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	<title type="text">Leben in Kafkaland</title>
	<subtitle type="text">Wenn die Wahrheit die Flucht ergreift.</subtitle>

	<updated>2019-09-01T09:42:05Z</updated>

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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Putin oder der Westen?]]></title>
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		<updated>2019-09-01T09:42:05Z</updated>
		<published>2018-05-13T19:00:47Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="Energiemarkt" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Angela Merkel" /><category scheme="" term="Energiepolitik" /><category scheme="" term="Erdöl" /><category scheme="" term="Iran" /><category scheme="" term="Putin" /><category scheme="" term="Sanktionen" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Merkel&#8217;s Politik lief bisher darauf hinaus, die osteuropäischen Staaten vor die Wahl zu stellen: Putin oder Merkel? Ihre berechtigte Hoffnung war, daß sie diesen Schönheitswettbewerb gewinnen könnte, dies umso mehr, als Präsident Obama und John Kerry im Zuge des &#8222;Pivot to Asia&#8220; die Federführung der westlichen Politik gegenüber Russland und auch zu großen Teilen gegenüber &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1780/putin-oder-der-westen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Putin oder der Westen?</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1780/putin-oder-der-westen/"><![CDATA[<p>Merkel&#8217;s Politik lief bisher darauf hinaus, die osteuropäischen Staaten vor die Wahl zu stellen: Putin oder Merkel? Ihre berechtigte Hoffnung war, daß sie diesen Schönheitswettbewerb gewinnen könnte, dies umso mehr, als Präsident Obama und John Kerry im Zuge des &#8222;Pivot to Asia&#8220; die Federführung der westlichen Politik gegenüber Russland und auch zu großen Teilen gegenüber Iran, Syrien und Israel nach Berlin delegiert hatte.</p>
<p>Eines der Ergebnisse dieses Arrangements war das Nuklear-Abkommen mit dem Iran, das der US-Präsident letzte Woche aufgekündigt hat. Es sah vor, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, wenn Iran nachweislich die Massenproduktion von hoch-angereichertem Uran und Plutonium für die nächsten 10 Jahre aussetzt.</p>
<p>Der Bau von Trägersystemen für Atomwaffen, wie z.B. Mittel- und Langstreckenraketen wurden in dem Abkommen nicht reglementiert, und es wurden auch keine weitergehenden Verhandlungen zu diesem Thema vereinbart oder aufgenommen.</p>
<p>Dasselbe gilt für militärische Aktionen in Irak, Syrien oder Jemen durch den Iran, teilweise direkt, teilweise durch vom Iran gesteuerte Milizen. Dem iranischen Hegemoniestreben, das sich in diesen Aktionen ausdrückt, ist der Westen unter Obama und Merkel auch kaum entgegengetreten.</p>
<p>Die neue US-Administration hat nun gefordert, dass eine Lösung für die drei genannten Probleme gefunden werden müsse, wenn das Atomabkommen Bestand haben solle. Es gibt <a href="https://www.welt.de/politik/ausland/article176197228/Iran-Abkommen-Brachte-die-deutsche-Beharrlichkeit-Trump-um-seine-Geduld.html">Berichte</a>, dass die entsprechenden Verhandlungen mit der EU, Großbritannien, Frankreich und Deutschland daran gescheitert sein sollen, dass die europäische Seite Regelungen abgelehnt haben soll, nach der die ursprünglichen Sanktionen automatisch wieder in Kraft getreten wären, sollte der Iran  nach Auslaufen des ursprünglichen Abkommens sich der Fähigkeit, ungehindert Atomwaffen herstellen zu können, bis auf 12 Monate nähern.</p>
<p>Warum die EU eine automatische Reaktivierung der Sanktionen auch für den Fall ablehnt, dass Iran nach 2025 wieder in großen Mengen Uran oder Plutonium anreichern sollten, erschließt sich mir nicht.</p>
<p>Nach dem Scheitern der Gespräche zur Nachbesserung des Abkommens hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika das ursprüngliche Abkommen für obsolet erklärt und das Wiederaufleben der Sanktionen gegen den Iran angekündigt.</p>
<h4>Berlin in Panik</h4>
<p>Nachdem Präsident Trump die Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft gesetzt hat, hat die EU kategorisch erklärt, dass sie diese Politik unwirksam machen wolle, und Schaden vom Iran abwenden wolle. Die USA wurden zum außenpolitischen Gegner erklärt, vor dem Iran geschützt werden müsse.</p>
<p>Man erklärte weiterhin, dass man Russland in eine Koalition einbinden wolle, deren Ziel es ist, US-Sanktionen unwirksam zu machen. Das hat natürlich auch Implikationen für die Sanktionen der EU gegen Russland. Man wird kaum davon ausgehen können, dass Russland sich bereit erklärt der EU zu helfen, US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen, und gleichzeitig akzeptiert, dass die EU eigene Wirtschaftssanktionen gegen Russland aufrechterhält und US-Sanktionen gegen Russland anwendet.</p>
<p>Es ist natürlich auch eine ehrgeizige Annahme, dass ein eine Koalition zwischen der EU, Russland und dem Iran gegen die USA keine Auswirkungen auf die NATO hätte, und nicht die Bereitschaft der USA beeinflussen würde, amerikanische Soldaten sterben zu sehen, um die EU zu verteidigen.</p>
<p>Aber welche Bedrohung ist es denn, die Deutschland und die EU dazu bringt, den Schutz durch die NATO aufs Spiel zu setzen?</p>
<h4>Was hat Berlin zu verlieren?</h4>
<p>Hier stellt sich natürlich die Frage: Was ist für sie EU und seine grauen Eminenzen in Berlin so wichtig, dass man darüber das atomare Schutzschild der NATO aufgeben würde?</p>
<p>Die wahrscheinliche Antwort: Man fürchtet in Berlin, die Vorherrschaft über Europa zu verlieren.</p>
<p>Aber mal der Reihe nach:</p>
<p>Eine Wiederaufleben der Sanktionen würde zu einem sehr viel höheren Ölpreis führen. Ein Teil der Fördermenge des Iran würde vom Markt verschwinden, und es bestünde obendrein die Gefahr, dass Iran im Gegenzug versuchen würde, auch Öl aus Saudi Arabien und/oder Kuwait vom Weltmarkt fernzuhalten. Das könnte durch Beschränkungen der Durchfahrt durch die Straße von Hormuz geschehen, oder auch durch Terroristische Aktionen und/oder Raketenangriffe aus dem Jemen.</p>
<p>Ein daraus folgender Ölpreis um die 100 Dollar pro Fass würde einerseits das Wirtschaftswachstum in der EU und der Eurozone massiv ausbremsen. Andererseits würde dieser Preisanstieg zu einem erheblichen Inflationsschub führen, der sich nicht auf Energiepreise beschränkt. Das wiederum würde die EZB zu einer schnellen Zinserhöhung und zu einer Reduktion der Geldmenge zwingen.</p>
<p>Eine plötzliche Rezession, gepaart mit einer im Abschwung prozyklischen Zinsanhebung und restriktiver Geldpolitik würde in Italien und Griechenland zur Katastrophe führen. Andere Euro-Staaten würden ebenfalls in große Schwierigkeiten kommen.</p>
<p>Da Italien &#8222;too big to fail&#8220;, aber auch &#8222;too big to be saved&#8220; ist, wäre eine Italienkrise das Ende der Eurozone, wie wir sie kennen.</p>
<p>Die die in der Panik der Griechenland-Krise von Merkel und Schäuble durchgesetzten Regularien garantieren jedoch die deutsche Dominanz über die Staaten der Eurozone. Daher würde ein Ende der Eurozone die  Machtposition der deutschen Regierung über die Eurozone und EU entscheidend schwächen.</p>
<h4>Die Lösung mit Merkel und Putin</h4>
<p>Aus Berliner Sicht ist also klar: Das iranische Öl darf unter keinen Umständen vom Markt verschwinden. Das ist jedoch nur möglich, wenn ein Markt für Öl eingerichtet wird, der nicht das Dollar-System nutzt. Die entsprechenden Kontrakte dürften nicht auf Dollar lauten, und der Clearing-Prozess müsste auch abseits des Dollars und möglicherweise auch ohne das SWIFT System und die meisten europäischen Großbanken organisiert werden.</p>
<p>Dazu müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:</p>
<ol>
<li>Es muss genügend Öl auf diesem Euro-denominierten Markt verfügbar sein, um eine übergroße Volatilität zu vermeiden.</li>
<li>Es muss die notwendige Infrastruktur auf der Finanz- und IT-Seite zur Verfügung stehen.</li>
</ol>
<p>Das für einen neuen Öl-Markt außerhalb des Dollar-Systems notwendige Volumen an Öl müsste zum großen Teil von Russland kommen. Die aktuelle Reisen von Wirtschaftsminister <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/article176396809/US-Sanktionen-Deutsche-Unternehmen-in-Russland-in-der-Zwickmuehle.html">Altmaier</a> und Kanzlerin <a href="https://www.welt.de/politik/ausland/article176498746/Besuch-in-Moskau-Merkel-betont-strategisches-Interesse-an-Russland.html">Merkel</a> nach Russland sollen hier vermutlich zu einer Klärung führen.</p>
<p>Die Finanzmarkt-Infrastruktur könnte von der EU-Seite kommen. Das Euro-System kann internationale Transaktionen handhaben, und auch Kontrakte abwickeln.</p>
<h4>Der Nutzen für Russland</h4>
<p>Allerdings würde Russland als einer der größten Ölproduzenten weltweit auch zu den großen Gewinnern eines höheren Ölpreises gehören. Warum sollte Putin also Merkel helfen, das iranische Öl am Markt zu halten und den Ölpreis zu deckeln?</p>
<p>Diese Frage führt zur zweiten Hälfte des notwendigen Arrangements: Die Finanzmarkt-Infrastruktur. Der US-Kongress hat &#8211; teilweise gegen den Willen von Präsident Trump &#8211; Sanktionen gegen russische Banken verhängt, die Finanztransaktionen zwischen Russen und  Firmen bzw. Bürgern anderer Länder erheblich erschweren.</p>
<p>Eine Finanzmarkt-Infrastruktur, die internationale Transaktionen am Dollar-System vorbei ermöglicht, wäre also für Russland sehr hilfreich.</p>
<p>Russland würde</p>
<ul>
<li>seinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten stärken,</li>
<li>die eigenen Exporterlöse gegen Drohungen mit Sanktionen aus USA und Europa absichern</li>
<li>und zusätzlich die Position des US-Dollar als Leitwährung erheblich schwächen</li>
</ul>
<p>Diese drei Punkte zusammen könnten aus russischer Sicht eine Deckelung des Ölpreises im Bereich von 80 USD rechtfertigen, zumal ein weiterer Anstieg auch das Volumen der weltweiten Nachfrage reduzieren würde.</p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Automatisierung  und Deglobalisierung]]></title>
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		<id>https://www.johannesstockburger.com/?p=1485</id>
		<updated>2017-10-28T18:17:02Z</updated>
		<published>2017-09-21T21:10:04Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="Energiemarkt" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Zukunft" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Die gegenwärtige Welle der Automatisierung wird von &#8222;Big Data&#8220; und der dazugehörigen IT-Infrastruktur getrieben. Die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Daten-Infrastruktur, und damit die Machbarkeit automatischer Prozesse, sowohl in der industriellen Produktion als auch im Servicebereich, hängt wiederum von einer zuverlässigen und preisgünstigen Versorgung mit elektrischer Energie ab. Diese zunehmende Welle der Automatisierung beraubt die superkomplexen &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1485/automatisierung-und-deglobalisierung/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Automatisierung  und Deglobalisierung</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1485/automatisierung-und-deglobalisierung/"><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1748" src="https://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/joh11a_small-step-150x150.png" alt="Johannes Stockburger" width="150" height="150" />Die gegenwärtige Welle der Automatisierung wird von &#8222;Big Data&#8220; und der dazugehörigen IT-Infrastruktur getrieben.<br />
Die Leistungsfähigkeit und Stabilität der Daten-Infrastruktur, und damit die Machbarkeit automatischer Prozesse, sowohl in der industriellen Produktion als auch im Servicebereich, hängt wiederum von einer zuverlässigen und preisgünstigen Versorgung mit elektrischer Energie ab.</p>
<p>Diese zunehmende Welle der Automatisierung beraubt die superkomplexen globalen Lieferketten ihrer Daseinsberechtigung. Schließlich beruhte der Nutzen dieser Globalisierung in erster Linie auf den unterschiedlichen Arbeitskosten an unterschiedlichen Standorten. Die Lohnkosten eines Roboters sind jedoch Null. Die Frage des Standortes entscheidet sich an der Infrastruktur und an der allgemeinen Lebensqualität für hochqualifizierte Fachkräfte, die zum Betrieb der automatischen Anlage immer noch gebraucht werden.</p>
<h4>Die &#8222;alte&#8220; Globalisierung&#8220;</h4>
<p>In den 3 Jahrzehnten zwischen 1970 und 2000 hatte sich die Weltwirtschaft weitgehend umstrukturiert: Produktionsschritte, die  einen großen Teil ihrer Wortschöpfung durch einfache manuelle Arbeiten erzielten, oder eine erhebliche Belastung der lokalen Umwelt mit sich brachten, wurden in Länder mit geringen Arbeitskosten ausgelagert. Der Trend zur Automation von Industrieproduktion und Dienstleistungen stellt heute diese überkommenen Strukturen massiv in Frage. gestellt.</p>
<h4>11. September 2001 als Wendepunkt</h4>
<p>In den vergangenen Jahren wurde der Trend zu diese Globalisierung immer schwächer, bis er sich schließlich umgekehrt hat. Begonnen hat diese Schwächung der Globalisierung mit dem 11. September 2001.</p>
<p>Die Abhängigkeit der Industrieländer und besonders der Vereinigten Staaten von komplexen globalen Lieferketten hatte sich zu einer echten Gefahr entwickelt.</p>
<p>Der Zenit der aktuellen Globalisierungswelle wurde in drei Bereichen besonders deutlich::</p>
<h6>Energie</h6>
<p>Der Angriff von Al Quaida auf die Machtzentren der USA, bei dem mehrere Tausend amerikanische Zivilisten getötet wurden, hat zu einer großen Entschlossenheit geführt, sich von den Ölvorkommen im Mittleren Osten unabhängig zu machen, unter anderem durch die Entwicklung der Gas- und Ölvorkommen in Schiefer-Formationen, und auch durch die Entwicklung von erneuerbaren Energien.</p>
<p>&#8222;Drill, Baby, drill&#8220; war, neben den militärischen Interventionen in Afghanistan und Irak, die zweite wichtige Antwort der USA auf den 11. September.</p>
<p>Es wurde jedoch auch &#8211; zunächst kaum ernst genommen &#8211;  elektrisch betriebene Fahrzeuge, die unabhängig von Öl aus dem Mittleren Osten funktionieren, entwickelt.</p>
<p>Europa versuchte auch, sich vom Öl aus dem Mittleren Osten unabhängiger zu machen. Die Zusammenarbeit mit Russland wurde verstärkt, und im Jahr 2005 wurde mit dem Bau der Ostsee-Pipeline begonnen, die russisches Erdgas direkt nach Deutschland bringt.</p>
<p>Insbesondere in Deutschland wurde auch der Ausbau von Windrädern und Photovoltaikanlagen massiv subventioniert. Dieser Ausbau wurde nach dem Tsunami von Fukushima in den Turbomodus gehoben. Im Gegensatz zu den USA und auch zum Weltmarkt wurde dadurch Energie und insbesonder elektrische Energie massiv verteuert. Dieser Effekt wurde für viele Industriebetriebe durch Subventionen abgemildert.</p>
<p>Wind- und Sonnenenergie ohne entsprechende Speichermedien muss durch andere Energieträger ersetzt werden, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Dadurch hat die deutsche &#8222;Energiewende&#8220;  die Abhängigkeit von fossil befeuerten Erdgaskraftwerke massiv verstärkt.</p>
<h6>Big Data</h6>
<p>Die Entwicklung von &#8222;Big Data&#8220; Technologien, zunächst zum Zweck der Früherkennung von Bedrohungen, war die dritte Antwort auf den Angriff am 11. September 2001.  Dabei wurden so große Datenmengen generiert, daß diese unmöglich komplett von Menschen gesichtet und analysiert werden konnten.<br />
Diese gewaltigen Datenmengen haben große Fortschritte in den Bereichen der künstlichen Intelligenz und der Automatisierung ermöglicht und erzwungen.</p>
<h6>Finanzen</h6>
<p>Die globale Finanzkrise von 2007 und 2008 war zwar keine direkte Antwort auf den 11. September, aber eine Spätfolge.<br />
Der Krieg im Irak, der im Wesentlichen darauf zurückzuführen war, dass die Vereinigten Staaten Saddam Hussein mit den Milzbrand-Angriffen gegen amerikanische Parlamentarier und Journalisten in Verbindung gebracht hatten &#8211; auch wenn dies später nicht nachgewiesen werden konnte &#8211; hat unglaubliche Kosten verursacht.<br />
Und der anschließende Versuch, im Irak neue staatliche Institutionen zu schaffen, erwies sich als so aufwendig, daß durch die zusätzlichen schuldenfinanzierte Kriegsausgaben die US-Wirtschaft überhitzte.</p>
<p>Durch die damit verbundene Dollarschwemme fiel der US-Dollar auf ungekannte Tiefstände, und es bildeten sich enorme Blasen in den Immobilienmärkten der USA und in den Rohstoffmärkten der Welt.</p>
<p>Nachdem die Blase des Immobilienmarktes in Amerika bereits geplatzt war, und die Banken weltweit erheblich geschwächt hatte, tat der gescheiterte Angriff Russlands auf Georgien für die Ölpreise und den Wechselkurs des Euro das seinige.</p>
<p>Im Jahr 2008 stand der Ölpreis zeitweise bei 140 Dollar pro Fass, und ein Euro kostete 1,50 Dollar. Der Ölpreis stürzte dann innerhalb weniger Wochen auf etwa 40 Dollar ab und erreichte nie wieder den Höchststand von 2008.</p>

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<p>source: <a href="https://tradingeconomics.com/commodity/crude-oil">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Der Euro stürzte gleichzeitig von knapp 1,60 USD auf gut 1,20 USD ab.</p>

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<p>source: <a href="https://tradingeconomics.com/euro-area/currency">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Der Absturz des Euro konnte nur mittels einer unbegrenzten Kreditlinie der US-Notenbank für die Europäische Zentralbank und andere große Notenbanken aufgefangen werden.</p>
<h4>Die Konsequenzen der Krisen für drei großen Wirtschaftsblöcke für Wachstum und Investitionen</h4>
<p>Der kurzzeitige Infarkt des weltweiten Wirtschaftssystemes im Rahmen der Finanzkrise von 2008 führte sowohl in China als auch in den USA zu einem Überdenken der Frage, wie Lieferketten konfiguriert sein sollten, wo sich Absatzmärkte befinden sollten, und wie sich Lieferketten bzw. die geographische Lage der Absatzmärkte auf die nationale Sicherheit beider Staaten auswirken.<br />
Im folgenden finden Sie eine kurze Diskussion dieser drei führenden Wirtschaftsblöcke auf den Infarkt von 2008.</p>
<h6>China</h6>
<p>China antwortete auf diese Krise mit einem unglaubliches Investitionsprogramm mit Fokus auf die Infrastruktur. Damit konnten große Teile des Hinterlandes in die industrielle Produktion mit einbezogen werden. Das bedeutete natürlich viele Millionen neue Jobs. Mehr Menschen konnten somit auch Geld verdienen. Dadurch ist der interne chinesische Markt enorm gewachsen, und die chinesische Abhängigkeit von Exportmärkten wurde reduziert.</p>
<p>Dieses Programm bewirkte, dass sich das Bruttoinlandsprodukt Chinas in nur 4 Jahren, von 2008 bis 2012, annähernd verdoppelt hat, wie das folgende Diagramm zeigt.<br />

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</p>
<p>source: <a href="https://tradingeconomics.com/china/gdp">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Die jährlichen Brutto-Anlageninvestitionen in China haben sich in den 8 Jahren von 2004 bis 2012 annähernd verdreifacht. Ein Diagramm Zahlen finden Sie hier.<br />

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</p>
<p>source: <a href="https://tradingeconomics.com/china/gross-fixed-capital-formation">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Aber diese Investitionen in Infrastruktur und Produktionsanlagen war nur die Hälfte der chinesischen Antwort. Die andere Hälfte war den Entschluss, von der Produktion einfacher Billigprodukte wegzukommen, und zu einem unabhängigen Produzenten von High-Tech Produkten zu werden. Es wurden riesige Forschungszentren gebaut, Unmengen von Know-How der gekauft oder auch gestohlen &#8211; jedenfalls nach China transferiert.</p>
<p>In der Konsequenz hat China nicht nur seine Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten gestärkt, sondern auch einen massiven Binnenmarkt entwickelt, der die chinesische Wirtschaft deutlich resistenter gegen internationale Krisen macht.</p>
<h6>Investitionen und Wachstum in USA</h6>
<p>Die USA haben in der Zeit massiv in die Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen investiert. Das hat die Energiepreise in den Vereinigten Staaten stark reduziert, auch weil der Export von Flüssiggas aus den USA bis vor kurzem verboten war.</p>
<p>Massiv wurde aber auch in Big Data Anwendungen und künstliche Intelligenz investiert. Die Fähigkeiten von Big Data Anwendungen kommen nicht nur den dem Militär und den Geheimdienste zugute, sondern ermöglichen auch große Fortschritte im zivilen Bereich. Ich erinnere hier an autonome Fahrzeugen , aber auch an Logistik-Systeme, wie sie von Amazon entwickelt und implementiert wurden.</p>
<p>
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<br />
source: <a href="https://tradingeconomics.com/united-states/gdp">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Brutto Anlageinvestitionen USA<br />

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<br />
source: <a href="https://tradingeconomics.com/united-states/gross-fixed-capital-formation">tradingeconomics.com</a><br />
Das Bruttoinlandsprodukt der USA liegt somit heute, dank der massiven Investitionen in den Energie- und den Technologie-Sektor, um etwa 3 Billionen Dollar über dem Wert von 2008. Die Automatisierung und die Anwendung künstlicher Intelligenz sind dort weltweit am weitesten fortgeschritten.</p>
<h6>Deutschland und die Eurozone</h6>
<p>In der folgenden Statistik des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone wurde der Euro zum jeweiligen Wechselkurs in Dollar umgerechnet. Der übermäßig hohe Eurokurs im Jahr 2007 bewirkt also künstliche eine Beule nach oben, und der schwächere Euro der Folgejahre verringert die Werte in Dollar für diese Jahre..</p>
<p>Bruttoinlandsprodukt für die Eurozone <strong>(in US-Dollar)</strong></p>
<p>
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<br />
source: <a href="https://tradingeconomics.com/euro-area/gdp">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Brutto Anlageinvestitionen in der Eurozone <strong>(in Euro)</strong>:<br />

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<br />
source: <a href="https://tradingeconomics.com/euro-area/gross-fixed-capital-formation">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Wenn man die Werte für Deutschland aus der Eurozone herausrechnet, wird  die die desolate Lage der Eurozone im Jahr 2012 sichtbar.</p>
<p><b>Deutschland</b></p>
<p>Das Bild für Deutschland sieht etwas besser aus:<br />
Bruttoinlandsprodukt für Deutschland <strong>(in US-Dollar)</strong>:<br />

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<br />
source: <a href="https://tradingeconomics.com/germany/gdp">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Auch dieses Diagramm ist durch die Schwankungen des Eurokurses verzerrt. Aber dennoch: nachhaltiges Wachstum sieht anders aus.</p>
<p>Brutto-Anlageninvestitionen für Deutschland (in Euro):<br />

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source: <a href="https://tradingeconomics.com/germany/gross-fixed-capital-formation">tradingeconomics.com</a></p>
<p>Es fällt auf, dass die Entwicklung von Wachstum und Investitionen zwischen  USA und China durchaus vergleichbar war, auch wenn es wichtige Unterschiede in Details und im Momentum gibt.</p>
<p>Die Eurozone fiel jedoch aus diesem Rahmen heraus. Besonders bitter war die Entwicklung der Eurozone ohne Deutschland.</p>
<h6>Neue Produkte im Jahr 2008</h6>
<p>Im Jahr 2008, also 7 Jahre nach dem 11. September 2001, gerade als die Finanzkrise kräftig zuschlug, wurden einige neue Produkte und Projekte rund um Energie-Unabhängigkeit und Big Data auf den Markt gebracht:</p>
<p><strong>USA und China</strong></p>
<ul>
<li>Iphone</li>
<li>Tesla</li>
</ul>
<p><strong>Deutschland und Europa</strong></p>
<ul>
<li>Clean Volkswagen Diesel</li>
<li>Ostsee Pipeline</li>
</ul>
<p>Die USA und China haben die Herausforderungen angenommenen und mit massiven Investitionen in Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung beantwortet. Es fallen mir dabei Namen ein wie Steve Jobs, Jeff Bezos, Elon Musk, Mark Zuckerberg und Firmen wie Paypal, Apple, Amazon, Tesla, Google, Facebook, SpaceX, Blue Origin aber auch Baidu, Alibaba, Samsung &#8230;</p>
<p>Deutschland und Europa haben eine defensive Position eingenommen:</p>
<p>Die Energieabhängigkeit vom Mittleren Osten wurde gegen die Energieabhängigkeit von Russland eingetauscht.</p>
<p>Man hat in Europa eine neue Pipeline gebaut und versucht, Dieselmotoren zu optimieren. Vergessen hat man indes, kraftvolle Energiespeicher zu entwickel. Diese hätten die Abhängigkeit Europas von Öl und Gas als Treibstoff für Autos brechen, und gleichzeitig für Stabilität in den Stromnetzen sorgen können.</p>
<p>Da es für Volkswagen &#8211; wo der öffentliche Sektor Deutschlands in Gestalt der Landesregierung von Niedersachsen eine Sperrminorität hält &#8211; zu teuer war, das damit verbundene Abgasproblem wirklich anzugehen, hat man dort stattdessen die Messwerte gefälscht.</p>
<p>Andere Autohersteller haben sich unter großem Aufwand Schritt für Schritt in Richtung einer wirksamen Abgasreinigung bewegt. Es blieben dann aber nur noch viel zu wenig Ressourcen und Aufmerksamkeit für die Entwicklung von wirklich innovativen Lösungen übrig.</p>
<h4>Die Eurozone</h4>
<p>Das Diagramm für die Eurozone als ganzes legen nahe, dass die Eurozone kein attraktiver Standort für strategische Investitionen ist. Am einem zu hohen Lohnniveau kann es nicht liegen, denn Investitionen in Automatisierung, Forschung und Big Data verlangen sowieso nach den besten und teuersten Köpfen.</p>
<p>Und es liegt im Wesen der Automatisierung, dass manuelle Arbeit nur noch in geringem Umfang eingesetzt wird und somit deren Kosten viel Bedeutung als  Standortfaktor verlieren.</p>
<p>Aber es gibt einen andere Faktoren:</p>
<ul>
<li>Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur</li>
<li>Vorschriften, die manche Lösungsansätze massiv erschweren oder sogar von vorneherein verbieten</li>
<li>Risiken für die politische Stabilität</li>
</ul>
<h6>Staatliche Defizite verhindern Investitionen</h6>
<p>Die staatliche Defizit-Begrenzung in der EU ignoriert staatliche Vermögenswerte, aber Investitionen in solche Vermögenswerte erhöhen ein vorhandenes Defizit oder verringern einen Überschus. Unter diesen Bedingungen können viele Staaten die notwendigen Investitionen in Infrastruktur nicht mehr finanzieren.</p>
<p>Man sollte allerdings auch nicht auf den Trick vieler Politiker hereinfallen, alle Ausgaben als Investitionen zu bezeichnen, auch wenn sie keinerlei staatliche Vermögenswerte schaffen.</p>
<h6>Politische Hindernisse für private Investitionen</h6>
<p>Wenn aufgrund von politischen Gegebenheiten öffentliche Investitionen in Infrastruktur nicht möglich sind, und private Investitionen in öffentliche Infrastruktur nicht erwünscht und auch nicht möglich sind, dann kann nur wenig investiert werden.</p>
<p>Aber Rechenzentren und Zentren für Dienstleistungen mit hoher Wertschöpfung entstehen nur an den Orten, an denen &#8230;</p>
<ul>
<li>die notwendigen Datenleitungen und andere Infrastruktur vorhanden sind</li>
<li>die Energieversorgung gesichert und nicht überteuert ist</li>
<li>Planung für einen längeren Zeitraum möglich ist</li>
<li>und die Lebensbedingungen für hochqualifizierte Fachleute attraktiv sind</li>
</ul>
<p>Diese Bedingungen sind in der Eurozone offenbar nur noch wenigen Orten gegeben. Diese liegen überwiegend in Deutschland.</p>
<p>Wurde dieser Umstand durch Schwächen und Fehler in fast allen anderen Ländern der EU verursacht? Oder ist eine konsequente Deutschland-First-Politik dafür verantwortlich? Diese Frage soll Thema will ich in einem späteren Post untersuchen.</p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Ausblick auf Zweitausendsiebzehn]]></title>
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		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1448</id>
		<updated>2017-01-20T22:45:28Z</updated>
		<published>2017-01-18T21:06:42Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Gabriel" /><category scheme="" term="Merkel" /><category scheme="" term="NATO" /><category scheme="" term="Trump" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>2017 oder das Ende des Westens 2017 könnte das Ende des Westens bedeuten. Es ist gut möglich, dass wir im Dezember 2017 zwei Westen haben, geführt von Angela Merkel respektive Donald Trump. Geopolitik und Wirtschaftspolitik Wirtschaft und Geopolitik sind heute stark verwoben. Die Wirtschaft ist gerade in der Europäischen Union mittlerweile enorm politisiert. Insbesondere Deutschland nutzt seine &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1448/2017-das-ende-des-westens/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Ausblick auf Zweitausendsiebzehn</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1448/2017-das-ende-des-westens/"><![CDATA[<h3 style="text-align: left;">2017 oder das Ende des Westens</h3>
<p>2017 könnte das Ende des Westens bedeuten. Es ist gut möglich, dass wir im Dezember 2017 zwei Westen haben, geführt von Angela Merkel respektive Donald Trump.</p>
<h3>Geopolitik und Wirtschaftspolitik</h3>
<p>Wirtschaft und Geopolitik sind heute stark verwoben. Die Wirtschaft ist gerade in der Europäischen Union mittlerweile enorm politisiert. Insbesondere Deutschland nutzt seine wirtschaftliche Macht und seine finanzielle Stärke, um Europa politisch zu dominieren.</p>
<h3>Informelle Macht-Strukturen in der EU</h3>
<p>Der Rat der europäischen Staats- und Regierungschefs war ein wichtiges Entscheidungsgremium, ebenso die verschiedenen Ministerräte. Wir erleben aber immer öfter, dass die Berliner Regierung versucht, Entscheidungen vor den Ratssitzungen in kleinem Kreis festzuschreiben. Alle, die diesmal nicht eingeladen wurden, dürfen dann nur noch brav nicken.</p>
<p>Das Dublin-Abkommen wurde in einer Nacht von der deutschen Kanzlerin und dem damaligen österreichischen Kanzler in den Mülleimer befördert.</p>
<p>Das Schengen-Abkommen wurde in der Folge durch einseitige Erklärungen der Berliner und der Wiener Regierungen, dass man auf Dauer wieder Grenzkontrollen durchführen werde, zertrümmert. (Im 20. Jahrhundert hat sich die Praxis durchgesetzt, dass man Kriege nicht mehr erklärt, sondern führt. Im 21. Jahrhundert  wird diese Praxis insofern ausgeweitet, dass man Verträge nicht mehr kündigt, sondern schlicht zertrampelt.)</p>
<p>Auf diese Weise haben Merkel und ihre Kollegen die Institutionen der EU ihrer Substanz beraubt und  zur Fassade degradiert. Eine faire Ausbalancierung der Macht und demokratischen Kontrolle in Europa werden nur noch vorspiegelt.</p>
<h3>Das &#8222;Genug&#8220; der Briten</h3>
<p>Nun hat die Bevölkerung des Vereinigten Königreiches entschieden, die EU zu verlassen. Die Menschen dort wollen sich politisch und ökonomisch nicht mehr unter Druck setzen lassen, und sie wollen das eigene Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Die Berliner Antwort: Man weigert sich, mit der Britischen Regierung überhaupt noch zu reden. Und, als ob das nicht genug wäre: man versucht auch noch, 26 weiteren in der EU verbleibenden  Regierungen das Gespräch mit der britischen Regierung zu verbieten.</p>
<p>Es gib nur eine einzige Parole, die alle 27 vor sich her stottern: &#8222;Den Menschen in England muss es nach Verlassen der EU schlechter gehen, als es ihnen innerhalb der EU gegangen wäre!&#8220; Keiner sieht, dass dieses Verhalten in sich selbst schon ein Grund ist, die EU so schnell wie möglich zu verlassen.</p>
<h3>Donald Trump</h3>
<p>In der Zwischenzeit haben die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Gott und die Welt haben ihr Entsetzen über die Wahl von Donald Trump geäußert. Unser künftiger Präsident Steinmeier hatte einen solchen Wahlausgang für völlig unmöglich gehalten. Er er glaubte, ohne negative Folgen den Kandidaten Trump als Hassprediger beschimpfen zu können und sollen.</p>
<p>In Wirklichkeit wird sich durch die Wahl von Trump die Außenpolitik der USA in der Substanz nur graduell ändern. Trump wird den geordneten Rückzug Obamas aus dem Mittleren Osten und aus Europa (zum Leidwesen John McCains) fortsetzen.</p>
<p>Es werden sich Nuancen ändern. Trump wird sich Israel gegenüber nicht so feindselig verhalten wie Obama. Er wird voraussichtlich auch überdenken, ob die USA wirklich den PKK-Ableger YPG mit Waffen und Ausbildern unterstützen sollten. Trump  wird auch erwägen, Syrien im Einvernehmen mit dem NATO-Partner Türkei und mit Putin zu stabilisieren.</p>
<p>In der Auseinandersetzung um die Ukraine und die russische Bedrohung Osteuropas war Obama eher ein Getriebener, und bei Trump wird das nicht viel anders sein.</p>
<p>Innenpolitisch wird sich in USA manches ändern, aber das soll hier nicht meine Sorge sein. Allerdings werde ich ein Auge die Diskussion um die Neugestaltung der Unternehmensbesteuerung haben, denn diese kann das komplette System des Welthandels und das weltweite Finanzsystem stark beeinflussen.</p>
<h3>Nato und EU</h3>
<p>Eine konstruktive Reaktion auf das Brexit-Votum wäre gewesen, die Nato als Plattform für eine gemeinsame Sicherheitspolitk des Westens zu stärken.</p>
<p>Wir haben jedoch das Gegenteil erlebt: Ein verhaltener Jubel aus Berlin: Endlich können die Briten ein militärisches Kommandozentrum auf EU-Ebene nicht mehr blockieren.</p>
<p>Dies zeigt, dass es mit einer Westorientierung in Berlin nicht mehr weit her ist.</p>
<h3>Wahl in Frankreich</h3>
<p>Es wird nach dem Abgang Hollandes mit Sicherheit eine neue Ausbalancierung der französischen Außenpolitik geben, unabhängig von der Entscheidung, wer Hollande nachfolgen wird.</p>
<p>Frankreich wird nicht mehr bedingungslos dem Kurs Merkels gegenüber Russland folgen. Und Frankreich wird sich &#8211; wenn Merkel ihre Position zu Theresa May nicht ändert &#8211; in der Sicherheitspolitik zwischen einer Kooperation mit Berlin und einer Kooperation mit London und Washington entscheiden müssen.</p>
<p>Wenn  Fillon oder Macron Präsident werden würde, könnte dieser Anpassungsprozess in die Länge gezogen werden, so dass der Wahlkampf in  Deutschland nicht gestört wird.</p>
<p>Aber ein Sieg von Marine Le Pen würde Merkel unter Zugzwang setzen. Ihr Versuch, die Probleme Europas auf die Zeit nach der Bundestagswahl zu verschieben, wäre gescheitert. Sie müsste schnell Farbe bekennen, ob Sie</p>
<ul>
<li>mit Le Pen zusammenarbeiten wollte,</li>
<li>oder ein Redeverbot wie mit Theresa May durchsetzen wollte</li>
<li>oder gleich den Ausschluss Frankreichs aus der EU betreiben wollte</li>
</ul>
<h3>Wahl in Deutschland</h3>
<p>Es ist nicht so klar wie manche denken, dass Merkel eine vierte Amtszeit als Kanzlerin gewinnen wird. Eine rechtspopulistische Regierung werden wir hier nicht erleben, aber eine linkspopulistische ist durchaus im Bereich des Möglichen.</p>
<p>Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel könnte sich an das Erfolgsrezept Schröders aus dem Jahr 2002 erinnern: Merkel in der Außenpolitik rechts überholen und einen &#8222;deutschen Weg&#8220; ausrufen.</p>
<p>Mit einem US-Präsidenten Trump wird Antiamerikanismus in Deutschland zum guten Ton gehören. Selbst Merkel wird sich dazu bekennen.</p>
<p>Aber es wird Merkel auch nichts anderes übrig bleiben, als die Verlegung von US-Truppen nach Polen zu akzeptieren und den Bau des Raketenschutzschildes in Osteuropa zumindest zu tolerieren. Gabriel wird ihr deshalb vorgespielten Antiamerikanismus vorwerfen.</p>
<p>Insbesondere die Linkspartei wird versuchen, Stimmen bei der AFD einzusammeln. Hier können Lafontaine und Wagenknecht die starke Ablehnung gegen Merkel unter den AFD-Wählern nutzen und argumentieren: &#8222;Eine Stimme für die AFD ist eine Stimme für den Verbleib Merkels im Kanzleramt.&#8220; Also: Wer &#8222;Merkel muss weg&#8220; ruft, muss links wählen.</p>
<h3>Das Ende des Westens</h3>
<p>Nachdem mit der Wahl Trumps als Präsident der USA Antiamerikanismus in Deutschland zum Teil der Staatsräson zu werden scheint, wird es in Zukunft zwei verschiedene &#8222;Westen&#8220; geben: Einer unter der Flagge der EU, personifiziert durch Merkel. Dieser Merkelsche Westen wird je nach Ausgang der Wahlen in Frankreich entweder am Rhein, oder an der Westküste des europäischen Kontinents enden. Und es wird einen anglo-amerikanischen Westen geben, der sich um die USA und Großbritannien schart.</p>
<p>Aber zwei Westen ist dasselbe wie kein Westen. Die globalen Institutionen der Nachkriegsordnung (UN, EU, NATO, IWF) wurden bereits ausgehöhlt und  geschwächt. Die Institutionen der EU werden obendrein mittels eines informelles Netzwerks gelenkt. (Wenn die EU-Kommission wichtige Entscheidungen trifft, ohne vorher in Berlin anzurufen, ist das Kanzleramt beleidigt.)</p>
<h3>Und wenn Gabriel gewinnt?</h3>
<p>Wenn Sigmar Gabriel die Möglichkeit sieht, wird er versuchen selbst Kanzler in Berlin zu werden. Das kann ihm gelingen, wenn er einen Tsumani des Antiamerikanismus reitet. Das Ende des Westens ist dann definitiv gekommen.</p>
<p>Man könnte nun meinen, mit Gabriel könnte es &#8211; analog zum Merkel-Westen -einen EU-bestimmten Westen geben.</p>
<p>Aber Gabriel hat nicht die Statur, die notwendig ist um Griechenland und Finnland sowie gleichzeitig Portugal und Ungarn unter einen Hut zu bringen.</p>
<p>Nach seinem Wahlsieg würde es also nur  den einen Westen geben, den atlantischen Westen. Die EU unter Gabriel wäre nicht mehr Teil des Westens.</p>
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			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Nach der Brexit Entscheidung]]></title>
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		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1420</id>
		<updated>2016-06-29T10:15:35Z</updated>
		<published>2016-06-28T00:15:11Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Brexit" /><category scheme="" term="Merkel" /><category scheme="" term="NATO" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Nach der Brexit-Entscheidung stellt sich nun die Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Auf britischer Seite sind die nächsten Schritte vorgezeichnet. Die Briten müssen sich erstmal neu sortieren. Es steht die Debatte an, was man denn positiv will in Bezug auf die EU, nachdem man entschieden hat, aus der EU auszutreten. Diese Debatte wird einen neuen &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1420/nach-der-brexit-entscheidung/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Nach der Brexit Entscheidung</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1420/nach-der-brexit-entscheidung/"><![CDATA[<p style="text-align: left;">Nach der Brexit-Entscheidung stellt sich nun die Frage, wie es jetzt weitergehen soll.</p>
<p>Auf britischer Seite sind die nächsten Schritte vorgezeichnet. Die Briten müssen sich erstmal neu sortieren. Es steht die Debatte an, was man denn positiv will in Bezug auf die EU, nachdem man entschieden hat, aus der EU auszutreten. Diese Debatte wird einen neuen Premier-Minister und möglicherweise auch einen neuen Oppositionsführer hervorbringen. Es ist gut möglich, daß die neue Regierung in London dann zu dem Schluß kommt, daß sie die Wähler um eine neue Legitimation für ihr weiteres Vorgehen bitten muß.</p>
<h3>Reaktion der EU</h3>
<p>Die Seite der EU war sicherlich nicht so überrascht und geschockt wie sie vorgibt, denn die Umfragen zu dem Volksentscheid waren über Wochen nicht eindeutig, es war immer eine klare, wenn auch nicht die einzige Möglichkeit, daß die Briten sich gegen eine weitere Mitgliedschaft in der EU entscheiden könnten. Juncker, Merkel, Steinmeier, Hollande, Tusk hatten also alle Zeit der Welt, sich auch auf diesen Fall vorzubereiten, und haben es auch getan.</p>
<h3>Zwei Optionen der EU</h3>
<p>Sie haben die Wahl, eine Bestrafung der Briten zu versuchen und, wie von manchen angekündigt, alles zu tun um ein Scheitern Großbritanniens herbeizuführen, bis hin zu einem Angriff auf die territoriale Integrität des Vereinigten Königreichs und einem neuen Anfachen des Konfliktes in Nordirland.</p>
<p>Oder sie können sich die Mühe machen, den Vertrag von Lissabon erneut zu lesen und dann feststellen, daß die Briten keine Straftat begangen haben und somit auch nicht bestraft werden müssen. Dann könnten sie sich vielleicht an einer konstruktiven Debatte beteiligen, wie das Verhältnis zum Vereinigten Königreich auch ohne eine EU-Mitgliedschaft positiv gestaltet werden kann.</p>
<p>Jedenfalls sollten sich die Herren Juncker, Schulz, Steinmeier, Gabriel und andere daran erinnern, daß der Vertrag von Lissabon zwar eine mögliche Austrittserklärung vorsieht, daß diese jedoch nur von den Regierung des austretenden Landes abgegeben werden kann, zu einem von dieser bestimmten Zeitpunkt. Ein Ausschluss aus der EU ist nicht möglich, auch nicht nach einem Volksentscheid wie kürzlich in Großbritannien. Und sicherlich können weder Schulz noch Juncker, noch Steinmeier, noch Gabriel, noch Merkel diese Austrittserklärung für das Vereinigte Königreich abgeben.</p>
<h3>Die Fragen, die für die EU zu klären sind</h3>
<p>Abgesehen von Diskussionen über die zukünftige Rolle der Londoner City für EU und Eurozone ergeben sich noch ganz andere Fragen, über die im Kanzleramt sicherlich nachgedacht wird:</p>
<ul>
<li>Was wird aus dem Ärmelkanal Tunnel</li>
<li>Was wird aus Vodafone</li>
<li>Was wird aus dem europäischen Stromnetz</li>
<li>Kann die EU noch auf britisches Erdgas zählen, sollte aus dem einen oder anderen Grund nicht genug Gas aus Rußland kommen?</li>
<li>Wie verändern sich die Machtverhältnisse innerhalb der EU?</li>
<li>Wer kann neue Sperrminoritäten bilden, wenn die Stimmrechte Großbritanniens weggefallen sind?</li>
<li>Wie verändert sich das Verhältnis zwischen EU und Nato?</li>
<li>Welchen Einfluss werden EU, Großbritannien und Deutschland zukünftig jeweils bei IWF, Weltbank und UN haben?</li>
</ul>
<h3>EU setzt auf Konfrontation</h3>
<p>Die EU scheint sich für den Weg der Konfrontation entschieden zu haben. In diesem Zusammenhang erscheint es mir sehr unwahrscheinlich zu sein, daß die Steinmeiers und Gabriels ohne Absprache mit Merkel und gegen deren Willen agieren.</p>
<p>Woher kommt nun die Forderung, ein Land zu bestrafen, weil es angekündigt hat, ein im EU-Vertrag verbrieftes Recht wahrzunehmen, und zu versuchen, dieses Land sofort und in rechtswidriger Weise aus den Entscheidungsprozessen der EU hinauszudrängen?</p>
<p>Die Begründung, man benötige Klarheit um die Finanzmärkte zu beruhigen, kann nur vorgeschoben sein. Im Moment könnte nur eins die Finanzmärkte merklich beruhigen: Klare Signale von allen Seiten, daß man entschlossen ist, konstruktiv und bedachtsam mit einer schwierigen Situation umzugehen. Aus Brüssel kommt das Gegenteil, während in Berlin die Worte aus dem Kanzleramt im Widerspruch zu den Aktionen des Aussenministers stehen.</p>
<p>Dieses Bild bewirkt sicherlich keine Deeskalation der aktuellen Krise. Im Gegenteil, eine wirksamere Strategie zur weiteren Verunsicherung der Wirtschafts- und Finanzwelt ist kaum denkbar.</p>
<h3>Merkels Zauberlehrlinge haben übernommen</h3>
<p>Steinmeier, Gabriel, Schulz, Juncker und Hollande hatten mehrmals Gelegenheit zu beobachten, wie Merkel von Zeit zu Zeit Krisen anheizt, um ihre Ziele durchzusetzen. Sie wollen es ihr nun gleichtun, und die Brexit-Krise nutzen, um ihre eigene Agenda durchzusetzen.</p>
<p style="text-align: left;">Merkel sieht ihnen beim anheizen der Krise gelassen zu. Sie lässt sie gewähren, distanziert sich aber leise mit mahnenden Worten. Das ist klug, denn so suggeriert sie Uneinigkeit und eingeschränkte Handlungsfähigkeit in Berlin. Damit verstärkt sie das Gefühl der Unsicherheit, das die Finanzmärkte nach der Brexit-Entscheidung in den Krisenmodus treibt, und zu neuen Zinsaufschlägen für die Euro-Staaten am Mittelmeer führt. <span style="line-height: 1.6471;">Gleichzeitig kann sie auf diese Weise die Verantwortung für die kommende Zuspitzung anderen zuschieben.</span></p>
<h3 style="text-align: left;">Berlin hat einen Plan</h3>
<p style="text-align: left;">Im Kanzleramt in Berlin sind sicherlich schon seit einigen Monaten einige hundert der hellsten Köpfe damit beschäftigt über diese und weitere Fragen nachzudenken, und nach Aussage von Wolfgang Schäuble hatte die Bundesregierung vor der Brexit-Abstimmung einen Plan in der Schublade für den Fall, dass sich die Briten gegen die EU entscheiden sollten. Man darf getrost davon ausgehen, dass wir im Moment Zeuge einer frühen Phase der Ausführung dieses Planes sein dürfen.</p>
<p>Warum jedoch lässt Merkel die Zauberlehrlinge gewähren, wo sie doch weiß, daß diese darauf aus sind, sich einen Teil ihrer Macht anzueignen?</p>
<p>Die Antwort ist einfach: Sie weiß, daß es sich dabei nur um Zauberlehrlinge handelt, die in Wirklichkeit nicht wissen was sie tun. Sie haben zwar gesehen, daß Merkel zuweilen Krisen anheizt und dann nutzt um ihre Machtansprüche durchzusetzen. Aber den zweiten Teil ihrer Technik, der nicht so sichtbar ist, den haben sie übersehen: Nämlich klar definierte Ziele und einen durchdachten Aktionsplan zu haben, der im richtigen Moment Schlag auf Schlag umgesetzt werden kann.</p>
<h3>Die Rolle der Zauberlehrlinge</h3>
<p>Ihren Zauberlehrlingen fehlen klare Ziele, und ein klarer Plan. Sie sind jedoch zu Merkel sehr freundlich, entzünden ein Feuer und bringen die Küche zum Glühen. Merkel wartet dann, bis die Küche brennt und die Zauberlehrlinge nicht mehr weiterwissen. Dann ist ihre Zeit gekommen, die Welt zu retten und dafür ihren Preis zu verlangen.</p>
<h3>Merkels Preis</h3>
<p>Merkels Preis wird sein, dass die verbleibenden EU-Staaten die Vorherrschaft Berlins, und ein faktisches Vetorecht Berlins in allen Fragen anerkennen. Die von Merkels Zauberlehrlingen erzeugte Panik an den Finanzmärkten wird die Euroländer vor genau diese Alternative stellen: Unterwerfung oder Ausscheiden.</p>
<p>Für die Länder Osteuropas hat ein anderer Aspekt der Konfrontation zwischen den Mächtigen der EU und Großbritannien eine wichtige Konsequenz: Die NATO wird noch mehr zu einer bloßen Hülse. Die wichtigsten europäischen Mitglieder der NATO werden zerstritten und unfähig zum gemeinsamen Handeln sein, und die Vereinigten Staaten haben keine Möglichkeit, ohne gemeinsame logistische Unterstützung durch Deutschnd und Großbritannien in Osteuropa eine nennenswerte militärische Rolle zu spielen. Somit werden die osteuropäischen Staaten gezwungen sein, sich zu entscheiden, ob sie sich Putin oder Merkel unterwerfen wollen.</p>
<h3>Griechenland und das Mittelmeer-Gebiet</h3>
<p>Nach dem Ausscheiden des Vereinigten Königreiches können Länder eine Sperr-Minortität bilden, wenn sie zusammen knapp 200 Millionen Einwohner haben. Portugal, Spanien, Frankreich und Griechenland kommen zusammen auf rund 195 Millionen. Sie benötigen also nur noch ein weiteres relativ kleines Land wie Kroatien, Irland oder Österreich als Bündnispartner, um Beschlüsse in den Ministerräten der EU blockieren zu können.</p>
<p>Daher wird es für Merkel attraktiv sein, Griechenland aus der Eurozone und auch aus der EU herauszudrängen. Die notwendigen Vorbereitungen sind mittlerweile getroffen: Grenzen werden wieder kontrolliert und können &#8211; inklusive des Brennerpasses &#8211; kurzfristig geschlossen werden. Devisenkontrollen gelten für Griechenland sowieso, der Apparat diese durchzusetzen ist vorhanden und erprobt.</p>
<p>Für Merkel hat dies den weiteren Vorteil, daß sie in diesem Fall die Verantwortung für die sowieso notwendige Abschreibung der Schulden Griechenlands gegenüber Deutschland und den Institutionen der Eurozone der Brexit-Entscheidung zuweisen könnte. Damit wäre ihr größtes Dilemma gelöst: Sie kann innenpolitisch weder einen vom IWF geforderten Schuldenschnitt für Griechenland rechtfertigen, noch eine Fortführung der sogenannten Rettungskredite für Griechenland ohne Beteiligung des IWF sicher im Bundestag durchsetzen.</p>
<p>Wenn dann Zypern und Italien, eventuell auch Spanien, Portugal und Malta mit Griechenland gehen würden, wäre dies für Merkel kein wirklich großes Problem. Schuld wären natürlich die Briten.</p>
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			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Flüchtlingskrise &#8211; Merkels Quadratur des Kreises]]></title>
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		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1370</id>
		<updated>2015-12-14T11:18:13Z</updated>
		<published>2015-12-12T22:45:53Z</published>
		<category scheme="" term="Allgemein" /><category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Flüchtlingskrise" /><category scheme="" term="Griechenland" /><category scheme="" term="Merkel" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Flüchtlingskrise definiert griechische Nordgrenze als Südgrenze des Merkel-Reiches Langsam hat Merkel die Kontrolle in der Flüchtlingskrise zurückgewonnen. Die Grenzen werden wieder kontrolliert, und nur noch die Flüchtlinge werden durchgelassen, die man haben will. Allerdings findet die Kontrolle  nicht innerhalb Deutschlands oder der EU statt, und rechtsstaatliche Standards sind nicht ersichtlich. Die Kontrolle findet nämlich wie im EU-Vertrag &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1370/fluechtlingskrise/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Flüchtlingskrise &#8211; Merkels Quadratur des Kreises</span> weiterlesen</a></p>
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]]></summary>

					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1370/fluechtlingskrise/"><![CDATA[<h4><strong>Flüchtlingskrise definiert griechische Nordgrenze als Südgrenze des Merkel-Reiches</strong></h4>
<p>Langsam hat Merkel die Kontrolle in der Flüchtlingskrise zurückgewonnen. Die Grenzen werden wieder kontrolliert, und nur noch die Flüchtlinge werden durchgelassen, die man haben will. Allerdings findet die Kontrolle  nicht innerhalb Deutschlands oder der EU statt, und rechtsstaatliche Standards sind nicht ersichtlich.</p>
<p>Die Kontrolle findet nämlich wie im EU-Vertrag vorgesehen an der Außengrenze des Schengen-Gebietes statt, nämlich an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Allerdings fallen die Entscheidungen auf der mazedonischen Seite, und damit außerhalb des Gebietes in dem EU-Recht gilt. Dabei fällt in der allgemeinen Aufregung kaum auf, dass nach diesem neuen Reglement nicht Menschen an der Einreise in das Schengen-Gebiet (in diesem Fall Griechenland) sondern wie weiland in der DDR an der Ausreise aus dem Schengen-Gebiet gehindert werden.</p>
<h4><strong>Informelle Machtstrukturen ohne parlamentarische oder gerichtliche Kontrolle werden etabliert</strong></h4>
<p>Und nicht die griechische Regierung entscheidet, wer Griechenland verlassen darf, sondern eine nicht näher beschriebene Frontex-Mission die auf dem <a href="http://europa.eu/rapid/press-release_IP-15-5904_de.htm" target="_blank">Balkan-Gipfel</a> im Oktober beschlossen wurde.</p>
<p>Letztlich hat Griechenland unter der Drohung, aus dem Schengen-Gebiet ausgeschlossen zu werden, zugestimmt dass Frontex in Zusammenarbeit mit der Mazedonischen Grenzpolizei entscheiden darf, wer Griechenland Richtung Mazedonien verlassen darf, und wer in Griechenland bleiben muss. Syrer, Afghanen und Iraker dürfen derzeit durch, Griechen vermutlich auch.</p>
<p>Aber wie entschieden wird, welcher ehemalige Einwohner von Damaskus Syrer ist, und wer Palästinenser ist, oder welche Paschtunen Afghani sind, und welche Paschtunen Pakistani sind, das bleibt im Dunkeln. Es gibt auch kein Rechtsmittel dagegen, wenn auf diese Weise ein von Boko Haram verfolgter Afrikaner daran gehindert wird, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen</p>
<p>Deutlich wird jedoch, dass hier an den Institutionen der EU vorbei eine informelle Entscheidungsstruktur etabliert wurde, deren Fäden allem Anschein nach im Berliner Kanzleramt gezogen werden.</p>
<p>So darf man also sagen: Merkel hat die südliche Grenze Ihres Reiches als die Nordgrenze Griechenlands definiert und eine &#8222;zivile Mission&#8220; hat mit Unterstützung des Frontex-Systemes die Kontrolle über diese Grenze übernommen. Gleichzeitig wurde jede rechtsstaatliche Kontrolle über die Anwendung des Asylrechts im Merkel-Reich ausgehebelt.</p>
<p>Das alles hat Sie geschafft, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Sie hat sich als die &#8222;Große Gütige&#8220; dargestellt, und Victor Orban sowie die Griechen, Mazedonier, Kroaten und Slowenen die Drecksarbeit machen lassen.</p>
<h4><strong>Das Schengen-System ist für lange Zeit nicht mehr funktionsfähig </strong></h4>
<p>Gleichzeitig hat Merkel zugelassen, dass durch die Flüchtlingskrise eine unbekannte Anzahl unbekannter Personen in das Schengen-Gebiet einreisen konnten. Dies führt zwangsläufig dazu, dass Grenzkontrollen im Schengen-Raum auf lange Sicht wieder zur Normalität werden wird, und dass ein engmaschiges Netz der Massen-Überwachung über Europa gespannt werden wird, um eventuelle Illegale aufzuspüren. Da man nicht weiß, wie viele gekommen sind, ohne sich dem Prozess der Erkennungsdienstlichen Behandlung auszusetzen, gibt es auch keinen Punkt, an dem man sagen könnte: &#8222;Jetzt sind alle gefunden&#8220;.</p>
<h4><strong>Neue Grenzkontrollen als Voraussetzung für die Zerschlagung des Euro</strong></h4>
<p>Dadurch ergibt sich die Legitimation, ein System der Grenzkontrollen an den Landgrenzen, den Flughäfen und in den Zügen neu zu etablieren.</p>
<p>Dieses System der Barrieren gegen die Reisefreiheit der Menschen wird aber auch gebraucht, wenn man einzelne Länder aus dem Euro kicken will, bzw. den Euro komplett zum Platzen bringen will. Man muss nur darüber nachdenken, was die rationale Reaktion der Menschen in Griechenland auf einen Ausschluss aus dem Eurosystem und dem damit verbundenen Zusammenbruch der gesamten wirtschaftlichen Aktivität inklusive aller öffentlichen Dienstleistungen wäre: Die Menschen würden in den Norden Europas kommen, versuchen dort einen Job zu bekommen. Viele würden hier Sozialleistungen beantragen, und viele würden sich gar nicht registrieren und schwarz arbeiten. Das würde in Deutschland zu einer Revolution von Rechts führen.</p>
<h4><strong>Neu eskalierende Eurokrise als offizieller Gründungsakt des Merkel-Reiches</strong></h4>
<p>Wir dürfen also getrost erwarten, dass entsprechend der bekannten <a href="http://www.johannesstockburger.com/612/angela-merkel-die-krisensurferin/">Methode Merkels</a> nach der Flüchtlingskrise und der Etablierung des neuen Systems der Barrieren gegen Migration die Eurokrise wieder hochkocht. Bei Griechenland ist die Bruchstelle ja bereits eingebaut, da die Einbindung des IWF noch nicht geregelt ist, und die angestrebten Privatisierungserlöse auch sehr fraglich sind. Aber man könnte dann auch die ganze Reihe der Dominosteine umwerfen und die mediterranen Länder &#8222;mit großem Bedauern&#8220; aus dem Euro fallen lassen. Die Grenze des dann verbleibenden Restes der Eurozone könnte die Westgrenze des Merkel-Reiches markieren.</p>
<p>Die Nordgrenze des Merkel-Reiches wäre die Ostsee, und der östliche Nachbar wäre Putin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Design für Europa by Angela Merkel]]></title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1310/merkels-plan-a/" />

		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1310</id>
		<updated>2016-05-02T09:14:07Z</updated>
		<published>2015-07-15T00:09:39Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Angela Merkel" /><category scheme="" term="Griechenland" /><category scheme="" term="Italien" /><category scheme="" term="Schäuble" /><category scheme="" term="Tsipras" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Ich will hier nicht über die moralischen Implikationen der erneuten &#8222;Rettung&#8220; Griechenlands reden. Auch die finanziellen Risiken sind heute nicht mein Thema. Vielmehr möchte ich beleuchten, was das Verhalten von Merkel und Schäuble über die politischen Prioritäten und Absichten der Berliner Regierung aussagt. Zwei Punkte zum Nachdenken Dabei möchte ich zunächst einmal Ihre Aufmerksamkeit auf &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1310/merkels-plan-a/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Design für Europa by Angela Merkel</span> weiterlesen</a></p>
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]]></summary>

					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1310/merkels-plan-a/"><![CDATA[<p>Ich will hier nicht über die moralischen Implikationen der erneuten &#8222;Rettung&#8220; Griechenlands reden. Auch die finanziellen Risiken sind heute nicht mein Thema.</p>
<p>Vielmehr möchte ich beleuchten, was das Verhalten von Merkel und Schäuble über die politischen Prioritäten und Absichten der Berliner Regierung aussagt.</p>
<h6>Zwei Punkte zum Nachdenken</h6>
<p>Dabei möchte ich zunächst einmal Ihre Aufmerksamkeit auf zwei Aspekte lenken:</p>
<ol>
<li>Merkel und Schäuble haben Ihre <a href="http://www.sven-giegold.de/2015/verfassungswidrig-das-grexit-papier-der-bundesregierung/" target="_blank">Verhandlungsziele</a> vorher veröffentlicht und sind danach nicht einmal einen Handbreit davon abgewichen. (Hier ist das <a href="http://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/grexit_bundesregierung_non_paper_10_juli_2015.pdf">Schäuble-Papier</a> im PDF- Format)</li>
<li>Merkel und Schäuble haben Tsipras nicht etwa nur mit dem Ausschluss aus dem Eurosystem gedroht, sondern letztendlich mit der Zerstörung des griechischen Finanzsystems und der vollständigen Abtrennung Griechenlands vom internationalen Zahlungsverkehr. Das würde bedeuten, keine Überweisung mehr nach Griechenland, keine Rechnung an einen ausländischen Lieferanten einer griechischen Firma kann mehr bezahlt werden, keine Kreditkartenzahlung mehr in Griechenland oder mit griechischen Karten weltweit.</li>
</ol>
<h6>Das vorher veröffentlichte Endergebnis der Verhandlungen</h6>
<p>Es ist durchaus ungewöhnlich, dass ein Teilnehmer an einer Verhandlung seine Positionen vor Beginn veröffentlicht. Wenn er seine maximalen Forderungen veröffentlichen würde, könnte ich das noch verstehen. Aber die Linie vor Beginn der Verhandlungen zu veröffentlichen, von der er bis zum Endergebnis nicht abzuweichen bereit ist?</p>
<p>Was kann eine eine solche Veröffentlichung bewirken? Die Absicht kann nur gewesen sein, für jeden klar und deutlich zu dokumentieren, dass man in der Lage war, das Verhandlungsergebnis alleine und im Voraus zu bestimmen, dass also in Wirklichkeit gar nicht verhandelt wurde, sondern ein Diktat entgegengenommen wurde.</p>
<p>Wer sollte dadurch gedemütigt werden? Griechenland? Griechenland und Tsipras haben bereits dadurch vollständig ihr Gesicht verloren, dass sie einem Ergebnis zugestimmt haben, welches nur wenige Tage zuvor in einem Referendum mit einer Mehrheit von über 60 Prozent abgelehnt worden war. Nein, diese Veröffentlichung war nicht gegen Griechenland gerichtet.</p>
<p>Die Vorveröffentlichung hat für jeden sichtbar dokumentiert, wie wenig eine Koalition selbst aus der EU-Kommission, dem IWF, Frankreich und Italien im Rahmen der Eurozone ausrichten kann. Merkel wollte damit ein für alle mal auch öffentlich klar machen, wer der Herr im Hause Euro ist.</p>
<p>Der zweite Punkt, nämlich die konsequente Zerstörung des griechischen Finanzsystems mit der Konsequenz, dass das Land vom internationalen Finanzsystem abgeschnitten wird, war dann ein Exempel, was passiert, wenn es jemand ernstlich wagt, sich Merkel zu widersetzen.</p>
<p>Schäuble hat dies noch mehr auf den Punkt gebracht, indem er die Amerikaner herausforderte, doch die <a href="http://www.focus.de/politik/videos/im-gespraech-mit-jack-lew-wolfgang-schaeuble-bietet-den-usa-griechenland-zum-tausch-gegen-puerto-rico-an_id_4806946.html" target="_blank">Griechen über das Dollar-System</a> wieder an das globale Finanzsystem anzubinden. Die Begleitmusik zu Schäubles &#8222;Scherz&#8220; waren dann angebliche neue &#8222;<a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/nsa-affaere-airbus-wurde-von-hackern-aus-amerika-attackiert-13698540.html" target="_blank">Enthüllungen</a>&#8220; über die NSA. Diese Enthüllungsartikel, deren Überschriften durch die Substanz im Text darunter nicht gedeckt werden, stellen eine impliziten Drohung dar, im Zweifelsfall auch die NATO als Institution anzugreifen.</p>
<p>Man darf also getrost davon ausgehen, dass dieser Sonntag in der Essenz eine Machtdemonstration Merkels war, darauf gerichtet jeden Widerstand in der Eurozone gegen ihren Machtanspruch als Kaiserin der EU im Keim zu ersticken. Dass ich nicht der einzige mit dieser Wahrnehmung bin sehen Sie in diesem Blog-Post des Ökonomie-Nobelpreisträgers  <a href="http://krugman.blogs.nytimes.com/2015/07/12/killing-the-european-project/?module=BlogPost-Title&amp;version=Blog%20Main&amp;contentCollection=Opinion&amp;action=Click&amp;pgtype=Blogs&amp;region=Body">Paul Krugman</a>.</p>
<h6>Kampf gegen ISIS hat für Merkel keine Proirität</h6>
<p>Die Alternative, vor die Merkel den griechischen Premier Tsipras stellte, war:</p>
<ol>
<li>Vollständige und bedingungslose Unterwerfung oder</li>
<li>Vollständige Zerstörung der staatlichen, ökonomischen und sozialen Strukturen in Griechenland.</li>
</ol>
<p>Nun konnte Merkel nicht sicher sein, das Tsipras die Kapitulation unterschreiben würde, und kann sich bis heute nicht sicher sein, dass er in der Lage ist, Ihre Bedingungen in Griechenland durchzusetzen. Also müssen wir auch darüber nachdenken, was ein Tod der griechischen staatlichen Strukturen durch Erwürgen für Folgen hätte.</p>
<p>Es ist offensichtlich, dass Griechenland dadurch zu einer Operationsbasis für ISIS und Hisbollah werden würde, abgesehen von einem durchaus wahrscheinlichen Bürgerkrieg in Griechenland zwischen Nazis und Linken.</p>
<p>ISIS würde dadurch die Möglichkeit erhalten, über Griechenland sich im Balkan festzusetzen, also besonders im Kosovo, Albanien und Bosnien. Sie würden gleichzeitig in die Lage kommen, Griechenland als Versorgungsroute und Aufmarschbasis für Aktionen in Libyen, Ägypten und auch Italien zu nutzen. Das gesamte östliche Mittelmeer würde destabilisiert werden.</p>
<p>Anscheinend ist das ein Preis, den Merkel für ihre Hegemonie in der EU zu bezahlen bereit ist.</p>
<h6>Neue Struktur der EU</h6>
<p>Es ist gänzlich offensichtlich, was dies für die EU-Mitglieder Zypern, Malta und Italien, perspektivisch auch für Frankreich, Spanien und Portugal bedeuten würde: Destabilisierung, Zerstörung der Tourismusindustrie, keinerlei neue Investitionen und noch weiter verstärkter Brain Drain. Als Kern der Eurozone stünden dem gegenüber die Gebiete, die 1914 von den Kaisern in Berlin und Wien beherrscht wurden, plus die Benelux-Staaten und möglicherweise Dänemark und Finnland.</p>
<p>Im Osten würde es eine relativ scharfe Abgrenzung der Einflusszonen mit Russland geben. Merkel und Putin müssen darauf bedacht sein, dass keine andere Macht, also weder USA noch China nennenswerten Einfluss in Osteuropa gewinnen kann. Deshalb werden beide versuchen, den Zugang vom Schwarzen Meer aus nach Osteuropa auf Dauer zu versiegeln.</p>
<p>Daher darf man davon ausgehen, dass die Auseinandersetzungen in der östlichen Ukraine sich bald bis nach Odessa ausweiten werden.</p>
<p>Die USA sind die einzigen, die der Erpressung und Marginalisierung der Mittelmeerländer durch Merkel verhindern könnten, und die auch einem Versuch der Aufteilung Osteuropas zwischen Deutschland und Russland etwas entgegensetzen könnten. Der aktuelle US-Präsident hat jedoch bereits mehrfach gezeigt, dass er den Willen und die Kraft, sich in Europa und dem östlichen Mittelmeerraum durchzusetzen oder auch nur ernsthaft zu engagieren, nicht aufbringt.</p>
<h6>Zeitfenster für Merkels Plan bis Herbst 2017</h6>
<p>Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es ab 2017 wieder einen Präsidenten in den USA geben wird, dessen Vater noch im 2. Weltkrieg gegen den deutschen Anspruch, Europa zu dominieren sein Leben riskiert hat, und für den die Absprachen im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung noch keine Makulatur sind.</p>
<p>Daher werden Putin und Merkel versuchen, bis Ende 2016 neue und klare Realitäten in Europa zu schaffen</p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Griechenland und Merkel]]></title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1210/griechenland-und-merkel/" />

		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1210</id>
		<updated>2017-09-09T20:38:31Z</updated>
		<published>2015-03-31T21:19:19Z</published>
		<category scheme="" term="Allgemein" /><category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Angela Merkel" /><category scheme="" term="Desertec" /><category scheme="" term="Griechenland" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Die Griechenland-Krise ist wieder hochgekocht, und damit auch die Euro-Krise. Doch diesmal geht es nicht mehr um panische Schadensbegrenzung, koste was es wolle. Es geht um eine strategische Weichenstellung. Ich will mal kurz die gegenwärtige Situation analysieren und mit der Situation 2011/2012 vergleichen. Griechenland war und ist insolvent. Es gab 2012 keinen Weg für Griechenland, &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1210/griechenland-und-merkel/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Griechenland und Merkel</span> weiterlesen</a></p>
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]]></summary>

					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1210/griechenland-und-merkel/"><![CDATA[<p>Die Griechenland-Krise ist wieder hochgekocht, und damit auch die Euro-Krise. Doch diesmal geht es nicht mehr um panische Schadensbegrenzung, koste was es wolle. Es geht um eine strategische Weichenstellung. Ich will mal kurz die gegenwärtige Situation analysieren und mit der Situation 2011/2012 vergleichen.</p>
<p>Griechenland war und ist insolvent. Es gab 2012 keinen Weg für Griechenland, seine Schulden komplett zurückzuzahlen, und diesen Weg gibt es heute noch viel weniger. Im schlimmsten Fall könnte Griechenland jedoch nach einem Ausscheiden aus der Eurozone ohne funktionierendes Bankensystem und damit auch ohne funktionierende Staatsverwaltung dastehen &#8211; also das erste offizielle Mitglied der Vereinigung der gescheiterten Staaten auf europäischem Boden werden.</p>
<p>Dieses Szenario wurde bisher vermieden. Berlin und seine Verbündeten haben jedoch einen Preis dafür verlangt: die Aufgabe der staatlichen Souveränität Griechenlands. Sie verlangen von Griechenland den Aufbau einer Verwaltung nach letztlich preußischem Muster, kontrolliert von ausländischen Beamten die dem griechischen Parlament und der griechischen Regierung Weisungen erteilen zu können. Vor 120 Jahren wurde ein solches Arrangement Kolonisierung genannt.</p>
<p><strong>Die &#8222;Rettung&#8220; Griechenlands verhindert eine Gesundung der griechischen Wirtschaft</strong></p>
<p>Weil dieses Arrangement weder ausdrücklich vertraglich abgesichert wurde, noch durch eine militärische Besetzung untermauert wurde, muss es durch die permanente Drohung mit dem Staatsbankrott in Griechenland durchgesetzt werden. Das verhindert natürlich jede Investition mit einer Laufzeit von mehr als zwei Monaten und führt somit auch zwangsläufig zu der wirtschaftlichen Abwärts-Spirale, die wir gesehen haben.</p>
<p>Der vorherigen Regierung Griechenlands war zunächst ein weiterer Schuldenschnitt in Aussicht gestellt worden, sobald ein bestimmter Haushaltsüberschuss vor Zinsen und Kreditrückzahlungen erreicht worden ist. Allein schon diese Aussicht auf eine Stabilisierung hat die Rückkehr zu einem geringen Wachstum der griechischen Wirtschaft ermöglicht. Als dann aber der zuvor in Aussicht gestellte Schuldenschnitt, der auch vom IWF gefordert worden war, im vergangenen Herbst seitens der EU kategorisch abgelehnt wurde, hat der damalige Ministerpräsident Samaras vorgezogene Neuwahlen bewirkt. Diese führte zur Bildung der heutigen Regierung Zipras, mit einem ausdrücklichen Mandat die Souveränität Griechenlands wiederherzustellen. Soweit die griechische Sicht.</p>
<p><strong>Griechenland und Merkels Dreisatz</strong></p>
<p>Merkels Position, die von einigen anderen Akteuren geteilt wird, und der nur sehr wenige Entscheider offen zu widersprechen wagen, besteht aus einer Reihe von Sätzen, deren Bezug zueinander nicht gänzlich offensichtlich ist.</p>
<ol>
<li>Ein Scheitern des Euro bedeutet ein Scheitern der europäischen Union.</li>
<li>Euro und europäische Union können eine Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone verkraften</li>
<li>Wir lassen und nicht durch geopolitische Argumente unter Druck setzen</li>
</ol>
<p><strong><br />
Geopolitische Konsequenzen eines Scheitern Griechenlands</strong></p>
<p>Übersetzt heißt das: Die Eurozone darf nicht scheitern, aber sie wird an Griechenland auch nicht scheitern. Jedoch werden wir wenn nötig Griechenland scheitern lassen, selbst wenn dies schwerwiegende Probleme in der Außen- und Sicherheitspolitik aufwirft.</p>
<p>Die Frage ist nun: welche Gründe könnte es geben, ein Scheitern Griechenlands in Kauf zu nehmen, selbst wenn dies gravierende Nachteile in der Sicherheitspolitik nach sich ziehen würde? Das müssen gravierende Gründe sein, denn Griechenland mit seinen vielen Inseln erlaubt eine dominante Position im Luftraum und Seegebiet des östlichen Mittelmeeres. Was wäre wenn Griechenland aus der gemeinsamen Sicherheitspolitik der EU ausscheiden würde und etwa der russischen Marine und Luftwaffe als Basis dienen würde. Die EU würde viel Einfluss im Nahen und Mittleren Osten verlieren. Richtig bitter würde es werden, wenn Griechenland zu einem gescheiterten Staat würde, dessen Territorium von Gruppen wie Isis, Al Quaida und Hisbollah als Basis genutzt werden könnte. Diese könnten dann Waffen und Menschen fast beliebig zwischen dem Balkan, Nordafrika und Syrien hin- und herbewegen sowie den maritimen Handelsweg vom westlichen Mittelmeer über den Suez-Kanal nach Asien kontrollieren und je nach Lage auch blockieren.</p>
<p>Wenn Merkel nach einem Scheitern der Regierung Tsipras sich nicht auf einen von der Nato organisierten Militärputsch verlassen will, muss sie genau diese Konsequenzen einkalkulieren.Und auch ein wirtschaftlicher Zusammenbruch gefolgt von einem Militärputsch würde mit einiger Sicherheit zu einem Ausscheiden Griechenlands aus der EU und zu einer massiven Fluchtbewegung von Menschen aus Griechenland in die Rest-EU führen.</p>
<p><strong>Das Finanzsystem ist gegen diesen Schock gesichert</strong></p>
<p>All dies würde Merkel in Kauf nehmen, um eine Scheitern des Euro mit der möglichen Konsequenz eines Zerfalls der EU zu verhindern.</p>
<p>Dieser Gedanke zieht natürlich die folgende Frage nach sich: Warum und wie sollte es zu einem Scheitern des Euro führen, wenn Merkel auf die Forderungen der Regierung Tsipras eingehen würde, nämlich:</p>
<ol>
<li>einen Schuldenschnitt für öffentliche Gläubiger Griechenlands zuzulassen</li>
<li>und dem griechischen Staat wieder seine Souveränität zurückzugeben</li>
</ol>
<p>An einem möglichen Zusammenbruch des Finanzsystems kann es nicht liegen: Der Schock eines plötzlichen Grexits wäre für das Euro-Finanzsystem viel schwieriger zu managen als ein ausgehandelter Schuldenschnitt. Und laut Merkel kann das Euro-System einen Grexit aushalten, somit einen Schuldenschnitt allemal &#8211; soweit es das Finanzsystem angeht.</p>
<p>Der Grund, warum ein neuer Schuldenschnitt für Griechenland und die Rückgabe der politischen Souveränität an das griechische Volk zu einem Zerbrechen der Eurozone führen könnte, muss also woanders liegen: Nicht bei den Banken und dem Finanzsystem, sondern bei den Regierungen und dem politischen System.</p>
<p><strong>Politische Ansteckungswege der Krise Griechenlands</strong></p>
<p>Es gibt zwei politische Übertragungswege, über die ein Schuldenschnitt für Griechenland auf die ganze Eurozone und auf die ganze EU wirken würde:</p>
<p><strong>Ursachen der Schuldenkrise liegen nicht nur bei den Schuldnerländern</strong></p>
<p>Einmal wäre da das implizite Eingeständnis, dass es sich nicht nur um ein Problem Griechenlandes handelt. Vielmehr wurden die Probleme Irlands und Spaniens, aber bis zu einem gewissen Grad auch Portugals und Griechenlands dadurch herbeigeführt, dass die Geldpolitik der EZB in den Jahren bis 2007 für diese Länder viel zu locker war. Dies war dem Umstand geschuldet, dass die EZB eben nur eine Geldpolitik für die gesamte Eurozone machen kann, und diese sich an den Interessen Deutschlands und auch Frankreichs ausgerichtet hat. Und diese beiden Länder, insbesondere auch Deutschland, benötigten von 2000 bis 2006 dringend eine lockere Geldpolitik mit niedrigen Zinsen und hoher Liquidität. Diese überschüssige Liquidität führte besonders in Irland und Spanien massenhaften zum Bau von überteuerten Immobilien, die nicht gebraucht wurden. Die Regierung in Griechenland war nicht so diszipliniert wie die Spanier und Iren. Aber selbst in Griechenland wuchs die Staatsverschuldung zwischen 2000 und 2006 nicht im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt, wie dieser <a href="http://coppolacomment.blogspot.de/2015/03/greeces-real-problem.html" target="_blank">Artikel von Frances Coppola</a> zeigt</p>
<p>Beides wurde jedoch von den massiven Geldströmen in die Peripherie der Eurozone mit verursacht und jedenfalls ermöglicht. Wie ein solcher massiver Geldzufluss, selbst wenn er geschenkt und nicht geliehen ist, zu einer massiven Finanzkrise führen kann, zeigt Michael Pettis am Beispiel der französischen Reparationszahlungen an das deutsche Kaiserreich nach der französischen Niederlage von 1871.</p>
<p><strong>Fehlende gemeinsame Wirtschaftspolitik</strong></p>
<p>Diese Argumente können zu der Schlussfolgerung führen, dass nicht nur Fehlentscheidungen in Irland, Spanien, Griechenland und Portugal zu dem Schuldenproblem dieser Länder geführt haben, sondern auch eine nur an nationalen Interessen der stärksten EU-Mitgliedern ausgerichtete europäische Wirtschaftspolitik. </p>
<p>Ein Beispiel für diese fehlgeleitete Wirtschaftspolitik ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Desertec" target="_blank">Desertec Projekt</a> in seiner ursprünglichen Ausgestaltung. Es sah vor, Sonnenstrom aus der Sahara über tausende von Kilomentern bis nach Deutschland zu leiten, um dort die Industrie mit Strom zu versorgen. Die Idee, die sicher der eine oder andere Spanier, Italiener und Grieche hatte, dass es besser wäre nicht den Strom über tausende von Kilometern zu leiten, sondern entsprechende Industrien am Mittelmeer anzusiedeln, konnte sich damals offensichtlich nicht durchsetzen.</p>
<p>Eine gemeinsame Verantwortung der gesamten Eurozone für Fehlentwicklungen in allen Euro-Ländern wurde, wenn überhaupt, nur in Sonntagsreden zu wahrgenommen. Stattdessen haben die stärkeren Länder auf Kosten der Schwächeren ihre Interessen einfach durchgesetzt. Deshalb stellt sich die wirkliche Frage so:</p>
<p><strong>Entweder:</strong></p>
<ul>
<li>Ende der Währungsunion </li>
</ul>
<p><strong>Oder</strong></p>
<ul>
<li>gemeinsame Verantwortung für die Lösung der entstandenen Probleme</li>
<li>Schuldenschnitt für die überschuldenten Mittelmeerstaaten und auch für Irland</li>
<li>Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik der Eurozone, die eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme der Mittelmeerstaaten, Jugendarbeitslosigkeit, schrumpfende Industrie etc. als wichtige Gemeinschaftsaufgabe anerkennt.</li>
</ul>
<p>Eine Mitverantwortung Deutschlands für die Schuldenprobleme im Euroraum anzuerkennen wäre jedoch Merkels politischer Tod. Ein EU-Programm das darauf abzielt mit deutschem Geld eine Infrastruktur im Mittelmeer aufzubauen und dort einen Industriestandort zu entwickeln, der Deutschland ernsthaft Konkurrenz machen könnte, das könnte in Deutschland zu einer Revolution führen. </p>
<p>Dieses Dilemma könnte sich vielleicht noch für einige Zeit durch eine Politik des &#8222;rechts blinken und nach links abbiegen&#8220; beherrschen lassen, so wie dies in den vergangenen 7 Jahren (seit 2008) auch funktioniert hat. Das geht jedoch nur für eine begrenzte Zeit, wie die diversen Verfahren der letzten beiden Jahre vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof zeigen.</p>
<p><strong>Widerstand von der Deutschen Bundesbank und dem deutschen Verfassungsgericht</strong></p>
<p>Das deutsche Bubndesverfassungsgericht, munitioniert mit Argumenten von Bundesbankpräsident Weidmann hat einen <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2014/bvg14-009.html" target="_blank">Beschluss</a> gefasst, der besagt, dass das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Outright_Monetary_Transactions" target="_blank">OMT-Programm</a> der EZB der deutschen Verfassung wahrscheinlich widerspricht, weil es tatsächlich eine Finanzierung von Staatshaushalten dritter Staaten durch deutsches Steuergeld bewirkt, ohne dass das Berliner Parlament dies kontrollieren könnte. Das Bundesverfassungsgericht hat dann aber den Vorgang an den Europäischen Gerichtshof überwiesen, damit dieser entscheiden kann, ob das OMG-Programm und die Politik der EZB vom EU-Recht gedeckt wird. Sollte der Europäische Gerichtshof entscheiden, dass die Politik der EZB den europäischen Verträgen entspricht, und das deutsche Verfassungsgericht darauf beharren, dass diese Praxis mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar ist, dann ergäbe sich die logische Konsequenz, dass die EU-Verträge nicht mit der deutschen Verfassung vereinbar wären.</p>
<p>Das würde letzlich die Berliner Regierung verpflichten, die EU-Verträge zu kündigen, was einem Austritt aus der EU sehr nahe kommen würde.</p>
<p>Die Taktik in Brüssel, Frankfurt und auch Berlin ist nun, das OMT auslaufen zu lassen und dafür zu sorgen, dass das Eurosystem keine Staatsanleihen von Krisenländern mehr kauft &#8211; zumindest nicht von Ländern wie Griechenland, für deren Anleihen es keinen funktionierenden Markt mehr gibt. Damit wäre den Verfahren der Gegenstand entzogen, und sie könnten ohne Urteil beendet werden. </p>
<p>Wenn nun aber die EZB der griechischen Regierung eine Überbrückungsfinanzierung ermöglichen würde &#8211; und sei es über sehr kurz laufende Anleihen &#8211; dann würde das Verfahren beim deutschen Verfassungsgericht mit neuer Energie aufgeladen. Das könnte die Karlsruher Richter veranlassen, in dem Verfahren schneller ein Urteil zu sprechen, das dann praktische Konsequenzen verlangt.</p>
<p><strong>Merkels Viersatz</strong></p>
<p>In diesem Lichte wird aus Merkels Dreisatz ein Viersatz:</p>
<ol>
<li>Der Euro muss gerettet werden</li>
<li>Das Eurosystem kann ein Ausscheiden Griechenlands verkraften</li>
<li>Unausgesprochen: Einen Schuldenschnitt und eine stark an den Interessen der Mittelmeerländer ausgerichtete Wirtschafts- und Finanzpolitik würden das Eurosystem und die deutsche Innenpolitik nicht verkraften</li>
<li>Selbst geopolitische Überlegungen können diese internen Probleme in Deutschland nicht übertrumpfen</li>
</ol>
<p><strong>Die Konsequenz in einem Satz</strong><br />
Um die Eurozone und möglicherweise auch die EU zu erhalten, muss Merkel Griechenland als Ballast abwerfen, selbst wenn dies große Probleme im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik mit sich bringt. </p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
					</author>

		<title type="html"><![CDATA[Merkel als Gatekeeperin für russisches Erdgas]]></title>
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		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1154</id>
		<updated>2014-11-21T18:08:06Z</updated>
		<published>2014-11-21T18:08:06Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="Energiemarkt" /><category scheme="" term="EU" /><category scheme="" term="Bulgarien" /><category scheme="" term="Energiepolitik" /><category scheme="" term="Erdgas" /><category scheme="" term="Europäische Union" /><category scheme="" term="Merkel" /><category scheme="" term="South Stream" /><category scheme="" term="Ukraine" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Dieser Artikel erlaubt sich einen Blick auf die Auseinandersetzung um die Ukraine, der sich einmal von den täglichen Schreckensmeldungen loslöst und die Frage stellt, wem dieser Krieg eigentlich Vorteile bringt, und wie sich die Machtpositionen in Europa durch diesen Krieg bereits verändert haben und wahrscheinlich noch weiter verändern werden. Wir kommen zu dem Schluss, dass &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1154/merkel-als-gatekeeperin-fuer-russisches-erdgas/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Merkel als Gatekeeperin für russisches Erdgas</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1154/merkel-als-gatekeeperin-fuer-russisches-erdgas/"><![CDATA[<p>Dieser Artikel erlaubt sich einen Blick auf die Auseinandersetzung um die Ukraine, der sich einmal von den täglichen Schreckensmeldungen loslöst und die Frage stellt, wem dieser Krieg eigentlich Vorteile bringt, und wie sich die Machtpositionen in Europa durch diesen Krieg bereits verändert haben und wahrscheinlich noch weiter verändern werden.<br />
Wir kommen zu dem Schluss, dass es sich um einen Kampf um die Herrschaft über die europäische Energieversorgung handelt.</p>
<p>Wenn man einmal all die aktuellen Aufreger zur Seite legt, sieht man dass es in diesem Frühjahr, also bis zu den massiven Angriffen mit schweren Waffen, mit Artillerie und auch ballistischen Raketen auf Städte in der Ostukraine durchaus Lösungsmöglichkeiten für die Verfassungskrise in der Ukraine gegeben hätte, wenn es denn gewollt gewesen wäre.</p>
<p><strong>Mögliche, aber nicht gewollte Lösung:</strong></p>
<p>Das hätte etwa so aussehen können:</p>
<ol>
<li>Eine Art Bundesländer, ähnlich wie in Deutschland, die über Schulpolitik und Kulturpolitik bestimmen, und die auch für den Polizeiapparat und innere Sicherheit zuständig sind</li>
<li>Eine nationale Regierung die für Außenpolitik, das Militär und für soziale Sicherungssysteme zuständig wäre</li>
<li>Ein absolutes Verbot, das Militär nach innen einzusetzen</li>
<li>Eine Verankerung der außenpolitischen Neutralität des Landes in der Verfassung und eine Regelung, die den Beitritt zu internationalen Organisationen von der Zustimmung eines jeden einzelnen Bundeslandes abhängig macht</li>
<li>Eine Regelung, ähnlich wie in der US-Verfassung, die eine Zustimmung jeden einzelnen Bundeslandes vor einer Verfassungsänderung verlangt.</li>
</ol>
<p>Eine solche Verfassung wäre sicherlich nicht von vorneherein undemokratisch gewesen. Also kann es daran schon einmal nicht gelegen sein, dass nur noch ein alles übertönendes Geschrei zu hören war, sobald das Wort &#8222;Föderalisierung&#8220; fiel.</p>
<p><strong>Die Alternative:</strong></p>
<p>Die Alternative zu einer solchen Lösung, die für mindestens eine Seite des Konfliktes attraktiver war, sieht so aus:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.focus.de/politik/ausland/den-hat-jemand-erschossen-aber-nicht-wir-funkkontakt-der-maidan-scharfschuetzen-naehrt-zweifel_id_3761678.html">Schüsse auf Demonstranten in 	Kiew</a> und anschließend Sturm auf den Präsidentenpalast durch bewaffnete Demonstranten in Kiew</li>
<li><a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ukraine-abgeordneter-wird-in-muelltonne-geworfen-13157406.html">Bedrohung und Einschüchterung</a> von Mitgliedern des ukrainischen Parlamentes</li>
<li>Übernahme von Teilen der Gebiete Lugansk und Donezk durch prorussische Milizen</li>
<li>Übernahme des Gebietes Dnipropetrowsk mit ihrer für den Flugzeugbau essentiellen Titan-Industrie durch Privatarmeen eines Oligarchen namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ihor_Kolomojskyj" target="_blank">Ihor Kolomojskyj</a>.</li>
<li>Beschuss von Städten der Ostukraine durch Regierungstruppen mit Artillerie und Raketen</li>
<li>Mindestens 4000 Tote, davon viele zivile Bewohner der Großstädte im Osten der Ukraine</li>
<li>Zerstörung der Infrastruktur und der Industrie im Osten der Ukraine</li>
<li>Stationierung einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bataillon_Asow" target="_blank">Miliz</a>, die sich ausdrücklich in die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bataillon_Asow" target="_blank">Tradition der deutschen SS</a> stellt, direkt an der russischen Grenze in der Nähe von Rostow
</li>
<li>EU-Sanktionen gegen Russland</li>
</ol>
<p><strong>Wahrscheinliches Ergebnis</strong></p>
<p>Aller Voraussicht nach wird am Ende dieser Auseinandersetzung eine Teilung der Ukraine stehen. Der genaue Verlauf der Teilungslinie wird vermutlich in einer weiteren Runde militärischer Auseinandersetzungen entschieden werden. Danach wird es eine mehr oder weniger lokalisierte Version des kalten Krieges (&#8222;Frozen Conflict&#8220;) geben. Der Ostteil der Ukraine wird dann in jeder Beziehung von Russland abhängig sein. Der insolvente Westteil der Ukraine wird wirtschaftlich und finanziell absolut vom Westen und insbesondere von Berlin abhängig sein.<br />
Die Kiewer Regierung und ihre Berliner Patronin könnten  dann jederzeit den Konflikt hochkochen und den Zugang zu russischem Gas im Balkan blockieren. Berlin würde damit zwei Drittel der Pipelines für russisches Gas in die EU kontrollieren. Damit wäre die Abhängigkeit der EU von russischen Erdgaslieferungen ersetzt durch die deutsche Kontrolle des russischen Zugangs zum Erdgasmarkt der EU. </p>
<p>Russland hätte zwar die Kontrolle über zumindest einen Teil der ostukrainischen Industrieregionen erlangt, die für die russische Industrie von strategischer Bedeutung sind. Der Preis dafür war allerdings die fast vollständige Zerstörung der Industrieanlagen und der zugehörigen Infrastruktur.</p>
<p><strong>South Stream</strong><br />
OK. Sie sagen, das ist eine völlige Überinterpretation von Berliner Ambitionen. Deshalb hier einige Informationen und Geschichten um die <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/erdgasleitung-south-stream-bulgarien-will-erst-mit-eu-zustimmung-weiterbauen-12979812.html">South Stream Pipeline</a>, eine Erdgasleitung, die durch das Schwarze Meer an der Ukraine vorbei nach Bulgarien führen soll, und dann weiter über Bulgarien, Serbien und Ungarn in die Slowakei und nach Österreich. Diese wurde von der EU-Kommission aus politischen Gründen unter kartellrechtlichen Vorwänden blockiert. Hier der Bericht über eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/gasstreit-zwischen-moskau-und-kiew-oettinger-stellt-bedingung-fuer-russische-pipeline-12966141.html" target="_blank">Stellungnahme des Herrn Oettinger</a>, Merkels Mann in der EU-Kommission zum Bau von South Stream.</p>
<p>Als trotz solcher Erklärungen die bulgarische Regierung <a href="http://derstandard.at/1399507091024/EU-Kommission-streitet-mit-Bulgarien-ueber-South-Stream">grünes Licht für den Bau</a> der dortigen Strecke von South Stream gegeben hatte und die <a href="http://www.gazprom.com/press/news/2014/may/article192044/">Ausschreibungsergebnisse </a>veröffentlicht wurden, wurde plötzlich mit <a href="http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/3829746/Bulgarien_Falschinformationen-losen-Bankenrun-aus" target="_blank">Spam-Emails und SMS</a> ein Run auf zwei <a href="http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/3829746/Bulgarien_Falschinformationen-losen-Bankenrun-aus" target="_blank">große bulgarische Banken</a> angestoßen, mit dem Ergebnis, dass die bulgarische Regierung einen Not-Kredit der EU annehmen und dann nach einigen Tagen <a href="http://derstandard.at/2000002457029/Bulgarien-bekommt-bis-zu-Neuwahlen-Uebergangsregierung">zurücktreten</a> musste. Dies war sicherlich nicht das Ergebnis einer Einmischung Russlands in die inneren Angelegenheiten Bulgariens.</p>
<p><strong>South Stream als Friedensplan</strong><br />
Die South Stream Pipeline würde es Russland erlauben, Erdgas ohne Zustimmung der Kiewer Regierung und des Berliner Kanzleramtes an Balkanstaaten wie Bulgarien, Serbien und Ungarn zu liefern, und zusätzlich auch  Griechenland und Italien mit russischem Erdgas zu bedienen. Zusätzlich könnten in Griechenland oder Bulgarien Flüssiggas-Terminals gebaut werden, über die russisches Gas auch den Weltmarkt erreichen könnte. Ein Flüssiggas-Terminal in Bulgarien könnte auch Erdgas aus Zypern und Israel in das System einspeisen und so auch die Abhängigkeit der Balkanstaaten und Österreichs von russischem Gas vermindern. Deutschland hätte allerdings alle Aussichten verloren, über die Ukraine russische Erdgasexporte in die EU zu kontrollieren und sich die aus Gazproms Monopol ergebende Marktmacht selbst anzueignen. So gesehen könnte South Stream der beste Friedensplan für die Ukraine sein, da nach dem Bau dieser Pipeline die Ukraine kein geeigneter Austragungsort mehr für einen Krieg um die Dominanz des europäischen Energiemarktes wäre.</p>
<p><strong>PS:</strong> Merkels Albtraum wäre natürlich die Verlängerung des South Stream Systems bis nach Bayern, weil dann Seehofer den Bau der Mega-Stromleitungen für norddeutschen Braunkohle- und Windstrom nach Bayern blockieren könnte, ohne dass dadurch in Bayern die Lichter ausgehen würden.</p>
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		<author>
			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Die Neue Deutsche Außenpolitik]]></title>
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		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=1116</id>
		<updated>2014-04-24T00:03:29Z</updated>
		<published>2014-04-12T06:50:58Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="News" /><category scheme="" term="Angela Merkel" /><category scheme="" term="NATO" /><category scheme="" term="Obama" /><category scheme="" term="Putin" /><category scheme="" term="Ukraine" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Eine der ersten Aktionen der Regierung Merkel III war die Ankündigung einer neuen deutschen Außenpolitik durch eine Dame und zwei Herren in München. Dieser Artikel analysiert Methoden, Ziele und Möglichkeiten dieser &#8222;Neuen Deutschen Außenpolitik&#8220; am Beispiel der Krise in Osteuropa. Krisen als Methode Merkel inszeniert und nutzt üblicherweise die großen Krisen des Tages, um ihre &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/1116/die-neue-deutsche-aussenpolitik/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Die Neue Deutsche Außenpolitik</span> weiterlesen</a></p>
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					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/1116/die-neue-deutsche-aussenpolitik/"><![CDATA[<p>Eine der ersten Aktionen der Regierung Merkel III war die Ankündigung einer neuen deutschen Außenpolitik durch eine Dame und zwei Herren in München. Dieser Artikel analysiert  Methoden,  Ziele und Möglichkeiten dieser &#8222;Neuen Deutschen Außenpolitik&#8220; am Beispiel der Krise in Osteuropa.</p>
<p><strong>Krisen als Methode</strong></p>
<p><a href="http://www.johannesstockburger.com/612/angela-merkel-die-krisensurferin/" title="Angela Merkel – die Krisensurferin">Merkel</a> inszeniert und nutzt üblicherweise die großen Krisen des Tages, um ihre Ziele zu verbergen und gleichzeitig voranzutreiben. Dies zieht sich durch ihre komplette politische Karriere, angefangen von der Demontage Helmut Kohls bis hin zur Etabliering ihrer Hegemonie in der Eurozone im Zuge der internationalen Finanzkrise.</p>
<p>Die aktuellen Krisen sind mit den Namen NSA/Snowden und Ukraine verbunden. Bei beiden spielt das Duo Merkel/Putin eine Schlüsselrolle. Die zugrundeliegenden Ziele Merkels könnten sein:</p>
<ol>
<li>Zerstörung der Glaubwürdigkeit der NATO, die dann nur noch auf dem Papier existieren würde.</li>
<li>Aufteilung Osteuropas in eine deutsche und eine russische Einflußzone.</li>
</ol>
<p><figure id="attachment_1141" aria-describedby="caption-attachment-1141" style="width: 248px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="http://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01-248x300.jpg" alt="Map courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin" width="248" height="300" class="size-medium wp-image-1141" srcset="https://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01-248x300.jpg 248w, https://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01-847x1024.jpg 847w, https://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01-124x150.jpg 124w, https://www.johannesstockburger.com/blog/wp-content/uploads/central_europe_pol01.jpg 1028w" sizes="auto, (max-width: 248px) 100vw, 248px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1141" class="wp-caption-text">Map courtesy of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin</figcaption></figure><br />
<strong>Mögliche Einflusszonern</strong></p>
<p>Die deutsche Einflusszone wäre definiert aus der Kombination Schengen-Gebiet und Eurozone. Im Schengenraum soll die Internet-Infrastruktur und Kommunikation und damit auch der komplette Informationsfluss durch ein von Berlin definiertes &#8222;Sch(l)andnet&#8220; kontrolliert werden. Die Finanzinfrastruktur der Eurozone wird letztlich auch von Merkels Netzwerk kontrolliert, und in Zypern konnte man auch sehen, dass sie bereit ist diese Macht zu nutzen. Hilfreich für Merkel wäre ein  knapper Wahlsieg der Sozialisten bei den Europawahlen mit einem neuen EU-Kommissionspräsidenten Schulz.</p>
<p>Die russische Sphäre würde die Ukraine und Moldawien, vielleicht auch Ungarn und Serbien umfassen.</p>
<p>Man kann bereits Wirkungen in dieser Richtung beobachten. Dazu gehört sicherlich das laute Nachdenken des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, ob es nicht aus Gründen der Sicherheitspolitik für Polen ratsam wäre, der Eurozone beizutreten.</p>
<p><strong>Das Skript</strong></p>
<p>Wie könnte also ein solches Skript des Duos Merkel-Putin aussehen? Auf der einen Seite wäre ein &#8222;low intensity&#8220; Konflikt in der Ukraine, der sich über mehrere Jahre hinzieht, mal eskaliert, sich dann wieder etwas beruhigt. Alles ohne eine direkte militärische Intervention Russlands, aber mit einem unübersehbaren Potenzial Russlands, jederzeit einzugreifen. Die neuen Machthaber in Kiew haben ohne massive Menschenrechtsverletzungen keine Chance, ihre Herrschaft gegen den Willen einer starken Minderheit durchzusetzen. Damit werden sie im Laufe der Zeit auch den letzten Rest Ihres guten Rufes noch ruinieren.</p>
<p>Die NATO kann gelähmt werden, indem z.B. mittels Snowden öffentlich behauptet wird, dass US-Streitkräfte ihre Basen in Deutschland nutzen, um mittels NSA-Techniken  Ziele für Drohnen-Angriffe zu finden und auch entsprechende Angriffe von hier aus zu steuern. Damit kann eine Kampagne gegen den exterritorialen Status der US-Basen in Deutschland befeuert  werden. Die NATO hätte in diesem Fall keine logistische Basis mehr für jedwede Aktion in Osteuropa. Die Polen, Balten, Rumänen, Bulgaren und Ungarn würden sehr schnell begreifen, dass die NATO die für ihren Schutz notwendigen logistischen Voraussetzungen verloren hat und somit kein glaubwürdiges Schutzversprechen mehr abgeben kann. Sie wären dann gezwungen, sich zwischen Putin und Merkel zu entscheiden. Die Bemerkung von <a href="http://www.reuters.com/article/2014/04/09/us-poland-euro-idUSBREA381EV20140409" target="_blank">Donald Tusk</a>, Polen könnte aus Sicherheitsgründen den Euro einführen, deutet bereits in diese Richtung.</p>
<p>Nach einiger Zeit, wenn Merkel in den baltischen Staaten, Polen, Tschechien und dem Balkan ihre Ostereier eingesammelt hat und der Ruf von Klitschko &#038; Co. vollends ruiniert ist, könnte die EU ihre Unterstützung für die aktuellen Machthaber in Kiew vollends einstellen. Damit  würde die ganze Ukraine wie ein reifer Apfel in Putins Hände fallen.</p>
<p><strong>Wer kann dieses Szenario verhindern?</strong></p>
<p>Obama könnte. Er müsste dazu jedoch entschlossen sein und genügend Willenskraft aufbringen. Obamas Problem ist, dass er die Glaubwürdigkeit einer verbalen Sicherheitsgarantie der USA im syrischen Wüstensand beerdigt hat. Um die Unabhängigkeit Polens, der baltischen Staaten und der Staaten des Balkans zu sichern müsste er dort eine strategische Militärpräsenz aufbauen, die auch nicht innerhalb weniger Tage kampflos wieder abgezogen werden könnte. Das könnte z.B. ein Raketenabwehrsystem sein, geschützt durch einige schwere Panzerbrigaden.</p>
<p>Eine solche Stationierung würde jedoch bedeuten, neue Logistik-Linien nach Osteuropa aufzubauen. Damit würde wahrscheinlich eine US-Flottenpräsenz in der Ostsee und ein Flottenstützpunkt in Dänemark oder Norwegen nötig. Hinzu käme eine Nachschublinie aus dem Mittelmeer, inklusive von Öl- und Gaspipelines, um nicht mehr durch Energielieferungen erpressbar zu sein. Damit wäre als ein zusammenwirken von USA, Dänemark, Norwegen, Großbritannien mit Gibraltar und Zypern, von Griechenland und/oder der Türkei, von Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Slowakien, Tschechien, von Polen und den baltischen Staaten notwendig. Auch die Flottenbasen in Süditalien und Spanien wären zur Sicherung des Nachschubs mit von der Partie.</p>
<p>Das wäre in der Tat eine Revitalisierung der NATO, und das Bündnis würde auch wieder zu seiner ursprünglichen Mission zurückkehren: eine deutsch-russische Hegemonie in Europa zu verhindern. Das wäre möglich. Ist es aber auch wahrscheinlich? Merkel und Putin glauben die Antwort auf diese Frage im syrischen Sand gelesen zu haben.</p>
<p>.</p>
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			<name>Johannes Stockburger</name>
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		<title type="html"><![CDATA[Schröders Erbe und die Eurokrise]]></title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.johannesstockburger.com/blog/988/schroder-eurokrise/" />

		<id>http://www.johannesstockburger.com/?p=988</id>
		<updated>2013-08-20T10:26:25Z</updated>
		<published>2013-08-07T21:42:00Z</published>
		<category scheme="" term="Deutschland" /><category scheme="" term="Euro" /><category scheme="" term="Finanzkrise" /><category scheme="" term="Agenda 2010" /><category scheme="" term="Leistungsbilanz" /><category scheme="" term="Merkel" /><category scheme="" term="Schröder" /><category scheme="" term="Sparkassen" />
		<summary type="html"><![CDATA[<p>Immer wieder wird als Lösing der Eurokrise propagiert, die Länder Südeuropas sollten Strukturreformen nach dem Vorbild von Schröders Agenda 2010 einführen. Teile davon sind in der Tat richtig und wichtig. Das gilt insbesondere für ein späteres Renteneintrittsalter, das eine zwingende Konsequenz aus der steigenden Lebenserwartung ist. Subventionierung unproduktiver Arbeit Aber die von der Regierung Schröder/Fischer &#8230; <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/988/schroder-eurokrise/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Schröders Erbe und die Eurokrise</span> weiterlesen</a></p>
<p>The post <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog/988/schroder-eurokrise/">Schröders Erbe und die Eurokrise</a> appeared first on <a href="https://www.johannesstockburger.com/blog">Leben in Kafkaland</a>.</p>
]]></summary>

					<content type="html" xml:base="https://www.johannesstockburger.com/blog/988/schroder-eurokrise/"><![CDATA[<p>Immer wieder wird als Lösing der Eurokrise propagiert, die Länder Südeuropas sollten Strukturreformen nach dem Vorbild von Schröders Agenda 2010 einführen.</p>
<p>Teile davon sind in der Tat richtig und wichtig. Das gilt insbesondere für ein späteres Renteneintrittsalter, das eine zwingende Konsequenz aus der steigenden Lebenserwartung ist.</p>
<p><strong>Subventionierung unproduktiver Arbeit</strong><br />
Aber die von der Regierung Schröder/Fischer eingeführte Subventionierung von unproduktiver Arbeit führt zu einer fehlerhaften Verwendung von ökonomischen Ressourcen. Menschen werfen zu Tätigkeiten gezwungen deren Ertrag nicht genügt, ihr Überlebenden zu sichern. Der Staat ergänzt dieses Nicht-Einkommen bis zu einem Betrag, den er als angemessen erachtet.<br />
Dieser Artikel  beschreibt einige Mechanismen, die durch solche Subventionen für Arbeitsprozesse mit niedriger Produktivität ausgelöst werden.<br />
Zunächst hat die Logik, die besagt jeder solle sich selbst erarbeiten, was er könne, etwas bestechendes. Man könnte meinen es diene der Würde der Menschen, die nun auf weniger Hilfe angewiesen seien, und denke die Kosten für die Steuerzahler. Der Zwang, der in dieses System eingebaut wurde, führt jedoch in Wirklichkeit zu einem kontinuierlichen Abbau von Fähigkeiten bei den betroffenen Personen, zur Entwürdigung der Menschen und erhöht gleichzeitig die Kosten für Sozialausgaben.<br />
Dieses System ist auch moralisch fragwürdig. Ökonomisch wichtiger sind jedoch die versteckten Kosten dieses Systems, die sich dadurch ergeben, dass das Wachstum des ökonomischen Potenzials ausgebremst wird. Dieser Artikek konzentriert sich auf die ökonomischen Konsequenzen der sogenannten Agenda 2010.</p>
<p><strong>Beispiel Taxigewerbe</strong><br />
Ich will hier ein Beispiel aus dem Dienstleistungssektor diskutieren, das Taxigewerbe einer mittelgroßen Stadt. Man würde in anderen Branchen, z.B. bei Callcentern, Friseuren etc. ähnliche Effekte finden. Ich nehme das Taxigewerbe, weil hier die Marktmechanismen sehr deutlich sichtbar sind. Mein Rechenbeispiel ist eine mittelgroße Stadt mit einem Bedarf von 100 Taxen an Werktagen tagsüber und von 30 Taxen nachts und an Wochenenden. In diesem Szenario konnten in unsrer Musterstadt etwas mehr als 130 Menschen gut als Taxifahrer leben.<br />
Nun kommen die Schrödersche Lohnsubventionen der Agenda 2010 ins Spiel. In der Tendenz sind nun alle 100 Taxen Tag und Nacht voll besetzt. Dies hat zur Konsequenz dass die  40 Taxifahrer, die bisher nachts und am Wochenende ihr Geld verdient haben, von ihrer Arbeit nicht mehr leben können. Wenn sie mehr als das staatlich verordnete Existenzminimum erhalten möchten, werden sie in die Tagschicht drängen.So entsteht auch ein Druck auf die Verdienstmöglichkeiten der Tagfahrer. Wir haben nun in dieser Musterstadt 40 Personen zusätzlich, die durch ihre Arbeit ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können, und 100 weitere, deren Einkommen erheblich unter Druck geraten ist.<br />
Man kann dieses Beispiel auf viele Dienstleistungen übrtragen: Arbeiten zu Zeiten mit reduzierten Bedarf für eine Dienstleistung wird subventioniert, und Menschen werden dann gezwungen zu diesen Zeiten diese Leistungen zu erbringen. Die wenigen, die vorher von ihrer Arbeit in diesen Nebenzeiten  leben konnten, können dies nicht mehr. Sie drängen daher in die Hauptzeiten, und so entsteht auch ein Druck auf die Einkommen der Menschen die zu den Zeiten mit größerer Nachfrage für ihre Dienstleistungen arbeiten.</p>
<p><strong>Lohnsubventionen drückem mehr Menschen in die Hilfsbedürftigkeit</strong><br />
Hier greift nun ein weiterer Mechanismus: Wenn sich jemand dauerhaft in einer Situation wiederfindet, in der sein  Einkommen nicht mehr den notwendigen Lebensunterhalt deckt und er somit auf die Schröderschen Lohnsubventionen angewiesen ist, dann wird es für ihn unerheblich ob er einen Stundenlohn von 8 oder 3 Euro von seinem Arbeitgeber erhält. Am Ende wird er denselben Betrag für seine Familie zur Verfügung haben, und wird so oder so von der Sozialbürokratie bevormundet werden. Er wird also keine Lohnerhöhungen verlangen, und wenn sein Chef ihm sagt, ich kann Dir nur noch 4 Euro pro Stunde zahlen, dann wird er mit den Achseln zucken und antworteten: &#8222;Na gut, wenn Du meinst.&#8220;</p>
<p><strong>Verarmung der Gesellschaft</strong><br />
Also haben die Schöderschen Lohnsubventionen sechs direkte Auswirkungen:</p>
<ol>
<li>Die Zahl der Menschen, die den eigenen Lebensunterhalt nicht mehr selbst erwirtschaften können, und die unter die Fittiche der Sozialbürokratie flüchten müssen, steigt. Die staatlichen Sozialausgaben steigen daher massiv.</li>
<li>Die Möglichkeiten für Arbeitsmarkt-Teilnehmer, ihre Produktivität durch Weiterbildung zu sichern und zu steigern, nimmt ab weil viele Menschen  die dafür notwendige Energie und auch das notwendige Geld nicht mehr aufbringen können.</li>
<li>Auch die Einkommen der Menschen, die gerade noch selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, sinken.</li>
<li>Unternehmensgewinne steigen kurzfristig da das Lohnniveau am unteren Ende des Arbeitsmarktes massiv  gedrückt wird.</li>
<li>Anreize für Investitionen zur Steigerung der Arbeitsproduktivität werden reduziert.</li>
<li>Mittelfristig verarmt die gesamte Gesellschaft da Investitionen in Prozesse mit höherer Arbeitsproduktivität bei Firmen und in Weiterbildung mit dem Ziel höherer Arbeitsproduktivität beim einzelnen Arbeitnehmer ausgebremst werden.</li>
</ol>
<p><strong>Verstaatlichung der Kindererziehung</strong><br />
Hinzu kommt, dass die Familien als Lebensraum für Kinder zerstört wird. Eltern werden gezwungen, beide Vollzeit zu arbeiten und die Förderung ihrer Kinder an staatliche  Einrichtungen zu delegieren. Und wenn eine Familie unter Oberaufsicht der Sozialbürokratie steht, hat sie noch nichteinmal die Möglichkeit, sich diese Einrichtung selbst auszusuchen.<br />
Dies mag zwar aus kulturpolitischen Gründen vom Staat so gewünscht sein, da sich so die Assimilation von Einwandererkindern erzwingen lässt und sich der Staat die Kontrolle über die Sozialisierung fast aller Kinder auf diese Weise erschleichen kann.<br />
Aber unter ökonomischen Gesichtspunkten ist das extrem teuer. Eine Mutter oder ein Vater von zwei Kindern müsste 2000 Euro monatlich aufwenden, wenn er oder sie die staatliche Betreuung ihrer oder seiner Kinder selbst bezahlen müsste. Verdient eine Elternteil nach Abzug von Steuern, Wegekosten und möglicherweise Krankenversicherung  weniger, wäre es wirtschaftlicher, wenn dieses Elternteil zuhause bliebe  um für die Kinder zu sorgen  und deren Entwicklung zu fördern. Das setzt freilich voraus, dass wir den Eltern in Deutschland  zutrauen Eltern zu sein.</p>
<p><strong>Das ist teuer</strong><br />
Natürlich kostet es viel Geld, wenn </p>
<ol>
<li>weniger Menschen ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten  können und daher mehr Menschen auf staatliche Zahlungen angewiesen sind</li>
<li>immer mehr Eltern gezwunger werden, die persönliche Betreuung ihrer Kinder an staatliche Einrichtungen zu delegieren, weil ihre Familie von einem Einkommen allein nicht überlebenden kann</li>
</ol>
<p>Die höheren Sozialausgaben müssen aber von jemandem bezahlt werden. Die Regierung Schröder beschloß seinerzeit , dass diese Rechnung durch höhere Verbrauchssteuern bezahlt werden sollte, und erhöhte die Verbrauchssteuern auf Energie unter dem irreführenden Etikett &#8222;Ökosteuer&#8220;. Die erste Regierung Merkel setzte noch eins drauf und erhöhte den wichtigsten Satz der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent des Warenwerts, das ist eine Steigerungsrate von sage und schreibe 18,75 Prozent.</p>
<p><strong>Makroökonomische Auswirkungen </strong><br />
Durch die Subventionierung von Prozessen mit niedriger Produktivität werden diese gestärkt. Produktionen, die normalerweise auf Prozesse mit höherer Produktivität umgestellt worden wären, bleiben unverändert. Sicherlich werden  sogar Produktionen mit suboptimaler Produktivität neu eingerichtet, solange die Investitionskosten nicht zu hoch sind und auch keine langfristige Festlegung erforderlich ist.</p>
<p><strong>Massive Belastung der Mittelschicht</strong><br />
Obwohl man darauf achtete dass die notwendigen Steuererhöhungen die hoch-produktiven aber auch hoch-mobilen Dienstleister im Bereich der Banken, Anwälte, aber auch Ärzten, Ingenieure und andere Knowledgeworker von den notwendigen Steuererhöhungen möglichst wenig belastet wurden, musste durch diese Politik zwangsläufig die durchschnittliche Produktivität der deutschen Wirtschaft jedenfalls im Vergleich zu anderen Ländern wie die USA sinken.<br />
Die massiver Steuererhöhungen für die sesshafte Mittelschicht, die besagten Knowledgeworkern zuarbeitet, bewirkte jedoch einen deutlichen Einbruch beim Konsum und somit auch bei Importen.</p>
<p><strong>Hoher Leistungsbilanzüberschuss</strong><br />
Es wurde sicherlich auch etwas mehr exportiert, und sei es nur dass einige Exporteure mehr deutsche Wertschöpfung in ihre Produkte einfließen lassen.<br />
Allerdings stellte sich dieses Wachstum der Exporte erst nach Ende der Regierung Schröder ein. Vorher konnte man sich aufgrund Schröders Außenpolitik in vielen Ländern mit einem Mercedes-Auto oder einem Siemens-Telefon nicht mehr wirklich sehen lassen.<br />
Nach Schröders Abgang hat es Merkel geschafft, das von der Regierung Schröder  in weiten Teilen der westlichen Welt erzeugte Entsetzen zu relativieren und damit die Märkte in den betreffenden Ländern für deutsche Firmen wieder zugänglich zu machen. Das ist ihr wahres Verdienst, und selbst eine Mehrwertsteuer-Erhöhung um 18,75% konnte die daraus folgende Erholung der deutschen Wirtschaft nicht zunichte machen.</p>
<p><strong>Innovationskraft blutet aus</strong><br />
Die Autoindustrie konnte sich aufgrund ihrer langen Tradition und ihres ausgezeichneten Know-Hows erholen. Aber:</p>
<ul>
<li>Es gibt keine in Deutschland entwickelten oder hergestellten Smartphones, keine PCs aus Deutschland, keine Tablet Computer mit deutscher Technologie.</li>
<li>Wer in Deutschland kann einen Touch-Screen herstellen?</li>
<li>Es gibt nur noch eine Bank in Deutschland, die über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung hat. Und die Deutsche Bank konnte sich nur deshalb international behaupten, weil sie vor gut zehn Jahren klug genug war, einen Großteil ihres Geschäfts in London anzusiedeln.</li>
<li>Es gibt keine deutsche Firma, die in der Lage ist den im Internet verfügbaren Schatz an Informationen effizient zu strukturieren. Man muss sich leider auf den Versuch beschränken, durch Google-Bashing das Gesicht zu wahren. Das gilt sogar für die Inhalte in deutscher Sprache.</li>
</ul>
<p>Ich will diese Aufzählung nicht verlängern. Aber eine Frage muss noch sein: Wie weit muss der Stundenlohn einer Putzfrau in Deutschland noch sinken, damit das Land seine Innovationskraft wieder finden kann?</p>
<p><strong>Wegen Euro keine Aufwertung der Währung in Deutschland</strong><br />
Dennoch: Schröders Subventionspolitik für Produktionsprozesse mit geringer Produktivität hat es vermocht, aus einem hartnäckigen Leistungsbilanzdefizit einen riesigen Leistungsbilanzüberschuss zu machen. Ohne den Euro hätte dies zu einer Aufwertung der deutschen Währung geführt, damit zu einer Steigerung der Kaufkraft der Gehaltsempfänger und im Extremfall zu einer deflationären Entwicklung. Jedenfalls hätte sich die Leistungsbilanz wieder einem Gleichgewicht angenähert. Aber unter den Bedingungen der gemeinsamen Währung konnte es gegenüber den anderen Euroländern keine Aufwertung geben, und der Aufwertungsdruck gegenüber anderen Währungen wurde durch den Euro stark verwässert.</p>
<p><strong>Kräftige Unternehmensgewinne + geringer Innovationsdruck = hohe Geldvermögen</strong><br />
Die mittleren und großen Exporteure verdienen aufgrund des zu niedrigen Wechselkurses kräftig. Auch ihren Zulieferern ging es bestens, und sogar die kleinen Handwerker, die Bäcker, Metzger, Flaschner profitierten da sie nur noch deutlich niedrigere Löhne zahlen mussten.<br />
Aber in Innovationen oder Steigerungen der Produktivität investierten nur noch wenige, da es ja nur geringen Druck in diese Richtung gab.<br />
Wohin ging also das zusätzliche Geld, wem es nicht investiert wurde? Die Leute haben es auf die Sparkassen getragen. Und die Sparkassen haben es an die Landesbanken weitergereicht, da sie so viel überhaupt nicht verleihen konnten. Die Landesbanken haben den Geldsegen dann im Ausland in AAA-Produkten angelegt, ohne sich die Mühe zu machen, nachzusehen was sie da im Einzelnen kaufen. </p>
<p><strong>Das ging dann aber schnell</strong><br />
Subprime &#8230; Georgien-Krieg &#8230; LEHMAN &#8230; Scheiße &#8230; kein Staat darf keine Bank nich pleite gehen lassen &#8230; irische Bankengarantie &#8230; aufatmen &#8230; Hypo-Realestate &#8230; Landesbanken &#8230; Chris Flowers enteignet, kann nicht mehr in die Bücher gucken &#8230; alles ist gut.</p>
<p><strong>Lösung nur für Deutschland</strong><br />
Das Geld, das der deutsche Mittelstand zu den Sparkassen und Landesbanken getragen hatte, konnte nochmal gerettet werden. Das war aber knapp, nervenaufreibend und teuer für die Staatskasse. Für andere Länder will man das aber nicht machen, auch nicht gemeinsam auf EU-Ebene. Wahrscheinlich hätte man das dann auch nicht mehr bezahlen können.</p>
<p><strong>Für andere Länder wird&#8217;s noch teurer</strong><br />
Aber das Euro-System kann man jetzt nicht platzen lassen. Deshalb erklärt man sich bereit, das unbedingt notwendige zu tun. Man lässt es sich aber teuer bezahlen. Der deutsche Leistungsbilanz-Überschuss spiegelte sich zwangsläufig in Leistungsbilanz-Defiziten anderer Länder, wie Spanien und Irland. Diese Länder kommen nun in große Schwierigkeiten da sich ein solches Defizit nicht per Dekret weg befehlen lässt und auch sonst nicht in wenigen Monaten verschwinden kann, aber mit dem Zusammenbruch der Kreditmärkte auch nicht mehr finanziert werden kann. Einige Länder müssen ihre Souveränität aufgeben. Es werden Maßnahmen durchgesetzt, die wie in Zypern oder Irland funktionierende, aber in Deutschland unbeliebte ökonomische Modelle zerstören. Im Dreimonats-Rhythmus wird geprüft ob man ein solches Land nicht doch Pleite gehen lassen möchte. Selbstverständlich muss in einer solchen Situation das ganze private Kapital diese Länder verlassen und findet sich, oh Wunder, in deutsche Anleihen zu negativen Realzinsen wieder. Das ist ein massiver &#8211; nicht nur temporärer &#8211; Wohlstands-Transfer aus Griechenland, Portugal, Irland und Zypern nach Deutschland. Auch Italien und Spanien sind von dieser Kapitalflucht betroffen. Mit diesem Zins-Verzicht durch Anleger aus anderen Euroländern auf Anleihen des deutschen Staates und von deutschen Konzernen kann man sogar die Kosten für die &#8222;Rettung&#8220; des deutschen Finanzsystems fast wieder hereinholen.</p>
<p><strong>Neue Gesichter</strong><br />
Trichet, Sarkozy und Berlusconi treten ab. Es kommen Mario Draghi, Mario Monti und François Hollande. Beim EU-Gipfel im Juni 2012 knüpfen sich Monti , Spaniens Rahoj und Hollande Merkel vor: &#8222;Jetzt reichts. Entweder wir gehen die Probleme gemeinsam an, oder der Euro ist am Ende. Jetzt, heute.&#8220; Merkel stimmt schließlich zu, denn sie war auf ein sofortiges Ende des Euro nicht vorbereitet. Beschlossen wurde eine Banken-Union, sofort oder jedenfalls so schnell wie möglich. Insbesondere eine gemeinsames Abwicklung oder Rekapitalusierung für gescheiterte Banken wurde beschlossen, und als Vorraussetzung eine gemeinsame Bankenaufsicht.</p>
<p><strong>Aufstand des deutschen politischen Mittelbaues</strong><br />
Zurück in Berlin bekam Merkel einiges zu hören. Jedenfalls ruderte sie schon am nächsten Tag zurück und verknüpfte ihre Zusagen mit kaum erfüllbaren Bedingungen.<br />
Um dies zu verstehen muss man sich klar machen dass die Kreisvorsitzenden bei den großen Parteien die einzigen sind, die einen Vorsitzenden oder auch eine Kanzlerin ohne Neuwahlen absetzen können. Sie sind auch die Regenten der Sparkassen. Und sie haben sehr heftig auf die nun beschlossen Banken-Union reagiert. </p>
<p><strong>Politische Funktion der Sparkassen</strong><br />
Das Sparkassen-System sichert die Macht des politischen Establishments in Deutschland gesellschaftlich ab. Hier werden in den Regionen die Gewinner gemacht und die Quertreiber bestraft. Zunächst dachte ich, es gehe &#8222;nur&#8220; um diese leise Machtausübung in den Regionen mittels der Sparkassen, bei der man sich nicht durch europäische Institutionen auf die Finger sehen lassen will.</p>
<p><strong>Verjährungsfristen</strong><br />
Als ich die letzten Statements von Wolfgang Schäuble zu einer europäischen Bankenaufsicht hörte und immer wieder Versuche sah, den Start einer europäischen Bankenaufsicht mindestens bis Ende 2014 zu verzögern,  habe ich mal recherchiert was an diesem Termin so besonders ist. Und siehe da, die strafrechtliche Verjährungsfrist für Bilanzmanipulationen läuft 5 Jahre. Bilanzfälschungen aus dem Jahr 2009 können bis einschließlich 2014 strafrechtliche Konsequenzen für Sparkassen-Manager und Mitglieder der entsprechenden Aufsichtsgremien haben. Ob dieser Umstand in die deutsche Terminplanung für die Bankenunion eine Rolle spielt?</p>
<p><strong>Deutsche Prioritäten</strong><br />
Es scheint jedenfalls festzustehen, dass die Berliner Regierung eher bereit ist, ein Zerbrechen der Eurozone zuzulassen als einer europäischen Institution vor 2015 das Recht zuzugestehen, in die Bücher aller deutschen Sparkassen zu sehen.</p>
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