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	<description>Blog von Felix Neumann. Nachdenken über Politik, Gesellschaft und Kirche.</description>
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		<title>Chasing Debenedetti – 4 Strategien gegen Twitter-Fakes</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2020 19:46:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Fake]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute war es Handke: Der Schriftsteller war nicht selbst auf Twitter, stattdessen gehört der Account in die lange Reihe an Fakes des selbsternannten Meisterfälschers Tommasso Debenedetti. Gestern tauchte @PHandkeOfficial auf Twitter auf, geadelt durch eine Begrüßung vom verifizierten Account der österreichischen Ex-Ministerin Karin Kneissl war dieser Fake einer der erfolgreicheren. Mit etwas Debenedetti-Erfahrung sind die &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2020/04/02/chasing-debenedetti-4-strategien-gegen-twitter-fakes/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Chasing Debenedetti – 4 Strategien gegen Twitter-Fakes</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3189"><!-- &nbsp; --></abbr>

<p>Heute war es Handke: Der Schriftsteller war nicht selbst auf Twitter, stattdessen gehört der Account in die lange Reihe an Fakes des selbsternannten Meisterfälschers Tommasso Debenedetti. Gestern tauchte @PHandkeOfficial auf Twitter auf, geadelt durch eine Begrüßung vom verifizierten Account der österreichischen Ex-Ministerin Karin Kneissl war dieser Fake einer der erfolgreicheren.</p>



<p>Mit etwas Debenedetti-Erfahrung sind die Fakes, die immer nach der gleichen Masche ablaufen, aber relativ leicht zu enttarnen. Der Fälscher ist seit 2011 dabei, ich verfolge ihn seit 2017, als er den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki gefälscht hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/debenedetti-handke-fake.jpg" alt="" class="wp-image-3195" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/debenedetti-handke-fake.jpg 610w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/debenedetti-handke-fake-300x212.jpg 300w" sizes="(max-width: 610px) 100vw, 610px" /></figure>



<p>Da Debenedetti seine Masche quasi nicht verändert, habe ich in den letzten Jahren einige Strategien angewendet, mit der sich seine Fakes schnell aufdecken lassen – alle sind relativ trivial und schnell umzusetzen.</p>



<p><strong>Mehr Hintergründe dazu habe ich bei katholisch.de aufgeschrieben:</strong></p>



<ul><li><a href="https://www.katholisch.de/artikel/12464-todesgruesse-vom-falschen-twitter-kardinal" class="aioseop-link">Todesgrüße vom falschen Twitter-Kardinal</a></li><li><a href="https://www.katholisch.de/artikel/25015-tommasso-debenedetti-meisterfaelscher-und-papst-serienmoerder" class="aioseop-link">Der berüchtigte Twitter-Hoaxer im Interview: Tommasso Debenedetti – &#8220;Meisterfälscher&#8221; und Papst-Serienmörder</a></li></ul>



<span id="more-3189"></span>



<h2>Strategie 1: Stilanalyse – schlechte Rechtschreibung, schematische Form und offizielle Behauptungen</h2>



<p>Ein typischer Debenedetti wirkt immer ähnlich; mit der Zeit hat man es im Gefühl, ob ein neuer unbekannter Account einer bekannten Persönlichkeit (meistens Politiker*innen, Bischöfe oder Künstler*innen) in diese Fake-Reihe gehört.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><a href="https://fxneumann.de/?attachment_id=3196"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/twitter-screenshot-handke-488x1024.jpg" alt="" class="wp-image-3196" width="238" height="499" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/twitter-screenshot-handke-488x1024.jpg 488w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/twitter-screenshot-handke-143x300.jpg 143w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2020/04/twitter-screenshot-handke.jpg 657w" sizes="(max-width: 238px) 100vw, 238px" /></a><figcaption>Mustergültig: Der ganze Debenedetti-Fälschungszyklus am Beispiel Handke.</figcaption></figure></div>



<ul><li><strong>Seltsamer Name</strong> – gerne abgekürzte Vornamen, erst Nachname dann der Vorname, ein nachgestelltes »official« sind typisch</li><li><strong>Schematische Bio</strong> – die Account-Kurzbeschreibung erwähnt in der Regel den Beruf oder das Amt, gefolgt von einem Punkt und einer Variante von »offizielles Konto« in passenden Sprachen, gelegentlich auch zweisprachig oder nur auf Englisch. Häufig kommen Rechtschreibfehler vor.</li><li><strong>Bekanntes Profilbild</strong> – das verwendete Foto ist in der Regel leicht zu googeln, häufig unter den ersten paar Treffern für den Namen in der Google-Bilder-Suche, häufig handelt es sich um Agentur-Fotos</li><li><strong>Rituelle Tweetabfolge</strong> – es beginnt immer mit einem Willkommens-Tweet, entweder einer oder zwei in verschiedenen Sprachen, in der Regel in der Form einfacher Gruß (»Herzlich willkommen!«) oder auch ausführlicher in einer Sprache, die Debenedetti besser beherrscht (»My first time on Twitter. Happy to be here!«). Darauf folgen gegebenenfalls wenige passende Retweets (gerne auch von Interaktionen mit verifizierten Accounts, wenn es die gibt), dann eine Todesnachricht, bei Fake-Bischöfen muß in der Regel der emeritierte Papst dran glauben. Kurz darauf dann die Auflösung, ebenfalls in einer ritualisierten Form in schlechtem Englisch (»This account is hoax created by Italian journalist Tommasso Debenedetti«).</li></ul>



<h2>Strategie 2: Technische Fallen stellen – mit Twitter-ID und Listen auf der Fährte bleiben</h2>



<p>Die Stilanalyse ist gerade bei neuen, bisher unbekannten Accounts hilfreich und in der Regel sehr zuverlässig – dennoch bleibt immer Restunsicherheit: Es könnte wirklich ein<em>e Prominente</em>r mit schlechter Rechtschreibung sein. Auf der sicheren Seite ist man bei Wiederholungsfällen. Debenedetti legt zwar ständig neue Twitter-Accounts an, verwendet aber gebrauchte auch weiter, indem er sie umbenennt – so nimmt er die Follower mit und verschafft sich dadurch mehr Glaubwürdigkeit. Twitter-Accounts können alle Daten quasi beliebig ändern – die User-ID bleibt immer gleich. Darüber lassen sich Accounts auch mit neuem Namen eindeutig zuordnen. Das kann man sich zunutze machen.</p>



<ul><li>Die <strong>User-ID</strong> lässt sich über die Twitter-API ermitteln, praktische Dienste dafür sind <a href="http://gettwitterid.com/" class="aioseop-link">GetTwitterID </a>und <a href="https://tweeterid.com/" class="aioseop-link">TweeterID</a>  – mit dieser ID kann man dann direkt über Twitter den umgekehrten Weg gehen: Die ID an Stelle von <code>$USERID</code> in diese URL einfügen, und der aktuelle Accountzustand wird der Nummer zugeordnet: <code>https://twitter.com/intent/user?user_id=$USERID</code></li><li>Die <strong>Android-App</strong> <a href="https://play.google.com/store/apps/details?id=xyz.friegen.twitter.follower.id.watcher&amp;hl=gsw" class="aioseop-link">»ID Watcher for Twitter«</a> kann die Abfrage automatisieren, Accounts über verschiedene Namensänderungen hinweg folgen und dokumentiert dabei auch die Account History. (<a href="https://twitter.com/GioGioME/status/1237974001798053888" class="aioseop-link">Diesen Tipp verdanke ich @GioGioMe</a>, der ebenfalls auf der Jagd nach Debenedetti ist.)</li><li>Accounts bleiben auf <strong>Twitterlisten</strong>, auch wenn sie den Namen ändern. Da Debenedetti bekannte Fake-Jäger präventiv blockt, sollte man eine geheime Liste mit einem anderen als dem Account anlegen, über den man üblicherweise kommuniziert. Ich habe meine Fake-Account-Liste in einer Spalte bei Tweetdeck, bei der ich die Benachrichtigungen für jeden Tweet angeschaltet habe – so bekomme ich bei recycelten Accounts sofort beim Begrüßungstweet eine Pushnachricht.</li><li>Eine ausführliche <strong>Dokumentation </strong>des Lebenszyklus eines Fake-Accounts gibt es wiederum <a href="https://twitter.com/GioGioME/status/1237974001798053888" class="aioseop-link">bei @GioGioMe in einem Thread</a>.</li></ul>



<h2>Strategie 3: Bei offiziellen Stellen verifizieren – formlos, fristlos, fruchtlos</h2>



<ul><li>Bei den zuständigen Pressestellen anfragen war bisher immer relativ unersprießlich, die Anfragen, ob die Spitze des jeweiligen Hauses neu auf Twitter ist, konnte erstaunlich oft nicht aus dem Stand beantwortet werden. Viele Pressestellen rechnen mit Alleingängen ihrer Spitzenkräfte. Daher habe ich es mittlerweile aufgegeben, kurzfristig Pressestellen zu kontaktieren.</li><li>Viel zu träge ist auch Twitter selbst; bis ein Account nach einer Meldung gesperrt ist, dauert es erstaunlich lange – länger jedenfalls als der übliche Begrüßungs-Todesbotschaft-Auflösungs-Zyklus.</li></ul>



<h2>Strategie 4: Eigenschutz und Fremdschutz – Umgang mit Fake-Twitter-Accounts</h2>



<ul><li>Fake-Accounts mit vielen Followern und Interaktionen sehen realistischer aus. Daher: Nie folgen, auch nicht ironisch oder weil man das Elend live miterleben will. Stattdessen den Account lieber in eine Twitterliste packen und die im Auge behalten.</li><li>Im Interview hat Debenedetti mir zu seiner Opferakquise erzählt, daß er Prominente auswählt, die gerade in den Medien sind und die keinen eigenen Twitter-Account haben. Daher: Zumindest ein Platzhalteraccount lohnt sich für Menschen, die glauben, Fake-Opfer werden zu können.</li></ul>
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		<title>Glauben in der Digitalität: Netze knüpfen, Netze auswerfen</title>
		<link>https://fxneumann.de/2019/11/06/glauben-in-der-digitalitaet-netze-knuepfen-netze-auswerfen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2019 19:58:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Ekklesiologie]]></category>
		<category><![CDATA[Netz]]></category>
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		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Für die Ausgabe 3/2019 der medienpädagogischen Zeitschrift merz habe ich einen Überblick über Glauben im Netz geschrieben. Die Ausgabe befasst sich mit dem Titelthema »Digitalität. Religion. Pluralismus« – mir ging es darum, einmal aufzuzeigen, wie die religiöse Landschaft im deutschsprachigen Netz aussieht – und ein kirchliches Engagement im Netz starkzumachen, das sich theologisch aus einer &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2019/11/06/glauben-in-der-digitalitaet-netze-knuepfen-netze-auswerfen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Glauben in der Digitalität: Netze knüpfen, Netze auswerfen</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3144"><!-- &nbsp; --></abbr>

<p><em>Für die Ausgabe 3/2019 der medienpädagogischen Zeitschrift merz habe ich einen Überblick über Glauben im Netz geschrieben. Die Ausgabe befasst sich mit dem <a href="https://www.jff.de/veroeffentlichungen/detail/digitalitaet-religion-pluralismus/">Titelthema »Digitalität. Religion. Pluralismus«</a> – mir ging es darum, einmal aufzuzeigen, wie die religiöse Landschaft im deutschsprachigen Netz aussieht – und ein kirchliches Engagement im Netz starkzumachen, das sich theologisch aus einer Betonung der Taufwürde aller Christ*innen und ihrer Verantwortung speist, anstatt nur Institutionen senden zu lassen.</em></p>



<figure class="wp-block-image"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-1024x771.jpg" alt="" class="wp-image-3147" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-1024x771.jpg 1024w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-300x226.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-768x578.jpg 768w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer.jpg 1434w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption>Marijcke Visser, »Wonderbare visvangst« <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16989353">(Door Gouwenaar &#8211; Eigen werk, CC0)</a></figcaption></figure>



<p><strong>Abstract: </strong>Die Digitalisierung wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus und auch die Kirche versucht, sich digitalen Trends anzuschließen. Einige Bistümer und Pfarrer unterhalten eigene <em>Twitter</em>&#8211; oder <em>Facebook</em>-Accounts und Gläubige treffen sich online zum Beten. Wie lassen sich ‚Amen‘ und ‚Likes‘ vereinen? Dieser Beitrag befasst sich mit den Möglichkeiten, die die digitale Kirche mit sich bringt und beleuchtet die Sichtweise ihrer Gegnerinnen und Gegner sowie strukturelle Hindernisse.</p>



<span id="more-3144"></span>



<p><strong>Glauben
in der Digitalität: Netze knüpfen, Netze auswerfen</strong></p>



<p>„Vorsicht, <em>Twitter</em>-Falle“, <a href="https://twitter.com/Prof_Huber/status/1083643372525547520">schrieb Wolfgang Huber</a>, der ehemalige Bischof der Landeskirche Berlin-Brandenburg, Mitte Januar. „Die Kirche darf nicht denken, sie ist beständig neu, wenn sie sich digitalen Trends anschließt. Sie muss ein Ort sein, an dem sich Menschen begegnen und sich nicht durch Twittern aus dem Weg gehen&#8221; (Huber 2019). Huber war zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau ein Jahr auf <em>Twitter</em>. Er stach damit in ein Wespennest: Seit Jahren findet auf <em>Twitter</em> unter dem Hashtag <em>#digitalekirche</em> eine lebhafte und engagierte Debatte über die Gestalt der Kirche im Digitalen statt. Der Altbischof war dabei eher eine Randfigur; auch aufgrund seines eigenen Dialogverhaltens in den Sozialen Medien. Am Anfang antwortete er mit seinem <em>Twitter</em>-Account noch auf Anfragen (genau dreimal), ab dann wurde es selbstbezüglich: Statements und Hinweise auf Medienauftritte Hubers wechseln sich seither ab.</p>



<p>Huber hatte mit seinem Tweet genau das Klischee bedient, das in der digitalen Kirche schon länger über kirchenleitende Personen kursiert: Kurz hineingeschmeckt, kein Dialog, aber mit Auskennermiene abgeurteilt. Das ist doch keine echte Begegnung, das ist oberflächlich, das lohnt sich nicht.</p>



<p><strong>Digitaler Dualismus: virtuell vs. real</strong></p>



<p>Huber macht besonders eine These stark: „Wir kommen als analoge Wesen auf die Welt und bleiben das ein Leben lang“ (<a href="http://www.evangelisch.de/inhalte/154888/31-01-2019/interview-mit-wolfgang-huber-zur-twitterfalle-und-kirche-social-media">Terbuyken 2019</a>). Das Digitale ist demnach stets nur etwas, das dazukommt und ist im Vergleich zu eigentlichen, „analogen&#8221; Begegnungen weniger echt. Der Mediensoziologe Nathan Jurgenson hat für diese Unterscheidung zwischen dem „eigentlichen“ Leben und der Digitalität den Begriff des „digitalen Dualismus“ geprägt: „Digital dualists believe that the digital world is ‚virtual&#8217; and the physical world ‚real‘“ (<a href="https://thesocietypages.org/cyborgology/2011/02/24/digital-dualism-versus-augmented-reality">Jurgenson 2011</a>).</p>



<p>Dem gegenüber steht ein Verständnis, dass das Digitale ein Aspekt der Realität ist und dass dort genauso „echte“ Begegnung stattfindet wie in Telefonaten, Briefen und mündlichen Gesprächen. Die Hannoveraner Regionalbischöfin Petra Bahr formulierte dazu als Replik auf Huber in einem <em>Twitter</em>-Thread<a href="#sdfootnote1sym" id="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> (<a href="https://twitter.com/bellabahr/status/1091797332247617536">Bahr 2019</a>) die These, beim Nachdenken über die Struktur und das Wesen der Kirche müsste man den „Dualismus von ‚analog‘ und ‚digital‘ beenden und die Durchlässigkeit […] gestalten und bedenken.&#8221;  Das zur kommunikationswissenschaftlichen Binse abgenutzte „the medium is the message&#8221; (McLuhan) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wahl des Mediums zwar Signale sendet, Kommunikation aber medienunabhängig einen menschlichen Grundvollzug darstellt.</p>



<p>Die Huber-Kontroverse ist typisch für den kirchlichen Online-Diskurs, und keineswegs sind diese Argumente auf den evangelischen Bereich beschränkt. Die katholischen kirchenamtlichen Aussagen schwanken zwischen einer differenzierten Diskussion und dualistischen Klischees der Trennung von vermeintlich „echter“ Welt und „Virtualität“ (ein Überblick in <a href="https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2018/04/12/digitale-lebenswelten-bei-der-vorsynode-und-im-lehramt-der-kirche/">Neumann (2018)</a>), auch wenn sich Papst Franziskus jüngst erfreulich klar zugunsten einer nicht-dualistischen Sicht geäußert hat: „Das Bild des Leibes und seiner Glieder erinnert uns daran, dass die Nutzung der Sozialen Netzwerke eine Ergänzung zur leibhaftigen Begegnung ist, die sich durch den Körper, das Herz, die Augen, den Blick, und den Atem des anderen verwirklicht“ (<a href="https://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/communications/documents/papa-francesco_20190124_messaggio-comunicazioni-sociali.html">Papst Franziskus 2019</a>).</p>



<p>In der Praxis haben solche Diskussionen zwar für eine gewisse Verspätung in der Beschäftigung mit dem Digitalen geführt – Pionierinnen und Pioniere der digitalen Kirche gab es aber dennoch schon früh. Mindestens seit den 90er Jahren gibt es spirituelle und seelsorgliche Angebote im Netz, seit gut 20 Jahren eine institutionalisierte Internetseelsorge.</p>



<p><strong>Marginale radikale Ränder</strong></p>



<p>Daneben steht die schon erwähnte konservative Blogszene, die ebenfalls schon Jahrzehnte präsent ist. Gerade in den 90ern (mit John Perry Barlows „<a href="https://fxneumann.de/2018/02/10/die-geburt-der-unabhaengigkeitserklaerung-des-cyberspace-aus-dem-geist-des-mormonismus/">Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace</a>“) bis zum „Arabischen Frühling&#8221;, der als „<em>Twitter</em>-Revolution“ apostrophiert und mit großen Hoffnungen verbunden war, war das Netz lange ein Projektionsraum für demokratische und partizipative Hoffnungen. Auch wenn diese Hoffnungen weithin Ernüchterung und Enttäuschung gewichen sind, bestätigte gerade diese, sich selbst als „Blogozöse“ (ein Kofferwort aus „Blog“ und „Diözese“) bezeichnende Szene, zentrale Thesen des Online-Optimismus: Marginalisierte Gruppen, die in der weithin liberalen klassischen kirchlichen Öffentlichkeit der Gemeinden und Verbände zu wenige sind, um sich zu organisieren, finden im Netz zueinander und stärken sich gegenseitig. Die klassischen Beispiele hierfür waren eigentlich einsame Teenager auf dem Land, die anders waren (vgl. <a href="http://www.danah.org/itscomplicated/">boyd 2015</a>). Im kirchlichen Bereich war es dagegen eine immer mehr ins reaktionäre abdriftende Szene (vgl. als Überblick exemplarisch Spadaro/Figueroa 2017), die das Empowerment durch Vernetzung für sich nutzte.</p>



<p>Die
Mitte der Kirche dagegen fremdelt immer noch mit dem Netz. Der eigene
Anspruch an eine gesellschaftliche Anschlussfähigkeit ist schwierig
in einem hochgradig säkularen Umfeld. Mit spezifisch kirchlichen
Sprachcodes tut man sich online schwer.</p>



<p>Dabei gibt es durchaus einen Bedarf an religiös kodierter, zumindest aber in einer religiös beeinflussten Sprache formulierten, Kontingenzbewältigung, auch in säkularen Netzöffentlichkeiten. Anlässlich von Katastrophen und Terrorismus entstehen – ohne eine erkenntliche Steuerung durch kirchliche oder spezifisch religiöse Akteurinnen und Akteure – Rituale der Trauerbewältigung und Anteilnahme: Hashtags wie <em>#prayforparis</em> (nach dem Bataclan-Anschlag) oder <em>#prayforberlin</em> (nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidtplatz) oder <em>#prayforlasvegas</em> (nach dem Amokschützen im Hotel Mandalay) gehören zu kollektiven Trauerritualen so selbstverständlich wie die Kerze oder die Blume am Tatort. Entsprechende Trauerbedürfnisse greifen dann auch kirchliche Kanäle auf. Regelmäßig gehören, so etwa im Bistum Essen und bei <em>katholisch.de</em>,<a href="#sdfootnote2sym" id="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a> entsprechende schlicht gestaltete Postings (etwa Kerzen oder einfach nur schwarze Bilder mit dem Hashtag) zu den nach Kennzahlen stärksten Veröffentlichungen. Die Stimmung in den Kommentaren ist meist äußerst positiv, besinnlich und dankbar. Die Kommentarspalten nehmen in den Sozialen Netzwerken Funktionen an, die auch offene Kirchen und zentrale Plätze nach schlimmen Ereignissen haben.</p>



<p><strong>Sender-Empfänger-Prinzip in künstlichen Raumgliederungen</strong></p>



<p>Solche
Kommunikation, die Gefühlslagen schnell aufgreift, ist damit
zugleich auch pastorales Handeln, das auf die Trauer und Angst der
Menschen eingeht und sie tröstet. Selbstverständlich besteht
derartig dialogische und responsive Kommunikation aber nicht
permanent. Gerade die Bistümer, die durch ihre große Autonomie
verbunden mit der Finanzhoheit eigentlich strukturell gut aufgestellt
wären, um schnell und gut ein neues Medium für sich zu erschließen,
hatten damit lange Probleme. Teilweise ist auch das strukturell
bedingt: Die Bistumsgrenzen sind nun einmal fest gesetzt und
inkongruent mit lebensweltlich präsenteren Raumgliederungen, etwa
den Bundesländern. Aber es sind nicht nur diese territorialen
Herausforderungen. Paradigma kirchlicher Kommunikation war lange und
ist in weiten Teilen immer noch das Sender-Empfänger-Prinzip.</p>



<p>Hierarchisch-kirchliche
Online-Angebote orientieren sich immer noch zu sehr an
binnenkirchlicher Strukturlogik, auch innerhalb der Bistumsgrenzen.
Ein Problem, das mit Gebietsreformen, aus denen immer größere
Seelsorgeräume hervorgehen, noch verschärft wird. In der Lebenswelt
von Menschen kommen nicht „Seelsorgeeinheiten&#8221; und
„Pfarrverbünde&#8221;, nicht einmal hergebrachte Strukturen wie
„Dekanat&#8221; oder „Diözese&#8221; vor, sondern vor allem der
Wohnort, der Pfarrer, die Bekannte im Pfarrgemeinderat, der Kirchturm
– und <em>die </em>Kirche. <em>Google</em>-Suchen nach Christmetten und
Taufterminen beziehen sich auf die lebensweltliche Struktur statt auf
die nicht einmal mit staatlichen Gebietsgrenzen kompatiblen
kirchlichen Territorialstrukturen.</p>



<p>Für Bistümer kommt eine weitere Herausforderung dazu: Als Institution nehmen sie zugleich viele disparate Funktionen war. Theologisch sind sie Ortskirche, aus Organisationssicht obere Verwaltungsbehörden. Sie sind Arbeitgeber und sie agieren als zivilgesellschaftliche und politische Akteurinnen und Akteure. Der aus theologischer Sicht zentrale Aspekt als Ortskirche zu fungieren und damit eine wichtige Bezugs- und Identifikationsgröße für die Gläubigen darzustellen, bleibt in großen Bistümern eher abstrakt. Institutionelle Kommunikation ist daher schwierig und angesichts der vielen Zielgruppen und Kommunikationsanlässe kaum zu vereinheitlichen,<a href="#sdfootnote3sym" id="sdfootnote3anc"><sup>3</sup></a> personalisierte Kommunikation ist zu aufwendig und wird vergleichsweise wenig genutzt. Wo Bischöfe auch selbst in der Online-Kommunikation ihres Bistums vertreten sind, erzielen sie ungleich größere Reichweiten als die vergleichbaren Bistumsauftritte: Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (<em>@BischofSchick</em>) richtet sich auf <em>Twitter</em> an knapp über 5.000 Follower.<em> @BistumBamberg</em> erreicht kaum 2.000. Auf <em>Facebook</em> hat die Seite des Bistums Passau ungefähr 2.500 „Fans&#8221;, Bischof Stefan Oster sogar über 16.000.</p>



<p><strong>Personen sind attraktiver als Institutionen</strong></p>



<p>Das liegt nicht an der Qualität der Kommunikationsabteilungen, die die institutionellen Kanäle verantworten: Die genannten Auftritte sind durchweg professionell und ansprechend betreut. Die kommunikative Logik, nicht nur der Sozialen Netzwerke, macht es schlicht attraktiver, mit Personen als mit Institutionen zu kommunizieren. Als Person, auch als Amtsträger, lässt es sich viel freier und natürlicher kommunizieren – wenn auch natürlich zu dem Preis hohen zeitlichen Aufwands und unter der Bedingung einer Grundaffinität für das Medium. Nicht jeder Bischof kann und will in diesen Medien reüssieren.</p>



<p>Im Erfolg liegt auch eine weitere Herausforderung: Direkte Kommunikation skaliert nicht, ganz anders als Massenkommunikation: Jede weitere erreichte Person erzeugt neuen Arbeitsaufwand. Das Sender-Empfänger-Prinzip war eine notwendige Konsequenz aus der Reichweite der Massenmedien. Bei direkter Kommunikation wirken zudem Rationalisierungsversuche wie Textbausteine und automatisierte Antworten schnell kalt und unpersönlich.</p>



<p><strong>Bistümer sind keine Love brands</strong></p>



<p>Das macht auch die Nutzung des Netzes für Mitgliederbindung und Mitgliedergewinnung, theologisch gesprochen Gemeindebildung und Mission, anspruchsvoll. Von Strukturen lassen sich Menschen selten begeistern. Wichtig wäre das, was in den Dokumenten der<em> Würzburger Synode<a href="#sdfootnote4sym" id="sdfootnote4anc"><sup>4</sup></a></em> mit Blick auf die Jugendarbeit „personales Angebot“ heißt: Menschen, die sich mit ihrem eigenen Glauben als glaubwürdige Dialogpartnerinnen und -partner zeigen – oder zumindest Strukturen, die sich dialogisch, responsiv und serviceorientiert zeigen. Das ist dann allerdings auch verbunden mit dem Risiko, dass Kommunikationsabteilungen nicht mehr mit hohen Zugriffszahlen und Reichweiten wuchern könnten, sondern eine vergleichsweise kleine Menge an Menschen, diese aber direkt erreichen.</p>



<p>Auf den ersten Blick wäre das ein großer Paradigmenwechsel in der kirchlichen Kommunikation. Eine nüchterne Betrachtung der Reichweiten kirchlicher Social-Media-Engagements könnte den Schmerz lindern. Auch ein personell und finanziell gut aufgestelltes Erzbistum wie Köln erreicht mit seiner hochwertigen Social-Media-Arbeit nur gut 12.000 Fans auf <em>Facebook</em>. Selbst wenn man es nicht mit der Fanseite des lokalen Fußballvereins vergleicht (<em>1. FC Köln</em>, 750.000 <em>Facebook</em>-Fans), sondern mit ungleich kleineren Clubs, muss man schon in die dritte Liga gehen, um mit Vereinen wie der <em>SG Sonnenhof Großaspach </em>Fanseiten zu finden, die zumindest in Sichtweite kirchlicher Social-Media-Präsenzen sind.<a href="#sdfootnote5sym" id="sdfootnote5anc"><sup>5</sup></a> Bistümer sind keine „Love brands“.</p>



<p>Das heißt nicht, dass kirchliche Inhalte von vornherein auf eine Nische beschränkt bleiben müssen. Dem Bistum Essen, das nach der sehr einfachen und wenig aussagekräftigen Metrik der Fanzahlen die größte der <em>Facebook</em>-Bistumsseiten ist, gelingt es immer wieder, mit cleveren und preisgekrönten Kampagnen sechs- bis siebenstellige Reichweiten zu erzielen: Qualitativer Content funktioniert, auch wenn er kirchlich formatiert und vom kirchlichen Absender kommt. Erfolgreiche Kampagnen wie die der Ostergeschichte in „Echtzeit&#8221; über <em>WhatsApp</em> bis zum jüngsten Erfolg einer Einweisung in die Christmette durch eine Stewardess zeichnen sich, neben den massenkommunikativen Anteilen der Kampagne, vor allem durch ihre dialogische Kommunikation aus: Zum Kommunikationskonzept gehört es, jede Anfrage ernst zu nehmen und zu beantworten. Methodisch liegt dem der Dreischritt ‚Kontakt – Dialog – Bindung‘ zugrunde. Der Erstkontakt wird über Kampagnen erzeugt und bewegt sich damit noch im massenmedialen Paradigma. Viele kirchliche Kommunikationskampagnen würden hier stehenbleiben. Integral gehört es aber auch dazu, die so generierte Reichweite nicht als Selbstzweck zuverstehen, sondern den Dialog mit den erreichten Menschen aufzugreifen und so – hoffentlich – Bindung zu erzeugen, wenigstens in Form gesteigerter Grundsympathie für den Absender.<a href="#sdfootnote6sym" id="sdfootnote6anc"><sup>6</sup></a></p>



<p><strong>Netzpastoral</strong></p>



<p>Neben den in den Pressestellen angesiedelten Kommunikationsprojekten gibt es auch zunehmend eine institutionalisierte Netzpastoral. Derzeit besonders erfolgreich ist das im Bistum Speyer entstandene Projekt der Netzgemeinde<em> DA_ZWISCHEN</em>, die über verschiedene Social-Media- und Messenger-Kanäle agiert und dabei auch gemeindebildend, mindestens aber gemeinschaftsbildend wirkt. Neben Impulsen gibt es mittlerweile auch Experimente mit Online-Exerzitien und persönlichen Treffen (vgl. <a href="https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2017/08/24/meine-gemeinde-passt-da_zwischen-spiritualitaet-im-digitalen-raum/">Goldinger 2017</a>).</p>



<p>Die erwähnten Projekte sind Beispiele für von der Institution ausgehende Kommunikation. Mit Social-Media-Kommunikation ist aber immer auch ein Kontrollverlust verbunden. In einer traditionell und hierarchisch aufgebauten Organisation wie der Kirche ist das zumindest eine Herausforderung. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass kirchliche Medienarbeit vor allem in Kategorien von „owned media&#8221; (Medien unter eigener Verfügungsgewalt wie die eigene <em>Facebook</em>-Seite oder Kirchenzeitungen) oder eingeschränkt auch „payed media&#8221; (bezahlte Medienauftritte bei Dritten wie Werbekampagnen) denkt. Die Idee einer <a href="https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2017/08/08/marketing-buzzword-fuer-die-praxis-earned-media/">strategischen Nutzung von „earned media&#8221;</a>, also der Erwähnung durch Dritte, ist bis auf die klassische Pressearbeit mit Pressemeldungen, Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen, die zu Berichten in unabhängigen Medien führen, kaum verbreitet. Nur vereinzelt gibt es dafür Konzepte.<a href="#sdfootnote7sym" id="sdfootnote7anc"><sup>7</sup></a></p>



<p><strong>Nicht nur Hierarchie, sondern auch Gemeinschaft</strong></p>



<p>Dabei
wäre das auch aus theologischer Sicht geboten. Eine rein
institutionenbezogene Kommunikationsstrategie passt eigentlich nicht
zu einem Kirchenbild, das die Befähigung aller Getauften und deren
Rolle für den Sendungsauftrag der Kirche betont. Die Kirche ist
nicht nur Hierarchie der Geweihten, sondern auch Gemeinschaft der
Gläubigen. Wiederum säkular gewendet: Markenbotschafter-Strategien
gibt es kirchlicherseits kaum. 
</p>



<p>Im einfachsten Fall kristallisieren sich solche kleinen Communities um einzelne Personen. Gerade Ordensleute, die durch ihre Lebensform schon zeichenhaft sind, können so wirken, auch ohne einen offiziellen Auftrag zur Onlineseelsorge. Das <em>Twitter</em>-Netzwerk des fußballbegeisterten Benediktiners, die <em>Facebook</em>-Freunde der meinungsfreudigen Dominikanerin, die <em>Instagram</em>-Kontakte der jungen Franziskusschwester oder die Community um den Orgel-YouTuber <em>Lingualpfeife </em>(vgl. Lassiwe 2019) sind Beispiele dafür, wie glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen in die Netzöffentlichkeit hineinwirken können. In der Summe entstehen so aus vielen kleinen Kontakten doch große Reichweiten, weil es eben nicht nur drei exemplarische Ordensleute und einen Organisten gibt, sondern sehr viele als Christinnen und Christen erkennbare und identifizierte Menschen, die in ihrem Umfeld ohne Auftrag der Kirche im Netz aktiv und gut vernetzt sind – und im Schnitt haben Menschen bei <em>Facebook</em> über 300 Kontakte.<a href="#sdfootnote8sym" id="sdfootnote8anc"><sup>8</sup></a> Manche Pfarrei-Fanseite wäre froh über so viele Likes.</p>



<p>Aus solchen Kontakten ist eines der erfolgreichsten Gebetsnetzwerke im deutschsprachigen Netz entstanden: Seit mittlerweile fünf Jahren trifft sich auf <em>Twitter</em> die Gebetsgemeinschaft <em>Twomplet</em>, gruppiert um den  Account <em>(@twomplet</em>) und den gleichlautenden Hashtag, um das Abendgebet der Kirche zu beten. Mitglieder der Community gestalten die Treffen im Wechsel, seit Ende 2015 wird zudem morgens die Twaudes (<em>@_twaudes</em>) gebetet. Institutionelle Unterstützung oder Finanzierung braucht es dafür nicht – die Gruppen sind ökumenisch ausgerichtet, selbstorganisiert und selbstbewusst.</p>



<p><strong>Rückzug in geschützte Kanäle</strong></p>



<p>Diese
persönliche Kommunikation als Teil der Kommunikation der Kirche
aufzufassen, ist nicht nur theologisch schlüssig. Es kompensiert
auch eine Schwäche institutioneller Kommunikation, die sich aus
neueren Entwicklungen der Medienlandschaft ergibt: Die öffentliche
Social-Media-Kommunikation, wie sie <em>Facebook</em> und vor allem
<em>Twitter</em> immer noch zu großen Teilen ausmacht, verliert
zugunsten von geschlosseneren, intimeren Foren: Das sind innerhalb
<em>Facebooks</em> geschlossene Gruppen und darüber hinaus
verschiedene Messenger-Dienste, allen voran <em>WhatsApp</em>.
Kirchliche Kommunikationsstrategien haben das bisher höchstens sehr
indirekt im Blick, indem etwa Publikationen Sharing buttons für
<em>WhatsApp</em> und E-Mail anbieten – oder noch indirekter, indem
Christinnen und Christen in klassischen Glaubenskursen oder
Katechesen die Kompetenz erwerben, über ihren Glauben Auskunft zu
geben.</p>



<p>Das
Feld kirchlicher Online-Kommunikation ist also sehr weit – und
tiefer als es ein oberflächlicher Blick auf kirchenoffizielle Kanäle
vermuten ließe. Bisweilen kommt es sogar – wie bei der
<em>Netzgemeinde da_zwischen</em>, bei <em>Twaudes</em> und <em>Twomplet</em>
oder bei der <em>Lingucommunity</em> des Orgel-YouTubers <em>Lingualpfeife</em>
zu einer Art Personal- und Kategorialgemeindebildung. Diese Formen
sind für einige die primäre Form von kirchlicher Gemeinschaft. Doch
die klassische Territorialpfarrei passt nicht zu solchen
Organisationsformen, und, gerade für die katholische Kirche: Die
sakramentale Gestalt der Kirche ist über Online-Vergemeinschaftungen
nicht abbildbar, solange es dogmatisch für Sakramente Präsenz
braucht.</p>



<p>In
seiner aktuellen Botschaft zum Welttag der sozialen
Kommunikationsmittel betont Papst Franziskus den Wert von Social
Media für religiöse Vergemeinschaftung, allerdings stets auf die
Präsenz bei der Messe hingeordnet: „Wenn eine kirchliche
Gemeinschaft ihre Aktivitäten durch das Internet koordiniert und
dann gemeinsam Eucharistie feiert, dann ist es eine Ressource&#8221;
(Papst Franziskus 2019). Physische Präsenz wird also wohl weiterhin
unerlässlich sein für den Empfang der Sakramente – von Bischof
Hubers „Twitter-Falle&#8221; kann aber (zumindest mit Papst
Franziskus) keine Rede sein, weil das Netz eben auch ein Ort ist, an
dem sich Menschen begegnen: „Das ist das Netz, das wir wollen. Ein
Netz, das nicht als Falle genutzt wird, sondern der Freiheit und dem
Schutz einer Gemeinschaft freier Menschen dient.“</p>



<p><strong>Korrektur</strong></p>



<p>Im ursprünglichen Text wurde Petra Bahr als Superintendentin bezeichnet. Korrekt ist Regionalbischöfin. </p>



<p><strong>Literatur</strong></p>



<p>Bahr,
Petra (2019). Twitter-Post vom 02.02.2019.
<a href="https://twitter.com/bellabahr/status/1091797332247617536">https://twitter.com/bellabahr/status/1091797332247617536</a>
[Zugriff: 14.03.2019]</p>



<p>boyd,
danah (2015). It’s Complicated: The Social Lives of Networked
Teens. New Haven: Yale University Press.</p>



<p>Calmbach,
Marc/Flaig, Bodo B. /Möller-Slawinski, Heide (2018). Kirchenmitglied
bleiben? München/Heidelberg: Sinus-Institut/MDG (Eigenverlag/Book on
Demand).</p>



<p>Papst
Franziskus (2019). Botschaft von Papst Franziskus zum 53. Welttag der
sozialen Kommunikationsmittel.
<a href="https://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/communications/documents/papa-francesco_20190124_messaggio-comunicazioni-sociali.html">https://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/communications/documents/papa-francesco_20190124_messaggio-comunicazioni-sociali.html</a>
[Zugriff: 14.03.2019 ]</p>



<p>Goldinger,
Felix (2017). Meine Gemeinde passt DA_ZWISCHEN: Spiritualität im
digitalen Raum.
<a href="https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2017/08/24/meine-gemeinde-passt-da_zwischen-spiritualitaet-im-digitalen-raum/">https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2017/08/24/meine-gemeinde-passt-da_zwischen-spiritualitaet-im-digitalen-raum/</a>
[Zugriff: 14.03.2019 ]</p>



<p>Huber,
Wolfgang (2019). Twitter-Post vom 11.01.2019.
<a href="https://twitter.com/Prof_Huber/status/1083643372525547520">https://twitter.com/Prof_Huber/status/1083643372525547520</a>
[Zugriff: 14.03.2019 ]</p>



<p>Jurgenson, Nathan (2011). Digital Dualism versus Augmented Reality. <a href="https://thesocietypages.org/cyborgology/2011/02/24/digital-dualism-versus-augmented-reality">https://thesocietypages.org/cyborgology/2011/02/24/digital-dualism-versus-augmented-reality</a> [Zugriff: 14. 03.2019]</p>



<p>Lassiwe,
Benjamin (2019). Lingualpfeife: Klicks mit der Orgel. In:
Herder Korrespondenz, 2019 (2), S. 8,
<a href="https://www.feinschwarz.net/marienkleid-und-klimawandel/">www.feinschwarz.net/marienkleid-und-klimawandel</a>
[Zugriff: 14. 03.2019]</p>



<p>Maier,
Susanne (2019). Kirche in Social Media kann Spaß machen. In: Social
Hub Mag 9/2019, S. 12–20.</p>



<p>Antonio
Spadaro/Marcelo Figueroa (2017). Evangelical Fundamentalism and
Catholic Integralism: A Surprising Ecumenism, In: La Civiltà
Cattolica, 13. Juli 2017,
<a href="http://www.laciviltacattolica.it/articolo/evangelical-fundamentalism-and-catholic-integralism-in-the-usa-a-surprising-ecumenism">www.laciviltacattolica.it/articolo/evangelical-fundamentalism-and-catholic-integralism-in-the-usa-a-surprising-ecumenism</a>
[Zugriff:  14.03.2019]</p>



<p>Wolfram,
Stephen (2013). Data Science of the
Facebook World.
<a href="https://blog.stephenwolfram.com/2013/04/data-science-of-the-facebook-world">https://blog.stephenwolfram.com/2013/04/data-science-of-the-facebook-world</a>
[Zugriff:  14.03.2019]</p>



<p>
Neumann, Felix (2018): Digitale Lebenswelten bei der Vorsynode und im
Lehramt der Kirche, 12. April 2018,
<a href="https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2018/04/12/digitale-lebenswelten-bei-der-vorsynode-und-im-lehramt-der-kirche/">https://digitalelebenswelten.bdkj.de/2018/04/12/digitale-lebenswelten-bei-der-vorsynode-und-im-lehramt-der-kirche/</a>
 [Zugriff 14. März 2019)</p>



<p>Neumann,
Felix/ Wiegelmann, Tobias (2018). Kirche im Detail: Instawalks in
Kirchen und Klöstern. In: Katechetische Blätter 4/2018, S. 303–307.</p>



<p>Terbuyken, Hanno (2019). Wolfgang Huber: „Wir kommen als analoge Wesen auf die Welt“. <a href="http://www.evangelisch.de/inhalte/154888/31-01-2019/interview-mit-wolfgang-huber-zur-twitterfalle-und-kirche-social-media">www.evangelisch.de/inhalte/154888/31-01-2019/interview-mit-wolfgang-huber-zur-twitterfalle-und-kirche-social-media</a> [Zugriff: 14. März 2019 ]</p>



<p><strong>Endnoten</strong></p>



<p><p id="sdfootnote1sym"> <a href="#sdfootnote1anc"><code>1</code></a>Streng genommen handelt es sich um keine Replik, sondern um eine „non mention&#8221; oder einen „subtweet&#8221; von Huber: Alle wissen, dass er gemeint ist, er wird aber nicht erwähnt – schon in der virtuosen Nutzung der kommunikativen Codes des Netzwerks wird die unterschiedliche Perspektive deutlich.</p></p>



<p><p id="sdfootnote2sym"> <a href="#sdfootnote2anc">2</a> Exemplarisch ein entsprechendes Posting von katholisch.de, das den etablierten Hashtag mit einem Gebet näher an klassische christliche Ausdrucksformen führt: <a href="https://www.facebook.com/katholisch.de/photos/a.159232154158327/1471685429579653/">www.facebook.com/katholisch.de/photos/a.159232154158327/1471685429579653/</a> </p></p>



<p><p id="sdfootnote3sym"> <a href="#sdfootnote3anc">3</a> Die Kritik von Leimgruber (2018) an den Webseiten von Bistümern stellt daher auch nur einen Ausschnitt heraus, etwas zu kurz kommen die verschiedenen Kommunikationsanlässe und die Schwierigkeit, diese alle unter einer Adresse zu bündeln.</p></p>



<p><p id="sdfootnote4sym"><a href="#sdfootnote4anc">4</a> Bei der <em>Würzburger Synode</em> (1971–1975) berieten Kleriker und Laien über die Zukunft der Seelsorge in Deutschland und die Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Begriff stammt aus dem Beschluss „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“</p></p>



<p><p id="sdfootnote5sym"> <a href="#sdfootnote5anc">5</a> Die Kennzahl „Fans&#8221; ist für eine tiefergehende Analyse nicht sinnvoll, da sie nur sehr unzureichend Auskunft darüber gibt, an wie viele Menschen die Inhalte eines Auftritts ausgespielt werden und wie viele damit tatsächlich auch interagieren; insofern kann dieser Vergleich nur eine allererste Annäherung an die Relevanz kirchlicher Präsenzen sein.</p></p>



<p><p id="sdfootnote6sym"><a href="#sdfootnote6anc">6</a> Vgl. dazu Jens Albers im Interview (Maier 2019).</p></p>



<p><p id="sdfootnote7sym"> <a href="#sdfootnote7anc">7</a> Ein Beispiel dafür ist die vom Autor bei <em>katholisch.de</em> koordinierte Veranstaltungsreihe <em><a href="https://www.katholisch.de/artikel/8686-instakirche">#instakirche</a></em>, bei der die lokale (in der Regel sehr säkulare) <em>Instagram</em>-Community in am Ort bedeutende oder auch nur interessante Kirchengebäude zu exklusiven Führungen eingeladen wird. Die Ergebnisse dieser Fototouren werden nicht auf kirchlichen Kanälen veröffentlicht, sondern dezentral von den Teilnehmenden auf ihren <em>Instagram</em>-Accounts, verbunden nur über ein (prinzipiell von allen nutzbares) Hashtag (vgl. dazu Neumann/Wiegelmann 2018).</p></p>



<p><p id="sdfootnote8sym"><a href="#sdfootnote8anc">8</a> Bereits 2013 kam eine Studie des auf Datenanalyse spezialisierten Unternehmens Wolfram Alpha auf durchschnittlich 343 Kontakte. (Wolfram 2013)   </p></p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Glauben in der Digitalität: Netze knüpfen, Netze auswerfen" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-1024x771.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-1024x771.jpg 1024w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-300x226.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer-768x578.jpg 768w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/1434px-Wonderbare_visvangst_Marijcke_Visser_Lemmer.jpg 1434w" data-url="https://fxneumann.de/2019/11/06/glauben-in-der-digitalitaet-netze-knuepfen-netze-auswerfen/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div><img src="https://vg06.met.vgwort.de/na/9a74c81f628e4965aa402ba19519dd2b" width="1" height="1" alt="" loading="eager" data-no-lazy="1" style="display:none" />
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Jahr kirchlicher Datenschutz: Viel Bürokratie, wenig Sozialethik</title>
		<link>https://fxneumann.de/2019/05/25/ein-jahr-kirchlicher-datenschutz-viel-buerokratie-wenig-sozialethik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 May 2019 10:05:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[KDG]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialethik]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum großen Knall kam es nicht im ersten Jahr des neuen kirchlichen Datenschutzgesetzes. Viele Befürchtungen gab es: Überforderte Ehrenamtliche, Abmahnwellen und Bußgelder, dass Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation in der Kirche unmöglich würden. Befeuert wurden diese Bedenken durch eine aufgeregte Berichterstattung über die auch seit Mai 2018 geltende Europäische Datenschutzgrundverordnung: Vielen wurde erst mit der neuen Gesetzeslage &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2019/05/25/ein-jahr-kirchlicher-datenschutz-viel-buerokratie-wenig-sozialethik/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Ein Jahr kirchlicher Datenschutz: Viel Bürokratie, wenig Sozialethik</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3167"><!-- &nbsp; --></abbr>

<p>Zum großen Knall kam es nicht im ersten Jahr des neuen kirchlichen Datenschutzgesetzes. Viele Befürchtungen gab es: Überforderte Ehrenamtliche, Abmahnwellen und Bußgelder, dass Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation in der Kirche unmöglich würden. Befeuert wurden diese Bedenken durch eine aufgeregte Berichterstattung über die auch seit Mai 2018 geltende Europäische Datenschutzgrundverordnung: Vielen wurde erst mit der neuen Gesetzeslage klar, dass es schon zuvor Datenschutzgesetze gab, die auch als Verein oder kleines Unternehmen einzuhalten sind.</p>



<figure class="wp-block-image"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_.jpg" alt="Symbolbild Datenschutz" class="wp-image-3168" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_.jpg 800w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_-300x204.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_-768x522.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>(Von Bundesarchiv, Bild 183-2007-0705-502 / Walther / CC-BY-SA 3.0, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 de">CC BY-SA 3.0 de</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5348686">Link</a>)</figcaption></figure>



<span id="more-3167"></span>



<p>Zu Abmahnwellen kam es nicht, Bußgelder blieben aus. Gegenüber katholisch.de hoffte der Vorsitzende der Diözesandatenschutzbeauftragten sogar, <a href="https://www.katholisch.de/artikel/18451-datenschutz-niemand-sollte-vor-geldbussen-angst-haben">niemals je ein Bußgeld verhängen zu müssen</a> &#8211; er wolle lieber beraten als sanktionieren.</p>



<p>Bei den Verbänden und Pfarreien ging es großteils weiter wie bisher: Theoretisch müsste schon einiges im Bereich Datenschutz getan werden, praktisch sind wohl bei den meisten vor allem die Datenschutzerklärungen im Netz erneuert worden &#8211; und das nur mit großem Aufwand datenschutzkonform zu benutzende WhatsApp wird weiter für die tägliche Kommunikation genutzt. Nur eben mit schlechtem Gewissen.</p>



<p>Praktisch also Entwarnung – jedoch vor allem, weil es ein großes Defizit bei der Durchsetzung der geltenden Rechtslage gibt. Die Datenschutzerklärung auf der Webseite ist nur die Spitze des Eisbergs an Pflichten, die eigentlich zu erfüllen wären: Verfahrensverzeichnisse wären zu führen, umfangreiche Informationspflichten und Rechte der betroffenen Personen zu berücksichtigen, technische und organisatorische Maßnahmen zum Datenschutz auszuarbeiten und anzuwenden.</p>



<p>Für die Wirtschaft mag das umsetzbar sein; Vereine und Verbände waren bei der Ausarbeitung der Datenschutzgesetze aber kaum im Blick – die Kolpingfamilie, der Pfadfinderstamm muss dieselben Regeln einhalten wie ein Weltkonzern, das Gesetz kennt nur Unternehmens- und Behördenstrukturen, ohne auf die ehrenamtlich getragene Zivilgesellschaft einzugehen.</p>



<p><strong>Verwaltungssicht statt ethischer Reflexion</strong></p>



<p>In den kirchlichen Verbänden und Pfarreien wurde diese Situation vor allem aus Verwaltungssicht problematisiert: Es gab Schulungen, Handreichungen, Mustertexte &#8211; oft mit einiger Verspätung. Proteste gab es gegen die späte Kommunikation seitens der kirchlichen Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden und Unklarheiten bei der Auslegung des Gesetzes, etwa was Fotos im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit angeht.</p>



<p>Sozialethisch dagegen hat die Kirche das Thema so gut wie nicht aufgegriffen &#8211; ein großes Versäumnis. Datenschutz ist in einer digitalisierten Gesellschaft kein abgelegenes Rechtsgebiet, das nur Expert*innen betrifft &#8211; das hat spätestens das vergangene Jahr gezeigt. Umso wichtiger wäre es, wenn die katholischen Sozialverbände und die Bischöfe Netzpolitik endlich als Politikfeld angehen würden, das unter dem Blickwinkel der Soziallehre der Kirche reflektiert und gestaltet werden muss. Nachdem der große Knall im ersten Jahr bei der Umsetzung des Datenschutzes ausgeblieben ist: Jetzt, im zweiten Jahr, wäre es an der Zeit, die Ordnung der digitalen Welt zu gestalten.</p>



<p><em>(Der Kommentar erschien unter dem Titel »<a href="https://www.gemeinde-creativ.de/archiv/der-grosse-knall-blieb-aus/">Der große Knall blieb aus</a>« zuerst in der Ausgabe 3/2019 der Zeitschrift Gemeinde creativ.)</em></p>



<p><strong>Mehr Kommentare von mir zum Datenschutz anderswo</strong></p>



<ul><li><a href="https://www.katholisch.de/artikel/16541-wenn-der-datenschutz-die-seelsorge-behindert">Wenn der Datenschutz die Seelsorge behindert (katholisch.de, 5. April 2018)</a></li><li><a href="https://www.katholisch.de/artikel/17655-kirchlicher-datenschutz-gut-gemeint-schlecht-umgesetzt">Kirchlicher Datenschutz: Gut gemeint, schlecht umgesetzt (katholisch.de, 24. Mai 2018)</a></li><li><a href="https://kirchenzeitung-koeln.de/379">Kommunikation wird verhindert (Kirchenzeitung Köln, 23/2018)</a></li><li><a href="https://kirchenzeitung-koeln.de/642">Raus aus der Akzeptanzfalle (Kirchenzeitung Köln, 27/2019)</a></li></ul>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Ein Jahr kirchlicher Datenschutz: Viel Bürokratie, wenig Sozialethik" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_.jpg 800w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_-300x204.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/Bundesarchiv_Bild_183-2007-0705-502_Chiffriermaschine__Enigma_-768x522.jpg 768w" data-url="https://fxneumann.de/2019/05/25/ein-jahr-kirchlicher-datenschutz-viel-buerokratie-wenig-sozialethik/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/1616d1e2c1ee4fcbb652171d4ba03284" width="1" height="1" alt="" loading="eager" data-no-lazy="1" style="display:none" />
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		<title>Europa braucht eine demokratische Öffentlichkeit – und nicht diese Urheberrechtsreform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Mar 2019 15:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[GKP]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Im vergangenen Jahr hat sich die Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP) deutlich gegen einzelne Aspekte der EU-Urheberrechtsreform positioniert. Die Forderungen, auf problematische Aspekte der Reform zu verzichten, die die GKP zusammen mit vielen anderen Teilen der Zivilgesellschaft geäußert hat, sind verhallt, die Regelungen noch schlechter geworden. Wie die Debatte gelaufen ist, ist kein gutes Zeichen für &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2019/03/01/europa-braucht-eine-demokratische-oeffentlichkeit-und-nicht-diese-urheberrechtsreform/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Europa braucht eine demokratische Öffentlichkeit – und nicht diese Urheberrechtsreform</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3176"><!-- &nbsp; --></abbr>

<p>Im vergangenen Jahr hat sich die Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP) <a href="https://www.gkp.de/gegen-EU-Leistungsschutzrecht-und-Uploadfilter">deutlich gegen einzelne Aspekte der EU-Urheberrechtsreform positioniert</a>. Die Forderungen, auf problematische Aspekte der Reform zu verzichten, die die GKP zusammen mit vielen anderen Teilen der Zivilgesellschaft geäußert hat, sind verhallt, die Regelungen noch schlechter geworden.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45.jpg" alt="" class="wp-image-3177" width="309" height="232" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45.jpg 800w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45-300x225.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 309px) 100vw, 309px" /><figcaption> <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:GPSLeo" target="_blank">Leonhard Lenz</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berlin_gegen_13_demonstration_45.jpg" target="_blank">Berlin gegen 13 demonstration 45</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode" target="_blank">CC0 1.0</a> </figcaption></figure></div>



<p>Wie die Debatte gelaufen ist, ist kein gutes Zeichen für die EU. Am Prozess wie am Inhalt zeigt sich deutlich, woran es in Europa – das <a href="https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/franziskus-weckt-das-mude-europa">nach Papst Franziskus</a> doch eigentlich gerade als &#8220;Raum des Dialogs&#8221; stark ist – besonders mangelt.</p>



<span id="more-3176"></span>



<p>Das beginnt beim Inhalt: Nach wie vor problematisch sind die Artikel 11 und 13 des Vorschlags; Maßnahmen, die der europäischen Öffentlichkeit massiven Schaden zufügen werden: Wer mehr als &#8220;einzelne Worten oder sehr kurze Textausschnitte&#8221; verwendet, soll dafür eine Lizenz benötigen – das Gesetz soll Suchmaschinen und Nachrichtenaggregatoren wie Google News treffen, sorgt aber für eine erhebliche Rechtsunsicherheit für die digitale Öffentlichkeit. Jedes Zitat wird zum Risiko. Artikel 13 verpflichtet Onlinedienste, Uploads von Nutzern auf Urheberrechtsverletzungen zu überprüfen: Technisch ein Ding der Unmöglichkeit, weil keine Software prüfen kann, ob eine Urheberrechtsverletzung oder ein zulässige Nutzung vorliegt – das Netz als Ressource der Gemeinschaft und der Kommunikation ist damit bedroht. Journalisten sollten auch nicht denken, dass die Reform wenigstens für sie etwas bringt: Artikel 12 soll eine Verlegerbeteiligung an Urheberrechtsausschüttungen festschreiben – das geht gerade zu ihren Lasten.</p>



<p>Im Prozess zeigt sich dann, was der EU am meisten fehlt: eine europäische Öffentlichkeit. Die meldete sich mit deutlicher Kritik zu Wort. Manche Abgeordnete und sogar die EU-Kommission konnten mit dieser für ein EU-Projekt ungewöhnlich hohen Beteiligung der Öffentlichkeit nicht umgehen. Die Kommission hatte die Kritiker des Projekts in einem mittlerweile gelöschten Text als &#8220;Mob&#8221; beschimpft, besonders Abgeordnete der Union bemühen sich nach Kräften, die breite <a href="https://www.heise.de/newsticker/meldung/EU-Copyright-Reform-Der-Mob-erhebt-sein-Haupt-gegen-Upload-Filter-4312091.html">Opposition aus der Zivilgesellschaft zu diskreditieren</a>: Millionen, die Petitionen unterschreiben, Zehntausende, die Mails schreiben, Tausende bei Demonstrationen, die vielfältigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter die GKP: Die aufkeimende europäische Öffentlichkeit wird mit dem Argument weggewischt, dass sie durchweg von Google gesteuert sei. Urheberrecht ist heute, wo Öffentlichkeit vor allem digital vermittelt entsteht, kein randständiges Rechtsgebiet: Es ist die Rahmenordnung unserer demokratischen Gesellschaft. Urhebern zu ermöglichen, von ihren Werken zu leben und damit Geld zu verdienen, ist wichtig – aber kein absolutes Recht. Wer von &#8220;geistigem Eigentum&#8221; redet, kann von seiner <a href="https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/soziallehre-fur-die-vernetzte-gesellschaft">Sozialpflichtigkeit und Gemeinwohlorientierung</a> nicht schweigen. Wer ein starkes Europa will, muss dafür sorgen, dass es ein Raum des Dialogs bleibt. Gerade als Journalist. </p>



<p><img class="wp-image-3179" style="width: 32px;" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/03/gkp-logo-32x32.png" alt="Das Logo der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP)"> <em>Der Kommentar erschien zuerst in den <a href="https://gkp.de/sites/default/dateien/gkp_daten/mitglieder/kommentare/gkp-pdf/gkp-informationen_2019_03_kommentar_neumann.pdf">GKP-Informationen Nr. 3/2019.</a> Am <a href="https://www.gkp.de/node/1893">6. März 2019 hat sich die GKP in einem offenen Brief</a> gemeinsam u.a. mit der Wikimedia Foundation gegen die EU-Urheberrechtsreform gewandt.</em></p>



<p><img class="wp-image-2940" style="width: 32px;" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2016/05/katholisch-de-logo.png" alt="katholisch.de">  Am 20. Februar 2019 erschien auf katholisch.de ein Kommentar von mir: <a href="https://www.katholisch.de/artikel/20738-schmutziger-kampf-um-die-eu-urheberrechtsreform">Schmutziger Kampf um die EU-Urheberrechtsreform</a></p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Europa braucht eine demokratische Öffentlichkeit – und nicht diese Urheberrechtsreform" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45.jpg 800w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45-300x225.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/800px-Berlin_gegen_13_demonstration_45-768x576.jpg 768w" data-url="https://fxneumann.de/2019/03/01/europa-braucht-eine-demokratische-oeffentlichkeit-und-nicht-diese-urheberrechtsreform/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/6bc477b59d3340beb204187c6e5a4f96" width="1" height="1" alt="" loading="eager" data-no-lazy="1" style="display:none" />
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		<title>Ecco Eco! Intertextuelle Ostereier im DSGVO-Kommentar</title>
		<link>https://fxneumann.de/2018/08/09/ecco-eco-intertextuelle-ostereier-im-dsgvo-kommentar/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Aug 2018 16:17:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Intertextualität]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>
		<category><![CDATA[Umberto Eco]]></category>
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					<description><![CDATA[Spoilerwarnung: Der folgende Artikel verrät Pointen aus Kühling/Buchner ²2018. Juristische Kommentare zu lesen ist in der Regel etwas trocken, aber dann doch gelegentlich nötig. (Mein Anlaß: Daß zur Zeit soviel in Sachen kirchlicher Datenschutz passiert.) Im DSGVO-Kommentar von Kühling/Buchner (2. Aufl. 2018, S. 1163, RN 23) im Kapitel über Art. 85 DSGVO, der sich mit Freiheit &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2018/08/09/ecco-eco-intertextuelle-ostereier-im-dsgvo-kommentar/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Ecco Eco! Intertextuelle Ostereier im DSGVO-Kommentar</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3133"><!-- &nbsp; --></abbr><br />
<em><strong>Spoilerwarnung:</strong> Der folgende Artikel verrät Pointen aus Kühling/Buchner ²2018.</em></p>
<p>Juristische Kommentare zu lesen ist in der Regel etwas trocken, aber dann doch gelegentlich nötig. (Mein Anlaß: Daß zur Zeit <a href="http://www.katholisch.de/suche?schlagwort=Datenschutz">soviel in Sachen kirchlicher Datenschutz</a> passiert.) Im DSGVO-Kommentar von Kühling/Buchner (2. Aufl. 2018, S. 1163, RN 23) im Kapitel über <a href="https://dsgvo-gesetz.de/art-85-dsgvo/">Art. 85 DSGVO</a>, der sich mit Freiheit der Meinungsäußerung und Informationsfreiheit befaßt, bemerken die Autor_innen (Benedikt Buchner selbst kommentiert hier gemeinsam mit Marie-Theres Tinnefeld) ganz nebenbei und elegant sentenzenhaft:</p>
<blockquote><p>Das Zitat, das Plagiat und die Parodie sind typisch für die künstlerisch-literarische Tradition.</p></blockquote>
<p><span id="more-3133"></span></p>
<p>Wunderlich: Plagiate kommen ansonsten gar nicht vor, und der Satz klingt vertraut. Und richtig: <strong>»Il plagio, la citazione, la parodia, la ripresa ironica, il gioco intertestuale, sono tipici di tutta la tradizione artistico-letteraria«</strong>, heißt es in Umberto Ecos »Sugli specchi e altri saggi« (Mailand 1985, S. 139): »Das Plagiat, das Zitat, die Parodie, die ironische Reprise, das intertextuelle Spiel sind typisch für die ganze künstlerisch-literarische Tradition.«</p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Ecco Eco! Intertextuelle Ostereier im DSGVO-Kommentar" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="" data-url="https://fxneumann.de/2018/08/09/ecco-eco-intertextuelle-ostereier-im-dsgvo-kommentar/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div>
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		<title>Sparen, das an die Substanz geht</title>
		<link>https://fxneumann.de/2018/05/01/sparen-das-an-die-substanz-geht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 May 2018 15:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[7,5 Prozent mehr Lohn haben die Tarifparteien im öffentlichen Dienst gerade vereinbart. Ein gutes Ergebnis für diejenigen, die dafür sorgen, dass der Staat seine Aufgaben erledigen kann. Die Tarifverhandlungen in einer für die Gesellschaft ähnlich wichtigen Branche ziehen sich derweil hin: Journalisten- und Verlegerverbände werden sich nicht einig – dabei liegt die Forderung von DJV &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2018/05/01/sparen-das-an-die-substanz-geht/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Sparen, das an die Substanz geht</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3181"><!-- &nbsp; --></abbr>

<p>7,5 Prozent mehr Lohn haben die Tarifparteien im öffentlichen Dienst gerade vereinbart. Ein gutes Ergebnis für diejenigen, die dafür sorgen, dass der Staat seine Aufgaben erledigen kann. Die Tarifverhandlungen in einer für die Gesellschaft ähnlich wichtigen Branche ziehen sich derweil hin: Journalisten- und Verlegerverbände werden sich nicht einig – dabei liegt die Forderung von DJV und dju mit 4,5 Prozent Lohnsteigerung deutlich unter dem Ergebnis im öffentlichen Dienst. Zuletzt hatten die Verleger kaum einen Inflationsausgleich angeboten.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="alignleft size-large is-resized"><img src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03.jpg" alt="" class="wp-image-3182" width="329" height="246" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03.jpg 960w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03-300x225.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 329px) 100vw, 329px" /><figcaption> <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Ubahnverleih" target="_blank">Ubahnverleih</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Graffiti_Dresden_03.jpg" target="_blank">Graffiti Dresden 03</a>, <a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode" target="_blank">CC0 1.0</a> </figcaption></figure></div>



<p>Während die Steuereinnahmen weiterhin üppig sind, hat unsere Branche immer noch keine Lösung für die Finanzierung von Journalismus gefunden. Das darf aber keine Entschuldigung für die sehr unterschiedlichen Tarifabschlüsse in den beiden Branchen sein: Da zu sparen, wo die journalistische Qualität herkommt, nämlich bei den Journalistinnen und Journalisten, wird die Krise nicht lösen.</p>



<span id="more-3181"></span>



<p>Die Tarifpolitik der Verleger reiht sich ein in eine lange Tradition des Sparens ohne Sinn und Verstand. Fast hat man den Eindruck, als würden sie Dankbarkeit dafür erwarten, wenn nicht noch ein Medienhaus sich in die Tarifflucht schlägt, wenn nicht noch ein Verlag Festangestellte durch Freie ersetzt, die man dann noch um ein ordentliches Zeilenhonorar prellt.</p>



<p>Die regelmäßig mäßigen Tarifrunden im Journalismus sind nur die Spitze: Nicht genug, dass die Steigerungen so gering sind. Es fehlt auch ein Konzept, rechtzeitig auf den Fachkräftemangel zu reagieren, es fehlen Ideen, journalistische Berufe attraktiv und konkurrenzfähig zu machen, es fehlt der Wille, die Abwanderung von guten Leuten in besser zahlende Branchen einzudämmen, es fehlt die Phantasie, wie man qualifizierte Quereinsteiger für den Journalismus gewinnt.</p>



<p>Stattdessen: Eine Streckung der Altersstufen schlägt bei jungen Kolleginnen und Kollegen am Anfang ihrer Karriere überproportional zu Buche. Berufserfahrung in der Freiberuflichkeit wird nur zu sehr kleinen Teilen anerkannt, Berufserfahrung in anderen Branchen erst gar nicht, und selbst dass Onlineredakteure vom Tarifvertrag überhaupt erfasst werden, musste mühsam erstritten werden.</p>



<p>Die Tarifpartner im öffentlichen Dienst haben einen anderen Weg eingeschlagen: Viel wichtiger als der &#8220;kräftige Schluck aus der Pulle&#8221; sind die Neuerungen, die genau diese Probleme angehen: Attraktiv werden für qualifizierten Nachwuchs – also die Ausbildungsvergütung erhöhen. Attraktiv werden für qualifizierte Berufseinsteiger – also die Einstiegsgehälter erhöhen und die Steigerung nach Alter abflachen, mehr auf Qualifikation statt auf Dienstjahre setzen. Und schließlich: Attraktives Gehalt für Fachkräfte besonders gesuchter Branchen.</p>



<p>So macht man kluge, zukunftsfähige Tarifpolitik – und nicht durch Sparen um jeden Preis wie bei den Verlegerverbänden. Deren Tarifpolitik geht an die Substanz: Erst an die von denen, die noch in der Branche arbeiten, dann an die der Branche selbst.</p>



<p><img class="wp-image-3179" style="width: 32px;" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/03/gkp-logo-32x32.png" alt="Das Logo der Gesellschaft katholischer Publizisten (GKP)"><em>Der Kommentar erschien zuerst <a href="https://gkp.de/sites/default/dateien/gkp_daten/mitglieder/kommentare/gkp-pdf/GKP-kommentare_2018_05_neumann.pdf">in den GKP-Informationen Nr. 5/2018</a>.<br></em></p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Sparen, das an die Substanz geht" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03.jpg 960w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03-300x225.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2019/11/960px-Graffiti_Dresden_03-768x576.jpg 768w" data-url="https://fxneumann.de/2018/05/01/sparen-das-an-die-substanz-geht/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/801c436101a94a369b4f46d285d81b1e" width="1" height="1" alt="" loading="eager" data-no-lazy="1" style="display:none" />
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		<title>… als ob Machtverhältnisse und Machtgefälle an der Haustür enden würden: Macht und Überwachung im Smart home</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Feb 2018 19:19:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Privatsphäre]]></category>
		<category><![CDATA[Smart home]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
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					<description><![CDATA[Klassischer Datenschutz trennt zwischen drinnen und draußen – doch wie privat ist die Privatsphäre für wen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3034"><!-- &nbsp; --></abbr><br />
<figure id="attachment_3035" aria-describedby="caption-attachment-3035" style="width: 660px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-large wp-image-3035" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-1024x575.jpg" alt="Bruno Mazotti: »Olho mágico 1«" width="660" height="371" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b.jpg 1024w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-300x168.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-768x431.jpg 768w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /><figcaption id="caption-attachment-3035" class="wp-caption-text"><a title="Olho mágico 1" href="https://flickr.com/photos/8402577@N04/5300686748">Olho mágico 1</a> flickr photo by <a href="https://flickr.com/people/8402577@N04">bruno_mazotti</a> shared under a <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">Creative Commons (BY-SA) license</a></figcaption></figure></p>
<p>»Ich zeig euch, wann meine Frau geduscht hat« – das war der Pitch für die Home-automation-Session beim <a href="https://barcampbonn.de/">Bonner BarCamp</a>. Klingt creepy, sollte es auch, war es dann aber anders als vom Vortragenden beabsichtigt. Weniger die Technik selbst als Datenschutz sollte im Mittelpunkt stehen: Ein »Smart home« erfaßt Daten so granular, daß aus der Datenmenge einige Erkenntnisse gezogen werden. Wann geduscht wird, zeigt die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitskurve recht genau, einmal ausführlich die Toilette benutzen bedeutet plus ein paar Zehntelgrad, Bewegungsmelder im Gang zeigen, wann wer nachts aufs Klo geht – soll das wirklich alles auf einem Server in der Cloud, meistens bei Amazon, landen?<span id="more-3034"></span></p>
<p>Soweit, so klassischer Datenschutzdiskurs: Daten schützen heißt Daten daheim einhegen, nicht nach draußen geben. Daten auf dem Heimserver gut, Daten in der Cloud (a.k.a. »other people&#8217;s computer«) böse. Daten werden vor den Konzernen und dem Staat geschützt. Aber auf dem Heimserver sammelt sich das Herrschaftswissen: Wer kann die Open-source-Lösungen bedienen und administrieren? Wer in der Familie kann auf die Daten zugreifen? Wer in der Familie entscheidet, welche Daten gesammelt werden? Und wie wird in der Familie ausgehandelt, ob auf BarCamps die Kurven zur Badnutzung gezeigt werden dürfen? Ebenfalls Thema der Session: Wie der Vater von auswärts dem Sohn per Smarthome-Steuerung Leinwand und Beamer abdreht, wenn Schlafenszeit ist. Überwachen und strafen.</p>
<p><strong>Ist das wirklich das bessere Datenschutzregime als die Black box bei Amazon?</strong> »Überwachung ist nicht gleich Macht, sondern Macht macht Beobachtung zur Überwachung«, <a href="http://mspr0.de/?p=3812">hat mspr0 vor Jahren geschrieben</a>, und <a href="https://events.ccc.de/congress/2013/wiki/images/5/5c/LT-Day_2-12.55-FINAL-Wir_werden_alle_%C3%BCberwacht._Und_nun.pdf">beim 30C3 festgestellt</a>, daß das »1-Bit-Überwachungsmem« kaputt sei. (Den Hinweis auf die Texte hat mir <a href="https://twitter.com/homie_1848">Andrea Heim</a> gegeben.) Genau solche Situationen sind dafür ein gutes Beispiel: Die Angst vor dem Überwachungsstaat und dem Überwachungskonzern läßt sich demokratietheoretisch begründen, der alleinige Fokus darauf lenkt aber vom Nahbereich ab. Selbstverständlich wird (implizit? explizit?) angenommen, daß <em>in</em> der Privatsphäre <em>keine</em> Privatsphäre nötig ist – als ob Machtverhältnisse und Machtgefälle an der Haustür enden würden.</p>
<p>Der Impetus von Datenschutz ist, Machtgefälle zu mindern, Schutzwälle einzuziehen, um strukturelle Ungleichheiten zu beheben und Handlungsmacht zurückzugeben und zu schützen: Menschen als Subjekte, nicht als Objekte beim Umgang mit Daten. Das funktioniert aber nur, wenn die Machtverhältnisse auch benannt werden – <strong>die Trennung in eine öffentliche politische Sphäre und einen privaten machtfreien Rückzugsraum verschleiert diese Machtverhältnisse.</strong> (Und wenn man dann in Heimautomatisierungsforen ständig etwas vom »wife acceptance factor« liest, ahnt man, welche Machtverhältnisse da wieder reproduziert werden.) »Macht hat, wer die Möglichkeit zur Disziplinierung hat«, war eine der Thesen mspr0s – das spüren Kinder und Jugendliche besonders, denen bei sturmfreier Bude der Beamer fernabgeschaltet wird. Das datensparsame Smart home schützt vor der Cloud, aber macht die Kinderzimmertür für die Eltern transparent. Instruktiv sind dazu die <a href="http://www.danah.org/books/ItsComplicated.pdf">Forschungen von danah boyd</a>, was Privatsphäre für Jugendliche bedeutet: Da ist der Rückzugsraum vom Überwachungsregime der Eltern weit wichtiger als der klassische Datenschutz gegenüber wirtschaftlichen und politischen Akteuren. Das klassische Datenschutzparadigma löst nur die Probleme der Beteiligten, die in ihrer jeweiligen Privatsphäre die Macht haben.</p>
<p><strong>Zu einer Datenschutzdiskussion des Smart home gehört daher nicht nur der Schutz des »Drinnen« vor dem »Draußen« – sondern auch eine Reflexion dessen, was drinnen passiert.</strong> Soweit ich die Lösungen für Heimautomatisierung überblicke, liegt dort der Fokus beim Datenschutz immer auf einer Trennung zwischen drinnen und draußen: Heimserver vs. Cloudserver. Wie aber die Privatsphäre drinnen ausgehandelt und reflektiert wird, ist oft ein blinder Fleck. »Code is law« ist die Digitalisierungsvariante von »Das Private ist politisch«: Zu einem Datenschutzaudit von Software sollte nicht nur gehören, wie das Drinnen vom Draußen getrennt wird, sondern auch, wie die jeweilige Lösung die Machtverhältnisse drinnen managt, reproduziert und reflektiert.</p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="… als ob Machtverhältnisse und Machtgefälle an der Haustür enden würden: Macht und Überwachung im Smart home" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-1024x575.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b.jpg 1024w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-300x168.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/5300686748_94d5759cf5_b-768x431.jpg 768w" data-url="https://fxneumann.de/2018/02/25/als-ob-machtverhaeltnisse-und-machtgefaelle-an-der-haustuer-enden-wuerden-macht-und-ueberwachung-im-smart-home/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div>
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		<title>Die Geburt der »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« aus dem Geist des Mormonismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Feb 2018 17:25:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[John Perry Barlow]]></category>
		<category><![CDATA[Mormonismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nachruf]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
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					<description><![CDATA[John Perry Barlow, 1947–2018. Seine religiöse Prägung als Mormone taucht nur am Rande in Nachrufen auf – zu Unrecht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3028"><!-- &nbsp; --></abbr><br />
… das war dann doch nicht der Titel meines Nachrufs auf John Perry Barlow, den ich im BDKJ-Blog veröffentlicht habe. Es wurde <a href="http://digitalelebenswelten.bdkj.de/2018/02/09/estimated-prophet-jack-mormon-zum-tod-von-john-perry-barlow/">»Estimated Prophet, Jack Mormon – Zum Tod von John Perry Barlow«</a></strong>.<br />
<figure id="attachment_3029" aria-describedby="caption-attachment-3029" style="width: 300px" class="wp-caption alignleft"><img class="size-medium wp-image-3029" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-300x200.jpg" alt="John Perry Barlow" width="300" height="200" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-300x200.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-768x513.jpg 768w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-3029" class="wp-caption-text"><a title="John Perry Barlow, Co-Founder, Electronic Frontier Foundation-1668" href="https://flickr.com/photos/leweb3/8969374616">John Perry Barlow, Co-Founder, Electronic Frontier Foundation-1668</a> flickr photo by <a href="https://flickr.com/people/leweb3">LeWeb14</a> shared under a <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">Creative Commons (BY) license</a></figcaption></figure><span id="more-3028"></span></p>
<p>Alle Nachrufe, die ich sonst gelesen habe, erwähnen nur am Rande und als Kuriosität, daß Barlow aus einer mormonischen Familie stammt und später als »Jack Mormon« zwar nicht gläubig, aber mit Wohlwollen auf den Mormonismus schaute – dabei ist das doch ein überraschend tragender Interpretationsschlüssel für Leben und Werk John Perry Barlows, der diese Woche im Alter von 70 Jahren gestorben ist.</p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Die Geburt der »Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace« aus dem Geist des Mormonismus" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-300x200.jpghttps://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-300x200.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684-768x513.jpg 768w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2018/02/8969374616_0e9e995c69_k-1024x684.jpg 1024w" data-url="https://fxneumann.de/2018/02/10/die-geburt-der-unabhaengigkeitserklaerung-des-cyberspace-aus-dem-geist-des-mormonismus/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div>

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		<title>Haltung gegen „Fake News“ – Papst Franziskus zum „Mediensonntag“</title>
		<link>https://fxneumann.de/2018/02/05/haltung-gegen-fake-news-papst-franziskus-zum-mediensonntag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Feb 2018 20:10:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[BDKJ]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Franziskus]]></category>
		<category><![CDATA[Welttag der sozialen Kommunikationsmittel]]></category>
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					<description><![CDATA[Drüben beim BDKJ-Blog: Der Papst schreibt über &#8220;Fake News&#8221; und schlägt als Lösung ignatianische Unterscheidung vor.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3026"><!-- &nbsp; --></abbr><br />
<a href="http://digitalelebenswelten.bdkj.de/2018/02/05/haltung-gegen-fake-news-papst-franziskus-zum-mediensonntag/">Drüben beim BDKJ-Blog: Der Papst schreibt über &#8220;Fake News&#8221; und schlägt als Lösung ignatianische Unterscheidung vor.</a></p>
<div class="shariff" data-twitter-via="fxneumann" data-title="Haltung gegen „Fake News“ – Papst Franziskus zum „Mediensonntag“" data-info-url="http://ct.de/-2467514" data-backend-url="https://fxneumann.de/wp-content/plugins/shariff-sharing/backend/index.php" data-temp="/var/www/virtual/fxnde/html/wp-content/plugins/shariff-sharing/tmp" data-ttl="100" data-service="t" data-services='["facebook","twitter","whatsapp","mail","info"]' data-image="" data-url="https://fxneumann.de/2018/02/05/haltung-gegen-fake-news-papst-franziskus-zum-mediensonntag/" data-lang="de" data-theme="grey" data-orientation="horizontal"></div>

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		<title>Ionescos Klingonen. Beobachtungen zu Star Trek: Discovery</title>
		<link>https://fxneumann.de/2017/09/26/ionescos-klingonen-beobachtungen-zu-star-trek-discovery/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Felix Neumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2017 18:48:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Feuilleton]]></category>
		<category><![CDATA[Identitäre]]></category>
		<category><![CDATA[Ionesco]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Star Trek]]></category>
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					<description><![CDATA[Endlich wieder Star Trek in der eigentlichen Darreichungsform: Als Fernsehserie. Nach den ersten beiden Folgen bin ich optimistsch. Mit »Enterprise«, der seltsam aus der Zeit gefallenen Vorgängerserie (für mich fühlte sie sich immer an wie eine Kopie von TNG-Monster-of-the-week-Folgen, nur mit blasseren Charakteren), und den JJ-Abrams-Filmen (mit allzu glattgebügeltem Action-Reboot) konnte ich nichts anfangen. Discovery &#8230; <a href="https://fxneumann.de/2017/09/26/ionescos-klingonen-beobachtungen-zu-star-trek-discovery/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Ionescos Klingonen. Beobachtungen zu Star Trek: Discovery</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><abbr class="unapi-id" title="https://fxneumann.de/?p=3021"><!-- &nbsp; --></abbr><br />
<figure id="attachment_3022" aria-describedby="caption-attachment-3022" style="width: 660px" class="wp-caption alignleft"><img class="wp-image-3022 size-large" src="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2017/09/Lycosthenes_Rhinoceros_Prodigiorum_ac_ostentorum_Chronicon_Wellcome_L0005344-1024x771.jpg" alt="Lycosthenes, Rhinoceros" width="660" height="497" srcset="https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2017/09/Lycosthenes_Rhinoceros_Prodigiorum_ac_ostentorum_Chronicon_Wellcome_L0005344-1024x771.jpg 1024w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2017/09/Lycosthenes_Rhinoceros_Prodigiorum_ac_ostentorum_Chronicon_Wellcome_L0005344-300x226.jpg 300w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2017/09/Lycosthenes_Rhinoceros_Prodigiorum_ac_ostentorum_Chronicon_Wellcome_L0005344-768x578.jpg 768w, https://fxneumann.de/wp-content/uploads/2017/09/Lycosthenes_Rhinoceros_Prodigiorum_ac_ostentorum_Chronicon_Wellcome_L0005344.jpg 1636w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /><figcaption id="caption-attachment-3022" class="wp-caption-text">By <a class="external free" href="https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/84/e7/fd14659fef2b32da3dcc45b96560.jpg" rel="nofollow">https://wellcomeimages.org/indexplus/obf_images/84/e7/fd14659fef2b32da3dcc45b96560.jpg</a>Gallery: <a class="external free" href="http://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0005344.html" rel="nofollow">http://wellcomeimages.org/indexplus/image/L0005344.html</a>, <a title="Creative Commons Attribution 4.0" href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0">CC BY 4.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35868870">Link</a></figcaption></figure></p>
<p>Endlich wieder Star Trek in der eigentlichen Darreichungsform: Als Fernsehserie. Nach den ersten beiden Folgen bin ich optimistsch. Mit »Enterprise«, der seltsam aus der Zeit gefallenen Vorgängerserie (für mich fühlte sie sich immer an wie eine Kopie von TNG-Monster-of-the-week-Folgen, nur mit blasseren Charakteren), und den JJ-Abrams-Filmen (mit allzu glattgebügeltem Action-Reboot) konnte ich nichts anfangen. Discovery wirkt zunächst zeitgemäß: Story Arc statt Monster of the week, eine zeitgemäße Ästhetik, Zeit zum Erzählen. Discovery ist aber auch Star Trek: Ein wenig Vertrautheit mit dem Stoff hilft beim Verständnis (Kahless, Sarek, die vulkanische Kultur werden nicht eingeführt); kleine Details (die Geräusche in den Raumschiffen, die optisch überhaupt nichts mit den bekannten dieser Ära aus TOS und ENT zu tun haben; der Klappkommunikator; die pistolenförmigen Phaser) verankern auch die auf Stand gebrachte Ästhetik im Serienuniversum.<span id="more-3021"></span> </p>
<p>Die ersten beiden Folgen sind – nach aktuellem Stand – reine Exposition, nicht einmal (eine Premiere) das titelgebende Schiff ist bisher aufgetaucht. Dabei wird vor allem die Vorgeschichte der Protagonistin, Michael Burnham, etabliert. Vermutlich ein geschickter Kunstgriff: Erstmals soll nicht der Captain, sondern die erste Offizierin im Zentrum stehen. Star Trek neigte immer zu einer Great-men-Erzählung: Der charismatische Führer, ob Heerführer (Kirk), Philosophenkönig (Picard), Diplomat (Sisko) oder Mutter (Janeway). Und auch im Discovery-Piloten war das angelegt. Michelle Yeohs Captain Philippa Georgiou hat alles, um eine großartige Captain zu werden: Charisma, Autorität. Führungsstärke und Überzeugungen. Sie überlebt die Pilotdoppelfolge nicht. Neben ihr hätte keine erste Offizierin strahlen können; wie in West Wing (das in so vielem ein Star-Trek-Prequel ist, weil Sorkin wie Roddenberry beide bis zur Unerträglichkeit optimistische Utopien darstellen), wo Präsident Bartlet zum Breakout-Charakter wurde, nachdem er zunächst nur eine Präsenz im Hintergrund sein sollte, hätte auch Georgiou die Serie dominiert. Jetzt ist Platz für Michael Burnham.</p>
<p><strong>Vor dem Ende der Geschichte</strong></p>
<p>Auch anderes ist dezidiert anders. Vor allem die Klingonen. Ausgerechnet die Klingonen, deren Kultur wie keine zweite im Star-Trek-Universum entwickelt wurde, sind immer auch eine politische Gegenwartsmetapher. In TOS waren sie die Sowjetrussen im kalten Krieg, bis zur Annährungspolitik im sechsten Film, »The Undiscovered Country«, wo so explizit wie selten auf die Politik des 20. Jahrhunderts Bezug genommen wurde. Darauf folgt Frieden und die Hoffnung auf das Ende der Geschichte (zumindest was die Ost-West-Spannungen zwischen Föderation und klingonischem Reich angeht) in TNG und DS9.</p>
<p>Jetzt sind die Klingonen Identitäre, ihr Führer T&#8217;Kuvma sammelt die vom Establishment der großen Häuser Ausgeschlossenen um sich und seine Idee kultureller Reinheit: Klingonisch bleiben! Dass die Klingonen der Wiederhall Trumps im Geist des Utopisten Rodenberry sind, ist offensichtlich, so offensichtlich, daß auch die Macher der Serie es explizit machen.</p>
<p>Mit den Klingonen der vorherigen Serien haben die neuen nicht mehr viel zu tun; viel kantiger, wuchtiger, fremder, unmenschlicher sind sie. (Angelegt war das durchaus schon vorher ein wenig: In TNG S05E16 sieht man Worfs Wirbelsäule: Auch sehr stachelig.) In die Star-Trek-Kontinuität passt das nicht: Die verschiedenen humanoiden Rassen haben einen gemeinsamen Ursprung (TNG S06E20) und sehen sich deshalb alle grundsätzlich ähnlich. Und was die Physiologie der Klingonen über die Serien angeht: Die stirnfaltenlosen Klingonen aus der TOS-Zeit wurden später per Retcon erklärt; wollte Worf in DS9 bei einer Zeitreise nicht über das andere Aussehen reden (»We do not discuss it with outsiders«, DS9 S05E06), wurde in ENT der »<a href="http://memory-alpha.wikia.com/wiki/Klingon_augment_virus">Augmentvirus</a>« eingeführt, der den optischen Unterschied biologisch erklärt.</p>
<p><strong>Make Qo&#8217;noS Great Again!</strong></p>
<p>Die neue klingonische Optik ist also tatsächlich ein Bruch – aber vielleicht ist das nicht nur eine ästhetische Entscheidung: Ionescos »Nashörner« kommen in den Sinn, jenes absurde Theaterstück, indem Menschen in der totalitären Masse aufgehen und eben zu Nashörnern werden, und das sich heute wieder so aktuell liest. Die neuen Klingonen sehen zwar nicht aus wie die Klingonen aus den 60ern, aber wie die Nashörner in der <a href="http://www.gettyimages.de/detail/nachrichtenfoto/eugene-ionescos-rhinoceros-staged-of-jean-louis-nachrichtenfoto/55752536#eugene-ionescos-rhinoceros-staged-of-jeanlouis-barrault-paris-theater-picture-id55752536">Ionesco-Inszenierung von Jean-Louis Barrault von 1960</a>. Die neuen alten Klingonen erinnern auch – mit Ausnahme des eigentlichen Nashorns – an den berühmten Holzschnitt von Conrad Lycosthenes aus dem 16. Jahrhundert: Kantig, wuchtig, gepanzert. Jahrhunderte später greift der Grafiker Klaus Eberlein Lycosthenes&#8217; Bildsprache auf, wieder in einem <a href="https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=10801545392&amp;searchurl=hl%3Don%26tn%3Dholzschnitt%2Bnash%25F6rner%2Beugene%2Bionesco%26sortby%3D20%26an%3Deberlein%2Bklaus">Holzschnitt eines Nashorns</a>, diesmal explizit als Ionesco-Illustration. Die Klingonen als Nashörner – so fremd, so auf Eigenheit bedacht, und doch (man denke an die schon erwähnte TNG-Folge »The Chase«) eigentlich Fleisch vom Fleische der anderen humanoiden Völker der Galaxis. (»With respect, it would be unwise to confuse race and culture«, sagt Burnham.)</p>
<p>Das Gegenbild zu den identitären Klingonen ist die selbstverständlich plurale Föderation. (Zunächst spielt die Handlung etwa auf der USS Shenzhou, benannt nach dem ersten bemannten chinesischen Raumschiff.) Wie bereits bei DS9 mit Julien Bashir erstmals ein arabischer Charakter ganz selbstverständlich ohne Tokenism zur Crew gehört, ist auch die Shenzhou-Crew selbstverständlich vielfältig. Explizit machen wie beim <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2BBOWsWODX4">Austausch zwischen Lt. Uhura und Abraham Lincoln</a> muß man das nicht mehr; die Selbstverständlichkeit wirkt heute stärker als eine – damals revolutionäre – explizite Predigt.</p>
<p>Zwei Folgen lang wurden jetzt die Spielsteine gesetzt: Die identitären Klingonen im Krieg mit der universalistischen Föderation. Michael Burnham, die verurteilte Meuterin, auf einem ungewissen Weg. Jetzt kann es losgehen.</p>
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