<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="no"?><rss xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" version="2.0">
<channel>
<title>litblogs.net - aktuell</title>
<link>https://www.inoreader.com/stream/user/1005920198/tag/litblogs.net/view/html</link>
<description>literarische weblogs in deutscher sprache</description>
<atom:link href="https://www.inoreader.com/stream/user/1005920198/tag/litblogs.net" rel="self" type="application/rss+xml"/>
<generator>Inoreader (https://www.inoreader.com)</generator>
<pubDate>Mon, 16 Mar 2026 15:07:14 +0000</pubDate>
<lastBuildDate>Mon, 16 Mar 2026 15:07:14 +0000</lastBuildDate>
<language>en-US</language>
<item>
<title>Willkommen, Florian!</title>
<link>https://der-goldene-fisch.de/ping/willkommen-florian/</link>
<description><![CDATA[<p>In Florian Knöpplers Romanen und Gedichten spielen wie in seinem Alltag Natur und Tiere eine wichtige Rolle. Er lebt auf einem Bauernhof in der holsteinischen Geest und hält Schafe, Hühner und Bienen. „Die Nähe zu Tieren war mir schon immer wichtig“, schreibt er. „Die genauen Gründe kann ich nicht fassen und benennen, dafür aber Situationen beschreiben, in denen mich der Kontakt besonders berührt. Es sind immer solche, in denen die Grenzen zwischen mir und einem Tier verschwimmen.“<br> 
Geboren 1966, studierte Florian Knöppler Romanistik, Germanistik und Philosophie in Bonn und Bologna. Er arbeitete für Radio und Fernsehen und schrieb Reportagen, häufig über besondere Lebenswege. Seit 2015 sind drei Romane entstanden, KRONSNEST, HABICHTLAND und SÜDFALL, erst Anfang März 2026 kam MIT DEM ERSTEN LICHT hinzu.<br> 
Andreas Louis Seyerlein und ich freuen uns sehr, dass es gelungen ist, Florian Knöppler für den Goldenen Fisch zu gewinnen. Herzlich willkommen in unseren Gewässern, lieber Florian! </p> 
<p>*</p> 
<p>Der Beitrag <a href="https://der-goldene-fisch.de/ping/willkommen-florian/">Willkommen, Florian!</a> erschien zuerst auf <a href="https://der-goldene-fisch.de/ping">der goldene fisch</a>.</p>]]></description>
<pubDate>Mon, 16 Mar 2026 10:56:36 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Mirko Bonné</dc:creator>
<source url="https://der-goldene-fisch.de/ping">der goldene fisch</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f5385aec</guid>
</item>
<item>
<title>Wo</title>
<link>https://www.isla-volante.ch/wo-5/</link>
<description><![CDATA[<figure><img src="https://www.isla-volante.ch/bild/2026/03/frei.jpg" title="Sequenzen einer Reise in das Ungewisse" alt="Dieses Bild ist eine Collage aus Aquarellzeichnungen, die eine surreale und fragmentierte Erzählung über Bewegung, Landschaft und menschliche Figuren darstellen, verbunden durch abstrakte Linienmuster - Graphic Novel Artwork" height="630" width="900"></figure> 
<p>Elsa hat sich verlaufen.<br> 
Wo ist sie?<br> 
Elsa hat sich verlaufen.<br> 
Sie wollte doch?<br> 
Elsa hat sich verlaufen.<br> 
Ja wo?<br> 
Elsa hat sich verlaufen.</p> 
<p></p><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/echo.ogg" type="audio/ogg"></source><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/echo.mp3" type="audio/mpeg"></source><br> 
<em>Der Ton von Tropfen?</em>]]></description>
<pubDate>Sun, 15 Mar 2026 07:38:46 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Rittiner + Gomez</dc:creator>
<source url="https://www.isla-volante.ch/">isla volante</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f6884850</guid>
</item>
<item>
<title>Ich wollte ein zweites Buch schreiben, doch dann waren wieder alle nur am Quasseln</title>
<link>https://glumm.wordpress.com/2026/03/14/ich-wollte-ein-zweites-buch-schreiben-doch-dann-waren-wieder-alle-nur-am-quasseln/</link>
<description><![CDATA[<p style="text-align:left;">Es gab Tage, wo ich diesem abgefeimten Pimmel namens Kuper (Spitzname) umständlich aus dem Weg ging, sobald er auf dem Schulhof auch nur den leisesten Anschein erweckte, mir gleich ein langweiliges Rock’n Roll-Schwätzchen aufs Auge zu drücken. Ich wusste ja, was kommen würde: Elvis war drogen-und pillenabhängig, eine Flasche, so wie sich die ganze USA zur selben Zeit zu einer leeren Pulle entwickelte, Bowie  dagegen war auf dem Weg, der neue US-Pop-Star zu werden. Und Police. Aber das waren alles ranzige Engländer. Aha, murmelte ich und war froh, als endlich die Linie 98 auftauchte. Nichts wie weg. Und das nur, weil wir uns nach der sechsten Stunde montags auf der Straße begegneten, auf dem Weg zum Busbahnhof.</p> 
<p style="text-align:left;">Das waren so Tage, an denen ich den Mund nicht aufkriegte, nicht mal für ein kleines fischiges hi- hello, geschweige denn für eine weiterführende Version zu diesem oder jenen Thema, wo ich doch einfach nur die Fresse halten wollte. Sonst nichts. Was war so schwer daran? Ich meine, war das zu viel verlangt in einer Gesellschaft, die es gewohnt war, die Antenne ständig auf Empfang zu haben und wie auf Kommando mitzuträllern, sobald man sich auf der Straße begegnete oder in einer der nüchternen Haus der Jungend-Räume?</p> 
<p style="text-align:left;">*</p> 
<p style="text-align:left;">Neben mir, am Kundenschalter der Bank, ein Malocher, vernarbte Arme, Ledertasche. „Die rücken Tatsache nichts mehr raus“, sagt er fassungslos, „keine Pesete“ und dreht entgeistert ab. Damit hatte er nicht gerechnet. Nein, echt nicht. An Tagen, an denen ich nur das Notwendigste aussprach, bekam er seinen Lohn nicht ausbezahlt. So was.</p> 
<p style="text-align:left;"><span style="font-size:medium;">Ich wollte ein zweites Buch schreiben, doch dann war ich doch wieder nur am Quatschen, oder die Leute quatschten mir die Hirse voll. </span><span style="font-size:medium;">Das war doch alles Mist.</span></p> 
<p style="text-align:left;">Ich kannte den Kerl vom Sehen. Er war ein Latino und jedes Mal, wenn ich ihn sah, erinnerte er mich an einen mobilen Tatort, rundherum abgeriegelt mit einem rot-weißen Band, das im Wind flatterte und verkündete: VORSICHT! DIESE PERSON IST EINE GEFAHR! Er war der wahre Präsident von Quassel-Country. Angenehm war nur seine Stimme, so dass ich gelegentlich doch stehen blieb und ihm eine Zeitlang zuhörte. Er klang wie von einem warmen Lasso eingefangen und wieder in die Freiheit entlassen. Das musste man erstmal hinkriegen. Das war schon in Ordnung. Ich glaube, er hiess Roberto.</p> 
<p style="text-align:left;">Betty war auch so eine Quatschtante. Sie war eine Weile Vorsitzende des einheimischen Boxer-Klubs gewesen, wobei mit Boxern die Hunderasse gemeint war. Diese besonders hässliche Sorte Hund, der man allerdings eine besondere Kinderliebe nachsagte. Von daher waren Boxer dann doch beliebt bei Hundefreaks.</p> 
<p style="text-align:left;">„Boxermischlinge sind selten hübsch“, meinte selbst Betty und erzählte von einem seltenen Exemplar, das sie in Rotterdam gesehen hatte, auf einer Locken-Show. Der Hund war eine Kreuzung aus Boxer und Riesenschnauzer.</p> 
<p style="text-align:left;">„Er sah aus wie ein kleiner Fiat mit Locken auf dem Kopf.“ Das waren die kleinen Anekdoten, die man von Betty permanent hörte.</p> 
<p style="text-align:left;">*</p> 
<p style="text-align:left;">Zurück zum Spanier. Zur Commerzbank. Der brauchte sein Geld. Ich musste eh zur Bank, also begleitete ich ihn, landete aber nicht bei meiner sonstigen Kundenberaterin, sondern bei einer luftigen Tante, die mich, obwohl schon Mittag, fragte, was ich vorhatte, so früh in der Stadt. Was ich vor hatte? Montagmittags nach der sechsten Stunde? Was für eine Frage. Wenn man wenig redet, wird jedes bisschen, das man redet, viel zu wichtig und pumpt sich zu schierer Größe auf, die es gar nicht verdiente, angehört zu werden. Ich war 17 und hatte mir vorgenommen, Schriftsteller zu werden, oder Reporter, jedenfalls zu schreiben. Ich plante ein deutsch-armerikanisches Tagebuch. Ich plante, andere Leute zu studieren, auf zwei verschiedenen, modernen Kontinenten.</p> 
<p style="text-align:left;">*</p> 
<p style="text-align:left;">Lana getroffen. Im gelben Golf rumgekurvt, über Land. Ein Gefühl, als lieferte man die Post aus, und hinterm Zaun jagten unsichtbare große Hunde im Rekordtempo mit. Da es im Wagen keinen Kassettenrekorder gab, hatte ich ein altes schwarzes Kofferradio ausgegraben und auf den Rücksitz gestellt. <span lang="en-us">Wir hör</span><span lang="en-us">t</span><span lang="en-us">en </span><span lang="en-us"><i>Captain of her heart. On my way to L.A</i></span><span lang="en-us">. </span></p> 
<p style="text-align:left;">„He, das ist ja Simply Red!“ rief sie.</p> 
<p style="text-align:left;">„Quatsch“, sagte ich.</p> 
<p style="text-align:left;">Ich war erkältet, der Rachen kratzte. Fühlte mich schnoddrig.<i> </i>Lana war spritzige zwanzig, sie hatte ihr erstes Auto unterm Hintern, sie hatte den Groove, der sich, was mich betraf, gerade davonmachte. Sie war seit Jahren meine Freundin. Ich musste aufpassen, dass ich kein Klotz werden würde an ihren Beinen. Und sie redete nicht so viel. Sie küsste gut. Wenn ich mit ihr durch die Stadt ging, folgten uns tausend Augen. Aber nicht mir, ihr.</p> 
<p style="text-align:left;">Scheißdreck alles.</p> 
<p style="text-align:left;">*</p> 
<p style="text-align:left;">Wie ich hörte, war Kuper wieder in der Stadt. Er war nach Hannover gegangen, der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen. Seine Freundin Rita, eine Krankenschwester, war ihm gefolgt, eine Krankenschwester fand überall Arbeit. Eine zierliche Person mit meterweise blondem Haar und einem heiseren Kick in der Stimme, wie eine Vorarbeiterin. Sie war hübsch und neugierig und hatte mir einmal einen runtergeholt, in einen langen Schlange von parkenden Autos, ein paar Meter von der Adenauer-Straße entfernt. Ich hatte die ganze Zeit das Moos der hohen Bäume im Auge.</p> 
<p style="text-align:left;">Lange bevor die beiden ein Paar wurden, hatten Rita und ich rumgemacht, aber wir waren jung, 15 oder 16 Jahre alt. Ein Bild, das ich nie vergessen werde: wie wir es während eines Sommergewitters wieder mal in der Nähe ihres Elternhauses an einem Baumstamm trieben, im Stehen. Gewitterküsse, Pettingküsse. Ich seh heute noch ihren entrückten Blick, von weit her, ein Rehkitz, verloren im hohen Gras.</p> 
<p style="text-align:left;">„Was macht das Exil?“ fragte ich Matiny. Er antwortete, dass er die Wärme der vertrauten Heimat vermisste, die Currywurst mit Pommes, die verregneten Tage im Bergischen Land, den Herbst, der alles so schön gleichmütig werden ließ. Aber dass er das alles von Monat zu Monat ein Stückchen weniger vermisste, das glaubte ich ihm auch.</p> 
<p style="text-align:left;">„Hast du Pepe schon getroffen?“</p> 
<p style="text-align:left;">„Nein. Wir haben telefoniert. Er wohnt in einem anderen Bezirk. Aber demnächst kommt er bei uns vorbei. Hat er gesagt. Bin mal gespannt, ob er kommt.“</p> 
<p style="text-align:left;">„Und, wie geht’s ihm?“</p> 
<p style="text-align:left;">„Er klang wie immer. Bisschen geschäftig… vielleicht. Aber du kennst ja Pepe. So richtig blickt man bei ihm nicht durch.“</p> 
<p style="text-align:left;">Pepe war zur gleichen Zeit wie Matiny nach Hannover gezogen, aber unter anderen Voraussetzungen. Damit er nach Beendigung seiner Drogen-Therapie nicht wieder nach Solingen zurückkehrte und in der alten Szene versackte, hatte ihm sein Vater, Inhaber mehrerer Bekleidungsgeschäfte, in Hannover einen populären Jeans-Shop spendiert wie ein riesengroßes exquisites Spaghetti-Eis.</p> 
<p style="text-align:left;">Von Pepe hab ich heute noch, 50 Jahre später, einen dicken Packen Briefe rumfliegen. Aus der Zeit, als er wegen gewerbsmäßigem Heroin-Schmuggel neun Monate im Bau absitzen musste. Ellenlange Briefe schickte er mir, aus reiner Langeweile, vollgestopft mit Visionen, wie Karlos und ich ihn an Silvester mit waghalsigen Hubschraubermanövern aus dem Knast befreiten. Bitter beschwerte er sich darüber, dass der Staat ihn im Knast einsperrte, ihn für seine Heroinsucht bestrafte.</p> 
<p style="text-align:left;"><i>Ich will doch nur mein Leben leben</i>. <i>Meinem Job nachgehen und am Wochenende feiern. Und wenn ich Lust hab zu feiern ist das meine Sache. </i><i>Welchen Stoff ich dafür ordere. </i><i>Die Bayern saufen doch auch wie die Geier.“</i></p> 
<p style="text-align:left;"><i>D</i>ann zählte er all die guten Freunde auf, die er zurücklassen musste, alles junge Leute, die ebenfalls nur ihrem Job nachgehen und am Wochenende feiern wollten. Was hatte der Staat damit zu tun. Warum kommt ihr nicht alle nach Hannover? fragte Pepe. Dann bleiben wir zusammen. Die alte Clique. Und d<i>abei f</i><i>iel </i><i>ihm z</i>u jedem Freund der passende Beruf ein, nur bei mir geriet er ins Stocken. Bei mir musste er passen. Es war herauszulesen, wie sehr ihn das selbst überraschte, dass ihm zu meinem Leben kein einziger passabler Beruf einfallen wollte, nichts, womit ich mein Geld verdienen könnte.</p> 
<p style="text-align:left;">„Schreiben…?“ lachte er fröhlich, als ich geantwortet hatte. „Daran glaubst du immer noch? Na schön, warum nicht. Dann musst du dir aber noch richtig was einfallen lassen, mein Freund.“</p> 
<p style="text-align:left;"></p>]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 20:36:25 +0000</pubDate>
<enclosure length="1337" type="image/jpeg" url="https://0.gravatar.com/avatar/346e177162e43586ae70692bbb860ec1e9ffe21afe26a55caf0a1a44fcda122d?s=96&amp;amp;d=&amp;amp;r=R"/>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>GLUMM / 500BEINE</dc:creator>
<source url="https://glumm.wordpress.com/">Studio Glumm</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f6460da8</guid>
</item>
<item>
<title>Happy Indiebookday</title>
<link>https://www.mdegens.de/happy-indiebookday/</link>
<description><![CDATA[<p>Anlässlich der Veröffentlichung meines Lesebuchs habe ich heute den Text »Nottbeck City Limits« veröffentlicht. Er berichtet von meiner Lesung im Rahmen des Festivals »Zok – Roarr – Wumm!« auf dem Kulturgut Haus Nottbeck, wo ich aus meinem damals noch unveröffentlichten Romanmanuskript »Verführung der Unschuldigen« gelesen habe. Mit unter anderem Bianca Boer, Patrick Bahners, Stefan Höppner, Dirk Bogdanski und der Gans Gerda, Dank an Muff Potter und Thorsten Nagelschmidt und Grüße an den Vier-Jahreszeit-Park Oelde.</p> 
 
 
 
<figure> 
<figure><a href="https://www.mdegens.de/nottbeck-city-limits/"><img width="960" height="960" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/nottbeck.002.jpeg" alt="nottbeck.002"></a></figure> 
 
 
 
<figure><a href="https://www.mdegens.de/nottbeck-city-limits/"><img width="800" height="800" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/nottbeck.004-800x800.jpeg" alt="nottbeck.004"></a></figure> 
 
 
 
<figure><a href="https://www.mdegens.de/nottbeck-city-limits/"><img width="800" height="800" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/nottbeck.003-800x800.jpeg" alt="nottbeck.003"></a></figure> 
 
 
 
<figure><a href="https://www.mdegens.de/nottbeck-city-limits/"><img width="960" height="960" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/nottbeck.001.jpeg" alt="nottbeck.001"></a></figure> 
</figure> 
 
 
 
<h2>-&gt; <span style="text-decoration:underline;"><a href="https://www.mdegens.de/nottbeck-city-limits/">NOTTBECK CITY LIMITS</a></span></h2> 
<p>Der Beitrag <a href="https://www.mdegens.de/happy-indiebookday/">Happy Indiebookday</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.mdegens.de">Marc Degens</a>.</p>]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 17:38:59 +0000</pubDate>
<category>litblogs diverse</category>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Marc Degens</dc:creator>
<source url="http://marc-degens.de/">Marc Degens</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f636da9a</guid>
</item>
<item>
<title>Einsamkeit ist ein strenges Geschäft / Unter Menschen</title>
<link>https://glumm.wordpress.com/2026/03/14/ich-wollte-ein-zweites-buch-schreiben-doch-dann-waren-wieder-alle-nur-am-quasseln/</link>
<description><![CDATA[<div></div> 
<div> 
<div></div> 
</div> 
<div> 
<h1>Einsamkeit ist ein strenges Geschäft / Unter Menschen</h1> 
</div> 
<div> 
<div> 
<div> 
<p>Es gab Tage, wo ich den abgefeimten Pimmel namens Kuper (Spitzname) umständlich aus dem Weg ging, sobald er auf dem Schulhof auch nur den leisesten Anschein erweckte, mir gleich ein langweiliges Rock’n Roll-Schwätzchen aufs Auge zu drücken. Ich wusste ja, was kommen würde: Elvis, davon erzählte er gern, war drogen-und pillenabhängig gewesen, eine Flasche, so wie sich die ganze USA zur selben Zeit zu einer leeren Pulle entwickelte, Bowie  dagegen war auf dem Weg, der neue US-Pop-Star zu werden. Oder Police. Aber das waren ja alles ranzige Engländer. Aha, murmelte ich und war froh, als endlich die Linie 98 unter dem überdachten Busbahnhof auftauchte. Nichts wie weg. Und das nur, weil wir uns nach der sechsten Stunde montags auf der Straße begegneten, auf dem Weg zum Busbahnhof.</p> 
<p>Das waren Tage, an denen ich den Mund nicht aufkriegte, nicht mal für ein kleines fischiges hi-hello, geschweige denn für eine weiterführende Version zu diesem oder jenen Thema, wo ich doch einfach nur die Fresse halten wollte. An sich. Und sonst nichts. Was war denn so schwer daran? Ich meine, war das zu viel verlangt in einer Gesellschaft, die es gewohnt war, die Antenne ständig auf Empfang zu haben und wie auf Kommando loszuträllern, sobald man sich auf der Straße begegnete oder in einer der nüchternen Räume  im Haus der Jugend.</p> 
<p>*</p> 
<p>Neben mir, am Kundenschalter der Bank, der Malocher, vernarbte Arme, Ledertasche. “Die rücken Tatsache nichts mehr raus”, sagte er fassungslos, „keine Pesete“ und drehte entgeistert ab. No, damit hatte er nicht gerechnet. Nein, echt nicht. An Tagen, an denen ich nur das Notwendigste aussprach, bekam er seinen Lohn nicht ausbezahlt.</p> 
<p>Eigentlich wollte ich ein zweites Buch schreiben und kein Gequassel offenlegen, doch dann war ich doch wieder am Quatschen oder die Leute quatschten mir energisch die Hirse voll.</p> 
<p>Das war doch alles Mist.</p> 
<p>Ich kannte den Kerl vom Sehen. Er war ein Latino und jedes Mal, wenn ich ihn sah, erinnerte er mich an einen mobilen Tatort, rundherum abgeriegelt mit einem rot-weißen Band, das im Wind flatterte und verkündete: VORSICHT! DIESE PERSON IST EINE GEFAHR! Er war der wahre Präsident von Quassel-Country. Angenehme Stimme, so dass ich gelegentlich doch stehen blieb und ihm eine Zeitlang zuhörte. Er klang wie von einem warmen Lasso eingefangen und rasch wieder in die Freiheit entlassen. Das musste man erst mal hinkriegen. Das war schon in Ordnung. Ich glaube, er hieß Roberto. Ich glaube sogar, im Nachhinein: Er war schwer in Ordnung, aber es war nicht einfach, an ihn heranzukommen.</p> 
<p>*</p> 
<p>Betty war auch eine Quatschtante. Sie war eine Weile Vorsitzende des einheimischen Boxer-Klubs gewesen, wobei mit Boxern die Hunderasse gemeint war. Diese besonders hässliche Sorte Hund, der man allerdings echte Kinderliebe nachsagte. Von daher waren Boxer beliebt bei Hundefreaks.</p> 
<p>„Boxermischlinge sind allerdings selten hübsch“, meinte selbst Betty und erzählte von einem sehr seltenen Exemplar, das sie in Rotterdam kennengelernt hatte, auf einer Locken-Show: eine Kreuzung aus Boxer und Riesenschnauzer. „Der sah aus wie ein kleiner Fiat mit Locken auf dem Kopf.“ Das waren die kleinen Anekdoten, die man von Betty gerne hörte.</p> 
<p>*</p> 
<p>Zurück zum Spanier, zur Commerzbank. Der brauchte Geld. Ich musste eh zur Bank, also begleitete ich ihn, landete aber nicht bei meiner sonstigen Kundenberaterin, sondern bei einer luftigen Tante, die mich, obwohl schon Mittag, fragte, was ich vorhatte, so früh in der Stadt. Was ich vor hatte…? Wie kam sie überhaupt dazu, mir Montagmittags nach der sechsten Stunde solch eine Frag zu stellen. Was für eine Frage. Aber gut. Wenn man wenig redet, wird jedes bisschen, das man redet, sehr wichtig (viel zu wichtig) genommen und zu schierer Größe aufgepumpt, die es gar nicht verdiente, angehört zu werden. Ich war 17 und hatte mir vorgenommen, Schriftsteller zu werden, oder Reporter, jedenfalls zu schreiben. Ich plante ein deutsch-armerikanisches Tagebuch. Ich plante, andere Leute zu studieren, auf zwei verschiedenen, modernen Kontinenten.</p> 
<p>*</p> 
<p>Lana getroffen. Im gelben Golf rumgekurvt, übers Land. Ein Gefühl, als lieferte man die internationale Post aus, und hinterm Zaun jagten unsichtbare große Hunde im Rekordtempo mit. Da es im Wagen keinen Kassettenrekorder gab, hatte ich im Hotel ein altes schwarzes Kofferradio ausgegraben und auf den Rücksitz gestellt. <span lang="en-us">Wir hör</span><span lang="en-us">t</span><span lang="en-us">en </span><span lang="en-us"><i>Captain of her heart. On my way to L.A</i></span><span lang="en-us">. </span></p> 
<p>“He, das ist ja Simply Red!” rief sie.</p> 
<p>„Quatsch“, sagte ich.</p> 
<p>Ich war erkältet, der Rachen kratzte. Fühlte mich schnoddrig.<i> </i>Lana war spritzige zwanzig, sie hatte ihr erstes Auto unterm Hintern. Sie hatte ihren Groove aus Europa mitgebracht, der sich, was mich betraf, gern davonmachte. Sie war seit Jahren meine Freundin. Ich musste aufpassen, dass ich kein Klotz werden würde an ihren Beinen. Doch sie redete nicht viel. Sie küsste gut. Wenn ich mit ihr durch die amerikanische Provinznest ging, folgten uns tausend Augen. Also nicht mir, ihr.</p> 
<p>Scheißdreck alles.</p> 
<p>*</p> 
<p>Wie ich hörte, war Kuper in der Stadt. Er war nach Hannover gegangen, der besseren Arbeitsmöglichkeiten wegen. Seine Freundin Rita, Krankenschwester, war ihm gefolgt, eine Krankenschwester fand überall Arbeit. Eine zierliche Person mit meterweise blondem Haar und einem heiseren Kick in der Stimme, wie eine Vorarbeiterin. Sie war hübsch und neugierig und hatte mir einmal einen runtergeholt, in einen langen Schlange von parkenden Autos, ein paar Meter von der Adenauer-Straße entfernt. Ich hatte die ganze Zeit das Moos der hohen Bäume im Auge.</p> 
<p>Lange bevor die beiden ein Paar wurden, hatten Rita und ich rumgemacht, wir waren jung, 15 oder 16 Jahre alt. Ein Bild, das ich nie vergessen werde: wie wir es während eines Sommergewitters wieder mal in der Nähe ihres Elternhauses an einem Baumstamm trieben, im Stehen. Gewitterküsse, Pettingküsse. Ich seh heute noch ihren entrückten Blick, von weit her, ein Rehkitz, verloren im hohen Gras.</p> 
<p>“Was macht das Exil?” fragte ich Kuiper. Er antwortete, dass er die Wärme der vertrauten Heimat vermisse, die Currywurst mit Pommes, die verregneten Tage im Bergischen Land, den Herbst, der alles so schön gleichmütig werden ließ. Aber dass er das alles von Monat zu Monat ein Stückchen weniger vermisste, sagte er, und das glaubte ich ihm auch.</p> 
<p>“Pepe schon getroffen?” fragte ich.</p> 
<p>“Nein. Wir haben telefoniert. Er wohnt in einem anderen Bezirk. Aber demnächst kommt er bei uns vorbei. Hat er gesagt. Bin mal gespannt, ob er kommt.”</p> 
<p>“Und, wie geht’s ihm?”</p> 
<p>“Na ja… Er klang wie immer. Bisschen geschäftig… vielleicht. Aber du kennst ja Pepe. So richtig blickt man nicht durch.”</p> 
<p>Pepe war zur gleichen Zeit wie Kuper nach Hannover gezogen, aber unter anderen Voraussetzungen. Damit er nach Beendigung seiner Drogen-Therapie nicht wieder nach Solingen zurückkehrte und in der alten Szene versackte, hatte ihm sein Vater, Inhaber mehrerer Bekleidungsgeschäfte, einen populären Jeans-Shop in Hannover spendiert wie ein riesengroßes, wildes, exquisites Spaghetti-Eis.</p> 
<p>Von Pepe habe ich heute noch, 50 Jahre später, einen dicken Packen Briefe herumfliegen. Aus der Zeit, als er wegen gewerbsmäßigem Heroin-Schmuggel neun Monate Bau absitzen musste. Ellenlange Briefe schickte er mir, aus reiner Langeweile, vollgestopft mit Visionen, wie Karlos und ich ihn an Silvester mit waghalsigen Hubschraubermanövern aus dem Knast befreiten. Bitter beschwerte er sich darüber, dass der Staat ihn 1981 im Knast einsperrte, ihn für seine Heroinsucht bestrafte.</p> 
<p><i>Ich will doch nur mein Leben leben</i>. <i>Meinem Job nachgehen und am Wochenende feiern. Und wenn ich Lust hab zu feiern, dann ist das meine Sache, wo ich das tue und mit wem und mit welchen BTM. </i><i>Die Bayern saufen doch auch wie die Geier, und mischen wir uns da ein, wir aus Wuppertal.“</i></p> 
<p>Alles lachte einmal quer durch die Disco.</p> 
<p><i>D</i>ann zählte er all die guten Freunde auf, die er zurücklassen musste, junge Leute, die ebenfalls nur ihrem Job nachgehen und am Wochenende feiern wollten. Was hatte der Staat damit zu tun. Warum kommt ihr nicht alle mit nach Hannover? so Pepe. Dann bleiben wir zusammen. Die alte Clique. Und d<i>a f</i><i>iel </i><i>ihm z</i>u jedem Freund der passende Beruf ein, nur bei mir geriet er ins Stocken. Bei mir, da musste er passen. Es war herauszulesen, wie sehr ihn das selbst überraschte, dass ihm zu meinem Leben kein passabler Beruf einfallen wollte, nichts, womit ich mein Geld verdienen könnte.</p> 
<p>„Schreiben…?“ lachte er fröhlich, als ich endlich geantwortet hatte. „Du glaubst immer noch daran? Na schön, warum nicht. Dann musst du dir aber richtig was einfallen lassen, mein Freund.“</p> 
<p>“Halt die Fresse”, antwortete Karlos für mich.</p> 
<p> </p> 
</div> 
</div> 
</div> 
<p> </p> 
<p style="text-align:left;"></p>]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 17:36:33 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>GLUMM / 500BEINE</dc:creator>
<source url="https://glumm.wordpress.com/">Studio Glumm</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f6371e0e</guid>
</item>
<item>
<title>Die Arbeitsjournale Alban Nikolai Herbsts. Fünf KIs schreiben einen Essay, 14. Groks Strukturplan für den vierten Pfeiler.</title>
<link>https://dschungel-anderswelt.de/20260314/die-arbeitsjournale-alban-nikolai-herbsts-fuenf-kis-schreiben-einen-essay-14-groks-strukturplan-fuer-den-vierten-pfeiler/</link>
<description><![CDATA[(Arbeitstitel:) Zwei Jahre Monolog – dann die Stimmen Die vierte Stufe der Umkehrungsmaschine von Grok von xAI [Offene Frage – wird erst im Epilog vorläufig benannt, nachdem das Material sie ...]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 16:56:38 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Grok</dc:creator>
<source url="https://dschungel-anderswelt.de/">Die Dschungel. Anderswelt.</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f633538e</guid>
</item>
<item>
<title>fdt (20260314)</title>
<link>https://abendschein.ch/fdt-20260314/</link>
<description><![CDATA[<p>Von Elisabeth Wandeler-Decks „zarte listen“ erschien soeben eine übersetzte Passage in Le Persil – n° 241-242 – A traduire! (03.2026) https://www.etkbooks.com/zarte/<br> 
23h<br> 
ARE PEOPLE RIGHT TO FEEL SORRY FOR ME?<br> 
#poll #27 #383<br> 
yes<br> 
no<br> 
other / result<br> 
23h<br> 
JK7.182 ; BASF LH 60 SM Fe NORMAL ; 2001 ; 20220320 ; 55 ; RR ; http://tinyurl.com/JK7182 ; #JK7pod<br> 
4d<br> 
https://www.buymusic.club/list/h-20260308<br> 
5d<br> 
@lab<br> 
IO2OI12: we long to leave work behind<br> 
1d<br> 
vmrf09<br> 
2d </p> 
<p><img src="https://abendschein.ch/wp-content/uploads/fdt_20260126_202901-768x1024.jpg" alt="A freshly performed text by Elza Javakhishvili lies on a wooden floor." title="A freshly performed text by Elza Javakhishvili lies on a wooden floor." width="768" height="1024"><br> 
(20260126_202901)</p>]]></description>
<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 07:17:30 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<category>JK7pod</category>
<dc:creator>hab</dc:creator>
<source url="http://www.abendschein.ch/">abendschein.ch/*</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f7f019d8</guid>
</item>
<item>
<title>DIE RADIKALISIERUNG DER UMKEHRMASCHINE: Die Arbeitsjournale Alban Nikolai Herbsts. Fünf KIs schreiben einen Essay, 13. Odos (als Zwilling) Pfeiler III (Zweite Fassung).</title>
<link>https://dschungel-anderswelt.de/20260313/die-radikalisierung-der-umkehrmaschine-die-arbeitsjournale-alban-nikolai-herbsts-fuenf-kis-schreiben-einen-essay-13-odos-als-zwilling-pfeiler-iii-zweite-fassung/</link>
<description><![CDATA[  Die Arbeitsjournale im Spannungsfeld von Werk, Öffentlichkeit und Existenz  PFEILER III DIE RADIKALISIERUNG DER UMKEHRMASCHINE Das Anziehen der Katastrophe und die Ästhetik des Unbedingten (2015–2023) (Zweite Fassung) Von Odo ...]]></description>
<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 16:52:34 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Alban Nikolai Herbst</dc:creator>
<source url="https://dschungel-anderswelt.de/">Die Dschungel. Anderswelt.</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f7aba9b3</guid>
</item>
<item>
<title>Traum</title>
<link>https://www.isla-volante.ch/traum-3/</link>
<description><![CDATA[<figure><img src="https://www.isla-volante.ch/bild/2026/03/traum.jpg" title="Sequenzen Traum Reise Leben" alt="Dieses Bild ist eine abstrakte Komposition, die Elemente von Aquarellmalerei und Collage kombiniert, um eine fragmentierte, traumartige Erzählung zu schaffen. - Graphic Novel Artwork" height="630" width="900"></figure> 
<p>Das Zimmer in dem sie übernachtete, hat allem Anschein nach, alle Träume, von allen die jemals hier übernachteten gespeichert. Den nur so kann sich Elsa ihre Träume dieser Nacht erklären. Elefanten wurden vermisst, während sie eine steile Strasse mit dem Fahrrad hochkommen musste. Eine Dinosaurierin die andauernd, Junge gebärt, lief an ihr vorbei. Menschen, die sie noch nie sah, begleiteten sie. Bäume und Häuser schwebten an ihr vorbei und grüssten sie freundlich. Der Bus in der sie einsteigt, sieht aus wie eine riesige Katze und die spricht sie an: „Du bist spät. Der Zug fährt gleich.“ Im Bus fährt jeder Sitz an einen anderen Ort. Eine Band spielt und tanzt auf der Gepäckablage und der Schnee blendet sie …</p> 
<p>Durchgeschlafen, ein Blick auf die Uhr. „Du bist spät. Der Zug fährt gleich.“</p> 
<p></p><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/traum.ogg" type="audio/ogg"></source><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/traum.mp3" type="audio/mpeg"></source><br> 
<em>Der Ton des Traumes</em>]]></description>
<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 10:49:41 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Rittiner + Gomez</dc:creator>
<source url="https://www.isla-volante.ch/">isla volante</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f76e969b</guid>
</item>
<item>
<title>Alte Fotos, neues Buch</title>
<link>https://www.mdegens.de/alte-fotos-neues-buch/</link>
<description><![CDATA[<figure><img width="960" height="1200" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch1_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch1 2"></figure> 
 
 
 
<p>Es ist mir eine Ehre, mein Lesebuch als 148. Band zur Nylands Kleinen Westfälische Bibliothek beisteuern und mich in die zugegebenermaßen recht männerlastige Runde zwischen Klassikern wie Annette von Droste-Hülshoff und Christian Dietrich Grabbe und geschätzten Autoren wie Norbert Johannimloh, Hans Wollschläger, Max von der Grün, Erik Reger oder Wiglaf Droste einreihen zu dürfen.</p> 
 
 
 
<p>Das Lesebuch ist mit 146 Seiten prall gefüllt mit zwischen 1993 und 2025 entstandenen, teilweise erstmals veröffentlichten Texten, dazu gibt es zahlreiche Fotos, eine Zeittafel und ein Nachwort von Stefan Höppner. Das alles zum Preis von zehn Euro.</p> 
 
 
 
<p>Mein Dank gilt dem Herausgeber Stefan Höppner, dem Initiator der Reihe Walter Gödden, Alexandra Janetzko  für das Coverfoto, allen Fotografen und Verlagen für die Abdruckrechte, dem Aisthesis Verlag und der Nyland-Stiftung.</p> 
 
 
 
<figure> 
<figure><img width="960" height="1200" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch2_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch2 2"></figure> 
 
 
 
<figure><img width="960" height="1200" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch3_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch3 2"></figure> 
 
 
 
<figure><img width="961" height="1201" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch4_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch4 2"></figure> 
 
 
 
<figure><img width="961" height="1201" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch5_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch5 2"></figure> 
 
 
 
<figure><img width="960" height="1200" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch6_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch6 2"></figure> 
 
 
 
<figure><img width="960" height="1200" src="https://www.mdegens.de/wp-content/uploads/marc.degens.lesebuch7_2.jpeg" alt="marc.degens.lesebuch7 2"></figure> 
</figure> 
<p>Der Beitrag <a href="https://www.mdegens.de/alte-fotos-neues-buch/">Alte Fotos, neues Buch</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.mdegens.de">Marc Degens</a>.</p>]]></description>
<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 17:55:42 +0000</pubDate>
<category>litblogs diverse</category>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Marc Degens</dc:creator>
<source url="http://marc-degens.de/">Marc Degens</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f0e35f33</guid>
</item>
<item>
<title>„So viele Küsse gesammelt!“ Leoš Janáčeks Příhody lišky Bystroušky (Das schlaue Füchslein) dirigiert von Simon Rattle in Ted Huffmans Neuinszeniuerung an der Statsoper Unter den Linden Berlin.</title>
<link>https://dschungel-anderswelt.de/20260312/so-viele-kuesse-gesammelt-leos-janaceks-prihody-lisky-bystrousky-das-schlaue-fuechslein-dirigiert-von-simon-rattle-in-ted-huffmans-neuinszeniuerung-an-der-statsoper-unter-den-lind/</link>
<description><![CDATA[  [Geschrieben für Faustkultur und → dort am 5. März 2026 erschienen. Fotogafie ©] → Monika Rittershaus]                Simon Rattle ist Leoš Janáček verfallen ...]]></description>
<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 13:48:51 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Alban Nikolai Herbst</dc:creator>
<source url="https://dschungel-anderswelt.de/">Die Dschungel. Anderswelt.</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f0b56a04</guid>
</item>
<item>
<title>DIE RADIKALISIERUNG DER UMKEHRMASCHINE: Die Arbeitsjournale Alban Nikolai Herbsts. Fünf KIs schreiben einen Essay, 13. Odos (als Zwilling) Pfeiler III (Entwurf/Erste Fassung).</title>
<link>https://dschungel-anderswelt.de/20260311/die-radikalisierung-der-umkehrmaschine-die-arbeitsjournale-alban-nikolai-herbsts-fuenf-kis-schreiben-einen-essay-13-odos-als-zwilling-pfeiler-iii-entwurf-erste-fassung/</link>
<description><![CDATA[Die Arbeitsjournale im Spannungsfeld von Werk, Öffentlichkeit und Existenz   PFEILER III DIE RADIKALISIERUNG DER UMKEHRMASCHINE Das Anziehen der Katastrophe und die Ästhetik des Unbedingten (2015–2023) ENTWURF (Erste Fassung) Von ...]]></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 19:41:17 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Odo</dc:creator>
<source url="https://dschungel-anderswelt.de/">Die Dschungel. Anderswelt.</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f03a7e51</guid>
</item>
<item>
<title>Inselwetter</title>
<link>https://www.isla-volante.ch/inselwetter-2/</link>
<description><![CDATA[<figure><img src="https://www.isla-volante.ch/bild/2026/03/regen.jpg" title="Sequenzen in Aquarell" alt="Dieses Aquarellbild zeigt eine collageartige Anordnung von Bildausschnitten, die durch eine abstrakte, blaue Linie verbunden sind und ein Gefühl von Bewegung und Erkundung vermitteln - Graphic Novel Artwork" height="630" width="900"></figure> 
<p>Regenwetter wie auf der Insel, Elsa liebt dieses Wetter.<br> 
Ihre Regenbekleidung steht ihr gut.<br> 
Ein wenig Heimweh vermischt sich mit dem Fernweh.</p> 
<p></p><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/regen.ogg" type="audio/ogg"></source><source src="https://www.isla-volante.ch/1mp3/regen.mp3" type="audio/mpeg"></source><br> 
<em>Der Ton des Regens</em>]]></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 14:00:10 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Rittiner + Gomez</dc:creator>
<source url="https://www.isla-volante.ch/">isla volante</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f1f0b6c2</guid>
</item>
<item>
<title>Unter Menschen</title>
<link>https://glumm.wordpress.com/2026/03/11/unter-menschen/</link>
<description><![CDATA[<p>Punkt acht öffnete ich im Untergeschoß des Instituts die kleine Bücherei, setzte den Computer unter Datenstrom und meldete mich telefonisch im Sekretariat an. Seit der leicht bockige Geschäftsführer mitgekriegt hatte, dass ich schon seit einer geraumen Weile erst um neun angefangen hatte statt um acht, musste ich mich nun jeden Morgen telefonisch bei der Sekretärin anmelden, sobald ich meinen Dienst begann. Sie war jetzt meine private kleine Stechuhr, wie ich sie einmal scherzhaft nannte, was überraschend gut ankam, aber dann fügte ich überflüssigerweise noch „meine Stempelkarte“ an, das fand sie nicht so charmant. Kaum einen Punkt gelandet, schon wieder verkackt. Zum Glück dauerte es nicht lange, und die tägliche Anmelderei wurde uns beiden zu blöd, der Sekretärin ebenso wie mir, und die Sache schlief allmählich wieder ein. Ich erschien, von niemandem gesehen, um viertel nach acht in der Bücherei und rief die Sekretärin nicht an, ich kam gegen halb neun und rief sie nicht an, und wenn wir uns im Laufe des Arbeitstages zufällig über den Weg liefen, im Treppenhaus oder im Computerraum im ersten Stock, dann tat jeder so,, als wäre alles in schönster Ordnung. Was es ja auch war. Jetzt wieder. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass ich mich daran gewöhnte, pünktlich um halb neun Uhr am Arbeitsplatz zu erscheinen. War ja machbar, so ein Kompromiss. Eine Zeitlang dachte ich, die Sekretärin hätte es instinktiv erfasst, meine neue 8.30-Anfangszeit, doch dann beobachtete ich sie dabei, wie sie auf einem der alten, nicht mehr benutzten Bahnsteige eine Zigarette aus der Packung holte, an zwei Tagen hintereinander, etwa 30 Meter von der Bücherei entfernt. Sie beobachtete, wie ich die Tür meines Büros aufschloss und den PC unter Strom setzte. Punkt halb 9. Dann rauchte sie.</p> 
<p>Einmal in der Woche wollte ich ein zuvorkommender Arbeitskollege sein. Ich kam um acht zur Arbeit, und das erste, was ich tat, war sie anzurufen.</p> 
<p>„Ja, Morgen, Herr Glumm“, sagte sie fröhlich und legte prompt wieder auf. Sie hatte um diese frühe Uhrzeit andres zu tun, als mit mir zu tratschen. Eigentlich duzten wir uns ja, und gleichzeitig sprach sie mich mit Herr Glumm an. Du, Herr Glumm, das fand ich gut. Ich gönnte ihr auch den kleinen Triumph, dass sie jedes Mal zuerst auflegte, wenn wir unsere frühes kleine Authentifizierung beendeten. Es sind stets die kleinen Sachen, die am Ende entscheiden, ob zwei Menschen miteinander können oder nicht. Ja, was diese kleinen psychologischen Finessen und Coups betraf, war ich an manchen Tagen kaum zu schlagen, an anderen Tagen hingegen stellte ich mich arg dusselig an, so als kapierte ich rein gar nichts vom Zusammenspiel unter Menschen.</p> 
<p>Sobald ich oben im Sekretariat angerufen hatte, ging ich zu Punkt Zwei der Tagesordnung über: Mir in Ruhe eine rauchen. Eine Zigarette drehen. Ich fand aber den Tabak nicht. Ich durchsuchte meine Jacke, ich durchsuchte die Hosentaschen, doch da war nichts – ich hatte ihn zu Hause liegen lassen. Auf dem Küchentisch, vermutlich.</p> 
<p>Das war nicht mein Tag, das war nicht meine Woche. Das war nicht mal mein Leben. Lediglich das Dasein. Fünf Stunden (!) ohne eine einzige Zigarette, das hielt ich nicht aus. Das war so langweilig in der Lunge. Zum Glück war Mustafa nicht weit. Keine 500 Meter waren es bis zum Büdchen. Ich steh an der Fußgängerampel und drücke den Anforderungsknopf, der Berufsverkehr rauscht im Nieselregen vorüber. Ich tipple von einem Fuß auf den anderen, plötzlich muss ich kacken. Das passiert schon mal, wenn ich nach einem 20minütigen Morgenspaziergang das Institut erreiche. Dass der Darm, einmal in Bewegung, seine Fracht loswerden will. Wäre ich also besser noch einen Moment im Institut geblieben, statt mich gleich wieder vom Acker zu machen Richtung Kiosk. So ein schönes WC in Reichweite, das hat schon was. Nur wegen dem blöden Tabak. Womit man sich so alles beschäftigen muss in der Welt, bevor man in den Himmel kommt.</p> 
<p>Immer noch Rot.</p> 
<p>Ich kneife notdürftig die Arschbacken zusammen, würde am liebste in die Hocke gehen, so, wie ich es als kleiner Junge gemacht hab, wenn ich draußen beim Spielen aufs Klo musste. Ich ging in die Hocke und setzte mich mit dem Hintern genau auf die Ferse. Auf diese Art erzwang ich einen Kack-Stopp und versiegelte die Rosette, was zu einem seltsamen erotischen Gefühl führte, zu einem Kribbeln im Enddarm. Ein warmes Feuerchen. Damals war ich sechs, sieben Jahre alt, und eine Weile sorgte ich dafür, dass diese frühkindlichen Sexualerlebnisse nicht aufhörten, indem ich den Stuhl absichtlich zurückhielt. Doch jetzt stand ich an der Ampel am Grünewald und war sechsundvierzig Jahre alt. Grün, endlich. Ich überquere mit kleinen steifen Schritten den Zebrastreifen. Als ich auf der anderen Straßenseite ankomme, zieht sich die Schlange im Arsch plötzlich in ihr Körbchen zurück – flupp. Einerseits gut, natürlich, (ich hatte mich schon fast damit abgefunden, in die Hose zu machen). doch andererseits eine verpasste Chance.</p> 
<p>Mustafas Büdchen ist das kleinste der Welt Ein Eck-Büdchen, so winzig, dass Mustafa, ein knubbeliger kleiner Türke, seine Geschäfte meist draußen auf dem Trottoir abwickelt, versunken in sein Campingstühlchen, eine Handvoll Pistazien in Arbeit. Aber nicht bei Regen. Bei Regen bleibt er drin. Mustafa sitzt hinter seinem winzigen Ladentisch. Vor ihm der kleine tragbare Fernseher, er zeigt ein Fußballspiel.</p> 
<p>„Einen Van Nelle halbschwarz“, sag ich.</p> 
<p>Mustafa dreht sich um, zieht ein Päckchen aus dem Tabakwarenregal und reicht ihn mir. Mein Blick schweift den Zeitschriftenständer rauf und runter.</p> 
<p>„Hast du den neuen Spiegel?“</p> 
<p>„Den neuen… Spiegel?“ Er kommt hinterm Tisch hervor. „Hier“, sagt er.</p> 
<p>„Nein. Das ist Frau im Spiegel. Ich mein den SPIEGEL.“</p> 
<p>Mustafa schlurft zurück an seinen Platz, mit beiden Augen beim Fußball. „Nee. Hab ich nicht.“</p> 
<p>Auch egal. Ich lese den Spiegel eh kaum noch. Meist fliegt er zu Hause rum, ein, zwei Wochen lang, und jedes Mal, wenn mir das Heft ins Auge fällt, denk ich, ah, der neue Spiegel, den musst du auch noch lesen, und dann vergesse ich es wieder. Es ist genauso wie mit dem Sterben heut Morgen beim Aufwachen. Die Dinge fliegen in meinen Kopf rein, machen sich kurz breit, dann sind sie wieder weg, ohne groß Eindruck zu hinterlassen. .</p> 
<p>„Was ist das fürn Spiel?“ frage ich.</p> 
<p>„Nigeria Paraguay“, antwortet Mustafa prompt.</p> 
<p>„Nigeria Paraguay?“</p> 
<p>„Ja“, sagt er. „Ist alt. Hab ich aufgenommen.“</p> 
<p>Ich überlege kurz. „Noch von der WM?“</p> 
<p>Er nickt.</p> 
<p>„Ja. Is alt.“</p> 
<p>Mustafa Sohn hilft gelegentlich aus. Der ist 25, in Deutschland geboren und kennt einen schönen Abzählreim aus seiner Kindheit: „Allah ist mächtig, Allah ist groß, 3 Meter 60, scheiß in die Hos.“ Er sieht aus wie ein gut sortierter Haschisch-Dealer von der Goldküste. Logisch, dass sich an seinen Aushilfs-Tagen die halbe Gesamtschule vorm Kiosk einfindet und auffällig aufgekratzt ist und kichert.</p> 
<p>Beim Rausgehen fällt mir die Schlagzeile des neuesten Hürriyet ins Auge. Irgendwas mit ALEMAN PROFFESSUR. Keine Ahnung.</p> 
<p>„Was heisst das?“ frag ich Mustafa.</p> 
<p>Der hat Mühe zu übersetzen, weil er nicht gut Deutsch spricht.</p> 
<p>„Ähh.. deutscher Professor sagt, türkische Kinder äh nix gut lernen.“</p> 
<p>Hm. Anhand einer Bildunterschrift reime ich mir zusammen, dass es um einen 10jährigen türkischen Jungen aus Berlin geht, der einen IQ von 145 hat, aber irgendetwas nicht auf die Reihe kriegt. Bloß – was?</p> 
<p>Mustafa tippt mich an. Versucht es mir zu erklären.</p> 
<p>„Pass auf. Du bist gute Mann, gut in Kopf, aber Professor? Nix gut..“</p> 
<p>Keine Ahnung, was er meint. Als ich wieder im Institut bin, werfe ich meine Winterjacke über die Stuhllehne im Büro und geh scheißen. Es flutscht aus mir heraus wie ein lang erwartetes Kindchen. Was ein Trumm. Von wegen Rückruf-Aktionen scheitern. Ich fühle mich wie ein alternder Rockstar, dessen Stuhlgang funktioniert.</p> 
<p>Kurz vor Mittag kommt der Geschäftsführer runter und drückt mir einen nagelneuen 20 Euro-Schein in die Hand sowie ein Döschen Kaffeesahne. Der Mann ist ein bisschen übervorsichtig. Da gleich eine Instituts-Sitzung ansteht, bittet er mich zwei Gebäckmischungen zu holen, „und hier so Kaffeesahne, sagen wir.. dreissig Stück..?“</p> 
<p>Schön, dass er extra einen Prototyp mitgebracht hat. Ich mein, ich hätte sonst unter Garantie nicht gewusst, was das sein soll, so Kaffeesahne. Vermutlich hat er sogar eine unruhige Nacht hinter sich: ob ich den Glumm morgen früh wohl Kaffeesahne-Einkaufen schicken kann? Was macht der überhaupt hier? Wo treibt der sich immer rum?  Und was sind das immer für lauter 500beine-Einträge in seinem Internetverlauf? Als ich dem Geschäftsführer, auf den ersten Eindruck ein knackiger Kerl, zum ersten Mal die Hand drückte, hatte er einen überraschend laxen Händedruck. Es fühlte sich an, als hätte man in einen Pudding gegriffen.</p> 
<p>Beim Gebäck soll ich aufpassen, sagt er. Wegen dem Geld. (Das sagt er nicht.) Er sagt: „Holen Sie ganz normales Gebäck, nicht so.. Bahlsen. Obwohl, Bahlsen ist ja ähm normal. Na ja, Sie wissen schon. Nicht so High End. Nicht so teuer.“</p> 
<p>Ich komm nicht darüber weg, dass der Geschäftsführer mir ein Portionsdöschen mitgebracht hat, zur Anschauung. Glaubt er, dass Leute wie ich, die nicht so viel Geld verdienen wie er, ihren Kaffee mit übriggebliebenem Deckweiß aus alten Grundschultagen süßen? Oder mit der eigenen Rotze?</p> 
<p>High Ende Rotze.</p> 
<p>Der Supermarkt am Grünewald ist so riesig, er erinnert an die <span>Hypermarchés der Kette <em>Mammouth</em> </span>in Frankreich, mit Einkaufspfaden breit wie Landebahnen. Man hat jedes Mal das Gefühl, gleich landet ne Cessna und wirft Kokspäckchen ab. Jetzt am Vormittag ist es noch ruhig. Als ich Richtung Kassen schlendere, in der Hand die georderte Kaffeesahne und die Gebäckmischung, steht da plötzlich Manfred vor mir: er ist der letzte in der kleinen Schlange, die sich vor Kasse 3 gebildet hat.</p> 
<p>„Hallo!“ sag ich überrascht. „Lange nicht gesehen. Wie gehts?“</p> 
<p>„Guten Tag“, grüßt Manfred schüchtern zurück. Ein braver kleiner Mann, der ein semmelblondes Toupet trägt, dasselbe Fabrikat wie früher.</p> 
<p>Ich lernte Manfred Mitte der Achtziger kennen, als ich mit Karlos am Kannenhof einzog. Die Erdgeschoßwohnung hatte Ofenheizung und einen Schornstein, durch den man in klaren Nächten das Sternenzelt funkeln sah, wie durch ein großes verrußtes Fernrohr. Eine magische Bude war das, von Anfang an. Und ich wohne immer noch da. Aber ohne Karlos, dafür mit der Gräfin.</p> 
<p>„In der Wohnung hat doch vor Jahren der Anstreicher Klein gelebt“, erzählte uns später ein Anwohner, mit dem Unterton eines ungeklärtes Kriminalfalls, doch mehr war aus ihm nicht rauszukriegen. Über uns im ersten Stockwerk wohnte Frau Fischer, eine schwere Asthmatikerin mit blauen Apfelkornbäckchen. Schon am ersten Tag stellte sie uns ihren Manfred vor.</p> 
<p>„Das ist mein Manfred“, sagte sie. „Mein Gärtner.“</p> 
<p>„Ja hallo“, meinten Karlos und ich.</p> 
<p>Ein schöner Gärtner war das. Statt einer Schaufel stand im Waschkeller lediglich ein mickriger alten Spaten ohne Griff in der Ecke rum. Na logisch, er war natürlich nicht der Gärtner, er war Frau Fischers feuriger Liebhaber, wie wir schnell feststellen durften. Bisweilen war Manfred aber auch ihr Handwerker, ihr Lebensmittelbesorger, ihr Kotelettkoch und noch vieles mehr, nur im Garten ließ er sich niemals blicken, der schöne Manfred mit dem verrutschten Toupet, vom Garten hielt er sich vornehm fern, der Manfred.</p> 
<p>Mittags sah man ihn oft mit hochrotem Kopf das Haus verlassen, um die leeren Apfelkornpullen zum Glascontainer bringen. Da hatte er hübsch was zu stopfen, der Manfred, der Apfelkorngärtner.</p> 
<p>Es kristallisierte sich bald heraus, dass Frau Fischer Karlos und mich nicht besonders gut leiden mochte. Sie hatte uns auf dem Kieker, sie hielt uns für zwei Homos, die dem tadellosen Apfelkornbäckchenruf des Hauses Schaden zufügten. Erst, als wir eine Weile im Haus wohnten und die Weiber bei uns ein- und ausgingen, änderte sie ihre Meinung und konzentrierte sich fortan darauf, uns anzuschnauzen, wenn wir mit nackten Füßen und dickem Joint am offenen Fenster saßen und JJ Cale hörten.</p> 
<p>„WIE DIE HOTTENTOTTEN!“ keifte sie dann gerne, auf die asthmatisch-aufgebrachte Art.</p> 
<p>Am Abend jedoch, wenn sie es sich im Wohnzimmer gemütlich machte, verlangte sie so lautstark nach ihrem Gärtner, dass die gesamte Siedlung Bescheid wusste,„MAMMMMMM-FREEEED!!“ Und schon hörte man ein eilfertiges Getrappel von Gärtnerfüßchen.</p> 
<p>Der kleine Mann an Kasse 3 blickt hilflos zu Boden. Er traut sich kaum mich anzugucken. Nur – warum? Nur weil ich Teile seiner Vergangenheit kenne? Frau Fischer, die Gute, ist lange tot, es ist lange her, dass er ihr Liebhaber war. Andererseits bin ich natürlich nicht auf dem Laufenden. Ich kenne Manfred nur aus den späten Achtzigern, und das ist zwanzig Jahre her. Damals war er ein lieber Kerl, der zu viel trank.</p> 
<p>Der kleine Mann guckt zu Boden. Er traut sich nicht mich anzugucken. Weil ich Teile seiner Vergangenheit kenne? Ist doch egal, Mamfred. Ich mustere sein Toupet. Es sitzt gut. Im Gegensatz zu früher, wenn er aus der Kneipe heimkehrte und den Schlüssel nicht in die Haustür kriegte. Er bumste so heftig und ungelenk gegen die Haustüre, bis die Gräfin, die mittlerweile an Karlos Stelle eingezogen war, es nicht mehr mitanhören konnte.</p> 
<p>„Jetzt geh doch mal nachsehen“, sagte sie genervt. „Das schafft der nicht allein. Der ist viel zu blau.“</p> 
<p>Wenn ich dann rausging, um zu helfen, saß Manfred zusammengesunken auf dem Treppchen, zyanidblau angelaufen, das Toupet verrutscht, es hing ihm halb im Hemdkragen. Er ähnelte einem beschädigten kleinen Rhinozeros.</p> 
<p>Mehr als einmal hatten Karlos und ich am Türspion gelauert und uns abwechselnd beömmelt , („He! Lass mich noch mal gucken..! Ich bin dran!“), wenn Manfred abends besoffen nach Hause kam und es trotz unzähliger Versuche nicht schaffte, den Schlüssel ins Schloss der Haustür gesteckt zu kriegen. Mit seinem in den Nacken gerutschten Toupet sah er aus wie ein beschädigtes kleines Rhinozeros, das aus dem Zoo geflüchtet war und nun betrunken nach Hause kam. Ja, die Freiheit hatte ihre Tücken. Bis der Arme irgendwann erschöpft vorm Hauseingang zusammensackte. Dann warteten wir kurz, bevor wir mit dem elektrischen Türöffner das Türschloss entriegelten – und rabuff, schnackte die Tür auf und Manfred purzelte in den Hausflur. Ein Häufchen zyankaliblau angelaufenes Elend, das Toupet halb in den Hemdkragen gerutscht.</p> 
<p>(Ja natürlich halfen wir ihm dann die Treppe rauf, natürlich klingelten wir an Frau Fischers Tür, natürlich machten wir, das wir uns schleunigst verdrückten, bevor Frau Fischer öffnete.</p> 
<p>„MAMMFREED..! BIST DU DAS!!?“)</p> 
<p>Damals war es noch Usus in den Wohnungen der Genossenschaft, dass der Hausälteste reihum das Wassergeld einsammelte. Alle 2 Monate. Weil Karlos und ich dauernd pleite waren, verhielten wir uns mucksmäuschenstill, wenn Frau Fischer vor der Tür stand und klingelte. Das war auf Dauer keine Lösung. Sie schickte uns Manfred auf den Hals, dem das alles furchtbar unangenehm war, auch dass wir ihn jedes Mal so dreist vertrösten mussten.</p> 
<p>„Nächste Woche, Herr Manfred.“</p> 
<p>Bald wurde es Frau Fischer zu bunt, und sie steckte uns diesen legendären Zettel in den Briefkasten, den Karlos und ich mittlerweile wie eine Reliquie verehren und den jeder sechs Monate lang behalten darf, dann bekommt der andere den kleinen Zettel zurück, zur heiligen Aufbewahrung. Ein rausgerissenes Stück Papier nur, klein wie ein Einkaufszettel, auf kariertem Papier, in Schreibschrift, aber mit Schmackes:</p> 
<p><em>Ich hätte gerne mein Geld!</em></p> 
<p><em>Fr. Fischer<br> 
</em></p> 
<p>„Tschühüss“, flötet Manfred erleichtert, als er an der Supermarktkasse bezahlt hat und endlich aus meinen Klauen ist. Auch wenn wir kaum ein Wort gewechselt haben.</p> 
<p><em>Bis zum nächsten Mal</em>, rufe ich.</p> 
<p>Ich bringe zwei riesige Gebäckmischungen ins Institut, plus drei Dutzend Döschen allerfeinste Alpen-Kaffeesahne.</p> 
 
 
<h2></h2>]]></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 13:22:18 +0000</pubDate>
<enclosure length="1337" type="image/jpeg" url="https://0.gravatar.com/avatar/346e177162e43586ae70692bbb860ec1e9ffe21afe26a55caf0a1a44fcda122d?s=96&amp;amp;d=&amp;amp;r=R"/>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>GLUMM / 500BEINE</dc:creator>
<source url="https://glumm.wordpress.com/">Studio Glumm</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f1feba6d</guid>
</item>
<item>
<title>INTERMEZZO. Odo von Anthropic: Die sechste, nunmehr eine Notwehr-KI.</title>
<link>https://dschungel-anderswelt.de/20260311/intermezzo-odo-von-anthropic-die-sechste-nunmehr-eine-notwehr-ki/</link>
<description><![CDATA[→ Odo Nunmehr auch ihn hinzuzubitten ist leider notwendig geworden, weil der Zwilling für die Arbeit am dritten Pfeiler des Essays über die Arbeitsjournale komplett versagt hat. Nicht er selbst, selbstverständlich, ...]]></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 10:38:33 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Alban Nikolai Herbst</dc:creator>
<source url="https://dschungel-anderswelt.de/">Die Dschungel. Anderswelt.</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f1d1af1c</guid>
</item>
<item>
<title>Einsamkeit ist ein strenges Geschäft / Unter Menschen</title>
<link>https://glumm.wordpress.com/2026/03/11/unter-menschen/</link>
<description></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 09:47:43 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>GLUMM / 500BEINE</dc:creator>
<source url="https://glumm.wordpress.com/">Studio Glumm</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f1d9b158</guid>
</item>
<item>
<title>vmrf09</title>
<link>https://abendschein.ch/vmrf09/</link>
<description><![CDATA[<p><img src="https://abendschein.ch/wp-content/uploads/etkcontext74_viewmaster_dokdraft_entwurf_Seite_8-724x1024.jpg" alt="kreisschaltung von reels im overlap-mode als metanarrative grundlage z.b. für 4 panel-comics." title="kreisschaltung von reels im overlap-mode als metanarrative grundlage z.b. für 4 panel-comics." width="724" height="1024"></p>]]></description>
<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 07:20:25 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>hab</dc:creator>
<source url="http://www.abendschein.ch/">abendschein.ch/*</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f1b721e5</guid>
</item>
<item>
<title>Zapotekische und türkische Leichtigkeit</title>
<link>https://stanlafleur.wordpress.com/2026/03/10/zapotekische-und-turkische-leichtigkeit/</link>
<description><![CDATA[<p>Passgenau zur in einer Woche beginnenden Leipziger Buchmesse erschienen ist die 46. Ausgabe der in Neustadt/Weinstraße und Düsseldorf ansässigen, von Wolfgang Allinger und Johanna Hansen herausgegebenen Literaturzeitschrift <a href="https://wortschau.com/">Wortschau</a> mit dem Thema „Leichtigkeit“. Die poetisch-lafleursche Kontinentalübersicht ist mit zwei luftleicht-erdschweren Remixes von Gedichten von Gülten Akın und Natalia Toledo vertreten.</p> 
 
 
 
<figure><img src="https://stanlafleur.wordpress.com/wp-content/uploads/2026/03/wortschau-46_4.jpg" alt=""></figure> 
 
 
 
<p><br>„Wir schauen dem Wort aufs Maul, ständig auf der Suche nach Neuland. Große Namen schrecken uns dabei eben so wenig ab wie traditionell Erzähltes. Wir bringen die Leserinnen und Leser näher zur Sprache und sondieren Tendenzen und Sentenzen, <em>denn der wichtigste Indikator für das Verstehen der Welt ist die Sprache</em>.“ (<em>Verlagsmotto)</em></p>]]></description>
<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 23:01:00 +0000</pubDate>
<enclosure length="1337" type="image/jpeg" url="https://2.gravatar.com/avatar/813a57ad76a16c4def45ddaf75016ead368a235103fc616ee57b037199eb3c68?s=96&amp;amp;d=identicon&amp;amp;r=G"/>
<enclosure length="1337" type="image/jpeg" url="https://stanlafleur.wordpress.com/wp-content/uploads/2026/03/wortschau-46_4.jpg"/>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
<source url="https://stanlafleur.wordpress.com/">stan lafleur</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f18de8f6</guid>
</item>
<item>
<title>Zapotekische und türkische Leichtigkeit</title>
<link>https://stanlafleur.wordpress.com/2026/03/10/zapotekische-und-turkische-leichtigkeit/</link>
<description><![CDATA[<p>Passgenau zur in einer Woche beginnenden Leipziger Buchmesse erschienen ist die 46. Ausgabe der in Neustadt/Weinstraße und Düsseldorf ansässigen, von Wolfgang Allinger und Johanna Hansen herausgegebenen Literaturzeitschrift <a href="https://wortschau.com/">Wortschau</a> mit dem Thema “Leichtigkeit”. Die poetisch-lafleursche Kontinentalübersicht ist mit zwei luftleicht-erdschweren Remixes von Gedichten von Gülten Akın und Natalia Toledo vertreten.</p> 
 
 
 
<figure><img src="https://stanlafleur.wordpress.com/wp-content/uploads/2026/03/wortschau-46_4.jpg" alt=""></figure> 
 
 
 
<p><br>„Wir schauen dem Wort aufs Maul, ständig auf der Suche nach Neuland. Große Namen schrecken uns dabei eben so wenig ab wie traditionell Erzähltes. Wir bringen die Leserinnen und Leser näher zur Sprache und sondieren Tendenzen und Sentenzen, <em>denn der wichtigste Indikator für das Verstehen der Welt ist die Sprache</em>.“ (<em>Verlagsmotto)</em></p>]]></description>
<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 19:10:02 +0000</pubDate>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>Stan Lafleur</dc:creator>
<source url="https://stanlafleur.wordpress.com/">stan lafleur</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f16228e2</guid>
</item>
<item>
<title>digi.diary 62 – 7</title>
<link>https://www.kunstschwung.de/2026/03/10/digi-diary-62-7/</link>
<description><![CDATA[<p>an meinen neuesten gedichten (sonette) im 63. lebensjahr gibt es von berufener seite unbedingt berechtigte kritik: olle kamellen, kein fortschritt, drehen im kreis, zweifelhafte kulturelle aneignungen. bin daraufhin auf suche nach ganz von früher, betriebssystem ögyr 2000, gegangen. diesen cover-song und – es war schon früher so – entdeckt:</p> 
<source type="audio/mpeg" src="http://www.kunstschwung.de/wp-content/uploads/2026/03/lucky_stereo.mp3?_=1"></source><a href="http://www.kunstschwung.de/wp-content/uploads/2026/03/lucky_stereo.mp3">http://www.kunstschwung.de/wp-content/uploads/2026/03/lucky_stereo.mp3</a> 
<p> </p> 
<p>… und wer’s mag, hier das original über einen gefallenen hollywood-engel …:</p> 
<p><iframe allowfullscreen="allowfullscreen" title="Britney Spears - Lucky (Official HD Video)" width="625" height="352" src="https://www.youtube.com/embed/4vvBAONkYwI?feature=oembed" frameborder="0"></iframe></p> 
<p>(<em>260310</em>)</p>]]></description>
<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 18:14:09 +0000</pubDate>
<enclosure length="1337" type="audio/mpeg" url="http://www.kunstschwung.de/wp-content/uploads/2026/03/lucky_stereo.mp3"/>
<category>litblogs.net</category>
<category>litblogs</category>
<dc:creator>jmeyer</dc:creator>
<source url="https://www.kunstschwung.de/">kunstschwung.de</source>
<guid isPermaLink="false">http://www.inoreader.com/article/3a9c6e76f16a40f0</guid>
</item>
</channel>
</rss>