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		<title>Anmerkungen zu Sarrazin</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 13:46:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>

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		<description><![CDATA[Anmerkung 1: Das dumpfe Gef&#252;hl, betrogen zu werden. So gef&#228;hrdet die Hetzjagd auf Sarrazin unsere Demokratie Es gibt bei vielen Menschen einen harten Bruch zwischen dem, was sie t&#228;glich erleben, und dem, was in den Medien und der Politik Ber&#252;cksichtigung findet. Beispiel Kriminalit&#228;t: In der hiesigen Lokalpresse gib es genau eine Stelle die nicht manipulierbar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anmerkung 1: Das dumpfe Gef&#252;hl, betrogen zu werden. So gef&#228;hrdet die Hetzjagd auf Sarrazin unsere Demokratie</strong><br />
Es gibt bei vielen Menschen einen harten Bruch zwischen dem, was sie t&#228;glich erleben, und dem, was in den Medien und der Politik Ber&#252;cksichtigung findet. Beispiel Kriminalit&#228;t: In der hiesigen Lokalpresse gib es genau eine Stelle die nicht manipulierbar ist. Regelm&#228;&#223;ig werden Bilder von gesuchten EC-Karten-Betr&#252;gern abgedacht. Man sieht auf ihnen: Nicht-Deutsche. Die Berichterstattung &#252;ber schwere Straftaten: Entweder die T&#228;ter tragen nicht-deutsche Vornamen oder es werden gar keine Namen genannt. Man redet mit Lehrern &#252;ber Problemsch&#252;ler, die dann mehrheitlich nicht-deutscher Herkunft sind. Oder mit Polizisten &#252;ber ihre „Kundschaft“: Neben Junkies haupts&#228;chlich Nicht-Deutsche. Ehrenmorde, Zwangsverheiratungen und anderes Migrantenspezifisches seien nicht einmal ber&#252;cksichtigt. Jetzt schaltet man den Fernseher ein: &#214;ffentlich-rechtlicher Rundfunk. Da l&#228;uft recht viel von und mit Migranten und &#252;ber Integration. Erfolgsgeschichte reiht sich an Erfolgsgeschichte. Man fragt sich: T&#228;usche ich mich? Vielleicht habe ich immer mit den Falschen geredet und das was ich gesehen habe, ist nicht repr&#228;sentativ. Die Medien werden da einen besseren &#220;berblick haben. Dann sieht man in der Zeitung das Bild eines Geiselnehmers, ersichtlich nicht-deutsch, im Flie&#223;text wird aus ihm dann Wolfgang S. aus Bonn, mit einem kleinen Stern als Hinweis, dass der Name ge&#228;ndert wurde. Man bem&#252;ht Google und welch‘ &#220;berraschung, der Vorname hat doch einen anderen Zungenschlag und deutscher Staatsb&#252;rger ist der Tr&#228;ger auch nicht. Es entsteht das dumpfe Gef&#252;hl, betrogen zu werden.</p>
<p>Das gilt nicht alleine f&#252;r das Thema Migration. Mindestens genauso gilt es f&#252;r die Europ&#228;ische Union. Jeden zweiten Tag gibt es dort irgendeine Leistung von Weltgeltung zu feiern. Was man dann aber mitbekommt, ist eine Richtlinie, die offensichtlicher Quatsch ist. Oder Geldverschwendung. Oder Korruption. Und das immer wieder und wieder. Infrastrukturprojekt Stuttgart 21: Die Politik jubelt Zeitungsseite um Zeitungsseite voll. Daneben steht dann ganz klein in einer Randnotiz, dass das Projekt schon wieder anderthalb Milliarden Euro teurer geworden ist. Das interessiert die Politik aber nicht. Es entsteht das dumpfe Gef&#252;hl, betrogen zu werden.</p>
<p>In dem Kontext ist die Sarrazin-Debatte recht einfach zu strukturieren. Man liest von einem Doktor der Volkswirtschaft, Bundesb&#228;nker, kein Spinner, im Vorabdruck etwas, was zumindest nicht offensichtlich falsch ist. Es reagiert die Kanzlerin: „Nicht hilfreich.“ Drei Dutzend Gr&#252;ne, Linke und Journalisten schreien: „Rassist!“ Der Zentralrat der Juden entbl&#246;det sich nicht, als erster Nazivergleiche ins Spiel zu bringen. Jeder kann sich Situationen vorstellen, bei denen eine solche Reaktion begr&#252;ndet w&#228;re. Begr&#252;ndet wird sie diesmal aber nicht. Thilo Sarrazins Buch ist voller Zahlen und Statistiken. F&#252;r jeden &#252;berpr&#252;fbar. H&#228;tte er sich verrechnet, wir w&#252;ssten es l&#228;ngst. Seine Gegner dagegen d&#252;rfen in Narrenfreiheit un&#252;berpr&#252;ft behaupten, was sie wollen: Dass ein Drittel der t&#252;rkischen Jugendlichen in Deutschland das Abitur erreicht, zum Beispiel (behauptet bei Illner am Donnerstag, bei Beckmann am Montag waren es noch achtzehn Prozent). Um das als falsch zu entlarven, braucht man eigentlich keine Statistik. Wenn man doch reinschaut, sagt der Mikrozensus, es sind gerade einmal zw&#246;lf Prozent. Im Kampf gegen Sarrazin sind scheinbar L&#252;gen erlaubt.</p>
<p>Die Rollen sind klar verteilt: Da ist jemand, der endlich einmal ausspricht, was mit der pers&#246;nlichen Wahrnehmung vieler Menschen &#252;bereinstimmt. Statt ihm inhaltlich zu widersprechen, wird er von seinen Gegnern beschimpft und diffamiert. Ein einfacher Schluss liegt nahe: Er muss Recht haben. Warum wird er dann bek&#228;mpft? Weil das, was er sagt, niemand erfahren soll. Ich will nicht sagen, dass es so ist. Aber das ist der Eindruck, den man zwingend bekommt, wenn man mit einer gewissen Sympathie f&#252;r den kauzigen, aber ehrlich wirkenden Sarrazin die Debatte der letzen beiden Wochen verfolgt hat.</p>
<p>Warum ist das ganze wichtig? Es geht um unsere Demokratie! Wenn gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung niemanden mehr im Parlament und in der &#246;ffentlichen Debatte wahrnehmen, von dem sie das Gef&#252;hl haben, dass er F&#220;R sie spricht, der das sieht, was man selbst sieht, und der dem widerspricht, was einem offensichtlich falsch erscheint, nicht einmal als parlamentarische Minderheit, dann entsteht etwas, was gef&#228;hrlicher ist als Politikverdrossenheit. Es kommt zu einer Wahrnehmungsverschiebung: Es ist dann nicht mehr unsere deutsche Demokratie, es ist dann „das System“, das sich mit Lug und Trug erh&#228;lt. Indizien f&#252;r letzteres findet man zuhauf: Dahinter nicht-deutsche Straft&#228;ter in Zeitungsartikeln einzudeutschen zum Beispiel steckt ja durchaus System, mit dem Ziel bei den Deutschen keine Ressentiments auszul&#246;sen. Da zu Tricksen wird jetzt nicht mehr funktionieren. Die Debatte hat das Bewusstsein derer gesch&#228;rft, die get&#228;uscht werden sollen, das Auffliegen wom&#246;glich mehr Ressentiments ausgel&#246;st, als es alle unterdr&#252;ckten Geschichten zusammen getan h&#228;tten.</p>
<p>Wozu kann das f&#252;hren, wenn dieser Betrug, der Versuch der Entm&#252;ndigung, dessen integraler Bestandteil der Kampf gegen Sarrazin ist, trotzdem nicht aufh&#246;rt? Im noch g&#252;nstigsten Fall dazu, dass NPD und Linkspartei das eine oder andere Prozent mehr erhalten. Im schlimmsten Fall zu einem dauerhaften Vertrauensverlust in unsere demokratischen Institutionen bei einem Teil der Bev&#246;lkerung, unn&#246;tig verschuldet von Politik und Medien. Das macht die Hetzjagd auf Sarrazin so gef&#228;hrlich.</p>
<p><strong>Anmerkung 2: Thilo Sarrazin: Hundert Prozent Sozialdemokrat</strong><br />
Das Kuriose an der Sarrazin-Kritik ist, dass er sich mit seinen Ideen und Vorschl&#228;gen eigentlich zu hundert Prozent innerhalb der sozialdemokratischen Naivit&#228;t bewegt. Er erkennt richtig, dass der politisch-integrationsspezifische Komplex die Integrationsprobleme bisher nicht l&#246;sen konnte. Sein Konzept dagegen: Mehr Bildung, mehr Integrationsf&#246;rderung, beides an unbedeutenden Stellschrauben ein klein wenig nachjustiert, aber danach, so meint Sarrazin, wird dann alles wie am Schn&#252;rchen laufen.</p>
<p>Auch seine These, dass man auf jemanden mit muslimischen Wurzeln anders zugehen muss, als auf jemanden mit schwedischen, l&#228;sst sich zwar relativ einfach feindselig zuspitzen (Rassismus), ist aber praktisch unbestritten. Dass man ausgemachten Problemgruppen (Muslimen) erh&#246;hte, f&#246;rdernde Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen muss, ist ursozialdemokratisch. Man vergleiche nur, wie verzweifelt feministische Sozialdemokratinnen Statistiken suchen, um die Benachteiligung ihres Geschlechts nachzuweisen und damit besondere F&#246;rderung zu fordern.</p>
<p>H&#228;tte nicht Feindbild Thilo Sarrazin dieses Buch geschrieben, es w&#228;re inhaltsgleich ein (unbedeutender) Bestandteil des klassisch sozialdemokratischen Integrationsdiskurses.</p>
<p><strong>Anmerkung 3: Sonderrechte f&#252;r Muslime?</strong><br />
Jedes Mal wenn die Bundesagentur f&#252;r Arbeit die Arbeitslosenstatistik ver&#246;ffentlicht, befindet sich im Zahlenwerk auch eine Karte: Regionen mit niedriger Arbeitslosigkeit sind in ein freundliches Gr&#252;n gef&#228;rbt, Landkreise mit hoher Arbeitslosigkeit in ein aggressives Rot.</p>
<p>Mein Landkreis, westdeutsch, Heimat, wesentliches Quell meiner Identit&#228;t, ist tiefrot. Das &#228;rgert mich, denn es ist ein wundersch&#246;ner Landkreis und es ist mir unverst&#228;ndlich, wieso wir dieses Problem nicht l&#246;sen k&#246;nnen. Aber ich f&#252;hle mich nicht pers&#246;nlich verletzt, es gibt schlicht keinen Grund daf&#252;r.</p>
<p>Die Statistik geht noch weiter: Sie differenziert (diskriminiert) nach Geschlecht, Qualifikation, Alter und vielem mehr. Niemand f&#252;hlt sich angegriffen. Aber es hilft, zu erkennen welche Gruppen Probleme haben und wo man ansetzen muss, wenn man Arbeitslosigkeit bek&#228;mpfen will.</p>
<p>Noch deutlich mehr Differenzierung l&#228;sst der Mikrozensus des statistischen Bundesamts zu: Zum Beispiel nach Migrationshintergrund. Tiefrot wird es bei T&#252;rken. Noch roter, wenn man nur sunnitische T&#252;rken nimmt. Oder muslimische Araber und Kurden. Das ist genauso Teil der Wahrheit, wie das Rot meines Landkreises.</p>
<p>Eines ist allerdings anders: Auf einmal f&#252;hlen sich Menschen pers&#246;nlich verletzt. Vermeintliche Integrationserfolge w&#252;rden weggeredet. Deswegen sei das Nennen der Zahlen „wenig hilfreich“ und „falsch“. Mir f&#228;llt keine zweite Gruppe neben den Muslimen ein, die eine solche besondere R&#252;cksichtnahme, eine Sonderstellung im &#246;ffentlichen Diskurs, f&#252;r sich beansprucht. Es ist das Gegenteil von Integration.</p>
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		<title>Parteien, belügt uns! Wir wollen es so</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 21:38:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Landtag NRW]]></category>
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		<description><![CDATA[Jetzt den Eindruck zu erwecken, Unternehmen bek&#228;men f&#252;r ihre Parteispenden abseits von R&#252;ttgers Nordrhein-Westfalen-CDU keine Gegenleistung ist heuchlerisch. Wer J&#252;rgen R&#252;ttgers und die CDU f&#252;r ihren offenen und transparenten Umgang mit den Spendengeldern verurteilt, f&#246;rdert nur die Verlogenheit in der deutschen Politik. Das mag jetzt den einen oder anderen &#252;berraschen: Aber alle Parteien pflegen ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jetzt den Eindruck zu erwecken, Unternehmen bek&#228;men f&#252;r ihre Parteispenden abseits von R&#252;ttgers Nordrhein-Westfalen-CDU keine Gegenleistung ist heuchlerisch. Wer J&#252;rgen R&#252;ttgers und die CDU f&#252;r ihren offenen und transparenten Umgang mit den Spendengeldern verurteilt, f&#246;rdert nur die Verlogenheit in der deutschen Politik.</strong></p>
<p>Das mag jetzt den einen oder anderen &#252;berraschen: Aber alle Parteien pflegen ihre Spender! Ab dem ersten Euro gibt es einen Dankesbrief mit Spendenbescheinigung. Bei gr&#246;&#223;eren Betr&#228;gen selbstverst&#228;ndlich auch einen Dankesch&#246;n-Anruf – je h&#246;her die Summe, desto wichtiger der Dankende. Kein Parteivorsitzender wird einem Spender von mehreren tausend Euro einen Gespr&#228;chswunsch abschlagen. Das lernen die Schatzmeister der Ortsverb&#228;nde schon in den einf&#252;hrenden Fundraising-Seminaren der Ebert-, Adenauer- und Naumannstiftung. Verhaltensregel Nummer 1: Man muss eine enge, pers&#246;nliche Bindung zum Spender aufbauen und den Spender bei Bedarf an die Stellen vermitteln, ben denen sie geh&#246;rt werden sollten.<span id="more-302"></span></p>
<p>Unternehmen und reiche Einzelspender bekommen f&#252;r ihr Geld genau eines zur&#252;ck: Die Aufmerksamkeit der M&#228;chtigen. Sie k&#246;nnen keine L&#246;sungen ihrer Probleme kaufen. Aber sie k&#246;nnen sie den Wahlkandidaten vortragen und ihren Fokus m&#246;glicherweise ein klein wenig verschieben. Das gilt in jeder Partei. Aufmerksamkeit ist das ganze Kapital der Kandidaten. Damit werden nicht nur Spender belohnt, sondern auch tatkr&#228;ftige politische Unterst&#252;tzer und einfache Wahlkampfhelfer.</p>
<p>In den USA geht man mit dem Thema viel offener um: Wer im Wahlkampf 2008 mit Barack Obama speisen wollte, musste 28.500,00 $ auf den Tisch legen. Und das als einer unter hunderten anderen Teilnehmern. Um direkt beim Kandidaten zu sitzen, musste man ein Vielfaches davon investieren. Aktuell sammelt Obama spenden nicht mehr f&#252;r sich selbst, sondern f&#252;r ihm politisch nahestehende Kandidaten f&#252;r die Kongresswahlen im Herbst. Deshalb ist sein Wert etwas gefallen: F&#252;r 15.000,00 $ darf man sich gemeinsam mit ihm fotografieren lassen. 1,000.00 $ bezahlt man, um seiner Rede lauschen zu d&#252;rfen und dabei Cocktails zu schl&#252;rfen. Es ist ganz genau klar, was man f&#252;r seine gro&#223;z&#252;gige Unterst&#252;tzung zur&#252;ckbekommt.</p>
<p>Das gilt in der deutschen Politik nicht. Hier gibt es keine klaren Regeln, was einem Spender f&#252;r eine wie gro&#223;e Spende zusteht. &#220;ber die Gegenleistung kann das Wahlvolk nur spekulieren. Dass die Parteien offen erkl&#228;ren, was sie ihren Spendern bieten, ist ein Beitrag zu mehr Ehrlichkeit in der deutschen Politik. Das zu kritisieren, ist nicht mehr als die Forderung an unsere Politiker, weiterhin einen verlogenen Umgang mit Spenden zu pflegen.</p>
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		<title>„Ich will kiffen, sch*** auf die Schwachen“</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 19:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
		<category><![CDATA[Weiche Drogen]]></category>

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		<description><![CDATA[Millionen junge Menschen kiffen, ohne dass es ihr Leben ruiniert. Millionen Menschen haben Drogen genommen oder nehmen Drogen, ohne davon abh&#228;ngig zu werden. Millionen Menschen gelingt es jeden Tag, sich schon mit Alkohol jegliche W&#252;rde wegzutrinken. Trotzdem verbietet die Regierung den Besitz von weichen Drogen. Zu Recht. Die meisten Kiffer sind keine Abh&#228;ngigen, die mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Millionen junge Menschen kiffen, ohne dass es ihr Leben ruiniert. Millionen Menschen haben Drogen genommen oder nehmen Drogen, ohne davon abh&#228;ngig zu werden. Millionen Menschen gelingt es jeden Tag, sich schon mit Alkohol jegliche W&#252;rde wegzutrinken. Trotzdem verbietet die Regierung den Besitz von weichen Drogen. Zu Recht.</strong></p>
<p>Die meisten Kiffer sind keine Abh&#228;ngigen, die mit Schwei&#223;perlen auf der Stirn vom Entzug, verzweifelt auf der Suche nach dem n&#228;chsten Joint um runtergekommene Bahnh&#246;fe und in Innenst&#228;dten vagabundieren. Den h&#246;chsten Anteil an Konsumenten weicher Drogen findet man nicht im Prekariat. Man findet ihn unter Studenten. Menschen, denen man den verantwortungsvollen Umgang damit durchaus zutraut und aus denen gew&#246;hnlich trotz Drogenkonsum etwas wird. Umso schwerer wiegt der Grundrechtseingriff: Es steht dem Staat nicht zu, dem Einzelnen etwas zu untersagen, was nur ihn selbst betrifft und das dazu noch mit &#252;berschaubar negativen Konsequenzen. Eine Studie fragt, ob Studenten ihr Studium schon einmal wegen Alkohol- oder Drogenkonsums vernachl&#228;ssigt h&#228;tten: Ein nicht insignifikanter Teil sei schon einmal deshalb zu sp&#228;t zu einer Vorlesung gekommen. Wenn das der Ma&#223;stab f&#252;r staatliche Verbote ist, dann gute Nacht. F&#252;r den Gro&#223;teil der Menschen sind Drogen kein Problem.<span id="more-254"></span></p>
<p>Es geht allerdings auch anders: Es gibt Menschen, f&#252;r die (jeder) Drogenkonsum existenzbedrohend wird und die dadurch zu Junkies werden, f&#252;r die es kein Leben und keine W&#252;rde mehr gibt. Wenn man &#252;ber die Schw&#228;chsten in unserer Gesellschaft redet, dann geh&#246;ren diese Menschen unzweifelhaft dazu. Sie sind diejenigen, die unserer aufrechten Solidarit&#228;t bed&#252;rfen. F&#252;r uns andere geht es bei dem Thema um einen <strong><em>Freiheitsverzicht</em></strong>: Weil wir wissen, dass sie andere in den Abgrund st&#252;rzen, auch wenn sie uns keine Probleme bereiten, sind wir bereit, das Verbot von Rauschmitteln zu akzeptieren. Eine Gesellschaft, die Drogen legalisiert, hat jenes solidarische Gef&#252;hl mit den Schwachen verloren.</p>
<p>In einem Klima der gesellschaftlichen Akzeptanz von Drogen, dem jeder Schritt in Richtung Legalisierung zuarbeitet, wird es immer selbstverst&#228;ndlicher, mit ihnen in Ber&#252;hrung zu kommen. Ohne gesellschaftliche Verurteilung, werden immer mehr Menschen in Situationen kommen, in denen sie einfach ausprobieren oder sie als akzeptierte Ausflucht erkennen. Immer noch wird die &#252;bergro&#223;e Mehrheit damit wunderbar klarkommen. Es mag sogar f&#252;r diese als Gewinn empfunden werden. Aber nur um den Preis des Niedergangs anderer, schwacher, die eigentlich unserer Solidarit&#228;t bed&#252;rfen.</p>
<p>Man sollte sich da auch nichts vormachen: Auch ein Vertrieb und Verkauf unter staatlicher Kontrolle ist ein gewaltiger Schritt zu mehr Akzeptanz. Die &#196;chtung von etwas, was in hoher Qualit&#228;t vom Staat selbst vertickt wird, l&#228;sst sich in einem staatsgl&#228;ubigen Land wie Deutschland nur schwerlich aufrecht erhalten. Die hohe Qualit&#228;t des Stoffs als Staatsziel festzuschreiben, ver&#228;ndert ein Land. Ebenso die staatlichen Methadon-Programme: Als Hilfe beim Ausstieg aus der Drogensucht mit Ersatzstoff sind sie v&#246;llig gescheitert. Die Verf&#252;gbarkeit von Drogen f&#252;r Abh&#228;ngige insgesamt hat sich allerdings deutlich verbessert. Daran &#228;ndert auch eine noch so kontrollierte Abgabe nichts. Das zus&#228;tzliche staatliche Angebot hat sich seine eigene, zus&#228;tzliche Nachfrage geschaffen.</p>
<p>Wenn ausschlie&#223;lich Junkies Drogen kaufen w&#252;rden, es g&#228;be in Deutschland keine: Die Nachfrage w&#252;rde nicht ausreichen. Es g&#228;be keinen ausreichend gro&#223;en Markt und damit keine fl&#228;chendeckende Verf&#252;gbarkeit zu Spottpreisen.</p>
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		<title>Arm und Reich: Der Abstand schrumpft</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 00:18:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politisches]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Reichtum]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch nie war der Abstand zwischen Arm und Reich in Deutschland geringer und er schrumpft sogar noch weiter. Die Brutto-L&#246;hne entwickelten sich zwar in den letzten Jahren auseinander, aber das sind virtuelle Werte. Entscheidend ist, was man abseits der Statistiken von diesem Geld f&#252;r einen Lebensstil finanzieren kann, und da n&#228;hern sich Arm und Reich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Noch nie war der Abstand zwischen Arm und Reich in Deutschland geringer</strong> und er schrumpft sogar noch weiter. Die Brutto-L&#246;hne entwickelten sich zwar in den letzten Jahren auseinander, aber das sind virtuelle Werte. Entscheidend ist, was man abseits der Statistiken von diesem Geld f&#252;r einen Lebensstil finanzieren kann, und da n&#228;hern sich Arm und Reich immer mehr an.</p>
<p>Einen guten VW Golf bekommt man f&#252;r 25.000 Euro. Man kann aber auch das Vierfache, also 100.000 Euro f&#252;r einen Mercedes der S-Klasse ausgeben. Im Geldwert ein enormer Unterschied, in der Funktion nicht. Beide bringen einen solide von einem Ort zum anderen. Der gr&#246;&#223;te Unterschied, der auch Einfluss auf die reale Lebensgestaltung hat, ist, ob man sich ein Auto leisten kann oder nicht. Die Trennung zwischen Arm und Reich liegt also in den folgenden Fragen: &#220;ber welche G&#252;ter verf&#252;gen Reiche, &#252;ber die Arme nicht verf&#252;gen? Und gibt es da immer mehr G&#252;ter, w&#228;chst also der Abstand, oder werden es weniger, was hie&#223;e, dass der Abstand schrumpft?<span id="more-134"></span></p>
<div class="content_main_box"><img src="http://www.jwschoop.de/wp-content/themes/jws2/images/content_right_links_top.jpg" alt="" title="" class="content_right_links_top"/>
			<div class="content_main_box_link"><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,678397,00.html" target="_blank">Zahl der Armen in Deutschland wächst rasant</a> (Spiegel Online)</div><div class="content_main_box_link"><a href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E7872825357F8445182179AA518182C35~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Armutsrisiko steigt mit der Kinderzahl</a> (FAZ.net)</div><div class="content_main_box_link"><a href="http://www.welt.de/news/article6437023/Ein-Viertel-der-jungen-Deutschen-lebt-unterhalb-der-Armutsgrenze.html" target="_blank">Ein Viertel der jungen Deutschen lebt unterhalb der Armutsgrenze</a> (WELT.de)</div>
			<img src="http://www.jwschoop.de/wp-content/themes/jws2/images/content_right_links_bottom.jpg" alt="" title="" class="content_right_links_bottom"/></div><p>Im Jahr 2000 betraf das noch eine Vielzahl von Haushaltsger&#228;ten: Mikrowellen, Trockner und Geschirrsp&#252;ler waren in fast allen Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 5.000 Euro vorhanden. In Haushalten mit einem Nettoeinkommen von unter 1.300 Euro dagegen waren sie selten. 2007 sah das mittlerweile ganz anders aus: Hatten 2000 noch nur 14 Prozent der armen Haushalte einen Geschirrsp&#252;ler, sind es mittlerweile &#252;ber 37 Prozent. Statt 36 Prozent haben mittlerweile 56 Prozent eine Mikrowelle. W&#228;hrenddessen gibt es bei den Reichen kaum Verbesserung. 2000 hatten bereits 85 Prozent einen Geschirrsp&#252;ler. 89 Prozent sind es im Jahr 2007. Die armen Haushalte holen in gro&#223;en Schritten auf. [1]</p>
<p>2000 noch Luxus: Computer, Handys und Internetanschl&#252;sse. Auch hier die gleiche Entwicklung: Hatten 2000 nur 7 Prozent der armen Haushalte einen Internetanschluss, waren es 2007 schon 39 Prozent. 14 Prozent hatten 2000 ein Mobiltelefon. &#220;ber 64 Prozent sind es 2007. Computer haben mittlerweile mehr als 54 Prozent der armen Haushalte. 2000 waren es noch 25 Prozent. In den reichen Haushalten, war all dies schon 2000 weit verbreitet. Die Abstand zwischen Arm und Reich in konkreten G&#252;tern schrumpft abseits der Statistiken in gewaltigen Schritten.</p>
<p><strong>Luxus ist das Bed&#252;rfnis von morgen</strong><br />
Zufall? Es gibt &#214;konomen, die diese Entwicklung f&#252;r einen Automatismus halten. Neue Kenntnisse und ihre Auswirkungen verbreiten sich nur langsam. Prozesse sind nicht von Anfang an perfekt, sondern verbessern sich im Laufe der Zeit. Was dann dazu f&#252;hrt, dass G&#252;ter immer billiger und damit f&#252;r mehr Menschen erreichbar werden. Es sei sogar die Voraussetzung f&#252;r Fortschritt, dass es direkt am Anfang, wenn das neue Produkt noch unerschwinglich teuer ist, eine Nachfrage gibt, damit es sp&#228;ter f&#252;r die Massen erschwinglich wird. Der Reichtum weniger ist also die Voraussetzung f&#252;r den Wohlstand aller. Friedrich August von Hayek beschreibt das in &#8220;Die Verfassung der Freiheit&#8221; so:</p>
<blockquote><p>In jeder Phase dieses Prozesses wird es immer viele Dinge geben, die wir schon herzustellen wissen, die aber noch zu teuer sind, als dass sie f&#252;r mehr als einige wenige geboten werden k&#246;nnen. In einem fr&#252;hen Stadium k&#246;nnen sie nur mit einem Aufwand an Mitteln erzeugt werden, der das Vielfache des Anteils am Gesamteinkommen ausmacht, der bei ann&#228;hernd gleicher Verteilung auf die wenigen entfiele, die daraus Nutzen ziehen k&#246;nnten. Zuerst ist ein neues Gut gew&#246;hnlich &#8220;die Laune einer Elite, bevor sie ein Bed&#252;rfnis des Publikums wird und zum Notwendigen geh&#246;rt. <strong>Denn der Luxus ist das Bed&#252;rfnis von morgen</strong>.&#8221; &#220;berdies werden neue Dinge f&#252;r den Gro&#223;teil der Menschen oft nur verf&#252;gbar, <strong><em>weil</em></strong> sie eine Zeitlang der Luxus der Wenigen waren. [2]</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;<br />
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<p>&nbsp;<br />
<span style="color: #999999;">[1] <a href="https://www-genesis.destatis.de/genesis/online" target="_blank">Ausstattungsgrad laufende Wirtschaftsrechnung des statistischen Bundesamtes</a><br />
[2] Friedrich August von Hayek: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3161486285?ie=UTF8&amp;tag=jwschoopde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3161486285">Die Verfassung der Freiheit</a></span></p>
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		<title>Vom Wert der besseren Ideen</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 16:56:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Antisozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Ludwig von Mises wurde 1958 nach Buenos Aires eingeladen, in ein zerr&#252;tteltes, armes Argentinien, das weit weg war von Freiheit oder Demokratie. In sechs Vorlesungen zeichnet er von der Wurzel an die Grundgedanken seines Denkens. Sie liefern keine geschlossene Ideologie, sondern einen oberfl&#228;chlichen, aber umso klareren Einblick in das Wesen der Freiheit und ihren Wert. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ludwig von Mises wurde 1958 nach Buenos Aires eingeladen, in ein zerr&#252;tteltes, armes Argentinien, das weit weg war von Freiheit oder Demokratie. In sechs Vorlesungen zeichnet er von der Wurzel an die Grundgedanken seines Denkens. Sie liefern keine geschlossene Ideologie, sondern einen oberfl&#228;chlichen, aber umso klareren Einblick in das Wesen der Freiheit und ihren Wert.</p>
<blockquote><p>Nehmen wir einmal an, es sei gut, den Menschen zu verbieten, sich durch &#252;berm&#228;&#223;iges Rauchen oder Trinken selbst zu schaden. Aber hat man einem solchen Verbot erst einmal stattgegeben, werden andere kommen und sagen: Ist der K&#246;rper alles? Ist nicht der menschliche Geist viel wichtiger? Wenn man der Regierung das Recht zugesteht, &#252;ber den Verbrauch des menschlichen K&#246;rpers zu entscheiden, n&#228;mlich, ob man rauchen oder nicht rauchen, trinken oder nicht trinken soll, dann ist es schwer, den Leuten die richtige Antwort zu geben, die behaupten: &#8216;Der Geist und die Seele sind viel wichtiger als der K&#246;rper, und der Mensch schadet sich weit mehr, wenn er schlechte B&#252;cher liest oder schlechte Musik h&#246;rt und sich schlechte Filme ansieht. Es ist deshalb Pflicht der Regierung, die Menschen davon abzuhalten, diese Fehler zu begehen.&#8217;<span id="more-78"></span></p>
<p>Wie Sie wissen, haben Regierungen und Beh&#246;rden viele Jahrhunderte lang geglaubt, dass das wirklich ihre Aufgabe sei. Dies geschah keineswegs nur in fr&#252;heren Zeiten. Vor nicht allzu langer Zeit gab es in Deutschland eine Regierung, die es als ihre Pflicht ansah, zwischen guter und schlechter Malerei zu unterscheiden. Was gut oder schlecht war, entschied ein Mann, der in seiner Jugend die Zulassungspr&#252;fung f&#252;r die Kunstakademie in Wien nicht bestanden hatte und sein Leben mit dem Malen von Postkarten fristete. Was gut oder schlecht war, entschied also ein Postkartenmaler. Und wer andere Ansichten &#252;ber Kunst und Malerei &#228;u&#223;erte als der oberste F&#252;hrer, machte sich strafbar</p>
</blockquote>
<p>Wirtschaftliche Freiheit wird gerne abqualifiziert. Aber sie steht f&#252;r mehr: Es geht um die Freiheit des Handelns. Das Recht, selbst zu entscheiden, womit und mit wem man seine Zeit verbringt. Auf verschiedenen Wegen und unterschiedlichen Pfaden versuchen Gesellschaftsingenieure, diese Freiheit zu untergraben. Mises greift ein paar Beispiele auf und zeigt die Konsequenzen auf, von denen die Gesellschaftsingenieure lieber nicht reden. Er liefert eine starke Inspiration, sich ihrer argumentativ zu erwehren. <strong>Lesenswert!</strong></p>
<p>&nbsp;<br />
<a class="a_link" href="http://www.amazon.de/gp/product/3789282669?ie=UTF8&amp;tag=jwschoopde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3789282669">&#8220;Vom Wert der besseren Ideen&#8221; &#8211; Bei amazon kaufen »</a><br />
&nbsp;</p>
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		<title>Gegen die herrschende Klasse</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Dec 2009 06:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Professoren]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Bonn]]></category>

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		<description><![CDATA[In der sozialen Marktwirtschaft gibt es kaum einen Ort, der so hierarchisch organisiert ist wie eine Universit&#228;t.

Am letzten Freitag hat mich ein Fernsehteam des WDR-Magazins „Westpol“ besucht, um sich die Missst&#228;nde in der Lehre zeigen zu lassen. Also standen wir im Eingang des Juridicums und haben uns die Klagelieder der passierenden Studenten angeh&#246;rt: &#220;ber Studienbedingungen und die Betreuung durch die Professoren. Irgendwann fragt dann der WDR-Reporter: „W&#252;rden Sie das auch vor der Kamera sagen?“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der sozialen Marktwirtschaft gibt es kaum einen Ort, der so hierarchisch organisiert ist wie eine Universit&#228;t. Am letzten Freitag hat mich ein Fernsehteam des WDR-Magazins „Westpol“ besucht, um sich die Missst&#228;nde in der Lehre zeigen zu lassen. Also standen wir im Eingang des Juridicums und haben uns die Klagelieder der passierenden Studenten angeh&#246;rt: &#220;ber Studienbedingungen und die Betreuung durch die Professoren. Irgendwann fragt dann der WDR-Reporter: „W&#252;rden Sie das auch vor der Kamera sagen?“ Vehementes Kopfsch&#252;tteln – Auf keinen Fall. Man wisse ja nicht, welcher Professor die Diplomarbeit betreuen wird. Nicht, dass man ausversehen dem Falschen auf die F&#252;&#223;e tritt.</p>
<p>Schicksale h&#228;ngen ab von der Bewertung eines einzelnen Professors. Kritik beendet Karrieren. Das Humboldt-Studium unterbindet jedes Aufbegehren. Kein Unternehmen kann es sich leisten, so mit seinen Mitarbeitern umzugehen.<span id="more-21"></span></p>
<div class="content_main_box"><img src="http://www.jwschoop.de/wp-content/themes/jws2/images/content_right_links_top.jpg" alt="" title="" class="content_right_links_top"/>
			<div class="content_right_box"><a href="http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2009/1129/studentenproteste.jsp?smonat=2010-3" title="&quot;Das Geld fließt nicht in Qualität&quot;" target="_blank"><img style="float:left;padding-right:3px" src="http://www.jwschoop.de/wp-content/uploads/2010/02/2010-02-12_westpol.jpg"  alt="&quot;Das Geld fließt nicht in Qualität&quot;"  title="&quot;Das Geld fließt nicht in Qualität&quot;" /><b>&quot;Das Geld fließt nicht in Qualität&quot;</b><br/></a>
Ein TV-Bericht zu Studentenprotesten und Studienbedingungen bei WESTPOL im WDR.</div>
			<img src="http://www.jwschoop.de/wp-content/themes/jws2/images/content_right_links_bottom.jpg" alt="" title="" class="content_right_links_bottom"/></div><p>Noch gr&#246;&#223;er wird die Abh&#228;ngigkeit bei Promovenden. Wer kann seinem Professor schon den Wunsch abschlagen, ganztags zu arbeiten, obwohl man nur eine Viertelstelle hat? Selbstverst&#228;ndlich unterst&#252;tzt man die wissenschaftliche Arbeit seines Professors selbstlos! Abh&#228;ngigkeit ist die Voraussetzung f&#252;r Ausbeutung.</p>
<p><strong>Mehr Geld – nicht f&#252;r die Lehre</strong><br />
&#220;ber ein Graduiertenkolleg aus der Exzellenzinitiative und Studienbeitr&#228;ge ist der Fachbereich VWL unser Uni ordentlich gewachsen: Neue Professuren wurden eingerichtet und neue wissenschaftliche Mitarbeiter eingestellt. Jeder Professor hat ein gesetzliches Lehrdeputat. Man rechnet also damit, dass auch mehr Lehrveranstaltungen angeboten werden. Die Realit&#228;t sieht anders aus: Das Angebot bleibt dasselbe. Aber statt von Spitzenforschern werden die Vorlesungen jetzt von Juniorprofessoren gehalten. Die Professoren haben den gewachsenen finanziellen Spielraum geschickt genutzt, um sich von Lehrbelastungen zu entledigen.</p>
<p>Auf der Senatssitzung am dritten Dezember kommentierte ein professoraler Senator  die Kritik an den Studienbedingungen: „Wenn Sie nur Lehre wollen, dann  gehen Sie doch auf eine FH.“ Andere Professoren applaudierten.</p>
<p>Kritik an den Studienordnungen ist richtig. Sie vertreibt aber nicht den Muff, der sich in den Universit&#228;ten angesammelt hat. Universit&#228;t muss sich grundlegend ver&#228;ndern. Deshalb m&#252;ssen wir endlich &#252;ber die Privilegien und Verfehlungen von Professoren reden.</p>
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		<title>Mit Pinkwart echte Probleme lösen</title>
		<link>http://www.jwschoop.de/2009/12/mit-minister-pinkwart-echte-probleme-loesen/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Dec 2009 06:11:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Landtag NRW]]></category>
		<category><![CDATA[Pinkwart]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Studiensituation an den Hochschulen in NRW vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste“ war das Thema der Wissenschaftsausschusssitzung im Landtag, zu der ich als Sachverst&#228;ndiger geladen war. Mit mir  eingeladen als studentischer Vertreter: Hilmar Schulz (Linke.SDS) von der Hochschule Niederrhein. P&#252;nktlich zehn Minuten vor Sitzungsbeginn stehen wir vor dem noch verschlossenen Tagungsraum. Die Gelegenheit, sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Studiensituation an den Hochschulen in NRW vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste“ war das Thema der Wissenschaftsausschusssitzung im Landtag, zu der ich als Sachverst&#228;ndiger geladen war.</p>
<p>Mit mir  eingeladen als studentischer Vertreter: Hilmar Schulz (Linke.SDS) von der Hochschule Niederrhein. P&#252;nktlich zehn Minuten vor Sitzungsbeginn stehen wir vor dem noch verschlossenen Tagungsraum. Die Gelegenheit, sich kurz abzusprechen. Hilmar und ich sind uns trotz aller politischer Gegens&#228;tze einig: Heute geht es einmal nicht um Studienbeitr&#228;ge. Wir wissen, wie die Ausschussmitglieder zu diesem Thema stehen, das ist schon unz&#228;hlige Male dokumentiert worden. Es gibt noch genug andere Probleme an den Universit&#228;ten, mit denen sich die Politik auch einmal besch&#228;ftigen muss.<span id="more-107"></span></p>
<p><strong>„Die Ziele sind definiert“</strong><br />
Die Sitzung beginnt mit den anderen zwei Sachverst&#228;ndigen. Der Rektor der Universit&#228;t K&#246;ln und die Rektorin der Fachhochschule Bielefeld beschreiben die Studienbedingungen aus ihrer Sicht: Klar gebe es Probleme, aber die seien l&#246;sbar und man sei sowieso auf dem richtigen Weg. Die Studenten h&#228;tten es nur so unheimlich eilig. Sie m&#252;ssen sich einfach mehr Gedulden. Man habe l&#228;ngst „Ziele definiert“ um zu evaluieren und dann Ma&#223;nahmen zu ergreifen. Dazu sei man willens.</p>
<p>Endlich sind wir Studenten dran. Hilmar beginnt mit den Klassikern der studentischen Forderungen: Anwesenheitspflichten, &#252;berladene Studienordnungen und unn&#246;tige Pr&#252;fungsbelastungen.<br />
Dann darf ich endlich reden. Ich versuche meinen Fokus auf Themen zu legen, bei denen das Land wirklich etwas mitzureden hat: Dass die Rektoren die Probleme erkennen und irgendwann Ma&#223;nahmen ergreifen wollen ist gut. Aber das darf nicht erst in ein paar Jahren passieren, sondern muss sofort geschehen! Dass von der Idee bis zur Umsetzung in der Universit&#228;t Jahre und Jahrzehnte stehen k&#246;nnen, ist nicht mehr akzeptabel. Das Land muss den Universit&#228;ten Strukturen geben, die es erlauben, Probleme, &#252;ber deren Existenz sich alle einig sind und f&#252;r die auch alle die L&#246;sungen kennen, deutlich schneller zu l&#246;sen. Das geht nur mit st&#228;rkeren Rektoren und Dekanen.</p>
<p>Mit ihrer Forschungsorientierung unterl&#228;uft die Politik die Verbesserung in der Lehre. Ein Professor hat nur ein begrenztens Zeitbudget. Spitzenleistungen in der Forschung gehen in der Praxis sehr oft auf Kosten der Lehre. F&#252;r Forschung bekommt ein Professor Drittmittel, Anerkennung und Ruhm. Dagegen gibt es bisher keinen vern&#252;nftigen Grund, sich in der Lehre mit seinen Studenten M&#252;he zu geben.</p>
<p>&#220;ber die Exzellenzinitiative wird diese Dynamik sogar noch befeuert: Die wichtigste F&#246;rderung, die Professoren auf dem Weg zur Spitzenforschung erfahren, ist die Absenkung des Lehrdeputats durch die Universit&#228;t.</p>
<p><strong>Pinkwart bietet L&#246;sungen</strong><br />
Der Minister geht darauf sachkundig und detailiert ein. Bei der n&#228;chsten Exzellenzinitiative werde die Lehre eine wesentliche Rolle spielen. Universit&#228;ten, die dort auf den hinteren Pl&#228;tzen landen, seien nicht exzellent. Diese Haltung hat er auch mittlerweile in einer Pressemitteilung noch einmal &#246;ffentlich gemacht. Universit&#228;ten, die schnelle &#196;nderungen an Studienordnungen mit Blick auf die Re-Akkreditierung scheuen, w&#252;rde er eine ministeriale Sondergenehmigung erteilen. Schnelle Ver&#228;nderungen sind damit m&#246;glich.</p>
<p>Das ist ein deutlicher Kontrast zu den Landtagsabgeordneten. Die haben nur ein Thema: Studienbeitr&#228;ge. Das ist sch&#246;n einfach und schlagwortf&#228;hig. Daf&#252;r muss man sich auch nicht mit vielen Details besch&#228;ftigen. Auch der Hinweis, dass wir Studenten heute von etwas ganz anderem geredet haben, bringt sie davon nicht mehr ab.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bildungsstreik? Alle finden’s gut?</title>
		<link>http://www.jwschoop.de/2009/11/bildungsstreik-alle-findens-gut/</link>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 06:55:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Hochschulrat]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühren]]></category>

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		<description><![CDATA[Dar&#252;ber, dass H&#246;rsaalbesetzungen nicht der richtige Weg sind, mehr Bildung zu fordern, braucht man wahrscheinlich nicht lange streiten. Logisch ist es schwer zu vermitteln, dass man mehr Bildung fordert, indem man Vorlesungen blockiert, in denen andere Studenten gerne etwas lernen w&#252;rden. Die zus&#228;tzlichen Kosten der Besetzung werden an anderer Stelle in der Lehre eingespart werden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dar&#252;ber, dass H&#246;rsaalbesetzungen nicht der richtige Weg sind, mehr Bildung zu fordern, braucht man wahrscheinlich nicht lange streiten. Logisch ist es schwer zu vermitteln, dass man mehr Bildung fordert, indem man Vorlesungen blockiert, in denen andere Studenten gerne etwas lernen w&#252;rden. Die zus&#228;tzlichen Kosten der Besetzung werden an anderer Stelle in der Lehre eingespart werden m&#252;ssen.</p>
<p>Trotzdem fordere ich die Universit&#228;t auf, sich mit den aufgestellten Forderungen intensiv auseinanderzusetzen. Denn der Unmut dahinter ist berechtigt. Selbst wenn da nicht jede der Forderung Hand und Fu&#223; hat. Einige der Ideen der Bildungsstreikenden m&#246;chte ich hier diskutieren.<span id="more-19"></span></p>
<p><strong>Hochschulr&#228;te</strong><br />
Hochschulr&#228;te sind der gr&#246;&#223;te Gl&#252;cksfall f&#252;r die studentischen Interessen der letzten Jahrzehnte.<br />
Die Professoren und Mitarbeiter in den Gremien sind klassische Interessenvertreter. Ihr Interesse steht nicht selten gegen das der Studenten. Viele Professoren wollen lieber forschen als Vorlesungen geben. Exzellente Forschung geht nur auf Kosten der Lehre.</p>
<p>Externe Hochschulr&#228;te haben innerhalb der Universit&#228;t keine eigenen Interessen. Sie stehen &#252;ber den Verteilungsk&#228;mpfen und sind mit Argumenten zu &#252;berzeugen. Mit ihrer Unterst&#252;tzung haben wir in Bonn Erfolge erzielen k&#246;nnen, die im Senat niemals m&#246;glich gewesen w&#228;ren.<strong></strong></p>
<p><strong>Reale Studienordnungen in die Hand nehmen!</strong><br />
Alle sind der festen &#220;berzeugung, dass Bachelor und Master ver&#228;ndert werden m&#252;ssen. Von Annette Schavan bis zum Rektor. Die Forderung alleine f&#252;hrt zu nichts. Man muss auch sagen, was man ver&#228;ndern m&#246;chte und das so konkret wie nur m&#246;glich.</p>
<p>Anders als einige Universit&#228;tsangeh&#246;rige das manchmal glauben machen m&#246;chten, werden die Studienordnungen nicht in D&#252;sseldorf oder Berlin geschrieben, sondern in den Fakult&#228;tsr&#228;ten der Universit&#228;t. Die Fakult&#228;ten alleine sind daf&#252;r verantwortlich, wie das Studium in Bonn aussieht.<br />
Wenn man das Problem also angehen m&#246;chte, muss man es an Hand der konkreten Studienordnungen tun. Man gehe kurz auf die Seite der Universit&#228;t, lade sie runter und formuliere konkrete &#196;nderungsvorschl&#228;ge und -antr&#228;ge. Gew&#246;hnlich kann jeder Student seinen &#196;nderungsantrag sogar selbst in den Fakult&#228;tsrat einbringen.</p>
<p>Das erfordert allerdings viel Einsatz und Detailarbeit. Je konkreter und weitgehender die &#196;nderungsvorschl&#228;ge werden, desto schneller wird die breite Zustimmung zusammenbrechen. Das ist fast zwingend, denn wir wollen etwas von den Professoren und der Universit&#228;t. Nicht alle sind bereit, f&#252;r eine bessere Lehre auch etwas herzugeben. Wenn hin und wieder ein Professor einen roten Kopf bekommt, wei&#223; man gew&#246;hnlich, dass man da auf dem richtigen Weg ist.</p>
<p><strong>Parit&#228;tische Beteiligung</strong><br />
Es wird auch gefordert, dass Studenten parit&#228;tisch in allen Universit&#228;tsgremien vertreten sein sollten. Das hat das Land Bremen schon einmal versucht. Das Bundesverfassungsgericht hat das 1973 als Versto&#223; gegen die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Wissenschaft gewertet. Professoren m&#252;ssen in den Gremien die Mehrheit haben. Das gilt, solange das Grundgesetz gilt.</p>
<p><strong>Nicht in die Studiengeb&#252;hrenfalle treten</strong><br />
Die Einf&#252;hrung von Studienbeitr&#228;gen war f&#252;r die Universit&#228;tsverantwortlichen ein Gl&#252;cksfall. Nicht des Geldes wegen. Sondern weil ihnen klar war, dass ab sofort jeder studentischer Widerspruch von diesem Thema dominiert sein wird. Der Rest geht daneben unter. Schlechte Lehre? Egal. Die Studenten reden &#252;ber Studiengeb&#252;hren. Es sei nur kurz angemerkt, dass, auch wenn Studiengeb&#252;hren wegfallen, die Lehre kein bisschen besser wird.</p>
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		<title>Den Kopf in den Sand stecken</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 08:08:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Reden]]></category>
		<category><![CDATA[Universität Bonn]]></category>

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		<description><![CDATA[Rede zur Er&#246;ffnung des akademischen Jahres am 19. Oktober 2009 „Sie m&#246;gen mir das heute hoffentlich verzeihen. Eigentlich rede ich ungerne schlecht &#252;ber Dinge. Aber ich habe mir sagen lassen, dass es heute dramaturgisch mein Job sei, f&#252;r einen ganz kurzen Moment die Feststimmung zu unterbrechen, um Schlechtes zu kritisieren und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rede zur Er&#246;ffnung des akademischen Jahres am 19. Oktober 2009</em></p>
<p>„Sie m&#246;gen mir das heute hoffentlich verzeihen. Eigentlich rede ich ungerne schlecht &#252;ber Dinge. Aber ich habe mir sagen lassen, dass es heute dramaturgisch mein Job sei, f&#252;r einen ganz kurzen Moment die Feststimmung zu unterbrechen, um Schlechtes zu kritisieren und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen.</p>
<p>Ich bin jedes Mal &#252;berrascht, wenn ich lese oder h&#246;re, dass die Universit&#228;t viel zu sehr zum Unternehmen wird. Nun sind wir uns sicherlich alle einig, dass eine Universit&#228;t kein reines Unternehmen sein kann oder sein sollte, aber mein pers&#246;nlicher Eindruck ist, dass die real-existierende Universit&#228;t Bonn viel weniger einem Unternehmen gleicht als vielmehr einer Beh&#246;rde, die sie noch viel weniger sein sollte.<span id="more-15"></span></p>
<p>Das unternehmerische Denken, dessen Einzug in die Universit&#228;t vielen Angst zu machen scheint, kreist gew&#246;hnlich um die Frage, wie man etwas besser machen kann – besser als bisher und besser als die Konkurrenz. Denn darum geht es mittlerweile fast ausschlie&#223;lich.</p>
<p><strong>Hochschulfreiheitsgesetz</strong><br />
Sie sind es wahrscheinlich gew&#246;hnt zu lesen, dass Studenten das Hochschulfreiheitsgesetz kritisieren. Ich tue das nicht. Ich bin der &#220;berzeugung, dass sich Universit&#228;t ver&#228;ndern muss. Aber wohin sich Universit&#228;t entwickelt – die Entscheidung m&#246;chte ich ganz sicher nicht in die H&#228;nde von Politikern legen. Denn daf&#252;r ist sie zu wichtig.</p>
<p>Das Hochschulfreiheitsgesetz hat ein anderes Prinzip. Wir lassen jede Universit&#228;t selbst entscheiden, wohin sie sich entwickelt. Wir setzen darauf, dass m&#246;glichst viele verschiedene Wege ausprobiert werden. Und wir schauen, welche erfolgreich sind – und welche nicht.</p>
<p>F&#252;r dieses Modell der Selbstzur&#252;cknahme der Politik und des kreativen Prozesses steht das Hochschulfreiheitsgesetz. Aber wir wissen auch: Jeder Anfang ist schwer und bringt gewisse Reibungsverluste. Der Start in die Unabh&#228;ngigkeit noch viel mehr, aber auch da hat die Politik ausnahmsweise dran gedacht.</p>
<p><strong>Finanziell gest&#228;rkt</strong><br />
Niemand kann bestreiten, dass die Universit&#228;ten in den letzten Jahren finanziell deutlich solider ausgestattet wurden. &#220;ber Exzellenz-Initiativen, Hochschulpakte, regul&#228;re Haushaltsmittel, aber vor allem auch &#252;ber Studienbeitr&#228;ge. Das hat Freir&#228;ume geschaffen, unternehmerisch denken zu k&#246;nnen, innovativ zu sein und Dinge besser zu machen.</p>
<p>Der Ball liegt also ganz eindeutig im Spielfeld der einzelnen Universit&#228;ten. Sie bestimmen ihre Entwicklung. Ihr Erfolg ist hausgemacht. Ihr Misserfolg vor allem eigenes Scheitern.</p>
<p><strong>Kopf in den Sand gesteckt?</strong><br />
Was bedeutet das f&#252;r Bonn – und f&#252;r den vermeintlichen Bonner Weg, so es einen gibt. Wie erfolgreich sind wir in der neuen Unabh&#228;ngigkeit?</p>
<p>Der Wettbewerb dr&#252;ckt auf die Universit&#228;t Bonn. Und die einfachste Variante auf Wettbewerb zu reagieren ist, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass der Sturm vor&#252;berzieht.<br />
Die sichtbarsten Boten des Wettbewerbs sind Rankings. Einsch&#228;tzungen dar&#252;ber, welche Universit&#228;ten die guten und welche die schlechten sind. &#220;ber das CHE – Zentrum f&#252;r Hochschulentwicklung und dessen Ranking kann man sicherlich vieles denken und sich lange &#252;ber seine Methodik streiten. Wenn man aber wie die Universit&#228;t Bonn schlecht abschneidet und dann aussteigt, m&#246;gen da manche einen Zusammenhang konstruieren, den das Rektorat sicherlich bestreiten wird.</p>
<p>Jetzt wollen wir stattdessen das Ranking des Wissenschaftsrates unterst&#252;tzen. Es sei nur kurz angemerkt, dass die Teilnahme an zwei Rankings sich nicht gegenseitig ausschlie&#223;t. Und dass es objektiv keinen Grund gibt, zu erwarten, dass wir in diesem Ranking besser abschneiden. Was machen wir dann? Wieder aussteigen?</p>
<p>Im Wettbewerb gilt die Frage: Was tun wir, was andere nicht tun? Ob es Universit&#228;ten gibt, die sich nicht als internationale Forschungsuniversit&#228;t beschreiben w&#252;rden, wie wir das tun, wei&#223; ich nicht.</p>
<p><strong>Studentische Marktmacht</strong><br />
Der Wettbewerb zwischen den Hochschulen gibt uns Studenten neben der mehr oder minder erfolgreichen Mitbestimmung in den Universit&#228;tsgremien ein sehr viel st&#228;rkeres Machtmittel. Wenn man von der ZVS nicht mehr einem Studienstandort zugeteilt wird, wie ein Soldat einer Kaserne, dann sucht man sich die Universit&#228;t, von der man glaubt, dass sie das Beste aus den eigenen F&#228;higkeiten herausholt.</p>
<p>Das Ministerium meldete letzte Woche, dass die Zahl der Erstsemester in ganz Nordrhein-Westfalen verglichen mit dem letzten Wintersemester um sieben Prozent gestiegen sei. An nicht-technischen Volluniversit&#228;ten sogar noch mehr. Wenn wir hier in Bonn nur durchschnittlich erfolgreich gewesen w&#228;ren – durchschnittlich – also ganz weit weg von „Exzellenz“ oder „Elite“, m&#252;sste man erwarten, dass wir 260 zus&#228;tzliche Erstsemester h&#228;tten begr&#252;&#223;en d&#252;rfen.</p>
<p>Diese H&#252;rde haben wir gerissen.  Stattdessen sind es sogar einhundert weniger als noch im letzten Wintersemester. Eine kurze Recherche bei den anderen Universit&#228;ten legt die Vermutung nahe, dass wir zumindest damit ein Alleinstellungsmerkmal in der nordrhein-westf&#228;lischen Universit&#228;tslandschaft haben.</p>
<p>Der Wettbewerb in diesem Bereich wird sogar noch h&#228;rter: Die Studenten, die bereits einen Bachelor-Abschluss erworben haben, gehen an die Studienort-Wahl f&#252;r ihren Master deutlich weniger naiv heran. Die haben schon einmal eine Universit&#228;t von innen gesehen und k&#246;nnen absch&#228;tzen wo drauf es ankommt. Da m&#252;ssen sich die Universit&#228;ten noch mehr anstrengen, damit die leistungsstarken Absolventen zu ihnen kommen. Die ersten Anmeldezahlen f&#252;r die jetzt gestarteten Master an unserer Universit&#228;t verhei&#223;en da wieder nichts Gutes.</p>
<p><strong>Wettbewerb annehmen!</strong><br />
Wir m&#252;ssen den Wettbewerb annehmen. Das erfordert vor allem eines von uns: Mut. Wir m&#252;ssen uns trauen, Dinge anders zu machen als bisher und anders als alle anderen Universit&#228;ten. Damit wir das wieder aufholen, was wir zur&#252;ckgefallen sind.</p>
<p>Wir m&#252;ssen es wieder schaffen, dass ein Abschluss an der Universit&#228;t Bonn die Garantie f&#252;r den erfolgreichen Einstieg in den Beruf ist. Wir d&#252;rfen nicht vermitteln, dass diesen Abschluss zu erhalten selbstverst&#228;ndlich ist. Dass es unser Interesse ist, den Workload f&#252;r Studenten m&#246;glichst weit zu reduzieren. Oder dass „Selbststudium“ eigentlich nur eine nette Umschreibung f&#252;r Freizeit ist. Es ist ja nicht so, dass von dieser oft gemachten Fehleinsch&#228;tzung Studenten profitieren, sondern vor allem profitieren Dozenten, die von Lehrbelastungen befreit werden.</p>
<p>Verschulung des Studiums – das ist ein Kampfbegriff. Die Zeiten, in denen die besten und privilegierten f&#252;nf Prozent eines Jahrgangs studiert haben, sind vorbei. Eine Universit&#228;t, die vierzig Prozent eines Jahrgangs qualifizieren soll, sieht selbstverst&#228;ndlich anders aus. Verschulung hei&#223;t nicht weniger Wahlm&#246;glichkeiten zu haben, sondern vor allem, st&#228;rker von Universit&#228;t und Dozenten in seinem Studium begleitet, unterst&#252;tzt und gefordert zu werden. Das ist vor  allem ein Anspruch an die Universit&#228;t, Studieng&#228;nge so zu gestalten, dass sie beruflichen Erfolg garantieren und Studienbedingungen so zu gestalten, dass sie Erfolg im Studium erm&#246;glichen. Ein Studium, das mit 20 Wochenstunden auskommt und sonst Freizeit l&#228;sst, qualifiziert nicht f&#252;r die Anspr&#252;che, die Studenten haben.</p>
<p>Am verschultesten studiert man, wenn man einen MBA an einer internationalen Elite-Universit&#228;t anstrebt. Studieng&#228;nge, von denen erfolgreiche Absolventen sagen, dass sie mehr gebracht haben als jedes Studium davor und dass sie f&#252;r ihren weiteren Erfolg ausschlaggebend waren.“</p>
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		<title>Studentenvertretung oder Weltpolitik</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 07:17:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>j.w. schoop</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hochschulpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Ideologie]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten beiden Wochen ist euch sicherlich der eine oder andere AStA-kritische Flyer untergekommen. Neben einigen abstrusen oder schlicht unwahren Dingen gibt es da auch einen Punkt der trifft: Ja, es stimmt. Der RCDS-gef&#252;hrte AStA hat mit Weltpolitik nichts am Hut. Hinter diesem Vorwurf steckt der gro&#223;e Glaubensstreit der verfassten Studierendenschaft. Was ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten beiden Wochen ist euch sicherlich der eine oder andere AStA-kritische Flyer untergekommen. Neben einigen abstrusen oder schlicht unwahren Dingen gibt es da auch einen Punkt der trifft: Ja, es stimmt. Der RCDS-gef&#252;hrte AStA hat mit Weltpolitik nichts am Hut.</p>
<p>Hinter diesem Vorwurf steckt der gro&#223;e Glaubensstreit der verfassten Studierendenschaft. Was ist die Kernaufgabe einer gew&#228;hlten Studentenvertretung? Seminare und Vorlesungen zu Marx? Oder die studentische Vertretung in  den Gremien der Universit&#228;t?<span id="more-13"></span></p>
<p>Der aktuelle AStA hat sich da eindeutig festgelegt: Letzteres steht im Mittelpunkt. Denn die Ressourcen, die ein AStA hat, sind nun einmal begrenzt. Personell und finanziell. Die Reformprozesse der Universit&#228;t erfordern vollen Einsatz und s&#228;mtliches Engagement, wenn wir sie als Studenten mitgestalten wollen. Der aktuelle AStA beackert dieses Feld.</p>
<p>Man mag uns da auch entschuldigen, wenn wir nicht zu jeder Unwahrheit in den Flyern der Linken eine Antwort schreiben. Wenn ich mich zwischen dieser und der Organisation einer Veranstaltung zur Stipendienstiftung entscheiden muss, lande ich allzu oft bei letzterem. Das bringt wom&#246;glich keine Stimmen bei der n&#228;chsten Wahl. Aber es ist richtig.</p>
<p><strong>Kein revolution&#228;rer Kampfverband</strong><br />
Der AStA sollte kein politisch-revolution&#228;rer Kampfverband sein. Die „Zukunftschancen des Marxismus“ zu diskutieren, mag zwar f&#252;r bestimmte Gruppen interessant sein. Dieses Privatvergn&#252;gen einiger weniger jeden Studenten &#252;ber seinen (Zwangs-)Beitrag bezahlen zu lassen, ist unanst&#228;ndig.</p>
<p>Ich  m&#246;chte den linken Gruppen die Kompetenz in diesem Feld gar nicht absprechen. Die LUST organisierte vielgelobte Veranstaltungen zu Adorno, Nahostkonflikt und „Entschw&#246;rungstheorie“. Genauso wenig sprechen die linken Gruppen dem „Rechts-AStA“ die Kompetenz im zweiten Feld ab. Anlass f&#252;r Kritik auf ihren Flyern haben sie bisher im Bereich der studentischen Vertretung noch keinen gefunden. Und Lob passt wohl nicht ganz in den Kontext.</p>
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