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	<title>Turmsegler</title>
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	<description>Turmsegler</description>
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		<title>Damit musste Schluss sein</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Dec 2024 16:30:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Alban Nikolai Herbst]]></category>
		<category><![CDATA[Hendrik Jackson]]></category>
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					<description><![CDATA[&#169; Den Kuvaiev »»» Kalendarisches Inhaltsverzeichnis aller Beiträge »»» Detaillierte Volltextsuche The ideal subject of totalitarian rule is not the convinced Nazi or the convinced Communist, but people for whom the distinction between fact and fiction (i.e., the reality of experience) and the distinction between true and false (i.e., the standards of thought) no longer [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://turmsegler.net/wp-content/uploads/2024/12/iStock-465589481-s-1.jpg" width="560" height="429"/></p>
<p><smalL>&copy; <a href="https://www.istockphoto.com/de/portfolio/DenKuvaiev?mediatype=photography">Den Kuvaiev</a></small></p>
<p><small><a href="https://turmsegler.net/archives/">»»» Kalendarisches Inhaltsverzeichnis aller Beiträge</a></small></p>
<p><small><a href="https://turmsegler.net/volltextsuche/">»»» Detaillierte Volltextsuche</a></small></p>
<blockquote><p>The ideal subject of totalitarian rule is not the convinced Nazi or the convinced Communist, but people for whom the distinction between fact and fiction (i.e., the reality of experience) and the distinction between true and false (i.e., the standards of thought) no longer exist.</p>
<p align="right"><b>Hannah Arendt</b><br />
<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/The_Origins_of_Totalitarianism">»The Origins of Totalitarianism«</a></p>
</blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Der »Turmsegler« ist ein weiteres Mal umgezogen. Man könnte auch sagen: umgebettet worden. Denn lebendig ist dieses Weblog nicht mehr, und es ist höchste Zeit, auch anzuzeigen, dass die Ziellinie vor langer Zeit schon überquert worden ist, seinerzeit unmerklich. Es war ein langsames, sanftes Entschlafen.</p>
<p>Als ich hier am <a href="https://turmsegler.net/20061125/erinnern-und-entdecken/">25. November 2006</a> den ersten, programmatischen, Beitrag veröffentlicht habe, hatte ich keine Vorstellung davon, wie lange dieses Projekt laufen und wie es sich entwickeln würde. Was für Erwartungen auch immer ich damals hatte – sie wurden übertroffen. Mit Erstaunen und Bewunderung habe ich festgestellt, dass einige der früheren Mit-Litblogger nach wie vor unbeirrt in ihren Weblogs schreiben, wie man sich u. a. bei <a href="http://www.litblogs.net">litglogs.net</a> vergewissern kann. Auch das Urgestein der deutschsprachigen literarischen Weblogs, Herbsts <a href="https://dschungel-anderswelt.de">»Die Dschungel. Anderswelt«</a>, ist nicht unterzukriegen. Ich ziehe den Hut.</p>
<p>Und ich selbst? Oh, ich schreibe durchaus, aber mit der Hand und privat, von Öffentlichkeit eher abgeschreckt als von ihr angezogen: </p>
<blockquote>
<p>Nahezu fünfundvierzig Jahre hatte er in geradezu religiösem Wahn nur in der ersten Person geschrieben. Damit musste Schluss sein. Schluss mit dem Einfühlen in andere, worauf er bisher all seine schöpferischen Energien gerichtet hatte und zwar so sehr, dass seine Frau ihn für der Empathie unfähig gehalten hatte, allein aus dem Umstand heraus, dass für <i>sie</i>, nachdem er das Schöpferische in sich erschöpft hatte, nur so viel Empathie übrig war, wie er sie sich selbst zugestand – also nichts. Bei allem, was er hatte ansehen müssen, wäre das einzige, in das er sich noch hätte hineinversetzen mögen, ein Stein gewesen, ein Alpenfels, eine Packeisscholle. Nur keine Menschen! Sollten sie alle zum Teufel gehen oder dort bleiben. Von <i>ihm</i> hätten sie nichts mehr zu erwarten und wennschon irgendwas, dann sicher keine Versenkung in ihr Denken und ihre Seelenzustände. Nur Abschied und pure Verzweiflung. Das hatte ihn, meinte er, gründlich und auf immer aus der ersten Person vertrieben. Es gab für ein <span style="font-variant: small-caps;">Ich</span> keinen Platz mehr. Er setzte es auf den Index.</p>
</blockquote>
<p>Tatsache bleibt: Der »Turmsegler« hat seinen Zweck erfüllt. Ich wollte erinnern und entdecken und mich zur Schreibdisziplin zwingen, das Instrument neu stimmen und üben, üben, üben, um 10 Jahre nach meinem Roman-Debüt noch einmal Prosa über eine lange Strecke zuwege zu bringen. Das hat funktioniert. Und im Prozess, der mir noch dazu enorm Spaß bereitet hat, durfte ich viele interessante Menschen kennenlernen, an allerlei Weblog-Schabernack teilnehmen. Und natürlich habe ich immens viel gelernt. Dafür bin ich dankbar.</p>
<p>Mit Lyrik habe ich hier begonnen. Mit Lyrik will ich enden.</p>
<p>Vor einigen Monaten durfte ich via Alban einen Dichter kennenlernen, mit dem ich mich auf Anhieb sehr gut verstanden habe. Viel Lachen. Tiefe Gespräche. Allerlei Enthüllungen. Und all das, ohne dass der eine vom anderen etwas gelesen hatte. Wie erfrischend! Aber ich für meinen Teil hole das Lesen gerade nach und bin dabei auf ein Gedicht gestoßen, dass ich zu aktiven »Turmsegler«-Zeiten auf jeden Fall hier präsentiert hätte, weil es ein unentschlossenes (oder renitentes?) Sonett ist und allein damit eine sehr heutige Erweiterung der <a href="https://turmsegler.net/tag/sonette/">Sonette</a>-Rubrik abgibt und sie daher nun auch abschließen soll – die Rubrik und das Weblog.</p>
<blockquote>
<h3>Herr und Knecht</h3>
<p>der kurze atemweg der macht; die kehle hats uns verschlagen<br />
(hecheln) auf den rosafarbenen bohlen (die gute ausstattung:<br />
aus. und vorbei.) trieb es uns ins offene, wir weltumsegler<br />
wir wurden zu knechtsherren, herrnknechte. (stehlampe)</p>
<p>Netz im Griff: schlingerndes strandblau („der behaarte“)<br />
blickfang: ein guter delphin (der rücken, sieh, am neuen<br />
lichte, der weiße bauch) der fischer kaut (in blut und over<br />
all) die ketten, die rasselnden ketten in großaufnahme</p>
<p>uns zum lohn über die winde, mit den winden (nietzsche)<br />
labernd: komm gib, komm gib dir eine pause, atem-<br />
los: dies sausen über große flächen: kralle wind (herz-)</p>
<p>angeschnallt: ein langsamer gedanke: es sind embleme,<br />
(holla: parforceritt (tod) -) es sind noch (benetzte) bilder im hirn,<br />
stehende tierblicke im kalendar, sie blättern auf in die gischt.</p>
<p align="right"><a href="https://turmsegler.net/tag/hendrik-jackson/"><b>Hendrik Jackson</b></a><br />
Nachzuhören auf <a href="https://www.lyrikline.org/en/poems/herr-und-knecht-3041">lyrikline.org</a></p>
</blockquote>
<p>Von Blumenspenden bitte ich abzusehen. In diesem Sinne: Adé!</p>
<p><a href="https://turmsegler.net/wp-content/uploads/2024/12/schluss-faksimile.jpg"><img decoding="async" src="https://turmsegler.net/wp-content/uploads/2024/12/schluss-faksimile-s.jpg" width="560" height="420"/></a></p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
		<item>
		<title>ANH Werkschau im Literaturhaus Berlin</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Aug 2018 11:30:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Save the date … Am Sonntag, 9. September 2018, werde ich mit einer Handvoll hochinteressanter Leute das Podium teilen, um über Alban Nikolai Herbsts Werk zu reden. Fühlen Sie sich von mir und ihm selbst eingeladen. Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen &#038; Kollegen, Freundinnen &#038; Freunde, das diesjährige, nämlich 18. Internationale [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Save the date … Am Sonntag, 9. September 2018, werde ich mit einer Handvoll hochinteressanter Leute das Podium teilen, um über Alban Nikolai Herbsts Werk zu reden. Fühlen Sie sich von mir und ihm selbst eingeladen.</p>
<p><span id="more-5223"></span><br />
<img decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2018/ilb18_ANH_Werkschau_Banner.jpg" alt="ANH Werkschau" /></p>
<blockquote><p>
Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen &#038; Kollegen, Freundinnen &#038; Freunde,</p>
<p>das diesjährige, nämlich 18. Internationale Literaturfestival Berlin hat mir die Ehre zuteil werden lassen, meiner Arbeit einen ganzen Tag zu widmen &#8211; dieses in Form einer Werkschau, die in vier Sektionen vermittels von Thesen, Gesprächen, Darstellungen und kleinen Lesungen jeweils einen anderen Aspekt beleuchten wird. Die Gespräche werden meine Lektorin, die Wiener Publizistin Elvira M. Gross, die Berliner Dichterin Sabine Scho, die Literaturwissenschaftler Jost Eickmeyer, Heidelberg &#038; Berlin, Christoph Jürgensen, Wuppertal &#038; Berlin, Uwe Schütte, Birmingham &#038; Berlin, sowie der Münchener Romancier und Lyriker Benjamin Stein führen und auch miteinander die Sektionen moderieren. Für die Lesungen aus den Originaltexten stehe ich selbst ein, aber werde mich bei der Auswahl allein nach den Wünschen der Moderator:inn:en richten, also eigene Vorliebe zurückhalten.</p>
<p>Die einzelnen Sektionen beschäftigen sich</p>
<ul>
<li>um 11 Uhr mit den Anderswelt-Romanen und ihren Vorläufern, mit ihrer Poetologie sowie ihrem literarischen Umfeld;</li>
<li>um 14.30 Uhr mit den Meeresbüchern »Meere« und »Traumschiff« und ihrem Umfeld;</li>
<li>um 17.30 Uhr mit den Gedichten, die insbesondere in den Bamberger Elegien von den Andersweltromanen eine Brücke in die Meeresbücher schlagen – und quasi direkt zum Tag der Werkschau und also zu dem Festival wird auch der neue, abermals von Elvira M. Gross lektorierte Gedichtband vorliegen: »Das Ungeheuer Muse«, nachdem bereits im Frühjahr dieses Jahres die Wiener Ausgabe meiner Stromboli-Versfantasie »Aeolia.Gesang« und Helmut Schulzes und meine Nachdichtungen von James Joyces »Chamber Music« erschienen sind;</li>
<li>um 21 Uhr schließlich wird es um mein seit 2004 betriebenes Literarisches Weblog »Die Dschungel.Anderswelt«, um seine poetologischen Grundlagen und Folgen sowie um seine Zusammenhänge mit meinen gedruckten Arbeiten gehen.</li>
</ul>
<p>Selbstverständlich wird es auch Diskussionen mit dem Publikum geben, sowohl während der einzelnen Sektionen wie in den Pausen zwischen ihnen. In diesen wiederum werden möglicherweise auch Auszüge aus meinen Hörstücken erklingen, denen eine eigene Veranstaltung aus Zeitgründen nicht gewidmet werden konnte, die aber sicherlich in den Gesprächen Erwähnung finden werden. Und es wird, ebenfalls möglicherweise, Überraschungsgäste geben. Um den Tag auch kulinarisch zu füllen, steht das Café Wintergarten des Literaturhauses offen.</p>
<p>Wenn ich Sie also an diesem für mich gleichermaßen ehrenvollen wie spannenden Tag im Publikum finden sollte, wäre ich beglückt &#8211; nicht zuletzt, um nachher mit Ihnen auf ihn und alle Teilnehmer:inn:en anzustoßen und auf die Bereitschaft und Lust der Zuhörer:innen, sich so intensiv auf meine Arbeit einzulassen.</p>
<p>Ihr<br />
ANH
</p></blockquote>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
		<item>
		<title>Warum Facebook dein Feind ist</title>
		<link>https://turmsegler.net/20180408/warum-facebook-dein-feind-ist/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2018 13:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Seit Jahren habe ich keinen Facebook-Account mehr. Auch auf Instagram und WhatsApp bin ich nicht zu finden. Obwohl ich schon viel ahnungslosen Unsinn gehört habe, wenn es um Privacy ging, überrascht es mich doch immer wieder, wie selbst hoch gebildete, technisch und politisch beschlagene Leute den Kopf schütteln über meine Entscheidung, auf keinen Fall [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Seit Jahren habe ich <a href="https://turmsegler.net/20150220/ohne-facebook/">keinen Facebook-Account</a> mehr. Auch auf Instagram und WhatsApp bin ich nicht zu finden. Obwohl ich schon viel ahnungslosen Unsinn gehört habe, wenn es um Privacy ging, überrascht es mich doch immer wieder, wie selbst hoch gebildete, technisch und politisch beschlagene Leute den Kopf schütteln über meine Entscheidung, auf keinen Fall noch irgendein Facebook-Produkt zu verwenden. Besonders hartnäckig ist die Fraktion jener »Aufgeklärten«, die der Meinung sind, sie würden Facebook ein Schnippchen schlagen, wenn sie bspw. nichts selbst posten oder nur in eigener Sache Werbung betreiben. Für all jene möchte ich heute noch ein letztes Mal einen Versuch unternehmen, deutlich zu machen, worin das Problem besteht und wie groß es tatsächlich ist – für jeden einzelnen von uns.</p>
<p>Damit dieses Unterfangen Aussicht auf Erfolg hat, muss ich mich kurz fassen und also auf die wesentlichen Punkte beschränken. Ich will erklären, welcher Natur die Daten sind, die Facebook sammelt und vermarktet. Dann möchte ich exemplarisch zeigen, worin der Unterschied zwischen dem Geschäftsmodell von Google und Facebook besteht, woraus das Ausmaß des Verrats deutlich werden wird, den Facebook an jedem einzelnen User und dessen gesamten Umfeld begeht. Beides zusammen müsste deutlich belegen, dass jedwede Nutzung eines Facebook-Produktes einer Selbstverletzung und Freundesverrat gleichkommt.</p>
<p><span id="more-5209"></span></p>
<p>In den letzten Jahren wurden viele Rauchbomben geworfen, um die Debatte um die wahre Natur des Privacy-Problems zu vernebeln. Privat sind wir, wollen wir glauben, wenn niemand den Inhalt unserer Konversation mithören oder -lesen kann. Entsprechend zu begrüßen sind die Initiativen des Netzes, das Web ohne Zusatzkosten für den Betreiber von Websites auf verschlüsselte Kommunikation (https) umzustellen. Dass es wichtig ist, dass Kurznachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, also wirklich nur vom Absender und Adressaten lesbar, das haben unterdessen auch so viele Nutzer verstanden, dass heute praktisch alle Kurznachrichtendienste von nennenswerter Bedeutung dieses Feature standardmäßig anbieten. Dass mit verschlüsselter Kommunikation alles fein wäre, ist jedoch ein großer Trugschluss. Ich selbst bin der Argumentation einst auf den Leim gegangen und habe nach dem Facebook-Ausstieg doch wieder begonnen, WhatsApp zu nutzen, als es auf verschlüsselte Kommunikation umgestellt wurde.</p>
<p>Es geht nicht um den Inhalt unserer Kommunikation, also die Daten, die wir einander übermitteln. Es geht um Metadaten, die bei der Übertragung anfallen. Edward Snowden schlug <a href="https://twitter.com/snowden/status/661305566967562240?lang=en">letztens in einem Tweet vor</a>:</p>
<blockquote><p>
Are your readers having trouble understanding the term »metadata«? Replace it with »activity records.« That&#8217;s what they are. #clarity
</p></blockquote>
<p>Metadaten sind Aktivitätsprofile. Um bei der SMS zu bleiben: Wer hat wem wann wie viele Zeichen Text geschickt?</p>
<p>Kurt Opsahl beschrieb das <a href="https://www.eff.org/deeplinks/2013/06/why-metadata-matters">in einem Artikel</a> sehr anschaulich: </p>
<blockquote><p>They know you rang a phone sex service at 2:24 am and spoke for 18 minutes. But they don’t know what you talked about. They know you called the suicide prevention hotline from the Golden Gate Bridge. But the topic of the call remains a secret. They know you spoke with an HIV testing service, then your doctor, then your health insurance company in the same hour. But they don’t know what was discussed.
</p></blockquote>
<p>Zu Deutsch:</p>
<blockquote><p>Sie wissen, du hast um 2:24 früh einen Telfonsexservice angerufen und 18 Minuten lang gesprochen. Aber sie wissen nicht, worüber du gesprochen hast. Sie wissen, dass du von der Golden Gate Bridge aus die Telefonseelsorge angerufen hast. Das Thema des Telefonats bleibt ein Geheimnis. Sie wissen, dass du mit einem HIV-Testlabor gesprochen hast, danach mit deinem Hausarzt und schließlich mit deiner Krankenkasse, alles innerhalb einer Stunde. Aber sie wissen nicht, was diskutiert wurde.</p></blockquote>
<p>Müssen sie auch gar nicht. Das ist das Charmante und Erschreckende an Metadaten: Sie enthüllen die entscheidende Information und sie enthüllen sie — im Gegensatz zum babylonisch-legasthenischen Sprachgewirr der Nachrichten selbst — in einer von Computern viel leichter auswertbaren Weise. Die Metdaten unserer digitalen Interaktionen verraten alles über uns. Sie sagen die Wahrheit, wo wir in einer SMS oder Mail womöglich die Unwahrheit schrieben. Ihnen gilt das Interesse der Datensammler, nicht den Inhalten unserer Kommunikation. Weil das so ist, spielt es auch gar keine so große Rolle, ob ich die Facebook-Website, Whatsapp oder Instagram nutze. Hauptsache, ich gewähre Einblick in mein Adressbuch, Zugriff auf meine Lokationsdaten (Bewegungsprofil) und und und. Selbst wenn ich das nicht gestatte und nur einen Facebook-Account habe, um die Posts anderer zu lesen, klebt mir ab meinem ersten Login bei Facebook der Facebook-Cookie auf der Stirn, anhand dessen Facebook und Webseiten, die ich besuche, mich identifizieren können. Die Art des Dienstes ist für den Geschäftszweck nicht relevant. Der Dienst existiert überhaupt nur, damit ich mich anmelde und am Metadaten-Striptease teilnehme. Die heutigen Teenager interessieren sich Null für Facebook. Deswegen hat Facebook Instagram gekauft, für die sie sich sehr wohl interessieren. Und WhatsApp – möchte man uns glauben machen – hat in diesem Land vom Kleinkind bis zur Uroma unterdessen jeder, weil es anscheinend lebensnotwendig ist. So spielen alle mit.</p>
<p>Berechtigt ist nun die Frage, warum denn Facebook alle Häme auf sich ziehen soll, wo doch Google nicht weniger solcher Dienste betreibt und unsere Metadaten einsammelt, in einigen Bereichen sogar als Monopolist. Wo ist der Unterschied in den Geschäftsmodellen beider Firmen?</p>
<p>Beide Firmen, so die Annahme, leben von Werbung. Es geht darum, Werbeinhalte nicht mit der Gießkanne auszugießen, sondern sie möglichst dem passenden Publikum zu präsentieren, so dass wir weniger Werbung zu sehen bekommen, die uns eher interessiert und der wir daher auch eher per Klick folgen. Bei Google läuft das so: Der Kunde beschreibt, für welches Profil von Kunden er sich interessiert. Google platziert die Werbung. Wer der Adressat am Ende war, erfährt der Kunde nur, wenn jener die Anzeige angeklickt hat, aus dem Adressaten also ein Lead geworden ist. Diesen Dienst bietet Facebook auch an. Bei Facebook kann man jedoch noch anderes einkaufen – <a href="https://www.theatlantic.com/notes/2018/04/googles-one-time-chief-technology-advocate-on-making-facebook-likable/557378/">die Profile selbst</a>. Der Kunde kann so eigene Analysen betreiben, um eventuell herauszufinden, dass die meisten Interessenten für Regenbogen-Regenschirme aus der LGBT-Community kommen oder die meisten Weißbiertrinker im Bundesland xy zu finden sind. Facebook verkauft persönliche identifizierbare Informationen. Das ist der entscheidende Unterschied im Geschäftsmodell, und das ist der Tabubruch. Natürlich weiß mein Mobilfunkanbieter heute nahezu lückenlos, wo ich mich aufgehalten habe. Es gibt heftige politische Debatten darüber, ob und wie lange er vom Staat gezwungen werden kann, dieses Bewegungsprofil zum Zwecke der Strafverfolgung herauszugeben. Grundsätzlich gilt wie selbstverständlich, dass er dieses Bewegungsprofil so geheim zu halten hat, dass nicht einmal ein durchschnittlicher Mitarbeiter ein solches Profil mit einer Adresse zusammenbringen kann. Vom Verkaufen an Dritte gar nicht zu reden. Facebook hingegen verkauft viel mehr als nur dies an jeden Zahlungswilligen.</p>
<p>Den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook-Diensten kann man nur mit einer Aktion wirksam widersprechen: indem man den Account des entsprechenden Dienstes löscht. Alles andere ist Kokolores. Wer sich anmeldet, spielt mit. Punkt. </p>
<p>Meldet euch per Webbrowser bei diesen Diensten an, ändert das Passwort auf etwas Unmerkbares, löscht den Account und im Anschluss alle zu den Diensten gehörenden Apps. Zeigt Facebook den Finger, endgültig. Es gibt ein Leben nach Facebook. Es gibt auch ein Leben nach WhatsApp und Instagram oder welchem Dienst auch immer, den Facebook, um das Spiel weiter betreiben zu können, noch einkaufen mag.</p>
<p>Auch – wenn nicht gerade – Firmen sollten umgehend ihre Facebook-Profile löschen. Denn die reine Teilnahme an diesem Dienst sendet das schlechtestmögliche Signal an potentielle Kunden: Wir haben keine Ahnung in Sachen Privacy oder aber – was schlimmer ist – es ist uns egal.</p>
<p>Ein Freund verkannte in einer Nachricht an mich die Situation so:</p>
<blockquote><p>Wir sollten Wilhelm II nicht wiederholen: »Ich glaube an das Pferd! Das Automobil hat keine Zukunft.« Selbst dann nicht, wenn sein Pferdeglaube auf jeden Fall ökologisch recht hatte. Nun kommen selbstfahrende E-Autos, und auch auf FB wird was folgen.</p></blockquote>
<p>Niemand verlangt von euch, auf Kurznachrichten zu verzichten oder auf eine Foto-Community. Was von euch verlangt wird, ist, dass ihr euch des Wertes eurer Privatheit bewusst werdet und euch vor der Ausbeutung eurer Aktivitätsprofile schützt. Verwendet <a href="https://signal.org/">Signal</a> statt WhatsApp, <a href="https://www.vero.co/">Vero</a> bspw. statt Instagram. Verwendet den <a href="https://1.1.1.1/">DNS-Dienst von Cloudflare</a> statt den eures Internet Service Providers. Und und und. Es gibt genügend Alternativen, die keinen Hafer fressen. Schaut einfach bei jedem Dienst, den ihr künftig nutzen wollt, genau darauf, was der Anbieter mit euren Aktivitätsprofilen macht. </p>
<p>Was Facebook betrifft: Diese Firma mit allen ihren Diensten hat in meinen Augen nur eine Überlebensberechtigung, wenn sie ihr Geschäftsmodell umgehend grundlegend ändert. Nein, eigentlich nicht einmal mehr dann. </p>
]]></content:encoded>
					
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
		<item>
		<title>den schnitt seht ihr später</title>
		<link>https://turmsegler.net/20180318/den-schnitt-seht-ihr-spaeter/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Mar 2018 21:12:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Schultens]]></category>
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					<description><![CDATA[echos mein körper speichert echos: wusste ich und hab es unterschätzt. er sagt, so einfach ist es nicht, du kannst nicht eine fremde hand durch eine fremdere ersetzen. für beide zahlst du schließlich und wenn die neuste dir über deine arme fährt (»ein- atmen. ja, da.«), finger in deine misst, anweisung gibt dann rufe ich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://turmsegler.net/wp-content/uploads/2018/03/untoter-schwan.gif"><img decoding="async" src="https://turmsegler.net/wp-content/uploads/2018/03/untoter-schwan.gif" alt="" width="460" height="321" /></a></p>
<h3>echos</h3>
<p>mein körper speichert echos: wusste ich und hab es unterschätzt.<br />
er sagt, so einfach ist es nicht, du kannst nicht eine fremde hand<br />
durch eine fremdere ersetzen. für beide zahlst du schließlich</p>
<p>und wenn die neuste dir über deine arme fährt (»ein-<br />
atmen. ja, da.«), finger in deine misst, anweisung gibt<br />
dann rufe ich was ab: bekannt ist nicht korrekt</p>
<p>vertraut ist nicht bekannt, ich schicke salz als reaktion<br />
du zahlst mit allem, was du an kontrolle hast, und deinen<br />
atem lass ich nicht in ruhe. so rachsüchtig wie ich</p>
<p>kannst du nicht sein, verscheuchst uns, was ich<br />
brauchte, weil du glaubtest, mehr sei angemessen<br />
nun hat die herde an gelegenheiten ein gerissnes</p>
<p>schaf im plus zu hüten, schick ich neue hunde<br />
in deinen kreislauf morgens. bin eine höhle<br />
hier bin ich, lern mit meinen echos rechnen.</p>
<p align="right"><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Schultens">Katharina Schultens</a></strong><br />
aus: <a href="https://www.amazon.de/untoter-schwan-Gedichte-Reihe-Lyrik/dp/3937445889/">»untoter schwan«</a><br />
© 2017 <a href="http://www.kookbooks.de/">kookbooks</a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Man könnte meinen, hier würden nur noch <a href="https://turmsegler.net/20170819/ada-rosa-ist-da/">Geburten</a> und <a href="https://turmsegler.net/20180124/richard-marx/">Todesfälle</a> annonciert. Tatsächlich habe ich schon überlegt, hier den Schlüssel umzudrehen wegen des anderen Schlüssels, dem »in meinem Rücken«. </p>
<blockquote><p>ich habe nichts mehr übrig an weichheit über das hinaus<br />
was ich an weichheit für dich habe und für mein kind.<br />
schon meine mutter kommt zu kurz, ihr herz stockt.</p></blockquote>
<p>Hat alles so seine Zeit.</p>
<p>Und dann <a href="https://dschungel-anderswelt.de/20180310/arbeitsjournal-katharina-schultens-untoter-schwan-kazantzakis-odysseus-odysseia-halberstadt-k6-tagungshotel-start-stiftung-hex-erwin-schulhoff-alban-nikolai-herbst-delf-schmidt-phyllis-kiehl-braunschw/">erwähnte ANH nebenan</a> kürzlich Katharina Schultens. Das Buch kam, eine Zugreise stand an gestern, und wenn man auf Reisen geht, kann einem schon was widerfahren …</p>
<p><span id="more-5205"></span>Es gibt ja Texte, die gehen uns einfach nicht an. Auf diesem Berg landet sicher das meiste. Ab und an begegnet man einem Gedicht, das man interessant findet. Selten, dass ein Vers uns wirklich berührt, auf der nackten Haut gewissermaßen. Und dann gibt es noch jene wirklich raren Exemplare, die poetischen Ausnahmemomente, wenn es nicht einfach Berührung ist, sondern der Vers uns trifft, in uns eindringt, uns durch-dringt. Das sind jene Verse, die man sich notiert und bei sich trägt, oder die man sich gar nicht zu notieren braucht, weil man sie sofort auswendig oder &dash; wie man dafür im Hebräischen sagt &dash; im Herzen weiß.</p>
<blockquote><p>!bis gleich sagt mein herz es sagt immer bis gleich es meint immer bis dann es sagt niemandem jemals bis wann</p></blockquote>
<p>Als unbedarfter Leser darf man sich dann zurücklehnen oder meinetwegen auch hintenüber in Ohnmacht fallen und sich so der Gewalt des Augenblicks hingeben. Dichter dürfen das dammich nicht &dash; oder können gar nicht. Das ist das Salieri-Ohr. Warum blutet das jetzt? will man wissen. Das Unerhörte daran ist ja, dass wir dafür nicht gemacht sind, dass uns die Klinge so widerstandslos ins Fleisch geht. Hypnotiseure wissen das. Man muss unser Bewusstsein ablenken, damit die Schutzwälle fallen und ein Wort, das imstande ist, wirklich etwas in uns an- oder gar umzustoßen, überhaupt zu uns durchdringen kann. Das ist die Kunst, meinetwegen auch bardisches Handwerk: Rhythmus, Klang, die Musik des Textes, auch sein Bild, wie die Buchstaben tanzen, die Zeilen fließen.</p>
<p>Das Handwerk zielt auf Resonanz. Denke an Brücken, die unterm Gleichschritt von Wenigen zu vibrieren beginnen und sogar zusammenbrechen können. Resonanz ist Wiedererkennen. Wir erkennen uns wieder oder etwas in uns erkennt sich wieder und nimmt resonant das Schwingen an und schaukelt uns auf. Auf manche handwerkliche »Tricks« resonieren Viele. Herzschlag = Beat. Wenn man den Groove hat, wippt man beim Jazz unwillkürlich. Für Unterhaltung ist das genug. In Resonanz, wenn sie nicht übertrieben wird, kann man sich wohlfühlen, so eingeschwungen auf gleiches Maß. Aber Resonanz kann auch genau das Maß an Ablenkung sein, das die Schutzwälle aufweicht. Und wehe, wenn dann etwas wahr gesagt wird, vorausgesetzt denn, dass man etwas zu wahr(-)sagen hat. </p>
<blockquote><p>sanfte dinge weiß ich zu sagen als wären sie wahr<br />
alles krasse sag ich. den schnitt seht ihr später</p></blockquote>
<p>Da geht die Klinge dann halt glatt durch.</p>
<p>Meist sind es die Toten, <em>who give us the chill</em>. Das bringt uns in Distanz zum Orakel und damit in die Zone komfortabler Sicherheit. Widerfährt uns dergleichen von Zeitgenossen, ist der Komfort gemindert. Wenn der oder die das kann, klingen uns die Salieri-Ohren rechts wie links, dann sollte doch … wenn denn nur …</p>
<blockquote><p>… dieser unterschied zwischen</p>
<p>es macht nichts, dass es bereits alle zeilen gibt, und:<br />
nichts abzuschneiden, nichts</p></blockquote>
<p>Das muss man auch erst mal können.</p>
<p>Ich habe also Katharina Schultens gelesen. Viel zu spät. Immerhin ist »untoter schwan« schon ihr vierter Band. Unter ihren nicht wenigen Preisen ist auch der »Leonce-und-Lena-Preis 2013«. Fanfaren genug, um sie gehört zu haben. Habe ich aber nicht, sondern erst jetzt. Und diese späte Bekanntschaft ist verstörend und beglückend. Da wollte ich doch schon abschließen hier. Und nun habe ich nicht nur Lust, wieder zu lesen, sondern auch, wieder zu schreiben, ganz wie ich es 2006, <a href="https://turmsegler.net/20061125/erinnern-und-entdecken/">als dieses Blog begann</a>, beschrieben habe.</p>
<p>Warum blutet das jetzt? will man da wissen.</p>
<p>Die lange Vorrede und der Link auf Pound haben ihren Grund. Ich musste für mich selbst erst einmal neu die Kriterien einsammeln. Denn zunächst stand ich einfach be- und getroffen da und hatte nichts als Vermutungen.</p>
<p>Von wegen Resonanz! Die Schultens singt nicht in meiner Tonart, dachte ich. Stimmt nicht, weiß ich jetzt, aber erst jetzt. Sie hält Worte wie »krass« für Lyrik-tauglich und schmeißt englisches Zeug in Verse, wer braucht denn sowas? Braucht man schon mal, weiß ich jetzt, aber erst jetzt.</p>
<p>Ich bekomme diese Verse nicht von der Haut und sage wie im Mantra Namen auf: <a href="https://turmsegler.net/tag/gabriela-mistral/">Mistral</a>, <a href="https://turmsegler.net/tag/sylvia-plath/">Plath</a>, <a href="https://turmsegler.net/tag/ingeborg-bachmann/">Bachmann</a>, <a href="https://turmsegler.net/tag/friederike-mayroecker/">Mayröcker</a>, <a href="https://turmsegler.net/tag/charlotte-grasnick/">Grasnick</a>, <a href="https://turmsegler.net/tag/undine-materni/">Materni</a>. Aber was hat denn Katharina Schultens mit denen gemein? Wie komme ich überhaupt darauf, sie in einer solchen Reihe zu denken?</p>
<p>Die handwerkliche Meisterschaft ist atemberaubend. Schultens beherrscht ihr Instrument so sehr, dass man vergessen kann, dass gespielt wird. Wie da in »echos« im Übergang aus dem schreitenden Versmaß der Lektion der Atem ins Stolpern gerät, wenn die Berührung ins Spiel kommt … Oder der Herzgalopp in den oben zitierten Schlusszeilen von »es war inkorrekt zu träumen« … Aus dem »Schäfchen im Trockenen« wird »ein gerissnes schaf im plus«. Das ist so kühn wie gekonnt. Und man kann das beinah beliebig fortsetzen. Das bardische Handwerk beherrscht sie nach Belieben. Aber es gibt keine einzige Stelle von Kälte des Virtuosen. Das kommt einfach nicht vor, weil das Handwerk ihr »nur« die notwendige Zutat ist für das, <em>was</em> sie zu sagen hat. Schultens sagt wahr, und zwar krass, ohne Filter und doppelten Boden und mit unverkennbar weiblicher Stimme. Das stellt sie in die obige Reihe und es hebt sie auch aus ihr heraus. Denn die Stimme der Mistral raunt aus den 1920er Jahren uns zu, bei der Bachmann klingt es nach Fifties. Und so fort. </p>
<p>Bei Schultens wird mir klar &dash; und eben nicht nur rational, sondern mit allen beteiligten Sinnen &dash; wie das heute und hier ist, Frau zu sein. </p>
<p>Ich glaube, das gelingt nur, weil sie es darauf gar nicht anlegt. Die Erkenntnis fällt ab, weil Schultens schonungslos ist, sich preisgibt in diesen Texten. Vielleicht ist es das eigentlich Unerhörte an diesen Gedichten, mit welcher Kraft und Deutlichkeit sie sich erlaubt, verletzlich zu sein. Es gibt keine Unterwerfung und keinen Verzicht, trotz »Schlüssel im Rücken«. Die Welt wird eingefordert, ganz gleich, wie randvoll sie mit Vorurteilen sein mag.  </p>
<blockquote><p>
ich sehe mich vor, wenn ich berichte<br />
denn ich habe einen bauchraum für kinder<br />
was ich sonst noch verstand, ist also egal
</p></blockquote>
<p>Dass Schultens sich vorsehen würde, kann ich nicht sehen. Im Gegenteil.</p>
<blockquote><p>… vier ist der tod<br />
wenn ich kein kind mache, ich mache nichts, ich mache</p>
<p>aus demselben grund keines, aus dem ich immer alles, alles sage</p></blockquote>
<p>Gleichwohl hat sie ein Kind, und das Echo dieser Erfahrung ist ebenfalls deutlich zu hören, nicht nur in Zeilen wie diesen:</p>
<blockquote><p>
meine landschaft innen ist dunkel, dunkel<br />
ich kenne darin nur feinde</p>
<p>ich beschütze immer mindestens zwei blutsverwandte<br />
und du bist nicht rechtzeitig da
</p></blockquote>
<p>Es ist Tanz und Taumel zwischen Welten. Das Haus hat sie längst verlassen und ist angekommen inmitten der Möglichkeiten. Alles kann sie sein und werden, alles wollen und tun, nur aufgeben offenbar nicht. Das kommt als Option nicht vor, weswegen Momente von Trauer, Verlust, Rückschlägen sich hier nicht ins Depressive wenden. Auf höhere Wesen wird nicht vertraut. Und Männer sind anwesend, wie sie es hinbekommen, aber sicher nicht als bestimmender Faktor.  </p>
<p>Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Zufall sein soll, dass gerade die folgenden Zeilen den Band abschließen:</p>
<blockquote><p>meine schablone verrutscht um einen millimeter<br />
während die welt mich noch fertig ausmalt</p></blockquote>
<p>Mit Schablonen kommt man bei Schultens nicht weit. Für Schubladen ist sie zu groß. »so darf ich nicht lange bleiben« sagt sie sich denn auch vor, und dem eigenen Blick nicht zu lange einfach vertrauen, denn »immer verwechseln wir etwas«.</p>
<p>Die Frau hat Dichtung im Blut. Einfach mal zuhören, kann ich nur sagen. Die Ausbeute ist immens. Die Verunsicherung auch. Und so soll es sein.</p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Deus ex machina</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Feb 2018 12:08:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Die Consumer Electronics Show in Las Vegas rückte der Welt soeben einmal mehr ins Bewusstsein, wie leistungsfähig computergestützte Systeme unterdessen geworden sind. In diesem Jahr machen Lösungen auf Basis des Machine Learnings besonders von sich reden. Da man heute in einem Smartphone mobil über die Rechenleistung verfügen kann, die vor 30 Jahren noch Supercomputern [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Die Consumer Electronics Show in Las Vegas rückte der Welt soeben einmal mehr ins Bewusstsein, wie leistungsfähig computergestützte Systeme unterdessen geworden sind. In diesem Jahr machen Lösungen auf Basis des Machine Learnings besonders von sich reden. Da man heute in einem Smartphone mobil über die Rechenleistung verfügen kann, die vor 30 Jahren noch Supercomputern vorbehalten war, scheint nichts mehr unmöglich. Schon vor Jahren nahm Deep Blue dem Menschen die Schachkrone. Unterdessen besiegte AlphaGo die besten Go-Spieler der Welt. Der Künstlichen Intelligenz scheint die Zukunft zu gehören. Wann, fragt sich mancher, werden uns die Maschinen auf breiter Front überflügeln? Darf man es so weit kommen lassen? Oder ist es gar nicht so, dass Maschinen wirklich denken können?</p>
<p><span id="more-5197"></span>Tatsächlich ist die Wissenschaft vom Begriff der Künstlichen Intelligenz längst abgerückt. So beeindruckend die Leistungen von Deep Blue oder AlphaGo auch erscheinen mögen, um Intelligenz handelt es sich nicht, sondern um Mustererkennung, gepaart mit Regelwerken und der Möglichkeit, sehr viele Optionen in kurzer Zeit durchprobieren und bewerten zu können. Dabei existieren diese Systeme genau nur in der Welt des Problems, das sie lösen sollen. Nehmen wir als Beispiel ein Schachprogramm. Dessen Welt besteht 8&#215;8 Feldern, zwei Sets von Figuren und einem Regelwerk, wie sich diese Figuren bewegen dürfen und welche Bewertung eine bestimmte Stellung dieser Figuren hat. Soll das Programm den besten nächsten Zug ermitteln, probiert es alle möglichen Züge, ermittelt den Wert der resultierenden Stellung und wiederholt das Ganze für sich und den Gegner für so viele Züge voraus wie sinnvoll und möglich. Dann entscheidet es sich für den Zug mit den besten Siegaussichten. Das Spiel eines solchen Programmes mag uns kreativ erscheinen. Tatsächlich handelt es sich nur um mathematische Folgerichtigkeit.</p>
<p>Die meisten lernfähigen Systeme bestehen heute aus neuronalen Netzwerken. Deren Funktion ist angelehnt an die der Neuronen und Synapsen im menschlichen Gehirn. Die Unterschiede sind jedoch gravierend. Während im Gehirn Milliarden von Neuronen gleichzeitig feuern, erfolgt in Programmen die Verarbeitung sequentiell. Während Zeit in der Signalverarbeitung im Gehirn eine fundamentale Rolle spielt, haben neuronale Netzwerke von Zeit keinen Begriff. Und schließlich erzeugen solche Netzwerke bei gleicher Eingabe die gleiche Ausgabe, wohingegen unser Gehirn ein unscharfes System ist, das auf »gleiche« Reize unterschiedlich reagieren kann.</p>
<p>In naher Zukunft dürfte es kaum geschehen, dass Computer an die Leistungsfähigkeit in der Parallelverarbeitung und an die Funktionsweise des menschlichen Gehirns heranreichen. Nehmen wir aber dennoch an, dass es geschieht. Denn dann wird die Frage aus weltanschaulicher Sicht interessant. Der Talmud (Sanhedrin 65b) bescheinigt dem Menschen die Fähigkeit, ganze Welten zu erschaffen, inklusive Leben. Der Maharsha schränkt ein, dass diese Schöpfungen jedoch über keine Seele verfügen. Während ein Atheist also annehmen mag, dass die rein quantitativen Voraussetzungen in eine neue Qualität, nämlich die einer sich selbst bewussten, denkenden Maschine, umschlagen können, müsste man dies aus jüdischer Sicht verneinen. Dies aber wäre die Voraussetzung für freien Willen. Und den wiederum würde es brauchen, um die Herrschaft über die eigenen Schöpfer überhaupt anzustreben.</p>
<p>Können wir also Entwarnung geben? – Keineswegs. Die Gefahr liegt lediglich woanders.</p>
<p>Obwohl die Computersysteme nicht intelligent sind und es auch auf lange Sicht und womöglich nie sein werden, übertragen wir ihnen mehr und mehr Aufgaben, die intelligente, ja beseelte, Entscheidungen erfordern. Auch hier zeigt ein Beispiel am ehesten, worum es geht. Triage-Probleme gehören zu den schwierigsten ethischen Fragestellungen: Wen soll man retten, wenn begrenzte Möglichkeiten die Rettung von einzelnen nur auf Kosten anderer erlauben? Nehmen wir an, Sie werden Zeuge eines tragischen Unfalls: Eine Frau mit Kleinkind und ein Torah-Gelehrter fallen von der Reling eines Schiffes ins Meer. Sie können nur einem Menschen helfen, aber wem?</p>
<p>Mit genau solchen Fragen müssen sich die Entwickler der Software für selbstfahrende Fahrzeuge auseinandersetzen. Kommt es nämlich auf der Straße zu einer Gefahrensituation, muss das Fahrzeug unmittelbar selbst entscheiden, was zu tun ist. Wenn ein Bus voller Schulkinder vor dem Absturz in eine Schlucht bewahrt werden kann, indem mein eigenes Fahrzeug ausweicht und abstürzt, ist das dann die richtige Entscheidung? Kann ein Leben wichtiger sein als ein anderes?</p>
<p>Der Talmud behandelt dieses schwierige Problem in Horayot 13a, und ich kann Ihnen versichern, dies ist keine erheiternde Lektüre. Was den hypothetischen Unfall auf See angeht, lautet die Priorisierung: Der Gelehrte, die Frau und dann erst das Kind. Hätten Sie anders entschieden? – Dumm nur, wenn sie gar nicht mehr entscheiden dürfen, sondern nur noch der Gott aus der Maschine.</p>
<p align="right">Erschienen als Leitartikel in:<br />
<a href="http://www.juedische-allgemeine.de">»Jüdische Allgemeine«</a> vom 18.01.2018, S. 1</p>
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		<title>Richard Marx</title>
		<link>https://turmsegler.net/20180124/richard-marx/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jan 2018 12:23:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Marx]]></category>
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					<description><![CDATA[So ist Verwandlung ewig, nicht das Bleiben, sekundenhaft Begegnen o nimm es ernst! Lass zu, dass Du ins Ich eingehst des andern Lass diesen andern in Dir sein, Du sein, – nur dies ist Sein …, ist Ewigkeit im Jetzt. Richard Marx (29.12.1924-17.01.2018) &#8226;&#8226;&#8226; Einer der bedeutendsten Psychoanalytiker der ersten Generation nach Freud wurde heute [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2018/richard_marx.gif" width="460" height="345" alt="Richard Marx (29.12.1924-17.01.2018)" /></p>
<p>So ist Verwandlung ewig,<br />
nicht das Bleiben,<br />
sekundenhaft Begegnen<br />
o nimm es ernst!<br />
Lass zu, dass Du ins Ich eingehst<br />
des andern<br />
Lass diesen andern in Dir sein,<br />
Du sein, – nur dies ist Sein …,<br />
ist Ewigkeit im Jetzt.</p>
<p align="right"><small><strong><a href="https://turmsegler.net/tag/richard-marx/">Richard Marx</a></strong> (29.12.1924-17.01.2018)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Einer der bedeutendsten Psychoanalytiker der ersten Generation nach Freud wurde heute auf dem Münchner Waldfriedhof mit einer Trauerfeier verabschiedet. Ich bin gebeten worden, dort zu sprechen. Das war kein leichter Gang. Meine Frau sagte am Morgen noch zu mir: Es wäre gut, wenn du versuchst, nicht zu weinen. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, dass ich bei ihm überhaupt erst gelernt habe zu weinen.</p>
<p><span id="more-5195"></span></p>
<p>Liebe Familie Marx, liebe Angehörige und Freunde,</p>
<p>für die meisten von Ihnen bin ich ein Unbekannter. Dass ich heute hier sprechen kann, um Richard zu würdigen, ist eine unverdiente Ehre. Viel lieber hätte ich vor seinen aufmerksamen Ohren über ihn gesprochen als aus diesem Anlass. Ein Mann wie Richard Marx hat sehr viele Facetten. Ich will mich an dieser Stelle auf jene beschränken, die ich am besten kannte. Sehen Sie mir nach, dass ich ein wenig von mir sprechen muss, um etwas über ihn zu sagen.</p>
<p>Vor 21 Jahren hatte ich in Schwabing einen Termin. Ich wollte da nicht hin. Alles in mir sträubte sich. Andererseits war ich vierzig Minuten zu früh am Haus Orpheus, um den Termin auch ja nicht zu verpassen. So musste ich spazieren gehen, um die Zeit zu überbrücken. Ich lief am Ungererbad vorbei zum Schwabinger Teich. Und da stand ich dann lange Minuten und kämpfte mit mir, um schließlich doch zum Orpheus zurück zu gehen und bei Richard Marx zu klingeln. Ich nahm nicht den Fahrstuhl sondern die Treppe. Das zögerte das offenbar Unvermeidliche noch ein wenig hinaus. Dann schlich ich den Gang entlang, bis ans Ende und schließlich nach rechts bis zur letzten Tür. Und da stand er dann und begrüßte mich.</p>
<p>Ich war damals der Meinung, dass ich mit Glück vielleicht noch ein grandioses Buch schreiben und mit spätestens Dreißig kinderlos sterben würde, von Gottes Blitz getroffen oder durch eigene Hand. Mir blieben also nur drei Jahre. Warum sollte ich da auch nur eine Stunde bei einem Analytiker verschwenden? Niemals, dachte ich, als ich das Zimmer betrat, würde ich mich auf dieses Sofa legen, das aussah, als wäre es direkt aus Freuds Praxis ins Hier und Jetzt teleportiert worden. Mit den Sesseln konnte ich grad noch leben. Dass ich ihn verklagen würde, habe ich ihm auch gleich gesagt. Wenn ich nicht mehr schreiben könnte nach dem ganzen Hokuspokus. Das müsse ihm ja mal klar sein. Aber es hat ihn nicht geängstigt. Naja, meinte er, vielleicht wollen Sie es am Ende gar nicht mehr und danken mir, dass Sie es nicht mehr müssen. Das fand ich eine interessante Verdrehung. Konnte es denn sein, dass das, was mir in meinem Leben unentbehrlich erschien, gar nicht so wichtig war?</p>
<p>Auf diesen ersten Termin folgten viele weitere. Schon bald lag ich doch auf dem Freudschen Möbel. Mitunter fühlte es sich an wie ein Nagelbrett. Manchmal aber auch lag man darauf wie auf Wolken. Ich war sehr ungeduldig. Dass er sich von mir unterhalten ließ und dafür noch Geld bekam, fand ich unerhört. Ich war mir mitunter nicht sicher, ob er nicht sogar schlief! Man konnte ja nicht in jeder Stunde unterhaltsam sein. Und darum ging es schließlich auch nicht. Aber worum ging es dann? Das war mir nicht klar, und ihm war es lange nicht zu entlocken. Das Warten auf die Erleuchtung war peinigend. Seine Geduld hingegen schien unerschöpflich.</p>
<p>Unerschöpflich schien auch sein Verständnis. Die dunkelsten Geständnisse beunruhigten ihn nicht. Alles schien ihm schon einmal begegnet zu sein und zwar in noch finstrerer Schattierung. Alles kein Grund zur Aufregung. Diese Ruhe konnte mich gelegentlich auf die Palme bringen. Er selbst geriet in Rage wohl nur angesichts von Nazis, Rassisten und schlechten Therapeuten – und natürlich wenn man die Stunde verpasste. Das ist selten vorgekommen, und es waren die einzigen Momente, in denen er streng mit mir sprach: Man müsse diese unsere Arbeit schon ernst nehmen und sich strikt an die Regeln halten!</p>
<p>Es gab in den Jahren der Analyse einige bedeutsame Momente. Ich will nur den wichtigsten erwähnen, weil er mir unvergesslich ist und mein späteres Verhältnis zu Richard Marx geprägt hat. Ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war, nur noch, dass der Mann, dessen Spezialität doch das Zuhören und sparsame Kommentieren war, zu sprechen begann und zwar von sich selbst: vom Verlust des Vaters, vom ersten Deportationstransport, der München verließ, von diversen Schicksalen der Menschen auf diesem Transport, die er zum Teil persönlich kannte und noch im Sammellager heimlich mit Lebensmitteln versorgt hatte, von seinem eigenen Überleben ab 1944 in einem Versteck in Berlin, ganz in der Nähe des Ortsteils, in dem ich meine Kindheit verbracht habe… Da blätterte sich nun vor mir ein Leben auf, und ich sagte keinen Mucks, um ihn nur ja nicht zu unterbrechen.</p>
<p>In dieser Stunde ist für mich ein Damm gebrochen. Es war unmittelbar spürbar, wie geglückte Beziehung die Wunden von nicht geglückten Beziehungen heilen kann. Mein eigener Großvater, drei Jahre vor Richard geboren, hat Zeit seines Lebens nicht mit mir über sein Überleben sprechen können. Richard schon. Von da an schien alles möglich und aussprechbar. Natürlich gab es noch viel zu verhandeln und zu erforschen in jenen 50-Minuten-Etappen auf dem Sofa im Haus Orpheus. Aber von jenem Tag an war alles leichter.</p>
<p>Als Teenager schon habe ich das Handwerk des Schreibens gelernt, das Handwerk des Lebens erst viel später bei Richard Marx. Und das war die vielleicht wichtigste Erkenntnis: dass es nicht nur darum geht, Heilung zu finden, sondern auch und vor allem darum, dass man lernt, wie man in diesem Zustand bleibt.</p>
<p>Ich bin älter geworden als Dreißig und unterdessen Vater von vier Kindern. Meine wichtigeren Bücher habe ich Jahre nach der Analyse geschrieben. Ich wohne heute neben dem Ungererbad und gehe mit den Kindern oft am Schwabinger Teich spazieren. Mein Leben wäre deutlich anders verlaufen, wenn ich vor 21 Jahren nicht bei Richard Marx geklingelt hätte.</p>
<p>Man muss es deutlich sagen: Richard wurde auf geradezu unglaubliche Weise durch Liebe das Leben gerettet. Wie ein Spiegel hat er diese Liebe, von der er viel in seinem Leben erfahren durfte, reflektiert. Mit vollen Händen hat er zurückgegeben. Aus der unbeirrbaren Überzeugung heraus, dass Heilung möglich ist, hat er selbst unzählige Leben gerettet und noch mehr in eine glücklichere Richtung gewendet. Meines gehört dazu. Dafür werde ich immer dankbar sein.</p>
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		<title>Ada Rosa ist da</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Aug 2017 16:49:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[Ada Rosa Stein (* 17.08.2017) &#8226;&#8226;&#8226; Liebe Freunde, am Donnerstag, den 17.8.17 (25. Av 5777), um 10:37 Uhr ist Ada Rosa bei uns zu Hause zur Welt gekommen. Sie ist 52 cm groß und 3500 g schwer. Mit großer Freude und Dankbarkeit können wir euch mitteilen, dass Einat und Ada wohlauf und guter Dinge sind. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2017/ada01.gif" alt="Ada Rosa (* 17.08.2017)" /><br />
<small>Ada Rosa Stein (* 17.08.2017)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Liebe Freunde, am Donnerstag, den 17.8.17 (25. Av 5777), um 10:37 Uhr ist <strong>Ada Rosa</strong> bei uns zu Hause zur Welt gekommen. Sie ist 52 cm groß und 3500 g schwer. Mit großer Freude und Dankbarkeit können wir euch mitteilen, dass Einat und Ada wohlauf und guter Dinge sind. Leo hat seine Schwester schon ins Herz geschlossen. Den großen Geschwistern Aaliyah und David geht es nicht anders.</p>
<p>mit glücklichen Grüßen aus München<br />
Einat &#038; Benjamin<br />
Aaliyah, David, Leo &#038; Ada</p>
<p><span id="more-5186"></span></p>
<p><img decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2017/ada02.gif" alt="Ada Rosa (* 17.08.2017)" /><br />
<small>Leo, Einat, Ada und Benjamin (v.r.n.l.)</small></p>
<p>Dear friends, on Thursday, 17.8.17 (Av 25th 5777), 10:37 am <strong>Ada Rosa</strong> was born at our home in Munich. She is 52 cm tall and weighs 3500 g. With great joy and gratitude we can let you know that Einat and Ada are well and in a good mood. Leo already has locked Ada in his heart as have her grown up siblings Aaliyah and David.</p>
<p>with happy regards from Munich<br />
Einat &#038; Benjamin<br />
Aaliyah, David, Leo &#038; Ada</p>
]]></content:encoded>
					
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Mit brennender Geduld</title>
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		<pubDate>Tue, 09 May 2017 13:05:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[Santuario del Cerro San Cristóbal &#8226;&#8226;&#8226; Ein Besuch der Inmaculada auf dem San Cristóbal in Santiago de Chile wirkt offenbar auch gelegentlich bei Nicht-Katholiken. Mit brennender Geduld erwarten wir noch ein Mädchen. Ende August soll es ankommen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://turmsegler.net/img/2017/Inmaculadacerro.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2017/Inmaculadacerro.gif" alt="Santuario del Cerro San Cristóbal" width="460" height="615"/></a><br />
<small>Santuario del Cerro San Cristóbal</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Ein <a href="https://turmsegler.net/20160929/santiago-new-york-und-isla-negra/">Besuch der Inmaculada auf dem San Cristóbal in Santiago de Chile</a> wirkt offenbar auch gelegentlich bei Nicht-Katholiken. Mit brennender Geduld erwarten wir noch ein Mädchen. Ende August soll es ankommen.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Spät</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2016 20:50:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Stein]]></category>
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					<description><![CDATA[auf dem dachfirst schläft ein hahn und aus dem oberlicht wird mir (ein augenaufschlag nacht) die hölle weit sterne taumeln wind geht es ist spät &#169; Benjamin Stein (2016) &#8226;&#8226;&#8226; Kann es wirklich wahr sein, dass ich mein letztes Gedicht vor drei Jahren geschrieben habe? Wenn ich mich darauf verlasse, dass mir häufig genug eines [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>auf dem dachfirst schläft ein hahn<br />
und aus dem oberlicht wird mir<br />
(ein augenaufschlag nacht)<br />
die hölle weit<br />
sterne taumeln<br />
wind geht<br />
es ist<br />
spät</p>
<p align="right">&copy; <a href="https://turmsegler.net/tag/benjamin-stein/">Benjamin Stein</a> (2016)</p>
<p>&bull;&bull;&bull; Kann es wirklich wahr sein, dass ich <a href="https://turmsegler.net/20131207/venir-revenir/">mein letztes Gedicht</a> vor drei Jahren geschrieben habe? Wenn ich mich darauf verlasse, dass mir häufig genug eines »irgendwie zustößt«, wird es nichts mehr werden mit dem einen Gedichtband von 100 Gedichten, den ich in diesem Leben gern noch herausbringen würde. </p>
<p><span id="more-5174"></span>»Irgendwie zugestoßen« ist mir auch das obige Gedicht. Es kam tatsächlich im Traum zu mir. Ich schaute auf eine mit hebräischen Buchstaben bedruckte Buchseite und meinte, es sei ein Gebetbuch. Dann las ich und merkte, dass es tatsächlich nicht Hebräisch sondern Jiddisch war und kein Gebetbuch sondern ein Gedichtband. Ich las – im Traum – nur eine Zeile:</p>
<blockquote><p>aus dem Oberlicht wird mir die Hölle weit</p></blockquote>
<p>Und weil ich »Hölle« gelesen hatte und nicht etwa »Gehinnom«, war mir klar, dass beim Lesen aus dem Jiddischen ein deutscher Vers geworden war. Da wurde ich wach und konnte nicht mehr einschlafen, bevor ich nicht – um diesen Vers herum – das ganze Gedicht »rekonstruiert« hatte.</p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Digitaler Abreißkalender</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2016 07:28:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Alphabet des Rabbi Löw]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Fischer]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Weltenbummler Paco, a.k.a. Frank Fischer, wohlbekannt u. a. vom »Umblätterer« und als Autor der »Südharzreise«, lebt und wirkt derzeit in – drumroll – Moskau und zwar als Associate Professor an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. Wenn ich nicht ganz irre, nennt sich der Lehrstuhl auf gut Russisch »Digitial Literary Studies«. Und genau in diese Forschungskerbe schlägt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Weltenbummler Paco, a.k.a. Frank Fischer, wohlbekannt u. a. vom <a href="http://www.umblaetterer.de">»Umblätterer«</a> und als Autor der <a href="http://www.satt.org/sukultur/shr.html">»Südharzreise«</a>, lebt und wirkt derzeit in – drumroll – Moskau und zwar als Associate Professor an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät. Wenn ich nicht ganz irre, nennt sich der Lehrstuhl auf gut Russisch »Digitial Literary Studies«. Und genau in diese Forschungskerbe schlägt das Web- und Software-Projekt <a href="http://weltliteratur.net/Introducing-TIWOLI/">TIWOLI</a>. Oder lugt es vielmehr aus ihr heraus? Paco nennt es ein Beiprodukt der Forschung. TIWOLI ist ein Akronym und steht für: Today in World Literature.</p>
<p><span id="more-5171"></span>Je mehr Literatur in digitaler Form vorliegt, desto mehr wissenschaftliche Fragen lassen sich beantworten, die im Analogzeitalter nicht in endlicher Zeit untersuchbar waren. Einige dieser Fragen oder vielmehr die Antworten auf sie sind auch einfach nur unterhaltend. TIWOLI beispielsweise beschäftigt sich mit der Frage, welche expliziten Datumsangaben in welchem Kontext in der Weltliteratur gegeben werden. </p>
<p>Dem einen oder anderen Belesenen fällt da spontan wohl noch der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Bloomsday">Bloomsday</a> ein, der 16. Juni, an dem sich die Geschehnisse aus dem »Ulysses« von James Joyce zutragen. Weniger geläufig dürfte das Datum sein, an dem Robinson Crusoe auf seiner Insel strandete oder an welchem Tag Goethes »Junger Werther« sich entleibte.</p>
<p>In digitalisierter Literatur lässt sich vortrefflich suchen, und so haben die TIWOLI-Kämpen die digitalisierte Weltliteratur nach Datumsangaben durchkämmt und aus dem Forschungsergebnis eine Art digitalen Abreißkalender zusammengestellt. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich zuletzt einen solchen Abreißkalender gesehen, geschweige denn einen besessen habe. Aber ich erinnere mich noch gut, dass während meiner Kindheit immer einer in der elterlichen Küche hing. Morgens zum Frühstück durfte man das Vortagesblatt abreißen und konnte lesen, was auf dessen Rückseite vermerkt war. Häufig waren es literarische Zitate.</p>
<p>Heutzutage verwendet man eine solche Datensammlung lieber für ein Weblog-Projekt. Der tägliche Beitrag löst das dünnpapierne Kalenderblatt ab. Oder aber man baut eine Kalender-App zum Nachschlagen. Der Datenkorpus des TIWOLI-Projektes ist in eine solche App für <a href="https://play.google.com/store/apps/details?id=de.wannauchimmer.apps.tiwoli">Android</a> und <a href="https://appsto.re/de/I69sfb.i">iOS</a> eingeflossen. Geboten werden zu jedem Datum passende literarische Zitate, wahlweise in Deutsch, Englisch oder Spanisch. </p>
<p>Wie ich eben lese, haben es sich einige Geisteswissenschaftler der Uni Köln zur Aufgabe gemacht, auch ein Web-Interface für TIWOLI zu entwickeln. Ich habe mir eingebildet, es gäbe auch ein TIWOLI-Blog. Aber wohl doch nicht. Sind Blogs schon so out? Zu schade. Ein Weblog könnte mir das tägliche Kalenderblatt auch per Mail zusenden…</p>
<p>Und warum, frage ich mich gerade, nicht tatsächlich auch eine analoge Ausgabe auf Papier als Abreißkalender?</p>
<p>Man sieht schon, dass in manchen Wissenschaftlern auch Spielkinder stecken. Gott sei Dank!</p>
<p>Übrigens findet auch »Das Alphabet des Rabbi Löw« in TIWOLI Erwähnung und zwar unter dem 12. Oktober. Was da los war? Na, ich musste selbst nachsehen.</p>
<blockquote><p>Nein, es war nicht nur das Gesicht der Eva Marková, das Rottenstein plötzlich wieder so deutlich vor Augen hatte, als stünde sie leibhaftig vor ihm. Der Zettel, den er gerade aus Procházkas verbeulter Blechdose gezogen hatte, lag vor ihm auf dem Tisch, und er starrte auf das vergilbte Papier wie auf eine Kinoleinwand.</p>
<p>Sich selbst sah er, wie er, vom Muzeum herkommend, den Wenzelsplatz hinunterschlenderte, vor einem Schreibwarengeschäft haltmachte, hineinging und ein Notizheft  kaufte. Er schlug es auf und schrieb auf die Innenseite des Umschlags: Prag, 12. Oktober 1987 – sein zwanzigster Geburtstag.</p>
<p>Jacoby, hatte er mir morgens, noch im Schlafanzug, feierlich eröffnet: Eva kommt erst am Abend. Ich habe etwas Wichtiges vor. Das muss ich allein erledigen.</p>
<p>Ich war natürlich neugierig. Doch er sagte keinen Ton. Und erst jetzt, da es längst zu spät ist, weiß ich, welche Dummheit er an jenem Tag verbrochen hat. War er meschugge? Er glaubte nicht an Wunder, aber wollte welche sehen. Ich verstehe es bis heute nicht.</p>
<p>Sein zwanzigster Geburtstag, hatte er sich vorgenommen, sollte ein besonderer Tag werden. Nur deswegen war er nach Prag gekommen. Von wegen Hoschanna Rabba und so weiter, alles nur Vorwand. Das Eigentliche spielte sich an jenem 12. Oktober ab.</p>
<p>Rottenstein besuchte Rabbi Löw, und zwar auf dem Friedhof.</p></blockquote>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Colegio Tarbut</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2016 22:31:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Carla Natalia Imbrogno]]></category>
		<category><![CDATA[Fabiana Kramarz]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriela Adamo]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fernández Polcuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Colegio Tarbut Buenos Aires &#8226;&#8226;&#8226; Gabriela Adamo von Filba hat mich heute zu meinem letzten Termin in Buenos Aires begleitet. Verabredet waren wir mit Oberschülern des Colegio Tarbut. Das Colegio ist eine jüdische Privatschule, die 1.400 Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zum Abitur begleitet. Die Oberschule mit 400 Schülern ist vor zwei Wochen erst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/tarbut_1.png" alt="Hotel Alvear Palace Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Colegio Tarbut Buenos Aires</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Gabriela Adamo von Filba hat mich heute zu meinem letzten Termin in Buenos Aires begleitet. Verabredet waren wir mit Oberschülern des <a href="http://www.tarbut.edu.ar/cms/">Colegio Tarbut</a>. Das Colegio ist eine jüdische Privatschule, die 1.400 Kinder und Jugendliche vom Kindergarten bis zum Abitur begleitet. Die Oberschule mit 400 Schülern ist vor zwei Wochen erst in einen architektonisch sehr interessanten Neubau umgezogen, der erst noch eingelebt werden will. Bis zu 600 Oberschüler sollen hier in den nächsten Jahren lernen. Mehr aber sollen es, obwohl der Platz es erlauben würde, nicht werden.</p>
<p><span id="more-5167"></span>Wie die Pestalozzi-Schule bietet auch das Colegio Tarbut den Schülern die Möglichkeit, ein mehrsprachiges internationales Abitur abzulegen. Die Leiterin Fabiana Kramarz bezeichnet die Schule als jüdisch säkular. Was bedeutet das? Es gibt durchaus nicht nur jüdische Schüler und Schüler aus gemischtkonfessionellen Familien. Die Schule steht allen offen. Hebräisch ist als Fremdsprache Pflicht, Englisch (des internationalen Abiturs wegen) ebenso. Es gibt zwar keinen konfessionellen Religionsunterricht, aber die Pflichtfächer Bibelstudien und Jüdische Geschichte. Gemeinsam gebetet wird in der Schule nicht. Die Caféteria aber ist koscher. Ein interessantes Konzept.</p>
<p>Das Gespräch mit den Schülern war nicht ganz so privat wie am Tag zuvor in der Pestalozzi-Schule. Gefragt wurde dennoch viel, und die Teenager hörten gespannt zu. Ich fürchte, es war eine sehr intensive Stunde mit einer Mischung vieler Themen: von der DDR zur Neuen Rechten, Antisemitismus, der Frage, wie es sich als religiöser Jude in Deutschland lebt und und und. Von Literatur war ganz nebenbei natürlich auch die Rede.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/tarbut_2.png" alt="Hotel Alvear Palace Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Colegio Tarbut Buenos Aires</small></p>
<p>Inzwischen sind die Koffer gepackt, ja sogar schon eingecheckt, denn ich habe die einstündige wilde Taxifahrt zum Flughafen Buenos Aires schon hinter mir und bin viel zu früh zum Einsteigen bereit. Aber bin ich das? Bin ich das wirklich?</p>
<p>Ich habe noch liebevolle Abschiedsmails von Martina und Carla Natalia bekommen. In Chile war ich allein. So haben Stadt und Landschaft ganz ungehindert auf mich wirken können. Von Buenos Aires, scheint es mir, habe ich gar nicht so viel gesehen. Nun, das stimmt nicht, aber es fühlt sich so an, wahrscheinlich weil es hier eben vor allem die Menschen und Begegnungen waren, die mich berührt haben.</p>
<p>Ich habe übermäßig viel Ursache, dankbar zu sein. Den Organisatoren des Filba-Festivals, dem Goethe-Institut, den Autoren und Journalisten, die hier Interviews und Podiumsgespräche mit mir geführt haben. Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals als Autor mit allen meinen Büchern, künstlerischen Ambitionen und Ideen, so angenommen und verstanden gefühlt zu haben. </p>
<p>Man wird wiederkommen müssen, gar keine Frage!</p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Der diplomatische Part</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2016 13:39:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Adriana Hidalgo]]></category>
		<category><![CDATA[Carla Natalia Imbrogno]]></category>
		<category><![CDATA[Damian Tabarovsky]]></category>
		<category><![CDATA[Fabián Lebenglik]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fernández Polcuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Hotel Alvear Palace Buenos Aires &#8226;&#8226;&#8226; Der gestrige Tag war vollgepackt mit Terminen. Das Filba-Festival ist beendet. Gestern war ich unterwegs auf diplomatischen Wegen, und diese Formulierung ist nur ein wenig übertrieben. Nachdem ich vormittags hier berichtet habe, wurde ich gegen Mittag zum Alvear Palace Hotel gebracht, um dort am Empfang des deutschen Botschafters Bernhard [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_1.png" alt="Hotel Alvear Palace Buenos Aires" width="460" height="345"/></a><br />
<small>Hotel Alvear Palace Buenos Aires</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Der gestrige Tag war vollgepackt mit Terminen. Das Filba-Festival ist beendet. Gestern war ich unterwegs auf diplomatischen Wegen, und diese Formulierung ist nur ein wenig übertrieben. Nachdem ich vormittags hier berichtet habe, wurde ich gegen Mittag zum Alvear Palace Hotel gebracht, um dort am Empfang des deutschen Botschafters Bernhard Graf von Waldersee teilzunehmen, den dieser aus Anlass des Tages der deutschen Einheit gab. Für gewöhnlich findet dieser Empfang jährlich im Garten der Botschaft statt. Da diese jedoch zur Zeit grundsaniert wird, hatte ich Gelegenheit, den Festsaal des sicherlich imposantesten Hotels in Buenos Aires kennenzulernen.</p>
<p><span id="more-5166"></span>Ich fand es unangemessen, an Ort und Stelle zu fotografieren. Ich glaube, das Protokoll verbietet so etwas auch. Aber ich habe Fotos gefunden, die das Hotel und sogar das Buffet so zeigen, wie auch ich es erlebt habe.</p>
<p><a href="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_2.png" alt="Hotel Alvear Palace Buenos Aires" width="460" height="306"/></a><br />
<small>Hotel Alvear Palace Buenos Aires</small></p>
<p>Das Essen war hervorragend, die Gesellschaft außerordentlich angenehm. Irgendwann wurden die argentinische und die deutsche Hymne gespielt &#8211; zum Mitsingen, versteht sich. Der Botschafter redete publikumsorientiert maximal fünf Minuten. Ich hatte mir zuvor Gedanken über die Kleiderordnung gemacht, und dann tauchte einer der Botschaftsmitarbeiter in bayrischen Krachledernen, Wadlnstrümpf und Karohemd auf! Auf dem Empfang wurde ich auch mit Prof. Michael Röhrig, dem Direktor der deutschen Pestalozzi-Schule in Buenos Aires bekannt gemacht. Ein Botschaftswagen »flog« uns im Anschluss durch den wahnwitzigen Verkehr von Buenos Aires zur Pestalozzi-Schule. </p>
<p><a href="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/alvear_palace_3.png" alt="Hotel Alvear Palace Buenos Aires" width="460" height="306"/></a><br />
<small>Hotel Alvear Palace Buenos Aires</small></p>
<p>Gegründet wurde diese nach der »Gleichschaltung« der deutschen Auslandsschulen und besucht dementsprechend von all jenen deutschen Kindern, deren Eltern aus Deutschland hatten fliehen müssen: Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten, Homosexuelle, Dissidenten jeglicher Herkunft. Unterrichtet wird an der Schule heute noch zu etwa 40% in Deutsch. Die Schüler haben die Möglichkeit, ein internationales Abitur zu machen, was ihnen allerdings Abschlussprüfungen in drei Sprachen abverlangt.</p>
<p>Einen Plan für das Zusammentreffen mit den Schülern gab es nicht, aber wir haben uns blendend unterhalten. Ich habe über meinen Besuch in Chile berichtet und darüber, warum es mir so wichtig war, dorthin zu reisen. Wir sprachen über sozialistische Experimente, meine Schreibanfänge in der DDR, natürlich auch meine Bücher. Vor allem von »Replay« war die Rede, denn nach wie vor halte ich das »Replay«-Thema für so wichtig, dass man es in einer Schule einfach anschneiden muss. Auch den argentinischen Schülern war nicht klar, womit Firmen wie Facebook ihr Geld verdienen und warum es so viel ist und was die bereitwillige Preisgabe unserer Privatsphäre für Gefahren in Bezug auf die Freiheit birgt. Wir haben uns verplaudert, und ich bin am Ende etwas länger geblieben, als eigentlich vorgesehen war.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/stein_goethe_buenos_aires.jpg" alt="Lesung und Gespräch im Goethe-Institut Buenos Aires" width="460" height="613"/><br />
<small>Lesung und Gespräch im Goethe-Institut Buenos Aires, mit Martina Fernández Polcouch und Moderator Damian Tabarovsky</small></p>
<p>Nach einer kurzen Pause ging es weiter zum Goethe-Institut. Die Niederlassung in Argentinien gehört zu den größeren Häusern des Instituts und liegt in einem sehr großstädtischen Bezirk von Buenos Aires. Die Lesung fand in der Bibliothek statt. Adriana Hidalgo und Fabián Lebenglik vom Verlag waren auch gekommen, was mich besonders gefreut hat. Gelesen habe ich nur zwei Minuten auf deutsch. Carla Natalia Imbrogno vom Goethe-Institut las aus der spanischen Übersetzung die Koffer-Szene aus dem ersten Wechsler-Kapitel. Den größten Teil des Abends aber nahm das Gespräch ein. Moderator Damian Tabarovsky wartete mit sehr interessanten Fragen auf. Wir machten Ausflüge in die Politik, zur Psychoanalyse, zu Hypnosetherapie, der Rolle vom Empathie im künstlerischen Prozess und und und. Martina musste einmal mehr hart arbeiten, um alles zu übersetzen. Dann wurde das Gespräch auch noch für Publikumsfragen geöffnet. Ein gelungener Abend, denke ich. Und er war mit der Veranstaltung noch nicht vorbei.</p>
<p>Das Auswärtige Amt organisiert in Zusammenarbeit mit der UNESCO ein Programm, das sogenannte Kulturfreiwillige, sehr junge Volontäre aus Deutschland, in kulturelle Einrichtungen rund um die Welt schickt. Ich habe vier von ihnen hier kennengelernt. Jan Felix und Joschua haben Carla Natalia und mich dann noch zum Essen begleitet. Es ist sehr spät geworden. Natürlich ist das UNESCO-Programm eine Möglichkeit, ein erstes Mal in den diplomatischen Dienst hineinzuschnuppern und das in einem Alter, in dem man sich für diesen Dienst noch lange nicht bewerben kann. Wenn Leute wie diese beiden jungen Männer unsere künftigen Vertreter im Ausland werden sollen, ist mir nicht bange. Sie werden ihren Weg machen und sie werden ihn gut machen. Es war ein sehr offenes, interessantes Gespräch. Und so war der Tag erst deutlich nach Mitternacht zu Ende.</p>
<p>Heute nun muss ich die Koffer wieder packen. Am frühen Nachmittag steht noch ein Besuch bei der jüdischen Schule Tarbut aus. Später am Abend geht dann der Flug nach Madrid. Vierundzwanzig Stunden werde ich von Tür zu Tür unterwegs sein.</p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>Bei Adriana Hidalgo</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2016 02:13:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Adriana Hidalgo]]></category>
		<category><![CDATA[Fabián Lebenglik]]></category>
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					<description><![CDATA[Lunch mit der Verlegerin Adriana Hidalgo, Verlagsmitarbeitern und Gästen &#8226;&#8226;&#8226; Ich schlafe gut. Das wage ich kaum zu sagen, denn meine Frau ist mit dem kleinen Leo unterdessen in Israel und schläft dort ebenso wenig wie wir es nun mal seit Monaten gewohnt sind und beinahe daran zugrunde gehen. Die Zeitumstellung konnte mir jedenfalls nichts [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/hidalgo_1.png" alt="Lunch mit der Verlegerin, Verlagsmitarbeitern und Gästen" width="460" height="345" /><br />
<small>Lunch mit der Verlegerin Adriana Hidalgo, Verlagsmitarbeitern und Gästen</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Ich schlafe gut. Das wage ich kaum zu sagen, denn meine Frau ist mit dem kleinen Leo unterdessen in Israel und schläft dort ebenso wenig wie wir es nun mal seit Monaten gewohnt sind und beinahe daran zugrunde gehen. Die Zeitumstellung konnte mir jedenfalls nichts anhaben. Am ersten Abend in Santiago habe ich mich schlafen gelegt und durchgeschlafen. Das ist mir bei vorherigen Reisen nach Amerika so nicht gelungen. Dieses Mal &#8211; kein Problem.</p>
<p>Jedenfalls war ich heute recht spät auf und habe mich gleich an die Artikel gesetzt, die nun hier nachzulesen sind. Ich war ja im Rückstand. Gegen Mittag wurde ich vom Hotel abgeholt, um meine argentinische Verlegerin Adriana Hidalgo zum Lunch zu treffen. Natürlich war nicht nur sie dabei. Begleitet wurde sie vom Cheflektor Fabián Lebenglik (ich liebe diesen Namen!) und Verlagsmitarbeitern. Dazu kamen Gäste von der deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut.</p>
<p><span id="more-5165"></span><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/hidalgo_2.png" alt="Adriana Hidalgo Editore (Stilleben)" width="460" height="345" /><br />
<small>Adriana Hidalgo Editore (Stilleben)</small></p>
<p>So habe ich nun etwas mehr über den Verlag erfahren können. Adrianas Großvater ist in den 1920er Jahren aus Spanien eingewandert und betrieb die größte Buchhandlung von Buenos Aires. Er gliederte ihr einen eigenen Verlag an, und beides blieb nahezu 80 Jahre und über mehrere Generationen im Familienbesitz. Adriana Hidalgo arbeitete zunächst viele Jahre in diesem Familienunternehmen. Als es schließlich verkauft wurde, gründete sie ihren eigenen Verlag, der seit nun schon 17 Jahren existiert und ein sehr beeindruckendes Programm vorweisen kann.</p>
<p>Zwischen 22 und 24 Titel erscheinen pro Jahr: Fiction, Lyrik, geisteswissenschaftliche Titel und Kunstbände. Das Programm ist sehr international. Selbst viele der spanisch-schreibenden Autoren, die bei Adriana Hidalgo veröffentlicht sind, leben tatsächlich in anderen Ländern, zum Teil seit Jahrzehnten. Darüber hinaus spielen auch Übersetzungen eine wichtige Rolle. Auch im Vertrieb geht es der Verlag international an. Der gesamte spanische Markt wird beliefert. Das sei, so Adriana, eine gute Versicherung: Gibt es in Mexico eine Krise, läuft es dafür vielleicht gerade in Argentinien oder Uruguay besser. Und in Spanien würden die Übersetzungen aus Lateinamerika sogar lieber gelesen als die in Spanien entstandenen. Sie seien lebendiger, moderner.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/hidalgo_3.png" alt="Adriana Hidalgo" width="460" height="345" /><br />
<small>Verlegerin Adriana Hidalgo und Lektor Fabián Lebenglik</small></p>
<p>Die Bücher sind zumeist Paperbacks in französischer Broschur wie auch die argentinische Ausgabe der »Leinwand«, gedruckt auf sehr schönem Papier. Die Lyrikbände haben mir besonders gefallen, gesetzt in einer sehr angenehmen und etwas größer als üblichen Type. Schon beim Anfassen und Aufschlagen machen diese Bücher Lust zum Lesen.</p>
<p>Der Verlag befindet sich in einer sehr noblen Gegend von Buenos Aires. Wohl wegen des Pariserischen Flairs werden hier gern Foto-Shootings veranstaltet. An zweien sind wir vorbeigelaufen, als wir vom Restaurant zum Verlag liefen. Die zwölf Mitarbeiter haben es eher eng. Auf zwei Etagen teilen sie sich den Platz mit &#8211; natürlich! &#8211; vielen Büchern.</p>
<p>Wir haben nicht nur über Literatur gesprochen, sondern auch über Argentinien, speziell die letzte Militärdiktatur. Meine Verbindung mit Chile rührt ja gerade von den Berichten über den Putsch und die Pinochet-Diktatur her. Über Argentinien haben wir in der DDR hingegen nichts erfahren. Der Grund ist ein natürlich ideologischer: In Chile war das Experiment einer auf demokratischem Weg eingeläuteten sozialistischen Umwälzung durch den Putsch beendet worden. Dieser Umstand sicherte den Exilanten die Hilfe der DDR und uns DDR-Bürgern Teilhabe an dieser aktuellen chilenischen Geschichte. Die Argentinier hatten versäumt, sich eine sozialistische Regierung zu wählen. So hatte hier der Putsch nur eine imperialistische Herrschaft durch eine andere abgelöst &#8211; kein Nachrichtenwert für DDR-Bürger offenbar. </p>
<p>Über die argentinische Militär-Diktatur habe ich erst später aus Büchern und Filmen erfahren. Adrianas Vater gehörte zu den tausenden Opfern. Das hat sie mir nicht selbst erzählt, wohl aber, dass Argentinien, nachdem es zum ersten Mal eine Phase von 30 Jahren Demokratie hinter sich hat, gegen Militärherrschaft gewappnet scheint. Dass die Demokratie nie wieder aufs Spiel gesetzt werden dürfe, sei heute gesellschaftlicher Konsenz. </p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/rio_de_la_plata_1.png" alt="Rio de la Plata" width="460" height="345" /><br />
<small>Nur keine vorschnellen Schlüsse: Das ist … ein Fluss!</small></p>
<p>Als ich erwähne, dass ich unbedingt den Rio de la Plata noch besuchen wolle, empfiehlt mir Fabián, einen Abstecher zum <a href="https://es.wikipedia.org/wiki/Parque_de_la_Memoria_de_Buenos_Aires">»Parque de la Memoria«</a>, einer Parkanlage am Rio de la Plata, die &#8211; von diversen Künstlern gestaltet &#8211; als Mahnmal für die Opfer der Militärdiktatur dient. Den Rat habe ich gern befolgt.</p>
<p>Der Rio de la Plata ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Man meint, am Meer zu stehen. Tatsächlich ist es aber die kilometerbreite Mündung des Flusses ins Meer. Mit dem Schiff fährt man 200 km quer hinüber nach Montevideo in Uruguay. Das Wasser sieht so schmutzig aus, dass man sicher nicht in Versuchung gerät, hier baden zu wollen.</p>
<p>Dieser gewaltige Fluss hat auch eine grauenvolle Geschichte zu erzählen. Viele der »Verschwundenen« wurden über ihm aus dem Flugzeug abgeworfen und ins Meer fortgetragen. An sie und speziell das mit 14 Jahren vielleicht jüngste Opfer soll eine Installation von Claudia Fontes erinnern. Auch der Schüler Pablo Míguez wurde ermordet und über dem Fluss abgeworfen. In Erinnerung an ihn steht nun eine lebensgroße Figur mitten im Wasser des Rio de la Plata.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/rio_de_la_plata_2.png" alt="Claudia Fontes: Reconstrucción del retrato de Pablo Míguez" width="460" height="345" /><br />
<small>Claudia Fontes: Reconstrucción del retrato de Pablo Míguez</small></p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
		<item>
		<title>Eterna Cadencia</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2016 00:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Bernardo Carvalho]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fernández Polcuch]]></category>
		<category><![CDATA[Pablo Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Pedro Rey]]></category>
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					<description><![CDATA[Eterna Cadencia, Buenos Aires &#8226;&#8226;&#8226; Das hohe Interesse der Zeitungen hier an »El lienzo« und damit an meinem Besuch hat mich wirklich überrascht. Im Vorfeld hatte ich bereits per Mail ein Interview für »Perfil« gegeben, das inzwischen erschienen und auch online nachzulesen ist. Zwei weitere schriftliche Interviews sollen folgen, wenn ich schon wieder zu Hause [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/eterna_cadencia_1.png" title="Eterna Cadencia, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Eterna Cadencia, Buenos Aires</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Das hohe Interesse der Zeitungen hier an »El lienzo« und damit an meinem Besuch hat mich wirklich überrascht. Im Vorfeld hatte ich bereits per Mail ein Interview für »Perfil« gegeben, das inzwischen <a href="http://www.perfil.com/cultura/construccion-forzada-de-la-memoria-y-la-verdad.phtml">erschienen und auch online nachzulesen</a> ist. Zwei weitere schriftliche Interviews sollen folgen, wenn ich schon wieder zu Hause bin. Hier begannen die Interviews am Freitag und gingen am Samstag in die zweite Runde: vier Stunden für drei Zeitschriften. Am meisten Zeit nahm sich für »La Nación« Pedro Rey, der am Vortag schon das Podiumsgespräch mit Bernardo Carvalho und mir moderiert hatte.</p>
<p><span id="more-5163"></span><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/eterna_cadencia_2.png" title="Eterna Cadencia, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Eterna Cadencia, Buenos Aires</small></p>
<p>Am Samstag fanden die Interviews im Lounge-Bereich der Buchhandlung »Eterna Cadencia« statt, ein willkommener Grund, erneut dorthin zu gehen. Was für ein Ort! Es ist ja nicht nur eine Buchhandlung, sondern auch Café und Bar, Lounge und Sitz des gleichnamigen, vom Besitzer der Buchhandlung, Pablo Braun, gegründeten Verlages. Im Obergeschoss haben auch die Organisatoren des Filba-Festivals ihre Büros.</p>
<p>Die Lounge-Situation hatte Vor- und Nachteile. In die weichen Sofas versunken, verliert man natürlich an Spannung, aber das verleitet zum Plaudern, was den Interviewern sicher entgegengekommen sein wird. Ich bedauere zwar jetzt schon, dass ich die zu erwartenden Artikel nicht selbst lesen kann. Ganz froh bin ich allerdings, dass so das Gesagte hier bleibt. Entweder wage ich mit dem Alter mehr, oder es liegt am Ort, dem Entferntsein von Deutschland, dass ich freier von der Leber rede. Ich habe ohnehin keine Lust auf political correctness. Dann schon mal lieber eine steile These auch mit Verve vertreten, selbst wenn man im Irrtum ist.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/eterna_cadencia_3.png" title="Eterna Cadencia, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Eterna Cadencia, Buenos Aires</small></p>
<p>Diese Interviews hätten nie so gut gelingen können, hätte ich nicht eine phantastische Übersetzerin zur Seite bekommen. Martina Fernández Polcuch hat etwas hinbekommen, das ich so noch nicht erlebt habe. Wird man in einer solchen Gesprächssituation direkt übersetzt, muss man oft die Antworten für den Übersetzer portionieren. Das hilft dem Übersetzer, den Faden nicht zu verlieren. Man selbst verliert ihn dafür umso leichter. Ganz anders mit Martina. Ich konnte meine Antworten ohne Unterbrechung geben. Und sie übersetzte en suite nach ihren magischen Notizen. Das hat mich sehr beeindruckt, und ich freue mich, dass sie auch morgen bei der Veranstaltung im Goethe-Institut übersetzen wird.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/eterna_cadencia_4.png" title="Eterna Cadencia, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>Eterna Cadencia, Buenos Aires</small></p>
<p>Da war noch etwas, nicht wahr? Am Abend hätte ich in die Synagoge gehen sollen, denn es ist <a href="https://turmsegler.net/20070912/unetane-tokef/">Rosh Hashanah</a>. Ich war von der Direktorin der jüdischen Schule »Tarbut« eingeladen. Spät habe ich zugesagt, und als ich schließlich schon angezogen war und mich auf den Weg gemacht hatte, blieb ich nach wenigen Schritten stehen, kehrte um und blieb im Hotel. Die religiöse Krise dauert an. Und seit etwa drei Jahren kulminiert diese Krise jeweils um die Hohen Feiertage herum.</p>
<blockquote><p>heute ist über mich<br />
schon alles gesagt</p>
<p>das urteil ist längst<br />
gesprochen</p></blockquote>
<p>Vor fünfeinhalb Jahren habe ich das geschrieben. Damals war ich erschrocken über die plötzlich empfundene Ferne. Sie ist nicht geringer geworden, im Gegenteil. </p>
<p>Immerhin: Allen Lesern, jüdischen wie nicht-jüdischen, sei an dieser Stelle ein gutes neues Jahr gewünscht, ein mildes Urteil. Mögen alle zu einem guten Leben eingeschrieben sein!</p>
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			<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator></item>
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		<title>La Abadía</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2016 14:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Bernardo Carvalho]]></category>
		<category><![CDATA[Martina Fernández Polcuch]]></category>
		<category><![CDATA[Pedro Rey]]></category>
		<category><![CDATA[Vivi Tellas]]></category>
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					<description><![CDATA[La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires &#8226;&#8226;&#8226; Übersetzer zählen zu den dankbarsten Lesern. Wer liest schon mit einer solchen Aufmerksamkeit für alle Details eines Textes?! Das ist mir am vergangenen Freitag einmal mehr bewusst geworden, als ich im »Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos« bei einem Workshop von Übersetzern zu Gast [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/la_abadia_1.png" title="La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Übersetzer zählen zu den dankbarsten Lesern. Wer liest schon mit einer solchen Aufmerksamkeit für alle Details eines Textes?! Das ist mir am vergangenen Freitag einmal mehr bewusst geworden, als ich im <a href="http://laabadia.org">»Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos«</a> bei einem Workshop von Übersetzern zu Gast war. Geleitet wurde die Veranstaltung von Martina Fernández Polcuch, die hier in Buenos Aires Deutsch und Übersetzng unterrichtet und u. a. bei den vielen Interviews hier meine Übersetzerin ist. Das besondere an diesem Workshop: Nicht nur gestandene Übersetzer und Übersetzerinnen konnten teilnehmen, sondern die meisten Teilnehmerinnen waren fortgeschrittene Studentinnen von Martina. </p>
<p><span id="more-5164"></span>Die Runde hatte sich »Ein anderes Blau« vorgenommen. Jeder hatte daraus fünf Passagen übersetzt, eine davon ein Gedicht:</p>
<blockquote><p>/…/ Wundert dich nicht dein glück Beim zwiebelschneiden Die erlaubten tränen? Schrecken dich nicht deine träume in denen du messer schleifst mit breiten glänzenden klingen um den geliebten zu töten? Ängstigt dich nicht deine kunst der verkleidung? Schmerzt sie dich nicht wie den tropfen Regen der die<br />
berührung ersehnt deiner haut Wenn er rinnt über die ewig haftende schminke auf deinem sterbensgesunden gesicht? Was kann dich noch verwunden Noch schrecken Im Vorübergehen Brennen dich glühende eisen Und du bleibst stumm.</p></blockquote>
<p>In Zweiergruppen verglichen die Teilnehmer ihre Übertragungen und berichteten im Anschluss über ihre Übereinstimmungen und Differenzen sowie spezielle Schwierigkeiten. Das Gedicht wurde in zehn Variationen vorgetragen. Schon allein vom Klang des Spanischen kann man besoffen werden. Es war enorm spannend zu sehen, wie die Übersetzer sich dem Gedicht angenähert hatten. Immerhin birgt es einige Schwierigkeiten: Es ist im Fließtext gesetzt, in Kleinschreibung. Großbuchstaben markieren hier den Verswechsel anstelle eines Zeilenumbruchs. Die Verse gehen ineinander über, so dass bspw. Vers 1 und 2 zusammen einen Sinn ergeben, aber auch Vers 2 und 3 zusammen als ein Vers verstanden werden können. Hinzu kommt der Rhythmus und einige Gemeinheiten wie etwa das Wort »sterbensgesund«, für das die Teilnehmer in zehn Übersetzungen auch zehn Varianten präsentierten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/la_abadia_2.png" title="La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires</small></p>
<p>Natürlich hat mich besonders gefreut, dass sich die Runde für »Ein anderes Blau« entschieden hat. Das lässt mich hoffen, dass es eines Tages auch von diesem schwierigen Buch, das ich so sehr liebe, eine spanische Übersetzung geben wird. Niemand übrigens hat hier beklagt, dass der Text doch so schwer verständlich sei oder dergleichen Argumente, die dafür verantwortlich waren, dass das Buch in Deutschland so lange nicht erscheinen konnte. Im Gegenteil: Das Interesse der Journalisten in den Interviews an diesem Text ist nicht weniger groß als das an »El lienzo«.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/la_abadia_3.png" title="La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires</small></p>
<p>Das <a href="http://laabadia.org">»Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos«</a> hat seine Heimstatt übrigens in einem früheren Mönchskloster. Das Gebäude ist spektakulär. Neben Ausstellungen, einem Café im oben gelegenen Innenhof gibt es hier ständig wechselnde kulturelle Ereignisse. Das Filba-Festival hat einen Großteil der Veranstaltungen hier angesiedelt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://turmsegler.net/img/2016/la_abadia_4.png" title="La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires" width="460" height="345"/><br />
<small>La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires</small></p>
<p>So fand auch die abendliche Podiumsrunde im Auditorio von »La Abadia« statt. Vivi Tellas hatte absagen müssen. So sprach Autor und Journalist Pedro Rey mit mir und dem brasilianischen Autor Bernardo Carvalho über Identitätsüberschneidungen: Leben Autoren in gewisser Weise die Leben ihrer Figuren? Oder leben diese vielleicht das Leben, das der Autor sich nicht zu leben wagt? Was macht das mit uns, und was bedeutet das für die Figuren? Die Debatte war sehr erfrischend, denn zwischen Carvalho und mir, unseren Ansichten zum Schreiben und unseren literarischen Methoden gibt es erhebliche Differenzen. Es tat der Debatte gut, dass wir diese Unterschiede ohne Verbissenheit aufzeigen, besprechen &#8211; und gelegentlich auch belächeln konnten.</p>
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<small>La Abadía Centro de Arte y Estudios Latinoamericanos, Buenos Aires</small></p>
<p>Interviews gab es um die Mittagszeit an diesem Tag entgegen dem Plan nur zwei. Der Interview-Marathon sollte erst am nächsten Tag folgen.</p>
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