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	<title>WEISSGARNIX</title>
	
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	<description>Wirtschaft, Politik und alles andere auch</description>
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		<title>Genial: Keynes vs Hayek</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 19:37:57 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Heroes & Losers]]></category>
		<category><![CDATA[Hayek]]></category>
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		<description><![CDATA[Man kann es schlicht nicht anders bezeichnen als &#8220;genial&#8221;: Keynes und Hayek in einer Jam-Session, mit Lyrics, die meiner Meinung nach absolut zutreffend sind. Dass beide gemeinsam in den Refrain &#8220;There&#8217;s a boom and a bust&#8221; einstimmen zeugt zudem davon, dass die Macher wirklich verstanden haben, was die beiden verband &#8211; und was sie trennte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Man kann es schlicht nicht anders bezeichnen als &#8220;genial&#8221;: Keynes und Hayek in einer Jam-Session, mit Lyrics, die meiner Meinung nach absolut zutreffend sind. Dass beide gemeinsam in den Refrain &#8220;There&#8217;s a boom and a bust&#8221; einstimmen zeugt zudem davon, dass die Macher wirklich verstanden haben, was die beiden verband &#8211; und was sie trennte. Hayeks Textzeile &#8220;Es ist der Boom, wo die Troubles anfangen&#8221; ist nicht 1:1 Keynes, aber dafür 99,5% Minsky. Nur mit seiner Ansicht zu Zins und Zentralbank liegt er in meinen Augen total daneben. Seine abschließende Punchline, dass die Politik nichts von dem versteht, was sie zu steuern versucht, ist hingegen wieder absolut zutreffend. Keynes würde ihm da aus heutiger Perspektive unumwunden zustimmen. Hayek-Fans werden zudem die Metapher mit der Glaspyramide sehr hübsch finden &#8211; natürlich nur, sofern sie seine Bücher gelesen haben. Was ja leider auf die Wenigsten zutrifft.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/d0nERTFo-Sk&amp;rel=0&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/d0nERTFo-Sk&amp;rel=0&amp;color1=0x3a3a3a&amp;color2=0x999999&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Quelle: econstories.tv</p>
<p>Via @Frankie Bernankie</p>
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		<title>Die Paradoxie des Steuerbetrügers</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 09:08:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>weissgarnix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cash as cash can]]></category>

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		<description><![CDATA[Erst war es eine CD, dann zwei – und mittlerweile scheint ein ganzes CD-Gewitter über deutsche Steuerhinterzieher hereinzubrechen. CDs in Hessen, CDs in Baden-Württemberg, CDs aus der Schweiz, CDs aus Liechtenstein – der Neid der Plattenindustrie auf den Boom bei Bankdaten-CDs könnte größer nicht sein.  Deutsche Steuerhinterzieher haben es aktuell nicht leicht.
Und seit gestern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Erst war es eine CD, dann zwei – und mittlerweile scheint ein ganzes CD-Gewitter über deutsche Steuerhinterzieher hereinzubrechen. CDs in Hessen, CDs in Baden-Württemberg, CDs aus der Schweiz, CDs aus Liechtenstein – der Neid der Plattenindustrie auf den Boom bei Bankdaten-CDs könnte größer nicht sein.  Deutsche Steuerhinterzieher haben es aktuell nicht leicht.</p>
<p>Und seit gestern Abend wird ihr Los erst recht unerträglich geworden sein, dank der Herren Sprenger und von Bechtholsheim, die bei Anne Will so dermaßen dummdreist zum Thema argumentierten, dass selbst Hans-Olaf Henkel nach Luft schnappte. „Die Steuerhinterzieher wehren sich ja nur gegen das System.“ Aha. „Kapitalflucht ist Pflicht.“ Soso. &#8220;Vermögende brachten ihr Geld aus Angst vor den Russen in die Schweiz.&#8221; Tatsächlich? Leichte Beute also für Sahra Wagenknecht, die redete wie ein Maschinengewehr; Statistiken runterkurbelte, als wollte sie sich bei Destatis für einen Praktikumsplatz bewerben.</p>
<p>Die Geldwirtschaft differenziert immer weiter aus – das haben wir hier schon oft genug festgestellt. Zu Bruch gehen dabei alle Arten von traditionellen Bindungen, Moralvorstellungen und Loyalitäten. Vor diesem Hintergrund steht der Steuerhinterzieher vor einem paradoxen Problem: Er verhält sich aus persönlicher Geldgier regelwidrig, muss dabei aber davon ausgehen, dass sich andere, die ihm dabei helfen, nicht auch so verhalten. Und nicht ihrer eigenen Geldgier stattgeben. Sich also selbst für zweieinhalb Millionen nicht zum Bruch des Bankgeheimnisses verleiten lassen. Sich ihm gegenüber loyal verhalten, obwohl man ihnen vielleicht das Zig-fache ihres Gehalts bietet.</p>
<p>Mit anderen Worten: Der Steuerhinterzieher postuliert eine Umwelt, die moralisch besser ist als er selbst.</p>
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		<title>Was ermöglichte die Notenpresse?</title>
		<link>http://www.weissgarnix.de/2010/02/07/was-ermoglichte-die-notenpresse/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 17:36:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>weissgarnix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Heroes & Losers]]></category>
		<category><![CDATA[Gutenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Leonardo da Vinci]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lach mich schlapp: Die Urmutter aller Druckerpressen, mittels derer Banknoten gedruckt und wunderhübsche Kreditexpansionen in Gang gesetzt werden konnten, wurde wie finanziert? Na mit einem Kredit natürlich! Zumindest steht das so in dem schlauen Buch, das ich gerade lese, &#8220;History of Money&#8221; von Glyn Davies.
Johann Gutenberg war für seine Basteleien zwischen 1450 und 1452 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Ich lach mich schlapp: Die Urmutter aller Druckerpressen, mittels derer Banknoten gedruckt und wunderhübsche Kreditexpansionen in Gang gesetzt werden konnten, wurde wie finanziert? Na mit einem Kredit natürlich! Zumindest steht das so in dem schlauen Buch, das ich gerade lese, &#8220;History of Money&#8221; von Glyn Davies.</p>
<p>Johann Gutenberg war für seine Basteleien zwischen 1450 und 1452 auf ein Darlehen angewiesen. Es belief sich auf 1600 Gulden und stammte von einem Mainzer Bankier namens Johann Fust. Dieser muss wohl ziemlich &#8220;profit-minded&#8221; gewesen sein, was man von Herrn Gutenberg aber nicht gerade behaupten konnte: Weil er immer wieder in Zahlungsverzug geriet, musste er Fust schließlich den Großteil aller zukünftigen Gewinne abtreten, die sich aus der kommerziellen Verwertung seiner Erfindung ergeben würden.</p>
<p>Nach einigem Hin und Her endete das Ganze schließlich mit der Klage Fusts über insgesamt 2.026 Gulden. Dieser wurde vom Gericht stattgegeben, worauf Fust in Gutenbergs Vermögen vollstreckte. Er setzte seinen zukünftigen Schwiegersohn Peter Schoeffer als Geschäftsführer ein, und am 14. August 1457 erschien das erste gedruckte Buch der Weltgeschichte, der &#8220;Mainzer Psalter&#8221;. Herausgegeben von Fust und Schoeffer.</p>
<p>In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Gutenbergsche Presse dann für die Münzprägung adaptiert, unter kräftigem Zutun von Leonardo da Vinci, wie es scheint. Aber erst 200 Jahre später sollte Europa auf die Idee verfallen, dass man damit ja eigentlich auch einfaches Papier bedrucken und das dann als Geld verwenden könnte.</p>
<p>Ja, Freunde &#8211; so war das damals.</p>
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		<title>Das Ganze nochmal grafisch</title>
		<link>http://www.weissgarnix.de/2010/02/07/das-ganze-nochmal-grafisch/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 13:29:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>weissgarnix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cash as cash can]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>

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		<description><![CDATA[Offenbar habe ich mich in meinem letzten Beitrag missverständlich ausgedrückt.  Ich nehme daher einen erneuten Anlauf und versuche es wie der Pauli Krugman mal mit einer Grafik:
Wir sehen eine grüne Arbeitsangebotsfunktion, die bei Hartz IV startet und mit der Lohnhöhe steigt. Die These lautet also, dass unter Hartz IV niemand arbeitet, weil er das gleiche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>Offenbar habe ich mich in meinem letzten Beitrag missverständlich ausgedrückt.  Ich nehme daher einen erneuten Anlauf und versuche es wie der Pauli Krugman mal mit einer Grafik:</p>
<div id="attachment_4033" class="wp-caption aligncenter" style="width: 425px">
	<a href="http://www.weissgarnix.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/hartz2.jpg"><img class="size-large wp-image-4033 " title="Hartz und Erwerbslöhne (für Vergrößerung klicken)" src="http://www.weissgarnix.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/02/hartz2-425x260.jpg" alt="Hartz und Erwerbslöhne (für Vergrößerung klicken)" width="425" height="260" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Hartz und Erwerbslöhne (für Vergrößerung klicken)</p>
</div>
<p>Wir sehen eine grüne Arbeitsangebotsfunktion, die bei Hartz IV startet und mit der Lohnhöhe steigt. Die These lautet also, dass unter Hartz IV niemand arbeitet, weil er das gleiche Geld auch vom Staat bekommen kann.</p>
<p>Unsere Arbeitsangebotsfunktion trifft auf eine Arbeitsnachfragefunktion seitens der Unternehmer. Wo sich die beiden Kurven schneiden (W1/Q1), ist der Markt im Gleichgewicht. Soll heißen: läge der Lohn oberhalb von W1, dann hätten mehr Arbeitslose einen Anreiz, arbeiten zu gehen, was das Angebot vergrößert und den Lohn wieder auf das Gleichgewichstniveau drückt. Läge die Lohnhöhe aber andererseits unterhalb des Gleichgewichtslohns, dann müßten theoretisch Arbeitnehmer aus dem Markt ausscheiden, weil ihnen zu derartigen Konditionen eine Arbeit nicht reizvoll erscheint. Der Lohn müßte also wieder auf W1 steigen.</p>
<p>Tatsächlich ist es aber nun so, dass eine ganze Reihe von Arbeitswilligen für kaum mehr als Hartz IV einer Arbeit nachgehen. In meiner Grafik habe ich diese Aussage vereinfacht mit &#8220;genausoviel wie Hartz IV&#8221; angenommen. Mit anderen Worten: Ihr Nettolohn (W2) liegt auf  Höhe von Hartz IV (gestrichelten Linie). Diese trifft auf einem höheren Beschäftigungsniveau auf die Arbeitsnachfragefunktion der Unternehmer; nämlich an dem Punkt auf der x-Achse, der mit &#8220;Q2&#8243; markiert ist. Auf einem niedrigeren Niveau als dem Gleichgewichtslohn gibt es entsprechend mehr Arbeitsstellen, daher schrieb ich auch im Vorbeitrag, dass die Argumentation der Medien, des Kieler WWI usw eigentlich eine geringere Beschäftigung bei deutlicherem Lohndifferenzial vorsehen müßte (nämlich Q1).</p>
<p>Klar soweit?</p>
<p>Jetzt gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten:</p>
<p>1) Es könnte sein, dass das ganze Reden vom &#8220;erforderlichen Lohnabstand&#8221; gar nicht zutrifft, und die Leute so oder so arbeiten. Wenn dem so wäre, dann würden sich die grüne und die rote Kurve also in Wahrheit auf Höhe der gestrichelten Linie schneiden, d.h. auf Hartz-IV-Niveau (dargestellt durch die gestrichelte grüne Kurve). Das Gleichgewicht läge also auf W2/Q2. Soll heißen: Wer Arbeit bekommt, der arbeitet, unabhängig davon, ob er nicht stattdessen mit Hartz IV genauso gut oder schlecht leben könnte. Andererseits gibt es aber auf diesem Niveau nicht mehr Arbeitsstellen, als ohnehin schon besetzt.</p>
<p>Ich erlaube mir den Hinweis, dass diese Möglichkeit eine gänzlich andere ist, als momentan in den Medien diskutiert und von Roland Koch etc propagiert wird. Und in meinem Vorbeitrag ging es mir zunächst einmal um nichts anderes, als das herauszustellen.</p>
<p>2) Es könnte aber andererseits auch sein, dass der &#8220;vernünftige Lohnabstand&#8221; sehr wohl vonnöten, aber der Arbeitsmarkt für Geringqualifizierte aus irgendwelchen Gründen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wäre dem so, dann läge die erzielbare Beschäftigung auf dem Niveau von Q1, aber die Arbeitnehmer schaffen es schlicht nicht, höhere Löhne durchzusetzen als Hartz IV bzw W2. Dennoch gehen sie lieber arbeiten, als zuhause rumzusitzen und Hartz IV zu kassieren.</p>
<p>Ich erlaube mir erneut den Hinweis, dass das ebenfalls eine völlig andere Situation wäre, als die in den Medien diskutierte.</p>
<p>Meine persönliche These lautet: Das ist die Situation, mit der wir tatsächlich konfrontiert sind. Ich glaube, dass langfristig tatsächlich die Erwerbswilligen auf höhere Einkommen als Hartz IV hoffen, aber kurzfristig bereit sind, zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, um überhaupt &#8220;im Spiel&#8221; zu bleiben. Daher meine Vermutung: Führte man einen Mindestlohn in den betroffenen Arbeitsmarktsegmenten ein (auf das Niveau, auf dem sich rote und grüne Kurve schneiden), dann würde es an der Beschäftigungssituation nicht viel ändern. Denn die Stellen, die es auf diesem neuen Lohnniveau zu besetzen gäbe, sind besetzt und bleiben besetzt. Mehr hatten die Unternehmer ohnehin nicht vor, an Stellen anzubieten bzw an Arbeitskraft nachzufragen. Das einzige, was durch einen Mindestlohn passieren würde, wäre, dass man dem Markt auf seinem Weg zum Gleichgewicht ein wenig &#8220;unter die Arme greift&#8221;.</p>
<p>Wie dem auch sei: Beide Möglichkeiten laufen jedenfalls darauf hinaus, dass den Hartz-Empfängern mit der medialen Dauerschelte Unrecht getan wird.</p>
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		<title>Theorie vom fehlenden Arbeitsanreiz macht keinen Sinn</title>
		<link>http://www.weissgarnix.de/2010/02/06/theorie-vom-fehlenden-arbeitsanreiz-macht-keinen-sinn/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 13:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>weissgarnix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Cash as cash can]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>

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		<description><![CDATA[In der FAZ-Wirtschaftsredaktion haben sie offenbar eine Studie des Kieler Weltwirtschaftsinstituts ausgegraben, die den Abstand zwischen Erwerbseinkommen und Hartz-IV-Leistungen thematisiert. Quintessenz:  Es lohne sich für Geringqualifizierte nicht mehr, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, weil man mit Hartz IV das gleiche oder nur ein unwesentlich geringeres Einkommen erzielen kann.
Der Gedanke allein hat in meinen Augen schon etwas perfides, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p>In der FAZ-Wirtschaftsredaktion haben sie offenbar eine <a href="http://www.faz.net/s/Rub0B44038177824280BB9F799BC91030B0/Doc~E14C41FD68903404AA9BD78247EABABA0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Studie des Kieler Weltwirtschaftsinstituts</a> ausgegraben, die den Abstand zwischen Erwerbseinkommen und Hartz-IV-Leistungen thematisiert. Quintessenz:  Es lohne sich für Geringqualifizierte nicht mehr, einer Erwerbsarbeit nachzugehen, weil man mit Hartz IV das gleiche oder nur ein unwesentlich geringeres Einkommen erzielen kann.</p>
<p>Der Gedanke allein hat in meinen Augen schon etwas perfides, weil &#8211; wir erinnern uns &#8211; es doch jahrelang geheißen hat, die Löhne müßten nach unten flexibler werden. Gesagt, getan &#8211; und das würde jetzt also bedeuten, dass man die sozialen Mindeststandards ebenfalls nach unten korrigieren muß, weil sonst die Abstände nicht mehr passen? Ein Schelm, wer hier Böses denkt.</p>
<p>Aber OK. Wir wollen nicht lamentieren. Machen wir lieber was anderes:</p>
<p>Ich stelle den Ökonomen des Weltwirtschaftsinstituts die Frage, wie es überhaupt im Rahmen IHRER eigenen Theorie dazu kommen kann, dass sich der Abstand zu den Erwerbseinkommen so stark verringert. Oder gar auf null fällt. Im Rahmen der neoklassischen Preistheorie bzw ihrer Argumentation müßte doch Folgendes gelten:</p>
<p>Wenn Hartz IV eine seriöse Alternative für einen nennenswerten Teil des Erwerbspublikums darstellt, dann gibt es niemanden, der eine Arbeitsstelle für weniger annehmen wird. Zumindest wenn er rational agiert, wie es die Neoklassik ja postuliert. Wenn mir Hartz IV im Monat 1000 Euro bringt, ein Vollzeit-Job aber nur 900 Euro, dann wäre ich ja tatsächlich schön bescheuert, dem Job nachzugehen.</p>
<p>Und nicht nur das: Der theoretisch niedrigste Erwerbslohn müßte sich auf einem Niveau einpendeln, das soweit oberhalb von Hartz IV liegt, dass der Grenznutzen der Arbeitsaufnahme die Grenzkosten (in der Literatur auch häufig das &#8220;Grenzleid&#8221;) überwiegt. Anders gesagt: Nur ein paar mickrige Euros mehr zu verdienen als Hartz IV, wird den Meisten nicht reichen, um die Freizeit gegen die 40-Stunden-Woche einzutauschen. Es müßte schon ein deutlicher Abstand sein, sagen wir mal 25% oder sowas in der Richtung.</p>
<p>Soweit klar? Nota bene: das ist alles nicht meine Meinung, sondern das sind Aussagen, die die Theorie trifft, welche diesen Beiträgen in der FAZ, dem Handelsblatt und sonstwo zugrunde liegen. Und auch dieser Studie des Kieler WWI.</p>
<p>Und jetzt nochmals meine Frage: Warum stellt sich dann in der Praxis dieser Abstand nicht ein? Warum kommen Netto-Löhne im Geringqualifizierten-Segment tatsächlich auf oder sogar unterhalb von Hartz IV zu liegen?</p>
<p>Was mich kollossal ärgert ist, dass es den ganzen Proto-Ökonomen in den Gazetten überhaupt nicht aufzufallen scheint, dass sich die  Theorie da selber widerspricht. Es dürfte schlichtweg nicht passieren, dass der Lohnabstand zu Hartz IV so gering ausfällt oder sogar auf Null absinkt. Was stattdessen passieren müßte, ist, dass es ein ausgeprägtes Differenzial gibt, zudem aber nur wenige Arbeitsstellen angeboten werden. Soll heißen: die Arbeitslosigkeit im unteren Lohnsegment müßte theoretisch höher sein, die bezahlten Erwerbslöhne aber dafür auch.</p>
<p>Warum? Ganz einfach: Weil die Möglichkeit von Hartz IV den Geringqualifizierten als Gruppe (nicht individuell!) die Möglichkeit gibt, zu agieren wie Oligopolisten: Sie können über die Höhe ihres Arbeitsangebots den Preis steuern. Soll heißen: wenn der Markt nicht das bezahlt, was erwünscht ist, dann gehen sie eben in Scharen nicht arbeiten, sondern bleiben zuhause und ernähren sich von Hartz IV.</p>
<p>Nun ist es aber in der Praxis halt offenbar so, dass es diese geringen bzw nicht-existenten Unterschiede tatsächlich gibt. Frage: Wie kann das sein? Meine These: Die ganze Theorie ist Schrott! Die Studie des WWI gehört auf den Müllhaufen, genauso wie sämtliche Beiträge in der FAZ und sonstwo, diverse Aussagen von Sachverständigen usw. Noch nicht mal die Gewerkschaften scheinen begriffen zu haben, wie das Spiel funktioniert, denn ob die Organisationsmacht der Geringqualifizierten niedrig ist oder hoch spielt hier überhaupt keine Rolle (vgl Aussagen im verlinkten Artikel): Alleine schon die Möglichkeit, zu annähernd gleichen finanziellen Konditionen NICHT zu arbeiten, gibt ihnen die Marktmacht, die sie theoretisch brauchen.</p>
<p>Die Situation scheint wohl vielmehr die zu sein: Trotz der geringen Lohnunterschiede gehen Erwerbsfähige lieber einer Arbeit nach, als Hartz IV in Anspruch zu nehmen. Aus welchen Gründen auch immer, sei es persönlicher Stolz, Angst vor Stigmatisierung oder schlicht deshalb, weil sie nicht wissen, was sie sonst mit ihrer Zeit anfangen sollten. Es kommt also, so gesehen, zu einem Überangebot an Arbeitskraft auf einem gegebenen Lohnniveau oder, was wahrscheinlicher ist, zu einem Gleichgewichtsangebot von Arbeitskraft auf einem zu niedrigen Lohnniveau.</p>
<p>Die in den Medien herbeigeschriebene Situation, in der Erwerbsfähige lieber zuhause bleiben und auf Kosten des Steuerzahlers leben, scheint daher überhaupt nicht existent. Und ich betone nochmals: Nicht nach den Maßstäben meiner eigenen Theorie, sondern im Rahmen des Gedankengebäudes, das den obigen Aussagen zugrunde liegt. Es ist inkonsistent. Wenn die Gefahr bestünde, dass alle Gerinqualifizierten in Scharen in Hartz IV flüchten, warum tun sie es dann nicht schon längst? Wenn sie es täten, dann müßten aber größere Unterschiede zu den Erwerbslöhnen sichtbar sein.</p>
<p>Meine These deshalb: Man sollte tatsächlich versuchen, in den betroffenen Branchen (von denen sich die meisten nicht am Weltmarkt orientieren müssen sondern binnenfokussiert sind) einen Mindestlohn einzuführen, der 25 bis 30% oberhalb von Hartz IV liegt. Und dann müßte man halt mal gucken, was passiert. Ich vermute: gar nichts. Außer, dass der Abstand zwischen Hartz IV und den niedrigsten Erwerbslöhnen tatsächlich höher wird. Was womöglich einige Arbeitslose dazu anregen wird, sich verstärkt um einen Job zu bemühen. Ob sie einen finden werden, bleibt fraglich.</p>
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