz mit den Hauübungen finden wir im „München“ 1467, Hans Talhoffers letztes erhaltenes Werk. Und die Hauübungen des „München“ weisen sehr starke Redundanzen zum „Gotha“ auf.</p>
<p>• Das Konzept oder Prinzip, das Talhoffer Prinzip, welches wir in diesen Übungen finden, zieht sich durch Hans Talhoffers gesamtes Werk, und es ist, sozusagen, liechtenauerfrei. Es ist also nicht das Konzept, das Johannes Liechtenauer in seinem Werk schwerpunktmäßig verwendet. Wir können das Talhoffer Prinzip, und das ist ein einmaliger Glücksfall im 15. Jahrhundert, von 1443 bis 1467 verfolgen, also über 24 Jahre, in fünf unabhängigen Fechtbüchern. Ähnliches finden wir nur bei Joachim Meyer 1570 bis 1600 (sowie Joachim Meyers bis undatierte Handschrift vor den beiden Drucken). Schaut man sich die Datierung des „Gotha“ an, 1443, und die Datierung des darin vorgestellten Lehrgedichts Johannes Liechtenauers, 1448, so ist es durchaus möglich, daß in den Übungen des Gotha die Fechtkunst Hans Talhoffers niedergelegt ist, die er zuerst erlernt hat, bevor er mit der Fechtkunst des Johannes Liechtenauers in Berührung kam. Man darf nicht vergessen: Das „Gotha“ ist die erste Quelle des 15. Jahrhunderts, welche die Fechtkunst Johannes Liechtenauers vorstellt. Davor kennen wir nur, was Johannes Liechtenauer angeht, das GNM 3227a von 1389. Und das 3227a, welches ich die Erste Überlieferung Johannes Liechtenauers nenne, unterscheidet sich von allen anderen Fechtbüchern zum Thema Johannes Liechtenauer aus dem 15. Jahrhundert, die ich alle die Zweite Überlieferung Johannes Liechtenauers nenne, sehr stark.</p>
<p>• Trifft meine Vermutung zu, und Hans Talhoffer hat wirklich versucht den Kern seiner Fechtlehre im „Gotha“ vorzustellen, am langen Schwerte, dann müßte sich diese Lehre sehr deutlich von Johannes Liechtenauers Fechtlehre unterscheiden. Diese Unterschiede möchte ich hier vorstellen.</p>
<h3>Hans Talhoffers Hauübung im „Gotha“</h3>
<p>◄ Um das Talhoffer Prinzip vorzustellen möchte ich die Hauübungen und die Kreisübung im „Gotha“ kurz besprechen. Das Talhoffer Prinzip ist, wie jedes Prinzip, keine Technik oder ein Gefecht, sondern ein Gedankenansatz, ein Problemlösungsmodell, wie man im Fechten möglichst viele der auftretenden Schwierigkeiten löst, ohne dabei selber getroffen zu werden. Hans Talhoffer stellt sein Wappen im „Thott“ 1459 mit einer Spruchrolle vor, auf der sein Leitspruch zu finden ist: „Bedenk Dich recht“. Hier geht es also nicht um bloßes Hauen und Stechen mit viel Kraft, wie allgemein im 19. und frühen 20. Jahrhundert vermutet wurde, sondern um eine hoch entwickelte Kunst.</p>
<p>• Es gibt im Hiebfechten drei Grundprobleme. Zuerst gibt es das Vorderband, also das Band der Klingen vordere Schneide gegen vordere Schneide, von der gleichen Schulter beider Fechter gehauen (z. B. von meiner linken Schulter und von Gegners linker Schulter), so daß ein kreuzförmiger Versatz entsteht. Dann gibt es das Hinterband, also das Band meines Schwertes mit der vorderen Schneide an Gegners hinterer Schneide, von der gleichen Schulter beider Fechter gehauen. Das Hinterband ist nur mit einem Seitschritt meinerseits möglicht. Dritten gibt es die Möglichkeit des Haues auf gleicher Ebene, von gegensätzlichen Schultern der Fechter gehauen. Dabei gibt es keinen kreuzförmigen Versatz der Klingen, so daß beide Fechter Gefahr laufen getroffen zu werden. Deswegen ist die dritte und letzte Möglichkeit ein sehr großes Problem im Hiebfechten.</p>
<p>•Jetzt zur Hauübung: Sturzhau links und rechts. Hans Talhoffer beginnt seine Hauübung mit einem Sturzhau links. Dazu muß klar sein, daß Hans Talhoffer den Sturzhau aus der Hinterbindung schlägt, mit dem linken Bein vorne, wie es später in der Kreisübung deutlich hervorgehoben wird. Die linke Hand verwendet sich beim Sturzhau links um 180 Grad, ohne sich zu öffnen. Dies mutet zuerst seltsam an oder wird für einen Zeichenfehler gehalten. Tatsächlich gibt diese Verwendung der linke Hand dem Sturzhau links erst den Bewegungsspielraum, den man für diesen Hau benötigt. Der erste, linke Sturzhau wird also frontal vor dem Mann in der Hinterbindung ausgeführt, der zweite, rechte Sturzhau aus derselben Position, nur eben mit einem kurzen Flankenschritt in meine linke Seite mit meinem vorderen linken Bein. Bei der Hinterbindung schlägt meine Klinge mit der vorderen Schneide auf der hinteren Schneide des Gegners auf. Dies führt immer dazu, daß sich die Kraft des Gegners nicht ungestört gegen mich entfalten kann. Und es führt immer dazu, daß der Impuls meines Haues das Schwert des Gegners aus seiner Bahn treibt, also der Hau des Gegners sich mit großer Wahrscheinlichkeit an mir vorbei entfalten wird. Dies löst das zweite Problem beim Hiebfechten, das Hinterband.</p>
<p>• Nebenhut, Unterhau und Wechselhau. Nach dem rechten Sturzhau läßt Hans Talhoffer das Schwert in die Nebenhut auf der rechten Seite sinken. Die Nebenhut dient zwei verschiedenen Zwecken: Den Gegner durch das Anbieten einer Blöße zu einem zu frühen Angriff zu verleiten (wie bei Johannes Liechtenauer der Alber und im I33 die Erste Hut). Aus der Nebenhut, wenn der Gegner vordringt, schlägt man immer am einfachsten einen Unterhau mit der vorderen Schneide. Dieser Unterhau wird dann, für die Hauübung, etwa auf Twerhöhe zu einem Wechselhau, also die Klinge um 180 Grad gegen den Uhrzeigersinn gewendet. Ich kann den Wandelpunkt von Unterhau zu Wechselhau aber auch auf Kniehöhe oder Halshöhe setzen. Wichtig ist folgendes: Ich verleite den Gegner zu einem zu frühen Angriff. Gegen den zu frühen Angriff ist der Unterhau mit der vorderen Schneide gut geeignet. Der Wechselhau, mit der Hinteren Schneide ausgeführt, ist gegen jeden Angriff des Gegners geeignet, denn der Übergang von Unterhau in Wechselhau verändert die Geometrie eines vorhandenen Bandes. Beim Unterhau ist die vordere Schneide oben, beim Wechselhau ist die untere Schneide oben. Dadurch wird der Wechselhau den Gegner an Kopf und Leib treffen oder dessen Klinge hinterbinden. Deswegen kann man den Wechselhau auch zu jedem Zeitpunkt von Gegners Bewegung schlagen. Beim Wechselhau läßt Hans Talhoffer die Klinge bis weit hinter den Rücken schwingen und er zieht das vordere linke Bein etwas zurück, um die Energie des Wechselhaues maximal zu gestalten. Das Schwert zeigt am Ende des Wechselhaues geradewegs über dem Kopf nach hintern liegt parallel zum Boden. Der zweite Zweck: Der Gegner schlägt mir im Vorderband zu und ist stärker als ich. Er drückt mein Schwert im Vorderband herab, auch mich zu. Ich führe mit dem linken Bein einen kleinen Meidschritt aus und lasse mein Schwert vom Gegner in die Nebenhut drücken. Dabei benutze ich das Kreuz, um jeden Winkel von seiner Klinge an meinen Körper beim Sinken zu schließen. In der Nebenhut angekommen führe ich im Band den Unterhau und verwandle in den Wechselhau. Dieser Übergang der Geometrie läßt den Gegner im Band keine Möglichkeit mein Schwert zu beherrschen. Dies löst das erste Problem beim Hiebfechten, das Vorderband.</p>
<p>• Oberhau links mit zwei Schritten. Hans Talhoffer stellt hier eine vollständig abgebildete Schrittfolge und Armbewegung für den langen linken Oberhau mit zwei Schritten in den Alber dar. Dabei holt Hans Talhoffer mit dem Schwerte maximal über den Rücken aus, bis der Ort fast hinter dem Rücken zu Boden zeigt, während er das rechte Bein vorsetzt. Diesen Vorgang, Hau von der linken Schulter mit Schritt, nennt Johannes Liechtenauer das „nicht den Hauen nachgehen“. Hans Talhoffer ist dies bekannt, er legt ja im „Gotha“ 1443 Johannes Liechtenauers gesamtes Lehrgedicht in der Zweiten Überlieferung vor. Hans Talhoffer wandelt aber schon im „Gotha“ Johannes Liechtenauers Version des „nicht den Hauen nachgehen“ ab, oder er hat ein eigenes Konzept dazu. Im „Thott“ 1459, in welchem Talhoffer sein eigenes Lehrgedicht vorstellt, textet er „wer nachgeht einfachen Hauen, der mag sich der Kunst wenig erfreuen („wer nach gaut slechten höwen / Der mag sich kunst wenig fröwen). Der Grund ist: Hans Talhoffer geht beim linken Oberhau nicht wie Johannes Liechtenauer einmal mit dem linken Bein vor, etwas außen links am gedachten Gegner vorbei, schlägt und dreht dabei die Hüfte zum Gegner nach rechts ein, was dazu führt das sich dann das rechts Bein etwas nach hinten vom Gegner fortdreht, was ich den Angriffschritt nenne und Hans Lecküchner den Zweifachen Tritt. Hans Talhoffer geht beim linken Oberhau mit zwei Schritten vor, erst mit dem rechten Bein, dann mit einem zweiten Schritt mit dem linke Bein. Warum? Weil er versucht immer wenn möglich mit dem ersten Schritt einen Kreuzschritt auszuführen und damit sozusagen den gedachten Gegner vom Fuß ab zu hinterbinden. Hier, beim linken Oberhau, also ein Kreuzschritt mit dem rechten Bein vor, quer über die Mittellinie in Gegners rechte Flanke. Diesen Kreuzschritt findet man im gesamten Werk Talhoffer ständig, in allen Lehren. Nach dem Kreuzschritt erfolgt der lange linke Oberhau bis in seine Maximalposition im Alber, so daß der Ort fast am Boden neben der rechten Hüfte steht. Also schlägt Hans Talhoffer von vorneherein den Oberhau in das Hinterband! Und nur durch den Kreuzschritt ist genug Seitenanteil vorhanden, damit das Hinterband auch gefahrlos erlangt werden kann.</p>
<p>• „Inverse Zornhut“ (ich stelle historische Bezeichnungen, die ich verändere, immer in Anführungsstriche) und Zornhau in den Pflug mit einem Schritt. Dies ist der Angriffsschritt, der sich auf Johannes Liechtenauer „nicht den Hauen nachgehen“ bezieht und der sich auch als Zweifacher Tritt beim Hans Lecküchner findet. Die gesamte Hauübung hat Parallelen zu Hans Lecküchner 1482, bei seinem Schrankort im Wecker (17r). Wieder gibt es zwei verschiedene Zwecke: Erstens, die Hauübung beginnt mit der „inversen Zornhut“, die Hans Talhoffer, wie die Nebenhut, nutzt, um den Gegner durch das Anbieten einer Blöße zu einem zu frühen Angriff zu verleiten. Dazu führt Hans Talhoffer nach dem linken Oberhau den Hau nach rückwärts weiter, führt also einen rückwärtigen linken Unterhau aus. Der linke Unterhau nach hinten ist ungewöhnlich und kommt in keiner anderen Quelle vor. Hans Talhoffer beläßt die Klinge in ihrer Ausrichtung und verwirft die Hände am Gehilz, ohne die Finger zu öffnen. Dabei wendet er den Körper im Stand in die „inverse Zornhut“ Eigentlich ist der Begriff „Hut“ für die „inverse Zornhut“ falsch, es ist eine Bewegung, keine Vorkampfstellung. Hans Talhoffer führt nach dem linken Oberhau die Bewegung nach hinten weiter, bis das Schwert gute 15 Grad über seiner rechten Schulter mit dem Ort nach unten zeigt. Leib und Knie dreht er nach rechts ein. Aus dieser Haltung führt er dann den Angriffsschritt mit dem rechten Bein nach vorne, etwas rechts am gedachten Gegner vorbei. Dabei kommt der Zornhau als kurzer Hau in den Pflug, die Klinge führt Hans Talhoffer parallel zum Boden, Ort nach vorne. Am Ende der Bewegung dreht er die Hüfte etwas nach links ein, so daß das linke Bein etwas zurück gedreht wird. Diese Kombination der „inversen Zornhut“ und des Zornhaues findet sich nicht bei Johannes Liechtenauer, genausowenig wie ein rückwärtiger Unterhau! Hans Talhoffer kann diese Bewegung als angebotene Blöße, aber auch als Meidbewegung ausgeführt haben. Hans Talhoffer hätte hier anstatt des kurzen Zornhaues in den Pflug auch einen langen Zornhau in den Alber schlagen können. Der Zweite Zweck: Der Gegner und Ich schlagen einen Hau auf gleicher Ebene, also der Gegner einen rechten Oberhau, ich einen linken Oberhau. Es gibt keinen kreuzförmigen Versatz und die Gefahr ist groß, daß wir uns beide gleichzeitig niederschlagen. Liegt der Gegner mit seiner Klinge außen im Bande dann kann ich, wenn der Gegner stärker ist, mich von ihm im Bande in die Nebenhut herunterdrücken lassen. Liege ich außen im Bande, dann lasse ich mich ebenfalls von ihm im Bande herunterdrücken, wenn er stärker ist. Dabei führe ich die „inverse Zornhut“ aus und führe das Band an meinem Leib vorbei, bis Gegners Stand und Arme kein weiteres Vorkommen mehr ermöglichen. Hier ist die Verlagerung des Gewichts überaus wichtig. Am Ende der „inversen Zornhut“ drücke ich den Gegner, der jetzt in seiner schwächsten, weil am weitesten herausragensten Stellung ist, etwas von mir fort und komme mit der Klinge parallel zum Boden außen um seine Klinge im Bande herum. Jetzt führe ich den Zornhau aus, der wirklich parallel zum Boden geführt werden muß, wobei ich die ganze Zeit über die Bindung erhalte. Dies löste das dritte Problem beim Hiebfechten, den Hau auf gleicher Ebene.</p>
<p>• Oberhau rechts mit zwei Schritten. Hans Talhoffer stellt hier eine vollständig abgebildete Schrittfolge und Armbewegung für den langen rechten Oberhau mit zwei Schritten in den Alber dar. Diese Bewegung ist die Spieglung des langen linken Oberhaues mit zwei Schritten. Nach dem rechten Oberhau mit zwei Schritten steht man mit dem rechten Bein vorne und kann man ohne Mühe einen Schritt vor oder zurück ausführen, so daß man mit dem linken Bein vorne steht und zum Anfang der Hauübung zurückkehren kann, dem Sturzhau links und rechts.</p>
<p>• Wir finden im „Gotha“ als Hauübung also: Sturzhau, Unterhau (nebst rückwärtigem Unterhau), Wechselhau, Oberhau links, Zornhau und Oberhau rechts. Dabei ist klar, daß der Oberhau links, der Zornhau und der Oberhau rechts mit Johannes Liechtenauer alles im technischen Sinne Oberhäue sind. Also haben wir im „Gotha“: Sturzhau, Unterhau, Wechselhau, Oberhau. Dies deckt sich zu 100 Prozent mit dem Konzept der Hauübung im „München“: Oberhau, Unterhau, Sturzhau und Wechselhau finden sich in dieser Reihenfolge als Darstellung am Anfang des Fechtbuchs „München“ 1467. Nur das Hans Talhoffer im „München“ die Hauübung weiter verdichtet hat, also einem anderen Ablauf folgt. Das Konzept, das Prinzip Talhoffer, ist dasselbe geblieben.</p>
<p>• Und das „Gotha“ bietet einen geschlossenen Übungsansatz für alle Möglichkeiten des Hiebfechtens mit seinen drei Problemen, Vorderhand, Hinterband und Hau auf gleicher Ebene. Die Hauübung kann ich auch spiegelverkehrt ausführen, dann erhalte ich alle Winkel, die möglich sind. Erst jetzt kann ich anfangen angstfrei das Fechten zu üben, wenn ich weiß, daß ich die Mittel haben um alle Möglichkeiten des Hiebfechtens abzudecken. Diese geistige Ruhe muß für ein Ordal überlebenswichtig gewesen sein!</p>
<p>• Erstaunlich an der Hauübung im „Gotha“ ist ihre geistige Nähe zu asiatischen Übungsformen, die zumeist auch in alle Richtungen Bewegungen ausführen. Auf der anderen Seite sehen Menschen, die mit voller Wucht freie Haue üben, gezwungenermaßen recht ähnlich aus. Wichtig ist, daß Hans Talhoffer nicht nur eine Gymnastik ausübt, sondern ein Konzept vorstellt. Dies ist ein Prinzip, und es ist völlig Frei und unabhängig von der Fechtlehre des Johannes Liechtenauers: Das Prinzip Talhoffer.</p>
<h3>Hans Talhoffers Kreisübung im „Gotha“</h3>
<p>◄ Die Kreisübung im „Gotha“ führt das Konzept der zuerst vorgestellten Hauübung konsequent mit Übungspartner fort. Wie gesagt, für eine Kreisübung ist immer ein Partner nötig, ohne Partner wäre es nur einen Hauübung. Die Kreisübung besteht aus drei Bildern, die zwei Fechter bei einer Übung zeigen. Bei einem Gefecht würde es eine Auslösung mit einem Treffer geben, dies fehlt hier. In der Übung ist alles drinne, was Hans Talhoffer offenbar für Übenswert hielt: 1. Zufechten, 2. Arbeit im Hinterband, 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert.</p>
<p>• Die Kreisübung beginnt in der Darstellung in einer Phase zwischen 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert und 1. Zufechten. Man sieht die Trennung der beiden Fechter durch das Ringen am Schwert. Beide Fechter haben nur die rechte Hand am Schwert, mit der linken Hand, den Arm steil erhoben, haben sie mit einer steigenden Bewegung das Band gebrochen. Ein Fechter wurde dadurch fortgestoßen, was an dessen abgewendeten Kopf zu sehen ist. Der andere Fechter geht gerade mit einem Kreuzschritt zum Zufechten über, einem Kreuzschritt, wie er bei den Hauübungen als Oberhau mit zwei Schritten links und rechts dargestellt wurde. Erst durch diese Darstellung, gewissermaßen Anfang und Ende der Übung, wird es klar, daß es sich um eine Kreisübung handelt.</p>
<p>• Beginnen wir hier also hier, wie Talhoffer, denn diese Form der Darstellung verknüpft die drei Bilder auf eine logische Art und Weise, mit 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert. Wir beginnen aber mit der Einleitung des Zufechtens. Der Angreifer, der den Kreuzschritt und Oberhau mit zwei Schritten ausführt, hat den rechten Fuß im Kreuzschritt vorgesetzt, er hat somit seinen rechten Fuß im Kreuzschritt hinter Gegners vorderen rechten Fuß gesetzt. Der Angreifer führt nun den zweiten Schritt aus und schlägt einen Oberhau, dabei vereint er wieder beide Hände am Gehilz.</p>
<p>Damit kommen wir sogleich bei 1. Zufechten, an. Der Gegner weicht mit einem Gleitschritt etwas zurück, ohne den rechten Fuß zurück zu nehmen und dreht sich dabei weit nach rechts ein, so daß sein linkes Bein sich ein gutes Stück nach links bewegt, denn der Angreifer kommt durch den Oberhau mit zwei Schritten tief aus der rechten Flanke des Angegriffenen. Wichtig ist: Der Verteidiger schlägt in das Hinterband. Durch den Hau ins Hinterband, verbunden mit der Drehung nach rechts, wird der Angriff tatsächlich aufgehalten, ohne einen eigenen ganzen Schritt gemacht zu haben. Johannes Liechtenauers Methode würde hier eher zu einem ganzen Schritt nach hinten raten, mit einem Hau in das Vorderband. Beide Methoden, Hans Talhoffer wie Johannes Liechtenauer, haben ihre Vor- und Nachteile.</p>
<p>• Im Hinterband angekommen, 2. Arbeit im Hinterband, können beide Fechter nunmehr den Sturzhau links ausführen. Entweder bleibt der Fechter mit dem linken Bein vorne stehen und bewegt sich beim Sturzhau links etwas nach links, wobei der Gegenfechter sich ebenfalls nach links eindrehen wird, im Stande. Oder der Fechter mit dem rechten Beine vor dringt vor und führt einen Schritt mit dem hinteren linken Bein nach vorne aus, etwas in Gegners rechte Flanke, der Gegenfechter wird einen Schritt zurückgehen müssen und sich etwas nach rechts drehen. In beiden Versionen kommen wir in den Stutzhau links, wie eingangs in der Hauübung vorgestellt.</p>
<p>• Gegen das Stürzen im Band ist der Fechter, der Hinterbunden wurde, vergleichsweise hilflos. Wir kommen zurück zu 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert. Jetzt liegt der Schwerpunkt aber auch dem Ringen am Schwert. Gegners Klinge fährt aus dem Zufechten auf mich herab. Was tun? Eine Lösung ist das Schwert zu heben, die linke Hand vom Gehilz lösen und an Gegners Gehilz bringen. Dies ist die Einleitung des Ringens am Schwert. Läßt der Gegner dies zu, dann habe ich mit meiner rechten Hand und meinen Schwert seine Klinge gebunden und zugleich meine linke Hand an seinem Gehilz. Das ist für den Gegner sehr gefährlich, denn ich kann jetzt versuchen mit meinem Ringen am Schwerte näher an seinen Körper zu kommen, um ihn zu verletzen. Eine Möglichkeit für mich wäre jetzt das Schwert mit der rechten Hand fallen zu lassen um meine beiden Hände an Gegners Gehilz zu bringen. Dies wäre das Ende des Fechtens mit dem langen Schwert und ein voller Einstieg in den Ringkampf. Der Gegner hat eine Chance dies zu vereilten: Er läßt ebenfalls seine linke Hand vom Schwertgriff und hebt mit seiner nun freien linke Hand mein Gehilz an. Wir beide heben also nun unsere Schwerter, um sie dem Zugriff im Ringkampf zu entziehen, unser beider linken Arme steigen immer höher. Am Scheitelpunkt dieser Bewegung wird ein Fechter den andere etwas fortstoßen, oft durch Ellbogen and Ellbogen. Dies führt dazu, daß die rechten Arme in einem Bogen nach hinten sinken können und die Klingen sich damit sicher aus dem Band lösen. Beide Fechter haben ihre Schwerter nun in der rechten Hand, die Schwerter befinden sich jetzt auf oder hinter der rechten Hüfte, die Örter zeigen vom Gegner fort geschrägt zu Boden. Der Fechter, der den Gegenfechter etwas fortstoßen konnte, hat einen kleinen Vorteil. Er könnte nun versuchen frontal einen Oberhau zu führen. Dagegen müßte der Gegner nur seine Klinge wieder heben. Er kann aber auch einen Kreuzschritt nach links ausführen. Wir sind wieder bei der Darstellung 3. Auflösen des Bandes durch Ringen am Schwert und die Kreisübung schließt sich.</p>
<p>• Die Kreisübung Hans Talhoffers dient zwei Dingen: Dem üben des Gefühls im Bande und vor allem des Beherrschen des Hinterbands. Ziel der Übung ist es zu verhindern, daß der Gegner im Hinterband es schafft mit einer Hand meine beiden Hände am Schwert zu binden, und somit eine Hand frei bekommt, die mich angreift. Der Angriff kann mit Hau oder Stich erfolgen, aber auch mit einem Eingang in das Ringen am Schwerte. Dies muß ich zu verhindern wissen, dann ist das Fechten aus dem Hinterband nur sehr schwer zu vermeiden.</p>
<h3>SIC</h3>
<p>◄ Und somit scheint das Talhoffer Prinzip wie ein Leitfaden durch die Hauübung und die Kreisübung im „Gotha“, wie durch Hans Talhoffers gesamtes Werk. Ich möchte das Talhoffer Prinzip in drei Teile gliedern, um es besser verständlich machen zu können:</p>
<p>1. Zufechten durch Erlangen der Hinterbindung. Aus der Hinterbindung erreiche ich ein Höchstmaß an Sicherheit, weil ich mich vollständig aus dem Weg des Gegners begebe. Der Preis dafür ist immer ein längerer Weg, was mich also dazu zwingt immer im Nach zu fechten und/ oder den Kreuzschritt zu nutzen. Die Vorteile der Hinterbindung liegt aber auf der Hand: Es ist mir ein leichtes Gegners Kräfte, die er entfaltet hat um mich zu treffen, nun, aus der Flankenstellung der Hinterbindung, zu verstärken und damit endgültig an mir vorbei in Leere laufen zu lassen. Ober aber ich lasse den Gegner durch seinen eigenen Vortrieb in meine Waffe laufen.</p>
<p>2. Zeitliche Kontrolle des Gegners durch Fechten im Nach. Das Fechten im Nach ermöglicht mir eine sehr starke Kontrolle über Gegners Handlungen und setzt den Gegner durch sein eigenes Fühlen durch meine Handlungen im Nach beständig unter den Einfluß meiner Handlungen, die sich ja eigentlich aus den Impetus der seinen ergeben. Somit initiiert der Gegner zwar den Erstschlag, aber ich steuere ihn durch mein Nach mit meinen Handlungen oder Impulsen nach dem ersten Kontakt ständig, ohne das er bemerkt, daß alle seine Handlungen sich eigentlich aus meinem Nach speisen. Dies ist vor allem wichtig, wenn der Gegner stärker als ich ist.</p>
<p>3. Frühes Band im Hengen im Tag oder im Ochs. Ich versuche, um der gesteigerten Sicherheit willen, den Gegner so früh es geht im Band zu begleiten, ohne ihn in dieser Phase des Zufechtens mit eigenen Impulsen meine Absichten zu verraten. Eigene Impulse setzte ich bei der zeitlichen Kontrolle des Gegners durch Fechten im Nach. Beim frühen Band im Hengen im Tag oder im Ochs möchte ich eigentlich eher den Gegner verleiten von mir unauffällig kontrolliert tiefer in meinen Raum vorzustoßen. Je tiefer er in meinen Raum vordringt, desto mehr wird er sich selber meinem Einfluß unterwerfen müssen. Drückt der Gegner mich ein, wenn er stärker ist, dann gibt es drei Möglichkeiten: Aus dem Hinterband die Kreisübung, die zu einem erneuten Hinterband (oder Treffer) führt, aus dem Vorderband die Nebenhut, gefolgt von Unterhau und Wechselhau und aus dem Hau auf gleicher Ebene die „inverse Zornhut“ mit Zornhau. Wichtig für mich ist es hier nicht stärker als der Gegner zu sein, sondern ihm möglichst früh im Bande zu begleiten.</p>
<p>► Frankfurt am Main, 2011, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		<title>Gegensätze</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Oct 2010 09:11:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gegensätze]]></category>

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		<description><![CDATA[<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Gegensätze</li></h4><li><h4>Ruhe im Streit</li></h4><li><h4>Die Natur des Gegensatzes</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/ee-grundlagen/gegensatze/gegensatze/">Gegensätze</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Gegensätze</h3>
<p>◄ Die gesamte Kampfkunst gründet sich auf nichts weiterem als auf dem Verständnis von Gegensätzen. Auf den ersten Blick erscheint uns das ganz selbstverständlich zu sein. Es gibt schließlich mich und den Gegner, und wir beide befinden uns in einer Konfrontation, sind uns also gegenüber gestellt und feindlich. Der nächste Schritt nach der Konfrontation ist dann der Kampf, die Suche nach einer Entscheidung im Streit. Der Kampf wird meistens als ein Zusammenprall gesehen, das Aufeinandertreffen widerstrebender Gewalten. </p>
<div id="attachment_531" class="wp-caption alignright" style="width: 277px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/01/MichelA.jpg" rel="lightbox[1320]"><img class="size-full wp-image-531  " title="MichelA" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/01/MichelA.jpg" alt="" width="267" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Gegensatz: Schöpfer und Geschöpf</p></div>
<p>• Im GNM 3227a, Blatt 22 Recto und 22 Verso, findet sich folgender Eintrag: “Und das get of dy auctoritas / als aristotyles spricht in libro peryarmenias opposita iuxta se posita magis elucescunt / vel exposita oppositorum cui autem / Swach weder stark / herte weder weich / et equetur / Wene solde stark weder stark syn / go gesigt allemal der sterker / dorum get lichtnawer fechten noch recht und worhaftiger kunst dar / das eyn swacher mit syner kunst und list / als schire gesigt / mit /als eyn starker mit syner sterke / worum were anders kunst / Doruem fechten lere wol fuelet / als lichtnawer spricht / das fuelen lere / Indes das wort / sneidet sere / den wen du eyme am swerte bist und fuelest nue wol ab iener swach ader stark am swerte ist / Indes ader dy weile so magstu denne wol trachten und wissen was du salt keyn im tuen / noch deser vorgesprochenen lere / und kunst / wen her mag sich io mit nichte abe czihen vom swerte ane schade / den lichtnawer spricht / slach das her snabe / wer sich voer dir czewt abe“ </p>
<p>• Dies habe ich wie folgt übersetzt: „Und das (Folgende) geht auf die Autorität (hier des Aristoteles) / als Aristoteles spricht im Buch Peri Hermeneias Entgegengesetztes wird deutlicher wenn es nebeneinander gestellt ist / und wiederum auch das Darlegen des Gegenteiligen / Schwach wider Stark / Härte wider Weichheit / und gleichermaßen (weiter) / Wenn es stark wider stark sein sollte / so siegte allemal der Stärkere / darum geht Liechtenauers Fechten nach rechter und wahrhaftiger Kunst dar / daß ein Schwacher mit seiner Kunst und List / gleichsam sofort siegt / ebenso / als daß ein Starker mit seiner Stärke / warum wäre das andere sonst Kunst / Wer Fechten lernen will muß darum wohl fühlen / als Liechtenauer da spricht / das Fühlen lerne / Indes das Wort / schneidet sehr / denn wie du einem am Schwerte bist und fühlst nun wohl ob jener schwach oder stark am Schwerte ist / Indes aber dieweil so magst du denn wohl trachten und wissen was du denn alles ihm tun sollst / nach dieser zuvorgesprochenen Lehre / und Kunst / wie er sich daher mit Nichten vom Schwerte abziehen mag ohne Schaden / denn Lichtenauer spricht / schlage daß er (durch den Treffer) strauchelt / wer sich vor dir zieht ab“ </p>
<p>• Entgegengesetztes wird deutlicher, wenn es nebeneinander gestellt ist und wiederum auch das Darlegen des Gegenteiligen. Diesen Satz führt das GNM 3227a auf Aristoteles zurück und stellt ihn in den Mittelpunkt der Fechtlehre. Aus diesem Satz kann man zwei maßgebliche Einsichten gewinnen. Erstens: Gegensätze bedingen oder ergänzen sich, deswegen wird ein Gegensatz um so deutlicher, je mehr ich die Teile oder Pole des Gegensatzes nebeneinander stelle, also vergleiche. Zweitens: Gegensätze bedingen oder ergänzen sich, deswegen kann ich, wenn ein Gegensatz bekannt ist, den anderen Teil oder Pol des Gegensatzes eben durch die Natur der Gegensätzlichkeit, die sich eben bedingt oder ergänzt, darlegen, also beschreiben. </p>
<div id="attachment_1333" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Fall-der-Engel-1562.jpg" rel="lightbox[1320]"><img class="size-medium wp-image-1333 " title="Fall der Engel, 1562" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Fall-der-Engel-1562-300x219.jpg" alt="" width="300" height="219" /></a><p class="wp-caption-text">Gegensatz: Gut und Böse</p></div>
<p>• Spätestens jetzt wird klar, daß Gegensätze, in ihrem polarisiertem Wesen, immer Teil eines Ganzen sind. Das ist für die Kampfkunst in sofern interessant, als nach dieser Logik der Gegner und ich ein Ganzes bilden, weil wir ja Gegensätzlich sind. Eine weitere Erkenntnis mag sein, daß es auch Gegensätze in mir und natürlich auch im Gegner gibt, weil wir uns, in der Gegensätzlichkeit des Kampfes, ja durchaus selber auch als Ganzes, also selbstständig bestehende Wesenheiten sehen. </p>
<p>• Mit dem Verständnis, daß sich Gegensätze auch in uns befinden, kann man die Unterteilung in Gegensätze beliebig weit fortführen. Es gibt dafür keine Grenze. Spätestens jetzt stellt sich die Frage der Maßgeblichkeit. Es ist nicht dienlich zu versuchen den Gegensatz in einem Gefecht zwischen zwei Menschen bis auf die Ebene der subatomaren Teilchen fortzuführen, auch wenn es möglich wäre. Maße halten bedeutet hier also eine Grenze der Scheidung zu finden. Aber eine weitere Erkenntnis bahnt sich schon an: Die Gegensätze in mir sind es, welche über Sieg oder Niederlage entscheiden, denn diese Gegensätze in mir bedingen mich als Ganzes, und ich bedinge wiederum als Gegensatz zum Gegner das Ganze, das wir Kampf nennen. </p>
<h3>Ruhe im Streit</h3>
<p>◄ Mit der Einsicht, daß es keine Grenze für die Gegensätzlichkeit gibt, kehrt in die Kampfkunst eine gewisse Ruhe im Streit ein, wie es Dschuang Dsi so treffend nennt, wenn er Gegensätze und ihren Ausgleich beschreibt. Denn mit „Schwach wider Stark / Härte wider Weichheit / und gleichermaßen (weiter)“ deutet sich im GNM 3227a die Herrschaft über die Gegensätze bereits an. Was wir benötigen, um über die Gegensätze zu herrschen, ist eine Möglichkeit den Zustand des Gegners und unseren eigenen Zustand abzufragen, also kennen zu lernen. Denn, mit Aristoteles, kennen wir uns, dann kennen wir, vermöge des Nebeneinanderstellens und Vergleiches, den Gegner. Kennen wir den Gegnern, dann können wir wiederum uns selber darlegen oder beschreiben. Dies wird nur möglich, weil die Natur des Gegensatzes immer aus einem Ganzen besteht. </p>
<p>• „Wer Fechten lernen will muß darum wohl fühlen / als Liechtenauer da spricht / das Fühlen lerne / Indes das Wort / schneidet sehr“. Mit diesem Satz lehrt Liechtenauer zwei grundlegende Gesetze der Kampfkunst. Erstens: Das Fühlen im Bande ist das Mittel, um den anderen Teil oder Pol des Gegensatzes kennen zu lernen. Zweitens: Das Fühlen im Bande führt zur Gleichzeitigkeit, und die Gleichzeitigkeit scheidet, trennt oder schneidet. Mit der Logik des Kampfes lernen wir über das Fühlen also uns selber kennen und darüber auch den Gegner. Physiologisch ist gefühlter Druck immer eigener Druck, das habe ich schon oft getippt. Im Gegensatz aber, anläßlich der Einsicht, daß der Gegner und wir ein Ganzes bilden, wird deutlich, daß der Druck, den ich aufbaue um zu fühlen, vom Gegner immer beantwortet werden muß, solange ich ihn durch den Druck bedrohe, also in das Ganze einschließe. Durch den Druck, um zu fühlen, lerne ich also den Gegner kennen, oder ich komme zum Ersttreffer, der den Kampf beendet. Dies in Gleichzeitigkeit. Also ist meine schärfste Waffe im Kampfe das Annehmen des Gegners, das Einschließen des Gegners und meiner Selbst in ein Ganzes. Ich akzeptiere den Gegner und mich, wir bilden einen Gegensatz, doch der Gegensatz selber ist es, der uns in Gleichzeitigkeit zu einer Lösung des Konflikts führt. </p>
<div id="attachment_1335" class="wp-caption alignright" style="width: 185px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Kreuz.jpg" rel="lightbox[1320]"><img class="size-medium wp-image-1335  " title="Kreuz" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Kreuz-194x300.jpg" alt="" width="175" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Gegensatz: Schnitt zweier Seinsebenen</p></div>
<p>• „Wenn es stark wider stark sein sollte / so siegte allemal der Stärkere / darum geht Liechtenauers Fechten nach rechter und wahrhaftiger Kunst dar / daß ein Schwacher mit seiner Kunst und List / gleichsam sofort siegt“. Mit diesem Satz führt Liechtenauer den Grundsatz der Kampfkunst aus, daß Kunst das Gefecht entscheiden soll, nicht nur überlegene Kraft. Damit ist die Kampfkunst ist ein Vorgang, der beständig zunehmender Komplexität zustrebt, um dadurch zu immer einfacheren Lösungen zu führen. Das klingt erst einmal verwirrend, ist aber nur folgerichtig. Zunehmende Komplexität gleicht der Evolution des Universums, belebt wie unbelebt. Ich habe ja ausgeführt, daß es für den Gegensatz an sich keine Grenze gibt. Immer einfachere Lösungen führen zurück zur Wurzel des Seins. Nur wenn ich Maße halten kann wird der Gegensatz mir nützen, denn sonst werde ich mich in der Unendlichkeit des Gegensatzes verirren. Das Fühlen im Bande ist ein Mittel, um eine Grenze für den Gegensatz fest zu legen, das Indes, die Gleichzeitigkeit, ist ein anderes Mittel um den Gegensatz in dem Augenblick zu schieden, wenn er sich gerade aufbauen möchte. Habe ich diese Einsichten gewonnen und verinnerlicht, dann kehrt eine große Ruhe in das Kampfgeschehen ein. Ich muß nicht übertrieben schnell oder stark sein. Ich muß nur das Mittel kennen, mit dem ich mir die Gegensätzlichkeit zu eigen mache. </p>
<h3>Die Natur des Gegensatzes</h3>
<p>◄ Gegensätze bestehen immer aus drei Dingen: Den beiden Gegensätzen als Polen und dem Spannungsfeld dazwischen. Damit ist der Gegensatz nicht dual, wie man gemeinhin denkt. Ein dualer Gegensatz ist rein abstrakt. Aber selbst ein abstrakter Gegensatz kommt nicht ohne ein Spannungsfeld aus, welches die Kraft oder Wirkung der Gegensätzlichkeit portiert. In einem abstrakten dualen Gegensatz ist dieses Spannungsfeld nur unendlich klein. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein Gegensatz sich wirklich nur dual in zwei Polen darstellt ist in der Welt, in der wir leben, äußerst gering. Dazu ist ein Blick auf die Gaußsche Normalverteilung hilfreich. Umgekehrt, wir können zumeist von Gegensatz nur einen Aspekt wahrnehmen: Sein Spannungsfeld. Damit erscheint der Gegensatz für uns Menschen zumeist monopolar zu sein, obschon er eigentlich tripolar ist und wir ihn für bipolar halten. Wenn das nicht Verwirrung schafft! </p>
<p>• Durch die Natur des Gegensatzes entsteht also Spannung zwischen zwei Polen. Diese Spannung ist durchweg, wie getippt, das einzige, was wir vom Gegensatz wahrnehmen können. Das ist eine der wichtigsten Einsichten, welche die Natur des Gegensatzes für uns bereit hält. Ferner wird eine Spannung als Wirkung eine Kraft haben. Von einer Kraft können wir eine Stärke annehmen. Darüber hinaus sind Gegensätze fast nie statisch, sonder dynamisch, weil, wie schon ausgeführt, es für den Gegensatz an sich keine Grenze gibt. Auch der Gegensatz in der Gegensätzlichkeit unterworfen und ändert sich ständig. Also besitz ein Gegensatz eine Frequenz, folgendermaßen die Häufigkeit, in der sich ein Gegensatz in einer gegebenen Zeitspanne verändert. </p>
<p>• Wenn wir davon ausgehen, daß zwischen einem Gegensatz, seinen beiden Polen, als drittes ein Spannungsfeld besteht, eine Kraft oder Wirkung, dann ergibt sich zwangsläufig die Einsicht, daß der Gegensatz immer dem Ausgleich zustrebt. Vereinen sich die beiden Gegensätze, erlischt also das Spannungsfeld, dann heben sich die Gegensätze gegenseitig auf. Etwas Neues, Ganzes entsteht dann, das sich aber wiederum im Gegensatz zu einem anderen Ganzen befinden kann. Dieser Vorgang wird in der Mystik der Ausgleich der Gegensätze genannt. In der Kampfkunst erleben wir diesen Moment des Ausgleichs häufig, wenn wir gelernt haben mit Gegensätzen umzugehen und nicht gegen sie zu widerstreben. </p>
<div id="attachment_1053" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/02/Anbinden.jpg" rel="lightbox[1320]"><img class="size-medium wp-image-1053   " title="Anbinden" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/02/Anbinden-300x254.jpg" alt="" width="300" height="254" /></a><p class="wp-caption-text">Gegensatz: Fechter und Gegenfechter</p></div>
<p>• Wenn wir die Gegensätzlichkeit bemühen wollen, um im Gefecht zu obsiegen, dann gibt es eine große Gefahr, welche uns die menschliche Psyche zulegt: Unser Wollen. Unser Wollen führt zu unserem Willen. Unser Willen äußert sich oft darin, daß wir versuchen dem Gegensatz unseren Willen mit Zwang aufzudrücken, also mit Zwang zum Ausgleich zu gelangen. Das ist, mit Liechtenauer, das Äquivalent zum Versuch den Kampf einzig durch überlegene Stärke zu gewinnen. Die Schwierigkeit, mit der wir uns dann abmühen müssen, liegt auf der Hand: Unser Wollen, Willen und Einsatz von überlegener Stärke ist ein neuer Gegensatz. Wir mache die Situation also komplexer, nicht einfacher. Ist der Gegner nicht im Gegensatz erfahren, dann können wir das Spannungsfeld zwischen ihm und uns einfach eindrücken. Macht sich aber der Gegner diesen neuen, von uns geschaffenen Gegensatz zunutze, dann wird er alle Stärke, die wir gegen ihn aufgebracht haben, durch die Natur des Gegensatzes gegen uns selber einsetzen können. </p>
<p>• Der Gegensatz ist also auch in unsere Psyche gegenwärtig. Deswegen tippe ich oft, daß ein Gefecht immer auf drei Ebenen abläuft: Auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene. Um den Gegensatz zu überwinden und das Gefecht zu unseren Gunsten zu entscheiden benötigen wir also einen anderen Ansatz als Zwang durch überlegene Kraft. Wir müssen nur Fühlen lernen, wie sich die Gegensätze von uns und dem Gegner gestalten und uns den beständigen Wechsel, den es immer zwischen Gegensätzen gibt, zu Nutze zu machen. Dann kommen wird durch die Natur des Gegensatzes, durch die Anziehung der beiden Pole durch das Spannungsfeld zwischen den beiden Gegensätzen zur Aufhebung der Gegensätze. Ohne Gewalt. Ohne Willen. Nicht, weil wir keine eigene Stärke oder keinen eigenen Willen besitzen, nein. Wir benötigen sie nicht. Die Natur der Dinge ist es, die dem Gegensatz zustrebt. Nichts könnte natürlicher sein, als dieses Bestreben zuzulassen. </p>
<p>• Im Fechten kann man den Einfluß des Willens oft im Lagerfechtern und Rührfechten beobachten. Rührfechten ist mein Ausdruck für die Fechtweise, die Liechtenauer empfiehlt und die ständige Bewegung im Verhältnis zum Gegner erfordert. Lagerfechten ist die Fechtweise, bei der man sich in einem Gefecht willentlich in eine bestimmte Körper- und Waffenhaltung lagert und darin verharrt. Damit versucht man dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen. Liechtenauers Fechten ist aber durch beständige Anpassung an den Gegner gekennzeichnet. </p>
<div id="attachment_1334" class="wp-caption alignright" style="width: 220px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Yin-Yang.jpg" rel="lightbox[1320]"><img class="size-medium wp-image-1334 " title="Yin Yang" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/10/Yin-Yang-300x300.jpg" alt="" width="210" height="210" /></a><p class="wp-caption-text">Gegensatz: Werden und Vergehen</p></div>
<p>• Das Zulassen des Ausgleichs der Gegensätze bedeutet aber nicht passiv zu sein, den Eigenschutz zu vernachlässigen oder Nachgeben mit Aufgabe zu verwechseln. Wir müssen nur lernen unseren eigenen Willen als Teil des Gegensatzes zu erkennen. Wir greifen den Gegner in dem Augenblick an, wenn wir uns in Reichweite befinden, auf die nächste sich uns bietende Blöße. Wir werden den Gegner damit treffen oder in das Band gelangen. Aber wir zwingen den Gegner nicht. Wir bieten dem Gegner bloß Entscheidungsmöglichkeiten an. Dazu, zum Angriff, ist unser Wille dar nicht nötig. Er würde uns nur behindern und in der Wahrnehmung des Gegensatzes stören. Ob es nun der Versuch ist durch Zwang das Gegenüber zu beherrschen, oder durch Zwang das Gegenüber zu einer Handlung zu verleiten, es ist einerlei, alle Bemühungen unseres Willen den Gegner zu zwingen werden nur zu einer Verstärkung des Gegensatzes führen, nicht aber zu dessen Ausgleich. </p>
<p>• Gegensätze gleichen sich immer von selber aus, wenn man den Fluß zuläßt. Das ist die Natur des Gegensatzes. Dazu bemühe ich immer gerne die konstruktale Theorie von Professor Adrian Bejan (Duke Universität in Durham, North Carolina) und „Ockhams Skalpell“, benannt nach Wilhelm von Ockham (1285-1347). Die Denkweise von „Ockhams Skalpell“ ist aber älter und kann mindestens bis zur Logik des Aristoteles zurückverfolgt werden. </p>
<p>• Die konstruktale Theorie in aller Kürze: Jedes endliche System kann nur bestehen, wenn es sich beständig so anordert, daß es den durchströmenden Kräften immer weniger Widerstand bietet. Somit ist dargelegt, daß ein Kraftfluß durch das endliche System nur unter immerwährender Veränderung möglich ist. Ein Fluß ist ein Zustand des Gleichgewichts zwischen Bereichen mit hohen und mit niedrigem Widerstand. Ein Fluß ist dann bestmöglich, wenn die Anordnung von Störungen oder Hindernissen so gestaltet ist, daß möglichst viele einzelne Punkte der Bereiche möglichst gleichmäßig belastet werden. Ohne die Prämisse, daß der Widerstand in einem Fluß ständig abnimmt, würde sich ein Fluß mit zunehmender Größe durch seinen eigen inneren Widerstand stauen. Das ist die Entsprechung zum Zwingen des Gegners durch überlegene Stärke. </p>
<p>• Ockhams Skalpell in aller Kürze: Unter widerstreitenden Annahmen ist stets diejenige vorzuziehen, welche mit den wenigsten Seinsweisen auskommt. Weniger ist also mehr, weil die Natur der Dinge dem Ausgleich der Gegensätze zustrebt. </p>
<p>• In der Natur erfolgt beständig eine Veränderung in Richtung des Ausgleichs der Gegensätze. Dieser müssen wir nachspüren und unser Handeln daran ausrichten. Die Gegensätze selber gebären aber beständig neue Gegensätze, weil es nun mal keine Grenze für den Gegensatz gibt. Die Handlungen der Menschen erschaffen ebenfalls beständig Gegensätze, weil die Menschen ihren Willen als Leitfaden benützen. Unser Handeln im Fechten muß auf den Gegensatz ausgerichtet sein. Entgegengesetztes wird deutlicher, wenn es nebeneinander gestellt ist und wiederum auch das Darlegen des Gegenteiligen. </p>
<p>► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		<title>Bau eines Tropfenschildes</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 12:27:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schilde]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier beschreibe ich den Bau eines Tropfenschildes, auch als Mandelschild bekannt, aus der Zeit des frühen 13. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen, den ich für den Fußkampf nutze. Dies beeinflußt die Wahl der Schildmaße, denn der Schild soll mich im Stand ausreichend in der Front schützen.
<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Bau eines Tropfenschildes als Fechtschild</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/xa-schilde/bau-eines-tropfenschildes/">Bau eines Tropfenschildes</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bau eines Tropfenschildes als Fechtschild</h3>
<p>◄ Hier beschreibe ich den Bau eines Tropfenschildes, auch als Mandelschild bekannt, aus der Zeit des frühen 13. Jahrhunderts. Ich möchte einen voll kampftauglichen Fechtschild bauen, den ich für den Fußkampf nutze. Dies beeinflußt die Wahl der Schildmaße, denn der Schild soll mich im Stand ausreichend in der Front schützen.</p>
<div id="attachment_1275" class="wp-caption alignleft" style="width: 428px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/05/spec-virg1200.jpg" rel="lightbox[1290]"><img class="size-full wp-image-1275 " title="spec-virg1200" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/05/spec-virg1200.jpg" alt="" width="418" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Darstellung des frühen 13. Jahrhunderts. Die Tropfenschilds sind hier schön zu sehen.</p></div>
<p>• Als Lagenholz verwende ich drei Stück Pappelholz, 4mm stark, 100cm auf 70cm. Zwischen das Pappelholz leime ich stets eine Zwischenlage Bespannung, hier Segeltuch aus Baumwolle. Das Pappelholz hat den Vorteil reicht leicht zu sein und vor allem ausgezeichnet formbar daherzukommen. Durch die Zwischenlagen aus Bespannung erhalte ich später einen Schild, der nicht zu schwer und vor allem flexibel ist, wenn er schweren Schlägen ausgesetzt ist.</p>
<p>• Der Schildbau erfordert stets recht viel Leim. Ich verwende wasserfesten Propellerleim. Den Leim verstreiche ich immer flächig dünn, wobei ich Reste des Segeltuchs aus Baumwolle einrolle und als Wischer nutze.</p>
<p>• Der Bau beginnt mit der Wölbung der ersten beiden Lagen Pappelholz. Zwischen die beide Lagen Pappelholz habe ich eine Zwischenlage Bespannung verleimt. Noch frisch im Leim bringe ich fünf Spanngurte an. Ich ziehe den Spanngurt in der Mitte vorsichtig an und stelle die anderen vier Spanngurte langsam nach, bis ich bei jedem der fünf Spanngurte auf eine Sehnenlänge von 64-65cm komme. Damit habe ich die Wölbung des Tropfenschilds in Anhängigkeit zu seiner Brete definiert.</p>
<p>• Um die Verleimung deckend auszuführen setze ich am gesamten Rand des Schildrohlings Schraubzwingen an, gut alle 10-15cm. Dadurch verhindere ich eine Spaltenbildung zwischen den Lagen Pappelholz. Dann lasse ich den Schildrohling eine Nacht abbinden.</p>
<div id="attachment_1304" class="wp-caption alignright" style="width: 143px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/Stifter-TS2.jpg" rel="lightbox[1290]"><img class="size-full wp-image-1304  " title="Stifter-TS2" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/Stifter-TS2.jpg" alt="" width="133" height="350" /></a><p class="wp-caption-text">Plastische Darstellung eines Schildes um 1250.</p></div>
<p>• Der nächste Arbeitsschritt ist das Aufleimen der dritten Lage Pappelholz. Dazu leime ich erst wieder eine Zwischenlage Segeltuch auf den Schildrohling. Die Bespannung wird dann wieder mit Leim dünn eingestrichen und ich setze die dritte Lage Pappelholz auf. Dies muß mittig auf der Längsachse des Schildrohlings erfolgen, weshalb ich zuvor die Mitte an dem Schildrohling und der dritten Lage Pappelholz anzeichnete.</p>
<p>• Ich ziehe wieder die fünf Spanngurte auf und spann die dritte Lage Pappelholz von außen gegen den Schildrohling. Habe ich meine Sehnenlänge wieder wie gewünscht erreicht, dann bringe ich nochmal die Schraubzwingen an und lassen den Schildrohling eine Nacht abbinden.</p>
<div id="attachment_1303" class="wp-caption alignleft" style="width: 141px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/Stifter-TS1.jpg" rel="lightbox[1290]"><img class="size-full wp-image-1303  " title="Stifter-TS1" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/Stifter-TS1.jpg" alt="" width="131" height="350" /></a><p class="wp-caption-text">Plastische Darstellung eines Schildes um 1250.</p></div>
<p>• Auf den abgebundenen Schildrohling zeichne ich die gewünschte Schildform an. Das geht bei Rundungen am besten mit steifem Fingergriff am Bleistift aus dem Ellbogen, also mit einem großen Radius. Dann wird der Schild mit der Stichsäge ausgesägt. Hierbei immer auf das Stormkabel achten, damit es nicht in die Säge gelangt! Die Sägekanten versäubere ich mit einem Bandschleifer.</p>
<p>• Der ausgesägte Schild wird an der Innenseite mit einem Rand aus Buchenholzbrettchen beleimt, dazu nehme ich 4mm Buchenholzleisten, 30 oder 40mm breit. Die Buchenholzleisten muß ich etwas in Form sägen. Ich leime auch eine Mittelrippe auf die Schildinnenseite, denn ich möchte den Schild später mit dem Knie gut kontrollieren können, wozu eine kleine Kante sehr nützlich ist. Außerdem versteift die Mittelrippe den Schild ein wenig. Der Buchholzrand verbreitert die Schlagkante des Schildes, ohne ihn viel schwerer zu machen, und das Buchenholz ist gut geeignet den Nagelbesatz aufzunehmen, mit dem ich später die Rohhaut annagele.</p>
<p>• Vorderseite und Rückseite des Schildes werden nochmals mit Bespannung versehen. An der Vorderseite bringe ich sogar noch eine zweite Bespannung auf, um dem Schild zusätzliche Zähigkeit zu geben. Die Schildrückseite erhält noch einen Leimabstrich. Somit können keine Holzsplitter aus der Schildrückseite herausfliegen, wenn schwere Schläge den Schild treffen, und das Gewebe der rückwärtigen Bespannung kann nicht ausfrasen.</p>
<p>• Ich verwende Spaltleder vom Rind, Rohhaut, als Frontbespannung. Dazu schneide ich die Rohhaut mit einer Blechschwere groß zu und weiche sie eine Nacht in Wasser ein. Für das Einweichen benutze ich eine große Speisbütt oder aber die heimische Badewanne. Dann erhält die Schildvorderseite noch einen letzten Leimabstrich. Auf den frischen Leim ziehe ich die eingeweichte Rohhaut auf. Diese lasse ich gut abtropfen. Ich streiche die Rohhaut zu den Rändern mit der Hand glatt und setzte die ersten Nägel in den Buchenholzrand. Dazu verwende ich 14mm Nägel. Ich ziehe die Rohhaut nach allen Seite glatt mit leichter Spannung auf und schneide den Überstand der Rohhaut mit einem Klingenmesser am Brettchenrand innen vorsichtig ab. Zuerst nagele ich den Schild einmal rundherum ab, dann setzte ich noch eine zweite Nagelreihe, zur ersten versetzt. Alle Rundungen muß ich durch Einschnitte an der Rohhaut ausformen. Hierbei sollte die Rohhaut nicht zu weit überdecken, zumeist wird sie gestoßen. Aber auf der Schlagkante des Schildes soll die Rohhaut voll aufliegen. Hier werden später die größten Kräfte walten.</p>
<div id="attachment_1307" class="wp-caption alignleft" style="width: 548px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/DreiS.jpg" rel="lightbox[1290]"><img class="size-full wp-image-1307  " title="DreiS" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/07/DreiS.jpg" alt="" width="538" height="315" /></a><p class="wp-caption-text">Drei verschiedene Schildgeometrien, alle nach der hier beschriebenen Vorgehensweise gefertigt. Links Tropfenschild, mitte Übergangsform Tropfen- zu Dreiecksschild, rechts Dreiecksschild.</p></div>
<p>• Ich lasse die Rohhaut zwei Tage abtrocknen und bringe dann die Griffriemen an. Die Griffriemen habe ich aus 4-5mm dickem gegerbten Spaltleder geschnitten, welches  in zwei Lagen aufeinander geklebt wurde. Das Verkleben des Spaltleders für die Griffriemen kann mit Patex oder Uhu erfolgen. Auf dem Ellbogen des Schildarmes setze ich Riemenzunge und eine Schnalle, um verschieden dicken Armbekleidungen gerecht zu werden. Als Halter benutze ich 70mm geschmiedete Eisennägel, an denen ich den ersten Zentimeter absäge, so daß sie stumpf sind. Ich suche mir die Position der Griffriemen auf der Schildinnenseite aus und bohre mit einem 4mm Bohrer behutsam Löcher durch Griffriemen und Schild. Als Unterleger nehme ich harte Rohhautstücke, die ich mit der Blechschere in Form schneide. Ich setzte zwei mögliche Griffriemen für die Schildhand, um verschiedenen möglichen Fechtweisen beim Fußkampf Rechnung zu tragen.</p>
<p>• Die 70mm geschmiedeten Eisennägel werden durch die Front vorsichtig eingeschlagen. Dann stecke ich die Griffriemen auf und die Unterleger aus Rohhaut folgen. Auf dem Amboß schlage die die geschmiedeten Eisennägel um und runde sie hinter den Unterlegern aus Rohhaut mit der Finne des Schlosserhammers etwas aus.</p>
<p>• Als Polster für den Schildarm bringe ich Streifen aus gegerbten Schafsfell an. Das Schafsfell wurde mit einer Schwere kurz geschoren und mit dem Klingenmesser auf die gewünschte Form zugeschnitten. Es wird mit einer handvoll 14mm Nägeln straff gezogen aufgenagelt.</p>
<p>• Als Abschluß bemale ich den Schild mit dem Wappen meiner Familie und setzte auch unser Familienmotto darauf. Als Fechtschild fällt die Bemalung eher schlicht aus, der Schild wird großer Abnutzung ausgesetzt sein. Jetzt kann nach all der Arbeit endlich gefochten werden!</p>

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<p>►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		<item>
		<title>Der Kettenwickel</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/ubungsgerate/der-kettenwickel/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 17:39:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Übungsgeräte]]></category>

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		<description><![CDATA[ Bei Übungen am Kettenwickel wird auch Folgendes augenscheinlich: Actio gleich Reactio. Der ganze Impuls, den ich in den Kettenwickel durch meinen Hau leite, muß auch irgendwie wieder zurück in den Boden. Dabei geht er zuerst durch meine Hände, dann durch meine Arme und dann durch Leib und Beine. 
Jeder profitiert vom Üben mit dem Kettenwickel, denn jeder Klingenkontakt, jedes Band wird eingänglich immer mit einem Impuls aufgebaut werden. Diesen Impuls muß ich halten können, ohne das ich die Kontrolle über meine Klinge und vor allem den Stellwinkel meiner Schneide verliere.<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Kettenwickel Version Eins</li></h4><li><h4>Kettenwickel Version Zwei</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/ubungsgerate/der-kettenwickel/">Der Kettenwickel</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1258" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/messerwickel.jpg" rel="lightbox[1253]"><img class="size-medium wp-image-1258" title="Langes Messer am Kettenwickel" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/messerwickel-300x221.jpg" alt="Langes Messer am Kettenwickel" width="300" height="221" /></a><p class="wp-caption-text">Langes Messer am Kettenwickel</p></div>
<p>◄ Begonnen hatte die Idee mit dem Kettenwickel in Wien 2007. Wolfgang Landwehr und meine Wenigkeit waren zu einem Fechttreffen gereist und hatten uns abends in einem netten Wiener Lokal eins zwei Biere gegönnt. Der Gedanke kam auf ein Übungsgerät zu bauen, an dem man angstfrei und vollkommen sicher das Abgeben von Impulsen erlernen könne. Oder mit anderen Worten: Wir wollten ein Übungsgerät für Anfänger, damit diese erst einmal volle Kanone mit Stahlschwertern zuhauen konnten, ohne sich allzu große Sorgen machen zu müssen. Denn nur wer das Gefühl beim vollen Schlagen wirklich kennt ist später auch in der Lage seinen Hau zu kontrollieren. Was wir wollten war eine Art Sandsack für das Schwert.</p>
<h3>Kettenwickel Version Eins</h3>
<p>◄ Wieder heil in Frankfurt am Main war die Version Eins nach einigen Diskussionen schnell gebaut. Ich kaufe einen 80mm Holzpfahl von 1900mm Höhe im Baumarkt und umwickelte diesen eng in einer Spirale mit 12m 4mm geschweißter Stahlkette. Die Kette fixierte ich mit 45mm V2A-Schrauben.</p>
<p>• Also hatten wir jetzt eine fast zwei Meter lange Keule zur Hand, mit gut 60cm Umwickelung am Ort. Diese wurde mit beiden Händen gehalten, denn sie war mit guten 10kg recht schwer. Den Wickel nach vorne haltend hatte der Träger einen guten Meter Sicherheitsabstand zum Übenden, der das vordere Ende des Kettenwickels munter mit der Klinge anging.</p>
<p>• Der erste Kettenwickel wurde sehr hart geprüft. Ich kann mich noch sehr gut an das Gesicht eines Schwert-und-Buckler-Fechters erinnern, als dieser mit dem Kettenwickel anstatt Buckler und Schwert angegriffen wurde. Rasch wurde diesem Fechter klar, daß eine Struktur beim Buckler und Schwert unabdingbar ist, wenn Buckler und Schwert vor dem eigenen Körper verweilen sollen. Dabei binden Schwert und Buckler eine Einheit, ansonsten sind Angriffe kaum zu halten.</p>
<p>• Bei Übungen am Kettenwickel wird auch Folgendes augenscheinlich: Actio gleich Reactio. Der ganze Impuls, den ich in den Kettenwickel durch meinen Hau leite, muß auch irgendwie wieder zurück in den Boden. Dabei geht er zuerst durch meine Hände, dann durch meine Arme und dann durch Leib und Beine. Steht meine Klinge dabei nicht präzise mit der Schneide auf den Kettenwickel ausgerichtet, dann werden meine Hände anfangen auszubrechen. Also kann man am Kettenwickel neben Struktur auch wunderschön den Stellwinkel der eigenen Klinge beherrschen lernen.</p>
<h3>Kettenwickel Version Zwei</h3>
<p>◄ Es stellte sich nach einigen Wochen heraus, das Version Eins unter gewissen Mängeln litt. Da die Wicklung spiralförmig ausgeführt war, trafen immer wieder die Stahlschneiden den Holzkern. Wolfgang hatte einen Kettenwickel mit seinem Einhandschwert sogar durchgehauen. Auch flogen immer Holzsplitter durch die Gegend. Also baute ich Version Zwei, die sich bisher bestens bewährt hat.</p>
<p>• Dazu umwickelte ich den Holzpfahl mit Gewebeklebeband. Die Kette zog ich bei der Version Zwei in parallelen Schlaufen auf. So liegt die Kette immer gleichgerichtet zu Mittelachse des Kettenwickels. Auch baute ich verschiedene Versionen, was die Masse und Länge angeht. Um die Schlaufen gut zusammenzuhalten umwickelte ich die 4mm Stahlkette anschließend mit einer 3mm geschweißten Stahlkette in einer Spirale. Hiermit kann ich durch günstige Wahl der V2A-Schrauben die Schlaufen gut auf Spannung halten.</p>
<div id="attachment_1262" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/bucklerwickel.jpg" rel="lightbox[1253]"><img class="size-medium wp-image-1262" title="Buckler und Schwert am Kettenwickel" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/bucklerwickel-300x209.jpg" alt="Buckler und Schwert am Kettenwickel" width="300" height="209" /></a><p class="wp-caption-text">Buckler und Schwert am Kettenwickel</p></div>
<p>• Der Kettenwickel hat sich extrem gut gewährt. Egal ob im Wochenunterricht oder auf einem Manager-Seminar, alle Schüler lieben es mal voll zulangen zu können. Aber die Schüler stellen auch schnell fest, wo ihre körperlichen Grenzen liegen. Und dann beging das angestrengte Üben. Hartes und dennoch präzises Zuschlagen will gelernt sein.</p>
<p>• Jeder profitiert vom Üben mit dem Kettenwickel, denn jeder Klingenkontakt, jedes Band wird eingänglich immer mit einem Impuls aufgebaut werden. Diesen Impuls muß ich halten können, ohne das ich die Kontrolle über meine Klinge und vor allem den Stellwinkel meiner Schneide verliere.</p>
<p>►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		<title>Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-paul-chen-fraenkisches-schwert/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-paul-chen-fraenkisches-schwert/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 11:44:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Richard</dc:creator>
				<category><![CDATA[Übungswaffen]]></category>

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		<description><![CDATA[Paul Chen/Hanwei produzieren eine schier unglaubliche Bandbreite von Blankwaffen. Allerdings gibt es auch eine nahezu unbegreifliche Bandbreite an Streuung in ihren Produkten. Wir haben das fränkische Schwert mit Scheiden aus Holz und Fiberglas erlebt, mit Griffstücke aus Holz und Gußplastik, mit inneren Griffstützen aus Holz und Eisen sowie einer Klinge, die durchaus mal um fast 100g schwerer als angegeben ist.
<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“</li></h4><li><h4>Einschätzung</li></h4><li><h4>Datenblatt</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-paul-chen-fraenkisches-schwert/">Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Testbericht Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkisches Schwert“</h3>
<p>◄ Hier meine Vorstellung des altbekannten Paul Chen/ Schmiede Hanwei „Fränkischen Schwerts“. PC/Hanwei produzieren eine schier unglaubliche Bandbreite von Blankwaffen. Allerdings gibt es auch eine nahezu unbegreifliche Bandbreite an Streuung in ihren Produkten. Wir haben das fränkische Schwert mit Scheiden aus Holz und Fiberglas erlebt, mit Griffstücke aus Holz und Gußplastik, mit inneren Griffstützen aus Holz und Eisen sowie einer Klinge, die durchaus mal um fast 100g schwerer als angegeben ist.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1238" class="wp-caption aligncenter" style="width: 748px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/PC-Totale-Kl.jpg" rel="lightbox[1230]"><img class="size-full wp-image-1238  " title="PC-Totale" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/PC-Totale-Kl.jpg" alt="" width="738" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Zwei &quot;Fränkische&quot; PC&#39;s, oben das unveränderte PC, unten das umgebaute PC.</p></div>
<p style="text-align: left;">• Das Schwert wird als „Schaukampfschwert“ bezeichnet. Es wird mit gerundetem Ort und einer 2mm Schlagkante ausgeliefert, also verdient es seinen Namen. Die Montierung von Kreuz, Gehilz und Ort sowie die mitgelieferte Scheide sich vollkommen unhistorisch, weswegen das Schwert für die Darstellung keinen Wert hat. Die Scheide ist nur gut, um das Schwert von A nach B zu transportieren. Aber für technische Übungen ist das Schwert durchaus geeignet. Für Kampfübungen ist mir die Schlagkante zu schmal und die Biegesteifigkeit der Klinge zu hoch.</p>
<h3 style="text-align: left;">Einschätzung</h3>
<p style="text-align: left;">◄ Das Schwert fechtet sich in unseren technischen Übungen befriedigend. Es ist durchweg zu Kopflastig. Der Klos ist mit vier sehr spitzen Eckwinkeln ausgeformt, die unbedingt mit einer Feile gebrochen werden müssen, sonst wird man sich selber an den Spitzen des Kloses unangenehm Drückgefühlen aussetzen.</p>
<p style="text-align: left;">• Das aufgeklebte Kunstleder auf dem Griff wird sich immer nach einigen Stunden Fechten ablösen, am besten man entfernt es sogleich. Die Klinge ist etwas vollkantig, sie wird aber nach einigen Ausschleifungen rund genug, um einigen Jahren fechterischer Belastung standzuhalten.</p>
<p style="text-align: left;">
<div id="attachment_1234" class="wp-caption alignleft" style="width: 138px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/Markgraf-Ekkehard-II.jpg" rel="lightbox[1230]"><img class="size-full wp-image-1234" title="Markgraf Ekkehard II" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/Markgraf-Ekkehard-II.jpg" alt="" width="128" height="432" /></a><p class="wp-caption-text">Fränkisches Schwert in der plastischen Darstellung, um 1250. </p></div>
<p style="text-align: left;">• Die Klinge ist durch ihre Oakeshott Typ XX Geometrie recht biegesteif, aber nicht sehr präzise im Stich. Im Hau ist die Klinge durch ihre Kopflastigkeit angemessen brauchbar. Der „1065 Kohlenstoffstahl“ mit 50 Rockwell ist es aber nicht, was die Klinge auszeichnet, es sind die drei mit dem Winkelschleifer gefügten Hohlkehlen je Fläche. Dies ist der einzige Grund, warum das Schwert für das Fechten geeignet ist. Die Klinge ist durchgehend recht massiv geformt. Im Verein mit den drei Hohlkehlen je Fläche wird das Schwert für ein PC/Hanwei erstaunlich haltbar. Die Klinge ist heftigen Schwingungen unterworfen.</p>
<p style="text-align: left;">
<div id="attachment_1237" class="wp-caption alignright" style="width: 308px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/PC-Gehilze-Kl.jpg" rel="lightbox[1230]"><img class="size-full wp-image-1237    " title="PC-Gehilze" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/PC-Gehilze-Kl.jpg" alt="" width="298" height="240" /></a><p class="wp-caption-text">Links das unveränderte PC, rechts das PC mit einem neuen Griff aus Holz nebst Zwirnumwicklung sowie gebrochenen Eckkanten am Klos. </p></div>
<p style="text-align: left;">• Die unhistorischen Montierung des Kreuzes fängt nach einigen Fechtstunden an zu wackeln. Dies kann so manchen Fechter mit der Zeit sehr auf die Nerven gehen. Die einzige Abhilfe ist es, den gesamten Griff zu tauschen. Ich setzte dann einen durchgehenden Holzgriff ist Spannbauweise ein. Aber lockere Kreuze finden sich ja auch auf Originalen. Der Klos ist sehr fest aufgenietet, hier wackelt nichts. Die Schwäche des Schwerts liegt im Kreuz. Auch das Kunstlederstück auf dem Kreuz, das als eine Art Regenleder am Scheidenmund abschließt, ist überflüssig und soll nur die schlampige Montierung des Kreuzes verdecken helfen.</p>
<p style="text-align: left;">• Wir haben jetzt über 20 dieser Schwerter im täglichen Gebrauch, denn für den Anfänger im I33 ist das Schwert unter fechterischen und ökonomischen Gesichtspunkte nach wie vor die Erste Wahl. Für diesen Preis wird man nichts Besseres in Sachen Schwert erhalten können. Deswegen ist das Schwert für jeden Anfänger im Buckler und Schwert empfehlenswert.</p>
<h3 style="text-align: left;">Datenblatt</h3>
<p style="text-align: left;">◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen:</p>
<p style="text-align: left;">• Oakeshott Typ: XX, eine ballige Klinge mit drei parallelen Hohlkehlen. Die Hohlkehlen beginnen 25mm nach dem Kreuz und laufen bis zum Ort durch.</p>
<p style="text-align: left; padding-left: 30px;">• Masse: 1240g<br />
• Gesamtlänge: 930 mm</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Gehilz</span></p>
<p style="text-align: left; padding-left: 30px;">• Gehilzlänge: 167mm<br />
• Kreuzstärke: 11 auf 7mm zu den Kreuzenden auslaufend (vierkantig)<br />
• Kreuzlänge: 160mm<br />
• Grifflänge: 108mm<br />
• Griffbreite: 34mm (am gehilzseitigen Kippunkt, die breiteste Griffstelle weist 36mm auf, unter dem Kreuz)<br />
• Griffdicke: 25mm (am gehilzseitigen Kippunkt)<br />
• Griffwicklung: Aufgeklebtes Kunstleder, Farbe: schwarz<br />
• Radknauf, geht am Griff in eine vierkantige Form über: 50/45mm (Breite/ Länge) Durchmesser, genietet</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Klinge</span></p>
<p style="text-align: left; padding-left: 30px;">• Klingenlänge: 763mm<br />
• Breite Klinge am Kreuz: 46mm<br />
• Klingenstärke am Kreuz: 6mm<br />
• Schlagkante am Kreuz: 2mm<br />
• Breite Klinge am Ort: 10mm<br />
• Klingenstärke am Ort: 3mm<br />
• Schlagkante am Ort: 2m</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Schwer- und Kippunkte</span></p>
<p style="text-align: left; padding-left: 30px;">• Schwerpunkt: 105mm vor dem Kreuz<br />
• Stärkeseitiger Kippunkt: 205mm vor dem Kreuz<br />
• Schwächeseitiger Kippunkt: 30mm vor dem Ort (unpräzise im Stich)<br />
• Schwächeseitiger schwingungsfreier Knoten: 255mm vor dem Ort<br />
• Gehilzseitiger schwingungsfreier Knoten: 35mm vor dem Kreuz</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Preis</span></p>
<p style="text-align: left;">• Preis: um die 120,- Euro</p>
<p style="text-align: left;">►► Frankfurt am Main, 2010, Richard Cole (Stahl auf Stahl)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Testbericht Langes Messer JiNo Serie B Prototyp</title>
		<link>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-jino-lm-prototyp-b/</link>
		<comments>http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-jino-lm-prototyp-b/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 15:09:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Eric</dc:creator>
				<category><![CDATA[Übungswaffen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Fechtmesser Prototyps B von JiNo ist im Unterschied zur Serie A mit einer durchgehenden breiten Hohlkehle ausgestaltet. Das Ziel war es, ein fechttaugliches langes Messer für das Fechten nach Lecküchner anzufertigen. Die Wahl fiel auf den tschechischen Schmied JiNo (Jiri Nowak), wegen der bekannten hervorragende Qualität von dessen Fechtwaffen. Außerdem ist dieser Schmied beständig bemüht seine Produkte durch Prototypen in Zusammenarbeit mit Fechtschulen und Vereine zu verbessern.
<h4>Themen des Artikels:</h4><div class='Themenliste'><ul><h4><li>Testbericht Langes Messer JiNo Serie B Prototyp</li></h4><li><h4>Einschätzung</li></h4><li><h4>Datenblatt</h4></li></ul></div>                                                         <p>Weiterlesen in dem Artikel <a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/index.php/xa-zeughaus/waffen/testbericht-jino-lm-prototyp-b/">Testbericht Langes Messer JiNo Serie B Prototyp</a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Testbericht Langes Messer JiNo Serie B Prototyp</h3>
<p>◄ Das Fechtmesser Prototyps B von JiNo ist im Unterschied zur Serie A mit einer durchgehenden breiten Hohlkehle ausgestaltet. Ausgearbeitet wurde der Prototyp für die Serie in Zusammenarbeit von Markus Weiler mit Stahl auf Stahl.</p>
<p>• Das Ziel war es, ein fechttaugliches langes Messer für das Fechten nach Lecküchner anzufertigen. Die Wahl fiel auf den tschechischen Schmied JiNo (Jiri Nowak), wegen der bekannten hervorragende Qualität von dessen Fechtwaffen. Außerdem ist dieser Schmied beständig bemüht seine Produkte durch Prototypen in Zusammenarbeit mit Fechtschulen und Vereine zu verbessern.</p>
<div id="attachment_1166" class="wp-caption aligncenter" style="width: 727px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/LM12.jpg" rel="lightbox[1148]"><img class="size-large wp-image-1166 " title="Langes Messer von JiNo, Prototyp Serie B" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/LM12-1024x386.jpg" alt="" width="717" height="270" /></a><p class="wp-caption-text">Der Prototyp B des Langen Messers von JiNo</p></div>
<p style="text-align: left;">• Die Anforderungen für die Serie B waren die gleichen, wie bei der ersten Serie. Hier wurde jedoch der Versuch unternommen, das Gewicht des langen Messers durch eine beidseitige große Hohlkehle zu reduzieren. Das Messer entfernt sich damit zwar von der Ausführung der erhaltenen Originale, gewinnt aber für den Übungsbetrieb an Wert, da durch die Hohlkehle eine breitere Schlagkante bei gleich bleibendem Gesamtgewicht ermöglicht wird. Die Schlagkante ist beim Prototyp mit durchgehend 2mm zwar im Vergleich zur Serie A breiter, wünschenswert wäre jedoch eine Breite von 3 bis 4mm für Kampfübungen.</p>
<h3 style="text-align: left;">Einschätzung</h3>
<p style="text-align: left;">◄ Die Klinge ist gerade und wirkt aufgrund der durchgehenden Breite von 3,5 cm sehr massiv. Eine Rückenschneide fehlt beim Prototyp der Serie B noch, wurde aber für die nächste Version in 150mm Länge angefordert, was das Gewicht mindern sollte. Das Kreuz mit Wehrmuschel ist aufwendig ausgeführt worden (geschraubtes Kreuz und gravierte Wehrmuschel) und in gewohnter hervorragender Qualität montiert. Über die vier Strahlen an den beiden Enden der geschraubten Kreuzstangen kann man streiten, doch sind diese bei weitem nicht so gefährlich, wie sie auf den ersten Blick aussehen.</p>
<div id="attachment_1169" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/LM2.jpg" rel="lightbox[1148]"><img class="size-medium wp-image-1169" title="Gehilz des langen Messers Typ B" src="http://www.stahlaufstahl.de/wr/wp-content/uploads/2010/03/LM2-300x221.jpg" alt="" width="300" height="221" /></a><p class="wp-caption-text">Sieht einfach gut aus: Die Wehrmuschel </p></div>
<p style="text-align: left;">• Das Messer ist im Hau sehr führig und exakt ausbalanciert. Durch die breite Hiebklinge lässt sich damit ein massiver Impuls aufbauen, was jedoch etwas zu Lasten der Schnelligkeit geht. Messer der Serie A fechten sich eindeutig wendiger, während die Durchschlagskraft des vorliegenden Prototypen eher zum Durchdringen als zum Umgehen einlädt. Durch den veränderten Querschnitt der Klinge schwingt die Serie B stärker und wirkt nicht so steif und hart im Stich wie Messer der Serie A.</p>
<h3 style="text-align: left;">Datenblatt</h3>
<p style="text-align: left;">◄ Es folgt meine Zusammenstellung der wichtigsten Maße. Eine gewisse Fehlertoleranz bitte ich nachzusehen:</p>
<p style="text-align: left;">• Langes Messer Prototyp Serie B, Wehrmuschel auf der rechten Seite. Es besitzt zwei breite Hohlkehlen, 600mm an beiden Flächen lang, 30mm hinter dem Kreuz beginnend, 5mm von der Rückenkante liegend.</p>
<p style="text-align: left;">• Gewicht: 1230g<br />
• Gesamtlänge: 875 mm (nach 10mm Beschnitt am Ort)</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Gehilz</span></p>
<p style="text-align: left;">• Gehilzlänge: 230mm<br />
• Kreuzstärke: 10mm/ 10mm (geschraubt)<br />
• Kreuzlänge: 180mm<br />
• Wehrmuschel: 60mm lang (nach rechts)<br />
• Grifflänge: 220mm<br />
• Griffbreite: 23mm<br />
• Griffdicke: 21mm (in der Griffmitte)<br />
• Griffbelegung: Olivenholz, geölt, mit 3 durchgehenden Nieten montiert<br />
• Angel: 5mm (Durchgängig bis zum Knaufansatz)<br />
• Messerknauf: 20mm Dicke, massiv</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Klinge</span></p>
<p style="text-align: left;">• Klingenlänge: 650mm (nach 10mm Beschnitt am Ort)<br />
• Breite Klinge am Kreuz: 35mm<br />
• Klingenrückenstärke am Kreuz: 5mm<br />
• Schlagkante am Kreuz: 2mm<br />
• Breite Klinge am Ort: 35mm (20mm)<br />
• Klingenstärke am Ort: 3mm<br />
• Schlagkante und Klingenrückenstärke am Ort: 2mm/5mm (Rücken)</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Schwer- und Kippunkte</span></p>
<p style="text-align: left;">• Schwerpunkt: 60mm vor dem Kreuz<br />
• Stärkeseitiger Kippunkt: 180mm vor dem Kreuz<br />
• Schwächeseitiger Kippunkt: Im Ort (Perfekt)<br />
• Schwächeseitiger schwingungsfreier Knoten: 250mm vom dem Ort</p>
<p style="text-align: left;"><span style="text-decoration: underline;">Preis</span></p>
<p style="text-align: left;">• Preis: um die 270,- Euro (ich hoffe, das die Serienproduktion im Preis etwas nachläßt)</p>
<p style="text-align: left;">►► Frankfurt am Main, 2010, Eric Burkart (Stahl auf Stahl)</p>
]]></content:encoded>
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