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	<title>Le 08/16</title>
	
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	<description>kurze Geschichten für lange Gedanken</description>
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		<title>Ausgetanzt</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 20:43:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pauls Kiefermuskeln waren angespannt &#8211; er auch. Zwei Tische weiter holte eine überschminkte Proseccotrinkerin erneut Luft und stellte Pauls Verdrängungsfähigkeit mit lauten Zoten und quälend schrillem Gelächter auf die Probe. Die sie umringenden Jünglinge waren höchst amüsiert &#8211; er nicht. Dann erzählte ein hagerer unansehnlicher Kerl namens Heinrich, von einer Party, an der niemand gewesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pauls Kiefermuskeln waren angespannt &#8211; er auch. Zwei Tische weiter holte eine überschminkte Proseccotrinkerin erneut Luft und stellte Pauls Verdrängungsfähigkeit mit lauten Zoten und quälend schrillem Gelächter auf die Probe. Die sie umringenden Jünglinge waren höchst amüsiert &#8211; er nicht. Dann erzählte ein hagerer unansehnlicher Kerl namens Heinrich, von einer Party, an der niemand gewesen war &#8211; er selbst vermutlich auch nicht. Doch die Anwesenheit des farbenfrohen Papageis schien ihn zu beflügeln und der bereits reichlich geflossene Alkohol öffneten die Pforten seiner Phantasie. <span id="more-223"></span>Wild gestikulierend und übermässig laut, schilderte er die Situation auf der Tanzfläche, welche sich wohl nur in seinen Träumen zugetragen haben konnte. Denn sein unsicheres Lachen, welches er nach jedem Halbsatz einwarf, und die Ausstrahlung eines in die Ecke geworfenen Taschentuchs, wollten so gar nicht zu seiner geschilderten Tanznummer vom letzten Abend passen. Sie hingegen spornte ihn mit ihrer Entenstimme an, sodass er sein Luftschloss in epischer Länge um mindestens zehn Stockwerke erhöhte. Sie spielte mit ihm und alle wussten es &#8211; er nicht. Sie griff sich seinen Schlips, zog sein Gesicht ganz nah an das ihrige und hauchte ihm zu, ob er nicht für sie seine Tanzkünste wiederholen könne. Als seine Augäpfel in ihr Décolleté zu fallen drohten, leerte Paul sein Glas.</p>
<p>Heinrich wurde verlegen, genoss aber ihre gespielte Bettelei und liess sich noch eine ganze Weile von ihr anflehen. Er stand nun plötzlich nicht mehr im Schatten ihres Scheinwerferlichts, sondern war Mittelpunkt des Geschehens. Sie wusste, dass er sich masslos überschätzte &#8211; er nicht. Heinrich war einer jener Menschen, die immer hinter den Kulissen arbeiteten und nie auf die Bühne gelassen wurden. Doch heute Abend war alles anders, dachte er &#8211; Paul nicht. Als sich die Frau noch näher an ihn schmiegte, spürte Heinrich den Tiger im Tank und sein Restverstand verabschiedete sich zeitgleich. Paul stand auf.</p>
<p>Heinrichs Hemd war aufgeknöpft und sie griff an seine Gürtelschnalle. Heinrich war voller freudiger Erwartung &#8211; sie auch. Paul liess sich nicht mehr lange bitten &#8211; sie auch nicht. Er griff in seine Tasche und bewegte sich flink hinüber. Bis Heinrich bemerkt hatte, dass er mit heruntergelassener Hose dastand und der ganzen Bar seine mit Schlümpfen bedruckten Boxershorts zeigte, hatte Paul schon mehrmals abgedrückt. So hatte sich das Heinrich nicht vorgestellt &#8211; Paul schon. Die Bilder dieser Darbietung amüsierten manchen, der an diesem Abend nicht dabei gewesen war und hatten keinen sonderlich positiven Effekt auf Heinrichs weiteren Karriereverlauf. Paul hingegen war froh, dass die Barbesucher nicht wussten, dass seine Frau immer so war.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Gegen den Strom</title>
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		<pubDate>Mon, 30 May 2011 13:37:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Charles drehte um, mangels Übung zwar etwas unbeholfen, aber er drehte um &#8211; aus Prinzip. Zunächst fühlte es sich sonderbar an so alleine zu sein. Doch in seiner unerschütterlichen Überzeugung das Richtige getan zu haben, überwand er die ersten Hindernisse und bewegte sich in die Gegenrichtung. Charles war schon sein ganzes Leben gegen den Strom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Charles drehte um, mangels Übung zwar etwas unbeholfen, aber er drehte um &#8211; aus Prinzip. Zunächst fühlte es sich sonderbar an so alleine zu sein. Doch in seiner unerschütterlichen Überzeugung das Richtige getan zu haben, überwand er die ersten Hindernisse und bewegte sich in die Gegenrichtung. <span id="more-217"></span>Charles war schon sein ganzes Leben gegen den Strom geschwommen &#8211; aus Prinzip. Das hatte damit angefangen, dass er eigentlich Karl hiess. Dann hatte er penibel darauf geachtet sich gesund zu ernähren. Aus Rücksicht auf die Ozonschicht hatte er sogar aufgehört Blähungen verursachendes Gemüse zu essen; als Vegetarier keine leichte Aufgabe. Weiter war er voller Überzeugung gegen die politische Hauptströmung geschwommen, zunächst ganz Links, dann ganz Rechts &#8211; aus Prinzip. Selbstverständlich war er auch gegen den Atomstrom gewesen, gegen den Geldstrom, den Warenstrom und den Datenstrom.</p>
<p>Doch nachdem nun immer mehr in seinem Fahrwasser zu schwimmen begonnen hatten &#8211; die einen aus Überzeugung, die anderen aus schlechtem Gewissen und wieder andere aus dem urtümlichen Zustand hirnloser Gleichschaltung und Angst vor dem Alleinsein &#8211; reichte es ihm. Und so kam es, dass zwischen all den Joys, Pedros, Jean-Pauls und Sophies der Karl umdrehte. Allein und zufrieden schwamm er nun furzend in die wohlige Wärme des benachbarten AKW-Kühlwassers &#8211; aus Prinzip.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Erinnerungen</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Feb 2011 16:15:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schreie weckten ihn, doch er döste wieder ein. Es war eine Frau &#8211; sie fluchte fürchterlich. Er trat ans Fenster und musste nicht lange suchen. Sie stand unten vor dem verschlossenen Eingang des Nachbarhauses, eingerahmt durch zwei hohe Hecken. Eine zierliche Frau, vermutlich Ende Dreissig, doch der Ärger in ihrem Gesicht liess sie etwas älter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schreie weckten ihn, doch er döste wieder ein. Es war eine Frau &#8211; sie fluchte fürchterlich. Er trat ans Fenster und musste nicht lange suchen.<span id="more-213"></span> Sie stand unten vor dem verschlossenen Eingang des Nachbarhauses, eingerahmt durch zwei hohe Hecken. Eine zierliche Frau, vermutlich Ende Dreissig, doch der Ärger in ihrem Gesicht liess sie etwas älter aussehen. Er verstand die Sprache nicht, in der sie fluchte. Das war auch gut so, denn es hätte die nächste Begegnung mit dem Nachbarn wohl etwas erschwert. Ihre dunkle Haut setzte sich vom umliegenden Schnee ab. Die  Verwünschungen kamen ununterbrochen über ihre Lippen. Nun begann Sie sich anzuziehen; den Kleiderhaufen neben ihr hatte er gar nicht bemerkt. &#8211; Als er das Haus verliess, war sie bereits angezogen. Es war eine temperamentvolle Frau. Ihre braunen Augen zeigten Stolz und Demütigung zugleich. Mit einem leichten Kopfnicken schritt er an ihr vorbei in Richtung Basar, den einige hier <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Souk" target="_blank">Suq</a></em> nannten. Die Sonne schien. Eine wohlige Wärme fuhr ihm durch den Körper. &#8211; Dann hörte er wieder Schreie. Er stand auf und lief zum Fenster. Die Sonne schien. Dann bewegte er sich etwas seitwärts bis eines der Gitterstäbe sie verdeckte, als wolle er damit auch die Erinnerungen auslöschen.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Unter der Dusche</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 16:45:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dampfschwaden füllten den weiss gekachelten Raum. Gleichmässig prasselte das warme Wasser auf meine Kopfhaut und folgte weiter der Schwerkraft. Mit leichten Kopfbewegungen steuerte ich den Fluss über beide Ohrmuscheln. Ich genoss die Stille, welche der Lärm erzeugte. &#8211; Es war eine Gemeinschaftsdusche. Doch das störte mich nicht, denn mein hühnenhafter Körper hätte ohnehin nicht in eine moderne Duschkabine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dampfschwaden füllten den weiss gekachelten Raum. Gleichmässig prasselte das warme Wasser auf meine Kopfhaut und folgte weiter der Schwerkraft. Mit leichten Kopfbewegungen steuerte ich den Fluss über beide Ohrmuscheln. Ich genoss die Stille, welche der Lärm erzeugte. &#8211; <span id="more-204"></span>Es war eine Gemeinschaftsdusche. Doch das störte mich nicht, denn mein hühnenhafter Körper hätte ohnehin nicht in eine moderne Duschkabine gepasst und in meinem Kopf war ich sowieso allein. &#8220;Duschen ist Meditation für Anfänger&#8221;, hatte ich irgendwo gelesen. Wie treffend. Dass ich mir anschliessend minutenlang Gedanken über die Fundstelle machte schrieb ich dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Theodor_zu_Guttenberg#Plagiatsaff.C3.A4re_und_die_Folgen" target="_blank">Karl-Theodor-Phänomen </a>zu. <a href="http://le0816.com/free-your-mind/man.html" target="_self">Man</a> sollte eben nicht immer dem Zeitgeschehen folgen. Doch der Gedanke war bereits wieder fortgespühlt. Mein Geist wanderte bereits wieder umher. Etwas angestrengt atmete ich die feuchte Luft ein, merkte wie meine Rippen schmerzten, spürte ein Brennen auf dem Rücken und es wurde mir etwas schwindlig. Langsam kippte ich meinen Kopf zur Seite und öffnete die Augen. Meine Ohren waren nun wieder erfüllt mit dem  Widerhall des plätschernden Wassers und dem Gejohle einiger Sadisten &#8211; sie hatten anscheinend wieder ein Opfer gefunden&#8230;  Ich stellte die Dusche für einige Minuten auf kalt während ich laut dazu schnaubte &#8211; die Realität hatte mich wieder. Als ich kurz darauf langsamen Schrittes wieder in den Gang einbog, rannten mir bereits die Aufseher entgegen; hinter mir Schreie und Schläge.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Die Besserwisser</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 22:06:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie stand auf, um an der Bar eine Waffel zu bestellen, auf dem Tisch liess sie die Oktoberausgabe des GQ liegen; auf der Titelseite stand &#8220;Oscar Niemeyer&#8220;.  Tatort: Kaffe Klatsch, Davos. Sie hatten vorhin über Wellness gesprochen, weshalb er überleitend sagte: &#8220;Wir müssen mal in die  Therme Vals, die hat Zintzmeyer entworfen.&#8221;.  - &#8220;Du meinst Zumstein.&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie stand auf, um an der Bar eine Waffel zu bestellen, auf dem Tisch liess sie die Oktoberausgabe des <a href="http://www.gq-magazin.de/" target="_self">GQ</a> liegen; auf der Titelseite stand <em>&#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oscar_Niemeyer" target="_self">Oscar Niemeyer</a></em><em>&#8220;</em>.  Tatort: <a href="http://nudelholz.posterous.com/kaffee-klatsch-in-davos" target="_self">Kaffe Klatsch</a>, Davos. <span id="more-200"></span>Sie hatten vorhin über Wellness gesprochen, weshalb er überleitend sagte: &#8220;Wir müssen mal in die  <a href="http://www.therme-vals.ch/" target="_self">Therme Vals</a>, die hat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zintzmeyer" target="_self">Zintzmeyer</a> entworfen.&#8221;.  - &#8220;Du meinst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jörg_Zumstein" target="_self">Zumstein</a>.&#8221; &#8211; &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zumthor" target="_self">Zumthor</a>.&#8221; Als sie an den Tisch zurückkam hatten beide Tränen in den Augen.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Machtlos</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Nov 2010 10:39:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Unerhört,&#8221; sagte die Deutsche, &#8220;eine Frechheit, dass ich mir das gefallen lassen muss. Ich bin wichtig, und jetzt werde ich schon wieder grundlos umplaciert.&#8221; Ihre neue Nachbarin sah keinen Grund für die Eile und begrüsste sie mit einem breiten Lächeln. Sie kam aus Neapel und war sich die Warterei anscheinend gewohnt: &#8220;Ist doch schön so ein abfallfreier Platz; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Unerhört,&#8221; sagte die Deutsche, &#8220;eine Frechheit, dass ich mir das gefallen lassen muss. Ich bin wichtig, und jetzt werde ich schon wieder grundlos umplaciert.&#8221; Ihre neue Nachbarin sah keinen Grund für die Eile und begrüsste sie mit einem breiten Lächeln. <span id="more-169"></span>Sie kam aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neapel" target="_blank">Neapel</a> und war sich die Warterei anscheinend gewohnt: &#8220;Ist doch schön so ein <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-10/fs-neapel-2" target="_blank">abfallfreier</a> Platz; da kannst du neue Bekanntschaften schliessen, den Horizont erweitern&#8230;&#8221; &#8211; &#8220;Blödsinn! Und kommen Sie mir ja nicht mit <em>der Weg sei das Ziel</em>&#8230; Pah! Für so einen Schmarrn hab&#8217; ich keine Zeit,&#8221; sagte die Deutsche welche durch lieblose Stempel schwer gezeichnet war. - &#8220;Ach <em>cara</em>, du musst noch viel lernen,&#8221; erwiderte die Neapolitanerin ruhig, &#8220;Es spielt hier keine Rolle, was du willst. Der Mann dort vorne bestimmt wann du dran bist .&#8221; &#8211; &#8220;Was erlauben Sie sich. Nennen Sie mich nicht <em>kara </em>und hören Sie gefälligst auf mich zu Duzen. Schliesslich gehören wir nicht der selben Klasse an: Ich bin eine <a href="http://www.dhl.de/de/express/export-services.html" target="_blank">Eilsendung</a>. Zudem war ich bereits dort vorne, zuversichtlich bald an der Reihe zu sein, und nun ist mir schleierhaft weshalb ich plötzlich hier hinten bei Mamma <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mir%C3%A1coli" target="_blank">Mirácoli</a> liege! Wann sind Sie denn überhaupt hier eingetroffen?&#8221; &#8211; &#8220;Am 5. September, gleich nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ferragosto" target="_blank">Ferragosto</a>.&#8221; - &#8221;Wie bitte?&#8221; sagte die Deutsche in gebleichtem Umschlag, &#8220;Das ist ja dicke Post! Moment, das geht ja gar nicht. War der 5. September 2010 nicht ein Sonntag?&#8221; Die gutmütige Südländerin überhörte den Seitenhieb auf ihren Umfang und erwiderte mit einem milden Lächeln: &#8220;2008, <em>cara</em>, es war ein Freitag.&#8221; &#8211; .</p>
<p>&#8220;Jetzt <em>häscheres</em> aber gegeben,&#8221; sagte von weiter unten ein <a href="http://www.ricola.de/index.cfm?A171EF2F4239A588FBF59AAB37F9C6BD" target="_blank">Ricola Böxli </a>und lachte dabei. &#8211; &#8220;Wieso, <em>amore</em>? Es war doch wirklich ein Freitag.&#8221;</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Jacques</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 20:38:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er sass auf einem flachen Stein an der Ostflanke des Larrun, einige Dutzend Meter vor ihm graste eine Gruppe Pottokak und in der Ferne schweifte sein Blick über Sara, ein kleines Dorf im französischen Baskenland, nahe der Spanischen Grenze. Die Idylle trügte. Während der Französischen Revolution waren seine Vorfahren sowie alle Einwohner Saras deportiert worden. Jacques [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er sass auf einem flachen Stein an der Ostflanke des <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/La_Rhune" target="_blank">Larrun</a>, einige Dutzend Meter vor ihm graste eine Gruppe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pottok-Pony" target="_blank">Pottokak</a> und in der Ferne schweifte sein Blick über <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Sare" target="_blank">Sara</a>, ein kleines Dorf im französischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Baskenland" target="_blank">Baskenland</a>, nahe der Spanischen Grenze. Die Idylle trügte. <span id="more-178"></span>Während der Französischen Revolution waren seine Vorfahren sowie alle Einwohner Saras deportiert worden. Jacques hingegen hatte sich selbst aus seinem bisherigen Leben losgerissen. Es war eine lange und beschwerliche Reise gewesen; nicht nur durch die Französische Topographie, sondern auch durch die Landkarte seiner Seele. Nach dem er die trügerische Schönheit der Filmkulissen hinter sich gelassen und sich die Luftschlösser beim Zupacken aufgelöst hatten, durchschritt er seine zerbombten Kindheitsträume, vorbei an den glühenden Ideen seiner Jugend, um anschliessend mit geläutertem Blick seine durch ihn geschaffene Welt einer Prüfung zu unterziehen, der sie nicht standhalten konnte. Dies hatte ihn hierher getrieben. An den Ort seiner Vorfahren. Er war zum ersten Mal hier. Ein warmer Schauer durchfuhr seinen Körper. Er fühlte sich verbunden mit dieser Erde; verbunden mit diesem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Baskenland" target="_blank">Baskenland</a>, welches viele Narben besass &#8211; nicht nur eine Landesgrenze die es teilte. Jacques begann zu begreifen, wieso er hier war.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Ich spiele was Du hören willst – willst Du auch hören was ich zu sagen habe?</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 16:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Routiniert spielt die Band das Stück, die Lichtshow ist perfekt abgestimmt und das Publikum verhält sich wie erwartet: Die Hände im Takt klatschen, aufstehen, Klatschen über Kopf, Applaus nach Solo des Gitarristen, weiter annähernd im Takt klatschen, ungelenke Tanzeinlagen, Applaus, hinsetzen. Zuweilen ist der Vergleich mit einer Aerobic Lektion erschreckend. Das Publikum wirkt dressiert, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Routiniert spielt die Band das Stück, die Lichtshow ist perfekt abgestimmt und das Publikum verhält sich wie erwartet: Die Hände im Takt klatschen, aufstehen, Klatschen über Kopf, Applaus nach Solo des Gitarristen, weiter annähernd im Takt klatschen, ungelenke Tanzeinlagen, Applaus, hinsetzen. Zuweilen ist der Vergleich mit einer Aerobic Lektion erschreckend. <span id="more-171"></span>Das Publikum wirkt dressiert, der Künstler gibt den Zirkusdirektor &#8211; beide gefangen in ihren jeweiligen Rollen. Das sich das Konzert in einem Zirkuszelt abspielt verstärkt diesen Eindruck. Oder ist es etwa umgekehrt? Der Musiker als zahnloser gutmütiger Löwe umgeben von über tausend Dompteuren? Und wehe <a href="http://le0816.com/free-your-mind/man.html" target="_blank">man</a> bleibt als Zuschauer mit verschränkten Armen sitzen, wenn das Publikum aufspringt &#8211; Langweiler! Das kollektive Gaudi mit institutionalisierter Gruppendynamik. Der Musiker spielt was das zahlende Publikum will, lässt es aber gekonnt im Glauben er habe künstlerische Wahlfreiheit. In der VIP Lounge nach dem Konzert heisst es dann: &#8220;Toll wie er auf das Publikum eingegangen ist.&#8221; Der Musiker als Entertainer. Schön, wenn sich dies ergibt &#8211; schade, wenn es zur Notwendigkeit wird.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Noch eine Runde</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 23:38:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oleg war gerade dabei die Türe zu seinem Geschäft abzuschliessen, als ihm warm wurde. Die Sonne schien. Doch die Wärme kam von Innen, obschon er nüchtern war. Er war glücklich; endlich. Er stieg in die Strassenbahn. Viel zu lange hatte er sich bemitleidet, hatte seinen Kummer in Alkohol zu ertränken versucht und wäre beinahe selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oleg war gerade dabei die Türe zu seinem Geschäft abzuschliessen, als ihm warm wurde. Die Sonne schien. Doch die Wärme kam von Innen, obschon er nüchtern war. Er war glücklich; endlich. Er stieg in die Strassenbahn. <span id="more-163"></span>Viel zu lange hatte er sich bemitleidet, hatte seinen Kummer in Alkohol zu ertränken versucht und wäre beinahe selbst darin ertrunken. Nach drei Jahren, in denen er vollgepumpt mit Liebesentzug nur noch funktionierte, hatte ihn das Mitleidsmeer an den Strand gespuckt und ihn wieder frische Luft atmen lassen. Seltsam nur, dass jene, die ihm damals beim Ertrinken verständnisvoll auf die Schulter geklopft hatten, ihn nun für einen Unmenschen hielten, weil er bereit war zu Leben. Gut, es war ein langer Weg gewesen. Nach Monaten voller Schmerz, Wut und Verzweiflung war er mit mitleidsvollen Blicken und tröstenden Worten ans Licht gezogen worden, was ihm aber beinahe zum Verderben wurde. Denn er begann die Zuwendung die ihm für immer versagt bleiben wird aus dem Mitleid seiner Mitmenschen zu beziehen. Er hatte die Geschichte schon so oft und in solch ausladender Üppigkeit erzählt, dass es jene eines beliebigen Mannes hätte sein können, der sein Kind bei einem Unfall verloren und dessen Frau ihn anschliessend verlassen hatte. Das dabei kalt werdende Herz hatte er sich jeweils mit Schnaps gewärmt, die innere Zerrissenheit betäubte er mit Tabletten. Erst die Nachricht vom Tode seiner Frau war stark genug gewesen ihn aufzurütteln. Er wollte nicht länger klagen, um Mitleid zu erregen, wollte nicht mehr lieben, um <a href="http://thinkabout.ch/article/wie-weit-haben-sie-es-zu-ihrer-buddhanatur" target="_blank">Gegenliebe</a> zu erfahren. Er wollte frei sein, er wollte leben. Denn er hatte noch viel zu geben und es war noch nicht zu spät. Er zog seine Laufprothesen an und begab sich auf die erste Runde. Dabei kam ihm die Frage seines Sohnes in den Sinn, die er ihm vor Jahren an diesem Ort gestellt hatte. Er hatte ihn gefragt, &#8220;Papa, wieso dreht <a href="http://le0816.com/free-your-mind/man.html" target="_blank">man</a> sich im Kreis, wenn man davonläuft?&#8221; Er musste schmunzeln und drückte eine Träne weg.</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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		<title>Wochenabschluss</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 20:37:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jean-Paul Robin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ziel]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie stand auf und ging zur Tür. Nach Wochen mangelnder Antriebslust, Ausreden und beinahe professionell anmutender Verdrängung, war heute Schluss &#8211; sie hatte ein Ziel. Im Flur begegnete sie dem sonst nervenaufreibenden Freitagnachmittagsverkehr der Getriebenen mit Gleichmut &#8211; sie beschleunigte kurz und reihte sich zwischen einen wild gestikulierenden Herrn in verschwitztem Hemd und einer hinter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie stand auf und ging zur Tür. Nach Wochen mangelnder Antriebslust, Ausreden und beinahe professionell anmutender Verdrängung, war heute Schluss &#8211; sie hatte ein Ziel. Im Flur begegnete sie dem sonst nervenaufreibenden Freitagnachmittagsverkehr der Getriebenen mit Gleichmut &#8211; sie beschleunigte kurz und reihte sich zwischen einen wild gestikulierenden Herrn in verschwitztem Hemd und einer hinter ihr mit 90 Absatzklicks pro Minute tippelnden Dame ein. <span id="more-153"></span>Auf das anschliessende Drängeln und die missglückten Überholversuche der frustrierten Enddreissigerin hinter ihr reagierte sie gar nicht &#8211; sie hatte ein Ziel. Zudem machte ihr in diesem Gebäude so schnell niemand etwas vor: Sie kannte die Abkürzungen durchs Archiv, den unbenutzten Kopierer im ebenfalls meist unbenutzten Sitzungszimmer K, den Automaten mit der koffeinhaltigsten Brühe &#8211; Kaffee konnte man diese nicht nennen -, und das Geheimnis hinter der gut besuchten Herrentoilette im vierten Stockwerk, welche sie liebevoll &#8220;Schnupförtchen&#8221; zu nennen pflegte. Ihr Ziel vor Augen überholte sie eine orientierungslose Gruppe Praktikanten, schlüpfte behende in den sich schliessenden Aufzug, ignorierte das daraufhin genervte Ausatmen der ungeduldigen Meute und schoss als erste wieder hinaus, als sich die Türen nach kurzer Fahrt wieder geöffnet hatten. Sie entwickelte langsam einen gewissen Stolz während sie wieder Geschwindigkeit aufnahm und mit einer Drehung um die eigene Achse elegant einen Zusammenstoss mit von rechts herbei trampelnden Anzügen verhinderte &#8211; sie hatte es immer noch drauf, und sie hatte ein Ziel.</p>
<p>Energiegeladen bog sie nach links ab und betrat das Vorzimmer, wo sie sogleich alle Blicke auf sich zog. Sie richtete ihre Frage an den äusserst gut aussehenden Chefsekretär, worauf dieser antwortete: &#8220;Es tut mir Leid, er hat das Büro vor 15 Minuten verlassen und ist erst wieder am Montag zurück.&#8221; Ihr Freitagsziel war verschwunden &#8211; ihre Energie verpufft. Niedergeschlagen schritt sie langsam zum Aufzug zurück. Erst der Schmerz, den der Postjunge beim Überfahren ihres rechten grossen Zehens verursachte, liess sie den ersten klaren Gedanken fassen. Sie hätte heute genügend Gelegenheiten gehabt, diese 15 Minuten aufzuholen: Die Freitagspost hätte sie auch erst am Montag lesen können, das Telefonat zwischen den beiden Kaffeepausen am Vormittag war überflüssig gewesen und das Gespräch mit der Projektleiterin zwischen Mittagsshopping und Mittagsschlaf hatte zu lange gedauert. &#8220;Ob ich am Montag überhaupt Lust dazu haben werde? Zu Wochenbeginn?&#8221;, fragte sie sich. &#8220;Ach was soll&#8217;s, dann entlasse ich ihn eben am Montag.&#8221;</p>
<p><em>Jean-Paul Robin</em></p>
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