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            <p>Photo by <a href="https://unsplash.com/photos/Ni-xXcVb8Cg?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Katya Austin</a> on <a href="https://unsplash.com/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
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  <p data-rte-preserve-empty="true"></p><p>Als ich vor 10 Jahren anfing, für den&nbsp;<em>Freitag </em>zu arbeiten, köderte man mich mit dem Versprechen, an einem interessanten Online-Projekt mitzuarbeiten: Nichts Geringeres als&nbsp;„die größte Redaktion Deutschlands“wollte man schaffen, mit den Lesern auf Augenhöhe sein – ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte! Wie viele andere Medien hatte auch der <em>Freitag</em> das Web 2.0, das Social Net, für sich entdeckt und wollte jetzt einen Teil des Kuchens für sich. Dafür brauchte man Leute wie mich, qualifiziert durch nicht viel mehr als ein eigenes&nbsp;<a href="https://web.archive.org/web/20120710051142/http://knicken-berlin.de/">Blog</a> und einen&nbsp;<a href="https://twitter.com/HerrSchmitz">Twitter-Account</a>.</p><p>Netzwerke wie Facebook und Twitter führten in diesen Tagen fort, was mit&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Myspace">Myspace</a> – oder in Deutschland <a href="https://www.intro.de/popmusik/intro-de-forum-ist-fertig"><em>intro.de</em></a><em> </em>und&nbsp;<a href="https://www.jetzt.de/hausmitteilung/der-relaunch-und-die-jetzt-de-community-fragen-und-antworten-595498"><em>jetzt.de</em></a>, auch bei der <a href="https://blog.zeit.de/"><em>Zeit</em></a><em> </em>konnte man bloggen – angefangen hatte. Statt das Netz nur mit statischen Webseiten zuzukleistern, fing man an, zwischen den Nutzern digitale Autobahnen zu bauen, die diese Nutzer miteinander verknüpften, die Austausch möglich machten und das Wort „viral“ positiv konnotierten: Es war das große digitale Versprechen, dass eine pfiffige Idee auch den letzten Winkel des Internets erreichen könnte, wenn sie nur die neuen Einwohner der sozialen Medien überzeugte. Und auf diesen Autobahnen quer durch Neuland war der&nbsp;<em>Freitag </em>flott unterwegs: Wir setzten auf „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/User-generated_content">Usergenerated Content</a>“, also darauf, dass auch Leser Beiträge schreiben können, und dass die besten Beiträge in die Zeitung aufgenommen werden.</p><p>Und wenn die Beiträge geschrieben waren, fingen sie an zu leben: laut und voll soll es unter ihnen werden – egal ob es sich um Texte aus der Redaktion oder aus der „Community“ handelte. Und so kam es dann auch. Es wurde debattiert, diskutiert und auch schon mal getrollt, dass es oft eine Freude und immer viel Arbeit war: Während Jakob Augstein seine Redakteure dazu anhielt, sich mit den Lesern auszutauschen, was manche mehr und andere weniger intensiv taten, sprach&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sascha_Lobo">Sascha Lobo</a> von einer&nbsp;<a href="https://saschalobo.com/2009/02/17/freitagsbeschwerden-schon-montags/">„Zwangsverbloggung“</a>der Nutzer. Die einen wollten nicht in die Feedbackschleife, die anderen ihre Texte nicht verschenken. Damit war der Grundstein für einen Dauerkonflikt gelegt.</p><p>Viel wurde ausprobiert, um das Rauschen auf der Webseite aufrechtzuerhalten.&nbsp;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=43bOv9RPYko">Eine „Wahlkampfarena“ wurde geschaffen</a>, in der die pointiertesten Meinungen zu politischen Themen im Abstimmungsverfahren miteinander wetteiferten, Bücher&nbsp;wurden <a href="https://twitter.com/ruhepuls" target="_blank">mit</a> und&nbsp;von der Community gelesen,&nbsp;Videos in der Poststelle gedreht. Und am Ende des Tages zählten&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Teresa_B%C3%BCcker">wir</a> Kommentare. Wessen Beitrag die meisten abbekam, durfte sich in den Konferenzen für sein Engagement rühmen. Und auch die Community selbst wetteiferte um den Platz an der Sonne in der Liste der „Meistkommentierten Beiträge“. Schon damals wurde mit harten Bandagen gekämpft. Alles, was Anschlusskommunikation provozierte, war erlaubt. Damit hatte&nbsp;<em>freitag.de </em>eine Menge mit dem gemeinsam, was sich draußen im Netz, auf den großen sozialen Plattformen, abspielte.</p><h2>Kommt in den Garten</h2><p>Und genau das wurde zum Problem, als den neuen&nbsp;<em>Freitag&nbsp;</em>die erste Krise erfasste. Angesichts knapp werdender Ressourcen mussten Kräfte plötzlich darauf konzentriert werden, das System am Laufen zu halten und wöchentlich eine gedruckte Zeitung an den Kiosk zu bringen. Wo früher Zeit war, heiße Diskussionen zu führen, das Netz für sich zu entdecken und auszuprobieren, fehlte sie jetzt.</p><p>Beinahe gleichzeitig schickten sich die großen Online-Plattformen an, zu&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlossene_Plattform">„Walled Gardens“</a> zu werden – zu Orten, an denen der Nutzer möglichst wenig Anreize verspürt, sie wieder zu verlassen. Damit waren sie keineswegs allein. Letztendlich versuchte im Internet beinahe jede Webseite, Besucher so lange wie möglich zu binden.&nbsp;(Nicht zuletzt deswegen gibt es bis heute bei vielen journalistischen Medien die Unart, verlinkungsfaul zu sein. Dass dies bezüglich der eigenen Glaubwürdigkeit mitunter unangenehme Kollateralschäden nach sich ziehen kann, wird zumindest in Kauf genommen. ,Netzwerkgerechte Ansprache‘ und Klickhunger tun dem Qualitätsjournalismus ihr Übriges.)</p><p>Nun ist es im Internet in der Regel so, dass der größte Player über kurz oder lang eine solche Gravitation entwickelt, dass es für Konkurrenten schwer wird, neben ihm zu existieren. Das gilt für Amazon als Einkaufsplattform wie für Google als Suchmaschine – wer weiß schon, wer die Nummer zwei ist? Ja ja, so sehr man Twitter auch mag, erzeugt doch der Facebook-Konzern nach wie vor mit weitem Abstand die mächtigste Anziehungskraft auf soziale Kommunikation. Für den <em>Freitag </em>hatte das den Effekt, dass sich die Diskussionen peu à peu von den eigenen Seiten in die sozialen Medien verlagerten. Ohne Lockstoffe blieben die Kommentare, wo ihre Verfasser eh schon waren: in ihrem sozialen Netzwerk. Dieser Prozess betraf auch andere Medienhäuser, in den meisten dürfte man den „Drunterkommentaren“ nicht nachgeweint haben.</p><p>Worum sich&nbsp;<em>freitag.de </em>in erster Linie drehte, war also gezwungenermaßen nicht länger der Kommentar, sondern der Beitrag. Während es schien, als ob man den einen Kampf verloren hätte, bot jeder Beitrag nach wie vor die Chance, in den sozialen Medien zu verfangen und Leser auf die eigene Seite zu locken. Es wirkte ja auch irgendwie stimmig. Der&nbsp;<em>Freitag </em>ist eine Zeitung. Und in einer Zeitung werden Texte geschrieben.</p><h2>Die Aggregatoren brauchen uns nicht</h2><p>Zum Problem wurde allerdings, dass Facebook die Mauern seines Gartens noch etwas höher zog und der Zugriffsverkehr, der bis dato verlässlich von dort auf die eigenen Seiten floss, abebbte. Es sei denn man zahlte. Oder gab die Artikel – als sogenannte Instant Articles – gleich ganz ab, sodass der Leser Facebook gar nicht mehr verlassen musste, um den Text zu konsumieren. Für eine Branche, die Google als ihren Lieblingsfeind ausgemacht hatte, waren und sind all das Episoden auf dem Weg zu dieser Erkenntnis: Auch Facebook ist ein Liebling der Werber – und nicht der Journalisten.&nbsp;<a href="https://twitter.com/ArminWolf/status/1093064060432723968">Es braucht uns schlicht nicht</a>, um Geld zu verdienen. Umgekehrt scheint das anders zu sein.</p><p>Der Autor Ben Thompson, der früher selbst für Microsoft und Apple arbeitete, schrieb unlängst einen Artikel über die Lehren, die man aus der massiven Entlassungswelle beim Internetmedium <em>Buzzfeed</em> ziehen sollte: Verlasst euch nicht auf die großen Aggregatoren und baut Webseiten, die im Zweifel auch ohne Facebook, Google &amp; Co. funktionieren –&nbsp;<a href="https://stratechery.com/2019/the-buzzfeed-lesson/">sie stehen nicht auf eurer Seite</a>! Natürlich hat er recht. Leichter wird es dadurch nicht. Die Abhängigkeiten sind real, das Machtgefälle ebenso. Über Google und Facebook kommt etwa die Hälfte der Besucher auf&nbsp;<em>freitag.de</em>.</p><p>Für den jüngeren&nbsp;<em>Freitag </em>der Zukunft muss das heißen, dass er sich auf seine Wurzeln zurückbesinnt. Die Beiträge der Community vereinen Monat um Monat bis zu einem Drittel des gesamten<em>freitag.de</em>-Verkehrs auf sich. Das ist viel und könnte in Zukunft noch mehr werden – wenn noch mehr Leute einen triftigen Grund hätten, ihre Gedanken in Textform auf&nbsp;<em>freitag.de</em>zu teilen.</p><p>Gleichzeitig erfreut sich unser Digitalabo wachsender Beliebtheit. Und laut einer Studie sollen vor allem jüngere Leser vermehrt dazu bereit sein,&nbsp;<a href="https://www.pwc.de/de/technologie-medien-und-telekommunikation/zahlungsbereitschaft-fuer-online-journalismus.html">für digitalen Journalismus Geld auszugeben</a>. Die Paywalls zeigen bei denen, die mit ihnen groß geworden sind, Wirkung. Die Zahlungsbereitschaft für digitale Erzeugnisse generell – seien es Filme, Serien, Hörbücher, Musik oder eben Text – steigt. Es gibt also Hoffnung.</p><h2>Quid pro quo</h2><p>Wenn sich der <em>Freitag </em>heute fragt, wie er das Internet sinnvoll nutzen kann, liegt eine der Antworten ausgerechnet hinter der Paywall – etwas, das vor zehn Jahren, in der Hochphase der „Kostenloskultur“, praktisch undenkbar gewesen wäre. Aber eine Paywall schafft einen Wert. Und damit kann man auch als Redaktion bezahlen: Warum nicht den Community-Mitgliedern, die besonders gute Texte schreiben, Zugang zu den Texten des&nbsp;<em>Freitag</em>geben? Du bist jung und brauchtest das Geld – vielleicht für etwas anderes als Journalismus? Kein Problem, „erschreib“ dir deinen <em>Freitag</em>! Du hast schon ein Abo? Dann verschenk doch deine Bonus-Wochen! Deine Kommentare gefallen den anderen Nutzern besonders gut? Viel Spaß mit der neuen Ausgabe!</p><p>Es wäre eine Win-win-Situation. Für die Community-Mitglieder, weil sie sich die digitale Ausgabe erarbeiten könnten und einen (beinahe) handfesten Grund hätten zu schreiben. Und für den&nbsp;<em>Freitag</em>, weil er dafür mehr und bessere Beiträge zurückbekäme. Und ein paar zukünftige Abonnenten. Ganz abgesehen davon, dass für eine Zeitung nach wie vor entscheidend ist, ihren Lesern Gehör zu schenken. Nicht selten wissen sie es besser als eine betriebsblinde Redaktion.</p><p>Das alles mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Aber das Bewusstsein, dass Medien digital nur überleben können, wenn sie ihre eigenen funktionierenden Biotope schaffen: Das ist essenziell für ihren Fortbestand. Es sei denn, sie möchten den Gezeiten wie eine Nussschale auf Irrfahrt ausgeliefert sein. Denn im Netz gilt: Hic sunt dracones – inklusive ein paar größeren Fischen. Und auf Vater Staat ist kein Verlass.</p><p>Die Community wird für den&nbsp;<em>Freitag</em>&nbsp;eine entscheidende Rolle spielen. Wir haben jetzt schon eine lebendige, unorthodoxe und im Zweifel linke Userschaft. Und wenn die Erkenntnis einsickert, dass sie ein einzigartiges Standbein und nicht nur Werbegag ist, wird sie auch die Aufmerksamkeit und die Anerkennung bekommen, die sie verdient. Denn das ist es, was eine Community braucht, um zu funktionieren.</p><p>Vielleicht wird der&nbsp;<em>Freitag</em>&nbsp;auch nie gänzlich seinen naiven Gründungsanspruch, eine digitale Gemeinschaft zu schaffen, erfüllen können. Vielleicht wird&nbsp;<em>freitag.de</em>mehr Schreibwerkstatt und Lesezirkel. Vielleicht ist es auch genau das, was eine Redaktion ausmacht – selbst wenn es nicht ganz die größte Deutschlands wird. Dafür könnte es eine digitale werden, die funktioniert. Und vielleicht ja auch eine, die ihren Schreibern etwas zurückgeben kann, weil wir&nbsp;<a href="https://i.imgflip.com/1k55vi.jpg">,in this together‘</a> sind. Mich jedenfalls könnte man mit dieser Aussicht noch immer ködern.</p>























<hr />


  <p>Der Autor war 2009 zunächst Beta-Tester des neuen Freitag, arbeitete im Anschluss mit&nbsp;<a href="https://twitter.com/fraeulein_tessa?lang=de"><strong>Teresa Bücker</strong></a><strong> </strong>im Community-Ressort und folgte schließlich 2012 auf&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rn_Kabisch"><strong>Jörn Kabisch</strong></a><strong> </strong>als Online-Chef<br><br></p><p>Dieser Text erschien <a href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/kommando-community" target="_blank">in der Jubiläumsausgabe des Freitag&nbsp;</a></p>]]></description></item><item><title>B2B, B2C – not for me</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 08 May 2018 13:50:12 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2018/5/8/b2b-b2c-not-for-me</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:5af1a9e188251bc003833142</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p>Social Media Veteranen auf hoher See</p>
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  <p><strong>re:publica:&nbsp;Warum ich lieber angele, statt auf die größte deutsche Internetkonferenz zu gehen – und deren Hof trotzdem vermisse</strong></p><p>„Geht leider nicht, ich bin auf einem Boot“, ist eine Aussage, die ich vergangene Woche überraschend selten treffen musste. Einmal, um genau zu sein. Da fragte mich ein alter Freund, ob wir uns zum alljährlichen Plausch über die sozioökonomischen Auswirkungen von Mark Zuckerbergs neuester „technischer Lösung“, die Volatilität der Auftragslage im digitalen Prekariat und den besorgniserregenden Zustand der Bundesliga im Hof der <a href="https://re-publica.com/de">re:publica</a> treffen wollen. Charmant wäre das schon gewesen – man ist ja gerade heutzutage dankbar für ein gutes Zwiegespräch –, aber da lag zu viel Havel zwischen Deutschlands größter Internetkonferenz und mir.</p><p>Dass ich ihr ein fließendes Gewässer vorzog, mag einerseits damit zu tun haben, dass man mit steigendem Alter den kontemplativen Charakter einer Angelpartie zu schätzen beginnt. Work-Life-Balance ist ja ein reales Ding in der digitalen Gesellschaft. Andererseits liegt es auch daran, dass der Reiz, den die Messe auf mich ausübte, lange schon zu schwinden begann – und dieses Jahr wohl endgültig das kritische Level unterschritt. So reichte es dann nicht mehr für zwei, drei kühle Getränke und ein Wiedersehen mit ein paar bekannten Gesichtern.</p><p>Für Letztere war ich immer gerne da. Sie waren es, die für mich die re:publica ausmachten. Ich bin zwar nicht romantisch genug, um vom oftmals beschworenen „Klassentreffen des deutschen Internets“ zu fabulieren. Aber durchaus so reflektiert, zu wissen, dass es vor allem die Leute waren, die man fernab der Panels traf, wegen derer man wiederkam.</p><p>Während ich vor ein paar Jahren zumindest noch aus Anstand an ein paar Veranstaltungen teilnahm, fremdelte ich zuletzt zunehmend mit dem offiziellen Angebot der Konferenz. Ich blieb ihm schlicht fern. Mal lag es daran, dass es nichts wirklich Neues zu erfahren gab. Mal waren die Vorträge einfach schlecht. Mal waren es Werbeshows für zahlungskräftige Unternehmen. Mal durften vermeintlich netzaffine Politiker ihr gefährliches Halbwissen unter die Leute bringen.</p><h2>Festival mit Werbeblocker</h2><p>Doch wenn man sich ärgerte, gab es immer noch den Hof, diese Insel der Glückseligkeit, auf der man sich mit Gleichgesinnten über und über das Vorgetragene hinaus austauschen konnte. Selbst dort blühte einem allerdings mehr und mehr, für wen die re:publica unterdessen gemacht wurde: Anbieter und Kunden. Dort, wo „der Anzugträger“ früher das unbekannte Wesen zwischen Bloggern, Nerds und anderen Bedenkenträgern war, gehört er jetzt zum festen Repertoire, allzeit bereit, seine Marke, seine Idee, sein Ich im Business-to-Business oder Business-to-Customer-Gespräch feilzubieten. <a href="https://18.re-publica.com/de/page/bundeswehr-bei-rp18-chronologie-paar-fragen">Er muss heute schon maximal-uniformiert auftreten</a>, <a href="http://www.deutschlandfunk.de/bundeswehr-und-republica-keinen-rekrutierungsstand-fuer.2907.de.html?dram:article_id=417117">um nicht willkommen zu sein</a>.</p><p>Der Hof des Anzugträgers ist die „Exhibition Area“, der zentrale Teil der Messe, der Partnern und deren Unternehmenspräsentation vorbehalten ist. Diese wuchert unterdessen in alle Richtungen – auf die Bühnen, in den „echten“ Hof – und macht die re:publica zu dem, was sie heute ist: dem „inspirierendsten Festival für die Digitale Gesellschaft“. Nicht. Aber wohl zu einem, das sich finanziell lohnen dürfte.</p><p>Das ist auch in Ordnung, die re:publica hat ihre Schuldigkeit längst getan. <a href="https://twitter.com/annalist/status/992435517512994817">Schön war’s</a>. Nur bleibt da eben eine Lücke: für ein Festival mit Werbeblocker. Für die Leute vom Hof, die sich unbehelligt über dieses Internet unterhalten wollen. Und die darin mehr sehen als einen Job, eine gute Geschäftsgelegenheit oder etwas, das sie verkaufen können. Aber das lässt sich leicht sagen, wenn man auf einem Boot sitzt.</p><p>___</p><p><strong>Disclosure</strong></p><p>Die Vorträge der re:publica <a href="https://www.youtube.com/user/republica2010/videos">lassen sich auf YouTube nachschauen</a>. Einige sind natürlich nach wie vor interessant</p><p>Dieser Beitrag <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/b2b-b2c-not-for-me-angeln-gehen-statt-re-publica">erschien in Ausgabe 19/2018 des Freitag</a></p>]]></description></item><item><title>Die linke Leerstelle</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Wed, 17 May 2017 12:55:11 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2017/5/17/die-linke-leerstelle</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:591c45d4e4fcb52a8701f10e</guid><description><![CDATA[<figure class="
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                <img data-stretch="false" data-image="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg" data-image-dimensions="1600x1068" data-image-focal-point="0.5,0.5" alt="" data-load="false" elementtiming="system-image-block" src="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=1000w" width="1600" height="1068" sizes="(max-width: 640px) 100vw, (max-width: 767px) 100vw, 100vw" onload="this.classList.add(&quot;loaded&quot;)" srcset="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=100w 100w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=300w 300w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=500w 500w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=750w 750w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=1000w 1000w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=1500w 1500w, https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1495025459376-6S9NS59NG6MBNIQDZZ4B/4932655275_7811863fe8_o.jpg?format=2500w 2500w" loading="lazy" decoding="async" data-loader="sqs">

            
          
        
          
        

        
          
          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p> </p><p>Bild von <a target="_blank" href="https://flic.kr/p/8vT9yB">Véronique Debord-Lazaro</a>&nbsp;(Flickr/CC)</p>
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  <p>Ich sitze in meiner Küche. Ein paar Freunde sind auch da. Wir trinken Wein, reden über die üblichen Dinge. Frauen, Männer, Kinder, den Euphemismus <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-07/arbeitszeit-ueberstunden-arbeitnehmer-institut-fuer-arbeitsmarkt-berufsforschung">40-Stunden-Woche,</a> <a target="_blank" href="http://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/videobeweis-fussball-bundesliga-100.html">Videobeweis im Fußball</a>, Vorsätze fürs Pulplife (<a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Weniger_ist_mehr">Reduce to the max!</a>), 3 Zeug im Netz, die Unmöglichkeit ironischen Musikkonsums und diesen einen interessanten Artikel, <a target="_blank" href="https://www.nytimes.com/2017/05/15/opinion/trump-classified-data.html">den wir alle letzte Woche gelesen haben</a>. Dazu haben wir etwas zu sagen. Dann reden wir über Politik.</p><p>Schlimm ist das mit der AfD, wie die Rechtspopulisten das Land letztes Jahr vor sich her getrieben haben. Da hat kaum jemand eine gute Figur abgegeben. Merkel ging ja noch – Mutti ist die beste, bla bla! Aber hintenrum ist die Union so schwarz wie eh und je. <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur">De Maizière</a>, <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-12/seehofer-csu-koalition-obergrenze-fluechtlinge-merkel-cdu">Seehofer</a>, <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/sebastianpuschner/die-krise-und-ihre-austeritaetsideologen">Schäuble</a>? Zündeln bis die Hütte brennt. Ist euch schon mal aufgefallen, <a target="_blank" href="https://www.google.de/search?q=macron+lindner">wie ähnlich sich Macron und Lindner sehen</a>? Nicht nur äußerlich! Und die Linke unter Wagenknecht? Flirten mit dem rechten Rand: <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/kultur/2016-08/sahra-wagenknecht-linke-kiyaks-deutschstunde">gruselig</a>! Wann machen die Grünen endlich mit ökologisch nachhaltiger Gentrifizierung Wahlkampf? Mit <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cem_%C3%96zdemir">Cem</a> und <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katrin_G%C3%B6ring-Eckardt">Katrin</a> Soja-Latte schlürfen und Fähnchen schwenken vor der Bio Company. Ehrlichkeit ist Trumpf! Der Schulz-Zug? Irgendwo kurz hinter Paderborn <a target="_blank" href="http://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm">stecken geblieben</a>. Auf die Bahn ist halt kein Verlass, hätte man sich vorher denken können. Beides rot.</p><p>Aber man ist ja kompromissbereit. Der liebe Alkohol! Also: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rot-rot-gr%C3%BCne_Koalition">R2G</a>. Schließlich braucht das Land, ach Quatsch, Europa braucht ein sozialeres Deutschland. Denkt mal an die Griechen. Oder die Spanier. <a target="_blank" href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/74795/umfrage/jugendarbeitslosigkeit-in-europa/">Wirklich schlimm das mit der Jugendarbeitslosigkeit</a>. <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A4nderfinanzausgleich">Länderfinanzausgleich</a> klappt doch hier auch ganz gut. Außerdem: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Grexit">Grexit</a>, <a target="_blank" href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-07/oexit-oesterreich-austritt-europa-norbert-hofer-fpoe">Öxit</a>, <a target="_blank" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Brexit">Brexit</a>, <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frexit">Frexit</a> – Hört ihr die Signale? Ist wirklich an der Zeit, dass Berlin mal aus dem Knick kommt. Noch mehr Groko und wir werden unseren Kindern erklären müssen, <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus-Programm">wer oder was Erasmus war</a>. Das wird dann auch eins dieser Narrative, von denen momentan alle faseln.</p><p>Ja, aber. Hat der Schulz nicht letztens irgendwo erzählt, dass sein feuchter Traum eine Koalition mit der CDU unter seiner Führung wäre? Der Mann hat Fantasie, muss man ihm lassen. Andersrum ist zur Not sicher auch ok. Von wegen als deutscher Außenminister endlich Europapolitik machen und (!) was zu sagen haben. Und die Grünen? Mögen es seit <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Kretschmann">Kretsche</a> eh am liebsten, wo es heimelig ist. Politik fürs Deutschländle geht eben doch am besten mit Angela und ihrem <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Sch%C3%A4uble">schwäbischen Hausmann</a>. Hat unterdessen eigentlich irgendwer die Linke, diese besserwisserische Streberin mit Rechts-Links-Schwäche, aus ihrer Schmollecke geholt? Nein? Ok.</p><p>Aber die wählt man ja eh nicht. Haben wahlweise die SPD gespalten oder die SED beerbt – und predigen ein altbackenes Verständnis der Arbeiterklasse, für das sich selbst der junge Karl Marx schämen würde. Freiheitsrechte, Europa und Migranten für lästiges Beiwerk zu halten ist innerhalb des S-Bahnrings auch eher nicht so en vogue. Naja. Mehr Fahrradwege sind da schon besser, aber ein <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz-gr%C3%BCne_Koalition">schwarz-grünes Damoklesschwert</a> ohne Helmpflicht schwer vermittelbar. Wo wir schon mal bei „schwer vermittelbar“ sind: Erinnert sich noch jemand daran, wer uns Hartz IV eingebrockt hat? Von wegen sozial. Die SPD kann auch ohne CDU anders.</p><p>Also, entweder Rot-Rot-Grün bietet jetzt mal wirklich an und meint es ernst – oder es macht jemand anderes. Ist schließlich wie in der Wirtschaft, Angebot und Nachfrage. Sieht man ja anderswo: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Synaspismos_Rizospastikis_Aristeras">Syriza</a>, <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Podemos">Podemos</a> und so. Die Einschläge kommen näher. Wobei, da fehlt in Deutschland vielleicht der Leidensdruck. Uns geht's ja gut. Noch! Sagt der Varoufakis auch:&nbsp;<a target="_blank" href="https://ec.europa.eu/growth/single-market_de">Single Market</a>, selbes Boot. Da hilft auch kein Rückzug aufs Nationale. Nein, auch nicht den Abgehängten. Die fetten Jahre sind vorbei, für den Opelaner wie das kreative Prekariat. Schwelgen in vergangenen Zeiten kann zwar schön sein, aber <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCder,_zur_Sonne,_zur_Freiheit">„Zur Sonne, zur Freiheit“</a> ist nicht nur im Urlaub ohne Europa nicht mehr drin. Also vorwärts.</p><p>Denn im Grunde ist das ja eh alles alternativlos. Nur gibt es keine. Da, wo unsere Zukunft verhandelt werden soll, klafft eine riesige linke Leerstelle. Zum Schämen. Opportunismus, Karrierismus, Lobbyismus, ... Zwischen all den Ismen bleibt nicht viel Raum für große Ideen, geschweige denn für deren Umsetzung. Und die Konservativen lachen sich kaputt, wenn sie bei der Wahl zwischen Pest und Cholera mal wieder als das geringere Übel durchgehen – und sich in einer <a target="_blank" href="http://uebermedien.de/15797/der-martin-schulz-effekt-defekt/">schwarz-weißen Medienwelt</a> als die Guten gerieren können. <a target="_blank" href="http://www.stern.de/politik/ausland/frankreich-wahl--die-hoffnung-heisst-emmanuel-macron-7437736.html">Hi, Emmanuel</a>. Wenn man nicht schon drei Jobs hätte, man müsste ja selbst was gründen. Eine Bewegung, eine Partei. Rausgehen, die Leute abholen. So Leute wie uns, diese links-grün-versifften Gutmenschen, urbane Links-Liberale eben. Macht ja offensichtlich sonst keiner. Ist auch eh zu spät. Das Wahljahr wartet schließlich nicht.&nbsp;</p><p>Und wen wählt man jetzt? Es ist still in meiner Küche, die Gäste weg und die Gläser halb leer.</p>]]></description></item><item><title>Im Haifischbecken</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 01 Nov 2016 10:44:01 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2016/11/1/im-haifischbecken</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:58187145e6f2e10d0e6bc4bb</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Bild:&nbsp;<a href="https://www.flickr.com/photos/eldh/">Andreas Eldh</a>&nbsp;/ <a target="_blank" href="https://flic.kr/p/9VF4ub">Flickr (CC)</a></p>
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  <h3><span>#WeAreTwitter:</span><span>&nbsp;Eine Petition schlägt vor, das soziale Netzwerk von seinen Nutzern übernehmen zu lassen. Doch diese sollten sich erstmal fragen, welches Twitter sie überhaupt wollen</span></h3><p>Schon oft war der bei seinen Nutzern populäre, aber finanziell stetig kriselnde Mikroblogging-Dienst Twitter das Objekt der Begierde potenzieller Übernahmen. Glaubt man jüngsten Spekulationen, könnte es nun aber bald ans Eingemachte gehen.&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.recode.net/2016/9/14/12876560/twitter-acquisition-options-google-facebook-apple">Auf der Liste</a>&nbsp;vermeintlicher Interessenten standen bereits die Branchenriesen Apple, Facebook, Google oder Microsoft, aber auch Medienunternehmen wie Fox und Disney. Laut Presseberichten haben zudem auch einige Finanzhaie die Witterung aufgenommen. Nur zugebissen hat noch keiner.</p><p><a target="_blank" href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/sep/29/save-twitter-buy-platform-shared-ownership">Vor kurzem hatte Guardian-Autor Nathan Schneider deshalb die Idee</a>, dass die Nutzer das Unternehmen einfach selbst kaufen sollten. Man könnte es,&nbsp;<a target="_blank" href="https://actionnetwork.org/petitions/wearetwitter">so der Vorschlag der Petition #WeAreTwitter</a>, in eine Kooperative, eine Art genossenschaftliches Großprojekt umwandeln, um es den Fängen der Wall Street zu entreißen. In Schneiders Augen würde Twitter so gewissermaßen zu einer eierlegenden Wollmilchsau. Einerseits wäre man den finanziellen Wachstumsdruck los, andererseits könnte der Kurznachrichtendienst gerade dadurch so werden, wie viele Nutzer es sich schon immer wünschten: mehr Unabhängigkeit, keine Werbung, mehr Moderation, weniger <a href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/am-braunen-stammtisch">Hatespeech</a>. Traumhaft.</p><p>Doch diese Idee hat einen stolzen Preis. Die Strategie, die die Kalifornier 2007 wählten, baut nämlich auf der Annahme auf, dass man sich aus den roten Zahlen wächst. Facebook, mit dem man sich einst auf Augenhöhe wähnte, hat es schließlich vorgemacht. Jedoch verzeichnet Twitter im Gegensatz zu Facebook nach wie vor jährliche <a target="_blank" href="http://neunetz.com/2016/10/20/warum-wearetwitter-ein-unrealistischer-traum-ist/">Verluste von knapp einer halben Milliarde Dollar</a>. Und auch die Aussichten auf Besserung waren schon mal rosiger. Allein diese Summe müsste man also für ein schlichtes „Weiter so“ berappen – pro Jahr, Werbung und Hatespeech inklusive.</p><p>Um Twitter aber in den Hort der Glückseligkeit zu verwandeln, den man sich von dieser freundlichen Übernahme verspricht, wäre mehr Personal bei sinkenden Einnahmen nötig. Denn falls gelänge, was noch nie erfolgreich versucht wurde – ein Unternehmen dieser Größe in eine Genossenschaft umzuwandeln –, darf man daran zweifeln, dass die Kooperative zuallererst den Rotstift ansetzen, Stellen streichen und Kosten reduzieren würde. Für die unschönen Dinge des Arbeitgebertums sind die Petenten nicht angetreten.</p><p>Leicht wird zudem vergessen, dass Twitter längst nicht mehr das Twitter ist, das es vermeintlich war, kurz nachdem es 2006 gegründet wurde: das etwas andere Social Network, smarter, witziger und weniger kommerziell als Facebook. Vielleicht traf dieses Narrativ sogar einmal zu, auf jeden Fall aber wird Twitter noch immer dazu verklärt. Heute ist das Unternehmen jedoch in erster Linie ein Internet-Start-up-gone-Großprojekt par excellence, voller Advertorials, Marketing und Hass. Eines, das sich an der Börse mit den Großen messen wollte und daran gescheitert ist. Und trotzdem – oder gerade deshalb? – lieben wir es. Twitters Architektur und seine mit Verlusten erkaufte Größe ködern Nutzer mit dem klassischen <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialer_Aufstieg#Vom_Tellerw.C3.A4scher_zum_Million.C3.A4r">Tellerwäscher-Versprechen</a>. Jeder kann mitmachen, jeder kann – so er denn pfiffig genug ist – viral gehen und so zu seiner eigenen Medienmarke werden. Auch davon träumen einige.</p><p>Wir müssen uns nur fragen, welches Twitter wir wollen: eines, das versucht, im Chor der großen Netzwerke mitzusingen? Oder eines, das sich der Logik des Marktes entzieht? Beides geht nicht, es gibt keinen richtigen Kapitalismus im falschen. Vielleicht ist Twitter also bei den Haien gut aufgehoben. Wer trotzdem sein globales Dorf will, sollte ein neues gründen. Vermutlich wären die Erfolgschancen dann eh größer als bei <a target="_blank" href="https://twitter.com/search?f=tweets&amp;vertical=default&amp;q=%23wearetwitter&amp;src=typd">#WeAreTwitter</a>. Bis dato haben nur knapp 1.400 (Stand 26. Oktober 2016) der 300 Millionen aktiven Nutzer die Petition gezeichnet.</p><p>Dieser Text <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/im-haifischbecken">erschien im Freitag 43/2016</a></p>]]></description></item><item><title>Stress ohne Grund</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Thu, 21 Apr 2016 10:08:13 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2016/4/20/stress-ohne-grund</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:5717e7f6f85082df1d4dd753</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p><em>Semra</em> von <strong>Susann Massute</strong></p>
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  <h2><span>Wie ein Streit um den Fahrradweg vor einem Berliner Späti in einer handfesten Blamage für Politik und Verwaltung endet</span></h2><p><em>Von Antonia Märzhäuser, Susann Massute und </em><em>Jan Jasper Kosok</em></p><p>Berlin ist eine spezielle Stadt. Das Innere des S-Bahn-Rings – seit dem Mauerfall im ständigen Wettstreit zwischen Nostalgie und Moderne – zieht Touristen wie Wahlberliner seit Jahren gleichermaßen in seinen Bann. Und auch der Ur-Berliner weiß, wo es am schönsten ist: in seinem Kiez. Noch ist die Stadt ein bisschen urig, nicht stubenrein genug, um im Konzert der ganz großen Metropolen mitzuspielen. Irgendwie scheint man auch stolz darauf, dass sich hier Alkoholiker und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Expatriate">Expat</a>&nbsp;noch friedlich die Klinke in die Hand geben, wenn sich der eine sein letztes und der andere sein erstes Bier <a href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/einsam-ungelenk-sozial">im Spätkauf nebenan</a>&nbsp;holt.</p><p>Am Görlitzer Bahnhof, der sich in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Henkel">Ära Henkel</a>&nbsp;(Innensenator,&nbsp;<a href="http://www.vice.com/de/read/junge-union-berlin-oranienplatz-refugee-camp-danke-frank">“Danke, Frank”</a>) zunehmend den Ruf eines <a href="http://www.welt.de/vermischtes/article154506788/So-was-wie-in-Berlin-habe-ich-in-Amsterdam-nie-gesehen.html">Mekkas für Dealer</a>&nbsp;erarbeitet, findet man so ein Etablissement. Der <a href="https://www.facebook.com/pages/Dusk-till-Dawn-Sp%C3%A4ti/123471954420877">„Dusk till Dawn”-Späti</a>&nbsp;ist einer jener Läden, deren Charme nur begreifen kann, wer die Mischung aus hängen gebliebenen Devotionalien (alte Filmposter, Marlon Brando), 1990er Jahre Ambiente (Neonlichter, nervös blinkend), Notfalleinrichtungen (Geldautomat, 4,99€ pro Abhebung) und einer beachtlichen Auswahl exotischer Biersorten (Störtebeker Schwarzbier,&nbsp;Fürst Carl Dunkel) zu schätzen weiß. Von diesen Leuten gibt es überraschend viele.</p><p>Dessen ist sich inzwischen auch Semra bewusst. Der Blick der kleinen Frau, die ihren Späti seit sieben Jahren mit viel Liebe und kaufmännischer Schläue betreibt, ist so vergnügt wie kämpferisch. Vor ein paar Monaten sah das für die „Kiez-Mama”, wie sie ihre treuesten Kunden nennen, noch ganz anders aus. Als sie Mitte Januar erfuhr, dass ihr das Ordnungsamt die Genehmigung zum Aufstellen von Bänken und Tischen auf dem Bürgersteig vor dem Späti entziehen würde, standen der sonst so toughen Frau die Tränen in den Augen. Ihre Geschichte schien eine weitere Episode dafür zu werden, wie Denkfaulheit und Regulierungswut sukzessive den Charme Berlins ausradieren.</p><h2>Ordnung muss sein</h2><p>Eingepfercht zwischen einem auf dem Bürgersteig verlaufenden Radweg und dem Mobiliar der Geschäfte sei für Fußgänger zu wenig Platz, der gesetzlich vorgeschriebene Abstand für die sichere Benutzung des Gehwegs werde nicht eingehalten, so die nüchterne Analyse des Ordnungsamts. Es handle sich eben um ein „Nadelöhr“, so <a href="https://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/bezirksamt/das-kollegium/lebenslauf.146168.php">Peter Beckers von der SPD</a>, Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, stellvertretender Bezirksbürgermeister und verantwortlich für die Bereiche Wirtschaft, Ordnung, Schule und Sport. Für ihn liegt der Sachverhalt klar: „Das Ordnungsamt hat die Pflicht der Gefahrenabwehr.&nbsp;Wenn ein Unfall passiert, wird es zur Rechenschaft gezogen, so lange die Gefahrensituation nicht beseitigt ist, kann die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sondernutzung">Sondernutzung</a>&nbsp;nicht erteilt werden“. Gerade in den Sommermonaten, in denen der Fahrrad- und Fußgängerverkehr zunimmt, sei die Situation unhaltbar. Punkt.</p><p>„Fünfzig Prozent”, das betont Semra so häufig wie nachdrücklich, würden ihr an Umsatz in eben jenen Monaten dadurch verloren gehen, dass ihr das Sondernutzungsrecht für den Bürgersteig entzogen wurde. „Mindestens!” Auch beim ebenfalls von der Regelung betroffenen vietnamesischen Restaurant nebenan macht man sich Sorgen: „Wir haben zwar Klimaanlagen eingebaut, aber im Sommer wollen die Leute nur draußen sitzen.” In einer Stadt wie Berlin ist man dazu geneigt, so etwas schnell abzutun. Man kann hier dabei zusehen, wie sich die Dinge verändern. Und es gibt immer Leute, die dabei in den sauren Apfel beißen müssen. Draußen sitzen kann man schließlich auch irgendwo anders.</p><p>Überhaupt sei Kreuzberg ein Bezirk, der insgesamt nicht gerade arm an Cafés und Spätis sei, befindet Peter Beckers. Ganz auf Linie mit einer Stadt, die ihre <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/spaetis-in-berlin-ein-leben-ausserhalb-der-oeffnungszeiten/12161482-all.html">Kioske schon länger gängelt</a>, scheinen für den Sozialdemokraten ein paar weniger durchaus verkraftbar. Und natürlich hat er amtlich Recht, wenn er darauf beharrt, dass „in diesem Fall Sicherheit vor Kommerz gehe“. Ob die Situation sich jedoch aufgrund der neuen Verordnung signifikant verbessert, bleibt zumindest fraglich. Und auch Semra merkt spöttisch an, dass man „sich vielleicht besser um die Dealer kümmern sollte, wenn einem die Sicherheit am Görli wirklich so am Herzen liegt”.</p><p>Kampflos jedenfalls, das scheint schnell klar, wird sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Kann sie auch nicht, wenn sie ihren Laden am Leben erhalten will.&nbsp;<a href="http://www.berliner-zeitung.de/berlin/spaeti-in-kreuzberg-darf-keine-stuehle-mehr-auf-den-gehweg-stellen-23750346">Deshalb setzt sie eine Petition auf</a>, in der sie dafür plädiert, die Kiezkultur des Straßenabschnitts zu erhalten, und den Bezirk auffordert, eine Lösung zu finden, die für alle Parteien zufriedenstellend ist. Auch die übrigen betroffenen Läden machen mit. Sobald mehr als 500 Unterschriften in der Nachbarschaft zusammen kommen, wollen sie diese der Bezirksregierung übergeben. Es dauert nicht mal eine Woche. Die Kreuzberger scheinen anderer Meinung als ihr Stadtrat.</p>


































































  

    
  
    

      

      
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            <p><em>Die Skalitzer</em> von <strong>Susann Massute</strong></p>
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  <p>Man sei sich der Problematik rund um den Abschnitt Skalitzer Straße 99 bis 106 schon länger bewusst, sagt die Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann von den Grünen.&nbsp;<a href="http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=4949#allrisBV">Einen Antrag an den Senat</a>, den hiesigen Fahrradweg – soweit möglich – auf Parkplätze oder Fahrbahn zu verlagern und dadurch mehr Raum für Passanten, Räder und Läden zu schaffen, hat die Bezirkverordnetenversammlung (BVV), das „Kreuzberger Parlament“, deshalb bereits 2012 gestellt. Ersatzparkplätze könnten wie auch in anderen Teilen der Skalitzer Straße auf dem Brachland unter der Hochbahntrasse geschaffen werden. Eine salomonische Lösung. Ähnliches fordert auch Semras Petition zum „Erhalt der Kiezkultur auf der Skalitzer Straße”.</p><p>Sogar im Berliner Senat sorgt man sich generell um den maroden Zustand der Verkehrsführung – besonders Zweiräder betreffend. Jahr für Jahr gibt man deshalb <a href="http://www.rbb-online.de/imparlament/berlin/2016/3--maerz-2016/77--Sitzung-des-Berliner-Abgeordnetenhauses1.html">Budgets von mehreren Millionen Euro für den Ausbau von Radwegen frei</a>. Anlass zu überbordendem Optimismus bietet das aber nicht. Zwar wurde bereits 2013 zu einem groß angelegten Online-Dialog für Radsicherheit aufgerufen – so konnte man <a href="http://radsicherheit.berlin.de/">auf einer Website Vorschläge für Verbesserungen und Ausbau der Fahrradwege abgeben</a>&nbsp;und über die Dringlichsten abstimmen –, nur ein<a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/gefahrenstellen-auf-radwegen-die-berliner-verwaltung-tut-wenig-fuer-radfahrer/11787978.html">&nbsp;Bruchteil davon wurde jedoch umgesetzt</a>. Das Geld ist da, das Wissen um die Brennpunkte ebenfalls. Auch Anwohner, Bezirk und Stadt scheinen sich einig. Und dennoch passiert häufig nichts. Woran kann das liegen?</p><p>Vielleicht an der dem Senat unterstehenden <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/lenkung/">Verkehrslenkung</a>, die sich um die Straßen Berlins kümmern soll. Auch sie genießt den Ruf eines Nadelöhrs. Laut Peter Beckers bleiben viele der Anträge, die er als Verantwortlicher im Auftrag der BVV stellt, dort jahrelang unbeantwortet. So auch der, die Situation an der Skalitzer zu entschärfen. Da die Straße mit einem Durchsatz von knapp 30.000 Autos pro Tag an dieser Stelle für den städtischen Verkehr von übergeordneter Wichtigkeit sei, könne man außerdem als Bezirk nicht autonom handeln. Ohne Entscheidung des Senats gehe es nicht – auf diese wartet man seit nunmehr fast vier Jahren,&nbsp;<a href="https://politik-bei-uns.de/file/561598841ae6a026be02b2ca">2015 wurde die Anfrage des Weiteren erneut gestellt</a>. In der Zwischenzeit müsse man der Situation eben mit anderen Mitteln Herr werden.</p><p>„Ich fotografiere das ab jetzt alles”, sagt Semra in Manier einer rüstigen Rentnerin und zeigt auf den Wagen, der direkt vor ihrem Späti auf dem Fahrradweg parkt. Nichts würde hier besser, nur weil die Tische weg sind, diagnostiziert sie verärgert. Die Straße zu überqueren sei zuweilen abenteuerlich, Fahrradfahrer würden nach wie vor von zwischen parkenden Autos hervorspringenden Passanten überrascht und auf den Spuren selbst hätte sich noch nie jemand an das Tempolimit gehalten. Jedem, der die Ecke kennt, wird es schwer fallen, Semra zu widersprechen. Für das Gros der Verkehrsprobleme auf der Skalitzer sind die fehlenden Tische nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.</p><h2>Sprachlosigkeit macht sich breit</h2><p>An dieser Stelle könnte diese Geschichte enden. Resigniert müsste man konstatieren, dass gute Ideen oft in den Mühlen der Verwaltung zerbröseln, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt, und man sich wohl oder übel damit abfinden muss, dass Dinge auch in Berlin geregelt werden, wie sie so häufig geregelt werden, wenn sich der Amtsapparat einer Sache annimmt: mit faulen Kompromissen, die in bestenfalls suboptimalen Lösungen enden – und das nach Jahren. Oder aber man hakt nach und stellt fest, dass es in Wahrheit noch viel schlimmer ist.</p><p>Auf Anfrage bei der Verkehrslenkung Berlin, besagtem „Nadelöhr der Verwaltung”, wird den Autoren überraschend zügig <a href="https://drive.google.com/file/d/0B1Ww6g3bdL9WTlVuTmkwVGExbWc/view?pref=2&amp;pli=1">ein Dokument ausgehändigt, welches belegt, dass der Antrag des Bezirksamts bereits 2014 beantwortet wurde</a>. Der Inhalt: der Fahrradweg kann nicht auf die Fahrbahn verlegt werden, da die Skalitzer Straße als wichtige Ost-West-Achse zweispurig bleiben muss. Gegen einen Fahrradweg dort, wo sich momentan die Parkplätze befinden, sei aber prinzipiell nichts einzuwenden, sofern man eine Lösung für die dort stehenden Bäume fände. Die Entscheidung darüber allerdings liege im Kompetenzbereich des Bezirks. Des Weiteren wird angemerkt, dass man das Problem auch kostengünstiger regeln könne, wenn man die Tische der ansässigen Gastronomie entfernen würde. Letzteres ist, was augenscheinlich auch Stadtrat Beckers präferiert – und vom Ordnungsamt durchgesetzt wurde.</p><p>Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann ist sprachlos. Sie hatte sich bis dato auf Beckers’ Wort verlassen, der nicht müde wurde, zu betonen, die Anfrage wäre nach wie vor unbeantwortet, das jetzige Vorgehen alternativlos. Sogar eine rechtliche Prüfung war in Auftrag gegeben worden. Diese sollte klären, inwiefern die Annahme, man könne als Bezirk eigenständig nicht tätig werden, der Wirklichkeit entspricht. Das scheint jetzt hinfällig, Herrmann will der Sache nachgehen. Beckers selbst bittet um Verständnis dafür, dass er sich angesichts der ‚neuen‘ Sachlage zunächst nicht äußern wolle. Was bleibt, sind viele offene Fragen und ein fader Beigeschmack. Garniert mit der Erkenntnis, dass in Politik und Verwaltung die eine Hand nicht zu wissen scheint, was die andere tut. Leidtragende dieser Realsatire sind Semra und ihre Mitstreiter.</p><p>Doch auf der Skalitzer hat man sich berappelt. Selbst die Tische stehen wieder. Man gibt sich kämpferisch und hat unterdessen Rechtsbeistand. „Sollen sie doch kommen”, dann könne man immer noch weiter sehen, sagt Semra, stemmt demonstrativ die Hände in die Hüften und lacht. Den Frühling wollen sie und ihre Gäste, die – als wäre nichts gewesen – den Bürgersteig säumen, sich nicht verderben lassen. Gewählt wird in der nicht ganz stubenreinen Metropole schließlich erst im Herbst wieder.</p><p>___</p><p>Text und Recherche beruhen auf der gemeinsamen Arbeit von <strong>Antonia Märzhäuser</strong> und <strong>Jan Jasper Kosok</strong>. Letzterer wohnt in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs und hat sich aktiv für die Belange der betroffenen Läden engagiert. Illustriert wurde der Text von <a target="_blank" href="http://susannmassute.tumblr.com/"><strong>Susann Massute</strong></a>, die ebenfalls in der Nähe des Spätkaufs lebt</p><p>Dieser Artikel erschien ebenfalls <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/stress-ohne-grund">beim Freitag</a></p>]]></description></item><item><title>Echt jetzt?</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Wed, 27 Jan 2016 20:33:57 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2016/1/27/echt-jetzt</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:56a929688b38d4b043049c45</guid><description><![CDATA[<figure class="
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  <p>Ich bin sauer. Gerade gehe ich zu meinem Lieblingskiosk in der Skalitzer Straße, Dusk till Dawn. Noch ein alkoholfreies Kaltgetränk als Dreingabe zu Gericht Nummer 1 vom Vietnamesen nebenan. Hayati hat schlechte Laune, ich wenig später auch (s.o.).</p><p>Der Grund dafür ist so simpel wie vorhersehbar. Die Stadt hat mal wieder eine überragende Idee, wie man den Kiez für uns Anwohner hier „schöner“ gestalten kann. Und die geht so: ab diesem Sommer sollen die Spätis, Restaurants, Läden und Imbisse doch bitte den Bürgersteig nicht mehr nutzen. Keine Tische, keine Auslage, sonst Ordnungsgeld.</p><p>Macht ja auch Sinn. Schließlich kam es in der Vergangenheit auf dicht gedrängtem Pflaster immer wieder zu schmerzhaften Begegnungen zwischen Sitzern, Passanten und Fahrradfahrern. In allen Variationen. In Zukunft soll es wieder amtlich gesittet zugehen: entweder gehen oder Fahrrad fahren. Wozu sonst soll ein Bürgersteig inklusive Radweg auch gut sein?</p><p>Zum Beispiel für ein bisschen Leben. Das nämlich steht der eh schon kahlen Skalitzer wesentlich besser als ihre Rolle als überforderte Durchfahrtsstraße. Wie wäre es denn damit, dass die Stadt sich mal erkundigt, was die Leute hier im Kiez wirklich wollen? Eine einspurige Straße mit Streifen für die heiß geliebten Velos vielleicht, inklusive sommerlichem Tummeln auf einem breiten, verkehrsberuhigten Bürgersteig zum Beispiel. Könnte ja sein.</p><p>Aber anstatt an Anwohner, Kiezkultur und die liebe Umwelt zu denken, muss man es natürlich den Schwächsten, also den kleinen, lokalen Geschäften, noch ein bisschen schwerer machen. Alles für König Auto und seinen Versorger, den Augenschmaus namens Shell-Tankstelle, von jeher Mittelpunkt des Stadteils. Nicht.</p><p>Was nützen Lippenbekenntnisse des Senats, die Situation für Radfahrer wirklich (!) zu verbessern, die Stadt grüner zu machen und die Berliner Kiezkultur zu bewahren – wenn nicht zu fördern –, sobald es darum geht, mal wirklich ein (klitzekleines) bisschen Farbe zu bekennen und den eh schon Übervorteilten auch mal etwas aufzubürden, um diese Ziele zu erreichen?</p><p>Offensichtlich nicht viel. Und man kommt nicht umhin zu denken: da geht er hin, mein Kiez. Und Hayati schaut ratlos drein. Wie sein Laden ohne die durstigen Kehlen vor der Tür auskommen soll, weiß er auch nicht. Es ist zum Kotzen. Echt jetzt.</p>]]></description></item><item><title>Wohin mit dem Hass?</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Wed, 16 Sep 2015 13:17:15 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/9/15/wohin-mit-dem-hass</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:55f813d2e4b0a20935175650</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Von <a href="https://www.flickr.com/photos/rh2ox/">r2hox</a>&nbsp;<a target="_blank" href="https://flic.kr/p/avk6PY">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p>„Ich bin ja nicht <a target="_blank" href="https://twitter.com/hashtag/kaltland">#Kaltland</a>, aber man wird doch wohl noch <a target="_blank" href="https://twitter.com/search?q=%23heidenau">#Heidenau</a>“. So oder ähnlich lautet derzeit ein massenhaft gebräuchliches Argumentationsmuster in deutschen Online-Kommentarspalten. Spätestens seit diese krude Logik immer häufiger in blankem Hass, dem, was inzwischen gemeinhin als <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hassrede">„Hate Speech“</a> bekannt ist, und unverblümten Aufrufen zur Gewalt gipfelte, fühlte sich auch Justizminister Heiko Maas bemüßigt, bei dem in Deutschland beliebtesten sozialen Netzwerk Facebook vorstellig zu werden, um vehement ein härteres Vorgehen gegen rechte Hetze und Naziparolen einzufordern.</p><p>Das Netzwerk selbst reagierte auf den Wunsch nach mehr Moderation und Löschung fragwürdiger Inhalte zunächst verhalten. Auch bei einem späteren Treffen konnte man sich lediglich verbindlich darauf einigen, stärker mit der <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Freiwillige_Selbstkontrolle">Freiwilligen Selbstkontrolle</a> zu kooperieren und eine Art <a target="_blank" href="https://www.tagesschau.de/inland/facebook-177.html">Taskforce ins Leben zu rufen</a>, die sich mittelfristig mit dem Phänomen befassen soll. Facebook argumentierte, dass das wirksamste Mittel nicht das Löschen solcher Einträge, sondern „Counter Speech“, also aktive Gegenrede, sei. Des Weiteren stehe man mit dem Problem nicht alleine da. Auch bei YouTube, Twitter und Co tobe der braune Mob.&nbsp;</p><p>Das ist sicher richtig. Denn rechtes Gedankengut ist keine Ausnahmeerscheinung, wie uns Politiker gerne glauben machen wollen, <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/die-wuerde-deutschlands-ist-unantastbar">wenn sie vom „Pack“ oder vereinzelten Spinnern reden</a>. Im Gegenteil, man könnte tatsächlich meinen, der braune Stammtisch hätte längst wieder in der Mitte der Gesellschaft Platz genommen. Und ein Blick ins Netz genügt, um zu erahnen, dass diese These traurige Wahrheit sein könnte.</p><p>Dort wüten die, die sich missverstanden, ungewollt und zurückgelassen fühlen: die besorgten Bürger, Pegida und selbst titulierten Asylkritiker. Sie sind laut, sie sind verbittert und bilden den Nährboden für eine Stimmung, die jene bestätigt, die dazu beitragen, dass man inzwischen fast täglich in den Nachrichten von brennenden Flüchtlingsheimen hören muss. Wer will das schon?</p><p>Doch Abschalten hilft nicht. Wer sich für sein Land bessere Presse wünscht, muss genau hinschauen und darf das Symptom nicht mit der Ursache verwechseln. Der Hass kommt nicht aus dem Netz, er kommt aus der Gesellschaft. Im Bezug auf diese wurde in den letzten Jahrzehnten <a target="_blank" href="http://www.spreeblick.com/blog/2015/08/25/entscheide-dich-endlich-deutschland/">viel versäumt</a>. Wer, um dem entgegen zu wirken, seine Bürger nun aufklären will, muss endlich anfangen, sich um sie zu kümmern. Das jedoch ist lange, harte Arbeit, das ist Gegenhalten, das ist Engagement, das ist eine sozialere Politik, und das ist vor allem Haltung. Und gerade eben kein medienwirksamer Schnellschuss, der wie so oft den Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie gehorcht.</p><p>So ist es wenig hilfreich, wenn ein Stellvertreter der Bundesregierung ausgerechnet jetzt auch nur den leisesten Anschein erweckt, er würde jedwede Verantwortung für den Zustand der eigenen Bevölkerung von sich weisen und einem privaten Unternehmen wie Facebook den schwarzen Peter zuschieben wollen. Dass auch letzteres mit seinem Vorgehen bis dato keine gute Figur macht:&nbsp;geschenkt. Denn natürlich passt es nicht zusammen, dass Facebook offenkundig kein Problem mit Hate Speech hat, aber ein übereifriger Sittenwächter ist, sobald es um nackte Haut geht.</p><p>Was unterdessen strafrechtlich relevant ist, sollte Aufgabe des Staates bleiben. Statt mit dem Netz zu fremdeln und das Feld achtlos Hasspredigern oder dem freien (Meinungs-)Markt zu überlassen, sollte man sich endlich zu einer stringenten und engagierten (Netz-)Politik durchringen. Das heißt gerade eben nicht, dass man nicht auch Unternehmen in die Pflicht nehmen darf, doch sollte man sich ebenso davor hüten, gesellschaftliche Probleme ausblenden oder privatisieren zu wollen. Dann klappt es auch mit dem Bürger.</p><p> </p><p><a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/am-braunen-stammtisch"><em>Eine Version dieses Textes erschien in Ausgabe 38/15 des Freitag</em></a></p>]]></description><media:content type="image/jpeg" url="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1442322091795-PDUW8YS42YSKAV52AF7X/image-asset.jpeg?format=1500w" medium="image" isDefault="true" width="756" height="480"><media:title type="plain">Wohin mit dem Hass?</media:title></media:content></item><item><title>Let's get lost</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Mon, 18 May 2015 10:57:39 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/5/18/instant-karmas-gonna-get-you</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:5559a349e4b081dbcc29b79c</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p><em>Let's get lost</em>&nbsp;von <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/mecookie/">Michael</a> (<a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/mecookie/3374589349/">Flickr/CC</a>)</p>
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  <p><span><span>Eben erst hat Google im Verbund mit acht europäischen Verlagen <a href="http://www.jasperkosok.com/text/2015/4/29/der-schokoladenonkel-aus-mountain-view">eine digitale Nachrichteninitiative gestartet</a>, nun launcht&nbsp;das soziale Netzwerk Facebook&nbsp;<a target="_blank" href="http://instantarticles.fb.com/">einen Dienst namens <em>Instant Articles</em></a>, mit dem es dem alterwürdigen&nbsp;Journalismus nach eigener Aussage ebenfalls&nbsp;unter die Arme greifen möchte. Wie es sich gehört, sind zum Start natürlich auch ein paar bekannte Namen dabei: In Deutschland&nbsp;diesmal der <em>Spiegel</em> und die <em>Bild</em>, international unter anderem die <em>New York Times </em>und der <em>Guardian</em>. So stellt man sicher, dass der Leser sich gut aufgehoben fühlt und der Rest der Branche das gute Stück auf jeden Fall und am besten sofort haben möchte – man will ja vorn mit dabei sein. <a target="_blank" href="http://www.simonowens.net/stop-acting-like-the-facebook-instant-articles-tool-is-something-novel">Und so wird es auch kommen</a>.</span></span></p><p><span><span>Das hat mehrerlei Gründe. Mit Instant Articles lassen sich Inhalte von Webseiten einfach, schnell und direkt in das soziale Netzwerk einspeisen und dort für den Leser blitzschnell und aufgehübscht darstellen. Kein Warten, kein in die Welt geworfen werden, nur um dann auf dem hässlichen, nicht für das jeweilige Endgerät optimiertem Portal einer x-beliebigen Publikation zu landen, sondern: Alles, sofort, hier.</span></span></p><p><span><span>Die Firma aus Menlo Park, Kalifornien, nimmt den Verlagen damit das ab, was diese seit Jahren nicht wirklich hinbekommen: Otto Normalsurfer die eigenen Inhalte so zu präsentieren, wie er sie gerne lesen würde – ohne viel Bling, Bling –, und vor allem da, wo er sie gerne lesen würde. Nämlich dort, wo er sich eh schon tummelt: in den sozialen Netzwerken.</span></span></p><p><span><span>Für den Leser ist das super, für Facebook sowieso. Und für die Verlage? Auf jeden Fall Grund genug für die <em>F.A.Z.</em>, <a target="_blank" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/facebook-und-journalismus-13592828.html">hysterisch zu reagieren</a>. Spielt man so schlussendlich nicht einem der größten Konkurrenten des hiesigen Qualitätsjournalismus in die Hände? Verliert man nicht vollständig die Kontrolle über Inhalte und Leser, wenn Artikel nur noch auf Facebook existieren? Und was, wenn Facebook sich entscheidet, den Laden selbst zu schmeißen?</span></span></p><p><span><span>Nüchtern betrachtet&nbsp;<a target="_blank" href="http://christophkappes.de/geworfen-2-titanenkaempfe/">ist Facebook kein Konkurrent</a>. Wenn Mark Zuckerberg wollte, hätte er sich längst ein darbendes Medienhaus leisten können. Will er&nbsp;aber nicht.&nbsp;</span></span><span><span>Denn während Verlage mit Inhalten dealen, <a href="http://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/in-zukunft-werden-wir-kommuniziert">lebt das System Facebook von Kommunikation,</a> herunter gebrochen auf die kleinsten Teile: Likes, Kommentare, Bilder und Verweildauer. <a target="_blank" href="https://netzoekonom.de/2015/04/30/das-internet-der-plattformen/">Die Kalifornier betreiben eine Plattform</a> und sind daran interessiert, dass diese floriert, der Kommunikationsfluss nicht abreißt. Genau das soll Instant Articles leisten: Der Leser bleibt im Biotop, die Verlage liefern den Treibstoff.</span></span></p><p><span><span>Dass jeder Artikel auch auf dem Portal des jeweiligen Mediums liegt, versteht sich dabei von selbst. Texte werden vielmehr syndiziert, denn speziell für Facebook produziert. Und Werbeeinnahmen gibt es durch Instant Articles natürlich auch, so dass sich selbst der letzte Vertriebler entspannt zurücklehnen dürfte. Alles gut also? Bedingt.</span></span></p><p><span>Denn natürlich sind Instant Articles <a target="_blank" href="http://wirres.net/article/articleview/7662/1/6/">ein weiterer Schritt hin zu einem proprietären, geschlossenen Netz</a>, an dem Facebook mit einer Konsequenz arbeitet, die fatal <a target="_blank" href="https://500ish.com/facebook-instant-karma-4a4bd4f3eca">an gute alte AOL-Zeiten erinnert</a>. Ein weiterer <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Closed_platform"><em>Walled Garden</em></a>&nbsp;also, in dem man es sich zwar wahnsinnig gemütlich machen kann, aber weder weiß, was man verpasst, noch was der Gärtner in Zukunft mit einem vorhat. Aber das war für die Abonnenten der <em>Syker Kreiszeitung</em> (Disclaimer: stellvertretend)&nbsp;vor 30 Jahren vermutlich auch nicht viel anders. Just in dem Moment, <a target="_blank" href="http://sozialtheoristen.de/2015/05/13/was-facebook-will-die-de-institutionalisierung-des-journalismus/">in dem die Rollen neu verteilt werden</a>, sollten diese Geschichten allerdings allen Beteiligten noch einmal zu denken geben.</span></p><p> </p><p><em><span>Eine Version dieses Textes <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/instant-karmas-gonna-get-you">erschien im Freitag</a>.</span></em></p>]]></description></item><item><title>Google, der Schokoladenonkel aus Mountain View</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Thu, 30 Apr 2015 05:30:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/4/29/der-schokoladenonkel-aus-mountain-view</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:5540ab96e4b00505f06ea53d</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Echte Liebe? <em>von&nbsp;<a href="https://www.flickr.com/photos/pinksherbet/">Pink Sherbet Photography</a>&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/pinksherbet/4351548677/in/photolist-7CwPPk-eUe445-5XZ8Qx-kzsete-qSeihD-frs3HC-dPMyrZ-5YF4TL-p1M3kp-pigg6v-p1Lh41-piezy3-phZgPn-p1Lu1s-pigmf8-phZeok-p1LmXE-pig5pv-p1Ldxc-pgeqgw-p1MhXb-pgeifs-pieoyh-p1Lcwp-p1MqSD-pgevzN-phYXop-p1LsAd-p1LjWA-piexKU-piguVV-p1L3VX-p1Ljqq-p1M5Si-phZ4dF-p1LfWS-pigzJx-phZaqa-p1M8CP-p1L6GD-p1Lmmt-pgeh75-p1LmQW-pgebzU-p1Lh3t-p1Lo8K-p1Mpxz-pigAx6-piebMS-p1LfYe">(Flickr/CC)</a></em></p>
          </figcaption>
        
      
        </figure>
      

    
  


  





  <p>Im Kräftemessen zwischen Google und den Verlagen scheint man einen Schritt aufeinander zu gemacht zu haben. Der Konzern aus Kalifornien kündigte gerade an, ein Programm zu starten,&nbsp;<a target="_blank" href="https://medium.com/whither-news/google-signs-a-friendship-pact-with-euro-publishers-c6113cf0e058">mit dem er innovative journalistische Ideen in Europa fördern wolle</a>. 150 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren durch einen Fonds bereitgestellt werden. An dem Projekt mit dem malerischen Namen <em>Digital News Initiative</em> sind zunächst acht renommierte europäische Medien beteiligt, darunter <span>die Financial Times und der Guardian aus Großbritannien, Les Échos aus Frankreich, NRC Media aus den Niederlanden, La Stampa aus Italien, El País aus Spanien, sowie die ZEIT und Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Deutschland</span>. Mit Google sollen sie sich außerdem in einer Arbeitsgruppe austauschen. Zwar steht das Programm in Zukunft auch Start-ups und reinen Onlinemedien offen, die Zusammensetzung der Gründungsmitglieder verrät jedoch&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Status_quo">Ziel</a>&nbsp;und eigentlichen Adressaten.</p><p>In Frankreich läuft bereits seit längerem ein ähnliches Programm, durch das sich Google der lästigen, wenig publikumswirksamen Streitereien mit den Printverlegern zu entledigen suchte. Nun also wird dieses Prinzip des digitalen Ablasshandels auf ganz Europa übertragen. Heißt das, dass die Verlage sich <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger#Kritik_an_medialer_Berichterstattung">mit ihren Wünschen</a> <span><span>– unter anderem manifestiert in einer Peinlichkeit namens Leistungsschutzrecht –&nbsp;</span></span>ein Stück weit durchgesetzt haben? Mitnichten.</p><p>Zwar dürften die Partner sich über den warmen Geldregen freuen, der große Gewinner dieses Deals ist jedoch das Unternehmen aus Mountain View. In Zukunft wird es selbst für unbeteiligte Medien schwer sein, Googles Umgang mit journalistischen Inhalten medienwirksam zu kritisieren, ohne sich einen blinden Fleck attestieren lassen zu müssen. Die tun schließlich was! Auch der Leistungsschutzlobby dürften die eh schon spärlich gesäten Argumente langsam ausgehen, selbst wenn man sich nach wie vor nicht zu schade ist, absurde Forderungen aufzustellen (6% des deutschlandweiten Umsatzes von Google,&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.internet-law.de/2015/04/leistungsschutzrecht-vg-media-will-6-des-deutschlandumsatzes-von-google.html">der auf 3-6 Milliarden € geschätzt wird</a>).&nbsp;</p><p>Ein weiteres Problem ist die chronische Naivität der Verlage im Umgang mit dem Netzriesen, der jährlich den Umsatz eines Kleinstaates erwirtschaftet.&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.zeit.de/digital/internet/2015-04/google-medien-innovationsfonds">Wenn die&nbsp;<span>Zeit</span>&nbsp;schreibt</a>, man wolle sich in der Arbeitsgruppe „mit Google darüber austauschen, wie Bedürfnisse von Verlegern stärker in den Google-Produkten berücksichtigt werden können“, möchte man die Hamburger in den Arm nehmen und fest drücken – nachdem man ihnen eine gewischt hat. Andersherum wird ein Schuh daraus: Google findet in der Arbeitsgruppe die perfekte Plattform, um dem hiesigen Journalismus seine DNS zu injizieren. Die faktisch eh schon bestehende Abhängigkeit der Medien vom Klicklieferanten wird so&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.newsweek.com/2014/12/26/how-google-and-apple-make-their-taxes-disappear-291571.html">durch kleine Münze</a>&nbsp;um ein paar weiche Faktoren (wie das latente Mitdenken der Google-Interessen) und ein paar harte (wie Geld und Technik) verstärkt. Im Gegenzug erhalten die darbenden Verlage etwas Aufschub, der es ihnen erlaubt, den Übergang vom alten Status quo&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Disruptive_Technologie">in den neuen</a>&nbsp;mit der Unterstützung eines vermeintlich&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wohlmeinender_Diktator">wohlmeinenden Diktators</a>&nbsp;schmerzloser zu gestalten.</p><p>Etwas ketzerisch könnte man sich jetzt freilich erkundigen, wie es denn beim sogenannten Qualitätsjournalismus um die Glaubwürdigkeit bestellt ist, wenn er einem Monopolisten aktiv dabei hilft, seine Vormachtstellung zu festigen, bloß um die eigene Haut zu retten. Gerade im Hinblick darauf, dass Google bis vor kurzem für nicht wenige noch der Teufel in Pixelgestalt war, scheint die Frage nach Haltung nicht gänzlich unberechtigt. Weniger aufgeregt könnte man den Verlagen zumindest Kooperationsbereitschaft bescheinigen. Und Einsicht. Einen Kampf, den man nicht gewinnen kann, verloren zu geben, ist schließlich auch eine Qualität.</p><p> </p><p>Eine Version dieses Textes <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/ablasshandel-digital-google-und-die-150-millionen">erschien im Freitag 18/15</a></p>]]></description><media:content type="image/jpeg" url="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1430302706740-2VJDDDYJF8QLHG5A2HEZ/image-asset.jpeg?format=1500w" medium="image" isDefault="true" width="1500" height="1000"><media:title type="plain">Google, der Schokoladenonkel aus Mountain View</media:title></media:content></item><item><title>Wenn die Schwalben tief fliegen</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Thu, 19 Mar 2015 11:07:31 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/3/19/wenn-die-schwalben-tief-fliegen</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:550a0954e4b0281d9bd7b718</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p>Illustration: Susann Massute</p>
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  <p><span><span>Scheiße ist Zeitgeist, das Wort <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm">Shitstorm</a> in aller Munde, sein Gebrauch inflationär. In den seltensten Fällen laufen diese jedoch in den gleichen Bahnen ab. Da wären unter anderem die klassischen unidirektionalen (<a target="_blank" href="https://twitter.com/bvg_kampagne">das schafft z.B. die BVG regelmäßig</a>) oder eben solche, bei denen man sich nicht sicher sein kann, ob sie nicht eine Runde durchs Wirthaus drehen und <a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/anette-schavan-ueber-guttenberg-ich-schaeme-mich-nicht-nur-heimlich-1.1065529">man sich schlussendlich doch noch im Auge des Lokus wieder findet</a>.</span></span></p><p><span><span>Bei etlichen Aufregern kann man sich also schnell einigen, wer warum und freilich völlig zu Recht im braunen Regen steht. Bei anderen wiederum ist die Sache etwas komplizierter, die Erregungsmasse heterogener, so dass letztlich eine Art überdimensionales, rhizomorphes Scheiße-Ping-Pong entsteht. Am Ende sind alle eingesuhlt und stinken. Motor dafür können zwar gute Argumente sein, häufiger sind es jedoch weniger gute Absichten.</span></span></p><p><span><span>Man muss <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Kachelmann">kein ausgewiesener Scheißhausmeteorologe</a> sein, um die Themen zu identifizieren, bei denen die Schwalben besonders tief fliegen. Momentan sind das im hiesigen Netz vor allem Rassismus, die Ukraine und immer wieder Gender. Wie auch immer man sich hierzu positioniert, die Gummistiefel parat zu haben ist in jedem Fall keine gänzlich falsche Idee.</span></span></p><p><span>Dabei kann der Anlass vermeintlich noch so unzweideutig sein. <a target="_blank" href="https://twitter.com/sixtus/status/574659667273641984">Sexistischen Scheiß am Weltfrauentag posten zum Beispiel</a>. Geht nicht klar, sollte man meinen, liegt ja auf der Hand. Die Schlechtwetterfront muss man ertragen können.&nbsp;Was gibt es daran <a target="_blank" href="https://www.youtube.com/watch?v=PXatLOWjr-k">noch zu deuteln</a>? Manche werden leider erwidern: einiges. Und ab hier nimmt das Unheil seinen Lauf, der Shitstorm eine Wendung. Denn so wie es Rassisten, Nato- und Putinversteher gibt, sind da auch Menschen, die auf ihre tägliche Dosis&nbsp;pointierten&nbsp;Sexismus bestehen und für diese bis auf ihre <a target="_blank" href="https://www.youtube.com/watch?v=WTdO-w3xnpw"><em>cold dead hands</em></a>&nbsp;</span><span>kämpfen würden. Die Freiheit des Herrenwitzes wird nicht nur am Stammtisch, sondern auch in der Netzöffentlichkeit verteidigt. Oder so ähnlich.</span></p><p><span><span>Das kann man schon bringen, aber dann ist es halt für nicht wenige Scheiße. Mit letzterer wiederum wird auf der Gegenseite großzügig umgegangen, um dem eigenen Standpunkt – naja, sagen wir mal unmissverständlich – Nachdruck zu verleihen. Die fragwürdigen Mittel sind dabei häufig die gleichen wie bei anderen “umstrittenen” Themen. Man pickt&nbsp;sich exemplarisch ein paar Widersacher heraus – n=3 ist dabei ausreichend repräsentativ –, diskreditiert diese, <a target="_blank" href="http://www.mobilegeeks.de/artikel/tilo-jung-oder-die-metaphysik-der-social-media-sitten/">addiert ein paar leicht verdauliche Nebelkerzen</a> und rechnet im Anschluss wieder nonchalant aufs große Ganze hoch. Eine weit verbreitete, leider defizitäre Aufmerksamkeitsspanne tut ihr übriges.&nbsp;Applaus klatschen zum Beispiel.</span></span></p><p><span><span>Die hohe Kunst der digitalen Inkontinenz besteht darin, die weniger guten Interessen (hier: Sexismus) so zur Entfaltung zu bringen, dass sie wie der Kampf für die ganz, ganz, ganz großen Werte (hier: Meinungsfreiheit) erscheinen. Spätestens dann sind nämlich alle Mittel recht. Denn wenn Sexismus Meinungsfreiheit ist, muss im Umkehrschluss der, der Sexismus nicht so optimal findet, der Feind eines guten Demokraten sein. Jede aufgeklärte Frau wird so zur potenziellen Schläferzelle, in der Lage, die Welt, wie wir sie kennen, in ihren Grundfesten zu erschüttern. Darunter geht es nicht. </span></span></p><p><span><span>Sobald sich dann auch noch eine erklärte – Achtung, Reizwort – Feministin öffentlich erregt, ist des Weiteren klar, dass der tobende Mob maximal fremdgesteuert ist. Big Sister is watching you. Im Zweifelsfall flüstert sie dir bereits ins Ohr, was du zu denken hast, allzeit bereit zur feindliche Übernahme, wenn ihr nicht eh längst die Welt gehört (Hint: <a target="_blank" href="http://www.suhrkamp.de/buecher/die_maennliche_herrschaft-pierre_bourdieu_29631.html">unwahrscheinlich</a>). Hiergegen muss freilich etwas getan werden. Da fällt auch nicht weiter ins Gewicht, dass sich der ideologisch völlig unverdächtige Otto Normalbürger an Fotos stören könnte, auf denen Frauen umgetreten werden. Ganz einfach aus&nbsp;Mitgefühl, Sensibilität oder sowas. Argumentativ drückt man halt gern mal ein Auge zu.</span></span></p><p><span><span>Wer Sexismus sagt, muss also auch von Feminismus sprechen. Feministinnen sind der biologische Erzfeind des Mannes, <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binnen-I">der deutschen Sprache</a> und nicht zuhinterst des gepflegten Herrenwitzes. Über letztere könnten sie gerüchteweise dennoch schon <a target="_blank" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/bringt-tilo-jung-krautreporter-in-bedraengnis-13479292.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2">einmal gelacht haben</a>. Was – denkt man es einmal in dieser Logik und unter der Prämisse der Sippenhaft konsequent zu Ende – im Grunde dem gesamten Feminismus die Legitimation entzieht, mindestens aber die Debatte um Sexismus als bigott und von Doppelmoral durchsetzt entlarvt. Wer A sagt, muss auch A sagen, immer wieder und frei jedweden Kontextes. Sonst wird das – zumindest phonetisch – nichts mit dem Shitstorm. Spätestens dieses Argument sollte auch dem letzten Verschwörungsideologen einleuchten.</span></span></p><p><span><span>Der Sexist wird so von hinten durch die Brust ins Auge <a target="_blank" href="http://www.publikative.org/2015/03/15/der-fall-tilo-jung-und-die-empoerung-ueber-die-empoerung/">zum Märtyrer</a>, zum Opfer, der seinen guten Ruf im Dienste der Sache ehrenhaft dahin gab, und das obwohl: “das wird man doch noch sagen dürfen”. Ihn als das zu bezeichnen, was er ist, sei die wahre Schandtat, das unerträgliche Besudeln einer frisch geborenen Ikone der Freiheit. Im Gegenzug werden wie selbstverständlich vermeintlich humorlose Feministinnen als hysterische Täterinnen stigmatisiert, unter falscher Flagge durch den Dreck gezogen und oberlehrerhaft gemaßregelt. Sie haben es nicht anders verdient, denn: “das hätten sie jetzt nicht sagen dürfen”.</span></span></p><p><span><span>Sauber weg kommt dabei freilich niemand, allein die Fronten sind “geklärt”. Dafür, dass man aber von einem klärenden Gewitter hätte sprechen können, wäre hüben wie drüben&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.journelle.de/4647/kraut-schuld-und-suehne/">ein differenzierter&nbsp;Blick</a> von Nöten gewesen. Weniger Absichten, mehr Argumente. So allerdings wird man auch in Zukunft wieder in der Scheiße sitzen dürfen und über selbige schreiben. Hach, ja.</span></span></p>]]></description></item><item><title>Das Billigbiotop</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Thu, 19 Mar 2015 08:00:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/3/18/das-billigbiotop</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:55098514e4b063029d869088</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p>Schön wär's von <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/yuichirock/">yuichirock</a>&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/yuichirock/3372818108/in/photolist-7znSL-rcZc75-693zjm-693zhC-693zk5-68Ynrc-68Yntr-68Ynqe">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p>Im Netz wird wieder einmal diskutiert, ob es richtig oder falsch ist, einen Werbeblocker zu nutzen. Anlass ist eine aktuelle,<a target="_blank" href="http://www.sueddeutsche.de/digital/klage-von-axel-springer-gegen-werbeblocker-software-gericht-sieht-wenig-chancen-fuer-adblock-plus-verbot-1.2387229">wenig aussichtsreiche Klage des Axel-Springer-Verlags</a>. Zwar sind einige Praktiken des beklagten Anbieters von Adblock Plus fragwürdig, das Ausblenden von Werbung an sich ist jedoch vermutlich in Ordnung. Und wieder einmal drängt sich der Eindruck auf, dass, wenn inhaltlich nicht viel zu holen ist, die Moralkeule geschwungen wird.</p><p>Dieses Mal stand hierzu Karsten Lohmeyer, Editorial Director von<span>The Digitale,</span>&nbsp;einer Publikation der Deutschen Telekom,&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.lousypennies.de/2015/03/10/warum-ich-mir-lieber-einen-arm-abhacken-wuerde-als-einen-adblocker-zu-benutzen/">Gewehr bei Fuß</a>. Er verkündete, als Journalist würde er sich eher einen Arm abhacken als einen Adblocker zu nutzen. Nicht zuletzt seien Anzeigen ja ein Teil des Geschäftsmodells des digitalen Journalismus. Und wer säge schon freiwillig an dem Ast, auf dem er sitzt? Applaus, Applaus.</p><p>Zwar klingt das zunächst schlüssig, lässt aber sowohl in Sachen Autoren- als auch Leserverständnis einiges zu wünschen übrig. Zunächst sind Journalisten nicht gerade bekannt dafür, gern auf einer digitalen Reeperbahn zu arbeiten. Viele Kollegen drucken ihre Texte zum Lesen sogar noch aus. Papier ist still und blinkt nicht. Die Natives wiederum lesen in&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Feedreader">RSS-Feedreadern</a>, die einen Besuch auf der Webseite unnötig machen. Auch<a target="_blank" href="http://lifehacker.com/5894995/bookmark-and-read-later-apps-compared-read-it-later-vs-instapaper-vs-readability">Anwendungen, die ein reizarmes Lesen ermöglichen</a>, erfreuen sich bei der schreibenden Zunft nicht zufällig wachsender Popularität. Wer arbeiten will, braucht einen klaren Geist.</p><p>Wendet sich Lohmeyers Aufruf insgeheim also doch an den Leser? Verständlich wäre es, denn die Masse derer dürfte wesentlich mehr Einfluss auf die Einnahmen haben. Trotzdem muss man dem Leser doch mindestens so viel Souveränität wie beim guten alten Papier einräumen: Mit einem Wisch ist alles weg. Diese Möglichkeit ist leider auf den wenigsten Webseiten gegeben.</p><p>Das Problem der Werbung – sie nervt und bringt kaum Geld – ist wiederum ein selbst gemachtes. Frühzeitig verramschten Zeitungen im Netz sowohl ihre Artikel als auch die dazugehörigen Werbeplätze. So entstanden neben den „kostenlosen“ Bleiwüsten Billigbiotope, die nicht nur optisch unangenehm an die Hochzeiten der Klingeltonwerbung auf dem Musiksender MTV erinnern. Auch hier wollte niemand mehr frische, gut bezahlte Werbung schalten,&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.youtube.com/watch?v=v8CIDdKvUkg">nachdem der Crazy Frog das Kommando übernommen hatte</a>. Der Ausgang ist bekannt.</p><p>Hüben wie drüben ist das Kind mehr in den Brunnen gestoßen worden, als dass es gefallen ist. Schuld daran waren allerdings gerade nicht Zuschauer oder Leser. Letztere können froh sein, dass sie durch Adblocker heute in die Lage versetzt werden, sich diesem teilweise wahnwitzigen Kuriositätenkabinett entziehen zu können, um ihrem Namen gerecht zu werden.</p><p>Anstatt also immer wieder neue, bigotte Appelle gegen Werbeblocker zu verfassen und den Fehler überall außer bei sich selbst zu suchen, sollten Medienschaffende die eigenen Vermarkter auf Kurs bringen und sich darauf konzentrieren, ein Umfeld zu erzeugen, das für die Leser und für hochwertige Werbung gleichermaßen attraktiv ist. Qualitätsjournalismus hat schließlich seinen Preis.</p><p> </p><p>Eine Version dieses Textes erschien <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/billigbiotop-online-journalismus">in Ausgabe 12/15 des Freitag</a></p>]]></description></item><item><title>Was nicht passt, wird passend gemacht</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Sat, 14 Mar 2015 16:07:59 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/3/6/was-nicht-passt-wird-passend-gemacht</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54f9a09de4b0b89d0061dc91</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p><em>Überflüssig: Tauriel und Legolas</em> Bild: Presse/Still</p>
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  <p><span>Frei heraus: <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hobbit_%28Filmtrilogie%29"><em>Der Hobbit</em> nervt</a>. Seinem Regisseur Peter Jackson gelang das vermeintliche Kunststück, ein knapp 300 Seiten starkes Kinderbuch bis zur Unkenntlichkeit aufzublasen und daraus eine Trilogie von epischer Länge – insgesamt neun Stunden – zu machen, die zu ertragen man mehr Popcorn braucht, als der von 3D-Effekten geplagte Magen nur ansatzweise vertragen könnte. On top gibt es noch eine Ménage-à-trois aus Orlando Bloom, <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Evangeline_Lilly#Television">der einen aus <em>Lost</em> – Freckles! –</a> und einem Zwerg. Muss das sein?</span></p><p><span>Es gibt Menschen, die diese Frage verneinen. Und es gibt solche, die es nicht dabei belassen. Anfang des Jahres <a target="_blank" href="https://tolkieneditor.wordpress.com/">veröffentlichte ein unbekannter Cutter unter dem Alias Tolkieneditor</a> eine Version des <em>Hobbit&nbsp;</em>im Netz, die alle drei Jackson-Teile in einem nur knapp vier Stunden dauernden Film vereint. Dabei legte er wert darauf, das existierende Filmmaterial so zu nutzen, dass das Ergebnis <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/J._R._R._Tolkien">J.R.R. Tolkiens</a> Original so nah wie möglich käme.</span></p><p><span>Bis auf ein paar verzeihbare Anschlussfehler, die nicht weiter ins Gewicht fallen, ist dem selbsternannten Tolkieneditor ein durchaus beeindruckendes Werk gelungen, das im Gegensatz zu Jacksons Version mit größerer Dichte, einer schlüssigeren Handlung und weniger Disneyland aufwartet. Puristen und Cineasten dürften ihre Freude daran haben.</span></p><p><span>Der Tolkieneditor ist nicht der erste Schnittmeister, der sich ungefragt an Hollywoods Erzeugnissen vergreift. Sogenannten <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Fan_edit"><em>Fan edits</em> haben im Netz inzwischen Tradition</a>. Für eine breitere Öffentlichkeit wurden sie das erste Mal im Jahr 2000 wahrnehmbar, als zunächst auf VHS, dann im Internet mit dem <em>Phantom Edit</em> eine Version von <em>Star Wars Episode 1</em> auftauchte, die ebenfalls versuchte, das Original zu entschlacken und ihm den gebührenden Ernst zu verleihen. Lange hielt sich das Gerücht, das <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kevin_Smith">Kevin Smith</a>, Regisseur von <em>Clerks </em>und<em> </em>später von <em>Stirb langsam 4,</em> für das Bootleg verantwortlich war; tatsächlich stammte die Version von dem professionellen Cutter <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mike_J._Nichols">Mike J. Nichols</a>.</span></p><p><span>Dass konsumerable Edits zunächst von Profis angefertigt&nbsp;wurden, änderte sich mit der Verbreitung von High Speed Internet und illegalen Tauschbörsen. Plötzlich war jedermann in der Lage, sich riesige Datenmengen und damit Downloads in Bluray-Qualität zu besorgen, diese mithilfe – ebenso zugänglicher – professioneller Schnittsoftware zu bearbeiten und wieder ins Netz zu stellen.</span></p><p><span>So entwickelte sich eine wachsende Szene rund um Seiten wie <a target="_blank" href="http://fanedit.org/"><span><em>fanedit.org</em></span></a>, die sich nicht mehr nur damit begnügte, Filme zu zerstückeln und umzuschneiden. Geeks begannen, Korrekturen vorzunehmen und den Streifen ein verändertes <em>look and feel</em> zu verpassen. Das wohl bekannteste Beispiel ist die <a target="_blank" href="http://originaltrilogy.com/forum/topic.cfm/Harmys-STAR-WARS-Despecialized-Edition-HD-V25-MKV-IS-OUT-NOW/topic/12713/"><em>Despecialized Edition</em> der <em>Star Wars</em>-Episoden 4 bis 6</a>, die sich erfolgreich bemüht, den Klassikern von vor über 30 Jahren den reduziert-nostalgischen Charme alter VHS-Kassetten in Bluray-Qualität wiederzugeben.</span></p><p><span>Die Produktionsfirmen sind derweil nicht immer einverstanden mit den Bootlegs, die zumeist frei verfügbar im Netz kursieren. So musste der vielleicht berühmteste, öffentlich bekannte Fan Editor, Regisseur <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Steven_Soderbergh">Steven Soderbergh</a> (<em>Sex, Lügen und Video</em>, <em>Ocean’s Eleven</em>), seine von Kritikern durchaus geschätzten Versionen von Kubricks <em>2001: Odyssee im Weltraum</em>&nbsp;und Spielbergs <em>Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes</em> <a target="_blank" href="http://reason.com/blog/2015/01/21/steven-soderbergh-copyright-hypocrite">wieder von seiner Webseite entfernen</a>.</span></p><p><span>Es ist nach wie vor umstritten ist, inwiefern das amerikanische Prinzip des <a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Fair_use"><em>fair use</em></a>, das nicht autorisierte Nutzungen von geschütztem Material unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, auf die Hobby-Cuts zutrifft. <a target="_blank" href="http://fanedit.org/"><span><em>Fanedit.org</em></span></a> verzichtet deshalb auf das Listen von Versionen, die offensichtlich auf raubkopierten Inhalten basieren. Das führt dazu, dass die populärsten Edits im Heimathafen der Freizeit-Cineasten gar nicht erst anlanden. Diese Edits wiederum werden zumeist von Cuttern angefertigt, die auffällig viel Wert auf Anonymität legen (müssen).</span></p><p><span>Aus kreativer Sicht wäre es&nbsp;falsch, die aufkeimende Szene auf ihr Schattendasein zu reduzieren. Neben viel Ausschuss finden sich Raritäten, die mit so viel Hingabe fabriziert wurden, dass sich kommerzielle Filmemacher daran ein Beispiel nehmen könnten – Idealismus und ein Schuss Romantik hätten der ein oder anderen Produktion bei der Erstherstellung nicht schaden können. Im Zweifelsfall ist das aber nicht von Belang, denn: Was nicht passt, wird passend gemacht.</span></p><p> </p><p>___</p><p>Eine Version dieses Textes <a target="_blank" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/was-nicht-passt">erschien in Ausgabe 11/15 des Freitag</a>.</p>]]></description></item><item><title>Viraler Weg in den Olymp</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Mon, 23 Feb 2015 08:55:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/2/21/viraler-weg-in-den-olymp</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54e86428e4b02904f4cf6b67</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Von&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/korosirego/">Rego Korosi</a>&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/korosirego/4481461680">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p>Auch nach zehn Jahren wird Youtube allzu oft noch missverstanden, indem es nur als eine Art Mediathek mit kommerziellen und nutzergenerierten Inhalten wahrgenommen wird. Dabei übersieht man etwas Entscheidendes: Die Videoplattform ist vor allem ein soziales Netzwerk, und zwar eines der wichtigsten weltweit. Youtube hat pro Monat&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.youtube.com/yt/press/de/statistics.html">mehr als eine Milliarde aktive Nutzer</a>&nbsp;und stellt damit zum Beispiel Twitter deutlich in den Schatten.&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.journalism.org/2013/11/14/news-use-across-social-media-platforms/">Laut einer aktuellen Studie</a>&nbsp;konsumieren Amerikaner mehr Nachrichten via Youtube als via Twitter. Dabei gilt der Microbloggingdienst vielen –&nbsp;<a target="_blank" href="http://netzoekonom.de/2015/02/06/facebook-baut-anteil-am-news-sharing-auf-91-prozent-aus/">irrtümlicherweise</a>&nbsp;– für Neuigkeiten nach wie vor als soziales Medium Nummer eins. Was den Musikkonsum im Netz betrifft, ist Youtube dem darauf spezialisierten Netzwerk Soundcloud ebenfalls&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.thedrum.com/news/2014/08/29/young-people-more-likely-turn-youtube-music-spotify-or-soundcloud">meilenweit voraus</a>. Kurz: Youtube ist allgegenwärtig.</p><p>Diese Dominanz fußt auch darauf, dass die visuelle Kommunikation mit der Verbreitung von mobilen Endgeräten und leistungsstarken Internetanschlüssen gerade einen beispiellosen Boom erlebt. Bilder und Videos lassen sich heute mit jedem Smartphone ebenso einfach erstellen wie verbreiten und anschauen. Und sie können eine Geschichte oft eindrucksvoller und schneller erzählen, als dies Wörter oder Klänge vermögen.&nbsp;<a target="_blank" href="http://insights.wired.com/profiles/blogs/the-rise-of-the-visual-web-and-your-new-social-media-marketing#axzz3RRlWZ1c3">Bilder wirken</a>.</p><p>Die soziale Komponente von Youtube wiederum lässt in der digitalen Welt einen altvertrauten Mythos neu aufleben – den Traum, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu bringen. Oder übersetzt in die Welt der Prominenz: vom Nobody zum Superstar. Theoretisch kann jedes eingestellte Video zum viralen Hit werden. Auf einer statischen Webseite, auf der es nicht möglich ist, einen Beitrag immer und immer wieder mit Freunden und Followern zu teilen, gibt es diesen Welleneffekt dagegen nicht. Das macht Youtube so attraktiv – und zur Keimzelle für neue Künstler, die ab einer gewissen Netz-Bekanntheit auch meist den Sprung ins herkömmliche Verwertungssytem der Popindustrie schaffen.</p>























<img data-load="false" data-image-focal-point="0.5,0.5" src="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1424516201186-88KHJR07UKFE3YPAXM6V/Bildschirmfoto+2015-02-21+um+11.56.27.png?format=1000w" />


  <p><a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Justin_Bieber">Justin Bieber</a>&nbsp;ist einer der heutigen Popgrößen, die zunächst durch eine treue und wachsende Zahl von Youtube-Fans auf sich aufmerksam machten. 2007, als Bieber gerade 13 Jahre alt war, stellte seine Mutter Videos ihres singenden Sohnes ins Netz. Wenig später wurden Produzenten auf den jungen Kanadier aufmerksam und nahmen ihn unter ihre Fittiche. Ab da ging es steil bergauf. Biebers Einkommen wurde für 2014&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.luxusleben.info/justin-bieber-vermoegen/">auf 70 Millionen Euro geschätzt</a>. Youtube war und ist allerdings mehr als nur Sprungbrett für seine Karriere. Nach wie vor sind die Aktivitäten von Bieber und seinen Fans, den&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.urbandictionary.com/define.php?term=Belieber">„Beliebern“</a>, in sozialen Netzwerken der Motor seiner Popularität – und damit seines kommerziellen Erfolgs.</p>























<img data-load="false" data-image-focal-point="0.5,0.5" src="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1424516276873-UW0XTB04OCBUCSKEOQMU/Bildschirmfoto+2015-02-21+um+11.57.45.png?format=1000w" />


  <p>Ähnlich verhält es sich bei der Sängerin&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lana_Del_Rey">Lana Del Rey</a>. Ihr Erfolg wirkte jedoch schon früh viel kalkulierter als der von Bieber. So fütterte sie soziale Netzwerke und Blogs vom Start weg gezielt mit ausgereiften und durchproduzierten Musiktracks und Videos, die sie umsonst zum Anhören oder Runterladen anbot. Sie nutzte so erfolgreich die Mechanik des<span>&nbsp;social net</span>&nbsp;und katapultierte sich durch den hohen digitalen Verbreitungsgrad mit jeder Menge&nbsp;<span>bloglove</span>&nbsp;rasch in den Fokus der Musikinteressierten – auch außerhalb des Netzes. Damit lieferte sie eine Art Blaupause für viele Künstler, die heute versuchen, zunächst im Netz mit&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.datpiff.com/">kostenlosen und zielgruppengerechten Inhalten</a>&nbsp;populär zu werden, um ihre so entstandene Bekanntheit später in Bares umzumünzen.</p>























<img data-load="false" data-image-focal-point="0.5,0.5" src="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1424516394976-ZQU6VJSVY5VUBRMVSVLG/Bildschirmfoto+2015-02-21+um+11.59.41.png?format=1000w" />


  <p>Die gesamten Möglichkeiten der Videoplattform nutzte dann aber so richtig 2012 der koreanische Sänger&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Psy_%28S%C3%A4nger%29">Psy</a>, der mit seinem K-Pop-Hit&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gangnam_Style"><span>Gangnam-Style</span></a>&nbsp;in zuvor nicht geahnte Höhen vordrang. Dabei basiert der Erfolg des Originals vor allem darauf, dass sein Video und der darin aufgeführte „Pferdetanz“ von Fans überall auf der Welt parodiert und wieder ins Netz gestellt wurden. Psy verzichtete ausdrücklich auf die Verwertungsrechte seines Gangnam Styles und ermöglichte so, dass dieser ein Paradebeispiel für die Remixkultur wurde. Dank der viralen Verbreitung wurde sein Musikvideo zum meistgeklickten Netzvideo aller Zeiten.</p><h2>In die Charts dank Videoklicks</h2><p>Gangnam stellte in zweierlei Hinsicht auch einen Wendepunkt für die Musikindustrie dar. So verdiente Psy 2012 zwar in Südkorea nur 60.000 Dollar mit dem Verkauf seiner Single, nahm jedoch im selben Zeitraum<a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gangnam_Style">&nbsp;eine Million Dollar mit Werbung ein</a>, die vor Youtube-Videos gezeigt wurde. Seit dem Erfolg des Songs wurden außerdem die Youtube-Abspielzahlen und digitalen Verkäufe herangezogen, um offizielle Musik-Charts zu erstellen. Auch für etablierte Stars ist es daher heute so wichtig, auf Youtube präsent zu sein.</p><p>Das auf Frontalunterricht und feste Sendezeiten limitierte Musikfernsehen ist unterdessen in der völligen Bedeutungslosigkeit verschwunden. Videos werden heute vor allem produziert, um möglichst „viral zu gehen“, sich ihren Weg von Zuschauer zu Zuschauer und nicht vom Sender zum Zuschauer zu bahnen. Die gegen Ende der 90er Jahre populäre These, dass pompöse Musikvideos in der darbenden Musikbranche überhaupt nicht mehr zu realisieren seien, hat sich aber nicht bewahrheitet.</p><p>Im Gegenteil, Musikfernsehen im Netz ist vielfältiger denn je. Einerseits weil die Major Labels erkannt haben, dass sich mit dem bewegten Bild nach wie vor Geld machen lässt. Andererseits weil sich mit Laptop, Kamera, Kreativität und Know-how heute Dinge realisieren lassen, die vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar waren.</p>























<img data-load="false" data-image-focal-point="0.5,0.5" src="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1424892035138-ZHW3AI8372X4UQWLPQUE/Bildschirmfoto+2015-02-25+um+20.19.49.png?format=1000w" />


  <p id="yui_3_17_2_2_1424891970077_6454">In Deutschland geht man aber teilweise weiter einen Sonderweg. Das liegt vor allem an der&nbsp;<a target="_blank" data-cke-saved-href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_musikalische_Auff%C3%BChrungs-_und_mechanische_Vervielf%C3%A4ltigungsrechte" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_musikalische_Auff%C3%BChrungs-_und_mechanische_Vervielf%C3%A4ltigungsrechte">Gema</a>, die sich um die Verwertungsrechte von Musikern kümmert. Die Gema ist dafür verantwortlich,&nbsp;<a target="_blank" data-cke-saved-href="https://www.google.de/search?q=gema+youtube&amp;tbm=isch" href="https://www.google.de/search?q=gema+youtube&amp;tbm=isch">dass deutsche Internetnutzer häufig nur ein schwarzes Feld sehen</a>, welches freundlich darauf hinweist, dass das angeklickte Video Inhalte enthält, die Youtube in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht zeigen darf. Die Idee dahinter ist, den schwerreichen Youtube-Mutterkonzern Google durch Amtsschikane und die Ausdünnung seines Angebots dazu zu zwingen, Künstler an den Einnahmen zu beteiligen, die die Videoplattform generiert. Bei Google ist man allerdings der Meinung, die Möglichkeit, durch die Plattform Millionen von Nutzer zu erreichen, sei schon Entlohnung genug.&nbsp;<a target="_blank" data-cke-saved-href="http://en.wikipedia.org/wiki/Blocking_of_YouTube_videos_in_Germany" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Blocking_of_YouTube_videos_in_Germany">Der Streit schwelt seit sechs Jahren</a>, eine Einigung ist nicht in Sicht. Beide Seiten haben einen beeindruckend langen Atem.</p><p>Betrachtet man den Erfolg, den einige Künstler durch Youtube weltweit haben, könnte man meinen, dass die Gema mit ihrem Verhalten denen, deren Interessen sie vertreten soll, eher schadet denn nützt. Berechtigte Zweifel an ihrem Vorgehen lassen sich zumindest nicht von der Hand weisen. Hat Youtube also recht? Einige Künstler verzichten jedenfalls schon jetzt explizit darauf,&nbsp;<a target="_blank" data-cke-saved-href="http://www.spreeblick.com/2012/09/20/wie-man-die-gema-verlasst-und-trotzdem-bei-der-gema-bleibt-auf-eine-art/" href="http://www.spreeblick.com/2012/09/20/wie-man-die-gema-verlasst-und-trotzdem-bei-der-gema-bleibt-auf-eine-art/">ihre Interessen von der Verwertungsgesellschaft vertreten zu lassen</a>. Und Zuschauer und Musikfans sind vor allem eins: genervt. Denn auch wenn es ziemlich einfach ist,&nbsp;<a target="_blank" data-cke-saved-href="https://www.google.de/webhp#safe=off&amp;q=gema+umgehen+youtube" href="https://www.google.de/webhp#safe=off&amp;q=gema+umgehen+youtube">die Youtube-Sperre zu umgehen</a>, wirkt sie doch störend. Das Angebot gleicht so weiter einem Flickenteppich.</p><p>Durch ihre internationale Strahlkraft ist Youtube auch hierzulande nach wie vor die relevanteste Videoplattform. Dennoch kann das volle Potenzial des sozialen Netzwerks wegen dieser Rechtsstreitigkeiten nicht ausgeschöpft werden – weder von den Nutzern noch von den Anbietern. Auch andere Streamingplattformen für kommerzielle Formate wie Filme oder Serien fassen nur schwer Fuß. Deutschland gebärt sich aus verschiedenen Gründen, aber eben auch wegen rechtlicher Barrieren, als digitales Schwellenland. Für den Zuschauer bleibt zu hoffen, dass sich das bald ändert. Vielleicht ja bis zum nächsten YouTube-Jubiläum.</p><p>Dieser Text erschien <a target="_blank" data-cke-saved-href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/viraler-weg-in-den-olymp" href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/viraler-weg-in-den-olymp">in&nbsp;Ausgabe 07/15 des Freitag</a></p>]]></description></item><item><title>We are the 7 Percent</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 17 Feb 2015 10:35:24 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/2/14/obefypyqul5jfx4u464orqd6arufnw</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54df68cce4b00f1b0312ec69</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Nummer 7 von&nbsp;<a href="https://www.flickr.com/photos/65172294@N00/">get directly down</a>&nbsp;(Flickr/CC)</p>
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        </figure>
      

    
  


  





  <p><span>Unlängst wurde&nbsp;<a href="http://www.musicbusinessworldwide.com/artists-get-7-of-streaming-cash-labels-take-46/">eine Studie veröffentlicht</a>, die besagt, dass in Frankreich ein Löwenanteil dessen, was Nutzer monatlich an&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Musikstreaming">Streaming-Dienste</a>&nbsp;wie <em>Spotify</em> zahlen, direkt in die Taschen der großen Major Labels fließt. Demnach sackt die&nbsp;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Major-Label">“Musikindustrie”</a>&nbsp;– bestehend aus <em>Universal</em>, <em>Sony</em> und <em>Warner Music</em> – in etwa 46% der Umsätze direkt ein, 21% gehen an die Plattformen, die sich jedoch zumindest – wie im Fall&nbsp;Spotify&nbsp;– zum Teil&nbsp;<a href="http://www.swedishwire.com/jobs/680-record-labels-part-owner-of-spotify">im Besitz der Majors befinden</a>. 17% streicht der Fiskus ein, weitere 10% wandern an die schreibende Zunft. Den Musikern selbst bleiben noch mickrige 7%.</span></p><p>Obwohl&nbsp;diese Zahl niedrig&nbsp;erscheint, bewegt sie sich doch im Rahmen dessen, was Künstler schon in den letzten Jahren bei einem direkten Download auf Plattformen wie&nbsp;<em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/ITunes_Store">iTunes</a></em>&nbsp;anteilig abgreifen konnten.&nbsp;<a href="http://www.delamar.de/musikbusiness/musikbiz-was-musiker-so-an-einer-cd-verdienen-1926/">Je nach Studie</a>&nbsp;(und deren Auftraggeber) geht man hier von 4 bis 19% aus. Selbst die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten verspricht wenig Besserung. Beim – zugegeben umfangreicheren – Verkauf von Hardcopies gingen Künstler in der Regel mit gerade einmal 4 bis 12% nach Hause.</p><p><span>Mit den Umsätzen von CDs ist in Zukunft jedoch sowieso kein Blumentopf mehr zu gewinnen,&nbsp;<a href="http://www.theatlantic.com/business/archive/2015/01/buying-music-is-so-over/384790/">glaubt man dem&nbsp;<em><span>Atlantic</span></em></a><span>.</span>&nbsp;Der sieht allerdings auch auf Downloads keine rosigen Zeiten zukommen. Für beide Formate ging es im vergangenen Jahr im unteren zweistelligen Prozentbereich abwärts. Anders sieht es derweil beim Musik-Streaming aus. Mit einem satten Anstieg um die Hälfte scheint sich der noch junge Markt zum Hoffnungsträger eines Industriezweigs zu entwickeln.&nbsp;</span><span>Den Phönix gibt derweil eine betagte Dame namens Vinyl. Deren Umsatz schoss ebenfalls um knapp die Hälfte in die Höhe und macht unterdessen immerhin wieder 3,5% des gesamten Tonträgerverkaufs aus. Vinyl wird so auch wieder für die großen Player interessant.</span></p><p>Die Renaissance der Schallplatte&nbsp;und der Verfall digitaler Downloads umreißen das&nbsp;Phänomen eines Umdenkens. Die Einsicht, dass es sich nicht lohnt, digitale, körperlose Musik zu besitzen, scheint&nbsp;zum Konsumenten durchzudringen<span>. Die geringe Wertschätzung spiegelte sich bereits jahrelang in illegalen Downloads wider. Des Weiteren wurden Live-Auftritte im Vergleich zum insgesamt doch darbenden Geschäft mit digitalen Hardcopies&nbsp;<a href="http://www.spiegel.de/kultur/musik/boom-geschaeft-popkonzerte-viele-bands-spielen-immer-noch-fast-fuer-umsonst-a-671591.html">wirtschaftlich enorm aufgewertet</a>, sodass die Faustregel für den Musikmarkt heute lautet: Für Sammler und Fans zählen Haptik und Erlebnis, für Otto Normalverbraucher hauptsächlich Zugang.</span></p><p><span><span>Auf letzteres scheinen die Majors inzwischen gut vorbereitet. Vom neuen Trend profitieren – glaubt man den Zahlen – vor allem sie. Dank der traditionellen Marktmacht hat man sich&nbsp;<a href="http://www.michaelrobertson.com/archive.php?minute_id=358">in eine hervorragende Ausgangsposition manövriert</a>. Wenig überraschend stellen sich dementsprechend die gefeaturten Künstler auf <em>Spotify</em>, <em>Deezer</em> &amp; Co dar. Auch dass die Musikempfehlungsapp des alternativen Onlinemagazins&nbsp;<em><span><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pitchfork_Media">Pitchfork</a></span></em>&nbsp;in der Bestenliste des&nbsp;Spotify-Appfinders&nbsp;noch einen Platz vor der Billboard Top Charts-App (6.) rangiert, ist wohl eher den Nachwehen der Early Adopters denn der vermeintlich Horizonte erweiternden&nbsp;<span>Social Hearing</span></span><span>-Experience geschuldet. Abseitige, alternative Musik findet man auch hier nur auf den zweiten Klick.</span></span></p><p><span>Unterdessen bleibt dem Durchschnittsmusiker auch beim Streaming nicht viel mehr als die Hand im Mund. Neben rückläufigen CD-Verkäufen und Auftritten, deren Entlohnung im Zweifelsfall gerade ausreicht, um Reisekosten, Instrumente, Equipment, Schallplatten, Kost und Logis zu begleichen und sich ein Taschengeld zu gönnen, sorgt der Rücklauf aus Streamingplattformen ebenfalls nicht gerade für überbordenden Optimismus. Selbst eine durchaus renommierte Band wie&nbsp;<em><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Grizzly_Bear_(band)">Grizzly Bear</a></em>&nbsp;verdient nach eigenen Angaben&nbsp;<a href="http://potholesinmyblog.com/grizzly-bear-says-they-dont-make-money-from-streaming-services/">mit 10.000 Plays nur knapp 10$</a>&nbsp;– die auf 5 Mitglieder aufgeteilt werden. Andere Künstler wiederum haben resigniert und kümmern sich erst gar nicht darum, ihre Tantiemen einzutreiben.</span></p><p><span>Was bleibt, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten. Davon, dass diese nicht verloren geht, leben die Majors. Sie orchestrieren den Mythos vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird, immer und immer wieder. Brot und Spiele sind ein Evergreen. Die Industrie&nbsp;schenkt&nbsp;dem Markt Superstars, die den potenziellen Nachrückern als Wunschbild dienen für all das, was möglich ist, falls denn dieser Traum nur wahr würde. Das System Musikindustrie lebt von dieser Elitenbildung – und dem gutgläubigem&nbsp;Unterbau.</span></p><p><span>Um diesen auf Kurs zu halten, schürt man Angst vor illegalen Downloads und Raubkopien, vor schrumpfenden Märkten mit sinkenden Erträgen, vor der Kostenloskultur und&nbsp;dem Internet selbst. Das vernebelt die Sicht aufs Wesentliche und&nbsp;auf die Frage, wer hier wem das Geld aus der Tasche zieht. Denn selbst wenn das Internet&nbsp;<a href="http://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/das-problem-der-urheber-oder-malen-nach-zahlen">nicht nur positive Effekte hat</a>, geht es den Majors weitaus besser als man gemeinhin denkt. Doch&nbsp;<a href="http://www.musikindustrie.de/fileadmin/piclib/statistik/branchendaten/jahreswirtschaftsbericht-2013/download/140325_BVMI_2013_Jahrbuch_ePaper.pdf">während Musik-Märkte wieder zu wachsen beginnen</a>, kommt bei den meisten Urhebern selbst nach wie vor wenig an. Sie sind die Leidtragenden der traditionellen Umverteilung von unten nach oben, die die Maschine “Musikindustrie” am Laufen hält. Was also ist die Arbeit des Musikers im Vergleich zum Verwerter, dessen Aufgabe lediglich der Verkauf dieser Arbeit ist, wert?&nbsp;Die&nbsp;Realität sagt: nicht viel. Und sie lehrt uns, dass sich daran wenig ändern wird.</span></p>]]></description><media:content type="image/jpeg" url="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1424169309861-UST0TKLVSI1MT3GEJ2SH/image-asset.jpeg?format=1500w" medium="image" isDefault="true" width="1500" height="1189"><media:title type="plain">We are the 7 Percent</media:title></media:content></item><item><title>Man hat Recht</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 03 Feb 2015 22:40:20 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/2/3/man-hat-recht</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54d14d8ae4b07cf788e93e08</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p>Illustration: Susann Massute</p>
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  <p>“Vor ein paar Tagen postete Jan Böhmermann ein Bild auf Twitter. Was dann geschah, werden sie nicht glauben.” So oder ähnlich hätte ein beliebiges Clickbaiting-Portal vermutlich die Mediengeschichte der letzten Woche betitelt. Normalerweise folgt im Anschluss daran trotzdem etwas, was vor allem eins ist: vorhersehbar. Auch hier wird keine Ausnahme gemacht: Ein Moderator tut, was alle tun, obwohl es nicht rechtens ist. Ein Fotograf beruft sich auf sein gutes Recht, obwohl dies nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was draußen an den Geräten passiert. Dazu gebe man eine Abmahnkanzlei,&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kai_Diekmann">einen BILD-Chefredakteur</a>, einen gehörigen Schuss Halbwissen und ein paar Tausend Fans und Follower. Voilà: Double Shitstorm.</p><p>Doch von Anfang an: Als Antwort auf einen Tweet von Sybille Berg postet Jan Böhmermann ein Bild des Fotografen Martin Langer, welches er&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.google.de/search?q=nazi+lichtenhagen&amp;source=lnms&amp;tbm=isch">bei Google gefunden hat</a>. Es zeigt einen inkontinenten Nazi in Milieu(<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_in_Rostock-Lichtenhagen">Rostock-Lichtenhagen</a>)-typischer Pose. Die Kanzlei des Fotografen mahnt den Moderator ca. 6 Monate später ab.&nbsp;<a target="_blank" href="https://twitter.com/janboehm/status/557939189434810368">Böhmermann informiert seine ca. 160.000 Follower auf Twitter</a>&nbsp;über diesen Vorgang. Dabei nennt er Namen des Fotografen und Höhe der Abmahnsumme (1000 €). Der Graben ist geschlagen.</p><p>Der Fotograf Langer&nbsp;<a target="_blank" href="http://kwerfeldein.de/2015/01/28/eine-geschichte-zum-thema-urheberrecht-im-internet/">fühlt sich an den Pranger gestellt</a>, auch weil sich Böhmermann in einer Radiosendung zusammen mit Kollege Olli Schulz&nbsp;<a target="_blank" href="http://media.rbb-online.de/rad/podcast/zwei_alte_hasen/zh_20150125_180000.mp3">medienwirksam über den Vorfall amüsiert</a>. Von Pranger will der Moderator mit Abstrichen – die Namensnennung war nicht ok – nichts wissen. Böhmermann deutet stattdessen an, dass das mit der Abmahnpraxis ja eher keine so saubere Sache sei. Sie treffe nicht nur Leute wie ihn, sondern auch Otto Normalverbraucher in gleicher Härte.&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.facebook.com/jboehmermann/posts/923492107683313%20">Davor hätte er warnen wollen</a>. Langer wird im Netz bedroht.</p><p>Der Fotograf Sascha Rheker&nbsp;<a target="_blank" href="http://freelens.com/nicht-lustig-herr-boehmermann">springt derweil seinem Kollegen auf freelens.com bei</a>&nbsp;und weist mehrfach und nachdrücklich darauf hin, dass dieser schließlich im Recht sei. Außerdem ginge es nur um 906€ und sowieso nicht nur um Geld, sondern auch Kontrolle über das “wer darf was”. Das Verhalten von Böhmermann findet er schäbig. Er postet einen Screenshot des Tweets von Böhmermann, auf dem das urheberrechtlich geschützte Bild deutlich zu erkennen ist. Der Wohl-doch-Blogger Felix Schwenzel wiederum&nbsp;<a target="_blank" href="http://wirres.net/article/articleview/7491/1/6/">weist darauf hin</a>, dass man sich im Internet praktisch nicht mehr bewegen kann, ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen.&nbsp;<a target="_blank" href="https://twitter.com/KaiDiekmann/status/561097037731876864">Kai Diekmann twittert</a>. Die sogenannte Netzgemeinde&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.facebook.com/derfreitag/posts/10153084131437922">ist gespalten</a>&nbsp;und&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/urheberrecht-2-0-diek-und-boehmermann-gehen-voran/">erregt</a>.</p><p>Zwei Dinge sind – neben den offensichtlichen – an dieser Geschichte problematisch. Erstens wirft die eine Seite der anderen vor, zu sein, was sie ist. Ein urheberrechtlich geschütztes Bild zu posten und zu erwarten, dass der Fotograf daraus keinen Profit schlägt, ist zwar möglich,&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.internet-law.de/2015/01/noch-ein-paar-gedanken-zu-boehmermann-und-dem-urheberrecht.html">aber nach jetzigem Rechtsstand naiv</a>.&nbsp;<a target="_blank" href="https://twitter.com/janboehm/status/560350915388272640">Einen Moderator der Generation Remix</a>&nbsp;abmahnen zu lassen und zu erwarten, dass dieser aus diesem Umstand keinen medialen Profit schlägt, ist zwar möglich, aber ebenfalls naiv. Der jeweils anderen Seite ihr Verhalten vorzuwerfen, ohne das eigene zu Genüge zu reflektieren, ist wohlfeil.</p><p><span>Zweitens könnte man die Energien, die bei einem solchen Scharmützel öffentlichkeitswirksam verbraucht werden, um möglichst viele Menschen hinter sich und seine Meinung zu scharen, besser nutzen. Denn beide Seiten können und dürfen sich nur so aufführen, weil alltägliche Praxis und Legislative ihnen den Spielraum lassen. Sinnvoll wäre, gemeinsam darauf zu drängen, die klaffende Lücke zwischen Lebenswirklichkeit im Netz und geschriebenem Gesetz zu schließen, zumindest aber zu verkleinern. Damit Nutzer sich nicht dauer-kriminell bewegen müssen, damit Werke ordentlich entlohnt werden und dem Internet nicht die gute Laune abhanden kommt. Da ist es maximal um die Ecke gedacht hilfreich, wenn zwei Medienschaffende, die schlussendlich im selben Boot sitzen, sich auf Kosten des anderen profilieren. Selbst wenn es schwer fällt, man hat ja schließlich Recht.</span></p>]]></description><media:content type="image/png" url="https://images.squarespace-cdn.com/content/v1/54776fe5e4b03c29747aa5fc/1423005325571-PGT1UJFIMXQK7FYVYRVB/image-asset.png?format=1500w" medium="image" isDefault="true" width="1500" height="844"><media:title type="plain">Man hat Recht</media:title></media:content></item><item><title>Die Verrezeptierung der Welt</title><category>Text</category><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Thu, 24 Jul 2014 16:24:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/die-verrezeptierung-der-welt</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54b6a660e4b06fad9b869122</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p><em>Networking</em> von&nbsp;Norlando Pobre <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/npobre/8437956869">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p>"Alles bleibt anders", sagte nicht nur – aber auch – Herbert Grönemeyer, allerdings&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.youtube.com/watch?v=2XuONGCT9wM">explizit ohne Netz</a>. Mit letzterem leben wir nun schon eine Weile. Und trotzdem muss man sich nach wie vor die Frage gefallen lassen, warum sich die meisten von uns dennoch scheinbar unreflektiert in der neuen digitalen Welt bewegen. Das könnte damit zusammen hängen, dass die innere Kosten-Nutzen-Rechnung instinktiv und (meist) unbewusst positiv ausfällt – was freilich mehr Erklärung denn Blankoscheck ist. Das Internet bedient auf einer abstrakten Ebene sehr natürlich menschliche Triebe und Bedürfnisse (hier ausnahmsweise: Neugier, Vernetzung). Es ist eine&nbsp;<a target="_blank" href="http://blog.koehntopp.de/archives/3101-Die-Serendipitaetsmaschine.html">Serendipitätsmaschine</a>.</p><p><span>Durch ihren Motor angetrieben erleben wir eine – relativ zur Vergangenheit – beschleunigte “Verrezeptierung der Welt”, die sich in einem Netzwerk manifestiert, welches seine Grenzen immer und immer wieder von Neugier getrieben und Zufall begünstigt überwindet. Die Frequenz, mit der dieser Prozess voranschreitet, hat ein Niveau erreicht, welches der Menschheit ein (permanentes) Umdenken hinsichtlich den ökonomischen wie gesellschaftlichen Regeln abverlangt.</span></p><p>Doch von Anfang an. Zunächst gab es den Glücksfund, ein anderer Begriff dafür ist Serendipität. Er ist Ergebnis einer unstillbaren Neugier nach Neuem und ermöglichte es dem Menschen, seine Umwelt zu begreifen und Vorgefundenes zu nutzen oder nutzbar zu machen. An dieser Stelle müssen wir uns den Menschen als einen ewig Suchenden&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Name_sei_Gantenbein">vorstellen</a>.</p><h2>Ein neugieriger Geist</h2><p>Was aber beschreibt Serendipität genau?&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t">Die Wikipedia sagt</a>, sie sei eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. „Der Zufall [ – allerdings – ] begünstigt nur einen vorbereiteten Geist“, so der Entdecker&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Pasteur">Pasteur</a>. Die Menschheit besitzt einen solchen, neugierigen Geist, selbst wenn Pasteur wohl mehr auf einzelne Akteure der Spezies anspielte. Es sind jedoch zweifelsohne Eifer und Neugier mit einem Schuss Glück – ohne fixes Mischverhältnis –, die Menschen die Grenzen der bekannten Welt immer weiter nach außen verschieben lassen.</p><p><span>Eine Grenze lässt sich jedoch nur verschieben, wenn der Weg zu ihr bzw. über sie hinaus wiederholt werden kann. Erst die Erkenntnis, dass man z.B. Korn immer wieder und kontrolliert auf einem Feld anbauen kann, ermöglichte Landwirtschaft und damit ein Stück zivilisatorischen Fortschritt. Der Mensch selbst strebt – getrieben durch oben beschriebenen Cocktail – danach, diesen Fortschritt beständig voran zu treiben, ist auf der Suche und trägt damit zur "Verrezpetierung der Welt" bei.</span></p><p><span>Auf dieser Suche wurden und werden immer wieder neue Wege beschritten, Punkte miteinander verbunden, die vorher getrennt voneinander existierten. Unter diesem Gesichtspunkt könnte man Kolumbus als eigentlichen Entdecker der “neuen Welt” bezeichnen, unabhängig davon, ob einige schon vor ihm da waren. Sein Verdienst war, zwei Kontinente dauerhaft miteinander zu verknüpfen. Seine “Entdeckung” lies sich wiederholen.</span></p><h2><span>Eine abstrakte Anleitung zur Wiederholung</span></h2><p>Wenn also zwei abstrakte Punkte miteinander verbunden werden, entsteht zwischen ihnen ein Weg, etwas fixes. Ein Weg ist jedoch letztlich nichts anderes als reproduzierbare Veränderung, so wie ein Rezept nicht mehr denn eine abstrakte Anleitung zur Wiederholung ist. Straßen, Seerouten, aber auch&nbsp;<a target="_blank" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Walter_White_(Breaking_Bad)">Walter White</a>&nbsp;oder&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tim_M%C3%A4lzer">Tim Mälzer</a>&nbsp;zeigen uns, wie man von A nach B kommt, wie man Dinge immer und immer wieder von einem in den anderen Zustand überführt. All dies macht die "verrezeptierte Welt" aus.</p><p>Lässt man sich auf diese Idee ein, wird schnell deutlich, dass es selbst für einen Apfelkuchen nicht nur Verflechtungen zwischen A und B, also zwei Punkten, geben kann, sondern viel Mehr ein Gewirr aus Verflechtungen, Abzweigungen und Querverbindungen besteht. So bahnen sich Hefe, Milch und Äpfel ihren Weg auf unseren Tisch: vom Hof, über die Autobahn in den Supermarkt, bezahlt mit der EC-Karte, über die U-Bahn, durch Mamas Kochbuch, in den Backofen. Menschliches Handeln kann also als die Erschaffung, Nutzung und Ausweitung eines abstrakten Netzwerks bestehend aus&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhizom_(Philosophie)">rhizomorph</a>&nbsp;und<a target="_blank" href="http://www.duden.de/suchen/dudenonline/mehrdimensional">multidimensional</a>&nbsp;miteinander verwobenen Verknüpfungen bzw. Rezepten verstanden werden.</p><p>Eine besondere Rolle nimmt hierbei der&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Knotenpunkt_(Verkehr)#Datenverkehr">Knotenpunkt</a>&nbsp;ein, da er – speziell im Hinblick auf die subjektive Serendipität des einzelnen Akteurs – eine Unzahl von Möglichkeiten eröffnet, sich im Netzwerk zu bewegen. Als klassisches Beispiel für die gestiegene Aktivität an Knotenpunkten kann man das Phänomen der&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung">Verstädterung</a>&nbsp;heranziehen. Nicht nur dorthin – in die Stadt – treibt es den Menschen von jeher. Es treibt in dazu, alles miteinander zu vernetzen. Ein Blick auf die Landkarte genügt (<a target="_blank" href="http://www.latein-pagina.de/pics/referate/bau/strassen.jpeg">alt</a>,&nbsp;<a target="_blank" href="https://goo.gl/maps/bgSTo">neu</a>).</p><h2>Eine kosmische Membran</h2><p>Den Endzustand dieser menschlichen Vernetzung beschrieb der in einschlägigen Wissenschaftszweigen viel zitierte Kommunikationswissenschaftler, Philosoph und Katholik<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan">Marshall McLuhan</a>&nbsp;als “kosmische Membran,&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Noosph%C3%A4re">die Noosphäre</a>, die sich durch die elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus gelegt hat“. Oder anders: als „ein technisches Gehirn für die Welt“. Dieses Konzept geht (vermutlich) auf den Jesuiten-Priester&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Teilhard_de_Chardin">Pierre Teilhard de Chardin</a>&nbsp;zurück, der sich mit seiner These von der “auf die Errichtung eines Organismus des kollektiven Bewusstseins gerichteten Evolution”, durch die sich Gott zeigen würde, in den 1930er Jahre in der Kirche nicht nur Freunde machte. Heute ist das anders. Ein glühender Verehrer soll unter anderem Joseph Ratzinger, Papst a.D. sein.</p><p>Teilhard gilt daher einigen als einer der ersten&nbsp;<a target="_blank" href="http://archive.wired.com/wired/archive/3.06/teilhard.html">Vorhersager des Internets</a>. Andere konstatieren dennoch kritisch, dass durchaus häufig „der Prophet dem Forscher [Teilhard] die Feder aus der Hand genommen hat“ (A. Portmann). Teilhard und seine Ideen waren und sind nach wie vor umstritten. Sicherlich auch, weil er seine durchaus interessanten wissenschaftlichen Thesen spirituell überlud.</p><p>Spirituelle Überladungen wiederum finden sich meist in den Grenzbereichen dessen, was als bekannt gilt. Das, was wir nicht kennen, jedoch zu erklären, finden oder entdecken suchen, ist per definitionem zunächst mystisch. Es liegt außerhalb unseres Netzwerks, unserer Erkenntnisraums.&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heuristik">Mit einem Schuss Heuristik</a>&nbsp;wird daraus eine Wette auf die Zukunft – oder eben auf das nächste Rezept –, etwas woran wir maximal glauben, wovon wir uns aber zumindest etwas versprechen.</p><h2>Erneuerer vs. Bewahrer</h2><p>So wie auch der klerikale Glaube nicht selten einen eher ökonomischen Hintergrund besitzt, verhält es sich auch hier. Im Spannungsfeld, an der Vorfront des kulturellen Netzwerks, findet ein Glaubenskampf statt, der von&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_oeconomicus">Homo Oeconomicus</a>ausgetragen wird. Es sind die Erneuerer, die Glücksritter, die etwas zu gewinnen und die Bewahrer, die etwas zu verlieren haben. Dass die Rollen im Erfolgsfall getauscht werden, ist dabei eher Regel denn Ausnahme.</p><p>Wenn er etwas Nützliches entdeckt, will Oeconomicus davon – möglichst exklusiv – profitieren können. Diese Position wird einerseits von Nachahmern, Nutznießern, aber auch von denjenigen, die eine bessere Idee als er selbst haben, bedroht. Also baut er Grenzen – mit&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Patent">Papier</a>,&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digitale_Rechteverwaltung">Code</a>&nbsp;oder&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Agentur_f%C3%BCr_die_operative_Zusammenarbeit_an_den_Au%C3%9Fengrenzen">Maschendraht</a>– je nach Bedarf. Er treibt einen Keil ins Netzwerk.</p><p>Folgte man aber den Ideen von Teilhard und McLuhan würde eben gerade dieses Handeln eine Vernetzung des Menschen – und damit dessen Weg zur Himmelspforte – behindern. Grenzen könnte man dementsprechend als artifiziell und unchristlich bezeichnen. Eine Feststellung, die man auch aus anderen Gründen teilen kann. Etwas häretisch könnte man dem allerdings entgegen halten, dass Arbeit sich wieder (bzw. weiterhin) lohnen muss. Der Teufel steckt in der&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Distinktion">Distinktion</a>.</p><h2>Zugang ist das Zauberwort</h2><p>Nichtsdestotrotz finden sich auch Anzeichen für ein zaghaftes Umdenken.&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Share_Economy">Sharing-Ökonomien</a>&nbsp;oder&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Source">Open Source-Initiativen</a>&nbsp;sind Beispiele dafür, wie man versucht, althergebrachte ökonomische und gesellschaftliche Schemata aufzubrechen. Das populäre ‘Bagatelldelikt’ der Netz-Piraterie verdeutlicht, dass der Mensch frei nach&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.youtube.com/watch?v=t3UzcjTZGSU&amp;list=RDt3UzcjTZGSU">Hollywood-Comedian Charlie Murphy</a>&nbsp;ein&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.urbandictionary.com/define.php?term=habitual+line+stepper">‘Habitual Linestepper’</a>&nbsp;– ein gewohnheitsmäßiger Grenzüberschreiter – ist. Er will sich als Subjekt ebenfalls&nbsp;<a href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/das-problem-der-urheber-oder-malen-nach-zahlen">frei und ungebremst bewegen</a>, weiterentwickeln und lässt sich nur widerwillig in Schranken weisen. Nicht umsonst schreibt Elfriede Jelinek in diese Kerbe stoßend,&nbsp;<a target="_blank" href="http://mlrm.de/?p=609">“das Internet sei Gott”</a>. Zugang ist das Zauberwort.</p><p>Das Problem am ungehinderten Zugang zu Immaterialgütern ist allerdings, dass diese ihren analogen, geldlichen Wert erst durch<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Knappheit">künstliche Verknappung</a>, die Begrenzung ihrer Nutzung, erhalten. Würde man diese Grenzen einreißen, führte dies gleichzeitig zu ihrer Entwertung – zumindest monetär. Dass der Ruf nach einem&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen">Bedingungslosen Grundeinkommen</a>&nbsp;gerade heutzutage immer lauter wird, ist dementsprechend kein Zufall, sondern eine erste Reaktion auf das vermeintliche [sic!] Paradoxon zwischen hoher Nachfrage nach Information bei gleichzeitiger Entwertung dieser.</p><p>Zugang macht jedoch ebenso wenig vor den Grenzen nach innen halt. So verschwimmen diese ebenfalls zwischen dem, was sich vor der dem Zeitalter der Digitalität fein säuberlich in die Schubladen Arbeit oder Privatleben stecken ließ. Eine ganze Generation neuer Berufstätiger kämpft um eine gesunde&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Work-Life-Balance">Work-Life-Balance</a>&nbsp;– oder wird dies in Zukunft vermehrt tun müssen. Die Privatsphäre – ein durch die Verfassung geschützter Raum, eine kulturelle Errungenschaft – erlebt dieser Tage eine defacto-Entwertung, wie sie sich unsere streitfreudigen Eltern nur schwerlich (hätten) vorstellen können.</p><p><span>So ist es wenig verwunderlich, dass wir einen Glaubenskrieg erleben, der irgendwo zwischen Titelseite, Telefon und Tafel ausgefochten wird. Es geht um erschütterte Überzeugungen, überholte Regeln und umkippende Märkte – immer und immer wieder. Schuld daran ist der Mensch selbst, ein rastloser Wanderer zwischen Hab- und Neugier. In diesem Sinne: Grüß Gott!</span></p>]]></description></item><item><title>Darum braucht es Blogs</title><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Wed, 26 Feb 2014 17:23:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/darum-braucht-es-blogs</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54b6a623e4b07f864ebd8bd9</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p><em>Blog&nbsp;</em>von&nbsp;Christian Schnettelker <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/manoftaste-de/14045819341">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p><a href="https://www.freitag.de/@@search?SearchableText=wolfgang+michal&amp;SubmitSearch=Suche">Wolfgang Michal</a>, Mitherausgeber von&nbsp;<span>Carta</span>, einem der bekanntesten Blogs Deutschlands, das in der Unterzeile gänzlich unbescheiden „digitale Öffentlichkeit, Politik und Ökonomie” für sich behauptet, hat unter dem Titel&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.carta.info/70351/braucht-es-uns-noch/">„Braucht es uns noch?“</a>einen Abgesang auf sein ureigenes Medium geschrieben. Das Blog könne sterben gehen, die alten Medien hätten aufgeholt, dazugelernt, ach was, die Blogosphäre längst überflügelt. Wer heute etwas über digitale Dinge wissen wolle, könne sich getrost bei der alten Riege –&nbsp;<span>FAZ</span>,&nbsp;<span>Zeit</span>,&nbsp;<span>Süddeutsche</span>&nbsp;und wie sie nicht alle heißen – informieren. In den Blogs würde man inzwischen eh nur wiederkäuen, was auf den Startseiten der Verlagshäuser ehemals frisch und knackig war.</p><p>Michal. Blogs. Sterben. Das muss man erst mal sacken lassen. Sollte es sich bei dem Betreiber des heiß geliebten Aggregats der hiesigen Netzwelt etwa um einen verkappten FC-Bayern-Fan handeln? Einen, der plötzlich da stehen will, wo oben ist?</p><p>Natürlich hat Michal auch Recht. Die Portale der Zeitungen haben unendlich mehr Feuerkraft als es die meist aus persönlichem Antrieb heraus gestalteten Blogs jemals haben werden. Technisch haben sie den zusammengeschusterten Webseiten alles voraus. Dort, wo Know-How fehlt, wird es dazugekauft. Man gönnt sich auch mal einen&nbsp;<a target="_blank" href="http://saschalobo.com/">Sascha Lobo</a>. Oder eine Batterie schreibender Mitarbeiter, die&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/">fleißig übersetzen</a>&nbsp;was internationale Netzmedien vorbeten. Selbst für aufwendige Recherchen ist Zeit, Geld und Personal vorhanden. Und die&nbsp;<a target="_blank" href="http://re-publica.de/">re:publica</a>, Hort der deutschen Netzbewegung? Längst fest in der Hand der alten Medien.</p><p>Warum also dagegen anschreiben? Ist man als Blogger doch eh langsamer, unterbezahlter und zu guter Letzt noch ungelesener. Erfolg ist – das wissen wir nicht erst seit Uli Hoeneß –&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.google.de/search?hl=de&amp;q=uli+hoene%C3%9F&amp;tbm=nws">käuflich</a>. Und&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.google.de/search?q=pep+guardiola&amp;tbm=isch">sexy</a>. Das gilt nicht nur für den&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.youtube.com/watch?v=JHnei5bv9aA">wiedererstarkten Stern des Südens</a>, sondern auch für die Journaille.</p><p>Ungeachtet dessen lieferte Michal die Antwort auf das Warum unlängst selbst. Verlage sind Tendenzbetriebe mit Blattlinien, die dem Streben nach Wahrheit nicht selten im Weg stehen. Das sah man anschaulich an der Debatte um das&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f%C3%BCr_Presseverleger">Leistungsschutzrecht</a>. Nicht im Leben hätte man im Gros der Redaktionen daran gedacht, gegen etwas anzuschreiben, dessen gesamtgesellschaftlicher Nutzen – vornehm ausgedrückt – zweifelhaft, das dem eigenen Überleben aber durchaus dienlich ist. Pluralismus ist seit jeher ein hohes Gut. Solange genug für alle da ist und man selbst am sattesten wird.</p><p>Der Netzphilosoph Clay Shirky sagte einst, Publizieren sei kein Job und auch keine Industrie mehr, es sei viel mehr nur noch ein Knopf. Es ist wichtig, dass alle diesen Knopf drücken können. Und dies auch tun. Ob es sich nun um Journalisten, Blogger oder Trolle handelt. Eine liberale, aufgeklärte und pluralistische Gesellschaft muss sich dies sowohl leisten können als auch wollen.</p><p>Der Leser, dieses mystische Wesen, wird immer Orte brauchen, an denen ihn Publizisten wie Wolfgang Michal fernab des Mainstreams mit der Nase auf Dinge stoßen, die vielleicht nicht so leicht verdaulich, dafür aber wahrhaftig sind. So wie es zum Beispiel&nbsp;<span>Carta</span>&nbsp;während der perfiden Leistungsschutzrecht-Kampagne&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.carta.info/tag/leistungsschutzrecht/">getan hat</a>&nbsp;(und tut). Selbst wenn diese Orte nicht mehr Blogs heißen sollten, ist es unverzichtbar, dass es Menschen gibt, die weiterhin ihren Knopf drücken. Der Leser wird es danken. Und der FC Bayern wird nicht jedes Jahr<a target="_blank" href="http://www.youtube.com/watch?v=hh2iSJDBdco">Deutscher Meister</a>.</p>]]></description></item><item><title>Bildet Banden!</title><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Fri, 14 Jun 2013 16:23:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/bildet-banden</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54b6a5f3e4b0ebc96d99adc5</guid><description><![CDATA[<figure class="
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          <figcaption class="image-caption-wrapper">
            <p><em>Handshake</em> von Aidan Jones <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/aidan_jones/3575000735">(Flickr/CC)</a></p>
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  <p>Vieles ist in letzter Zeit darüber geschrieben worden, wie Zeitungen zu retten seien. Es wurde an die Moral des Lesers appelliert und an dessen Bereitschaft, für Qualität zu zahlen, es wurden bezahlbare Mehrwerte und Paywalls angekündigt und schlussendlich umgesetzt. So ist unter anderem kürzlich mit viel Tamtam Springers Bezahlangebot&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.bild.de/faq/artikel/bildplus/bildplus-30427008.bild.html">Bild+ gestartet</a>. Nicht wenige schauen hoffnungsvoll auf das Verlagshaus, dessen Alleinstellungsmerkmal seit jeher ist zu wissen, wie man etwas gut verkauft. Schenkt man einigen Kommentatoren Glauben, geht es der Zeitungsbranche aber um mehr als den schnöden Götzendienst an Hermes, dem Gott der Kaufleute. Vielmehr geht es darum, mit dem eigenen Fortbestehen das Überleben der Demokratie zu sichern. Das sind&nbsp;<a href="https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/schluss-mit-kostenlos-warum-man-dem-springer-verlag-glueck-wuenschen-muss">große Worte</a>.&nbsp;</p><p>Die Debatte wird emotional geführt, es geht schließlich ans Eingemachte. Nicht wenig des Gesagten oder Geschriebenen darf man daher wohl getrost – oder beunruhigt – als gefechtshitzig bezeichnen. Vieles fußt vor allem auf der Sehnsucht nach den guten alten Zeiten und hat nur bedingt mit dem zu tun, was inzwischen fernab der Redaktionsräume passiert. Darauf einzugehen ist zwar notwendig, wurde aber an&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.neunetz.com/">anderer Stelle</a>schon zur Genüge getan. Hält man jedoch an einigen der durchaus richtigen Grundprämissen fest – zum Beispiel dem Überleben einer Branche, die tatsächliche eine Rolle in dieser Demokratie zu spielen hat, dem Wunsch nach Qualitätsjournalismus und einem Angebot, das Leser bereit sind zu zahlen – und orientiert sich mit etwas kühlerem Kopf an dem, was anderswo geschieht, so könnte man eine Idee davon bekommen, wie die deutsche Verlagslandschaft – zumindest teilweise und ausdrücklich im Konjunktiv – zu retten wäre. Aber wie könnte das funktionieren?</p><p>Es geht schließlich um eine Branche, die bis dato nicht mit einem tragfähigen Finanzierungsmodell für Online aufwarten kann. Sie sieht sich neben sinkenden Einnahmen aus dem Kerngeschäft – also dem Papier – einem Kunden gegenüber, dessen Konsumverhalten sich in den letzten Jahren deutlich und nachhaltig geändert hat. So scheint evident, dass eine Vielzahl von Menschen, die zum Beispiel früher noch von Tageszeitungen (Aktualität) oder Lokalzeitungen (Ort) abhängig waren, heute verstärkt auf internetbasierte Angebote setzen, die sowohl überregional als auch lokal, aktuell, aber eben auch billiger bzw. “kostenlos” agieren können. Otto Normalverbraucher bekommt mehr für weniger.</p><h2>Das Angebot muss stimmen</h2><p>Der Begriff „kostenlos“ jedoch ist insofern irreführend, als dass er unterstellt, dass die Inhalte “as in free beer” zur Verfügung gestellt werden. Das werden sie freilich nicht. Um in den Genuss dieser Inhalte zu kommen, muss der surfende Kunde erstens über einen (bezahlten) Internetzugang verfügen und zweitens in der Regel Werbung betrachten. An ersterem verdient der Verlag nichts, an zweiterem wenig. Unumstößlich bleibt jedoch, dass der Kunde auf die eine oder andere Art und Weise bereit ist, für Inhalte zu zahlen – auch, wenn das Geld je nach Blickwinkel mitunter nicht da ankommt, wo es ankommen soll. Dass online prinzipiell eine Zahlbereitschaft besteht, sieht man auch an den Verkaufszahlen diverser&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/App_Store">AppStores</a>, an Streaming-Angeboten wie&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spotify">Spotify</a>, an Stores wie iTunes oder an dem Umstand, dass ein Gros der ganz normalen Einkäufe inzwischen via Amazon, Ebay &amp; Co digital eingetütet werden. So lang eben das Angebot stimmt. Und das tut es online meistens.</p><p>Zurück zum ominösen Leser. Dessen Konsumverhalten beschränkt sich inzwischen in den seltensten Fällen auf ein Produkt allein – etwa eine Zeitung, ein Nachrichtenportal oder ein Blog. Im Gegenteil, es dürfte unterdessen eine Vielzahl von Infotainmentjunkies geben, die zum Beispiel das Feuilleton der<span>Zeit</span>&nbsp;genauso zu schätzen wissen wie den Sportteil der&nbsp;<span>Bild</span>-Zeitung, während sie sich über Netzthemen vielleicht doch lieber<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Blogosph%C3%A4re">fernab der Verlagsangebote</a>&nbsp;informieren wollen. Ganz zu schweigen davon, dass die ausländische Konkurrenz nicht schläft und beispielsweise bei den Themengebieten Tech, Musik und Kunst mehr als nur mitreden kann. Umso globaler das Angebot wird, desto vielfältiger wird auch die Nachfrage – eine Entwicklung mit offenem Ende.</p><p>Geht man also davon aus, dass der heutige Konsument bereits eine monatliche Grundpauschale für seinen Internetzugang zahlt, mit Werbung beschallt wird und gleichzeitig ein breit gefächertes Informationsverhalten an den Tag legt, ist nicht weiter verwunderlich, dass die bereits existierenden Bezahlangebote der Verlage bis dato wenn überhaupt nur zögerlich wahr genommen werden.</p><p>Das hat zwei Gründe. Erstens orientieren sich die Preise solcher Angebote in der Regel krampfhaft an Papierpreisen, die auf quasimonopolistischen Marktvorraussetzungen vergangener Tage beruhen, und dadurch zweitens zu hoch liegen, um das gesamte Budget eines Lesers im Hinblick auf das inzwischen wesentlich vielfältiger Konsumverhalten online in nur einen Anbieter zu investieren. Was wir momentan vielerorts beobachten, ist das Ausformulieren von Angeboten, die am Internetnutzer, dem Neukunden des sagenumwobenen Wachstumsmarktes, vorbei gehen.</p><h2>Verlage sollten sich zusammenschließen</h2><p>Vor allem für kleinere Verlage, im Grunde jedoch für die gesamte Branche, kann es daher auf lange Sicht – blendet man einmal den staatlichen Kohlepfennig à la&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturflatrate">Kulturflatrate</a>&nbsp;aus – eine lohnende Möglichkeit geben, darauf zu reagieren. So könnte neben den klassischen Abos, Zusatzangeboten und Online-Werbung ein weiteres zukunftsträchtiges Standbein etabliert werden. Unter der Prämisse, dass dabei sowohl Vielfalt als auch Qualität erhalten bleiben soll, bleibt: ein Zusammenschluss des Angebots. Dieser "Zusammenschluss" könnte wiederum auf<a target="_blank" href="http://derstandard.at/1369363607324/Todespirale-die-man-aufhalten-kann">unterschiedlichste Arten</a>&nbsp;verwirklicht werden. Die Möglichkeiten sprengen problemlos den Rahmen dieses Textes.</p><p>Um irgendwo anzusetzen, könnte man sich zum Beispiel eine gemeinsame Paywall vorstellen, eine Art&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Single_Sign-on">Single Sign-on</a>&nbsp;für Bezahlangebote auf den verschiedenen Webseiten der Medienhäuser. Für den Endverbraucher interessant daran wäre die Möglichkeit, auf die Artikel verschiedenen Ursprungs zurückzugreifen, aber nur einmal zentral zu zahlen und sich danach frei bewegen zu können. Dabei wäre die Ausformulierung eines konkreten Angebotes natürlich eine Herkules-Aufgabe – ganz zu schweigen davon, in welcher (Gesellschafts-)Form es sich realisieren ließe.&nbsp;</p><p>Zu klären wären endlose Detailfragen, wie zum Beispiel, inwiefern und ob der Nutzer auf das gesamte Angebot zurückgreifen kann, ob er oder sie ein monatliches Kontingent zur Verfügung hat, wie die Erlöse unter den Anbietern aufgesplittet werden, wie und ob der User und sein Leseverhalten getrackt werden und vor allem: wie der Preis gestaltet werden müsste, um die verschiedenen Bedürfnisse des Endverbrauchers zu bedienen. Schlussendlich ist der Preis immer noch das wichtigste Instrument hinsichtlich Strategie, Marketing und damit Erfolg. Sich zu einigen dürfte für die Verlage neben der<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Denkverbot">generellen Bereitschaft</a>&nbsp;eine größere Hürde als die technische sein.</p><p>Bei diesem Modell würde eine Art dezentrales Verlagsnetzwerk auf den verschiedenen Angebotsseiten entstehen, das nichts Gravierendes an den bestehenden Lesegewohnheiten des Internetnutzers ändern würde.</p><p>Eine andere Möglichkeit – eine, die ich selbst weitaus spannender finde – wäre eine Art&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spotify">Spotify</a>&nbsp;für Journalismus. Eine zentrale Plattform – als App oder Seite –, auf der sich alle [sic!] Verlagsangebote tummeln. Auf dieser könnte sich der Nutzer sein eigenes Medien-Menu aus einzeln abonnierten Autoren, Zeitschriften, Ressorts und den Empfehlungen seiner Kontakte zusammen stellen: ein auf Geschmack zugeschnittenes Aggregat, tagtäglich aufs Neue. Selbst die Verlage müssten zum Beispiel durch In-Apps nicht auf ihr alther gedientes Branding verzichten und könnten den Leser weiterhin bei der Hand nehmen. Denkbar – und wünschenswert – wäre ebenfalls, dass so eine Plattform freien Autoren und Bloggern die Möglichkeit bieten würde, ihre Texte fernab jeglicher Verlagsbindung anzubieten. Produkt und Konsument kämen sich ein Stück näher.</p><h2>Ein Spotify für Journalismus</h2><p>Beide Modellskizzen – sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss – haben Vor- und Nachteile, schließen sich aber per se nicht aus. Sie könnten sogar gut miteinander funktionieren, wenn man die Schranken – sowohl die technischen als auch die in den Köpfen – durch Schnittstellen ersetzt. Das heißt: Wir müssen miteinander reden, anstatt den einen&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walled_Garden">“Walled Garden”</a>&nbsp;gegen den nächsten zu tauschen.</p><p>All diese Anrisse sind freilich momentan noch vage Zukunftsmusik. Wie auch immer diese Melodie eines Tages ausformuliert wird, zwei Dinge scheinen heute schon gewiss: Dass vor allem die Nebenstimmen der kleinen Verlagshäuser verstummen und nur große, finanzkräftige Player wie zum Beispiel Springer überleben werden, wenn die Branche weiterhin gegen- statt miteinander arbeitet, und dass, wenn es die Verlage hierzulande nicht tun, es jemand anderes tun wird (und man dann kleinlaut nachzieht, statt es selbst angegangen zu sein).</p><p>Das Zeitfenster, in dem man ein solche Blaupause aktiv mitgestalten kann, dürfte kurz sein. Es würde nicht verwundern, wenn man in Kürze in den Gärten eines Global Players wandelt, während man die Zeitung der Zukunft liest – ePaper gibt es dort jetzt schon. Mit der Film-, Fernseh- und Musikindustrie stehen des Weiteren genug Beispiele Spalier, die sicherstellen, dass am Ende niemand sagen können wird, man wäre nicht gewarnt worden.</p><p>Über alledem schwebt jedoch das Damoklesschwert der Gewissheit, dass durch das Netz das Angebot auf dem Artikelmarkt größer geworden ist, die vorhandene Nachfrage – und damit das Budget – jedoch nicht. Das durchschnittliche<a href="https://www.freitag.de/autoren/jan-jasper-kosok/das-problem-der-urheber-oder-malen-nach-zahlen">Kuchenstück wird daher zwangsläufig kleiner</a>. Das ist das wirkliche “Problem” des klassischen Journalismus – man kann es freilich auch als Demokratisierung der Produktionsmittel und Zerschlagung der Meinungsmonopole sehen. Das Resultat dieser volkswirtschaftlichen Binse sind sinkende Durchschnittserträge, im Großen wie im Kleinen.</p><p>Es ist dementsprechend nicht bloß eine Randnotiz, dass Autoren wie Verlage und journalistische Startups ihr Kerngeschäft vermehrt mit Nebentätigkeiten zu finanzieren versuchen. Mit Worten allein lässt sich in den seltensten Fällen genug Geld verdienen. Dieses Phänomen wird sich auch nicht mehr grundlegend ändern. Im Gegenteil. Die Zeiten, die der Branche bevorstehen, sind so stürmisch wie interessant. Kein Gadget, keine neue App und keine Idee wird in der Lage sein, die Zeit zurückzudrehen. Vielleicht aber gelingt irgendwann endlich der Schritt in die Zukunft.</p>]]></description></item><item><title>In Zukunft werden wir kommuniziert</title><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 23 Oct 2012 16:21:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/in-zukunft-werden-wir-kommuniziert</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54b6a59ee4b0c2baff7f21c0</guid><description><![CDATA[<figure class="
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            <p><em>Niklas Luhmann</em> von Sonntag <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann#mediaviewer/File:Luhmann.png">(Wikipedia/CC)</a></p>
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  <p>Der Soziologe&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann">Niklas Luhmann</a>&nbsp;hätte seine Freude daran gehabt zu beobachten, wie Kommunikation in Zeiten von Facebook, WhatsApp und iMessage funktioniert. Getrieben von den uns ständig über alles benachrichtigenden mobilen Diensten sind wir nicht viel mehr als Objekte.&nbsp;Notwendige Übel&nbsp;für die&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis">Autopoiesis</a>&nbsp;der Kommunikation, die sich selbst erhaltend Ottonormalsurfer dazu zwingt, die Kanäle beständig und ohne Unterlass zu füttern. Sich heute vorzumachen, man kommuniziere (und nicht: es kommuniziert einen), fällt bei Betrachtung der jüngsten technischen Entwicklungen schwer. Die Frage, für wen wir schreiben, für uns oder das Netzwerk, also die Kommunikation an sich, dürfte zumindest für den reflektierten Anwender vermehrt zu den eigenen Ungunsten ausfallen.</p><p>Haben Facebooks Gefällt-mir-Button und 1-Click-Pendants der übrigen Netzwerke die Schwelle für Interaktion schon seit geraumer Zeit qualitativ und quantitativ auf niedrigstes Niveau herabgesenkt, gesellt sich zum Chor der niemals verstummenden Mitteilungszentren seit Kurzem eine vermeintlich unauffällige Funktion, die auf zweierlei Art für&nbsp;sozialen Stress&nbsp;bei den Partizipanten eines digitalen „Gesprächs“ führt: die Lesebestätigung. Während man bei Apples iOS den Nutzern noch die Möglichkeit gewährt, selbst zu entscheiden, ob man diese nutzt, ist sie bei zwei anderen Kommunikationsglobals – WhatsApp und Facebook – längst obligatorisch.</p><p>Auf den ersten Blick nützlich – wer möchte nicht sicherstellen, dass das Geschriebene auch beim Empfänger angekommen ist – entstehen in Wahrheit Fragen, denen sich die jeweilige Seite zwangsläufig stellen muss: „Er/Sie hat meine Nachricht gelesen – wann bekomme ich Antwort?“ Oder: „Er/Sie weiß, dass ich die Nachricht gelesen habe, sollte ich nicht zurückschreiben?“ Daraus ergibt sich ein durchaus gewollter Druck auf beide Seiten, dessen Zweck darin besteht, den Strom der Kommunikation nicht abreißen zu lassen: Autopoiesis – nur eben&nbsp;nicht die eigene.</p><p>Der Grund für den aggressiven Offenbarungseid der Kommunikationsunternehmen findet sich in den Grenzen des Marktes, auf dem sie operieren. Zwar vermeldete Facebook kürzlich, man habe die Schallmauer von einer Milliarde&nbsp;<a target="_blank" href="https://www.facebook.com/zuck/posts/10100518568346671">durchbrochen</a>. Jedoch vermuten Analysten schon länger, dass die eigentlichen Wachstumspotenziale&nbsp;des Netzwerks längst nicht mehr in der Anhäufung von Usern, sondern in deren Bindung – oder weniger romantisch: Verweildauer und Klicktiefe – bestehen.</p><p>Um dieses Potenzial nutzen zu können, muss Facebook – als&nbsp;Makler der Kommunikation&nbsp;– den Willen der User peu à peu durch den eigenen – also indirekt den der Kommunikation – ersetzen, um das lebensnotwendige Grundrauschen zu garantieren. Die Zeit des Buhlens um neue Nutzer scheint vorbei.</p><p>Was man hier beobachten kann, ist nichts Neues – schon gar nicht für Jünger von Luhmanns Systemtheorie. Es zeigt sich aber an dieser Entwicklung, dass ein soziales Netzwerk gerade nicht aus Menschen, sondern&nbsp;aus Kommunikation besteht. Der vermeintliche Akteur, als der sich der Mensch selbst wahrnimmt, ist ein Rädchen in der Maschine. (Letzteres verwechselt der Boulevard zu gerne mit Internetsucht.)</p><p>Was bleibt, ist sich dieser (vermeintlich) neuerlichen Sinnentleerung&nbsp;des eigenen Tuns bewusst zu sein. Und, wenn sich das Smartphone zur Benachrichtigung bereit vibrierend an den Leib schmiegt, mantraartig&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mythos_des_Sisyphos">Camus’ Wahlspruch</a>&nbsp;zu wiederholen: Wir müssen uns "SissiVoss" als einen glücklichen Menschen vorstellen.</p>]]></description></item><item><title>Das Problem der Urheber oder Malen nach Zahlen</title><dc:creator>Jan Jasper Kosok</dc:creator><pubDate>Tue, 24 Apr 2012 16:20:00 +0000</pubDate><link>https://www.jasperkosok.com/text/2015/1/14/das-problem-der-urheber-oder-malen-nach-zahlen</link><guid isPermaLink="false">54776fe5e4b03c29747aa5fc:54b66211e4b0a3e130cf25b6:54b6a511e4b096702d2ec230</guid><description><![CDATA[<figure class="
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  <p>Immer wieder liest man dieser Tage Artikel, in denen es heißt, den Urhebern ginge es heute schlechter als “damals”, in den goldenen Zeiten der Kreativbranchen. Außerdem hört man Majorlabels und große Zeitungsverlage klagen, sie würden durch Copyrightverletzungen enorme Summen verlieren, ihre Umsätze daher bestenfalls stagnieren. Dann wieder heißt es anderswo, das wäre alles Quatsch, schließlich sei das Umsatz-Gesamtvolumen in den jeweiligen Branchen gestiegen. Des Weiteren wären Verluste durch Copyrightvergehen nicht 1-zu-1 in entgangene Umsätze umzurechnen. Häufig schießt einem bei all diesen Statements eines durch den Kopf: so so.</p><p>Nehmen wir einmal an, alle hätten Recht. Geht nicht? Geht vielleicht doch, es schadet vielleicht nicht mal so zu denken. Mit dieser Annahme lässt sich unter Umständen sogar besser erklären, was wirklich seit dem&nbsp;<span>exogenen Schock</span>&nbsp;“Internet” in den betroffenen Branchen passiert ist.</p><p>Stellen wir uns also einen Markt in einem vereinfachten Modell vor, als Pyramide, an deren Spitze die Topverdiener stehen und deren Basis sich aus den Urhebern speist, die eher weniger vom<span>Kuchen</span>&nbsp;abbekommen. Die Breite der Pyramide definiert sich durch die Anzahl der Urheber, die Höhe durch die Einkommen der Topverdiener. Die Fläche der Pyramide bestimmt naturgemäß den Gesamtumsatz der jeweiligen Branche.</p><p>Diese Pyramide (ABC) war vor vielleicht 15 Jahren noch sehr steil und spitz. Es gab in der Masse wenig Urheber, eine kleine&nbsp;<span>Elite</span>verdiente eine Menge Geld. Heute ist die Pyramide (A’B’C’) sehr breit und flach. Es gibt eine schier endlose Menge an Urhebern und wenige(r) Topverdiener. Außerdem ist der Durchschnittslohn gefallen.</p><p>Natürlich simplifiziert dieses Bild die Wirklichkeit – nicht zuletzt auch aufgrund der eigenen Zeichenkünste. Es hilft jedoch vielleicht dabei zu begreifen, warum die ehemaligen Spitzenprofiteure genauso meckern wie der Ottonormalurheber – und die breite Masse&nbsp;<span>trotzdem profitiert</span>.</p><p>Aber Schritt für Schritt: Die Verschiebung von A nach A’ und B nach B’ findet statt, weil&nbsp;<span>Herrschaftswissen</span>&nbsp;(&lt;3) nicht mehr monopolisiert, sondern mehr und mehr vergesellschaftet wird. Clay Shirky sagte vor kurzem&nbsp;<a target="_blank" href="http://blog.findings.com/post/20527246081/how-we-will-read-clay-shirky">“Publishing is not a Job anymore, it’s a Button”</a>. Was er damit zum Ausdruck bringt, ist, dass Technik, die früher nur wenigen zur Verfügung stand, heute fast jedem zugänglich ist. Jeder kann sein eigener Verleger sein, sein Blog schreiben, Texte veröffentlichen. Das Gleiche gilt für Musik, für Kunst, für alle Kreativbereiche. Wenn jeder Urheber sein kann, steigt zwangsläufig die Menge an Urhebern. Dies spiegelt sich in der breiteren Basis des Dreiecks A’B’C’ wieder.</p><p>Anders verhält es sich mit dem Geldbeutel. Die Menge an Geld, die für Kreativarbeit ausgegeben wird, bleibt die gleiche (ABC = A’B’C’). Vielleicht ist sie etwas geschrumpft, vielleicht ist sie leicht gestiegen – es handelt sich hierbei um eine statistische<span>Glaubensfrage</span>. Der Effekt jedoch ist in jedem Fall eine Verschiebung von C nach C’.</p><p>Warum das so ist, weiß jeder, der seine Gewohnheiten der Neuzeit angepasst hat. Während man damals auf wenige Meinungsführer und Quellen angewiesen war, um seinen eigenen&nbsp;<span>Geschmack zu entwickeln</span>, hat man heute viele. Das Netz ist eine&nbsp;<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t">Entdeckungsmaschine</a>. Menschen tauschen sich z.B. in sozialen Netzwerken über Artikel und Blogs aus, die sie lesen, finden via Google die obskursten Beiträge zu den obskursten Themen. Sie teilen ihren Musikgeschmack z.B. via last.fm – oder direkt in Filesharing-Netzwerken – und lesen womöglich lieber<a target="_blank" href="http://pitchfork.com/">Pitchfork</a>, eine Webseite, als den&nbsp;<a target="_blank" href="http://www.musikexpress.de/">Musikexpress</a>, ein Magazin.</p><p>Radio, Zeitungen oder Fernsehen, all diese Medien zeichnet aus, dass sie begrenzt sind bzw. waren. Sei es durch Sendezeit oder Anschläge, am Ende blieb selten mehr Raum als für den<span>Mainstream</span>, der dadurch jahrelang übervorteilt wurde. Er stand durch diese Begrenzung im Mittelpunkt des Konsumenteninteresses. Das hat sich grundlegend verändert. Das Internet bietet mannigfaltige Möglichkeiten, um anderswo zu konsumieren, als uns der Frontalunterricht vergangener Tage weismachen wollte. Das Netz hat keine zeitliche Begrenzung, auch ist es nicht irgendwann voll. Wenn wir wollen, können wir uns also all die Dinge anschauen, die es (damals) nicht ins Radio, ins Fernsehen oder in die Zeitungen geschafft haben und uns überlegen, ob das nicht vielleicht eher das ist, was interessiert.</p><p>Unser Geschmack, unser Konsum ist dadurch breiter geworden, hat sich aufgefächert. Dieser Umstand ist für die entsprechende Branchen viel gravierender als die Frage danach, ob für das Werk bezahlt oder nicht bezahlt wurde. Wir splitten unabhängig davon entsprechend dieser neuen Präferenzen Aufmerksamkeit und gleichermaßen real verfügbares Budget auf. Es wäre befremdlich, wenn jemand erzählen würde, sein Repertoire an Nachrichtenquellen oder gehörten Bands wäre heute kleiner als – sagen wir – 1995. Wie diese Präferenzverschiebung entstand – legal oder illegal – ist im Grunde irrelevant. Entscheidender ist der&nbsp;<span>Effekt</span>&nbsp;- über den allerdings dürften einige zu Recht klagen.</p><p>Denn wenn ungleichmäßiger als früher konsumiert wird, muss zwangsläufig auch die verfügbare Menge an Geld auf mehr Erzeuger als früher verteilt werden. Dadurch sinkt vor allem das Einkommen der Mainstreamkünstler und deren Interessenvertretern, die zusätzlich von der elitären Begrenzung, der&nbsp;<span>künstlichen Verknappung</span>&nbsp;der prädigitalen Zeit profitierten.</p><p>Aber nicht nur das, auch Ottonormalurheber muss mit weniger Geld auskommen. Der Durchschnittslohn sinkt (Ø nach Ø’). Das zu erklären ist einfach: der gleiche Kuchen wird von mehr Menschen gegessen als früher. Dies ist sozusagen&nbsp;<span>der Preis</span>, den man für die mit dem Internet einhergehende Vergesellschaftung der Produktionsmittel zahlen muss. Nicht verschwiegen werden darf ergo, dass heute schlicht mehr Menschen Geld – wenn auch weniger – mit ihren Werken verdienen als zuvor. VWL1: Was viele können, wird am Markt (!) schlechter vergütet.</p><p>Was wir also heute beobachten, sind Branchen, in denen vor allem die “alten” Protagonisten unter dem Wandlungsprozess leiden, während mehr und mehr Erzeuger zumindest ein wenig von diesem profitieren. Gleichzeitig genießt der Konsument<span>mündiger</span>&nbsp;ein weitaus größeres Spektrum an Erzeugnissen als dies früher der Fall war. Grund dafür ist eine Freiheit für viele. Es ist an uns selbst zu entscheiden, was sie uns wert ist – und dabei immer im Auge zu behalten, ob es nicht vielleicht mehr die eigenen Verlustängste als Überzeugungen sind, die uns antreiben, wenn wir überlegen, wie die Zukunft auszusehen hat.</p><p>Eines steht unterdessen fest: Schuldzuweisungen boten noch nie viel&nbsp;<span>Perspektive</span>&nbsp;für Lösungen, die veränderten Gegebenheiten gerecht werden können.</p><p>______</p><p>Dieser Text entstand, weil ich versuchte, meiner Mitbewohnerin grafisch zu erklären, warum es ok ist, dass Hobbyfotografen im Netz genauso erfolgreich sein können wie Leute, “die das gelernt haben” – und die monetäre Entwertung “richtiger Kunst” vor allem ein subjektives Problem ist. Das wiederum ist ebenfalls ein subjektives Werturteil, welches ich oben versuche, halbwegs sachlich zu begründen.</p>]]></description></item></channel></rss>