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	<title>André Herrmann</title>
	
	<link>http://www.andreherrmann.de</link>
	<description>Perhaps it's done already, perhaps they have said me already, perhaps they have carried me to the threshold of my story, before the door that opens on my story, that would surprise me, if it opens, it will be I, it will be the silence, where I am, I don't know, I'll never know, in the silence you don't know, you must go on, I can't go on, I'll go on. (Beckett)</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Sep 2010 00:37:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>putting my two cents in [40]</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Sep 2010 00:35:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ick sare dir!]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;Es hat sich schon derart passgenau in den Alltag eingef&amp;#252;gt, dass ich glatt vergessen habe, es zu zeigen, darum soll es an dieser Stelle nachgeholt sein. Sehet darum das gro&amp;#223;artige &lt;a href="http://www.facebook.com/pages/Team-Totale-Zerstorung/162796997104"&gt;Team-Totale-Zerst&amp;#246;rung&lt;/a&gt;-Zippo, das wir beim &lt;a href="http://openflair.de"&gt;Open Flair Festival&lt;/a&gt; einfach so bekommen haben und gravieren lassen konnten, je ein Exemplar f&amp;#252;r Julius und f&amp;#252;r mich. Und sie stehen uns gut.&lt;/p&gt;
&lt;div id="attachment_5232" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img class="size-full wp-image-5232" style="border: solid 1px #444;" title="ttz_zippo" src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/09/ttz_zippo.jpg" alt="" width="425" height="319" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px'&gt;Schlechtes Bild, aber die Gravur sagt &amp;quot;Team Totale Zerst&amp;#246;rung&amp;quot;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/-JLM_ydw3c8" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<item>
		<title>Jens Petersen: Die Haushälterin</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 16:31:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.andreherrmann.de/?p=5210</guid>
		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3421057869?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3421057869"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/09/dh.jpg" style="border-left: solid 1px #444; border-right: solid 1px #444; margin-bottom: 5px; margin-right: 10px; float: left; width: 200px;"  /&gt;&lt;/a&gt; Mit Beginn der Sommerferien verliert Philipps Vater seinen Job, weil er nicht, wie von seinem Arbeitgeber verlangt, nach Japan gehen will und dar&amp;#252;ber hinaus mit der gezahlten Abfindung zufrieden ist. Fortan spielt sich sein Leben vorm Fernseher des alten Hauses in der N&amp;#228;he Hamburgs ab, der Vater trinkt, Philipp vert&amp;#228;ndelt seine Ferienzeit zu Hause. Eines Tages st&amp;#252;rzt der Vater betrunken die Kellertrepper herunter und bricht sich das Bein, er kommt ins Krankenhaus, der Knochen wird kompliziert mit einem &amp;#228;u&amp;#223;eren Stahlgestell gehalten, Philipp ordnet den Haushalt, so gut er kann. Als der Vater wieder nach Hause kommt, hat Philipp eine Haush&amp;#228;lterin eingestellt, ein polnisches M&amp;#228;dchen namens Ada und des Vaters Argwohn ihr gegen&amp;#252;ber verfliegt bald, als auch er ihre liebreizende Art kennen lernt.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;&amp;#8220;Pl&amp;#246;tzlich interessierte mein Vater sich f&amp;#252;r V&amp;#246;gel. Er wies mich an, vom Dachboden den Armeekoffer seines Onkels zu holen, nahm den Feldstecher heraus und steckte ihn neben das Polster des Sessels. Mittags, wenn Ada am Flu&amp;#223; sa&amp;#223; und die F&amp;#252;&amp;#223;e ins Wasser hielt, beobachtete er den Buntspechte am Stamm der jungen Birke.&amp;#8221;&lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3421057869?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3421057869"&gt;&amp;#8220;Die Haush&amp;#228;lterin&amp;#8221; von Jens Petersen&lt;/a&gt; beschreibt eine nicht ganz intakte, aber auch nicht v&amp;#246;llig kaputte Beziehung zwischen Vater und Sohn. Philipp erlebt das Auf und Ab seines arbeitslosen Vaters zwischen Alkohol und der heimlichen Liebe zu Ada vor dem Hintergrund seines eigenen Reifeprozesses. Er selbst f&amp;#252;hlt sich zu Ada hingezogen, obwohl er nie sicher sein kann, wie viel ihrer Zuneigung echt ist und inwieweit das sieben Jahre &amp;#228;ltere M&amp;#228;dchen nur mit ihm spielt. Mit ihr erlebt er die erste Party, die ersten Ausbr&amp;#252;che aus dem eigenen Kindsein und, auch wenn sie nur von ihm ausgeht, seine erste Liebe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Buch liest sich von Anfang an wunderbar, Petersen kann mit wenigen Worten Szenerien schaffen, die dem Leser immer wieder Lust bringen, weiter zu lesen, wissen zu wollen, wie sich die Geschichte zwischen dem Vater, Philipp und Ada weiter entwickelt. Gerade Ada und der Sinneswandel des Vaters ihr gegen&amp;#252;ber sind so toll und ausf&amp;#252;hrlich beschrieben, dass man diesen Stellen am Ende fast ein wenig nachtrauert. Ada belebt den Haushalt von Philipp und seinem Vater und beide &amp;#252;berschlagen sich f&amp;#246;rmlich in G&amp;#252;tigkeiten zu ihr. Trotzdem ist die Geschichte oft von so gro&amp;#223;er erz&amp;#228;hlerischer Entfernung aus erz&amp;#228;hlt, dass man sich den Figuren nicht sehr nahe f&amp;#252;hlt, nicht zuletzt weil die Geschichte an sich zu wenige Ecken hat, was der eigentliche Makel des Buches ist. Oft hat man das Gef&amp;#252;hl, die Leidensgeschichte eines unbeholfenen B&amp;#252;rgerjungen zu lesen, der zwar den eigenen Haushalt, aber nicht sich selbst organisieren kann, nur dass dieses Schicksal einen als Leser auch nicht sonderlich ber&amp;#252;hrt. Petersen schreibt eine ruhige Geschichte, die, wenn auch tragisch, nie so tragisch wird, dass man unheimlich gro&amp;#223;en Anteil daran nimmt, daf&amp;#252;r ist alles einfach zu nett und in seiner Konsequenz zu weich. Gerade deshalb wirkt die letztendliche Wendung so unaufgeregt, vielleicht auch weil Petersen in seiner Schreibweise nie sonderlich explizit wird und alle gr&amp;#246;&amp;#223;eren Konsequenzen nur andeutungsweise vorbringt. Das macht die Geschichte am Ende leider weniger nachvollziehbar, sodass nur eine gegenseitige und offen gelassene Emanzipation von Vater und Sohn bleibt, ein gro&amp;#223;es Ende, ein Ausblick oder eine Kehrtwende aber fehlt. Ein empfehlenswertes und sehr gekonnt geschriebenes Buch, dessen Handlung allein etwas mehr h&amp;#228;tte bieten k&amp;#246;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3421057869?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3421057869"&gt;Jens Petersen: Die Haush&amp;#228;lterin&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
dtv, 176 Seiten&lt;br /&gt;
ISBN: 342105786&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/MKNZuCkWolA" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Was wir Samstagnachmittag so tun</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 17:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ick sare dir!]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;Mein lieber Team-Totale-Zerst&amp;#246;rungs-Partner &lt;a href="http://myspace.com/juliusfischer"&gt;Julius&lt;/a&gt; wird im September erneut beim &lt;a href="http://www.kampfderkuenste.de/news.php?category=news&amp;#038;newsid=128"&gt;Kampf der K&amp;#252;nste Dreikampf&lt;/a&gt; im Hamburger Schauspielhaus antreten. Nachdem er sich im M&amp;#228;rz schon mit &lt;a href="http://www.marcuwekling.de"&gt;Marc-Uwe Kling&lt;/a&gt; in Text, Musik, Film und der freien K&amp;#252;r gemessen hat und unter mit fabelhafter &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=Yh9zRSJz7yM"&gt;TTZ-Unterst&amp;#252;tzung&lt;/a&gt; den Sieg erringen konnte, geht es nun an gegen die Slam-Legende &lt;a href="http://www.schnipselfriedhof.de"&gt;Volker Str&amp;#252;bing&lt;/a&gt; aus Berlin. Hier ein kleiner Teaser:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;iframe class="youtube-player" type="text/html" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/embed/a2ME3Tg0oS0" frameborder="0"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=a2ME3Tg0oS0"&gt;Direkttease&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/9ZBQgbFLVcY" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Best of Twitter August 2010</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 07:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;Erneut schamloser Ideenklau von &lt;a href="http://www.ankegroener.de/?p=9622"&gt;Anke Gr&amp;#246;ner&lt;/a&gt;, aber die Idee ist einfach klasse. Da ich selbst den Spa&amp;#223; erst seit ein paar Tagen verfolge und &lt;a href="http://twitter.com/nnamrreherdna"&gt;mitmache&lt;/a&gt;, bel&amp;#228;uft sich meine Favoritenliste bisher ausschlie&amp;#223;lich auf Nachrichten aus dieser Zeit, die Selbstreferenzen seien mir geg&amp;#246;nnt, Vollst&amp;#228;ndigkeit nicht garantiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/kleeverliebt/status/22275673677"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw1.jpg" alt="" title="tw1" width="425" height="239" class="alignnone size-full wp-image-5178" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/bov/status/22515736265"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw5.jpg" alt="" title="tw5" width="425" height="240" class="alignnone size-full wp-image-5182" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/nnamrreherdna/status/22427687932"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw0.jpg" alt="" title="tw0" width="425" height="228" class="alignnone size-full wp-image-5177" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/hermsfarm/status/22456324687"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw3.jpg" alt="" title="tw3" width="425" height="215" class="alignnone size-full wp-image-5180" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/nnamrreherdna/status/22540581218"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw7.jpg" alt="" title="tw7" width="425" height="239" class="alignnone size-full wp-image-5184" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/_yeahsara/status/22454229735"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw9.jpg" alt="" title="tw9" width="425" height="196" class="alignnone size-full wp-image-5186" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitter.com/UARRR/status/22527597253"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/tw6.jpg" alt="" title="tw6" width="425" height="214" class="alignnone size-full wp-image-5183" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://twitpic.com/2jo9wi"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/153977634.png" alt="" title="tw" width="231" height="206" class="alignnone size-full wp-image-5176" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/nKt3ZxL_Dp4" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<item>
		<title>versprochen</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 20:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Litritscher]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.andreherrmann.de/?p=5197</guid>
		<description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/mm1.jpg" alt="" title="mm" width="425" style="border: solid 1px #444" class="alignnone size-full wp-image-5198" /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/xiaming/3974046966/in/photostream/"&gt;Bild&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/xiaming/"&gt;xiaming&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Handy f&amp;#252;hrte ihn zuverl&amp;#228;ssig in die Rue Gabrielle. Mit gr&amp;#252;nen Ranken behangenen lag das Haus neben einem kleinen Lebensmittelladen, &amp;#252;ber die sandsteinfarbenen H&amp;#228;user konnte man nicht weit entfernt die T&amp;#252;rme der Sacré-Cœur erkennen. Er zog seinen Koffer auf den Treppenabsatz, dr&amp;#252;ckte die Kombination f&amp;#252;r das Au&amp;#223;entor auf der kleinen Tastatur und eine kleine Lichtwelche rollte &amp;#252;ber das Display, ehe das Schloss aufsprang und den Weg zur Haust&amp;#252;r freigab. Nachdem er die zweite Kombination eingegeben und sein Gep&amp;#228;ck durch den schmalen Durchgang des Vorderhauses gezogen hatte, stand er im Innenhof. Das Hinterhaus sah weitaus verfallener aus als das vordere, in allen drei Stockwerken standen die Fenster weit offen, aus dem ersten Stock klang ein ruhiger Chanson, von dessen Inhalt er kaum etwas verstand, dahinter Gemurmel und Gel&amp;#228;chter.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Hallo?&amp;#8221;, rief er mit nach oben gestrecktem Kinn aus dem Hof hinauf.&lt;br /&gt;
Die Musik wurde leiser und ein d&amp;#252;nner junger Mann streckte sich aus dem Fenster. Seine Haare waren pechschwarz und seine karamelfarbene Haut machte sein wei&amp;#223;es Unterhemd strahlen. Er sah sich um und dann in den Hof, l&amp;#228;chelte und die schwarzen Stoppeln in seinem Gesicht zogen sich zu den Seiten.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ah, du bist Sebastien!&amp;#8221;, rief der junge Mann grinsend.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Adem?&amp;#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;!--more--&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Genau! Komm hoch, wir haben schon auf dich gewartet!&amp;#8221;, er schwang sich zur&amp;#252;ck ins Zimmer und verschwand.&lt;br /&gt;
Sebastien schleppte seinen Koffer nach oben, in der ersten Etage erwartete ihn Adem mit ausgestrecktem Arm.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Adem&amp;#8221;, sagte er noch einmal.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Sebastien&amp;#8221;, sagte Sebastien, w&amp;#228;hrend er Adems Hand sch&amp;#252;ttelte, &amp;#8220;Freut mich.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Das da dr&amp;#252;ben ist dein Zimmer&amp;#8221;, Adem zeigte auf eine T&amp;#252;r, die einen halben Meter k&amp;#252;rzer war, als die anderen beiden T&amp;#252;ren nebenan, Sebastien nickte, bedankte sich und setzte an, seinen Koffer anzuheben.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Warte&amp;#8221;, sagte Adem, &amp;#8220;Den Schl&amp;#252;ssel hat Marie, die ist aber gerade nicht da. Am Besten, du kommst einfach mit zu mir, w&amp;#228;hrend du wartest, Marie kommt sicher bald.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sebastien h&amp;#228;tte viel lieber jetzt schon sein Zimmer bezogen und sich ein wenig auf dem Bett ausgestreckt, die Fahrt von Rennes nach Paris hatte l&amp;#228;nger gedauert, als erwartet.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Vielleicht kannst du mir einfach ihre Nummer geben?&amp;#8221;, schlug er vor.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Hab ich selbst nicht, ich kenne Marie eigentlich kaum, nicht so gespr&amp;#228;chig, musst du wissen.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem schlenderte in sein Zimmer, &amp;#8220;Komm!&amp;#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Sebastien den Raum betrat, f&amp;#252;hlte es sich an, als w&amp;#252;rden ihn tausende Menschen beobachten. &amp;#220;berall an den W&amp;#228;nden hingen Bilder von Parties, M&amp;#228;dchen, die sich ihre Tops vom K&amp;#246;rper zerrten, betrunkene M&amp;#228;nner auf Toiletten, grelles Licht. In den Ecken des Zimmers stapelte sich Kartons, aus denen noch mehr Abz&amp;#252;ge hervor schauten, auf dem Schreibtisch standen leere Wodkaflaschen in kleinen Gr&amp;#252;ppchen, der Kleiderschrank quoll &amp;#252;ber und war mit Stickern ber&amp;#252;hmter Labels beklebt, ein paar Fruchtfliegen kreisten &amp;#252;ber dem Sp&amp;#252;lbecken. Hinter der Sp&amp;#252;le lag ein kleineres Zimmer, Sebastien konnte ein Bett erkennen und eine Dusche.&lt;br /&gt;
Er gr&amp;#252;&amp;#223;te die beiden M&amp;#228;nner auf der Couch, der eine in einem seltsamen hellblauen Blouson, eine M&amp;#252;tze schief auf dem Kopf, vorn&amp;#252;bergebeugt vor einer Bong, der andere in hautengen Jeans, den Kopf zur&amp;#252;ck gelehnt, durch seine Sonnenbrille schielend.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Louise, Marc&amp;#8221;, stellte Adem sie vor, die beiden nickten, &amp;#8220;Das hier ist Sebastien, unser neuer Hausmeister.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Cool&amp;#8221;, sagten beide wie aus einem Mund.&lt;br /&gt;
Sebastiens Kopf hatte sich bei dem Wort &lt;em&gt;Hausmeister&lt;/em&gt; automatisch gesenkt. Es war nicht richtig, sein Job hatte keine Bezeichnung, es war kein Job, eher eine Abmachung zwischen Sebastien und dem Vermieter, der sich in Nizza einen sch&amp;#246;nen Lebensabend abseits des Pariser Trubels g&amp;#246;nnte. Sebastien sollte nur daf&amp;#252;r Sorge tragen, dass der Hof und die Treppenh&amp;#228;user regelm&amp;#228;&amp;#223;ig gefegt, die Toiletten auf allen drei Etagen w&amp;#246;chentlich gereinigt, der M&amp;#252;ll sortiert und die M&amp;#252;lltonnen an den Abholtagen vors Haus gestellt wurden, das war seine Arbeit. Im Gegenzug k&amp;#246;nnte Sebastien das kleine Zimmer so lange nutzen, wie er wollte. Aber wahrscheinlich hatte der Vermieter es den anderen als &lt;em&gt;Hausmeister&lt;/em&gt; angek&amp;#252;ndigt, um nicht unn&amp;#246;tig viel erkl&amp;#228;ren zu m&amp;#252;ssen und Eifers&amp;#252;chte zu sch&amp;#252;ren.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und was machst du sonst so?&amp;#8221;, fragte Marc und r&amp;#252;ckte seine Sonnenbrille gerade.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;In zwei Wochen beginnt mein Studium&amp;#8221;, sagte Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Studium!&amp;#8221;, rief Adem und lachte, die anderen beiden lachten mit, &amp;#8220;Freiwillig?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nat&amp;#252;rlich&amp;#8221;, Sebastien zuckte mit den Schultern, &amp;#8220;Politik und Anglistik, ich dachte hier im Haus w&amp;#252;rden so gut wie alle studieren?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Achje&amp;#8221;, sagte Adem, &amp;#8220;Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mein Studium abzubrechen. Aber hast schon recht, ein paar Leute hier studieren noch.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und was machst du?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem grinste ein k&amp;#252;nstliches Grinsen, &amp;#8220;Was siehst du?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Fotos.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Das ist, was ich mache.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und das funktioniert?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Siehst du doch.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Bist du Partyfotograf?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adam lachte kurz und sah Sebastien mitleidig an, &amp;#8220;Wenn man mich auf irgendetwas festlegen will, dann bin ich in erster Linie Modefotograf.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Aber die Bilder Bilder stammen doch alle von Parties?&amp;#8221;, warf Sebastien ein.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Guck doch einmal richtig hin, was siehst du?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Gehst du auf Parties und verlangst sp&amp;#228;ter Geld daf&amp;#252;r, die Fotos von den Entgleisungen der Leute nicht zu ver&amp;#246;ffentlichen?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Marc und Louise prusteten, Adem grinste. &amp;#8220;Gar keine schlechte Idee. Nein, nein. Vielleicht, also man k&amp;#246;nnte sagen, ich h&amp;#228;tte als Partyfotograf angefangen, bis ich es auf eine neue Stufe gehoben habe.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich wei&amp;#223; es wirklich nicht&amp;#8221;, sagte Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Fr&amp;#252;her habe ich Freunde auf Parties und &amp;#252;berall fotografiert und die Bilder ins Internet gestellt. Irgendwann kam dann ein kleines Label, das mir anbot, Klamotten zu sponsorn, wenn die Leute auf den Bildern sie tragen w&amp;#252;rden und jetzt bekommen wir haufenweise Pakete von Designern und Modemarken, die obendrein meine Bilder kaufen, ist billiger f&amp;#252;r sie.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;So gute Bilder k&amp;#246;nnten die selbst nie machen&amp;#8221;, mischte sich Marc ein.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Exakt&amp;#8221;, sagte Adem, &amp;#8220;Ich bin mit meinen Bildern bekannt geworden und sie kaufen sich einen Teil meiner Bekanntheit. Heute linkt meine Domain direkt auf meinen Twitter-Account, die Ver&amp;#246;ffentlichungsrechte der Bilder gehen direkt an die Kunden, nur &amp;#252;ber Twitter ver&amp;#246;ffentliche ich noch das ein oder andere Bild.&amp;#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drei Stunden sp&amp;#228;ter war Marie immer noch nicht aufgetaucht. Die vier sa&amp;#223;en in weichen Kissen um den kleinen Tisch herum, Sebastiens Kopf f&amp;#252;hlte sich angenehm taub an, was am Gras und an dem Schwall von Informationen lag, der in den letzten Stunden auf ihn nieder geregnet war. Adem hatte lang und ausgiebig von seiner Arbeit als Fotograf berichtet, sein Twitter-Account z&amp;#228;hlte mit knapp einer Million Abonnenten zu den erfolgreichsten in ganz Frankreich. &amp;#8220;Der Schl&amp;#252;ssel ist Authentizit&amp;#228;t!&amp;#8221;, hatte er mehrmals betont.&lt;br /&gt;
Irgendwann klingelte es an der T&amp;#252;r. Durch Sebastien ging ein Ruck.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ist das Marie?&amp;#8221;, fragte er.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Wei&amp;#223; ich nicht&amp;#8221;, sagte Adem und r&amp;#252;hrte sich nicht. Seine beiden Freunde hingen ebenso reglos auf der Couch und starrten ins Leere.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Willst du nicht aufmachen?&amp;#8221;, fragte Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Wozu?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Vielleicht es ja Marie?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Marie hat einen Schl&amp;#252;ssel.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja, aber doch nicht f&amp;#252;r deine Wohnung.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Mir egal.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sebastien stand auf und wollte zur T&amp;#252;r gehen, aber Adem br&amp;#252;llte: &amp;#8220;Bleib sitzen!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Marc und Louise schauten ihn reglos an.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Erwartungen m&amp;#252;ssen auch einmal entt&amp;#228;uscht werden&amp;#8221;, sagte er.&lt;br /&gt;
Sebastien sah zum offenen Fenster, Adem lachte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und die d&amp;#252;rfen ruhig mitbekommen, dass ich keinen Bock habe, zur T&amp;#252;r zu gehen!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Er drehte die Musik lauter.&lt;br /&gt;
Pl&amp;#246;tzlich tauchte am Fenster eine Hand auf. Sie griff nach dem Metallgel&amp;#228;nder und zog ein junges M&amp;#228;dchen hinter sich her. Das M&amp;#228;dchen grinste, als es Sebastiens Blick bemerkte und sich ins Zimmer schwang, wobei sein kurzer Rock den Slip hervor schauen lie&amp;#223;. Ihre Haut war wie die von Adem erdig und glatt, ihre Haare waren ebenso schwarz, obwohl man sehen konnte, dass sie versucht hatte, sie etwas heller zu f&amp;#228;rben.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Arsch!&amp;#8221;, sagte sie zu Adem und strich ihm im Vorbeigehen durch die Haare.&lt;br /&gt;
Sie setzte sich direkt vor Sebastien, &amp;#8220;Wer bist du?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich bin Sebastien, ich wohne ab jetzt nebenan.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Sará, bei wie vielen bist du denn jetzt?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sie sah ihn nicht an, sondern starrte auf Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;F&amp;#252;nfundsiebzig&amp;#8221;, antwortete sie.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nicht schlecht, das letzte Mal waren es noch neunundsechsig, flei&amp;#223;ig flei&amp;#223;ig&amp;#8221;, unkte Adem.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich komme nicht in mein Zimmer&amp;#8221;, sagte Sebastien, &amp;#8220;Aber Adem war so freundlich, mich einzuladen, bis Marie mit dem Schl&amp;#252;ssel kommt.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Verlass dich nicht drauf&amp;#8221;, sagte Sará und stand auf, Sebastien folgte ihr mit den Augen, als sie aus der T&amp;#252;r verschwand.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Komm!&amp;#8221;, rief sie vom Flur aus, &amp;#8220;Wenn die es nicht fertig bringen, dann mach ich es eben.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sie hie&amp;#223; ihn im Flur zu warten und verschwand dann auf der Treppe zum Hof. Sebastien h&amp;#246;rte ein paar dumpfe Tritte, dann polterte es direkt hinter der winzigen T&amp;#252;r, die Schl&amp;#246;sser ratschten, Sará &amp;#246;ffnete ihm grinsend. Aus Adems Zimmer drang Lachen, die Musik wurde mal lauter, mal leiser, Gl&amp;#228;ser klirrten. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am n&amp;#228;chsten Morgen erst sah Sebastien sein Zimmer richtig. Es war klein, geradezu winzig. Wenn er sich mitten in den Raum stellte, die Arme ausbreitete und sich einmal um die eigene Achsen drehte, schlug er zuerst gegen das Hochbett, dann gegen die Dusche und letztlich gegen den Kleiderschrank, Sp&amp;#252;le, Mikrowelle und B&amp;#252;cherregal verfehlte er nur, weil sie nicht hoch genug waren. Er zog den Koffer zu sich heran und sortierte die W&amp;#228;sche im Kleiderschrank, im Regal stand ein kleiner Schwarz-Wei&amp;#223;-Fernseher, den er anknipste. Begleitet von einer schrecklich synchronisierten Krimiserie richtete er sich so gut es ging ein, schrubbte die verkrusteten &amp;#214;l- und K&amp;#228;seschichten in der Mikrowelle, sowie den Boden der Dusche und ersetzte die billigen Handt&amp;#252;cher des Vormieters durch seine eigenen.&lt;br /&gt;
Gegen elf klopfte es an der T&amp;#252;r. Noch w&amp;#228;hrend er &amp;#246;ffnete, h&amp;#246;rte er bereits die erste Entschuldigung. Marie war rothaarig und wirkte nicht, als w&amp;#252;rde auch sie noch studieren.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Es tut mir so leid, ich kam erst sehr sp&amp;#228;t wieder hier an, weil ich &amp;#252;bers Wochenende bei meinen Eltern war. Adem hat mir davon erz&amp;#228;hlt, es tut mir leid, aber wenigstens war Sarà so nett.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Schnauze da drau&amp;#223;en!&amp;#8221;, br&amp;#252;llte Adem durch die T&amp;#252;r seines Zimmers.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Macht ja nichts&amp;#8221;, sagte Sebastien, &amp;#8220;Es hat ja alles geklappt.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Dann kennst du ja schon ein paar Leute aus dem Haus&amp;#8221;, sagte Marie und reichte ihm den Schl&amp;#252;ssel, &amp;#8220;Du bist jetzt auch der&amp;#8221;, sie z&amp;#246;gerte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Der Hausmeister, ja.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sie l&amp;#228;chelte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich hab &amp;#252;brigens noch ein Paket f&amp;#252;r Adem in meinem Zimmer, vielleicht kannst du ihm das sp&amp;#228;ter geben? Ich muss gleich schon wieder los.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Klar, kein Problem.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Wundere dich nicht, wenn du auch ab und zu das ein oder andere Paket bekommst, jeder hier bekommt Adems Pakete.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Wieso das?&amp;#8221;, fragte Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Er will nicht, dass irgendjemand wei&amp;#223;, wo er wohnt.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ist er schon so ber&amp;#252;hmt?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Das vielleicht auch&amp;#8221;, grinste Marie, &amp;#8220;Aber eigentlich ist es wegen seinem Vater.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Warum?&amp;#8221;, fragte Sebastien.&lt;br /&gt;
Marie sah sich um, griff in ihre Tasche und zog eine Flasche Wein heraus, &amp;#8220;H&amp;#228;tte ich fast vergessen, die ist f&amp;#252;r dich! Weil ich so bl&amp;#246;d war und den Schl&amp;#252;ssel nicht einfach hier gelassen habe.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Nachmittags nahm sich Sebastien das Treppenhaus und den Hof vor. Er wischte die B&amp;#246;den, fegte, riss die gestapelten Kartons bei den M&amp;#252;lleimern in kleine Fetzen und goss alle Pflanzen. Je l&amp;#228;nger er besch&amp;#228;ftigt war, desto mehr Leute des Hauses sah er kommen und gehen und er glaubte, ziemlich sicher einsch&amp;#228;tzen zu k&amp;#246;nnen, wer von ihnen studierte und wer nicht. Irgendwann kam auch Sarà vorbei, sie trug ein hellblaues Minikleid und l&amp;#228;chelte nur, als er verga&amp;#223;, ihr &amp;#8220;Salut!&amp;#8221; zu erwidern, in der Zwischenzeit waren wieder zwei neue Pakete gekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein paar Tage lang sah Sebastien seine Mitbewohner nur auf diese Art und Weise. Er hielt sich mit Vorliebe im Hof oder am Fenster auf, wo er Sarà ein und ausgehen sehen konnte und wenn sie den M&amp;#252;ll herunter brachte, rannte er ihr auf der Treppe entgegen, um ihn ihr abzunehmen. Er putzte, bis er all jene Teile des Vorder- und Hinterhauses, die allen zug&amp;#228;nglich waren, einmal gereinigt hatte und ging abends im Viertel spazieren, Sarà l&amp;#228;chelte nur. Er f&amp;#252;hlte sich anders als die Touristen, die vor der Sacré-Cœur sa&amp;#223;en und Bier von den meist indischen H&amp;#228;ndlern kauften, noch nicht heimisch, aber auch nicht fremd. Auch Adems Twitter-Account hatte er gefunden. Es war seltsam, Adem fast jeden Tag zu sehen, in seinem Hin und Her und gleichzeitig die Nachrichten und Bilder im Internet verfolgen zu k&amp;#246;nnen, M&amp;#228;dchen, die auf offener Stra&amp;#223;e ihre Br&amp;#252;ste offenbarten, zerst&amp;#246;rte M&amp;#228;nner vor schlie&amp;#223;enden Bars im Morgengrauen und so weiter. Der Unibeginn war noch entfernt, Sebastien hatte sie bereits auf dem Stadtplan markiert und sich einen Weg mit der Metro dorthin notiert, vorher dort vorbei zu schauen kam nicht in Frage, er wollte sich nicht auf die Vorfreude einlassen, die insgeheim in ihm vorhanden war. Fast jeden Tag brachte er Adem Pakete, meist &amp;#246;ffnete er nicht einmal und schrie stattdessen &amp;#8220;Einfach hinlegen, meine G&amp;#252;te!&amp;#8221; oder &amp;#196;hnliches durch die T&amp;#252;r. Dann, wenn er ihn durch Zufall einmal im Treppenhaus sah, den schweren Kamerarucksack auf den Schultern, sagte er wieder &amp;#8220;Hey Sebastien, wie geht&amp;#8217;s?&amp;#8221; und &amp;#8220;Am Wochenende kommst du mit, ja?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Als Sebastien in der f&amp;#252;nften Nacht in seinem Bett lag, wurde er von dumpfen Schl&amp;#228;gen an der Hauswand geweckt. Er dachte an Adem und seine Freunde, die vielleicht wieder bis sp&amp;#228;t in die Nacht zusammen sa&amp;#223;en. Dann erkannte er die hohlen T&amp;#246;ne wieder und blieb still im Bett liegen, das Fenster war nur angelehnt und &amp;#246;ffnete sich leicht, er h&amp;#246;rte eine Hand nach der Vergitterung greifen, dann das Abheben und landen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Salut!&amp;#8221;, sagte eine Stimme sehr leise und Sebastien antwortete nicht.&lt;br /&gt;
Im Dunklen erkannte er, wie sie sich ihr Kleid &amp;#252;ber den Kopf zog und es auf den Boden fallen lie&amp;#223;, darunter war sie nackt. Sie stieg zu Sebastien ins Bett und legte sich auf ihn, dann griff sie nach seinem Schwanz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der darauf folgende Morgen war kalt, durch die Fensterspalten dr&amp;#252;ckte sich der Herbst ins Zimmer und lie&amp;#223; Sarà n&amp;#228;her an Sebastien rutschen. Nachdem sie sich auf ihn gesetzt und sie mit einander geschlafen hatten, waren sie die halbe Nacht lang auf geblieben, hatten Zigaretten geraucht und geredet. Sie hatte gefragt, wie es ist in Rennes, da, wo Sebastien herkam und ob die Menschen au&amp;#223;erhalb von Paris anders w&amp;#228;ren. Sie hatte gesagt, dass sie aus einer kleinen Stadt bei Istanbul k&amp;#228;me, so etwas wie die Banlieus in Paris, dort, wo auch Adem herkomme. Sebastien hatte sie gefragt, was es mit Adems Vorsicht wegen seiner Adresse auf sich h&amp;#228;tte. Er hatte gefragt, ob sie das Ernst meine, sie sei seine Frau. Nat&amp;#252;rlich, hatte Sarà gesagt, aber nur auf dem Papier, sonst k&amp;#246;nnte sie nicht in Frankreich bleiben. F&amp;#252;r Adem w&amp;#228;re das kein Problem, er verdiene nicht schlecht und wer sich selbst versorgen, niemandem zur Last falle und obendrein noch Steuern zahlen k&amp;#246;nne, der sei in jedem Land willkommen. Nur sein Vater d&amp;#252;rfe nicht wissen, wo er sich aufhalte, nat&amp;#252;rlich wisse er von Paris, aber er sei nicht so reich, dass er ewig nach ihm suchen k&amp;#246;nnte. Adem sei versprochen und w&amp;#252;rde ihn sofort zur&amp;#252;ck holen. Adem aber habe Sarà nach Paris geholt, nur sie hatte ihm schw&amp;#246;ren m&amp;#252;ssen, seinem Vater nichts davon zu sagen, wo er sich aufhielt. Sein Vater kenne das Leben seines Sohnes und hatte schon seine Internetseite verfolgt, der Provider hatte mehrmals Briefe geschickt, dass angeforderte Adressausk&amp;#252;nfte aus Datenschutzgr&amp;#252;nden verwehrt worden waren. Jetzt las er sicher auch den Twitter-Account. Sebastien hatte im Dunkeln genickt. Dann hatte sie ihm einen Kuss auf die Wange gegeben und als Sebastien den Kopf so gedreht hatte, dass sie sich h&amp;#228;tten auf den Mund k&amp;#252;ssen k&amp;#246;nnen, war sie einfach aufgestanden. Und kurz darauf war sie verschwunden, mit Kusshand aus dem Fenster. Er hatte ihr nachgesehen, als sie sich umdrehte und mit dem Handy ein Foto von ihm machte. Sein ganzes, kleines Zimmer roch nach ihr und ihrem Parfum, er wollte nicht l&amp;#252;ften, aber ebenso lieblich, wie es roch, roch die Luft auch verbraucht und nach Sebastien selbst. Mit einem Mal f&amp;#252;hlte er sich zu Hause, in diesem Moment gab es nichts mehr, das ihn h&amp;#228;tte dazu veranlassen k&amp;#246;nnen, Paris und noch viel mehr seinem Hausmeisterjob, wie er es im Kopf jetzt selbst nannte, den R&amp;#252;cken zuzukehren. Er besorgte sich Bl&amp;#246;cke und Stifte in einer kleinen Papiterie nicht weit vom Haus entfernt, stellte die M&amp;#252;lltonnen wieder in den Hof und fegte die Treppen. Am Nachmittag kam Adem und l&amp;#228;chelte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Salut&amp;#8221;, sagte Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Salut&amp;#8221;, grinste Adem.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was ist?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Gute Nacht gehabt?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja, warum?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Na komm&amp;#8221;, Adem lachte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Hast du etwas geh&amp;#246;rt?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nein nein, brauchst dich nicht genieren.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Warum sollte ich?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Immerhin bis du die achtzig.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Welche achtzig?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem ging weiter, selbst von hinten sah man ihm an, dass er immer noch grinste und im Treppenhaus h&amp;#246;rte man ihn leise vor sich hin schmunzeln.&lt;br /&gt;
Sebastien verstand nicht. Er lie&amp;#223; den Besen stehen und rannte hinauf in sein Zimmer, um Adems Twitter-Account aufzurufen. Sein Atem stockte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;#8220;Adem!&amp;#8221;, Sebastiens Stimme &amp;#252;berschlug sich, &amp;#8220;Adem, mach auf!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Geht nicht!&amp;#8221;, br&amp;#252;llte Adem.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Mach auf! Wieso hast du mir nichts davon gesagt?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem riss die T&amp;#252;r auf, er lehnte am T&amp;#252;rrahmen und betrachete die aufgebrachten Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und ich dachte, du wusstest l&amp;#228;ngst davon.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Woher sollte ich das denn wissen?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ach, komm.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Wie kannst du das auch noch publik machen, als ob es nicht schon schlimm genug ist, dass mich Sarà verarscht.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Sie verarscht dich doch nicht, sie mag dich.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und deshalb… du bist so ein dreckiger Wichser.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Na na&amp;#8221;, sagte Adem, &amp;#8220;Ist doch lustig.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Fick dich!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Pass auf!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem trat einen Schritt an Sebastien heran.&lt;br /&gt;
Sebastien sah in Adems dunkle Augen.&lt;br /&gt;
Adem ging langsam in sein Zimmer zur&amp;#252;ck.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Penner&amp;#8221;, murmelte Sebastien im Umdrehen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Hey Hausmeister&amp;#8221;, rief Adem, griff sich den Aschenbecher und schleuderte ihn zur T&amp;#252;r hinaus, an der Wand im Treppenhaus zerschmetterte er unendlich kleine Teile, die Kippenstummel und die Asche verteilten sich auf den Stufen.&lt;br /&gt;
Sebastien hatte gerade noch ausweichen k&amp;#246;nnen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Da haste was zu tun!&amp;#8221;, schrie Adem und knallt die T&amp;#252;r zu.&lt;br /&gt;
Als er wieder in sein Zimmer kam, zeigte der Bildschirm noch immer die Seite. Als &lt;em&gt;Projekt&lt;/em&gt; war es angek&amp;#252;ndigt, &lt;em&gt;der Beliebigkeit der modernen Zeit zu vor zu kommen&lt;/em&gt;, Sebastien verstand es nicht. Dort, ganz oben auf der Seite, war er zu sehen, wie er verschlafen im Bett lag und in die Kamera sah, &amp;#220;berschrift: &lt;em&gt;#80: Sebastien&lt;/em&gt;. Er biss sich auf die Fingern&amp;#228;gel. Adem hatte per Twitter den Link zu Saràs Seite gepostet, &lt;em&gt;Gl&amp;#252;ckw&amp;#252;nsch unserem Hausmeister Sebastien&lt;/em&gt;. Er durchsuchte die ganze Seite nach Kontaktdaten, aber fand nicht, als er sich im Vorderhaus nach dem Zimmer Sarà erkundigte und wild gegen die T&amp;#252;r h&amp;#228;mmert, lehnte sich Adam aus dem Fenster.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Kannste vergessen&amp;#8221;, rief er, &amp;#8220;Die hat zu tun.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sebastien zwang sich, nicht zu ihm zu schauen und sagte nichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den folgenden Tagen blieb Sebastien die meiste Zeit in seinem Zimmer. Er machte keine Spazierg&amp;#228;nge mehr, das N&amp;#246;tigste besorgte er sich bei Ischam, dem arabischen Lebensmittelverk&amp;#228;ufer nebenan. Tag f&amp;#252;r Tag verfolgte Sebastien, wie die Links auf Adem Twitter-Account anstiegen, die Einundachtzig war ein d&amp;#252;nner Kerl, an dessen Bettende noch das benutzte Kondom hing, Nummer F&amp;#252;nfundachtzig ein Afrikaner namens James, der seinen riesigen Schwanz direkt in die Kamera hielt. Sebastien hatte eine Decke zwischen die Fenster geklemmt, das Licht auf seinem kleinen Tisch brannte auch tags&amp;#252;ber. Er fegte nicht mehr und wischte nicht, wenn er Pakete f&amp;#252;r Adem annahm, riss er die Verpackung auf und warf sie und den Inhalt in getrennt M&amp;#252;lltonnen vorm Haus, Sarà sah er nicht und niemand beschwerte sich wegen der Unsauberkeit, es hatte vor Sebastien schlimmer ausgesehen.&lt;br /&gt;
Bald begann die Uni und Sebastien fuhr regelm&amp;#228;&amp;#223;ig Metro. Das Vibrieren, wenn er seinen Kopf an die Fensterscheiben legte, beruhigte ein wenig, auch wenn es so stetig klang wie die aufsteigenden Zahlen auf Saràs Seite und in Adems Ank&amp;#252;ndigungen. Bei Nummer Neunzig hatte Sebastien seine Module best&amp;#228;tigt, er w&amp;#252;rde Ende des Semesters neun Essays schreiben m&amp;#252;ssen. Nach Nummer Einundneunzig sa&amp;#223; er auf der kleinen Gemeinschaftstoilette auf dem Gang der ersten Etage. Die T&amp;#252;r lie&amp;#223; sich nur m&amp;#228;&amp;#223;ig schlie&amp;#223;en und ein f&amp;#252;nf Zentimeter weiter Spalt lie&amp;#223; jeden Vorbeilaufenden sofort die Beine des Toiletteng&amp;#228;ngers erkennen, ein Schloss oder eine Kette gab es nicht, die Toilette war ohnehin so klein, dass man mit den Knien gegen die T&amp;#252;r stie&amp;#223;, wenn man sa&amp;#223; und jeder wusste, dass eine geschlossene T&amp;#252;r eine besetzte Toilette bedeutete.&lt;br /&gt;
Sebastien dachte daran, dass seine Situation hoffnungslos war. Vielleicht w&amp;#252;rde er sich irgendwann wieder mit Adam vertragen und Sarà einfach vergessen, er h&amp;#228;tte keine andere Wahl, schlie&amp;#223;lich war das quasi-kostenlose Zimmer seine einzige M&amp;#246;glichkeit, auch nur halbwegs zentral in Paris unter zu kommen. Seine Eltern hatten nicht das Geld, ihm irgendein WG-Zimmer zu mieten und wenn er nebenbei arbeiten m&amp;#252;sste, w&amp;#228;re es so viel, dass er kaum noch in die Uni k&amp;#228;me.&lt;br /&gt;
Mit einem Mal &amp;#246;ffnete sich die T&amp;#252;r.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Besetzt&amp;#8221;, rief Sebastien, aber die T&amp;#252;r &amp;#246;ffnete sich weiter, sie schabte auf dem Boden, Sebastien griff mit dem Arm nach der T&amp;#252;r, aber sie war schon zu weit offen, Adem griff Sebastiens Hand und riss ihn in die Aufrechte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was glaubst du eigentlich, was du hier machst?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sebastien versuchte nicht, sich mit der freien Hand aus Adems Griff zu befreien, sondern angelte nur nach seiner Hose.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;H&amp;#246;r zu!&amp;#8221;, schrie Adem, im oberen Stockwerk h&amp;#246;rte man, wie sich eine T&amp;#252;r &amp;#246;ffnete.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich wei&amp;#223; es!&amp;#8221;, rief Sebastien.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nichts wei&amp;#223;t du!&amp;#8221;, br&amp;#252;llte Adem, &amp;#8220;Aber ich sag dir eins, wenn du noch einmal meine Pakete zerfetzt, dann erlebst du was!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich wei&amp;#223; es&amp;#8221;, wiederholte Sebastien ruhig.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was wei&amp;#223;t du?&amp;#8221;, Adem wurde ruhiger.&lt;br /&gt;
Adem lie&amp;#223; ihn los und ging zum Treppengel&amp;#228;nder, beugte sich r&amp;#252;cklings dar&amp;#252;ber und sah nach oben, &amp;#8220;T&amp;#252;r zu!&amp;#8221;, rief er.&lt;br /&gt;
Dann wandte er sich wieder Sebastien zu, &amp;#8220;Was wei&amp;#223;t du, lieber Hausmeister?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Sebastien sagte nichts, Adem kam n&amp;#228;her.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich wei&amp;#223;&amp;#8221;, sagte er und versuchte, die Worte so gut es ging zu dehnen, um Zeit zum &amp;#220;berlegen zu haben, &amp;#8220;Ich wei&amp;#223;&amp;#8221;, widerholte er, &amp;#8220;Ich wei&amp;#223;, dass du&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was?&amp;#8221;, fragte Adem.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Dass du Saràs Ehemann bist.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Adem dreht sich um und ging in sein Zimmer.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Dann behalt&amp;#8217;s f&amp;#252;r dich, meine Fresse!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Die T&amp;#252;r krachte ins Schloss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Adem Sebastien im Haus traf, gr&amp;#252;&amp;#223;te er ihn wie zu Beginn. &amp;#8220;Sebastien, sch&amp;#246;n dich zu sehen!&amp;#8221;, &amp;#8220;Sebastien, alles klar?&amp;#8221; &amp;#8220;Sebastien!&amp;#8221;, Sebastien sagte nichts, aber schon nach ein paar Tagen begann auch er wieder, dem Nicken ein &amp;#8220;Hallo!&amp;#8221; oder &amp;#196;hnliches folgen zu lassen. Jeden Tag rief er Adems Twitter-Account auf, aber es gab keine neuen Links. Auf Saràs Seite stieg die Zahl ihrer Liebhaber weiter an, vierundneunzig, sechsundneunzig. Er hatte sie seit ihrer Nacht nicht mehr gesehen. Er wusste nicht einmal, ob sie &amp;#252;berhaupt noch in dem Haus wohnte und hatte keine Lust, es heraus zu finden. Sebastien hielt sich fern von den anderen Studenten, er wollte nicht wissen, ob sie Adem, wenigstens den virtuellen Adem, kannten, den alle so zu lieben schienen und von dem alle wissen zu wollen schienen, was er in seinem Leben so trieb. Denn er gab ihnen, was sie wollten, Handybilder von k&amp;#252;ssenden M&amp;#228;dchen in versifften Toiletten und zu Muster angeordnete Wodkafalschen Woche f&amp;#252;r Woche. Sebastien hatte sich daran gew&amp;#246;hnt, jeden Sonntag fegte und wischte er wieder, niemand au&amp;#223;er Adem schien ihn sonderlich ernst zu nehmen, aber ihm ebenso auch nichts anhaben zu wollen.&lt;br /&gt;
Nach ein paar Wochen lud ihn Adem ein, am Wochenende mit in einen Club zu kommen und Sebastien sagte zu. Im Grand Rex wollte Adem Bilder machen, Punkt Mitternacht wollten sie sich vor der T&amp;#252;r treffen. Sebastien stand bereits um zehn geduscht und angezogen in seinem kleinen Zimmer, Adem war bereits unterwegs. Sebastien klappte sein Notebook auf, schaute nach seinen Mails und auf die Seite der Uni. Die Metro fuhr in gut einer halben Stunde. Sebastien rief Saràs Seite auf, ganz oben prangte die &lt;em&gt;#100&lt;/em&gt;, die ihm die Tr&amp;#228;nen in die Augen steigen lie&amp;#223;. Lange starrte er auf das Bild, dachte an Sarà und wie sie in der Nacht durch sein Fenster geklettert gekommen war. Dann stand er auf und ging aus dem Zimmer, auf dem Gang blieb er stehen, drehte sich um und holte Schwung. Mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, landete sein Fu&amp;#223; neben dem T&amp;#252;rknauf von Adems T&amp;#252;r, der Computer surrte leise im Dunklen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Er fiel auf den Stuhl vor dem Schreibtisch und schlug auf die Tastatur, der Rechner r&amp;#228;usperte sich und das Bild wurde hell. Mit zittrigen H&amp;#228;nden gab Sebastien die Adresse von Adems Account ein, die entgleistern Gesichter an den W&amp;#228;nden beobachteten ihn im blauen Licht. &lt;em&gt;Was gibt&amp;#8217;s Neues?&lt;/em&gt; stand auf dem Bildschirm. Und Sebastien tippte: &lt;em&gt;Adem Duman, 23 Rue Gabrielle, 75018 Paris&lt;/em&gt;. Der Mauszeiger reagierte zuerst nicht, Sebastien wischte sich die Fingerkuppen trocken, dann dr&amp;#252;ckte er auf &lt;em&gt;Tweet&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/76cCOy7jKmI" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Ulrike Almut Sandig: Flamingos</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 21:08:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895611859?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3895611859"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/fl.jpg" alt="" title="fl" width="200" style="border: solid 1px #444; margin-bottom: 5px; margin-right: 10px; float: left;"  /&gt;&lt;/a&gt; Was hat es mit der Frau auf sich, die dem Silbersee ihren Namen gab? Was braucht es, den Tod des eigenen Vaters zu verkraften? Warum sollte man Anja nicht blind nennen? Wenn man bei einem Monat von einer Zeit lang sprechen kann, dann hatte ich mir schon eine Zeit lang vorgenommen, mir Ulrike Almut Sandigs Kurzgeschichten-band &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895611859?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3895611859"&gt;Flamingos&lt;/a&gt; zu besorgen. Dass ich ihn dann netterweise geschenkt bekam, war umso besser. Ich las ihn auf der Bahnfahrt nach Braunschweig und zur&amp;#252;ck, elf Geschichten auf 176 Seiten, manchmal ein wenig surreal, daf&amp;#252;r alle ruhig und bedacht, sprachlich komponiert, und die G&amp;#252;te des Gelesenen erschlie&amp;#223;t sich einem hin und wieder erst, wenn man das Buch aus der Hand gelegt und dann sp&amp;#228;ter noch einmal dar&amp;#252;ber nachgedacht hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wahrscheinlich ist es zu gro&amp;#223;e Phrasendrescherei, zu sagen, man w&amp;#252;rde den Geschichten anmerken, dass Ulrike Almut Sandig als Lyrikern bekannt geworden ist, treffender ist, dass sie f&amp;#252;r ihre Geschichten eine Sprache gefunden hat, die den Leser dicht an die jeweiligen Personen heran r&amp;#252;ckt und sie dennoch immer ein bisschen auf Distanz h&amp;#228;lt, was sie allesamt ein wenig merkw&amp;#252;rdig, aber die Personen gleichzeitig so nachvollziehbar macht. Die S&amp;#228;tze sitzen allesamt, wirken sprachlich so naiv, aber kunstvoll gesetzt und k&amp;#246;nnen nur deshalb so genau beobachten. Alle Geschichten kommen ohne gro&amp;#223;e Wendungen aus und k&amp;#252;ndigen sie im anderen Falle sogar noch an; wenn sie laut werden, wei&amp;#223; man, dass darauf zermarternde Ruhe folgen muss. Im Gegenzug mildert die vorherrschende Surrealit&amp;#228;t mancher Geschichten die Stimmung ein wenig, bis man sie nur noch so hinnehmen kann, wie sie sind – dass genau dass die Figuren dann auch tun, ist bei weiterer &amp;#220;berlegung eine tolle Idee. Die entr&amp;#252;ckten Orte, die irgendwo im Osten Deutschlands zu sein scheinen, sind mit so wenigen Worten so toll umrissen, dass in ihnen ohnehin alles ein wenig weltfremd erscheint. Und hierin spielen Ulrike Almut Sandigs Geschichten, klein und ruhig, bis sie den Leser im Nachgang &amp;#252;berrollen. Tolles Deb&amp;#252;t, da haben die Buchschenker Geschmack bewiesen, da kann man neidisch werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3895611859?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3895611859"&gt;Ulrike Almut Sandig: Flamingos&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Sch&amp;#246;ffling, 176 Seiten&lt;br /&gt;
ISBN: 3895611859&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/g63UzrLD2hM" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Aphorismus des Tages [194]</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 19:18:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aphorismen]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;In der Theorie bildet sich die Meinung des Volkes erst in der Repr&amp;#228;sentation, indem sie Partikularinteressen zur&amp;#252;ck und das allgemeine zum eigenen Interesse werden l&amp;#228;sst. Und heute feiert sie einen Karneval der Absurdit&amp;#228;ten, Klippe um Klippe hinab, vielf&amp;#228;ltig und weitl&amp;#228;ufig mag man sich artikulieren, nur erh&amp;#246;rt wird man nicht.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/PDbGFxcq_Xw" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>couchsurfing paris city</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 20:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Litritscher]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.andreherrmann.de/?p=5146</guid>
		<description>&lt;p style="text-align: right;"&gt;&lt;a href="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/barbes.jpg" rel="lightbox[5146]"&gt;&lt;img class="alignnone size-full wp-image-5040" style="border: solid 1px #444;" title="barbes" src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/barbes.jpg" alt="" width="425" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/dacran/3448779851/"&gt;Bild&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/dacran/"&gt;dacran&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;#8220;Alter, eine Woche kostenlos da wohnen, dann ist das doch ein unschlagbares Angebot!&amp;#8221;, sagte Thomas noch einmal, &amp;#8220;Das muss man mitnehmen!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja&amp;#8221;, sagte ich, &amp;#8220;Hast schon recht.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nat&amp;#252;rlich hab ich recht, besser geht&amp;#8217;s doch gar nicht, wir brauchen nur Essen und Trinken bezahlen!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Die Schlange r&amp;#252;ckte mit aberwitzig vielen Schritten ein winziges St&amp;#252;ck weiter vor, ich blieb stehen und sah noch einmal zur&amp;#252;ck zur Gep&amp;#228;ckaufgabe, Thomas bemerkte es.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Mach dir nicht ins Hemd, man!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Schon gut&amp;#8221;, sagte ich und blickte wieder ins Leere. Keine zehn Kilo hatte der Koffer gewogen, wir konnten ihn nicht &amp;#246;ffnen, weil wir die Zahlenkobination nicht kannten und wussten also auch nicht, was drin war. Die Frau hinter der Waage hatte nur gel&amp;#228;chelt und mit der Hand &amp;#252;ber die rote Schleife am Griff gestrichen, als ich das Hartschalenmonster einh&amp;#228;ndig aufs Band gehoben hatte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ist nur ein Freundschaftsdienst, so sparen die ja auch Geld!&amp;#8221;, sagte Thomas.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja, ja&amp;#8221;, wir waren an der Reihe, ich begann, G&amp;#252;rtel, Portemonnaie, Handy und so weiter in eine der Plastikschalen umzuschichten, Thomas zeigte auf die Duty-Free-L&amp;#228;den.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ob die da drin Pudding haben?&amp;#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;!--more--&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Vielleicht hat er recht, dachte ich, ich mache mir zu viele Gedanken, hab zu viel Angst und kein Vertrauen in Fremde, au&amp;#223;erdem freut er sich so und hat das alles organisiert. Und ich hab den Koffer gar nicht aufgegeben, auf mich f&amp;#228;llt wenn dann nichts zur&amp;#252;ck, dachte ich. Erst vor ein paar Tagen hatte Thomas die Anzeige im Internet gesehen, auf einer der vielen Couchsharing-Seiten, die langsam in Mode kamen. Menschen von &amp;#252;berall her boten Schlafgelegenheiten f&amp;#252;r Umherreisende an, kostenlos, einfach weil sie Spa&amp;#223; daran hatten, Leute aus allen Teilen der Erde bei sich zu Hause zu haben und nat&amp;#252;rlich hofften, im Gegenzug auch einmal die Gastfreundschaft ihrer G&amp;#228;ste in Anspruch nehmen zu k&amp;#246;nnen. Thomas&amp;#8217; Anzeige war von einem deutschen Ehepaar aufgegeben worden, das sich in Paris niedergelassen hatte. Er hatte sie sofort angeschrieben und alles klar gemacht, eine Woche, auch dass ich mitk&amp;#228;me, w&amp;#228;re kein Problem, hatten sie geschrieben, sie w&amp;#228;ren eh die meiste Zeit im B&amp;#252;ro, Architekten oder so und k&amp;#246;nnten uns daher h&amp;#246;chstens abends ein wenig die Stadt au&amp;#223;erhalb der Touristenmeilen zeigen, kein Ding. Das Ganze hatte ganz vorz&amp;#252;glich in meinen nicht existenten Zeitplan gepasst, die Fl&amp;#252;ge waren billig und meine Tage zwischen Abi und Studium zogen sich ohnehin z&amp;#228;h in die L&amp;#228;nge, also warum nicht. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Tage, bevor es losgehen sollte, war dann die Mail gekommen. Das P&amp;#228;rchen hatte sorgsam und lieb darum gebeten, ihnen einen Koffer mit nach Paris zu bringen, sodass sie die Versandkosten sparen k&amp;#246;nnten. Am Tag unserer Abreise sollten wir uns mit einem ihrer Freunde am Flughafen in Berlin treffen und dort den Koffer in Empfang nehmen, in Paris w&amp;#252;rden sie uns dann mitsamt dem Koffer in Barbès pers&amp;#246;nlich abholen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Das ist doch Quatsch&amp;#8221;, hatte ich zu Thomas gesagt, &amp;#8220;So ein Bl&amp;#246;dsinn, in Paris wohnen, aber keine 50 Euro &amp;#252;brig haben, um sich einen Koffer schicken zu lassen?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;H&amp;#246;rt sich eher an, als sollten wir an ihrer Stelle eine Bombe mit ins Flugzeug schmuggeln.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja, jetzt sind sich sogar die Terroristen schon f&amp;#252;r den M&amp;#228;rtyrertod zu schade, wer wei&amp;#223;, womit die uns da aus dem Zoll ziehen.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Quatsch!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Naja, kann doch sein.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Kannst gern hier bleiben&amp;#8221;, hatte Thomas gesagt, &amp;#8220;Ich will da hin und ich fahr da hin!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Damit war unsere Diskussion beendet gewesen und ich hatte mich gef&amp;#252;gt. Vorsichtshalber aber hatte ich mir noch  die Bewertungen des P&amp;#228;rchens auf der Seite angesehen, alles super, lauter Nettigkeitsbekundungen, Gr&amp;#252;&amp;#223;e und Dankesch&amp;#246;ns f&amp;#252;r wunderbare Aufenthalte und kein Wort &amp;#252;ber mitzubringende Koffer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser Flug wurde noch nicht einmal auf dem Display &amp;#252;ber uns angezeigt. Wir hatten schon zehn Minuten fr&amp;#252;her am Treffpunkt, einer der Bushaltestellen vorm Eingang des Flughafens, gewartet. Irgendwann, nachdem wie haufenweise Busse ankommen und abfahren gesehen hatten und ich langsam leid wurde, die jeweils Aussteigenden nach einem potentiellen Freund eines deutschen Ehepaares in Paris abzusuchen, war tats&amp;#228;chlich ein grau melierter Mann um die vierzig mit einem dicken Koffer zu uns gekommen, hatte uns suchend angeschaut und nur &amp;#8220;Thomas?&amp;#8221; gefragt. Thomas hatte gelacht und und ihm den Koffer abgenommen, gepaart mit unendlichen Versicherungen, es w&amp;#252;rde schon alles klar gehen und dass er sch&amp;#246;ne Gr&amp;#252;&amp;#223;e bestellen werde, obwohl es schien, als h&amp;#228;tte der Mann nicht ein einziges Wort verstanden.&lt;br /&gt;
Ich wusste nicht, wo er tats&amp;#228;chlich Pudding aufgetrieben hatte, aber als wir darauf warteten, endlich ins Flugzeug zu kommen, l&amp;#246;ffelte Thomas fr&amp;#246;hlich Becher um Becher seines 4er-Packs Schokopudding und grinste mich immerfort an.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Noch lachst du, noch sind die Drogenhunde noch nicht an den Koffern gewesen&amp;#8221;, sagte ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Klappe zu!&amp;#8221;, kam es vom Sitz gegen&amp;#252;ber.&lt;br /&gt;
Drau&amp;#223;en landeten und starteten die Flugzeuge im Minutentakt. Flugh&amp;#228;fen sind immer dann der entspannteste und weltfremdeste Ort zugleich, wenn man selbst an ihnen nichts zu tun hat, dachte ich, wenn man nicht irgendwohin fliegt oder irgendwoher kommt, sondern nur jemanden abholt oder aus Mangel an Freizeitbesch&amp;#228;ftigung dort ist. Dann, nur dann, wirkt ein Flughafen wie aus einer anderen Welt, das Gr&amp;#246;hlen der Flugzeuge &amp;#252;bersteuert zu einem steten Rauschen, das bald schon nur noch beruhigend wirkt und alles scheint romantischerweise ein bisschen egal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Flughafen Charles de Gaulle wurden wir wider erwarten nicht einmal nach unseren Ausweisen gefragt. Das Gep&amp;#228;ck rollte schwerf&amp;#228;llig auf einer der verschlugenen Gummibahnen heran, niemand beachtete uns und Thomas griff den omin&amp;#246;sen Koffer, ich meinen Rucksack, dann schlurften wir in Richtung Bahnhof. Der Flughafen an sich machte so wenig her, wie die meisten der deutschen Flugh&amp;#228;fen, die Check-In-Schalter waren ein wenig kryptisch gekennzeichnet, aber man gew&amp;#246;hnte sich schnell an das jeweilige System. Wir besorgten uns Fahrkarten in die Stadt und stiegen in einen RER zum Gare du Nord. Der Bahnhof stank elendig nach Schwei&amp;#223;, Thomas hatte M&amp;#252;he, den Koffer an den abwechselnd stehenden und vor sich hin schl&amp;#252;rfenden Menschen vorbei zu zerren, wir brauchten ewig, um an jedem Durchgang unsere Fahrtkarten kontrollieren zu lassen und dann so schnell wie m&amp;#246;glich das Gep&amp;#228;ck durch die schmalen Schranken zu bugsieren. Irgendwann sa&amp;#223;en wir tats&amp;#228;chlich in der Metro zum Porte de Clignancourt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als wir die Rolltreppen in Barbès nach oben ratterten, standen dort mehr als zehn M&amp;#228;nner, lehnten sich an die Z&amp;#228;une und zu den herauf ratternden Menschen herunter und riefen dabei immer und immer wieder in unglaublicher Geschwindigkeit &amp;#8220;Marlboro, Marlboro, Marlboro, Marlboro? Marlboro, Marlboro, Marlboro, Marlboro?&amp;#8221;, w&amp;#228;hrend sie stapelweise der rot-wei&amp;#223;en Packungen herum zeigten. Ich sah niemanden, der irgendeinem Mann eine Schachtel abkaufte und obwohl mich wenigstens ihre Preise interessiert h&amp;#228;tten, fragte ich nicht weiter nach. Inmitten der Treppen stand wir kurz vorm Ausgang und sahen uns um. Wir hatten keine Beschreibung der beiden, aber wir dachten, es k&amp;#246;nne schon nicht so schwer sein, ein wartendes, deutsches P&amp;#228;rchen zu erkennen, die korrekte Kleidung und den immer wieder nerv&amp;#246;sen Blick auf die Uhr. Wir waren noch gut in der Zeit, ein kleines bisschen versp&amp;#228;tet zwar, aber nicht so sehr, dass man es uns h&amp;#228;tte &amp;#252;bel nehmen und uns sitzen lassen k&amp;#246;nnen. Hin und wieder kam einer der Typen zu uns und fragte, ob wir ihm nicht ein paar seiner Zigaretten abkaufen wollten, aber wir verneinten von mal zu mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hatten noch nicht lang gewartet, als ein dicker Mann mit schwarzfl&amp;#228;chigem Dreitagebart &amp;#252;ber die Treppen nach unten stolziert kam. Ich beobachtete die vorbei laufenden Leute und blieb an seinen Augen h&amp;#228;ngen, die sofort unseren Koffer erkannt zu haben schienen. Ich stupste Thomas mit dem Fu&amp;#223; an und nickte so unauff&amp;#228;llig es ging zu dem Mann hin, der mittlerweile schon unten angekommen war und auf uns zu kam. Als er direkt vor uns stand, musterte er uns und &amp;#252;berlegte, dann, mit einem Mal, breitete er sichtlich fr&amp;#246;hlich die Arme aus.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ah, there you are!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;What?&amp;#8221;, fragte Thomas.&lt;br /&gt;
Sein Englisch war mehr als gebrochen, &amp;#8220;So nice of you, you bring case&amp;#8221;, im Hintergrund immerfort &amp;#8220;Marlboro, Marlboro, Marlboro, Marlboro?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;We&amp;#8217;re waiting for Lisa and Christian&amp;#8221;, sagte Thomas.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ah, yes, yes&amp;#8221;, sagte der Dicke, &amp;#8220;They have no time, but I pick up case.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;No no, they said we&amp;#8217;d meet them here and stay at their home for a week!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Yes, yes, they later, I pickup case&amp;#8221;, sagte der Mann und griff nach der rote Schleife.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Siehst du&amp;#8221;, sagte ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Klappe!&amp;#8221;, rief Thomas und griff ebenfalls nach dem Koffer, &amp;#8220;No way&amp;#8221;, br&amp;#252;llte er.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Way, way.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Not way way, no way!&amp;#8221;, schrie er und riss so stark er konnte am Koffer.&lt;br /&gt;
Pl&amp;#246;tzlich h&amp;#246;rte ich das Aufeinanderschlagen von Metall. Mit einem Mal war die Hand des schwarzgesichtigen Mannes vom Griff des Koffers hoch an Thomas&amp;#8217; Kehle gerast und hielt sie dort fest umklammert. Thomas hing mit dem R&amp;#252;cken an einem der Stahlz&amp;#228;une, deren schwere T&amp;#252;ren langsam hin und her schaukelten. Die umstehenden M&amp;#228;nner hielten kurz inne und schauten uns an, dann drehten sie sich sofort wieder um und verfielen wieder in ihren Marlboro-Chor.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Stop it!&amp;#8221;, schrie ich, meine Stimme &amp;#252;berschlug sich.&lt;br /&gt;
Der Dicke sah Thomas tief in die Augen, dessen H&amp;#228;nde sich in die Arme des Mannes vergraben hatten, und lie&amp;#223; dann langsam los. Thomas&amp;#8217; Gesicht war dunkler geworden und wechselte, nachdem er wieder Luft bekam, langsam die Farbe.&lt;br /&gt;
Der Mann sah Thomas fest in die Augen, dr&amp;#252;ckte sich mit der anderen Hand kurz die eben noch schraubstockartig zusammengefahrene und griff dann wieder nach Koffer, diesmal begleitet von einem freundlichen Nicken, Thomas sagte nichts, ich bewegte mich nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;#8220;Shit!&amp;#8221;, sagte ich, als der dicke Typ durch eine der Dreht&amp;#252;ren verschwunden war und betastete meinen Rucksack, der nat&amp;#252;rlich noch da war, denn um ihn war es gar nicht gegangen.&lt;br /&gt;
Thomas stand regungslos neben mir und betastete seinen Hals. Ich wollte etwas sagen, aber verkniff es mir.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Sorry&amp;#8221;, sagte er.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Macht nichts, ist ja irgendwie alles gut gegangen.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;So halb.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Passt schon.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Aber jetzt hab ich alles versaut.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Genau genommen, war es praktisch schon von Anfang an versaut und fand erst jetzt seine ganz eigene Kr&amp;#246;nung&amp;#8221;, sagte ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja&amp;#8221;, lachte Thomas, &amp;#8220;In Bud Spencers Todesgriff!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Niemand schien sich auch nur im Entferntesten darum zu scheren, was gerade vorgefallen war. Von den unter- und &amp;#252;berirdischen Stationen str&amp;#246;mten Menschen &amp;#252;ber Menschen an uns vorbei, sahen uns nicht einmal und wenn, dann nur mit jener leeren Aufmerksamkeit, die den Alltag in Gro&amp;#223;st&amp;#228;dten gleichzeitig so beruhigend wie auch einsam machen kann. Was sollten wir jetzt machen? Wir k&amp;#246;nnten uns ein Hotel nehmen oder nach einem Hostel suchen, dachte ich, wir w&amp;#252;rden schon irgendetwas finden, wir m&amp;#252;ssten sogar, denn unser R&amp;#252;ckflug ging erst in einer Woche. Und dann? Genau das machen, was wir sonst auch gemacht h&amp;#228;tten, was auch immer das gewesen w&amp;#228;re. Thomas kaufte einem der Typen eine Schachtel Marlboro ab.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;4 Euro&amp;#8221;, sagte er, &amp;#8220;Schn&amp;#228;ppchen!&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Lass mal losgehen&amp;#8221;, ich setzte meinen Rucksack auf.&lt;br /&gt;
Thomas blieb stehen und &amp;#252;berlegte.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was&amp;#8217;n?&amp;#8221;, fragte ich, er grinste.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was machen wir, wenn die beiden jetzt doch noch hier auftauchen?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Tsch&amp;#252;ss!&amp;#8221;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drei Stunden sp&amp;#228;ter fanden wir endlich ein Zimmer, gesch&amp;#228;tzte 10 Quadratmeter f&amp;#252;r 20 Euro pro Nacht in einem kleinen Hinterhaus mitten in Montmartre. Auf dem Weg dorthin fotografierte ich mehrere Space-Invader-Mosaike an H&amp;#228;userw&amp;#228;nden. Und sp&amp;#228;ter, als es gerade dunkel wurde, sa&amp;#223;en wir auf den Treppen vor der Sacré-Cœur und rauchten Thomas&amp;#8217; Marlboro-Zigaretten, die buchst&amp;#228;blich &amp;#228;tzenden schmeckten.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Die sind sicher nicht echt&amp;#8221;, sagte ich.&lt;br /&gt;
Thomas lachte, &amp;#8220;Was meinst du, war eigentlich in dem Koffer?&amp;#8221;&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/VoVSMD-k23I" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Aphorismus des Tages [193]</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 19:09:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aphorismen]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;Digitaler Masochismus: sich so weit wie m&amp;#246;glich mit Anderen vernetzen, um sich im Anschluss regelm&amp;#228;&amp;#223;ig automatisch vom ihrem statusaktualisierten Fortschreiten entmutigen zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/r7byGo7ijGA" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Clemens Meyer: Gewalten</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 11:31:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/310048603X?ie=UTF8&amp;amp;tag=andrherr-21&amp;amp;linkCode=as2&amp;amp;camp=1638&amp;amp;creative=19454&amp;amp;creativeASIN=310048603X"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/gw.jpg" alt="" title="gw" width="200" style="padding-bottom: 5px; padding-right: 10px; float: left;" class="alignnone size-full wp-image-5099" /&gt;&lt;/a&gt; Eine durchsoffene Nacht endet in der Psychiatrie, ein Freund stirbt viel zu jung und elend, das Gl&amp;#252;ck des Gro&amp;#223;vaters wird in einem Hannoveraner Casino gesucht, &amp;#8220;die Zahlen sind das gef&amp;#228;hrlichste aller Gifte&amp;#8221;, am Wochenende herrscht inner-st&amp;#228;dtischer Ausnahmezustand, genannt Ortsderby zwischen Lok und Chemie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hab ich es nun endlich einmal geschafft. Das sch&amp;#246;ne, gebundene Exemplar, dessen Titel ein Meer aus kleinen Sternen ziert, die allesamt die Aufschrift &amp;#8220;AUA&amp;#8221; tragen, war schon lange ausgelesen und stand ruhig im Regal. Auf &lt;a href="http://www.jens-kassner.de/leipzig/keine-gewalt/"&gt;Jens&amp;#8217; Seite&lt;/a&gt; gab es schon vor Monaten eine kleine Rezension, jetzt folge auch endlich ich und mit etwas Gl&amp;#252;ck habe ich sogar etwas beizusteuern. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/310048603X?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=310048603X"&gt;Gewalten&lt;/a&gt;, seinem dritten Buch, schreibt Clemens Meyer f&amp;#252;r den groben Zeitraum eines Jahres &amp;#252;ber sich und alles, was um ihn herum passiert, verbindet und vernetzt es miteinander, bis am Ende elf Texten dabei heraus kommen, die alle in irgendeiner Weise von Extremen handeln, eben von Gewalten. Nachdem ich begonnen hatte, das Buch zu lesen, wurde mir schnell klar, warum Meyers fr&amp;#252;heres FAZ-Blog mit einem Mal so sang- und klanglos versiegte, kommt einem doch schon die erste Geschichte, in der der Protagonist eine Nacht lang festgeschnallt auf einer Liege in der Psychiatrie zu verbringen hat, sehr bekannt vor, wenn sie auch deutlich umgeschrieben wurde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie zu erwarten sind die Texte verdammt gut und spielen teilweise so ausgezeichnet mit Realit&amp;#228;t und Fiktion, dass es einem am Ende vollkommen egal ist, was jetzt nun eigentlich wahr und was falsch sein sollte, weil schon das Spiel damit ausreicht, zu beeindrucken. Dass es mir pers&amp;#246;nlich dabei manchmal schon etwas zu surreal wird, ist nur mein Geschmack, richtig genossen habe ich hingegen die Geschichten &amp;#252;ber die Stadt M, den Casinobesuch in Hannover, die Pferdewetten und das Ortsderby. Wer wei&amp;#223;, ob es daran lag, wie Jens gemutma&amp;#223;t hat, Erwartungen bedienen zu wollen, dass auch gro&amp;#223;e politische Themen wie z.B. die Gefangenencamps von Guantanamo und der Amoklauf von Winnenden mit eingeflochten werden, fest steht f&amp;#252;r mich dabei nur, dass sie l&amp;#228;ngst nicht so gut funktionieren und ausstaffiert sind, wie all jene Dinge, bei denen einen direkteren Bezug Meyers ersp&amp;#252;ren kann und man so auch gern h&amp;#228;tte darauf verzichten k&amp;#246;nnen. Wirklich komisch finde ich allein, dass sich auch Meyer an, wie soll ich es nennen, einer &lt;em&gt;jugendsprachlichen Episode&lt;/em&gt; versucht hat, jener &amp;#252;ber das Computerspiel &amp;#8220;German Amok&amp;#8221;, wie es bspw. auch schon Daniel Kehlmann in seinem &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498035436?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3498035436"&gt;neunteiligen Roman &amp;#8220;Ruhm&amp;#8221;&lt;/a&gt; probiert hat und grandios dabei scheiterte, als er in einem Teil des Romans versuchte, in &lt;em&gt;Internetsprache&lt;/em&gt; zu schreiben. Das wird all jene freuen, die absolut keinen Bezug dazu haben, das Feuilleton und die Verleger, die nicht verstehen, was ihre Kinder da am Computer machen, die werden es &lt;em&gt;frisch&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;peppig&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;echt&lt;/em&gt; finden, aber so bleiben nur ein paar gerittene Klischees.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Davon abgesehen ist &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/310048603X?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=310048603X"&gt;Gewalten&lt;/a&gt; ein starkes Buch, das von Verlust, dem ganz normalen Leben und dem Exzess so zu berichten wei&amp;#223;, wie man es von Clemens Meyer gewohnt ist, absolut gekonnt geschrieben, nur thematisch nicht allzu weit entfernt von den beiden Vorg&amp;#228;ngern. Ich bin gespannt auf das n&amp;#228;chste Buch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/310048603X?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=310048603X"&gt;Clemens Meyer: Gewalten&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Fischer, 223 Seiten&lt;br /&gt;
ISBN: 310048603X&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/6CGf9SEJ_oU" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<item>
		<title>our darkened threatening streets</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 07:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Litritscher]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/lh.jpg" alt="" title="lh" width="425" style="border: solid 1px #444" class="alignnone size-full wp-image-5084" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/12053872@N02/2262152375/in/photostream/"&gt;Bild&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/12053872@N02/"&gt;sykerabbit77&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachts versiegt unser Heizungsguthaben mit einem leisen Klicken und w&amp;#228;hrend alle schlafen, kriecht die K&amp;#228;lte leise vom Hof zu uns ins Haus. Am Morgen haben wir Eisblumen an den Fenstern, eine Sache, die einem in England niemand abnimmt. Am K&amp;#252;hlschrank hat John einen Zettel aufgehangen mit der Bitte, wir sollen darauf eintragen, wann wir wie viele Pfund auf die Gaskarte geladen haben, sodass immer erkenntlich w&amp;#252;rde, wer als N&amp;#228;chstes an der Reihe w&amp;#228;re. Momentan f&amp;#252;hre ich mit vierzig Pfund, aber das st&amp;#246;rt niemanden, es wird noch ein paar Morgen lang Eisblumen geben und ich nehme mir vor, mich ab heute wieder daran zu gew&amp;#246;hnen, in meiner Daunenjacke zu schlafen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist jetzt Januar und der unverh&amp;#228;ltnism&amp;#228;&amp;#223;ig harte Winter l&amp;#228;sst die Insel vom Weltall aus wie wei&amp;#223;es Schimmelgeflecht aussehen. Bei Tesco sieht man Henry, den Inder an der Selbstbedienungskasse, der irgendwie so eine Art Freund geworden ist, nur noch mit Handschuhen und Pudelm&amp;#252;tze. Als ich ihm erz&amp;#228;hlte, dass es in Deutschland sicher noch zehn Grad k&amp;#228;lter ist, hat er die H&amp;#228;nde so &amp;#252;ber dem Kopf zusammen geschlagen, wie sie es nur in alten Schwarz-Wei&amp;#223;-Filmen noch tun.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der w&amp;#246;chentlichen Bezirkszeitung habe ich gelesen, dass es Theorien gibt, die die Angesagtheit von Stadtvierteln anhand der Anzahl von Friseuren bestimmen. In unserer main street, unten der an der Ecke, wo man sich entscheiden muss, rein in die Stadt oder raus in die bitteren Vororte, gibt es nur einen kleinen Friseurladen, ein alter Mann betreibt ihn mit seiner Frau, es ist nicht sehr angesagt hier. Statt Friseur reiht sich hier Buchmacher an Buchmacher. Es gibt die vier gro&amp;#223;en: Coral, William Hill, Ladbrokes und ToteSport, dazu jeweils noch unz&amp;#228;hlige Tocherfirmen und kleinere private. Ausschlie&amp;#223;lich M&amp;#228;nner sitzen in den grell beleuchteten L&amp;#228;den vor gro&amp;#223;en Fernsehern, studieren Zahlen in monochromen Heften, benutzen Bleistifte und sagen wenig zu einander. Man kann hier auf alles wetten, sagt Henry, sogar auf die Schei&amp;#223;e, in die man vorm Tesco tritt, aber so richtig reich w&amp;#252;rden doch nur die bookies.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn ich morgens am Schreibtisch sitze und durch die kahlen &amp;#196;ste des Baumes im Hof schaue, kann ich manchmal die orientalischen Nachbarskinder sehen, wie sie bibbernd neben ihrem orientalischen Vater stehen, der die letzte Zigarette vor der Schicht raucht. Die Kinder formen gro&amp;#223;e Os mit ihren M&amp;#252;ndern, dr&amp;#252;cken sich Zeige- und Mittelfinger an den Mund und lassen ihre Atemluft als kleine W&amp;#246;lkchen aufsteigen. Bevor sie von der Schule nach Hause kommen, mache ich meist meinen Spaziergang. Ich gehe hoch zum Fitness-Center und durch den Birchfields Park und von dort &amp;#252;ber die Schienen Richtung Chorlton, wo ich noch nie war, obwohl es dort viele Friseure geben soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben jetzt eine dicke Kette an der T&amp;#252;r, John hat sie vom landlord anbringen lassen, weil es ab und zu Probleme vor den L&amp;#228;den der bookies gibt. Schl&amp;#228;gereien wegen Schulden oder einfach so, weil irgendein Pferd, irgendein Hund nicht so wollte, wie die odds es voraus sagten. Aber es gibt kein Blut auf den Stra&amp;#223;en, daf&amp;#252;r sind die cleaning guys hier zu gr&amp;#252;ndlich und so fr&amp;#252;h unterwegs, dass es niemandem auff&amp;#228;llt. Manchmal schl&amp;#228;gt nachts jemand an unsere T&amp;#252;r, das H&amp;#228;mmern l&amp;#228;sst mich hochfahren, mein Herz rast dann und ich hoffe, dass John, der immer als Letzter nach Hause kommt, die Alarmanlage angeschaltet hat, das tut er immer. Einmal war es Eric, der seinen Schl&amp;#252;ssel vergessen, daf&amp;#252;r aber einige Pints intus hatte. Nur wenn morgens die M&amp;#252;lltonne umliegt, dann wei&amp;#223; ich, dass es nicht Eric war.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/OGxOuQLswwQ" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>I’m lost to where we are</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 19:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;iframe class="youtube-player" type="text/html" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/embed/ORukWYS8SKQ?hl=de_DE" frameborder="0"&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=ORukWYS8SKQ"&gt;Direkthavoc&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;musiktechnisch bin ich ein einzeller. ich bewege mich durch eine mildwarme playlist-ursuppe, in der mir alles bekannt ist und sich selten wenig &amp;#228;ndert. meine musikalischen entdeckungen belaufen sich auf empfehlungen von freunden, bekannten und ein paar winzige fetzen, &amp;#252;ber die ich selbst gestolpert bin. da man mir schon eine menge empfohlen hat, bin ich wenigstens nicht g&amp;#228;nzlich ungebildet, stehe aber trotzdem viel zu oft ahnungslos dabei, wenn es um bands und songs geht. das einzig beruhigende dabei ist, dass nicht nur ich vieles nicht zu kennen scheine, sondern meine vorgebrachten bands im endeffekt auch niemand kennt. und obgleich ich in jede richtung musik in gewisser weise formbar bin, hat sich alles auf irgendetwas zwischen post rock, punk und hardcore und metal eingependelt. so oszillieren die listen je nach stimmung zwischen den extremen, ab jetzt auch mit &lt;a href="http://www.myspace.com/awitn"&gt;awitn&lt;/a&gt;. sch&amp;#246;n.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/Hto1u8K_6Ls" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>gut genug</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 14:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allzumenschlich]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;iframe type="text/html" width="425" height="28" src="http://www.youtube.com/embed/eYZwiYWr-Jw?hl=de_DE" frameborder="0"&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style="font-size:10px;"&gt;&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=eYZwiYWr-Jw"&gt;Direkthorrors &lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nachts liege ich in meinem katalogechten Hotelzimmer. Alles hier ist Eiche massiv, der Boden der Rezeption ist aus hellem Marmor oder etwas, das man daf&amp;#252;r halten soll (Sterne: 3), die Dame hinter der Theke ist sehr nett. Rechts von mir, hinter der nicht allzu dicken Wand (ich kann jemanden schnarchen h&amp;#246;ren), liegt die JVA, in der kein Licht mehr brennt, dick umrandet mit Stacheldrahtspiralen und &amp;#220;berwachungskameras. Ich habe die Vorh&amp;#228;nge zugezogen, denn meine Badt&amp;#252;r schlie&amp;#223;t nicht. Und obwohl ich im zweiten Stock bin, mir gegen&amp;#252;ber nichts als &lt;em&gt;Die neue Kirche sonstwas&lt;/em&gt; samt Friedhof liegt und ich es wirkilch versucht habe, war mir die Benutzung der Toilette erst geheuer, nachdem die Vorh&amp;#228;nge ihr Blumenmuster zeigten (das Wissen um die Kameras vermutlich oder der &amp;#252;bliche Spleen). Es ist ganz still, nicht einmal der Fernseher l&amp;#228;uft, obwohl ich jede Gelegenheit zum Fernsehen nutze, seit man mir zu Hause den Anschluss abgestellt hat. Aber ich mag diese Stille, die Langsamkeit suggeriert, so als lie&amp;#223;e man ein auf Hochtouren beschleunigtes Auto einfach langsam ausrollen, den Fu&amp;#223; weg vom Gas, bis es von ganz von allein anh&amp;#228;lt und irgendwann ausgeht. Und so verschwindet die gute Laune und hinterl&amp;#228;sst jene Leere in meinem Kopf, die das Knacken des Eiche-Massiv-Schrankes zwischen meinen Ohren widerhallen lassen wird. Die frische Bettw&amp;#228;sche riecht gut, bis ich den bereitgestellten Aschenbecher entdecke. Am Morgen wird mein Brustkorb wieder schmerzen, wie er es immer tut, wenn ich in verrauchten Zimmern schlafe. Und morgens wird mir der Fernseher auch wieder gut genug sein.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/-mIDtsQhf-I" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 14:32:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3630620930?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3630620930"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/mm.jpg" alt="" title="mm" width="200" class="alignnone size-full wp-image-5056" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 5px; float:left; " /&gt;&lt;/a&gt; Als Berlioz, seines Zeichens Vorsitzender der Literaturver-einigung MASSOLIT, gemeinsam mit seinem Kollegen Besdommy, einem nicht allzu begabten Dichter, in einem Garten Moskaus der 1920/30er Jahre eine Auftragsarbeit bespricht, mischt sich kurzerhand ein Unbekannter in ihr Gespr&amp;#228;ch. Dieser gibt sich als ausl&amp;#228;n-discher Artist und Professor f&amp;#252;r schwarze Magie zu erkennen und beginnt, den beiden Literaten eine etwas andere Version der Jesusgeschichte zu erz&amp;#228;hlen, sowie Berlioz kurzer-hand seinen Tod vorraus zu sagen, der kurze Zeit sp&amp;#228;ter auch tats&amp;#228;chlich eintritt. Besdommy ger&amp;#228;t daraufhin v&amp;#246;llig au&amp;#223;er sich und landet in der Psychiatrie, redet wirres Zeug und sieht sich fortan allein solchen gegen&amp;#252;ber, die ihn als Verr&amp;#252;ckten betrachten. Dort trifft er bald auf den Meister, einem gescheiterten Schriftsteller, der einen Roman &amp;#252;ber Pontius Pilatus und die Jesusgeschichte, ganz wie der Unbekannte sie rezitiert hatte, geschrieben, aber nichts als Verachtung daf&amp;#252;r erfahren hatte und letztlich auch in der Psychiatrie landete.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Unbekannte, auf dessen Visitenkarte Besdommy nur den Anfangsbuchstaben &amp;#8220;V&amp;#8221; erkennen konnte, in G&amp;#228;nze aber bald in seiner Rolle als Teufel Voland genannt, verfrachtet unterdessen Lichodejew, den Direktor des Moskauer Varietétheaters, auf mysteri&amp;#246;se Art und Weise nach Jalta, nicht jedoch ohne sich vorher von ihm einige Auftritte im Theater arrangieren zu lassen. Da Lichodejew f&amp;#252;rs Erste auf dem Weg ist, zieht Voland samt seinem Gefolge, einem &amp;#252;bergro&amp;#223;en schwarzen Kater namens Behemoth, Volands Diener Korowjew, bzw. Fagott, ein wom&amp;#246;glich ehemaliger Kantor, der sich aber auch als Dolmetscher ausgibt, seinem Handlanger Asasello und dem Hausm&amp;#228;dchen Abadonna, in dessen Wohnung ein. Fortan sind Voland und seine Begleiter f&amp;#252;r alle m&amp;#246;glichen Unheimlichkeiten in Moskau zust&amp;#228;ndig, so geben sie bspw. ein Vorstellung in schwarzer Magie im Varietétheater, von der noch ewig gesprochen wird, sie bringen falsches Geld unter die Leute oder lassen hin und wieder jemanden verschwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bald jedoch machen sie Margarita ausfindig. Sie ist die fr&amp;#252;here Geliebte des Meisters, der auf Grund seines Romans verhaftet worden war und wei&amp;#223; seitdem nicht, wo er sich aufh&amp;#228;lt. Voland und seine Leute laden Margarita ein, ihr bei einer Sache behilflich zu sein, f&amp;#252;r die nur sie allein geeignet sei und auch reich entlohnt werden soll und Margarita willigt ein, mehr soll vom Inhalt an dieser Stelle nicht verraten sein.&lt;/p&gt;
&lt;p style="padding-top: 50px;"&gt;Ich glaube, &amp;#252;ber dieses Buch k&amp;#246;nnten ganze Arbeiten geschrieben werden, erst weil es schon schwierig genug ist, die gesamte Handlung zusammenzutragen, insbesondere da mindestens zwei, eher drei Geschichte, miteinander verworben werden, zweitens, weil es enorm viel zu interpretieren gibt. Darum sei hier darauf hingewiesen, dass alles Folgende keinesfalls Anspruch auf Vollst&amp;#228;ndigkeit oder Wahrheit hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ich in Paris war und gerade &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3630620930?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3630620930"&gt;Der Meister und Margarita&lt;/a&gt; von Michael Bulgakow las, dachte ich, ich w&amp;#252;rde eine Weile brauchen, um mich durch die 500 Seiten Kleingedrucktes zu arbeiten. Aber ganz im Gegenteil, abseits der anf&amp;#228;nglichen Verwirrung, da auf den ersten einhundert Seiten so ziemlich alle Personen des Buches mit ihren jeweils eigenen Geschichten eingef&amp;#252;hrt und bereits damit begonnen wird, die verschiedenen Erz&amp;#228;hlstr&amp;#228;nge des Buches mit einander zu verweben, fand ich das Buch gleich von Anfang an wunderbar zu lesen. Voland und sein Gefolge sind so gro&amp;#223;artig grotesk und lustig, dass man sie von Beginn an toll finden muss, auch wenn auf ihr Konto eine Menge &amp;#196;rger und ein paar Tote gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das &amp;#252;berb&amp;#252;rokratische Moskau erh&amp;#228;lt also Besuch vom Teufel h&amp;#246;chstpers&amp;#246;nlich und wird geh&amp;#246;rig aufgemischt. Je weiter man im Buch voran kommt, desto mehr wirken Teufel und Kumpanen jedoch nicht nur wie jene, die da sind, um Verwirrung zu stiften, sondern auch, um mindestens zwei quasi-gescheiterten Existenzen zu helfen. Es ist schwer, viel &amp;#252;ber die Tiefe des Romans zu sagen, ohne etwas vom Inhalt zu verraten, aber es ist sch&amp;#246;n zu lesen, wie die Figur des Teufels Voland nicht nur als Unheils- sondern auch als Gl&amp;#252;cksbringer verwendet wird, wie verzweifelt die ordnungsbewussten Moskauer mit der chaotischen Bande umzugehen versuchen und wie Meister und Margarita wieder zu einander finden d&amp;#252;rfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich w&amp;#252;rde nicht so weit gehen wie das amerikanische M&amp;#228;dchen in einem Gibert-Jeune-Laden, das ihren Begleiter beim Anblick &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/0141188286?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=0141188286"&gt;dieser sch&amp;#246;nen Ausgabe&lt;/a&gt; immer und immer wieder darauf hinweisen musste, Der Meister und Margarita sei &amp;#8220;the best, the best book I probably ever read!&amp;#8221;, daf&amp;#252;r fehlt mir wahrscheinlich das Gesp&amp;#252;r f&amp;#252;r die Stimmung eines Moskaus vergangener Zeiten, aber nichtsdestotrotz geh&amp;#246;rt das Buch zu den/meinen sehr guten.&lt;/p&gt;
&lt;p style="padding-top: 50px;"&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3630620930?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3630620930"&gt;Der Meister und Margarita&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
Sammlung Luchterhand, 512 Seiten&lt;br /&gt;
ISBN: 3630620930&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/Zhve4GpKYdQ" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Aphorismus des Tages [192]</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Aug 2010 22:51:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aphorismen]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;In der Pariser Rue de l&amp;#8217;Odeon erinnert keine einzige Plakette an den fr&amp;#252;heren Wohnort Emil Ciorans. Ob blo&amp;#223;es Vers&amp;#228;umnis oder nicht, vielleicht gibt es dem Schlaflosen jene Ruhe, die er nachts nie hatte finden k&amp;#246;nnen. Denn die l&amp;#228;stigste Form der Eitelkeit w&amp;#228;re die von au&amp;#223;en angetragene.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/vwXTxctuulM" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<item>
		<title>Open Flair 2010</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 17:27:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

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		<description>&lt;div id="attachment_5009" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/01.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5009" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Noch alles ruhig am Donnerstag&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5011" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/02.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5011" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;&lt;a href='http://www.youtube.com/watch?v=2AqC_tGbRhI' title='Grossstadtgefl&amp;#252;ster: Ich muss gar  nichts'&gt;Grossstadtfl&amp;#252;ster&lt;/a&gt; auf der Seeb&amp;#252;hne&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/03.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Menschen warten&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/04.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Licht!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/05.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Auftritt Jan Delay. Nicht im Bild: Jan Delay&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/06.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;The Hives waren auch da&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/07.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Streetlight Manifesto war das, glaube ich&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/08.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Against Me! samt Manager&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;div id="attachment_5013" class="wp-caption alignnone" style="width: 435px"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/09.jpg" alt="" title="Open Flair 2010" width="425" height="319" class="size-full wp-image-5013" /&gt;&lt;p class="wp-caption-text"&gt;&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;Herrlich: Against Me!&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;/div&gt;
&lt;p&gt;&lt;iframe src="http://www.youtube.com/embed/TUOdoyNmVrk" width="425" height="344" frameborder="0"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;span style='font-size: 10px;'&gt;&lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=TUOdoyNmVrk"&gt;Direkttouch&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;War geil.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/3URh0kWH3j0" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<item>
		<title>Michel Houellebecq: Plattform</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 18:38:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tribut]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.andreherrmann.de/?p=4990</guid>
		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499233959?ie=UTF8&amp;amp;tag=andrherr-21&amp;amp;linkCode=as2&amp;amp;camp=1638&amp;amp;creative=19454&amp;amp;creativeASIN=3499233959"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/pf.jpg" alt="" title="pf" width="200" style="padding-right: 5px; padding-bottom: 5px;" class="alignleft size-full wp-image-4992" /&gt;&lt;/a&gt;Der Mord an seinem Vater beschert Michel eine ungewohnt gro&amp;#223;e Summe Geld, mit der er wom&amp;#246;glich bis an sein Lebens-ende auskommen k&amp;#246;nnte, nur ist es nicht das Geld, das ihm fehlt. Michel lebt nahezu isoliert in Paris, seiner Ansicht nach genau so, wie es viele der modernen Menschen tun, gefangen zwi-schen Arbeit, Schlaf und Nahrungsaufnahme verl&amp;#228;uft sein Leben relativ langweilig. Er g&amp;#246;nnt sich eine teure Rundreise durch Thailand, besucht oft die Massagesalons, die gleichzeitig als eine Art Bordell fungieren und reibt sich gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils an den verschrobenen Einstellungen und Eigenheiten seiner Mitreisenden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mehr und mehr festigt sich in ihm die Ansicht, dass der normale westliche Mann, und damit auch er selbst, bei der modernen westlichen Frau keine Chance mehr hat. Sie jagen beruflich erfolgreichen, aufmerksamen, romantischen, etc. Traumm&amp;#228;nnern hinterher, also einem Wunschbild, das der Stino-Mann nie und nimmer zu erf&amp;#252;llen vermag. Nichtsdestotrotz hat er auf der Rundreise Kontakt zu Valérie gekn&amp;#252;pft, einer erfolgreichen und sch&amp;#246;nen Frau, die in Paris in hohem Posten in der Tourismusbranche arbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie kommen zusammen, wohnen bald in einer gemeinsamen Wohnung und sehen beide das Problem, das manchmal erst weite Strecken zur&amp;#252;ck gelegt werden m&amp;#252;ssen, um Mann und Frau sexuell das bieten zu k&amp;#246;nnen, wonach sie in ihrer Heimat vergeblich suchen. Als Valérie und ihrem Chef Jean-Ives dann leitende Stellen beim gr&amp;#246;&amp;#223;ten Tourismuskonzern Frankreichs angeboten werden, gepaart mit der Aufgabe, eine wenig florierende Hotelkette zu sanieren, kommen die drei auf die Idee, ein neues Gesch&amp;#228;ftsmodell zu erfinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499233959?ie=UTF8&amp;amp;tag=andrherr-21&amp;amp;linkCode=as2&amp;amp;camp=1638&amp;amp;creative=19454&amp;amp;creativeASIN=3499233959"&gt;Plattform&lt;/a&gt; habe ich nun auch den letzten von Houellebecqs Romanen gelesen, erst &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499243393?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3499243393"&gt;Ausweitung der Kampfzone&lt;/a&gt;, dann &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499242559?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3499242559"&gt;Elementarteilchen&lt;/a&gt; und zuletzt &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499243385?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3499243385"&gt;Die M&amp;#246;glichkeit einer Insel&lt;/a&gt;. Ab jetzt hei&amp;#223;t es also warten auf den n&amp;#228;chstens und bis dahin den Blick auf die &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499228491?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3499228491"&gt;Essays, pardon, Interventionen&lt;/a&gt; schweifen lassen, denen im Oktober mit &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832195920?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3832195920"&gt;Ich habe einen Traum&lt;/a&gt; &amp;#252;brigens ein zweiter Teil folgen wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz zu &amp;#8220;Die M&amp;#246;glichkeit einer Insel&amp;#8221;, wo ich erst eine Weile brauchte, um mich in das Buch einzulesen und es im Endeffekt dann nichtsdestotrotz sehr gut zu finden, l&amp;#228;sst einen Plattform von Anfang an nicht mehr los. Das ganze Buch ist durchzogen mit Gedanken des Protagonisten Michel und Erkl&amp;#228;rungen zu allen m&amp;#246;glichen Dingen, zur Gesellschaft, zur Philosophie, Tourismus und der Beziehung zwischen Mann und Frau und vermengt das Innerste des Protagonisten mit Geschehnissen, wie sie genau in jetziger Zeit passieren. Nat&amp;#252;rlich wird es da, wenn man das so sagen kann, Houellebecq-typisch ein wenig subjektiv und teilweise so, dass sich mancher sicher an den &amp;#196;u&amp;#223;erungen reiben m&amp;#246;chte, aber gerade dadurch, dass im Buch immer bewusst Stellung bezogen und diese auch gnadenlos vertreten wird, f&amp;#252;hlt man sich den Figuren schnell sehr nahe und durchlebt mit ihnen, ganz egal ob man ihre Einstellungen nun teilt oder nicht, ihre Geschichte. Ebenso braucht man bei Houellebecq nicht zu erwarten, dass er sonderlich harmlos mit den Menschen allgemein ins Gericht geht, im Gegenteil, wie schon in seinen anderen B&amp;#252;chern, ist auch Plattform eine subtile Abrechnung mit der Gesellschaft Frankreichs und Europas, den Menschen &amp;#252;berhaupt, in diesem Fall besonders bezogen auf das Finden eines geeigneten Lebenspartners und Tourismus in all seinen Formen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichsam wie hart Themen wie Islamismus, Nationalit&amp;#228;ten und den zugeh&amp;#246;rigen Typen umgegangen wird und wie ausgiebig es um Sex geht, muss die immerw&amp;#228;hrende Melancholie erw&amp;#228;hnt werden, die fast das ganze Buch durchzieht. Irgendwo zwischen Resignation und steter Trauer wandeln die Figuren Houellebecqs dahin, finden zu einander, gehen auseinander, im besten Beckettschen Sinn scheitern sie und beginnen immmer wieder neu, nur um nochmals und immerfort zu scheitern. Das macht Houellebecqs B&amp;#252;cher nicht unbedingt zu besten Selbstheilungs- und Selbstfindungsb&amp;#252;cher, obgleich man nie umhin kommt, sich nicht trotzdem darin wieder zu finden, bzw. wenigstens so vieles um sich herum, denn man selbst will sich ja, genau wie es seine Figuren immer bis zu einem bestimmten Punkt versuchen, nicht so sehen, wie man die Anderen sieht, deshalb sind sie ja die Anderen. F&amp;#228;llt diese Trennung erst einmal weg, ist man nichts Besonderes mehr, aber hat die Chance, mit dem einmal klaren Blick eben genau dieser Stino-Mentalit&amp;#228;t zu entfliehen. Den Figuren in Plattform gelingt dies genau so, wie es ihnen gleichsam nicht gelingt und gelingen kann, das macht das Buch so kurzweilig und gleichzeitig tiefgr&amp;#252;ndig. Ich hab&amp;#8217;s genossen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499233959?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3499233959"&gt;Michel Houellebecq: Plattform&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
rororo, 352 Seiten&lt;br /&gt;
ISBN: 3499233959&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/1tm5h0tba1w" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>back and back again</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 20:55:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allzumenschlich]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/marais.jpg" alt="" title="Marais" width="425" height="319" class="alignnone size-full wp-image-4980" style="border: solid 1px #444" /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Wasser dr&amp;#252;ckt sich aus den Kan&amp;#228;len und flie&amp;#223;t in dicken Z&amp;#246;pfen die Rue de Martyrs hinab Richtung Sexodrome. Gerade geht die Sonne auf, die M&amp;#252;llm&amp;#228;nner schwitzen mit Kippenstummeln im Mund und haben immer ein nettes Wort f&amp;#252;r die M&amp;#252;tterchen, die schon so fr&amp;#252;h im Waschsalon ihre Kleider falten. Um diese Uhrzeit steht noch niemand in Barbès und rattert in atemberaubender Geschwindigkeit wieder und wieder &amp;#8220;Marlboro, Pall Mall, Pall Mall, Marlboro&amp;#8221; herunter, nur die H&amp;#252;tchenspieler machen bis zuletzt einen guten Schnitt mit den nachhausetorkelnden Touristen. Im Bus nach Tocadero klimpern schon die Miniatureiffelt&amp;#252;rme, im Marais stimmen ein paar Metalasiaten ihre Jackson-Gitarren vorm Centre Pompidou und ersetzen in ihren Verst&amp;#228;rkern die Batterien vom Vortag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In ein paar Stunden wird sich genau &amp;#252;ber diese paar Flecken Stadt eine Ger&amp;#228;uschkulisse legen, die ihresgleichen sucht, die deutsche Gro&amp;#223;st&amp;#228;dte in sp&amp;#228;terem Vergleich sehr ruhig erscheinen lassen wird, im guten wie im nicht so guten, im anderen Sinne. Sp&amp;#228;ter erkennt man sie schnell, die Deutschen, wie sie im Zug nach Leipzig, kurz nachdem sie eingestiegen sind, w&amp;#252;tend ihren Koffer durch den Waggon zerren, weil niemand ihnen einen Platz freigehalten hat. Es gibt keine schlechtere oder bessere Mentalit&amp;#228;t, denke ich, nur mehr oder weniger hausgemachte Probleme. Aber eine eigene Toilette, mit einer T&amp;#252;r, die nicht mehrere Zentimeter weit aufsteht, selbst, wenn sie geschlossen ist, hat Vorteile.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hier ist meine Wohnung so gro&amp;#223; wie vier bis f&amp;#252;nf Pariser Studentenzimmer, das Bier vergleichsweise billig, der Eistee hingegen ganz sch&amp;#246;n teuer. Nur wozu vergleichen, wenn man genau den Leuten bei Goodbye Deutschland immer vorwirft, eben dass sie ein Deutschland im Ausland zu suchen scheinen. Es ist wundersch&amp;#246;n in Paris, denke ich, Punkt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und in der Stra&amp;#223;enbahn sitzen zwei junge Typen mit Bobschnitt und Pornobrille, sie rappen so laut und unbeholfen sie k&amp;#246;nnen K.I.Z.-Songs und schwingen dabei Becks-Ice-Flaschen. Vielleicht seid gerade ihr die Opfer, die sie immerzu besingen, will ich sagen und verkneife es mir. Dann, an der Haltestelle, ist es angenehm ruhig und mein schmerzendes Ohr beginnt, sich zu entspannen. Hoffen wir, dass sich dieses Gef&amp;#252;hl noch ein paar Tage lang h&amp;#228;lt.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/naeewBSThNA" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Rast, Rekonvaleszenz, Restitution</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 08:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[metametameta]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/ggladman/103920772/"&gt;&lt;img src="http://www.andreherrmann.de/wp-content/uploads/2010/08/103920772_a61e5581f8.jpg" alt="" style="border: solid 1px #444;" title="Paris" width="425" class="alignnone size-full wp-image-4964" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;&lt;a href="http://www.flickr.com/photos/ggladman/103920772/"&gt;Bild&lt;/a&gt; von &lt;a href="http://www.flickr.com/photos/ggladman/"&gt;Greg Gladman&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Manch einer w&amp;#252;rde es ganz old-school-m&amp;#228;&amp;#223;ig &lt;em&gt;Urlaub&lt;/em&gt; nennen, aber wo k&amp;#228;men wir da denn hin? Diese dunklen Wolken dort oben sind &amp;#252;brigens nicht als Imperativ zu verstehen, aber ich fand das Bild so h&amp;#252;bsch. Wir sehen uns in einer Woche. Tobt euch bis dahin gern &lt;a href="http://andreherrmann.de/archiv"&gt;hier&lt;/a&gt; aus.&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/lnUVZXsp_AU" height="1" width="1"/&gt;</description>
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		<title>Würdest du bitte endlich still sein, bitte*</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 15:04:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allzumenschlich]]></category>

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		<description>&lt;p&gt;Es ist sp&amp;#228;t, ich bin m&amp;#252;de, ich will nach Hause und auf dem Weg dorthin nichts au&amp;#223;er meiner verdammten Musik h&amp;#246;ren. Ich sitze an der Haltestelle, &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=U8KAU9vWGgc"&gt;Tegan &amp;#038; Sara&lt;/a&gt; singen in meinen Ohren. Hoffentlich hat zu Hause das ge&amp;#246;ffnete Fenster etwas gebracht, denke ich, Montagvormittag die Fenster zu &amp;#246;ffnen ist immer ein gro&amp;#223;er Fehler, wenn das M&amp;#252;llauto noch nicht da war und einem dann die ganze Wohnung vollstinkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein paar Meter weiter steht ein Typ, der nicht auch blo&amp;#223; den Nachtbus, sondern augenscheinlich auch die Wende verpasst haben muss. Man nehme eine schwarze Jeans, wasche die Farbe aus, punkte sie sehr fein erneut mit einem Edding, schrumpfe sie gleichzeitig um 1/4 ihrer Gr&amp;#246;&amp;#223;e und montiere gelbe Hosentr&amp;#228;ger daran. Passend dazu tr&amp;#228;gt man am Besten schwarz-wei&amp;#223;e Holzf&amp;#228;llerhemden und auf dem Kopf etwas, das sich sowohl von einer Frisur als auch von einem Haarschnitt deutlich abzugrenzen wei&amp;#223;. Er hat ein Miniradio dabei, das irgendwelche Schlager dudelt und er stilecht auf seiner Schulter tr&amp;#228;gt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich z&amp;#252;nde mir eine Zigarette an und versuche, jeglichen Blickkontakt und sogar Blicke in seine Richtung zu vermeiden. Oft wird einem ja vorgeworfen, man k&amp;#246;nne sich das als Mann nicht vorstellen, wie es ist, andauernd entgegen dem eigenen Willen angequatscht zu werden. Ich aber kann. Nur quatschen mich nicht reziprok dauernd Frauen, sondern ausschlie&amp;#223;lich Verr&amp;#252;ckte an und ich muss zugegeben, es w&amp;#228;re wohl weitaus schlimmer, wenn ich eine Frau w&amp;#228;re und mit M&amp;#228;nnern, Verr&amp;#252;ckten und verr&amp;#252;ckten M&amp;#228;nnern gleichzeitig zu tun h&amp;#228;tte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Shit, ich hab ihn angeguckt. Den meisten Leuten reicht ja schon ein Blick als Einladung ins eigene Leben. Er nickt mir zu und dreht seine Schlager noch lauter und ich frage mich, ob sich hinter Wollpullundern und fettigen Haaren eigentlich immer unfreiwillige Komik entwickelt. Er kommt n&amp;#228;her und stellt sich direkt neben mich, er nickt noch immer und sch&amp;#252;rzt seine Lippen, wie es die rauchenden Sechszehnj&amp;#228;hrigen vor der Gro&amp;#223;raumdisko, an der ich &amp;#246;fter vorbei komme, nicht besser tun k&amp;#246;nnten. Ich wechsle zu &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=dsM5GMVIBrY"&gt;K.I.Z&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir hatten mit dem Barkeeper um unsere Getr&amp;#228;nke gew&amp;#252;rfelt und haushoch verloren. Zur Entsch&amp;#228;digung gab er uns noch zwei Raketen (und den einzigen Inhaltsstoff selbiger, der mir in diesem Moment schmerzlich wieder einf&amp;#228;llt, ist Tabasco) und wandte sich den n&amp;#228;chsten Gl&amp;#252;cksrittern zu, die ebenfalls an diesem Abend nicht blo&amp;#223; viel ausgeben wollten, sondern auch alles verlieren wollten. Und sp&amp;#228;ter erwies sich ein Taxi folgerichtig sowohl aus monet&amp;#228;ren, wie auch aus Gr&amp;#252;nden schwankender Magen-Darm-Flora als schlechte Idee.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich merke, dass er irgendetwas sagt, reagiere aber nicht. Er tippt mich an, ich nehme einen Kopfh&amp;#246;rer aus dem Ohr und versuche die Blicke der sechzehnj&amp;#228;hrigen Diskochecker zu imitieren.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Kommst wohl gerade vom Tanzen?&amp;#8221;, will er wissen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Vom Friedhof&amp;#8221;, sage ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Trauerfeier?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Séance.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Was?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich bin Totengr&amp;#228;ber.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Huih, so mit echten Toten?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nein, wir begraben nur Lebendige.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Warum immer ich, denke ich, als h&amp;#228;tte ich st&amp;#228;ndig Bereitschaftsdienst, sehe ich t&amp;#228;ts&amp;#228;chlich so vertrauenerweckend aus, sollte ich Trickbetr&amp;#252;ger oder wenigstens Staubsaugervertreter werden? Ich stehe auf, nicke ihm noch einmal zu und ahne, dass es ein Fehler ist. Auch Ghandi muss Momente gehabt haben, in denen er einfach nur kurz seine Ruhe wollte. Ein Mensch kann doch nicht stets aufopferungsvoll sein und die Macken seiner Mitmenschen freudig in die Arme schlie&amp;#223;en, denke ich, erst recht nicht, wenn ihm der Kopf dreht und der Magen brennt. Ach Schei&amp;#223;e, denke ich, steh auf, ignoriere das Geblubber des Typen und gehe in Richtung des Bahnhofs, um mir die Wartezeit in Bewegung zu vertreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Rationalisierung sozialer Einrichtungen hat McDonald&amp;#8217;s zum n&amp;#228;chtlichen Treffpunkt werden lassen. Nachts scheinen nur Berliner hinter der Theke zu stehen, wenn man es vom Umgangston her betrachtet. Ein paar Atzen schlagen gegen die Glast&amp;#252;ren, weil man sie ausgesperrt hat, die Frau auf der Poliermaschine rotiert &amp;#252;ber den Querbahnsteig. Irgendwann, denke ich, muss ich unbedingt einmal in die Kneipe direkt im Bahnhof. Es sieht so aus, als w&amp;#252;rde dort drinnen nie ein Wort gewechselt werden und das Getr&amp;#228;nkeordern problemlos per Handzeichen funktionieren. Auf den St&amp;#252;hlen und an der Bar h&amp;#228;ngt man &amp;#252;ber dem eigenen Glas und versucht, irgendeine Wahrheit darin zu erkennen, dazu gibt es Zigaretten, die in Zehn-Minuten-Abst&amp;#228;nden ihren Weg aus den Schachteln zwischen die spr&amp;#246;den Lippen finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ich wieder drau&amp;#223;en bin, steht mein Bus schon bereit. Ich setze mich direkt hinter den Fahrer, wie es alle machen, die entweder blind, &amp;#228;ngstlich oder ohne jedwedes Interesse f&amp;#252;r alles hinter ihnen sind. Ich lasse &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=RAtacHPAHLI"&gt;Biffy Clyro&lt;/a&gt; meinen Zynismus besingen und versuche mir mein Bett vorzustellen. Wo gewartet wird, muss angekommen werden, hat Brecht einmal geschrieben, denke ich, w&amp;#228;hrend ich dabei zusehe, wie sich ein P&amp;#228;rchen nicht weit von meiner Fensterscheibe lautlos anschreit.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Hey, da bist du ja wieder&amp;#8221;, h&amp;#246;re ich eine Stimme, &amp;#8220;Ist da noch frei?&amp;#8221;, fragt sie schrecklich rhetorisch und schon sitzt der zugeh&amp;#246;rige K&amp;#246;rper neben mir, ich suche &lt;a href="https://youtubeproxy.org/default.aspx?prx=http://www.youtube.com/watch?v=uLSA-zI18eE"&gt;Slayer&lt;/a&gt; in meinem MP3-Player.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;#8220;Was?&amp;#8221;, raune ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich hab dich schon gesucht.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Soso&amp;#8221;, sage ich und denke, dass ich lieber etwas Feindseligeres h&amp;#228;tte sagen sollen.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ja, bist einfach gegangen.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Wie immer sie euch mitspielen, gebt keinen euresgleichen auf, denke ich, schon wieder Brecht, meine G&amp;#252;te, aber irgendwie ist es sp&amp;#228;testens jetzt auch genug.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ich verabscheue die menschliche Rasse&amp;#8221;, sage ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Und was machst du jetzt so?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nach Hause fahren.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Gut, dann komm ich mit&amp;#8221;, sagt er, grinst mich an und ich frage mich, ob man vor diesem Grinsen nun Angst haben soll oder nicht.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ganz bestimmt nicht&amp;#8221;, sage ich, &amp;#8220;Du kannst mal lieber abhauen.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Er sagt nichts, &amp;#252;berlegt ein bisschen, es ist still.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Aber ist doch sch&amp;#246;n&amp;#8221;, sagt er.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Ist nicht sch&amp;#246;n&amp;#8221;, sag ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;So ein bisschen kuscheln&amp;#8221;, sinniert er.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Pfui!&amp;#8221;, sage ich, denn was den Unterschied zwischen gleichgeschlechtlichen Komplimenten und verr&amp;#252;ckten Gequatsche ausmacht, habe ich sp&amp;#228;testens in der Bahnhofsmission gelernt.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Du wirst schon Gefallen daran finden.&amp;#8221;&lt;br /&gt;
Ok, letzter Versuch, es normal zu regeln, denke ich.&lt;br /&gt;
&amp;#8220;H&amp;#246;r zu, vergiss es, ich hab da keinen Bock drauf, hau einfach ab, ok?&amp;#8221;&lt;br /&gt;
&amp;#8220;Nein&amp;#8221;, sagt er. Einfach so, nein und grinst, ich habe Angst.&lt;br /&gt;
Als wir halten, fange ich an zu z&amp;#228;hlen, drei, f&amp;#252;nf, sechs Sekunden. An der n&amp;#228;chsten Haltstelle z&amp;#228;hle ich innerlich mit, vier, drei, zwei, springe auf und renne aus der T&amp;#252;r auf die Stra&amp;#223;e. Die Leute im Bus schauen mich ein wenig entgeistert an, als sich direkt hinter mir die T&amp;#252;r schlie&amp;#223;t, aber das macht nichts. Als der Bus weiterrollt, sitzt der Verr&amp;#252;ckte still auf seinem Platz und schaut mich ein wenig traurig an, mit dem Mittelfinger signalisiere ich ihm eine sch&amp;#246;ne Weiterfahrt und eine gute Nacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ich schon &amp;#252;ber die Stra&amp;#223;e bin, kommt der Bus ein paar hundert Meter weiter wieder zum Stehen. Als sich die T&amp;#252;ren &amp;#246;ffnen, h&amp;#246;re ich leise &lt;a href="http://www.youtube.com/watch?v=pd9S2NSu5Gs"&gt;Blasmusik&lt;/a&gt; und beginne sofort zu rennen. Ich renne so schnell ich kann, denn so langsam wird es mir doch ein bisschen unheimlich. Ich k&amp;#246;nnte in den Park rennen, denke ich, mit etwas Gl&amp;#252;ck treffe ich auf ein paar besoffene Schl&amp;#228;ger, die zwar mich, aber nicht meinen Verfolger an sich vorbei lassen, wo sind die, wenn man die einmal braucht? Oder zum Palmengartenwehr und dort auf ihn warten, um ihn in einem ehrlichen Zweikampf niederzuringen und ihn anschlie&amp;#223;end den k&amp;#252;nstlichen Wasserfall hinunter zu werfen. Ich laufe und laufe, mein Mund wird trocken und klebrig, jeder Atemzug schmerzt, irgendwann bleibe ich stehen und h&amp;#246;re ein wenig in die Stra&amp;#223;en hinein, vielleicht hat er sein Radio ja ausgeschaltet. Kreuz und quer laufe ich nach Hause und obgleich die Wahrscheinlichkeit, den komischen Menschen noch einmal zu treffen, gerade bei schnurgeradem Nachhausegehen am Geringsten w&amp;#228;re, ich muss verschlungene Wege gehen, allein schon, um mich innerlich zu vergewissern, dass er nicht schon l&amp;#228;ngst hinter mir ist. Zu Hause schlie&amp;#223;e ich hinter mir die T&amp;#252;r und denke: Als ich wiederkehrte, war mein Haar noch nicht grau, da war ich froh, Brecht, nat&amp;#252;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p style="padding-top: 40px;"&gt;&lt;span style="font-size: 10px;"&gt;* Den Titel habe ich mir ausgeliehen vom gro&amp;#223;artigen und nat&amp;#252;rlich immer wieder zu empfehlenden &lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3827003326?ie=UTF8&amp;#038;tag=andrherr-21&amp;#038;linkCode=as2&amp;#038;camp=1638&amp;#038;creative=19454&amp;#038;creativeASIN=3827003326"&gt;Raymond Carver&lt;/a&gt;.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;img src="http://feeds.feedburner.com/~r/AndreHerrmann/~4/n3jwf9VVJ4o" height="1" width="1"/&gt;</description>
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