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	<description>Fachblog für angewandte Alltagskultur und Unzulänglichkeiten menschlichen Daseins</description>
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		<title>Irgendwas mit Smartphone-Romantik</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 06:24:01 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich würde das Buch gern mögen, untitled von Joachim Bessing, weil ich Pop, auch als Literatur, eigentlich ja mag. Rainald Goetz hat es in seiner unnachahmlichen Art in der Zeit gelobt, so sehr, dass ich Bessing, von dem ich noch nie auch nur eine einzige gute Zeile gelesen habe, eine Chance gebe. &#8220;Joachim Bessing hat [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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<p>Ich würde das Buch gern mögen, <em>untitled</em> von Joachim Bessing, weil ich Pop, auch als Literatur, eigentlich ja mag. Rainald Goetz hat es in seiner unnachahmlichen Art in der <em>Zeit</em> gelobt, so sehr, dass ich Bessing, von dem ich noch nie auch nur eine einzige gute Zeile gelesen habe, eine Chance gebe.</p>
<p>&#8220;Joachim Bessing hat mit <em>untitled</em> eine glühende Streitschrift für die Nervosität geschrieben, nicht nur für die Liebe, das auch, ein hysterisches Pamphlet für den Ernst, so durchgeknallt und eigenartig, dass ich täglich nachgucke auf <em>Google News:</em> wo bleiben die Hymnen, die großen Rezensionen?&#8221;, <a title="zeit.de" href="http://www.zeit.de/2013/16/joachim-bessing-untitled-rainald-goetz">so Goetz</a>, der naturgemäß auf Seite 233 auch zitiert wird (&#8220;Oder wie Rainald Goetz, der einst in Rave geschrieben hat: Es wird ja viel zu wenig gekifft, auf Erden.&#8221;). Aber woher sollen die guten Rezensionen auch kommen, möchte man Goetz entgegenrufen!</p>
<h4>Popliteratur ist tot</h4>
<p>&#8220;I leaned in und sagte: Ich will jetzt sofort mit dir aufs Klo und dort weiterknutschen. Und sie sagte: Küssenderweise? Das will ich auch. Nie zuvor habe ich etwas derart Schönes, rein Gutes und meine Erwartung von Sexualität auf derart überwältigende Weise Erfüllendes erlebt wie das Tauschen von Küssen mit ihr.&#8221;</p>
<p>Und so geht das immer weiter, über dreihundert Seiten in Bleisatz gegossene naive Malerei. Man weiß bereits nach den ersten zwanzig Seiten nicht mehr, wie man diesen Unfug überhaupt aushalten soll. Es bestätigt sich das äußerst ungute Gefühl, dass die Popliteratur am 23. April 1975 überfahren wurde, und das nur, weil Rolf Dieter Brinkmann zu dusselig war, beim Überqueren der Straße auf den Londoner Linksverkehr zu achten.</p>
<h4>Wenig Handlung</h4>
<p>Es muss ja gar nicht viel passieren in einem Buch. Warum sollte eine unerfüllte Liebe, die leicht ein ganzes Menschenleben auszufüllen mag, nicht auch Stoff genug für einen Roman bieten? Man werfe Hermès, einen iPod, Martin Margiela, Nachtclubs, Werbeagenturen und Ketamin, ein paar Englische Versatzstücke sowie einige Liedzitate, ja, auch <a href="http://boschblog.de/2013/03/07/ich-bin-schon-zu-lange-mit-euch-mitgegangen-mein-leben-mit-tocotronic/">Tocotronic</a>, in einen Topf und rührt etwas darin herum. – Fertig ist die Pop-Literatur. &#8220;Eine Art drohender Donnerkeil der Ausweglosigkeit schwebt über allem wie der überdimensionale Schatten eines Monsters in Horrorfilmen&#8221; usw., versucht Helene Hegeman das redundant vor sich hinstotternde Geschreibsel in der <em><a title="Hinter der Bezahlschranke. Leider." href="http://www.seiten.faz-archiv.de/fas/20130414/sd1201304143846304.html">Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</a></em> schönzureden. Liebesbotschaften über Liebesbotschaften sendet der Protagonist in Form von Einsen und Nullen. Und trotzdem kommt er seiner Angebeteten nicht nahe, das aber eingehüllt in allerlei Modejournalistenquatsch. London, Sidney, Paris, Berlin und immer hin und her.</p>
<h4>Keine Form</h4>
<p>Es muss ja gar nicht jeder Satz in einem so raffiniert durchkomponiert sein wie eine vierstimmige Bach&#8217;sche Fuge. Aber seit wann gibt es denn im Hause <em>Kiepenheuer &amp; Witsch</em> kein Lektorat mehr, das sagt, wenn etwas hakt? (Oder wird da viel zu viel gekifft, in Verlagen?)</p>
<p>&#8220;Das iPhone vibriert in meiner rechten Hosentasche, während ich mich zwischen Pferdetransporten und Freunden des Springreitens hindurch auf den Presseeingang des Grand Palais zubewege. Der Schirm ist mir bei der Bedienung des Apparates hinderlich, ich plaziere ihn auf einem Papierkorb und gehe einfach weiter. Erin ist dran und sie zitiert scheinbar zusammenhangslos aus einem Band expressionistischer Lyrik, doch es stellt sich heraus, dass sie lediglich vorliest, was ich ich in der vergangenen Nacht per SMS zukommen ließ&#8221;, so Bessing. So etwas kann doch niemand lesen wollen.</p>
<h4>Aber viel Kommunikation</h4>
<p>Überhaupt spielt die Kommunikation mit dem iPhone in diesem Buch eine sehr große Rolle. Wenn es nicht so schlecht wäre, könnte man es für Apple-Schleichwerbung halten. &#8220;Die beiden ballern sich aus absurdesten Entfernungen mit SMS, Youtube-Videos, Musik und E-Mails zu. Und das wird nicht niedergeschrieben als medientheoretisch angehauchte Beispielabhandlung dessen, was moderne Kommunikation mit uns macht. Sondern als die gleiche Intensität, mit der Romeo einst vor Julias Balkon stand&#8221;, haucht Hegemann weiter sanft in der <em>FAS</em>.</p>
<p>Für die Generation der über Vierzigjährigen, zu der Autor Bessing zählt, mag der Einsatz von Smartphones zum Austausch von Säuselbotschaften auf gefühlt jeder zweiten Seite des Buches noch so besonders sein, wie uns heute im Rückblick auf Goethes Zeiten das Eintreffen der Postkutsche erscheint. Es ist ja alles so total intensiv, der Austausch mittels digitaler Medien, alles so modern und doch romantisch usw. Auch wenn sich Rezensenten auf bekannten Bewertungsplattformen um Vergleiche wie &#8220;Digitaler Romeo&#8221; oder &#8220;Werther 2.0&#8243; bemühen, dürfte Bessings nervig ausufernde Beschreibungen kommunikativer Selbstverständlichkeiten des 21. Jahrhunderts bei jedem Digital Native lediglich eine gelangweilte Suche nach dem Schulterzuck-Emoticon hervorrufen.</p>
<h4>Liebe tut weh, dieses Buch auch</h4>
<p>&#8220;[…] Was bestimmte Kritiker, die ihr Hauptaugenmerk tatsächlich nur darauf legen, dieses Buch mit dem Wort <em>Popliteratur</em> zu neutralisieren oder damit, dass an ein paar Stellen das Wort iPhone vorkommt, scheinbar nicht wissen. Man muss diesen Text als ernsthafte Lebensrealität lesen und aufnehmen, danach kann man immer noch aufstehen, nach Hause gehen, kognitive Neurowissenschaften studieren und so tun, als dürfe Liebe nicht weh tun&#8221;, so Helene Hegemann weiter.</p>
<p>Liebe tut weh. Was aber noch mehr weh tut, ist die Lektüre dieses Buches: Keine gute Geschichte zu erzählen und dieses in einer stolpernden Sprache, ist keine gute Kombination. &#8220;Die Freude am schlechten Kunstwerk kann man sich nur in der Lyrik erlauben&#8221;, sagte einst Robert Gernhardt in seinen Essener Poetik-Vorlesungen. Dieser 300-seitige Roman verschwendet Lebenszeit. &#8220;Twittert und sendet es aus, hinaus in die Welt: Joachim Bessing, <em>untitled</em>, Roman!&#8221;, endet Goetz seine Rezension in der <em>Zeit</em>. Ich möchte meinem Tweet hinzufügen: <strong>Unbegabtenpreis für Literatur 2013</strong>.</p>
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		<title>Weiße Ostern 2</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Mar 2013 14:13:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Goethe irrt, weiße Ostern, wann hat man das jemals erlebt? &#8220;Last Easter, I gave you my heart&#8221;, singt Rudolf das rotnasige Rentier, vergrippt näselnd und säckeweise gülden verpackte Schokoladenhasen im Gepäck, plötzlich mitten im kalendarischen Frühling, und Großmutter erzählt am Mittagstisch, dass sie [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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<p>Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick. <a href="http://boschblog.de/2009/04/11/ostern-ein-feiertag/">Goethe</a> irrt, weiße Ostern, wann hat man das jemals erlebt? &#8220;Last Easter, I gave you my heart&#8221;, singt Rudolf das rotnasige Rentier, vergrippt näselnd und säckeweise gülden verpackte Schokoladenhasen im Gepäck, plötzlich mitten im kalendarischen Frühling, und Großmutter erzählt am Mittagstisch, dass sie so etwas nicht einmal in Ostpreußen erlebt habe usw.</p>
<p>&#8220;Als die Winter noch lang und schneereich waren&#8221;, beginnt Rainald Goetz&#8217; <em>Johann Holtrop</em>, also jetzt, denn länger und schneereicher war selten ein Winter, und während wir uns darüber beklagen und die Lenzzeit herbeisehnen, werden wir in fünfzig Jahren unseren Enkeln im Angesicht der fortgeschrittenen Klimakatastrophe beim Hasenbraten schwitzend und mit leuchtenden Augen vom harten Winter 2013 erzählen, der uns am Jahrestag der Auferstehung Christi Niederschlag aus feinen Eiskristallen bescherte. Und wie immer wird dann der Blick zurück verklärt sein und die Dinge besser erscheinen lassen als sie damals tatsächlich waren.</p>
<p>Zum Glück haben wir heute Nacht die Uhren auf Sommerzeit umgestellt, denke ich, während ich Kaminholz nachlege. (Wohliges Knistern und von draußen ganz leise das Geräusch von Goethes Schneeschippe.)</p>
<p>___<br />
<small>Beim Veröffentlichen dieses Textes habe ich bemerkt, dass ich 2008 schon einmal einen Beitrag mit der Überschrift <a href="http://boschblog.de/2008/03/24/weisse-ostern/">&#8220;Weiße Ostern&#8221;</a> verfasst habe. Ich glaube aber, damals hat es nicht wirklich geschneit.</small></p>
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		<title>Das Aus einer Reader-Beziehung</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Mar 2013 21:14:18 +0000</pubDate>
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<p>Es kam plötzlich, wie ein Aus oftmals plötzlich kommt. Ein paar lakonische Zeilen reichen aus, um eine langjährige Beziehung zu beenden. Fast nie sind Trennungen einvernehmlich, ein Part ist meistens der Stärkere in einer Beziehung. Es verläuft stets nach dem gleichen Muster: Anfangs war die Leidenschaft groß, aber mit der Zeit wurde sie schleichend kleiner.</p>
<p>Was zusammenhält, sind nur noch gemeinsame Erinnerungen, aber auch sie verblassen immer mehr. Irgendwann ist es dann ganz vorbei. Trotzdem kämpft man noch ein bißchen um die Liebe, obwohl man weiß, dass nichts mehr zu retten ist. Am Ende bleibt man traurig, wütend und allein zurück und glaubt, so werde es auf ewig bleiben.</p>
<p>Seit 2005 haben wir einander gehabt: der Google Reader und ich. 820 RSS-Feeds habe ich regelmäßig über ihn abgerufen. Ich konnte mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Sehr habe ich die Social-Funktion geschätzt: Personen, denen man folgte, konnten einem einzelne Artikel empfehlen. Viele großartige Menschen haben mir tolle Texte in meinen Lesefluss gepusht, auf die ich von allein niemals gestoßen wäre. Ohne Not hat Google dieses Feature bereits Ende 2011 abgeschafft. Danach war es nie mehr so wie vorher. Der Reader war eine lebende Leiche. Nur aus Gewohnheit sind wir noch zusammengeblieben – und wegen unserer langen gemeinsamen Vergangenheit: Gab mir der Reader doch immer noch die Möglichkeit, die von mir abonnieren Informationsquellen gezielt zu durchsuchen. Gestern hat der nichtböseseinwollende Internetkonzen in einer kurzen <a href="http://googleblog.blogspot.de/2013/03/a-second-spring-of-cleaning.html?m=1">Mitteilung</a> unerwartet das Aus für den verblieben Reader-Rumpf verkündet.</p>
<p>Das hat mich traurig und wütend gemacht. Ich habe eine <a href="https://www.change.org/petitions/google-keep-google-reader-running">Petition</a> für den Erhalt des Readers unterzeichnet. Wohlwissend, dass das Ende kommen wird, wie alles irgendwann zum Ende kommen wird. Aber die Erfahrung hat gezeigt: Danach wird schon bald etwas Neues kommen. – Und dann geht wieder alles von vorne los.</p>
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		<title>Ich bin schon zu lange mit Euch mitgegangen – Mein Leben mit Tocotronic</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Mar 2013 12:49:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bosch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
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<p>Vorfreude ist immer das Schönste, sagt der Volksmund. Das stimmt nicht, wie das meiste naturgemäß nicht stimmt, was der Volksmund so sagt, sage ich. Jedes Mal, wenn ein neues Tocotronic-Album erscheint, habe ich vor allem Angst. <em>Keine Meisterwerke mehr.</em> Dann darf man das nicht lesen, all die Geschichten über anologe Te-Le-Fun-Ken-Vier-Spur-Ton-Band-Ma-Schi-Nen usw. Gebt der spexigen Musikjournaille und dem FAZ-Feuilleton ein paar Wochen vor dem VÖ-Datum etwas psychoakustisches Geschwurbel mit auf den Weg und füttert sie mit Geschichten von der Anmut der Theremin-Spielerin aus New York, die die neuen Lieder mit ihrem berührungslosen Instrument klanglich veredelt hat. Mit <em>Digital ist besser</em> waren billige Casio-Uhren gemeint, keine <a title="Analog ist besser" href="http://boschblog.de/2011/01/21/analog-ist-besser/">Tonträger</a>, und trotzdem kann die Generation MP3-Player den ganzen neuen Spuk auf ihren datenkomprimierten Dateien gar nicht mehr wahrnehmen.</p>
<p><em>Ich möcht&#8217; kein Lo-Fi-Spießer sein</em>, hieß es früher. Heute lustwandelt Dirk von Lowtzow mit Theatermann René Pollesch für den Kultursender Arte durch die Nacht und zeigt ihm die gemütliche Küche seines Tonstudios oder steht mit verklärtem Blick neben Thies Mynthers Konzertflügel, um mit dem Nebenprojekt Phantom/Ghost manierierten Kammerpop zu produzieren. <em>Ich verachte Euch für Eure Kleinkunst zutiefst.</em> Unterdessen hat Dirk graue Haare bekommen und die Trainingsjacke durch ein frisch gebügeltes weißes Oberhemd ersetzt. Aber eines mit gestärktem Kragen. Gab es in der Hamburger Schule noch <em>Bier als Pausenbrot</em>, trinkt man heute bevorzugt französische Schaumweinprodukte in Berliner Elite-Universitäten. Als mich vor gut einem Jahrzehnt eine Freundin betrunken vor dem Golden Pudel Club als arriviert bezeichnet hat, konnte sie nicht ahnen, was irgendwann aus Dirk werden würde. Und so steht es längst im Duden unter &#8220;arriviert&#8221;: Dirk von L., einst <em>Teil einer Jugendbewegung, </em>heute angekommen in der Selbstzufriedenheit. <em>Der Vergleich ist eher schief als eben.</em></p>
<p>Vor der jüngsten Veröffentlichung gab es <a title="99 Thesen" href="http://www.tocotronic.de/99thesen">99 getwitterte Thesen</a>, in denen wir erfahren dürfen, dass Dirks sexuelle Präferenz &#8220;plüschophil&#8221; ist, und Interviews, in denen er sich dazu bekennt, an Autobahnraststätten Plüschtiere gegen Münzeinwurf mit Greifarmen aus Glaskästen zu befreien. &#8221;Wie wir Leben wollen&#8221;, heißt das neue Album. Die Frage nach dem Ob oder dem Warum stellt man längst nicht mehr. Gleich zu Beginn des 10. Albums säuselt es uns &#8220;Hey jetzt bin ich alt. Hey, bald bin ich kalt&#8221;, entgegen, während der mittlerweile 66jährige David Bowie nur wenige Wochen später sein ohne großes PR-Tamtam veröffentlichtes Album mit den Worten &#8220;Here I am, not quite dying&#8221;, aufschlägt. Wozu noch 99 Thesen, wenn das Erkalten schon zu fühlen ist? Ach, Dirk. <em>Ich mag Dich einfach nicht mehr so.</em></p>
<p>Aber wann hat es eigentlich angefangen, dass wir nicht mehr <em>nebeneinander auf dem Teppichboden sitzen</em>? Als ich Tocotronic <a href="http://www.tocotronix.de/tourografie/tourdetails.php?id=368">1994</a> das erste Mal im Hamburger Kleinclub Logo für eine handvoll D-Mark gemeinsam mit etwa fünfzig anderen Leuten hörte, ahnte ich noch nicht, dass ich irgendwann mit Menschen meiner Generation ganze Konversationen in Tocotronic-Zitaten führen könnte. Zu Zeilen wie &#8220;Gitarrenhändler, Ihr seid Schweine, Gitarrenhändler, ich verachte Euch zutiefst&#8221; habe ich mehr Abwandlungen entwickelt als Bach zu seinen Goldberg-Variationen. Wenn ich nicht wusste, wie ich einem Mädchen meine Zuneigung gestehen sollte, sagte ich ihr &#8220;Du bist der Jackpot meines Lebens&#8221; und selbst heute mache ich mir gelegentlich den Spaß, in geschäftliche Zusammenkünfte ein lakonisches &#8220;die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit&#8221; zu schmuggeln. Noch immer vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich nicht frage, ob <em>die Leute auf der Straße eigentlich absichtlich so langsam gehen</em>, oder wie das <em>Unglück zurückgeschlagen werden muss</em>. Kein Song kam ohne &#8220;Hammerzeile&#8221; (vgl. Robert Gernhardt, Essener Poetikvorlesungen, 2002) aus.</p>
<p>2002 erschien das Album &#8220;Tocotronic&#8221;, das sogenannte weiße Album. Zwar musste noch <em>alles im Überfluss vorhanden sein</em>, aber irgendwie wurde es plötzlich metaphorischer. <em>Schatten werfen keine Schatten</em> usw. 2005 dann &#8220;Pure Vernunft darf niemals siegen&#8221;. Als das Video zu &#8220;Aber hier leben, nein danke&#8221; in der Hamburger Parkanlage Planten un Blomen gedreht wurde, war es so unwirtlich nass und kalt, dass ich vor Beginn der Aufnahmen den Ort des Geschehens verließ. Auch Eine Suppe aus der Gulaschkanone und ein Bier aus der Flasche konnten mich nicht zum Bleiben bewegen. Alle meine Freunde, die die Drehprozedur über sich haben ergehen lassen, und begeistert zur Single-Auskopplung gehüpft und getanzt haben, wurden später herausgeschnitten. Am <a href="http://www.tocotronix.de/tourografie/tourdetails.php?id=256">15. März 2005</a> habe ich die Band zum letzten Mal live gesehen. Ich saß auf der Galerie und war etwas verstört angesichts der stagedivenden Jugendlichen, die zum Zeitpunkt des Erscheinens von &#8220;Digital ist besser&#8221; gerade einmal den Hamburger Kindergarten besuchten.<em> Ich war ganz schön bedient.</em></p>
<p>Dann &#8220;Kapitulation&#8221;, das schönste Wort in deutscher Sprache, wie es im mitgelieferten Manifest hieß. Noch immer erwarb ich brav die limitierte Edition des Albums. Als das dazugehörige Band-T-Shirt (vorn &#8220;Kapitulation&#8221; grün auf schwarz, hinten VÖ-Datum, irgendwann 2007) allerdings nach einmaligem Waschen einlief, wanderte es umgehend in die Altkleidersammlung. <em>Sag alles ab, geh einfach weg.</em></p>
<p>Und während die ehemaligen Mitschüler Blumfeld von sperrigen Titel &#8220;Von der Unmöglichkeit nein zu sagen, ohne sich umzubringen&#8221; hin zur Aufzählung von Apfelsorten <em>meine Generation degenerierten</em>, machten sich Tocotronic auf den entgegensetzten Weg. Plötzlich <em>war es nicht mehr einfach Rockmusik</em>. Einhergehend mit der lyrischen Verschwurbelung wurde musikalisch aus dem Geschrammel der Anfangsjahre ein zunehmend symphonisches Werk. <em>Ich weiß nicht, wie konnte das geheschen. Die Welt kann mich nicht mehr verstehen. </em>Blumfeld lösten sich 2007 auf (<a href="http://boschblog.de/2007/05/26/blumfeld-geben-abschiedskonzert-kein-lied-mehr/">&#8220;Kein Lied mehr&#8221;</a>), konsequent, dachte ich. Toctronic machen weiter, wie <a title="Alles macht weiter" href="http://boschblog.de/2011/06/22/rolf-dieter-brinkmann-alles-macht-weiter/">alles</a> immer weiter macht. 2010: &#8220;Schall und Wahn&#8221;, noch einmal eine Limited Edition gekauft, ein bißchen <em>oszilliert</em>, Shakespeare und Faulkner referenziert und was von dieser Platte blieb, ist vor allem der das <a href="http://boschblog.de/tag/schall-und-wahn/">Cover zierende Blumenstrauß</a>, während die Textzeilen längst verwelkt sind.</p>
<p>Aber ich bin nicht nur <em>gekommen, um mich zu beschweren</em>. Tocotronic haben sich als Band weiterentwickelt. Und das ist gut. Sie werden nicht wie die Rollenden Steine auch als Greise in zwanzig Jahren noch dieselbe lächerliche Bühnenshow abziehen wie sie es vierzig Jahre zuvor getan haben. Tocotronic waren eine der ersten Bands, die anspruchsvolle Musik mit deutschsprachen Texten verbanden und sie werden unpeinlich bleiben. (Weder das eine noch das anderen ist ihren Vorgängern der Neuen Deutschen Welle gelungen.) Was macht es schon, wenn der eine oder andere Fan aus alten Tagen auf der Strecke gebleiben ist? <em>Gott sei dank haben wir beide uns gehabt.</em> Schließlich sind viele neue Anhänger dazugekommen. Auch wenn mir die vielleicht Begeisterung früherer Jahre fehlt, so verfolge ich das tocotronische Schaffen noch immer mit dem größten Interesse. Ich kaufe keine limited Editions mehr, <a href="https://twitter.com/bosch/status/294589320071876612">ärgere</a> mich aber trotzdem, wenn iTunes am Veröffentlichungstag um 0 Uhr nicht den Download zur Verfügung stellt. Ich will nicht sein wie meine Eltern, die noch heute der Beatles &#8220;She Loves You&#8221; noch immer für eine größere Errungenschaft halten als das Weiße Album. <em>Im Blick zurück entstehen die Dinge.</em> Vielleicht werden wir in einigen Jahrzehnten das Spätwerk auch mehr schätzen als die frühen Alben? Ich werde auch künftig vor jedem neuen Toctronic-Album Angst haben und mich auch ein bißchen darauf freuen. Die neuen Lieder können keine alten Freunde werden, aber noch immer gute Bekannte. <em>Ich bin schon zu lange mit Euch mitgegangen. Und ich glaub nicht daran, dass ich jetzt noch mal umkehren kann.</em></p>
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		<title>Peer kann Papst – Warum Steinbrück der nächste Pontifex wird</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Feb 2013 19:19:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Papst-Rücktritt bewegt uns alle. Dabei ist er nur konsequent: in einer Demokratie wie dem Vatikan werden Ämter auf Zeit verliehen. Naturgemäß sind die Medien dieser Tage voller Spekulationen über die Gründe, insbesondere aber hinsichtlich möglicher Nachfolgekandidaten. Von der Wochenzeitung Die Zeit erreichte uns heute eine E-Mail mit dem Betreff &#8220;Blitzumfrage zum Papstrücktritt&#8221;, in der es [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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<p>Der Papst-Rücktritt bewegt uns alle. Dabei ist er nur konsequent: in einer Demokratie wie dem Vatikan werden Ämter auf Zeit verliehen. Naturgemäß sind die Medien dieser Tage voller Spekulationen über die Gründe, insbesondere aber hinsichtlich möglicher Nachfolgekandidaten. Von der Wochenzeitung <em>Die Zeit</em> erreichte uns heute eine E-Mail mit dem Betreff &#8220;Blitzumfrage zum Papstrücktritt&#8221;, in der es heißt: &#8220;Sehr geehrter Leser, wie ist Ihre Meinung? […] Bedauern Sie den Rücktritt des Papstes? Ja/Nein. Als Dankeschön erhalten Sie 3 Wochen lang DIE ZEIT gratis frei Haus und sichern sich zusätzlich ein exklusives Dankeschön-Paket.&#8221; Uns interessiert an dieser Stelle nicht das Bedauern, sondern vor allem, wie es nun weitergehen soll auf dem Stuhle Petri.</p>
<p>Dem Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt, von dem der schöne Satz &#8220;Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen&#8221;, können wir zwei Prognosen an die auch schon etwas zittrige Hand geben, die so sicher sind wie das Amen in der Kirche. Erstens: Die <em>Zeit</em>-Auflage wird sich entgegen dem Print-Trend dank Mailing-Aktionen wie dieser weiter himmlischen Höhen nähern und die Verkaufszahlen des Wir-sind-Papst-Fachblattes <em>Bild</em> in naher Zukunft übertrumpfen.</p>
<p>Zweitens: Er kann es. Wer? Natürlich Peer. Auf dem Weg ins Kanzleramt hat er zwar gerade gewisse Orientierungsschwierigkeiten, aber wenn der anstrengende Wahlkampf erst überstanden ist, wird Peer Steinbrück hieraus als gestärkter Papst hervorgehen.</p>
<p>Er ist ein Mann klarer Worte, niemand kann mit einer solchen Selbstgewissheit die Welt erklären wie Steinbrück. Er nimmt kein Blatt vor den Mund; in Zeiten von Glaubenskrisen und drängenden Fragen nach Missbrauch, Zölibat, Frauenordniation vertritt er gemäßigt fortschrittliche Positionen. Auch der interreligiöse Dialog ist für den von der großen Koalition gestählten Steinbrück eine leicht zu überwindende Hürde. Dank der Mitglieder seines jetzigen Wahlkampf-Teams verfügt der kommende Mann auf dem Apostolischen Stuhl über exzellente Kontakte zu Laienorganisationen, die für ihn in Zukunft von allergrößtem Wert sein dürften</p>
<p>Peer Steinbrück wird ein weltoffener Papst sein, der sich auch vor neuen Medien nicht verschließt. Nachdem er sich lange weigerte, mit den Menschen über Social Media zu kommunizieren, hat er in den vergangenen Wochen beachtliche Schritte nach vorn gemacht. Großes Ansehen hat sich der Kandiat verschafft, als er mittels Hacker-Angriff das sogenannte PEERblog, ein von anonymen Opus-Dei-nahen Unternehmern finanziertes Unterstützungsmedium niederstreckte. Auch als Papst wird er von zahlreichen Interessensgruppen, wie Martin Lohmanns Bibel-TV (&#8220;Die <em>Sache</em> mit der Selbstentscheidung der Frau ist ja vielschichtig.&#8221;) stark umworben sein. Hier heißt es, klare Kante zu zeigen und sich deutlich zu distanzieren. Peer Steinbrück wird sich nicht mit den falschen Papstflüsterern gemein machen. Dank erworbener Twitter-Skills wird er mit Leichtigkeit die frohe Kunde über seinen neuen Account @pontifex verkünden. Diese Fähigkeiten werden in der weltgrößten Glaubensgemeinschaft jetzt dringend gebraucht.</p>
<p>Der ehemalige Finanzminister kennt sich mit Geld aus. In kürzester Zeit wird er den Trend der rückläufigen Kirchensteuereinnahmen entgegenwirken; dank Honorareinnahmen für Predigten und Audienzen sowie Sponsorenschaften für Kirchen und Gottesdienste wird die Kasse des Vatikans bald saniert sein. Das sind gute Aussichten, von denen auch die Ungläubigen profitieren werden. Kopfschmerzen nach Gottesdienstbesuchen werden bald der Vergangenheit angehören, denn dank stabiler Haushaltslage, wird bald ausschließlich Messwein ausgeschenkt, der teurer als fünf Euro pro Flasche ist. Selbstverständlich werden unter Steinbrücks Pontifikat auch die Transparenzprobleme der Vatikanbank bald der Vergangenheit angehören.</p>
<p>Natürlich gibt es auch Unwägbarkeiten, die gegen Peer Steinbrück sprechen. Mit Dan Brown und Annette Schavan sind zwar in Vatikanverschwörungen und theologisch-moralischen Angelegenheiten ernstzunehmende Gegenkandidaten im Rennen, jedoch werden ihnen nur noch Außenseiterchancen eingeräumt. Weiterhin hat der designierte Katholikenkandidat Steinbrück bislang noch keine Wahl gewinnen können. Dies lag jedoch peernahen Kreisen zufolge an seiner Unbeliebtheit bei Frauen. Die Wahrscheinlichkeit hieran beim nächsten Konklave zu scheitern, dürfte äußerst gering sein.</p>
<p>Das Wichtigste: Peer Steinbrück wird ein Papst des Volkes sein, einer der sich nicht hinter den Mauern des Vatikans und im dienstlichen Papamobil verschanzt, sondern einer, der auf die Menschen zugeht und das Gespräch mit ihnen sucht. So hat er angekündigt, auch als Pontifex maximus ausgewählte Gemeindemitglieder zu Hause auf einen Eierlikör zu besuchen. Wir freuen uns darauf, wenn es kurz vor Ostern heißt &#8220;Habemus Peer!&#8221; – Peer kann Papst.</p>
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		<title>Schwimmorgel mit Hefeheizung</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Feb 2013 07:35:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bosch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturbeilage]]></category>
		<category><![CDATA[Hefeheizung]]></category>
		<category><![CDATA[Schwimmorgel]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_10569" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2013/02/skf_2013-02-11-18.53.38-2.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10568];player=img;"><img class=" wp-image-10569" alt="skf_2013-02-11 18.53.38-2" src="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2013/02/skf_2013-02-11-18.53.38-2.jpg" width="580" height="387" /></a><p class="wp-caption-text">Kugellager</p></div>
<p>Man wundert sich ja oft und gern. Naturgemäß zumeist über andere, zuweilen aber auch über sich selbst. Ohne am Vortag größere Mengen bewusstseinserweiternde Substanzen konsumiert zu haben, erwuch ich morgens mit dem Gedanken, wie schön es doch wäre, eine Schneeorgel mit Hefeheizung zu besitzen. Ich weiß nicht, wie ich darauf gekommen bin. Möglicherweise war dies dem übermäßigen Hörgenuss der Gouldschen Aufnahme von Bachs Kunst der Fuge am Vortage geschuldet, vielleicht lag es am nächtlichen Ausfall der Zentralheizung oder an der überraschenden Abdankung des Papstes, von der ich zum Zeitpunkt meines Erwachens freilch noch nichts wissen konnte.</p>
<p>Wie dem auch sei, den ganzen Tag über erfreute ich mich an diesem Ding, ganz ohne zu wissen, was ich eigentlich damit anstellen sollte. Gedanken sind normalerweise flüchtig, dieser aber war der fesselndste. Ich wollte orgeln und heizen und orgeln und heizen, immerzu. Und so machte ich mich auf, in das letzte verbliebene Fachgeschäft der tristen <a href="http://boschblog.de/2012/02/21/kleinstadt/">Kleinstadt</a>, um das Objekt der Begierde zu erwerben. Nachdem sämtliche Modeeinzelhändler für übergewichtige ältere Damen dubiosen Läden für gebrauchte Mobiltelefone weichen mussten, verblieb nur noch ein Geschäft, dem ich eine gewisse Kompetenz für den komplexeren Bedarf zuschrieb: ein Fachgeschäft für Kugellager.</p>
<p>Als sei selbstverständlicher nichts auf der Welt, trug ich hier meinen Wunsch vor: &#8220;Guten Tag, ich hätte gern eine Schwimmorgel mit Hefeheizung.&#8221; Der Verkäufer schüttelte mitleidig mit dem Kopf. Er tat dies nicht etwa, weil mein Wunsch ein ungewöhnlicher war, sondern ganz im Gegenteil. Ich kam zu spät. Nachdem dieses Produkt sich über Jahre hinweg als Ladenhüter erwies, gab es heute einen regelrechten Ansturm. &#8220;Alle ausverkauft&#8221;, so der Herr, der mir erklärte, dass heute gleich drei SHs, wie der Fachmann sagte, über den Tresen gingen. &#8220;So viele verkaufen wir sonst im ganzen Jahr nicht. Aber wir haben hier vielleicht etwas Passendes für Sie: Einen Wagenheber mit Goldrand.&#8221; Den wollte ich nicht, auch wenn man nicht genug WGs, wie der Fachmann sagte, haben konnte – schließlich nannte ich doch bereits drei Exemplare mein Eigen. Auch wenn mich dieser Besitz in gewisser Weise beruhigte und mir in schwachen Momenten sogar zu einem leichten Glücksgefühl verhalf, so vermochte er doch meinen Schwimmorgel-Hefeheizungs-Jieper nicht im Ansatz zu lindern. Ein schwerer Schlag, um nicht zu sagen: der schwerste.</p>
<p>&#8220;Sei nicht traurig&#8221;, versuchte mich die Frau nach meiner Heimkehr zu trösten. &#8220;Ich habe dir deine Leibspeise zuereitet&#8221;, so sie zu mir. Und dann aß ich so viele Schlafwürste im Wolfspelz, wie ich nur konnte, und betrank mich dazu bei Schaumwein mit Bluterguss. Ein gut gemeinter, wenn auch wahrlich schwacher Trost. In Gedanken saß ich an meiner Schwimmorgel mit Hefeheizung.</p>
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		<title>Lieblingsdiktator</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jan 2013 15:25:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bosch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kim Jong Un]]></category>
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		<description><![CDATA[Während hierzulande die Schlagzeilen von traurigen Trennungsgeschichten dominiert werden, herrscht in der &#8220;Demokratischen Volksrepublik Nordkorea&#8221; der größtmögliche Endjubel. Der Spross der ostasiatischen Diktatorendynastie lässt anlässlich seines Ehrentages jedem Kind im Lande ein Kilo Süßigkeiten zukommen. Doch gut gemeint ist nicht immer gut – hat der Jungdiktator doch bei seiner Großzügigkeit nicht berücksichtigt, dass sowohl die [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_10534" class="wp-caption alignnone" style="width: 460px"><a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2013/01/kimjongun_sz.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10533];player=img;"><img class="wp-image-10534 " alt="Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2013" src="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2013/01/kimjongun_sz.jpg" width="450" height="450" /></a><p class="wp-caption-text">Süddeutsche Zeitung, 8. Januar 2013</p></div>
<p>Während hierzulande die Schlagzeilen von traurigen Trennungsgeschichten dominiert werden, herrscht in der &#8220;Demokratischen Volksrepublik Nordkorea&#8221; der größtmögliche Endjubel. Der Spross der ostasiatischen Diktatorendynastie lässt anlässlich seines Ehrentages jedem Kind im Lande ein Kilo Süßigkeiten zukommen.</p>
<p>Doch gut gemeint ist nicht immer gut – hat der Jungdiktator doch bei seiner Großzügigkeit nicht berücksichtigt, dass sowohl die fünfjahresplanmäßig ausgesetzte Produktion von <a title="Zähneputzen" href="http://boschblog.de/2011/06/05/zaehneputzen/">Zahnpasta</a> alsbald zu einer unkontrollierbaren Kariesepedemie führen wird, als auch der für die Devisenbeschaffung bedeutende Export von <a title="Laufmaschinen" href="http://boschblog.de/2012/07/13/laufmaschinen/">Magermodels</a> für die anstehende Modesaison ins Stocken geraten könnte.</p>
<p>Doch die Reiskammern des Landes sind leerer als die nordkoreanischen Wahlurnen. Dies vor Augen gibt unser neuer Lieblingsdiktator die Parole &#8220;Wenn sie keine Schokolade haben, sollen sie doch Atomsprengköpfe essen!&#8221; aus und hofft klammheimlich auf eine positive Entwicklung des Marktes für Übergewichtige Models mit verfaulten Zähnen, um den Landeskindern auch im nächsten Jahr wieder Süßes geben zu können.</p>
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		<title>Barlach will Instagram</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Dec 2012 18:27:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bosch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
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		<description><![CDATA[Hans Barlach, Bildhauer-Enkel und Minderheitsgesellschafter des Bilderdienstes Instagram greift nach der Macht. Per Gerichtsbeschluss ließ er Mark Zuckerberg von der Geschäftsführung abberufen. Er wirft Zuckerberg vor, seine Privatvilla in San Francisco teilweise durch die Veräußerung von Bilderrechten der Instagram-Nutzer an die Werbeindustrie finanziert zu haben. Barlach hat Zuckerberg unterdessen das Angebot unterbreitet, das Social Network [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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				<content:encoded><![CDATA[<p>Hans Barlach, Bildhauer-Enkel und Minderheitsgesellschafter des Bilderdienstes Instagram greift nach der Macht. Per Gerichtsbeschluss ließ er Mark Zuckerberg von der Geschäftsführung abberufen. Er wirft Zuckerberg vor, seine Privatvilla in San Francisco teilweise durch die Veräußerung von Bilderrechten der Instagram-Nutzer an die Werbeindustrie finanziert zu haben. Barlach hat Zuckerberg unterdessen das Angebot unterbreitet, das Social Network vollständig zu übernehmen.</p>
<div id="attachment_10480" class="wp-caption alignleft" style="width: 330px"><a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/12/poempel.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10478];player=img;"><img class=" wp-image-10480 " alt="poempel" src="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/12/poempel.jpg" width="320" height="320" /></a><p class="wp-caption-text">Symbolfoto: Skandal-Poller</p></div>
<p>Die Streitigkeiten gehen zurück bis ins Jahr 2001. Damals erbte Mark Zuckerberg Instagram von seiner verschiedenen Frau, der erfolgreichen Galeristin Ulla Zuckerberg-Unhold. Nach Übernahme des Bilderdienstes durch den Witwer, selbst ein chronisch erfolgloser Fotograf mit dem Schwerpunkt Aura-Fotografie, verließen zahlreiche renommierte Künstler wie Henri Cartier-Bresson sowie Bernd und Hilla Becher aufgrund von Unstimmigkeiten nach jahrelanger Zusammenarbeit Instagram.</p>
<p>&#8220;Ich bin keine Finanzheuschrecke&#8221;, gibt Hans Barlach in einem Gespräch mit diesem Weblog zu verstehen, &#8220;aber man braucht heute Know-how im Handel mit Klimazertifikaten und Warentermingeschäften mit gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln, um im Wettbewerb mit global agierenden Foto-Plattformen wie EyeEm oder Tadaa bestehen zu können. Sonst endet man eines Tages so wie Flickr.&#8221; Er könne nicht mit ansehen, wie Zuckerberg ein florierendes Netzwerk durch ständige Manipulation der Allgemeinen Geschäftsbedingungen so einfach zu Grunde gehen ließe, beschreibt Barlach die Motive seines Handels.</p>
<p>Was Barlach mit Instagram allerdings wirklich vorhat, ist auch Kennern der Branche ein Rätsel. Seit Wochen formiert sich in den Feuilletons der überregionalen Tageszeitungen ein massiver Widerstand gegen den Investor, der in seinem beruflichen Vorleben gelegentlich auf Flohmärkten antiquarische Diaprojektoren verkauft hat. &#8220;Hans Barlach hat keine Visionen&#8221;, sagt die Instagram-Fotografin Annie Leibowitz und wirft ihm im gleichen Atemzug vor, aus dem Unternehmen eine Schraubenfabrik machen zu wollen. Nachdem auch Starfotograf Juergen Teller mit seinem Weggang von Instagram drohte, sollte Barlach in die Geschäftsführung eintreten, wandte sich heute auch Martin Parr in einem Leitartikel gegen den Eindringling: &#8220;Eine Bilderplattform ist kein Musiklabel. Bilder sind keine beliebige Ware wie Musik. Dahinter stecken Fotografen. Das sollte dieser Emporkömmling von Steinmetz-Nachfahre endlich zur Kenntnis nehmen.&#8221;</p>
<p>Heute wurde bekannt, dass Mark Zuckerberg den erfolgreichen Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler zum Mediator bestellt hat. Er soll zwischen den zerstritten Parteien schlichten. Hans Barlach hat sich dazu noch nicht geäußert.</p>
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		<title>Reiterstaffel bleibt!</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Oct 2012 10:14:11 +0000</pubDate>
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<p>Hoch zu Pferde stärken Hamburger Polizisten das <a href="http://www.taz.de/!96509/">&#8220;subjektive Sicherheitsgefühl&#8221;</a> der Bürger. Doch während des Abzettelns von Falschparkern im Innenstadtbereich muss stets ein Reiter auf dem Rücken des Rössels bleiben, um auf das Nutztier des anderen Obacht zu geben: Soll es doch weder davonlaufen, von einem urbanen Pferderipper niedergestreckt werden oder sich seines Pferdemists auf offener Straßen entledigen. Letzteres hätte zur Folge, dass wiederum ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der ansonsten damit beschäftigt ist, Herrchen herumkotender Hunde mit Ordnungsgeldern zu beschweren, die berittenen Kollegen und Helfer mit einem Knöllchen auszustatten. Nicht auszudenken, was dieser Ordnungsgeldkreislauf für die <a href="http://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article2403623/Reiterstaffel-soll-weiter-Polizei-verstaerken.html">Wirtschaftlichkeitsbetrachtung</a> der Reiterstaffel zur Folge hätte. Ein Gutachten der Innenbehörde hat ergeben, dass der Nutzen der behottehüten Schutzmänner die Kosten von rd. 500.000 Euro pro Jahr überwiegt. Obwohl Pferde im urbanen Raum laut Aussagen von Tierschützern eher untauglich sind, weil sie bei Großdemonstrationen viel lieber fröhlich wie auf einer Wiese durch die Menschenmenge davongaloppierten oder das weit verbreitete Kopfsteinpflaster scheuen, will die Freie und Hansestadt Hamburg die Reiterstaffel weiter ausbauen. Ich bin froh, in einer Stadt leben zu dürfen, in der die innere Sicherheit auch auf dem Rücken der Pferde verteidigt wird.</p>
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		<title>Sibylle Berg liest: Vielen Dank für das Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Oct 2012 13:38:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>bosch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Vielen Dank für das Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Man muss sich schon etwas einfallen lassen heutzutage. Während Frau Berg liest, springt zeitgleich irgendwo ein Fallschirmspringer aus über 36.000 Metern Höhe herunter, ohne dass ihm ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk dabei Flügel verleiht. Weltrekord. Die dieses Ereignis im Internet verfolgt habenden Menschen werden später zu Protokoll geben, dass sie sich dabei gefühlt haben, wie einst ihre [...]<div class='yarpp-related-rss'>


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				<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/10/Berg1_2012-10-14-21.33.42.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10345];player=img;" title="Berg1_2012-10-14 21.33.42"><img class="alignnone  wp-image-10346" title="Berg1_2012-10-14 21.33.42" src="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/10/Berg1_2012-10-14-21.33.42-480x319.jpg" alt="" width="580" height="386" /></a></p>
<p>Man muss sich schon etwas einfallen lassen heutzutage. Während Frau Berg liest, springt zeitgleich irgendwo ein Fallschirmspringer aus über 36.000 Metern Höhe herunter, ohne dass ihm ein koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk dabei Flügel verleiht. Weltrekord. Die dieses Ereignis im Internet verfolgt habenden Menschen werden später zu Protokoll geben, dass sie sich dabei gefühlt haben, wie einst ihre Eltern, als sie am Schwarz-Weiß-Fernseher die Übertragung der Mondlandung sahen.</p>
<p>In einer ehemaligen Kranfabrik in Hamburg sitzt Sibylle Berg und liest aus ihrem neuen Buch <a title="Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben" href="http://boschblog.de/2012/09/26/sibylle-berg-vielen-dank-fuer-das-leben/">&#8220;Vielen Dank für das Leben&#8221;</a> und sie liest natürlich nicht einfach nur Seite für Seite vor, denn das könnte man ja auch selbst machen, ohne dafür 18,- Euro Eintritt bezahlen zu müssen, sondern sie bietet einen sogenannten Mehrwert in Form eines Gesamtkunstwerks: Szenische Lesung trifft Filmkunst trifft Musik. In verteilten Rollen liest die Autorin, die, so sie, mit Antibiotika vollgepumpt ist, gemeinsam mit den Schauspielern Katja Riemann und Matthias Brandt, und das ist gut, denn so ermüden weder Sprecher noch Publikum. Auch wenn man den Roman bereits kennt, ist das Zuhören ein Vergnügen, denn der gekonnte Vortrag ist natürlich auch eine Kunst, von der mich lediglich meine Sitznachbarin, die auf ihrem Telefon unablässig &#8220;Snake&#8221; spielt, abzulenken vermag. Zwischendurch immer wieder großartig verstörende <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=0SZHcr6MRug">Filmeinspieler</a> in schwarz-weiß, aufgenommen mit einer ruckelnden Handkamera, die das soeben Gehörte noch einmal rekapitulieren. Und wunderbare Musik von Mary Ocher, die das Klavier genauso unbeholfen bearbeitet wie die Gitarre, und die mit ihrer Stimme, über die meistens ein blecherner Filter gelegt ist, mal sanft haucht und mal kraftvoll brüllt. Finale mit Streichquartett, das so anrührend ist, dass mir die Tränen kommen. Toll.</p>
<p>Und dabei wollte ich erst gar nicht kommen, weil Lesungen mich zunehmend langweilen, aber Frau Berg rief, das heißt, eigentlich schrieb sie, dass ich kommen solle, und dass es doch schön wäre usw. Und natürlich war es das dann auch. Artig stehe ich im Anschluss der Veranstaltung in der Schlange, um mir mein Buch <a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/10/BergBosch.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10345];player=img;">signieren</a> zu lassen. Warum mir ständig die Frauen wegliefen, fragt Frau Berg ohne Umschweife und mit strengem Blick, aber zum Glück bin ich nicht der Letzte in der Autogrammwunschschlange und habe deshalb keine ausreichende Gelgenheit, eine ausführliche Antwort geben zu müssen. Nachdem sie bei unserer <a title="Die Frauen lesen" href="http://boschblog.de/2009/11/12/die-frauen-lesen/">letzten Zusammenkunft</a> zum Auswandern nach Island riet, <a href="http://boschblog.de/wp-content/uploads/2012/10/Berg2_2012-10-15-10.28.21.jpg" rel="shadowbox[sbpost-10345];player=img;">schreibt</a> mir Frau Berg ins Buch, dass ich nach Schweden gehen solle, weil dieses Berlin, wie sich gezeigt habe, auch keine Lösung sei, und weil in Schweden alle so schön seien usw. Dann Bier aus Flaschen mit Menschen und nicht losgehen wollen, aber irgendwann doch müssen. Vielen Dank für den Abend.</p>
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