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	<title>Karlshochschule International University</title>
	
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	<description>Rund um das Leben an der Karlshochschule</description>
	<lastBuildDate>Tue, 15 May 2012 12:01:16 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Informationsverarbeitung in Institutionen – ein Fallvergleich</title>
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		<comments>http://blog.karlshochschule.de/2012/05/14/informationsverarbeitung-in-institutionen-ein-fallvergleich/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 May 2012 14:31:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Clemens Werkmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten Tagen konnten wir an zwei Fällen beobachten, wie das Bekanntwerden latenter Probleme in unterschiedlichen Institutionen, spezielle in finanzmarktorientierten und politisch geprägt Unternehmen, verarbeitet wird. Im einen Fall hat die US-Bank JP Morgan nach derzeitigem Stand 2 Mrd. US-$ durch CDS-Spekulationen verloren, im anderen Fall der Flughafen Berlin Brandenburg seine Inbetriebnahme auf momentan unbestimmte Zeit verschoben.
Gemeinsam ist beiden Fällen, dass den Beteiligten (ich gehöre nicht dazu) die Probleme seit einiger Zeit bekannt waren. Im Fall JP Morgan (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Tagen konnten wir an zwei Fällen beobachten, wie das Bekanntwerden latenter Probleme in unterschiedlichen Institutionen, spezielle in finanzmarktorientierten und politisch geprägt Unternehmen, verarbeitet wird. Im einen Fall hat die <strong>US-Bank JP Morgan</strong> nach derzeitigem Stand 2 Mrd. US-$ durch CDS-Spekulationen verloren, im anderen Fall der <strong>Flughafen Berlin Brandenburg</strong> seine Inbetriebnahme auf momentan unbestimmte Zeit verschoben.</p>
<p>Gemeinsam ist beiden Fällen, dass den Beteiligten (ich gehöre nicht dazu) die Probleme seit einiger Zeit bekannt waren. Im Fall JP Morgan wurden die Risiken und erste Verluste aus diesen Geschäften seit März diskutiert; mindestens der gleiche Zeitraum steht für Berlin Brandenburg im Raum. Gemeinsam ist beiden Fällen zudem, dass die Verantwortlichen in den Kontrollorgangen aktiv in der Politik und Öffentlichkeit stark engagiert sind, und deshalb mit Schadenfreude ihrer Gegner leben müssen. Gemeinsam ist beiden Unternehmen schließlich, dass sie ihr Problem voraussichtlich überleben werden. JP Morgan ist groß genug, um einen derartigen Schaden zu verkraften. Und auch der Flughafen Berlin Brandenburg wird irgendwann in Betrieb gehen, trotz gegenteiliger Forderungen in der <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/grossflughafen-berlin-lass-es-bleiben-11749377.html">FAZ</a>.</p>
<p>Neben den Gemeinsamkeiten gibt es aber auch markante Unterschiede:<br />
Unterschiedlich ist die Art, wie der finanzielle Schaden beziffert wird. Bei JP Morgan bewirkte der publik gewordene direkte Schaden von 2 Mrd. US-$ und die daran anschließende, eher unscheinbare Bonitätsherabstufung von AA- auf A+ durch die Ratingagentur Fitch einen Rückgang der Marktkapitalisierung um 9,3 Prozent bzw. 15 Mrd. US-$ innerhalb eines Tages: ein schneller und deutlicher Ausdruck des Vertrauensverlustes, denen bereits Kursverluste in ähnlicher Höhe seit dem allmählichen Bekanntwerden der Probleme Ende März vorausgingen. Ohne es quantitativ überprüft zu haben, scheint dies Ausdruck zumindest einer mittelstarken Markteffizienz zu sein. Für den finanziellen Schaden durch die Verschiebung des Flughafens Berlin Brandenburg sind mir keine Schätzungen bekannt.</p>
<p>Unterschiedlich sind die direkten finanziellen Konsequenzen für die Beteiligten: Private und institutionelle Aktionäre von JP Morgan sowie die hinter letzteren stehenden Investoren, Sparer, Pensionsfonds oder Versicherungsnehmer haben Vermögensverluste erlitten. Diese mögen im Einzelfall schmerzhaft sein, gehören aber zum Risiko von Investitionen in Aktien. Den verantwortlichen Mitarbeitern von JP Morgan droht der Verlust des Arbeitsplatzes, der Abteilung die Schließung, dem CEO vermutlich ein beträchtlicher Bonusrückgang, evtl. auch die Ablösung (dann aber vermutlich gegen eine beträchtliche Abfindung). Beim Flughafen Berlin Brandenburg sind mir – abgesehen von der bereits erwähnten Häme – keine personellen Konsequenzen für die Verantwortlichen bekannt. Lediglich die Fluggesellschaften, die Inhaber der geplanten Läden, deren (potenzielle) Mitarbeiter und andere Dritte (auch bis zu eine <a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/verzoegerung-berliner-flughafen-sucht-schuldige-fuer-chaos-11745831.html">Million Passagiere</a>) haben den Schaden. Offen ist, ob sie ihn geltend machen und durchsetzen können.</p>
<p>Unterschiedlich sind die zu erwartenden organisatorischen Konsequenzen für die beiden Unternehmen. Der verantwortlichen Abteilung von <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:kritik-an-jamie-dimon-jp-morgan-chef-soll-riskante-spekulation-gedeckt-haben/70036593.html">JP Morgan</a> in London droht die Schließung. Vor einigen Jahren abgeschaffte interne Regelungen des Risikomanagements werden – zumindest in ähnlicher Form – vermutlich wieder eingeführt. Für die Führungsorgane wird eine Aufspaltung der bisherigen Personalunion von Vorstandsvorsitz und Verwaltungsratsvorsitz gefordert. Beim Flughafen Berlin Brandenburg sind mir noch keine organisatorischen Konsequenzen bekannt – weder hinsichtlich der operativen Abläufe noch hinsichtlich der Aufsichtsorgane.</p>
<p>Unterschiedlich sind schließlich die zu erwartenden langfristigen Konsequenzen für die betroffenen Institutionen: Während für Finanzmärkte wieder verstärkte Kontrollen diskutiert werden, bleibt für die Steuerung politisch kontrollierter Großprojekte wenig Hoffnung auf Besserung. Im Vergleich zu den andernorts erkämpften Informations- und Beteiligungsformen (Stuttgart 21) sind sogar eher Rückschritte zu konstatieren.<br />
Was lernen wir aus diesen Fällen darüber, wie (Finanz-)Märkte funktionieren, und die Politik?</p>
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		<title>“Learning by Playing” – Gamification in der Lehre</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 07:21:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Spielen erzeugt eine eigene Wirklichkeit: die der Möglichkeiten.
<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Natias_Neutert">Natias Neutert</a>: 1971
Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!
Heinz von Foerster &#8211; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethischer_Imperativ">Ethischer Imperativ</a> 
Wenn es ein &#8220;Buzzword&#8221; gibt, das die letzten Jahre immer wieder in bestimmten Zusammenhängen auftauchte, dann war es sicherlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gamification">&#8220;Gamification&#8221; (...)</a>. Doch wie bei etlichen anderen Buzzwords auch gilt: Oftmals steckt im Kern auch etwas Substanzielles. So glaube ich, dass auch in &#8220;Gamification&#8221; jede Menge Potenzial steckt um das eine oder andere]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Spielen erzeugt eine eigene Wirklichkeit: die der Möglichkeiten.</p></blockquote>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Natias_Neutert">Natias Neutert</a>: 1971</p>
<blockquote><p>Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!</p></blockquote>
<p>Heinz von Foerster &#8211; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethischer_Imperativ">Ethischer Imperativ</a> </p>
<p>Wenn es ein &#8220;Buzzword&#8221; gibt, das die letzten Jahre immer wieder in bestimmten Zusammenhängen auftauchte, dann war es sicherlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gamification">&#8220;Gamification&#8221;</a>. Doch wie bei etlichen anderen Buzzwords auch gilt: Oftmals steckt im Kern auch etwas Substanzielles. So glaube ich, dass auch in &#8220;Gamification&#8221; jede Menge Potenzial steckt um das eine oder andere Thema voran zu bringen, so auch die Didaktik an Hochschulen und speziell an unserer Karlshochschule, die von der konstruktivistischen Ausrichtung her idealen Nährboden für Lern- und Lehrspiele zur Verfügung stellt. </p>
<p>Ich bin mir sicher, dass einige noch nicht wissen was sich hinter dem Begriff &#8220;Gamification&#8221; verbirgt, dem versuche ich das in wenigen Worte zu erklären: Mit &#8220;Gamification&#8221; beschreibt man in der Regel die Verwebung von spielerischen Komponenten in einen sonst eher drögen Prozess. Typische Komponenten werden zum Beispiel <a href="http://www.knewton.com/gamification-education/">in dieser schicken Infografik</a> dargestellt. Für Didaktik bedeutet das, man versucht Anreize und Beteiligungsstrukturen zu schaffen, die Schüler und Studenten &#8220;aktiviert&#8221;, sie also überhaupt für Wissen aufnahmefähig macht. Reine Vermittlung von Faktenwissen ohne spielerische Komponenten (die einfachste Spielvariante ist beispielsweise das Quiz) gestaltet sich als äußerst zäh und mühsam. Zum Teil sind das memetischen Überbleibsel aus der industriellen Schulzeit, bei denen Schüler möglichst still sitzen und zuhören mussten, während der Lehrer den Schülern &#8211; aus seiner Sicht &#8211; die Welt erklärte. Ungewollte Interaktion durch die Schüler wurde damals mit dem Rohrstock bestraft, gewollte Interaktion wurde durch die Tafelabfrage bestraft, indem man bei falschen Antworten wieder den Rohrstock zum Einsatz brachte. Leider hat diese traurige Schulepoche zum Teil bis heute dazu geführt, dass Schule gedanklich mit Anstrengung und Ärgernis verknüpft wird &#8211; ganz zum Leidwesen aller Akteure.</p>
<p>Ich fürchte, es gibt auch noch einige bewusste oder unbewusste Verfechter der alten Schule &#8211; also nicht der Rohrstockzeit &#8211; die immer noch der Ansicht sind, dass Wissenserwerb reine Leistung und Anstrengung voraussetzt, dass es ernst zugehen muss und die Schüler mit reiner Disziplin ans Ziel kommen. Diese Verspieltheit ist ja nur ein Ergebnis der infantilisierten Gesellschaft und all die Computerspiele und anderen unterhaltsamen Spielarten machen die jungen Menschen zusätzlich so dumm, undiszipliniert und weniger aufnahmefähig, so dass sie gar nicht mehr anders Wissen aufnehmen können. Das sollte man so wohl nicht noch zusätzlich befeuern.</p>
<p>Das ist aus meiner Sicht zwar eine nachvollziehbare Sichtweise, wenn man das eigene Wertesystem und die bisherige Weltsicht erhalten möchte, aber ich habe für mich ganz andere Ansichten entwickelt. Ich denke Computerspiele sind deshalb so populär, weil gerade die darin enthaltenen Spielmechanismen Menschen so unglaublich ansprechen. Es geht bei diesen Spielen in erster Linie immer um &#8220;Macht&#8221;, im Sinne von &#8220;Gestaltungsfreiheit&#8221; &#8211; abgesehen ob konstruktiv oder destruktiv eingesetzt (also bei Aufbauspielen oder bei Ego-Shootern). Was war also zuerst da? Der Spieltrieb oder diese Spiele, die angeblich den Spieltrieb verstärken? Aus der Historie der Pädagogik können wir gut erkennen, dass &#8220;Gamification&#8221; in der Bildung und vor allem in der Schule spätestens mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Montessorip%C3%A4dagogik">Maria Montessori</a> Einzug genommen hat &#8211; also lange vor jedweden elektronischen Medien und lange vor der Popularität von Spielen in der heutigen Form. Sie hat den Kern der Gestaltungsfreiheit erkannt und mit der goldenen Regel „Hilf mir, es selbst zu tun“ übersetzt. </p>
<p>Blicken wir also auf den eigentlichen Kern von spielerischer Wissensvermittlung, so gelangen wir schnell an den Punkt, das Spiel als geschützten Raum zu begreifen, in dem man ausprobieren kann, eine Simulation also, bei der die Wissbegierigen (müssen ja nicht nur Schüler sein, auch Erwachsene spielen sehr gerne) ohne Angst vor Fehlern oder schwerwiegenden Konsequenzen sich ausprobieren können. Das &#8220;Learning by Doing&#8221; und vor allem das &#8220;Try &#038; Error&#8221; Prinzip in der Realität wird zunächst durch &#8220;Learning by Playing&#8221; ersetzt und nimmt den Lernenden den Druck, ohne dabei das involvierende Gefühl zu verlieren. &#8220;Simulation&#8221;, also das Ahmen im Spiel, ist eine wunderbare menschliche Eigenschaft, die wir leider all zu oft vernachlässigen und viel zu wenig anwenden. </p>
<p>Ich bin daher sehr froh, dass unsere Karlshochschule den Lehrenden nicht nur interaktive didaktische Experimente erlaubt, sondern sie regelrecht dazu auffordert. Hier mal ein Beispiel eines solchen Experimentes, was zwar nicht bei uns entwickelt wurde, aber von uns getestet und durchgeführt wurde. Das &#8220;Management Game: <a href="http://www.emerald-forest.eu/wiki03/index.php/Main_Page">Emerald Forest</a>&#8220;:</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/hcV8LBs_bVk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Für das Wintersemester 2012 arbeite ich gerade an einem didaktischen Konzept, dass unseren Studierenden das Thema &#8220;E-Business&#8221; vermitteln soll. Ich würde mich über jeglichen Rat &#038; Tat sehr freuen, denn ich bin ein großer Freund von Open Source und habe am Ende auch nichts dagegen, wenn dieses Konzept auch an anderen Universitäten und Hochschulen zum Einsatz käme. Sehr gerne würde ich vor allem auch echte Unternehmen und Unternehmer/innen in dieses Konzept mit einbeziehen. </p>
<p>Links zum Thema:<br />
<a href="http://intelligent-gamification.de/">Intelligent Gamification Blogprojekt von Markus Breuer</a><br />
<a href="http://gamification.org/">Gamification.org &#8211; Größte, weltweite Plattform zu dem Thema</a><br />
<a href="http://www.forbes.com/2010/10/28/education-internet-scratch-technology-gamification.html">Forbes-Artikel zu Gamification in Education</a><br />
<a href="http://www.educause.edu/EDUCAUSE+Review/EDUCAUSEReviewMagazineVolume46/ThisGameSucksHowtoImprovetheGa/222665">This Game Sucks”: How to Improve the Gamification of Education</a><br />
<a href="http://www.ted.com/talks/john_hunter_on_the_world_peace_game.html">TED Talk &#8220;World Peace Game&#8221; von Jon Hunter</a><br />
<a href="http://www.ted.com/talks/jane_mcgonigal_gaming_can_make_a_better_world.html">TED Talk mit Gamification Guru Jane McGonigal</a><br />
<a href="http://www.ted.com/talks/salman_khan_let_s_use_video_to_reinvent_education.html">TED Talk Salman Khaan &#8211; Let&#8217;s use Video to reinvent education</a></p>
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		<title>Gehet hin und beflauscht euch! – Warum wir eine neue Haltung brauchen</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 09:19:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.karlshochschule.de/?p=6371</guid>
		<description><![CDATA[Verunreinige Treppenhäuser, Korridore, Kleiderschränke oder Wandbehänge nicht mit Urin oder anderem Schmutz. Erleichtere dich nicht vor Damen oder vor den Türen oder Fenstern der Kammern bei Hofe. (&#8230;) Wenn dir auf dem Bettlaken etwas Abstoßendes begegnet, wende dich nicht an deinen Bettgenossen, um es ihm zu zeigen, und halte das stinkende Ding nicht in die Höhe, damit der andere es riecht und sagt: &#8220;Ich wüsste gern, wie sehr das Stinkt.&#8221;

Erasmus von Rotterdam: &#8220;Über den Anstand der Sitten von Knaben&#8221;, (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Verunreinige Treppenhäuser, Korridore, Kleiderschränke oder Wandbehänge nicht mit Urin oder anderem Schmutz. Erleichtere dich nicht vor Damen oder vor den Türen oder Fenstern der Kammern bei Hofe. (&#8230;) Wenn dir auf dem Bettlaken etwas Abstoßendes begegnet, wende dich nicht an deinen Bettgenossen, um es ihm zu zeigen, und halte das stinkende Ding nicht in die Höhe, damit der andere es riecht und sagt: &#8220;Ich wüsste gern, wie sehr das Stinkt.&#8221;
</p></blockquote>
<p>Erasmus von Rotterdam: &#8220;Über den Anstand der Sitten von Knaben&#8221;, 1530</p>
<p>Es gibt mehrere Haltungen wie man als Wissensträger durch die Welt gehen kann. Man kann das Wissen bei sich horten, damit prahlen, Macht ausüben und anderen permanent unter die Nase reiben, wie dumm sie doch eigentlich sind. Das dürfte ungefähr die Art und Weise sein, mit der unsere Gesellschaft 1.0, also die feudalistische, absolutistische, autokratische Gesellschaft mit Wissen umgegangen ist und zum Teil leider auch heute noch umgeht.</p>
<p>Man kann &#8211; und auch das hat die Geschichte gezeigt &#8211; aber auch ganz anders mit Wissen umgehen. Man kann das Wissen mit anderen teilen, es wie eine Fackel weiterreichen und sich dabei gegenseitig erhellen. Dabei löst sich auch die Trennung von &#8220;Wissern&#8221; und &#8220;Nichtwissern&#8221; auf. Der Wissenskonsument (Schüler) wird also zum Wissensprosumenten (Schüler und Lehrer in einem). Sobald sich Wissen (also Erkenntnisse, Anleitungen zum &#8220;gewusst wie&#8221;) einmal erfolgreich übertragen haben, lagert es nicht einfach nur stupide vor sich hin in einer Art Kornspeicher, genannt Gehirn, es beginnt doch auch tatsächlich in den jeweiligen Trägern zu arbeiten. Es entstehen nämlich ganz neue Netzwerkknoten, die nun mit anderem Wissen verknüpft werden können. Je dichter das Netz wird, desto dichter webt sich die eigene Persönlichkeit und das Verständnis über Sinnzusammenhänge. Je dichter das Netz, desto geringer wird das Gefühl Spielball der Naturgewalten und Gewalt von anderen Menschen zu sein. Wissen ist Macht und die Wissensverteilung ist damit auch eine Machtverteilung und <a href="http://soziopod.de/2011/10/soziopod-002-bildung-was-muss-passieren-damit-wissen-zu-bildung-wird/">den Prozess der Machtverteilung wiederum könnte man wohl &#8220;Bildung&#8221; nennen.</a></p>
<p>Neben der Bereitschaft, der entsprechenden Haltung, zur Bildung bedarf es natürlich auch einer technischen Infrastruktur. Wir würden wahrscheinlich immer noch im finsteren Mittelalter leben, wäre der Buchdruck nicht erfunden worden. Doch eine technologische Erfindung allein garantiert eben nicht automatisch den gesellschaftlichen Fortschritt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zivilisation">genannt Zivilisation</a>. Denn auch über das Medium Buch wurde natürlich menschenfeindlicher Unsinn übertragen, der eher dafür sorgte, dass feudale Machtstrukturen erhalten blieben und unzivilisierte Praktiken verstärkt wurden. Der Buchdruck allein verhinderte nicht, dass Werke wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer">&#8220;Der Hexenhammer&#8221;</a> oder &#8220;Mein Kampf&#8221; und die darin enthaltenen Aussagen durch die Köpfe der Menschen geisterte und die Gedanken in abscheuliche Taten verwandelten. Gerade Hitlers &#8220;Mein Kampf&#8221; scheint sogar heute noch so unglaublich geistig bedrohlich zu sein, <a href="http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-debatte-zu-hitlers-mein-kampf-bei-anne-will-dieses-bloede-buch-1.1347088">dass viele Politiker und Interessensgruppen sich vehement dafür einsetzen, dass dieses Buch &#8211; unkommentiert &#8211; in Deutschland nicht verkäuflich sein sollte.</a> Die darin enthaltenen Gedanken könnten junge Menschen dazu verführen wieder ganz dem Nationalsozialismus in Worten und Taten zu verfallen. Wir sehen: Ein Medium allein, also das Buch, das Fernsehen, das Internet, führt also längst nicht automatisch zu wünschenswerten Bildungsprozessen, zu einer Zivilisierung, zur mehr Menschlichkeit und Demokratie. Dazu bedarf es schon etwas mehr.</p>
<p><a href="http://saschalobo.com">Sascha Lobo</a>, umstrittener aber ebenso populärer Internetanalyst und -vordenker, <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-bei-der-re-publica-a-831364.html">forderte die abertausende von &#8220;Internetpeople&#8221; auf der re:publica dazu auf</a> <em>neue Narrative</em> zu entwickeln. Übrigens eine Aussage, die er <a href="http://karlsdialoge.de/karlsdialoge-007-mit-sascha-lobo-3x-antworten-zu-internet-bildung-werbung-und-netzkultur/">in diesem Interview mit mir noch einmal bekräftigte</a>. Doch was genau meinte er damit? Nun, Narrative sind &#8211; wie Sascha es auch in seiner Keynote erklärte &#8211; kleine verbale Formeln, die sich in den Gehirnen der Menschen sehr leicht festsetzen und fortpflanzen. <a href="http://www.bertramkoehler.de/memetik.htm">In der Memetik</a> nennt man sie auch Memplexe, also zusammengesetzte Meme, die im Grunde wieder eine Art Supermem bilden &#8211; wenn man so will. Also all die kulturellen Ideen und Erzählungen, die sich irgendwie in den Köpfen der Menschen per Lied-, Schrift- oder Bildwerk eingenistet haben und stetige generationsübergreifende Verbreitung finden. &#8220;Geflügelte Worte&#8221;, die von Kopf zu Kopf schweben und dort ihrer &#8220;Arbeit&#8221; nachgehen und somit unsere Meinung zu gewissen Dingen entstehen lassen, festigen und damit letztlich auch unser Verhalten beinflussen. </p>
<p>Dabei ist es &#8211; aus der Metaperspektive betrachtet &#8211; eigentlich auch völlig egal, ob sich unter den Narrativen beweisbare Fakten oder erfundene Mythen befinden. <a href="http://youtu.be/PcPtl-vuGbI?t=5m34s">Heinz von Foerster, ein großer Denker des radikalen Konstruktivismus, hat es im Interview einmal so formuliert:</a> &#8220;Wer hat eine lustige, amüsante und interessante Geschichte erfunden, wo jeder sofort geglaubt hat: Das muss es gewesen sein!&#8221;. Objektive Wahrheit, sollte es sie überhaupt geben, ist demnach kein Kriterium für wirksame Narrative. Richtig starke Narrative können sich übrigens zu Dogmen verwandeln. Dogmen wiederum sind der gefährliche <a href="http://soziopod.de/2012/03/soziopod-010-fundamentalismusextremismus-am-ende-der-diskussion/">Nährboden für Fundamentalismus und Extremismus</a>, also der Punkt, an dem ein Dialog oder eine Diskussion endet und die kriegerische, gewaltsame, unzivilisierte Auseinandersetzung beginnt. Also genau die Situation, die eine pluralistische, demokratische, befriedete Gesellschaft am meisten bedroht, denn ab diesem Moment ist die friedliche Koexistenz der unterschiedlichen Individuen in Gefahr. Jeder beharrt nicht nur auf seiner Position, der absoluten Wahrheit, sondern weitaus schlimmer, die Wahrheit des anderen kann und muss nur noch mit Gewalt bekämpft werden. </p>
<p>Sascha Lobo spricht in seinem Vortrag natürlich nur von den relativ harmlosen Narrativen unserer Gesellschaftsblase. Wir, die deutsche Netzkultur, beschäftigen uns in erster Linie mit Themen rund um das Urheberrecht, der Anonymität im Netz oder der Eindämmung von &#8220;Shitstorms&#8221;. Zum Glück, möchte ich an der Stelle ausdrücklich betonen, denn für mich sind das deutliche Kennzeichen einer friedlichen, zivilisierten Gesellschaft. Lieber streite ich mich <em>darüber</em> als über längst bei uns (auf)geklärte Themen wie Folter, die Todesstrafe oder freie Wahlen. Dennoch hört der Zivilisationsprozess nie ganz auf und gerade das Internet, als neuer, beschleunigter und dicht vernetzter Träger von Narrativen, eröffnet uns dafür eine völlig neue Spielebene. Neben den geforderten neuen Narrativen, die Lobo eindringlich von der sogenannten Netzgemeinde fordert, also beispielsweise der Positivformulierung zum Thema Anonymität im Internet à la &#8220;Anonymität im Internet schützt mehr Menschen als das es sie bedroht&#8221;, lade ich ergänzend dazu zu einer neuen Haltung ein. Narrative lassen sich nämlich nur dann wirksam verbreiten, wenn sie neben den Faktoren, die Heinz von Foerster benannt hat, auch gewährleisten dass die Erzähler, die Urheber, die Träger, der Geschichten glaub- und vertrauenswürdig sind. Ist der Wirt der Geschichte nicht mit uns unmittelbar per Vertrauen verbunden, so wird sich seine Geschichte auch nicht auf uns übertragen. So einfach ist das. </p>
<p>Ein Beispiel: Es gibt derzeit eine Partei, die im Internet damit auffällt sich gegenseitig mit Fäkalsprache und Trollgehabe zu bombardieren. Wahrscheinlich geschieht das gar nicht mal in so großem Maße, <a href="http://www.fraumeike.de/2012/briefpost-an-die-piratenpartei/">aber genau diese Art der Kommunikation fällt den anderen Netzteilnehmern ausschließlich auf</a>, der berühmte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt">Halo-Effekt</a> entsteht. Leise Töne gehen unter, weil die lauten, unverschämten Bemerkungen alles andere überstrahlen. In diesem Klima, in diesem politischen Soziotop, wird es unheimlich schwer glaubwürdige Narrative zum Thema &#8220;Anonymität im Internet&#8221; zu entwickeln und sie über die eigenen Gruppengrenzen hinaus zu verbreiten. </p>
<p>Nehmen wir beispielsweise den Fall eines prominenteren Piraten: <a href="http://stephanurbach.de/">Stephan Urbach</a>. <a href="http://www.elektrischer-reporter.de/phase3/video/272/">Ein Hacktivist, der im arabischen Frühling gemeinsam mit dem Kollektiv Telecomix, dafür gesorgt hat, dass die Menschen vor Ort trotz Zensur miteinander kommunizieren können.</a> Jemand, der aus meiner Sicht oben genannte Bildungsprozesse maßgeblich mit angestoßen hat. Ein moderner Aufklärer. &#8220;Toll&#8221;, könnte man meinen, &#8220;gebt dem Mann einen Orden&#8221;.</p>
<p>Tja schön wärs. Urbach wird nämlich seit einiger Zeit &#8211; je prominenter er in den Medien kommuniziert &#8211; öffentlich von zahlreichen Leuten, zum Teil aus den eigenen Reihen, angefeindet und aufs Übelste persönlich beschimpft. Ich kenne Stephan Urbach zwar nicht persönlich, daher kann ich ganz gut widergeben, was ich da am Rande als Außenstehender beobachte und wie es auf mich (nicht zuletzt als potenzieller Wähler seiner Partei) wirkt:</p>
<p>1. Ich sehe/lese/höre &#8211; wenn auch nur am Rande &#8211; wie Stephan Urbach darunter leidet wie ein Hund.<br />
2. Ich frage mich warum er sich das immer wieder noch antut.<br />
3. Ich frage mich warum ich mir so etwas indirekt antun sollte (z.B. wenn ich mich da einmische)<br />
4. Ich frage mich ob man das gesamte Biotop, in dem das stattfindet, unterstützen sollte.</p>
<p>Was also tun um diesen Kreislauf zu durchbrechen und Menschen wie Urbach unter die Arme zu greifen? </p>
<p>Neben der Entwicklung von neuen Narrativen durch die Internetszene, halte ich es für besonders wichtig, dass parallel eine Art Zivilisierungsoffensive stattfindet.  (vgl. <a href="http://www.amazon.de/Gewalt-Eine-neue-Geschichte-Menschheit/dp/3100616049">Steven Pinker &#8220;Gewalt&#8221;</a>) Im Mittelalter fanden es die Menschen nicht nur völlig normal andere Menschen zu verbrennen, zu vierteilen, auszupeitschen und sie aufs Übelste zu demütigen, sie genossen es auch johlend (jedenfalls taten sie so als ob). Körperliche Gewalt war damals kulturell (narrativ) eingebettet. Daher richtet sich mein Appell wohl an die Aufklärer von morgen. Die immer noch Unzufriedenen, die es nicht hinnehmen wie man heute miteinander im Netz umgeht. Wie sieht es in 100 Jahren aus? Ist das Trollen, Beschimpfen und anonyme Bedrohen dann immer noch so normal und lustig wie heute &#8211; also Teil der virtuellen Popkultur? Ich hoffe es nicht. Das mag jetzt für viele ultraspießig wirken, aber ich kann euch eines deutlich sagen: Spießig ist eben in gewisser Weise auch das, was wir und unsere Urahnen schon immer getan hat: Mit Scheisse auf andere werfen, egal ob real oder virtuell. </p>
<p>Das Trollen ist für mich so eine uralte, spießige Tradition. Die Haltung der Achtsamkeit hingegen ist relativ neu, sie ist anstrengend und führt am Ende zu innovativen, gesellschaftlichen Lösungsansätzen, zu dem von Lobo geschilderten Interessensausgleich. Die Aufklärer im 18. Jahrhundert haben der gewaltsamen Trollerei jedenfalls erfolgreich den Garaus gemacht, sie haben es getan, indem sie nicht drakonisch bestraften, sondern indem sie die Empathie und Achtsamkeit füreinander breit in die Gesellschaft getragen haben. Lasst uns damit bitte nicht einfach so aufhören. Bevor wir also neue Narrative zum Thema Urheberrecht oder Freiheit für das Internet entwickeln, sollten wir unsere eigene Haltung überprüfen. Wie gehen wir im Netz mit anderen Menschen um? Wie gehen wir mit den Ängsten von Menschen um? Machen wir uns darüber lustig? Oder nehmen wir sie ernst? Versetzen wir uns in die Lage des anderen oder ziehen wir gnadenlos unser Ding durch? Solange sich die Haltung im Netz nicht verändert, solange wir nicht achtsamer miteinander umgehen, solange werden andere Menschen das Netz auch weiterhin als Sündenpfuhl, als rechtsfreier Raum und Ort der Mißachtung betrachten. Wer also verhindern möchte, dass der große Leviathan das Internet reguliert, sollte sich ein wenig selbst regulieren und eine Haltung annehmen, die weder spießig noch konservativ ist &#8211; ganz im Gegenteil, das ist aus meiner Sicht die wahre Progression: Die Entwicklung von Eigen- und Fremdverantwortung.</p>
<p>Wer sich jetzt fragt: Hmm, ja stimmt, aber wie kann ich denn da jetzt konkret mitmachen? Hier vielleicht ein paar Narrative als Angebot:</p>
<p><strong>1. Loben, danken, preisen. Belohnt alles was ihr gut findet mit Flattr, Dankeskommentaren, Positivbewertungen und Empfehlungen. </p>
<p>2. Verbreitet das Positive. Alles was ihr gut findet, leitet es einfach weiter. </p>
<p>3. Schreitet ein, sobald ihr beobachtet wenn einer getrollt wird. Kümmert euch in erster Linie um das Opfer.</p>
<p>4. Macht euch klar, dass alles öffentlich ist. Auch E-Mails und Chatprotokolle können schnell nach draußen dringen.</p>
<p>5. &#8220;Schmiedet das Eisen solange es kalt ist&#8221; (<a href="http://books.google.de/books?id=v5o7yEu0KisC&#038;pg=PA43&#038;lpg=PA43&#038;dq=Haim+Omer+schmiede&#038;source=bl&#038;ots=LUzTFyzYlA&#038;sig=nVjt_LKBI_Y4L5UAfmG24v5R5Ys&#038;hl=de&#038;sa=X&#038;ei=pj2pT_H-PMiQswa_ocWiBQ&#038;ved=0CGIQ6AEwAA#v=onepage&#038;q&#038;f=false">Haim Omer</a>). Beruhigt euch bevor ihr etwas in die Öffentlichkeit posaunt.</p>
<p>6. Beschenkt Unwissende mit Wissen, lasst euch von Wissenden beschenken.</p>
<p>7. Folgt Menschen, die euch gut tun. Entfolgt Menschen, die euch nicht so gut tun.</p>
<p>8. Beflauscht euch!<br />
</strong></p>
<p>PS: Großes Dankeschön an <a href="http://jensscholz.com/index.php/2012/05/06/re-publica-tag-2-infosturm">Jens Scholz</a> für den Funken der Aufklärung und Achtsamkeit, den er mir im Gespräch auf der re:publica so federleicht übertragen hat. Du siehst, das war mir wirklich etwas wert. </p>
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		<title>Ist “immer mehr” eine anthropologische Konstante?</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 06:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Dr. Lutz Becker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Evolutionsökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Evolutorische Ökonomik]]></category>
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		<description><![CDATA[Es ist sicher keine ganz neue Erkenntnis, dass die Ökonomie ein Ergebnis zivilisatorischer Entwicklung und ein Kulturphänomen und kein naturgesetzliches Gebilde im Newton&#8217;schen Sinne ist. Angesichts der Krisen der letzten Jahre und ganz aktuell mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tomáš_Sedlá?ek_(Ökonom)">Tomáš Sedláceks</a> Bestseller &#8220;Die Ökonomie von Gut und Böse&#8221; [2012 bei Hanser in München erschienen] ist das Interesse an der rekursiven Beziehung von Kultur und Ökonomie zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses gerückt.
Die Oldenburger Forschungsgruppe &#8220;<a href="http://www.metropolis-verlag.de/Perspektiven-einer-kulturwissenschaftlichen-Theorie-der-Unternehmung/458/book.do">FUGO &#8211; Forschungsgruppe Unternehmen und  (...)</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist sicher keine ganz neue Erkenntnis, dass die Ökonomie ein Ergebnis zivilisatorischer Entwicklung und ein Kulturphänomen und kein naturgesetzliches Gebilde im Newton&#8217;schen Sinne ist. Angesichts der Krisen der letzten Jahre und ganz aktuell mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tomáš_Sedlá?ek_(Ökonom)">Tomáš Sedláceks</a> Bestseller &#8220;Die Ökonomie von Gut und Böse&#8221; [2012 bei Hanser in München erschienen] ist das Interesse an der rekursiven Beziehung von Kultur und Ökonomie zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses gerückt.</p>
<p>Die Oldenburger Forschungsgruppe &#8220;<a href="http://www.metropolis-verlag.de/Perspektiven-einer-kulturwissenschaftlichen-Theorie-der-Unternehmung/458/book.do">FUGO &#8211; Forschungsgruppe Unternehmen und gesellschaftliche Organisation</a>&#8221; um <a href="http://www.laub.uni-oldenburg.de/1868.html">Reinhard Pfriem</a> (ein wichtiger Freund und akademischer Förderer unserer Hochschule), beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dieser Fragestellung, die auch Forschung und Lehre der Karlshochschule entscheidend prägt. </p>
<p>An der <a href="http://www.kueser-akademie.de/">Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte</a> hatten einige Kollegen der Karlshochschule International University, <a href="http://karlshochschule.de/de/lehrkrafte/">Michael Zerr, Andreas P. Müller, Cordula Braedel-Kühner, Ekatarina Svetlova und ich</a>, in dem beschaulichen Moselstädtchen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernkastel-Kues">Bernkastel-Kues</a> die Gelegenheit, an einem mit hochkarätigen Wissenschaftlern besetzten interdisziplinären Symposion zum Thema &#8220;<strong>Kapitalismus <em>M</em>acht Werte</strong>&#8221; mitzuwirken. </p>
<p>In einem kleinen Korreferat habe ich mich dort mit dem Philosophen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Albert_Lange">Friedrich Albert Lange</a> (*1818 in Wald heute Solingen, +1878 in Marburg) beschäftigt. Mein Interesse für Lange kommt dabei nicht von ungefähr. Er wurde in meiner Nachbarschaft geboren und feierte am gleichen Tag Geburtstag wie ich, sein Vater war Pfarrer unserer <a href="http://www.denkmalstiftung-walder-kirche.de/index.html">Kirchengemeinde</a> und &#8211; das für mich vielleicht einschneidendste Erlebnis &#8211; in seinem Geburtshaus habe ich als 17-Jähriger zum ersten Mal <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Zappa">Frank Zappa</a> gehört.</p>
<p>Lange ist einer der großen und &#8211; sehr zu Unrecht &#8211; weitgehend vergessenen deutschen Philosophen und Nationalökonomen. Sein Buch &#8220;<a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Lange,+Friedrich+Albert/Geschichte+des+Materialismus">Die Geschichte des Materialismus</a>&#8221; war in den 1870er Jahren ein sensationeller Bestseller. Das Buch hatte eine Popularität, die man allenfalls mit dem fast 150 Jahre später erschienenen Philosophie-Bestseller &#8220;Wer bin ich &#8211; und wenn ja wie viele? Eine philosophische Reise.&#8221; [2007 bei Goldmann (München) erschienen] von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_David_Precht">Richard David Precht</a> vergleichen kann (Übrigens wurde auch Precht in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Solingen">Solingen</a> geboren). Friedrich Albert Lange wirkte, nach dem er Deutschland zunächst aus politischen Gründen verlassen hatte,  an der Züricher Kantonalverfassung mit und setzte damit einen ganz wesentlichen Meilenstein für die Entwicklung der modernen Demokratie, außerdem gilt er als Begründer der Marburger Philosophieschule des Neukantianismus. Seine Werke haben von Max Weber, Hans Vaihinger, August Bebel bis Gustav Heinemann viele Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Er ist der Erste (oder wenigstens einer der Ersten), der Charles Darwins Ideen auf soziale und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionsökonomik">ökonomische Fragestellungen</a> anwendete, und Lange muss auch als Vorreiter des modernen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie)">Konstruktivismus</a> („Die Welt als Vorstellung“ [Lange, F. A. (2008): 443]) gesehen werden. Als ich mich in Vorbereitung der Kueser Gespräche intensiver mit ihm beschäftigte, war das etwas, was Amerikaner &#8220;a mind blowing experience&#8221; nennen. Die Klugheit und vor allem die unglaubliche Aktualität seiner Gedanken hat mich förmlich vom Stuhl gerissen.  </p>
<p>Für Lange gehörte die &#8220;wuchernde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pleonexie">Pleonexie</a>&#8221; zu den Charakterzügen seiner Zeit &#8211; „<em>daß eine beständige Steigerung der Gütererzeugung und der Mittel zur Gütererzeugung denkbar ist, ohne daß der Genuß irgendeines Menschen wesentlich erhöht wird, und ohne daß die arbeitende Masse sich dem Ziele der Erringung des Nötigsten zu einem menschenwürdigen Dasein auch nur um einen Schritt nähert.</em>“ Pleonexie und das Bedürfnis andere zu übertreffen seien so überwiegend „ <em>(&#8230;) daß alle wahren und dauernden, alle der Masse des Volkes zugute kommenden Fortschritte versäumt oder gleichsam nur nebenbei gewonnen werden.</em>“ [Lange, F. A. (2008): 462]</p>
<p>Damit bricht er eine Debatte auf, die heute vor allem aus der Oldenburger Schule/FUGO (u. a. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niko_Paech">Niko Paech</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Schneidewind">Uwe Schneidewind</a>) heraus unter umgekehrtem Vorzeichen unter dem Stichwort &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Suffizienz_(Ökologie)">Suffizienz</a>&#8221; geführt wird. So drehte sich auch die Diskussion in Kues auch unter anderem darum, ob Suffizienz überhaupt möglich ist, oder ob Langes Pleonexie, wie Reinhard Pfriem sich fragte, eine anthropologische Kostante, eine tief in unserem genetischen und kulturellen Programmen verankerte Verhaltensnorm [siehe auch: <a href="http://masterleadership.de/2010/12/06/leadership-why-the-neanderthal-men-matter/">http://masterleadership.de/2010/12/06/leadership-why-the-neanderthal-men-matter/</a>] ist.</p>
<p>Lange sinnierte schon darüber, ob &#8220;<em>Empfindung persönlichen Glückes so relativ ist wie die Empfindungen der Sinne: es ist der Unterschied, der wahrgenommen wird; es ist der Zuwachs, der empfunden und der mit der Masse des bereits Vorhandenen gemessen wird.</em>&#8220;[Lange, F. A. (2008): 462] Genau daran erinnerte mich <a href="http://www.break.com/index/hilarious-experiment-on-monkeys-2321441">dieses kleine Video</a>, das einen Ausschnitt aus dem <a href="http://www.ted.com/talks/frans_de_waal_do_animals_have_morals.html">TED-Vortrag</a> des legendären niederländischen Primatenforschers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frans_de_Waal">Frans de Waal</a> zeigt. Es zeigt ein &#8211; auch zutiefst menschliches &#8211; Verhalten, sich am anderen zu orientieren. Das Kapuzineräffchen in dem Experiment ist solange mit den Gurken zufrieden bis es bemerkt, dass das andere Äffchen mit Trauben gefüttert wird. Die Reaktionen des linken Affen sprechen Bände. </p>
<p><strong>Literaturempfehlungen:</strong></p>
<p><em>Becker, L./Ehrhardt, J./Gora, W. (Hg.) (2009); Führen in der Krise; Düsseldorf (Symposion)<br />
Becker, L./Hakensohn, H./Witt, F. (Hg.) (2012); Unternehmen nachhaltig führen: Führung, Verantwortung &#038; Nachhaltigkeit im Management, Düsseldorf (Symposion)<br />
Becker, L. (2012): Ökonomie in der Krise: Zur brennenden Aktualität Friedrich Albert Langes (erscheint in Bälde)<br />
Beschorner, Th./Pfriem, R. (2000) (Hg.); Evolutorische Ökonomik und Theorie der Unternehmung; Marburg (Metropolis)<br />
Beschorner, Th./Fischer, D./Pfriem, R./Ulrich, G. (2004): Forschungsgruppe Unternehmen und gesellschaftliche Organisationen (FUGO) (Hg.); Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung; Marburg (Metropolis)<br />
Lange, F. A. (1866:2008): Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart; Reprint der 9. Aufl. von 1919: Norderstedt (BoD) [online: <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Lange,+Friedrich+Albert/Geschichte+des+Materialismus">http://www.zeno.org/Philosophie/M/Lange,+Friedrich+Albert/Geschichte+des+Materialismus</a>]<br />
Schneidewind, U./Palzkill-Vorbeck, A. (2011): Suffizienz als Business Case &#8211; Nachhaltiges Ressourcenmanagement als Gegenstand einer transdisziplinären Betriebswirtschaftslehre; Wuppertal (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie)<br />
Sedlacek, T. (2012); Die Ökonomie von Gut und Böse, München (Carl Hanser)<br />
Teo, Th. (2002): Friedrich Albert Lange on Neo-Kantianism, Socialist Darwinism and a Psychology without a Sould; in: Journal of History of the Behavioral Science, Vol. 38 (3), Summer: 385-302<br />
Witt, F. H. (1994): Theorietraditionen der betriebswirtschaftlichen Forschung &#8211; Deutschsprachige Betriebswirtschaftlehre und angloamerikanische Management- und Organisationsforschung; Wiesbaden (Gabler)<br />
</em></p>
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		<title>Die Lautsprecher und ihre Verstärker – Eine Replik an die Shitstormthese von Miriam Meckel</title>
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		<comments>http://blog.karlshochschule.de/2012/04/26/die-lautsprecher-und-ihre-verstarker-eine-replik-an-die-shitstormthese-von-miriam-meckel/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 10:41:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.miriammeckel.de/">Miriam Meckel</a>, Professorin für Kommunikationswissenschaft der Universität St. Gallen, <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/die-lautsprecher_1.16625946.html">formulierte in der NZZ einen Beitrag (...)</a>, der die derzeitige öffentliche Debattenkultur beleuchten und analysieren soll. Ihre These lautet sehr vereinfacht formuliert: Wer am lautesten schreit, bekommt heute die größte mediale Aufmerksamkeit. Dieser kaskadierende Zustand führe aber langfristig zu einer Spirale der verstörenden Debattenkultur, die letztlich nicht ausreicht um vernünftige Konsenslösungen in einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft zu entwickeln. Die Form der marktschreierischen Aufmerksamkeitsgewinnung färbt also auch auf den Inhalt selbst]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.miriammeckel.de/">Miriam Meckel</a>, Professorin für Kommunikationswissenschaft der Universität St. Gallen, <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur/die-lautsprecher_1.16625946.html">formulierte in der NZZ einen Beitrag</a>, der die derzeitige öffentliche Debattenkultur beleuchten und analysieren soll. Ihre These lautet sehr vereinfacht formuliert: Wer am lautesten schreit, bekommt heute die größte mediale Aufmerksamkeit. Dieser kaskadierende Zustand führe aber langfristig zu einer Spirale der verstörenden Debattenkultur, die letztlich nicht ausreicht um vernünftige Konsenslösungen in einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft zu entwickeln. Die Form der marktschreierischen Aufmerksamkeitsgewinnung färbt also auch auf den Inhalt selbst ab, denn um zu schreien benötigt man mitunter auch zum schreien verführende Themen, meist in Form eines Bruches mit gesellschaftlich vereinbarten Tabus. Oder wie Frau Meckel es sicherlich wesentlich eloquenter formuliert:</p>
<blockquote><p>Es ist nicht nur ein Formproblem, dem wir bei den öffentlichen Debatten um Aufregerthemen begegnen. Ein inhaltlicher Wandel versteckt sich dahinter, der für eine pluralistische Demokratie nicht gut sein kann. Wenn politische Gestaltung in der Konsensfindung zwischen entgegenstehenden Positionen liegt, dann braucht sie politische Meinungsbildung, die sich in der diskursiven Auseinandersetzung zwischen den Positionen und ihren Argumenten vollzieht. Das wird in der Empörungskultur zuweilen schwierig.</p></blockquote>
<p>Soweit würde ich Frau Meckel auch zustimmen. Was mir jedoch in diesem Zusammenghang missfällt ist der darin skizzierte Sündenbock einer digitalen Gesellschaft. </p>
<blockquote><p>Hinter dem Shitstorm verbirgt sich ein Mechanismus, der initiiert oder befeuert wird durch eine empörte Netz-Community oder auch eine Gruppierung, die in Deutschland mit dem Begriff des «Wutbürgers» inzwischen zur neuen politischen Kategorie geworden ist. Manchmal ist der Impuls, der so viel Wind macht, gut gemeint, manchmal auch auf die Wutwelle hin angelegt. Dieser Mechanismus läuft als Viersatz präzise wie ein Uhrwerk ab, programmierbar fast wie eine Computersoftware.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Aber es stimmt, dass die enorme Beschleunigung der Netzkommunikation manchmal dazu verleitet, erst zu schreiben und dann zu denken. Es stimmt auch, dass neben der «Weisheit der vielen» gelegentlich auch die «Dummheit der Massen» im Netz zur Sprache kommt und jedes Gerücht, jede Unterstellung im Rausch der ubiquitären Verbreitung durchs Internet schnell in eine Tatsache umgemünzt wird. Und es stimmt leider auch, dass die unangenehmen sozialen Auswüchse im menschlichen Miteinander nicht mehr auf den Streit zwischen Nachbarn der analogen Gartenparzellen beschränkt bleiben, sondern in den Blogwarten des Netzes, gelegentlich gar in Auswüchsen einer Digital-Polizei, neue Ausdrucksformen gefunden haben.</p></blockquote>
<p>Dieser Absatz erzeugt bei mir den Eindruck, als sei das Phänomen des Shitstorms etwas gänzlich neues, als entspränge es direkt der Erfindung und Benutzung der Kommunikations-Infrastruktur Internet. Das Web und seine Prosumenten, bestimmten nun plötzlich die Tonalität von öffentlichen Debatten und zwar in unglaublich fäkalgeprägter Ausführung. Das klingt doch schon ein wenig nach: Früher war alles besser, gesitteter und irgendwie vernünftiger. Riskiert man jedoch beispielsweise mal <a href="http://www.spiegel.de/flash/0,5532,14324,00.html">einen Blick auf die Spiegeltitel der &#8220;vorinternetlichen&#8221; Vergangenheit</a>, so sollte man eigentlich sehr schnell erkennen können, dass sowohl Tonalität wie auch Inhalt damals keineswegs wesentlich zaghafter, sachlicher oder zivilisierter gestaltet waren. Der Kern der Ökonomie der medialen Aufmerksamkeit hat sich in der Geschichte der Medien kaum verändert, sehr wohl jedoch dessen wahrnehmbare Intensität und Resonanz.</p>
<p>An der Stelle bin ich mir nicht sicher ob Frau Meckel in dieser Betrachtung nicht leichtfertig in eine Interpretationsfalle tappt. Es erweckt den Anschein als würde sie die aus meiner Sicht weiterhin tonangebenden Mainstreammedien, in Form von großen Verlagen und Zeitungstiteln, Fernsehesendern, Talskshow- und Magazinformaten plötzlich leichtfertig ausblenden. Der Beitrag hinterlässt bei mir als Leser das Gefühl, als sei das Internet der größte Lautsprecher überhaupt, der jetzt erst zur Verrohung der zuvor so sittlichen Debattenkultur geführt hat. Alle Beispiele, die Frau Meckel in ihrem Beitrag so vortrefflich benennt, sind jedoch alles Themen, die zuerst in den klassischen Medien, zum Teil auch sehr bewusst, platziert wurden. </p>
<p>Das sogenannte Agendasetting hat sich durch das Internet nicht plötzlich von heute auf morgen komplett auf die andere Seite verschoben. Die etablierten Medien sind auch weiterhin dafür maßgeblich verantwortlich, was die Bürger in Masse lesen, sehen, hören und anschließend darüber denken und sprechen. Ja, es ist durchaus möglich, das ein kleiner Flügelschlag im Netz nach oben in die klassischen Medien befördert wird, aber die meisten reißerischen Themen werden immer noch von den etablierten Medienmachern und Journalisten erstellt. Oder vielleicht einfach mal ganz provokant gefragt: Gäbe es einen echten Shitstorm überhaupt ohne die letzte große Station einer Kaskade den klassischen Massenmedien? Ist ein Thema wirklich ein brisantes Thema, wenn es nicht bei den etablierten Show- und Magazinformaten eine Erwähnung erhält?</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Was_gesagt_werden_muss">Günter Grass hat sein Gedicht eben nicht anonym im Internet veröffentlicht.</a> Hätte er es nämlich unter dem Pseudonym &#8220;Günni_85&#8243; getan, so hätte er mit aller Wahrscheinlichkeit niemals diese mediale Empörungskaskade ausgelöst. Nein, gleich drei internationale hochrangige Zeitungstitel sollten Grass bei der Beförderung seiner tabubrechenden Thesen unterstützen. <a href="http://www.zeit.de/kultur/2012-03/kulturinfarkt-kuenstler-replik">&#8220;Der Kulturinfarkt&#8221;</a> wäre ohne initiierenden Spiegel Print Abdruck wahrscheinlich in den Regalen von Amazon oder Hugendubel verstaubt. Der Fall <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Kracht#Kontroversen">Christian Kracht</a>? Dort war, wie Frau Meckel ja richtig schreibt, ebenfalls der Spiegel beteiligt. Und was war das noch mal mit diesem Sarrazin? </p>
<p>Nicht die Bürger im Netz sind nun die großen Lautsprecher, es sind in der Regel weiterhin die etablierten, reichweitenstarken Medien. Das Netz und die Gespräche im Netz sind als neue Komponente eher eine Art Verstärker. Sie drehen den Lautsprecher noch lauter, bis zum Anschlag, bis zur Verzerrung. Wenn aber heutige Talkshows, beispielsweise ihren &#8220;Showteil&#8221; ablegen würden, dann wäre das ein deutliches Signal in Richtung Debattenkultur, wie sie sich Frau Meckel wünscht. </p>
<p>Für jeden menschlichen Umgang miteinander bedarf es Vorbilder, das ist der Kern von Erziehung. Egal ob es die Eltern, Freunde oder die Stars in den Medien inklusive Internet ist. Wir beeinflussen uns gegenseitig, wir imitieren und spiegeln uns. Daher hat meiner Ansicht nach die größte Reflektionsfläche auch immer den größten &#8220;Impact&#8221;, also einen Einfluss. Völlig vereinfacht polemisiert bedeutet das: Je mehr Quote ein Fernsehformat hat, desto mehr Menschen kann es zur Imitation anregen. Meine Frage lautet daher: Wäre es nicht geschickter und effizienter zunächst die rein kommerziellen Medienangebote genau nach ihrem geforderten ethischen Imperativ einer Debattenkultur auszurichten, statt zu versuchen alle Nutzer des Internets einzeln dazu zu bewegen sich zu verändern? Wäre das in der Umsetzung am Ende nicht einfacher und zielführender? </p>
<p>Eine kleine Schlussbemerkung sei mir noch erlaubt. Der größte Shitstorm, den Deutschland im letzten Jahr erleben durfte, war der rund um unseren ehemaligen Bundespräsidenten Wulff. Meine Fragen dazu an Frau Meckel: Wer hat ihn ausgelöst? Wer hat ihn ausgetragen und wer hat ihn maßgeblich immer wieder verstärkt und über lange Zeit aufrecht erhalten? Die Internetnutzer, die sich zeitweise schon gelangweilt abgewendet hatten? Welche Signale haben die kommerziellen Medien damals in die breite Bevölkerung ausgesendet? War das die Aufforderung nach einem vernünftigem Diskurs, nach Konsenslösungen? Und was wesentlich interessanter ist: Wie haben sich diese Signale auf die Rezipienten, die Empfänger dieses Shitstorms ausgewirkt? Was war denn da die große Imitationsvorlage? </p>
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		<title>“Schluss mit Welpenschutz!” – Die Piraten und ihre empörten Eltern</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 12:26:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Piraten standen lange Zeit unter einem seltsamen Welpenschutz. Sogar ihre direkte Konkurrenz konnte man dabei beobachten wie sie mit den neuen Tierchen im Revier <a href="http://netzpolitik.org/2011/peter-altmaier-mein-neues-leben-unter-piraten/">ausgiebig und öffentlich rumschmusten (...)</a>, vielleicht in der Hoffnung, dass diese Zärtlichkeit irgendwann auch auf Gegenliebe stößt. Das Liebkosen ging trotz paralleler Pinkelei auf dem heimischen Wohnzimmerteppich eine Weile munter weiter, doch irgendwann wuchsen diese knuffigen, kleinen Tiere schnell heran. Viel zu schnell. Ihre Tapsigkeit indes blieb ihnen erhalten, nur wirkte das nun nicht mehr]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Piraten standen lange Zeit unter einem seltsamen Welpenschutz. Sogar ihre direkte Konkurrenz konnte man dabei beobachten wie sie mit den neuen Tierchen im Revier <a href="http://netzpolitik.org/2011/peter-altmaier-mein-neues-leben-unter-piraten/">ausgiebig und öffentlich rumschmusten</a>, vielleicht in der Hoffnung, dass diese Zärtlichkeit irgendwann auch auf Gegenliebe stößt. Das Liebkosen ging trotz paralleler Pinkelei auf dem heimischen Wohnzimmerteppich eine Weile munter weiter, doch irgendwann wuchsen diese knuffigen, kleinen Tiere schnell heran. Viel zu schnell. Ihre Tapsigkeit indes blieb ihnen erhalten, nur wirkte das nun nicht mehr so süß, sondern für einige eher ziemlich beunruhigend. Sie richteten mit ihrer Statur plötzlich viel mehr Schaden und Besorgnis an, wenn sie beispielsweise irgendetwas anknurrten, vollkackten oder zerbissen. Den anderen sogenannten Erwachsenen war das fremd. Sie erinnerten sich nicht mehr an ihre eigene Welpenzeit, in dem sie das gleiche pubertäre Schicksal durchliefen, wie ihre jungen Artgenossen. </p>
<p>Das Schicksalsrad dreht sich munter weiter, die Jugend ist also wie eh und je verkommen, die eigenen, erwachsenen Werte und Ansichten sind die besten und letztlich weiß man schließlich wofür und wogegen man steht, die eigenen Emotionen haben sich verkustet, sie sind rationalisiert, auch wenn man als Erwachsener meist gar nicht danach handelt. <a href="http://www.geistigenahrung.org/ftopic16090.html">So läuft es seit Anbeginn der menschlichen Aufzeichnungen.</a> So haben wir Erwachsenen als Jugendliche zwar auch heftig gefeiert, experimentiert und dummes Zeug gesagt, aber als Mamas und Papas verbitten wir es uns bei unseren Kindern und ihren Freunden, während wir in lauschigen Elternabenden bei Rotwein und Kerzenlicht stolz die Geschichten aus der wilden Jugend austauschen. &#8220;Mensch, was haben wir damals auf der Startbahn West die Bullen verdroschen&#8230;&#8221; </p>
<p>Ja, <a href="http://martindelius.de/2012/04/ja-ich-habe-das-wirklich-gesagt-ein-fehler/">Martin Delius hat mit seinem mehr als tapsigen NDSAP-Vergleich</a> sicherlich den goldenen &#8220;politischen Dummkopf des Jahres&#8221; gewonnen. Ja, Teile der Parteispitze sollte sich von Extremisten in der eigenen Partei dringend trennen und vollkommen distanzieren. Nein, deshalb ist die neue Partei der Piraten noch lange keine durch und durch braune Partei. Man kann sie aber sehr leicht zu einer aatilisieren, indem man die klugen und vernünftigen Köpfe durch die Stigmatisierung und Verallgemeinerung vertreibt und den braunen, kümmerlichen Bodensatz am Ende im gemachten Nest übrig lässt. Eine klassische &#8220;Self-fulfilling prophecy&#8221;, etwas was am Ende tatsächlich zu etwas fiesem braunen ausarten könnte, allerdings mit gut gemeinter demokratischer Unterstützung.</p>
<p>Witzigerweise scheint man in dem Kontext auch sehr leicht die Historie der anderen Parteien zu verdrängen. Die Grünen galten als <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-gruenen-und-die-raf-debatte-indirekte-positionierung-1436903.html">Sammelbecken für RAF-Sympathisanten</a> und anarchistischen Chaoten und auch sie hatten mit braunen Elementen so ihre Probleme, die einen Parasitenplatz in der neu gegründeten Partei ergattern wollten. Die CDU stellte in den späten 60ern Jahren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Georg_Kiesinger">einen Bundeskanzler, der für seine Nazi-Vergangenheit geohrfeigt wurde</a> und dessen Absenderin jüngst zur Bundespräsidentin vorgeschlagen wurde, übrigens von einer Partei, der Linken, <a href="http://www.fr-online.de/politik/die-linke-im-griff-der-vergangenheit,1472596,9534850.html">die anscheinend immer noch Teile des alten totalitären SED-Kaders in sich wirken lässt</a>. Ach ja und da wäre ja noch die SPD, die ehemaligen Sozialisten, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands#1863_bis_1914:_Gr.C3.BCndung.2C_Sozialistengesetze">die zu ihrer Gründungszeit gleich mal verboten wurden</a> und die heute noch darüber streiten müssen, ob man spaltende Menschen mit eindeutigem Rechtsdrall wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin">Sarrazin</a> nun in der Partei lassen kann oder nicht. Und überhaupt, wer heute so tut als habe die eigene Partei nicht mal in die falsche Nazi-vergleiche-Kiste gegriffen den muss ich an der Stelle wohl noch einmal an <a href="http://www.zeit.de/1983/49/falsche-munitionskiste">so manche Peinlichkeit</a> erinnern. Das macht die Fehlgriffe der Piraten nicht besser. Man muss jedoch anerkennen, dass keine Partei je vor diesen Bedrohungen und Fehltritten gegen die Demokratie gefeit war und dennoch ist es wunderbar zu beobachten, wie sich nun alle einig sind, dass die Piraten in diesem Zusammenhang anders sind als man selbst. </p>
<p>Offenbar hat man den lang ersehnten Hebel nun gefunden um mit der offensichtlichen Bedrohung durch die Piraten umzugehen. Wir sprechen hier immerhin von der bedrohten Existenz der FDP, einem eigentlich Rot-Grünen Regierungsbestreben, die schwimmenden Felle der Linken und die allgemeine Angst vor einer großen Koalition. Plötzlich werden also über 20.000 Mitglieder und gefühlte 12% der Wahlberechtigten <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/piraten-partei-rechtsextrem">über Nacht zu Nazis indirekt stilisiert</a>? </p>
<p>Nein, ich bin auch weiterhin kein Piratenmitlgied und habe bisher keinen Piraten gewählt. Ich werde auch nicht dazu aufrufen, irgendeine bestimmte Partei zu wählen &#8211; hauptsache man wählt. Ich möchte nur anmerken, dass es immer mehrere Perspektiven auf ein Thema gibt und ich finde es beunruhigend, wenn man eine neue politische Kraft, die trotz Ausrutscher durch einzelne Personen eine durch und durch demokratische Struktur besitzt (vor allem wegen ihrer Transparenz und dem basisdemokratischen Ansatz, ob das so auch funktioniert ist eine andere Debatte wert) und neue Ideen in die Politik tragen will, in so eine Ecke drängen möchte. Lasst das doch die Gruppe erst einmal selbst regeln, bevor Mama und Papa sich wieder genötigt fühlen ins Lenkgrad zu greifen. Sie versuchen das doch gerade mit großer Energie in den Griff zu kriegen. <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oeffentlicher-brandbrief-aufstand-der-nachwuchs-piraten/6486396.html">Sie schreiben</a> <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ich-hab-den-kaffee-auf-nazi-brandbrief-von-chef-piratin-weisband/6536288.html">Brandbriefe</a>, führen heftige öffentlich einsehbare Diskussionen, reichen deftige Anträge ein und zwar alles hochdemokratisch, <a href="http://www.morgenpost.de/berlin/article106169693/SPD-beschwert-sich-ueber-Faekalsprache-der-Piraten.html">zwar ohne gepflegte Ausdrucksform</a>, aber immerhin ohne körperliche Gewalt. So soll es doch sein in einem demokratischen Staat, oder liebe Eltern? So habt ihr alten Parteien es damals doch auch geschafft. Damals, als ihr noch mit der Pubertät gekämpft habt und euch selbst finden musstet. Oder?</p>
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		<title>Warum das Internet bedrohlich ist? Weil es von Mikrofundamentalisten bedient wird!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:20:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Geschrei der Feinde macht mich verstört; mir ist angst, weil mich die Frevler bedrängen. Sie überhäufen mich mit Unheil und befehden mich voller Grimm. Mir bebt das Herz in der Brust; mich überfielen die Schrecken des Todes. Furcht und Zittern erfassten mich; ich schauderte vor Entsetzen. 
Psalm 55,4-6
Das Internet. Das Internet macht Angst. Das Internet ist bedrohlich, rechtsfrei, unkontrollierbar UND schlecht in Grammatik. 
Menschenskinder, dieses vermaledeite Internet! 
Wie eine Technologie doch für Ärger und Wohlgefallen sorgen kann und (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Das Geschrei der Feinde macht mich verstört; mir ist angst, weil mich die Frevler bedrängen. Sie überhäufen mich mit Unheil und befehden mich voller Grimm. Mir bebt das Herz in der Brust; mich überfielen die Schrecken des Todes. Furcht und Zittern erfassten mich; ich schauderte vor Entsetzen. </p></blockquote>
<p><strong>Psalm 55,4-6</strong></p>
<p>Das Internet. Das Internet macht Angst. Das Internet ist bedrohlich, rechtsfrei, unkontrollierbar UND schlecht in Grammatik. </p>
<p>Menschenskinder, dieses vermaledeite Internet! </p>
<p>Wie eine Technologie doch für Ärger und Wohlgefallen sorgen kann und dabei permanent überstrahlt, wer denn der eigentliche Herr im Hause ist, nämlich wir Menschen. <a href="http://www.netzwelt.de/news/91902-helmut-schmidt-ueber-neue-medien.html">Wenn Helmut Schmidt also sagt, er finde das Internet zum Teil bedrohlich,</a> dann findet er nicht die Erfindung und technologische Infrastruktur Internet bedrohlich, sondern einen Teil der Menschen, die es benutzt. Denn das Internet selbst macht Menschen noch lange nicht zu aggressiven Pöblern oder versaut ihnen ihre perfekt erlernte Grammatik. Es ist schon erstaunlich, wie solche Aussagen aus einem sonst so klaren Verstand entspringen. Da bekommt der Mensch ein neues Kulturwerkzeug in die Hand, verweigert sich ihm und projeziert dann doch all das beobachtete  vermeintlich Schlechte einer Gesellschaft eben auf dieses eine Werkzeug. In einer politisch überkorrekten transparenten Welt darf man vielleicht auch gar nicht mehr laut aussprechen, dass vielleicht nicht die Maschinen die Menschen dumm und pöbelig machen, sondern dass die Menschen schon vorher nicht ganz richtig im Kopf waren.</p>
<p>Warum wirkt das Internet also für viele Menschen, sogar für welche mit zugeschriebenem Verstand, so bedrohlich? Ganz einfach, weil das Internet von Mikrofundamentalisten bedient wird. Was? Wie? Was heisst das? Nun, der Begriff &#8220;Mikrofundamentalismus&#8221; entstand <a href="http://soziopod.de/2012/04/soziopod-011-arbeit-vom-calvinismus-zum-kapitalismus-und-daruber-hinaus/">während eines Podcasts mit meinem kongenialen Gesprächspartner Dr. Nils Köbel.</a> Wir sprachen ganz allgemein über Extremismus und Fundamentalismus und arbeiteten sehr schnell heraus, dass diese beiden Effekte immer dann entstehen wenn &#8230;</p>
<p>A) &#8230; den Menschen etwas heilig ist<br />
B) &#8230; es so heilig ist, dass sie nur ihren Standpunkt als alleinig existenzberechtigt sehen<br />
C) &#8230; alle anderen Menschen sich eigentlich danach richten müssen</p>
<p>(sicherlich gibt es noch etliche andere Aspekte und Faktoren, wer mag, kann sich <a href="http://soziopod.de/2012/04/soziopod-011-arbeit-vom-calvinismus-zum-kapitalismus-und-daruber-hinaus/">den Podcast</a> ja darüber mal anhören)</p>
<p>Den Makrofundamentalismus kennen wir alle aus den Nachrichten. Er tritt dann auf die Bildfläche sobald Bomben im Namen einer Religion oder Ideologie explodieren und Menschen durch Gewalt davon überzeugen sollen, dass sie sich gefälligst dem Weltbild der Bombenleger anpassen sollen. Wenn man das so lapidar wie ich jetzt  formuliert, merkt man erst wie absurd diese Forderung eigentlich ist. </p>
<p>Was ist aber nun der besagte &#8220;Mikrofundamentalismus&#8221;? Nun, den Begriff würde ich einsetzen für eine mildere, kleinere, alltäglichere, banalere Form des Fundamentalismus. Es handelt sich dabei um kleine Auslöser, also nicht gleich der große Kultur- oder Religionskampf, wobei das sicherlich auch irgendwie mit drin steckt. Ich spreche eher vom Streit am Gartenzaun, die Alltagspöbelei, ja auch im Internet, Diskussionen die in Wirklichkeit keine sind, weil mindestens eine Gesprächspartei sich im Grunde nur zum Schein auf eine Diskussion einlässt, bzw. sie Monolog mit Dialog verwechseln. </p>
<p>Ein Dialog bedeutet Offenheit, Zuhören und die Bereitschaft Thesen des Gegenübers in die eigene Meinung mit einfließen zu lassen. Dialog ist stets um Konsens bemüht, also darum einen Kompromiss zu finden. Mikrofundamentalismus kennt weder Kompromiss noch Alternativen. Und der von unserer Kanzlerin maßgeblich geprägte Begriff der &#8220;Alternativlosigkeit&#8221; führt letztlich zu einer kulturellen Akzeptanz und schleichenden Einbettung des Mikrofundamentalismus in unsere Kultur der Gegenwart. Schade eigentlich. Nur dann darf man sich eben nicht wundern, wenn man wütende, sich im Internet artikulierende Menschen als bedrohlich empfindet. </p>
<p>Bedrohung entsteht dann, wenn Ansichten aufeinanderprallen, wenn das eigene Wert- und Weltbild von anderen gefährdet, sprich wenn man von anderen Menschen bedrängt und damit beengt wird. Witzigerweise kann man &#8220;Angst&#8221; kulturhistorisch auf den Begriff &#8220;Beengung&#8221; zurückverfolgen. Das Internet fördert die explosionsartige Ausbreitung des Pluralismus, also der Koexistenz von verschiedenen Ideen, Weltanschauungen, Kulturen und Religionen. Alles mischt sich, alles tummelt sich, alles prallt irgendwie aufeinander. Das Internet lässt Zeit und Raum zusammenschrumpfen. Geografischer Abstand hat den Pluralismus und den Zusammenprall von Kulturen, Meinungen und Ideen noch relativ in Zaum gehalten. Relativ:</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Great_Fear.jpg" rel="lightbox[6306]"><img src="http://blog.karlshochschule.de/wp-content/uploads/2012/04/The_Great_Fear-1-e1334916801816.jpg" alt="" title="The_Great_Fear (1)" width="500" height="279" class="alignnone size-full wp-image-6319" /></a></p>
<p>Das Internet, als technologische Infrastruktur ermöglicht dem Menschen genau das aufzulösen und der Mensch macht davon Gebrauch ohne dass er sich darüber wirklich bewusst ist. Wir sind einfach &#8220;drin&#8221; wie Boris Becker es in den Anfängen des WWW in einem banalen Werbespot formulierte. Doch das profane wird nun für viele zum heiligen. Das &#8220;drin sein&#8221; bedeutet eine neue Freiheit. Die Freiheit zur Ausbreitung der eigenen Gedankenwelt. Der eigenen Meme. Damit gerät man zum Teil auch in Versuchung die eigene Egoreligion zu verbreiten. Wir streuen Meme um andere von uns als Individuum und unseren Ansichten zu überzeugen. Wir sind glücklich, wenn wir Anhänger unserer Ideen finden (in Form von Likes und Retweets) und wir sind stinksauer, wenn es Menschen gibt, die uns öffentlich widersprechen und uns für dumm und unfähig deklarieren. </p>
<p>Der ganze &#8220;Diskurs&#8221; rund um das Thema Urheberrecht ist ein wundervolles Beispiel für den Mikrofundamentalismus abseits von Religion und Ideologie. So werden weniger vernünftige Argumente zur Findung eines zeitgemäßen Kompromisses ausgetauscht, in der jetzigen Phase haut sich jeder um die Ohren wie arm dran man ist, welche Verbrechen die andere Seite begeht oder wie wenig Ahnung doch der gegenübertretende Gesprächspartner hat. Doch gerade durch diese Tonalität gerät der gesamte Diskurs in eine Wut- und Problemtrance. Wer am lautesten schreit wird als Rädelsführer der fundamentalistischen Basis gewählt und dient fortan als dessen Ikone. <a href="http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html">Sven Regener</a> auf der einen Seite, der ein oder andere Promi-Pirat auf der anderen, wobei die klassischen Medien (die sich zum Teil hinter Regener scharen) am längeren Hebel sitzen und nun versuchen die komplette Partei der Piraten als Urheberrechtsabschaffer zu stilisieren, was sie aber gar nicht sind. Es muss uns jedoch klar sein, dass dies nicht zu einer befriedigenden Lösung führen wird, für keine der beiden Seiten, die in Wirklichkeit aus ganz vielen verschiedenen Facetten besteht. Problemtrance eben. Das Verharren in Jammerei und Wut ohne jedwede Konstruktivität und Kreativität, zuletzt am eindrucksvollsten bewiesen durch ein im Print-Spiegel inszeniertes Streitgespräch zwischen Pirat Christopher Lauer und Rapper Jan Delay. Niemand hat sich da nun wahrlich mit intellektuellem Ruhm bekleckert, schon gar nicht der Spiegel, der so ein unglaublich nährstoffarmes Stück Text abdruckt. </p>
<p>Doch es gibt auch <a href="http://www.spreeblick.com/2012/04/14/ich-heb-dann-mal-ur/">Ausnahmen wie Johnny Häusler und sein Beitrag zur Debatte,</a> ein potenzielles Vorbild für eine Mediation in dieser Angelegenheit. Johnny ist eigentlich ein perfekter Vermittler, Künstler und digitaler Ureinwohner zugleich. Ein echter Hybrid. Schade nur, dass ihn die großen Medien nicht zu Wort kommen lassen, die scheinen derzeit noch viel zu sehr in ihrem eigenen Mikrofundamentalismus versunken zu sein, denn Konsenssucher wie Häusler oder <a href="http://carta.info/42911/der-grose-umsonst-irrtum/">Tim Renner</a> sind mindestens genauso bedrohlich wie der dickköpfige Gegner, denn auch diese bedrohen das eigene Heiligste. Auch sie beunruhigen und beengen die Weltanschauung, die eigene Rechthabe.</p>
<p>Ich als Autor nehme mich da auch gar nicht aus. Auch ich entdecke an mir immer wieder mikrofundamentalistische Züge. Auch mich beunruhigt es beispielsweise wenn ich in engen Bahnhofshallen auf gröhlende Fußballfans mit zweierlei Fahnen und schlechter Grammatik begegne. Es beengt. Es lärmt. Es ist nicht meine Welt. Und ich will nicht Teil dieser Welt sein. Geht weg. Lasst mich in Ruhe. NENENENENENE wenn ich die Ohren zuhalte höre ich euch nicht und deshalb seid ihr auch nicht da. Mist. Denn gleichzeitig verleitet der Schutz der Anonymität dieses Grüppchens zu einer ungezügelten Verstärkung des Brüllaktes, denn durch die sportliche Uniformierung und das Fehlen von Namensschildern sehen die für mich alle gleich aus. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Bahnhofshallen als rechtsfreien Raum bezeichne, dem Bier oder dem Fußball an sich die alleinige Schuld für meine Angst gebe, wobei ich sehr wohl nachvollziehen kann, dass man sich in beengten Zuständen der Angst sehr oft sehr gerne vorstellt, man solle doch einfach diesen ganzen Mist verbieten. Nein, es ist weder Pille noch Bier Schuld an irgendetwas, es ist stets der Sender und Empfänger Mensch. Toleranz auf der einen, Respekt auf der anderen Seite. Das sind die beiden entscheidenden Pole, die eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht. Doch wie sinn- und wertvoll ist eine erzwungener Respekt und Toleranz? Ist das überhaupt machbar?</p>
<p>Und so muss ich an der Stelle sodann <a href="http://www.werbeblogger.de/2007/09/28/blogs-sind-maechtig-doch-wohin-mit-der-macht/">eine alte Blogpredigt noch zu Werbebloggers Zeiten</a> auspacken, die es immerhin in Miniaturausgabe auch in den Holzdruck der Herren Lobo und Friebe in <a href="http://wirnennenesarbeit.de/index.html?nr=20060928113212">&#8220;Wir nennen es Arbeit&#8221;</a> geschafft hat. Ein potenzielles Mantra des Internets, das man den gegenwärtigen Internetpessimisten zur Beruhigung ans Herz legen könnte, sobald dieses wieder vor Empörung über den Pöbel zu rasen beginnt:</p>
<blockquote><p>Eines dürfen wir nicht vergessen, Blogs sind (Anm. d. Autors: Ersetze &#8220;Blogs mit &#8220;das Internet ist&#8221;) …</p>
<p>… ein Spiegel der Gesellschaft. Blogs spiegeln Gesprächskultur, Meinung, Einstellung, Emotionen und Lebensentwürfe wieder. Natürlich ist das von Land zu Land, von Kultur zu Kultur völlig unterschiedlich.</p>
<p>… ein mächtiges Instrument, um totalitären Systemen zu trotzen und einen freien Informationsfluss herzustellen.
</p></blockquote>
<p>Das Internet ist und bleibt ein Werkzeug. Es entschuldigt nicht unser Verhalten. Die Verantwortung trägt jeder einzelne von uns selbst. Das Werkzeug zwingt uns förmlich zur Mündigkeit, es zwingt uns jahrtausendaltes Verhalten zu überdenken. Es katapultiert uns in eine neue soziokulturelle Ära. Es gibt viel zu tun &#8211; diskutieren wir es aus!</p>
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		<title>Coworking Space? Nein Danke!</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 08:43:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Prof. Dr. Lutz Becker</dc:creator>
				<category><![CDATA[FHBlog]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war die Giesserei Hammesfahr &#038; Kratz, die es als erstes traf:  Am 16./17. März 1848 rotteten Solinger Arbeiter (so wohl auch ein Urahn des Verfassers als einer der Rädelsführer) zum Sturm auf die verhassten Gießereien. Der auslösende Funke war die Konkurrenz der billigen, industriell produzierenden Gießereien, doch tiefere Ursache dürften die Verwerfungen gewesen sein, die durch das von Friedrich Engels so genannte &#8220;Truck-System&#8221; ausgelöst hatte: „Truck heißt bei den Arbeitern das Bezahlen des Lohns in Waren, und dieser Zahlmodus (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war die Giesserei Hammesfahr &#038; Kratz, die es als erstes traf:  Am 16./17. März 1848 rotteten Solinger Arbeiter (so wohl auch ein Urahn des Verfassers als einer der Rädelsführer) zum Sturm auf die verhassten Gießereien. Der auslösende Funke war die Konkurrenz der billigen, industriell produzierenden Gießereien, doch tiefere Ursache dürften die Verwerfungen gewesen sein, die durch das von Friedrich Engels so genannte &#8220;Truck-System&#8221; ausgelöst hatte: „Truck heißt bei den Arbeitern das Bezahlen des Lohns in Waren, und dieser Zahlmodus war früher ganz allgemein in England. Der Fabrikant errichtete, ,zur Bequemlichkeit der Arbeiter und um sie vor den hohen Preisen der Krämer zu schützen‘, einen Laden, in dem für seine Rechnung Waren aller Art verkauft wurden; und damit der Arbeiter nicht etwa in andere Läden gehe, wo er die Waren billiger haben konnte.“ [<a href="http://www.internationalesozialisten.de/Buecher/Klassiker/Friedrich%20Engels,%20Die%20Lage%20der%20arbeitenden%20Klasse%20in%20England.pdf">Engels, F. (1845); Lage der arbeitenden Klasse in England, Leipzig: 122</a>] </p>
<p>Eine zentrale Rolle zur damaligen Zeit spielte die &#8220;<a href="http://www.zeitspurensuche.de/02/sgdampf1.htm">Maschinn</a>&#8221; &#8211; ein Fabrikgebäude mit Dampfmaschine, in dem Schleifer und Schmiede arbeiteten. Damals war es üblich, dass etwa die Schleifer ihre Arbeitsplätze in der Maschinn anmieteten; der so genannte &#8220;Fabrikant&#8221; stellte den &#8220;Stellenmietern&#8221; Infrastrukturen und Rohmaterialien zur Verfügung &#8211; er war gleichzeitig auch der Abnehmer der Ware.</p>
<p><img src="http://blog.karlshochschule.de/wp-content/uploads/2012/04/Hoe05-300x225.jpg" alt="" title="Schleifer bei der Arbeit" width="300" height="225" class="alignright size-medium wp-image-6298" /></p>
<p>Statt mit Lohn in barer Münze wurden die Arbeiter also mit oft minderwertigen Waren ausgezahlt, deren Preis nicht marktgerecht &#8211; sprich: willkürlich und auf unrealistisch hohem Niveau &#8211; festgesetzt war, so dass die Waren, wenn überhaupt, allenfalls mit Verlust weiterverkauft werden konnten. [Henkel, M./Taubert, R. (1979); Maschinenstürmer: ein Kapitel aus der Sozialgeschichte des technischen Fortschritts Frankfurt a. M. (Syndikat)] Da aber die Arbeiter von den Infrastrukturen abhängig waren, blieb ihnen kaum eine andere Wahl, als die Konditionen zu akzeptieren und ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.</p>
<p>Als ich neulich mit meinen Kollegen Andreas Müller und Bernd Ankenbrand und unseren <a href="http://masterleadership.de">Masterstudenten &#8220;Leadership&#8221;</a> auf einer Exkursion im Bergischen unterwegs war, war die <a href="http://www.industriemuseum.lvr.de/schauplaetze/solingen/">Gesenkschmiede Hendrichs</a> &#8211; eine Maschinn, die heute als Industriemuseum dient &#8211; eine unserer Stationen. In dem großen Saal, in dem die Schleifer ihre Arbeitsplätze anmieteten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ist das nicht genau das Modell, das wir heute bei den zahlreichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Coworking">Coworking</a> Spaces sehen? Der Dampf von gestern ist das Breitband Netz von heute, der Schleifstein der Mac. Die Bezahlung erfolgt auch nicht immer mit Barem&#8230; Wo kann man heute historische Muster wiederkennen? Wo liegen die Unterschiede? Diskussion erwünscht!</p>
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		<title>Der Breivik-Prozess, das Dilemma der Medien und der Schutz der Filter-Bubble</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 13:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der heute begonnene <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/prozess-gegen-gestaendigen-attentaeter-breivik-plaediert-auf-nicht-schuldig-11719452.html">Prozess rund um die Greueltaten von Anders Behring Breivik (...)</a> offenbart ein altes, bekanntes mediales Dilemma in mehrfacher Hinsicht. Medienschaffende stehen erneut zwischen den Stühlen, gefangen in verschiedenen Rollenmodellen und -aufträgen. Einerseits verfolgen Medien kommerzielle Interessen, das heißt sie sind auf der Jagd nach der spannendsten Geschichte, welche die höchste Aufmerksamkeit beim Leser erzeugen. Das Böse und dessen Personifizierung ist ein optimaler Aufhänger um größtmögliche Aufmerksamkeit in der breiten Bevölkerung zu generieren. Je abscheulicher, umfangreicher und kulturell unvereinbarer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der heute begonnene <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/prozess-gegen-gestaendigen-attentaeter-breivik-plaediert-auf-nicht-schuldig-11719452.html">Prozess rund um die Greueltaten von Anders Behring Breivik</a> offenbart ein altes, bekanntes mediales Dilemma in mehrfacher Hinsicht. Medienschaffende stehen erneut zwischen den Stühlen, gefangen in verschiedenen Rollenmodellen und -aufträgen. Einerseits verfolgen Medien kommerzielle Interessen, das heißt sie sind auf der Jagd nach der spannendsten Geschichte, welche die höchste Aufmerksamkeit beim Leser erzeugen. Das Böse und dessen Personifizierung ist ein optimaler Aufhänger um größtmögliche Aufmerksamkeit in der breiten Bevölkerung zu generieren. Je abscheulicher, umfangreicher und kulturell unvereinbarer ein Ereignis, desto mehr Aufmerksamkeit, Interesse und Klicks wird es erhalten. Ein Muster der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, das auch Anders Behring Breivik bereits vor seiner Tat durchschaute. Für ihn sind seine vielfachen Morde eben auch ein Mittel zum Zweck. Sie waren nur ein Teil seines großen umfassenden Vorhabens, das sich nun durch den Prozess und der damit verknüpften medialen Aufmerksamkeit als &#8220;Phase der Propaganda&#8221; fortsetzt. Für den Mörder Breivik läuft ab jetzt alles nach Plan. Er wurde nicht, wie zuvor von ihm befürchtet, <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-04/breivik-psychiatrie-debatte">als &#8220;geistig verwirrt&#8221; gebrandmarkt</a> und kann nun auf der großen medialen Bühne seine begonnene Tat zu Ende führen. Aus seiner Perspektive heraus durchkreuzt er die eigentliche Funktion eines Gerichtsverfahrens. Er wird durch das Verfahren selbst sogar noch belohnt. </p>
<p>Es gibt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit die erstaunliche Parallelen aufweist. <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/28/28066/2.html">Der Prozess rund um die Morde von Charles Manson</a> zeigt ähnliche Muster der Aufmerksamkeitsökonomie auf. Der Fall Manson zeigt deutlich auf, wie ein Täter im Nachhinein und gerade durch eine imposante Inszenierung mit dazugehöriger medialer Aufmerksamkeit zu einer popkulturellen Ikone des Bösen werden konnte. Erst die große Bühne, die zahlreichen Zuschauer für Mansons bizarres Schauspiel sorgte für eine Art <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Manson#Mythos_Manson">langfristige Mythenbildung und einen festen popkulturellen Platz in der Gesellschaft</a>. Zahlreiche Musiker (Marilyn Manson, Guns N&#8217;Roses etc.) und andere Kreative profitieren noch heute von seiner bizarren Geschichte, seiner Bekanntheit und indirekt eben auch durch die begangenen Morde und das Leid an den Opfern. Ein &#8220;Manson-Mem&#8221; entstand, zum Großteil durch die enorme mediale Aufmerksamkeit ermöglicht. </p>
<p><a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/norwegischer-attentaeter-vor-gericht-furcht-vor-dem-prozess-gegen-breivik-1.1333375">Auch bei Breivik schwingt nun die Gefahr der Ikonisierung immer mit.</a> Auf der einen Seite stehen die Medien aus verschiedenen Gründen quasi in der Pflicht über den Prozess zu berichten, ob nun aus kommerziellen Eigeninteressen, dem gesellschaftlichen Auftrag als vierte Gewalt oder objektiven Berichterstatters und gleichzeitig ermöglicht es dem Täter sich und seine Gedankenwelt im epischen Ausmaß darzustellen, während die Opfer, die sich nach Vergessen sehnen immer wieder mit der Fratze des Bösen quälend auseinandersetzen müssen. Natürlich kann so ein Prozess auch ein wichtiger Teil einer Verarbeitung sein, in erster Linie für die Gesellschaft. Doch muss man sich schon auch ernsthaft fragen ob ein Täter ohne Bereitschaft zur Reue, ja im Gegenteil, der es gar bereut nicht noch mehr Menschen umgebracht zu haben, wirklich die Bühne für die weitere Demütigung der Opfer verdient. Wie gesagt, ein mediales Dilemma. Darf man darüber berichten? Muss man darüber berichten? Wenn ja wieviel? </p>
<p>Doch gerade im aktuellen Fall Breivik kann man schemenhaft eine mögliche Lösung des Dilemmas erkennen. Für viele mag das banal klingen, aber die Tatsache, dass das norwegische Boulevard-Magazin &#8220;<a href="http://www.dagbladet.no/">Dagbladet</a>&#8221; seinen Besuchern <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,827678,00.html">auf ihrer Website eine Schaltfläche anbietet, mit der man die gesamte Berichterstattung rund um den Fall Breivik komplett ausblenden kann,</a> würde ich in diesem Zusammenhang als bahnbrechend bezeichnen. Zum ersten Mal überlasst ein Medienprodukt (auch dazu noch ein Boulevardmedium) dem Empfänger die Wahl, ob er sich die Informationen rund um den Fall Breivik zumuten möchte oder nicht. Man bietet den Opfern, die sich jetzt nur noch nach Ruhe und Normalität sehnen einen klickbaren Ausweg an. Man verwehrt auf der anderen Seite aber gleichzeitig nicht der restlichen Gesellschaft den Zugang zur Berichterstattung. Zum ersten Mal zwingt ein Boulevardmedium seine Leser nicht zum Zuhören. Ein für mich höchst interessanter Präzedenzfall in der Welt der Medien, der uns aufzeigt, wie wir in Zukunft behutsamer mit Informationen umgehen können, ohne dabei gleichzeitig auf Informationen rigoros zu verzichten. Der Wahrnehmungsfilter im Netz ist also nicht nur ein Instrument der drohenden Verdummung und <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Filter_bubble">Abkapslung</a>, es liegt in ihm auch die Funktion des Schutzes. </p>
<p>Spannend daran ist auch der damit zusammenhängende Prozess der Mündigkeit des Rezipienten. Mit dieser Funktion wird mediale Macht neu verteilt. Medienmacher stellen den Strom aus Nachrichten zur Verfügung und der Rezipient entscheidet, welchen Teil des Stromes er ausblendet. Nun könnte man behaupten, das wäre vorher nicht anders. Nicht ganz, denn im Gegensatz zu vorher kann ich nicht nur einzelne Berichte, Bilder und Schlagzeilen ausblenden <a href="http://blog.karlshochschule.de/2012/01/03/der-mediale-golem-6-thesen-zur-macht-der-bildzeitung/">(wenn ich das als Mensch überhaupt im Angesicht des Boulevards vorher konnte)</a>, sondern ganze Themenfelder. Auf der anderen Seite erhalte ich als Rezipient nicht nur Freiheit, sondern auch Verantwortung mit der Freiheit entsprechend umzugehen. Nicht mehr &#8220;die Medien&#8221; sind Schuld, wenn wir mit Breivik eine neue Ikone des Bösen inklusive potenzieller Nachahmungstäter erschaffen, sondern allein wir selbst, denn zum ersten mal haben wir uns memetisch emanzipiert, d.h. wir können uns dem Einfluss eines Themas komplett entziehen. Daneben obliegt uns aber eben auch die Verpflichtung gewisse Themen nicht einfach so auszublenden. Wir müssen uns selbst aktiv um die Themen bemühen. Wir konstruieren unser Wissen und unsere Informationsbeschaffung selbst und überlassen es nicht der Agenda von einigen wenigen Interessensgruppen. Ja mehr noch, mit Beiträgen wie diesen können wir die bestehende mediale Berichterstattung anreichern und aus anderen Perspektiven heraus den thematischen Diskurs vergrößern. All das sind Signale für eine gelebte Demokratie. Die Nörgler der Gesellschaft können durch solche Mechanismen sich nicht länger hinter Nörgelei verstecken, sie werden gezwungen entweder abzuschalten oder einfach bessere und konstruktivere Beiträge zum jeweiligen Diskurs abzuliefern. Das ist spannend und neu.</p>
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		<title>Der “Bück dich hoch” Zeitgeist – Warum die Polemik von Spiegel Online auch nicht weiterhilft</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 12:42:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Patrick Breitenbach</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Halt die Deadline ein, so ist&#8217;s fein!
Hol&#8217; die Ellenbogen raus, burn dich aus!
24/7, 8 bis 8, was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!
Bück dich, bück dich, bück dich hoch,
bück dich, bück dich, bück dich hoch,
bück dich, bück dich, bück dich hoch,
bück dich hoch, ja!
Das muss heute noch zum Chef, besser jetzt!
Bück dich hoch.
Ach du Schreck, Bonus-Scheck, ist schon weg!
Bück dich hoch.
Fleißig Überstunden, ganz normal!
Bück dich hoch.
Unbezahlt, (...)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Halt die Deadline ein, so ist&#8217;s fein!<br />
Hol&#8217; die Ellenbogen raus, burn dich aus!<br />
24/7, 8 bis 8, was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!<br />
Bück dich, bück dich, bück dich hoch,<br />
bück dich, bück dich, bück dich hoch,<br />
bück dich, bück dich, bück dich hoch,<br />
bück dich hoch, ja!<br />
Das muss heute noch zum Chef, besser jetzt!<br />
Bück dich hoch.<br />
Ach du Schreck, Bonus-Scheck, ist schon weg!<br />
Bück dich hoch.<br />
Fleißig Überstunden, ganz normal!<br />
Bück dich hoch.<br />
Unbezahlt, scheiß egal, keine Wahl!<br />
Bück dich hoch.
</p></blockquote>
<p><a href="http://www.deichkind.de/landingpages/leider-geil/index.php">Deichkind</a>: <a href="http://www.tape.tv/vid/225171">&#8220;Bück dich hoch&#8221;</a>, 2012</p>
<p>Die Industrialisierung hatte ihren Charles Dickens, unsere Gegenwart hat ihr Deichkind. Derzeit bringt wohl niemand in der deutschen Kulturszene den Zeitgeist der &#8220;2012er Gesellschaft&#8221; präziser auf den Punkt als die Elektro-Hip-Hop Crew aus Hamburg. Ich habe den Begriff &#8220;2012er Gesellschaft&#8221; wohl auch deshalb gewählt, weil dieses Jahr unter anderem auch als Weltuntergangsjahr memetisch durch die Köpfe geistert und man sich mitunter tatsächlich dem Eindruck nicht entziehen kann, als würden die Schrauben der Gesellschaft derzeit wirklich knarzend bis kurz vorm Durchdrehen angezogen werden. Ein gigantischer noch leistungsfähiger Rettungsschirm hier, Last-Minute-Krisenintervention da. Das derzeitige Raum-Zeit-Kontinuum scheint sich auf höchstmögliche Dichte und damit aber auch größtmöglicher Schwere und Belastung zusammengezogen zu haben. Alle stöhnen und ächzen unter dem zum Teil selbst auferlegten Echtzeitdiktat, in einer demokratischen Gesellschaft mit Rechtsstaat, eigentlich entlastender Computerisierung und pluralistischen Freiheiten. Die Probleme scheint man nun fast künstlich zu erschaffen. Die Trennung von Arbeits- und Mußezeit scheint sich komplett aufgelöst zu haben. Dauernd erreichbar, dauernd im Optimierungsdrang, sei es Beruf, Gesundheit oder Privatleben. <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/unser_anstrengendes_leben-6532986.html">Unser Leben ist extrem anstrengend geworden</a>, dabei müsste es uns doch bei all dem Komfort leichter fallen.</p>
<p>Alles wird schneller, dichter, intensiver und effizienter &#8211; und soll es vor allem auch werden. Denn sowohl der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bologna-Prozess">Bologna-Prozess</a> also auch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Abitur_nach_Klasse_12">G8 Schulreform</a> sind von diesen Gedanken angetrieben. Junge Menschen benötigen einfach keinen Raum mehr sich frei und in Ruhe zu entfalten, also zu reifen. Nein, sie werden förmlich durch eine eng definierte Ausbildungskanüle gepresst um sie möglichst schnell in den Hauptmaschinenraum der Leistungsgesellschaft zu pferchen. Nicht denken, sondern klotzen. Daher bin ich schon sehr erstaunt darüber, dass sich der Autor im Spiegel Online Artikel darüber wundert, <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,823305,00.html">warum heutige &#8220;träge&#8221; Studenten nicht mehr besonders kreativ denken und arbeiten</a> &#8211; also keine EXZELLENZ auf diesen Gebieten beweisen, nur weil sie im Zuge eines freiwilligen Ideenwettbewerbes auf Lösungen kommen, die sich komplett rund um Entspannung, also dem aktiven Stressabbau drehen. Was andere also als &#8220;Faulheit der heutigen Studierenden&#8221; belächeln, halte ich für einen sehr bedrohlichen Indikator unserer Gesellschaft, aber eben in besonders  konstruktiver Umsetzung. Denn man kann die Ideen auch komplett anders interpretieren. Man könnte sie auch als zeitgemäß und vorbildlich bezeichnen. Zeitgemäß deshalb, weil sie die Probleme der Gegenwart sehr gut erfasst haben und vorbildlich, weil sie eben nicht wieder auf die Erwartungen des Establishments hereinfallen und offensichtliche Ideen für noch mehr Effizenz entwickeln, sondern sie das Problem eher als Rulebreaker angehen. Leistung erfolgt nicht durch noch mehr Leistungsdruck. Leistung, vor allem kreativer Art, speist sich aus Freiraum. Und wenn der Freiraum nicht mehr vorhanden ist, so muss man sich ihn anscheinend wieder erkämpfen. Die Welt von morgen ist zum Bersten voll mit vielschichtigen Problemen, die entsprechende kreative Lösungen benötigen. Um jedoch die Energie dafür zu entwickeln, müssen wir zunächst an den Grundlagen und Rahmenbedingungen arbeiten, also am Setting, am Nährboden für kreative Kraft. Genau das haben die Studierenden in meinen Augen erfolgreich erarbeitet.</p>
<p>Stress (ich spreche vom negativen, zermürbenden Stress) und Druck sind Faktoren, die heute leider völlig überschätzt werden. Überschätzt deshalb, weil man meint mit ständigem Nörgeln, Drängeln und Pressen noch mehr Leistung aus dem trockenen Schwamm quetschen zu können, statt mal auf die Idee zu kommen zur Abwechslung das Ding mal wieder in Ruhe zu wässern. Druck und Stress der destruktiven Art sorgt nicht nur für Denk- und Handlungsblockaden, welche sich derzeit sehr oft im neumodisch formulierten &#8220;Burn-Out&#8221; manifestieren, Stress wirkt sich auch auf unser Sexualleben, unserem Essverhalten und sonstige körperliche Gesundheitssymptomen aus, der eine kriegt Pickel, der andere Rückenschmerzen. Stress wirkt systemisch, besonders schön kann man das anhand von Adipositas veranschaulichen. <a href="http://blog.adipositas-stiftung.com/2009/12/30/zu-wenig-schlaf-und-zuviel-stress-beguenstigen-gewichtszunahme/">Wer beispielsweise viel Stress hat, neigt zu Übergewicht</a>, was wiederum für weiteren Stress sorgt, weil ja die Gesellschaft &#8211; und deren Massenmedien &#8211; ein Schönheitsideal auf Teufel komm raus propagiert und damit explizit einfordert. Statt also Druck rauszunehmen ist man dabei permanent Druck aufzubauen. Der Arzt sagt einem dann zum Beispiel auch noch, dass man unbedingt abnehmen MUSS, ohne aber genau zu sagen wie, oder mit welchen konstruktiven Ratschlägen. Dabei gelten Tipps wie &#8220;mehr Sport&#8221; oder &#8220;weniger Essen&#8221; nicht wirklich, denn beides sind Faktoren, die wiederum bei der jeweiligen Person den Stresslevel erhöhen können, sonst würde derjenige das längst tun, wenn es ihm so gut täte wie alle behaupten. Diäten sind bekanntlich auch mit ein Grund für den berühmten Jo-Jo-Effekt. Der Körper reagiert lediglich auf Stress, nämlich die zeitweilig angeordnete Hungersnot. Der Verzicht wird zum Druck, wird zum Stressfaktor. Der Körper wird also alles dafür tun, das ursprüngliche Gewicht zurückzuerobern. (Übrigens wunderbar nachzulesen bei Dr. Gunter Francks <a href="http://www.lizenz-zum-essen.de/">&#8220;Lizenz zum Essen&#8221;</a>)</p>
<p>Was ich kurz gesagt zum Ausdruck bringen möchte ist die Vermutung, dass man Stress nicht einfach mit noch mehr Stress bekämpfen kann und sollte. Und man wird sicherlich auch nicht mehr Leistung durch noch mehr Leistungsdruck erzwingen. Der Artikel <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,823305,00.html#ref=rss">&#8220;Fällt euch sonst nichts ein&#8221;</a> ist ein Paradebeispiel für das was gerade in unserer Gesellschaft schief läuft. Man attestiert dem Nachwuchs, sie seien unfähig und faul, ohne sich die Zeit zu nehmen, die sichtbaren Ursachen genau zu hinterfragen und auch mal aus einer anderen Perspektive heraus zu betrachten. Lieber schnell schnell einen polemischen Artikel verfasst, der zu höheren Klickzahlen führt (und zugegebenrmaßen auch zu diesem Diskursbeitrag). Treffender wäre wohl die Überschrift &#8220;Der überforderte Student&#8221; gewesen, so wie es derzeit wohl auch &#8220;die überforderte Politik&#8221; und &#8220;die überforderte Wirtschaft&#8221; zu geben scheint. &#8220;ÜberFordert&#8221;, ganz wörtlich genommen schreit es uns ja förmlich ins Gesicht &#8211; die Anforderungen sind einfach viel zu groß, sie stehen nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zu dem was der Einzelne überhaupt leisten kann. Je höher dieses Missverhältnis, desto größer Frustration und Depression. Man wirkt also träge, aber nicht weil man träge ist, sondern dazu gemacht wurde.</p>
<p>Von daher bitte ich auch die hochkarätigen Journalisten in diesem Lande darum, sich auch einmal selbst zu hinterfragen, bevor sie solche Meme in die Welt setzen. Massenmedien, so wie der Spiegel Online im weitesten Sinne, erfüllen für mich, <a href="http://www.scribd.com/doc/24857017/DIE-REALITAT-DER-MASSENMEDIEN-Niklas-Luhmann-2-Auflage-1995">frei nach Luhmann</a>, die wichtige Rolle unsere Realität zu formen. Doch mit jeder Rolle, die man einnimmt oder auferlegt bekommt, schwingt auch eine zusammenhängende Verantwortung mit. Journalisten haben ein gehöriges Stück Macht eine Gesellschaft in die eine oder andere Richtung zu lenken. Diese Verantwortung stufe ich als Bürger als sehr hoch ein. Jedenfalls zu hoch für das Stilmittel der Polemik.</p>
<blockquote><p>Die heutige Jugend ist von Grund aus verdorben. Sie ist böse, gottlos und faul. Sie wird niemals so sein wie die Jugend vorher und es wird ihr niemals gelingen unsere Werte zu erhalten.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.geistigenahrung.org/ftopic16090.html">Kulturkritiker, altes Babylon, ca. 3000 v. Chr.</a></p>
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