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    <title>Eisenhüttenstadt Blog</title>
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    <description>Weblog für eine alternative Stadtwahrnehmung</description>
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    <pubDate>Sun, 29 Apr 2012 09:14:06 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Eisenhüttenstadt Blog - Weblog für eine alternative Stadtwahrnehmung</title>
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    <title>Einer filtere des anderen Stadt. Die Berlin Biennale und Eisenhüttenstadt.</title>
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            <blockquote>Die Idee, dass der Raum der Kunst ein solches Experimentierfeld für ein neues Zusammenleben und neue kollektive Rituale sei []  Niklas Maak: Kritik der zynischen Vernunft, FAZ 27.04.2012, S.31</blockquote> <br />
<p>Wer die Hauptstadtfeuilletons ausdauernd verfolgt, weiß: Es gehört beinahe zum guten Ton, auf die <a href="http://www.berlinbiennale.de">Berlin Biennale</a> zu schimpfen. Das die siebente Auflage der Biennale begleitende Presseecho klingt indes besonders schrill und die vom Kuratorenteam um Artur &#379;mijewski ausgerufene Politisierung der Kunst in diesem Festival unter dem Motto Forget Fear wird nicht in jedem Feuilleton mit besonderem Wohlwollen gedeutet. Da kann einem schon einmal wie Angst und Bange werden  jedenfalls wenn man sich in die Rolle der Kuration zu versetzen versteht. Reconsider <em>Furcht</em> könnte man sich dann vielleicht schon für die achte Biennale als Motto sichern.<br />
<br />
Aber wer so ansetzt, wie Artur &#379;mijewski, wird sich über die Ad-Hoc-Verkündung des unvermeidlichen Scheiterns der Veranstaltung (pünktlich zum Eröffnungsabend) und die anderen Urteile (Selbstabschaffung der Kunst &#160; <a href="http://taz.de/7-Berlin-Biennale/!91552/">taz</a>, Salatbar des Protests - <a href="http://www.cicero.de/salon/berlin-biennale-macht-kommerz-doch-klug/49117">Cicero</a>,&#160; Politkitsch&#160;- FAZ, etc.) nicht wundern.Vermutlich sind sie sogar  unfreiwillig  ein passender Baustein zum Programm.<br /><br />Denn die Zeitungen als Vollzugsmedium des öffentlichen Diskurses über Kunst sind selbstredend hochpolitische Institutionen, die in der Frage nach dem dynamischen Verhältnis von Kunst und Gesellschaft eine fixe Aufgabe übernehmen: Sie formalisieren, kanalisieren und lenken öffentliche Meinungen und bieten dabei weithin akzeptierte (=gesellschaftlich offizielle zulässige und zuständige) Projektionsflächen auch für Widerspruch. Ob Verriss oder Hymne ist zunächst einmal unwichtig, besonders unter aufmerksamkeitsökonomischen Bedingungen. Was unbedingt zählt, ist die Integration in den öffentlichen Diskurs. Und diese gelang wenigstens zum Auftakt (und zum Teil bereits im Vorfeld) der diesjährigen Biennale exzellent.</p> <br />
<p>Das überrascht freilich wenig, denn ein Inszenierungsraum dieser Schlagkraft steht zwangsläufig unter Beobachtung. Die Berlin Biennale hinterfragt traditionell mal entblößter, mal verhüllter, Funktionen und Möglichkeiten von Kunst in der Jetztzeit. Die aktuelle Biennale hinterfragt vor allem auch: sich selbst. Da ein solch dekonstruktive Element ein Grundzug jeder zeitgenössischen Auseinandersetzung mit Kultur, Identität und Erinnerung (auch als Rahmen von Identität) sein muss, da reines Behaupten im Sinne von Ideologien oder Stories selbst hinsichtlich der Unantastbarkeit des Leitmediums Geld sukzessive Beschädigungen erfährt, passt die Veranstaltung zweifellos optimal nach Eisenhüttenstadt. Und  voilà  <a href="http://www.berlinbiennale.de/blog/projekte/gefiltert-durch-eisenhuttenstadt-22947">sie ist fast da</a>. Eisenhüttenstadt wird, vielleicht etwas sehr als Nebenfigur, Außenschauplatz des Festivals.<br />
<br />
In seiner Ankündigung zu dieser Satellitisierung schreibt der Kurator Artur &#379;mijewski:</p> <br />
<blockquote>Es ist einfach, in Berlin Kultur anzubieten, wo sich immer ein paar Besucher zu einer Ausstellung einfinden werden  selbst wenn sie extrem schwierig oder extrem eigenartig ist. Aber wie verhält es sich mit vergessenen Städten wie Eisenhüttenstadt? Werden auch dort die Leute kommen, um sich Kunst anzuschauen?</blockquote><br />
Einer solchen Annäherung  und auch der Annahme, es handele sich um eine vergessene Stadt  kann man (und vielleicht muss man auch) leicht mit Einwänden begegnen. Vielleicht wird auch das konkret eingefordert. Tatsächlich geht es hier aber zunächst einmal um die Schaffung einer Möglichkeit. Und wie diese sich einlöst, lässt das Biennale-Team weitestmöglich offen.<br />
<br />
<br />
<blockquote>Die aktuellen internationalen Gäste des Künstlerprogramms sowie mehrere ehemalige Gäste sind eingeladen, einige Tage oder Wochen in Eisenhüttenstadt zu leben und zu arbeiten. An den Aufenthalt sind keine weiteren Auflagen geknüpft. Den Künstlern steht es frei, die Stadt als Rückzugsort zu nutzen, sich mit der Architektur der sozialistischen Planstadt zu beschäftigen oder beispielsweise die benachbarte Woiwodschaft Lebus jenseits der Oder zu erkunden.</blockquote> <br />
<p><br />
Fest steht bisher hauptsächlich der Termin der Präsentation: 15.06.2012. Als auf alternative Stadtwahrnehmung ausgerichtetes Weblog erscheint uns der skizzierte Ansatz des Besuchsprogramms erwartungsgemäß etwas einfach. Dass sie womöglich kommen, ein bisschen werkeln, dann etwas zeigen und schließlich wieder gehen  das langt uns nicht. Die Stadt soll nicht auf die Funktion eines Materiallager und einer Projektionsfläche reduziert werden. Sondern sie soll die Intervention, die sich aus dem Aufenthalt von Künstlern zwangsläufig ergibt, als Spielball aufgreifen und zurückspielen. Das wäre ein Dialog, der nicht nur in die jeweiligen teils stabilen, teils temporären lokalen Lebenswelten bereichernd eingreift. Sondern darüber hinaus auch in die Stadtgesellschaft insgesamt.</p> <br />
<p> </p> <br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 450px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Eisenhüttenstadt Zerrbild WK II"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/wahrnehmung_1.jpg"><!-- s9ymdb:1274 --><img class="serendipity_image_center" width="450" height="338" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/wahrnehmung_1t.jpg" title="Eisenhüttenstadt Zerrbild WK II" alt="Eisenhüttenstadt Zerrbild WK II" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">In der Mitte verzerrt die Welt: Unschärferelationen bilden das Maß der Dinge, wenn es um Verständigung geht. Und je weiter die Lebenswelten auseinander liegen, die zueinander finden sollen, desto aufregender, oft auch ermüdender und manchmal in der Einsicht der Unmöglichkeit des Miteinander-Seins bitterer, oder aber in der Einsicht, dass alles noch ganz anders erblüht, als man es ahnte, berührender, entfalten sich Begegnungen, wie sie die&#160;<em>Berlin Biennale 2012</em> in Eisenhüttenstadt hervorrufen könnte. Wir hoffen natürlich, dass alles anders wird. Und gut. <br /><br />Für alle Fälle steht eine Flasche <em>Cabernet Gernischt</em> bereit, um der Sache im Zweifelsfall einen wenigstens einen außergewöhnlichen Korken aufzusetzen. Denn erfahrungsgemäß verbindet nichts so sehr, wie ein gemeinsames Noch-Fremderes. (Und wem sollte <em>Cabernet Gernischt</em> nicht fremd sein?)</div> <br />
</div> <br />
<p>Ich weiß nicht, ob man so weit gehen sollte, wie Niklas Maak einfordert, wenn er schreibt: Occupy <em>Occupy</em> könnte ihre [der Biennale] Rettung sein. Denn wir müssen die Biennale eigentlich nicht retten, die ja hauptsächlich in der ausdeutenden Anschauung, nicht jedoch in sich zu kentern droht. Was wir können (und was sie auch offen herausfordert) ist: an ihr teilhaben.<br />
Eine <em>Besetzung</em> ist dafür gar nicht notwendig. Es reicht, eigene Ideen der, Vorstellungen von und Ansprüche an die eingangs zitierte Idee, dass der Raum der Kunst ein [] Experimentierfeld für ein neues Zusammenleben und neue kollektive Rituale sei, zu formulieren und die hereinsteuernden Satellitisten (und die Stadt selbst) damit zu konfrontieren. </p> <br />
<p>Das Eisenhüttenstadt-Blog wird dies jedenfalls tun und zwar  wonach es seit je strebt  indem es den Raum der Kunst sowie den Raum der Stadt in eine sich überblendende Wahrnehmungswelt von  wortwörtlichen  Spielräumen zusammenführt und schaut, was sich darin lesen und wie sich darin handeln lässt.<br />
Wir haben naturgemäß wenig Lust auf eine allzu scharfe Trennung zwischen Publikum und eventuell Material einerseits und abbildenden Künstlern andererseits. Wir wünschen uns vielmehr einen positiven und produktiven Dialog, der in differenzierte Gemeinsamkeiten führt. Wir nehmen es sehr ernst, wenn zu lesen ist:</p> <br />
<blockquote>Mit der Organisation von Programmen in Eisenhüttenstadt und der Anwesenheit vor Ort stehen sie [die Künstler bzw. die hinter diesen stehenden Einrichtungen] vor der Herausforderung, gefiltert und infrage gestellt zu werden. Die Idee ist, aktiv zu handeln und zu versuchen, die Bürger zu verstehen, ihre jeweiligen Bedürfnisse und die Situation in der Stadt. Was könnte das den Bürgern bringen  falls es überhaupt etwas bringt? Und inwiefern werden die Berliner Akteure gezwungen sein, ihre eigene Rolle als Institutionen zu überdenken?</blockquote> <br />
<p>Allerdings scheint es vor der Idealvorstellung des Blogs notwendig, die Angelegenheit zugleich zu invertieren</p> <br />
<blockquote>Mit der Organisation von Programmen in Eisenhüttenstadt und der Anwesenheit vor Ort steht sie [die Stadt] vor der Herausforderung, gefiltert und infrage gestellt zu werden. Die Idee ist, aktiv zu handeln und zu versuchen, die Künstler zu verstehen, ihre jeweiligen Bedürfnisse und die Situation in der Stadt. Was könnte das den Künstler bringen  falls es überhaupt etwas bringt? Und inwiefern werden die Bürger der Stadt gezwungen sein, ihre eigene Rolle als Stadtgesellschaft zu überdenken?</blockquote> <br />
<p>Erst so wird überhaupt gegenseitiges Verständnis möglich. Erst dann ist der schöne Idee eines Raums der Kunst als Experimentierfeld vielleicht nicht unbedingt für ein neues Zusammenleben, aber doch für Formen des Zueinander-Findens und Miteinander-Wahrnehmens und Selbst- und Gegenseitig-Hinterfragens auch umsetzbar. Es bleibt sehr zu hoffen, dass dies in irgendeiner Weise gelingt. Das Weblog wird es sich nicht nehmen lassen, sich nach seinen Möglichkeiten einbringen. <em>Alternative Stadtwahrnehmung</em> gilt an dieser Stelle als sehr inklusiver Begriff.</p> <br />
<p>Was wir uns in einem ersten Schritt von unseren Lesern wünschen, sind Vorschläge für und Erwartungen an die künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadt. Diese Themen, Perspektiven, Konzeptideen sammeln wir hier bzw. <a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt">auf Facebook</a> und leiten natürlich sie direkt an die Satelliten-Eisenhüttenstädter auf Zeit weiter.</p> 
        
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    <pubDate>Sun, 29 Apr 2012 00:37:34 +0200</pubDate>
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    <title>Die Kunst der DDR, wie man sie sehen kann und wohin sie gehören könnte.</title>
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            <category>Theorie</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            <p style="text-align: center; ">I</p> <br />
<blockquote>&quot;Wo der Staat die Zeugnisse aus seiner DDR-Vergangenheit nicht in seinem Sinn uminterpretieren kann, versucht er offenbar lieber, sie aus dem Stadtbild verschwinden zu lassen.&quot;</blockquote>Schrieb Thomas Groetz in einem&#160;Kommentar&#160;(<em>art.&#160;</em>Ausgabe 09/2000, S.115) &#160;zum Abriss des Berliner Ahornblatts, einem weitreichend als architektonischer Meilenstein der DDR anerkannten Gebäude des Ausnahmebauingenieurs Ulrich Müther. Das zackige Gebäude auf der Berliner Fischerinsel stand sogar unter Denkmalschutz, was das Land Berlin nicht daran hinderte, dem Abriss für eine Investitionsbebauung durch eine Firma mit dem vielversprechenden Namen <em>Objekt-Marketing Gesellschaft (OMG)</em> zuzustimmen.<br /><br />Die Interpretation Thomas Groetz verfehlt den Sachverhalt vielleicht ein wenig. Denn die ideologische Frage greift nur bedingt, wo finanzielle Aspekte zählen. Ein Investitionsvorhaben rechtfertigt auch das Unterpflügen einzigartiger Kulturleistungen. Dass man damit eine maßgebliche Spur DDR aus dem Herzen der Berliner Republik verlor, kann man wahlweise als Kollateralschaden einer (notgedrungen) investitionsfixierten Stadtentwicklungspolitik sehen. Oder als glücklichen Zufall für den Seelenfrieden der Berliner Politiker, die auch gern den Fernsehturm, das Marx-Engels-Forum und den Palast der Republik beiseite geräumt haben wollten, um zu zeigen, dass sie, was die Freude am Kahlschlag angeht, voll auf der Parteilinie derer liegen, die sie schon immer von Grund auf verachteten.<br />
<br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 450px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Wandbild Eisenhüttenstadt (Spiegelfragment)"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/ddr_kunst2.jpg"><!-- s9ymdb:1270 --><img class="serendipity_image_center" width="450" height="433" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/ddr_kunst2t.jpg" title="Wandbild Eisenhüttenstadt (Spiegelfragment)" alt="Wandbild Eisenhüttenstadt (Spiegelfragment)" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Selbst wo sie verschwunden scheint, bricht sie gern durch: Die Architektur- und Kunstgeschichte der DDR spiegelt sich gerade auch in ihrer Negation und es wird vermutlich noch lange dauern, bis die Zufälligkeit, mit der sie einer mitunter an einer Straßenecke unerwartet überrascht, endgültig durch die Überformung ostdeutscher Stadträume, einer systematischen Raumkontrolle gewichen ist.</div> <br />
</div><br />Die Klein- und Große Kreisstadt Weißwasser (B&#283;&#322;a Woda) verbindet mit Berlin vorwiegend die Tatsache, dass sie die zweite Hälfte der DDR-Eishockeykultur stellte. Dynamo Weißwasser war neben Dynamo Berlin die Mannschaft, die das DDR-Sportministerium im Eishockeybereich noch zu fördern bereit war. Daher waren die DDR-Eishockeymeisterschaften auch eher eine übersichtliche Angelegenheit.<br /><br />Dass man in Weißwasser nun eine Schule abgerissen hat, ist eher typisch für den Umgang mit überzähligen Infrastrukturobjekten in der bevölkerungstechnisch schrumpfenden und alternden ostdeutschen Provinz. Zumal, wenn die Städte finanziell keine finanziellen Spielräume besitzen, um sich etwas Neues zur Nutzung derartiger Objekte auszudenken.<br /><br />Das Politikum ist nicht einmal, dass mit der Schule an der Straße der Jugend nun auch ein Wandbild, das ausgerechnet den Namen Lebensfreude trägt, <a href="http://www.lr-online.de/regionen/weisswasser/Abschied-von-der-Lebensfreude;art13826,3745562">verschwindet</a>. Der übertragenen Botschaft, die davon ausgeht, etwas, <a href="http://www.flickr.com/photos/kunst-am-bau-ddr/6388576999/in/set-72157628094232595">das Lebensfreude signalisieren soll</a>, zu zersägen, muss man gar nicht erst nachgehen. Bemerkenswert ist nur die Begründung. Eigentlich aber auch nicht. Denn laut Lausitzer Rundschau gab es zwei Möglichkeiten, mit dem Wandbild des Elsterwerdaer Künstlers Georgios Wlachopolus zu verfahren:<br />
<br />
<blockquote>Das Wandbild bleibt samt Giebelwand stehen, was inklusive statischer Ertüchtigung 71 400 Euro kosten würde. Oder das Keramikfliesen-Mosaik wird samt Stahlbetonwandplatten in Einzelteile zersägt und diese werden eingelagert. Die Kosten dafür: 23 263 Euro.</blockquote>Wer ostdeutsche Gemeindepolitik kennt, wäre sehr überrascht, wenn man sich für das Stehenlassen entscheiden wollen würde. Wo in Berlin die Investition in Millionenhöhe zur Destruktion motiviert, ist es in Weißwasser das Sparen im Zehntausenderbereich. Zumal der zu erwartende Druck einer gewissen <a href="http://www.moz.de/nc/kommentare/mc/1017028/1306/1/">Kohorte der Bevölkerung</a>, die bei allem, was ihr unverständlich ist, ausstößt: Dafür ham se Geld!, auch noch einzurechnen ist. Das stumpfes Sparen ohne Investition die Misere der darbenden Kommunen niemals lösen kann, hat sich bei den Kleinsten unter den Bürgern, die dazu passend jenseits der ausgewählter Leserbriefspalten der Regionalpresse meist auch am wenigsten Bürger im zivilgesellschaftlichen Sinne sind, noch nicht herumgesprochen. Wer jegliche Kultur demontiert und Dokumentationszentren und Museen zur Disposition zu stellen überlegt, arbeitet viel stärker gegen die Zukunft einer Stadt, als der, der doch noch mal irgendwo etwas des ohnehin  wie aktuelle wirtschaftspolitische Praxen zeigen  eher relativen Impulsmediums Geld herausrückt.<br /><br />Darüber, dass mit einer <a href="http://www.flickr.com/photos/kunst-am-bau-ddr/6399230007/in/set-72157628094232595">Giebelwand mit Namen Lebensfreude</a> einen tragfähigen weichen Standortfaktor mit Signalwirkung erhält, lässt sich sicher geteilter Meinung sein.<br /><br />Nicht jedoch darüber, dass Weißwasseraner Stadtrat Harmut Schirrock von der schon benennungstechnisch bestimmte Tellerränder adressierenden Initiative Wir für Hier, in ein sehr misstönendes Horn stößt: <br />
<blockquote>Schirrock verwies auf Tausende ähnlicher Wandbilder in der DDR. Alle zu erhalten, ginge nun mal nicht. &quot;Man muss sich auch mal von Dingen trennen können.&quot;</blockquote>Damit gibt er die Frage vor, die jede Auseinandersetzung mit DDR-Kunst und vor allem im Stadtraum befindlicher Kunst zwangsläufig begleitet. Was ist wie erhaltenswert?<br /><br />Schmale Mittel sind selbstverständlich bei Entscheidungen hilfreich, wenn es darum geht, abzuwägen, ob man Meißener Spaltkeramikplatten für 23.000 Euro zersägt und abräumt oder für eine Mehrinvestition im öffentlichen Raum hält und sich damit zugleich noch der Herausforderung stellt, wie man diese künstlerische Kleinkapital der Stadtgesellschaft weiter nutzbar machen könnte. Mit ideologischen Aspekten muss man sich nun gar nicht mehr befassen. Die unverfängliche Arbeit Georgios Wlachopolus besitzt für derartige Diskussionen zugegeben auch vergleichsweise wenig Potential.<br /><br />Das Kurzsichtige am Argument Harmut Schirrocks liegt jedoch darin, dass er anhand der möglicherweise sogar kunstgeschichtlich begründbaren Verzichtbarkeit des Kachelbildes (<a href="http://www.lr-online.de/regionen/guben/Aufschub-bis-Mai-fuer-erneute-Gubener-Kunstdebatte;art1051,3756247">in Guben diskutiert man</a> dahingehend (fast nicht mehr) um ein Wandbild des Malers Günther Friedrich) nonchalant schlussfolgert, dass man sich problemlos der Sache entledigen kann. Es sollen halt die Anderen die Alltagserzeugnisse aus dem Kunstkombinat DDR aufbewahren. Nun findet sich vermutlich in jedem ostdeutschen Stadtparlament jemand, der  für sich und immer mit der Maßgabe eines <em>Wir für Hier!</em>  genau dieses Totschlag- und Abrissargument in ein Sitzungszimmer wirft. Da jeder dieser Hartmut Schirrocks die Überzeugungskraft der Einsparrechnungen und Sachzwänge auf seiner Seite hat, könnten im zugespitzten Fall eben keine tausend Wandbilder mehr bleiben.<br /><br />Wer bestimmt aber über die Reichweite des Man muss sich auch mal von Dingen trennen können.? Wo man in Weißwasser und anderswo hauptsächlich die jeweils aktuelle Haushaltslage in den Mittelpunkt rückt, berührt man zugleich immer auch den Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Die Balance zwischen akutem Handlungsdruck und langfristigen Bewahrungszielen zu finden, ist sicherlich sehr schwer. Ordnungspolitische Leitlinien aus dem Bereich der Dachkammerentrümpelungen zu generieren  und etwas anderes lässt sich aus einer Formulierung wie Man muss sich auch mal von Dingen trennen können. zunächst einmal nicht lesen  stände aber selbst semiprofessionell betriebener Lokalpolitik nicht gut zu Gesicht. <br /><a href="http://eisen.huettenstadt.de/archives/1371-Die-Kunst-der-DDR,-wie-man-sie-sehen-kann-und-wohin-sie-gehoeren-koennte..html#extended">"Die Kunst der DDR, wie man sie sehen kann und wohin sie gehören könnte." vollständig lesen</a>
        
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<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/E10w48jwaEJU7O8eS0BwnQHnDTs/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/E10w48jwaEJU7O8eS0BwnQHnDTs/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/6PoMEo4ntkQ" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Sun, 15 Apr 2012 17:59:38 +0200</pubDate>
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    <title>Sag Ja zu Dir. Einige (weitere) Gedanken zu einer aktiven Eisenhüttenstadt. Und ein Frühlingsbild.</title>
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            <category>Stadtgespräch</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            Der Zugriff auf Zugriffsstatistiken ist eine zwiespältige aber höchst spannende Sache. Denn er führt in eine eigenartige Abhängigkeit von Zahlen. Facebook-Insights, das Statistik-Tool mit dem ich in datenschutztechnisch gerade noch akzeptablem Ausmaß nachsehen kann, was die <em>Fanbase </em>der <a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt">Facebook-Seite zum Blog</a> umtreibt und ausmacht,&#160;ist dahingehend ein ausgezeichnetes Suchtmittel. Nach einem außergewöhnlich aktiven März 2012 zeigt sich der April beispielsweise in irritierender Weise leicht rückläufig. Ohne Statistiken wüssten wir es gar nicht, aber so steht es nun bunt auf weiß: Die Aktivitäten der Fans lassen nach. Wir erfahren aber nicht, weshalb. Und sogar die Zahl den Fans (<em>Total Likes</em>) zeigt sich zwar minimal, aber doch rückläufig. Verfehlen wir den Geschmack dieser Masse? Oder den Nerv?<br /><br />Dagegen wächst die Zahl der <em>Friends of Fans</em>, also der potentiell maximal erreichbaren Menge von Facebook-Nutzern leicht an und liegt immerhin bei aufsehenerregenden 211.981. Als Publikum eines Nebenthemas wie &quot;Stadtwahrnehmung Eisenhüttenstadt&quot; ist das schon nicht zu verachten. Natürlich erreichen wir diese mittlere virtuelle Großstadt nie komplett und nur manchmal in Andeutungen. In der Regel resonieren unsere Inhalte aktiv höchstens im Umfang einer Hausgemeinschaft (Fünfgeschosser), manchmal immerhin dem eines halben Wohnblocks.<br /><br />Aber eigentlich kommt es darauf auch gar nicht an. Denn es geht uns mehr darum, mit den kleinen Impulsen, die von dieser Plattform ausgehen können, überhaupt auf Resonanz zu stoßen und dieses Blog nicht völlig als private Nabelschau durchzuholzen. Wer es genau wissen will: Mit jedem Facebook-Beitrag erreichen wir im Schnitt passiv etwa 700 Personen. Falls nicht etwas außerordentlich Außerordentliches passiert, dürften wir uns in diesem Bereich auch langfristig stabilisieren. <br /><br />Was wir uns möglicherweise statt weiterer quantitativer Expansion als persönlichen Anspruch ins Blogbuch schreiben könnten, ist, die bestehenden Bindungen zu intensiveren und - so die Idealvorstellung - ein bisschen mehr Aktivität anzuregen. (Vergessen darf man aber nie, dass das Ganze nur nebenbei, ehrenamtlich und ergebnisoffen stattfinden kann.) <br /><br />Als zentrale Frage bleibt nach wie vor: Aber wie? Wieland hatte in seinem <a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt/posts/354978687886304?comment_id=3953294">kurzen Kommentar</a> zu einem Hinweis auf die Initiative <a href="http://sagjazuschwedt.net/">Sag Ja zu Schwedt!</a>&#160;- einer Beispielvariante, wie man in schrumpfenden Planstädten Ostdeutschlands aktiv an der stadtgesellschaftlichen Identität zu arbeiten versucht - schon irgendwie recht: Es müssen nicht immer hauptstädtische Einbrüche (finanziert aus &quot;<a href="http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/uckermark/artikel9/dg/0/1/1015744">aus Mitteln des Regionalbudgets zur Verbesserung der Wirtschaftsstruktur</a>&quot;)&#160;sein. Zumal damit erfahrungsgemäß nicht selten Vorstellungen (&quot;Schwedt soll cool werden.&quot;) in die Stadtgesellschaft eingespielt werden, die nicht zwingend mit den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort harmonieren müssen. <br /><br />Jahrelange Erfahrungen mit externen Beobachtern, Wissenschaftlern, Journalisten und sonstig Intervenierenden in Eisenhüttenstadt zeigen, dass die eigentliche Naivität mitunter sogar eher bei denen liegt, die aus den Metropolen anreisen, um die Stadt als krude-hippes Objekt ihrer Vorstellungen und zu ihren weltläufigen Zwecken be- und verarbeiten. Oder besser: der Mangel an Fingerspitzen-, Fein- und sonstigem Gefühl für das, womit man hier interagiert. Die häufige Grobmaschigkeit dieser Betrachtungsform ist an sich nicht unbedingt schlecht und oft sogar im Ergebnis sehr schön. Die Folgen für die Stadtgesellschaft sind aber selten nachhaltig, wenn sie nur als Untersuchungsgegenstand herhalten darf. Kurz gesagt: Vieles was über die Stadt angefertigt, geschrieben, gefilmt usw. wird, hat nur eingeschränkt wirklich mit ihr zu tun. Eisenhüttenstadt steht gerade mit den musealisierten Zonen des Flächendenkmals und vor dem Hintergrund der aktuell wieder etwas an Schwung gewinnenden öffentlichen Auseinandersetzung mit der DDR immer ein wenig in der Gefahr, als hübscher Zoo benutzt zu werden. Der <a href="http://www.tor-eisenhuettenstadt.de/">Tourismusverein</a> fördert das mit seiner hohlen <em>Iron-Hut-City</em>-Hysterie leider auch nicht gerade gering.<br /><br />Selbstverständlich sollte man diese externen Interessenlagen auch nutzen und stützen. Nach innen jedoch benötigt man einen Gegenpol, ein gesundes und gegenwartsbezogenes Selbstbewusstsein, sofern man nicht nur als Dauerausstellung der Alltagskultur einer fortgesetzten DDR verstanden werden will. Eisenhüttenstadt sollte durchaus bei allem entspannt-ironischem Spiel mit den Jahren vor 1989 als fest in der Jetztzeit verankerter Lebensort wenigstens wirken können. Zum Schritt in diese Richtung gehört es, dass man die Fixierung auf übergestülpte Leistungen, Zentralverwaltung und rathäusliche Steuerung, die nach wie vor oft so ausgeprägt ist, als befänden wir uns noch im Aufbaustadium der Planstadt, relativiert. Zweifellos ist die Stadt Ergebnis eines Generalstabsplans. Aber wie schon Rilke wusste - diese semantische Biegung zum Kalauer muss ich jetzt einfach erzwingen -: Auch hinter tausend Stäben gibt es keine Welt. Jedenfalls im Zoo. Abgesehen davon besitzt eine Planstadt wie jeder Plan und jede Stadt einen Eigensinn, der dafür sorgt, dass am Ende völlig etwas anderes entstanden ist, als es sich die jeweiligen Gründungsväter erträumten. Damit - und zwar hauptsächlich damit - muss man zu Rande kommen.<br /><br />Der Schritt sollte also einer fort vom Abschieben sämtlicher Verantwortung auf Stäbe und Pläne und &quot;die Stadt&quot; sein. Eine bewusste Hinwendung zu den&#160;u.a.&#160;im Grundgesetz verankerten Rechten, Pflichten und Teilhabemöglichkeiten an einer pluralistischen Gesellschaftsgestaltung hebt den Fuß. Der permanente öffentliche Austausch und die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum der Stadt Eisenhüttenstadt, wie ihn dieses Weblog seit 2006 anzuregen versucht, setzt ihn. Das sichtbare kommunikative Handeln dieser Art ist dank der technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts vergleichsweise sehr einfach geworden. Was nach wie vor fehlt, sind die vielleicht 700 Menschen, denen Eisenhüttenstadt genug am Herzen liegt, dass sie sich regelmäßig darin einbringen. Oder wenigstens glorreiche 7. Obwohl so viele sich dann doch finden lassen.<br /><br />Eine in keiner Weise überraschende und sich immer neu bestätigende Einsicht der statistischen Auswertungen ist übrigens auch, dass die Medienmenschen des 21. Jahrhunderts selten Lust auf viel Text haben. Dafür umso lieber auf Bilder reagieren. Darum soll es für heute bei diesen Zeilen bleiben. Der Rest ist Blühen (bzw. Blütenlesen):<br /> <br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 600px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Frühling im WK III"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/frhling_wkIII.jpg"><!-- s9ymdb:1266 --><img class="serendipity_image_center" width="600" height="224" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/frhling_wkIIIt.jpg" title="Frühling im WK III" alt="Frühling im WK III" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Frühling im WK III: <em>Und ist der Putz auch noch so grau / man wohnt doch gern in Großblockbau / wenn es, weil der April sich müht / davor in Grün und Rosa blüht. </em><br />(Dass diese Verse auch beim Zirkel Schreibender Arbeiter nicht die geringste Chance auf Anerkennung hätten, wissen wir selbst. Aber manchmal kann man eben nicht anders.)</div> <br />
</div><br />P.S. Man bat mich, etwas über Denkmalschutz und/oder <a href="http://www.investition-baudenkmal.de/denkmalschutzimmobilien.htm">Denkmalschutzimmobilien</a> in Eisenhüttenstadt zu schreiben, weil man mit solchen in mehrfachen Sinne kontextsensitiven Herausforderungen auch dieses Weblog am Laufen hält. Vielleicht fällt mir demnächst mal etwas dazu ein. Manchmal muss man trotz allem Kompromisse eingehen - nicht nur einer nur Facebook-statistisch präzise bestimmbaren Zielgruppe gegenüber. 
        
<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BZ3dtOWWm7pOibw7rWh4UJSDJBY/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BZ3dtOWWm7pOibw7rWh4UJSDJBY/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BZ3dtOWWm7pOibw7rWh4UJSDJBY/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/BZ3dtOWWm7pOibw7rWh4UJSDJBY/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/hxishSn2fbY" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Sat, 14 Apr 2012 11:54:20 +0200</pubDate>
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    <title>Die Pilzstelle drüben. Ein Beispiel Eisenhüttenstädter Kommunikationsgeschichte aus dem Jahr 1991</title>
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            <category>Devotionalien</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            <blockquote style="margin-top: 0px; margin-right: 0px; margin-bottom: 0px; margin-left: 40px; border-top-style: none; border-right-style: none; border-bottom-style: none; border-left-style: none; border-width: initial; border-color: initial; border-image: initial; padding-top: 0px; padding-right: 0px; padding-bottom: 0px; padding-left: 0px; "> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Ich will die nicht pauschal verdammen. Dennoch muß ich sagen, daß es für die Leute drüben, die nur an die quantitative Erfüllung des Plans gewöhnt waren, immer noch äußerst schwer ist, sich an betriebswirtschaftliche Kategorien heranzutasten.  Detlev Rohwedder im SPIEGEL 5/1991 über ostdeutsche Führungskräfte.</p> <br />
</blockquote> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">In Eisenhüttenstadt ist es vielleicht weniger ein akutes Alltagesproblem. Wer sich aber in den Metropolregionen der Bundesrepublik in bestimmten sozialen Schichten häufiger zum Brunch trifft, kennt diese Klage der jungen und erfolgreichen Professionellen. Regelmäßig, so erzählen sie mit ihren Abschlüssen vorzugsweise in Wirtschaft, Informatik, Recht oder Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsrecht oder eben doppelter Berechnungskompetenz, wie dreist sie von <em>Headhuntern</em> kontaktiert werden. Die wollen sie immer und unbedingt aus ihren bestehenden Arbeitsverträgen herauslocken. Dabei ist man bei SAP doch ganz glücklich...</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Eine solche verwöhnte Zielgruppe verlangt von den Talentscouts nicht weniger als punkt- und bedarfsgenaue Hochleistungskommunikation. Sonst ist sie nur genervt, legt irgendwann einfach auf, schaltet die Mailbox ab oder löscht die E-Mails ungelesen, da noch fünfzig andere Nachrichten vor dem Feierabend zu sichten und zu verwerten sind.&#160;Insofern könnten die häufig kalt abservierten Fachkraftjäger möglicherweise etwas von einem kartophilen Fundstück aus Eisenhüttenstadt aus dem Jahr 1991 lernen. Zumal wenn die Zielperson eine Schwäche für Raumfahrttechnologie, Pilzkunde und saubere Poststempel hat.&#160;</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Immerhin ist eine Devise, die man aus dem Marketing mitnimmt, dass man sich unbedingt von der Konkurrenz unterscheiden muss, um überhaupt aufzufallen. In einer Zeit, in der Blackberrys schon fast antiquiert wirken, iPhones dank offensiver Mobiltelefonievertragspolitik der Anbieter auch für untere Gehaltsgruppen Basisutensil sein können und der <em>Tablet</em>-PC auch mehr zu kommunikativen Fessel wird, könnte man mit dem antiquiert scheinenden Verfahren der Ansichtskarte möglicherweise einen verschütteten Rezeptor im System der individuellen Aufmerksamkeitsökonomie aktivieren und gerade damit in der entscheidenden Nische punkten.</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Das Fundstück des Abends zeigt jedenfalls, wie man ein Dokument der Einstellungskommunikation gestaltet, das auch zwanzig Jahre nach Zustellung noch als bemerkenswert gilt. Angesichts der überprofessionalisierten Bewerbungsmappen- und Formvorderschreibenmentalität heutiger Arbeitsmärkte wirkt es fast rührend, wie hier mit einer Pilzpostkarte vorgeladen wird.<br /> </p><br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 450px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Ansichtskarte mit Pilzmotiv"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/einstellung1991_b.jpg"><!-- s9ymdb:1263 --><img class="serendipity_image_center" width="450" height="338" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/einstellung1991_bt.jpg" title="Ansichtskarte mit Pilzmotiv" alt="Ansichtskarte mit Pilzmotiv" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Dieser Pilz war dort gewachsen. Und so blieb es. Ob er allerdings nach der Aufnahme nicht doch in der Pfanne des Fotografen zu einer Abendmahlzeit wurde, wird vermutlich für immer dem öffentlichen Gedächtnis verborgen bleiben. Denkt man aber in Wahrscheinlichkeiten, dann müsste schon ein außergewöhnlich pilzabstinenter Lichtbildner am Werk gesehen sein, um diese wunderhübsche faltige Schönheit zu verschmähen. Man hat in solchen Fällen ja die Wahl: Lässt man das schmucke Ding auf dem toten Holz selbst vermodern (oder überlässt man es gar einem wilden Tier) oder reißt man es kultiviert selbst aus der angestammten Heimat, um es später gnadenlos zu vernaschen. (Wer hier nun etwas in Bezug auf deutsch-deutsche Beziehungsmuster herauslesen will, sollte sich durchaus auch mit dem Weblog <a href="http://negativpresse.wordpress.com/">Negativpresse Ost</a> auseinandersetzen.)</div> <br />
</div><p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Selbstverständlich wirkt an diesem Objekt der Alltagsgeschichte auch die DDR-Tradition fort, die Alltagskommunikation per Ansichtskarte zu organisieren. Allerdings war der dies begünstigende DDR-Standardtarif von 10 Pfennig im Mai 1991 bereits obsolet.</p><br />
<br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Die Portokasse galt es entsprechend aufzustocken und wer auch immer hier einlud, tat dies mit dem 60 Pfennig-Wert zur Europäischen Raumfahrt, den die Deutsche Post am 02.Mai 1991 ausgab und sich den den Erdbeobachtungssatelliten ERS 1 zum Motiv nahm. Spannend und lehrreich ist nun, wie wenig diese philatelistische Würdigung der damaligen Höchstleistung der europäischen Raumfahrttechnik mit dem inhaltlichen Zweck der Karte (Einladung zu einem Einstellungsgespräch) und dem Motiv der Ansichtskarte gemein hatte. Hier siegte erfrischender Weise die polierte Form noch nicht über den nackten Inhalt, sondern drückt sich wahlweise eine bewusste Referenz der postmoderner Vielschichtigkeit dieser Epoche oder die reine Ignoranz gegenüber sowohl Etikette wie auch Etiketten in Gestalt eines postalischen Unikats aus.<br /> </p><br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 450px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Rückseite der Ansichtskarte"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/einstellung_1991.jpg"><!-- s9ymdb:1261 --><img class="serendipity_image_center" width="450" height="338" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/einstellung_1991t.jpg" title="Rückseite der Ansichtskarte" alt="Rückseite der Ansichtskarte" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Eine krause Stelle? So versuchte man jedenfalls 1991 Spitzenkräfte in Eisenhüttenstadt zu halten. Heute ist die Tradition der Einladung zum Bewerbungsgespräch per Ansichtskarte leider in Vergessenheit geraten. Die Bewerbung per Ansichtskarte war wohl noch nie in Mode. Doch die Geschichte gerade auch der Planstadt Eisenhüttenstadt zeigt: Vieles, was lange nie war, war plötzlich da. Möglicherweise sollte man es also mal versuchen.</div> <br />
</div> <br />
<p>&#160;</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Der Zweitname des abgebildeten Gluckenpilzes lautet <em>Fette Henne</em> und es ist hauptsächlich dem Planet Verlag zu verdanken, dass nicht diese noch etwas volksmündlerische Lebenswirklichkeit den Adressaten motivieren sollte, sich auf das Angebot einzulassen, welches vermutlich keines an einem eventuellen Institut für Mykologie war. </p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Deutet man die Abbildung allerdings doch im Sinne der Sprache der Pilze, so ist die Wahl eines Speisepilzes doch eher ein gutes Omen, als es zum Beispiel bei einem Fliegenpilz der Fall gewesen wäre. Oder auch besser als das Bild einer Morchel. Oder einem Staubpilz. Und man darf nicht vergessen, dass gerade das Umland des möglichen Beschäftigungsortes Eisenhüttenstadt ideale Bedingungen für Krause Glucken bietet, deren lateinischer Name <em>Sparassis Crispa </em>irgenwie an ein griechisches Restaurant im italienischen Rimini denken lässt. Falls es so etwas gibt.<br />Bleibt man beim deutschen Assoziationsraum für Krause Glucken, dann entsteht nicht zuletzt angesichts des Verbreitungsgebiets ganz nebenbei ein Regionalbezug, der doch auf eine gewisse Absicht der Motivwahl hin deutet: Wer in Eisenhüttenstadt arbeitet, kann nach Feierabend prima in einen Pilzwald bei Kobbeln fahren, in dem die Krausen Glucken und Fetten Hennen nur so wimmeln.<br /><br />Makromodus (Erdobservation aus dem Weltall) und Mikroebene (Myzelversum) verbinden sich demnach in diesem Dokument und das trivial Menschliche drückt sich im Ziel eines Arbeitsverhältnisses dazwischen. Zum pilzigen Aspekt ist noch zu ergänzen, dass sich die Krause Glucke gemeinhin gern quasiparasitär ans Wurzelwerk von Wirtsbäumen anschließt und sich aus diesen ernährt, bis sie eines Tages weggeputzt werden. Manch westdeutscher Beobachter könnte hierin eine Parallel zum Solidarpakt sehen und in der Tat könnte die Anstellung, um die es hier ging, auch mit solchen Mitteln gefördert worden sein.&#160;</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Die vertragsrechtlich anformalisierte Sprache des Schreibens wird wiederum durch die handschriftliche Fassung angenehm gebrochen. Die Botschaft lautet: Hier sind Menschen am Werk. Auch wenn der Wortlaut nicht danach klingt. Und wie es zwischen Menschen üblich ist, gibt es auch noch ein Problem zu bewältigen, bei dem der  wie so oft in Eisenhüttenstadt  der OB eine zentrale Rolle spielt. Dass schließlich noch eine vorwendlich gedruckte Karte als Untergrund eines nachwendlichen Vorgangs dient, unterstreicht sowohl die zeit- wie auch die ortsgeschichtliche Klammer, die sich durch den Poststempel mit Postleitzahl 1220 und der handschriftlichen Fassung der Postleitzahl mit dem regionalisierenden <em>O-1220</em> ausdrückt.</p> <br />
<p style="color: #000000; font-family: Georgia, 'Times New Roman', 'Bitstream Charter', Times, serif; line-height: 19px; ">Das Beispiel zeigt, dass man mit etwas Willen auch aus scheinbar absurd komponierten Zeitdokumenten wie dem vorliegenden mit etwas gutem Willen problemlos intentionale Tiefe in der Gestaltung herauslesen kann. Oder aber man begnügt sich mit der Annahme, dass selbst in denkbar formeller Kommunikation in 1220-Eisenhüttenstadt des Jahres 1991 mit nonchalantem Understatement die Differenz zwischen Schein und Sein nicht aufgehoben wurde. Sondern vielmehr völlig unterschiedliche Wege einschlug. Dann allerdings müsste man Detlev Rohwedders durchaus negativ zu nennende Einschätzung ostdeutscher Weltläufigkeit im Umgang mit professionellen Kontexten doch irgendwo als zutreffend anerkennen.</p> 
        
<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Bhtg3BN949iIAnD-7_y2Tq4gWe8/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Bhtg3BN949iIAnD-7_y2Tq4gWe8/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Bhtg3BN949iIAnD-7_y2Tq4gWe8/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/Bhtg3BN949iIAnD-7_y2Tq4gWe8/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/CuRCLyejRCU" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Sat, 31 Mar 2012 22:39:20 +0200</pubDate>
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<category>eisenhüttenstadt</category>
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    <title>Die Heimat-Lamour-Magistrale: Ein Besuch auf der Sprungschanze in den Diehloer Bergen</title>
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            <blockquote>Du wolltest etwas anderes als ich, höre ich dich sagen. Die Zweige brechen wie Glas. Ein Mann und eine Frau, aber sie sehen nicht mehr so aus, als ob sie zusammengehörten.  Franz Tumler: Volterra (Innsbruck: 2011, S. 23)<br />
</blockquote> <br />
<p> So ist alles prima (vera) im Lot im Frühling: Eben brach das Radio mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=9Cig92gWnVc">einer Variation</a> des Bill Evans Trios über die Urfrage der Zwischenmenschlichkeit in den Abend: <em>What is This Thing Called Love?</em> Dabei fällt es zugegeben nicht leicht Just who can solve this mystery? Why should it make a fool of me? über diese Version so zäh- bis zartschmelzend zu singen, wie man es von Lena Horne kennt. </p> <br />
<p>Aber letztlich ist die bekanntere Fassung von Billy Holiday ja auch die schönere. Und die von Sarah Vaughan die schwungvollere. Und die Frage an sich das Entscheidende. Und Cole Porter stellte sie nur als Stellvertreter, wenn auch in einer Weise, die die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts außerordentlich prägte. Sein Lied saust um die Welt und immer wieder mal plötzlich auch zu per Funkwelle auf einen leise tönenden Lautsprecher. Und so erinnert es mich plötzlich daran, dass ich schon längst auf die Spuren natürlich mehr des Verliebtseins als des hochkomplexen Phämonens der Liebe in Eisenhüttenstadt aufmerksam machen wollte. <br />
</p> <br />
<p>Eigentlich weiß es jeder: Wenn man als junger verliebter Eisenhüttenstädter ein kleines Händchen für Romantik beweisen möchte, dann ist ein Ausflug in einer milden, tiefbestirnten Sommernacht auf die Hänge der Diehloer Berge keine schlechte Wahl. Und obwohl man von der Plattform der stillgelegten Sprungschanze eher einen schlechteren Blick über die Stadt hat, als vom einen Steinwurf entfernt in die Landschaft gebeulten Hollywood-Hügel, empfiehlt es sich, einmal halbschüchtern mit dem Mädchen der Wahl dort angekommen zu sein, den Aufstieg auf die Schanze vorzuschlagen.</p> <br />
<p>Denn freundlicherweise muss man dafür eine Absperrung überwinden, die eigentlich kein Hindernis darstellt. Sondern vielmehr etwas zutiefst Verbindendes. Die nicht allzu komplizierte Hürde ist nämlich exakt schwierig genug zu übersteigen, dass man seiner Begleitung ohne Aufdringlichkeit wie selbstverständlich die Hand zur Hilfestellung reichen kann. Das Händchen für die Romantik trifft so zufällig das Händchen des Ziels der Romantik. Und wo sich Hand und Hand finden, finden sich nach gemeinsamen Aufstieg vielleicht auch Mund und Mund und wo man frisch verliebt küsst, stört es kein Bisschen, wenn sich dichtes Blattwerk in die Sichtachse auf die Planstadt schiebt.&#160;Diese Form des Zueinanderfindens über der Stadt ist eine der sympathischsten Traditionen der Stadtgeschichte und wer sich dieser in seiner Jugend nicht unterwirft, wird hier vielleicht einen bisschen weniger jung gewesen sein. Aber man kann es natürlich jenseits der Teenager-Jahre noch nachholen.</p> <br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 500px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="  Blick von der Sprungschanze auf Eisenhüttenstadt"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/schanzengitter.jpg"><!-- s9ymdb:1260 --><img class="serendipity_image_center" width="500" height="333" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/schanzengittert.jpg" title="  Blick von der Sprungschanze auf Eisenhüttenstadt" alt="Blick von der Sprungschanze auf Eisenhüttenstadt" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt" style="text-align: -webkit-auto; ">Das Verbindungsgitter. Wenn ich Dich seh, dann werd ich froh./Ob Dich das kümmert oder nicht, das ist mal so. - Man muss dem mutmaßlich verträumtesten Ort der Stadt selbstverständlich nicht mit derart viel Verve begegnen. Aber wenn ich zu diesem Thema schreibe, nehme ich mir gern einmal die Freiheit auf einen hinreißenden Hit von Manfred Krug (zauberhaft nachgesungen von Lisa Bassenge auf dem ersten Album der Band Nylon) zu verweisen. Und was passt besser zur Kombination von Eisenhüttenstadt und Jugendliebe als die berührende Zeile:&#160;Ich weiß nicht, ob Du das kapierst / das wird ganz schlimm für mich, wenn Du mich mal verlierst. ...</div> <br />
</div> <br />
<p>Wenn man sich an einem Sonntagnachmittag allein zur Schanze begibt, um nachzuprüfen, ob sie <a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt/posts/242340275862639">überhaupt noch steht</a>, schwingt mehr oder weniger bedauerlich etwas weniger Romantik mit. Die frühen Falter des Märzes machen die Unternehmung für diejenigen, die einen Nerv dafür haben, immerhin zu einer angenehmen lepidopterologischen Exkursion. Alltagssemiotiker wie ich erfreuen sich dagegen an den Narben und Zeichen, die die verliebten Stunden der Anderen auf dem Blech des Sprungschanzengerüstes hinterließen. Hinter jedem dieser <em>A.+B.=Love forever</em> stehen mindestens zwei Lebensverläufe, manchmal halbe (oder gar ganze) Dramen, mitunter auch ein Happy End mit drei Kindern und nahezu immer Schmetterlinge nicht auf dem Feldweg sondern irgendwo südlich der Sonnengeflechte.</p> <br />
<p>All das ist, wie auch immer die Sache ausgeht, ein Glück vor allem im Moment. Nicht nur Fritz Kreisler wusste: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AqQ2_2qd-5Y">Die Liebe kommt, die Liebe geht</a> und so vergeht einem durchaus auch mal auch die Lust, beim Frühling in der Schönhauser eine gebissene Lippe zu riskieren, weil man das Lied in großem Überschwang des Herzens an jemanden band, der es mitnahm, als die Liebe wieder einmal gerade ging. Aber glücklicherweise ist die Welt der Liebeslieder nahezu unerschöpflich. Selbst bei einem hochpromisken Lebenswandel dürfte immer noch ein neues unübertrefflich schönes und unbelastetes Musikstück für den nächsten siebten Himmel über den sieben Wohnkomplexen (bzw. was davon nach all den Jahren übrig ist) bleiben. Man muss einfach nur mal im <a href="http://www.youtube.com/watch?v=dOr5mofvjsA">80. Stockwerk</a> nachsehen.</p> <br />
<p>Die Erinnerungskultur blüht derweil stahlstadtadäquat auf dem Metall der Schanzenfassung und es ist ein der angenehmsten Aufgaben dieses Weblogs, diese Repräsentationen flink und frühlingsglücklich flatternder Herzen ins Digitale zu retten. Und dass das als Einstieg gewählte Zitat aus dem vermutlich gelungsten Text des nicht mehr allzu bekannten Schriftstellers Franz Tumlers schmerzlich wahr aufzeigt, wie man bedauerlicherweise nach den meisten der konsequent durchlebten Verliebtheiten wieder vom Berg hinuntersteigt, soll nichts daran ändern, dass man dennoch immer wieder mal hinaufgeht, um nachzusehen, ob die Schanze mit der Hoffnung, dem Glück und dem wilden Herzgeklopfe der weiten Sommernächte noch da ist.</p> <br />
<p>Nachfolgend also ganz unkommentiert ein paar Dokumente lokaler Herzensangelegenheiten. &#160;</p> <br /><a href="http://eisen.huettenstadt.de/archives/1367-Die-Heimat-Lamour-Magistrale-Ein-Besuch-auf-der-Sprungschanze-in-den-Diehloer-Bergen.html#extended">"Die Heimat-Lamour-Magistrale: Ein Besuch auf der Sprungschanze in den Diehloer Bergen" vollständig lesen</a>
        
<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/6Ncu8ufWbEtwfODbuFe4-xxBjDw/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/6Ncu8ufWbEtwfODbuFe4-xxBjDw/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/6Ncu8ufWbEtwfODbuFe4-xxBjDw/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/6Ncu8ufWbEtwfODbuFe4-xxBjDw/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/fuqmnEhPUkk" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Tue, 27 Mar 2012 22:57:25 +0200</pubDate>
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<category>jugendliebe</category>
<category>sprungschanze</category>

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<item>
    <title>Sag mir, was die Gesten wollen. Zur Möglichkeit produktiver Interventionen in einer angeschlagenen Eisenhüttenstadtgesellschaft.</title>
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            <category>Theorie</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
    <content:encoded><![CDATA[

            
            <p align="center">I</p> <br />
<p><br />
Die Planstadt ist eine Allmachtsgeste. Vor nunmehr fünfeinhalb schnellen Jahren schrieb ich in diesem Blog eine <a href="http://eisen.huettenstadt.de/archives/411-Die-Planstadt-und-ihre-Menschen-Kurzreflexion-ueber-ein-Zitat..html">kurze Betrachtung</a> zu dieser These, die sich in der Besprechung zu einer Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fand:<br /></p> <br />
<blockquote> Die Planstadt ist eine Allmachtsgeste. Sie zeugt von Eroberungsdrang, einer normativen Kraft, die Widerspruch nicht duldet - militärische, männliche, martialische Assoziationen drängen sich auf. Planstädte sind ideologisch, gebauten Ideen kann kein Bewohner ausweichen. Jeden Tag stößt er an die Grenzen der Lebenskulisse, die auch seinen Denkhorizont abstecken soll, Planstädte wollen mehr als überzeugen: Sie wollen bezwingen.</blockquote> Es war eine bittere Betrachtung und vermutlich in mancher Überspitzung auch an der Stelle manövrierend, an der man, gehörig Frustration im Blick, das eigentliche Ziel aus den Augen verliert.<br />
<br />
<br />Die Planstadt ist eine Allmachtsgeste. Sie ist eine Weisung an ihre Bewohner. Sie ist die steingewordene Typisierung. Sie bestimmt damit zugleich  und das war typisch für die gesamte DDR  wie ein ihr eventuell begegnender Widerspruch aussieht. Die Planstadt ist eine Allmachtsgeste  und jeder Umgang damit wird sich daran ausrichten müssen. Die vorgegebene Ordnung dominiert so oder so die Spielräume.<br /> <br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 500px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Rückbau Wohnkomplex VI im März 2012"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/rckbaumrz.jpg"><!-- s9ymdb:1230 --><img class="serendipity_image_center" width="500" height="750" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/rckbaumrzt.jpg" title="Rückbau Wohnkomplex VI im März 2012" alt="Rückbau Wohnkomplex VI im März 2012" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Die Ohnmachtsgeste. <br />Irgenwie ist der Rückbau vor dem Sonnenschirm, also die Widersprüchlichkeit von Leben und Gehen lassen, ein zentrales Kennzeichen dieser von ihrer baulichen und gesellschaftlichen Vergangenheit in der Gegenwart heraus- und zum Teil auch überforderten Planstadt.</div> <br />
</div> <br /><a href="http://eisen.huettenstadt.de/archives/1366-Sag-mir,-was-die-Gesten-wollen.-Zur-Moeglichkeit-produktiver-Interventionen-in-einer-angeschlagenen-Eisenhuettenstadtgesellschaft..html#extended">"Sag mir, was die Gesten wollen. Zur Möglichkeit produktiver Interventionen in einer angeschlagenen Eisenhüttenstadtgesellschaft." vollständig lesen</a>
        
<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/voNMci2lOloBHss8s3KhO6RWZI4/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/voNMci2lOloBHss8s3KhO6RWZI4/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/voNMci2lOloBHss8s3KhO6RWZI4/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/voNMci2lOloBHss8s3KhO6RWZI4/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/2KbLOYwA11s" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Mon, 26 Mar 2012 20:57:05 +0200</pubDate>
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<category>eisenhüttenstadt</category>
<category>identitätsbildung</category>
<category>identitätsmanagement</category>
<category>magistrale</category>
<category>meine stadt - mein leben</category>
<category>stadtentwicklung</category>
<category>stadtgesellschaft</category>

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<item>
    <title>CC Bild der Stadt. Zur Eisenhüttenstadt-Fotografie und einem Flickr-Stream mit frei nutzbaren Aufnahmen.</title>
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            <category>Stadtbild</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Ben)</author>
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            <p>Eine recht dankbare Form der Beschäftigung mit Eisenhüttenstadt ist zweifellos die Fotografie. Mehr als 3200 Aufnahmen zum Schlagwort <a href="http://www.flickr.com/photos/tags/eisenh%C3%BCttenstadt/">allein bei Flickr</a> sind vielleicht nicht allein zahlenmäßig ein überzeugender Beleg für Fotogenität. Der Blick auf die einzelne Aufnahme zeigt jedoch, dass diese Menge nur äußerst selten durch entsprechend ausgezeichnete Kindergeburtstags- oder Hochzeitsdokumentationen unterfüttert ist und überwiegend tatsächlich der Stadtraum die Motivwahl bestimmt. Allein der Kollege vom Stream <em>Kunst am Bau</em>&#160;steuert bislang fast <a href="http://www.flickr.com/photos/kunst-am-bau-ddr/sets/72157628093780383/">350 aufsehenerregende Aufnahmen</a> zur baugebundenen oder sonstwie in der Stadt verstreuten Kunst bei.&#160;</p> <br />
<p>Bei vielen der mit einiger Regelmäßigkeit stattfindenden fotografischen Stadtwanderungen, die er, ich oder wir beide oder auch andere unternehmen, geht es mittlerweile zumeist um die Suche nach einer besonderen Perspektive. Eisenhüttenstadt ist natürlich überschaubar genug, um binnen vergleichsweise kurzer Zeit nah an eine lichtbildnerische Gesamterhebung zu gelangen. Spannend bleibt jedoch, die Nuancierungen im Stadtbild, die leichte und mitunter dank Stadtumbauprogrammen auch gravierenderen Veränderungen und bestimmte Spannungen des Stadtraums differenziert und differenzierend zu fassen.&#160;<br /><br />Als persönliches Ziel steht demnach - wenn man es strikt urheberrechtsdefinitorisch betrachtet - den Schritt vom Lichtbild zum Werk zu vollziehen und vom bloßen Abbilden zum schöpferischen Umgang mit dem vorgefundenen Licht, dem gegebenem Raum und dem verfügbaren technischen Material zu gelangen. Das glückt nicht immer und mit der Zeit wachsen selbstverständlich die Ansprüche. Ein Bild, das mich vor einigen Jahren hin-, weg- und mitgerissen hätte, erscheint mir nun vielleicht aufgesetzt und oberflächlich. Andersherum entdecke ich in den mittlerweile üppig bestückten digitalen Fotoarchiven regelmäßig ältere Bilder, die mir zuvor nie als besonders interessant erschienen, mich aber in einer momentanen Stimmung und sanfter zeitlicher Distanz durchaus genügend berühren, um sie im <a href="http://www.flickr.com/photos/ehstiques">Hauptstrom</a> des fotografischen Dialogs mit dem Stadtraum abzubilden.<br /><br />Dass die hochspannende Facette der Abbildung von Menschen in der Stadt ihre persönlichkeitsrechtlichen Grenzen hat, wirkt sich freilich leicht beschränkend auf den Spielraum des Zeigbaren aus. Wer bei Flickr blättert, weiß, dass sich dort nicht jeder immer daran hält. Mir scheint eine gewisses Sensibilität jedoch auch abseits des Rechtsrahmens geboten, weshalb bestenfalls zufällig und/oder verdeckt und/oder aber im Rahmen eines öffentlichen Geschehens tatsächlich Personen auf der visuellen Fahrbahn der Stadtabbildung auftauchen sollten. Wo immer ein Mensch erscheint, greift für mich in jedem Fall die Grundregel der fotografischen Distanz.</p> <br />
<p> </p><br />
<div class="serendipity_imageComment_center" style="width: 500px; "> <br />
<div class="serendipity_imageComment_img"><a  class="serendipity_image_link" title="Magistrale Eisenhüttenstadt"  rel="lightbox" href="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/magistrale_2012.jpg"><!-- s9ymdb:1228 --><img class="serendipity_image_center" width="500" height="333" src="http://eisen.huettenstadt.de/uploads/ben/magistrale_2012t.jpg" title="Magistrale Eisenhüttenstadt" alt="Magistrale Eisenhüttenstadt" /></a></div> <br />
<div class="serendipity_imageComment_txt">Ein Vorfrühlingsbild aus der Magistrale. Die illustrierenden Bilder der Beiträge in diesem Weblog sind eine weitere Facette fotografischer Stadtdokumentation und/oder Spurensicherung. Zu diesem Beitrag hätte möglicherweise ein Flickr-Screenshot besser gepasst. Aber dann wäre mir vielleicht nie aufgefallen, wie die Stadtbeleuchtung in der Lindenallee derzeit gefasst ist. Und dadurch wäre ich nicht daran erinnert worden, dass die Geschichte des Designs der Stadtbeleuchtung in Eisenhüttenstadt auch noch Desiderat darstellt, das es eines Tages unbedingt zu bearbeiten gilt...</div> <br />
</div><br />Neben den Bildern, in denen ich für mich etwas sehe, das dem ähnelt, was Roland Barthes in seiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_helle_Kammer">Fotografie-Philosophie</a> als <em>punctum</em> beschrieb, gibt es die Hybriden. Diese Bilder finde ich ganz in Ordnung, hübsch oder aus irgendeinem Grund interessant. Aber nicht passend für die <em>Flickr</em>-Hauptauswahl. Diese Aufnahmen schlüpfen bisher vorwiegend in den <em><a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt?sk=photos">Photo-Folder</a></em> der <a href="https://www.facebook.com/eisenhuettenstadt">Facebook-Gruppe zum Weblog</a>&#160;und finden dort auch ihr Publikum. <br /><br />Da schließlich Anfragen zur Verwendung einzelner Aufnahmen in anderen Zusammenhängen kommen und Flickr doch eine recht gute Ablagemöglichkeit gibt, habe ich nun einen weiteren Account eingerichtet:&#160;<a href="http://www.flickr.com/photos/ehstadtbild"><strong>www.flickr.com/photos/ehstadtbild</strong></a>. In diesem erscheinen nun mehr oder weniger regelmäßig ebenfalls Aufnahmen aus dieser Kategorie der Hybriden, die unter einer weitreichenden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons">Creative Commons</a>-Lizenz publiziert werden. Die Lizenz ermöglicht eine freie Nutzung der dort veröffentlichten Aufnahmen ohne weitere Rücksprache. Die Ausgangsmotivation bestand darin, unkompliziert Abbildungslücken im <a href="http://wiki.huettenstadt.de/index.php?title=Hauptseite">Eisenhüttenstadt-Wiki</a> schließen zu können. Ein Nebeneffekt ist:&#160;Jeder kann die Fotos dieses Streams für Zwecke seiner Wahl verwenden. Was das genau bedeutet, wird auf <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/">dieser Seite erläutert</a>. Ob dafür wirklich Bedarf besteht, weiß ich natürlich nicht. Aber da die Bilder ohnehin existieren, dürfen sie von mir aus ruhig in die Welt ziehen und sich vermehren - was sie ja mitunter ohnehin tun. Jetzt haben sie in diesem Fall und Stream auch den offiziellen Segen ihres Urhebers.&#160; <br />
<p>&#160;</p> 
        
<p><a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ixZ4lBMOC0HNpK5B7GvaW6Yaa_I/0/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ixZ4lBMOC0HNpK5B7GvaW6Yaa_I/0/di" border="0" ismap="true"></img></a><br/>
<a href="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ixZ4lBMOC0HNpK5B7GvaW6Yaa_I/1/da"><img src="http://feedads.g.doubleclick.net/~a/ixZ4lBMOC0HNpK5B7GvaW6Yaa_I/1/di" border="0" ismap="true"></img></a></p><img src="http://feeds.feedburner.com/~r/eisenhuettenstadt-blog/~4/8B3MyYHJOkI" height="1" width="1"/>]]></content:encoded>

    <pubDate>Fri, 23 Mar 2012 22:59:45 +0100</pubDate>
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