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	<title>hastuzeit</title>
	
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	<description>Die hallische Studierendenschaftszeitschrift</description>
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		<title>Fantasie als Lernmethode</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 17:33:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helena Werner</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
		<category><![CDATA[Nr 40]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungstechniken]]></category>
		<category><![CDATA[Gedächtnis]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer sich Wörter und Begriffe nur schwer merken kann, sollte sich mal mit der Mnemotechnik beschäftigen. Mit ihren Methoden kann langweiliges Auswendiglernen fantasievoll gestaltet und erleichtert werden.
»Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel« – wer kennt ihn nicht, den König aller Merksprüche? Anhand dieses kleinen Buchstabenspiels lernt sich das Sonnensystem gleich ein wenig schneller, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich Wörter und Begriffe nur schwer merken kann, sollte sich mal mit der Mnemotechnik beschäftigen. Mit ihren Methoden kann langweiliges Auswendiglernen fantasievoll gestaltet und erleichtert werden.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_eselsbruecken.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7339" title="40_web_eselsbruecken" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_eselsbruecken-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><span id="more-7387"></span></p>
<p>»Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel« – wer kennt ihn nicht, den König aller Merksprüche? Anhand dieses kleinen Buchstabenspiels lernt sich das Sonnensystem gleich ein wenig schneller, stehen doch die Anfangsbuchstaben jedes Wortes für jeweils einen unserer (mittlerweile nur noch) acht Planeten. Solch hilfreiche Merksätze unterstützen dabei, komplexe und weitreichende Begriffe besser zu verinnerlichen. Aber auch Gedächtnisstützen anderer Art können uns den Umgang mit vielen Zahlen oder zu merkenden Wörtern vereinfachen.</p>
<p>Die sogenannte Mnemotechnik, also das Ausarbeiten und Anwenden von Merkhilfen, liefert Tricks, mit denen man mancher Prüfung entspannter entgegentritt. So kann man beispielsweise zur Kettenmethode greifen, wenn es darum geht, sich in kurzer Zeit eine Vielzahl von Begriffen zu merken. Die zu lernenden Wörter werden dabei wie Perlen einer Kette in einer gleichbleibenden Reihenfolge aneinandergereiht und in eine ausgedachte, meist ziemlich sinnfreie Geschichte übertragen. Beim erneuten Abrufen des Erdachten, das sich um einiges leichter merken lässt als einzelne Begriffe, tauchen die Wörter somit von alleine wieder auf.</p>
<p>Beim Vokabellernen kann man das Prinzip der Ähnlichkeit anwenden. Man überlegt sich Wörter, die der Vokabel lautlich ähneln. Durch die Verknüpfung zwischen Vokabel und visualisiertem Gegenstand, der durch die Wortähnlichkeit abgeleitet wird, kann man dann persönliche Zusammenhänge erstellen, die das Merken erleichtern. Muss man sich beispielweise das lateinische Wort <em>laud</em>are (=loben) merken, könnte man es mit einer app<em>laud</em>ierenden Masse verbinden, die die Darbietung eines Künstlers lobt.</p>
<p>Assoziationen und ihre Verknüpfungen bieten also die Basis dieser Mnemotechniken. Es geht darum, mithilfe von visualisierten Vorstellungen bestimmte Verbindungen zu Begriffen, Zahlen oder Bildern herzustellen. So kann man die Finger überkreuzen, wenn man sich etwas Bestimmtes merken will – beim späteren Wahrnehmen der seltsamen Handstellung erinnert man sich im besten Fall an die Sache, obwohl sie nicht im direkten Zusammenhang steht.</p>
<p>So funktioniert auch die bekannteste der Mnemotechniken, die sogenannte Loci-Methode: Muss man innerhalb kurzer Zeit viele Begriffe lernen, hilft es, sich einen festgelegten und bekannten (!) Weg vorzustellen. Der Weg sollte bestimmte Plätze aufweisen, an die man einen Begriff ablegt. Beim gedanklichen Abgehen des Weges kann man die Informationen dann wiedererhalten, indem man die jeweiligen Plätze mit den abgelegten Begriffen assoziiert. Im Alltag oder in der Uni muss man sich außer vielleicht Vokabeln eher selten einzelne Begriffe merken. Bei Vorträgen kann man jedoch mit der Loci-Methode Schlagwörter im geistigen Raum verteilen und so einen gedanklichen Rahmen schaffen, der eventuell das Ablesen vom Zettel ersetzen kann.</p>
<p>Die Mnemotechnik weist etliche solcher Assoziations-Methoden auf. Man muss sie nicht alle kennen, da sie keine starre Regelhaftigkeit für sich beanspruchen und man sich seine eigenen ausdenken kann, solange das Prinzip verstanden wurde. Neben der Fähigkeit, eine bestimmte Sache automatisch mit einer anderen in Verbindung zu bringen, ist nämlich auch viel Fantasie zum gedanklichen Ausschweifen gefordert: Je verrückter die Verbindungen, die man herstellt, und je ausgefallener und absurder die Geschichten oder mentalen Wege sind, die man mit Gegenständen ausschmückt, desto größer wird der Lern-Effekt. Außergewöhnliches hinterlässt mehr Eindruck und bereitet mehr Freude als stupides Auswendiglernen.<br />
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		<title>Offen für Neues</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 11:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Universitätssportzentrum bietet über 80 verschiedene Sportarten an. Bei vielen, wie Fußball oder Yoga, ist zumindest ungefähr klar, was einen erwartet. Unter anderen Sportarten konnten wir uns nichts Genaues vorstellen. Also haben wir hastuzeit-Autorin Caroline losgeschickt.
Montag, 17 Uhr, Unisportraum Mensa am Weinberg. Irish Dancing, Anfänger-Gruppe. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt. Zunächst stellen sich alle, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Universitätssportzentrum bietet über 80 verschiedene Sportarten an. Bei vielen, wie Fußball oder Yoga, ist zumindest ungefähr klar, was einen erwartet. Unter anderen Sportarten konnten wir uns nichts Genaues vorstellen. Also haben wir hastuzeit-Autorin Caroline losgeschickt.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_irishdancing.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7343" title="40_web_irishdancing" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_irishdancing-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><span id="more-7392"></span></p>
<p>Montag, 17 Uhr, Unisportraum Mensa am Weinberg. Irish Dancing, Anfänger-Gruppe. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt. Zunächst stellen sich alle, auch ich, mehr oder weniger in einer Reihe in der Grundstellung auf: Füße im 90°-Winkel, dann der rechte Fuß vor den linken, so dass die Füße eine Art »T« bilden. Schritte und Sprünge werden wiederholt. Ich bin jetzt schon total überfordert. Kein Wunder, schließlich sind alle anderen schon drei Monate dabei. Dann wird ein kompletter Tanz geprobt – ich bin nun endgültig die personifizierte Überforderung und stehe nur im Weg. Auf der anderen Seite kann ich bei der Musik kaum stillstehen. Die Klänge sind so fröhlich, dass man automatisch mittanzen möchte. Zu meinem großen Glück kommt nun ein <em>Céilí</em>, ein Gesellschaftstanz. »Dabei kommt es noch nicht so genau auf die Schritte an«, sagt Trainerin Susann Spychala. »Erst mal geht es nur darum, im Rhythmus zu bleiben.« Das klappt sogar bald ganz passabel – und vor allem macht es Spaß. Zunächst ein Kreistanz mit Innenkreis und Außenkreis und vielen Drehungen, nach rechts, nach links, mit Partner um die eigene Achse. »Und eigentlich wird man bei diesen Drehungen richtig schnell«, sagt Ulrike. »Wollen wir es mal versuchen?« Na klar, dafür bin ich schließlich hier! Eine Hand an die Hüfte des Partners, der jeweils andere Arm wird irgendwie gekreuzt. »Aber richtig festhalten!« sagt Ulrike. Und etwas zurücklehnen. Los geht&#171;s. Ein Fuß bleibt stehen, der andere gibt Schwung. Hui, es wird tatsächlich ganz schön schnell! Als wir nach gefühlten 30 Runden anhalten, dreht sich der Raum noch etwas. Danach bekomme ich noch etwas Technik-Training, was die Schritte anbelangt: rechtes Bein angewinkelt vor dem linken, rechtes Bein springt nach vorn, linkes Bein macht einen Schritt vor das rechte Bein, das rechte Bein zieht nach, bleibt aber hinten. »Vorn, vorn, hinten«, sagt Susann. Soweit die Theorie. Klingt doch gar nicht so schwer. Also los. Ich mache vorn, hinten – schon falsch. Also noch mal. Vorn, hinten – wieder falsch. Ungewohnte Bewegungen können ganz schön schwierig sein. »Vorn, vorn, hinten«, wiederholt Susann. Ich mache vorn, hinten – na toll. So blöd wie ich hat sich bestimmt noch keiner angestellt… Vorn, hinten. –»Ich habe noch nichts von »hinten« gesagt, oder?« kommentiert Susann den hundertsiebzigsten gescheiterten Versuch. Wir üben weiter, bis ich es irgendwann zumindest halbwegs schaffe. Dann gehen wir über zum nächsten Tanz, dieser ist auch für den Rest der Gruppe noch recht neu; also wird zunächst wiederholt: man ist zu viert im Viereck. Vier Takte mit Drehung zur nächsten »Ecke«, zwei Takte nach hinten, zwei nach vorn, zwei quer, … Meinen Stil würde ich als kreativ bezeichnen, aber zum Glück sind die Schritte ja nicht das Wichtigste. Ich hüpfe und drehe mich also einfach im Rhythmus der Musik. Die Stimmung ist locker, aber zugleich konzentriert, sehr angenehm.</p>
<p>Zum Schluss gucke – und höre – ich noch den Fortgeschrittenen zu. Im Gegensatz zu den Anfängern, die ausschließlich in Softshoes, also in Schuhen mit weicher Sohle wie Ballettschläppchen, trainieren, haben diese nun die Hardshoes, also Steppschuhe, angezogen und tanzen in einer Reihe. Die Schritte sind rhythmisch, und auch der akustische Effekt ist beeindruckend.</p>
<p>Fazit: Irish Dancing fordert zwar viel Konzentration, macht aber vor allem Spaß. Sehr empfehlenswert, vor allem für die, die bei schwungvoller Musik nicht stillstehen können.<br />
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		<title>Das Gedächtnis als Fotoalbum</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 17:34:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronja Schlemme</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
		<category><![CDATA[Nr 40]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografisches Gedächtnis]]></category>
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		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Einmal klicken und die Erinnerung ist festgehalten. So funktioniert das beim Fotografieren. Inzwischen sogar digital, mit nahezu unbegrenztem Speicher – und was die Technik kann, kann der Mensch doch auch.

Als Dr. Sven Blankenberger in seiner Vorlesung zur Allgemeinen Psychologie I nach dem fotografischen Gedächtnis gefragt wurde, war seine Antwort eindeutig. »Mumpitz« nannte er das Phänomen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einmal klicken und die Erinnerung ist festgehalten. So funktioniert das beim Fotografieren. Inzwischen sogar digital, mit nahezu unbegrenztem Speicher – und was die Technik kann, kann der Mensch doch auch.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_fotograf_ged.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7340" title="40_web_fotograf_ged" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_fotograf_ged-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><br />
<span id="more-7359"></span></p>
<p>Als Dr. Sven Blankenberger in seiner Vorlesung zur Allgemeinen Psychologie I nach dem fotografischen Gedächtnis gefragt wurde, war seine Antwort eindeutig. »Mumpitz« nannte er das Phänomen und zweifelte die Existenz stark an. Zwar gebe es enorme Gedächtnisleistungen, aber kein Mensch könne seine Umgebung tatsächlich abfotografieren, sagte er noch, und damit war das Thema dann auch beendet.</p>
<p>Dennoch gibt es Gegenbeispiele, wie den russischen Journalisten und Gedächtniskünstler Solomon Shereshevsky. Sein Chefredakteur entdeckte als erster dessen ungewöhnliche Gedächtnisleistung. In der morgendlichen Redaktionsbesprechung nannte er seinen Mitarbeitern eine lange Liste von Namen, Adressen und Aufträgen. Als er bemerkte, dass Shereshevsky sich überhaupt keine Notizen machte, forderte er ihn auf, alle Instruktionen zu wiederholen. Die Überraschung war groß, als der Journalist genau dies tat. Aber auch Shereshevsky war sehr erstaunt – über die Verwunderung der anderen. Er hatte angenommen, sein Gedächtnis sei wie jedes andere auch. So aber ließ er es von dem Neuropsychologen Alexander Lurija untersuchen. Dieser überprüfte ihn in vielen Sitzungen und stellte eine überdurchschnittlich gute Gedächtnisleistung fest. Der Psychologe begleitete Shere-shevsky 30 Jahre lang und schrieb die Ergebnisse seiner Untersuchungen in dem Aufsatz »Kleines Porträt eines großen Gedächtnisses« nieder. Einmal bat er Shereshevsky, eine lange sinnlose mathematische Zeichenkette auswendig zu lernen. Dieser brauchte dafür nur wenige Minuten, und auch nach 15 Jahren noch konnte er die Zeichenkette fehlerfrei wiedergeben.</p>
<p>Zu jeder Zahl und jedem Zeichen sah Shereshevsky ein Bild. Ein Wurzelzeichen wurde die Wurzel eines Baumes, ein Minuszeichen eine Gehhilfe, die auf etwas zeigte. Er stellte die Bilder in einer Straße auf, die er »abgehen« konnte. Was uns als relativ umständlich erscheint, kostete Shereshevsky überhaupt keine Mühe und nahm nur wenig Zeit in Anspruch. Zudem war der Gedächtniskünstler Synästhetiker, er sah zu jedem Ton eine Art Farbschleier. Diese Eindrücke konnten seine Erinnerungsleistungen noch verbessern.</p>
<p>Die Entdeckung von Shereshevskys fantastischer Gedächtnisleistung fand in den 20er Jahren statt, und perfekt war sie auch nicht. So konnte er sich beispielsweise schlecht Gesichter oder Stimmen einprägen. Außerdem fotografierte er die Formeln oder Gedichte, die er lernen sollte, ja nicht ab, sondern stellte sie sich stattdessen bildlich vor.</p>
<p>Wenn sich Gedächtnisleistungen beobachten lassen, die einem fotografischen Gedächtnis nahekommen, dann meist bei Kindern oder Autisten. Wissenschaftler sprechen dann lieber von einem eidetischen Gedächtnis. Diplom-Psychologe Andreas Melzer, Dozent für Allgemeine Psychologie an der MLU, berichtet von einer Möglichkeit, ein tatsächlich fotografisches Gedächtnis zu beweisen: Nacheinander werden zwei Punktmuster gezeigt, die übereinandergelegt ein Wort ergeben. Schafft man es, die Punktmuster mental übereinanderzulegen und das Wort zu erkennen, dann kann man sich zu einem fotografischen Gedächtnis gratulieren lassen. Allerdings kann ein großes Erinnerungsvermögen auch negative Seiten mit sich bringen. Shereshevskys Erinnerungen belasteten ihn nach einigen Jahren so sehr, dass er sich beibringen musste, wieder zu vergessen. Das mag kurios klingen, aber wer will schon 15 Jahre lang eine sinnlose Zeichenkette mit sich rumschleppen?<br />
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		<title>Zum Lernen gemacht</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 17:32:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sabine Paschke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
		<category><![CDATA[Nr 40]]></category>
		<category><![CDATA[lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie an der Universität Ulm, gibt einen umfangreichen Einblick rund um das Thema Lernen. Lernen wird von den meisten als etwas Unangenehmes empfunden. Fakten lernen für eine Klausur oder mündliche Prüfung sowie das Zuhören und Mitschreiben in Seminaren und Vorlesungen werden häufig als notwendige Übel und Verringerung unserer Freizeit gesehen.
Manfred Spitzer erklärt in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_rezcover.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7346" title="40_web_rezcover" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_rezcover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie an der Universität Ulm, gibt einen umfangreichen Einblick rund um das Thema Lernen. Lernen wird von den meisten als etwas Unangenehmes empfunden. Fakten lernen für eine Klausur oder mündliche Prüfung sowie das Zuhören und Mitschreiben in Seminaren und Vorlesungen werden häufig als notwendige Übel und Verringerung unserer Freizeit gesehen.<span id="more-7379"></span></p>
<p>Manfred Spitzer erklärt in seinem Buch »Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens«, dass die Einteilung in die unliebsame Zeit zum Lernen und die freie Zeit hinfällig ist. Das menschliche Gehirn sei geradezu zum Lernen gemacht und verarbeite zu jeder Zeit alle äußeren Einflüsse, kurz: Unser Hirn lernt immer. Unter den Begriff Lernen fasst Spitzer nicht nur das bewusste Auswendiglernen von Sachverhalten, sondern auch die Verwertung von Erfahrungen aus alltäglichen Situationen wie dem Besuch eines Einkaufszentrums oder des Fitnessstudios.</p>
<p>Als zentrales Objekt, um etwas über das Lernen zu lernen, sieht Spitzer den Hippocampus, was übersetzt Seepferdchen bedeutet. Mit Hilfe von Experimenten, zu denen es mehrere Abbildungen gibt, erklärt der Autor leicht verständlich, was der Hippocampus ist und wofür er gebraucht wird. Er ist verantwortlich für das Lernen und Verankern neuer Sachverhalte. Spitzer führt als Beispiel das Kennenlernen unbekannter Orte und das Zurechtfinden in diesen an.</p>
<p>Auf über 500 Seiten beschäftigt sich das Buch mit umfangreichen Fragen zum Thema Lernen. Wie hängen Schlaf und Lernen miteinander zusammen? Welche Rolle spielen Emotionen beim Lernen? Was genau hat es mit der PISA-Studie auf sich? In seinen Ausführungen greift der Autor immer wieder auf vorangegangene Beispiele zurück, um anhand ihrer weitere Sachverhalte zu erläutern. So entsteht ein roter Faden im Buch, der das Lesen und Verstehen sehr einfach und dennoch interessant gestaltet. Spitzer beschäftigt sich außerdem mit der abnehmenden Lerngeschwindigkeit im Alter. Er erklärt diese als Anpassungsprozess des Gehirns.</p>
<p>Immer dann, wenn gelernt wird, nimmt die Stärke der Verbindung zwischen Neuronen zu. Neurobiologisch betrachtet bedeutet das, dass sich die Stärke der synaptischen Übertragung dabei verändert. Die Veränderung erfolgt dabei stets nur ein kleines Stück weit und sehr langsam, da nur so sichergestellt werden kann, dass Altes beim Erlernen neuer Sachverhalte nicht gleich wieder vergessen wird. Im Widerspruch dazu muss das Lernen aber auch schnell erfolgen, damit sich der Organismus schnellstmöglich an seine Umwelt anpassen kann, das heißt, lebensnotwendige Dinge erlernt, wie die Reaktion auf lebensgefährliche Situationen. Spitzer verdeutlicht, dass sich unser Gehirn an diese Situation anpasst: Je besser wir unsere Umwelt und die Vorgänge in ihr kennen, umso langsamer lernen wir. Da wir im Kindesalter unsere Umwelt noch nicht so gut kennen und kaum Erfahrungen in ihr gemacht haben, lernen wir sehr rasch. Wird unser Erfahrungswert größer, lernen wir gemäß dem Anpassungsprozess langsamer.</p>
<p>Manfred Spitzer gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse über das Lernen in einer sehr lesenswerten Art und Weise aufzubereiten. Dabei hält das Buch trotz der Einfachheit der Sprache ein wissenschaftliches Niveau und verzichtet außerdem auf Pseudo-Geheimrezepte zum Lernen. Es werden lediglich die Vorgänge deutlicher gemacht, die während der Lernprozesse ablaufen.<br />
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		<title>Erinnerungskulturen</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 11:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maria Weickardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jeder Mensch, jede Gruppe und jede Kultur hat es: ein Gedächtnis. Man unterscheidet es in drei Dimensionen. Diese wandeln sich stetig vor allem auch durch die Einführung immer neuerer Medien und Techniken.
Medien, wie etwa das Internet und das Buch, haben nicht nur die Informationsverbreitung beschleunigt, sondern ebenso den Gebrauch des Gedächtnisses verändert. Wissen muss nun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jeder Mensch, jede Gruppe und jede Kultur hat es: ein Gedächtnis. Man unterscheidet es in drei Dimensionen. Diese wandeln sich stetig vor allem auch durch die Einführung immer neuerer Medien und Techniken.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_kulturellesged.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7345" title="40_web_kulturellesged" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_kulturellesged-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><span id="more-7381"></span></p>
<p>Medien, wie etwa das Internet und das Buch, haben nicht nur die Informationsverbreitung beschleunigt, sondern ebenso den Gebrauch des Gedächtnisses verändert. Wissen muss nun nicht mehr nur mündlich weitergegeben werden, sondern kann in schriftlicher wie digitaler Form über den Kulturkreis hinaus verbreitet werden. So entwickelten sich aus einst oralen Stämmen Schriftkulturen mit einem starken Hang zur Aufzeichnung wichtiger Informationen. Mythen, Sagen und Gesänge sind folglich nicht mehr nur an die Anwesenheit eines Schamanen oder einer anderen ranghohen Person gebunden, so dass auch anderen Mitgliedern der Gemeinschaft ein Zugang dazu möglich ist. Damit aber nicht genug. Es können gerade auch in einer globalisierten Welt Personen anderer Kulturen auf dieses Wissen zugreifen. So wandelt sich das kulturelle Gedächtnis zu einem internationalisierten – zu finden in Bibliotheken, Archiven und Museen. Man kann es sich in Form einer Statue oder eines als Original angepriesenen Schriftstückes in das heimische Wohnzimmer holen. Dadurch wird die Identität einer Gruppe in ein ganz neues Umfeld gebracht, was Auswirkungen auf ihre persönliche Wahrnehmung hat. So können beispielsweise bestimmte rituelle Objekte von ihrem Ursprung zeitlich entkoppelt werden. Der eigentliche mythische Wert, der sich mit dem Akt der Entstehung herausbildet, wandelt sich. Das Objekt kann von einem Kult- zu einem reinen Gebrauchsgegenstand werden. In diesem Zusammenhang spricht man deshalb von Wandlungsprozessen des kulturellen Gedächtnisses. Diese sind bedingt durch mediale Neuerungen, aber auch durch die Anpassung des kollektiven Erinnerns an neue Gegebenheiten.</p>
<h3>Dimensionen des Gedächtnisses</h3>
<p>Es gibt verschiedene theoretische Ansätze, die gesellschaftlichen Formen des Erinnerns zu klassifizieren. Die wohl bekannteste Theorie stammt von den Soziologen Aleida und Jan Assmann, die das Gedächtnis in drei Dimensionen gliedern: die soziale oder kommunikative, die individuelle und die kulturelle Dimension. Alle drei interagieren miteinander, stellen aber auch Gegensätze dar. Als Grundlage jeder Kommunikation und jedweder Erinnerung steht das individuelle Gedächtnis. Mit dem Tod der jeweiligen Person geht dieses verloren. Stellt man sich vor, dass einst die Großeltern über die Vergangenheit im Dritten Reich gesprochen haben, so ist es eine sehr eigene und persönliche Darlegung der Ereignisse. Nur bestimmte Tatsachen werden erinnert und leben mit der Person weiter. Selbst eine Weitergabe des Wissens führt nicht dazu, dass das individuelle Gedächtnis in einer anderen Person weiterlebt. Ursächlich dafür ist, dass sich die entsprechenden Umstände des Wissenserwerbs geändert haben, so beispielsweise die politische Ordnung. Jedoch kann das individuelle Gedächtnis durch Informationen anderer erweitert werden, so dass sich die Erinnerungen mehrerer Personen überschneiden und zum kollektiven Erinnern werden. Dieses Phänomen findet sich bevorzugt in kleineren Gemeinschaften und Stämmen, wie etwa bei den Massai. Als Beispiel hierfür wäre die Eunoto-Feier zu nennen. Diese bildet den Abschluss des »Mann-Werdens«. Nach der Beschneidung des Jungen wird dieser bei den Massai mehrere Jahre getrennt von den Eltern mit einer Gruppe Gleichaltriger fortgeschickt, um sich als Krieger zu beweisen. Alle Personen der Gruppen machen gemeinsame Erfahrungen durch, die mit ähnlichen Erinnerungen verbunden sind. Wenn diese dann an die anderen Stammesmitglieder, aber auch untereinander kommuniziert werden, bildet sich ein kollektives Gedächtnis heraus. Dieses wird von Assmann und Assmann bevorzugt als soziales Gedächtnis bezeichnet. Ein Trugschluss wäre es, dieses nur bei »wilden« Gruppen zu suchen. So kann auch eine Gesellschaft oder eine Generation das gleiche Erinnerungsprofil aufweisen. Je nach Definition umfasst das soziale Gedächtnis dreißig Jahre bis drei Generationen. Aus dem Grund wird oft von einem Kurzzeitgedächtnis der Gesellschaft gesprochen. Doch ist diese Bezeichnung in sich falsch, da das soziale Gedächtnis sowohl lang- als auch kurzzeitliche Aspekte beinhaltet. Ersteres kann über mehrere Generationen von ausgewählten Personen tradiert und im Einklang mit neuen Erkenntnissen umgeformt werden. Demnach spielt die Manipulation gerade bei der mündlichen Überlieferung eine entscheidende Rolle. Der kurzzeitliche Aspekt bezieht sich auf die persönliche Vita beziehungsweise den Erfahrungshorizont einer Generation. Geht das Erinnern aber weit über ein Menschenleben hinaus, so spricht man von dem kulturellen Gedächtnis. Es existiert nicht nur in einer Person oder einer Gruppe, es ist vielmehr Bestandteil von Medien. Man findet es archiviert, in Form von Büchern, Dateien, Hörspielen und Filmen, als eine Art Langzeitspeicher einer Kultur. Sie stellen oft mythische Ereignisse einer fernen Vergangenheit dar. Als Beispiel kann man die Kultur der Aborigines anführen, die sich jährlich an ihren Gründungsursprung erinnern. Diesen bezeichnen sie auch als Traumzeit (Dreaming). Durch das ständige Wiederholen dieses Mythos in der gegenwärtigen Zeit entsteht eine Zweizeitigkeit, die gerade in oralen Kulturen prägend und bei der Identitätsbildung einer Kultur hilfreich ist. Ebenso können eine Flagge, eine gemeinsame Sprache und ein Nationalfeiertag als Symbole des kulturellen Gedächtnisses aufgefasst werden. Es verbindet eine Nation miteinander und gibt ihr einen einzigartigen Charakter, der zumeist durch Schriftstücke mehrere Jahrhunderte besteht. Doch ist dieser auch Wandlungsprozessen unterworfen. Besonders durch die Medien werden immer neue Stufen des Erinnerns geschaffen.</p>
<h3>Evolution durch Medien</h3>
<p>Bereits durch die Einführung der Schrift veränderte sich das Gedächtnis einer Gruppe. Die Weitergabe von Informationen war nicht mehr auf die Anwesenheit aller Mitglieder beschränkt. Man musste nicht mehr mit der Zeit leben, sondern konnte sich diese selbst frei gestalten. Anfänglich war dieses aber nur ein exklusives Recht weniger, die in der Lage waren, die Codes zu lesen. Mittlerweile scheint jedem Alphabeten der Zugang zu allen Kulturen und somit zu ihrem kulturellen Gedächtnis möglich. In Archiven und Bibliotheken finden sich die Erinnerungen verschiedenster Personen; aber auch Dokumentationen leisten einen großen Beitrag zur Erinnerungskultur. Neben all diesen medialen Neuerungen stellt das Internet aber eine »Sonderform« dar, da seine Fähigkeiten unbegrenzt scheinen. Gerade Suchmaschinen wie Google bestätigen diesen Eindruck. Jan Assmann bezeichnete sie aus diesem Grund als Archetypen des Gedächtnisses. Sie vergessen nie. Doch ist das das Problem oder auch der große Unterschied zwischen dem Individuum Mensch und der Maschine. Der Mensch muss vergessen, um sich neu zu erinnern. Die Maschine braucht nicht zu vergessen, sie merkt sich einfach immer mehr.<br />
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		<title>Anterograde Amnesie – ein Leben ohne Zukunft</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 11:33:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronja Schlemme</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
		<category><![CDATA[Nr 40]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
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		<description><![CDATA[»Lebe den Moment« ist eine beliebte Weisheit. Doch was, wenn das Gedächtnis ausfällt und es nichts anderes mehr gibt als das Hier und Jetzt?
Herr Becker blickt auf das Schachbrett vor ihm. »Eine gute Partie für weiß«, denkt er und steht auf, um dem Spielenden Platz zu machen. Sein Gegenüber schaut ihn verwundert an. »Du bist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>»Lebe den Moment« ist eine beliebte Weisheit. Doch was, wenn das Gedächtnis ausfällt und es nichts anderes mehr gibt als das Hier und Jetzt?<span id="more-7385"></span></p>
<p>Herr Becker blickt auf das Schachbrett vor ihm. »Eine gute Partie für weiß«, denkt er und steht auf, um dem Spielenden Platz zu machen. Sein Gegenüber schaut ihn verwundert an. »Du bist dran«, sagt er. Herr Becker setzt sich wieder, obwohl er sich nicht mehr erinnern kann, ein Schachspiel angefangen zu haben. Nach zwei Zügen schaut er aus dem Fenster. Es hat angefangen zu regnen. Dann fällt sein Blick auf das Schachbrett vor ihm. »Eine gute Partie für weiß«, denkt er …</p>
<h3>Der einsame Seemann</h3>
<p>Herr Becker ist frei erfunden, aber es gibt Menschen, die mit den Folgen einer anterograden Amnesie zu kämpfen haben. Oliver Sacks, Professor für Neurologie und Psychiatrie und Bestsellerautor, schreibt in seinem Buch »Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte« über seinen Patienten Jimmie G., der sowohl unter retrograder als auch unter anterograder Amnesie leidet. Beide Amnesien waren die Folge eines schweren Korsakow-Syndroms, das wahrscheinlich durch extremen Alkoholmissbrauch ausgelöst wurde. Eine retrograde Amnesie löscht Erinnerungen an die Vergangenheit aus. Dabei kann sie ganz unterschiedliche Zeiträume umfassen: Sacks&#171; 49-jähriger Patient, ein ehemaliger Seemann, hing so in seiner Vergangenheit fest, dass er sich an die letzten 30 Jahre nicht erinnern konnte. Jimmie G. war fest davon überzeugt, immer noch 19 Jahre »jung« zu sein. Einem Impuls folgend hielt Sacks ihm beim ersten Patientengespräch einen Spiegel vor das Gesicht und fragte ihn, was oder wen er im Spiegel erkenne. Sein Patient erschrak bei dem Anblick seines Spiegelbilds zutiefst und war komplett aufgelöst. Sacks bereut diese Tat immer noch, auch wenn sie folgenlos blieb: Nachdem Sacks ihn beruhigt hatte und im Hof spielende Kinder betrachten ließ, hatte Jimmie G. sein Spiegelbild schon wieder vergessen. Als Oliver Sacks wenige Momente später noch einmal zur Tür hereinkam, begrüßte er den Arzt, als hätte er ihn zuvor noch nie gesehen.</p>
<div id="attachment_7335" class="wp-caption aligncenter" style="width: 397px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_amnesie.jpg"><img class="size-full wp-image-7335 " title="40_web_amnesie" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_amnesie.jpg" alt="" width="387" height="501" /></a><p class="wp-caption-text">© Falko Gerlinghoff</p></div>
<p style="text-align: center;">Im Gegensatz zu einer retrograden Amnesie tritt eine anterograde Amnesie sehr selten auf. Betroffene können keine neuen Gedächtnisinhalte speichern. Sie erleben meist nur ein bis zwei Minuten der Gegenwart, die dann sofort wieder vergessen werden. »Eine solche Amnesie kann auf vielfältige Weise ausgelöst werden. Durch Schädel-Hirn-Traumata, Schlaganfälle, Mangelernährung, Läsionen des basalen Vorderhirns und Hirnhautentzündungen, « erklärt Prof. Dr. Bernd Leplow, Abteilungsleiter der klinischen Psychologie an der MLU. Die Amnesie werde durch einen Sauerstoffmangel oder mechanische Schäden der Neuronen verursacht. Besonders häufig tritt eine anterograde Amnesie in Zusammenhang mit dem Korsakow-Syndrom auf.</p>
<h3>Keine Chance auf Heilung</h3>
<p>Da es verschiedene Ausprägungen der Amnesie gibt, wird eine Fülle von computergestützten Tests durchgeführt, um genau zu bestimmen, welche Teile des Gedächtnis geschädigt sind. So kann beispielsweise das Musikgedächtnis noch intakt sein oder das Faktenwissen, also das deklarative Gedächtnis, noch funktionieren, auch wenn das autobiographische Gedächtnis verletzt wurde.</p>
<p>Aufgrund der Testergebnisse werden Verfahren angesetzt, um mit den verbliebenen Fähigkeiten des Patienten zu arbeiten. Auf diese Weise lassen sich retrograde Amnesien teilweise aufarbeiten. Zwar kann die Erinnerung nicht immer zurückgebracht werden, aber Patienten können lernen, mit ihrer fehlenden Vergangenheit umzugehen. Sie können durch Erzählungen oder Bilder eine gewisse Vertrautheit zu ihrer eigenen Vergangenheit aufbauen und so besser mit dem Verlust leben. »Eine anterograde Amnesie ist verheerend. Man lebt nur noch im Hier und Jetzt. Das ist furchtbar. Ich habe schon Opfer des Syndroms erlebt. Wenn man ohne Gedächtnis lebt, dann wird man zum Betreuungsfall«, berichtet Leplow. Die Möglichkeiten zur Therapie sind sehr begrenzt. Betroffene sind auf eine umfassende Betreuung angewiesen. »Es gibt Gedächtnisausfälle, die Erinnerungen nur zeitweise löschen. Diese amnestischen Symptome lassen sich meist durch gezielt eingesetzte Verfahren wie kompensatorische Übungen und Gedächtnistraining therapieren.« Die Folgen eines amnestischen Syndroms dagegen seien irreversibel.</p>
<h3>Nicht alles verloren</h3>
<p>Henry Molaison wurde 1953 zu einer medizinischen Berühmtheit. Um seine schwerwiegende Epilepsie zu heilen, wurden ihm Teile der Temporallappen auf beiden Seiten des Gehirns entfernt. Dabei verlor er zwei Drittel seines Hippocampus und die Fähigkeit, neue Bewusstseinsinhalte zu speichern. Sein Langzeitgedächtnis war unheilbar zerstört, und trotzdem konnte er noch motorische Fähigkeiten (zum Beispiel Golf spielen) erlernen, ohne sich daran zu erinnern. Er litt unter einer bitemporalen Amnesie, aber sein prozedurales Gedächtnis war noch vollkommen intakt. Man kann also mit Teilen des Gedächtnisses arbeiten, die nicht zerstört wurden. Die Patienten können dadurch einen gewissen Teil des Alltagslebens zurückbekommen. Für die Therapie werden Alltagsabläufe in immer gleicher Weise durchgeführt. So entwickeln sich Verhaltensketten, die dann automatisiert ausgeübt werden können. Diese Methode nennt sich Chaining oder Backwardchaining. Dabei wird ein Ablauf in seine Einzelteile zerlegt. Zum Beispiel wird nicht der Vorgang »Tisch decken« betrachtet, sondern den Teller hinzustellen, Messer und Gabel zu holen etc. Dabei kann man entweder vom ersten zum letzten Schritt gehen oder andersherum. Letzteres ist meist effektiver und wird deswegen häufiger angewendet. »Glücklicherweise ist die anterograde Amnesie ein sehr seltenes Syndrom, denn es gibt nicht viele Möglichkeiten, Betroffenen zu helfen.«<br />
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		<title>Vom Leerstand zum Wohlstand</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 07:58:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Deparade</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was aus den Plänen wurde, Glaucha zu neuem Leben zu erwecken. Der Stadtteil Glaucha im südlichen Innenstadtbereich Halles steht traditionsgemäß in keinem guten Licht. Die Not der Kinder von Glaucha veranlasste einst den Pfarrer August Hermann Francke zur Gründung der Franckeschen Stiftungen. Abfällig wurden die in diesem Teil der Stadt lebenden Arbeiter und Tagelöhner als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Was aus den Plänen wurde, Glaucha zu neuem Leben zu erwecken.</strong> <br /><p>Der Stadtteil Glaucha im südlichen Innenstadtbereich Halles steht traditionsgemäß in keinem guten Licht. Die Not der Kinder von Glaucha veranlasste einst den Pfarrer August Hermann Francke zur Gründung der Franckeschen Stiftungen.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_glaucha.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7342" title="40_web_glaucha" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_glaucha-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><span id="more-7390"></span> Abfällig wurden die in diesem Teil der Stadt lebenden Arbeiter und Tagelöhner als »Glauch&#171;scher Adel« bezeichnet. Die Reste der früheren Arbeitersiedlung erstrecken sich südlich der Hochstraße von den Franckeschen Stiftungen bis zur Saale. Dort leben etwa 4000 Menschen. Prägend ist der Kontrast aus Gründerzeithäusern, Wohnhochhäusern, Plattenbauten und Brachen. »Innerhalb des Innenstadtbereiches waren die sozialen und städtebaulichen Verfallserscheinungen in Glaucha am größten«, erklärt Dr. Steffen Fliegner, Mitarbeiter im Stadtplanungsamt Halle. Dementsprechend sehen die Sozialindikatoren aus: Bei sehr hohem Leerstand von 30 Prozent und Sanierungsbedarf zogen fast ausschließlich Menschen aus sozial schwachen Haushalten nach Glaucha. »Nach 1989 verließ die Mittelschicht diesen Stadtteil fast vollständig. Die Arbeitslosenquote, später die Anzahl der Hartz-IV-Empfänger war die höchste in der Innenstadt«, fährt Fliegner fort.</p>
<h3>Das IBA-2010-Projekt: Sozialraum Glaucha</h3>
<p>Seit 1989 haben sich die ostdeutschen Städte erheblich verändert. Wohnungen mit akzeptablen Standards in den Innenstädten waren knapp – zu lang hat man auf notwendige Modernisierungen verzichtet, zu wenig in Erhaltung der Gebäude und Infrastruktur investiert. Die Menschen zog es in die Randgebiete, wo sie mithilfe staatlicher Subventionen Einfamilienhäuser bauten. Hinzu kamen der Geburtenrückgang und die Abwanderung junger Menschen ins westdeutsche Bundesgebiet. Deindustrialisierung, Suburbanisierung und demographischer Wandel waren die Ursachen für den Leerstand in den Städten. Mit diesem Problem beschäftigte sich die Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010, kurz IBA 2010. Die Internationale Bauausstellung ist ein in Deutschland eingesetztes Instrument der Stadtplanung, um mit neuen Ideen und Projekten einen städtebaulichen Wandel in einer Region zu initiieren. Die IBA Stadtumbau 2010 lief von 2000 bis 2010. Sieben Stadtentwicklungsprojekte in Halle gehörten dazu. Darunter »Sozialraum Glaucha«. Ziel war es, die durch den Leerstand geschwächten Innenstadtquartiere zu stabilisieren und eine »Aufbruchstimmung« zu verbreiten. Hier kommt der Verein Postkult ins Spiel, der mit seinen kulturellen Angeboten darauf einen nicht unerheblichen Einfluss hat.</p>
<h3>Aufbruchstimmung</h3>
<p>Der IKEAS-Student Martin ist eines der letzten in Halle verbliebenen zwölf Gründungsmitglieder. »Die Arbeit war zunächst nicht stadtteilbezogen. Die Idee war, den Leerstand, der sicherlich jedem in Halle bekannt ist, kreativ zu nutzen. Das heißt, nicht nur architektonisch, sonder auch ideell.« So wurden leere Räume zu Begegnungsstätten, wie das alte Postamt im Giebichensteinviertel, wovon sich der Name Postkult e. V. ableitet. Erst 2009 hat der Verein Glaucha als seine Spielstätte entdeckt. So findet beispielsweise nun auch am Saaleufer alljährlich die hallische Version des internationalen Festivals »Fête de la Musique« statt. In der Zwingerstraße 10 gibt es einen »Umsonstladen«. Im »Stadtgarten« kann jeder, der will, sein Beet abstecken und bewirtschaften, sei es nun mit Grünkohl oder mit Dahlien. Seit August 2011 ist der »Stadthof Glaucha« im Besitz des Vereins. Er soll zu dessen neuer Heimat und Ausgangspunkt weiterer Projekte werden. Auch im letzten Jahr stellte der »Glauchaer Weihnachtsmarkt« eine Alternative zu Glühwein- und Fressbuden-Ständen am Marktplatz dar. »Gerade Postkult hat das Image von Glaucha sehr stark vorangetrieben«, meint Fliegner, »schon bevor die ganzen Baustellen kamen, hatten die jungen Leute kreative Ideen, so dass auf einmal der Stadtteil wieder positiv in der Presse erwähnt wurde. Dies war Jahrzehnte nicht der Fall.«</p>
<h3>Der Glaucha-Effekt</h3>
<p>Insgesamt sei, so Fliegner, der Stadtteil auf einem guten Weg, sich zu stabilisieren. Darin sind sich alle am IBA-Projekt Beteiligten einig: »Eine Trendwende ist eingeleitet«. Sogar außerhalb der Stadtgrenzen interessiere man sich für den sogenannten »Glaucha-Effekt«. Man könne damit rechnen, dass ein größerer Einwohnerzuzug stattfinden, die Sozialindikatoren sich verbessern und das städtebauliche Bild sehr viel ansehnlicher werden.</p>
<p>Durch die erhöhte mediale Aufmerksamkeit bleibt nun aber wenig Fläche übrig, so dass die Freiräume zum Gestalten enger werden. Andererseits: Was wäre sonst aus den alten Häusern geworden? Es war beabsichtigt, das Potenzial Glauchas mehr Menschen zu eröffnen. Nicht nur jungen Studenten, sondern auch Familien, Rentnern, Berufstätigen usw. »Dass unsere Projekte allerdings eine solche Wirkung haben, damit hätten wir nie gerechnet«, erklärt Martin, »es war unsererseits nie Ziel, Glaucha zu etwas zu machen, das es nicht ist, sondern lediglich seine versteckten Schätze aufzudecken.« Steigende Attraktivität für die Mittelschicht führt aber auch zu steigenden Mietpreisen, die Glaucha für das studentische Portemonnaie und die junge »Bohème« wiederum unattraktiv machen. Martin würde allerdings nicht so weit gehen zu behaupten, dass aus Glaucha ein zweites Paulusviertel werde. Auch könne man nicht von Gentrifizierung sprechen, »da in diesem Fall keine Verdrängung von Gruppen mit niedrigem Sozialstatus vorliegt. Die Gebäude standen schließlich leer.« Wenn man heute durch diesen Teil von Halle läuft, kann man sich jedoch kaum mehr vorstellen, dass dieser einmal eine einfache Arbeitersiedlung war.<br />
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		<title>Literaturrecherche auf dem Laufband</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 17:34:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sportplatz oder Schreibtisch – dazwischen gab es früher eigentlich nichts. Dies hat sich mittlerweile geändert.
Wer ab und an ins Uni-Fitnessstudio geht, wird – vor allem jetzt, kurz vor und in der Prüfungsphase – auf den Crosstrainern und Laufbändern häufig Kommilitonen mit Lernunterlagen antreffen. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Lernumfeld. So können manche besonders gut beim [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_sportundlernen.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7347" title="40_web_sportundlernen" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_sportundlernen-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Sportplatz oder Schreibtisch – dazwischen gab es früher eigentlich nichts. Dies hat sich mittlerweile geändert.<span id="more-7377"></span></p>
<p>Wer ab und an ins Uni-Fitnessstudio geht, wird – vor allem jetzt, kurz vor und in der Prüfungsphase – auf den Crosstrainern und Laufbändern häufig Kommilitonen mit Lernunterlagen antreffen. Jeder Mensch hat sein bevorzugtes Lernumfeld. So können manche besonders gut beim Sport lernen, andere direkt danach, wieder andere haben in den Lern- und Prüfungsphasen überhaupt keine Zeit für Sport. Aber gibt es eine Verbindung zwischen Sport und Lernen?</p>
<p>In jedem Fall keine pauschal gültige. Welche Auswirkungen Sport auf das Lernvermögen hat, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. Eine weit verbreitete Theorie geht davon aus, dass Sport die Sauerstoffversorgung und damit Stoffwechselvorgänge im Gehirn sowie im gesamten Körper verbessert und das Gehirn so leistungsfähiger macht. »Auch das ist bislang nur Spekulation«, so Prof. Dr. Oliver Stoll, Leiter des Arbeitsbereichs Sportpsychologie, Sportpädagogik und Sportsoziologie an der MLU. Belegt sei bislang nur, dass Sport, insbesondere Ausdauersport, das Selbstwertgefühl stärke und die Einstellung zum eigenen Körper verbessere. Diesen Effekt kann man sich besonders beim Aneignen koordinativer Fähigkeiten zunutze machen. Wer durch Sport mehr Vertrauen in seinen Körper hat, transportiert dieses Vertrauen auch in andere Situationen. Zu diesen zählt auch die Vorbereitung auf Prüfungen, in denen theoretische Sachverhalte abgefragt werden. Mit einer positiven Grundeinstellung lernt es sich also besser und effektiver.</p>
<p>Verschiedene Sportarten trainieren unterschiedliche Gehirnareale. »Mannschaftssportarten mit ihren spezifischen Taktiken beispielsweise schulen Problemlösefähigkeiten«, erläutert Stoll. Das Verstehen dieser Taktiken erfordert ebenso wie das Verstehen wissenschaftlicher Theorien »analytisches Denken. Der Transfereffekt ist zwar fraglich, aber plausibel.«</p>
<p>Einen Sportler in der Wettkampfvorbereitung treibt sein Ziel an, eine bestimmte Platzierung zu erreichen. Einen Prüfling treibt das Ziel an, eine bestimmte Note zu bekommen. »Motivation ist in jedem Fall ein ganz wichtiger Punkt«, so Stoll. Vor allem im Jugendalter seien Leistungssport und schulisches Lernen ohne Frage eine Doppelbelastung, aber viele der Jugendlichen fänden dann irgendwann ein Thema oder Fachgebiet außerhalb des Sports, das sie besonders interessiert. In diesem zeigten sie dann auch besonders gute Leistungen. Als Beispiel hob Stoll die erfolgreiche Wasserspringerin Katja Dieckow hervor, die im vergangenen Jahr ihr Studium an der MLU als Diplom-Biologin abschloss. Zudem holte sie 2011 eine Bronzemedaille bei den Europameisterschaften. Im Januar belegte sie bei den Deutschen Wintermeisterschaften den ersten Platz vom Einmeterbrett. Bei solchen Erfolgsgeschichten spielt neben dem durch Sport geförderten Durchhaltevermögen auch Motivation eine entscheidende Rolle: Wer im Sport die Erfahrung gemacht hat, dass sich Training lohnt, wird auch eher bereit sein, Zeit in das Lernen und Verstehen von Theorien und Co zu investieren.</p>
<p>Eine weitere wichtige Parallele zwischen dem Lernen theoretischer Sachverhalte und sportlichem Training sei der Übungseffekt, betont Stoll. Sowohl im sportartspezifischen Training als auch in der Vorbereitung auf mündliche oder schriftliche Prüfungen wird vor allem wiederholt: Ein Sportler übt und wiederholt bestimmte Bewegungsabläufe, bis er sie aus dem Effeff beherrscht; ebenso wiederholt ein Prüfling den zu lernenden Stoff, bis er ihn verinnerlicht hat.<br />
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		<title>Der virtuelle Kampf gegen die Angst</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 10:55:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Computersimulation als Therapie? An der MLU wollen Psychiater Angstpatienten mithilfe von »virtual reality« therapieren. hastuzeit-Autor Tom im virtuellen Angstlabor. (Foto: Maria Preußmann)
»Ich bin selbst sehr gespannt, wie die Patienten darauf reagieren«, sagt die Psychiaterin Julia Friedemann, als sie das virtuelle Angstlabor der Psychiatrischen Universitätsklinik vorstellt. Bald sollen hier die ersten Angstpatienten mithilfe von »virtual reality« [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Computersimulation als Therapie? An der MLU wollen Psychiater Angstpatienten mithilfe von »virtual reality« therapieren.</strong> <br /><div id="attachment_7336" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_angst.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7336" title="40_web_angst" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_angst-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">hastuzeit-Autor Tom im virtuellen Angstlabor. (Foto: Maria Preußmann)</p></div>
<p>»Ich bin selbst sehr gespannt, wie die Patienten darauf reagieren«, sagt die Psychiaterin Julia Friedemann, als sie das virtuelle Angstlabor der Psychiatrischen Universitätsklinik vorstellt. Bald sollen hier die ersten Angstpatienten mithilfe von »virtual reality« therapiert werden.<span id="more-7354"></span>Vorher muss aber noch ein TÜV-Zertifikat her. »Nicht nur wegen der elektrischen Geräte, die wir hier benutzen«, erklärt der Informatiker Frank Demel, der beim Projekt für die technische Umsetzung und Programmierung zuständig ist. Auch ein inhaltliches Gutachten muss ausgestellt werden. Schließlich könne man nicht einfach machen, was man denkt, und das dann am Patienten ausprobieren. Eine Standardlösung für die virtuelle Therapie gibt es bisher noch nicht. Deshalb musste das Team unter Leitung von Klinikdirektor Prof. Andreas Marneros, das neben der Psychiaterin und dem Informatiker noch aus zwei Hilfskräften besteht, alles von Anfang an selbst entwickeln. »Wir haben hier richtige Pionierarbeit geleistet.« Technikfreaks wären allerdings beim ersten Anblick des »virtuellen Angstlabors« wahrscheinlich ein wenig enttäuscht: Statt einer futuristischen Einrichtung erwartet den Besucher ein kleines Zimmer im Keller. Hinten in der linken Ecke steht ein PC mit großem Bildschirm. Auf dem Schreibtisch liegen Kopfhörer, Tastatur, Maus und – endlich – eine futuristisch aussehende Brille. Die Brille setzen sich die künftigen Patienten während der Therapie auf und schauen so in eine virtuelle Welt, in der sie mit ihren Ängsten konfrontiert werden sollen.</p>
<h3>Angst ist unser Freund</h3>
<p>»Angst ist an sich ein Gefühl, das angeboren ist«, erklärt Friedemann, »jeder Mensch hat Angst, jeder Mensch kennt Angst.« Und das ist auch gut so. Hätten sich Urmenschen nicht vor Raubtieren gefürchtet, wären sie mit Sicherheit ausgestorben, und wir würden heute wahrscheinlich gar nicht leben. Angst signalisiert uns Gefahr. Dabei schüttet unser Körper Adrenalin aus und bewirkt typische körperliche Veränderungen: Unser Herz schlägt schneller, unsere Muskeln sind angespannt, der Blutdruck steigt, und häufig fangen wir an zu schwitzen. Angst ist im Alltag aber kein ausschließlich negatives Gefühl, häufig spielen wir sogar mit der Angst: in Horrorfilmen, bei der Achterbahnfahrt oder im Extremsport. In all diesen Fällen sprechen Psychiater von »physiologischer Angst«, also von einem normalen Gefühl wie jedem anderen auch.</p>
<h3>Wenn Angst krank macht</h3>
<p>Allerdings kann Angst auch zur Krankheit werden, Therapeuten sprechen hier von pathologischer Angst. Die Angstsymptome treten dann auch in Situationen oder bei Gegenständen auf, die für uns keine unmittelbare Gefahr darstellen müssen: Bei Hunden oder Spinnen, in Kaufhäusern, Tunneln oder Straßenbahnen. Patienten mit der klinisch häufigen »Agoraphobie«, also der Angst vor beispielsweise Menschenmengen oder weiten Plätzen, beschreiben häufig Angst vor einem Kontrollverlust: Wenn sie in eine volle Straßenbahn einsteigen wollen, verspüren sie Panik, und es schießen ihnen Gedanken in den Kopf – sie könnten jetzt in diesem Moment einen Herzinfarkt erleiden oder umfallen, und keiner würde ihnen helfen. Die Angstsymptome werden von den Patienten oft nicht richtig erkannt: Sie glauben, sie hätten Herzprobleme, weil ihr Herz so schnell schlägt. So kann es vorkommen, dass eine Angsterkrankung über mehrere Monate bis Jahre unerkannt bleibt. Während dieser Zeit kommt es zu immer stärkeren Einschränkungen: Die Betroffenen vermeiden zunehmend alle Situationen, in denen sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Statt durch einen Tunnel zu gehen, würden sie lieber einen kilometerweiten Umweg auf sich nehmen. Häufig wird eine Angststörung von weiteren psychischen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Depression, begleitet.</p>
<h3>Im Kopf falsch verschaltet</h3>
<div id="attachment_7337" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_angst2.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7337 " title="40_web_angst2" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_angst2-150x150.jpg" alt="© epSos.de (via Creative Commons)" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Nervenkitzel statt Höhenangst: Manche Fotografen suchen in schwindelerregenden Höhen nach einzigartigen Motiven.</p></div>
<p>Pathologische Ängste entstehen, wenn unser Gehirn »falsch programmiert« ist: »Man nennt das dysfunktionale Kognition. Das heißt, es gibt da eine Verknüpfung, die eine Situation in irgendeiner Form als Gefahr bewertet.« Im Kopf von Patienten mit Höhenangst gibt es zum Beispiel die Verknüpfung »Höhe bedeutet Gefahr«, und deshalb wird eine Angstreaktion ausgelöst. Daraus resultiert dann häufig das Vermeidungsverhalten, zum Beispiel eben nicht mehr auf hohe Türme zu gehen. Dazu kommt häufig eine Erwartungsangst, also die Angst vor der Angst, wenn man sich in die vermeintlich gefährliche Situation begibt. Wie es zu diesen falschen Verknüpfungen kommt, ist nicht komplett geklärt – die eine Ursache für Angst gibt es nicht. Es existieren verschiedene lerntheoretische, psychodynamische, neurobiologische und neurochemische Ansätze: »Man geht von einem multifaktoriellen Modell aus.« Mögliche Einflüsse können in Lernerfahrungen oder in der Erziehung liegen: »Wie wurde mir beigebracht, mit Ängsten oder mit solchen Situationen umzugehen?« Aber auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. »Es ist oft so, dass psychische Erkrankungen gehäuft in der Familie auftreten.« Das Klischee-Bild, dass ein traumatisches Ereignis häufig der Auslöser einer speziellen Phobie ist, kann die Psychiaterin aus der eigenen klinischen Erfahrung nicht bestätigen.</p>
<h3>Angst auf allen Ebenen bekämpfen</h3>
<p>Psychische Symptome können auch Ausdruck einer organischen Erkrankung sein. Deshalb sei es, so Friedemann, sehr wichtig, dass an erster Stelle eine gründliche Patientenuntersuchung mit umfassender Organdiagnostik stehe: »Eine Schilddrüsenüberfunktion kann typischerweise auch mit verschiedenen Symptomen wie vermehrtem Schwitzen, Unruhe und erhöhtem Puls einhergehen.« – und als Angststörung fehlgedeutet werden. Wenn man die organische Störung behandelt, kann es passieren, dass »sich dadurch auch die Symptome bessern oder sogar völlig weggehen.« Wenn eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden kann, beginnt man mit einer Therapie. Die Behandlung von Phobien kann durch Medikamente, zum Beispiel Antidepressiva, unterstützt werden. »Der größere Komplex ist die Psychotherapie.« Am Anfang einer Therapie steht die »Psychoedukation«, das heißt die Aufklärung des Patienten über seine Krankheit. Zusätzlich werden dem Patienten Werkzeuge zur Entspannung gegeben, wie autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation, die er auch nach der Therapie weiterhin anwenden kann. Ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist die Reizkonfrontation. »Dabei gibt es zum einen die so genannte In-sensu-Konfrontation.« Der Therapeut leitet den Patienten dazu an, sich in seiner Vorstellung dem angstauslösenden Reiz auszusetzen. »Der zweite große Weg ist die In-vivo-Exposition, das heißt, dass der Patient real in der Umwelt übt und sich mit der angstauslösenden Situation auseinandersetzt.« Patienten mit Höhenangst gehen also zum Beispiel auf einen Turm.</p>
<h3>Therapie am Computer</h3>
<p>Die virtuelle Therapie soll einen Mittelweg der beiden anderen Verfahren darstellen. Anstelle der Vorstellung oder Realität tritt die virtuelle Welt. »Ein Vorteil ist die geringere Hemmschwelle für die Patienten.« So könne ein Angstpatient, der sich noch nicht traut, auf die Hausmanns-Türme auf dem Markt zu steigen, erst mal am Computer üben und sich langsam an die Realität herantasten. Dafür gibt es bereits ein fertiges virtuelles Szenario. Die Simulation beginnt vor dem Hochhaus, damit der Patient sich selbst dafür entscheiden muss, hinaufzugehen. Das Gebäude hat einen Fahrstuhl mit durchsichtigem Boden. Je höher man fährt, desto tiefer wird der Blick nach unten. Auf zwei Etagen kann der Patient dann aussteigen und sich der Höhe stellen. Die erste Etage ist ungefähr in der Mitte des Gebäudes. Die zweite Etage führt aufs Dach. Hier kann man nicht nur frei herumlaufen und tief nach unten schauen, sondern auch in einen Bereich gehen, der nicht durch ein Geländer beschränkt ist – herunterfallen kann man aber nicht. Auf dem Dach liegen aber einige Gegenstände, die man vom Haus herunterwerfen kann. Außerdem gibt es noch ein kleines Treppenelement, mit dem man noch höher gehen kann. Um die Wirkung noch zu verstärken, bekommt der Patient eine Datenbrille aufgesetzt, mit der das Bild direkt vor die Augen projiziert wird. Die Brille reagiert dann auf die Kopfbewegungen des Patienten, er kann sich also wirklich in der Welt »umschauen«. Durch realistische Töne soll der Eindruck zusätzlich verstärkt werden.</p>
<h3>Immersion statt Perfektion</h3>
<p>Der Erfolg der virtuellen Therapie, so Friedemann, hängt natürlich davon ab, wie gut sich der Patient in die Situation hineinversetzen kann. »Wenn sich der Patient die ganze Zeit nur vorstellt: Ich sitze hier an einen Computer, und das ist alles nicht real, und hier ist überhaupt keine Spinne – dann wird das nicht funktionieren.« Wenn der Patient sich auf die Situation einlässt, wird er auch in der virtuellen Welt Angstsymptome erleben. Dafür muss die Grafik nicht einmal perfekt sein. Es kommt viel mehr auf die spezifischen Reize an, die die Angst auslösen: »Wenn in einem spannenden Film mit aufregender Musik der Mörder um die Ecke kommt, zuckt jeder zusammen. Und der Mörder ist auch nicht real. Aber trotzdem passiert da was.« Außerdem ist es häufig schwierig oder teuer, immer nur real zu üben: Für Patienten mit Flugangst könnten mehrere In-vivo-Sitzungen ziemlich kostspielig werden. Ein weiterer Vorteil der virtuellen Therapie ist, dass man theoretisch so viele Szenarien entwickeln kann, wie man will. Und das Szenario ist besser kontrollierbar als das Üben in der Realität. Dadurch erhoffen sich die Therapeuten, dass mehr Patienten schneller und besser wieder ins normale Leben zurückkommen. Wichtig seien am Ende aber natürlich der Schritt in die Wirklichkeit und das weiterführende selbständige Üben auch nach Abschluss der Therapie.<br />
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		<title>Königsdisziplinen des Studierens</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 08:12:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronja Schlemme</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<strong>Vor jedem Semesterende ist es dasselbe Spiel: Es wird viel gelernt,
kurz geprüft und dann schnell wieder vergessen. Das Gedächtnis läuft
auf Hochtouren, aber wie funktioniert es eigentlich?</strong> <br /><div id="attachment_7402" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_erinnern.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7402" title="40_web_erinnern" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_erinnern-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Susanne Wohlfahrt</p></div>
<p>Beim Lernen unterscheidet man zwischen assoziativem und nicht-assoziativem Lernen. Unter das assoziative Lernen fallen instrumentelle und klassische Konditionierung.<span id="more-7373"></span>Das bekannteste Beispiel für die klassische Konditionierung ist Pavlovs Hund, der bei dem Klingeln einer Glocke schon anfing zu sabbern. Doch die klassische Konditionierung funktioniert nicht nur bei Tieren. In einem Experiment von Rachman und Hodgson von 1968 wurden sieben Männern Dias von nackten Frauen vorgeführt (unkonditionierter Reiz) und vor jedem der Nacktbilder wurde ihnen ein Bild von schwarzen Stiefeln gezeigt (zunächst neutraler Reiz). Die nackten Frauen riefen die unkonditionierte Reaktion einer Erektion hervor und nach einigen Durchgängen Schuhe–Nacktbild–Erektion wurden fünf der sieben Männer schon von dem Bild der Schuhe erregt. Die Assoziationen lassen sich auch wieder löschen: Indem der konditionierte Reiz immer wieder alleine auftritt, schwächt sich auch die konditionierte Reaktion ab, bis die Auftrittswahrscheinlichkeit für das konditionierte Verhalten gegen null geht. Das instrumentelle Konditionieren funktioniert ähnlich, nur wird hier die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Verhalten durch Belohnung oder Bestrafung verstärkt. Es gibt primäre und sekundäre Verstärker. Als primäre Verstärker wird das Stillen physiologischer Bedürfnisse bezeichnet, wie zum Beispiel Hunger und elementare Bedürfnisse nach Geborgenheit oder Zuneigung. Sekundäre Verstärker müssen erst erlernt werden. So kann Geld nur als Belohnung empfunden werden, wenn gelernt wurde, dass damit primäre Bedürfnisse gestillt werden können. Wir lernen aber nicht nur durch Konditionierung, sondern auch nicht-assoziativ durch implizites Lernen. Darunter versteht man die »unbeabsichtigte Bildung eines Gedächtnisinhaltes. Wenn zum Beispiel häufig das gleiche Lied im Radio gehört wird, passiert dabei ein automatischer Übergang ins Gedächtnis, und plötzlich können wir das Lied mitsingen, ohne den Text je gezielt auswendig gelernt zu haben,« erklärt An-dreas Melzer, Dozent für Allgemeine Psychologie an der MLU.</p>
<h3>Erinnern</h3>
<blockquote><p>Warum können wir uns an die kleinste Einzelheit eines Erlebnisses erinnern, aber nicht daran, wie oft wir es ein und derselben Person erzählt haben? (Prince de Marcillac)</p></blockquote>
<p>Obwohl Wissenschaftler von einem unendlichen Speicherplatz im Langzeitgedächtnis ausgehen, fällt es uns manchmal schwer, Erinnerungen abzurufen. »Man kann sich das so vorstellen: Die Information ist hinter einer verschlossenen Tür, und es fehlt uns nur der richtige Schlüssel, um sie hervorzuholen.« so Melzer. Diese Schlüssel werden auch Abruf-Cues genannt. Verschiedene Hinweise können Erinnerungen hervorrufen, so zum Beispiel Umgebungskontexte, Stimmungskontexte oder physiologische Kontexte. So heißt es, dass unter dem Einfluss von Alkohol gelernte Fakten oder Verhaltensweisen auch unter demselben Einfluss am besten abgerufen werden können. Das Lernen bei lauter Musik ist auch deswegen ein Problem, weil das Gelernte in der Prüfungssituation in einem sehr stillen Raum abgerufen werden muss. Dieser Umstand wird als Enkodierspezifität bezeichnet: Erinnerungen aus dem episodischen Gedächtnis können dann am besten abgerufen werden, wenn die Umstände des Abrufs denen des Erwerbs ähneln. Erinnerungen können beim Speichern durch die Umgebung gestört werden. Hier kommt wieder die laute Musik zum Tragen. Die Musik kann die Speicherung der neuen Lerninhalte stören, indem sie jene überschreibt oder blockiert.</p>
<p>Außerdem gibt es verzerrte oder »erfundene« Erinnerungen: Elizabeth Loftus, Professorin für Psychologie an der University of Washington in Seattle, führte dazu einige Experimente durch. Sie zeigte zum Beispiel Probanden Fotos, in denen sie sich als Kinder in einem Heißluftballon sahen. Die meisten Probanden konnten sich daraufhin an eine aufregende Ballonfahrt erinnern, obwohl sie in die Bilder lediglich hineinmontiert worden waren und in Wirklichkeit nie eine Ballonfahrt stattgefunden hatte. Wenn die Erinnerungen schwammig sind, erfindet das Gedächtnis Details. Dabei greift es auf Gewohnheiten und Schemata zurück, so dass die Erinnerung echt scheint. Erinnerungen lassen sich leicht manipulieren, schon die Wortwahl kann sie beeinflussen. In einem anderen Experiment von Loftus zeigte sie Probanden Videos von Autos und fragte anschließend, wie schnell die Autos gefahren seien. Dabei benutzte sie in der Frage verschiedene Formulierungen: Wie schnell waren die Autos, als sie zusammencrashten? Oder: Wie schnell waren die Autos, als sie sich berührten? Die Wortwahl wirkte sich stark auf die Einschätzung der Geschwindigkeit aus. Erinnerungen können also durch Suggestivfragen manipuliert werden. Das kann drastische Auswirkungen bei Zeugenbefragungen haben.</p>
<h3>Vergessen</h3>
<p>Vergessen wird unterteilt in zufälliges und motiviertes Vergessen. Zufälliges oder inzidentelles Vergessen passiert vermutlich dadurch, dass eine Erinnerung überschrieben wird. Diese Überschreibungen oder Interferenzen können sowohl retroaktiv als auch proaktiv sein. Ein Beispiel für proaktive Interferenz begegnet uns beim Vokabellernen. Je mehr Listen wir schon auswendig gelernt haben, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns an die neue Liste korrekt erinnern. Die retroaktive Interferenz funktioniert genau andersherum, hier überschreiben neue Lerninhalte alte Erinnerungen.</p>
<p>Doch nicht alle Menschen vergessen. Die Amerikanerin Jill Price schreibt in ihrem autobiografischen Buch The Woman Who Can&#187;t Forget darüber, wie es ist, wenn man nicht mehr vergisst. Sie kann sich seit ihrem elften Lebensjahr an jeden Tag detailliert erinnern. Das heißt, sie durchlebt in jedem Moment der Gegenwart ihre komplette Vergangenheit. Sie kann sich an jeden Streit, an jeden Fehler und jeden traurigen Moment erinnern. Ihre Erinnerungen sind klar und deutlich und vor allem allgegenwärtig. Für sie ist ihr überdurchschnittlich gutes Gedächtnis eine Last. Vergessen ist also nicht nur ein Fluch, sondern zu einem gewissen Grad wichtig. »Vergessen ist eine Arbeitserleichterung. Einerseits werden unschöne Dinge vergessen oder in ihrer Präsenz abgeschwächt, andererseits passiert so eine Vereinfachung. Es werden nur Kernpunkte gespeichert«, erklärt Melzer. Es werden Informationen gefiltert oder unangenehme Erinnerungen verdrängt. Motiviertes Vergessen dagegen bezeichnet die unbewusste Verdrängung traumatischer Erfahrungen. »Bewusst kann man nicht verdrängen, denn wenn ich mich dafür entscheide, an etwas nicht mehr zu denken, rufe ich es mir dabei automatisch in Erinnerung.« Wir können uns also nicht immer auf unser Gedächtnis verlassen. Manchmal lässt es sich manipulieren oder füllt Lücken mit falschen Erinnerungen. Aber meistens leistet es gute Arbeit, auf die wir nicht nur in der Prüfungszeit angewiesen sind.<br />
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		<title>So viel Zukunft, so wenig Zeit</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 17:09:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad Dieterich</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Für den Wissenschaftsrat gibt sich die Martin-Luther-Universität auf die Schnelle ein Profil. »Das Ganze eilt furchtbar. Wir bitten euch dringend um eure Ideen und Mithilfe«, schrieben die studentischen Senatoren und der Studierendenrat der MLU am 28. November in einer E-Mail an alle Studierenden. Etwas entspannter liest sich eine neue Mail acht Wochen später, in welcher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Für den Wissenschaftsrat gibt sich die Martin-Luther-Universität auf die Schnelle ein Profil.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40-web_kuerzung.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7394" title="40-web_kuerzung" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40-web_kuerzung-e1327424895869-150x127.jpg" alt="" width="150" height="127" /></a>»Das Ganze eilt furchtbar. Wir bitten euch dringend um eure Ideen und Mithilfe«, <a href="http://www.stura.uni-halle.de/blog/dringend-profildiskussion-aus-studentischer-sicht-am-28-11-19-00uhr-konferenzraum-stura/" target="_blank">schrieben die studentischen Senatoren und der Studierendenrat der MLU am 28. November</a> in einer E-Mail an alle Studierenden. Etwas entspannter liest sich eine neue Mail acht Wochen später, in welcher der Stura interessierte Studierende dazu einlädt, ihre Ideen zu den Themen Hochschullehre, Beschäftigungsverhältnisse und Campus-Infrastruktur beizutragen.<span id="more-7351"></span></p>
<p>Aber der Reihe nach: Ende 2010 hatten sich die Landesregierung und die Hochschulen Sachsen-Anhalts auf Zielvereinbarungen für die nachfolgenden drei Jahre geeinigt. Laut <a href="http://www.wzw-lsa.de/uploads/media/101221-Unterschr-RV-ZV.pdf" target="_blank">Rahmenvereinbarung</a> erarbeiten die Hochschulen in dieser Zeit Struktur- und Entwicklungspläne nach Vorgaben des Landes. Zur Vorbereitung solle »hochrangige externe Expertise, z. B. der Wissenschaftsrat, um die Erarbeitung einer Begutachtung gebeten werden [...]« Der <a href="http://www.wissenschaftsrat.de/" target="_blank">Wissenschaftsrat</a> ist ein deutschlandweites Beratungsgremium für Bund und Länder, das überwiegend aus Professoren und Bildungspolitikern besteht. Auch Wissenschaftsministerin Wolff und ihr Staatssekretär Tullner sind Mitglied in der <a href="http://www.wissenschaftsrat.de/ueber-uns/mitglieder/#c49" target="_blank">Verwaltungskommission</a> des Rats.</p>
<p>So konnte es grundsätzlich nicht überraschen, dass sich der Wissenschaftsrat bei der Martin-Luther-Universität für einen Besuch ankündigte. Für Unruhe sorgte jedoch der umfangreiche, immerhin 55 Punkte umfassende Fragenkatalog, den die Universität im Oktober des vergangenen Jahres erhielt und deren Antworten sie bis 13. Januar einreichen sollte; die Frist wurde dann noch einmal um zwölf Tage verlängert.</p>
<h3>Diskussion nicht beendet</h3>
<p>Der knappe Zeitrahmen stieß auf Kritik, unter anderem bei den studentischen Senatoren, dem <a href="http://www.stura.uni-halle.de/blog/stellungnahme-zur-profildiskussion-der-mlu/" target="_blank">Studierendenrat</a> und dem <a href="http://wcms.uzi.uni-halle.de/download.php?down=22593&#038;elem=2537321" target="_blank">Personalrat</a> der Universität. Besonders ärgerte es sie, dass das Rektorat seine Antworten weitgehend intern, teilweise noch mit den Dekanen der Fakultäten ausgearbeitet und erst am 21. Dezember bei einer Sondersitzung des Senats zur Diskussion gestellt hatte. Die Vertretungen der Studierenden und Beschäftigten fühlten sich ausgeschlossen von der Mitarbeit an einem Dokument, in dem die Universität nicht nur ihren gegenwärtigen Stand beschreibt, sondern auch bereits ihre Vorstellungen zur zukünftigen Struktur und Entwicklung erläutert.</p>
<p>Doch besonders die ersten Fragen des Wissenschaftsrates zum Leitbild und Profil der Hochschule hatten es in sich, denn ein Leitbild hatte sich die Universität bisher nicht gegeben, und ihr Profil hielt sie für nicht besonders vorzeigbar: es bestand hauptsächlich aus dem Lehramtsstudium sowie den vier Forschungsschwerpunkten, zu denen sie sich 2004 unter dem Druck der damaligen finanziellen Kürzungen bekannt hatte und die vom Land unter dem Schlagwort »Exzellenzinitiative« bevorzugt gefördert werden.</p>
<p>Dieses Mal sollte die Profildiskussion grundsätzlich und unabhängig von möglichen Einsparungen geführt werden, erklärten <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1321007883080" target="_blank">Ministerin Wolff gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung</a> und <a href="http://www.magazin.uni-halle.de/13755/rektor-interview/" target="_blank">Rektor Sträter in der Onlineausgabe des hauseigenen Magazins »Scientia Halensis«</a>. Zugleich bemühten sich beide erst gar nicht, das Offensichtliche abzustreiten: dass demnächst wieder Kürzungen in unbestimmter Höhe zu erwarten sind – schließlich sind die demographische Entwicklung und die Finanzsituation des Landes zwei wesentliche Gründe, aus denen die Strukturdiskussion überhaupt geführt werden soll. Uni-Kanzler Hecht geht davon aus, dass bis zum Jahr 2014 von den 1855 Mitarbeiterstellen der MLU 100 abgebaut werden müssen. Ab 2015 erwartet das Rektorat, keine Fördermittel mehr aus dem <a href="http://www.bmbf.de/de/6142.php" target="_blank">Hochschulpakt 2020</a> zu erhalten, mit denen bisher zusätzliche Plätze für Studienanfänger finanziert werden.</p>
<p>Und so überschatten finanzielle Erwägungen, die offiziell (noch) nicht zur Debatte stehen, die Profildiskussion nun doch. Insbesondere Professoren und Mitarbeiter kleinerer Fächer oder solcher, die sich in den <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1326700673993" target="_blank">offiziell benannten Forschungsschwerpunkten</a> nicht wiederfinden, fürchten bereits um den Fortbestand ihrer Bereiche. <a href="http://www.magazin.uni-halle.de/13778/die-wegrichtung-steht-%E2%80%93-profildebatte-im-senat/" target="_blank">Rektor Sträter versuchte die Wogen zu glätten</a>, indem er betonte, dass zu einer Universität nicht nur Forschungsschwerpunkte gehörten. Und überhaupt: »Die Antworten an den Wissenschaftsrat sind das eine. Unsere Profildiskussion werden wir auch danach fortsetzen.«</p>
<h3>Tendenz fallend</h3>
<p>Dass Schlagwörter wie »Umstrukturierung«, »Entwicklung« und »Profilbildung« letztlich für Kürzungen und Stellenstreichungen stehen, damit hat die Martin-Luther-Universität seit der Wende reichlich Erfahrung gesammelt. Bertolt Marquardt vom <a href="http://www.personalrat.uni-halle.de/" target="_blank">Personalrat</a> der Uni rechnet vor, dass von 1989 bis heute 75 Prozent der Stellen weggefallen seien: Wenn man die Beschäftigten mitzähle, die damals an der TH Merseburg und der PH Halle-Köthen angestellt waren und deren Bereiche 1993 in die Martin-Luther-Universität integriert wurden, waren es seinerzeit 7001 Stellen (ohne den Bereich Medizin), die bis zum Jahr 2001 schrittweise auf 2455 Stellen reduziert werden sollten.</p>
<p>Nach der Neuordnung der Hochschullandschaft kam die nächste große Kürzung im Jahr 2000 auf die Universität zu, als die Landesregierung beschloss, die Zahl der landesweiten Studienplätze bis 2004 auf 80 Prozent zu kürzen. Laut demographischer Prognosen benötige das Land nämlich weniger Kapazitäten an den Hochschulen; statt bisher 14 100 Studienplätzen sollte die MLU mit nur noch 11 050 Studienplätzen planen, entsprechend sank auch die Anzahl der Beschäftigten weiter. Allein <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#038;atype=ksArtikel&#038;aid=1064316061966" target="_blank">die Zahl der Studierenden stieg</a> unbeirrt.</p>
<p>Ende 2003 kündigte das Kultusministerium unter dem Titel »Hochschulstruktur&shy;entwurf« weitere Kürzungen an: Die Hochschulen sollten bis 2006 durchschnittlich 10 Prozent ihres Haushalts einsparen, die Uni Halle sogar 12 Prozent. Daraufhin brachen die Neuimmatrikulationen an der MLU tatsächlich vorübergehend ein, aber nur, weil die Universität flächendeckende Zugangsbeschränkungen eingeführt hatte. Außerdem strukturierte sie 2006 die Fakultäten neu und schloss den Fachbereich Ingenieurwissenschaften.</p>
<p>Aktuell sind nur noch 1855 Mitarbeiterstellen an der Uni Halle vorgesehen, von denen laut Marquardt 100 nicht besetzt sind. Zugleich hat die Universität im Wintersemester 2011/12 erstmals <a href="http://www.halleforum.de/Halle-Nachrichten/Uni-Halle-mit-EinschreibeRekord/34354" target="_blank">die Schwelle von 20 000 Studierenden überschritten</a>. Ganz so dramatisch ist das Missverhältnis in der Praxis nicht: Wo reguläre Beschäftigte fehlen, helfen die Fakultäten zunehmend mit (schlecht bezahlten und kurzfristigen) Lehraufträgen aus – diese sind nicht so einfach zu beziffern, weil sie nicht aus Personal-, sondern aus Sachmitteln finanziert werden und weil deren Verträge unterschiedlich lange laufen. Vereinzelt kommen auch Mitarbeiter aus Drittmittelprojekten in der Lehre zum Einsatz. Mit diesen Notlösungen sind jedoch Personalrat wie auch Studierendenrat nicht zufrieden. Zwar bekennt sich die Universität in ihrer Antwort an den Wissenschaftsrat zur Einheit von Forschung und Lehre, aber die Rolle der Mitarbeiter kommt gegenüber derjenigen der Professoren kaum zur Sprache. »Der Wissenschaftsrat wird nun einmal von Professoren dominiert«, meint Marquardt – und im Senat der Universität haben ebenfalls Professoren die Mehrheit.</p>
<p>In den kommenden Monaten wird eine Kommission des Wissenschaftsrates die Hochschulen des Landes vor Ort besuchen. Als letztes wird am 2. und 3. Mai die Martin-Luther-Universität in Augenschein genommen. Unterdessen nimmt der Studierendenrat Rektor Sträter beim Wort und will die Profildiskussion weiterführen. Studentische Interessen sollen dabei stärker zum Tragen kommen.<br />
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		<title>Wer rastet, der rostet</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 11:05:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yvette Hennig</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Nr 40]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Lukas]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenslanges Lernen]]></category>
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		<description><![CDATA[Wir können nicht aufhören zu lernen, aber wir können anders lernen. Einen Versuch startet das Lehr-Lern-Zentrum. Eingeschult mit sechs, lernen bis zum Schulabschluss und dann noch studieren. Aber dann, dann ist es mit dem Lernen wirklich vorbei. Nie wieder nicht enden wollende Nächte in der Bibliothek verbringen. Nie wieder der Nur-Noch-Eine-Stunde-Kaffee. Endlich arbeiten, endlich fertig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Wir können nicht aufhören zu lernen, aber wir können anders lernen. Einen Versuch startet das Lehr-Lern-Zentrum.</strong> <br /><p>Eingeschult mit sechs, lernen bis zum Schulabschluss und dann noch studieren. Aber dann, dann ist es mit dem Lernen wirklich vorbei. Nie wieder nicht enden wollende Nächte in der Bibliothek verbringen. Nie wieder der Nur-Noch-Eine-Stunde-Kaffee. Endlich arbeiten, endlich fertig sein, wenn man nach Hause kommt. Die Couch ruft, Bier statt Kaffee.<span id="more-7363"></span> <a href="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_josef_lukas.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7344" title="40_web_josef_lukas" src="http://hastuzeit.de/uploads/2012/01/40_web_josef_lukas.jpg" alt="" width="219" height="329" /></a>Lange Zeit wurde Lernen nur als Prozess für Kinder ab einem bestimmten Alter verstanden, doch dieser weitet sich aus. Dies geschieht sowohl nach vorn, was man in der Einrichtung vieler Vorschulen erkennen kann, als auch nach hinten. Auch als Berufstätiger ist man auf Weiter- und Fortbildungen angewiesen. Seit 2007 fördert das EU-Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen ebendiesen Prozess und unterstützt mit einem Budget von circa sieben Milliarden Euro zum Beispiel das Erasmusprogramm. »Dadurch wird der Lernprozess gesellschaftlich begleitet«, erklärt Psychologieprofessor Josef Lukas und empfindet diese Entwicklung als sehr sinnvoll. Lernen findet aber meistens automatisch statt. Denn was auch immer wir tun: Wir machen ständig Erfahrungen, die unser Verhalten verändern und damit die Anpassung an die Umwelt verbessern. Dessen ist man sich im Allgemeinen nicht bewusst. Die grundlegende Lernfähigkeit ändert sich auch im Alter nicht. »Aber es gibt viele physiologische Veränderungen. Die Flexibilität der Gehirnstrukturen nimmt allmählich ab, und viele mentale Prozesse werden langsamer«, erklärt Lukas. Dass es Kindern leichter fällt, eine Sprache zu lernen, liegt vor allem an ihrem besseren Gehör. Sie können die Unterschiede in den Sprachlauten besser als ein Erwachsener aufnehmen, der auch mit Anstrengung kaum noch akzentfrei eine Fremdsprache erlernen wird. Dass sich die Anstrengungen des Lernens auch im Alter lohnen, beweist indes das Seniorenkolleg. In diesem Semester haben sich 560 ältere Menschen für Kurse, Projekte und wissenschaftliche Vortragsreihen an der Uni Halle eingetragen. Die Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Sozial- und Bildungsschichten. »Vor allem Menschen, die von vornherein sehr aktiv und wissbegierig sind, suchen in den Angeboten des Seniorenkollegs eine geistige Herausforderung, viele möchten aber auch soziale Kontakte pflegen«, so Organisatorin Dr. Gisela Heinzelmann. Professor Lukas bestätigt, dass die Teilnehmer des Seniorenkollegs zu seinen aktivsten Mithörern gehören. »Die Senioren haben viel mehr Lebenserfahrung, sie gehören zu den besonders anspruchsvollen Studierenden meiner Vorlesung.«</p>
<h3>Wie wollen wir leben?</h3>
<p>Es ist also kaum möglich, nicht zu lernen. Ob automatisch, für sich selbst oder für andere. Denn auch im Berufsleben ist man ständigen Anpassungsmechanismen ausgesetzt. Weil sich Anforderungsprofile ändern und bestimmte Qualifikationsmerkmale gebraucht werden, ist die Gesellschaft darauf angewiesen, dass sich Menschen weiterqualifizieren. Es ist gut, nicht stehen zu bleiben, aber man setzt sich auch einem ständigen Wettbewerb aus. Auch Lukas sieht darin ein Problem, welches nur von der Gesellschaft gelöst werden kann. »Das ist eine politisch-soziologische Frage. Nämlich: Wie wollen wir leben?« Als Gesellschaft wollen wir einerseits einen gewissen Wohlstand halten, andererseits aber auch einen persönlichen Ausgleich finden. In der öffentlichen Diskussion herrscht eine hohe Sensibilität für diese Problematik. Glücksforscher sind der Meinung, dass der höchste Grad an Wohlbefinden dann eintritt, wenn die Leistungsanforderungen am besten zu unseren Fähigkeiten passen, also die gestellte Aufgabe gerade gut zu schaffen ist.</p>
<blockquote><p>Ich glaube, die Deutschen sind ein glückliches Volk. (Josef Lukas)</p></blockquote>
<h3>Auch die Uni lernt nicht aus</h3>
<p>Seit vielen Jahren gibt es Initiativen und Projekte, neue Medien und Kommunikationsformen in der universitären Lehre an der MLU zu nutzen. Vor etwa einem Jahr wurde eine Rektoratskommission zum Thema »multimediales Lernen« eingerichtet, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Initiativen zu unterstützen und neue Medien in den »verstaubten« Universitätsbetrieb großflächig einzuführen. Ergebnis dieser Bemühungen ist ein Lehr-Lern-Zentrum, das Technik und Know-how für E-Learning-Angebote aller Institute und Fakultäten bereitstellen soll. Das Projekt wurde bereits vom Bund bewilligt und ist für die kommenden fünf Jahre mit 6,5 Millionen Euro ausgestattet. Gegliedert in drei Bereiche wird die Serviceabteilung den größten Part ausmachen. Fünf Arbeitsgruppen kümmern sich um je ein Fachgebiet und unterstützen die Lehrenden in allen Fakultäten bei der Umsetzung neuer Programme. Sie zeigen den Dozenten, wie E-Learning möglich ist, zeichnen beispielsweise Vorlesungen auf und bereiten diese technisch auf. Daneben soll ein Forschungsbereich einschließlich einer Professur für pädagogische Psychologie eingerichtet werden, die den Schwerpunkt multimediale Hochschullehre haben wird. »So stellt sich etwa die Frage, wie sich E-Learning auf den Lernprozess auswirkt«, erklärt Lukas, der als Kommissionsmitglied an der Ausarbeitung des Antrags beteiligt war. Den dritten Part stellt der Evaluationsbereich bzw. das Qualitätsmanagement dar. Etwa 16 Mitarbeiter wird das virtuelle Zentrum umfassen. Lukas erklärt, dass bei der Antragstellung des Projektes eine Stärke-Schwächen-Analyse verlangt wurde. »In diesem Zusammenhang haben wir Umfragen unter den Studierenden ausgewertet, aus denen hervorging, dass viele Studenten die Bereitstellung von Online-Lernangeboten vermissen. Ebenso ließ sich erkennen, dass diejenigen, die ein solches Angebot bereits nutzen können, hochgradig zufrieden sind.« Es entbindet Studierende, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein zu müssen. »Die Studierendenschaft ist eine äußerst heterogene Gruppe geworden, dem muss man Rechnung tragen.« Für ausländische Studierende ist zum Beispiel eine Vorlesung in deutscher Sprache häufig schwer verständlich. Wer nebenbei arbeitet oder ein Kind betreut, kann oft an einer Lehrveranstaltung nicht teilnehmen. In solchen Fällen ist es hilfreich, wenn man eine Lehrveranstaltung noch einmal nachvollziehen kann. Lukas glaubt, dass diese neue Art des Lernens aber auch den Spaßfaktor erhöhen kann. »Die Studierenden gehen mit den neuen Medien viel lockerer um als etwa mit Büchern, die nicht so lustbetont wie audiovisuelles Material sind.« Die Aufbereitung der Lerninhalte bietet aber auch die Chance, eine größere Gruppe an Lernwilligen ansprechen zu können à la »Bildung für alle«. Jeder könnte online zeit- und kostengünstig studieren. »Ob die Inhalte über die Universität hinaus kostenfrei zur Verfügung stehen sollen, wird von den Instituten und den Dozenten abhängen, die die Lehrprogramme entwickeln. Das Lehr-Lern-Zentrum soll nicht selbst akademische Lehre anbieten, sondern vor allem deren Entwicklung fördern und unterstützen«, so Lukas. Dieser Wunsch ist vielleicht auch noch Zukunftsmusik, denn erst einmal gilt es, das Zentrum einzurichten. Projektbeginn ist der 1. April dieses Jahres, im kommenden Jahr könne man die Angebote weitflächig nutzen.<br />
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		<title>We want you!</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 14:17:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schreiben macht glücklich, vor allem bei der hastuzeit. Lust auf eine ASQ? CreditPoints fürs Schreiben über Eure Themen – das geht bei der hastuzeit. Für das kommende Semester suchen wir wieder fleißige, engagierte und interessierte Teilnehmer für unser ASQ-Modul. Was Ihr mitbringen solltet: Gute Laune, Interesse, Offenheit und ein wenig Fleiß (muss leider sein  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Schreiben macht glücklich, vor allem bei der hastuzeit. Lust auf eine ASQ?</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2009/10/hastuzeit-Icon.png"><img class="alignleft size-full wp-image-993" title="hastuzeit-Icon 150x150 © 2009 Matthias Kretschmann" src="http://hastuzeit.de/uploads/2009/10/hastuzeit-Icon.png" alt="" width="150" height="150" /></a>CreditPoints fürs Schreiben über Eure Themen – das geht bei der hastuzeit. Für das kommende Semester suchen wir wieder fleißige, engagierte und interessierte Teilnehmer für unser ASQ-Modul. Was Ihr mitbringen solltet: Gute Laune, Interesse, Offenheit und ein wenig Fleiß (muss leider sein <img src='http://hastuzeit.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ).<span id="more-7330"></span></p>
<h3>We teach you!</h3>
<p>Bei uns lernt Ihr nicht einfach, &#187;für eine Zeitschrift zu schreiben&#171;. Ihr lernt die Grundlagen journalistischen Arbeitens (egal, für welchen Bereiche), Recherche, Interviewtechniken – bekommt Einblick in Planungsprozesse für die Ausgaben, ins Layout, Foto- und Bildrecherche. Nebenbei lernt Ihr Eure Uni aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen.</p>
<h3>Wen wollen wir?</h3>
<p>Germanisten, Biologen, Chemiker, Soziologen, Politologen, Sprechwissenschaftler, Mathematiker, Physiker, Geologen, Medienwissenschaftler, Musikwissenschaftler, Japanologen, Philosophen, Biochemiker, Ingenieure, Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler … die Liste könnten wir um alle Fächer erweitern, die es an der Uni gibt, denn: Es gibt <strong>kein</strong> Fach, das Euch besser auf das Arbeiten in einer Zeitung vorbereitet, als Euer eigenes. Je bunter unsere Redaktion zusammengestellt ist, desto besser. <strong>Vorerfahrungen im Medienbereich </strong>sind nett, aber nicht nötig. Viel wichtiger ist Interesse und ein gutes Gespür für Geschichten. Wie man daraus einen Zeitungsartikel macht, das lernt Ihr bei uns. <img src='http://hastuzeit.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<h3>Was bieten wir?</h3>
<p>Eine verrückte, aber sympathische Redaktion, drei Printhefte und eine inhaltshungrige Website zum Austoben, ständiges Feedback auf Artikel, die Möglichkeit ins Layouten <span class="amp">&amp;</span> Fotografieren reinzuschnuppern, Grundlagenvermittlung für journalistische Arbeit, interessante und absurde Themen und ab und zu Kekse. <img src='http://hastuzeit.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
<h3>Was müsst Ihr tun?</h3>
<p>Schreibt uns eine kurze Mail an<strong> redaktion[ät]hastuzeit[punkt]de</strong>. Stellt Euch vor und sagt, warum Ihr bei uns mitmachen wollt. Wir werden uns dann so schnell wie möglich bei Euch melden und das kommende Semester besprechen. (In der vorlesungsfreien Zeit, genauer: im März, wollen wir einen Workshop veranstalten. Dafür solltet Ihr im besten Falle Zeit haben. <img src='http://hastuzeit.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> )<br />
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		<title>Ohne dich ist alles doof?</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 13:21:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Kloschkewitz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Soziale Netzwerke sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags. hastuzeit-Autorin Julia hat eine Woche darauf verzichtet.
Montag: Ich habe mein Wochenende noch mal vollends ausgenutzt. Habe einen sinnlosen Facebook-Status gepostet. Ein paar »Likes« kassiert. Habe Nachrichten beantwortet. Bin ein paar interessanten Links gefolgt. Und schon an meinem ersten Abend fehlt etwas. Nicht nur das übliche Nachschauen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Soziale Netzwerke sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags. hastuzeit-Autorin Julia hat eine Woche darauf verzichtet.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_ohnenetzwerk.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7245" title="hastuzeit_39_ohnenetzwerk" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_ohnenetzwerk-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><br />
<strong>Montag:</strong> Ich habe mein Wochenende noch mal vollends ausgenutzt. Habe einen sinnlosen Facebook-Status gepostet. Ein paar »Likes« kassiert. Habe Nachrichten beantwortet. Bin ein paar interessanten Links gefolgt. Und schon an meinem ersten Abend fehlt etwas.<span id="more-7278"></span> Nicht nur das übliche Nachschauen, was meine Communities so zu bieten haben. Auch Organisatorisches wird nun schwieriger – Urlaubsplanung, Treffen, Arbeitsteilung. Anstelle einer Gruppennachricht, mit der ich gerne über zehn Leute auf einmal erreichen kann, muss ich unzählige E-Mails und SMS-Nachrichten verschicken.</p>
<p><strong>Dienstag:</strong> Früh am Morgen gehe ich ausgeschlafener als sonst zur Vorlesung, denn ich habe nicht die halbe Nacht mit meinen quer im Land und über die Welt verteilten Freunden gechattet. Allerdings stehe ich alleine da, außer mir scheint heute niemand etwas lernen zu wollen. Als ich mich später ins Institut begebe, erfahre ich, dass doch am Vortag im Stud.IP ausgeschrieben wurde, dass die Vorlesung entfällt. So bleibt mir aber mehr Zeit, die ganzen Dokumente zusammenzustellen und zu kopieren, die die Dozenten sonst praktisch gebündelt zum Download bereit stellen.</p>
<p><strong>Mittwoch:</strong> Ich glaube, heute hat eine Freundin Geburtstag. Sicher bin ich mir aber nicht, und bei Facebook kann ich nicht nachschauen. Ich schreibe ihr einfach eine SMS und hoffe, mich nicht im Datum geirrt zu haben. Und ich habe Glück – sie hat wirklich Geburtstag. Als ich ein paar Tage später wieder online sein darf, wartet sogar eine Nachricht von ihr im Postfach. Sie hat mich für den Abend zu ihrer Feier eingeladen, was ich leider nicht wusste.</p>
<p><strong>Donnerstag:</strong> Ich habe Lust auf neue Musik. Schon längst muss ich nicht mehr selbst darüber nachdenken, was mir ins Ohr kommt. Mein Last.fm-Scrobbler kennt mich gut, spielt mir immer meine Lieblingsmusik und empfiehlt mir neue tolle Lieder. Nur nicht diese Woche. Dafür komme ich meinem eingestaubten CD-Regal wieder näher und entdecke die besten Sampler aus den 90er Jahren. So was hätte mir Last.fm nie vorgeschlagen.</p>
<p><strong>Freitag:</strong> Ich werde vermisst! Auf der WG-Party einer Freundin werde ich am Abend gefragt, was bei mir los ist. Auf meiner Pinnwand befinde sich ein Eintrag, der nach meinem Aufenthalt frage. Tage später kann ich ihn auch lesen. »Wo ist Julia? Das ist doch eigentlich ihre Uhrzeit?« Nachts um 0.21 Uhr rechnet man mit mir. Und ich bin nicht da.</p>
<p><strong>Samstag:</strong> Ich möchte feiern gehen. Normalerweise benachrichtigt mich Facebook, nein, irgendjemand lädt sogar ein, diese oder jene Party in der Stadt zu besuchen. Ich weiß dann schon vorher, welche Musik läuft, und kann mir direkt Musikbeispiele aus dem Veranstaltungskalender heraus anhören und sehe, wer aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis da sein wird.</p>
<p><strong>Sonntag:</strong> Ich habe gefeiert. Und unzählige andere Leute, die ich kenne, auch. Nach einem solchen Wochenende kann man üblicherweise nachlesen, wer wo mit wem weitergefeiert hat. Es gibt Partyberichte der Abgestürzten, Fotos, die Erinnerungen wieder aufleben lassen, und Freundschaftseinladungen von den Leuten, denen man an der Bar seinen Facebook-Namen ins Ohr gebrüllt hat. Für mich gibt es einen entspannten Sonntag offline.</p>
<p><strong>Montag:</strong> Wieder online! Einige Freunde wussten von meinem Selbstversuch, und so ist das Erste, was ich lese, der Aufruf an mich, mich wieder zu »socialisen«.</p>
<p>Daneben warten 17 Freundschaftseinladungen, sieben Nachrichten und 16 Benachrichtigungen, außerdem über 30 Meldungen darüber, was Familie, Freunde und Gruppen in einer Woche Facebook-Freiheit beigetragen haben. Bei Last.fm höre ich mich quer durch meine Musiksammlung und lade nebenbei alle Dateien runter, die Stud.IP in der letzten Woche für mich angesammelt hat.<br />
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		<title>Zwischen Waschbrett und Spritzbesteck</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 12:54:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline</dc:creator>
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		<description><![CDATA[1754 wurde an der Medizinischen Fakultät der Uni Halle erstmalig in Deutschland einer Frau der Doktortitel verliehen. Wer war diese Frau?
Dorothea Christiana Leporin in Quedlinburg geboren. Ihr Vater, Dr. Christian Polycarp Leporin, war praktischer Arzt, hatte ab 1708 auch in Halle studiert und 1711 an der Erfurter Universität promoviert. Ihre Mutter Anna Sophia entstammte der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1754 wurde an der Medizinischen Fakultät der Uni Halle erstmalig in Deutschland einer Frau der Doktortitel verliehen. Wer war diese Frau?<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_erxleben.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7235" title="hastuzeit_39_erxleben" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_erxleben-130x150.jpg" alt="" width="130" height="150" /></a><span id="more-7252"></span></p>
<p>Dorothea Christiana Leporin in Quedlinburg geboren. Ihr Vater, Dr. Christian Polycarp Leporin, war praktischer Arzt, hatte ab 1708 auch in Halle studiert und 1711 an der Erfurter Universität promoviert. Ihre Mutter Anna Sophia entstammte der angesehenen Predigerfamilie Meinicke. Dorothea hatte eine ältere Schwester und zwei jüngere Brüder.</p>
<p>In ihrem Lebenslauf, den Dorothea Erxleben ihrer Dissertation beilegte, sprach sie ihrem Vater maßgeblichen Anteil an ihrem Werdegang zu: Sie war ein kränkliches, jedoch wissbegieriges und lernbereites Kind. Um ihr die Langeweile zu mildern, wenn sie im Haus bleiben musste, erlaubte er ihr die Teilnahme am Unterricht des zwei Jahre jüngeren Bruder Christian. Diesen übernahm Dr. Leporin teilweise selbst und prägte so früh Dorotheas Interesse an der Medizin. Später nahm er seine Kinder sogar mit in seine Praxis und auf Visite. Für die Sprachen und die Naturwissenschaften jedoch ließ er Lehrer des städtischen Gymnasiums kommen. Mit ihrem Lehrer Tobias Eckhard führte Dorothea über den Unterricht hinaus Briefwechsel auf Latein; von ihm erfuhr sie von der Promotion der Italienerin Laura Bassi 1732. Eckhard schrieb Dorothea, er traue auch ihr einen Universitätsabschluss zu. Damit bestärkte er sie in diesem bereits vorhandenen Wunsch. Zunächst jedoch sah Dorothea es als ihre Pflicht an, zu lernen, wie man als gutes »Frauenzimmer« einen Haushalt führte. Danach wollte sie ein Medizinstudium beginnen. Ihr Bruder schrieb sich 1735 für sein Studium ein, Dorothea kämpfte bis 1741 um ihre Immatrikulationsberechtigung. Der Streit ging bis vor den König: Letztendlich war es Friedrich II., der entschied, dass sie studieren dürfe. Noch unter ihrem Mädchennamen veröffentlichte sie im Folgejahr ihre erste wissenschaftliche Abhandlung, in der sie Gründe gegen das Frauenstudium diskutierte. Kurz darauf heiratete sie den verwitweten Diakon und bereits fünffachen Vater Johann Christian Erxleben. Zusammen bekamen sie drei weitere Söhne und eine Tochter.</p>
<p>Sie führte jedoch nicht nur den Großfamilienhaushalt, sondern besuchte ab 1742 parallel dazu Medizin-Vorlesungen. Als ihr Vater 1747 starb, übernahm sie seine Praxis. 1753 starb eine Patientin, woran konkurrierende Quedlinburger Ärzte ihr die Schuld gaben und ihr mangelnde medizinische Ausbildung und Fähigkeiten unterstellten. Der Stiftshauptmann musste ihr in der Folge bis zum Einreichen ihrer Dissertation die Arbeitserlaubnis entziehen. Er setzte ihr dazu eine dreimonatige Frist bis Juni des Jahres, welche sie jedoch aufgrund ihrer vierten Schwangerschaft verlängern musste. Am 6. Januar 1754 reichte sie ihre 40-seitige Dissertation über die Vorteile von gründlicher gegenüber schneller Therapie und Heilung in lateinischer Sprache ein, kurz darauf legte sie die mündliche Prüfung ab. Im Mai wurde ihr der Doktorgrad verliehen. 1755 veröffentlichte sie eine umfassendere Version ihrer Doktorarbeit auf Deutsch. Dabei übersetzte sie auch die lateinischen Fachbegriffe ins Deutsche und leistete so einen Beitrag zur Allgemeinverständlichkeit.</p>
<p>Zudem praktizierte sie weiterhin als Ärztin. Sie nahm sich dabei insbesondere der ärmeren Bevölkerung an. Deshalb, sowie aufgrund der allgemeinen Mediziner-Konkurrenz in Quedlinburg und der Erbschulden ihres Vaters, sah sich die Familie über weite Strecken finanziellen Problemen ausgesetzt. Dorothea Erxleben starb am 13. Juni 1762, drei Jahre nach ihrem Ehemann.<br />
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		<title>Visitenkartenspiel</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 10:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Senator-Lounge eines deutschen Flughafens. Wer hier sitzt, ist – mit Verlaub – Mensch von Welt. Schließlich legt nicht jeder langfristig über 150 000 Meilen im Jahr als Fluggast zurück. Wer das schafft, darf sich entsprechend wichtig fühlen. Und hat Zugang zu den Senator-Lounges. Hier gibt es bequeme Sessel, Fernsehen, WLAN, Zeitungen, Kaffeespezialitäten, andere alkoholische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Senator-Lounge eines deutschen Flughafens. Wer hier sitzt, ist – mit Verlaub – Mensch von Welt.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_netzwerken.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7244" title="hastuzeit_39_netzwerken" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_netzwerken-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a> Schließlich legt nicht jeder langfristig über 150 000 Meilen im Jahr als Fluggast zurück. Wer das schafft, darf sich entsprechend wichtig fühlen. Und hat Zugang zu den Senator-Lounges. Hier gibt es bequeme Sessel, Fernsehen, WLAN, Zeitungen, Kaffeespezialitäten, andere alkoholische und nichtalkoholische Getränke, Müsli, Joghurt, Backwaren, Nüsse etc. Alles gratis, versteht sich. VIP-Bonus gewissermaßen.<span id="more-7286"></span></p>
<p>Klemens Timotheus von Lackmeier, Juniorchef eines international agierenden Unternehmens, sitzt in einem der Sessel, auf dem Glastisch daneben findet sich ein Querschnitt des Büffets. Er will sich hier mit einem chinesischen Geschäftspartner, Herrn Xiu, treffen, mit dem bislang nur sein Vater, der Seniorchef, zu tun hatte; die Location untermalt die Fülle des Terminplanes, ergo die persönliche Wichtigkeit. Er poliert seine Visitenkartenetuis aus gebürstetem Edelstahl auf Hochglanz. Er hat mehrere, weil er – ganz Mensch von Welt – Visitenkarten in verschiedenen Sprachen besitzt, um immer die »richtige« zücken zu können: Auf der einen Seite sind sie standardmäßig in Englisch bedruckt, auf der anderen Seite in Chinesisch, Indisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Indonesisch, Japanisch. Er streicht sich über das gegelte Haar: Er ist auf alles vorbereitet.</p>
<p>Herr Xiu betritt die Lounge, gemeinsam mit einem indisch aussehenden Herrn. Von Lackmeier springt auf. Der Chinese stellt den Inder als Herrn Singh, einen weiteren Geschäftspartner seines Unternehmens, vor. Man begrüßt sich in schlechtem, aber lautem Englisch, und bekundet die gegenseitige Freude, sich endlich einmal kennenzulernen. Hoffentlich hat auch jeder in der Umgebung mitbekommen, wie familiär es hier trotz aller Seriosität und Wichtigkeit zugeht. Die Neuankömmlinge wildern nun auch erst einmal am Büffet, von Lackmeier wittert unterdessen seine Chance, heute sogar mehrere Visitenkarten loszuwerden.</p>
<p>Als sie sich wieder setzen, gewinnt die Konversation an Fahrt. Galant beginnt man mit privaten Themen und erkundigt sich zunächst nach dem Befinden der Familienmitglieder, bevor es von Lackmeier gelingt, endlich einen Bogen zum Beruflichen zu schlagen. Herr Xius Frage, wann er denn das Unternehmen von seinem Vater übernehme, ist für ihn das Signal, endlich seine erste Visitenkarte – Chinesisch-Englisch – überreichen zu können. Man befinde sich in einem fließenden Wechsel, erklärt er mit einem Lächeln. Es könne also nicht verkehrt sein, wenn Herr Xiu auch schon mal seine Kontaktdaten wisse. Er kramt das Etui Urdu-Englisch hervor, um auch Herrn Singh mit einem gewinnenden Strahlen gleich eine Karte geben zu können. Der Inder hat seinerseits inzwischen ein Lederetui gezückt, die Karten werden ausgetauscht. Von Lackmeier überfliegt die englische Seite und wendet die Karte: die Rückseite ist leer. Er blickt Herrn Singh an, der seine Karte ebenfalls umgedreht hat und nun auf die englische Seite blickt: »I speak Punjabi, no Urdu«, erklärt er.</p>
<p>Die Tür zur Lounge geht auf, man hört Stimmen, die in schlechtem, aber lautem Englisch über das deutsche Wetter reden. Herr Singh dreht sich um: »Salvatore, what you doing here? Sit down with us!« Die beiden Männer setzen sich und stellen sich als die Herren Centano und Lopez vor. Hastig kramt von Lackmeier nach den Etuis Spanisch-Englisch und Italienisch-Englisch, um gleich beim Vorstellen seinerseits weitere Visitenkarten überreichen zu können. Er erhält zwei zurück.</p>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 13:07:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Wohlfahrt</dc:creator>
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		<title>»Lediglich ein positiver Nebeneffekt«</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 11:02:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronja Schlemme</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Umweltschutz muss sich rechnen. Die Universität hat bei stromsparenden Maßnahmen vor allem die wirtschaftlichen Aspekte im Blick.
»Wir können die Wissenschaften in ihrem Strombedarf nicht beschneiden. Deswegen haben wir da wenig Einfluss. Vor allem die Naturwissenschaften sind auf eine umfassende Stromversorgung angewiesen.« Klaus-Dieter Schubert, Mitarbeiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement an der MLU, spricht damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Umweltschutz muss sich rechnen. Die Universität hat bei stromsparenden Maßnahmen vor allem die wirtschaftlichen Aspekte im Blick.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen1.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7238" title="hastuzeit_39_gruen1" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen1.jpg" alt="" width="72" height="89" /></a></p>
<p>»Wir können die Wissenschaften in ihrem Strombedarf nicht beschneiden. Deswegen haben wir da wenig Einfluss. Vor allem die Naturwissenschaften sind auf eine umfassende Stromversorgung angewiesen.« Klaus-Dieter Schubert, Mitarbeiter der Abteilung Bau, Liegenschaften und Gebäudemanagement an der MLU, spricht damit ein großes Problem des Energiesparens an.<span id="more-7254"></span><br />
Circa 3,5 Millionen Euro gibt die Universität im Jahr für Strom aus. Ungefähr im gleichen Bereich belaufen sich die Heizkosten. Die Uni verbraucht an Strom ungefähr 19,4 Millionen Kilowattstunden jährlich. Zum Vergleich: Im durchschnittlichen Familienhaushalt werden circa 3600 verbraucht. Die Hausverwaltung versucht an einigen Ecken zu sparen. Die Außenbeleuchtung der Universität wird zum Beispiel ab 23 Uhr runtergedimmt. Kaum einem fällt das auf, gespart wird dadurch aber nicht unerheblich. Eine Stunde vor vollen Vorlesungen wird die Heizung in den Hörsälen heruntergestellt. Feierabend- und Feiertagsabschaltung sind inzwischen schon selbstverständlich.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen3.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7240" title="hastuzeit_39_gruen3" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen3-48x150.jpg" alt="" width="48" height="150" /></a></p>
<p>»Die Nachhaltigkeit ist dabei zurzeit lediglich positiver Nebeneffekt.« Wirtschaftliche Aspekte stehen noch im Vordergrund. Wo es möglich ist, wird eingespart, und wenn sowieso etwas ausgetauscht werden muss, werden energie- oder stromsparende Maßnahmen angewendet. Der bauliche Zustand einiger Universitätsgebäude führe allerdings auch Sparversuche zum Teil ad absurdum, so Schubert. Am billigsten und effektivsten könne man aber durch angemessenes Nutzerverhalten sparen, sagt er und meint damit nicht nur Studenten, die mal ein Licht anlassen, sondern auch alle anderen Mitarbeiter. »Der Mensch ist da manchmal schizophren: Wenn es nicht die eigene Tasche belastet, wird der Umgang sorgloser.« In einigen Hörsälen gibt es inzwischen Bewegungsmelder als Hilfseinrichtungen, aber auch die seien zweischneidig, denn sie unterstützen wiederum die Faulheit des Nutzers.</p>
<p>Für die Entsorgung des Sondermülls dagegen wurde ein Umwelt und Ressourcen schonendes Konzept entwickelt. Vor einigen Jahren haben die vier MitarbeiterInnen des Stabs Arbeits- und Umweltschutz aus eigenem Antrieb eine »Chemikalienbörse« eingerichtet. Überschüssige Chemikalien, die noch verwendet werden können, werden aussortiert und in einem Zwischenlager zum Abholen angeboten, sie stehen Studenten und Mitarbeitern kostenfrei zur Verfügung. Das gleiche wurde nun für Glasgeräte eingerichtet. »Es tut uns einfach weh, die Sachen wegzuschmeißen, wenn sie noch gebrauchsfähig sind«, erklärt Sabine Kiese, die mitverantwortlich ist für das Sonderabfallzwischenlager. Die verfügbaren Chemikalien und Glasgeräte der Börse werden aufgelistet, im Internet ist diese Liste einsehbar.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-7239" title="hastuzeit_39_gruen2" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_gruen2.jpg" alt="" width="108" height="359" /></a></p>
<p>»Noch vor 20 Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, in der Saale schwimmen zu gehen«, erzählt der Abfallbeauftragte Dr. Burkhard Rensch. Damals wurden sämtliche Chemikalien noch einfach weggeschüttet. Heute werden sie gesammelt, zwischengelagert und schließlich von geprüften Firmen entsorgt. In den letzten Jahren sei das Bewusstsein für den Verbrauch und die Entsorgung von Chemikalien gestiegen. Da sind sich Kiese und Rensch einig. »Inzwischen kriegen wir manchmal so stark verdünnte Lösungen, das würde man zu Hause vermutlich als normale Kochsalzlösung in den Ausguss kippen.« Aber Sabine Kiese ist die Übervorsichtigkeit ganz recht. »Besser so als andersherum.«<br />
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		<title>Kulturbegabtes Halle</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Dec 2011 08:33:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yvette Hennig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Michael Brenner ist seit August Intendant des Neuen Theaters
und wünscht sich von den Hallensern mehr kulturelles Bewusstsein. Sie sind seit August in Halle, wie gefällt es Ihnen hier?
Ich bin im Grunde genommen schon seit Januar dieses Jahres hier, zur Vorbereitung. Ich habe in der alten Spielzeit schon zwei Inszenierungen gemacht: »Zscherben – Ein Dorf nimmt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Michael Brenner ist seit August Intendant des Neuen Theaters
und wünscht sich von den Hallensern mehr kulturelles Bewusstsein.</strong> <br /><h4>Sie sind seit August in Halle, wie gefällt es Ihnen hier?</h4>
<p>Ich bin im Grunde genommen schon seit Januar dieses Jahres hier, zur Vorbereitung. Ich habe in der alten Spielzeit schon zwei Inszenierungen gemacht: »Zscherben – Ein Dorf nimmt ab!« und die »Oper Dracula«. Insofern habe ich mich schon ganz gut eingelebt. Dennoch kenne ich Halle noch nicht sehr gut. Auch wenn die Stadt nicht sehr groß ist, dauert es eine Weile, sie zu erschließen, darauf freue ich mich. Die Stadt ist für mich eine sehr große Entdeckung.</p>
<h4>Was hat Sie dazu bewegt, am Neuen Theater zu arbeiten?</h4>
<p>Das war nicht vorhersehbar. Ich hatte die Information, dass in Halle diese Position frei wird, und mich zwar darauf beworben, aber ohne mir besondere Gedanken darüber zu machen. Ich habe dann die Gelegenheit genutzt, um das Ensemble kennenzulernen und mich vorzustellen. Das waren sehr spannende Stunden, und daraufhin konnte ich mir vorstellen hier zu arbeiten. Aber auch das Gebäude, dieser eigentümlich tolle Theaterbau hat mich überzeugt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/Brenner-Matthias_4.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7302" title="Brenner Matthias 26.05.2005" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/Brenner-Matthias_4-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<h4>Was haben Sie sich für Ihren neuen Job vorgenommen?</h4>
<p>Neue Akzente zu setzen natürlich – das ist ein Naturvorgang. Es gibt ein Problem in Halle. Es ist eine kulturell unglaublich reiche Stadt. Leute, die von außen kommen, merken das sofort, nur die Hallenser nicht, sie meckern und nörgeln über ihre Stadt. Was hier nötig schien, war eine neue Brücke, einen neuen Kontakt zwischen Theater und Publikum zu schaffen. Also ein direkteres kommunikatives Aufeinanderzugehen einerseits – und andererseits innerhalb des Ensembles eine neue Transparenz und Offenheit in Gang zu setzen und zu pflegen. Wir haben zum Beispiel das Stück »Zscherben – Ein Dorf nimmt ab!« inszeniert, das mit dieser Region zu tun hat. In der Theaterfachwelt wurde das zum Teil befremdlich aufgenommen und als Volksstück abgetan. Wir versuchen Neues zu machen und haben zum Beispiel »Die Weber« von Hauptmann mit Jo Fabians Tanztheater gekreuzt. Wir hätten nicht gedacht, dass diese Kombination so gut ankommt und das Stück so gut besucht wird.</p>
<h4>Wie kulturell ist Halle?</h4>
<p>In Halle gibt es so viele Leute aus den unterschiedlichsten Kunst- und Kulturrichtungen. Das ist den Menschen hier leider kaum bewusst, und dieses Image wird auch nicht unbedingt nach außen transportiert. Ob eine Stadt kulturbegabt ist oder nicht, merke ich immer an den Taxifahrern. Als ich neulich in Magdeburg in ein Taxi stieg und zum Schauspielhaus wollte, stammelte der Fahrer und wusste gar nicht genau, wohin ich will. In Halle weiß jeder Taxifahrer genau, wo das Neue Theater ist, alle antworten das gleiche: »Wollen Sie unten in die Ulrichstraße oder an den Uniplatz?« Ich kenne auch viele Künstler, die sich in Halle bewusst angesiedelt haben. Sie sind der Meinung, dass hier der Windschatten noch groß genug ist, um Fehler machen zu können. Die Hallenser sind aber auch sehr bodenständig. Das muss man mögen lernen. Ich gehe sehr viel spazieren, um die Stadt kennenzulernen und in die Gesichter gucken zu können. Es ist angenehm zu erleben, dass die Menschen so unüberheblich sind. Aber auf der anderen Seite wünsche ich mir ein bisschen mehr Stolz der Bürger auf ihre Stadt.<br />
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		<title>Inspirierendes Bratislava</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Dec 2011 13:29:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anastasia Pyschny</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In seinem Auslandssemester in der Slowakei entdeckte Karl die Leidenschaft zur Fotografie. Heute ist er der »beste Fotograf Deutschlands«.»Ich weiß zwar nicht, ob ich fotografieren kann, aber ich weiß, dass ich einfach nicht aufhören kann.« Das ist nicht unbedingt die Aussage, die man sich von »Deutschlands bestem Fotografen« erwarten würde. Karl Wagner, Student im Masterstudiengang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Auslandssemester in der Slowakei entdeckte Karl die Leidenschaft zur Fotografie. Heute ist er der »beste Fotograf Deutschlands«.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_karlwagner.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7241" title="hastuzeit_39_karlwagner" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_karlwagner-132x150.jpg" alt="" width="132" height="150" /></a>»Ich weiß zwar nicht, ob ich fotografieren kann, aber ich weiß, dass ich einfach nicht aufhören kann.« Das ist nicht unbedingt die Aussage, die man sich von »Deutschlands bestem Fotografen« erwarten würde. Karl Wagner, Student im Masterstudiengang Internationales Finanzmanagement an der MLU, versichert, er habe auch gar nicht damit gerechnet, bei dem Fotowettbewerb der Computerbild zu gewinnen.<span id="more-7297"></span></p>
<p>Als er vor einem Jahr damit begonnen hatte, regelmäßig Aufnahmen zu machen, hätte er sich nicht träumen lassen, dass das Fotografieren für ihn mal mehr als ein Hobby sein könnte. »Als ich aufgrund meines binationalen Studienganges die Chance hatte, im Oktober 2010 nach Bratislava zu gehen, haben mich die dort vorherrschenden urbanen Kontraste zwischen der alten und jungen sowie der reichen und verarmten Bevölkerung sehr interessiert.« Jeden Tag, so der 25-jährige Student, sei er losgegangen und habe nach neuen Motiven gesucht.</p>
<p>Der Kontrast von Jugend und Vergänglichkeit lässt sich auch in seinem Preisbild »Der alte Mann und Modigliani« wiederentdecken. »Es war an einem Frühlingsabend in Bratislava. Direkt neben meinem Wohnheim befand sich eine kleine Vinothek. Dort entdeckte ich einen älteren Herrn, der in aller Ruhe seine Antipasti und sein Glas Wein genoss, und über ihm hingen die Aktbilder von Amedeo Modigliani. Neben ihm stand seine Gehhilfe«, erinnert sich Karl noch ganz genau. Er habe ihn gleich mit seinen paar Brocken Slowakisch angesprochen, denn er habe ihn einfach fotografieren müssen, so der Student. Wieder war für ihn der Kontrast entscheidend: zwischen dem alten Mann und den Gemälden. Er selbst bezeichnet sich als semiprofessionellen Fotografen und weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, Aufnahmen im Vorfeld zu planen. Ein gutes Foto zu schießen, hieße eben auch spontan sein zu können. »Das Arbeiten als Fotograf, egal ob als Hobby oder im Beruf, ist mehr als ein Fulltime-Job, denn man ist ständig Beobachter und muss ein Gespür für seine Umwelt haben, um im richtigen Moment aussagekräftige Motive einzufangen.«<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_preisfoto.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-7246" title="hastuzeit_39_preisfoto" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_preisfoto-e1324646914353.jpg" alt="" width="681" height="478" /></a></p>
<p>Bei dem Fotowettbewerb wollte er vor allem wissen, ob er sich mit erfahrenen Fotografen messen kann. Über 40 000 Bilder wurden in sechs verschiedenen Kategorien hochgeladen. »Der alte Mann und Modigliani« war sein einziges Bild, mit dem er sich in der Preiskategorie »Menschen« beworben hatte. Mit seinem Foto hatte er am Ende nicht nur in seiner Gruppe gewonnen, sondern ging auch als Gesamtsieger aus dem Wettbewerb hervor. Bei der Preisverleihung in Frankfurt wurde jedem der sechs Kategoriegewinner eine Fotoreise nach Finnland geschenkt. Karl bekam zusätzlich die Statue mit dem Titel »Deutschlands bester Fotograf« überreicht. Dennoch, so versichert er, sei es ihm nicht nur um den Preis gegangen. Für ihn stelle der Gewinn vielmehr eine Motivation dar, noch mehr Zeit in das Fotografieren zu investieren. Bescheiden fügt er hinzu: »Ich weiß, dass es sich bei der Siegerauswahl immer um eine subjektive Entscheidung handelt, und würde mir nie anmaßen, mich als besten Fotografen Deutschlands zu betiteln. Schließlich sehe ich jeden Tag Fotos, die ich besser finde als meine.« Trotzdem werde er sich bemühen, diesem Titel so gut wie möglich gerecht zu werden. Immer auf der Jagd nach neuen Motiven will er nächstes Jahr für sechs Monate nach Südkorea fahren, in der Hoffnung, ähnlich wie in Bratislava, auch dort seine Inspiration zu finden.<br />
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		<title>Auf die Menschen kommt es an</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 13:14:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katharina Deparade</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
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		<description><![CDATA[Sozialwissenschaftler untersuchen die Netze, die wir selbst weben.
Unsere sozialen Netzwerke bestehen aus realen Menschen, mit denen wir täglich leben, arbeiten, die wir sehen und anfassen, lieben oder hassen können. Dr. Sören Petermann, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der MLU, hat sich auf den Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung spezialisiert. »Im weitesten Sinne kann man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sozialwissenschaftler untersuchen die Netze, die wir selbst weben.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_menschnetzwerk.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7243" title="hastuzeit_39_menschnetzwerk" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_menschnetzwerk-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><br />
Unsere sozialen Netzwerke bestehen aus realen Menschen, mit denen wir täglich leben, arbeiten, die wir sehen und anfassen, lieben oder hassen können. Dr. Sören Petermann, ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Soziologie an der MLU, hat sich auf den Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung spezialisiert. »Im weitesten Sinne kann man unter einem Netzwerk alle Relationen innerhalb einer Gruppe von sozialen Akteuren verstehen«, erklärt Petermann. Demnach gehören also auch unsere Dozenten und Professoren zu unserem sozialen Netzwerk.<span id="more-7276"></span> »Im engeren Sinne besteht ein Netzwerk aus individuellen Personen und deren Beziehungen zueinander«, führt er fort. Das heißt: Von wem erhalte ich Hilfe? Wer gibt mir emotionale Unterstützung in Form von Trost und Rat? Wenn man von dieser Definition ausgeht, verkleinert sich der zugehörige Personenkreis erheblich. Dem aktuellen Forschungsstand zufolge besitzt jeder Mensch ein sogenanntes »Kernnetzwerk«, bestehend aus ein bis drei Personen, die dem Ego-Akteur, also dem Ich, in Krisenzeiten beistehen, denen er sich anvertraut, die ihm Kraft geben. Diese Personen können nahestehende Familienmitglieder sein: die Eltern, Geschwister, ebenso der Partner oder ein guter Freund. Petermann erklärt weiterhin, dass für den engeren Austausch vor allem Familienbeziehungen im Vordergrund stehen, »wenn auch jüngere Studien beweisen, dass Freundschaften den Verwandtschaften nicht mehr so weit nachstehen«, räumt er ein, »emotionale Unterstützung leisten beide Personengruppen gleichermaßen.«</p>
<h3>Und wen hast du zu deinem Geburtstag eingeladen?</h3>
<p>Neben diesen ein bis drei Kernakteuren zählt ein durchschnittliches soziales Netzwerk bis zu zwölf weitere Personen. So beschreibt Petermann, dass diese vor allem der Geselligkeitsunterstützung dienten. » Damit sind Formen der Freizeitgestaltung, wie gemeinsame Hobbys, zusammen Ausgehen oder ein gemütlicher Koch- und Film-abend zu Hause, gemeint«, führt er fort. Doch wenn es darum geht, seinen Geburtstag zu feiern, gilt die Devise: Je mehr, desto besser. Da werden Leute eingeladen, die man seit Monaten nicht mehr gesehen hat, die man eigentlich gar nicht mag, aber aus falscher Höflichkeit einlädt. Dass man die Hälfte der Gäste nicht wirklich kennt und ihnen nicht vertraut – egal! Eine große Party beweist gesellschaftlichen Status. Daher kann man davon ausgehen, dass der Großteil der Geburtstagsgäste zu dem Teil des eigenen Netzwerkes gehört, der nur der Geselligkeitsunterstützung dient.</p>
<h3>Wer will schon an seinem Geburtstag alleine sein?</h3>
<p>Von 2001 bis 2002 untersuchte Petermann »Die soziale Vernetzung städtischer und ländlicher Bevölkerung am Beispiel der Stadt Halle«. Dabei kam er zu dem überraschenden Ergebnis, dass entgegen den üblichen Vorstellungen Großstadtbewohner nicht weniger soziale Kontakte als die Landbevölkerung haben. Landbewohner weisen allerdings dichtere soziale Netzwerke auf. Soll heißen: Die einzelnen Personen kennen sich untereinander besser. Ein weiterer markanter Unterschied in der Netzwerkstruktur von Stadt und Land ist die Zusammensetzung. »Während Stadtbewohner häufiger Freunde zu ihren engeren Kontakten zählen, sind es auf dem Land Familienangehörige«, stellt Petermann fest.</p>
<h3>Im hohen Alter zählt die Familie</h3>
<p>Netzwerke sind keine statischen Konstrukte. Sie verändern sich im Laufe eines Lebens. Das Alter der Ich-Person hat einen entscheidenden Einfluss auf die Gestalt des eigenen Netzes. »Dabei kann aber nicht von einem linearen Effekt ausgegangen werden«, fügt Petermann hinzu. Eher das Gegenteil ist der Fall. Personen im mittleren Alter, die arbeiten und eine eigene Familie gegründet haben, haben auch die größten Netzwerke. Dies lässt sich logisch nachvollziehen, da man neben der eigenen Familie auch auf Arbeit und über die Kinder in Kindergarten und Schule sehr viele Menschen kennenlernt. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Anzahl wieder. Personen in sehr hohem Alter sind stark auf familiäre Hilfeleistungen angewiesen und wollen häufig auch keine außenstehenden Personen belasten. Ihr Netzwerk ist auf die engsten Familienangehörigen beschränkt. »Bei jungen Erwachsenen, die auf eigenen Beinen stehen können, spielt vor allen Dingen der Geselligkeitsaspekt eine entscheidende Rolle«, erklärt Petermann. Der Bedarf an Hilfe ist hier nicht so groß und die gemeinsame Freizeitgestaltung steht im Vordergrund. Studenten können unglaublich viele Menschen kennen. Das muss aber nicht heißen, dass sie von all diesen Hilfe erwarten dürfen. Häufig merken wir erst in Krisen, wer unsere echten Freunde sind.</p>
<h3>Ein buntes Netz formt einen offenen Charakter</h3>
<p>Dies alles betrifft typische europäische Netzwerke. Aber wie sehen Netzwerke in anderen Kulturkreisen aus? Inwiefern unterscheiden sich die Netzwerke von Immigranten, und was bewirken sie, wenn sie zu Teilen unseres Netzes werden? Petermann arbeitet heute am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften. Zurzeit untersucht er, welche Auswirkungen ethnische Diversität, also Vielfältigkeit, der Kontakte auf persönliche Einstellungen hat. Er erklärt: »Erste Untersuchungen haben ergeben, dass es keine Rolle spielt, ob jemand aus einer Nachbarschaft mit wenigen oder vielen Migranten kommt. Entscheidend für die Toleranzeinstellung ist die Intensität der Intergruppenkontakte.« Soll heißen: Es kommt nicht darauf an, wie viele Ausländer neben einem Ich leben, sondern darauf, wie stark dessen Kontakt zu ihnen ist. Ein Mensch kann in Berlin-Kreuzberg leben und trotzdem ausländerfeindliche Gedanken hegen, wenn er nie mit ihnen redet. Schon ein einziger enger Freund aus einem anderen Kulturkreis kann die Toleranzbereitschaft wesentlich erhöhen. Es hängt also nicht davon ab, wie viele Migranten man kennt, sondern wie gut.</p>
<p>Die wissenschaftliche Sicht auf einen sozialen Aspekt ist oft sehr nüchtern und sachlich, doch zeichnet sie ein recht genaues Bild unserer Realität. Es liegt in unserer Hand, wie eng wir die Fäden zu einzelnen »Netzpersonen« spannen, wann wir sie lösen und Menschen gehen lassen, wem wir uns anvertrauen oder von wem wir Hilfe erwarten können.<br />
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		<title>Kontrollverlust</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 16:10:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
		<category><![CDATA[Nr. 39]]></category>
		<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Technik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unsere Gesellschaft besteht nicht nur aus Menschen,
sondern auch aus Maschinen. Sozialwissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit einem: dem Menschen. Das klingt erst mal logisch, birgt aber auch viele Probleme. Nicht erst seit heute hat die Technik, egal ob hochentwickelt und komplex oder grundlegend und »einfach«, einen großen Einfluss auf unser Leben. Sie strukturiert unseren Tagesablauf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Unsere Gesellschaft besteht nicht nur aus Menschen,
sondern auch aus Maschinen.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_essay1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7236" title="hastuzeit_39_essay1" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_essay1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Sozialwissenschaftler beschäftigen sich vor allem mit einem: dem Menschen. Das klingt erst mal logisch, birgt aber auch viele Probleme. Nicht erst seit heute hat die Technik, egal ob hochentwickelt und komplex oder grundlegend und »einfach«, einen großen Einfluss auf unser Leben. Sie strukturiert unseren Tagesablauf, sagt uns, wann es Zeit zum Aufstehen, zum Essen ist. Sie unterhält, informiert uns, gibt uns Arbeit und alles andere auch. Eigentlich ist es deshalb doch nicht abwegig, Gesellschaft als ein Netzwerk zwischen Menschen und Maschinen oder Technologie zu verstehen. Allerdings sollte man sich von der überholten Vorstellung verabschieden, dass der Mensch vollkommene Kontrolle über die Technik hat und diese ausschließlich als ein Werkzeug benutzen kann. Vielmehr ist das Netzwerk Mensch-Technologie ein kompliziertes Zusammenspiel, bei dem nicht klar ist, wer wen kontrolliert. In diesem Netzwerk sind Mensch und Technik gleichberechtigt, das heißt, beide haben ihre eigene Logik, ihre eigenen Bedürfnisse und ihren eigenen »Willen«. Gerade der letzte Punkt scheint absurd.</p>
<h3>Was die Technologie will</h3>
<p>Schaut man sich ein Messer oder einen Stuhl an, kann man nicht davon sprechen, dass diese Gegenstände etwas »wollen«. Sie haben natürlich keine Bedürfnisse, kein eigenes Bewusstsein. Der US-Publizist und Technikenthusiast Kevin Kelly versteht unter Technologie aber nicht nur den einen Stuhl oder das eine Messer, sondern die Gesamtheit von allem. In der Gesamtheit weise die Technologie gewisse Entwicklungstendenzen auf, die zum Beispiel wie die Evolution verlaufen können. Ähnlich einer Pflanze, die Licht vielleicht nicht »will«, aber zumindest nach Licht strebt, würde diese Gesamtheit einer bestimmten Richtung folgen. Damit hätte die Technologie die gleiche Logik in ihrer Entwicklung wie das Leben. Kelly geht einen Schritt weiter und behauptet, auch der Mensch sei ein Teil dieser Technologie. Die Entwicklung der Technik ist auch die Entwicklung des Menschen. Anstatt nur Werkzeuge zu schaffen, die ihm nutzen, macht sich die Technik den Menschen zunutze, um neue Gegenstände für »sich« zu erschaffen. Bevor Benjamin Franklin die Elektrizität »entdeckte«, hätte man keine Glühlampen erfinden bzw. bauen können. Erst durch Strom war das möglich. Wichtig ist der Gedanke, dass der Mensch immer Teil dieser Entwicklung ist und durch sie beeinflusst wird. Kelly bestreitet aber, dass der Mensch der alleinige Urheber dieser neuer Entwicklungen ist; erst im Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik ergeben sich neue Ideen. Bereits heute gibt es »Maschinen«, die so komplex sind, dass wir sie nicht mehr vollkommen verstehen und kontrollieren können: Man versuche nur, sich die Folgen zu überlegen, würde man das Internet einfach »abschalten« …</p>
<h3>Wir reden mit Maschinen</h3>
<p>Am Beispiel Internet wird deutlich, wie leistungsfähig Maschinen bereits geworden sind. Ob sie ein Eigenleben entwickeln, also wirklich intelligent sein können, beschäftigt nicht nur Filmemacher oder Science-Fiction-Schriftsteller, sondern auch eine ganze Reihe von Wissenschaftlern. Jährlich findet beispielsweise der so genannte Turing-Test statt. Während des Tests chatten die menschlichen Teilnehmer mit zwei anderen Teilnehmern. Einer davon ist ein auch ein Mensch, der andere ein Computer. Nach fünf Minuten müssen sich die Teilnehmer entscheiden, welcher der beiden Gesprächspartner ein Mensch und welcher eine Maschine war. Der Test geht auf den britischen Mathematiker Alan Turing zurück, der im Zweiten Weltkrieg dabei half, die Funksprüche der deutschen Wehrmacht zu entschlüsseln. Seine Annahme war, dass man von künstlicher Intelligenz sprechen könnte, wenn die Menschen in 30 Prozent der Fälle falsch lägen. Seiner Meinung nach würde es spätestens im Jahr 2000 dazu gekommen. Eine Software, die den Turing-Test erfolgreich bestanden hat, ist Cleverbot. Im September dieses Jahres hielten von ungefähr 1300 Teilnehmern etwa 59 Prozent Cleverbot für einen wirklichen menschlichen Chat-Partner. Bei wirklichen Menschen waren es gerade mal 63 Prozent. Anstatt wie ältere Programme auf bestimmte Schlagwörter zu reagieren, geht Cleverbot anhand bestimmter Algorithmen eine Datenbank durch, die sich mit jedem virtuellen Gespräch weiter füllt. Die Software verbessert, wie Menschen, stetig ihre Kommunikationsfähigkeiten.</p>
<h3>Wir sind nicht allein</h3>
<p>Die herkömmliche Vorstellung von Handeln besagt in etwa, dass wir uns bewusst für etwas entscheiden. Wir wissen genau, mit welchen Mitteln wir es umsetzen können. Die vorherigen Überlegungen legen aber nahe, dass auch die Technik einen entscheidenden Einfluss auf unser Handeln hat. Häufig werden uns durch das Vorhandensein bestimmter Technologien Handlungsmöglichkeiten erst bewusst. Wir könnten die Oma in Dänemark nicht anrufen, wenn es keine Mobiltelefone gäbe. Wir würden wahrscheinlich noch nicht einmal daran denken. Technik hat also nicht nur Einfluss darauf, für welche Handlung wir uns entscheiden. Sie bestimmt vielmehr, welche Möglichkeiten uns gegeben sind, und hat somit einen Anteil an unserer Handlung. Der Soziologe Bruno Latour geht in seiner Interpretation der Akteur-Netzwerk-Theorie noch einen Schritt weiter und behauptet, dass Handlungen generell keinen Ursprung haben und nur im Zusammenspiel der Akteure, also den Verbindungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen, entstehen. Er führt das Beispiel an, dass weder ein Mensch alleine noch eine Pistole einen anderen Menschen erschießen könne. Erst in der Verbindung Mensch-Pistole sei diese Handlung möglich. Wir entscheiden und handeln demnach nicht allein.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_essay2.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7237" title="hastuzeit_39_essay2" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_essay2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<h3>Ist Abschalten Mord?</h3>
<p>Eine beliebte Kritik gegen diese Überlegungen ist die Moral. Übertragen wir die Latours Theorie auf eine moralische Ebene, stellt sich die Frage nach dem Wert von Maschinen. Wenn sie uns gleichgestellt sind, wäre es Mord, einen Computer abzuschalten. An dieser Stelle argumentiert Kelly, dass man nicht von einem menschenähnlichen Bewusstsein ausgehen sollte, egal wie hochentwickelt die Maschinen sind. Obwohl wir sie schon heute mit unseren Mitmenschen verwechseln können, sind sie grundsätzlich anders verfasst als wir. Kein Logarithmus, keine Funktion – egal wie komplex – wird menschliches Denken ersetzen bzw. ihm gleich sein. Zu behaupten, man könne aus Maschinen ein komplett menschliches Bewusstsein erschaffen, stellt einen Kategorienfehler da. Von im Grunde einfachen Rechenzuständen kann man nicht auf mentale Zustände in unserem Bewusstsein schließen. Das heißt aber nicht zwingend, dass unsere Art zu denken den Maschinen übergeordnet ist oder dass wir einen privilegierten Zugang haben. Es heißt lediglich, dass Maschinen anders »denken« als wir.<br />
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		<title>Netzwerke unter Tieren</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 14:17:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronja Schlemme</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
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		<description><![CDATA[Ameisen und Wale, unterschiedlicher können zwei Tierarten kaum sein. Und doch haben sie eine wichtige Gemeinsamkeit: ihr Leben
in sozialer Gemeinschaft. In einer Ameisenkolonie leben mehr als eine halbe Million Ameisen. Alle haben Anteil an der Entscheidungsfindung, und zusammengenommen bildet sich eine kollektive »Intelligenz«, so dass Ameisen trotz ihrer geringen Größe schwer zu besiegen sind.
Diese Insekten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Ameisen und Wale, unterschiedlicher können zwei Tierarten kaum sein. Und doch haben sie eine wichtige Gemeinsamkeit: ihr Leben
in sozialer Gemeinschaft.</strong> <br /><p>In einer Ameisenkolonie leben mehr als eine halbe Million Ameisen. Alle haben Anteil an der Entscheidungsfindung, und zusammengenommen bildet sich eine kollektive »Intelligenz«, so dass Ameisen trotz ihrer geringen Größe schwer zu besiegen sind.</p>
<p>Diese Insekten kommunizieren hauptsächlich über chemische Signale, die über Drüsen ausgestoßen und über die Antennen dann wiederum »gelesen« werden. Die kleinen Tiere gibt es überall auf der Welt, und immer sind sie an ihre Umgebung perfekt angepasst. Blattschneiderameisen leben vom »Ackerbau« und züchten Pilze, in Australien sammeln Honigtopfameisen den Nektar von Blumen und speichern ihn in ihren Körpern, um die Trockenzeit zu überleben. In der Wüste orientieren sich die Ameisen an den Schwingungsrichtungen des polarisierten Himmelslichts, um in ihr Nest zurückzufinden. Waldameisen nehmen gemeinsame Sonnenbäder, anschließend krabbeln sie in den Bau zurück und schaffen mit den erhitzten Körpern die richtige Temperatur für die Larven.</p>
<h3>Aufgabenverteilung in einer Kolonie</h3>
<p>Alle Ameisenarten sind gekennzeichnet durch ihre soziale Gemeinschaft. Ihre Stärken sind die Zusammenarbeit und genaue Aufgabenteilung. In einer Kolonie gibt es verschiedene Arbeitstrupps. So übernehmen bei den Waldameisen einige Arbeiterinnen die Beutejagd. Alles, was sie fangen, wird zum Nest zurückgebracht und von anderen Arbeiterinnen zerlegt und verschluckt. Diese Ameisen speichern die aufgenommene Nahrung im Vormagen und geben sie je nach Bedarf über einen »Kuss« an ihre Kolleginnen weiter. Man kann also von einem »sozialen Magen« sprechen.</p>
<p>Andere Ameisen, sogenannte Brutpflegerinnen, versorgen die Eier und Larven. Nur einmal im Jahr schlüpfen aus den Eiern geflügelte und geschlechtsreife Ameisen. Diese Männchen und fruchtbaren Weibchen kommen mit Flügeln zur Welt und sorgen für die überregionale Verbreitung der Art. Nach dem Hochzeitsflug mit der Jungkönigin sterben die Männchen meist. Wenn die Königin überlebt, liegt es an ihr, einen neuen Staat zu bevölkern.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_tiernetzwerk.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-7248" title="hastuzeit_39_tiernetzwerk" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_tiernetzwerk.jpg" alt="" width="438" height="233" /></a></p>
<h3>Der richtige Geruch ist entscheidend</h3>
<p>Ameisen erkennen einander über den Duft. Einige Tiere machen sich diese Eigenart der Ameisen zunutze. So haben bestimmte Arten der Springspinne die Fähigkeit entwickelt, ihren Geruch an den der Weberameisen anzupassen. Sie können deswegen ungestört die Larven der Ameisen oder auch die Ameisen selbst verspeisen, ohne mit einem Gegenangriff rechnen zu müssen. Denn die Insekten würden der eigenen Kolonie nie schaden und »denken« bis zum Schluss, dass ihre große Schwester ihnen nichts tun wird.</p>
<h3>Schutzgeld</h3>
<p>Es wurde schon oft beobachtet, dass Ameisen mit Schmetterlingsraupen zusammenleben. Die Ameisen schützen die Raupen vor anderen Tieren, wie Spinnen, und melken dafür deren zuckerhaltiges Sekret. Aber nicht nur das hält die Ameisen bei den Schmetterlingsraupen: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Raupen Töne erzeugen, die für die Ameisen wie ein Singen klingen und sie an die Raupen binden.</p>
<p>Ameisen sind entgegen vieler Vermutungen nicht hierarchisch organisiert. Der Titel »Ameisenkönigin« ist irreführend, denn die anderen Ameisen sind nicht ihre Untertanen. Sie ist lediglich das einzige Mitglied einer Kolonie, das Eier legen kann. Übrigens kann eine Kolonie auch mehrere Königinnen haben.</p>
<h3>Warum Wale zur Schule gehen</h3>
<p>Der Schwertwal, eher bekannt als Orca oder Killerwal, ist in vielen Ozeanen anzutreffen. Der bis zu sechs Tonnen schwere und zehn Meter lange Wal lebt in kleinen Familienverbänden, sogenannten Matrilinien oder Walschulen. Das Wissen in jedem Verband wird von der Mutter an die Kinder weitergeben. Die Jungtiere müssen sowohl die Sprache des Verbands als auch die Jagdtechnik erlernen. In den verschiedenen Gebieten jagen die großen Räuber unterschiedlich und haben sich meist auf ein Beutetier spezialisiert. Viel Training und verschiedene Unterrichtseinheiten braucht es, bis ein Wal die Technik seines Verbands perfekt beherrscht.</p>
<h3>Kommunikation</h3>
<p>Die Sprache der Wale setzt sich aus mehr als 20 verschiedenen Lauten zusammen. Jeder Verband hat charakteristische Rufe, mit denen sich die Tiere über Entfernungen von 15 Kilometern erkennen und verständigen können. Nahe beieinander lebende Verbände haben häufig eine ähnliche Sprache mit leicht abweichenden Dialekten. Wale mit stark unterschiedlichem Rufrepertoire gehen sich meist aus dem Weg. Die Familien unterscheiden sich nicht nur durch die Klänge, sondern auch durch den Sprachgebrauch. So sind einige Schwertwalarten sehr viel gesprächiger als andere.<br />
Die Kommunikation ist für die Meeressäuger wichtig für die Zusammenarbeit bei der Jagd. Einige Orcas in Norwegen haben sich beispielsweise auf die Heringsjagd spezialisiert. Gemeinsam kreisen sie einen Schwarm ein und drehen sich dabei immer so um die eigene Achse, dass sie die Heringe mit der weißen Unterseite ihres Bauches irritieren. Sie treiben den Schwarm an die Oberfläche und betäuben die Fische dann mit gewaltigen Schlägen ihrer Schwanzflossen.</p>
<h3>Spezielle Jagdtechniken</h3>
<p>In der Antarktis lebende Wale trainieren ihre Schwanzflossen, indem sie Robben durch die Luft schleudern. Das grausam anmutende Schauspiel dient den jungen Walen als Unterrichtseinheit. Die hier lebenden Wale nutzen eine sehr gefährliche Technik, um Robben zu erbeuten. Sie lassen sich von der Flut in die Brandung treiben und schnappen ihre Beute an Land. Diese Technik lernen die Wale erst nach einigen Jahren, denn wenn sie dabei stranden, ist das ihr Todesurteil.<br />
Einige Male konnte von Forschern eine ganz besondere Jagdtechnik beobachtet werden. Dabei treiben die Schwertwale eine Robbe, die auf einer Eisscholle Schutz sucht, weiter in den Ozean hinaus. Sie ordnen sich in einer Reihe an und tauchen auf Kommando unter, so dass eine Welle entsteht, die das Beutetier von der Eisscholle ins Wasser schubst. Erst einmal im tiefen Wasser, hat die Robbe keine Chance gegen die großen Jäger.</p>
<p>Die Wale passen ihre Technik im Laufe der Zeit den Umständen an. Im Mittelmeer lebende Schwertwale haben sich angewöhnt, Fischerbooten zu folgen und sich von ihnen zu den Fischschwärmen führen zu lassen. Werfen die Fischer ihre Angeln aus, um den begehrten Blauthunfisch zu fangen, warten die Wale schon, und sobald ein Fisch am Haken ist, verspeisen sie ihn in aller Ruhe. Wenn der Angler seinen Fang dann aus dem Wasser holt, ist meist nicht mehr viel davon übrig.</p>
<p>Beide Tierarten, die großen Wale und die winzigen Ameisen, beziehen ihre Stärke aus den Netzwerken, die sie zusammenhalten. Sie können miteinander kommunizieren, Wissen sammeln und an die nachfolgende Generation weitergeben, um sich immer weiterzuentwickeln.<br />
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		<title>Alles in Warteposition</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 12:59:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Yvette Hennig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im September dieses Jahres bot IWH-Präsident Ulrich Blum Amtsverzicht an. Doch bis heute sitzt er in der zweiten Etage des IWH, im Zimmer des Präsidenten. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist eines von sechs Wirtschaftsinstituten Deutschlands. Als Mitglied der Leibniz-Gesellschaft wird das IWH nach spätestens sieben Jahren vom Senat der Leibniz-Gesellschaft evaluiert. Nachdem bereits [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Im September dieses Jahres bot IWH-Präsident Ulrich Blum Amtsverzicht an. Doch bis heute sitzt er in der zweiten Etage des IWH, im Zimmer des Präsidenten.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_blum.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7233" title="hastuzeit_39_blum" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_blum-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist eines von sechs Wirtschaftsinstituten Deutschlands. Als Mitglied der Leibniz-Gesellschaft wird das IWH nach spätestens sieben Jahren vom Senat der Leibniz-Gesellschaft evaluiert. Nachdem bereits 2007 das Gutachten sehr kritisch ausgefallen war, urteilte der Senat im Juli dieses Jahres, dass das IWH hinter seinen Erwartungen zurückbleibe. Im September boten Präsident Prof. Dr. Ulrich Blum und Geschäftsführer Frowin Gensch Amtsverzicht an.<span id="more-7217"></span></p>
<h5>Warum sind Sie immer noch als Präsident des IWH tätig, obwohl Sie im September angeboten haben, auf Ihr Amt zu verzichten?</h5>
<p>Der Amtsverzicht ist noch nicht vollzogen, wir verhandeln noch. Das geht nicht so schnell, denn das IWH ist ein eingetragener Verein, und im Vereinsrecht ist das alles nicht so einfach. Es müssen gewisse Sachen notariell erledigt werden. Außerdem habe ich damals, als ich 2004 hierher berufen wurde, eine Rückfalloption verhandelt, das heißt, ich gehe zurück an die Universität. Ich habe dort einen Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik. Dieser existiert bisher nur virtuell, ich habe keine Mitarbeiter, keine Möbel. Das muss erst realisiert werden. Ich bin eigentlich ganz optimistisch, einen guten Lehrstuhl auszubauen. Ich sehe die Zukunft positiv.</p>
<h5>Das Alltagsgeschäft wird also wie gewohnt fortgeführt?</h5>
<p>Ob das Alltagsgeschäft ist, da habe ich meine großen Zweifel. Aber es wird zumindest das Geschäft weitergeführt. Es findet zurzeit ein nicht ganz üblicher Vorgang statt. Und in so einem Fall hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man versucht diesen unüblichen Vorgang harmonisch zu organisieren, oder man macht es als Parforceritt. Ich habe ersteres vorgeschlagen und damals gesagt, wenn man aus Gründen, über die ich bis heute nicht Bescheid weiß, meinen Kopf haben will und mich als Präsident nicht mehr will, dann kann man mit mir reden. Denn wenn man keine politische Unterstützung für dieses Amt hat, dann sollte man diesen Konflikt auch nicht ausstehen. Das hat Herr Zimmermann in Berlin auch nicht gemacht. Das sollte aber alles schnell passieren, es gibt Schwierigkeiten, das so umzusetzen, wie es geplant war. Denn ich bin im Stellenplan der Uni nicht vorgesehen. Das ist wie der Deus ex machina, der Gott aus der Maschine, der als großer Greifarm in das System eingreift. Da kommt, wie ein Asteroideneinschlag, ein Professor an die Uni, der nirgendwo eingeplant ist. Es ist ein Problem, das ordnungsgemäße Ankommen an die Universität zu organisieren. Es muss aber auch eine Übergangsstruktur im IWH organisiert werden. Es müssen in regelmäßigen Abständen Löhne, Sozialabgaben und Steuern bezahlt werden, dazu benötigt man jemanden, der unterschriftsberechtigt ist.</p>
<h5>Wird es einen neuen Präsidenten geben?</h5>
<p>Ja, es wird sowohl einen neuen Präsidenten als auch einen neuen Geschäftsführer geben. Zurzeit wird aber noch nicht aktiv danach gesucht. Es ist alles in Warteposition.</p>
<h5>Wie haben Ihnen rückblickend die vergangenen Jahre am IWH gefallen?</h5>
<p>Im Nachhinein waren es unglaublich positive Zeiten mit unglaublich tollen Leuten. Eine sehr interessante Herausforderung, aber eine Herausforderung, bei der die Leute, die diese zu beurteilen haben, nicht wissen, wovon sie reden. Als ich hier anfing, hatten wir drei referierte wissenschaftliche Veröffentlichungen pro Jahr, jetzt haben wir 30. Es ist ein irrer Aufwand, eine Mannschaft so aufzubauen, ein Kraftakt. Wir werden auf 40 kommen müssen, dann sind wir in der guten Gruppe, 30 ist der Durchschnitt. Ich bin sehr stolz auf meine Leute. Wir haben unglaublich viele Promotionen hier, mehr als jemals zuvor. Wir haben Habilitationen, und unsere Leute machen Lehrstuhlvertretungen. Damit konnte ich mich sehen lassen. Aber ich empfinde ein Entsetzen darüber, wie wenig Systematik in den Zielvorgaben eines solchen Instituts existiert. Wir haben 2004 eine Zielvereinbarung gemacht, die 2007 evaluiert werden sollte. Das Thema war &#187;Institutioneller Wandel und globale Integration&#171;. Die Evaluation wurde aber auf 2006 vorgezogen, als wir mitten im Umbau waren. Wir befanden uns zu dieser Zeit in einer Baustelle, und uns wurde gesagt, dass dieses Feld wieder zugemacht werden soll. Also löste ich die Abteilung auf, und 15 hochqualifizierte Mitarbeiter gingen. 2007 haben wir dann ein neues Feld aufgemacht: &#187;Von der Transformation zur europäischen Integration&#171;. In der jetzigen Evaluierung kam man zu dem Schluss, dass wir international wirtschaftspolitisch nicht hinreichend relevant seien. Wir hatten ständig wechselnde Zielfunktionen, aber wir brauchen Kontinuität, und die haben wir nun wieder nicht. Jetzt gehen uns schon wieder gute Wissenschaftler und somit <em>track record</em> verloren.</p>
<h5>Glauben Sie, dass die Struktur der Leibniz-Gesellschaft Fehler aufweist?</h5>
<p>Die Struktur ist völlig unbefriedigend. Seit zehn Jahren soll die Evaluierung evaluiert werden, das wird nicht gemacht. Ein Evaluierungssystem ist nur gut, wenn es Signale für Qualität setzen kann. Ich habe immer gedacht, dass man aus Fehlern lernen soll, wenn angeblich man etwas falsch macht. Churchill sagte: &#187;Was ist Erfolg? – Von einem Misserfolg zum anderem zu gehen, ohne unterzugehen.&#171; Aber man muss aus dem Misserfolg lernen dürfen. Und wenn wir das wollen, dann muss diskutiert werden. Diese Diskussion verweigert man uns.</p>
<h5>Haben Sie bereits Ideen für neue Projekte, die realisiert werden sollen?</h5>
<p>Ja, ich werde beispielsweise mit einem Kollegen an einer chinesischen Hochschule ein Projekt über ordnungsökonomische Fragen machen. Es geht um Chinas Weg in die Marktwirtschaft. Es gibt zum Beispiel europäische Vorstellungen und Bilder, wie etwa die soziale Hängematte. Das in das Chinesische zu übersetzen, ist fast aussichtslos, aufgrund der Sprach- und Kulturschwierigkeiten. Denn in dem Moment, wo ich eine Idee transferiere, muss ich auch Bilder transferieren. Die Frage ist, wie ich eine Wirtschaftsidee in ein Land mit einem völlig anderen Hintergrund übersetze.<br />
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		<title>Rollenspiel statt Vorlesung</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 12:52:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anastasia Pyschny</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Dorothea-Erxleben-Zentrum bietet mit dem SkillsLab Medizin-studenten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in realitätsnahen Situationen zu sammeln Eine 19-jährige Patientin wird ins Krankenhaus eingeliefert und muss operiert werden. Im Verlauf der Voruntersuchungen kommt es zu einer folgenschweren Diagnose: Sie ist HIV-positiv. Der Arzt, der ihr den Befund mitteilen muss, wurde gerade erst eingestellt. Vor kurzem hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Das Dorothea-Erxleben-Zentrum bietet mit dem SkillsLab Medizin-studenten die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in realitätsnahen Situationen zu sammeln</strong> <br /><p>Eine 19-jährige Patientin wird ins Krankenhaus eingeliefert und muss operiert werden. Im Verlauf der Voruntersuchungen kommt es zu einer folgenschweren Diagnose: Sie ist HIV-positiv.<span id="more-7250"></span> Der Arzt, der ihr den Befund mitteilen muss, wurde gerade erst eingestellt. Vor kurzem hat er sein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen und fragt sich nun, in welcher Vorlesung die Übermittlung schlimmer Befunde behandelt wurde. In keiner! Ihn überkommt ein Gefühl der Ratlosigkeit und Angst. Er betritt das Krankenzimmer und hofft inständig, dass er gleich die Kraft hat, der Patientin ins Gesicht zu sehen und die Nachricht »fachmännisch« überbringen zu können.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_skillslab.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7247" title="hastuzeit_39_skillslab" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/12/hastuzeit_39_skillslab-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p>»Glücklicherweise handelt es sich hier nur um ein Rollenspiel«, sagt Dennis Christoph erleichtert, als er das Krankenzimmer wieder verlässt. Der Medizinstudemt im siebten Semester war aufgeregt: »Ich habe die Diagnose von der Patientin ›Johanna‹ erst kurz vorher erfahren und hatte kaum Zeit zum Nachdenken. Es fiel mir gerade zu Beginn unheimlich schwer, die richtigen Worte zu finden.« Durch die halbdurchlässige Verspiegelung des Patientenzimmers konnten Dennis&#171; Kommilitonen im angrenzenden Technikraum das Gespräch mitverfolgen. Die Evaluation erfolgt in vierfacher Form. Zunächst soll Dennis das Gespräch selbst bewerten. Er ist sich sicher, dass er viele wichtige Informationen vergessen hat, weil er so nervös war. Das anschließende Feedback der Patientin »Johanna« fällt positiver aus. Sie lobt die tröstenden Worte des Medizinstudenten und seine offene Körperhaltung ihr gegenüber. Gefehlt hat ihr der wichtige Verweis, dass sie sich und andere nun schützen müsse. Des Weiteren wäre es schön gewesen, wenn er sie gefragt hätte, wie sie nach Hause kommt und ob es jemanden in ihrer Familie gibt, der sie abholt. Es folgt ein anerkennendes Feedback der Kommilitonen und zum Schluss die professionelle Evaluation des Tutors, der nochmals den ständigen Blickkontakt zwischen Student und Patient als besonders positiv erwähnt. Dennis haben die lobenden Worte bestärkt, dennoch bleibt er realistisch: »Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich in solch einer Situation im medizinischen Alltag nun viel gefasster wäre. Jedoch ermöglicht der Austausch mit dem Schauspieler, dem Tutor und den Kommilitonen im Anschluss an das Gespräch eine so intensive Auseinandersetzung mit der Problematik, wie es später im klinischen Alltag wohl kaum möglich sein wird. Das hat mir ein Stück weit die Angst vor solchen Patientengesprächen genommen.«</p>
<h3>Lernen im geschützten Raum</h3>
<p>Das am 19. Oktober neu eröffnete Dorothea-Erxleben-Lernzentrum Halle der Medizinischen Fakultät stellt »den Aufbruch für eine bessere Lehre dar«, versichert der Rektor der MLU, Prof. Dr. Udo Sträter. Das Gebäude befindet sich in der alten HNO-Klinik in der Magdeburger Straße 12. In diesem sind künftig das SkillsLab (Trainingszentrum für die Ausbildung praktischer Fähigkeiten der Studenten), das Simulationszentrum zum Üben von Notfallsituationen, die Bibliothek sowie der PC-Pool untergebracht.</p>
<p>Dr. Andreas Fichtner, Leiter des SkillsLab, erklärt die Bedeutung der neuen Lernmöglichkeiten der Studenten: »Wichtig ist, dass angehende Mediziner die Praxisanwendungen nicht erst am Patienten erlernen. Hier haben sie die Möglichkeit, in einem geschützten Raum unter standardisierten Bedingungen ihre praktischen Erfahrungen auszubauen. Der große Vorteil: Beim Training dürfen Fehler gemacht werden, die im Alltag nicht passieren dürfen.«</p>
<p>Dennis und seine Kommilitonen haben nicht viel Zeit sich auszuruhen, denn das Rollenspiel stellt nur den Auftakt einer ganzen Reihe von Trainingseinheiten dar. Die nächste Station: Flexüle legen. Der Tutor macht es vor, dann sind die Studenten dran. Es folgt die Blutabnahme, das richtige Rezeptieren, die Vorbereitung von Infusionen, die orthopädische Untersuchung und so weiter. Der Leiter des SkillsLab erklärt: »Insgesamt haben wir 16 Trainingsstationen, die jeder Student ab dem siebten Semester zweimal im Jahr durchlaufen muss. Damit man bestmögliche Lernergebnisse erzielen kann, wechselt mit jeder Station auch der Tutor, der speziell in dem jeweiligen Bereich trainiert ist.« Ziel der Fakultät ist es, das Zentrum noch weiter auszubauen. »Im nächsten Jahr«, so Fichtner, »will man bereits 25 Stationen zur Verfügung stellen, um die Studenten noch besser auf den praktischen Alltag vorbereiten zu können.« Das sei ein großer Erfolg, musste man doch im alten SkillsLab mit nur sechs Trainingsstationen auskommen.</p>
<h3>Theorie versus Praxis</h3>
<p>Doch wie viel Praxis braucht ein (Medizin-)Student? Die Forderung nach der Vertiefung praktischer Fähigkeiten an Bildungseinrichtungen ist ein eher modernes Phänomen. An der Medizinischen Fakultät in Halle kam das Thema einer Ausweitung der Praxisanwendungen erstmals im Jahr 2002 auf. Der Vorwurf des Wissenschaftsrates: Man könne in dem Anwendungsbereich nicht mit anderen Universitäten konkurrieren. Laut Fichtner sollen die Studenten auch vor einer theoretischen Verbildung geschützt werden. Allerdings betont er, dass man bei dem Umfang praktischer Trainingseinheiten je nach Fachrichtung und persönlichem Anspruch differenzieren muss: »Man kann in dem Sinne keine genaue Gewichtung beider Komponenten festschreiben. Wichtig ist, dass gerade bei Medizinstudenten das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis ausgewogen ist.« Tendenziell sei es jedoch für Lehreinrichtungen schwieriger, die praktischen Fähigkeiten zu fördern. Das ist vor allem ein logistisches Problem bei derzeitig circa 1500 Medizinstudenten an der MLU.</p>
<p>Dennis kann von sich sagen, dass er durch die Übungen im SkillsLab vieles lernen konnte, was er später in seinem Beruf brauchen wird. Für ihn ist die Theorie, die in der Medizin bereits stark forschungsorientiert ist, trotzdem wichtiger als die Praxis: »Man kann letztendlich nur anwenden, was man in theoretischer Form verinnerlicht hat. Somit ist die Praxis ohne Theorie meistens nicht anwendbar«, gibt er zu bedenken. Nichts, so scheint es also, ist so praktisch wie eine gute Theorie. Andererseits: Was nützt schon eine ausgefeilte Theorie, wenn sie praktisch nicht umsetzbar ist? So unbestreitbar das dialektische Verhältnis, so unklar scheint doch die richtige Gewichtung beider Komponenten zu sein.</p>
<p>Fichtner freut sich auf jeden Fall über die ausschließlich positive Resonanz bezüglich des neuen Trainingszentrums, die das Vorhaben der Erweiterung des Zentrums unterstützt. Dank dieser neuen Lehreinrichtung könne man alle praktischen Fähigkeiten, zumindest auf grundlegendem Niveau, im Vorfeld erlernen. So haben die Studenten die Chance, auch zu Beginn ihrer medizinischen Karriere sicher aufzutreten. Ihre zukünftigen Patienten können beruhigt sein – der Praxis sei Dank.<br />
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		<title>Kulturgeschichte in grün</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 10:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Konrad Dieterich</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Nr. 38]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Fachbuch]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein kleines Tier wird immer wieder neu entdeckt. Bernd Hüppauf erzählt von der wechselvollen Beziehung zwischen Mensch und Frosch. Wie kommt ein Emeritus für Deutsche Literatur und Literaturtheorie der New York University dazu, sich ausgerechnet mit dem Frosch zu beschäftigen? Bernd Hüppauf erinnert sich an einen längst zugeschütteten Teich aus Kindertagen, an den Frosch in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Ein kleines Tier wird immer wieder neu entdeckt. Bernd Hüppauf erzählt von der wechselvollen Beziehung zwischen Mensch und Frosch.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_frosch_cover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7048" title="hastuzeit-38_frosch_cover" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_frosch_cover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wie kommt ein Emeritus für Deutsche Literatur und Literaturtheorie der New York University dazu, sich ausgerechnet mit dem Frosch zu beschäftigen? Bernd Hüppauf erinnert sich an einen längst zugeschütteten Teich aus Kindertagen, an den Frosch in der Hand und »mit Widerstreben« an den Frosch im Sezierbecken. So abseitig es auf den ersten Blick erscheint: In früheren Zeiten nahmen Frösche und Kröten einen wichtigen Platz in Kunst und Literatur, Religion und Wissenschaft ein, obgleich sie dem Menschen kaum von erkennbarem Nutzen und seiner Gestalt nicht eben ähnlich sind.<span id="more-7152"></span><br />
Den Mittelpunkt der Monographie bilden Kapitel, die jeweils aus kulturgeschichtlicher Perspektive den Mythos Frosch in Theologie und Magie, den Frosch als Subjekt und Objekt der Literatur und das Mensch-Frosch-Verhältnis in der Wissenschaft untersuchen. Als kulturelle Ausnahmeerscheinung beschreibt Hüppauf den abendländischen Raum: Hier hatte die Kirche, in Ablehnung vorchristlicher Mythen, Frosch und Kröte als böse, unmoralisch und giftig abqualifiziert. Die unkontrollierte Sexualität der Amphibien wurde als besonders abstoßend empfunden. Viele außereuropäische Kulturen bewerteten diese Fruchtbarkeit dagegen positiv: Frösche gelten in Ostasien und Afrika als Symbol für Glück und Reichtum.<br />
Mit zahlreichen Beispielen illustriert Hüppauf seine Geschichte vom Wandel des Froschbilds; ausgerechnet das Kapitel zur Literatur fällt dabei etwas dünner aus, und die Belege lassen teils zu wünschen übrig. Goethes Abhandlung und Gedicht zur Metamorphose der Pflanzen dient ihm als Nachweis für eine »Engführung von Naturwissenschaft und ästhetischem Bildungsprogramm«, in dem besonders die »bösen und hässlichen Tiere der theologischen und magischen Tradition« keinen Platz haben. Das vermag nicht recht zu überzeugen, zumal Goethe im Kapitel zur Wissenschaft erneut erwähnt wird und dort Frösche unter dem Mikroskop betrachtet. Und wenn Hüppauf konstatiert, dass die Hauptfigur in Günter Grass&#8217; <i>Blechtrommel</i> einem Frosch ähnle, dass gar der Roman selbst »zu einem Frosch wird, ohne dass er [Grass] es bemerkte«, werden ihm wohl nicht alle Leser folgen wollen.<br />
Als die Aufklärung Religion und Mythos beiseiteschiebt, ändert sich das Tierbild nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Wissenschaft. An die Stelle der sinnlichen Beobachtung und empathischen Begegnung mit dem beseelten Tier tritt seit Galvanis Froschschenkelexperimenten der Laborversuch, in dem der Frosch fixiert, zergliedert und objektiviert wird. Nachdem die inquisitorische Menschenfolter aus der Mode gekommen ist, versucht die Wissenschaft, dem Tier mit Marterinstrumenten seine Geheimnisse zu entlocken. Schmerzen werden hier jedoch absichtslos zugefügt und als Nebeneffekt hingenommen. Von Interesse sind allein die mechanischen Funktionen des Versuchsobjekts. Wenn heute weniger seziert werde und dafür Computermodelle herhielten oder gar durchsichtige Frösche gezüchtet würden, geschehe das vor allem aus praktischen Erwägungen, nicht aus Achtung.<br />
Für die ökologische Krise der Gegenwart macht Hüppauf einen umfassenden kulturellen Prozess verantwortlich, in dem Ethik alleine dem autonomen Subjekt gelte. Das Bild vom »Ökofrosch« breche fundamental mit dieser Tradition; es entstand nicht in der Philosophie, sondern in der Praxis der Umweltbewegung. Eine Ökoaktivistin lässt er davon erzählen, wie sie zum ersten Mal eine Kröte in die Hand genommen hat. Auch wenn man spätestens an dieser Stelle den Eindruck nicht los wird, dass Hüppaufs Wissenschafts- und Kulturgeschichte sehr viel mit seiner eigenen Biographie zu tun hat, erhellend sind seine Ausführungen allemal.<br />
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		<title>Es war einmal … Teil II</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 15:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia Kloschkewitz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Halle birgt eine der ältesten Hochschulen Deutschlands. hastuzeit unternimmt einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Universität und schaut, wie alles begann. Teil 2 Die Universität und die Stadt Halle sind eng miteinander verbunden. Erkennbar ist das an den grünen Universitätsschildern, die viele Gebäude weit über den Campus hinaus als Einrichtung der Hochschule kennzeichnen. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Halle birgt eine der ältesten Hochschulen Deutschlands. <i>hastuzeit</i> unternimmt einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Universität und schaut, wie alles begann. Teil 2</strong> <br /><p>Die Universität und die Stadt Halle sind eng miteinander verbunden. Erkennbar ist das an den grünen Universitätsschildern, die viele Gebäude weit über den Campus hinaus als Einrichtung der Hochschule kennzeichnen. Und spätestens, wenn man zwischen zwei Seminaren von einem Institut zum anderen durch die halbe Stadt eilen muss, merkt man, wie weit sich die MLU über Halle erstreckt.<span id="more-7086"></span></p>
<p>Schreibt man den Namen, also »Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg« aus, fällt auf, dass die MLU nicht auf Halle beschränkt ist. Zum Seminar nach Wittenberg musste bisher wohl kaum ein Student radeln.</p>
<h4>Erfolgsjahre für die Hochschule</h4>
<p>Als einer der Ausgangspunkte der deutschen Aufklärung unter den Rechtsgelehrten Christian Thomasius und dem Philosophen Christian Wolff gehörte die damalige Friedrichs-Universität im 17. Jahrhundert zu den bedeutendsten Hochschulen im deutschen Sprachraum.</p>
<p>Die Universitäts- und Landesbibliothek wurde 1696 gegründet. Heute ist sie mit über fünfeinhalb Millionen Bestandseinheiten die größte wissenschaftliche Allgemeinbibliothek Sachsen-Anhalts. Halles medizinische Fakultät gewann 1717 mit der Eröffnung des ersten deutschen Universitätsklinikums an Bedeutung. Der klinische Unterricht fand zunächst in den Franckeschen Stiftungen statt. Die Gebäude in der heutigen Magdeburger Straße und das Klinikum in Kröllwitz entstanden erst 1876 und 1971. Vor bedeutenden Medizinern wie Johann Christian Reil, Vater der deutschen Psychiatrie, promovierte 1754 die erste Frau Deutschlands. Dorothea Erxleben musste um ihre Zulassung an der medizinischen Fakultät kämpfen, doch sie konnte ihren Beruf als Ärztin dann offiziell ausüben.</p>
<p>Die Universität war zum Ende des 18. Jahrhunderts eine der erfolgreichsten und wichtigsten Hochschulen des Landes. Im Jahr 1806 allerdings eroberte das napoleonische Heer die Stadt und nahm sie ein.</p>
<h4>Das Doppelsiegel der Universität</h4>
<div id="attachment_7066" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_mlu_logo-e1321283963520.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7066" title="hastuzeit-38_mlu_logo" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_mlu_logo-e1321283963520-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© MLU Halle-Wittenberg</p></div>
<p>Das Hauptgebäude der Universität wurde von der Besatzungsmacht zum Lazarett umfunktioniert. Die Universität in Halle wurde 1807 geschlossen und die Stadt Teil des neu gebildeten Königreichs Westphalen. 1815 wird sie wieder dem Königreich Preußen zugesprochen. Wittenbergs Hochschule wird durch Napoleon 1814 geschlossen, die Stadt fiel 1815 nach dem Wiener Kongress an das Königreich Preußen. Zwei Jahre später entstand nach der territorialen Neuordnung aus den geschlossenen Hochschulen die Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg in Halle wieder. In Wittenberg wurde dafür das Evangelische Predigerseminar gegründet.</p>
<p>Die Besonderheit der Vereinigung der Universitäten findet sich auch im Doppelsiegel wieder, das die MLU bis heute verwendet: Die linke Hälfte des Siegels entspricht dem Abbild des Rektors der Universität Halle aus dem Gründungsjahr 1694. Es zeigt den damaligen Stifter, Kurfürst Friedrich III unter einem prunkvoll geschmückten Thronbaldachin. Das kurfürstlich-brandenburgische Majestätssiegel diente diesem als Muster. Auf den Schmuckbändern findet man die lateinische Inschrift: SIG: ACADEMIAE FRIDERICIANAE HALLENS: (Siegel der Friedrichsuniversität Halle). Die rechte Hälfte zeigt den Rektor und Stifter der Wittenberger Universität aus dem Gründungsjahr 1502, Friedrich den Weisen. Um die Wappenschilde herum findet man die Innschrift: ME AVSPICE. CEPIT. WITTENBERG. DOCERE. (Wittenberg hat unter meiner Herrschaft begonnen zu lehren).</p>
<p>Die vereinigte Universität zog 1834 auf den Campus und in das Hauptgebäude auf dem Uniplatz. Das heutige Löwengebäude wurde nach den Plänen der Architekten Ernst Friedrich Zwirner und Wilhelm Heinrich Matthias errichtet. 1868 erhielt es links und rechts neben der Freitreppe die namensgebenden Löwen.<br />
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 12:30:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In diesem Sommer fanden die ersten Veranstaltungen in der Schauburg statt. Doch nun wird dem Verein gekündigt, der seit einem Jahr versucht, das Objekt zu sanieren. Das &#187;Quotentrio&#171; schmettert gerade herzzerreißende Chansons der 20er bis 40er, als der große Sommersturm beginnt. Die Zuhörer, die bis dahin auf der gemütlichen Terrasse sitzen, flüchten in das Gebäude. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>In diesem Sommer fanden die ersten Veranstaltungen in der Schauburg statt. Doch nun wird dem Verein gekündigt, der seit einem Jahr versucht, das Objekt zu sanieren.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_schauburg2.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7046" title="hastuzeit-38_schauburg2" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_schauburg2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das &#187;Quotentrio&#171; schmettert gerade herzzerreißende Chansons der 20er bis 40er, als der große Sommersturm beginnt. Die Zuhörer, die bis dahin auf der gemütlichen Terrasse sitzen, flüchten in das Gebäude. Teile der Dachpappe fliegen über den Hof und beschädigen das Terrassendach. Die Veranstalter laufen umher und versuchen die Technik zu retten. Nun löst sich die Verankerung, das komplette Dach schleift über die Terrasse. Die Besucher interessiert derweil nur, woher der nächste Prosecco kommt. Während das Barpersonal versucht die letzten Gläser vor dem Sturm zu retten, gießen sich die Gäste selbst ein. Der Strom fällt aus und eine alte Dame holt verschmitzt eine Taschenlampe aus ihrer großen Tasche. Später gibt es Gratiskuchen und noch mehr Prosecco. Danach muss die Schauburg für ein, zwei Wochen schließen, das Dach reparieren und Sicherungsarbeiten durchführen lassen. Wie vom Pech verfolgt, bricht bei der kommenden Veranstaltung wieder ein Sturm los, diesmal bleibt das Dach heil. Doch auch bei Windstille macht der Gebäudekomplex einen baufälligen Eindruck, vom einstigen Glanz ist kaum noch etwas zu erahnen.<br />
Die Schauburg galt als eines der schönsten und größten Kinos der Weimarer Republik. Heute ist es eines der zwei letzten originalen Häuser der Großen Steinstraße. Seit letztem Jahr versucht der »Verein zur Förderung der freien Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt e. V.« den vergangenen Glanz des zerfallenen Gebäudes wieder zu beleben.</p>
<h4>Mit marodem Charme</h4>
<p>Die Schauburg soll zum größten freien Theater Sachsen-Anhalts werden sowie Ateliers, Künstlerwohnungen und eine Galerie beherbergen. Ein imposantes Vorhaben. Bereits im Februar hatte hastuzeit dem Objekt einen Besuch abgestattet, doch noch immer steckt der Verein in der Sanierungsphase, und große Teile des Hauses sind aus Sicherheitsgründen nicht begehbar. So wurde der Innenhof für die ersten Veranstaltungen hergerichtet, und in der Schauburg ertönte nach langer Zeit wieder lobender Applaus. »Zum Tag des offenen Denkmals wurden wir regelrecht überrannt«, freut sich der Vereinsvorsitzende des Vereins Nico Käfer. Viele ältere Besucher fühlten sich bei der Führung durch die historischen Gebäude an glanzvolle Zeiten erinnert. »Der marode Charme des Gebäudes kam sogar ganz gut an«, meint Nico Käfer. Daneben gab es aber auch relativ leere Veranstaltungen. Trotz einiger Höhepunkte kamen gerade 3000 der geplanten 5000 Besucher. Finanziell sei es nicht zufriedenstellend gewesen, »aber nun haben wir es endlich geschafft, von der Politik und der Wirtschaft ernstgenommen zu werden«, so Käfer. Der Verein konnte sich in den letzten Wochen über zahlreiche Förder- und Sponsoringangebote freuen. Und nach einem Jahr ist nun auch der Wille bei der Stadt Halle erzeugt, das Projekt voranzutreiben. Die Stadtwirtschaft hat angeboten, den Bauschutt kostenlos zu entsorgen. Es habe sich sogar ein Unternehmen gefunden, das das brüchige Dach reparieren will. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Winter ist das eines der wichtigsten Anliegen. Der Dachstuhl würde im jetzigen Zustand »nicht überleben, und das Objekt wäre ruiniert«, meint Nico.<a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_schauburg1.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7047" title="hastuzeit-38_schauburg1" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_schauburg1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<h4>Schauburg – auch ohne den Verein</h4>
<p>Das Haus birgt viele Schätze. Bei den Sanierungsarbeiten wurde ein Gewehr aus dem ersten Weltkrieg gefunden, auch der Originalfußboden aus dem frühen 17. Jahrhundert ist zum Teil noch erhalten. In versteckten Ecken finden sich Basalt und Granit, Bodenmarmorplatten führen zu den Hauseingängen. Vieles findet sich unter Beton, Dreck und DDR-Holzspanplatten. Eindrucksvolle Funde und dank des beinahe erfolgreichen Eröffnungsprogramms in naher Zukunft ein repariertes Dach – das klingt nach Schönwetterlage. Doch gerade jetzt, als der Verein eigentlich schon das Weihnachtsprogramm planen wollte, kündigt der Eigentümer fristlos. »Wir sind sehr traurig darüber, dass wir gezwungen sind, dem Verein zu kündigen«, so Petra Bredehorn-Mayr. Die Eigentümerin hat gehofft, dass sich die finanzielle Lage des Vereins durch das Sommerprogramm verbessert, aber die kalkulierten Besucherzahlen blieben aus. »Nun sind wir an einen Punkt gekommen, wo wir dieses Konzept nicht mehr subventionieren können.« Als sich der Verein zur Förderung der freien Kulturlandschaft letztes Jahr um das Objekt bewarb, war die Eigentümerin froh, dass er sich um die Erhaltung der Schauburg kümmern und die kulturelle Stätte wieder beleben will. Sie habe immer wieder versucht, den Verein zu unterstützen. »Wir haben erst viel später gemerkt, dass sich der Verein bei der wirtschaftlichen Arbeit überhoben hat, das wurde uns erst sehr spät signalisiert«, erklärt der zuständige Bauleiter Jürgen Dieter Wiegel. Die Schlüssel des Wohnhauses, in dem später einmal die Künstlergarderobe untergebracht werden sollte, musste der Verein bereits abgegeben. Ein Auszug kommt für Nico Käfer eigentlich nicht in Frage, der befürchtet, dass das Projekt Schauburg dann nicht mehr realisiert werden kann. »Wir würden den Eigentümern bei der Bewältigung des Objektes gern weiterhin mit unseren Kompetenzen unter die Arme greifen«, so Nico Käfer. Der Vorstandsvorsitzende wird den Eigentümern ein neues bzw. weniger umfangreiches Konzept vorlegen und hofft, dass dadurch ein neuer Pachtvertrag zu Stande kommt. Beide Parteien verfolgen das gleiche Ziel, nämlich der Schauburg wieder den alten Reiz zu verleihen oder sie zumindest erst einmal begehbar zu machen. Aber es gibt auch ohne Verein eine Perspektive für die Schauburg. »Wir hatten damals ein Konzept ausgearbeitet, bevor der Verein an uns herangetreten ist. Dies sollte eine Variante von wohnwirtschaftlichem Nutzen und der Wiederbelebung einer kulturellen Stätte sein«, so Wiegel. Die alten Pläne werden wieder aufgenommen. Das Objekt wird nun grundsaniert, und später können sich Interessenten, die eine künstlerische Plattform suchen, einmieten. Künstler, Vereine, Galerien sollen sich zeitweilig oder dauerhaft darin aufhalten, »sich künstlerisch einbringen und Gedanken entfalten können«, so Bredehorn-Mayr. Auch der Verein zur Förderung der freien Kulturlandschaft könne sich dann gern um Räume bewerben. Die Schauburg soll sich dann von ihrer besten Seite zeigen. Wann das aber genau sein wird, ist unklar. »Wir sind noch in der Planungsphase«, aber die Eigentümerin glaubt, dass nächstes Jahr die ersten Mieter einziehen können. »Vorerst gilt es aber das Objekt sturm- und winterfest zu machen«, so Bauleiter Wiegel.<br />
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		<title>Nawi? Pro!</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 16:34:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[NawiPro heißt das neue Informations- und Kommunikationsportal für Studierende der Naturwissenschaften an der MLU. Drei Absolventen der Biochemie haben das Portal ins Leben gerufen, um Studierenden bei ihrer Recherche nach Experiment-Protokollen, Methoden und weiteren Informationen zu helfen. Die Seite könnt Ihr aber nicht nur passiv benutzen, sondern auch aktiv daran mitarbeiten, das gesammelte Wissen zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>NawiPro heißt das neue Informations- und Kommunikationsportal für Studierende der Naturwissenschaften an der MLU. Drei Absolventen der Biochemie haben das Portal ins Leben gerufen, um Studierenden bei ihrer Recherche nach Experiment-Protokollen, Methoden und weiteren Informationen zu helfen. Die Seite könnt Ihr aber nicht nur passiv benutzen, sondern auch aktiv daran mitarbeiten, das gesammelte Wissen zu vermehren. <a href="http://www.nawipro.de">http://www.nawipro.de</a></p>
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		<title>Als internationaler Student in Halle</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 09:41:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helena Werner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie ist es, zum Studieren in ein völlig fremdes Land zu kommen, um auf unbestimmte Zeit dazubleiben? Ein Einblick in das Leben zweier internationaler Studenten in Halle. »Das Leben hier war mir anfangs zu strukturiert. Außerdem klang die deutsche Sprache für mich wie Rammstein«, beschreibt Hristo Stoykov seine ersten Eindrücke von Halle. Der 24-Jährige kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Wie ist es, zum Studieren in ein völlig fremdes Land zu kommen, um auf unbestimmte Zeit dazubleiben? Ein Einblick in das Leben zweier internationaler Studenten in Halle.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_hristo.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7059" title="hastuzeit-38_hristo" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_hristo-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>»Das Leben hier war mir anfangs zu strukturiert. Außerdem klang die deutsche Sprache für mich wie Rammstein«, beschreibt Hristo Stoykov seine ersten Eindrücke von Halle. Der 24-Jährige kommt aus Jambol, einer Kleinstadt im Südosten Bulgariens. 2006 zog er hierher, um »Business Studies« zu studieren. Bereits in der zehnten Klasse war ihm klar, dass er im Ausland studieren möchte. »Ich wollte gar nicht unbedingt nach Deutschland«, erinnert er sich.<span id="more-7160"></span> Auswahlkriterien für den Studienort waren ein Studienprogramm auf Englisch und eine einigermaßen stabile wirtschaftliche Lage im Studienland. Die anderen potenziellen Länder wie England oder die USA waren ihm letztendlich zu teuer und Spanien, Frankreich und Italien boten ihm kein Studienprogramm in englischer Sprache. »Außerdem ist Deutschland mit 2000 km nicht so weit weg von zu Hause.« Dass es dann Halle wurde, liegt vor allem daran, dass Halle und Jambol bis in die 80er Jahre Partnerstädte waren.</p>
<p>Die MLU ist in Sachsen-Anhalt generell aufgrund der internationalen und englischsprachigen Studiengänge bei Ausländern sehr beliebt. Es gibt 1632 internationale Studierende, die momentan eingeschrieben sind. Sachsen-Anhalt hat insgesamt rund 4800 ausländische Studenten, 2900 trifft man an den Universitäten, 1800 an den Fachhochschulen sowie über 100 an der Burg Giebichenstein. In der Gruppe der Osteuropäer sind die Bulgaren mit 67 Studenten in diesem Semester am stärksten vertreten. Trotzdem ist ihr Anteil zurückgegangen. Vor einem Jahr lernten an der Universität in Halle noch 75 bulgarische Studenten.</p>
<p>Hristos Heimatland, Bulgarien, gehört mit China, Russland, Vietnam, Jemen, Marokko, Ukraine, Polen, Syrien und Indien zu den häufigsten Herkunftsländern. Auch mit seinem Studienfach steht er für den Prototyp des ausländischen Studenten: »Business Studies«, was man mit BWL vergleichen kann, ist vor allem bei internationalen Studenten ein begehrtes Fach. Neben der Betriebswirtschaftslehre sind Medizin, Naturwissenschaften und Germanistik die beliebtesten Fächer bei ausländischen Studenten. Vor Studienbeginn wurden ihm von der MLU die gleichen Informationsordner zugeschickt, die auch deutsche Studenten bekommen. Ein ausführlicheres Informationsangebot gab es vor den Veranstaltungen nicht. »Alle Probleme werden versucht über die Sprechstunde, E-Mail usw. zu lösen. Wir sind sehr offen und hilfsbereit, aber uns sind enge Kapazitäten gesetzt«, sagt Ina Hieronymus, die gemeinsam mit Andrea Schreiter als Ansprechpartnerin im International Office, das bis Ende Oktober Akademisches Auslandsamt (AAA) hieß, zur Verfügung steht.</p>
<p>Laut dem AAA kann die Hilfestellung für ausländische Studenten im Vorfeld nur gering ausfallen, da Personal fehle. Es werde jedoch alles getan, um den ankommenden Studenten eine Orientierung zu bieten. So gibt es beispielsweise Tutoren, die den Studenten für bestimmte Studiengänge Hilfestellung leisten und bei lebenspraktischen Tätigkeiten wie zum Beispiel einer Kontoeröffnung zur Seite stehen. Das Buddy-Programm, in dem von Seiten der Studenten eine persönliche Betreuung angeboten wird, gibt es derzeit nur für Erasmus-Teilnehmer.</p>
<p>Manche internationale Studenten erfüllen nicht die Voraussetzungen, um an der MLU studieren zu können. Dann haben sie die Möglichkeit, sich über das Studienkolleg auf die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) vorzubereiten. Diese wird benötigt, um sich an deutschen Universitäten einzuschreiben. Nach der Immatrikulation ist es möglich, am Sprachenzentrum Deutschkurse zu belegen bzw. innerhalb des Studiums über das Modul »Deutsch als Fremdsprache« die Sprache zu lernen.<br />
»In keinem Land habe ich so eine gute Chance auf finanzielle Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität wie hier in Deutschland«, begründet Hristo seine Motivation, die deutsche Sprache gut zu beherrschen. So hat Hristo, der zu Beginn des Studiums kein Wort Deutsch konnte, mit dem Modul »Deutsch als Fremdsprache« sehr schnell die Sprache gelernt. Auch die vielen Kontakte, die sich durch die Uni und seinen Job als DJ ergaben, halfen ihm dabei.</p>
<p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_ghaith.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7057" title="hastuzeit-38_ghaith" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_ghaith-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Ghaith Al Mekdad hat bereits in seinem Heimtland Deutsch gelernt und in Halle sein Studium fortgesetzt. Sprachkurse an der Uni waren Teil seines Studiums. Er kam 2009 aus Daraa, einer Stadt im Südwesten Syriens, nach Halle. Hier studiert er, wie auch Hristo, »Business Studies«. Für Deutschland und insbesondere Halle entschied er sich, weil er hier schon Freunde hatte und sein Studienfach auf Englisch unterrichtet wird. Zudem ist Halle eine Partneruni seiner Uni in Syrien. Wie auch einige seiner Kommilitonen war er zuerst nur als Erasmus-Student in Deutschland und hat sein Studium anschließend verlängert.<br />
Seine Ankunft in Halle verlief ohne Probleme. Das lag auch daran, dass in seinem Studiengang viele Syrer studieren, wodurch die meisten Fragen bereits zu Beginn geklärt werden konnten.</p>
<p>Von den Angeboten des International Office, wie beispielsweise Hilfe bei der Wohnungssuche, wusste der 23-Jährige nichts: »Durch meine Freunde, die schon hier studierten, brauchte ich aber auch keine Hilfe von Seiten der Uni.« So kümmerte er sich selbstständig um einen Wohnheimplatz und bekam, wie auch Hristo, sehr schnell ein Zimmer vermittelt. »Ich habe es nicht bereut, in Halle zu studieren. Die Klischees von den Deutschen wurden zum Glück nicht erfüllt.« Seinen Master möchte Ghaith wegen des mangelnden Studienangebotes trotzdem nicht hier machen. Hristo will nächstes Jahr nach Berlin ziehen. Nach fünf Jahren in Halle verlangt es ihm nun doch nach einem Kontrastprogramm.<br />
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		<title>Bücher sind Reisen…</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 16:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Burg]]></category>
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		<description><![CDATA[und Buchstaben sind Klänge. Davon will Euch die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in ihrer neuen Ausstellung überzeugen. Ab dem 17. November sind im Volkspark Künstlerbücher, Typografie, Bucheinbände, Grafiken und Installationen zu sehen. In der Galerie stellt neben der Burg auch die Kunsthochschule Braunschweig aus. Gemeinsam haben sie das Medium Buch. Bücher verändern sich, sind in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>und Buchstaben sind Klänge. Davon will Euch die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle in ihrer neuen Ausstellung überzeugen. Ab dem 17. November sind im Volkspark Künstlerbücher, Typografie, Bucheinbände, Grafiken und Installationen zu sehen. In der Galerie stellt neben der Burg auch die Kunsthochschule Braunschweig aus. Gemeinsam haben sie das Medium Buch. Bücher verändern sich, sind in Bewegung. Texte verlassen die Seiten, markieren den Raum. Graﬁken erzählen Geschichten, werden lesbar. Die Ausstellung lädt ein zu einer Reise durch die Vielfalt der zeitgenössischen Buchkunst.http://www.burg-halle.de/galerie.html</p>
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		<title>Wissenschaft scheitert nie</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 15:15:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angela Unger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum immer nur über wissenschaftliche Erfolge reden? Das »Journal of Unsolved Questions« (JUnQ) nimmt vermeintliche Fehlschläge in den Blick. hastuzeit sprach mit einem der Gründer, Thomas Jagau, der an der Uni Mainz promoviert. 
JUnQ veröffentlicht ausschließlich Fälle von erfolgloser Forschung. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?
Am Anfang der ganzen Sache steht die Beobachtung, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Warum immer nur über wissenschaftliche Erfolge reden? Das »Journal of Unsolved Questions« (JUnQ) nimmt vermeintliche Fehlschläge in den Blick. <i>hastuzeit</i> sprach mit einem der Gründer, Thomas Jagau, der an der Uni Mainz promoviert.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_junq_cover.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-7068" title="hastuzeit-38_junq_cover" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_junq_cover-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<h5>JUnQ veröffentlicht ausschließlich Fälle von erfolgloser Forschung. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?</h5>
<p>Am Anfang der ganzen Sache steht die Beobachtung, dass Wissenschaft in der Praxis, wie man sie als naturwissenschaftlicher Student erlebt, zum Großteil aus Dingen besteht, die nicht funktionieren. In der Öffentlichkeit wird es aber so kommuniziert, als gebe es nur große Durchbrüche. Um diesen Widerspruch ein bisschen aufzulösen, haben wir das <a href="http://junq.info/" target="_blank">»Journal of Unsolved Questions«</a> gegründet. Wir denken, dass auch negative Resultate wertvoll sind.</p>
<h5>Auf eurer Website steht, eines eurer Ziele ist es, die Ehrlichkeit in der Forschung zu fördern. Gibt es da einen Bezug zu den bekanntgewordenen Plagiatsfällen in Deutschland?</h5>
<p> <span id="more-7078"></span>Wir hatten das Journal schon im Sommer 2010 gegründet, insofern ist die Idee schon älter. Allerdings haben diese Plagiatsaffären sicher dazu geführt, dass viele Leute auf unsere Zeitschrift aufmerksam geworden sind. Insofern hat uns das geholfen. Der Unterschied ist aber, dass bei diesen Fällen häufig der persönliche Titelerwerb im Vordergrund steht und nicht die Wissenschaft. Was uns damit verbindet, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass es auch in der Wissenschaft manchmal mehr Schein als Sein gibt. Also, dass weniger nach dem Inhalt einer Arbeit gefragt wird, sondern nach dem Glanz.</p>
<h5>Und mit dem Heft könnt ihr darauf Einfluss nehmen?</h5>
<p>Wir denken zumindest, dass mit der Publikation von Negativresultaten den Forschern der Druck genommen wird, ihre Ergebnisse aufzuhübschen. Wenn man nur große Durchbrüche veröffentlichen kann, ist natürlich die Verführung da, seine Ergebnisse so zu präsentieren, dass sie besonders gut aussehen. Und das muss nicht immer besonders ehrlich sein.</p>
<h5>Müsst ihr viel Überzeugungsarbeit bei den Wissenschaftlern leisten, damit sie bei euch publizieren?</h5>
<p>Viele Leute denken, das Scheitern fällt auf sie persönlich zurück. Sie glauben, dass sie dann als gescheiterte Wissenschaftler wahrgenommen werden. Natürlich ist die Gefahr immer da, dass die Ursache für das Scheitern irgendwie trivial ist – also dass es an den schlechten Methoden liegt, die man ausgewählt hat. Wir sind aber der Meinung, dass man auch im Falle eines fehlgeschlagenen Experiments trotzdem genügend Selbstvertrauen haben sollte.</p>
<h5>Gerade Geistes- und Sozialwissenschaftler sind gut darin, erfolglose Forschung so hinzubiegen, dass man sie als erfolgreich publizieren kann. Gab es schon Veröffentlichungen aus dem Bereich?</h5>
<p>Wir hatten Bereiche an der Grenze zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Zum Beispiel hat sich eine »Open Question« in der aktuellen Ausgabe mit der Wirkung von Epidemien auf die Monogamie beschäftigt. Die Autoren vertreten die Idee, dass durch Syphilis-Epidemien und andere Krankheiten monogames Verhalten vorteilhaft wurde. Das ist kein rein naturwissenschaftliches Thema mehr.</p>
<h5>Was bringt die Zukunft für eure Zeitschrift?</h5>
<p>Wir planen zwei Ausgaben pro Jahr und haben das bisher auch eingehalten. Die nächste Ausgabe ist für Januar 2012 geplant. Wir hoffen, dass wir das Ganze bis dahin ein bisschen mehr professionalisieren können. Wir wollen das Heft ein wenig mehr aus dem Rahmen der Universität herausheben. Es gibt auch Leute, die Interesse daran haben, unser Heft kommerziell zu vertreiben. Aber das ist noch nicht in trockenen Tüchern.<br />
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		<title>Starthilfe Buddy</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 13:43:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline</dc:creator>
				<category><![CDATA[hastuINTERESSE]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Auslandsaufenthalt ist nicht nur für die Erasmus-Studenten eine aufregende Zeit, sondern auch für ihre Buddies.  »Was kostet es, wenn man in Deutschland geblitzt wird?« Pawels Antwort auf meine Frage, wie seine Fahrt nach Halle war, verblüfft mich etwas. »Meine Schwester ist gefahren«, grinst er. Auch seine Schwester grinst. Und ich auch. Das Eis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Ein Auslandsaufenthalt ist nicht nur für die Erasmus-Studenten eine aufregende Zeit, sondern auch für ihre Buddies.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_buddies.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7056" title="hastuzeit-38_buddies" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_buddies-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a> »Was kostet es, wenn man in Deutschland geblitzt wird?« Pawels Antwort auf meine Frage, wie seine Fahrt nach Halle war, verblüfft mich etwas. »Meine Schwester ist gefahren«, grinst er. Auch seine Schwester grinst. Und ich auch. Das Eis ist gebrochen, bevor es entstanden ist. Pawel kommt aus Czeladz/Polen und studiert im fünften Semester »Business English«. Bis Ende März wird er an der MLU ein Auslandssemester absolvieren und an den Instituten für Wirtschaftswissenschaften sowie für Anglistik und Amerikanistik Leistungspunkte sammeln.<span id="more-7162"></span></p>
<p>Wir fuhren erst gemeinsam zum Studentenwerk und dann weiter zum Wohnheim. Der Einzug verlief problemlos und war innerhalb von zehn Minuten vollzogen. Danach ließ ich Pawel erst einmal in seinem neuen Heim ankommen. Später zeigte ich ihm die Umgebung, den nächsten Supermarkt, die nächste Tramhaltestelle. Am folgenden Morgen lernte er die Innenstadt kennen; bei strahlendem Sonnenschein präsentierte sich Halle von seiner besten Seite. »Ich fühle mich schon sehr wohl hier«, stellte er fest.<br />
Abends kam Pablo an. Er studiert seit vier Jahren Medienwissenschaften in Madrid und wird ein ganzes Jahr an der MLU bleiben. Ich holte ihn am Flughafen ab und brachte ihn zu seinem Wohnheim. Auch er kam an seinem ersten Tag in Halle in den Genuss einer sonnigen Stadttour.</p>
<p>Dann begann ein Leben nach Zeitplan. Davon blieben auch Pablo und Pawel nicht verschont, aber sie ertrugen es tapfer: »Wir richten uns danach, wann du Zeit hast, wir sind sehr dankbar für deine Hilfe.« Und ich war dankbar dafür, dass sie so mitzogen. Wenn ich sagte: »Wir treffen uns um zehn am Händel«, konnte ich mich darauf verlassen, dass sie um zehn am Händel waren.<br />
Dennoch waren die ersten Tage ziemlich stressig. Bis zu zehn Stunden am Tag war ich im Buddy-Einsatz. Noch mal zum Studentenwerk und zu den Hausverwaltern laufen, die zuständigen Fachbereichs-Koordinatoren treffen, die Institute zeigen, E-Mail-Adressen und sonstige wichtige Informationen beschaffen, bei Gesprächen übersetzen, zu IKEA fahren, Uni-Service-Card validieren, Stud.IP erklären und bei Kursanmeldungen helfen, bei der Stadt anmelden, Fahrrad kaufen, Konto eröffnen, deutsche Handynummern einrichten, noch mal zum Studentenwerk, …</p>
<p>»I don&#171;t have Mommy here – but I have my buddy!«, beschrieb Pablo meine Rolle einmal. »Ohne dich wäre ich hier bei fast allem total verloren gewesen«, fügt er dann noch hinzu. Pawel nickt bekräftigend: »Ich auch!« Dabei erfüllte ich doch nur die Buddy-Aufgaben. Und es war positiver Stress für mich. Dennoch muss ich zugeben: Ich war gewissermaßen rund um die Uhr in Alarmbereitschaft. Mein Handy war plötzlich immer aufgeladen, eingeschaltet, griffbereit und meistens auch noch auf laut. Ich wollte schließlich erreichbar sein. In diesen Tagen bekam ich eine Postkarte aus New York, der »Stadt, die niemals schläft«, wie die Grüße auf der Rückseite betonten. Ich fand, dass auch ich da ganz gut hinpassen würde.</p>
<p>Ich habe diese Zeit sehr genossen. Und Pablo und Pawel offensichtlich auch. »Allein hätte ich das alles nicht geschafft«, sagt Pablo. Dafür sei in seinem Fall die Sprachbarriere noch zu groß. Die deutsche Mentalität hat er auch schon etwas angenommen: »Die Pünktlichkeit – da hat mich mein Buddy geprägt.« Klischees über die Deutschen hatte er vor seiner Ankunft sonst keine, sagt er. Pawel berichtet, dass in Polen ein Deutschen-Stereotyp noch weit verbreitet ist: pünktlich, verträgt wenig Alkohol, trinkt wenig Alkohol, hält sich für etwas Besseres. Aber: »Nur die positiven Klischees haben sich für mich bewahrheitet!«<br />
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		<title>Ausgezeichnete Pharmazeuten</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 11:32:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nr. 38]]></category>
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		<description><![CDATA[Die hallischen Pharmazeuten um Prof. Dr. Karsten Mäder sind mit dem »Phoenix-Pharmazie-Wissenschaftspreis« ausgezeichnet worden. Sie erhielten den Preis Anfang November für ihre Arbeit in der Grundlagenforschung. »Der Preis hat mich überrascht und sehr gefreut«, so Mädler. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine verbesserte Methode für sogenannte »in situ«-Implantaten entwickelt. Die Implantate sind zuerst flüssig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die hallischen Pharmazeuten um Prof. Dr. Karsten Mäder sind mit dem »Phoenix-Pharmazie-Wissenschaftspreis« ausgezeichnet worden. Sie erhielten den Preis Anfang November für ihre Arbeit in der Grundlagenforschung. »Der Preis hat mich überrascht und sehr gefreut«, so Mädler. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine verbesserte Methode für sogenannte »in situ«-Implantaten entwickelt. Die Implantate sind zuerst flüssig und bilden erst im Körper des Patienten eine feste bzw. halbfeste Schale. Im Inneren befinden sich zum Beispiel Medikamente, die dem Patienten so über eine längere Zeit verabreicht werden können.</p>
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		<title>Über den Tellerrand geschubst</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 10:42:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die internationale Vernetzung während des Studiums ist nicht nur eine schöne Möglichkeit, sondern mittlerweile eine Voraussetzung für den Erfolg in einem überstaatlich ausgelegten Studiensystem. Eine Sprache lernen, neue Menschen treffen, eine andere Kultur verinnerlichen, das gewohnte Zuhause hinter sich lassen – für den Moment klingt ein Auslandsaufenthalt nach einem aufregenden Abenteuer als Teil des Studiums. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Die internationale Vernetzung während des Studiums ist nicht nur eine schöne Möglichkeit, sondern mittlerweile eine Voraussetzung für den Erfolg in einem überstaatlich ausgelegten Studiensystem.</strong> <br /><p>Eine Sprache lernen, neue Menschen treffen, eine andere Kultur verinnerlichen, das gewohnte Zuhause hinter sich lassen – für den Moment klingt ein Auslandsaufenthalt nach einem aufregenden Abenteuer als Teil des Studiums. Darüber hinaus ist es aber ein unumgänglicher Teil der Internationalisierung, die auch an den Universitäten immer weiter voranschreitet.</p>
<p>Hier bedeutet Internationalisierung, laut dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst, den weltweiten Austausch von Studierenden und Lehrenden, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Forschung und ihre Anwendung zur Lösung globaler Fragen. So werden die Hochschulkultur, als auch das Kreativitäts- und Innovationspotenzial in Forschung, Lehre und Studium bereichert und gesteigert. Mit international ausgebildeten Fachkräften sollen Strategien zum Umgang mit ethnischen, kulturellen und religiösen Konflikten entwickelt werden.</p>
<p>Für die Hochschulen steigt mit der Internationalisierung aber auch der Wettbewerb um die beste Forschung, die klügsten Köpfe und damit um die Anerkennung. Schließlich ist eine erfolgreiche, nicht national begrenzte, Arbeit der treibende Motor der Hochschulreform rund um den Bologna-Prozess. Die Hochschulen müssen entweder international sein oder haben auf lange Sicht keine Zukunft.</p>
<p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_essay_internationalitaet.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-7058" title="hastuzeit-38_essay_internationalitaet" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_essay_internationalitaet-272x300.jpg" alt="" width="272" height="300" /></a></p>
<p>Laut DAAD haben die Universitäten in diesem Bereich bereits große Fortschritte gemacht. Deutschland ist das drittstärkste Gastland für internationale Studierende geworden und auch Studenten aus Deutschland sind über die Landesgrenzen hinaus erfolgreich unterwegs.</p>
<p>Das neue Hochschulranking des »Centrum für Hochschulentwicklung« bescheinigt deutschen Hochschulen allerdings eine mangelnde Internationalität. Erstmals wurde hierfür 2011 auch die internationale Ausrichtung von Studiengängen verglichen. Dabei wurden unter anderem die Zusammenarbeit mit weltweiten Universitäten, die Integration von Auslandsaufenthalten im Studium und die internationalen Fachkenntnisse von Professoren und Dozenten in ihrem Fachbereich verglichen. Gerade Studiengänge wie Politikwissenschaft und Soziologie, die sich sehr gut staatenverbindend auslegen lassen und auch so ausgelegt sein sollten, schneiden nur schwach ab. Und vor allem beim massiv belegten Fach BWL zeigt sich ein Nachteil der Universitäten: nur 35 Prozent schaffen es in die Spitzengruppe für die Auswahl internationale Ausrichtung.</p>
<p>Auch die »Internationale Agentur zur Qualitätssicherung im Hochschulbereich«, kurz FIBAA, die in Deutschland als offizielle Akkreditierungsagentur anerkannt ist, beschäftigt sich mit der Bedeutung der Internationalität. Die Heranbildung weltweit hochqualifizierter Arbeitskräfte im Hochschulsektor und der grenzüberschreitende Austausch von Ideen, Studierenden, Lehrkräften und finanziellen Mitteln stärken die Rollen der Universitäten in der globalen Wirtschaft. Auf nationaler Ebene jedoch sorgen der erhöhte Wettbewerbsgedanke und die voranschreitende Auffächerung der Ausbildungsangebote für eine steigende Uneinheitlichkeit, die durch die Internationalisierung verstärkt wird. Nicht nur innerhalb eines Landes müssen Bundesländer und Hochschulstandorte sowie die verschiedenen Hochschulformen eine überschaubare Situation schaffen. Sie müssen im Kontext der Bologna- Reform ein national und international funktionierendes, transparentes und vergleichbares Studiensystem schaffen.<br />
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 09:20:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ausländischer Student kann man sich an der neuen Uni im fremden Land leicht überfordert fühlen. hastuzeit zeigt, wie man den Durchblick behält. © Vlad GerasimovGerade einmal jeder zehnte Student an der Uni Halle kommt aus dem Ausland. Das ist sogar im sachsen-anhaltischen Vergleich ziemlich wenig. Die Hochschule Anhalt konnte im letzten Wintersemester prozentual mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Als ausländischer Student kann man sich an der neuen Uni im fremden Land leicht überfordert fühlen. <i>hastuzeit</i> zeigt, wie man den Durchblick behält.</strong> <br /><p><div id="attachment_7055" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_worldmap.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7055" title="hastuzeit-38_worldmap" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_worldmap-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Vlad Gerasimov</p></div>Gerade einmal jeder zehnte Student an der Uni Halle kommt aus dem Ausland. Das ist sogar im sachsen-anhaltischen Vergleich ziemlich wenig. Die Hochschule Anhalt konnte im letzten Wintersemester prozentual mehr als doppelt so viele ausländische Studierende begrüßen. In Halle soll sich etwas ändern. »Bedenken wir die demografische Entwicklung, können wir im Jahr 2030 mit circa 20 bis 30 Prozent weniger Studierenden deutscher Nationalität rechnen«, meint der Auslandsbeauftragte der MLU, Prof. Dr. Jörg Kreßler.<span id="more-7163"></span> Gerade aus diesem Grund würde er sich mehr internationales Flair in Halle wünschen. Als Senatsmitglied hat er an der Internationalisierungsstrategie der MLU mitgearbeitet, die dieses Jahr in Kraft getreten ist. Darin heißt es, dass eine »Erhöhung des Anteils ausländischer Studierender an der Studierendenschaft« angestrebt wird. Die Kooperationen mit ausländischen Universitäten sollen intensiviert und erweitert, weitere internationale Studiengänge sowie studienvorbereitende Angebote entwickelt werden. Als Auslandsbeauftragter kümmert sich Kreßler um ausländische Mitarbeiter und Studenten und vermittelt zum Beispiel bei Rechtsstreitigkeiten oder in Fällen, bei denen sich jemand benachteiligt fühlt. Vor kurzem wurde einer Mitarbeiterin wegen fehlender fachlicher Kenntnisse gekündigt, die glaubte, aufgrund ihrer Nationalität benachteiligt zu werden. »Es stellte sich aber heraus, dass die Kündigung wirklich aus fachlichen Gründen ausgesprochen wurde«, so der Professor.</p>
<h3>Der Buddy als erster Ansprechpartner</h3>
<p>Manche Probleme entstehen auch einfach durch die verschiedenen kulturellen Hintergründe. Zum Beispiel kann man in Indien nicht exmatrikuliert werden, wenn man dreimal durchgefallen ist. »Dann steht eben eine fünf im Zeugnis, aber man kann nicht scheitern, denn das gilt als Gesichtsverlust«. Kreßler fungiert oft als Gesprächsvermittler und versucht, die unterschiedlichen kulturellen Sichtweisen zusammenzubringen. Um die vielen verschiedenen Eindrücke schon ab dem Ankunftstag ordnen zu können, bietet das International Office bereits zum zweiten Mal die ASQ Betreuung internationaler Studierender an. Teilnehmer erhalten einen ASQ-Schein, wenn sie mindestens einen »Incomer« bei den ersten Schritten in Deutschland begleiten. Die Erasmus-Studenten werden zum Beispiel von ihren Buddys vom Zug oder Flughafen abgeholt oder erhalten Hilfe bei der Kontoeröffnung. Der Buddy ist für die ausländischen Studierenden erster Ansprechpartner und Orientierungspunkt. Durch das Programm soll das Erasmus-Büro entlastet und die qualitative Betreuung des Einzelnen verbessert werden. »Die Resonanz letztes Jahr war sehr gut und hat unsere Erwartungen übertroffen«, so Anna Emelyanova, die als Koordinatorin für internationale Austauschprogramme über Incomer und Buddys wacht. Auch dieses Semester werden ausländische Studierende von Ansässigen betreut, ein paar Verbesserungsvorschläge wurden dabei umgesetzt. Statt einer Eins-zu-eins-Betreuung wie im letzten Jahr kümmern sich nun 29 Buddys um 57 Incomer. »Wir haben uns dafür entschieden, dass ein Buddy zwei Incomer betreut, da dies besser zu koordinieren ist«, meint Anna Emelyanova und findet, dass der Einführungsworkshop dadurch auch viel dynamischer geworden ist. Den besucht jeder Buddy vor Semesterbeginn. Dort werden Aufgaben erklärt und gemeinsam Ideen entwickelt. Um die ASQ-Punkte auch zu erhalten, muss ein Buddy mindestens das Standardprogramm erfüllen und seinen Schützlingen etwa die Umgebung zeigen oder anfangs etwas dolmetschen. »Alles was darüber hinaus geht, ist freiwillig und obliegt der gegenseitigen Sympathie«, so Emelyanova. Letztes Jahr haben sich ein paar Freundschaften entwickelt, die auch über die Landesgrenzen hielten. Im kommenden Jahr soll das Buddy-Programm erweitert werden und dann nicht mehr nur Erasmus-Studenten, sondern allen international Studierenden offen stehen.</p>
<h3>Verbesserungen vorantreiben</h3>
<p>Die Tutoren, die ebenfalls vom International Office organisiert werden, verwirklichen das bereits und organisieren zum Beispiel den wöchentlichen internationalen Stammtisch. Als dritte Säule steht daneben die Lokale Erasmusinitiative (LEI), bei der sich auch ein paar Buddys engagieren. Auch hier werden Veranstaltungen und Exkursionen geplant, um Erasmus-Studierende besser integrieren zu können. Für die Zukunft wünscht sich Anna Emelyanova, dass sich die »Vernetzung der Buddys, Tutoren und LEI besser gestaltet«. Kleine Schritte wurden schon gemacht, so waren LEI-Mitglieder und Tutoren dieses Mal beim Buddy-Workshop anwesend. Weiterhin entsteht derzeit online ein Forum, in dem sich Buddys später austauschen können. Als Tutor kann man sich aber auch im Studentenwerk engagieren. Hier kümmern sich zehn Helfer an den Standorten Halle, Köthen, Bernburg, Dessau und Merseburg um 1400 Studenten. Bei solchen Entfernungen ist es wichtig, dass sich die Tutoren regelmäßig in Arbeitskreisen treffen, um sich auszutauschen. Obwohl sich ein Tutor um 80 bis 140 Studenten kümmert, wird eine persönliche Betreuung angestrebt. So »nehmen sie schon vor der Ankunft via Internet Kontakt zu den neuen ausländischen Wohnheimlern auf«, erklärt Gundula Krelle, Bereichsleiterin für Studentisches Wohnen vom Studentenwerk. Am ersten Tag im Wohnheim erhält jeder eine Empfangsmappe mit den wichtigsten Informationen, Terminen und Ansprechpartnern sowie ein Semesterprogramm, in dem man etwa nachlesen kann, wo die nächste Feier stattfindet. Die Tutoren helfen bei Sprachschwierigkeiten, beantworten Fragen zu Krankenkasse und Versicherung oder vermitteln auch schon mal bei Rechtsstreitigkeiten. Eigentlich sind sie rund um die Uhr erreichbar, denn sie wohnen ebenfalls im Wohnheim. Die Bezahlung gestaltet sich in Form einer Mietminderung. »Man sollte sich in der Stadt schon etwas auskennen und auch noch eine Weile hier studieren. Wir haben Tutoren, die schon seit fünf Jahren dabei sind, sich dann auch mit ihrer Arbeit identifizieren können und uns helfen, das Programm zusammen weiter zu entwickeln«, so Gundula Krelle weiter. Darum geht es: Schwierigkeiten zu erkennen und Verbesserungen voranzutreiben. Das erfordert viele Gespräche und auch viele kleine Veränderungen, wie die Bereitstellung englischsprachiger Arbeitsunterlagen und Skripte. Jörg Kreßler wünscht sich zum Beispiel, dass »der Internetauftritt der Uni und der Stadt sprachlich angepasst wird«, damit sich Interessenten ausführlich informieren können. Baustellen gibt es noch viele. Zurzeit scheitert man als Neuankömmling bereits am Immatrikulationsamt, denn »dort gibt es niemanden, der ausreichend Englisch spricht«, stellt der Auslandsbeauftragte fest.<br />
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		<title>Wir träumen immer von schönen, reichen Ländern!</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 07:02:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In einer Bibliothek in Tipitapa können Deutsche einen Freiwilligendienst absolvieren. Dabei zeigen sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch zahlreiche Unterschiede. Tipitapa, eine Kleinstadt in Nicaragua. Die Luft ist noch nicht ganz schwül, trotzdem ist es warm, und der Ventilator in dem kleinen Zimmer läuft seit gestern Abend unentwegt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Nicaragua zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. In einer Bibliothek in Tipitapa können Deutsche einen Freiwilligendienst absolvieren. Dabei zeigen sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch zahlreiche Unterschiede.</strong> <br /><p><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_nicaragua.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7060" title="hastuzeit-38_nicaragua" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_nicaragua-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Tipitapa, eine Kleinstadt in Nicaragua. Die Luft ist noch nicht ganz schwül, trotzdem ist es warm, und der Ventilator in dem kleinen Zimmer läuft seit gestern Abend unentwegt. Das leicht zerrissene, orangefarbene Moskitonetz wird durch die Luftzufuhr leicht vor- und zurückgeschwenkt. Argentina brät zum Frühstück Ei auf Tortilla und Reis mit Bohnen. Ihre 23-jährige Tochter Claudia ist schon zur Zona Franca aufgebrochen. In der Textilfabrik arbeitet sie für einen Monatslohn von umgerechnet 50 Euro und kontrolliert die Verarbeitung der Nähte von Jeanshosen, die für den Export hergestellt werden. Die Brüder gehen vor das Haus auf die Straße und treffen sich mit Freunden. Alle zwei Monate werden sie im Bus nach Honduras oder Costa Rica reisen, um als billige, illegale Arbeitskräfte auf Baustellen zu arbeiten. Manuel, auch ein Bruder von Claudia, bleibt liegen und schläft bis zum Nachmittag seinen Rausch aus. Die älteste Schwester und vierfache Mutter Leira fängt an, Kleidung im Waschbecken über einem geriffelten Steinbrett zu waschen. Argentina beginnt, den Erdboden in der Küche und vor dem Haus zu kehren. Ihre fünf Kinder haben verschiedene Väter. Zwölf Personen leben hier auf 30 Quadratmetern: ein Holzhaus mit Wellblechdach und eingesetzten, dünnen Holzwänden. Auf dem 15-minütigen Weg zur Bibliothek rufen die Männer den europäischen Frauen hinterher: »Hey Chelita, gib mir einen deutschen Kuss, meine Liebe, nimm mich mit in dein Land.« Ein Vater hält seinen Sohn auf dem Arm und flüstert ihm liebevoll etwas zu. Daraufhin schreit der vierjährige Junge »Gringa«, das in Lateinamerika für US-Amerikanerinnen gebraucht wird. Die Straßen zum Markt hin riechen leicht nach organischem Abfall. Auf den Bürgersteigen liegt seit Wochen derselbe Müll. Aus den farbenfrohen, vergilbten Häusern, auf deren Verandas meist eine Stoffhängematte schaukelt, schallt Reggaeton oder mexikanischer Mariachi. Es wird heiß, und die Haut beginnt, einen Schweißfilm zu bilden, so dass sich der Staub aus der Luft festsetzt.</p>
<h3>Ein Pro-Kopf-Einkommen von 1127 Dollar</h3>
<p>Nicaragua ist nach Haiti das zweitärmste Land in Lateinamerika. Im Jahr 2010 lebten 9 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag. 44,5 Prozent müssen mit weniger als zwei Dollar auskommen. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt im größten Land Mittelamerikas 1127 US-Dollar. In Deutschland sind es 42710. Jeder fünfte Nicaraguaner lebt im Ausland. Allein in den USA leben eine Viertelmillion, die ihre Familien in der Heimat finanziell unterstützen.</p>
<h3>Der Blick nach Deutschland</h3>
<p>Martin, 23, ist einer der nicaraguanischen Freiwilligen der Bibliothek. Er studiert Geografie an der Universidad Nacional Autonoma de Nicaragua in Managua. Nachdem er sein Diplom beendet hat, möchte er nach Europa kommen, um hier einen Master an einer deutschen oder italienischen Universität zu absolvieren. »Die Bildung dort ist besser. Sie haben dort mehr Spezialisten und sind weiter entwickelt. Ich kann die Ideen dort nehmen und sie nach Nicaragua zurückbringen und schauen, was ich damit machen kann.« Martin würde zum Beispiel gerne eine ökologische NGO gründen. »Es scheint, als ob hier niemand wirklich weiß, was es hier eigentlich alles gibt.« Nicaragua hat als »Land der tausend Vulkane« einiges zu bieten: Die vielseitige Natur des tropischen Landes zeichnet sich durch Seen und Lagunen aus. Die Gebirge im Zentrum und im Norden des Landes, die Regenwaldregion im Osten und die Karibik entlang der Atlantikküste und den Inseln sprechen für die Vielfalt der Natur. Juan Carlos, 24, ist ebenfalls ehrenamtlicher Mitarbeiter in dem Projekt und plant, ab Januar 2012 als Au-pair ein Jahr in einer deutschen Familie in Koblenz zu leben. »Wir sprechen in Lateinamerika immer über schöne Länder, über reiche Länder, und ich möchte sehen, ob Deutschland das wirklich ist.« Der Psychologiestudent glaubt, dass die Kommunikation in der deutschen Familie besser sein wird als in seiner eigenen, und freut sich darauf, Deutsch perfekt lernen zu können. Die Politik unter Daniel Ortega in seinem Land gefalle ihm nicht. Außerdem erwähnt er die Probleme im Bildungssystem, die Armut und die hohe Kriminalität.</p>
<h3>Wir sind nicht alle so</h3>
<p>Dass Nicaragua ein Entwicklungsland sein soll, junge Menschen, die sich eine bessere Zukunft in Deutschland erhoffen, die Stereotypen in den Medien – all das sieht Mayde, 26, in einem kritischen Kontext. Sie studiert an der gleichen Universität wie Martin Kommunikationswissenschaften und Philologie. Als Au-pair in Hamburg hat sie bereits die deutsche Kultur erleben können. Den im Alltag viel genutzten Begriff Dritte Welt mag sie überhaupt nicht: »Es gibt nur eine Welt, aber unterschiedliche soziale und ökonomische Bedingungen.« Ebenso wenig gefalle ihr das Wort Entwicklungsland: »Ehrlich gesagt muss man akzeptieren, dass Nicaragua nie das Niveau von Deutschland oder anderen europäischen Staaten erreichen wird.« Deswegen sei es Unsinn, irgendein Adjektiv vor Nicaragua setzen zu wollen. Mayde liest oft im Internet Erfahrungsberichte von Deutschen und fühlt sich manchmal in ihrer Würde als Nicaraguanerin gekränkt. Wenn Erlebtes auf Blogs oder nach der Rückkehr der Freiwilligen wiedergeben wird, dann können die Leser und Zuhörer durch einseitige, negative Schilderungen ein verzerrtes Bild der nicaraguanischen Kultur bekommen. »Wenn sie über Partys und die Fröhlichkeit hier reden, dann ist alles gut, aber auf der anderen Seite kritisieren Deutsche die Menschen hier für ihre Art, gelassen und unbesorgt zu leben.« Die junge Frau mag nicht, dass viele Ausländer Stereotypen über ihre Landsleute entwickeln. »Es gibt einige, die denken, dass Nicaraguaner nur faul wären und wollten, dass man ihnen alles schenkt. Natürlich gibt es solche, aber wir sind nicht alle so.«<br />
Dass die Familie von Argentina auf kleinem Raum lebt, sieht sie nicht als etwas Schlechtes an, da sie von Anfang an in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem fast alles geteilt worden ist. Immerhin kommt Claudia jeden Tag erschöpft, aber strahlend um halb sechs abends nach Hause und schließt ihre aufgedrehte dreijährige Tochter Arianna in die Arme. Der sieht man übrigens gar nicht an, dass ihre Mutter nicht viel verdient: die hochgesteckten Haare, ein langes weißes Folklorekleid, saubere Füße, die in zierlichen Sandalen stecken, und der Duft eines Kinderparfums. Sie plauschen während des Abendbrots. Die Brüder gehen nach dem Essen wieder auf die Straße. Uriel raucht eine Zigarette, am Wochenende trinkt er auch mal ein Bier. Amilka hat Alkohol und Nikotin noch nie gemocht.<br />
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		<title>Unterschreiben Sie hier, dann nur noch Koffer packen</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 16:46:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Angela Unger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Interkulturelle Kompetenz. Eine einmalige Erfahrung. Und nie wieder im Leben so einfach. All das habe ich mir in den letzten Jahren von älteren Studenten zum Thema Auslandssemester angehört. »Schau mal zu, dass du das organisiert bekommst!« raunte mir noch vor wenigen Monaten auf einer Party ein Burgstudent ins Ohr. Die Tatsache, dass ich schon im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interkulturelle Kompetenz. Eine einmalige Erfahrung. Und nie wieder im Leben so einfach. <span id="more-7165"></span>All das habe ich mir in den letzten Jahren von älteren Studenten zum Thema Auslandssemester angehört. »Schau mal zu, dass du das organisiert bekommst!« raunte mir noch vor wenigen Monaten auf einer Party ein Burgstudent ins Ohr. Die Tatsache, dass ich schon im Masterstudium bin, aber noch nicht weg war, traf regelmäßig auf Verwunderung oder sogar Empörung.<br />
Dabei ist es nicht so, dass ich nicht wollte. Ganz im Gegenteil, ich konnte es kaum erwarten, mal rauszukommen. Aber nicht irgendein Land bitteschön! Besonders Nordeuropa und die britischen Inseln hatten es mir angetan. So beschloss ich vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und mich um ein Studium im Ausland zu kümmern. Von Erasmus hat ja wahrscheinlich jeder schon einmal etwas gehört und wie herrlich einfach das den Austausch zwischen den europäischen Unis macht.<br />
Anfang 2010 saß ich zum ersten Mal mit leuch-tenden Augen im Büro des Akademischen Auslandsamtes am Universitätsring. Hier wurde ich aufgeklärt, dass der Austausch per Erasmus-Stipendium nur mit gegenseitigen Abkommen funktioniert, die jeder Fachbereich individuell abschließt.<br />
Meine Pläne waren andere: In Leicester (Großbritannien) hatte ich eine Uni entdeckt, die einen Studiengang anbot, der inhaltlich gut zu meiner Bachelorarbeit passte. Perfekt!<br />
Leider sah das die Leiterin meines Instituts nicht so. Erasmus-Abkommen erfordern einen regelmäßigen Austausch sowohl zwischen Studenten als auch zwischen Lehrenden. Wieso sollte man in Leicester an uns interessiert sein? Und erst die Kosten für die Dozenten! – Erasmus war für mich in diesem Moment gestorben. Kein passendes Abkommen, kein Austausch.<br />
Meinen Bachelor bestand ich auch ohne Auslandsaufenthalt. Aber wann wäre die Gelegenheit wegzugehen besser gewesen als direkt danach? Zwischen Bachelor und Master kam ich auf die Idee, im Ausland zu arbeiten. Ein Praktikum wird schließlich auch gefördert.<br />
Für Absolventen (wie mich in diesem Fall) heißt das entsprechende Förderprogramm Leonardo. Die Koordinatorin dazu sitzt in Magdeburg. Von ihr erhielt ich nach Beantragung eine Liste mit Praktikumsstellen in Europa, die sich in den letzten Jahren bewährt hatten. Für mein Fach war nicht allzu viel dabei, trotzdem bewarb ich mich. Leider ohne Erfolg. Wieder verloren.<br />
Anfang dieses Jahres verabschiedeten sich zwei Kommilitonen von mir für längere Praktika an verschiedene Goethe-Institute. Und hier kam mir ein letzter Hoffnungsschimmer. Ein winziges Praktikum nur in den Semesterferien könnte ich ja machen. Ich überprüfte, welche europäischen Goethe-Institute Praktikanten für zwei oder drei Monate nehmen würde. Es blieben: Warschau, Budapest und Stockholm. An alle drei schrieb ich Bewerbungen. Die ersten beiden wurde rasch abgelehnt. In Stockholm war zufällig gerade eine Freundin von mir im Goethe-Institut als Praktikantin beschäftigt, als meine Bewerbung (zusammen mit 80 anderen) auf den Tisch kam. Und sie hat das dann geregelt. Ab Februar 2012 bin ich in Schweden!<br />
Ob meine Hartnäckigkeit belohnt wurde? Ich glaube nicht. Ich denke, ich hatte einfach nur Glück. Und nachdem ich nun weitere dreimal im Akademischen Auslandsamt unserer Uni war, weiß ich jetzt auch welche Förderung ich beantragen darf: Erasmus-Praktikum. Das kennt Ihr noch nicht? Wozu auch? Es ist ja alles so furchtbar einfach zu regeln.<br />
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		<title>Küssen, Tanzen, Demonstrieren</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 16:45:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Monaten gehen Chiles Studenten im Kampf um freie Bildung auf die Straße. © Francisco Osorio
Studiengebühren von bis zu 600 Euro monatlich an der Mehrzahl der privaten Hochschulen. Das sind 7200 Euro pro Ausbildungsjahr – ein schlechter Scherz? In Chile Realität. Da dies nur die Minderheit der Studenten selbst aufbringen kann, lassen sich staatliche Darlehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<strong>Seit Monaten gehen Chiles Studenten im Kampf um freie Bildung auf die Straße.</strong> <br /><div id="attachment_7053" class="wp-caption alignright" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_chile2.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7053" title="hastuzeit-38_chile2" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_chile2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Francisco Osorio</p></div>
<p>Studiengebühren von bis zu 600 Euro monatlich an der Mehrzahl der privaten Hochschulen. Das sind 7200 Euro pro Ausbildungsjahr – ein schlechter Scherz? In Chile Realität. Da dies nur die Minderheit der Studenten selbst aufbringen kann, lassen sich staatliche Darlehen oder Bankkredite mit hohen Zinsen kaum umgehen. Im Schnitt starten Studenten mit 45000 Euro Schulden ins Berufsleben. Eine enorme Belastung, der nicht jeder gewachsen ist.</p>
<p>Karl Boehmwald kommt aus der Nähe von Santiago de Chile und studiert seit 2009 in Halle Politikwissenschaften und Soziologie. »Ich habe selbst ein Jahr an einer staatlichen Universität in Chile Soziologie studiert und musste trotzdem noch 140 Euro im Monat bezahlen.« Wer es sich leisten kann, versucht, einen Platz an einer privaten Hochschule zu bekommen. »Die meisten wollen nicht an staatliche Unis, weil sie schlecht ausgestattet sind, materiell wie personell. Die Ausbildung hat keine Qualität«, erklärt Karl.</p>
<p>Das wollen die jungen Leute in Chile sich nicht länger bieten lassen. Sie gehen seit Mitte Mai auf die Straße um eine grundlegende Reformierung des Bildungssystems einzufordern. Der universitäre Betrieb steht in weiten Teilen des Landes seither quasi still. Wenn Fakultäten besetzt werden oder Protestmärsche stattfinden, herrscht in den Hörsälen gähnende Leere. Neben den großen Demonstrationen machen die Studenten immer wieder mit kreativen Aktionen auf sich aufmerksam. So wurde beispielsweise vor dem Präsidentenpalast »Thriller« von Michael Jackson aufgeführt. Mehr als 2000 junge Menschen tanzten auf den Straßen, um Aufmerksamkeit zu erregen, oder veranstalteten Wasserschlachten und Fahrradtouren um den Präsidentenpalast. Einmal organisierten sie einen »Küssmarathon«. Stundenlang sah man am 6. Juli 2011 auf der Plaza de Armas in Santiago engumschlungene Pärchen. »Damit versuchen sie positive Beachtung in den Medien zu erlangen, was ihnen teilweise auch gelingt«, erläutert Karl.</p>
<h4>Die Cacerolazos ertönen wieder – erstmals seit mehr als 20 Jahren</h4>
<div id="attachment_7054" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_chil1.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-7054" title="hastuzeit-38_chil1" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/11/hastuzeit-38_chil1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">© Pablo Villaroel</p></div>
<p>Karl war in diesen Semesterferien selbst bei einigen Demonstrationen dabei. »Es ist unglaublich. Ich habe schon öfter demonstriert, doch noch nie haben unsere Aktionen solche Dimensionen angenommen.« Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die allabendlichen Cacerolazos. »Die Bewohner Santiagos, Menschen aller Schichten, öffnen ihre Fenster und schlagen wie wild auf Kochtöpfe und Pfannen. Das ergibt einen Höllenlärm«, erklärt er begeistert. Damit bekunden die Bürger ihre Solidarität mit den protestierenden Studenten. Die Cacerolazos haben in Chile eine lange Tradition. Sie dienten schon als Protestform gegen die Militärdiktatur Pinochets vor über 20 Jahren. Fast symbolträchtig erscheint es, wenn man bedenkt, dass die Wurzel allen Übels, der Grund für die heutigen Studienbedingungen, in der Zeit seiner Gewaltherrschaft liegt. Augusto Pinochet bekämpfte Oppositionelle und Andersdenkende mit unglaublicher Härte. Er leitete, auf Rat der Chicago Boys, eine radikale wirtschaftsliberale Wende ein. Die US-Ökonomen studierten an der University of Chicago bei der liberalen Wirtschaftsikone Milton Friedman. Die konsequent durchgesetzten neoliberalen Reformen machten auch vor dem Bildungssystem nicht halt. 1981 wurde schließlich die kostenlose Hochschulbildung gänzlich abgeschafft. Die Kosten für das Bildungswesen haben seitdem die Kommunen selbst zu tragen. Ist eine Kommune reich, ist die Qualität der Ausbildung gut, ist sie es nicht, ist es die Bildung auch nicht. Private Bildungsträger boomen. Wer das meiste Geld hat, kann seine Kinder auf die besten Schulen schicken. Enorme soziale Ungleichheit: in Chile an der Tagesordnung. Die öffentlichen Kassen geben laut einer Studie der OECD jährlich gerade einmal 838 Dollar pro Student aus. Der durchschnittliche Betrag in den OECD-Ländern ist jedoch zehnmal so hoch.</p>
<h4>Der Druck auf die Regierung steigt</h4>
<p>Die Mitte-Links-Regierungen nach dem Fall Pinochets haben daran nichts geändert. »Es wird zehnmal mehr Geld für das Militär aufgewendet als für das Schulwesen«, beschwert sich Karl. Er selbst informiert sich hauptsächlich mit argentinischen Online-Zeitungen. »Diese berichten objektiver als die chilenischen«, sagt er. »Die Protestmärsche verlaufen an sich friedlich, aber natürlich gibt es eben auch immer Radikale, die aus ideologischen Gründen oder einfach nur aus Spaß mit Steinen um sich werfen. Dann kommt die Polizei, und die meisten Leute gehen nach Hause. Nur die Randalierer liefern sich Straßenschlachten mit Polizisten.« Solche Szenen seien für die örtlichen regierungstreuen Medien ein gefundenes Fressen, um die Demonstranten in ein schlechtes Licht zu rücken.</p>
<p>Chile wird derzeit, erstmals seit der Diktatur, von einer Mitte-Rechts-Regierung, unter der Präsidentschaft Sebastián Piñeras, geleitet. Dessen Umfragewerte liegen nun bei einem Rekordtief von 27 Prozent. Um an der Macht zu bleiben, wechselte er bereits den Bildungsminister. Zusammen legten sie zwei Reformvorschläge vor. Die Konföderation der Studenten Chiles, kurz Confech, lehnte beide ab. Sie würden Mängel nur retouchieren. Die 23-jährige Vorsitzende Camilla Vallejo, Mitglied der kommunistischen Partei, fordert grundlegende Reformen. Eine Umgestaltung des Steuersystems sei die einzig mögliche Lösung. Das denkt auch Karl. Doch er selbst betrachtet die Chancen dafür mit einem realistischen Blick.</p>
<p>»Ich denke nicht, dass es den Studenten kurzfristig gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen«. Ein Chile ohne Privatschulen kann er sich nicht vorstellen. »Was wir allerdings erreicht haben, ist Bildungspolitik zu einem bedeutenden Thema gemacht zu haben. Die Problematik wird nicht mehr nur unter Studenten diskutiert, sondern ist in den Köpfen aller Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten angekommen.« Dies zeigt sich daran, dass mehr und mehr Familien, Arbeiter und Lehrer an den Demos teilnehmen. »Mütter setzen sich kämpferisch für die Chancen ihrer Kinder ein und versuchen die Protestmärsche gewaltfrei zu halten«, berichtet Karl. »Ich bin mir sehr sicher, dass es das dominierende Thema bei den nächsten Wahlen 2013 sein wird.« Aller Voraussicht nach wird Piñera diese nicht überstehen. Jedoch gebe es keine ernstzunehmenden politischen Alternativen, da auch die Opposition keine für die Confech akzeptablen Lösungsvorschläge anbiete.<br />
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		<title>Einschreiberekord</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 16:31:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Leonhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An der MLU studieren so viele Menschen wie noch nie: Ende Oktober waren genau 20.255 Studenten an der Uni Halle eingeschrieben. Knapp 4.500 neue Studierende sind in diesem Semester nach Halle gekommen. Die Uni hatte in der Vergangenheit versucht, immer mehr Interessenten aus den alten BundeslÃ¤ndern zu gewinnen â mit Erfolg: Vier von zehn Erstsemestern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An der MLU studieren so viele Menschen wie noch nie: Ende Oktober waren genau 20.255 Studenten an der Uni Halle eingeschrieben. Knapp 4.500 neue Studierende sind in diesem Semester nach Halle gekommen. Die Uni hatte in der Vergangenheit versucht, immer mehr Interessenten aus den alten BundeslÃ¤ndern zu gewinnen â mit Erfolg: Vier von zehn Erstsemestern stammen aus dem Westen. Vor zwei Jahren waren es nur zwei von zehn. Wie auch im vergangenen Wintersemester finden aufgrund der Raumknappheit Vorlesungen im Steintor Varieté und in der Händelhalle statt.</p>
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<h4><a class="infopopup" rel="bookmark" title="Worüber wird eigentlich schon so lange und so viel gestritten? || 25. Juli 2011" href="http://hastuzeit.de/2011/kleine-geschichte-des-gsz/"><img class="size-thumbnail wp-image-6834" title="hastuzeit-37_web_gsz3" src="http://hastuzeit.de/uploads/2011/07/hastuzeit-37_web_gsz3-150x150.jpg" alt=""    height="30" width="30" /> Kleine Geschichte des GSZ</a></h4>
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