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	<title>Post von Schreiber</title>
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	<description>Fotos, Media, Stuff. Dies und das.</description>
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		<title>Punkt vor Tante Sally</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Aug 2019 13:41:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Geekstuffs]]></category>
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					<description><![CDATA[Kennen Sie diese Sorte von Mathematik-Aufgabe aus sozialen Medien? Oft sind es extrem einfache Rechnungen, zum Beispiel: Was ergibt 8/2*(2+2)? Und drunter stehen hunderte falscher Antworten. Das Zeug geistert immer wieder durch Facebook und Twitter, und es erscheint unerklärlich, bei einer doch vermeintlich exakten Lehre wie der Mathematik, dass es da immer wieder so große [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kennen Sie diese Sorte von Mathematik-Aufgabe aus sozialen Medien? Oft sind es extrem einfache Rechnungen, zum Beispiel:</p>
<p>Was ergibt 8/2*(2+2)?</p>
<p>Und drunter stehen hunderte falscher Antworten.</p>
<p>Das Zeug geistert immer wieder durch Facebook und Twitter, und es erscheint unerklärlich, bei einer doch vermeintlich exakten Lehre wie der Mathematik, dass es da immer wieder so große Meinungsverschiedenheiten geben kann. In diesem Fall berechnen die zwei größten Löse-Lager 16 beziehungsweise 1. Zu welchem der Lager gehören Sie? Was halten Sie von den Rechenkünsten der Leute im anderen Lager? Und wieso sind solche Aufgaben im englischen Sprachraum noch viel beliebter als bei uns?</p>
<p>Klären wir erstmal, wie es überhaupt zur Meinungsverschiedenheit kommen kann. Mathematische Formeln sind ja nichts als aufgeschriebene Rezepte für Berechnungen. Nimm eine 2, pack noch eine 2 dazu, dann multipliziere das Ergebnis mit&#8230;, und so weiter, bis zum Ergebnis.</p>
<p>Das funktioniert nur, weil die Übersetzung der Zeichen ins Rezept eindeutig (1) ist. Weil man sich auf Regeln für diese Übersetzung geeinigt hat. Die Faustregel, die Schulkinder bei uns lernen ist: Zuerst Klammen, dann Potenzen, dann Punkt vor Strich, alles von links nach rechts. Das ist die globale Konvention, und mit dieser Konvention berechnet man oben eine 16.</p>
<p>In den USA handelt die entsprechende Eselsbrücke aber nicht von Punkten und Strichen, sondern von der lieben Tante Sally, der man bitte verzeihen soll: Please Excuse My Dear Aunt Sally, PEMDAS. Das steht für: Parentheses, Exponents, Multiplication, Division, Addition, Subtraction. Und erweckt leider den Eindruck, Multiplikation müsste vor der Division ausgeführt werden und die Addition vor der Subtraktion.</p>
<p>Daran wäre gar nichts falsch, das könnte man so machen. Dann würden wir hier eben erst die Klammer berechnen, dann das Ergebnis 4 mit der 2 multiplizieren, und dann die 8 durch dieses Zwischenergebnis 8 teilen. Ergebnis 1.</p>
<p>Ob man es so oder so macht, hat mit Mathematik, und mit richtigem oder falschem Rechnen nichts zu tun. Es handelt sich um reine Konvention. Man kann auch in beiden Konventionen die jeweils andere Berechnung aufschreiben. Man braucht nur zusätzliche Klammern. Also 8/(2*(2+2)) um trotz Punkt-vor-Strich eine 1 zu berechnen, beziehungsweise (8/2)*(2+2), wenn man Tante Sally weiterhin falsch verstehen will und trotzdem 16 als Antwort möchte. Falsches Rechnen wäre, nach 4 mal 4 gefragt zu werden und 15 zu antworten. Hier passiert etwas ganz anderes.</p>
<p>Denn das eigentliche Problem hier ist nicht, dass die Leute im anderen Lager nicht rechnen können (geben Sie ruhig zu, dass sie das oben gedacht haben), sondern dass die Regel der Tante Sally zu diesem Missverständnis einlädt. Das Problem ist eine lausige Eselsbrücke, und der Fehler liegt eigentlich nicht bei dem, der sich da verrechnet, sondern bei dem, der es ihm irreführend beigebracht hat.</p>
<p>Übrigens, wo wir grade beim Thema sind: was ergibt 230-220*0,5?<br />
Sie werdens vermutlich nicht glauben, aber die Antwort ist 5!</p>
<p>(1) Für die Mathe-Freaks: ein-eindeutig ist diese Übersetzung nicht, weil man ja jeder Formel jederzeit noch Klammern zufügen kann, die an den Berechnungen gar nichts ändern.</p>
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		<title>Harris/Gervais/Hitchens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2019 13:34:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Comedy]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Geekstuffs]]></category>
		<category><![CDATA[Misc]]></category>
		<category><![CDATA[Nonfiction]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophy]]></category>
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					<description><![CDATA[Tipp für alle, die des Englischen mächtig genug sind, mit einem flott auf Niveau dahergeplauderten Gespräch fertig zu werden. Der Podcast von Sam Harris ist regelmäßig großartig und inspirierend, aber diese Woche schlägt er selbst für seine Verhältnisse besondere Funken. Er hat Ricky Gervais zu Gast (beziehungsweise hat er ihn in London besucht), und das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://samharris.org/podcasts/163-ricky-gervais/"><img src="https://samharris.org/wp-content/uploads/2019/07/163-ricky-website-and-newsletter.png" width="500"></a></p>
<p>Tipp für alle, die des Englischen mächtig genug sind, mit einem flott auf Niveau dahergeplauderten Gespräch fertig zu werden. Der Podcast von Sam Harris ist regelmäßig großartig und inspirierend, aber diese Woche schlägt er selbst für seine Verhältnisse besondere Funken. Er hat Ricky Gervais zu Gast (beziehungsweise hat er ihn in London besucht), und das ist für mich nicht nur großartig, weil hier zwei sehr kluge und lustige Köpfe aufeinandertreffen (es klingt nach Buch, Herr Lichtenberg), sondern auch weil ich meine Bewunderung für die beiden Herren bislang in recht unterschiedlichen Schubladen aufbewahrt hatte und jetzt gewissermaßen den Inhalt der einen in die andere schütten kann. Provokanter Humor und besonnene Rationalität, zwei Seiten einer extrem wichtigen Medaille.</p>
<p>Und dann reden sie am Ende auch noch über die Rückkehr von Christopher &#8220;Hitch&#8221; Hitchens, der auf einem von Richard Dawkins geklonten T-Rex in die Stadt reiten soll, wenn ich das recht verstanden habe.</p>
<p>Den Podcast findet man <a href="<a">hier</a> auf der Webseite von Sam Harris.</p>
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		<title>Silvester 2010</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2011 13:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Miniaturen]]></category>
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					<description><![CDATA[1 Zwischen dem zu Eis verdichteten Schnee der Laufrinne auf dem Bürgersteig und dem Sattelschlepper liegt eine grau überpuderte Matratze aus feuchtem Schnee und Harsch, in die ich jetzt trete, um den Schaltungskasten mit Grünlandschaft zu fotografieren. Kaum stehe ich auf, materialisiert eine mittelalter, hagerer Mann neben mir, ich habe ihn nicht kommen sehen oder [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/5323024587/" title="grün"><img src="http://farm6.static.flickr.com/5243/5323024587_71031c9a61_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>1<br />
Zwischen dem zu Eis verdichteten Schnee der Laufrinne auf dem Bürgersteig und dem Sattelschlepper liegt eine grau überpuderte Matratze aus feuchtem Schnee und Harsch, in die ich jetzt trete, um den Schaltungskasten mit Grünlandschaft zu fotografieren. </p>
<p>Kaum stehe ich auf, materialisiert eine mittelalter, hagerer Mann neben mir, ich habe ihn nicht kommen sehen oder hören, und fragt übergangslos: Sind Sie von hier? In einem drängenden Tonfall fragt er das, als hinge eine Entscheidung von einigem Gewicht an der Antwort, als ändere sich durch sie noch der Lauf der Dinge, blosse Stunden vor dem Ende der Zeit.</p>
<p>Ja, antworte ich, aber noch nicht lange, und unmittelbar ziehen Wolken der Enttäuschung über sein gespanntes Gesicht. Warum fotografieren Sie das? fragt er noch, aber er hat die Hoffnung schon aufgegeben, das ist zu hören, Hoffnung worauf auch immer. Ich mag den Kontrast zwischen dem Schnee und dem schwarzweissen Winter und der blühenden Landschaft auf dem Stromkasten, antworte ich, und höre, wie ein Relais umspringt im Innern des Hageren, ein metallischer Schnappton.</p>
<p>Die Kästen, erzählt er mir, seien im Rahmen eines Schulprojektes bemalt worden, stadtweit, aber niemand sehe die Kunstwerke, beachte sie, und schlimmer noch, Plakatierer schändeten die Kästen und die aufgemalten Werke mit Kleister und Papier. Er habe nun gehofft, dass endlich die Zeitung sich der Sache annehme und ein öffentlicher Aufschrei durch die Lande gehe. Er seufzt. Dann, abrupt, dreht er sich weg, geht schnell davon auf dem Laufeis, als habe er eine Grenze verletzt und fürchte die Folgen. Guten Rutsch, rufe ich ihm nach, er dreht sich halb zurück, murmelt Unverständliches und ist wieder verschwunden.</p>
<p>2<br />
Die Strassen sind beinah leer, selbst das Eis sublimiert oder getaut. Vereinzelt fahren Autos, aber zu Fuss unterwegs scheint ausser mir niemand, nur die gefrorenen Fussspuren zeugen von der Existenz der Menschen. Ich versuche, hinter die dunklen Fensterscheiben zu sehen, ob Vorbereitungen laufen für einen Partybesuch, ob auch andere sich für den Einzelkampf im Raketenkrieg rüsten, aber nichts regt sich im Schwarz hinter den Gardinen. Bei Lidl keine Raketen mehr, dafür eben Prosecco. Warum ich Prosecco kaufe? Weil ich gern, ach, weiss auch nicht.</p>
<p>3<br />
Kurz vor Mitternacht trete ich doch noch hinaus auf die schneefreie Dachpappe, die Vorbotin unangekündigten Rausgeklingeltwerdens im neuen Jahr: Dachdeckerschweine. Rundum eine Nebelwand, vereinzelte Lichtblitze flackern, aber still ist es nicht hier im Auge der Wolke &#8211; Wolken haben überall da Augen, wo jemand steht und die Wolke wahrnimmt: verkehrte Welt des Wasserdampfs &#8211; still ist es nicht, sondern es knallt entfernt von allen Seiten, im ungefähren Takt der flackernden Lichthöfe. Ohne schöne Bälle und Flammenregen ist das Geräusch aber trist, die entfärbte Freude der Anderen. Ich gehe zurück in die Wärme, zur Katze, die sich vor der Lautstärke der Tristesse unterm Tisch versteckt. Das täte ich auch gerne, aber für mich ist kein Platz mehr, nur für meine Hand noch. Besser als nichts.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>Nach Hause</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 01:27:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jersey]]></category>
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					<description><![CDATA[1 Union City Das Lächeln war ein Duchenne-Lächeln, der Orbicularis Oculi im Co-Kontrakt, aber dennoch rann es wie Sand durch die Engstelle in meinem Hals und auf einen kompakten Haufen in meiner Magengrube, kaum dass sich die Aufzugstüre geschlossen hatte: nichts dauert. Mein letzter Besuch beim Spezialisten war das, Händedruck, freundliche Sprechstundenhilfen, alles Gute in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/4965731860/" title="lines"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4087/4965731860_357b14a6a5_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>1 Union City<br />
Das Lächeln war ein Duchenne-Lächeln, der Orbicularis Oculi im Co-Kontrakt, aber dennoch rann es wie Sand durch die Engstelle in meinem Hals und auf einen kompakten Haufen in meiner Magengrube, kaum dass sich die Aufzugstüre geschlossen hatte: nichts dauert. Mein letzter Besuch beim Spezialisten war das, Händedruck, freundliche Sprechstundenhilfen, alles Gute in germany, should be an adventure, Neugier in den blanken Augen. Ihr Wohlwollen erinnerte mich an das der Cafeteriaangestellen im Krankenhaus in Münster, wo ich, grade übernächtigt aus dem Flugzeug gefallen, mir das vergessene Rasierzeug ersetzte. Hoffentlich können Sie bald wieder nach Hause, hatte die damals, meinen Einkauf missverstehend, gesagt, und mich kurz aus meinem Tran geworfen damit. Hmja, danke. Nach Hause.<br />
Bei ihr gekauft hatte ich statt Rasierschaum ein Deospray, der Wegwerfrasierer auf der Institutstoilette später kratzte unangenehm, dafür roch ich gut.</p>
<p>Vor dem verabschiedenden Händedruck stand eine ratlose Diagnose, chronisches Nierenversagen, Ursache unbekannt, und Ausdrucke der Testergebnisse, Konzentrationen. Von hier oben aus sieht man die Hochhäuser von Manhattan wo sich durch die Querstrassen der Blick eröffnet, ich rolle aber ungebremst den Berg hinab, schnaufender Elefant auf meinem Dreirad, schliesse sekundenlang die Augen und spüre den warmen Wind dunkel im Gesicht. Die Dunkelheit ist in Bewegung, Schwarz wirbelt um Schwarz. In der Helligkeit, in die ich nach diesem eitlen Flirt mit dem Dunkel zurückkehre, sieht alles aus wie zuvor. Trotz des Fahrtwindes klebt mir das Hemd feucht im Rücken und Salz rinnt in die Augen. Der Schmerz in der Seite kommt und geht. Vom Körper verraten und verschwitzt. Dumme Sau, Körper.</p>
<p>2 Newark<br />
Vor dem Zaun eines Parkplatzes, an einer Strassenkreuzung, stand vor zwei Wochen noch am Boden ein Aquarium, ein kleines, das nur zehn Gallonen fasst. Darin einige Zentimeter Sand und Nippes, kleine Plastikfiguren, ein winziges Surfbrett, ein Cocktailglas. Am Zaun über dem Aquarium hängt ein wetterfestes Plakat, auf Kunststoff gedruckt, auf dem eine Reihe von Fotos das Strandleben eines jungen Mannes zeigen, Anfang zwanzig, braun gebrannt, ein breites Lächeln im hoffnungsvollen Männchengesicht, Duchenne oder nicht ist schwer zu sagen bei der Auflösung. Über die Todesursache ist nichts zu lesen, Krankheit oder Unfall, aber der junge Mann, der aussieht wie der Feind, dem nicht das Hemd am Rücken klebte beim Surfen, oder wenn, dann sah es gut aus, dieser junge Mann ist tot, und das Aquarium ist ein Altar, den Freunde und Familie ihm hier aufgestellt haben an der räudigen Kreuzung. Wider Willen rührt mich dieses Schicksal, und ich schäme mich für den Neid auf einen, der doch schon tot ist.</p>
<p>Zwei Wochen später steht das Aquarium noch immer unter dem Plakat, die Scheiben zersprungen, der Sand bis auf einen kleinen Rest heraus gewaschen, die Figuren zerstreut, das Cocktailglas zerbrochen. </p>
<p>So it goes.</p>
<p>3 Jersey City<br />
Im Wasser schwimmt unbesehen ein Wels. <br />
Seit Monaten schwimmt er da, alle paar Tage werfe ich mit schlechtem Gewissen Futter dazu, und offenbar ist ihm das genug, dem Fisch ist jedenfalls kein Unwohlsein anzumerken. Das Aquarium hatte ich einst betrieben, um eine Leerstelle zu füllen und hatte es beschrieben, um die Leerstelle zu umschreiben. Die Leerstelle hat nun gewonnen, und das Becken ist verwahrlost und unbesungen. Die Leuchtröhren seit Monaten defekt, der Filterimpeller schlägt in hoher Frequenz gegen den Kunststoff des Gehäuses, rasselnder Maschinenatem eines Fischreichs im Koma.</p>
<p>Um das Becken herum stapeln sich die Fragmente zerfallenden Lebens, die Sedimente von zehn Jahren, nicht mit Pinseln und kleinen Meisseln abgebaut, sondern los gesprengt und in rostigen Loren zur Schmelzgrube verbracht. Der Staub, der sich auf die Schnittkante der Alben gesetzt hat steigt in Wolken auf nur weil ich in seine Richtung atme, und ist schon nicht mehr zu sehen. Ein Kasten voller Mineralienproben, nicht geöffnet seit dem letzten Umzug aus Berkeley, eine selbst gebaute Blumenpresse, Utensilien der Kleinbürger-Hochstapelei, und immer wieder Bücher, alt gewordene Gedanken, die mir plötzlich wie Schuppen aus dem Kopf fallen. Wenig wird bleiben, und dieser ist doch nur der kleine Bruder, ein Erwachen in Westfalen, ein Augenreiben, die Skyline von New York das verblassende Fantasma einer langen Dämmerung.</p>
<p>Hoffentlich kann ich bald nach Hause. Doof hier.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>Cartesius, vom Bauch auf den Rücken gelegt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 00:13:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Neuroscience]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophy]]></category>
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					<description><![CDATA[Dass ich dem Argument des Cartesius, so weit ich es verstehe &#8211; dass das Gedachtwerden des Vorgangs eines Zweifels unbestreitbar ein denkendes Ich voraussetzt, und also an der Existenz dieses Ich nicht zu zweifeln sei &#8211; selbst zweifelnd gegenüberstehe, habe ich ja schon mal geschrieben. Ich sehe keinen unbezweifelbaren Grund, aus dem ein System, das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/4211321/" title="he is taking your bike"><img src="http://farm1.static.flickr.com/3/4211321_ece5d4b583_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>Dass ich dem  Argument des Cartesius, so weit ich es verstehe &#8211; dass das Gedachtwerden des Vorgangs eines Zweifels unbestreitbar ein denkendes Ich voraussetzt, und also an der Existenz dieses Ich nicht zu zweifeln sei &#8211; selbst zweifelnd gegenüberstehe, habe ich ja schon mal geschrieben. Ich sehe keinen unbezweifelbaren Grund, aus dem ein System, das &#8220;Ich denke&#8221; denken kann, auch ein Ich enthalten muss, das den gesamten epistemologischen Reichtum repräsentiert, der mit dem Ich verbunden wird. Kann sein, dass es so ist, kann auch sein, dass ein Zombie &#8220;ich denke&#8221; denken könnte, aber jedenfalls ist es nicht unbezweifelbar und eignet sich also nicht als Fundament eines Welt- oder Geistgebäudes.</p>
<p>Unbezweifelbar ist aber doch die Existenz des Zweifels selbst. Denn wenn ich bezweifle, dass es den Zweifel gibt, dann bestätige ich ja grade damit seine Existenz. Das klingt jetzt wie ein billiges Wortspiel oder Paradoxon, mir ist es aber ernst. </p>
<p>Der Vorgang des Zweifelns beinhaltet die Existenz einer Alternative: um zu zweifeln muss ein Subjekt der Ansicht sein, eine Reihe von Sinnesdaten habe eine bestimmte Erklärung, aber zugleich gewahr sein, dass auch eine andere Erklärung zutreffen könne. Was mit anderen Worten nicht bezweifelt werden kann, ist, dass mentales Erleben eine metaphysisch nicht fundierbare Konstruktion ist, deren jedes Element immer auch seine mögliche Negation enthält. Jeder mentale Inhalt ist, was er ist, indem er auf das verweist, was er nicht ist. </p>
<p>Ich zweifle, also bin ich. Vielleicht.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>tante suhrkamp lässt erzählen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 21:44:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Geekstuffs]]></category>
		<category><![CDATA[Neuroscience]]></category>
		<category><![CDATA[Science]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8220;Aus der Sicht des Gehirns&#8221;, Gerhard Roth, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S. 40ff.: So haben wir bis zu einer Distanz von ca. 6 Metern ein direktes räumliches (stereoskopisches) Sehen, also eine echte Dreidimensionalität. [&#8230;] Die stereoskopische Tiefenwahrnehmung ist sehr präzise, und deshalb können wir mit ruhiger Hand fast auf den Millimeter genau nach nahe gelegenen Gegenständen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/3146969303/" title="sliced and diced"><img src="http://farm4.static.flickr.com/3240/3146969303_5311d1e37a_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>&#8220;Aus der Sicht des Gehirns&#8221;, Gerhard Roth, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S. 40ff.:</p>
<blockquote><p>So haben wir bis zu einer Distanz von ca. 6 Metern ein direktes räumliches (stereoskopisches) Sehen, also eine echte Dreidimensionalität. [&#8230;] Die stereoskopische Tiefenwahrnehmung ist sehr präzise, und deshalb können wir mit ruhiger Hand fast auf den Millimeter genau nach nahe gelegenen Gegenständen greifen. Das hochpräzise räumliche Sehen ist aber auf den Nahraum beschränkt, was natürlich Sinn macht. Mit zunehmender Entfernung wird die Disparität der beiden retinalen Bilder immer kleiner, und ganz andere Hilfsmittel zur Entfernungsschätzung kommen zum Einsatz, die auch mit einem Auge funktionieren. [&#8230;] Eines dieser Hilfsmittel heisst Bewegungsparallaxe und nutzt die Tatsache aus, dass bei seitlichen Kopfbewegungen nahe Gegenstände sich stärker bewegen als etwas entferntere, und sich jene vor diesen hin und her zu bewegen scheinen.</p></blockquote>
<p>
Sehen wir mal davon ab, dass hier ein Wissenschaftler Stammeldeutsch schreibt &#8211; &#8220;was natürlich Sinn macht&#8221;, Lektor hin, Kommunikationswille her &#8211; dann bleiben immer noch die faktischen Gurken in diesem Kopfsalat: Disparitätswinkel nehmen mit der Entfernung ab, soweit schon richtig, aber das bedeutet nur, dass in grösserer Entfernung grössere Abstandsunterschiede nötig sind, um denselben qualitativen Tiefeneindruck zu gewinnen. Wer schon mal im Wald gestanden hat, weiss, dass binokulares Tiefensehen durchaus nicht auf die nächstgelegenen sechs Meter beschränkt ist; es sei denn, er war vor lauter Bäumen zu abgelenkt, genauer hinzugucken. </p>
<p>Die von Roth zur Behebung des von ihm erfundenen 3D-Notstands dann ins Feld geführte Bewegungsparallaxe ist drolligerweise geometrisch mit Disparitäten vollständig identisch: Ob ich mein Auge sechs Zentimeter seitwärts verschiebe oder mir stattdessen dort einfach ein zweites wachsen lasse, perspektivisch ist das ein und dasselbe.</p>
<p>Und &#8220;echte Dreidimensionalität&#8221;: auch Quatsch. Selbst mit fünf Augen sähe man nicht hinter die Dinge, und wäre also noch immer von einer einzelnen visuellen Oberfläche unterschiedlichen Abstands umgeben. Und in den Ausnahmefällen, in denen man zwei Dinge hintereinander sehen könnte, im Fall schmaler Objekte etwa, oder bei transparenten Folien, sorgt die Disparitätsgradientenschwelle meist dafür, dass nicht beide gleichzeitig voll sichtbar sein können. Halten Sie doch mal zwei Finger hintereinander, einen nahe, einen weiter weg. Ist der Abstandsunterschied gross genug, sieht zwar jedes Auge beide Finger, aber binokular oder  &#8220;echt dreidimensional&#8221; sieht man nur den, den man direkt ansieht. Der andere Finger wird doppelt gesehen, sein Abstand ist unsicher. David Marr nannte das visuelle Ergebnis deshalb den &#8220;two-and-a-half-D sketch&#8221;. Zweieinhalb-D, Herr Roth, &#8220;echt&#8221;.</p>
<p>Ich freu mich schon aufs vollständig überarbeitete Kapitel zum freien Willen. Das wird bestimmt toll.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<item>
		<title>life in the folding lane</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 18:44:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brompton Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Jersey]]></category>
		<category><![CDATA[Miniaturen]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8220;Nice ride&#8221;, ruft einer der Jungs in weissen T-Shirts von gegenüber als ich den Lenker verschraube. Vier sinds, und aus dieser Entfernung sind sie nicht zu unterscheiden, which is the point, no doubt, you feel me? Ich steige auf, 40 Minuten zu spät für meinen Termin, &#8220;how fast does it go&#8221; ruft jetzt ein anderer, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/3970977736/" title="across the street"><img src="http://farm3.static.flickr.com/2439/3970977736_e6917cb532_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>&#8220;Nice ride&#8221;, ruft einer der Jungs in weissen T-Shirts von gegenüber als ich den Lenker verschraube. Vier sinds, und aus dieser Entfernung sind sie nicht zu unterscheiden, which is the point, no doubt, you feel me? Ich steige auf, 40 Minuten zu spät für meinen Termin, &#8220;how fast does it go&#8221; ruft jetzt ein anderer, im Wegradeln drehe ich mich um, &#8220;going fast enough&#8221; und biege um die Ecke. White boy on the run, that&#8217;s me.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>Cheap Dreams</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 18:25:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[All Right]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Movies]]></category>
		<category><![CDATA[Must See]]></category>
		<category><![CDATA[Neuroscience]]></category>
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					<description><![CDATA[Inception blatantly invites comparisons. The zero-g simulation and the center room of the dream heist evoke the mystery of 2001, the cityscape of Limbo wants to look like Brazil, and the gimmicky plot screams &#8220;this is what Matrix 2 and 3 should have been like&#8221;. Failed ambition. If I were in want of stunning visuals [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/2169949594/" title="cheap dreamS"><img src="http://farm3.static.flickr.com/2227/2169949594_f43dee48b0_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>Inception blatantly invites comparisons. The zero-g simulation and the center room of the dream heist evoke the mystery of 2001, the cityscape of Limbo wants to look like Brazil, and the gimmicky plot screams &#8220;this is what Matrix 2 and 3 should have been like&#8221;. Failed ambition.</p>
<p>If I were in want of stunning visuals lacking in emotional and logical depth, Avatar would be a much better fit than this and do the job much more nicely and honestly, without leaving the tinny taste of being taken for a sucker in the mouth. For all its technical glory, Inception makes almost no sense as story or metaphor, and it&#8217;s sad to imagine the movie this could have been, in the hands of a writer/director taking the mind seriously. Diving down into somebodies subconscious ought to be unsettling and intense, but instead there is just stuff being blown up and secret agents shooting blanks: mind as submachine gun. Yawn.</p>
<p>Additionally, the only way Inception can keep you from falling through the cracks in the plot is by keeping everything in frenzied motion. But once the action stops, everything crumbles. The crumbling is pretty to look at, no doubt, but what remains in the end is still only technorubble.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>Chocolate Muffin Matters</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 22:05:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Brompton Stories]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Jersey]]></category>
		<category><![CDATA[Miniaturen]]></category>
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					<description><![CDATA[Alles sieht gleich unverdaulich aus und ist gleich unappetitlich verpackt und also nehme ich am Ende des zweiten Suchduchgangs ein Chocolate Chip Muffin, nicht weil es gesünder aussähe als der Rest, sondern des Namens wegen: klingt immerhin wie ein Nahrungsmittel. Ich zerreisse die Plastikfolie und esse auf dem Fahrrad, mit Blick auf White Castle, das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/4794247340/" title="CXLVII"><img src="http://farm5.static.flickr.com/4135/4794247340_ed4c0d497b_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>Alles sieht gleich unverdaulich aus und ist gleich unappetitlich verpackt und also nehme ich am Ende des zweiten Suchduchgangs ein Chocolate Chip Muffin, nicht weil es gesünder aussähe als der Rest, sondern des Namens wegen: klingt immerhin wie ein Nahrungsmittel. Ich zerreisse die Plastikfolie und esse auf dem Fahrrad, mit Blick auf White Castle, das Fort des guten Geschmacks, und beobachte die Blechbüffel auf der Asphaltprärie in great plain Jersey. Bei der  Abfahrt werfe ich die Hälfte des Gebäckfaksimiles in den Müll.</p>
<p>Mir fällt auf dass mein Abschiedsscherz von vorhin, im Labor, &#8220;I&#8217;ll be back in two months for a Trippler renal ultrasound&#8221; für die Dame, die mich auskultierte, vermutlich unverständlich war, Doppler und double, die Verbindung liegt nicht nahe. Sie hatte mich aber wiedererkannt, als ich rein kam, und mir am Ende die Bohnenform meiner Niere gezeigt, da hatte ich sicher einen Brösel Kryptonit gut.</p>
<p>Oder das Fahrrad. Wahrscheinlich das Fahrrad.</p>
<p>Mittags sitze ich in der Waschküche vor der Bücherei, niemand klebt ausser mir hier in der Hitze, und beende Everything Matters! Ein Tropfen fällt auf den Umschlag, könnte eine Träne sein oder Öl vom Chicken Saltimboca, oder vielleicht Kondenswasser von der Eisteeflasche. Ich wische ihn mit der Serviette ab und gehe aus der Schwüle zurück nach drinnen, wo es viel zu kalt ist.<br />
<br clear="all" /></p>
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		<title>Fallen durch Decken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kai Schreiber]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 23:30:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Jersey]]></category>
		<category><![CDATA[Miniaturen]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Aufzug sackt seit Wochen beim Schliessen der Türe ein paar Zentimeter durch, geht dann nochmal auf, dann wieder zu und dann fällt er aber doch noch hydraulisch nach unten durch die Tunneldecke in die Felsenkammer der PATH-Station. Das ist hübsch, das hydraulische Fallen, weil man polierten Stangen dabei zusehen kann, wie sie sich ölig [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;">
 <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/1318207606/" title="bare rock"><img src="http://farm2.static.flickr.com/1241/1318207606_fbd97470bd_m.jpg" alt="" style="border: solid 2px #000000;" /></a>
</div>
<p>Der Aufzug sackt seit Wochen beim Schliessen der Türe ein paar Zentimeter durch, geht dann nochmal auf, dann wieder zu und dann fällt er aber doch noch hydraulisch nach unten durch die Tunneldecke in die Felsenkammer der PATH-Station. Das ist hübsch, das hydraulische Fallen, weil man polierten Stangen dabei zusehen kann, wie sie sich ölig in dickere polierte Stangen schieben während man aus der Decke fällt, und das ist ein schöner Zeitvertreib.</p>
<p>Heute aber sackt der Aufzug nicht, und er muckt auch nicht, die Tür schliesst sich sauber und schnell, und geht auch nicht mehr auf. Auch sonst passiert nichts. Das heisst, nach einer kleinen Weile dann schon. Die Tür geht wieder auf. Und man ist aber durch keine Decke gefallen, vollkommen aufzugszweckwidrig. Das mache ich viermal mit, oder lass es ruhig fünf sein, dann habe ich genug von sich schliessenden Türen. Der Aufzug aber befindet sich in einer Sackgasse hinter einer Zahlschranke, meine Monatskarte ist nach jeder Benutzung für 18 Minuten gesperrt, und deswegen kann ich jetzt also nicht die Treppe nehmen, sondern muss auf einen roten Knopf drücken. Es hupt melodisch. Es knarzt. Und dann redet eine Stimme aus dem Nichts mit mir. Nein, sagt die Stimme während ich wie ein Schwein im Weltall um mich zu sehen vorgebe, von einem Aufzugsproblem sei nichts bekannt, ich solle doch noch ein bisschen probieren. Und legt wieder auf, noch bevor ich sie auf den informationstheoretischen Fehler hinweisen kann, den sie da begeht. Andererseits muss ich ja zugeben: gute Strategie. Müsste aber eigentlich trotzdem gleich nochmal anrufen.</p>
<p>Weil ich so schlecht mit dem Bein ans Ohr komme, drücke ich stattdessen noch ein bisschen auf Knöpfen rum und sehe der Tür beim Auf- und Zugehen zu, und hoffe auf eine erlösende Uniform. Es kommt auch gleich einer, der Aufzug geht nicht, sage ich, er guckt mich stumm an als sei ich nicht bei Trost, geht in den Aufzug und drückt den Schliessknopf. Tür zu, Aufzug steht. Tür auf. Er murmelt unverständlich Fremdsprachiges, rüttelt an der Tür, greift sich in die Hose, zieht einen Schlüsselbund &#8211; der Aufzugsresetbuttonrettungsschlüssel! Oh süsse Engelstöne! &#8211; und kratzt mit dem Schlüssel den Passagierschmutz aus der Türspalte. Die Tür schliesst sich. Durch das Türfenster sehe ich das Gesicht des PATH-Mitarbeiters, während  er durch den Boden fällt. Von drinnen guckt es ein bisschen schuldbewusst zurück.</p>
<p>Der Aufzug kommt wieder, als ich ihn rufe. Ich steige ein, murmle unverständlich Fremdsprachiges (man weiss ja nie) und drücke den zuständigen Knopf. Nichts. Die Tür öffnet sich wieder. Ich zücke meinen Hausschlüssel und grüble in der nun schon fast ganz dreckfreien Türspalte rum. Knopf. Nichts. Tür. Ich rüttle erbost am Aufzug. Knopf. Nichts. Tür. Ich murmle profan Fremdsprachiges und wiederhole es nochmal, aus Langeweile.</p>
<p>Aber keine Bange, da kommt schon das nächste PATH-Männchen. Aufzug kaputt sage ich. Er guckt mich an, als sei ich bei Trost, dreht um und geht, noch bevor ich von meinem Ticketproblem erzählen kann durch die Bezahlschranke nach draussen, und zum anderen Aufzug. Durch dessen Bezahlschranke er sich quetscht, wärhend er mit seinem PATH-Ausweis in Kameras wedelt. Good for you, fuckhead, sage ich nicht, denke es aber.</p>
<p>Kurz überlege ich, nochmal den Anrufknopf zu drücken und der Zentrale einen hübschen Aufzugsmarsch zu blasen, aber die 18 Minuten sind um und ich nehme stattdessen marschlos die Treppe. Der Bahnsteig unten ist voll, der Zug also nahe, und der Schaden begrenzt. Vor dem Aufzug am Bahnsteig steht eine PATH-Mitarbeiterin und wartet. It&#8217;s not going to come, sage ich, it&#8217;s broken. <br />
It breaks every six days, sagt sie unbeeindruckt, und geht zur Treppe.<br />
<br clear="all" /></p>
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