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		<description>Fabeln - Novellen - Sagen</description>
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				<title>Die Rose der Welt</title>
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				<pubDate>Fri, 17 Jul 2026 05:47:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[AVENTIN Storys · Rose rot · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/04/aventin-storys-rose-rot-04-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="AVENTIN Storys · Rose rot · aventin.de" /><figcaption>AVENTIN Storys · Rose rot · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">AVENTIN Storys · Rose rot · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Die Rose der Welt &#8211; Daniel Andrejew &#8211; Mystiker und Dichter</h2>
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<p class="wp-block-paragraph">„Die Rose der Welt“ ist ein umfangreiches mystisch-philosophisches Werk des russischen Dichters und Mystikers Daniel Andrejew (1906–1959).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entstehung:<br></strong>Während seiner zehnjährigen Haft im Gefängnis von Wladimir (1947–1957) hatte Andrejew nach eigenen Angaben „mystische Visionen“ und begann, seine kosmologischen und geschichtsphilosophischen Einsichten aufzufassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da seine Manuskripte immer wieder konfisziert und vernichtet wurden, schrieb er seine Gedanken auf Zeitungsrändern und Einwickelpapier. Mithäftlinge halfen ihm die Texte zu verstecken. Die Handschriften konnte er bei der Entlassung nicht selbst herausbringen; seine spätere Frau Alla Andrejewa aber schmuggelte sie mit Unterstützung des Gefängnisdirektors dann heraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Freilassung 1957 arbeitete Andrejew das Material weiter aus und vollendete Rosa Mira 1958; kurz vor seinem Tod 1959 übergab er das komplette Werk seiner Frau. Wegen der Zensur wurde das Buch zunächst nur im Selbstverlag vervielfältigt und erschien offiziell erst 1991. Später folgten Übersetzungen u.a. auch ins Deutsche (2005–2009).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Meta‑Philosophie-Geschichte:<br></strong>Andrejew erzählt keine lineare Handlung mit Figuren, sondern entfaltet eine große Erzählung des Kosmos und der Menschheitsgeschichte aus spiritueller Perspektive. Man kann drei Erzählstränge unterscheiden:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Kosmologie: Das Universum als Ringen zweier Pole<br></strong>Das Werk beschreibt die Entstehung und Entfaltung des Universums als dynamisches Ringen zweier polarer Kräfte (Gut‑und‑Böse‑Prinzip).<br>Die Erde wird als Verdichtung verschiedener „Materiearten“ verstanden – nicht nur physisch, sondern auch als Schichtung spiritueller Ebenen.<br>Andrejew entwickelt eine Hierarchie von Welten und Wesenheiten um die Erde herum und deutet die persönliche Entwicklung jedes Individuums als Teil dieses kosmischen Ganzen.</li>



<li><strong>Meta‑Historie: Die Menschheit auf dem Weg zur „Weltrose“<br></strong>Andrejew betrachtet die Entwicklung der Menschheit als einen langen, oft katastrophalen Lernprozess hin zu einer künftigen geistigen Einheit.<br>Er sieht voraus, dass die Welt noch schwere Prüfungen durchmachen wird (Kriege, Tyrannei, ideologische Abgründe), bevor sich eine neue Epoche anbahnt.<br>Am Ende dieser Entwicklung steht die Vision der „Rose der Welt“: eine künftige, globale geistige Bewegung, die das Beste aller Religionen und Philosophien integriert und in einer weltweiten Brüderlichkeit der Völker sowie einer föderativen Ordnung der Staaten mündet. In dieser Zukunft soll die „Weltrose“ helfen, Armut, Tyrannei, Krieg und Gewalt zu überwinden und ein „goldenes Zeitalter“ zu ermöglichen, das auf der spirituellen Entfaltung des Einzelnen beruht.</li>



<li><strong>Interreligion: Die Rose als Blume vieler Traditionen<br></strong>Andrejew stellt sich die „Weltrose“ bildlich als eine spirituelle Blume vor: ihre Wurzeln liegen im Himmel, jedes „Blütenblatt“ ist eine der großen Weltreligionen und Kulturen, und die ganze Blüte ist ihre gemeinsame Mitgestaltung mit Gott. Damit ist die „Geschichte“ auch eine Geschichte der Religionen: Sie werden als „metaphysische Teilwahrheiten“ verstanden, die sich künftig annähern und in einer „Interreligion“ zusammenfinden sollen. Zugleich warnt Andrejew vor dämonischen Mächten und beschreibt auch das Kommen und den Fall des Antichristen als Teil des endzeitlichen Geschehens.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aufbau (in der deutschen Ausgabe)<br></strong>Die deutsche Ausgabe gliedert das Werk in drei Bände, die jeweils eigene „Kapitel der Geschichte“ erzählen:<br>Band 1 (Bücher I–VI): Kosmologie – Herkunft des Guten und Bösen, Beziehung von Wissenschaft und Religion, Hierarchien der mit der Erde verbundenen Ebenen, Entwicklung der menschlichen „Monade“, das Verhältnis zu Tier‑ und Pflanzenreich, das Prinzip der „Weltweiblichkeit“ (Sventa‑Sventana).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Band 2 (Bücher VII–X): Russlands Geschichte im Licht dieser Kosmologie – Kunst‑ und Kulturgeschichte, Rolle von Dichtern, Genies und Propheten als „Boten“ höherer Welten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Band 3 (Bücher XI–XII): Die unmittelbare Gegenwart Andrejews und die metaphysischen Hintergründe des Stalinismus, des Zweiten Weltkriegs, die Gefahr einer weltweiten Tyrannei, Gedanken zum „edlen Menschen von morgen“, zur Interreligion, Apokalypse und zum Übergang der Erde in eine neue materielle Qualität.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zusammenfassung:<br></strong>Das Universum entsteht aus einem Ur‑Konflikt gegensätzlicher Mächte; darin entwickelt sich die Erde als vielschichtiger Schauplatz, auf dem die Menschheit durch Leid, Irren und Erkenntnis schrittweise reift. Die großen Religionen und Kulturen sind verschiedene Wege, diesen Sinn zu erfassen. Nach Zeiten großer Dunkelheit – insbesondere im 20. Jahrhundert – reift in Andrejews Vision eine neue, weltumspannende geistige Bewegung heran: die „Rose der Welt“. Sie vereint das Wesentliche aller Traditionen, stiftet eine globale Brüderlichkeit und leitet eine Epoche ein, in der äußere Gewalt und innere Unfreiheit überwunden werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Rose der Welt &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Daniil_Leonidowitsch_Andrejew" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Daniel Andrejew</a> &#8211; Mystiker und <a href="https://aventin.de/tag/dichter/" data-type="post_tag" data-id="4084">Dichter</a> &#8211; Rezension </h3>
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				<title>Mutter Erde und der Umweltschutz</title>
				<link>https://aventin.de/mutter-erde-und-der-umweltschutz/</link>
				<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 07:10:37 +0000</pubDate>
								<dc:creator><![CDATA[Ave]]></dc:creator>				<guid isPermaLink="false">https://aventin.de/?p=64612</guid>
					<description><![CDATA[AVENTIN Storys · Globus Welt Erde Schiff Arche Kosmos · Von einem der sich aufmachte...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/05/aventin-storys-globus-welt-erde-ai-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="AVENTIN Storys · Globus Welt Erde Schiff Arche Kosmos" /><figcaption>AVENTIN Storys · Globus Welt Erde Schiff Arche Kosmos · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">AVENTIN Storys · Globus Welt Erde Schiff Arche Kosmos · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Mutter Erde und der Umweltschutz &#8211; Symbol für Leben und Schutz</h2>
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<p class="wp-block-paragraph">Als Kinder sind wir auf unsere Mütter angewiesen, die uns mit Nahrung und Sicherheit versorgen. Deshalb wird die Beziehung zwischen Mutter und Kind in zahlreichen Religionen hochgeschätzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere frühesten Vorfahren waren überzeugt, Kinder der Mutter Erde zu sein, die ihnen Nahrung und Geborgenheit gab. Die Erdoberfläche wurde von ihnen als der Körper einer mächtigen Mutter angesehen, aus dessen Leib alles Leben hervorging und in dessen Arme es nach dem Tod zurückkehren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage empfinden viele Menschen die Zerstörung der Umwelt als Verletzung der Mutter Erde. Moderne umweltbewusste Gedanken scheinen ebenfalls eine Folge unseres neu erwachten Bewusstseins für die tiefe Verbindung mit der Erde zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Muttergöttinnen sind alte weibliche Gottheiten oder symbolische Figuren, die Fruchtbarkeit, Erde, Leben und Schutz repräsentieren. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Kulturen und wurden von späteren religiösen Strömungen aufgegriffen oder angepasst. Daher gibt es in einigen Traditionen synkretische Verbindungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Orient und im Mittelmeergebiet werden Aschera/Astarte, Kybele/Tyche, Gaia, Rhea, Demeter und Hera als mütterliche Figuren betrachtet, die das Leben bewahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Hinduismus sind viele Göttinnen mit mütterlichen Rollen verbreitet (darunter Mahadevi, Durga, Kali, Lakshmi und Parvati), die kosmische, schützende und schöpferische Qualitäten verkörpern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Anden wird Pachamama (die Erde) als Göttin der Fruchtbarkeit und des Lebens verehrt. Muttergottheiten können auch mit Naturzyklen in Verbindung gebracht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In keltischen und römisch-griechischen Traditionen existieren Gestalten der Mutterschaft bzw. Matronen, die häufig in Dreiergruppen auftreten oder als zentrale mütterliche Kraftfiguren verehrt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Kulturen blieben mütterliche Göttinnen in den Pantheons erhalten, jedoch wurden sie mit regionalen Namen, Attributen oder Ritualen weitergegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispielsweise übernahm das Christentum in einigen Regionen Elemente früherer Gottheiten durch die Verehrung Mariens, die als wichtigste „Muttergöttin“ in christlichen Traditionen fungiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Symbolisch stehen Muttergöttinnen für Lebensenergie, Schutz, Heilung und die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Sie bieten oft eine Ausdrucksform, um Fruchtbarkeit, Familienleben, Fürsorge und die Rhythmen von Erde und Natur zu reflektieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In modernen spirituellen Bewegungen fungieren sie häufig als Archetypen, die Empowerment, Weiblichkeit und soziale Verantwortung hervorheben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Feministische und umweltbewusste Perspektiven betrachten die Muttergöttinnen als Kontrapunkt zu patriarchal geprägten Gottheiten und betonen den zyklischen Charakter von Leben, Wiedergeburt und die Erde als lebendigem Wesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Philosophisch können Muttergöttinnen als Symbole für alles verstanden werden, was Leben schafft und erhält. Sie sind weniger als konkrete Wesen von Bedeutung, sondern vielmehr als Symbole für Beziehungen, Wandel, Abhängigkeit von der Natur und das Verständnis, dass Leben nicht nur rational, sondern auch körperlich und zyklisch erfasst werden kann.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mutter Erde und der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Umweltschutz" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Umweltschutz</a> &#8211; Symbol für Leben und Schutz &#8211; <a href="https://aventin.de/category/wissen/" data-type="category" data-id="2669">Wissen</a></h3>
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			<item>
				<title>Taliesins Rätsel · Märchen</title>
				<link>https://aventin.de/taliesins-raetsel-maerchen-aus-wales/</link>
				<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 06:25:31 +0000</pubDate>
								<dc:creator><![CDATA[Ave]]></dc:creator>				<guid isPermaLink="false">https://aventin.de/taliesins-raetsel-maerchen-aus-wales/</guid>
					<description><![CDATA[Märchen · AVENTIN Storys · Erzählungen · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/04/maerchen-aventin-storys-erzaehlungen-x-04-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="Märchen · AVENTIN Storys · Erzählungen · aventin.de" /><figcaption>Märchen · AVENTIN Storys · Erzählungen · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">Märchen · AVENTIN Storys · Erzählungen · aventin.de · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Taliesins Rätsel · Märchen aus Wales · Kelten</h2>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein Edelmann aus Penllyn mit Namen Tegid Voel hatte eine Frau, die hieß Caridwen, und zwei Kinder, Creiwy, das schönste Mädchen unter Sonne, und Afagddu, der hässlichste Knabe auf der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da nun Afagddu so abstoßend aussah, beschloss Caridwen, ihm wenigstens große Klugheit zu verleihen. Also stellte sie nach einem Rezept des Zauberers Vergil von Toledo einen Zaubertrank her, der Inspiration und Wissen verleihen sollte. Das Gebräu musste ein Jahr lang in einem Kessel am Kochen gehalten werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu jeder Jahreszeit warf Caridwen neue Zauberkräuter in den Kessel, die sie zur rechten Stunde gepflückt hatte. Während sie die Kräuter pflückte, stellte sie Gwion an, den Sohn des Gwreang aus dem Sprengel Llanfair in Caereinion und ließ ihn den Kessel umrühren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Ende des Jahres aber spritzten drei Tropfen der Flüssigkeit aus dem Kessel und fielen auf Gwions Finger. Der steckte den Finger in den Mund, um die ätzende Flüssigkeit abzulecken. Sofort verstand er die Sprache der Tiere und Pflanzen und hatte Kenntnis von allen vergangenen zu zukünftigen Ereignissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wusste er nun auch, dass er auf der Hut sein musste vor Caridwen, die beschlossen hatte, ihn zu töten, sobald sie seiner zum Umrühren des Zaubertranks nicht mehr bedurfte. Er floh daher, und sie verfolgte ihn in der Gestalt einer schwarzen, kreischenden Hexe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Zauberkraft, derer er durch die drei Tropfen teilhaftig geworden war, verwandelte er sich in einen Hasen; sie nahm die Gestalt eines Windhundes an. Er sprang in den Fluss und wurde ein Fisch. Sie verwandelte sich in einen Fischotter. Er stieg auf in die Luft als ein Vogel; sie verwandelte sich in einen Falken. Er wurde zu einem Weizenkorn auf der Tenne. Sie verwandelte sich in eine schwarze Henne, scharrte im Stroh, fand das Korn und verschluckte es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Caridwen darauf wieder ihre ursprüngliche Gestalt annahm, spürte sie, dass sie schwanger war mit Gwion und neun Monate später gebar sie ihn als Kind. Sie brachte es nicht übers Herz, ihn zu töten, denn er war sehr schön. Sie ließ ihn in einen Sack einbinden und warf ihn zwei Tage vor dem 1. Mai-Tag ins Meer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wellen trugen Gwion zu der Reuse Gwyddno Garanhair nahe Dovey und Aberystwyth in der Bucht von Cardigan. Dort wurde er vom Prinzen Elphin, dem Sohn des Gwyddno und dem Neffen des Königs von Nord-Wales, der zum Wasser gekommen war, um nach den Netzen zu schauen, gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elphin war nicht traurig darüber, dass er keinen Fisch gefangen hatte. Er war über seinen ungewöhnlichen Fang sehr zufrieden. Er gab Gwion den Namen Taliesin, was soviel bedeutet wie von hohem Wert oder schöne Augenbraue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als nun Elphin von seinem königlichen Onkel in Dyanwy gefangen gesetzt wurde, machte sich das Kind Taliesin auf nach der Hauptstadt von Nord-Wales, um ihn zu befreien. Er gedachte, sich dabei nur auf seine Weisheit und sein Wissen zu verlassen, mit dem er alle vierundzwanzig Hofbarden in Mawelgwyn samt ihrem Oberbarden, Heinin, übertreffen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zunächst legte er einen Zauber auf die Barden, nach welchem sie nur lallende Laute hervorbringen konnten, wenn sie versuchten, auf den Fingern zu pfeifen. Darauf sagte er ein langes Rätselgedicht auf, das keiner von ihnen zu lösen vermochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das beschämte sie sehr, und sie versprachen ihm, Elphin sollte frei sein, sofern sie noch bei einem weiteren Rätsel die Lösung nicht finden könnten. Sie hielten dies für ausgeschlossen, denn immerhin waren sie die klügsten Männer in ganz Wales, und der ihnen gegenüber stand schien in ihren Augen nur ein unwissendes Kind zu sein. Da sprach Taliesin zu ihnen:</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Entdeckt mir, was ist dies:</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Die stärkste Kreatur vor der Flut,</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>ohne Fleisch und ohne Knochen,</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>ohne Kopf und ohne Füße.</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Im Feld und im Wald,</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>ohne Hand und ohne Fuß.</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Es ist weit, wie die Oberfläche der Erde.</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Es wurde nie geboren und nie gesehen!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie rieten dies und rieten das, aber es war nie die richtige Lösung, und als sie drei Tage und drei Nächte geraten hatten, gaben sie auf. Da sprach Taliesin: »Seht, wie eitel all eure Weisheit und euer Wissen ist. Ihr habt nur aus staubigen Büchern gelernt. Aber das Wesen der Natur ist euch verborgen geblieben, sonst wüsstet ihr, dass des Rätsels Lösung der Wind ist.«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da waren die hochgelehrten Barden sehr beleidigt, dass ein Kind sie an Wissen und Weisheit übertroffen hatte, und den Gefangenen wollte sie natürlich nicht herausgeben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch schon, als Taliesin das Lösungswort ausgesprochen hatte, erhob sich ein Wehen, das stärker und stärker wurde. Es wurde zum Wind, und der Wind wurde zum Sturm, und aus dem Sturm wurde ein Orkan. Der Orkan brach den Turm nieder, der über dem Kerker gebaut war, und hob den Gefangenen, der in einem Zisternenloch in Ketten lag, hoch. Und Taliesin löste die Fesseln mit Zaubersprüchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Barden aber fuhr der Wind unter ihre Gewänder, hob sie hoch in die Luft, wo sie, von unsichtbarer Hand angerührt, tanzten, bis sie heilige Eide zu Elphins und Taliesins Sicherheit schworen und das zaubermächtige Kind sie erlöste und ihnen gestattete, wieder festen Boden unter ihren Füßen zu spüren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Taliesins Rätsel · Märchen aus <a href="https://aventin.de/vom-wendepunkt-meines-lebens/" data-type="post" data-id="301">Wales</a> · <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Kelten</a> </h3>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			<item>
				<title>Fuhrmann und Herkules</title>
				<link>https://aventin.de/fuhrmann-und-herkules/</link>
				<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 07:32:35 +0000</pubDate>
								<dc:creator><![CDATA[Ave]]></dc:creator>				<guid isPermaLink="false">https://aventin.de/?p=1676</guid>
					<description><![CDATA[Herkules Herakles Gott Griechenland · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/05/herkules-herakles-gott-griechenland-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="Herkules Herakles Gott Griechenland · AVENTIN Storys" /><figcaption>Herkules Herakles Gott Griechenland · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">Herkules Herakles Gott Griechenland · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Fuhrmann und Herkules &#8211; Aesop Fabel &#8211; Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott </h2>
<span hidden class="__iawmlf-post-loop-links" data-iawmlf-links="[{&quot;id&quot;:16,&quot;href&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%84sop&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;https:\/\/web-wp.archive.org\/web\/20260208163516\/https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%84sop&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-19 15:33:02&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-19 15:33:02&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]"></span>


<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Fuhrmann war mit seinem Wagen, welcher mit Holz schwer beladen war, unterwegs nach Hause.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als der Wagen dann im Morast stecken blieb, flehte sein Lenker, ohne sich selbst auch nur im geringsten zu bemühen, alle Götter und Göttinnen um Hilfe an.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vor allem aber bat er den wegen seiner Stärke allgemein verehrten Herkules, ihm bei seinem Missgeschick beizustehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Da erschien ihm dieser und rügte ihn wegen seiner Lässigkeit mit folgenden Worten: </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">»Lege selbst die Hände an die Räder und treibe mit der Peitsche dein Gespann an. Zu den Göttern flehe jedoch erst dann, wenn du selbst bereits alles getan und unternommen hast. Ansonsten wirst du die Götter vergeblich um Hilfe anrufen!«</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lehre: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.</strong></p>



<h3 class="wp-block-heading"><meta http-equiv="content-type" content="text/html; charset=utf-8"></meta>Fuhrmann und Herkules &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84sop" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Aesop</a> <a href="https://aventin.de/tag/fabel/" data-type="post_tag" data-id="51">Fabel</a> &#8211; Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott</h3>
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				<title>Karma im Buddhismus</title>
				<link>https://aventin.de/karma-im-buddhismus/</link>
				<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 07:07:06 +0000</pubDate>
								<dc:creator><![CDATA[Ave]]></dc:creator>				<guid isPermaLink="false">https://aventin.de/?p=63917</guid>
					<description><![CDATA[Die Illustration zeigt eine meditierende Person in Lotusposition, umgeben von symbolischen Elementen, die die Verbindung...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2025/10/Meditation-Uebung-Aufmerksamkeit-Achtsamkeit-Denken-Fuehlen-Wahrnehmen-25.jpg" class="type:primaryImage" alt="Innere Ruhe und Karma" /><figcaption>Die Illustration zeigt eine meditierende Person in Lotusposition, umgeben von symbolischen Elementen, die die Verbindung zwischen Karma und innerem Frieden darstellen. Das Bild betont die Bedeutung von Meditation und Achtsamkeit im Zusammenhang mit k.</figcaption><div class="image-description">Das Bild zeigt eine meditierende Person in Lotushaltung, umgeben von symbolischen Elementen, die die Verbindung zwischen Karma und innerer Ruhe verdeutlichen. Es unterstreicht die Bedeutung von Meditation und Achtsamkeit im Kontext karmischer Auswirkungen.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Karma im Buddhismus &#8211; Absicht und Wollen im Leben</h2>
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<p class="wp-block-paragraph">Karma ist im buddhistischen Sinn vor allem Absicht: gewolltes Handeln mit Körper, Rede und Geist. In diesem strengen Sinn ist Karma nicht einfach „alles, was passiert“, sondern das bewusste Wollen, das heilsame oder unheilsame Folgen trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karma wird nicht als etwas Materielles verstanden, das irgendwo gelagert ist. Stattdessen liegt Karma im fortlaufenden Strom von Bewusstseinszuständen: Jede absichtsvolle Handlung prägt den nächsten Moment des Erlebens, ohne dass dafür eine bleibende Seele nötig wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beispiel:</strong> Der Zustand A und der Zustand B sind nicht identisch, aber durch Ursache und Wirkung miteinander verbunden. Was „weitergegeben“ wird, ist nicht eine Substanz, sondern eine Wirkungstendenz oder Information im geistigen Kontinuum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit:</strong> Die Aussage „Karma = Wollen“ trifft den buddhistischen Kern ziemlich gut, solange man „Wollen“ als absichtliches Tun versteht, nicht als beliebiges Begehren. Auch der Hinweis, dass unwillentliche oder unbewusste Handlungen streng genommen kein Karma sind, passt zu dieser Definition.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Buddha und Arahants:</strong> Nach dieser Lehre erzeugen Buddhas oder vollständig Befreite (Arahants) kein Karma mehr, weil die Ursachen von karmischer Bindung — vor allem Gier und Hass und Unwissenheit — erloschen sind. Ihr Handeln geschieht dann weiterhin, aber nicht mehr als karmisch bindende Ursache.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><a href="https://www.payer.de/einzel/karma.htm#3.6." target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Karma im Buddhismus</a> &#8211; Absicht und Wollen im Leben &#8211; <a href="https://aventin.de/category/philosophie/" data-type="category" data-id="2650">Philosophie</a></h3>
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				<title>Der Mann der nie zu spät kam</title>
				<link>https://aventin.de/der-mann-der-nie-zu-spaet-kam-paul-maar/</link>
				<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 07:44:02 +0000</pubDate>
								<dc:creator><![CDATA[Ave]]></dc:creator>				<guid isPermaLink="false">https://aventin.de/der-mann-der-nie-zu-spaet-kam-paul-maar/</guid>
					<description><![CDATA[Schienen Bahn Eisenbahn Zug Gleise · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/06/schienen-bahn-eisenbahn-zug-gleise-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="Schienen Bahn Eisenbahn Zug Gleise · AVENTIN Storys" /><figcaption>Schienen Bahn Eisenbahn Zug Gleise · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">Schienen Bahn Eisenbahn Zug Gleise · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Der Mann der nie zu spät kam · Paul Maar · Pünktlichkeit</h2>
<span hidden class="__iawmlf-post-loop-links" data-iawmlf-links="[{&quot;id&quot;:1156,&quot;href&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Maar&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;https:\/\/web-wp.archive.org\/web\/20251229203632\/https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Maar&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-20 22:05:57&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-25 11:28:25&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-06 16:39:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-16 16:29:56&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-23 21:46:27&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-30 20:29:51&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-09 16:30:14&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-12 23:25:10&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-16 11:54:41&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-20 15:13:45&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-27 17:02:13&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-03 12:28:19&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-07 16:08:03&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-11 17:15:58&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-16 19:42:24&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-20 05:37:06&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-28 19:17:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-31 19:52:11&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-05 04:08:04&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-08 09:20:37&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-12 06:03:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-16 09:56:21&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-21 20:15:08&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-27 02:00:37&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-01 15:30:47&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-09 07:59:40&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-13 09:13:06&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-16 12:41:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-16 12:41:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]"></span>


<p class="wp-block-paragraph">Ich will von einem Mann erzählen, der immer sehr pünktlich war. Er hieß Wilfried Kalk und war noch nie in seinem Leben zu spät gekommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie zu spät in den Kindergarten, nie zu spät zur Schule, nie zu spät zur Arbeit und nie zu spät zum Zug. Der Mann war sehr stolz darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Kind war Wilfried regelmäßig eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln aufgewacht. Wenn seine Mutter hereinkam, um ihn zu wecken, saß er bereits angezogen in seinem Zimmer und sagte: »Guten Morgen, Mama. Wir müssen uns beeilen«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Werktag, wenn der Hausmeister in der Frühe gähnend über den Schulhof schlurfte, um das große Schultor aufzuschließen, stand Wilfried bereits davor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Kinder spielten nach der Schule Fußball und schauten sich auf dem Heimweg die Schaufenster an. Das tat Wilfried nie. Er rannte sofort nach Hause, um nicht zu spät zum Essen zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später arbeitete Wilfried in einem großen Büro in der Nachbarstadt. Er musste mit dem Zug zur Arbeit fahren. Trotzdem kam er nie zu spät. Er nahm den frühesten Zug und stand immer zwanzig Minuten vor der Abfahrt auf dem richtigen Bahnsteig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Arbeitskollege konnte sich erinnern, dass er jemals ins Büro gekommen wäre und Wilfried Kalk nicht schon an seinem Schreibtisch gesessen hätte. Der Chef stellte ihn deshalb gern als gutes Beispiel voran.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Die Pünktlichkeit von Herrn Kalk, die lobe ich mir«, sagte er. »Da könnte sich mancher hier eine Scheibe abschneiden«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen sagten die Arbeitskollegen oft zu Wilfried: »Könntest du nicht wenigstens einmal zu spät kommen? Nur ein einziges Mal!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Wilfried schüttelte den Kopf und sagte: »Ich sehe nicht ein, welchen Vorteil es bringen soll, zu spät zu kommen. Ich bin mein ganzes Leben lang pünktlich gewesen«.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wilfried verabredete sich nie mit anderen und ging nie zu einer Versammlung. »Das alles sind Gelegenheiten, bei denen man zu spät kommen könnte«, erklärte er. »Und Gefahren soll man meiden«!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal glaubte ein Arbeitskollege, er habe Wilfried bei einer Unpünktlichkeit ertappt. Er saß im Kino und schaute sich die Sieben-Uhr-Vorstellung an. Da kam Wilfried während des Films herein und tastete sich im Dunkeln durch die Reihe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Hallo, Wilfried! Du kommst ja zu spät,« sagte der Arbeitskollege verwundert. Aber Wilfried schüttelte unwillig den Kopf und sagte: »Unsinn! Ich bin nur etwas früher gekommen, um rechtzeitig zur Neun-Uhr-Vorstellung hier zu sein«.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ins Kino ging Wilfried sowieso sehr selten. Lieber saß er zu Hause im Sessel und studierte den Zugfahrplan. Er kannte nicht nur alle Ankunfts und Abfahrtszeiten auswendig, sondern auch die Nummer der Züge und den richtigen Bahnsteig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Wilfried fünfundzwanzig Jahre lang nie zu spät zur Arbeit gekommen war, veranstaltete der Chef ihm zu Ehren nach Dienstschluss eine Feier. Er öffnete eine Flasche Sekt und überreichte Wilfried eine Urkunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war das erste Mal, dass Wilfried Alkohol trank. Schon nach einem Glas begann er zu singen. Nach dem zweiten Glas fing er an zu schwanken, und als der Chef ihm ein drittes Glas eingegossen hatte, mussten zwei Arbeitskollegen den völlig betrunkenen Wilfried heim und ins Bett bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen wachte er nicht wie üblich eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln auf. Als der Wecker längst geläutet hatte, schlief er immer noch tief. Er erwachte erst, als ihm die Sonne ins Gesicht schien.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsetzt sprang er aus dem Bett und hastete zum Bahnhof. Die Bahnhofsuhr zeigte 9 Uhr 15. Viertel nach neun, und er saß noch nicht hinter seinem Schreibtisch! Was würden die Kollegen sagen? Was der Chef! »Herr Kalk, Sie kommen zu spät, nachdem wir Ihnen erst gestern eine Urkunde überreicht haben?!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopflos rannte er den Bahnsteig entlang. In seiner Hast stolperte er über einen abgestellten Koffer, kam zu nahe an die Bahnsteigkante, trat ins Leere und stürzte hinunter auf die Schienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch während des Sturzes wusste er: Alles ist aus. Dies ist der Bahnsteig vier, folglich fährt hier in diesem Augenblick der 9-Uhr-16-Zug ein, Zugnummer 1072, planmäßige Weiterfahrt 9 Uhr 21. Ich bin tot!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er wartete eine Weile, aber nichts geschah. Und da er offensichtlich immer noch lebte, stand er verdattert auf, kletterte auf den Bahnsteig zurück und suchte einen Bahnbeamten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er ihn gefunden hatte, fragte er atemlos: »Der 9-Uhr-16! Was ist mit dem 9-Uhr-16-Zug?«</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Der hat sieben Minuten Verspätung«, sagte der Beamte im Vorbeigehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Verspätung«, wiederholte Wilfried und nickte begreifend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Tag ging Wilfried überhaupt nicht ins Büro. Am nächsten Morgen kam er erst um zehn Uhr und am übernächsten um halb zwölf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Sind Sie krank, Herr Kalk?« fragte der Chef erstaunt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">»Nein«, sagte Wilfried. »Ich habe nur inzwischen festgestellt, dass Verspätungen manchmal recht nützlich sein können«.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Mann der nie zu spät kam · <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Maar" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Paul Maar</a> · <a href="https://aventin.de/tag/kurzgeschichte/">Kurzgeschichte</a> · Pünktlichkeit · Story </h3>
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				<title>Die Kirschen · Kurzgeschichte</title>
				<link>https://aventin.de/die-kirschen-kurzgeschichte/</link>
				<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 07:09:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kirschen Glas Tisch Wolfgang Borchert · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/05/kirschen-glas-kurzgeschichte-wolfgang-borchert-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="Kirschen Glas Tisch Wolfgang Borchert · AVENTIN Storys" /><figcaption>Kirschen Glas Tisch Wolfgang Borchert · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">Kirschen Glas Tisch Wolfgang Borchert · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Die Kirschen · Kurzgeschichte von&nbsp;Wolfgang Borchert&nbsp;</h2>
<span hidden class="__iawmlf-post-loop-links" data-iawmlf-links="[{&quot;id&quot;:279,&quot;href&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Borchert&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;https:\/\/web-wp.archive.org\/web\/20251112201451\/https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Borchert&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-19 21:29:24&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-23 08:50:08&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-26 14:29:38&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-02 09:03:22&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-05 16:18:24&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-14 14:55:33&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-17 15:59:52&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-20 16:14:32&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-23 19:31:24&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-27 11:27:45&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-03-30 15:02:07&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-03 06:41:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-06 13:09:20&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-10 19:56:13&quot;,&quot;http_code&quot;:404},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-14 09:17:05&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-17 12:27:39&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-20 17:18:51&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-23 21:27:09&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-27 07:43:53&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-04-30 08:07:52&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-03 08:14:42&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-06 08:48:59&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-10 09:50:53&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-14 08:33:11&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-17 12:13:15&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-20 13:32:31&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-23 19:16:48&quot;,&quot;http_code&quot;:429},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-27 11:38:09&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-05-30 23:21:56&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-03 04:29:09&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-06 14:36:50&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-09 23:33:00&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-13 13:19:13&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-16 19:24:20&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-20 02:44:31&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-23 15:05:46&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-26 18:03:31&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-06-29 19:53:55&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-04 22:45:41&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-08 00:59:36&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-11 18:17:29&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-16 02:59:37&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-16 02:59:37&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]"></span>


<p class="wp-block-paragraph">Nebenan klirrte ein Glas. Jetzt isst er die Kirschen auf, die für mich sind, dachte er. Dabei habe ich das Fieber. Sie hat die Kirschen extra vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind. Jetzt hat er das Glas hingeschmissen. Und ich hab das Fieber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kranke stand auf. Er schob sich die Wand entlang. Dann sah er durch die Tür, dass sein Vater auf der Erde saß. Er hatte die ganze Hand voll Kirschsaft. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles voll Kirschen, dachte der Kranke, alles voll Kirschen. Dabei sollte ich sie essen. Ich hab doch das Fieber. Er hat die ganze Hand voll Kirschsaft. Die waren sicher schön kalt. Sie hat sie doch extra vors Fenster gestellt für das Fieber. Und er isst mir die ganzen Kirschen auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sitzt er auf der Erde und hat die ganze Hand davon voll. Und ich hab das Fieber. Und er hat den kalten Kirschsaft auf der Hand. Den schönen kalten Kirschsaft. Er war bestimmt ganz kalt. Er stand doch extra vorm Fenster. Für das Fieber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hielt sich am Türdrücker fest. Als der quietschte, sah der Vater auf. Junge, du musst doch zu Bett. Mit dem Fieber, Junge. Du musst sofort zu Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles voll Kirschen, flüsterte der Kranke. Er sah auf die Hand. Alles voll Kirschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du musst sofort zu Bett, Junge. Der Vater versuchte aufzustehen und verzog das Gesicht. Es tropfte von seiner Hand. Alles Kirschen, flüsterte der Kranke. Alles meine Kirschen. Waren sie kalt? fragte er laut. Ja? Sie waren doch sicher schön kalt, wie? Sie hat sie doch extra vors Fenster gestellt, damit sie ganz kalt sind. Damit sie ganz kalt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vater sah ihn hilflos von unten an. Er lächelte etwas. Ich komme nicht wieder hoch, lächelte er und verzog das Gesicht. Das ist doch zu dumm, ich komme buchstäblich nicht wieder hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kranke hielt sich an der Tür. Die bewegte sich leise hin und her von seinem Schwanken. Waren sie schön kalt? flüsterte er, ja?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin nämlich hingefallen, sagte der Vater. Aber es ist wohl nur der Schreck. Ich bin ganz lahm, lächelte er. Das kommt von dem Schreck. Es geht gleich wieder. Dann bring ich dich zu Bett. Du musst ganz schnell zu Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kranke sah auf die Hand. Ach, das ist nicht so schlimm. Das ist nur ein kleiner Schnitt. Das hört gleich auf. Das kommt von der Tasse, winkte der Vater ab. Er sah hoch und verzog das Gesicht. Hoffentlich schimpft sie nicht. Sie mochte gerade diese Tasse so gern. Jetzt hab ich sie kaputt gemacht. Ausgerechnet diese Tasse, die sie so gern mochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte sie ausspülen, da bin ich ausgerutscht. Ich wollte sie nur ein bisschen kalt ausspülen und deine Kirschen da hinein tun. Aus dem Glas trinkt es sich so schlecht im Bett. Das weiß ich noch. Daraus trinkt es sich ganz schlecht im Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kranke sah auf die Hand. Die Kirschen, flüsterte er, meine Kirschen? Der Vater versuchte noch einmal, hochzukommen. Die bring ich dir gleich, sagte er. Gleich, Junge. Geh schnell zu Bett mit deinem Fieber. Ich bring sie dir gleich. Sie stehen noch vorm Fenster, damit sie schön kalt sind. Ich bring sie dir sofort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kranke schob sich an der Wand zurück zu seinem Bett. Als der Vater mit den Kirschen kam, hatte er den Kopf tief unter die Decke gesteckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die <span data-wikipedia-preview="" data-wp-title="Süßkirsche" data-wp-lang="de" class="wmf-wp-with-preview">Kirschen</span> · <a href="https://aventin.de/tag/kurzgeschichte/">Kurzgeschichte</a> von&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Borchert" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Wolfgang Borchert</a>&nbsp;</h3>
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				<title>Eine Geschichte mit Henriette</title>
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				<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 07:17:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Herbst Landschaft Fluss Sonne Himmel Bunte Farben und Blätter · AVENTIN Storys · Von einem...]]></description>

				<content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://aventin.de/wp-content/uploads/2024/09/herbst-landschaft-fluss-sonne-himmel-bunte-farben-blaetter-24-1.webp" class="type:primaryImage" alt="Herbst Landschaft Fluss Sonne Himmel Bunte Farben und Blätter · AVENTIN Storys" /><figcaption>Herbst Landschaft Fluss Sonne Himmel Bunte Farben und Blätter · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</figcaption><div class="image-description">Herbst Landschaft Fluss Sonne Himmel Bunte Farben und Blätter · AVENTIN Storys · Von einem der sich aufmachte Weisheit zu finden.</div></figure>
<h2 class="wp-block-heading">Eine Geschichte mit Henriette · Peter Hacks · Fiktion </h2>
<span hidden class="__iawmlf-post-loop-links" data-iawmlf-links="[{&quot;id&quot;:778,&quot;href&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Hacks&quot;,&quot;archived_href&quot;:&quot;https:\/\/web-wp.archive.org\/web\/20251213220005\/https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Hacks&quot;,&quot;redirect_href&quot;:&quot;&quot;,&quot;checks&quot;:[{&quot;date&quot;:&quot;2026-02-20 09:57:28&quot;,&quot;http_code&quot;:200},{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-08 07:18:29&quot;,&quot;http_code&quot;:200}],&quot;broken&quot;:false,&quot;last_checked&quot;:{&quot;date&quot;:&quot;2026-07-08 07:18:29&quot;,&quot;http_code&quot;:200},&quot;process&quot;:&quot;done&quot;}]"></span>


<p class="wp-block-paragraph">Die ganze Sache begann damit, dass Henriette, die sich eines Nachmittags am Ufer der Schwarze erging, auf einen alten Hut trat, der da im Wegstaub lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Hol mich dieser und jener», sagte der Hut; «anstatt auf mir herumzutrampeln wie ein Rindvieh, könntest du mir lieber sagen, ob du nicht meinen Herrn gesehen hast».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Weiß nicht», antwortete Henriette. «Woran erkennt man ihn?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Daran, dass er mich nicht aufhat», sagte der Hut. Henriette betrachtete den Hut genau. Er war ein sehr verwitterter, sehr schmutziger Männerhut und hatte zwei Löcher, oder vielleicht auch ein Loch, das eben hinein und hinaus ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Genaugenommen», sagte Henriette, «habe ich überhaupt nur Leute gesehen, die dich nicht aufhatten, was schließlich ganz natürlich ist, da du ja hier liegst».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Recht klug dumm dahergeredet», sagte der Hut; «nur mein Herr sieht so aus, dass man merkt, dass ich auf ihm fehle. Er hat mich verloren, und seit zwei Tagen suche ich ihn».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Suchen ist gut», sagte Henriette; «du liegst doch bloß rum».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Such du mal anders», sagte der Hut, «wenn du, hol mich dieser und jener, keine Beine hast, um dich fortzubewegen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Da kann ich dir helfen», sagte Henriette. Sie nahm den Hut und schmiss ihn einfach in den Fluss. «Zieh los», sagte sie, «sieh dich um».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Hut trieb auf den sanften Wellen langsam stromabwärts. Gerade, als er ihren Augen entschwunden war, kam ein sehr alter Mann des Wegs, von dem sie, ohne zu wissen weshalb, gleich den Eindruck hatte, dass ihm eben dieser Hut fehle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Hol mich dieser und jener», sagte der alte Mann, «hast du nicht meinen Hut gesehen?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Was wollen Sie schon mit dem?» sagte Henriette leichthin, «der hat ja ein Loch».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Eben», sagte der alte Mann. «Das Loch haben mir die verdammten Verbrecher reingeschossen; denn ich besitze diesen Hut seit vierzig Jahren, und er ist mir das liebste auf Erden». Dann unterbrach er sich und sagte: «Woher weißt du, dass er ein Loch hat?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich habe ihn gesehen», sagte Henriette verlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Hol mich dieser und jener», sagte der alte Mann mit glücklichem Gesicht; «wo denn?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Er schwamm im Fluss vorbei», sagte Henriette; «ich glaube nicht, dass Sie ihn noch einholen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«So?» sagte der alten Mann bekümmert. «Ja, dann ist er wohl weg». Und mehr für sich setzte er hinzu: «Dann bin ich nun wohl ganz allein».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Henriette war es gar nicht behaglich zumute. Der alte Mann sah so niedergeschlagen aus. Und weil sie ja selbst an dem Unglück ihr Teil Schuld hatte, drehte sie nervös an der Perlenkette, die sie besaß und immer trug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da trat eine weibliche Person hinter einem Gebüsch am Flussrand hervor, hinter dem, wie Henriette genau wusste, eben noch niemand gewesen war. Sie hatte braune, kurze Locken und sagte zu Henriette: «Kennst du mich nicht mehr?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Henriette bemerkte, dass vom Saum ihres ganz trockenen Kleides unaufhörend Wasser zur Erde tropfte, so dass sie schon in einer richtigen Pfütze stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Natürlich», sagte Henriette, «Sie sind die Nixe».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«So ist es», sagte Gisellis; «was kann ich für dich tun?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ach», bat Henriette, «könnten Sie nicht den Hut von meinem Freund aus dem Fluss holen; er ist hier herunter geschwommen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Schwerlich», sagte Gisellis. «Bei jener Weide endet mein Revier und beginnt das des Herrn Nöckl, und da ich unglücklicherweise mit ihm verheiratet bin, möchte ich nichts mit ihm zu tun haben». Sie überlegte eine Weile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Die einzige Lösung», fuhr sie fort, «wäre, den Fluss rückwärts laufen zu lassen. Dann würde der Hut ja wieder hier vorbeikommen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Geht denn das?» rief Henriette aufgeregt. «Das ist eine Kleinigkeit», sagte die Nixe. «Man muss bloß machen, dass der Regen von der Erde zum Himmel steigt, dass die Bäche bergan fließen, dass das Wasser vom Fluss in die Bäche läuft und vom Meer in den Fluss; wie gesagt, eine ganze Kleinigkeit. Aber es geschähe natürlich auf deinen Wunsch. Und wenn ich dir diesen Wunsch erfülle, musst du mir deine Perlenkette geben, mit der du mich ja gerufen hast».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Was?» sagte Henriette entsetzt, «meine Perlenkette für einen alten Hut?» Die Nixe zuckte mit den Achseln. «So sind die Bedingungen», sagte sie. Henriette blickte zu Boden. Dann blickte sie auf den alten Mann, der still dastand und vor Hoffnungslosigkeit ganz klein geworden war. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann band sie langsam die Kette vom Hals und gab sie der Nixe. Die Nixe nahm die Kette und spazierte langsam in den Fluss hinein, in dem sie, als sie bis zu einer tieferen Stelle gekommen war, vollständig verschwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An derselben Stelle bildete sich bald darauf ein Strudel und wurde mächtiger und dehnte sich bis zu den Ufern aus. Alle Wasser des Flusses kreisten in einer wirbelnden Bahn. Als sie sich aber endlich beruhigt hatten, entdeckten Henriette und der alte Mann, dass der Fluss rückwärts floss. Es dauerte gar nicht lange, da trieb schon der Hut, hinter der Weide vorbei, auf sie zu. «Hol mich dieser und jener», schrie der alte Mann, «da bist du ja, du verkommener Ausreißer».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Hol mich dieser und jener», schimpfte der Hut zurück, «krieg mich mal gefälligst hier raus».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Schrei dir keine Schwielen in den Hals», schrie der alte Mann. Er stieg ins Wasser und angelte heftig mit seinem Stock.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Passen Sie auf», warnte Henriette; «Sie machen sich ja die Hosen nass».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Was die redet», sagte der alte Mann zu seinem Hut, den er jetzt fest gegen die Brust gepresst hielt. «Die war ja noch gar nicht auf der Welt, wie wir schon zusammen die verdammten Verbrecher verprügelt haben».</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Geschichte mit Henriette · <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Hacks" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Peter Hacks</a> · Fiktion · <a href="https://aventin.de/tag/story">Story</a></h3>
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