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	<title>Christoph Koch</title>
	
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		<title>Der Wettermacher: Geowissenschaftler Ken Caldeira will mit Geo-Engineering das Klima manipulieren</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 10:10:25 +0000</pubDate>
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<p><strong><em>Auch Millionen Elektroautos werden die globale Erwärmung nicht mehr stoppen, glaubt der Geowissenschaftler Ken Caldeira: Er will das Klima mit Schwefelwolken verbessern.</em></strong></p>
<p><em>Professor Caldeira, wie erklären Sie auf einer Party Ihren Beruf?</em></p>
<p>Es ist besser für jede Party, wenn ich so wenig über meinen Job rede wie möglich. Aber ich würde sagen, dass ich zum Thema Geo-Engineering forsche: technische Methoden, mit denen wir versuchen, die globale Erwärmung rückgängig zu machen.</p>
<p><em>Riesige Sonnenreflektoren sollen ins All geschossen werden, andere Forscher wollen Kohlendioxid aus der Luft ziehen und vergraben (siehe Beispiele am Ende des Interviews). Oft klingen diese Methoden nach Science- Fiction.</em></p>
<p>Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze. Erstens: das Kohlendioxid aus der Atmosphäre rauszuholen und zu entsorgen. Zweitens: die Aufheizung der Erde zu verhindern, indem man einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All reflektiert. Die erste Möglichkeit packt das Problem eher an der Wurzel, ist aber auch langwieriger und teurer. Denn jedes einzelne Kohlendioxidmolekül, das wir erzeugen, muss wieder entsorgt werden &#8211; und wir erzeugen immens viel davon. Bleibt die zweite Möglichkeit &#8211; Sonnenschirme im Weltall. Ich finde das Modell am praktikabelsten, wonach man Schwefelpartikel in die Stratosphäre pumpt, die dann Teile des Sonnenlichts reflektieren. Das ist ein effizienter Weg: Mit einem einzigen Schlauch, irgendwo zwischen einem Garten- und einem Feuerwehrschlauch, könnte man die Schwefelpartikel nach oben blasen und so in kürzester Zeit die komplette Erderwärmung der letzten hundert Jahre neutralisieren.</p>
<p><a href="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/caldeira_geoengineering.jpg#utm_source=feed&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=feed"><img class="alignnone size-full wp-image-9550" title="caldeira_geoengineering" src="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/02/caldeira_geoengineering.jpg" alt="" width="360" height="480" /></a></p>
<p><em>Aber wie bekommt man einen Gartenschlauch in die Stratosphäre?</em></p>
<p>Man kann ihn mit Ballons oder einer Art Zeppelin auf etwa 20 000 Meter Höhe bringen, die Pumpe würde unten auf der Erde bleiben.</p>
<p><em>Geht das, ein 20 Kilometer langer Schlauch?</em></p>
<p>Unsere Berechnungen zeigen, dass das möglich ist. Aber letztlich muss man es ausprobieren. Eine andere Möglichkeit ist, die Schwefelpartikel mit Flugzeugen regelmäßig auszustreuen, mehr als fünfzig wären dafür nicht nötig. Auch wenn der Schwefel nur an einem Punkt in der Stratosphäre gestreut wird, breitet er sich von selbst aus und legt sich wie ein Schutzschild um die ganze Erde. Findet die Injektion nahe dem Nordpol statt, könnte es möglich sein, die Arktis stärker zu kühlen als den Rest der Welt. Wenn man lange nicht für Nachschub sorgt, verschwindet der Schwefel.</p>
<p><span id="more-9519"></span></p>
<p>A<em>bgesehen davon, dass eine künstliche Schwefelschicht ein wenig nach »Blade Runner« und anderen Zukunftsfilmen klingt, in denen die Sonne nicht mehr scheint &#8211; haben Sie Beweise, dass diese Methode wirklich funktioniert und die Erderwärmung stoppt?</em></p>
<p>Zunächst einmal würde ja nur ein sehr kleiner Teil des Sonnenlichts reflektiert, etwa zwei Prozent reichen vollkommen. Wir würden also nicht in einer ewigen Dämmerung leben. Und wir haben tatsächlich Belege, dass diese Theorie anwendbar ist. Als 1991 der Vulkan Pinatubo auf den Philippinen ausbrach, kam eine Menge Schwefel in die Atmosphäre, und die Temperatur sank weltweit tatsächlich für einige Monate ab. Es funktioniert also &#8211; wir bräuchten nur jedes Jahr einen oder zwei Vulkanausbrüche von der Größe des Pinatubo. Oder eben eine künstliche Imitation durch Geo-Engineering.</p>
<p><em>Gefällt Ihnen der Gedanke, Gott zu spielen?</em></p>
<p>Ich denke nicht, dass das Bild vom »Gottspielen « besonders hilfreich oder treffend ist. Was soll das bedeuten? Wäre man Gott, könnte man ja ein neues Universum erschaffen.</p>
<p><em>Glauben Sie an Gott?</em></p>
<p>Nein. Ich glaube an die Naturgesetze. Ich finde das Universum schon erstaunlich genug, so wie es ist. Die Menschheit träumt ja schon sehr lange davon, das Wetter zu manipulieren. In China werden beispielsweise zu wichtigen Anlässen per Flugzeug Chemikalien auf Wolken geschossen, damit diese abregnen. In Kalifornien machen wir das schon seit fünf zig Jahren, damit es in der Sierra Nevada mehr schneit. Diese Effekte sind lokal und zeitlich begrenzt, aber vielleicht wird man eines Tages sagen, dass die Wetterkontrolle ein erster Schritt war auf dem Weg zur Klimakontrolle.</p>
<p><em>Wie schnell wäre Ihr Sonnenschirm aus Schwefel einsatzbereit?</em></p>
<p>Technisch wären wir heute schon in der Lage loszulegen. Zeitlich würde es etwa ein Jahr dauern, bis der erste Abkühlungseffekt eintritt. Die Kosten lägen bei etwa zehn Milliarden Dollar pro Jahr. Das klingt nach viel Geld, aber in einem Staatshaushalt ist das nur weißes Rauschen.</p>
<p><em>Aber wenn es so einfache Lösungen gibt, den Klimawandel zu stoppen &#8211; warum soll ich auf große Autos und häufige Langstreckenflüge verzichten?</em></p>
<p>Unser Energiesystem umzustellen, ist über hundert Mal teurer als einige Lösungen durch Geo-Engineering &#8211; trotzdem muss es weiterhin die absolute Priorität haben. Denn Lösungen wie der Stratosphärenschirm bekämpfen ja nur die Wirkung, nicht die Ursache. Sie sind wie Morphium: Sie lindern den Schmerz, aber sie heilen nicht die Krankheit. Denn der ständig steigende Kohlendioxidausstoß verursacht nicht nur die Erderwärmung, sondern er führt noch zu anderen Problemen, wie zum Beispiel zur Übersäuerung der Ozeane.</p>
<p><em>Trotzdem befürworten Sie die Lösungen, die wie Morphium wirken.</em></p>
<p>Ja, aber nur als letzten Ausweg! Leider haben alle Strategien zur Kohlendioxidvermeidung einen Haken: Die ganze Welt muss mitmachen, und die Vorteile sind nur sehr langsam spürbar. Selbst wenn alle an einem Strang ziehen &#8211; und davon merke ich momentan nichts -, würde sich die Erde weiter erwärmen, auch wenn keinerlei neues Kohlendioxid dazukäme.</p>
<p><em>Warum?</em></p>
<p>Zum einen, weil wir erst mal das derzeitige Level an Kohlendioxid wieder abbauen müssten. Zum anderen, weil sich die Erwärmung ab einem gewissen Punkt verselbstständigt: Wir stellen beispielsweise fest, dass der Permafrostboden in Sibirien zu tauen beginnt. Das Methan, das dadurch frei wird, ist für das Klima etwa siebzigmal schädlicher als Kohlendioxid und beschleunigt die Erwärmung weiter.</p>
<p><em>Was zu einem weiteren Abtauen führt.</em></p>
<p>Richtig. Und um einen solchen Teufelskreis zu durchbrechen, kann Geo-Engineering meiner Meinung nach eine geeignete Waffe sein. Geo- Engineering ist eine Art Notbremse, die Forschung daran ist wie eine Versicherungspolice. Wir sollten unser Haus gegen Feuer versichern &#8211; das darf aber nicht heißen, dass wir, sobald wir diese Versicherung haben, unsere Kinder dauernd mit Streichhölzern spielen lassen. Lassen Sie es mich deutlich sagen: Unser Energiesystem so umzustellen, dass wir die Atmosphäre nicht mehr als Müllkippe benutzen, ist wichtig. Aber ich fürchte, dass es dafür in vielerlei Hinsicht schon zu spät ist.</p>
<p><em>Was halten Sie vor diesem Hintergrund davon, dass Deutschland nach der Katastrophe in Fukushima wieder über einen Ausstieg aus der kohlendioxidneutralen Atomenergie nachdenkt?</em></p>
<p>Ich glaube nicht, dass es weltweit und dauerhaft ohne Atomkraft geht. Die UNO geht davon aus, dass Ende dieses Jahrhunderts rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Ich sehe keinen Weg, sie alle mit Solarstrom und Windenergie zu versorgen. Die Katastrophe in Fukushima war sicherlich schrecklich, trotzdem sollten wir Atomenergie nicht pauschal verdammen. Es gibt wenige Wege, große Mengen an Energie zu erzeugen, ohne gleichzeitig riesige Mengen an Kohlendioxid zu produzieren.</p>
<p><em>Man kann das Unglück in Japan als einen Beweis dafür auffassen, dass sich nicht jedes Problem, das durch Fortschritt entsteht, durch noch mehr und schnelleren Fortschritt lösen lässt.</em></p>
<p>Ich behaupte auch nicht, dass man jedes Problem durch technischen Fortschritt lösen kann. Aber wenn es mir zum Beispiel gelingt, durch meine Forschung eines Tages eine Überhitzung unseres Planeten und damit eine große Hungersnot zu verhindern, dann würde ich das als einen sinnvollen Einsatz von fortschrittlicher Technik sehen.</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=6o8wBo4R7ME">http://www.youtube.com/watch?v=6o8wBo4R7ME</a></p>
<p><em>Gegner der Schwefelmethode befürchten, dass sich statt des Bond-Gangsters »Goldfinger« ein voreiliger »Greenfinger« daranmacht, den Treibhauseffekt auf eigene Faust zu beenden.</em></p>
<p>Sollte ein Individuum so etwas auf eigene Faust versuchen, dann wäre es ein Leichtes, seine Anlage zu zerstören.</p>
<p><em>Aber wenn es kein Individuum ist, sondern ein Land wie Bangladesch oder Indonesien? Die sind, wenn die globale Erwärmung den Meeresspiegel weitersteigen lässt, in ihrer Existenz bedroht und bekommen sicherlich schnell zehn Milliarden Dollar für ein Abkühlungsprojekt wie den Schwefelschirm zusammen.</em></p>
<p>Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir diese Methoden erforschen und sich alle Staaten gemeinsam darüber Gedanken machen, wann wir sie in welchem Umfang einsetzen wollen. Die Ironie ist, dass die Länder, die aufgrund des steigenden Meeresspiegels den größten Anreiz hätten, sie einzusetzen, gleichzeitig auch die sind, die am meisten unter den Risiken leiden würden.</p>
<p><em>Inwiefern?</em></p>
<p>Wir haben das bisher nur mit Computermodellen erforscht, aber die Methoden zur Sonnenreflexion, über die ich gesprochen habe, würden zwar weltweit zu einer Abkühlung führen &#8211; vermutlich aber gleichzeitig in der Monsunregion für starke Trockenheit sorgen. Es gibt also immer auch Verlierer.</p>
<p><em>Im Internet kursiert ein Video, in dem Sie fragen, ob man achtzehn Menschen töten kann, wenn man damit 1800 das Leben rettet.</em></p>
<p>Ich erforsche auch Wirbelstürme und die Frage, wie man diese verhindern oder zumindest lenken kann. Gemeinsam mit Bill Gates habe ich einige Patente für eine Technik angemeldet, mit der man kaltes Wasser in höhere Ozeanschichten pumpt &#8211; so hoffen wir, irgendwann die Entstehung von Wirbelstürmen verhindern oder zumindest ihre Richtung beeinflussen zu können. Der Gedanke in dem Video war, ob man einen Sturm wie Katrina, der in New Orleans über 1800 Menschen das Leben gekostet hat, in eine ländliche Region in Mississippi umlenken darf, wo er vielleicht achtzehn Menschen tötet.</p>
<p><em>Beim Geo-Engineering ist die moralische Frage die gleiche. Was tut man, wenn man die klimatischen Bedingungen einer Minderheit verschlechtern muss, um sie für die Mehrheit zu verbessern?</em></p>
<p>Ich möchte diese Wahl weder im Falle eine Hurrikans treffen müssen noch im Falle globaler Klimamanipulationen, die Milliarden von Menschen betreffen. Ich will die Möglichkeiten erforschen &#8211; aber die Entscheidungen, ob und wann sie eingesetzt werden, sollen bitte bei jemand anderem liegen.</p>
<p>****</p>
<h2>Klimarettung leichtgemacht</h2>
<h3>Spiegelnde Untertassen? Schwefel? Oder doch Algenblüten? Fünf Ideen, um das Klima zu retten.</h3>
<h4>Wolken verdichten</h4>
<p><em>Die Idee:</em> Eine Flotte von 1500 Schiffen soll Propeller über das Meer ziehen, die Salzwasser aufwirbeln. Das führt zu mehr Feuchtigkeit in den Wolken, sodass diese dichter werden und mehr Sonnenlicht reflektieren.<br />
<em>Eher gut:</em> Es wird natürliches Meerwasser statt Chemie verwendet. Die Lösung des schottischen Ingenieurs Stephen Salter wäre vergleichsweise günstig.<br />
<em>Eher schlecht:</em> unter Umständen nicht effektiv genug.</p>
<h4>Eine Schwefelschicht erzeugen</h4>
<p><em>Die Idee:</em> Ken Caldeira (siehe Interview) favorisiert das Modell, Schwefelgas in die Stratosphäre zu pumpen, das dort oxidiert und einen Schutzschirm aus vielen winzigen Partikeln erzeugt, um Sonnenlicht zu reflektieren.<br />
<em>Eher gut:</em> eine der billigsten Methoden; schnell wirksam und theoretisch sofort umsetzbar.<br />
<em>Eher schlecht:</em> mögliche giftige Niederschläge; plötzliche Trockenheit in der Monsunregion.</p>
<h4>Mit Untertassen spiegeln</h4>
<p><em>Die Idee:</em> Der Astronomieprofessor Roger Angel von der University of Arizona schlägt vor, Sonnenlicht durch einen riesigen Spiegel im Weltall zu reflektieren, der aus unzähligen kleinen, miteinander nicht verbundenen Keramikscheiben besteht.<br />
<em>Eher gut:</em> Es wird keine zusätzliche Chemie in die Atmosphäre gepumpt, die irgendwann wieder runterkommen könnte.<br />
<em>Eher schlecht:</em> Man müsste zuerst riesige Kanonen bauen, um dann zehn Jahre lang Millionen von Keramikfrisbees in den Himmel zu schießen. Kosten: über 1000 Milliarden Dollar.</p>
<h4>Filterfabriken bauen</h4>
<p><em>Die Idee:</em> In einem Modell des kanadischen Energietechnikexperten David Keith filtern Gitter von der Größe mehrstöckiger Häuser das Kohlendioxid aus der Luft. Durch chemische Prozesse haftet das Kohlendioxid an der Struktur und wird später abgespült und vergraben.<br />
<em>Eher gut:</em> Statt nur künstlich die Temperatur des Planeten zu senken, wird tatsächlich Kohlendioxid abgebaut, also näher an der Ursache des Klimawandels gearbeitet.<br />
<em>Eher schlecht:</em> aufwendig; funktioniert nicht überall, sondern nur da, wo die Kohlendioxidkonzentration ohnehin hoch ist, beispielsweise in der Nähe von Fabriken oder Kohlekraftwerken.</p>
<h4>Das Algenwachstum fördern</h4>
<p><em>Die Idee:</em> »Gebt mir einen halben Tanker Eisen, und ich gebe euch eine Eiszeit«, lautet das vollmundige Zitat des verstorbenen Meeresforschers John Martin. Durch Düngung mit Eisen wollte er das Algenwachstum der Ozeane ankurbeln, die Algen ziehen dann durch Fotosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre.<br />
<em>Eher gut:</em> Algen wachsen schneller als Bäume; Eisen ist als Düngemittel sehr günstig.<br />
<em>Eher schlecht:</em> Ein Probelauf scheiterte, da sich die Algen zwar vermehrten, jedoch von Krebsen gefressen wurden, die sich durch das große Nahrungsangebot ebenfalls vermehrt hatten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Interview &amp; Text:</em> Christoph Koch<br />
<em>Erschienen in:</em> <a href="http://www.neon.de" target="_blank">NEON</a></p>
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		<title>Nie mehr Fußabtreter: Warum Neinsagen im Job so wichtig ist</title>
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		</div>
<p><em>Wer im Job auch mal Nein sagt, ist deshalb nicht gleich ein schlechter Kollege. Zu viele Jas können für die Karriere sogar schädlich sein.</em></p>
<p>In jeder Firma, in jedem Büro, in jeder Abteilung gibt es diese eine Person, die wie ein Magnet all die zusätzliche Arbeit anzieht, die sich in den Ecken versteckt, plötzlich vom Himmel fällt oder von den anderen schlichtweg übrig gelassen wird. Selbst neue Mitarbeiter, die noch nicht mal die Kaffeemaschine kapiert haben, wissen bereits, wer im Kollegenkreis die ideale &#8211; weil widerspruchsunfähige &#8211; Arbeitsabladedeponie ist. Sie durchschauen schnell, wer abends noch sitzt, wenn alle anderen schon längst ihre Computer heruntergefahren haben &#8211; und wem man die lästige Mail weiterleitet, die nur drei Zeilen lang ist, aber ebenso viele Stunden Arbeit verursacht.</p>
<p>Es ist schon schlimm genug, wenn man mit ansehen muss, wie einer nach dem anderen über die menschliche Fußmatte stampft. Noch schlimmer ist es, wenn man selbst diese Fußmatte ist. Berufsanfänger geraten schnell in diese Falle, wollen sie es doch gerne immer allen recht machen. Dem Chef &#8211; aber vielmehr noch den Kollegen. Denn die sind schließlich die, mit denen man die meiste Zeit verbringt und deren Wohlwollen einem wichtig ist.</p>
<p><span id="more-9529"></span></p>
<p>Doch wer sich zu oft von anderen einspannen lässt und immer zu allem Ja sagt, erhält nicht nur immer weniger Dank, er gerät auch schnell an seine Grenzen und hat irgendwann keine Energie mehr, sich um die eigenen Belange zu kümmern: sei es eine wichtige Fortbildung, das eigentliche Herzensprojekt &#8211; oder schlicht auch mal Freizeit und Erholung. Aber egal, wie fest man sich vornimmt, heute mal nur eine halbe Überstunde zu machen anstatt wie sonst immer zwei: Wenn am Nachmittag der gestresste Kollege mit irrem Blick reinkommt und in einem Redeschwall, der keine Widerworte zu dulden scheint, einen Stapel Papiere auf dem eh schon überfüllten Schreibtisch platziert, sind häufig alle guten Vorsätze dahin. Alles, was bleibt, ist ein leises »Aber ich wollte heute eigentlich &#8230;«, während die Bürotür ins Schloss klickt.</p>
<p>Nicht immer allerdings sind die Klagen, man sei der Fußabtreter, den das ganze Büro schamlos ausnutzt, auch gerechtfertigt. »Gerade in attraktiven und spannenden Berufen, ganz egal, ob beim Fernsehen oder in der Spitzengastronomie, kann ich keinen pünktlichen Feierabend erwarten«, warnt die Berufsberaterin Uta Glaubitz. »Leute, die das tun, sollen bitte in der Stadtbücherei arbeiten.« Die Berlinerin, die häufig Mittdreißigern beim Finden des Idealberufs hilft, rät, bei zusätzlicher Arbeit stets zu hinterfragen, ob man selbst etwas davon hat. »Wenn ich am Wochenende eine Sonderschicht schiebe, kann ich Verantwortung übernehmen, die ich im Tagesgeschäft nicht bekomme«, sagt sie. »Wenn ich aber immer nur derjenige bin, der die Spülmaschine ausräumt und andere nervige Tätigkeiten macht, die sonst alle liegen lassen, bringt mir das natürlich gar nichts.« Den Schuh des »Kollegenschweins« müsse man sich trotzdem nicht anziehen, findet die Berufsberaterin: »Vor allem Frauen sind gut darin, sich im Hintergrund dafür aufzureiben, dass ,alles rund läuft&#8217;. Dabei geht es im Job doch in erster Linie darum, etwas Sichtbares zu erreichen. Für die Firma, aber auch für sich selbst.« Aber was tun, wenn man wirklich nicht nur einfach viel zu tun hat, sondern darunter leidet, dass man systematisch ausgebeutet und von den Kollegen benachteiligt wird? Neinsagen kann man nicht nur lernen &#8211; man muss es sogar. Hier sind zehn Strategien und Tipps, wie es leichter gehen kann, das nächste Mal einem Kollegen abzusagen, der zu oft fragt »Kannst du nicht noch schnell?«</p>
<ol>
<li>Keine ausufernden und vor allem nicht mehrere unterschiedliche Begründungen liefern, warum man nicht aushelfen kann. Stattdessen kurz und prägnant bleiben, freundlich, aber bestimmt.</li>
<li>Nicht vertrösten &#8211; wer statt »Nein« nur ein »Ich muss mal gucken« hinbekommt, hat die Aufgabe schon zur Hälfte an der Backe. Denn je länger man mit dem Nein wartet, desto schwieriger wird es, seine Hilfe zu verweigern. Wer sich allerdings regelmäßig überrumpeln lässt, kann sich mit einem »Ich schau mal kurz in meinen Kalender, dann sage ich dir gleich Bescheid« eine kurze Konzentrationspause sichern &#8211; und dann Nein sagen.</li>
<li>Wer sich im Beruf unsicher fühlt, kann das Neinsagen auch an anderen Orten üben. Zum Beispiel im Hotel mal ein Zimmer ablehnen und nach einem anderen fragen &#8211; oder in einem überfüllten Café eine Stunde einen großen Tisch frei halten.</li>
<li>Sich von dem Gedanken verabschieden, man müsste jede Minute des Tages ein Teamplayer sein &#8211; vor allem, wenn man länger als eine halbe Minute nachdenken muss, bis einem einfällt, wann einem die Kollegen zum letzten Mal Arbeit abgenommen haben.</li>
<li>Nachdenken, woher der Wunsch rührt, es immer allen recht zu machen, und warum man allein aus Angst vor Konfrontation Dinge tut, die man nicht will.</li>
<li>Sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen &#8211; wenn der Dauerfrager nicht locker lässt, offen ansprechen, dass man sich ausgenutzt fühlt.</li>
<li>Niemand mag es, vor anderen brüskiert zu werden &#8211; deshalb diese Art Absage nicht in großer Runde, sondern besser unter vier Augen und vollkommen ruhig und sachlich vortragen.</li>
<li>Sich daran erinnern, dass, wer niemals Nein sagt, auch niemals befördert wird &#8211; denn wer soll denn dann die ganze Arbeit der jetzigen Kollegen machen?</li>
<li>Üben, üben, üben &#8211; das erste Nein ist immer das schwerste, aber mit der Zeit wird es einfacher. Und wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass man nicht mehr jeden Quatsch mit sich machen lässt, ist Neinsagen auch gar nicht mehr so oft nötig.</li>
<li> Auch zum Chef kann man Nein sagen: Wer regelmäßig mehr aufgehalst bekommt, als er bewältigen kann, sollte von seinem Vorgesetzten fordern, für jedes neue Projekt ein anderes aufschieben oder delegieren zu dürfen.</li>
</ol>
<p>Wer über sich hinauswächst und all die zusätzlichen Arbeiten wegbolzt, die an ihn herangetragen werden &#8211; oder sogar in vorauseilendem Gehorsam freiwillig unliebsame Lasten schultert -, wird von seinen Kollegen wenigstens als gutmütiges Heinzelmännchen geschätzt? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wissenschaftler der Washington State University fanden heraus, dass diejenigen, die sich stärker als nötig für eine Gruppe einsetzen und mehr geben, als sie nehmen, dafür nicht gemocht, sondern gehasst werden. »Wir haben die Testpersonen in Gruppen zusammenarbeiten lassen und sowohl mit sehr egoistischen Leuten konfrontiert als auch mit Leuten, die sehr altruistisch waren, also mehr gegeben als genommen haben«, erklärt Studienleiter Professor Craig Parks. »Anschließend haben wir sie gefragt, mit wem aus der Gruppe sie weiterhin zusammenarbeiten wollen und mit wem eher nicht.« Dass die Egoisten eher schlecht abschnitten, überraschte den Sozialpsychologen nicht. »Was uns aber umgehauen hat, war die Tatsache, dass diejenigen, die überdurchschnittlich viel für die Gruppe geopfert hatten, nicht nur rausgewählt wurden, sondern auch als extrem unsympathisch bewertet wurden. Und das, obwohl sich die Personen gar nicht begegnet waren, weil die Interaktion ausschließlich per Computer erfolgte.« Seine Erklärung: Wer mehr arbeite, gebe den Kollegen einfach das Gefühl, im Vergleich schlechter auszusehen &#8211; »außerdem mag scheinbar niemand einen braven Streber, der alle Aufgaben sofort erledigt.«</p>
<p>Wer sich von den Kollegen also ständig mit Arbeit überhäufen lässt, arbeitet nicht nur mehr (und meist karrieretechnisch Unrelevantes) &#8211; er wird dafür auch von genau diesen Kollegen verachtet. Vielleicht ganz gut, das im Kopf zu behalten, wenn es das nächste Mal darum geht, wirklich Nein zu sagen.</p>
<p><em>Text: Christoph Koch</em><br />
<em>Erschienen in: <a href="http://www.neon.de" target="_blank">NEON</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>“Facebook wirkt auf mich wie Kokain”: Schriftsteller Douglas Coupland im Interview</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 08:48:18 +0000</pubDate>
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			</a>
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<p><em>Der kanadische Schriftsteller Douglas Coupland (&#8220;Generation X&#8221;, &#8220;Microserfs&#8221;)&#8221; findet Hawaii langweilig, Facebook zu aufregend und Datenschutz irrelevant. Er fragt sich lieber, ob der technologische Fortschritt in einer säkularen oder einer religiösen Welt mündet. </em></p>
<p><strong><em>Herr Coupland, Sie prophezeien in einem Artikel, dass die Mittelschicht dem Untergang geweiht ist. Sind Sie wirklich ein solcher Pessimist?</em></strong></p>
<p>Das war eher eine Rolle, die ich testweise eingenommen habe. Ich wollte herausfinden, wo es hinführt, wenn man alles so pessimistisch wie möglich einschätzt. In den USA und Kanada gibt es die unausgesprochene Verpflichtung, alles positiv zu sehen. So wirklich scheint uns das aber nicht weiterzubringen. Deshalb wollte ich einmal eine andere Taktik ausprobieren. Eine gute Übung, ich kam dabei auf viele gute Ideen. Man darf nur nicht den Fehler machen und alles wörtlich nehmen.</p>
</div>
<div>
<p><strong><em>Sie sagen auch voraus: „Alles zu wissen, wird langweilig werden.“ Wie ist das gemeint?</em></strong></p>
<p>Ich habe mir die Quizshow der Zukunft vorgestellt, in der ein Musikstück angespielt wird und jeder Kandidat plötzlich sein iPhone herausholt, eine Musikerkennungs-App wie „Shazam“ startet und sofort sagen kann, dass das Edvard Grieg ist, gespielt vom Symphonieorchester Cincinnati. Dann stellt die Moderatorin plötzlich Fragen auf ungarisch, aber natürlich haben alle ein Instant-Übersetzungsprogramm in ihren Smartphones. Am Ende gewinnt der, der den schnellsten Prozessor hat und sein Telefon am besten bedienen kann.</p>
<div id="attachment_9539" class="wp-caption alignnone" style="width: 490px"><a href="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/Douglas_Coupland_c_Douglas_Tessler.jpg#utm_source=feed&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=feed"><img class="size-full wp-image-9539 " title="Douglas_Coupland_c_Douglas_Tessler" src="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/Douglas_Coupland_c_Douglas_Tessler.jpg" alt="" width="480" height="319" /></a><p class="wp-caption-text">Make-Out-Spot: Coupland vor seiner Kanu-Skulptur in Vancouver.</p></div>
<p><strong><em>Wäre es besser, wenn der gewinnt, der am meisten Fakten auswendig gelernt hat?</em></strong></p>
<p>Sie haben recht, in gewisser Weise macht das Smartphone alle Menschen gleich. Deutschland hat die höchste iPhone-Dichte auf der Welt. Jeder kann also alles wissen. Aber Allwissenheit ist eben gar nicht so interessant, wie man denkt: Man sitzt zusammen und stellt sich eine interessante Frage, und statt gemeinsam zu überlegen, holt inzwischen fast immer jemand sein Telefon raus und googelt schnell die Antwort.</p>
<p><span id="more-9517"></span></p>
<p><strong><em>Trotz ihrer iPhones gelten die Deutschen eher als skeptisch, was neue Technologien betrifft. Sie sind bei Baden-Baden geboren – haben Sie eine Erklärung, woher diese deutsche Skepsis kommt?</em></strong></p>
<p>Ich habe das auch schon bemerkt. Die Deutschen waren zum Beispiel die einzigen, die sich darüber aufregten, als Autos durch die Straßen fuhren und für Google Streetview Fotos von den Häuserfassaden machten. Ob das einen kulturellen Hintergrund hat? Keine Ahnung. Vielleicht sind viele Deutsche einfach deprimiert? Nein, das glaube ich nicht, im Vergleich zu den Dänen seid Ihr geradezu euphorisch. Andererseits muss man auch erkennen, dass Ihr Deutschen immer alles zuerst habt. Ihr lebt in einer Kultur, die von Forschung und Technik angetrieben wird – es ist also ein bisschen so, als wäre Deutschland eine Art Testlabor.</p>
<p><strong><em>Ein Labor für die Vernetzung und die Allgegenwart des Smartphones?</em></strong></p>
<p>Ja, so wie die Teenager, die von Computerspielfirmen drei Dollar pro Stunde bekommen, damit sie deren neue Produkte auf Fehler testen. Die Deutschen sind also so etwas wie die Probespieler für den Rest der Welt. Und bei jeder neuen technischen Entwicklung gibt es zuerst eine Achterbahnfahrt von übertriebener Glorifizierung und ebenso übertriebener Verurteilung. Nach einer Weile haben sich dann alle daran gewöhnt und keiner kann sich mehr daran erinnern, wie das Leben vorher war. Das war beim Buchdruck so, beim Fernsehen und beim Internet – und es wird bei allen weiteren Entwicklungen auch so sein.</p>
<p><strong><em>Ein deutscher Datenschützer wollte Facebook das Einsammeln von Nutzerdaten auf Internetseiten verbieten.</em></strong></p>
<p>Solche kurzfristigen Debatten sind in ihrer Irrelevanz geradezu lustig. In ein paar Jahren wird es ein Speichermedium geben, auf dem die Vorlieben jedes Menschen gespeichert sind. Es wird in die Hosentasche passen und in jedem Supermarkt für 79 Cent zu kaufen sein. Das wird so oder so passieren, das ist technologischer Determinismus. Es hat einen gewissen Charme zu glauben, dass man solche Dinge regulieren kann. Es ist so, als hätte man sich in den fünfziger Jahren Gedanken darüber gemacht, wie groß eine Fernsehantenne auf dem Dach sein kann. Das sind Fragen, die sich ganz von selbst erledigen.</p>
<p><strong><em>Sie sagen das relativ emotionslos.</em></strong></p>
<p>In den letzten zehn Jahren hat sich so viel verändert – und das meine ich gar nicht in Bezug auf den 11. September 2001. Es wurden einfach so viele bahnbrechende Entwicklungen auf uns losgelassen, dass wir geistig immer noch nicht aufgeholt haben. Das Internet verändert die Politik, das Smartphone verändert unser Zusammenleben. Es wäre interessant, wenn unsere Gesellschaft sich eine einjährige Pause von allen neuen Erfindungen verordnen könnte, damit man erst mal Zeit hat, gesellschaftliche Konventionen für die Entwicklungen der letzten zehn Jahre zu finden. Doch diese Pause kann es natürlich nicht geben.</p>
<p><strong><em>Wie können wir stattdessen mit diesem Tempo und all den neuen Anforderungen fertigwerden?</em></strong></p>
<p>Ich habe gerade eine Biografie des kanadischen Kommunikationstheoretikers Marshall McLuhan geschrieben. Ich kannte vorher nur seine beiden Slogans „The medium is the message“ und sein Bild vom „globalen Dorf“. Dann habe ich gemerkt, wie präzise er schon vor 50 Jahren unsere heutige Welt vorhergesehen hat, inklusive Sachen wie eBay, Paypal, Twitter und so weiter. Er sagt, das beste, um mit den Veränderungen durch eine neue Technik klarzukommen, ist wiederkehrende Muster zu erkennen. Als Beispiel verwendet er die Geschichte „Sturz in den Mahlstrom“ von Edgar Allan Poe. Darin überlebt ein Seemann einen gewaltigen Strudel nur, weil er beobachtet, welchem Muster der Strudel folgt. Mein Trick, um heutzutage nicht verrückt zu werden, ist also, nach wiederkehrenden Mustern zu suchen – wie zum Beispiel der Achterbahnfahrt aus Glorifizierung und übertriebener Vorsicht.</p>
<p><strong><em>Sehnen Sie sich manchmal nach dem Jahr 1991, in dem Sie Ihr Debüt „Generation X“ geschrieben haben und Internet und Smartphones noch weit weg waren?</em></strong></p>
<p>Nein, um Gottes Willen! Ich möchte nicht in diese Zeit zurückkehren. Rückblickend ist es lustig, wie meine ersten Bücher wahrgenommen wurden. Meine Protagonisten waren immer sehr unideologisch und vorwiegend an Oberfläche, an Popkultur und Konsum interessiert – und viele waren absolut entsetzt über diese Leere. Vor allem für die Linke war ich eine Zeitlang ein absolutes Feindbild. Wenn man „Generation X“ heute liest, kommt es einem beinahe harmlos vor. Ich denke mir oft, ich hätte es viel mehr auf die Spitze treiben können.</p>
<div id="attachment_9541" class="wp-caption alignnone" style="width: 490px"><a href="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/coupland_strasse_480.jpg#utm_source=feed&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=feed"><img class="size-full wp-image-9541" title="coupland_strasse_480" src="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/coupland_strasse_480.jpg" alt="" width="480" height="480" /></a><p class="wp-caption-text">Besenrein: Douglas Coupland bastelt Berlin-Schriftzug aus Bauschutt. Immer diese Künstler.</p></div>
<p><strong><em>Man hat der Jugend immer wieder vorgeworfen, dass sie so ist, wie Sie sie beschreiben: hedonistisch, konsumfixiert, ohne Ideale. In diesem Jahr erleben wir vom arabischen Frühling bis zu Unruhen in England, Spanien und Israel, wie die Jugend in der ganzen Welt auf die Straße geht. Welche Erklärung haben Sie dafür?</em></strong></p>
<p>Sie haben einfach uneingeschränkten Zugang zu Informationen und können sich vernetzen. Das kann zu Ergebnissen führen, die wir begrüßen – wie in Ägypten, aber eben auch zu den Blackberry-Riots in England. Die immer schnelleren, einfacheren und billigeren Vernetzungsmöglichkeiten führen zu einer Tribalisierung, zur Bildung von Stämmen. Diese Stämme müssen nicht aggressiv sein, es können auch Leute aus aller Welt sein, die nichts gemeinsam haben, außer sich für Lakritzstangen zu interessieren. Jede Form von Zusammenschluss wird durch die neuen Technologien vereinfacht und verstärkt.</p>
<p><strong><em>Wohin wird diese Entwicklung führen?</em></strong></p>
<p>Ich bin sehr neugierig auf die Welt in 100 Jahren, und es nervt mich extrem, dass ich sie nicht mehr erleben werde. Die Frage ist, ob der technologische Fortschritt in einer säkularen oder einer religiösen Welt mündet.</p>
<p><strong><em>Ihr Tipp?</em></strong></p>
<p>Das ist noch nicht entschieden. Gerade wenn man denkt, Technologie bedeute Aufklärung, kommen religiöse Fanatiker und kapern diese Technologie. So wie gerade die „birthers“, diese Verschwörungstheoretiker, die anzweifeln, das Barack Obama US-Staatsbürger ist. Was für Idioten! Wir neigen dazu anzunehmen, dass das Internet und andere Technologien automatisch die Demokratie fördern. Doch das stimmt nicht. In manchen Fällen mögen sie das tun – Menschen können Facebook und Twitter nutzen, um einen Aufstand gegen ein totalitäres Regime zu organisieren. Doch dieses Regime kann dieselben Werkzeuge benutzen, um diese Dissidenten zu identifizieren.</p>
<p><strong><em>Sind Sie bei Facebook angemeldet?</em></strong></p>
<p>Es war ein bewusster Entschluss, mich dort nicht anzumelden. Ich war mein ganzes Leben noch nie auf Facebook – bis vor genau zwei Tagen. Es war fantastisch!</p>
<p><strong><em>Was passierte da?</em></strong></p>
<p>Ich saß mit drei Freunden zusammen, und einer von ihnen wollte es mir zeigen. Also loggte er sich ein und zeigte mir seine Freundesliste. „Da, den kenne ich!“ sagte ich. „Ach, der ist gerade in Urlaub. Oh, der ist ja mit dem anderen Typen befreundet, den ich auch kenne. Das ist ja spannend!“ Mein Kopf fühlte sich kurz so an, als würde er gleich explodieren – es war genauso, wie sich das erste Mal eine Linie Kokain in die Nase zu ziehen. Ich habe in meinem Leben die meisten Drogen gemieden, einfach weil ich weiß, dass sie mir zu gut gefallen würden. Facebook ist dasselbe: Wenn ich mich vorgestern selbst angemeldet hätte, würde ich jetzt immer noch davorsitzen.</p>
<p><strong><em>Beim Mikrobloggingdienst Twitter sind Sie dafür ab und zu aktiv. Keine Suchtgefahr?</em></strong></p>
<p>Da schreibe ich ja nur einmal pro Woche was rein.</p>
<p><strong><em>Ich habe ein paar Ihrer Meldungen mitgebracht. Verraten Sie uns, was da jeweils los war?</em></strong></p>
<p>Gerne, das klingt interessant.</p>
<p><strong><em>Vom 12. März gibt es einen solchen Tweet: „Moderne Autos schwimmen wirklich gut.“</em></strong></p>
<p>Nein, das habe ich nicht geschrieben. Sie müssen sich verlesen haben &#8230; Hat jemand mein Twitterkonto gehackt? &#8230; Ah, jetzt fällt es mir wieder ein! Das war nach dem Tsunami in Japan. Auch wenn das vielleicht zynisch klingt – ich sah diese Autos wie Eiswürfel im Wasser treiben und mein erster Gedanke war: „Moderne Autos schwimmen wirklich gut.“</p>
<p><strong><em>Am 3. Juni schrieben Sie: „Man sollte keine Flugtickets kaufen, wenn man betrunken ist!“</em></strong></p>
<p>Oh ja. Ich hatte betrunken Flugtickets im Internet bestellt und mit dem Datum nicht aufgepasst. Als ich am nächsten Tag umbuchen wollte, ging es natürlich nicht, weil sie so billig gewesen waren.</p>
<p><strong><em>Waren es Tickets für eine Urlaubsreise?</em></strong></p>
<p>Ich mache nie Urlaub. Das Konzept von Urlaub bedeutet für mich, dass ich mit meinem normalen Leben unglücklich bin. Das bin ich nicht. Ich finde mein Leben prima. Ich war ein einziges Mal in meinem Leben im Urlaub: fünf Tage auf Hawaii. Ich lag im Pool, man brachte mir Wodka Tonic, und ich fühlte, wie mein Hirn langsam zu Matsch wurde. Es war toll, aber nach fünf Tagen wusste ich, wie sich Urlaub anfühlt und flog wieder nach Hause.</p>
<p><strong><em>Wie viel Zeit verbringen Sie im Internet?</em></strong></p>
<p>Ganz unterschiedlich, aber weniger als Sie vermutlich denken. Ich lese zum Beispiel fast keine Blogs.</p>
<p><strong><em>Sie schreiben mit 50 immer noch über Menschen in ihren Zwanzigern – aber es wirkt immer sehr authentisch. Wo recherchieren Sie?</em></strong></p>
<p>Mein Buch „The Gum Thief“ spielt in einer Staples-Filiale in Nord-Vancouver. Dieser Laden für Bürobedarf an der Ecke Capilano and Marine Drive ist für mich der langweiligste Ort der Welt, das sehe ich als wissenschaftlich erwiesen an. Die Herausforderung ist also, dort eine spannende Geschichte spielen zu lassen. Aber ich kaufe dort nur meine Druckerpatronen und Büroklammern wie alle anderen auch und sehe mir dabei die Leute an, die dort arbeiten. Doch das Schöne an Romanen ist ja, dass man sich so viel ausdenken kann, man muss gar nicht so viel recherchieren.</p>
<p><strong><em>Machen Sie sich Notizen?</em></strong></p>
<p>Ich habe mir 15 Jahre lang sehr akribisch welche gemacht. Möglichst in Druckbuchstaben! Alles, was ich in Schreibschrift schreibe, lese ich später nicht mehr, selbst wenn es der beste Gedanke der Welt ist. Ebenso wenig wie alle Notizen, die ich in mein Handy speichere. Irgendwann habe ich dann jedoch ganz aufgehört, mir Dinge zu notieren.</p>
<p><strong><em>Warum?</em></strong></p>
<p>Ich wusste, wie es geht, sich eine Notiz zu machen, also konnte ich mir auch welche ausdenken. Bisher scheint es ganz gut zu funktionieren.</p>
<p><strong><em>Wie haben sich Ihre Schreibgewohnheiten geändert, seit Sie vor 20 Jahren „Generation X“ geschrieben haben?</em></strong></p>
<p>Ich war früher eine echte Nachteule und habe alles zwischen Mitternacht und zwei Uhr morgens geschrieben. Vor acht Jahren dann, zack! Jetzt schreibe ich nur morgens – das heißt für mich etwa zwölf Uhr mittags. Dann habe ich zwei Stunden, um etwas hinzukriegen. Wenn es bis dahin nicht passiert, passiert es gar nicht mehr. Nachmittags arbeite ich lieber an meinen Bildern und Skulpturen.</p>
<p><strong><em>Eines Ihrer Kunstwerke – ein großes rotes Kanu, das Sie in Toronto aufgestellt haben – ist gerade beim Wettbewerb eines Kondom-Herstellers in die Top Ten der Plätze gewählt worden, an denen man in Toronto Sex haben kann. Freuen Sie sich darüber?</em></strong></p>
<p>Und wie! Ich bin stolz darauf, denn das Ding steht in der Nähe des Gardiner Expressway – und immer wenn die Leute jetzt diese Stadtautobahn entlangfahren, denken sie an Sex. Das ist doch großartig!</p>
<p><strong><em>Haben Sie das geahnt, als Sie die Skulptur entworfen haben?</em></strong></p>
<p>Absolut. Mir war immer klar, dass es die Leute für diesen Zweck nutzen würden. Erstaunlich, dass die Stadt Toronto es aufgestellt hat.</p>
<p><strong><em>Auf Ihrer Lesung in Berlin hat der Moderator erzählt, dass Sie Flaschen von deutschen und japanischen Waschmitteln sammeln. Wie kam es dazu?</em></strong></p>
<p>Sammeln Sie gar nichts? Sollten Sie aber. In zehn Jahren schauen Sie sich dann an, was Sie gesammelt haben, und ich verspreche Ihnen, Sie werden etwas über sich selbst erfahren.</p>
<p><strong><em>Was haben Sie durch das Sammeln von Waschmitteln über sich erfahren?</em></strong></p>
<p>Ich habe erfahren, dass ich sie nicht alle auf einmal in die Dusche meines Hotelzimmers entleeren sollte, wie ich es vor zehn Jahren in Hamburg gemacht habe. Ich hatte einen halben Supermarkt leergekauft und vor dem Heimflug alles ausgeleert – leider kam kurz darauf Schaum aus sämtlichen Waschbecken im ganzen Hotel.</p>
<p><em><strong>Eine ausführlichere Version des Gesprächs ist als Bonuskapitel in der Taschenbuchausgabe meines Buchs &#8220;<a href="http://www.randomhouse.de/Paperback/Ich-bin-dann-mal-offline-Ein-Selbstversuch-Leben-ohne-Internet-und-Handy/Christoph-Koch/e348980.rhd" target="_blank">Ich bin dann mal offline &#8211; Leben ohne Internet und Handy</a>&#8221; enthalten. (Bei Amazon <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442375916/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=chrikochwollg-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3442375916" target="_blank">bestellen</a> / bei Apple iBooks <a href="http://itunes.apple.com/de/book/ich-bin-dann-mal-offline/id385349984?mt=11" target="_blank">bestellen</a> / als Kindle eBook <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B004P1JCXQ/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=chrikochwollg-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B004P1JCXQ" target="_blank">bestellen</a>)</strong></em></p>
<p><em>Douglas Coupland, 49,geboren auf einer Nato-Basis in Deutschland, studierte Bildhauerei in Vancouver. 1991 wurde sein Roman „Generation X“ ein Welterfolg; „Newsweek“ nannte ihn </em><br />
<em>„das Porträt einer Jugend mit zu vielen Fernsehern und zu wenig Arbeit“. Auf Deutsch erschien von ihm zuletzt „J Pod“ (Tropen Verlag)</em></p>
<p><em>Interview: Christoph Koch</em><br />
<em>Erschienen in: Tagesspiegel<br />
Fotos: Martin Tessler / Christoph Koch </em></p>
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		<title>Vorsicht, Würstchenfalle! Warum ein Ultimatum im Job selten etwas bringt</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 16:55:23 +0000</pubDate>
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<p><em>Wer seinem Chef das Messer auf die Brust setzt, bekommt manchmal sogar, was er verlangt. In vielen Fällen ist ein Ultimatum zu stellen aber das Dümmste, was man im Job &#8211; und im Alltagsleben &#8211; machen kann.</em></p>
<p>Das erste Mal konnte Charlie Sheen der Würstchenfalle noch entgehen. Sein Sender CBS hatte ihm im Jahr 2010 zunächst 48 Millionen Dollar für die nächsten zwei Staffeln der Erfolgsserie »Two And A Half Men« geboten &#8211; eine Million pro Folge. Doch der Schauspieler wollte mehr. »Ich war auf dem Weg zu einem Basketballspiel der L.A. Lakers«, erzählt Charlie Sheens Manager Mark Burg im US-Magazin »Vanity Fair« über den damaligen Deal. Das Angebot des Senders lag inzwischen bei 72 Millionen &#8211; 1,5 Millionen pro Folge. »Ich telefonierte mit Charlie, während ich ins Stadion ging, und er sagte: ,Vergiss es! Richte ihnen aus, ich will hundert Millionen oder ich mach es nicht.&#8217; Ich dachte mir nur: Hoffentlich weiß er, was er tut.« Die Absage wurde den Fernsehbossen mitgeteilt, während im Stadion die Nationalhymne lief &#8211; und noch bevor das Spiel angepfiffen wurde, erhöhten diese ihr Angebot auf hundert Millionen Dollar und machten damit den eigentlich überschaubar begabten Darsteller Charlie Sheen zum bestbezahlten Fernsehschauspieler der Geschichte.</p>
<p><a href="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/The-original-Two-and-a-Half-Men.jpg#utm_source=feed&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=feed"><img class="alignnone size-full wp-image-9535" title="The original Two and a Half Men" src="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2012/01/The-original-Two-and-a-Half-Men.jpg" alt="" width="480" height="328" /></a></p>
<p>Eine bizarre Geschichte von Nervenstärke und Kaltblütigkeit &#8211; trotzdem sollte sie nicht unbedingt als Ansporn dienen, morgen ins Büro des Chefs zu poltern und mit einem Cocktailglas in der Hand eine Gehaltserhöhung zu fordern. Und zwar verbunden mit der Drohung, dass der Chef sich andernfalls zum nächsten Ersten ja einen anderen Trottel suchen könne. Klar, es kann passieren, dass der Chef einem devot lächelnd zuprostet und noch einen Dienstwagen obendrein zusagt &#8211; man habe schließlich arg gerackert im letzten Jahr. Doch die Gefahr ist größer, dass einem der Chef stattdessen freundlich die Tür weist. Sei es, weil er nicht in der Lage ist, mehr Geld auf den Tisch zu legen. Oder sei es, weil er keine Lust hat, sich unter Druck setzen zu lassen.</p>
<p><span id="more-9511"></span></p>
<p>Willkommen in der Würstchenfalle: Wer mit der Kündigung droht, falls er nicht bekommt, was er will, steht entweder ohne Job da. Oder er behält seinen Job und bleibt &#8211; und steht dann da wie ein Würstchen. »Dem Chef ein Ultimatum zu stellen, ist immer eine schlechte Idee &#8211; nur eine Drohung ist noch dümmer«, sagt George Kohlrieser, Dozent für Organisationspsychologie an der Privatuniversität IMD in Lausanne. »Denn die Sache mit Drohungen ist die: Sie funktionieren nie.« Kohlrieser hat als Polizeipsychologe jahrelang mit Geiselnehmern verhandelt. Viermal befand er sich selbst als Geisel in der Hand von bewaffneten Fremden. »In Geiselverhandlungen wird nie gedroht: ,Kommen Sie raus, sonst verhaften wir Ihre Familie und bombardieren Sie mit Tränengas!&#8217; So etwas bringt nichts. Und genauso wenig bringt es, Ihrem Chef mit einer Kündigung zu drohen.« Über die Gemeinsamkeiten von Geiselverhandlungen und geschäftlichen Deals hat Kohlrieser ein Buch geschrieben. Es heißt »Gefangen am runden Tisch« (Wiley Verlag), und einige der Mechanismen, die er darin beschreibt, können auch dabei helfen, nicht in der Würstchenfalle zu landen. »Ihren Chef unter Druck zu setzen, funktioniert allenfalls sehr kurzfristig, wenn er zum Beispiel gerade in einer akuten Notlage ist«, sagt Kohlrieser. »Besser ist es immer, Fragen zu stellen. Zu versuchen, die andere Person zu verstehen und ihren Fokus auf ein positives Ergebnis und ein gemeinsames Ziel zu lenken.« So soll der Geiselnehmer nicht darüber nachdenken, dass er für den Rest seines Lebens hinter Gitter muss, wenn er jetzt aufgibt.</p>
<p>Sondern dass er dadurch Leben rettet, wahrscheinlich auch sein eigenes. »Im Falle des Chefs kann es hilfreich sein, seinen Fokus weg von dem Geld zu lenken, das er mehr bezahlen soll, und stattdessen auf den guten Mitarbeiter, den er dadurch motivieren kann.« Natürlich muss es bei einem Ultimatum, das man seinem Chef stellt, nicht immer nur um mehr Geld gehen. Jede Art von Unzufriedenheit kann dazu führen, dass einem irgendwann der Kragen platzt und man ihn vor die Wahl stellt: Entweder ich bekomme ein Einzelbüro / eine Halbtagsstelle / mehr Anerkennung / diese eine Fortbildung / ein anderes Team &#8211; oder ich sehe mich gezwungen, mich woanders zu verwirklichen.</p>
<p>Doch selbst wenn man mit einem solchen Vorgehen Erfolg hat, kann dieser Erfolg zum Reinfall werden: »Auch falls der Chef Ihnen das gibt, was Sie haben wollen, weil er nicht auf Sie verzichten kann &#8211; er wird sich merken, dass Sie ihn so in die Enge getrieben haben. Er wird sich vorgeführt fühlen. Und das wird er so schnell nicht vergessen«, sagt Bruce Tulgan, amerikanischer Jobcoach und Autor der Bücher »Einer muss der Chef sein« und »It`s Okay to Manage Your Boss«. »Der zweite Grund, der gegen diese Methode spricht: Wer mit Druckmitteln erfolgreich ist, hat einen schwachen Chef. Und wer will sich schon an einen schwachen Chef binden?« Und nicht zuletzt, sagt Tulgan, sollte man auch an seinen eigenen Ruf denken: »Auch wenn Sie schon einen anderen Job in Aussicht haben &#8211; so ein Ultimatum hinterlässt nie einen guten Eindruck. Wenn Sie Pech haben, hängt Ihnen plötzlich in der ganzen Branche ein Ruf als maßloser Erpresser an, der nie zufrieden ist.« Nun können sich Karrierecoachs, die ja Freiberufler sind, nicht immer vorstellen, wie sehr ein Chef nerven kann. Wie sehr wir in unseren Jobs zuweilen unterschätzt, unterbezahlt oder unterfordert werden. Deshalb kommt es ja zu Situationen, in denen wir alle guten Ratschläge ignorieren &#8211; und uns mit pochender Halsschlagader mitten hinein in die Würstchenfalle begeben. Die Frage ist: Kann man der Falle dann irgendwie entkommen, gibt es einen Weg zurück? »Es fängt mit einer aufrichtigen Entschuldigung an &#8211; man muss um Verzeihung bitten«, sagt George Kohlrieser, der Verhandlungsexperte. »Wir reden in der Arbeitswelt nicht gerne von Verzeihung. Aber wenn sich eine Person in ihrem Vertrauen beleidigt fühlt &#8211; der Chef zum Beispiel, wenn Sie ihm drohen -, dann muss er Ihnen verzeihen, damit Sie wieder friedlich zusammenarbeiten können. Sie ich kündigen und Sie verklagen«, sagt Bruce Tulgan. Wie bei einem gewalttätigen Beziehungspartner ist es dann aber essenziell, diese Ankündigung im Ernstfall auch ohne zu zögern wahr zu machen.</p>
<p>Aus Sicht der Karriereberaterin Doris Brenner muss die Situation gar nicht eskalieren: »Wichtig ist, dass Sie es vorher in einem weniger bedrohlichen Ton versucht haben. Wenn Sie zum Beispiel tatsächlich nicht marktgerecht bezahlt sind, dies belegen können und der Chef Ihnen trotzdem kein Gehör schenkt. Sollte Ihnen dann ein besseres Angebot vorliegen, ist es ein Zeichen von Fairness, den Chef zumindest vorher zu informieren und ihm eine letzte Chance zu geben, bevor Sie klammheimlich abhauen.« Auch dabei sei es jedoch wichtig, sachlich statt emotional zu argumentieren und stets zu betonen, dass es nicht um Erpressung geht, sondern um Transparenz, und dass einem an der gemeinsamen Arbeit liegt. Auch Brenner setzt wie Kohlrieser auf die Macht der Fragen: »Besser als jedes Ultimatum ist es, Ihren Chef zu fragen, ob er mit Ihrer Arbeit zufrieden ist. Wenn er das nicht ist, sollten Sie sich sowieso nach einem neuen Job umsehen. In den meisten Fällen wird er es aber sein &#8211; dann erklären Sie ihm sachlich, womit Sie unzufrieden sind, und fragen ihn, was er selbst für Ideen hat. Wecken Sie seinen Ehrgeiz, selbst Lösungen zu finden.« Am Ende landete Charlie Sheen dann doch in der Würstchenfalle. Nicht nur forderte der Schauspieler noch mehr Geld, seine Arbeitgeber konnten auch seine Hasstiraden gegen Kollegen und Vorgesetzte nicht länger tolerieren.</p>
<p>Sheen, der immer darauf gebaut hatte, für den eher simpel gestrickten Quotenrenner »Two And A Half Men« unverzichtbar zu sein, stand plötzlich auf der Straße. Ein paar Web-TV-Shows, zwei verschlissene Pornogeliebte und eine gefloppte Livetournee später war von ihm bei einem Auftritt in der Radio City Music Hall in New York nur noch ein kleinlautes »Ich will meinen Job zurück« zu vernehmen. Doch die Falle ist zu. Die Serienschreiber lassen Sheens Charakter in der Show von der Pariser Metro überrollen.</p>
<p><em>Text: Christoph Koch</em><br />
<em>Erschienen in: <a href="http://www.neon.de" target="_blank">NEON</a> </em></p>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 09:14:45 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nach einem 40 Jahre dauernden Siegeszug könnte bald das Ende der E-Mail bevorstehen. Auf rund 40.000 Benutzer des Google-Dienstes Gmail wartete Anfang des Jahres ein morgendlicher Schock. Als sie ihre elektronischen Postfächer öffneten, waren diese leer gefegt. Liebesbriefe, Geschäftsabsprachen – alles weg. Ein Serverausfall hatte die Katastrophe verursacht, eine Datenrettung war nur mühsam möglich und [...]
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<p><em>Nach einem 40 Jahre dauernden Siegeszug könnte bald das Ende der E-Mail bevorstehen.</em></p>
<p>Auf rund 40.000 Benutzer des Google-Dienstes Gmail wartete Anfang des Jahres ein morgendlicher Schock. Als sie ihre elektronischen Postfächer öffneten, waren diese leer gefegt. Liebesbriefe, Geschäftsabsprachen – alles weg. Ein Serverausfall hatte die Katastrophe verursacht, eine Datenrettung war nur mühsam möglich und dauerte mehrere Tage. Das Interessanteste an dem Zwischenfall: Für immer mehr Menschen unter 30 ist es gar nicht mehr dramatisch, wenn das E-Mail-Postfach zeitweilig stillgelegt ist. Sie kommunizieren längst ganz anders. US-Teenager versenden laut einer Studie der Marktforschungsfirma Nielsen mittlerweile 3339 SMS-Nachrichten pro Monat, dazu kommen Instant-Messenger-Chats sowie Facebook und andere Soziale Netzwerke, auf denen sie sich schneller, öfter und informeller mitteilen können.</p>
<p><a href="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/Bildschirmfoto-2011-11-13-um-11.11.40.png#utm_source=feed&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=feed"><img class="alignnone size-full wp-image-8460" title="Bildschirmfoto 2011-11-13 um 11.11.40" src="http://www.christoph-koch.net/blog/wp-content/uploads/2011/11/Bildschirmfoto-2011-11-13-um-11.11.40.png" alt="" width="480" height="290" /></a></p>
<p>Eine Universität in Boston hat bereits aufgehört, neuen Studenten eine E-Mail-Adresse zuzuweisen. »Sie haben die Konten in der letzten Zeit kaum noch genutzt«, sagt eine Sprecherin. »Ihr Leben findet inzwischen anderswo statt.« Die amerikanische Internetforscherin <a href="http://www.danah.org/" target="_blank">danah boyd</a>, die sich seit Jahren mit der Mediennutzung von Jugendlichen beschäftigt, kommt zu dem gleichen Ergebnis. »Es gibt zur E-Mail keine emotionale Bindung mehr«, schreibt sie in ihrem Blog. »Aber wenn man den jungen Menschen ihre Handys oder Chat-Programme wegnimmt, werden sie nervös und beklagen sich, man hätte ihr Leben ruiniert.«</p>
<p><span id="more-8456"></span></p>
<p>Für die Facebook-Generation ist eine E-Mail in etwa so förmlich wie ein Brief auf Papier. Doch nicht nur Teenager wenden sich vom @-Zeichen ab: Laut einer Studie des US-Marktforschers ComScore hat sich die E-Mail-Nutzung 2010 in den USA um acht Prozent verringert. Bei den 12- bis 17-Jährigen fiel die Abwanderung mit 49 Prozent am stärksten aus, aber selbst die 45- bis 54-Jährigen mailten zwölf Prozent weniger.</p>
<p>Früher, als man sich mühsam über die Telefonbuchse ins Internet einwählen musste, war die E-Mail perfekt. Heute sind alle immer online – mit der DSL-Flatrate oder mit dem Smartphone. Man kann also auch digital in Echtzeit kommunizieren, sei es über Sprach-Chat oder Videokonferenz. Warum noch eine Mail mit dem lustigen YouTube-Link oder den Urlaubsfotos verschicken, wenn man dasselbe auf seiner Facebook-Seite oder bei MeinVZ einstellen kann?</p>
<p>Die Bürowelt galt lange als letzte Bastion der Mails, hier musste es schließlich noch seriöser zugehen als auf Onlinenetzwerken wie wer-kennt-wen.de oder Jappy. Doch auch hier findet ein Umdenken statt: Der französische <a href="http://atos.net/en-us/" target="_blank">IT-Dienstleister Atos</a> kündigte Anfang Februar an, binnen dreier Jahre komplett auf E-Mails zu verzichten. »Die Masse der E-Mails, die wir verschicken und erhalten, ist wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll«, sagte Atos-Chef Thierry Breton. »Manager verbringen 5 bis 20 Stunden pro Woche damit, sie zu lesen oder zu schreiben. E-Mails sind nicht mehr der beste Weg, eine Firma zu organisieren und Geschäfte zu machen.« Andere Firmen, vom Chiphersteller Intel bis zu einer Hamburger Logistikfirma, haben bereits Mail-freie Tage eingeführt.</p>
<p>In der Tat verhindern Video-Chats wie Apple Facetime oder Skype die Missverständnisse, die in Mails lauern können – weil man sich gegenseitig hört und sieht, auch wenn man am anderen Ende der Welt sitzt. Sogenannte Wikis – also Plattformen, auf denen mehrere Autoren einen gemeinsamen Text bearbeiten können – eignen sich besser, um im Team zum Ergebnis zu kommen, als dutzendfaches Mail-Pingpong. Webseiten wie <a href="http://doodle.com/" target="_blank">Doodle</a> oder <a href="http://polldaddy.com/" target="_blank">Polldaddy</a> erleichtern es Gruppen, Termine oder Entscheidungen abzustimmen ohne nervige Rundmails und Rückfragen.</p>
<p>Denn jeder, der schon einmal eine Mail mit der Betreffzeile: »AW: AW: AW: AW: AW: AW: AW: Mittagessen« bekommen hat, wird Ray Tomlinson verflucht haben – ohne den Mann zu kennen. Doch er war es, der vor 40 Jahren die E-Mail erfand. Sie hatte ein langes und erfülltes Leben.</p>
<p><em>Text &amp; Sreenshot: Christoph Koch</em><br />
<em>Erschienen in: ZEIT Magazin</em></p>
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		<title>Aufblasbare Ameisen und aufgesaugte Bettwanzen: Die besten Suchbegriffe im September und Oktober 2011</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:28:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>christophkoch</dc:creator>
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<p><em>Neues aus der wundersamen Welt der Google-Sucher.</em></p>
<ul>
<li>aufblasbare ameise</li>
<li>schluss machen auf anrufbeantworter</li>
<li>verrückte amerikaner</li>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 09:13:50 +0000</pubDate>
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<p>Interessante Kampagne eines belgischen Netzbetreibers: Wer ein Wochenende lang offline bleibt, kann große Weihnachtspreise gewinnen. Was? Na, Handys, Computer und Fernseher natürlich. </p>
<p>Schöne Idee, oder?
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		<title>Frage an das Hive-Mind: Wen fändet Ihr als Hörbuchsprecher gut für ein "erzählendes…</title>
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		<comments>http://www.christoph-koch.net/2011/11/08/frage-an-das-hive-mind-wen-fandet-ihr-als-horbuchsprecher-gut-fur-ein-erzahlendes/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 15:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>christophkoch</dc:creator>
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<p>Frage an das Hive-Mind: Wen fändet Ihr als Hörbuchsprecher gut für ein &quot;erzählendes Sachbuch&quot;, wie man heutzutage sagt? So freundlich meets seriös?
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		<title>Lesungstermine, Linktipps, Textempfehlungen – jetzt auch hier bei Google+</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 12:48:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>christophkoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wollt grad sagen]]></category>
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<p>Lesungstermine, Linktipps, Textempfehlungen &#8211; jetzt auch hier bei Google+
<p style='clear:both;'>
<p style='margin-bottom:5px;'><strong>Embedded Link</strong></p>
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												</div>
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												Leben ohne Internet und Handy &#8211; ein Selbstversuch (Blanvalet Verlag)
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		<title>Die (vermutlich) jüngste Leserin der koreanischen Ausgabe von "Ich bin dann…</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/ChristophKoch/~3/54V7JLo1QCI/</link>
		<comments>http://www.christoph-koch.net/2011/11/04/die-vermutlich-jungste-leserin-der-koreanischen-ausgabe-von-ich-bin-dann/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 07:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>christophkoch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wollt grad sagen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die (vermutlich) jüngste Leserin der koreanischen Ausgabe von &#34;Ich bin dann mal offline&#34;. (Kommentar nach dem ersten Kapitel: &#34;Schmeckt komisch.&#34;) Danke, Klemens. Google+: View post on Google+ Post imported by Google+Blog. Created By Daniel Treadwell. Verwandte Themen:: So sieht &#34;Ich bin dann mal offline&#34; übrigens auf koreanisch aus
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</ol>]]></description>
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			</a>
		</div>
<p>Die (vermutlich) jüngste Leserin der koreanischen Ausgabe von &quot;Ich bin dann mal offline&quot;. </p>
<p>(Kommentar nach dem ersten Kapitel: &quot;Schmeckt komisch.&quot;)</p>
<p>Danke, Klemens.<br /><a href='https://lh6.googleusercontent.com/-b5dnEoyLSVg/TrOSYUXNLtI/AAAAAAAAASA/-4HfEcGrd0Q/300475_280106432011929_100000377223447_891028_577444366_n.jpg'><img src='https://lh6.googleusercontent.com/-b5dnEoyLSVg/TrOSYUXNLtI/AAAAAAAAASA/-4HfEcGrd0Q/300475_280106432011929_100000377223447_891028_577444366_n.jpg' style='max-width:97.5%;clear:both;' border='0' /></a><span></span>
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