<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Eckpunkte</title>
	<atom:link href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de</link>
	<description>Das Koblenz-Blog der Rhein-Zeitung</description>
	<lastBuildDate>Mon, 08 Apr 2013 12:08:44 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.4</generator>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte auf rhein-zeitung.de</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1433</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1433#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 18:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1433</guid>
		<description><![CDATA[Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

unsere Serie zur Stadtgeschichte ist auf unserend „Hauptseiten“ http://rhein-zeitung.de auf dem neuesten Stand. Einfach das Menü „Regionales“ anklicken. Dann erscheint eine Karte. Dort einfach auf Koblenz klicken. Und rechts gibt es ein Miniaturbild, das zur Stadtgeschichte führt.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrte Leserinnen und Leser,</p>
<p>unsere Serie zur Stadtgeschichte ist auf unserend „Hauptseiten“ <a href="http://rhein-zeitung.de">http://rhein-zeitung.de</a> auf dem neuesten Stand. Einfach das Menü „Regionales“ anklicken. Dann erscheint eine Karte. Dort einfach auf Koblenz klicken. Und rechts gibt es ein Miniaturbild, das zur Stadtgeschichte führt.</p>
<p>Wir weisen ferner darauf hin, dass wir unsere lokalen Online-Aktivitäten in unserem Hauptauftritt gebündelt haben. Der Blog „Eckpunkte“ wird ab sofort nicht mehr weiter gepflegt und dient nur noch als „Archiv“, um die älteren Beiträge weiterhin abrufen zu können.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Die Redaktion</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1433</wfw:commentRss>
		<slash:comments>212</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 16: Die Gegenreformation</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1411</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1411#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 10:03:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1411</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1411"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Rosette.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Sinnbild der Gegenreformation: Renaissanceportal und Rosette der von 1613 bis 1617 erbauten, im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstörten historischen Jesuitenkirche. Foto: Reinhard Kallenbach" title="Sinnbild der Gegenreformation: Renaissanceportal und Rosette der von 1613 bis 1617 erbauten, im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstörten historischen Jesuitenkirche. Foto: Reinhard Kallenbach" /></a>Koblenz. Große Entdeckungen, gravierende politische Umwälzungen, enorme Fortschritte in Kultur und Wissenschaft, aber auch religiös motivierte Verfolgungen, Folter und rauchende Scheiterhaufen: Das 16. Jahrhundert konnte widersprüchlicher nicht sein. Die konfessionellen Gegensätze erschütterten weite Teile Europas in den Grundfesten. Besonders Frankreich und die deutschen Staaten wurden in Kriege und Bürgerkriege verwickelt.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Koblenz. Große Entdeckungen, gravierende politische Umwälzungen, enorme Fortschritte in Kultur und Wissenschaft, aber auch religiös motivierte Verfolgungen, Folter und rauchende Scheiterhaufen: Das 16. Jahrhundert konnte widersprüchlicher nicht sein. Die konfessionellen Gegensätze erschütterten weite Teile Europas in den Grundfesten. Besonders Frankreich und die deutschen Staaten wurden in Kriege und Bürgerkriege verwickelt.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es war die Zeit selbstherrlicher Fürsten, die keine Skrupel davor hatten, ihr eigenes Volk mit immer neuen Formen der Unterdrückung zu konfrontieren. Angesichts der stetigen Abfolge von Konflikten muss man sich schon fast wundern, dass es in Koblenz weitgehend ruhig blieb. Seit der Niederwerfung des Aufstands des Franz von Sickingen wurden reformatorische und aufrührerische Ideen bestenfalls hinter vorgehaltener Hand verbreitet. Und die Trierer Kurfürsten drängten mit Macht darauf, dass auch in Koblenz als Hauptstadt des Niedererzstiftes alles beim Alten blieb. Wer mit seinen Äußerungen zu weit ging, musste mit drakonischen Strafen rechnen. So wurde 1520 ein Ketzer aus Winningen in Koblenz verbrannt, fünf Jahre später folgte die Hinrichtung des Lutheraners Peter Has.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1412" class="wp-caption alignnone" style="width: 283px"><a rel="attachment wp-att-1412" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1412"><img class="size-full wp-image-1412  " title="Sinnbild der Gegenreformation: Renaissanceportal und Rosette der von 1613 bis 1617 erbauten, im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstörten historischen Jesuitenkirche. Foto: Reinhard Kallenbach" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Rosette.jpg" alt="Sinnbild der Gegenreformation: Renaissanceportal und Rosette der von 1613 bis 1617 erbauten, im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstörten historischen Jesuitenkirche. Foto: Reinhard Kallenbach" width="273" height="365" /></a><p class="wp-caption-text">Sinnbild der Gegenreformation: Renaissanceportal und Rosette der von 1613 bis 1617 erbauten, im Zweiten Weltkrieg jedoch weitgehend zerstörten historischen Jesuitenkirche. Foto: Reinhard Kallenbach</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Protestantische Nachbarn</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Obrigkeit blieb wachsam, weil es in der direkten Nachbarschaft der Stadt gravierende Veränderungen gab. So hatten sich die Lehren Luthers bereits 1527 in der kurkölnischen Stadt Rhens durchgesetzt. Diese war an den Landgrafen Philipp verpfändet worden. Auch im damals sponheimischen Ort Winningen wandten sich die Menschen um 1557 von der Katholischen Kirche ab, vier Jahre später folgte Bendorf im Gebiet des Grafen von Sayn.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Antwort auf die Frage, warum sich trotz der Nähe protestantischer Gebiete die Reformation in Koblenz nicht durchsetzte, ist vielfältig. Sicherlich ist ein Grund die starke Präsenz der Landesherren in Koblenz, ein anderer, dass weite Teile der städtischen Oberschicht den Kurfürsten treu ergeben waren. So hatte die Anwesenheit der Straßburger Reformatoren Martin Bucer und Johannes Sturm 1542/43 keine Folgen. Trotzdem konnte sich die Obrigkeit nicht sicher sein. Denn nicht nur die Anhänger Luthers (und später auch Calvinisten) verbreiteten ihre Lehre. Eine dritte Gruppe war im Kern sogar noch gefährlicher: die Wiedertäufer. Diese traten nicht nur für die Erwachsenentaufe ein, sondern vertraten einen sozialreformerischen Ansatz, deren mitunter fanatisierte Akteure die gesamte Gesellschaftsordnung ins Wanken bringen konnten. Es kommt nicht von ungefähr, dass das Täuferreich von Münster 1535 mit einem Blutbad ertränkt wurde.</p>
<p> </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wiedertäufer als Feindbild</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es ist ebenfalls kein Zufall, dass sich ein Jahr zuvor die rheinischen und westfälischen Fürsten in Koblenz getroffen hatten, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Denn wenn es um Wiedertäufer ging, waren sich Protestanten und Katholiken einig. Sogar der als liberal geltende Wittelsbacher Pfalzgraf Ottheinrich, der selbst Lutheraner war, hatte keine Probleme damit, Vertreter dieser Bewegung ertränken zu lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Koblenz drohte Wiedertäufern seit 1529 die Todesstrafe. Dennoch hielten sich immer wieder einige Anhänger der Bewegung in der Stadt auf. Offensichtlich wurden die drakonischen Strafen nicht angewandt, Wiedertäufer wurden allerdings zum Widerruf gezwungen und ausgewiesen.</p>
<p style="text-align: justify;">Vielleicht war diese für die damalige Zeit großzügige Haltung auch darauf zurückzuführen, dass so mancher Koblenzer an den reformatorisch orientierten Universitäten in Wittenberg, Erfurt und Marburg studiert hatte. Der Historiker Dr. Jürgen Müller nennt für die Zeit zwischen 1506 und 1595 immerhin 45 Koblenzer Absolventen dieser Hochschulen. Man bedenke: Die „kleine Hauptstadt“ hatte zu dieser Zeit höchstens 5000 bis 6000 Einwohner. Davon hatten nur die allerwenigsten eine akademische Ausbildung.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Obrigkeit musste weiterhin wachsam sein, zumal die Verärgerung über die Steuerbefreiungen für den Klerus nach wie vor groß war. Dass es auch in den Kirchen und Klöstern im eigenen Territorium genau die Missstände gab, die letztendlich zur Reformation geführt hatten, wussten sie genau. Als 1547 das Reformkonzil von Trient eröffnet wurde, nahmen Johann V. von Isenburg (1547–1556) und Johann VI. von der Leyen (1556–1567) auf den 15-jährigen Reformprozess Einfluss, der nicht nur die Liturgie veränderte, sondern auch die Sittenstrenge in die Gotteshäuser zurückbrachte. Das waren die Voraussetzungen für die Gegenreformation mit all ihren fürchterlichen Folgen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die unruhigen Zeiten hatten vor allem in den Städten eine politische Dimension. Auch in Koblenz, wo der Stadtrat und die kurfürstlichen Schöffen nicht auf einer Linie lagen, sollte die Situation eskalieren. Hatte Karl V. noch am 25. Oktober Rechte und Freiheiten der Koblenzer bestätigt, versuchten die Kurfürsten – die sich eigentlich dem Willen des Kaisers beugen mussten – in der Praxis alles, um den Bürgern diese Freiheiten wieder wegzunehmen. Es ging im Dauerkonflikt nicht nur um den Status einer freien Reichsstadt, sondern auch um viel Geld.</p>
<p style="text-align: justify;">Hatte sich der Rat immer wieder gegen zu hohe Steuerforderungen zur Wehr gesetzt, ließ Johann VI. 1561 das Eigentum der Bürger beschlagnahmen und über seine Zollstellen den Handel abschneiden. Auf diese Weise hoffte er, einen Keil zwischen Bürger und Rat zu treiben. Das gelang, indem er die Zünfte vom Treuegelöbnis gegenüber dem Rat befreite. Der Höhepunkt folgte im Februar 1562. Landsknechte des Kurfürsten und der Landadel marschierten in Koblenz ein. Die Ratsherren standen nun unter Hausarrest und mussten den ungebetenen Gästen Kost und Logis geben.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ratsmitglieder wurden ersetzt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Erst nach Zahlung eines hohen Bußgeldes wurde ihnen vergeben. Bürgermeister Johann Hofmann musste jedoch nach Andernach fliehen, um Schlimmerem zu ergehen. Eine weitere Folge waren eine Umbesetzung der städtischen Gremien nach kurfürstlichen Wünschen und eine neue Polizei– und Stadtordnung, die als sogenannte „Leyana“ in die Geschichte eingehen sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Johann VI. konnte nun schalten und walten, wie er wollte. Nur ein Jahr nach dem „Putsch von oben“ konfrontierte er den neuen Rat mit zahlreichen Neubauprojekten, die natürlich nicht er, sondern die Stadt bezahlen musste. So sollten die Verkehrsbedingungen am Rheinufer verbessert, ein neues Stadttor gebaut und ein Kran zum Be– und Entladen der Schiffe realisiert werden. Um eine bessere Anbindung der neuen Anlagen an die Innenstadt zu erreichen, wollte Johann VI. vor allem den südlichen und östlichen Teil der Altstadt ausbauen. Mit der damit verbundenen Verlängerung der Firmung durch den Ausbau der Rheinstraße wurden die wesentlichen Voraussetzungen zur Neugestaltung dieses Bereichs geschaffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Stadtumbau verschleppt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bis zum endgültigen Abschluss der Maßnahmen in der Firmungstraße sollten aber noch fast 200 Jahre ins Land gehen. Aus Ratsprotokollen vom Mai 1582 erfahren wir, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander lagen. Zwar betonten die Mitglieder des Koblenzer Rats immer wieder, im Sinne des Kurfürsten zu handeln, doch in der Praxis bewirkten sie genau das Gegenteil. Diese Taktik war angesichts der knappen städtischen Kasse durchaus berechtigt, denn mehr als eine „moralische Unterstützung” war vom Landesherrn nicht zu erwarten. Ein willkommener Anlass, die Angelegenheit bis zum endgültigen Stillstand einfach zu verschleppen, war der Protest des Stiftes St. Florin, das sich weigerte, ein im betroffenen Bereich liegendes Grundstück an die Stadt abzutreten. Doch am Ende waren die Veränderungen nicht aufzuhalten. Denn Kurfürst Jakob III. von Eltz rief einen straff organisierten Orden in die Stadt, der zur Institution wurde: die Jesuiten.</p>
<div>
<p><strong>Das 16. Jahrhundert II</strong></p>
</div>
<div>
<p style="text-align: justify;"><strong>1534</strong> Der Prediger und Reformator Johann Calvin flieht von Paris nach Basel, wo sein Hauptwerk entsteht. Sein „Unterricht im Christentum“ wirkt zuerst im zum Herzogtum Savoyen gehörenden Genf, das sich der Eidgenossenschaft und der Reformation anschließt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1536 </strong>Der dritte Krieg Karls V. mit Frankreich beginnt. Weitere Konflikte folgen zwischen 1542 und 1551.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1546</strong> Der Schmalkaldische Krieg beginnt: Die protestantischen Landesfürsten und Städte kämpfen unter Führung von Kursachsen und Hessen gegen Karl V., der die reichsrechtliche Anerkennung des Protestantismus verhindern will. Die entscheidende Schlacht findet am 24. April 1547 statt und endet mit einer Niederlage der Protestanten. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen gerät in Gefangenschaft und muss die Wittenberger Kapitulation unterschreiben. Auch Landgraf Philipp von Hessen muss sich unterwerfen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1547 </strong>Das Konzil von Trient wird am 13. Dezember eröffnet. Die Sitzungsperioden sollten bis 1563 dauern. Teilnehmer waren 100 Träger hoher kirchlicher Würden und noch einmal so viele Theologen. Das Leitthema ist eine Kirchenreform. Aus dem Konzil geht die Katholische Kirche gestärkt hervor. Die Gegenreformation beginnt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1548</strong> Im Burgundischen Vertrag werden die Niederlande weitgehend aus dem Reichsverband gelöst.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1555 </strong>Der Augsburger Reichstag endet am 25. September mit dem berühmten Religionsfrieden. Hintergrund: Auch nach dem Schmalkaldischen Krieg war es immer wieder zu Unruhen gekommen. Der Kompromiss: Die Landesherren bestimmten die Konfession in ihrem Herrschaftsbereich. Wechselten die Fürsten ihr Bekenntnis, mussten die Untertanen das ebenfalls tun.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1562</strong> Beginn der Hugenottenkriege in Frankreich. Als Hugenotten werden die französischen Protestanten bezeichnet, die stark von der Lehre Calvins beeinflusst sind. Die Auseinandersetzung ist nur einer von mehreren Bürgerkriegen im Land.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1562</strong> Gegen den Widerstand der Koblenzer Bürger bringt der trierische Kurfürst Johann VI. von der Leyen eine Verordnung auf den Weg, die Koblenz macht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1572</strong> In der Bartholomäusnacht werden in der Nacht zum 24. August Tausende Protestanten ermordet, die extra wegen der Hochzeit von Heinrich von Navarra mit Margarethe von Valois nach Paris gekommen waren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1580</strong> Das einst im Bereich des heutigen Jesuitenplatzes angesiedelte alte Zisterzienserkloster wird am 2. September aufgelöst. Neue Bewohner werden die Jesuiten, die mit Wirkung vom 5. Dezember angesiedelt werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1588</strong> Die spanische Armada wird vernichtet. Ursache sind nicht nur die englischen Kanonen, sondern auch schwere Stürme. Die Katastrophe wird zum Sinnbild des spanischen Machtverlustes und der Vorherrschaft des Protestantismus in Europa.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1593</strong> In Ungarn beginnen die Türkenkriege.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1598 </strong>Im Edikt von Nantes werden den Hugenotten Gewissensfreiheit, politische Gleichberechtigung und Sicherheitsplätze gewährt.</p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1411</wfw:commentRss>
		<slash:comments>239</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 15: Das Weltbild wankt</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1398</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1398#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 08:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1398</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1398"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/schoeffenstuebchen.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="An die Reformen des Kurfürsten Richard von Greiffenklau erinnert das von 1528 bis 1530 errichtete Schöffenhaus. Das Gebäude bot einst Platz für das kurtrierische Schöffengericht. 1804 war es Pfandhaus, später unter anderem Sitz der Freimaurerloge. Foto: Reinhard Kallenbach" title="schoeffenstuebchen" /></a>Koblenz. Eigentlich war der Ablasshandel für alle Beteiligten eine praktische Sache. Der Sünder zahlte für die Vergebung, und die Kirche konnte ehrgeizige Projekte angehen – so zum Beispiel den Petersdom in Rom, dessen Grundstein am 18. April 1506 gelegt worden war. Doch der Handel mit diesen „Freifahrtscheinen“ sollte bizarre Dimensionen annehmen und die Welt der Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Und das sollte auch im Kurfürstentum Trier deutlich zu spüren sein.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Koblenz. </strong>Eigentlich war der Ablasshandel für alle Beteiligten eine praktische Sache. Der Sünder zahlte für die Vergebung, und die Kirche konnte ehrgeizige Projekte angehen – so zum Beispiel den Petersdom in Rom, dessen Grundstein am 18. April 1506 gelegt worden war. Doch der Handel mit diesen „Freifahrtscheinen“ sollte bizarre Dimensionen annehmen und die Welt der Kirche in ihren Grundfesten erschüttern. Und das sollte auch im Kurfürstentum Trier deutlich zu spüren sein.</p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1400" class="wp-caption alignnone" style="width: 303px"><a rel="attachment wp-att-1400" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1400"><img class="size-full wp-image-1400 " title="schoeffenstuebchen" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/schoeffenstuebchen.jpg" alt="An die Reformen des Kurfürsten Richard von Greiffenklau erinnert das von 1528 bis 1530 errichtete Schöffenhaus. Das Gebäude bot einst Platz für das kurtrierische Schöffengericht. 1804 war es Pfandhaus, später unter anderem Sitz der Freimaurerloge. Foto: Reinhard Kallenbach" width="293" height="217" /></a><p class="wp-caption-text">An die Reformen des Kurfürsten Richard von Greiffenklau erinnert das von 1528 bis 1530 errichtete Schöffenhaus. Das Gebäude bot einst Platz für das kurtrierische Schöffengericht. 1804 war es Pfandhaus, später unter anderem Sitz der Freimaurerloge. Foto: Reinhard Kallenbach</p></div>
<p style="text-align: justify;">120 Jahre sollte am Heiligtum in Rom gebaut werden, das an die Stelle der im Jahre 324 geweihten Basilika trat. Diese galt wiederum als Grabeskirche des Apostels Simon Petrus. Die komplexe Ausgangssituation zeigt: Es wurde richtig teuer. Denn es ging um ein gewaltiges, vom Baumeister Bramante entworfenes Gotteshaus für 20 000 Menschen mit der größten freitragenden Ziegelkuppel der Welt. Und ein gut funktionierender Ablasshandel sollte die erforderlichen Mittel bringen. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Widerstand gegen Ablasshandel</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Grundsätzlich waren Ablässe nicht neu. Schon der schwierige Bau der Koblenzer Balduinbrücke war zum Teil auf diesem Weg finanziert worden. Doch die Dimensionen, die dieses Geschäft im frühen 16. Jahrhundert erreicht hatte, schockierten tiefgläubige Menschen zutiefst. Sie konnten und wollten nicht hinnehmen, dass man sich ohne ernsthafte Reue und Buße von Sünden freikaufen konnte. Vor allem ein Mann begehrte auf: Martin Luther. Er hatte auf seiner Romreise 1510/11 die Dekadenz im Mittelpunkt der Christenheit erlebt. Das ausschweifende Leben der machtgierigen Renaissancepäpste übertrug sich auf den gesamten Klerus, das seit der Synode von Pavia (1022) geltende Zölibat und das Gebot der Enthaltsamkeit wurden ad absurdum geführt.</p>
<p style="text-align: justify;">Martin Luther, der selbst einem strengen Orden angehörte, war schockiert. Dennoch wollte er die Kirche nicht bekämpfen, sondern dazu beitragen, sie behutsam zu erneuern. Sein Zorn richtete sich besonders gegen den Ablasshandel, dem seine berühmten 95 Thesen gelten. Ob er sie wirklich am 31. Oktober 1517 ans Hauptportal der Schlosskirche von Wittenberg schlug, ist umstritten. Zwar hat der Reformator Philipp Melanchthon diese Szene überliefert, doch geht die Forschung davon aus, dass Luther, der 1512 promoviert hatte, seine Thesen verschickte. Denn der Theologe war Dozent an der örtlichen Universität, der den wissenschaftlichen Disput pflegte.</p>
<p style="text-align: justify;">Beeinflusst von den liberaleren theologischen Auffassungen des ebenfalls in Wittenberg lehrenden Wilhelm von Ockham – der dem Menschen sehr wohl einen freien Willen zubilligte –, setzte Luther auf vernünftige Lösungen. Und wahrscheinlich wäre seine Fundamentalkritik am Ablasshandel eine Auseinandersetzung unter Theologen geblieben, wenn es die technische Revolution des Spätmittelalters nicht gegeben hätte. Zum einen eröffnete der von Johannes Gutenberg um 1450 entwickelte Buchdruck mit beweglichen Metalllettern bis dato unbekannte Wege, Gedanken für einen größeren Leserkreis zu Papier zu bringen, zum anderen brachten Entdeckungen das mittelalterliche Weltbild ins Wanken. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Krise der Herrschenden</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die erste große Reise des Christoph Columbus von 1492/93, in deren Verlauf Amerika (wieder)entdeckt wurde, ist ein Beispiel von vielen. Zwar leitete diese die große Zeit der Seefahrer und deren Suche nach märchenhaften Reichtümern ein, doch fand die eigentliche Revolution am Himmel statt. Denn die Zweifel an der Überzeugung, die Welt sei eine Scheibe, um die das ganze Universum kreise, nahmen zu. Wissenschaftler wie Nicolaus Copernicus, der zwischen 1506 und 1530 die Grundlagen für sein heliozentrisches Weltbild erforschte, brachten die weltlichen und geistlichen Fürsten in Erklärungsnöte. Ihr Gottesgnadentum wurde hinterfragt. Die Herrschenden reagierten mit Druck und Gewalt, vor allem aber mit unerträglichen finanziellen und materiellen Belastungen für die Bevölkerung. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ritter wurden „arbeitslos“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die kursierenden humanistischen Ideale von der Würde des Menschen und die Wiederentdeckung der Antike spiegelten sich bestenfalls in den Residenzen wider – und die Errungenschaften der renaissancezeitlichen Baukunst in den Befestigungsanlagen. Dagegen waren soziale Verwerfungen das eigentliche Phänomen der Zeit. Nicht nur die Bauern litten, sondern auch der niedere Adel. Ritter wurden „arbeitslos“, die alte „Kriegskunst“ war überflüssig geworden. Feuerwaffen und Söldnerheere hatten sich längst durchgesetzt. Am Ende machte genau dieses Heer aus Hungrigen und Frustrierten die Reformation so gefährlich. Denn die Initiatoren der im Rheinland und in Süddeutschland aufflammenden Aufstände beriefen sich auf die Lehren Luthers. Sie wurden ein geistiger Überbau des großen Deutschen Bauernkriegs – von dem sich der Reformator übrigens distanzierte.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch in Koblenz gärte es. Die Bürger wurden mit den unterschiedlichsten Steuern belastet, die sie nur zähneknirschend bezahlten. Gleichzeitig verfluchten sie den Wohlstand von Adel und Klerus im Stadtbild deutlich abzulesen war. Die Vorgänge des 13., 14. und 15. Jahrhunderts zeigen: Ein Funke genügte, um einen neuen Aufstand zu entfachen. Denn die Koblenzer dürften sehr wohl gewusst haben, was andernorts geschah. Und sie hatten durchaus ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Kein Wunder: Die meisten Innovationen jener Zeit kamen aus den Städten. Das galt nicht nur für die Strukturen der Selbstverwaltung, sondern auch für praktische Lösungen. So waren in vielen Städten sogenannte Wasserkünste entstanden, mit denen die Bürger über ausgeklügelte Röhren und wassergetriebene Pumpen ihre Versorgung verbesserten. Und auch im Koblenz des 16. Jahrhunderts bemühte man sich mehrmals, eine Quellwasserleitung zu bauen. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gefährliche Mischung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Kurfürsten wussten natürlich, dass ein Mix aus Frustration und Innovation gefährlich sein kann. Sie verstärkten ihre Präsenz in der Stadt und verstärkten auch die militärischen Anlagen. Die Erzbischöfe jener Zeit waren starke Persönlichkeiten. So auch Richard von Greiffenklau (1467–1531), der nicht nur den Ehrenbreitstein in eine moderne Festung verwandeln ließ, sondern eine Reihe von rechtlichen Reformen auf den Weg brachte. Außerdem hatte der Kurfürst eine Gespür für große Gesten. So folgte er der Bitte Kaiser Maximilians, den Heiligen Rock auszustellen. Auch soll er Martin Luther beim Reichstag von Worms (1521) Schutz und Unterkunft angeboten haben. Die Voraussetzung war aber unannehmbar: Luther sollte widerrufen. Dennoch war der Vorstoß ein geschickter Schachzug des Richard von Greiffenklau – an den sich die meisten Koblenzer nur wegen der nach ihm benannten, 1524 gegossenen größten Belagerungskanone der damaligen Zeit erinnern. Auch wenn ihm der Erfolg letztendlich versagt blieb, hatte der Kurfürst erkannt, dass es besser war, einen Gegner zu überzeugen, als ihn zu bekämpfen. </p>
<div id="attachment_1408" class="wp-caption aligncenter" style="width: 465px"><a rel="attachment wp-att-1408" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1408"><img class="size-full wp-image-1408  " title="schoeffenstuebchen2" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/schoeffenstuebchen2.jpg" alt="Streng genommen sind das „Alte Kaufhaus“ und das Schöffenhaus Neubauten. Denn die Bomben des Krieges richteten so schwere Schäden an, dass die Gebäude neu aufgebaut werden mussten. Foto: Stadtarchiv" width="455" height="263" /></a><p class="wp-caption-text">Streng genommen sind das „Alte Kaufhaus“ und das Schöffenhaus Neubauten. Denn die Bomben des Krieges richteten so schwere Schäden an, dass die Gebäude neu aufgebaut werden mussten. Foto: Stadtarchiv</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: justify;"><strong>Aufstand der Ritter</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bei der nur ein Jahr später ausbrechenden sogenannten Sickingischen Fehde beschritt Richard von Greiffenklau doch noch den Weg der Gewalt. Eine andere Wahl hatte er wohl nicht. Denn dieses Mal waren es die „arbeitslosen“ Mitglieder der rheinischen und schwäbischen Ritterschaft, die ins Feld zogen, um die Obrigkeit zu bekämpfen. Ihr Anführer war Franz von Sickingen, nach dem dieser Aufstand auch benannt wurde. Erklärtes Ziel dieses Ritters war es, geistliche Herrschaftsgebiete zu säkularisieren. Das bedeutete nach den Vorstellungen der Ritter auch, dass der Trierer Erzbischof seinen Kurstaat abgeben sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Franz von Sickingen, der schon in der Vergangenheit keinem bewaffneten Konflikt aus dem Weg gegangen war, stand 1522 vor den Toren Triers, nachdem er Blieskastel und St. Wendel eingenommen hatte. Die Belagerung Triers scheiterte schließlich, das Glück verließ den Ritter – der sich ebenfalls auf die Ideen Luthers berief. Schließlich standen die Ritter einer Übermacht gegenüber. Unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung hatten sich Richard von Greiffenklau, Philipp der Großmütige von Hessen und Ludwig der Friedfertige von der Pfalz zu einer Koalition zusammengeschlossen. Das Ende ereilte Franz von Sickingen schließlich am 7. Mai 1523. Er verletzte sich im Kampf um Burg Nanstein über Landstuhl so schwer, das er seinen Verletzungen erlag. Der Aufstand brach zusammen. Die Folge für Koblenz: Reformation war ab sofort kein Thema mehr.</p>
<div style="text-align: justify;">
<p><strong>Das 16. Jahrhundert I</strong></p>
</div>
<div style="text-align: justify;">
<p><strong>1503</strong> Der Trierer Erzbischof Johann II. von Baden stirbt in der Festung Ehrenbreitstein.</p>
<p><strong>1510 </strong>Auf seinem Weg nach Rom soll der spätere Reformator Martin Luther Station im Ehrenbreitsteiner Augustiner– Eremiten-Kloster gemacht haben. Die Einrichtung war 1493 vom Theologieprofessor und Lehrer Luthers, Johannes Paltz, gegründet worden.</p>
<p><strong>1511 </strong>Der Trierer Erzbischof Jakob II. stirbt in Köln, wird aber in der Stiftskirche St. Florin begraben.</p>
<p><strong>1517 </strong>Martin Luther macht Ende Oktober seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel publik. </p>
<p><strong>1519</strong>Kaiser Maximilian stirbt am 12. Januar. Nachfolger wird Karl V., der am 28. Juni zum Römischen König gewählt wird und ebenfalls aus dem Haus Habsburg stammt.</p>
<p><strong>1521</strong> In Worms findet von Februar bis Mai der berühmte Reichstag statt, auf dem Luther seine Thesen widerrufen soll. Der Augustiner-Eremit weigert sich und wird im sogenannten Wormser Edikt mit der Reichsacht belegt. Damit verliert Luther seine Rechtsfähigkeit. Und: Jedermann durfte ihn töten, ohne eine Strafe zu befürchten. Beschützt durch den sächsischen Kurfürsten Johann I. (der Großmütige), entgeht Luther diesem grausamen Schicksal.</p>
<p><strong>1522 </strong>Die rheinische und schwäbische Ritterschaft erhebt sich unter der Führung des Franz von Sickingen, der am 7. Mai 1523 auf Burg Nanstein über Landstuhl seinen schweren Verletzungen erliegt.</p>
<p><strong>1524 </strong>Der Deutsche Bauernkrieg beginnt. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Reihe regionaler Aufstände, die innerhalb von zwei Jahren blutig niedergeschlagen werden. </p>
<p><strong>1530</strong> Karl V. wird in Bologna von Papst Clemens VII. zum Kaiser gekrönt. Es ist die letzte Krönung dieser Art. Hinter Kaiser Karl liegen zu dieser Zeit konfliktreiche Jahre. Zwei Kriege gegen Frankreich (1521 bis 1526 und von 1526 bis 1529) und der blutige Dauerstreit mit dem Papsttum um die Vormacht in Oberitalien sind die Zwischenbilanz des Habsburgers. Ein trauriger Höhepunkt war unter anderem die Plünderung von Rom (Sacco di Roma) 1527 durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner.</p>
<p> <strong>1530 </strong>Reichstag in Augsburg. Am 25. Juni bekennen sich die lutherischen Reichsstände in ihrem Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) zu ihrem Glauben.</p>
<p> <strong>1531 </strong>Ferdinand I. wird zum Römischen König gewählt. Er vertritt den oftmals abwesenden Bruder Karl V., der über ein Riesenreich herrscht, „in dem die Sonne nicht untergeht“. Im gleichen Jahr schließen sich im thüringischen Schmalkalden die protestantischen Fürsten und Städte unter Führung von Kursachsen und Hessen zur „Liga“ zusammen. Sie machen damit Front gegen die (katholische) Religionspolitik Karls V.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1534 </strong>Auch in England eskaliert der Streit zwischen Papsttum und Krone. Heinrich VIII. sagt sich von Rom los, die anglikanische Kirche entsteht. In Münster entsteht das sogenannte Wiedertäuferreich, das am 24. Juni 1535 nach der Belagerung durch den Bischof und seine Verbündeten mit einem Blutbad endet. Die obersten Repräsentanten der Bewegung werden zu Tode gefoltert.</p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1398</wfw:commentRss>
		<slash:comments>167</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 14: Große Politik</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1392</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1392#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 11:15:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1392</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1392"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/DeutscherKaiser.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Die Ecke Kornpfortstraße/Kastorgasse und die alte Kornpforte im Jahr 1897: Die Aufnahme des Hoffotografen Otto Kilger zeigt, wie eng das Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ noch am Ende des 19. Jahrhunderts mit den angrenzenden Bauten verbunden war. Obwohl die alte Bausubstanz im östlichen Abschnitt der mittelalterlichen Stadterweiterung gerade in preußischer Zeit gravierend verändert worden war, vermittelt sie doch einen Eindruck der früheren Zeiten. Und auch der „Deutsche Kaiser“, der landläufig in die Zeit um 1520 datiert wird, ist im Kern deutlich älter und reicht in das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Foto: Stadtarchiv" title="DeutscherKaiser" /></a> 



<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong> </strong></div>
<div><strong></strong></div>
<p><strong></p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1393" class="wp-caption alignnone" style="width: 302px"><a rel="attachment wp-att-1393" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1393"><img class="size-full wp-image-1393 " title="DeutscherKaiser" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/DeutscherKaiser.jpg" alt="Die Ecke Kornpfortstraße/Kastorgasse und die alte Kornpforte im Jahr 1897: Die Aufnahme des Hoffotografen Otto Kilger zeigt, wie eng das Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ noch am Ende des 19. Jahrhunderts mit den angrenzenden Bauten verbunden war. Obwohl die alte Bausubstanz im östlichen Abschnitt der mittelalterlichen Stadterweiterung gerade in preußischer Zeit gravierend verändert worden war, vermittelt sie doch einen Eindruck der früheren Zeiten. Und auch der „Deutsche Kaiser“, der landläufig in die Zeit um 1520 datiert wird, ist im Kern deutlich älter und reicht in das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Foto: Stadtarchiv" width="292" height="483" /></a><p class="wp-caption-text">Die Ecke Kornpfortstraße/Kastorgasse und die alte Kornpforte im Jahr 1897: Die Aufnahme des Hoffotografen Otto Kilger zeigt, wie eng das Gasthaus „Zum Deutschen Kaiser“ noch am Ende des 19. Jahrhunderts mit den angrenzenden Bauten verbunden war. Obwohl die alte Bausubstanz im östlichen Abschnitt der mittelalterlichen Stadterweiterung gerade in preußischer Zeit gravierend verändert worden war, vermittelt sie doch einen Eindruck der früheren Zeiten. Und auch der „Deutsche Kaiser“, der landläufig in die Zeit um 1520 datiert wird, ist im Kern deutlich älter und reicht in das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Foto: Sadtarchiv</p></div>
<p style="text-align: justify;">Koblenz. Ein Kaiser zwischen allen Stühlen, ein kriegslüsterner König und ein kluger Erzbischof: Das sind die Hauptakteure einer großen Zusammenkunft, die im September 1338 in Koblenz über die Bühne gehen sollte. Rund 17 000 Menschen sollen sich damals in der eher kleinen Stadt an Rhein und Mosel zusammengefunden haben, die neben einer strategisch günstigen Lage genau die baulichen Rahmenbedingungen zu bieten hatte, die für die Durchführung eines Hoftages erforderlich waren.</p>
<p> </p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<p style="text-align: justify;">Eigentlich war die freie Reichsstadt Sinzig für das Treffen vorgesehen, doch waren die Kapazitäten in Koblenz größer, sodass der Hoftag kurzerhand verlegt wurde. Ungewöhnlich war das nicht. Die Zusammenkünfte, zu denen Könige und Kaiser wichtige Persönlichkeiten in unregelmäßigen Abständen einluden, konnten sowohl in Bischofs– als auch in Königsstädten stattfinden. Die Versammlungen waren Vorläufer der fest konzipierten Reichstage, die sich im Zuge der Reformen des späten 15. Jahrhunderts unter Kaiser Maximilian I. etablieren sollten.</p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<p style="text-align: justify;">Worum ging es in Koblenz? Die Antwort ist vielschichtig. Denn nicht nur Kaiser Ludwig der Bayer hatte Gründe, wichtige Gefolgsleute einzuladen. Auch der englische König Edward III. wollte die Chance nutzen, in Koblenz um Unterstützung für einen Feldzug gegen Frankreich zu werben, weil er auch im Nachbarland den Thron für sich beanspruchte. Dass Edward damit eine Serie von Konflikten heraufbeschwören sollte, die heute unter dem Begriff „Hundertjähriger Krieg“ zusammengefasst werden, ahnte damals niemand. Aber auch Ludwig der Bayer hatte gute Gründe, um Grafen, Herzöge und den hohen Klerus auf sich einzuschwören. Denn der Kaiser war nicht unumstritten und brauchte eine Konstruktion von europäischer Tragweite, um seinen universellen Machtanspruch zu festigen. Damit wollte er sich eindeutig über das Papsttum stellen. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Konflikt mit dem Papst</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Erst seit dem Sieg über den ebenfalls zum König gewählten Habsburger Friedrich den Schönen in der „letzten Ritterschlacht ohne Feuerwaffen“ bei Mühldorf (Bayern) am 28. September 1322 saß Ludwig einigermaßen sicher im Sattel. Den Segen von Johannes XXII. hatte er nicht. Auch dieser Papst wollte keine starke weltliche Herrschaft, der Konflikt eskalierte. Ludwig, der vom Papst noch nicht einmal als König anerkannt worden war, ließ sich 1328 kurzerhand vom römischen Stadtvolk zum Kaiser wählen und setzte als Gegenpapst den Franziskanermönch Nikolaus V. ein, der bis 1330 von Avignon aus regieren sollte.</p>
<p style="text-align: justify;">Mit diesem Schritt machte Kaiser Ludwig eine Spaltung – ein sogenanntes Schisma – möglich. Auch nach der Überwindung dieses Bruchs unter den nachfolgenden „regulären“ Päpsten Benedikt XII. und Clemens VI. sollte Ludwigs Verhältnis zum Heiligen Stuhl bis zu seinem Lebensende vergiftet sein. Ludwig, der aus dem Geschlecht der Wittelsbacher stammte, machte sich keinerlei Illusionen. Er strebte deshalb Reformen an. Sein Ziel: Die Königswahl, mit der automatisch die Wahl zum Kaiser verbunden war, sollte auch ohne päpstliche Bestätigung gültig sein. Hinter diesem Gedanken standen auch viele Große des Reiches. Denn die Herrscher im Reich waren stets aus Wahlen hervorgegangen. Zumindest auf dem Papier war das deutsche Königtum nie eine Erbmonarchie – auch wenn es den Habsburgern später gelingen sollte, diese Idee gründlich zu unterlaufen. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Trügerische Geschlossenheit</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Doch im Sommer 1338 lagen die Dinge noch anders. Die wahlberechtigten Fürsten, die in der Goldenen Bulle von 1356 endgültig als Kurfürsten legitimiert werden sollten, stellten sich im Juli geschlossen hinter Ludwig – unter ihnen auch Erzbischof Balduin von Luxemburg, der zu diesem Zeitpunkt keine Chance sah, einen Verwandten aus dem eigenen Haus zum mächtigen Gegengewicht auszubauen. Erst als 1346 mit Karl IV. ein Großneffe für den Königsthron bereitstand, wechselte Balduin die Seite.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Trierer Erzbischof hatte sich bereits früh auf die Seite Ludwigs gestellt, weil sein erst 17-jähriger Neffe Johann von Luxemburg, ein Sohn Kaiser Heinrichs VII., wegen fehlender Erfolgsaussichten auf die Königswahl verzichten musste. Balduin verstand es, sein Territorium durch Verwaltungs– und Finanzreformen zu modernisieren und Widersacher auszuschalten. Der Hoftag in Koblenz kam Balduin sicherlich nicht ungelegen. Er konnte sich den Großen des Reichs als guter Gastgeber und loyaler Gefolgsmann präsentieren. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der Kurverein zu Rhense</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Doch in Koblenz ging es um mehr als um Repräsentation. Vor allem sollte aus dem, was wenige Wochen zuvor im Kurverein zu Rhense formuliert worden war, Rechtspraxis werden. Eigentlich wollte Ludwig zu diesem Zeitpunkt weiter sein. Bereits für August hatte er zu einer Zusammenkunft in Frankfurt geladen. Doch weil zu wenige Fürsten erschienen waren, um eine starke Allianz gegen das Papsttum zu schmieden, musste schließlich in Koblenz verhandelt werden. In diesen möglichen Bund sollte auch der englische König eingebunden werden. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Bündnis mit England</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Und so gab es nicht nur für Eduard gute Gründe, an den Rhein zu reisen. Auch Kaiser Ludwig wollte das Inselreich an sich binden. Krone und Machtanspruch Eduards wurden bestätigt. Dem Engländer wurde sogar das Reichsvikariat angetragen. Im Falle des Todes des Kaisers hätte er die Regierungsgewalt so lange übernehmen können, bis ein Nachfolger gewählt war.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Gegenzug musste Eduard anerkennen, dass der Kaiser über allen anderen Monarchen stand. Das dürfte ihm recht einfach gefallen sein, denn das Kaisertum war zu diesem Zeitpunkt längst nur eine Idee, die im aufstrebenden England keine Rolle mehr spielte. Die Zeit der Nationalstaaten war längst angebrochen, das Reich als loser Verbund von Territorien und Stämmen wirkte schon fast wie ein Anachronismus. Bezeichnenderweise sollte das Bündnis zwischen Ludwig und Edward nur bis 1341 halten. Da weder Geld noch militärische Hilfe kam, arrangierte sich Karl vorübergehend mit dem französischen König Philipp VI. Der Pakt von Koblenz war somit Geschichte. Dennoch sollte der Hoftag für einen Wendepunkt in der deutschen und europäischen Geschichte stehen. Leitete er doch das Ende der Schicksalsgemeinschaft von Papst und König ein. Auch wenn sich Karl V. 1530 als letzter deutscher König vom Papst krönen ließ, stehen der Kurverein zu Rhense und der Koblenzer Hoftag für einen Neuanfang. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Rücksichtslose Politik</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Ludwig scheiterte letztlich an seiner eigenen Machtgier. Auch wenn seine Initiativen für die damalige Zeit hochmodern waren, schaffte er sich wegen seiner rücksichtslosen Hausmachtpolitik viele Feinde. 1346 wurde er abgesetzt. Am 11. Oktober starb er völlig isoliert und mit dem Kirchenbann belegt in Puch bei Fürstenfeldbruck. Den Koblenzern war das wahrscheinlich gleichgültig. Sie lebten ständig in der Angst vor dem „Schwarzen Tod“, der zwischen 1347 und 1353 ein Drittel der Europäer auslöschte.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Tod Balduins (1354) sollte Koblenz im Kurstaat weiter eine wichtige Rolle spielen. Die Basilika St. Kastor wurde sogar eine wichtige Begräbniskirche der Erzbischöfe. So fanden dort Kuno von Falkenstein (1388) und Werner von Falkenstein (1418) ihre letzte Ruhe. Das zeigt: Koblenz war als Hauptstadt des Niedererzstiftes ein wichtiges regionales Zentrum geworden. Dennoch flammten die Konflikte mit der Obrigkeit immer wieder auf. So etwa am 9. Mai 1430, als Bürger mit dem neuen Erzbischof Raban von Helmstadt aneinandergerieten, der wegen der ausufernden Gewalt auf den Ehrenbreitstein fliehen musste. Schon mit dem Vorgänger Otto von Ziegenhain waren sie aneinandergeraten. Die Gründe: landesherrliche Baumaßnahmen zur militärischen Sicherung, an denen die Bürger beteiligt werden sollten. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Und noch ein Reichstag</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die enge Integration von Koblenz in das Kurtrierische Territorium im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts sollte schließlich dazu führen, dass die Stadt keine Bühne der großen Politik mehr war. Allerdings rückte sie im Zuge der Reformen des Habsburgers Maximilians I. kurz noch einmal in den Mittelpunkt: Für September 1492 wurde in Koblenz ein Reichstag eingesetzt. Und wieder stand ein möglicher Konflikt mit Frankreich auf der Tagesordnung. Erneut war eine englische Delegation zugegen. Denn für die Engländer war der Hundertjährige Krieg 1453 noch nicht zu Ende – auch weil es nie einen Friedensschluss gegeben hatte. Und so kam es, dass Engländer in den Jahren 1474, 1488 und 1492 in Frankreich einfielen. Und jetzt brauchten sie Geld. Vom Reich erhofften sie Hilfe, weil auch der Kaiser Gründe hatte, skeptisch nach Frankreich zu schauen. Denn das Herzogtum Burgund galt nicht unbedingt als sicher – obwohl Maximilian mit der Erbherzogin Maria verheiratet war. Dennoch erreichte die Delegation Heinrichs VII. von England in Koblenz wenig. Der Zuschuss des Reichs war eher symbolisch, weil die Reichsstände mit Sitz und Stimme im Reichstag ein größeres Engagement verweigerten.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Ereignisse von Koblenz zeigen: Eine neue Zeit war angebrochen. Das Reich sollte zentrale Einrichtungen haben, die das fragile Gefüge zusammenhalten sollten. Die Macht der Fürsten blieb jedoch ungebrochen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Jahre des Umbruchs</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1337</strong> Beginn des sogenannten Hundertjährigen Krieges, der bis 1453 dauern soll. Kriegsgrund sind vor allem die Ansprüche der englischen Krone auf den französischen Thron. König Eduard III. von England sucht auch in den deutschen Staaten Verbündete, was seine Anwesenheit beim Koblenzer Hoftag von 1338 erklärt. 1340 fallen die Engländer schließlich in Frankreich ein. Hintergrund des Konfliktes: Die Geschicke Frankreichs und Englands sind seit der Normannenzeit eng miteinander verbunden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1338 </strong>In der Nachbarstadt Rhens wird deutsche Geschichte geschrieben. Der Kurverein zu Rhense legt fest, dass eine Königswahl keiner päpstlichen Bestätigung mehr bedarf. Weitere Details der Königswahl werden in der berühmten „Goldenen Bulle“ von 1356 festgelegt, die gern als erste deutsche Verfassung bewertet wird. Seitdem ist amtlich: Die Könige werden in Frankfurt durch die Kurfürsten gewählt und in Aachen gekrönt. Sie sind zugleich erwählte römische Kaiser, wobei der Titel erst seit 1508 offiziell geführt wird. Das „Reichsgrundgesetz“ stärkt vor allem die Kurfürstentümer, die quasi voll ausgebildete Staaten werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1348 </strong>In Prag wird die erste deutsche Universität gegründet. Damit nimmt eine Entwicklung schnell deutliche Konturen an, die mit der Krönung von Karl IV. (1346) eingeleitet worden war. Die Schwerpunkte des Reichs verlagern sich nach Osten, Karl macht Böhmen zu seinem Kernland.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1378 </strong>Tod Karls des IV. Seine Söhne Sigismund und Wenzel teilen sich die Herrschaft. Beide sind aber zu schwach. Fürsten, Ritter und Städtebünde sind die wahren Herrscher im Reich.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1400 </strong>Ruprecht von der Pfalz wird am Rhenser Königsstuhl (heute ein „Neubau“ aus dem Jahr 1842) zum König erhoben. Auch Ruprecht agiert in seiner zehnjährigen Amtszeit glücklos und kann das alte Ansehen der Krone nicht wiederherstellen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1414</strong> König Sigismund, der 1410 zum König gewählt worden war, hält sich fast vier Wochen in Koblenz auf. Am 5. November des gleichen Jahres beginnt das Konzil von Konstanz, das erst im April 1418 zu Ende gehen sollte. Ein trauriger Höhepunkt: die Verurteilung und Verbrennung des böhmischen Reformators Jan Hus am 6. Juli 1415.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1430 </strong>Der Philosoph Nikolaus von Kues (1401–1464) ist Stiftsherr im Koblenz Stift St. Florin. Der Universalgelehrte sollte eine glanzvolle kirchliche Karriere machen. Unter anderem wurde er Fürstbischof von Brixen (Südtirol) und Kardinal.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1486</strong> Noch zu Lebzeiten seines Vaters Friedrich III. wird Maximilian am 9. April in Aachen zum König gekrönt. Am 26. Juni halten sich Vater und Sohn in Koblenz auf.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1492</strong> Im September findet in Koblenz ein Reichstag statt. Und wie bereits 1338 ist eine englische Delegation mit dabei, um Stimmung gegen Frankreich zu machen. Die Hoffnung auf eine hohe finanzielle Unterstützung durch das Reich und seine Fürsten erfüllten sich nicht. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1495 </strong>Reichstag zu Worms und Verkündung des Ewigen Landfriedens. Das Fehdewesen wird beseitigt, das Reichskammergericht entsteht. Maximilian (seit 1508 Kaiser) herrscht unangefochten bis zu seinem Tod im Jahr 1519, der in die Anfänge der Reformationszeit fällt.</p>
<p></strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1392</wfw:commentRss>
		<slash:comments>125</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Teil 13: „Machtmensch“ Balduin</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1377</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1377#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 10:13:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1377</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1377"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Badluinbruecke-1024x466.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Die Balduinbrücke im späten 19. Jahrhundert. Die beiden Brückentürme waren „Neubauten“ der Koblenzer Stadtbefestigung. Zu dieser Zeit waren die Aufbauten der Barockzeit schon längst verschwunden. Und auch in den folgenden Jahren wurde die Brücke, die einst als eine der ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen bewertet wurde, immer wieder verändert. Foto: Stadtarchiv Koblenz" title="Balduinbruecke" /></a>Koblenz. An die Preußen erinnert man sich ungern, während über die Jahrhunderte unter trierischer Herrschaft heute schon fast ehrfürchtig gesprochen wird. Historische Argumente für eine solche Verklärung gibt es nicht. Denn die Trierer Erzbischöfe waren knallharte Machtmenschen, denen es vor allem darum ging, ihr Herrschaftsgebiet zu festigen. Platz für bürgerliche Freiheitswünsche war da wenig. Das bekamen die Koblenzer spätestens seit dem 13. Jahrhundert zu spüren.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div id="attachment_1383" class="wp-caption alignnone" style="width: 317px"><a rel="attachment wp-att-1383" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1383"><img class="size-large wp-image-1383 " title="Balduinbruecke" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Badluinbruecke-1024x466.jpg" alt="Die Balduinbrücke im späten 19. Jahrhundert. Die beiden Brückentürme waren „Neubauten“ der Koblenzer Stadtbefestigung. Zu dieser Zeit waren die Aufbauten der Barockzeit schon längst verschwunden. Und auch in den folgenden Jahren wurde die Brücke, die einst als eine der ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen bewertet wurde, immer wieder verändert. Foto: Stadtarchiv Koblenz" width="307" height="140" /></a><p class="wp-caption-text">Die Balduinbrücke im späten 19. Jahrhundert. Die beiden Brückentürme waren „Neubauten“ der Koblenzer Stadtbefestigung. Zu dieser Zeit waren die Aufbauten der Barockzeit schon längst verschwunden. Und auch in den folgenden Jahren wurde die Brücke, die einst als eine der ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen bewertet wurde,  verändert. Foto: Stadtarchiv Koblenz</p></div>
<p style="text-align: justify;">Koblenz. An die Preußen erinnert man sich ungern, während über die Jahrhunderte unter trierischer Herrschaft heute schon fast ehrfürchtig gesprochen wird. Historische Argumente für eine solche Verklärung gibt es nicht. Denn die Trierer Erzbischöfe waren knallharte Machtmenschen, denen es vor allem darum ging, ihr Herrschaftsgebiet zu festigen. Platz für bürgerliche Freiheitswünsche war da wenig. Das bekamen die Koblenzer spätestens seit dem 13. Jahrhundert zu spüren.</p>
<p style="text-align: justify;"> <strong>Der Konflikt eskalierte</strong></p>
</div>
<div style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;">War es unter Heinrich von Finstingen in den Jahren von 1276 bis 1280 bereits wegen Abgaben und Arbeitseinsätzen beim Bau der Alten Burg zu Konflikten gekommen, eskalierte die Situation unter Diether von Nassau vollends. Es kam zum Aufstand, den der Erzbischof 1304 brutal niederschlug. Die bürgerliche Mitverwaltung war fortan Geschichte, der vier Jahre zuvor eingesetzte Stadtrat war aufgelöst. Ein schwacher Trost war, dass Diether auch in der kirchlichen Welt alles andere als beliebt war. Er beanspruchte zum Beispiel Einnahmen aus den Pfarreien seines Erzbistums – wohl auch, um seine militärischen Ausgaben in den Griff zu bekommen. Denn der Nassauer ließ in seinem Territorium Burgen und andere Befestigungen errichten.</p>
<p style="text-align: justify;">Diether von Nassau schaffte es sogar, den Heiligen Stuhl gegen sich aufzubringen. Dabei hatte er selbst einmal in Diensten des Papstes Bonifaz VIII. gestanden. Und 1300 war er von Papst Clemens V. gegen den Willen des Trierer Domkapitels (das Heinrich III. von Virneburg favorisiert hatte) an die Spitze des Erzbistums gesetzt worden. Doch das reichte Diether von Nassau offenbar nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Erzbischof schaffte es schließlich sogar, exkommuniziert und suspendiert zu werden. In seiner Gier nach Mehreinnahmen hatte er sich nicht nur mit dem Domkapitel, sondern auch mit den Spitzen der Trierer Klöster und Stifte angelegt. Man warf dem Erzbischof schließlich sogar vor, Reliquien in seinen Privatbesitz nehmen zu wollen. Und einen päpstlichen Legaten, der im Konflikt vermitteln wollte, behandelte Diether sogar schlecht. Zu einer Lösung kam es nicht mehr, weil der Nassauer 1307 starb. Die Niederwerfung der Koblenzer Aufstände unter den Erzbischöfen Heinrich und Diether bedeutete für die Bürger eine scharfe Zäsur. Ihr Traum von Freiheit in einer Stadt, die direkt dem König und Kaiser unterstand, war endgültig ausgeträumt. Auch wenn später weitere Versuche folgen sollten, sich aus den erzbischöflichen Fängen zu lösen, ist das frühe 14. Jahrhundert die Zeit, in der die Entwicklung von Koblenz zu einer Landstadt begann.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Reichspolitisch unbedeutend</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dass die Stadt reichspolitisch immer weiter an Bedeutung verlor, hatte auch wirtschaftliche Gründe. Koblenz war nämlich vor allem Zentrum für den regionalen Handel. Sieht man einmal von Wein und Holz ab, gelang es nie, den Wirtschaftsstandort trotz hervorragender Lage zu einer reichsweit bedeutenden Drehscheibe für den Warenumschlag zu machen. Das lag sicherlich auch daran, dass sich spätestens im 14. Jahrhundert die Schwerpunkte vom territorial zersplitterten Rheintal allmählich nach Osten verschoben.</p>
<p style="text-align: justify;">Kaiser und Könige machten fortan nur noch in Koblenz Station, wenn die Trierer Erzbischöfe in der Großen Politik mitmischten. Einer von ihnen beherrschte die Klaviatur von Macht und Diplomatie besonders virtuos: Balduin von Luxemburg. Der neue Erzbischof sollte 1307 zum Nachfolger Diethers gewählt werden und sein Amt sage und schreibe 47 Jahre ausüben. Balduin schaffte das, was seinen Vorgängern verwehrt blieb: ein geschlossenes Territorium, in dem er fest die Zügel in der Hand hielt. Ein Instrument seiner Macht war eine Verwaltungsreform. Balduin teilte sein Herrschaftsgebiet in ein Obererzstift und ein Niedererzstift. Das strategisch so wichtige Koblenz wurde zur Hauptstadt des Niedererzstiftes. Angenehmer Nebeneffekt: Weil Koblenz durch diesen Schritt rechtlich enorm aufgewertet wurde, nahm auch das Konfliktpotenzial mit den Bürgern ab. Investitionen in die örtliche Infrastruktur, so zum Beispiel durch den Bau eines neuen Moselübergangs, sollten auch die Skeptiker bei Laune halten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Eiskalte Berechnung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Fortschritte in Balduins Einflussgebiet sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Luxemburger vor allem eines war: ein eiskalter Stratege, dessen Ambitionen auch die Koblenzer mit Blut bezahlen sollten. Denn die Adelsgeschlechter, die sich gegen den Einfluss des Erzbischofs stellten, wurden mit Waffengewalt bekämpft. Das ging allerdings nicht immer gut, wie der Konflikt mit dem begüterten und einflussreichen Ritter Reinhard von Westerburg zeigte. Balduin wollte seine Herrschaft im Westerwald und an der Lahn festigen, während Reinhard von Westerburg nach Westen schaute. Zwar entschied Balduin den Konflikt für sich, doch sahen sich die Koblenzer bedroht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die „Grenzauer Fehde“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auf eigene Faust zogen 800 Bürger schließlich gegen den Westerwälder ins Feld. Sie wollten Grenzau für den Kurfürsten zurückgewinnen. Damit wollten sie sich auf ihre Weise für den Brückenbau und neu gewährte Freiheiten bedanken. Der Waffengang vom 20. April 1347 ging schließlich als Tragödie in die Stadtgeschichte ein. Denn die Koblenzer hatten Reinhard von Westerburg offenbar unterschätzt. Mindestens 172 von ihnen ließen ihr Leben – ein sinnloses Opfer, weil die Entscheidungen mit großer Tragweite längst ganz woanders gefallen waren.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Alte Glanz kehrt zurück</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In der „Ära Balduin“ wird europäische und deutsche Politik gestaltet. Und der Trier Erzbischof gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit – und als Königsmacher. Denn er hatte nicht nur dafür gesorgt, dass sein Bruder Heinrich der VII. auf den Thron gewählt wurde, sondern nach dessen frühem Tod auch dessen Nachfolger. Balduin gilt auch als derjenige, der den Aufstieg Ludwigs des Bayern förderte. Und noch einmal sollte der Glanz der Könige und Kaiser in Koblenz Einzug halten. Doch das ist eine andere Geschichte.</p>
<div id="attachment_1388" class="wp-caption aligncenter" style="width: 210px"><a rel="attachment wp-att-1388" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1388"><img class="size-full wp-image-1388" title="Balduinfigur" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Balduinfigur.jpg" alt="Der Koblenzer Bildhauer Rudi Scheuermann verewigte Erzbischof Balduin. Foto: Kallenbach" width="200" height="452" /></a><p class="wp-caption-text"> Bildhauer Rudi Scheuermann verewigte Erzbischof Balduin. Foto: Kallenbach</p></div>
<div>
<h2><strong>Nach 85 Jahren war die Brücke fertig</strong></h2>
</div>
<div style="text-align: justify;">Die Alte Moselbrücke wurde zwischen 1332 und 1338 auf Initiative des Erzbischofs Balduin begonnen, dessen Namen sie heute auch trägt. Erst nach 85 Jahren wurde sie mit dem Bau des Brückenturms vollendet. Der aus Grauwacke und vulkanischem Gestein errichtete Brückenbau war eine technische und finanzielle Herausforderung. Rom gewährte wiederholt Ablässe, damit der Bau überhaupt finanziert werden konnte.</div>
<div style="text-align: justify;">Die Balduinbrücke, die einst zu den ältesten Steinbrücken nördlich der Alpen gehörte, wurde im Laufe ihrer langen Geschichte immer wieder verändert. Als die Stadt im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts neu befestigt wurde, musste man auch die beiden Brückentürme überarbeitet. Im 18. Jahrhundert verschwand schließlich der Torbau auf der Lützeler Seite. 1775 wurde auch das Tor auf der Koblenzer Seite beseitigt. Im Zuge des Baus der Koblenzer Stadtbefestigung in der preußischen Zeit wurde 1834 ein neues Brückentor gebaut, das allerdings nur bis zum Abbruch in den Jahren 1897 und 1898 Bestand hatte. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auch der achte Bogen, der sogenannte Teufelsbogen mit rotem Sandstein neu eingewölbt, nachdem er von der Artillerie versehentlich beschädigt worden war.</div>
<div style="text-align: justify;">
<p>Um den Anforderungen des Verkehrs zu genügen, wurde die Trasse auf der Brücke 1883 verbreitert, auch um Raum für Fußgänger zu schaffen. Im Zuge der Maßnahmen verschwanden die barocken Brüstungen und zahlreiche Details aus dem Mittelalter. Die gravierendsten Eingriffe brachten jedoch der Zweite Weltkrieg und die Veränderungen der Wiederaufbaujahre. Zunächst sprengte die Wehrmacht auf ihrem Rückzug die Brücke. Drei Strombögen auf der Koblenzer Seite stürzten in die Mosel. Der Wiederaufbau erfolgte von 1946 bis 1954.</p>
<p>Das heutige Aussehen der Brücke ist ein Ergebnis des Vertrages zur Schiffbarmachung der Mosel von 1956. Acht Jahre später wurden sechs Bögen der nördlichen Brückenhälfte durchbrochen. 1970 folgten auch die zugehörigen Pfeiler. Die moderne Brückenkonstruktion der Nordhälfte wurde 1975 vollendet.</p>
</div>
<div>
<p><strong>Die wichtigsten Jahreszahlen: </strong><strong>Das 14. Jahrhundert</strong></p>
</div>
<div>
<p><strong>1300</strong> Ein Statut über die Wahl des Stadtrates wird am 12. Juli erlassen.</p>
<p><strong>1304 </strong>Die Bürger erheben sich gegen Erzbischof Diether von Nassau. Dieser schlägt den Aufstand nieder. Einen Stadtrat gibt es vorerst nicht mehr.</p>
<p><strong>1307</strong> Nach dem Tod von Diether von Nassau wird Balduin von Luxemburg Erzbischof. Er regiert bis 1354. </p>
<p><strong>1308</strong> Heinrich VII. wird König, die Kaiserkrönung folgt 1312. Der Luxemburger regiert bis 1313. Nachfolger wird Ludwig der Bayer, der 1328 Kaiser wird und 1347 stirbt. </p>
<p><strong>1309</strong> König Heinrich VII verleiht Koblenz einen Jahrmarkt.</p>
<p><strong>1331 </strong>Wachablösung auf dem Beatusberg. Im Norden der heutigen Karthause zieht der Karthäuserorden in das ehemalige Benediktinerkloster ein.</p>
<p><strong>1338</strong> Hoftag in Koblenz im August und September unter Kaiser Ludwig (der Bayer). Auch der englische König Eduard III. ist anwesend.</p>
<p><strong>1343</strong> Die an der Südseite der Liebfrauenkirche gelegene Friedhofskapelle St. Michael wird urkundlich erwähnt.</p>
<p><strong>1346</strong> König Karl IV. wird König. Die Kaiserkrönung des Luxemburgers folgt 1355. Karl stirbt 1378.</p>
<p><strong>1347</strong> Die Grenzauer Fehde endet am 20. April mit einer verheerenden Niederlage der Koblenzer Bürger.</p>
<p><strong>1347</strong> Der Koblenzer Rheinzoll wird nach Kapellen verlegt.</p>
<p><strong>1356</strong> Die Goldene Bulle regelt Wahl und Krönung der römisch-deutschen Könige. Streng genommen kann man erst seit diesem „Grundgesetz“ von Kurfürsten sprechen.</p>
<p><strong>1366</strong> Erneut wird ein Stadtrat genannt. Forscher sprechen von einer „zweiten Ratsgründung“, weil fortan früher nicht vertretene Gruppen beteiligt werden.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1377</wfw:commentRss>
		<slash:comments>616</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 12: Frühe Stadtansichten</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1368</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1368#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 18:07:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1368</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1368"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Merianstich-1024x524.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Der Kupferstich aus Matthäus Merians (der Ältere) „Topographia Germaniae“. Gezeigt wird Koblenz während der Beschießung durch schwedische Truppen im Sommer 1632. Die Illustration wird immer wieder gern genannt, wenn es um das Stadtbild im hohen Mittelalter geht. Doch genauere Untersuchungen zeigen: Abgesehen von der Darstellung der Stadtmauer stimmt in der Darstellung wenig. Reproduktionen: Stadtarchiv Koblenz/Mittelrhein-Museum" title="Merianstich" /></a>Koblenz. Im späten 13. Jahrhundert war Koblenz eine voll funktionsfähige Stadt. Auch wenn Bauhandwerker die mittelalterliche Mauer noch nicht vollständig fertiggestellt hatten, präsentierte sich das von ihr umschlossene, insgesamt 42 Hektar große Areal im Bereich der heutigen Alt– und Innenstadt relativ gut geschützt. Dazu kam, dass sich das Zentrum an Rhein und Mosel zu einer zweiten Hauptstadt der Trierer Erzbischöfe entwickelte.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Koblenz. Im späten 13. Jahrhundert war Koblenz eine voll funktionsfähige Stadt. Auch wenn Bauhandwerker die mittelalterliche Mauer noch nicht vollständig fertiggestellt hatten, präsentierte sich das von ihr umschlossene, insgesamt 42 Hektar große Areal im Bereich der heutigen Alt– und Innenstadt relativ gut geschützt. Dazu kam, dass sich das Zentrum an Rhein und Mosel zu einer zweiten Hauptstadt der Trierer Erzbischöfe entwickelte.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Besonders gefürchtet war Erzbischof Heinrich von Vinstingen (1260–1286), der die Koblenzer mit hohen Abgaben für den Bau der Alten Burg belastet hatte. Diese war am westlichen Ende des spätantiken Kastells durch den Ausbau eines einstigen Wohnturms der Familie von der Arken entstanden, dessen Kern heute noch erhalten ist. Dennoch offenbart die Alte Burg ein zentrales Problem in der Koblenzer Stadtgeschichtsforschung: In der heutigen Altstadt steht kaum ein Bauwerk, das sich im Zustand des Mittelalters präsentiert. Diese Aussage gilt selbst für die drei romanischen Hauptkirchen, die in den folgenden Jahrhunderten ausgebaut und verändert wurden. Und der Kernbau der Alten Burg spiegelt heute das Ergebnis der Ausbauphasen des 17. und 18. Jahrhunderts wider. Auch Graben, Befestigung und Nebenbauten können nur noch mit viel Fantasie rekonstruiert werden. </p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1369" class="wp-caption alignnone" style="width: 317px"><a rel="attachment wp-att-1369" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1369"><img class="size-large wp-image-1369 " title="Merianstich" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Merianstich-1024x524.jpg" alt="Der Kupferstich aus Matthäus Merians (der Ältere) „Topographia Germaniae“. Gezeigt wird Koblenz während der Beschießung durch schwedische Truppen im Sommer 1632. Die Illustration wird immer wieder gern genannt, wenn es um das Stadtbild im hohen Mittelalter geht. Doch genauere Untersuchungen zeigen: Abgesehen von der Darstellung der Stadtmauer stimmt in der Darstellung wenig. Reproduktionen: Stadtarchiv Koblenz/Mittelrhein-Museum" width="307" height="157" /></a><p class="wp-caption-text">Der Kupferstich aus Matthäus Merians (der Ältere) „Topographia Germaniae“. Gezeigt wird Koblenz während der Beschießung durch schwedische Truppen im Sommer 1632. Die Illustration wird immer wieder gern genannt, wenn es um das Stadtbild im hohen Mittelalter geht. Doch genauere Untersuchungen zeigen: Abgesehen von der Darstellung der Stadtmauer stimmt in der Darstellung wenig. Reproduktionen: Stadtarchiv Koblenz/Mittelrhein-Museum</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Kein Originalzustand</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Was sich für die Alte Burg feststellen lässt, gilt auch für eine Reihe weiterer Gebäude, die im Kern zwar mittelalterlich sind, aber dennoch das Bild der Frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Deshalb wird immer wieder gern versucht, das mittelalterliche Stadtbild mithilfe der frühen Bildquellen zu rekonstruieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Die wohl bekannteste frühe Koblenz-Darstellung ist der Kupferstich aus dem 1646 erschienenen siebten Teil der „Topographia Germaniae”. Der berühmte Kupferstecher Matthäus Merian der Ältere (1593–1650) gab dieses insgesamt 50-bändige Monumentalwerk zusammen mit Martin Zeiller heraus. Es enthält mehr als 2000 Kupferstiche von Stadtansichten, Plänen und einzelnen Bauwerken.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn der Koblenz-Stich die Stadt während der Beschießung durch schwedische Truppen im Sommer 1632 zeigt, dürfte die Grafik alles andere als eine authentische Bildquelle sein. Sie entstand wohl erst eine Dekade später. Als Vorlagen dienten Stadtansichten des 16. Jahrhunderts. </p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Merian-Schüler lieferte Details</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wichtig wurden die Details, die Wenzel Hollar lieferte. Der Grafiker ist Merians Schüler gewesen, hatte sich dann aber selbstständig gemacht und in kriegerischer Zeit mehrere Rheinreisen unternommen. Die noch erhaltenen neun Zeichnungen und zwei Radierungen stammen wohl aus den Jahren 1632 und 1635. Sie gehörten zu den Quellen, die schließlich in die Arbeit in Merians Werkstatt einflossen. Dazu kam ein kräftiger Schuss Fantasie, denn in den Jahren, in denen die „Topographia“ entstand, war Koblenz infolge des Dreißigjährigen Krieges weitgehend zerstört.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei genauerer Betrachtung und dem Vergleich mit historischen Stadtplänen stellt sich heraus, dass am Merian-Stich so gut wie nichts stimmt. Selbst die wichtigen Verkehrsachsen sind falsch oder völlig verzerrt eingetragen. Die große Ausnahme: die Stadtmauer, deren Darstellung wohl auf Wenzel Hollars Rheinreisen zurückgeht. Der Grafiker war per Schiff an Koblenz vorbeigefahren und hatte Skizzen angefertigt. Die Stadt hat er wegen der widrigen Umstände der Zeit wohl nie betreten. Der Künstler konnte deshalb Straßenverläufe und Bebauung hinter der Stadtmauer unmöglich dokumentieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Und Matthäus Merian? Obwohl der berühmte Grafiker und Verleger das Grauen des Krieges in vielen Städten selbst gesehen und seine Erlebnisse bereits 1635 im „Theatrum Europaeum” verarbeitet hatte, dürfte er nie in Koblenz gewesen sein. Und selbst, wenn in seiner Werkstatt später die unterschiedlichsten Quellen verarbeitet wurden, sollte die künstlerischen Freiheiten nicht unterschätzt werden. Auch Koblenz wird, der damaligen Mode entsprechend, aus der Vogelperspektive gezeigt. Diese Betrachtungsweise hatte sowohl für den Zeichner als auch für den Kupferstecher den Vorteil, dass die Vorzüge eines Grundrisses mit der Anschaulichkeit einer Stadtansicht verbunden werden konnten. Deshalb musste sich der Künstler in einen Ausgangspunkt hineinversetzen, den es in Wirklichkeit gar nicht gab. Das führte bei der grafischen Umsetzung zwangsläufig zu Verzerrungen. Dazu kommt, dass auch die älteren Darstellungen alles andere als genau waren.</p>
<div id="attachment_1374" class="wp-caption aligncenter" style="width: 465px"><a rel="attachment wp-att-1374" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1374"><img class="size-full wp-image-1374  " title="MunsterSebastian" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/MunsterSebastian.jpg" alt="Holzschnitt des Grafiker Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525–1571) aus der von Sebastian Münster zum ersten Mal 1544 veröffentlichten „Cosmographey“, einer Beschreibung der Länder und Städte Deutschlands." width="455" height="304" /></a><p class="wp-caption-text">Holzschnitt des Grafiker Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525–1571) aus der von Sebastian Münster zum ersten Mal 1544 veröffentlichten „Cosmographey“, einer Beschreibung der Länder und Städte Deutschlands.</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: justify;"><strong>Die ältesten Darstellungen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In der langen Reihe der frühen Koblenz-Darstellungen muss zuerst das um 1525 entstandene Fresko des Kölner Künstlers Anton Woensam genannt werden. Zwar stehen die Heiligen Florin, Katharina und Kastor im Mittelpunkt der Darstellung, doch sind im Hintergrund wichtige Gebäude der Stadt zu erkennen. Beispiele sind die Deutschordensniederlassung, die drei Hauptkirchen, das Alte Kaufhaus und die Alte Burg.</p>
<p style="text-align: justify;">Aussagekräftiger ist der Koblenz-Holzschnitt in der „Cosmographey”, die Sebastian Münster zum ersten Mal im Jahre 1544 veröffentlichte. Diese Beschreibung der Länder und Städte Deutschlands enthält Beiträge verschiedener Verfasser. Als Vorlagen für die Illustrationen fanden vielfach bereits vorhandene Abbildungen Verwendung. Von „Sonderanfertigungen” kann in den wenigsten Fällen die Rede sein. Diese Feststellung gilt vor allem für den aus dem Jahr 1549 stammenden Holzschnitt von Koblenz.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie aus dem Begleittext in der Auflage des Werkes von 1598 hervorgeht, wurde Erzbischof Johann von Isenburg (1547–1556) um die Übersendung einer Ansicht gebeten. Diese Ansicht diente dann dem Grafiker Hans Rudolf Manuel Deutsch (1525–1571) als Vorlage für einen Holzschnitt. Dieser wurde in späteren Auflagen nur noch leicht verändert, wobei der Schwerpunkt auf den Beschriftungen lag. Alle Varianten haben eines gemeinsam: Bei der Wiedergabe von Koblenz samt der umliegenden Nachbarorte legte man keinen besonderen Wert auf Genauigkeit. So sind die mittelalterlichen Dörfer Neuendorf und Wallersheim nicht eingetragen. Die Insel Niederwerth und das Dorf Kesselheim wurden stromaufwärts verschoben. Für Historiker ist nur die Darstellung der moselseitigen Stadtmauer verwertbar. Sie greifen deshalb lieber auf die Darstellung im „Städtebuch“ zurück, das 1572 in Köln erschien und auf die Initiative des Dechanten Georg Braun und des Kupferstechers Franz Hogenberg zurückging. Das Werk sollte auch spätere Grafiker nachhaltig beeinflussen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1368</wfw:commentRss>
		<slash:comments>146</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 11: Ränkespiele in Koblenz</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1353</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1353#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 08:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1353</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1353"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/DeutscherOrden1.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="" title="DeutscherOrden" /></a>Koblenz. Am Rhein wurde gerade im Mittelalter deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Das lag vor allem daran, dass der Strom schon damals eine der zentralen Adern Europas war. Dort pulsierte das wirtschaftliche Leben. Weil die Straßen meist schlecht waren, wichen Händler auf das Wasser aus. Die Folge: Der Fluss wurde weit intensiver befahren, als es heute der Fall ist. Darauf hat der Historiker Prof. Dr. Stefan Weinfurter hingewiesen.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;">
<p><strong>Koblenz. Am Rhein wurde gerade im Mittelalter deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Das lag vor allem daran, dass der Strom schon damals eine der zentralen Adern Europas war. Dort pulsierte das wirtschaftliche Leben. Weil die Straßen meist schlecht waren, wichen Händler auf das Wasser aus. Die Folge: Der Fluss wurde weit intensiver befahren, als es heute der Fall ist. Darauf hat der Historiker Prof. Dr. Stefan Weinfurter hingewiesen.</strong></p>
<p>Die große wirtschaftliche Bedeutung des Rheintals hatte gravierende politische Folgen. Es entstand ein territorialer „Flickenteppich“, weil sich viele mächtige Herren den Zugang zu den lukrativen Rheinzöllen sichern und zusätzliche Einnahmequellen für sich erschließen wollten. Das gegenseitige Vertrauen der Mächtigen, die die Schwäche der Krone zu nutzen wussten, hielt sich in engen Grenzen. Vor allem im 13. Jahrhundert suchten sie, ihren Einfluss durch den Bau von Burgen zu festigen. So sicherten die Burgen Lahneck und Stolzenfels die Flusszölle, während die Marksburg über Braubach die Erzvorkommen schützte.</p>
<p style="text-align: center;">
<div id="attachment_1355" class="wp-caption aligncenter" style="width: 485px"><a rel="attachment wp-att-1355" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1355"><img class="size-full wp-image-1355  " title="DeutscherOrden" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/DeutscherOrden1.jpg" alt="" width="475" height="351" /></a><p class="wp-caption-text">Der große Rheinbau von 1278, der heute die Heimat des Ludwig Museums ist, zeugt von der großen Geschichte des Deutschen Ordens in Koblenz. Die Aufnahme von 1938 zeigt die weiteren Gebäude des Verwaltungssitzes, die im Krieg schwer beschädigt oder zerstört wurden. Foto: Stadtarchiv Koblenz </p></div>
<p><strong>Im Zentrum der großen Politik</strong></p>
<p>Die geistlichen Landesherren spielten in den Ränkespielen um die Vormacht an Rhein und Mosel eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und die Könige brauchten ihre Unterstützung. Das erklärt auch, warum Koblenz immer wieder im Mittelpunkt reichspolitisch bedeutender Ereignisse stand, obwohl es seine Bedeutung als Krongut bereits 1018 verloren hatte. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Ära der staufischen Könige und Kaiser in Koblenz begann. Bereits das Schicksalsjahr 1138 zeigt: Die Großen eines Reiches brauchten nicht immer Zentren wie Köln und Mainz, um ihre Gegner vor vollendete Tatsachen zu stellen. Manchmal genügte eine Kleinstadt oder ein verkehrsgünstig gelegenes Dorf. Nicht umsonst griff Konrad III. in Lützelkoblenz nach der Krone und gab sie nicht wieder her.</p>
<p>Am 7. März 1138 trafen sich hohe Würdenträger im heutigen Stadtteil, um einen Nachfolger für den am 3. Dezember verstorbenen Lothar III. von Supplinburg zu wählen. Ort des Geschehens war die alte Peterskirche, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bestand. Die Lützeler Ereignisse sind in jeder Hinsicht denkwürdig. Konrad hatte zu dieser Zeit nur eine Minderheit der Mächtigen hinter sich. Nun galt es, die Ansprüche schnell „durchzudrücken“. Den damaligen Akteuren kam dabei entgegen, dass es weder einen Nationalstaat noch eine einheitliche Verfassung gab. Und so fiel den weltlichen und geistlichen Landesherren eine besondere Rolle zu.</p>
<p>Zu den Unterstützern Konrads gehörte auch der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil, den Stefan Weinfurter als einen der geschicktesten und skrupellosesten Machtmenschen seiner Zeit bezeichnet. Albero wusste, dass sein Territorium durch Widersacher gefährdet war. Besonders Pfalzgraf Wilhelm von Ballenstedt machte ihm das Leben schwer. Die Rechnung des Erzbischofs war einfach: Wenn er Konrad unterstützte, konnte er sich dessen Dank sicher sein. Dass er sich für diesen König entschied, hatte einen einfachen Grund.</p>
<p><strong>Knallharter Machtpoker</strong></p>
<p>Der zum Geschlecht der Askanier gehörende Pfalzgraf war mit dem ebenfalls aus Sachsen stammenden Lothar von Supplinburg verwandt, der kurz vor seinem Tod den Welfen Heinrich den Stolzen als Nachfolger bestimmt hatte. Schlimmer noch: Der Pfalzgraf, der sich auch hinter den Welfen stellten, unterstützte auch eine gegen Albero gerichtete Reformbewegung. Es lag für den Erzbischof auf der Hand, sich für Konrad zu entscheiden, zumal Lothar von Supplinburg versucht hatte, das Wahlkönigtum auszuhöhlen – was nicht im Interesse des Erzbischofs liegen konnte. Umgekehrt brauchte Konrad den Trierer, der als päpstlicher Legat einen kurzen Draht zu Papst Innozenz II. hatte. Entsprechend hoch war der Preis für den Staufer: Er musste auf seinen Einfluss an der Mosel verzichten, der Weg für die Konsolidierung Triers als Territorium war frei. Dennoch hätte es für Konrad nicht besser kommen können, weil Albero geschickt verstand, ein Vakuum zu füllen: Der Mainzer „Königsmacher“, Erzbischof Adalbert, war ebenfalls 1137 gestorben. Und so konnte der Trierer ungestört die Anhänger des Staufers und Unentschlossene nach Lützelkoblenz einladen. Was zunächst als „Kolloqium“ deklariert war, mutierte schnell zu einer Wahl. Nennenswerten Widerstand scheint es nicht gegeben zu haben. Potenzielle Gegner waren mit Wein und Lebensmitteln geködert worden. Der Weg für Konrad war frei. Der neue König hielt Wort. Spätestens seit dem Tod Siegfrieds von Ballenstedt (1140) hatten die Pfalzgrafen nichts mehr an der Mosel verloren. Ihr Machtzentrum verschob sich nach Bacharach. Und mit Pfalzgraf Konrad residierte schließlich ein Mann auf Burg Stahleck, der selbst Staufer war. Albero selbst konnte nun schalten und walten, wie er wollte. Koblenz wurde ein Zentrum seiner Macht. Dort starb er 1152.</p>
<div id="attachment_1360" class="wp-caption aligncenter" style="width: 426px"><a rel="attachment wp-att-1360" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1360"><img class="size-full wp-image-1360" title="DeutscherOrden2" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/DeutscherOrden2.jpg" alt="Die Kapelle des Deutschen Ordens ist heute nur noch eine Ruine. Sie wurde im Rahmen der Vorbereitung der Bundesgartenschau gesichert und vom Wildwuchs befreit. Foto: Reinhard Kallenbach " width="416" height="262" /></a><p class="wp-caption-text">Die Kapelle des Deutschen Ordens ist heute nur noch eine Ruine. Sie wurde im Rahmen der Vorbereitung der Bundesgartenschau gesichert und vom Wildwuchs befreit. Foto: Reinhard Kallenbach </p></div>
<p><strong>Der Aufstieg des Deutschen Ordens</strong></p>
<p>Auch die späteren Trierer Erzbischöfe wussten geschickt, ihre Macht zu sichern. Einerseits sicherten sie ihr Territorium gegen Widersacher und allzu selbstbewusste Ritter und Bürger, andererseits beobachteten sie sorgfältig die Entwicklungen im Reich. Das zeigte sich am Beispiel des von den Königen und Kaisern protegierten Deutschen Ordens, der sich eben nicht nur der Krankenpflege widmete, sondern auch Speerspitze knallharter Machtpolitik war, was zum Beispiel die spätere Expansion im Osten zeigen sollte. 1190 in Akkon im Heiligen Land gegründet, war der Ritterorden zunächst im Mittelmeerraum erfolgreich, dann aber auch im eigentlichen Reichsgebiet. Auch in Koblenz wurde der Orden ansässig.</p>
<p>Die Niederlassung, die sogenannte Kommende, geht bis in das Jahr 1216 zurück. Sie ist somit die älteste am Rhein. Möglich wurde dies durch zahlreiche Schenkungen und die Unterstützung des Erzbischofs Dietrich II. von Wied, der von 1212 bis 1242 regierte. Im Laufe des 13. Jahrhunderts baute der Orden seinen Stützpunkt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel aus und machte ihn zu einem der wichtigsten seiner insgesamt 13 Verwaltungsmittelpunkte im Reich.</p>
<p>Die Bezeichnung „Deutsches Eck“ erinnert auch heute noch an die große Zeit des Deutschen Ordens in der Stadt, die auch wegen ihrer wichtigen Funktion als Handelsplatz vor allem westlich und östlich des alten Kerns weiter wuchs. Nach und nach entstanden neue Straßenzüge. Westlich des spätantiken Stadtgrabens wurde zum Beispiel die Weißer Gasse angelegt, die ihren Namen vom Nachbarort Moselweiß haben dürfte, der schon damals wirtschaftlich und rechtlich eng an Koblenz angebunden war. Die beiden Hauptachsen der Stadterweiterung nach Osten waren die Firmung– und die hochwassergefährdete Kastorstraße. Wegen der günstigen Lage an der Mosel scheint man beim Ausbau des Kastorviertels Überflutungen in Kauf genommen zu haben, obwohl die Folgen nicht unbeträchtlich waren wie in der Limburger Chronik für 1396 zu lesen ist.</p>
<div id="attachment_1361" class="wp-caption aligncenter" style="width: 426px"><a rel="attachment wp-att-1361" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1361"><img class="size-full wp-image-1361" title="Stadtmauer1" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/10/Stadtmauer1.jpg" alt="Spuren des Mittelalters in der heutigen Altstadt: Die Stadtmauer ist heute noch an verschiedenen Stellen zu erkennen, so auch am Peter-Altmeier-Ufer. Foto: Reinhard Kallenbach " width="416" height="262" /></a><p class="wp-caption-text">Spuren des Mittelalters in der heutigen Altstadt: Die Stadtmauer ist heute noch an verschiedenen Stellen zu erkennen, so auch am Peter-Altmeier-Ufer. Foto: Reinhard Kallenbach </p></div>
<p><strong>Die neue Stadtmauer</strong></p>
<p>Die neuen Straßen konnten nicht verteidigt werden. Dabei waren die Zeiten mit dem Tod des Stauferkaisers Friedrich II. im Dezember 1250 und dem folgenden Interregnum unsicherer geworden. Die Bürger forderten mehr Schutz. Die Konsequenz: Erzbischof Arnold von Isenburg (1242–1259) machte den Weg für einen Mauerbau frei. Am 15. Februar 1259 gestattete er Rittern, Bürgern sowie den Stiftsherren von St. Kastor und St. Florin sogar, einen überwiegend auf Lebensmittel zu entrichtenden Zoll – auch Ungeld genannt – nach Bezahlung der für die Befestigung bereits gemachten Schulden für den weiteren Ausbau der Anlagen zu verwenden. Dieser Vorgang zeigt: Auch in Koblenz war die neue Stadtbefestigung zunächst ein Provisorium aus Holz und Erde, die erst nach und nach durch steinerne Bauten abgelöst wurde.</p>
<p>Die Koblenzer bauten bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts an ihrer Stadtmauer, die auch später immer wieder optimiert wurde. Es gab Verzögerungen, da das Verhältnis der Bürger zu Isenburgs Nachfolger, Erzbischof Heinrich von Vinstingen (1260–1286), schlecht war.</p>
<p>Der neue Landesherr hatte einen Adelssitz ausbauen lassen und verstärkte seine Präsenz in Koblenz. Noch schlimmer: Er verlangte einen Teil des Ungeldes für den Ausbau der „Alten Burg“. Auch wurden die Koblenzer verpflichtet, aktiv zum Bau beizutragen. Der Widerstand war vergebens. Die Erzbischöfe sollten über Jahrhunderte fest im Sattel sitzen.</p>
<div>
<p><strong>Die Ära der Stauferkönige</strong></p>
</div>
<div>
<p><strong>1138</strong> Wahl des Staufers Konrad III. zum König. Ort des Geschehens ist die alte Peterskirche in Lützelkoblenz. Der Staufer regiert bis 1152.</p>
<p><strong>1152</strong> Friedrich I. „Barbarossa“ wird König und 1155 Kaiser. Der Staufer regiert bis 1190. Er ertrinkt während des dritten Kreuzzuges, als er den Fluss Saleph im Südosten der heutigen Türkei durchqueren will.</p>
<p><strong>1182</strong>Die Liebfrauenkirche wird erstmals in den schriftlichen Quellen erwähnt. Aus demselben Jahr ist ein Gerichts– und Rathaus überliefert.</p>
<p><strong>1190</strong> Gründung des Ritterordens „Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“, kurz Deutscher Orden genannt. Im gleichen Jahr kommt der Sohn Barbarossas, Heinrich VI., auf den Thron, der bereits 1191 Kaiser wird.</p>
<p><strong>1197</strong> Nach dem überraschenden Tod des Kaisers Heinrich VI. eskaliert der Thronstreit. Zwar besteigt mit Philipp von Schwaben als jüngster Sohn Barbarossas ein weiterer Staufer den Thron, doch macht ihm der Welfe Otto IV. die Königswürde streitig. Es kommt zum Krieg, eine Schlacht wird im Oktober 1198 sogar vor den Toren von Koblenz geschlagen. Papst Innozenz III. entscheidet sich jedoch für Otto, der bis 1218 als König regiert. Nach der Ermordung Philipps durch den bayerischen Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach (1208) herrscht König Otto nur kurze Zeit unangefochten. Mit dem berühmten Staufer Friedrich II. betritt ein mächtiger Rivale die Bühne. Der Sohn Heinrichs VI. wird 1212 und 1215 in Mainz beziehungsweise in Aachen zum König gekrönt. 1220 wird Friedrich II. Kaiser.</p>
<p><strong>1236</strong> Dominikaner und Franziskaner werden in Koblenz erstmals am 11. September urkundlich erwähnt.</p>
<p><strong>1239</strong> Koblenz erhält ein weiteres Hospital, das im südlichen Stadterweiterungsgebiet eingerichtet wird. Ein erstes Hospital war bereits 1110 im Bereich des Stiftes St. Florin eingerichtet worden.</p>
<p><strong>1245 </strong>Stadtbrand in Koblenz. Ein großer Teil des Hausbestandes im Bereich der heutigen Altstadt wird zerstört.</p>
<p><strong>1248 </strong>Burg Stolzenfels ist spätestens zu diesem Zeitpunkt voll funktionsfähig. Die Anlage war im Auftrag des Trierer Erzbischofs Arnold II. von Isenburg in den Jahren von 1241 bis 1259 errichtet worden. Sie hatte die Aufgabe, den Rheinzoll für den Erzbischof zu sichern. Sie war ein Gegengewicht zur 1226 vom Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein begonnenen Burg Lahneck bei Oberlahnstein.</p>
<p><strong>1250 </strong>Kaiser Friedrich II. stirbt am 13. Dezember in Castel Fiorentino bei Lucera im süditalienischen Apulien. Es beginnen unruhige Zeiten mit Königen und Gegenkönigen, die erst mit der Krönung von Rudolf von Habsburg (1273) zu Ende gehen. Landesherren und Städte nutzen das lange Machtvakuum, um ihre Position zu stärken. 1254 wird der erste Rheinische Städtebund mit 59 Mitgliedern gegründet, dem Koblenz aber nicht angehört.</p>
<p><strong>1259 </strong>Zur Finanzierung des Neubaus der Koblenzer Stadtmauer wird eine Sondersteuer erhoben.</p>
<p><strong>1267 </strong>Ein erstes Siechenhaus wird erwähnt. Standort ist zunächst die Laubach, später das Siechhaustal.</p>
<p><strong>1276 </strong>Die Existenz eines Koblenzer Stadtrates ist erstmals schriftlich belegt.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1353</wfw:commentRss>
		<slash:comments>172</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 10: Die Stadt entsteht</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1340</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1340#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 08:18:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1340</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1340"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Pfarrhof_Internet.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Zwar wurde die Danne erst im 17. Jahrhundert angelegt, doch dokumentiert der enorme Höhenunterschied auch noch heute den Übergang von römischer Kernstadt zu den Stadterweiterungsgebieten, zu denen auch die Kastorstraße gehörte." title="Pfarrhof_Internet" /></a>Koblenz. Seit wann ist Koblenz Stadt? Trotz intensiver Forschungen kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Denn eine förmliche urkundliche Stadtrechtsverleihung hat es für die Siedlung an Rhein und Mosel nie gegeben. Der seit 1018 erzbischöfliche Ort macht allerdings keine Ausnahme. In den früheren römischen Kastellorten sind die Übergänge fließend. Die Stadtwerdung kann selten auf Jahr und Tag datiert werden. Deswegen können Entwicklungen nur im großen gesamteuropäischen Zusammenhang betrachtet werden.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_1343" class="wp-caption aligncenter" style="width: 485px"><a rel="attachment wp-att-1343" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1343"><img class="size-full wp-image-1343 " title="Pfarrhof_Internet" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Pfarrhof_Internet.jpg" alt="Zwar wurde die Danne erst im 17. Jahrhundert angelegt, doch dokumentiert der enorme Höhenunterschied auch noch heute den Übergang von römischer Kernstadt zu den Stadterweiterungsgebieten, zu denen auch die Kastorstraße gehörte." width="475" height="335" /></a><p class="wp-caption-text">Zwar wurde die Danne erst im 17. Jahrhundert angelegt, doch dokumentiert der enorme Höhenunterschied auch noch heute den Übergang von römischer Kernstadt zu den Stadterweiterungsgebieten, zu denen auch die Kastorstraße gehörte. Fotos: Reinhard Kallenbach</p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Koblenz. Seit wann ist Koblenz Stadt? Trotz intensiver Forschungen kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Denn eine förmliche urkundliche Stadtrechtsverleihung hat es für die Siedlung an Rhein und Mosel nie gegeben. Der seit 1018 erzbischöfliche Ort macht allerdings keine Ausnahme. In den früheren römischen Kastellorten sind die Übergänge fließend. Die Stadtwerdung kann selten auf Jahr und Tag datiert werden. Deswegen können Entwicklungen nur im großen gesamteuropäischen Zusammenhang betrachtet werden.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Generationen von Historikern haben sich bereits mit der sogenannten Urbanisierung im 10. und 11. Jahrhundert auseinandergesetzt. Und besonders die Trierer Gelehrten haben sich in der Forschung einen Namen gemacht: Ihr Ergebnisse sind im – von den Historikern Dr. Monika Escher-Apsner und Dr. Frank G. Hirschmann herausgegebenen – dreibändigen Monumentalwerk „Die urbanen Zentren des hohen und späten Mittelalters“ zusammengefasst. Die Trilogie ist seit 2005 erhältlich und behandelt sage und schreibe 461 Städte im östlichen Frankreich und im Westen Deutschlands. Daraus wird klar ersichtlich: Die Entwicklung zur Stadt hat die unterschiedlichsten Hintergründe: Es gibt politische, rechtliche, kirchliche, kulturelle, wirtschaftliche, fiskalische, soziale, städtebauliche, militärische und demografische Prozesse, die den Prozess der Stadtwerdung forcieren. Und die Vorgänge im Koblenz des beginnenden Hochmittelalters passen sehr gut in das europäische Puzzle. Denn in den Jahren ab 1000 gibt es gravierende Veränderungen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Europa verändert sich </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wird die Bevölkerung im Europa der Frankenzeit auf rund 24 Millionen Menschen geschätzt, sollte sich die Bevölkerung bis zum 14. Jahrhundert mehr als verdoppeln. Am Ende des Spätmittelalters lebten wohl 54 Millionen Menschen in Europa. Eine Hauptursache hierfür dürfte eine Verbesserung der Versorgungslage gewesen sein. Die Landwirtschaft wurde durch Rodungen ausgebaut, die um das Jahr 1100 eingeführte Dreifelderwirtschaft ermöglichte eine effiziente Nutzung der Böden. Außerdem meldeten Bergbau und Metallurgie deutliche Fortschritte. Und dank der Übersetzung von Schriften aus dem Arabischen gab es eine neue kulturelle Blüte. Erste Erfolge wurden bereits im 11. Jahrhundert spürbar. Die Rolle der Städte als Handelszentren wuchs. Und das Handwerk siedelte sich bevorzugt dort an, wo die wichtigsten Stränge des mittelalterlichen Lebens zusammenliefen. Und Koblenz hatte schon allein aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage gute Startbedingungen. Mit Recht geht der Historiker Dr. Dietmar Flach davon aus, dass Koblenz bereits zur Zeit des Übergangs des Königsgutes an die Trierer Erzbischöfe ein bedeutender Marktort war, der auch auf die umliegenden Dörfer ausstrahlte. Dazu gehörte auch das heutige Lützel, dessen frühes Aussehen allerdings nicht mehr rekonstruierbar ist. Fest steht: Das kleine Dorf am nördlichen Moselufer, das schon früh rechtlich und wirtschaftlich auf Koblenz zugeschnitten war, ist auch als Treffpunkt der Großen jener Zeit überliefert. So verhandelten 1105 Heinrich IV. und sein Sohn Heinrich V. an einem unbekannten Ort im heutigen Stadtteil, wobei das Familientreffen wohl nicht allzu herzlich verlief. Nur ein Jahr später musste der Vater abdanken, während der Sohn Fürsten und Klerus hinter sich wusste.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum die beiden nicht direkt in Koblenz verhandelten, ist unklar. Dabei hatte der Ort zu dieser Zeit einiges zu bieten: Es gab zu dieser Zeit zwei Kernbereiche um die aufstrebenden Stifte St. Florin und St. Kastor und eine Bevölkerungsstruktur, die erste klare Konturen angenommen hatte. Es gilt als sicher, dass Handel und Handwerk bereits zu dieser Zeit eine starke Rolle spielten und eigene Interessenvertretungen gegründet hatten. Ferner hatte sich nach der Schenkung des Krongutes Koblenz eine neue örtliche Elite herausgebildet, die dem Trierer Erzbischof die Treue gelobt hatte. Dieser neue Stadtadel ging dazu über, im Gebiet der heutigen Innenstadt befestigte Gebäude zu errichten. Wohntürme, wie man sie heute noch in Regensburg bewundern kann, dürften auch das Bild von Koblenz im 11. und 12. Jahrhundert geprägt haben.</p>
<p style="text-align: justify;">
<div id="attachment_1344" class="wp-caption alignleft" style="width: 301px"><a rel="attachment wp-att-1344" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1344"><img class="size-full wp-image-1344 " title="Schulgaesschen_Internet" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Schulgaesschen_Internet.jpg" alt="Der Höhenunterschied von der Liebfrauenkirche zum Entenpfuhl lässt immer noch den großen Abstand zwischen Kastell und Graben erahnen. " width="291" height="408" /></a><p class="wp-caption-text">Der Höhenunterschied von der Liebfrauenkirche zum Entenpfuhl lässt immer noch den großen Abstand zwischen Kastell und Graben erahnen. </p></div>
<p><strong>Bürger behaupten sich </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Auch wenn Könige und Kaiser nur noch mittelbar auf die Stadt wirken konnten, heißt das nicht, dass der Klerus das Geschehen am Ort dominierte. Im Gegenteil: Eine Mitverwaltung der Bürger ist bereits für 1182 schriftlich bezeugt. Die ersten Stadtsiegel entstanden in den Jahren 1198 und 1214. Sie stehen damit für einen politisch-gesellschaftlichen Prozess, der nach rund 200 Jahren endlich zum Abschluss gekommen war. Die Koblenzer konnten mit Fug und Recht behaupten, Städter zu sein. Vor möglichen militärischen Übergriffen und Fehden waren sie unzureichend geschützt. Während sich der Adel in seine Stadttürme zurückziehen konnte, gab es für die Bürger nur noch das alte Kastell, das theoretisch als Zitadelle genutzt werden konnte. Allerdings muss die Anlage in einem desolaten Zustand gewesen sein. Die ältere Forschung geht deshalb davon aus, dass an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert um die alte Römermauer ein neuer Mauerring gelegt wurde. Als Urheber dieser Theorie kann Dr. Max Bär bezeichnet werden. Der Pionier des Koblenzer Archivwesens ging davon aus, dass bereits im 12. Jahrhundert eine neue mittelalterliche Befestigungsanlage bestand. Als Beweis führte er eine Urkunde von 1182 an. Dort ist von Vermittlungsbemühungen des Erzbischofs zwischen der Stadt und dem St. Simeonsstift in Trier die Rede. Streitpunkt war, dass die Koblenzer einen Teil des dem Trierer Stift gehörenden Moselzolls „ad civitatis edificia”, also zu Zwecken des „Stadtbaus”, beanspruchten. Daraus leiteten Dr. Adam Günther und Dr. Fritz Michel später ab, dass damals im Abstand von 12 Metern zum Kastell eine neue Stadtmauer errichtet worden war.</p>
<p style="text-align: justify;">Die archäologischen Beobachtungen der jüngsten Vergangenheit brachten jedoch keine Beweise für die älteren Interpretationen. Fraglich ist daher, ob die im zwölften Jahrhundert durchgeführten Arbeiten wirklich die Größenordnung einer völligen Neuanlage hatten. Aus Urkunden des Stiftes St. Florin geht eindeutig hervor, dass Teile des spätantiken Kastells auch noch im ausgehenden Mittelalter genutzt worden sind. Der Begriff „Stadtbau” kann folglich ebenso gut für Ausbesserungs– oder Umbauarbeiten benutzt worden sein. Dazu kommt, dass Koblenz längst über die Grenzen der Bezirke innerhalb der Kastellmauer und an der heutigen Basilika St. Kastor hinausgewachsen war. Beide Bereiche wurden inzwischen durch die neue Kastorstraße verbunden. Auch die westliche Altstadt war im Gebiet der heutigen Weißer Gasse deutlich gewachsen. Nicht vergessen werden sollte auch die Achse der Löhrstraße, die bereits in der Spätantike und im Frühmittelalter ein Handwerkerbezirk gewesen war. Die Beispiele zeigten: Wer eine neue Mauer plante, musste daran denken, auch diese Bereiche einzubeziehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Undeutliche Spuren </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Abgesehen von den großen Stiftsbauten St. Kastor und St. Florin, zu denen neben Kreuzgängen auch Gemeinschaftsbauten und Einzelbauten der Stiftsherren gehören, ist es kaum möglich, das Stadtbild von Koblenz im frühen Hochmittelalter zu rekonstruieren. Das liegt nicht nur an den schweren Zerstörungen des 17. Jahrhunderts. Bereits weit früher ist durch Kriege, Fehden oder Stadtbrände ein großer Teil der älteren Bausubstanz vernichtet worden. Informationen über diese Auseinandersetzungen sind rar. Zu nennen sind besonders der Kampf Philipps I. von Schwaben gegen den Weifen Otto IV. vor der Stadt im ausgetrockneten Flussbett der Mosel (1198), der Stadtbrand von 1245 und das Feuer auf dem Kastorhof 1511.</p>
<p style="text-align: justify;">In den historischen Koblenzer Bürgerhäusern erinnern heute noch einige Keller, die bereits früh in Stein ausgeführt worden sind, an das Mittelalter. Vor den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges konnte man außerdem an verschiedenen Stellen romanische Giebelwände entdecken. Im Regelfall dominierte im mittelalterlichen Koblenz – wie in den meisten Städten nördlich der Alpen – die Fachwerkbauweise. Das heißt: Die Gebäude waren meist ohne Keller aus Holz, Stroh und Lehm errichtet worden und konnten bei Bedarf wie Baukastenhäuser wieder abgebaut und an anderer Stelle neu aufgebaut werden. Dass diese Praxis gängig war, lässt sich seit dem 13. Jahrhundert auch aus mittelalterlichen Urkunden ableiten. So werden Fachwerkhäuser in Testamenten als „Mobilien“ erwähnt, während nur Steinhäuser als Immobilien genannt werden. Deswegen ist es heute schwierig, diese einfachen Gebäude aufzuspüren. Eine Ausnahme ist ein Fund aus den frühen 80er-Jahren im Bereich der späteren Rathauspassage. Damals gelang es Landesarchäologen, den Grundriss eines Fachwerk-Ständerbaus freizulegen. Hausgrundrisse, Keller, Abfallgruben und Brunnen wurden auch bei den Ausschachtungsarbeiten am Ende der Weißer Gasse (Nr. 53) entdeckt. Besonders fielen die Überreste zweier kleiner, ehemals in Pfostenbauweise errichteter Fachwerkhäuser auf, die einst ein Brand zerstört hatte. Erhalten geblieben waren auch die Fundamente eines Kellers aus Bruchstein-Trockenmauerwerk.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Ausgrabungen in der Weißer Gasse sind ein Hinweis darauf, dass das mittelalterliche und vorbarocke Koblenz von den Darstellungen auf den frühen Stadtansichten des 16. Und 17. Jahrhunderts erheblich abweicht: Einfache Häuser, die heute längst verschwundene Gassen voneinander trennten, führen uns in eine „fremde” Stadt, deren einstiges Aussehen heute nur noch in Bruchstücken nachgezeichnet werden kann.</p>
<div>
<h2><strong>Das Hochmittelalter</strong></h2>
</div>
<div>
<p><strong>1024</strong> Der Salier Konrad II. wird König und regiert bis zu seinem Tod 1039. Konrad wird 1027 zum Kaiser gekrönt.<strong> </strong></p>
<p><strong>1039</strong> Heinrich III. wird König und erlangt 1047 die Kaiserwürde.</p>
<p><strong>1042</strong> Kaiser Heinrich III. schenkt dem Trierer Stift St. Simeon den Koblenzer Markt– und Schiffszoll.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1056</strong> Heinrich IV. wird König, wobei zunächst seine Mutter Agnes von Poitou, ab 1062 die Erzbischöfe von Köln und Bremen die Regentschaft übernehmen. 1066 regiert Heinrich allein. Langjährige Auseinandersetzungen mit den Fürsten. Aufstieg des königstreuen niederen Adels. Unterwerfung der Sachsen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1074</strong> Beginn der Auseinandersetzung Heinrichs IV. mit dem Papsttum. Der sogenannte Investiturstreit bringt die Absetzung und Exkommunikation des Königs durch Papst Clemens VII. Heinrich tritt Ende Januar 1077 seinen berühmten Canossagang an und erzwingt dadurch die Aufhebung des Banns gegen ihn.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1105</strong> Treffen des Kaisers Heinrichs IV. mit seinem Sohn Heinrich V. in Lützelkoblenz. Hintergrund: Ein Jahr zuvor hatte sich der Sohn auf die Seite der Fürsten gestellt und war vom Papst anerkannt worden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1106 </strong>Heinrich IV. muss abdanken und stirbt in Lüttich. Sein Sohn Heinrich V. regiert bis 1125.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1147 </strong>Erste Erwähnung einer Rheinfähre zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1162 </strong>Oder früher: Der Trierer Erzbischof Hillin errichtet auf der Burg Ehrenbreitstein einen Turm. Darüber hinaus entstehen eine Zisterne und ein tiefer Graben. Schließlich lässt Hillin die erzbischöflichen Wohnräume ausbessern.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1198 </strong>Schlacht zwischen König Philipp von Schwaben und Otto IV. im ausgetrockneten Flussbett der Mosel bei Koblenz.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>1200 </strong>Oder früher: Erwähnung einer Zwingermauer für Koblenz, die allerdings weder archäologisch noch bauhistorisch nachweisbar ist.</p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1340</wfw:commentRss>
		<slash:comments>60</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 9: Zeitenwende in Koblenz</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1318</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1318#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 08:36:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1318</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1318"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/LuftbildAltstadt20101-1024x659.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Blick auf die Koblenzer Altstadt aus Flugrichtung Ost im August 2010. Gut zu erkennen ist der Verlauf des ehemaligen Kastellgrabens, der die Kernbereiche einschloss. Diese werden von der älteren Forschung als Standort des fränkischen Königshofs interpretiert, der auch in der Schenkungsurkunde von 1018 genannt wird. Foto: Thomas Frey" title="Blick auf die Koblenzer Altstadt aus Flugrichtung Ost im August 2010. Gut zu erkennen ist der Verlauf des ehemaligen Kastellgrabens, der die Kernbereiche einschloss. Diese werden von der älteren Forschung als Standort des fränkischen Königshofs interpretiert, der auch in der Schenkungsurkunde von 1018 genannt wird. Foto: Thomas Frey" /></a> 

 

 <br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><strong> </strong></div>
<div><strong> </strong></div>
<div><strong> </strong></div>
<div><strong> </strong></div>
<div><strong></strong></div>
<p><strong></p>
<div id="attachment_1327" class="wp-caption alignleft" style="width: 522px"><a rel="attachment wp-att-1327" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1327"><img class="size-large wp-image-1327 " title="Blick auf die Koblenzer Altstadt aus Flugrichtung Ost im August 2010. Gut zu erkennen ist der Verlauf des ehemaligen Kastellgrabens, der die Kernbereiche einschloss. Diese werden von der älteren Forschung als Standort des fränkischen Königshofs interpretiert, der auch in der Schenkungsurkunde von 1018 genannt wird. Foto: Thomas Frey" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/LuftbildAltstadt20101-1024x659.jpg" alt="Blick auf die Koblenzer Altstadt aus Flugrichtung Ost im August 2010. Gut zu erkennen ist der Verlauf des ehemaligen Kastellgrabens, der die Kernbereiche einschloss. Diese werden von der älteren Forschung als Standort des fränkischen Königshofs interpretiert, der auch in der Schenkungsurkunde von 1018 genannt wird. Foto: Thomas Frey" width="512" height="329" /></a><p class="wp-caption-text">Blick auf die Koblenzer Altstadt aus Flugrichtung Ost im August 2010. Gut zu erkennen ist der Verlauf des ehemaligen Kastellgrabens, der die Kernbereiche einschloss. Diese werden von der älteren Forschung als Standort des fränkischen Königshofs interpretiert, der auch in der Schenkungsurkunde von 1018 genannt wird. Foto: Thomas Frey</p></div>
<p> </p>
<p></strong></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Koblenz. Zeitenwende an Rhein und Mosel: Im Dezember 1018 gehört das Krongut Koblenz der Vergangenheit an. Fortan haben die Trierer Erzbischöfe das Sagen. Daran wird sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nichts mehr ändern.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Weichen für diese Entwicklung waren früh gestellt worden. Bereits in der Regierungszeit Ludwig des Frommen war der Einfluss des Klerus gewachsen. Schon die komplizierte Gründungsgeschichte des Stifts St. Kastor zeigt: Bereits Erzbischof Hetti hatte ein großes Machtbewusstsein und drängte darauf, den Einfluss Triers am Rhein auszubauen und zu festigen. Allerdings sollte sich gerade am Beispiel von Koblenz zeigen, dass sich der Klerus im 9. und 10. Jahrhundert nicht gegen die ostfränkischen Könige stellte. Ganz im Gegenteil: Er trug dazu bei, deren Macht zu festigen. Denn die nach dem Aussterben der ostfränkischen Karolinger auf den Thron gehobenen Herrscher hatten keinen leichten Stand.</p>
<p style="text-align: justify;">Die mächtigen Herzöge versuchten, den Einfluss ihrer Könige zu beschneiden – und an den Grenzen des Reiches drohten immer wieder verlustreiche Waffengänge. Nicht einmal der eigenen Familie konnten die Herrscher vertrauen, was sich besonders in der Zeit der sächsischen Monarchen zeigen sollte. Diese waren zwar einerseits bestrebt, ihren Machtbereich im Norden, Süden und vor allem im Osten des Reiches auszubauen, mussten aber andererseits in ihren Kernbereichen für stabile Verhältnisse sorgen. Auf Dauer war dieser Spagat nicht zu meistern. Das erkannte spätestens Heinrich II., der seit 1002 an der Spitze des Ostfrankenreichs stand. Heinrich, seit 1014 auch Kaiser, erkannte, dass die Loyalität des hohen Klerus ihren Preis hatte. Er musste deshalb die Macht dieser Getreuen stärken, ihre Ausstattung verbessern und gleichzeitig seinen Einfluss wahren. Wie schwierig die Umsetzung in der Praxis sein konnte, kann man gut am Beispiel des Erzbistums Trier sehen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Megingaud musste „umziehen“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bereits 1008 sorgte Heinrich II. dafür, dass das Trierer Domkapitel Megingaud (oder Megingod) zum neuen Erzbischof wählte. Der wahrscheinlich aus Mainfranken stammende Geistliche war bereits Mitglied der Hofkapelle Ottos III. gewesen und hatte sich als Dompropst in Mainz bewährt. Den Grafen von Luxemburg gefiel diese Wahl überhaupt nicht. Adalbero von Luxemburg wurde Gegenerzbischof, Megingaud musste nach Koblenz ausweichen. Dabei blieb es faktisch bis zu seinem Tod am 24. Dezember 1015. Zwar hatte der Luxemburger zu diesem Zeitpunkt auf ihre Ansprüche verzichtet, doch blieben die Machtverhältnisse labil, weil der Gegenerzbischof nach wie vor die Burg hielt. Das konnte Heinrich II. nicht gefallen. Erneut setzte er auf eine Persönlichkeit, die sich aus seiner Sicht bewährt hatte: Poppo von Babenberg. Der erste Dompropst des jungen Bistums Bamberg wurde 1016 zum Trierer Erzbischof gewählt. Mit der Neubesetzung waren die Probleme allerdings nicht gelöst. Die Luxemburger blieben gefährlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Es lag nicht nur im Interesse des neuen Erzbischofs, sondern auch des Kaisers, das alte Königsgut an Rhein und Mosel zu stärken. Heinrich war deshalb bereit, den alten Kastellort abzugeben. Die eigenen Kräfte waren unter anderem infolge der Feldzüge in Italien und gegen die Polen gebunden. Und so kam es zu jener folgenreichen Schenkung von 1018: Damit ging das alte Kastell mit allen zugehörigen Gütern und Einkünften an den Erzbischof Poppo von Babenberg und seine Nachfolger. Dieser war damit berechtigt, den Standort auszubauen, was auch Folgen für die Bautätigkeit auf dem Ehrenbreitstein haben sollte. Die berühmte Schenkungsurkunde wird heute im Landeshauptarchiv aufbewahrt und gibt heute wegen ihres knappen Inhaltes nach wie vor breiten Raum für Interpretationen. Nur soviel steht fest: Koblenz war zu diesem Zeitpunkt noch keine Stadt. Die wichtige Quelle nennt einen Hof genannt Koblenz (curtem nomine Confluentinam) sowie ein Stift oder eine Abtei (abbatia). Mehr nicht. Und deshalb ging die Forschung lange davon aus, dass der Hof der Bereich des Kastells und das Stift die Florinskirche war.</p>
<div style="text-align: justify;">
<p><strong>Der Aufstieg von St. Florin</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Begründet wird diese Auslegung mit der Tatsache, das sowohl die Könige als auch der Hochadel an Rhein und Lahn das ganze 10. Jahrhundert hindurch bestrebt waren, Koblenz zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum für die Großregion zu machen. In diesem Kontext steht zweifellos auch der Aufstieg des Stiftes St. Florin, dessen Kirche landläufig als Nachfolger der auch von König Otto I. geförderten Pfalzkapelle gesehen wird. Archäologischen Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Interpretation fragwürdig ist. Dagegen steht auch die Tatsache, dass die Topografie von Koblenz eine andere war als wir sie heute kennen.</p>
<div>
<p><strong>Auf dem Ehrenbreitstein entsteht eine mächtige Burg</strong></p>
</div>
<div>
<p style="text-align: justify;">Ohne eine Erwähnung des Ehrenbreitsteins wäre eine Darstellung der Geschichte von Koblenz im Mittelalter unvollständig. Klar ist: Die heutige Festung hat eine Vorgeschichte, die mindestens 3000 Jahre zurückreicht. Sicher dürfte auch sein, dass auf den Resten einer spätrömischen Verteidigungsanlage eine frühe mittelalterliche Befestigung entstand. In den schriftlichen Quellen wird der Ausbau auf dem Festungsplateau jedoch erst um das Jahr 1000 fassbar. Die Quellen nennen einen Ehrenbert oder Ehrenbrecht, der die erste Burg errichten ließ. Der Namensgeber von Berg und Festung stammte aus einem lahngauisch-konradinischen Grafengeschlecht. Infolge der Schenkung des Königsgutes Koblenz an die Erzbischöfe von Trier wechselte auch die frühe Burg den Besitzer. Denn Erzbischof Poppo hatte ein starkes Interesse daran, sein neues Gebiet gegen seine Widersacher zu schützen. Infolge der Schenkung von 1018 hatte er auch rechtsrheinische Gebiete übernommen. Nun galt es, den Brückenkopf mit einem starken Bollwerk zu sichern. Die trierische Burg wird erstmals 1129 urkundlich erwähnt. Die Anlage wurde nach und nach zur sichersten Festung der Trierer ausgebaut. </p>
</div>
</div>
<div class="mceTemp">
<div class="mceTemp mceIEcenter">
<dl id="attachment_1324" class="wp-caption aligncenter" style="width: 426px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a rel="attachment wp-att-1324" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1324"><img class="size-full wp-image-1324 " title="Darstellung Heinrichs II. aus der Staatsbibliothek Bamberg." src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Heinrich-II.jpg" alt="Darstellung Heinrichs II. aus der Staatsbibliothek Bamberg." width="416" height="525" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Darstellung Heinrichs II. aus der Staatsbibliothek Bamberg.</dd>
</dl>
<div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die sächsischen Könige</strong></p>
</div>
<div>
<p><strong>919 </strong>Nach dem Tod von König Konrad I. von Franken beginnt die Ära der sächsischen Kaiser. Heinrich I. wird zum König erhoben und regiert bis 936. Es sind kriegerische Zeiten. Der König muss Gegenkönig Arnulf von Bayern bezwingen und sich gegen Slawen und Ungarn behaupten. Heinrich gewinnt auch in Lothringen die Oberhand. Das Herzogtum wird Teil des Ostreichs. Herzog Giselbert heiratet die Königstochter Gerberga. </p>
<p><strong>936 </strong>Otto I. (der Große) wird in Aachen inthronisiert. Der Sohn Heinrichs regiert bis 973. Höhepunkt seiner Amtszeit wird die Kaiserkrönung 962. </p>
<p><strong>939 </strong>Die mächtigen Herzöge Eberhard von Franken, Giselbert von Lothringen und Ottos Bruder Heinrich erheben sich gegen den König. Die Entscheidung fällt in der Schlacht von Andernach. Hermann von Schwaben schlägt den Aufstand nieder. Eberhard und Giselbert kommen um, Heinrich überlebt und unterwirft sich zwei Jahre später. Otto verteilt die Herzogtümer neu, muss aber weiterhin kämpfen.</p>
<p> <strong>955 </strong>In der Schlacht auf dem Lechfeld südlich von Augsburg (10. August) siegen die Truppen Ottos über die Ungarn. Im Oktober werden auch die Slawen unterworfen, die missioniert werden. Neue Bistümer entstehen, die Schwerpunkte verlagern sich nach Osten.</p>
<p> <strong>973 </strong>Otto II. regiert das Reich. In seiner zehnjährigen Herrschaft kommt es immer wieder zu Konflikten. Otto unternimmt Feldzüge gegen Dänen und Slawen und wird in Bayern aktiv.</p>
<p> <strong>983 </strong>Großer Slawenaufstand. Die ostelbischen Gebiete gehen verloren. Auch in den italienischen Gebieten des Reichs ist es unruhig. Bereits ein Jahr zuvor gab es bei Cotrone in Kalabrien eine Niederlage gegen Araber. Nach dem Tod Ottos II. kommt Sohn Otto auf den Thron. Allerdings übernimmt seine Mutter Theophanu, die Nichte des oströmischen Kaisers, bis 995 die Vormundschaft.</p>
<p><strong>1002 </strong>Nach dem frühen Tod Ottos III. wird Heinrich II. König des Ostfrankenreichs. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern konzentriert sich der ebenfalls aus dem Geschlecht stammende Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II. (der Zänker) auf die Kerngebiete und die östlichen Teile des Reichs. Italien spielt für ihn nur wegen der Kaiserkrone eine Rolle, die er erst 1014 erlangt. Zur Sicherung seiner Herrschaft gegen die machtbewussten Herzöge setzt Heinrich auf den loyalen Klerus, was auch Folgen für das Krongut Koblenz haben wird.</p>
<p><strong>1007 </strong>Das Bistum Bamberg wird als Basis zur Missionierung der Mainslawen gegründet. Dompropst wird Poppo von Babenberg, der spätere Stadtherr von Koblenz. Der Sohn des Markgrafen Leopolds I. von Österreich war in Regensburg erzogen worden.</p>
<p><strong>1015 </strong>Nach dem Tod des kaisertreuen, aber umstrittenen Erzbischofs Megingaud wird Poppo von Babenberg von Heinrich II. zum neuen Erzbischof bestimmt.</p>
<p><strong>1018 </strong>Koblenz ist kein Königsgut mehr. Kaiser Heinrich II. schenkt den einstigen Kastellort und Königshof mit allen damit verbundenen Rechten der Trierer Kirche. Die Erzbischöfe von Trier sind damit nicht mehr nur die geistlichen, sondern auch die weltlichen Herren.</p>
<p><strong>1024 </strong>Konrad II. kommt auf den Thron, die Ära der Salier beginnt.</p>
</div>
</div>
<p style="text-align: justify;"> </p>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1318</wfw:commentRss>
		<slash:comments>191</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Stadtgeschichte 8: Kampf um das Frankenreich</title>
		<link>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1294</link>
		<comments>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1294#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Sep 2011 06:09:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Reinhard Kallenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[kategorielos]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1294</guid>
		<description><![CDATA[<a href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?p=1294"><img align="left" hspace="5" width="100" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Stadtgeschichte8.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe eazysx" alt="Das Treffen der Frankenkönige Karl der Kahle, Ludwig der Deutsche, und Lothar II. am 1. Juni 860 hat der Koblenzer Künstler Anton Becker in einem riesigen Wandbild im „Brunnenhof Königspfalz“ festgehalten. Eigentlich befinden sich Bild und Hofname an einer falschen Stelle: Das Treffen der drei Herrscher hat mit Sicherheit im Bereich der heutigen Basilika St. Kastor stattgefunden. Foto: Reinhard Kallenbach " title="Stadtgeschichte8" /></a>Koblenz. 1. Juni 860. Koblenz, das spätestens seit dem Vertrag von Verdun als grenznahe Stadt wieder eine große strategische Bedeutung hat, wird Schauplatz eines denkwürdigen Schauspiels: Die Könige Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle und Lothar II. treffen sich, um für die drei seit 17 Jahren bestehenden Teilreiche vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Gesprächsstoff haben die drei Herrscher genug. Denn spätestens seit der Zeit Ludwigs des Frommen, der von 817 bis 840 regierte, dürfen die familiären Verhältnisse mit Fug und Recht als zerrüttet bezeichnet werden.<br /><br />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div id="attachment_1296" class="wp-caption alignleft" style="width: 516px"><a rel="attachment wp-att-1296" href="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?attachment_id=1296"><img class="size-full wp-image-1296 " title="Stadtgeschichte8" src="http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/wp-content/uploads/2011/09/Stadtgeschichte8.jpg" alt="Das Treffen der Frankenkönige Karl der Kahle, Ludwig der Deutsche, und Lothar II. am 1. Juni 860 hat der Koblenzer Künstler Anton Becker in einem riesigen Wandbild im „Brunnenhof Königspfalz“ festgehalten. Eigentlich befinden sich Bild und Hofname an einer falschen Stelle: Das Treffen der drei Herrscher hat mit Sicherheit im Bereich der heutigen Basilika St. Kastor stattgefunden. Foto: Reinhard Kallenbach " width="506" height="1237" /></a><p class="wp-caption-text">Das Treffen der Frankenkönige Karl der Kahle, Ludwig der Deutsche, und Lothar II. am 1. Juni 860 hat der Koblenzer Künstler Anton Becker in einem riesigen Wandbild im „Brunnenhof Königspfalz“ festgehalten. Eigentlich befinden sich Bild und Hofname an einer falschen Stelle: Das Treffen der drei Herrscher hat mit Sicherheit im Bereich der heutigen Basilika St. Kastor stattgefunden. Foto: Reinhard Kallenbach </p></div>
<p style="text-align: justify;"><strong>Koblenz</strong><strong>. 1. Juni 860. Koblenz, das spätestens seit dem Vertrag von Verdun als grenznahe Stadt wieder eine große strategische Bedeutung hat, wird Schauplatz eines denkwürdigen Schauspiels: Die Könige Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle und Lothar II. treffen sich, um für die drei seit 17 Jahren bestehenden Teilreiche vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Gesprächsstoff haben die drei Herrscher genug. Denn spätestens seit der Zeit Ludwigs des Frommen, der von 817 bis 840 regierte, dürfen die familiären Verhältnisse mit Fug und Recht als zerrüttet bezeichnet werden.</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Das Koblenzer Treffen, das der Künstler Anton Becker 2007 in einem historisierenden Großbild im Brunnenhof zwischen Florinspfaffengasse und Mehlgasse festgehalten hat, stand am Ende einer langen Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Bündnisse veränderten sich, und die Beteiligten trafen sich dort, wo es gerade am günstigsten war. Zwar hatte jeder Herrscher einen Lieblingsort, doch gab es keine Hauptstadt. Koblenz kam allen Teilnehmern des Treffens entgegen. Der einstige Kastellort lag quasi im Herzen des „schmalen“ Mittelreichs Lothars, sodass sich der Aufwand für die drei Könige in für damalige Verhältnisse vernünftigen Grenzen hielt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Konferenz von 857</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schon drei Jahre vor dem denkwürdigen „Pfingsttreffen“ 860 hatten sich Ludwig der Deutsche und Lothar II. in Koblenz getroffen. Dr. Dietmar Flach, der die Herrscheraufenthalte bis zum hohen Mittelalter untersucht hat, weist auf eine Erwähnung in den berühmten Fuldaer Annalen hin. Die im 9. Jahrhundert verfassten Jahresberichte sagen jedoch nichts über die Inhalte. Aber man muss kein Hellseher sein, worum es damals ging: Karl der Kahle (823–877) war nicht nur mächtig, sondern auch ehrgeizig. Er wollte mehr Land und die Kaiserwürde (die er 875 auch erlangen sollte). Doch vorerst ging es darum, im dreigeteilten Frankenreich ein Gleichgewicht herzustellen. Doch jeder König suchte seinen Vorteil. Und so verwunderte es nicht, dass die in Koblenz erzielten Ergebnisse gerade mal ein Jahr Bestand hatten. Im Mai 858 sollte es ein neues Treffen der beiden Herrscher in Koblenz geben, doch versetzte Lothar II. König Ludwig.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Bündnis gegen Ludwig</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Während Ludwig in Koblenz weilte, verhandelte Lothar mit Karl dem Kahlen. Witterten die Zeitgenossen ein Bündnis der beiden gegen Ludwig, zeigte sich schnell, dass der Ostfranke selbst kein Kind von Traurigkeit war. Ludwig duldete, dass seine Heerscharen im August ins Reich Karls einfielen. Er erreichte damit aber nur, dass das Bündnis gegen ihn 859 sogar gefestigt wurde. Der Fall war klar: Um Schlimmeres zu verhindern, musste man miteinander sprechen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wohl auf Initiative Ludwigs kamen Vorverhandlungen in Gang. Im Juni 859 folgte schließlich ein Treffen der drei Könige auf einer Rheininsel zwischen Andernach und Koblenz. Historiker gehen davon aus, dass die Zusammenkunft wohl auf der Insel Niederwerth stattfand. Die Voraussetzungen waren für die verfeindeten Könige ideal. Ihre Heere konnten an den Ufern des Rheins bleiben, während sie auf der Insel verhandeln konnten, ohne Gefahr zu laufen, von der Gegenseite überwältigt zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Wahl des Treffpunktes zeigt, dass die Stimmung jederzeit kippen konnte. Aber immerhin: Man sprach wieder miteinander, weitere Treffen wurden vereinbart. Aber schon das abgesprochene Herbsttreffen in Basel zeigte, wie brüchig der Pakt war. Erneut saß Ludwig allein da.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Hintergründe des „Pfingsttreffens“</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Trotz der Spannungen dürfte es den Akteuren bewusst gewesen sein, dass sie es nicht riskieren konnten, die Teilreiche endgültig auseinanderdriften zu lassen. Es bedurfte einer großen Geste und eines Treffens mit symbolischer Strahlkraft. Und genau diese Zusammenkunft kam in Koblenz zustande. Es muss eine beeindruckende Szenerie gewesen sein, die sich beim Eintreffen der Herrscher und ihrer Gefolge am Zusammenfluss von Rhein und Mosel formierte. Das Treffen inspiriert bis auf den heutigen Tag, wie man heute im sogenannten Brunnenhof Königspfalz sehen kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Fest stehen dürfte, dass ein solches Großtreffen unmöglich im alten Steinkastell stattfinden konnte. Wahrscheinlicher sind das Umfeld der Kastorkirche und das Gotteshaus selbst. Dort standen zur damaligen Zeit „Neubauten“, die den Akteuren einen Mindestkomfort bieten konnten. Gerade diese Tatsache wirft eine zentrale Frage auf: Wie groß war Koblenz im 9. Jahrhundert? Die Antwort liegt nahe, sie ist allerdings hochspekulativ. Dennoch sollte man davon ausgehen, dass es nicht nur die beiden Kernbereiche innerhalb der spätantiken Stadtmauer und bei St. Kastor gegeben hat. Auch andere Bereiche im Gebiet der heutigen Innenstadt müssen zu dieser Zeit besiedelt gewesen sein. Denn wo große Treffen stattfinden, musste es auch Bauern und Handwerker geben, die zur Versorgung der Gefolge beitragen konnten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Leere war nicht leer</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schon allein vor diesen Hintergründen dürfte klar sein, dass die Bereiche außerhalb des alten Kastells nicht so „leer“ gewesen sind, wie in der altetablierten Stadtgeschichtsforschung behauptet wird. Als Argument für diese „Leere“ wurden immer wieder die alte Flurnamen „Lere” („Lera”, „Leyr”) für diesen Bereich der heutigen Innenstadt mit dem Wort „leer” in Verbindung gebracht. Diese Herleitung ist schon allein etymologisch bedenklich, zum anderen ist archäologisch belegt, dass es in der „leeren“ Löhrstraße als Teil einer spätantiken Ausfallstraße auch im frühen Mittelalter Handwerksaktivitäten gegeben hat. Nicht umsonst wies Pfarrer Wilhelm Arnold Günther bereits 1813 auf die einst in der Nähe des Kastellgrabens vorhandenen Gerbereien mit ihren Lohgruben hin, von denen sich die „Löhrstraße“ ableitet. Somit weist die Straßenbezeichnung auch heute noch auf die einst in Koblenz ansässigen Gerber hin, die erstmals in einem Ratsprotokoll von 1671 schriftlich erwähnt sind. Damals beschloss der Stadtrat die Verlegung der Gerbereien nach Lützel.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Reiche driften auseinander</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Trotz seiner zweifellos hohen politischen Bedeutung blieb dem Koblenzer Treffen keine lange Wirkung beschieden. Die Karolinger stritten und verhandelten weiter. Am Ende zerbrach das Reich. Während sich im Westen allmählich die Bildung eines Nationalstaates abzeichnete, gewannen im Osten Herzöge und Klerus immer mehr an Einfluss. Die Könige gerieten in die Defensive.</p>
<div>
<p><strong>Zeit der Konflikte</strong></p>
</div>
<div>
<p style="text-align: justify;"><strong>817</strong> Kaiser Ludwig der Fromme trifft eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Per Reichsordnung wird festgelegt, dass die Kaiserwürde auf den ältesten Sohn Lothar übergeht. Die Söhne Pippin und Ludwig sollen Teilreiche erhalten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>829</strong> Ludwig der Fromme verstößt gegen seine eigene Regelung, weil er auch für Karl den Kahlen, den Sohn seiner zweiten Frau Judith, vorsorgen will. Für Karl wird im Südwesten des heutigen Frankreichs das weitere Teilreich Alamannien geschaffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>830</strong> Lothar, Ludwig und Pippin empören sich gegen den Vater. Lothar lässt sich in Italien von Papst Paschalis I. sogar zum Regenten krönen. Die Situation eskaliert. Nur drei Jahre später kommt es zum zweiten Konflikt mit dem Vater. Als Kaiser Ludwig dem Sohn Pippin Aquitanien nimmt, wird Ludwig der Fromme vorübergehend abgesetzt. Nach dem Tod Pippins (838) entspannt sich die Situation. Karl der Kahle behält Aquitanien.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>836</strong> Vollendung und Weihe der karolingischen Kastorkiche. Kaiser Ludwig der Fromme weilt in Koblenz.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>840</strong> Nach dem Tod Ludwigs des Frommen verbünden sich die Söhne Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle gegen den Bruder und neuen Kaiser Lothar I.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>842</strong> In Koblenz laufen die Vorbereitungen für die Teilung des Frankenreichs. Am 18. März und am 19. Oktober wird die Kastorkirche Schauplatz wichtiger Verhandlungen, die zunächst von Gesandten Ludwigs, dessen Sohn Karlmann und Karl dem Kahlen geführt werden. Im selben Jahr beschwören Karl und Ludwig ihr Bündnis in den berühmten Straßburger Eiden, die das älteste Dokument der althochdeutschen und altfranzösischen Sprache sind.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>843 </strong>Vertrag von Verdun: Karl der Kahle erhält den Westen, Ludwig der Deutsche den Osten und Lothar I. die Mitte. Dennoch bleibt die Reichseinheit bestehen. Zwei Jahre danach fallen Normannen in die nördlichen Reichsteile ein. Hamburg wird zerstört, die Angreifer dringen bis an den Mittelrhein vor. Ob Koblenz betroffen war, ist unklar.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>870</strong> Nach dem Tod Lothars II. wird das Frankenreich im Vertrag von Mersen neu aufgeteilt. Lothars Sohn Ludwig II. bleibt nur noch Norditalien. Ludwig der Deutsche herrscht jetzt auch über die Osthälfte Lothringens und Aachen. Als Ludwig II. stirbt, übernimmt Karl der Kahle Norditalien.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>876</strong> Tod Ludwigs des Deutschen. Karl der Kahle versucht, seinen Machtbereich zu erweitern und die Osthälfte Lothringens an sich zu reißen. In der Ersten Schlacht bei Andernach besiegt Ludwigs Sohn, Ludwig III., Kaiser den Kahlen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>880</strong> Die Konflikte führen schließlich zum Vertrag von Ribemont, der die Grenzen zwischen den späteren deutschen und französischen Gebieten für das ganze Mittelalter festschreibt, obwohl die Karolinger trotz ihrer Konflikte auf die Einheit des Reiches pochen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>919</strong> Nach dem Aussterben der ostfränkischen Karolinger entwickeln sich das westfränkische und ostfränkische Reich endgültig auseinander. Die Großen des ostfränkischen Reichs wählen schließlich Konrad I. von Franken zum König, der sich aber gegenüber den mächtigen Herzögen nicht durchsetzen kann. Gewinner dieses Konfliktes sind am Ende die hohen geistlichen Würdenträger.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://eckpunkte.rhein-zeitung.de/?feed=rss2&#038;p=1294</wfw:commentRss>
		<slash:comments>29</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
