<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>LiteraturReich</title>
	<atom:link href="https://literaturreich.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://literaturreich.de/</link>
	<description>Ein Literaturblog</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Jul 2026 08:32:14 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.1</generator>

<image>
	<url>https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2017/03/cropped-screenshot-05-03-2017-16_17_25-2-32x32.png</url>
	<title>LiteraturReich</title>
	<link>https://literaturreich.de/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
<site xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">164610390</site>	<item>
		<title>Lektüre Juni 2026</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:46:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22198</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei. Bevor ich mir die Highlights dieses ersten Halbjahres in Erinnerung rufe, kommt hier noch die Lektüre im Juni 2026. Vladimir Vertlib &#8211; Der Jude der Kaiserin Wien im&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Lektüre Juni 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei. Bevor ich mir die Highlights dieses ersten Halbjahres in Erinnerung rufe, kommt hier noch die Lektüre im Juni 2026. <span id="more-22198"></span></p>
<h4><strong><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="21274" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21274" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg" alt="Vladimir Vertlib - Der Jude der Kaiserin" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg 500w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" />Vladimir Vertlib &#8211; Der Jude der Kaiserin</strong></h4>
<p>Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die Welt zu bringen. Margarita Teresa stammt aus dem spanischen Zweig der Familie der Habsburger. 15-jährig wird sie mit ihrem Onkel verheiratet. Man kennt sie von den steifen, höfischen Porträts von Diego Velasquez, insbesondere dem weltberühmten „Las Meninas“. An das rigide spanische Hofzeremoniell gewöhnt, streng katholisch und von einem fanatischen Judenhass beherrscht, findet sie sich relativ schwer in Wien zurecht. Zwei Vertraute hat sich die junge Kaiserin aus Spanien an den Wiener Hof mitgenommen, ihren Beichtvater, den rigiden Padre Sebastián, und ihren Leibarzt, Pedro de Rojas. Mittlerweile 55 Jahre alt, begleitet de Rojas Margarita Teresa seit ihrer frühen Kindheit. Er ist ihr engster Vertrauter, aber Pedro ist ein Marrane, ein nur angeblich Konvertierter, der weiterhin &#8211; vermeintlich geheim &#8211; dem jüdischen Glauben anhängt. Dieser empfiehlt, zur nächsten Entbindung Margarita Teresas die beste Hebamme der Stadt, die Jüdin Esther zur Hilfe zu rufen. Sie stimmt zu, denn das Kind muss leben &#8211; und ein Junge sein.</p>
<p>Vladimir Vertlib schafft aus diesem Stoff einen spannenden, vielschichtigen Historienroman.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img decoding="async" data-attachment-id="22200" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/colm-toibin-sie-schwestern/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" data-orig-size="300,490" data-comments-opened="1" data-image-title="colm-toibin-sie-schwestern" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22200" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg" alt="Colm Tóibín - Die Schwestern" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg 300w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" />Colm Tóibín &#8211; Die Schwestern</strong></h4>
<p>Drei argentinische Schwestern erben von ihrer Tante in Katalonien ein Haus. Einst sind sie selbst mit ihrer Mutter aus dem kleinen Pyrenäendorf ausgewandert. Núria ist die Älteste und mittlerweile Witwe. Aus einer armen Einwanderer-Familie stammend, hat sie in die Upperclass von Buenos Aires eingeheiratet und führt ein Leben zwischen Country Clubs und Eigenheim mit Dienstboten. Ihre Schwestern behandelt sie herablassend und distanziert. Conxita, die mittlere Schwester, lebt offiziell als Gesellschafterin der wohlhabenden Señora Maria Luisa Bustamante, ist in Wahrheit aber wohl deren Lebenspartnerin. Montse selbst hat sich als junge Frau mit einem wesentlich älteren, verheirateten Mann eingelassen, der für sie eine Wohnung gekauft hat und sie auch sonst ausgehalten hat. Nach seinem Tod zwingt sie seine Familie, auszuziehen. Nun arbeitet sie in einer Autowerkstatt.</p>
<p>Die drei Schwestern haben nahezu keinen Kontakt mehr, seit die Mutter gestorben ist. Was soll jetzt mit dem Haus in Spanien geschehen? Für Núria ist der Verkauf ausgemachte Sache, aber Montse hat andere Pläne. Die Schwestern fliegen nach Barcelona und verfallen in ihre alten Schwestern-Rollen. Montse will das Haus nicht verkaufen und nicht nach Argentinien zurückkehren. Dafür schreckt sie auch nicht vor einem Betrug zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img decoding="async" data-attachment-id="21191" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dror-mishani-nicht/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="dror-mishani-nicht" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21191" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-190x300.jpg" alt="Dror Mishani - Nicht" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg 500w" sizes="(max-width: 190px) 100vw, 190px" />Dror Mishani &#8211; Nicht</strong></h4>
<p>Oschra und Eli, beide beginnen im hebräischen Alphabet mit dem Buchstaben Aleph, was Eli als Zeichen für ihre große Harmonie als Ehepaar ansieht. Doch Oschra ist früh gestorben. Eli, nun Anfang Fünfzig, trauert, ist ein wenig depressiv. Als Übersetzer sieht er sich zudem von der neuen KI-Technologie bedroht. Die Zukunft ist für ihn düster und einsam. Da lernt er bei einem Essen bei Freunden die deutlich jüngere Cellistin Lia kennen. Und wie ein Wunder kehrt bei ihm wieder die Liebe ein und wird erwidert. Der eigentlich als Krimiautor bekannte Dror Mishani hat mit <em>Nicht </em>einen kleinen Liebesroman geschrieben, der vor allem durch seine feine psychologische Zeichnung lebt und auch Krimi- und Thrillerelemente aufweist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21262" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="shelly-kupferberg-stunden-wie-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21262" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg" alt="Shelly Kupferberg - Stunden wie Tage" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Shelly Kupferberg &#8211; Tage wie Stunden</strong></h4>
<p>Berlin Schöneberg, Ende der 1990er Jahre. Ein alte Frau, leicht abgerissen, mit schlohweißem, verfilztem Haar und abgetretenen Pantoffeln läuft durch den Kiez und scheint überall bekannt und beliebt zu sein. Shelly Kupferberg, die dort selbst nach einer Wohnung sucht, fällt diese Frau auf. Obdachlos? In dem Alter? Sehr bald erfährt sie, dass die Frau Martha heißt und millionenschwere Hausbesitzerin sein soll. Gerüchte sagen ihr nach, das Vermögen im Krieg durch eine Affäre mit einem ranghohen Nazi erschlichen zu haben. Mit <em>Stunden wie Tage </em>schreibt die Autorin nun die berührende Geschichte von Martha, ihren Weg von der Hausbesorgerin bei den reichen jüdischen Brüdern Berkowitz zur Hausbesitzerin und ihrer Beziehung zur 1942 von den Nationalsozialisten hingerichteten Adoptivtochter Liane Berkowitz auf. Es war etwas anders als gedacht. Und <em>Stunden wie Tage</em> ist auch eine großartige Berlingeschichte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22201" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/karin-zipse-moosland/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" data-orig-size="568,945" data-comments-opened="1" data-image-title="karin-zipse-moosland" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22201" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg" alt="Karin Zipse - Moosland" width="180" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg 180w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-240x400.jpg 240w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg 568w" sizes="auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px" />Karin Zipse &#8211; Moosland</strong></h4>
<p>1949 warb der isländische Bauernverband junge, unverheiratete Frauen aus Deutschland an, um für mindestens ein Jahr auf einem der dortigen Höfe zu arbeiten. Es gab auf Island einen Frauen- und Arbeitskräftemangel auf dem Land, da viele junge Frauen in die Stadt zogen oder mit einem der stationierten GIs in die USA gingen. Fast 200 Deutsche folgten dem Aufruf. Das vom Krieg zerstörte Land, fehlende Männer oder, wie bei der Protagonistin Elsa, ausgelöschte Familien boten wohl wenige Zukunftsperspektiven. Armut und Hunger taten das Übrige. Das Leben auf Island ist rau und ungewohnt und Elsa tut sich zunächst schwer.</p>
<p>Es ist ein stiller Roman über ein wenig bekanntes Thema, das Karin Zipse mit Moosland vorlegt. Ihr gelingt es gut, die Rauheit der Landschaft, die Sprödigkeit der Menschen und die Trauer Elsas zu vermitteln. Sie wahrt Distanz und wählt ihrerseits eine eher spröde Sprache. Besonders zu Beginn wartet der Text mit sehr einfachen, kurzen Sätzen auf. Das ist manchmal nicht wirklich schön zu lesen. Aber es passt und verliert sich mit fortschreitendem Text. Ein durchaus empfehlenswertes Buch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21207" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/ida-fink-die-reise/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="ida-fink-die-reise" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21207" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-183x300.jpg" alt="Ida Fink - Die Reise" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Ida Fink &#8211; Die Reise</strong></h4>
<p>Die Reise &#8211; was so einfach, so positiv klingt, erzählt von einem tief berührenden Schicksal.<br />
Polen im Herbst 1940. Das jüdische Ghetto der Stadt leert sich zusehends. Immer weniger der Zwangsarbeiter aus dem Steinbruch kommen abends nach getaner Arbeit zurück. Es gibt Razzien, zuerst holen sie die Alten und Kranken.<br />
Der Vater hat für Elzbieta uns Katarzyna gefälschte Papiere besorgt. Er drängt sie sie zur Flucht, solange dies noch möglich ist. Es beginnt eine gefährliche, atemlose Zeit. Die beiden jungen Frauen melden sich als polnische Freiwillige zum Arbeitsdienst nach Deutschland. Ein risikoreiches Unterfangen, sind diesen Weg doch bereits andere Jüd:innen gegangen und teilweise enttarnt worden. Und auch die beiden Mädchen werden zunächst im Arbeitslager, später auf verschiedenen Bauernhöfen immer wieder in die Enge getrieben, teils entdeckt, verraten, aber auch beschützt. Sie müssen ihre Identität immer wieder wechseln.<br />
Aber wie kann man so leben? Mit dieser ständigen Angst, mit falschen Identitäten, so jung?</p>
<p>Ida Fink und ihre Schwester haben genau das erlebt. Ein jahrelanger Albtraum. 1957 verließ sie Polen endgültig und veröffentlichte ab 1971 von dort ihre autobiografischen Werke. 2011 starb sie in Tel Aviv 90-jährig.<br />
Die Reise wurde auch verfilmt und erzählt in wunderbarer Sprache, übersetzt von Klaus Staemmler, von dieser schrecklichen Zeit ihres Lebens, aber auch von Solidarität und Schwesternliebe. Ein eindrückliches Buch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21242" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" data-orig-size="500,812" data-comments-opened="1" data-image-title="nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21242" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg" alt="Nefeli Kavouras - Gelb, auch ein schöner Gedanke" width="185" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg 185w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-246x400.jpg 246w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Nefeli Kavouras &#8211; Gelb, auch ein schöner Gedanke</strong></h4>
<p>Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt mit der Beerdigung von Georg. Dieser ist seit dem ersten Schlaganfall vor acht Jahren ein Pflegefall. Seine Frau Ruth kümmert sich zwischen pflichtbewusst und liebevoll um ihn, während die Tochter Lea Distanz wahrt. Zwischen Mutter und Tochter kommt es immer wieder zu Reibereien. In abwechselnden Kapiteln erzählen Ruth und Lea von ihren Gedanken, Gefühlen und Zweifeln. In der Mitte des Buch kommt es zu einem magischen Plottwist, der auch eine völlige Umverteilung der Rollen mit sich bringt.</p>
<p>Poetisch, zärtlich, verspielt und ziemlich verrückt erzählt Nefeli Kavouras in <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>vom Tod und vom Sterben, von Trauer und vom Abschiednehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21250" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21250" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg" alt="Olivier Guez - Die Welt in ihren Händen" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">OLIVIER GUEZ &#8211; DIE WELT IN IHREN HÄNDEN</a></strong></h4>
<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich, war beispielsweise maßgeblich an der Gründung des Staates Irak beteiligt. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und reiche Familie geborene &#8222;Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin, Archäologin, Alpinistin, politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg&#8220; (Wikipedia) nahezu vergessen. Der französische Autor Olivier Guez verwebt ihre Biografie mit der geopolitischen Geschichte des Zweistromlandes Mesopotamiens im 19. Jahrhundert. Interessant ist, dass die so unabhängige, engagierte und politisch einflussreiche Frau nicht nur als Kind ihrer Zeit imperialistisch, überheblich und elitaristisch gesinnt war, sondern auch eine entschiedene Anti-Feministin.</p>
<p>Schnörkellos und sehr nüchtern, mit einem überbordenden Informationsgehalt liest sich das Buch sehr spannend und interessant, lässt aber wenig Nähe zu seinen Protagonist:innen entstehen. Dafür bietet es tiefe Einblicke in die Vorgeschichte der heutigen Konfliktregion Nahost.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Lektüre Juni 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22198</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 16:37:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Biografischer Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22171</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und reiche Familie geborene &#8222;Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin, Archäologin, Alpinistin, politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg&#8220; (Wikipedia) nahezu vergessen. Der französische Autor Olivier Guez verwebt in <em>Die Welt in ihren Händen</em> ihre Biografie mit der geopolitischen Geschichte des Zweistromlandes, der  Kulturlandschaft in Vorderasien, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt ist und heute den Irak und Teile Nordostsyriens umfasst. Die Geschichte dieser Region und die Gründung des Staates Irak, an der Bell maßgeblich beteiligt war, kommen der Leser:in dabei fast näher als der Mensch Gertrude, weswegen der Originaltitel <em>Mesopotamia </em>für mich passender ist als der leicht pathetische deutsche.<span id="more-22171"></span></p>
<p>Gertrude Bell war eine, nicht nur im positiven Sinn, bemerkenswerte Frau. Ihre Familie besaß eine der größten Eisenindustrien Englands und war unermesslich wohlhabend und einflussreich. Nach dem frühen Tod der Mutter wurde Gertrude von ihrem Vater und der Stiefmutter sehr fortschrittlich erzogen und gefördert. Nach dem Queens-College in London war sie 1886 eine der ersten Studentinnen in Oxford, wo sie 1888 bereits mit Bestnote abschloss – trotz der Behinderungen, die weibliche Studierende zu der Zeit noch erfuhren. So durften sie nur mit Anstandsdame erscheinen, mussten die Vorlesungen zum Teil mit dem Rücken zum Professor bestreiten, um ihn nicht durch ihre Blicke zu „verstören“.</p>
<h3>Ein Leben auf Reisen</h3>
<p>Mit einem Aufenthalt in Bukarest begann ihre lebenslange, intensive Reisetätigkeit. Konstantinopel und Teheran schlossen sich an und Gertrude begann, Persisch zu lernen. Für eine Frau damals war es Zeit, sich zu verheiraten. Aber es gab keinen Mann, der sie interessierte und auch keine ernsthaften Bewerber. Für beides war wohl ihre überragende Intelligenz und Unabhängigkeit verantwortlich. In Teheran lernte sie dann Henry Cadogan kennen, in den sie sich verliebte und der um ihre Hand anhielt. Ihr Vater verweigert allerdings seine erforderliche Zustimmung zur Heirat, da Cadogan Spieler und nahezu bankrott war. Olivier Guez deutet an, dass es für diesen deshalb nur eine berechnende Affäre war, wozu ich keine Belege fand. Kurz darauf starb Henry Cardogan an einer Lungenentzündung, was Gertrude in tiefen Kummer stürzte.</p>
<p>Bell setzte ihre Reisen fort: Europa, Israel, Shanghai, Seoul und Vancouver und immer wieder Mesopotamien. Sie lernte Arabisch, knüpfte Kontakte, begann sich für Archäologie zu interessieren, schrieb über die Region und erwarb sich ein großes Wissen über den Nahen Osten. Sie lernte dabei auch Percy Cox, den britischen Befehlshaber und Diplomaten des Britischen Mandats Mesopotamien, und T.E. Lawrence (später berühmt als „Lawrence von Arabien“) kennen. Mit dem verheirateten Konsul Charles Doughty-Wylie begann sie eine Affäre, die mit seinem Kriegstod 1915 endete.</p>
<figure id="attachment_22173" aria-describedby="caption-attachment-22173" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22173" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/ibn_saud_and_cox/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg" data-orig-size="995,636" data-comments-opened="1" data-image-title="Ibn_Saud_and_Cox" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg" class="wp-image-22173 size-medium_large" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-768x491.jpg" alt="Ibn Saud, Percy Cox and Gertrude Bell in 1916" width="760" height="486" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-768x491.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-300x192.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-940x601.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-626x400.jpg 626w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg 995w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22173" class="wp-caption-text">Abdul Aziz ibn Saud, ruler of Nejd and later first King of Saudi Arabia, Sir Percy Cox, Political Officer attached to the Indian Expeditionary Force in Mesopotamia, and Miss Gertrude Bell at Basra via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<h3>Die Zerschlagung des Osmanischen Reichs</h3>
<p>Der erste Weltkrieg brachte durch die Zerschlagung des Osmanischen Reichs den Nahen Osten in große Turbulenzen. Die Briten, die nicht zuletzt wegen der Ölvorkommen großes Interesse an der Region hegten, suchten immer häufiger Gertrudes Expertise. Sie ließ sich ebenso wie Lawrence vom britischen Geheimdienst anwerben. Offiziell nannte man sie „Orientsekretärin“ und sie wurde trotz der Außenseiterstellung und Ablehnung vieler männlicher „Kollegen“ zu einer der einflussreichsten Personen in der Region und war maßgeblich an der Gründung des Staates Irak und der Einsetzung von König Faisal beteiligt. Dessen Beraterin blieb sie eine Weile.</p>
<p>Mit Ablösung von Hochkommissar Cox schwand ihr Einfluss langsam. Und aufgrund veränderter wirtschaftlicher Bedingungen in der britischen Schwerindustrie verlor das Familienunternehmen nach dem Ersten Weltkrieg an finanzieller Stärke und musste enorme finanzielle Einbußen erleben. Gesundheitliche Probleme und Depressionen kamen hinzu. 1926 starb Gertrude Bell 57-jährig.</p>
<p>Interessant ist, dass die so unabhängige, engagierte und politisch einflussreiche Frau nicht nur als Kind ihrer Zeit imperialistisch, überheblich und elitaristisch gesinnt war, sondern auch eine entschiedene Anti-Feministin. So sprach sie sich vehement gegen das Frauenwahlrecht aus. erstaunlich, hatte sie selbst doch zeitlebens ausreichend mit Misogynie zu tun. Ein großer Verdienst von <em>Die Welt in ihren Händen </em>ist, dass Olivier Guez seine Protagonistin nicht verklärt, sondern sehr ambivalent und eingebettet in den Zeitgeist und ihre gesellschaftliche Klasse zeigt. Das Buch kann zudem die journalistischen Wurzeln seines Autors nicht verleugnen. Schnörkellos und sehr nüchtern, mit einem überbordenden Informationsgehalt liest es sich sehr spannend und interessant, lässt aber wenig Nähe zu seinen Protagonist:innen entstehen. Es berücksichtigt außerdem ausschließlich westliche Perspektiven, lässt die arabische Sicht außen vor. Das ist ein wenig bedauerlich.</p>
<p>Dennoch ist <em>Die Welt in ihren Händen</em> von Olivier Guez ein sehr lesenswertes Buch, das eine bemerkenswerte, widersprüchliche Frau wieder in Erinnerung bringt und viel von der Vorgeschichte der Nahost-Konflikte deutlich macht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Tempel von Palmyra via Wikimedia Commons <a class="extiw" title="w:en:Creative Commons" href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons">Creative Commons</a> <a class="extiw" title="creativecommons:by-sa/3.0/deed.en" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">Attribution-Share Alike 3.0 Unported</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden-9783462008357"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21250" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21250" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg" alt="Olivier Guez - Die Welt in ihren Händen" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</strong><br />
<strong>Übersetzt von: Nicola Denis</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch April 2026, gebunden, 416 Seiten, € 25,00</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22171</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:54:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Beirut]]></category>
		<category><![CDATA[Entführung]]></category>
		<category><![CDATA[libanesische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Libanon]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Queerness]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22131</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein queerer Coming-of-age-Roman und eine turbulente Mutter-Sohn-Geschichte: Mit Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) gewann der libanesische, auf Englisch schreibende Autor Rabih Alameddine 2025 den National Book Award. Er erzählt&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/">Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein queerer Coming-of-age-Roman und eine turbulente Mutter-Sohn-Geschichte: Mit <em>Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) </em>gewann der libanesische, auf Englisch schreibende Autor Rabih Alameddine 2025 den National Book Award.<span id="more-22131"></span></p>
<p>Er erzählt die wilde du oft (ein wenig zu)derbe Geschichte des 63-jährigen Philosophielehrers Radscha, der mit seiner hochbetagten, aber noch sehr agilen und vor allem scharfzüngigen Mutter Zalfa in einer winzigen Wohnung in Beirut lebt. Vor mehr als 25 Jahren hat er ein kurzes Buch auf Japanisch (das er mehr oder eher weniger gut beherrscht) verfasst, das überraschenderweise ein großer Erfolg wurde. Von diesem „Ruhm“ hat er eine Weile gezehrt, aber das ist schon lange vorbei, als er die Einladung der American Excellence Foundation zu einem dreimonatigen Schreibaufenthalt in Virginia/USA erhält. Ihm kommt das ein wenig merkwürdig vor, aber die Chance, für eine Weile seiner übergriffigen Mutter und ihrer genauso vereinnahmenden besten Freundin, der lokalen Mafia-Patin Madame Taweel, zu entkommen, ist zu verlockend.</p>
<h3>Die Entführung</h3>
<p>Parallel zu diesem im Jahr 2023 spielenden Strang geht der Roman fast sechzig Jahre zurück in Familien-, libanesischer bzw. Nahost-Geschichte. Der Sechstagekrieg 1967 zwischen Israel und den arabischen Ländern und der von 1975 bis 1990 tobende Bürgerkrieg im Libanon führen in die Kindheit und Jugend von Radscha. Ziemlich zu Beginn wird er als Teenager entführt und monatelang in einem Keller gefangen gehalten. Dabei ist er eher ein Zufallsopfer. Er saß unfreiwillig im Auto von zwei älteren Mitschülern, einer davon sehr reich und eigentlich als Opfer gedacht. Die Entführung läuft aus dem Ruder und die beiden anderen Jungen werden getötet. Radscha wird von einem flüchtigen Bekannten, der ebenfalls an dem Überfall beteiligt war, „gerettet“.</p>
<p>Dieser Boodie sperrt ihn ein, angeblich um ihn vor seinen Mittätern zu beschützen. Sein Verhalten wechselt zwischen fürsorglich und brutal. Der fünfzehnjährige Radscha entwickelt allmählich Gefühle für ihn und entdeckt, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Es kommt zu derbem Sex. Freiwillig oder unfreiwillig, das wird nicht ganz klar, ebenso die zwischen Hass und Liebe schwankenden Gefühle, die die beiden jungen Männer füreinander empfinden. Boodie schließt sich „draußen“ einer Miliz an, taucht manchmal tagelang nicht im Versteck auf. Eines Tages kann Radscha fliehen. Boodie sieht er nicht wieder. Aber er lebt nun mehr oder weniger offen als Schwuler und als Drag-Entertainer. Die Tage in Gefangenschaft begleiten ihn als Trauma weiter.</p>
<p>Nach diesen prägenden Monaten verändert sich auch das Verhältnis zu seiner Mutter. Sie, die eigentlich immer den Bruder  bevorzugte, Radscha nie beistand, wenn der Vater ihn als Kind als zu unmännlich verhöhnte und quälte, ist ihm nun nah, oft zu nah. Vor allem als sie letztendlich zu ihm zieht.</p>
<h3>Ein Land in der Krise</h3>
<p>2019 wird das Land von einer beispiellosen Wirtschaftskrise erfasst. Durch jahrzehntelange staatliche Misswirtschaft, exzessive Korruption und ein schneeballsystemartiges Wirtschaftsexperiment kommt es zu einem umfassenden Bankenkollaps, der weiten Teilen der Bevölkerung das Vermögen raubt. Die Bevölkerung protestiert. 2020 beherrscht der Corona-Virus das Weltgeschehen und am 4. August kommt es zu einer schrecklichen Katastrophe, einer der größten nichtnuklearen Explosionen der Geschichte. Unsachgemäß gelagertes Ammoniumnitrats entzündet sich durch Schweißarbeiten, in der Nähe gelagerte Feuerwerkskörper verstärken die Explosion. Im Hafen und angrenzenden Gebieten sterben über 200 Menschen und große Teile der Stadt werden schwer verwüstet. Davon hat sich Beirut bis heute nicht erholt (vgl. auch Pierre Jarawans Roman <em>Frau im Mond</em>).</p>
<p><em>Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</em> ist ein oft witziger, quirliger, manchmal arg derber Roman über das Aufwachsen eines jungen Mannes, sein Coming-out und die komplexe, aber immer sehr innige Verbindung zu seiner Mutter, und verknüpft das alles mit 60 Jahren libanesischer Geschichte. Lesenswert!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitrgsbild: Damages after 2020 Beirut explosions  by Mehr News Agency, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0">CC BY 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.chbeck.de/alameddine-wirklich-wahre-geschichte-radscha-gutglaeubigen-und-mutter/product/39931272"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21254" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" data-orig-size="500,778" data-comments-opened="1" data-image-title="rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21254" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg" alt="Rabih Alameddine - Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</strong><br />
<strong>Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence</strong><br />
<strong>C.H.Beck März 2026, 351 Seiten, Hardcover, € 26,00</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/">Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22131</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:39:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22136</guid>

					<description><![CDATA[<p>Musik kann Zuflucht sein, Trost, Glück und Heimat, besonders wenn man sie nicht nur hören, sondern selbst zu machen in der Lage ist. Schon für ganz kleine Kinder ist es faszinierend, wenn aus einem „Ding“&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Musik kann Zuflucht sein, Trost, Glück und Heimat, besonders wenn man sie nicht nur hören, sondern selbst zu machen in der Lage ist. Schon für ganz kleine Kinder ist es faszinierend, wenn aus einem „Ding“ plötzlich ein Ton erschallt, wenn man mit ihm interagiert. Noch betörender, wenn daraus wundervolle Melodien tönen. Musikmachen bedeutet neben Faszination aber auch Arbeit, Disziplin, Fleiß und im besten Fall auch Talent, will man nicht nur ein wenig „klimpern“. Das lernen die kleinen Musikschüler bald. Und nicht wenige schreckt das ab. Die anderen verbindet meist eine lebenslange Liebe zur Musik und „ihrem“ Instrument. Nur sehr selten reicht es zu Profiqualitäten, wird die Liebe zur Profession. Viel zu oft verbirgt sich dahinter ein System aus Disziplin, Drill und Druck. Sehr ausgeprägt war (ist) dies in Fernost und den kommunistischen Ländern. Die Autorin Helene Bukowski hat ein Leben, das daran zerbrochen ist, in den Mittelpunkt ihres neuen, für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominierten Roman <em>Wer möchte nicht im Leben bleiben </em>gestellt.<span id="more-22136"></span></p>
<p>Grundlage für den Roman sind Aufzeichnungen, Kassetten, Briefe und Fotoalben aus einem Nachlass, der Helene Bukowski über ihre Großmutter erreicht hat. Diese Zeugnisse erzählen vom viel zu kurzen Leben von Christina, die 1961 in Leipzig geboren wurde, die mit vier Jahren begann Klavier zu spielen, als „Wunderkind“ erkannt und gefördert wurde und sich 1985 mit nur 24 Jahren durch einen Sprung aus einem Hochhaus das Leben nahm. Ein Schicksal, das die Autorin nicht mehr los ließ und dem sie mit diesem Roman behutsam und atmosphärisch dicht nachspürt. Ein Roman, da notgedrungen vieles imaginiert und fiktionalisiert werden muss, auch wenn es zahlreiche Zeugnisse dieses Lebens gibt. Helene Bukowski macht das in ihrem Text sehr transparent, thematisiert ihren Schreibprozess.</p>
<h3>Eine Annäherung</h3>
<p>Wie darf man sich einem so tragischen Leben nähern? Wie kommt man ihm näher, besonders, wenn die eigene Erfahrung fehlt? Helene Bukowski ist 1993 in Berlin geboren, besitzt über ihre Mutter zwar auch ostdeutsche Wurzeln, hat die DDR aber natürlich nicht selbst erlebt und war durch den Besuch einer Montessori-Schule persönlich maximal weit entfernt vom Drill der Spezialschulen und Konservatorien, die Christina durchlaufen musste. Auch Musikmachen ist der Autorin bis auf ein wenig Gitarre, das sie wie sie in Interviews betont, wegen mangelnder Lust am Übern aufgegeben hat, nicht unbedingt vertraut. Trotzdem gelingt es ihr großartig, Christinas Leben, den Alltag in der DDR und vor allem auch die Musik erfahrbar zu machen.</p>
<p>Christinas Talent am Klavier wird früh erkannt und von ihrem Vater, einem Opernsänger, gefördert. Das Klavier zieht mit nach Neustrelitz und schließlich nach Neubrandenburg ins „Scheibenhochhaus“, wo die junge Frau 1985 ihrem Leben ein Ende setzt. Diesem typischen DDR-Bau – breiter als hoch – kommt im Roman von Helene Bukowski eine besondere Stellung zu. 1966 gebaut, verspricht es den neuen Mieter:innen ein komfortables, ein „modernes“ Leben mit Zentralheizung, Bad, viel Platz. Heute gelten diese Häuser als Bausünden. Das Scheibenhochhaus wurde unlängst abgerissen, Bukowski konnte es für ihre Recherche gerade noch besichtigen. Als Motto für <em>Wer möchte nicht im Leben bleiben </em>wählt sie ein Zitat aus Brigitte Reimanns <em>Franziska Linkerhand. </em>Der unvollendete Roman (1974 posthum erschienen), der einen gewissen Kultstatus in der DDR-Literaturgeschichte besitzt, erzählt von einer jungen Architektin, die ihre Ideale an dieser Art zu bauen scheitern sieht, und viel vom damaligen DDR-Alltag.</p>
<h3>Von der &#8222;Spezi&#8220; aufs Konservatorium</h3>
<p>Mit elf Jahren wird Christina an die sogenannte „Spezi“, eine Spezialschule für Musik in Berlin geschickt. Die Eltern haben zuerst Bedenken gegen dieses Internat, aber der Ehrgeiz des Vaters, der seine eigenen Ambitionen, die als Sänger an einem Provinz-Opernhaus eher als gescheitert angesehen werden können, in seiner Tochter hofft verwirklichen zu können, ist stärker. Hier beginnt die sozialistische Kulturförderung, die durch die 3D (Disziplin, Drill, Druck) charakterisiert werden. Konkurrenz nimmt im Verlauf der Ausbildung einen immer höheren Stellenwert ein. Dennoch scheint Christina an der „Spezi“ gut zurechtzukommen, findet Freundinnen, liebt das Klavierspiel. Auch die Entsendung ans Konservatorium in Moskau, die sie mit 17 wegen ihres Könnens erreicht, ist für sie ein willkommenes Abenteuer. Ihre Lehrerin Tatjana Nikolajewa ist ihr zugewandt, ihre Leistungen stimmen (zunächst) und sie findet in Julia, dem Ehepaar Ivanow und später in der italienischen Mitstudentin Vittoria gute Freund:innen.</p>
<p>Dennoch beginnt die Abwärtsspirale, die schließlich 1985 im Scheibenhochhaus enden wird. Sie quält die unglückliche Liebe zu Jura, der sich später als homosexuell erweisen wird, ein missglückter Wettbewerb und vor allem eine PMDS (Prämenstruelle Dysphorische Störung, eine schwer verlaufende Form des prämenstruellen Syndroms, die sich in der zweiten Zyklushälfte durch extreme psychische Symptome wie Depressionen, Aggressivität, Angstzustände und unkontrollierbare Stimmungsschwankungen zeigt). Es gibt dafür noch keine Diagnose gibt, und sie tritt im Roman als „Chris“, als völlig verändertes Selbst in Erscheinung.. Als Christina nach Ablauf ihrer Ausbildungszeit keine Verlängerung ihres Aufenthalts im geliebten Moskau erhält, zurück nach Neubrandenburg muss und dort an einen völlig ungeeigneten Klavierlehrer gerät, spitzt sich ihre Situation zu.</p>
<h3>Die Zeugnisse</h3>
<p>Die Zeugnisse aus dem Nachlass, vor allem auch eine vom Vater verfasste „Chronik“ ihres Lebens, die für Freunde und Bekannte gedacht war, erzählen Helene Bukowski viel von Christina. Vieles muss sie sich aber auch imaginieren, erfühlen. Sie nähert sich dem fremden Leben mit viel Behutsamkeit, will nie übergriffig oder voyeuristisch sein. Sie tritt in den Dialog mit ihrer Protagonistin, verwendet die „Du“-Form, spricht sie mitunter direkt an. Manchmal „antwortet“ ihr Christina. Sie ermahnt:</p>
<blockquote><p>„Pass auf, dass du nicht deine eigene Geschichte daraus machst.“</p></blockquote>
<p>Ganz vermeiden lässt sich das nicht. Aber Helene Bukowski lässt der von ihr Biografierten Freiheit, wodurch trotz der großen Nähe, in die sie sich zu Christina begibt, bei der Leserin auch eine gewisse Distanz entsteht. Und dass bei dieser großen Nähe auch einiges von der Autorin einfließt, ist nur natürlich.</p>
<blockquote><p>„Wer möchte nicht im Leben bleiben<br />
Den Mensch´ und Tieren zugesellt<br />
Wer ließe sich denn gern vertreiben<br />
Von dieser reichen, bunten Welt<br />
Wer ließe sich denn gern vertreiben<br />
Von dieser reichen, bunten Welt“</p></blockquote>
<p>Das vermeintliche Friedenslied der DDR, 1959 als Filmmusik entstanden, das aber in FDJ und Pionierlagern vor allem zur Distanzierung vom „Bösen Westen“ gesungen wurde, gibt dem Roman den Titel. Für Christina wurde der Druck irgendwann zu groß. Sie mochte nicht länger im Leben bleiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: CC0 via pxhere</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/hardcover/9783546101585"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21205" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21205" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-183x300.jpg" alt="Helene Bukowski - Wer möchte nicht im Leben bleiben" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben </strong><br />
<strong>Claassen Februar 2026, Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 24,00 €</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22136</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:25:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22095</guid>

					<description><![CDATA[<p>Navid Kermanis schmales Buch Sommer 24 ist als Roman etikettiert, was für mich nur sehr entfernt zutrifft. Es ist zudem in meinen Augen ein höchst kontroverser Text und für mich teilweise auch etwas problematisch. Ich&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/">Navid Kermani &#8211; Sommer 24</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Navid Kermanis schmales Buch <em>Sommer 24</em> ist als Roman etikettiert, was für mich nur sehr entfernt zutrifft. Es ist zudem in meinen Augen ein höchst kontroverser Text und für mich teilweise auch etwas problematisch. Ich habe es dennoch mit Gewinn gelesen, könnte mir aber vorstellen, dass viele Leser:innen es wütend zur Seite legen (falls sie es überhaupt erst zur Hand nehmen, wozu ich unbedingt rate).<span id="more-22095"></span></p>
<p>Hier erzählt der vielgescholtene &#8222;alte&#8220; &#8211; wegen Kermanis iranischer Wurzeln aber nicht &#8222;weiße&#8220; &#8211; Mann über Irritationen, die ihn im Sommer 2024 ereilt haben. Ich lehne den Begriff &#8222;alter, weißer Mann&#8220; eigentlich ab, aber leider kam er mir bei der Lektüre sofort in den Sinn. Hier hadert ein deutlich privilegierter Mann um die 60 mit der Welt, seiner Umgebung und sich selbst. Und es gibt ja tatsächlich viel zum Hadern in dieser Zeit. Es ist vor allem die gesellschaftliche Spaltung, die er thematisiert und die erschreckend voranschreitet. Im Sommer 2024 waren es vor allem vier Ereignisse für den Erzähler  &#8211; Schriftsteller wie Kermani und ganz sicher ein Alter Ego -, die besonders prägend waren.</p>
<p>Da war zum einen der Freitod durch assistierte Sterbehilfe seines alten Bekannten, des Galeristen Rudolf Meyer, mit dem er schon immer intelektuelle Debatten ausgefochten hat. Zuletzt ist der Altlinke politisch immer weiter nach rechts abgedriftet, besonders in der Migrationsfrage, wurde zum AfD-Anhänger und sprach in einer Rede sehr herabwürdigend von Kindern, die durch Reproduktionsmedizin gezeugt wurden. Hinter Meyer scheint  Kermanis 2023 verstorbene Kollegin und Freundin Sibylle Lewitscharoff auf.</p>
<h3>Vergewaltigung?</h3>
<p>Zum zweiten ist es die Beschuldigung einer Frau, die ihm vor mehr als 20 Jahren bei einer Kneipenbekanntschaft von ihrer Vergewaltigung kurz zuvor erzählt hat, und die der Erzähler später in einer Erzählung verfremdet veröffentlicht hat. Sie wirft ihm vor, sie dadurch erneut vergewaltigt zu haben. Ein Vorwurf, der den Erzähler verständlicherweise tief aufwühlt, zumal er sich selbst als &#8222;Feministen&#8220; sieht.</p>
<p>Das dritte Ereignis ist die Hochzeit der Tochter eines alten Schulfreundes. Auf der griechischen Insel Hydra feiert sie oppulent und äußerst kostspielig die Vermählung mit einem Senegalesen &#8211; vermeintlich multikulti und so weltoffen, bewundert vom Erzähler, der darin eine freundliche Utopie sieht. Dass sich hier nur das vermögende Bildungsbürgertum, auch das senegalesische, selbst feiert, wird kaum problematisiert. Zumindest wird die Anreise der Gästeschar mit Flugzeugen unter Klimaschutz-Gesichtspunkten etwas kritisiert. Brautvater Olaf ist der klassische (Klischee)Linke und mittlerweile fanatischer Israel-Hasser und Palästina-Unterstützer.</p>
<p>Ein vierter Punkt ist eine den Erzähler stark berührende, kurz zuvor erfolgte Reportagereise in die kriegsgeplagten Krisenregion Tigray. Dabei besucht er, wie auch Kermani 2023, eine Neugeborenenstation.</p>
<h3>Viele aktuelle Themen</h3>
<p>MeToo und Femnismus, Rechtsruck und AfD, Migration und Trump, dazu Ukrainekrieg und Israel-Palästina, ein wenig Thomas Mann und Antonin Artaud &#8211; viele aktuelle Themen und allgemeine Verunsicherungen werden angesprochen und durchdacht. Einige Punkte sind für mich ziemlich problematisch, zumal der Erzähler auch leicht im Selbstmitleid zu versinken droht. Meist fängt er sich aber rechtzeitig und stellt die eigenen Positionen in Frage, ringt mit ihnen, benennt Widersprüche und hält sie aus. Immer ist er offen für eine Selbstkorrektur der eigenen Sichtweise &#8211; eine heute selten anzutreffende Tugend. Es werden viele kluge Dinge gesagt (und einige ziemlich reaktionäre), über die man zumindest mal nachdenken kann. Das ist intelligent und anregend, wenn auch manchmal etwas formlos. Einen Romanplot zumindest darf man nicht erwarten.</p>
<p>Zitat Klappentext: &#8222;Wie soll man sich orientieren in einem Leben, dessen Koordinaten nicht mehr zu stimmen scheinen. Geht das vorüber? Oder beginnt nun eine Zeit, in der wir grundsätzlich neu über uns nachdenken müssen?&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Thomas Kohler ( <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/"><span id="yui_3_18_1_1_1781520719769_2507" class="license-type">CC BY 2.0</span></a> ) via Flickr</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/navid-kermani-sommer-24-9783446285767-t-5858"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21241" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/navid-kermani-sommer24/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="navid-kermani-sommer24" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21241" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg" alt="Navid Kermani - Sommer 24" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</strong><br />
<strong>Hanser Verlag Februar 2026, Hardcover, 160 Seiten, 23,00 € </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/">Navid Kermani &#8211; Sommer 24</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22095</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 09:05:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Mutterschaft]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22106</guid>

					<description><![CDATA[<p>Alle meine Mütter – zunächst stutzt man über das &#8222;alle&#8220; beim Titel des neuen Romans von Lena Gorelik. Ein Roman über Patchworkfamilien? Liest man ein wenig hinein ins Buch, wird relativ bald klar, um was&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/">Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Alle meine Mütter </em>– zunächst stutzt man über das &#8222;alle&#8220; beim Titel des neuen Romans von Lena Gorelik. Ein Roman über Patchworkfamilien? Liest man ein wenig hinein ins Buch, wird relativ bald klar, um was es der Autorin mit ihm geht und warum er diesen Titel trägt. Lena Gorelik verwebt in vielen Geschichten – beobachtet, imaginiert oder recherchiert – ihre eigene Mutter- und Tochterschaft mit den verschiedensten Ausdrucksformen und Wirklichkeiten des Mutterseins. Sie erzählt von Frauen</p>
<p>„die Mutter sein müssensollendürfenkönnenwollen, und über all jene, die nicht Mutter sein müssensollendürfenkönnenwollen; über uns, die wir Kinder von Müttern sind, selbst wenn wir es vielleicht nicht sein wollen“.<span id="more-22106"></span></p>
<p>Es geht auch um Frauen, die keine Mütter sind, weil sie ihre Kinder abgetrieben haben, weil sie ungewollt kinderlos bleiben oder für die Kinder einfach nicht in ihr Leben passen. Es geht um Frauen, deren Kinder schwer chronisch krank oder körperlich oder geistig beeinträchtigt sind. Frauen, die ihre Kinder verloren haben – an eine Krankheit, an einen Krieg, den Freitod. Mütter, die aus fremden Ländern eingewandert sind und solche, die alt werden. Und um Mütter, die eigentlich „nur“ die neue Lebenspartnerin des Vaters oder der Mutter sind.</p>
<h3>Die Komplexität von Mutterschaft</h3>
<p>Bei den vielen Facetten, die Lena Gorelik in <em>Alle meine Mütter </em>aufzeichnet, bleiben doch ebenso viele außen vor, gibt es doch so unendlich viele davon. Im Gespräch bekannte die Autorin, dass es zahlreiche geschriebene Manuskriptseiten nicht ins Buch geschafft haben. Dennoch ist es ihr gelungen ein kluges, berührendes Kaleidoskop der Vielfalt und Komplexität von Mutterschaft zu schaffen.</p>
<p>Denn Mütter sind vielleicht die gesellschaftliche Gruppe, die die meisten Zuschreibungen erfährt, an die enorme Ansprüche von außen gestellt werden. Das „deutsche Ideal der Mutter“ bestimmt unbewusst immer noch das Bild in der Gesellschaft. Lena Gorelik möchte ausloten, was es bedeutet, heute Mutter zu sein, oder eben nicht. Welche Prägungen gibt man an seine Kinder, insbesondere die Töchter weiter? Und was ist das, eine „gute Mutter“?</p>
<blockquote><p>„Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mutter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns.“</p></blockquote>
<h3>Individuelle und allgemeine Bedeutung</h3>
<p>Lena Gorelik kreuzt eigene Erfahrungen mit einer an Brustkrebs erkrankten Mutter, also die ganz individuelle Geschichte ihrer Ich-Erzählerin, mit vielen anderen Geschichten, etwa der der jungen Russin, die eine Abtreibungsklinik aufsucht. Oder der Mutter, die sich im ÖPNV zu Tode schämt, weil ihr geistig beeinträchtigtes Kind so laut schreit. Aber vor allem, weil sie sich dafür schämt. Diese eigenen und fremden Geschichten verbindet sie mit allgemeinen Überlegungen, so dass neben den individuellen immer wieder auch strukturelle Gegebenheiten analysiert werden. Dazu reflektiert sie ihren Schreibprozess und ihr eigenes Mutter- und Tochtersein.</p>
<p>Das klingt vielleicht ein wenig schwer, aber die besonderen Glücksmomente, die eigentlich in jeder Mutterschaft stecken, kommen nicht zu kurz, ebenso Sorge und Fürsorge als zentrale Momente dieser ganz besonderen zwischenmenschlichen Beziehung. Das geschieht manchmal erzählerisch, manchmal eher essayistisch, oft autobiografisch grundiert. Das Buch Roman zu nennen, trifft es hingegen nur in einem sehr weit gefassten Sinn. Ganz gleich, ein lesenswertes, auch literarisch feines Buch ist es auf jeden Fall.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Dguendel, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0">CC BY 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/lena-gorelik-alle-meine-muetter-9783498007621?srsltid=AfmBOooJ05PJexOy62x9NpCXsTqun8fCZH250bME4SBKvv2mQ_HuMNdS"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21221" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/lena-gorelik-alle-meine-muetter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="lena-gorelik-alle-meine-muetter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21221" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg" alt="Lena Gorelik - Alle meine Mütter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter </strong><br />
<strong>Rowohlt März 2026, Hardcover, 272 Seiten, € 24,00 </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/">Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/19/lena-gorelik-alle-meine-muetter/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22106</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Stewart O`Nan &#8211; Abendlied</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 08:36:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Maxwell-Reihe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22108</guid>

					<description><![CDATA[<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Klappentexte studiere ich eher selten und so kommt es manches Mal auch zu Überraschungen. Wie schön etwa, wenn es unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">Stewart O`Nan &#8211; Abendlied</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Klappentexte studiere ich eher selten und so kommt es manches Mal auch zu Überraschungen. Wie schön etwa, wenn es unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten Romanfiguren gibt, wie etwa in <em>Abendlied </em>von Stewart O`Nan. Hier im Humpty Dumpty Club Pittsburgh sind ältere (bis ziemlich alte) Damen organisiert, die sich gegenseitig und andere hilfsbedürftige Senioren im Alltag unterstützen. Einkaufen, Arztbesuche, Behördengänge, Organisation von Veranstaltungen (meist Beerdigungen) und Krankenhausbesuche stehen neben Bridgeabenden, gemeinsamen Ausflügen, Haustierbetreuung und Kaffeetrinken auf dem Programm.<span id="more-22108"></span></p>
<p>Und die aus den älteren Romanen <em>Emily, allein</em>, <em><a href="https://literaturreich.de/2020/02/28/stewart-onan-henry-persoenlich/">Henry, persönlich</a></em> und <em>Abschied von Chautauqua</em> bekannten Figuren Emily Maxwell und deren Schwägerin Arlene sind Club-Mitglieder, beide nun schon weit über 80. Humpty Dumpty – meist als das menschenähnliche Ei aus Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ bekannt, steht im englischen Sprachraum generell für etwas Zerbrechliches, Vergängliches, das, einmal zerstört, nicht wieder repariert werden kann. Was für ein passendes Sinnbild für das Leben, an dessen Ende alle Damen des Humpty Dumpty Clubs mehr oder weniger dicht stehen.</p>
<h3>Der Hunprty-Dumpty-Club</h3>
<p>Wir befinden uns zu Beginn von <em>Abendlied </em>im Herbst des Jahres 2022. Die Corona-Pandemie ist einigermaßen überstanden, aber der Schrecken sitzt noch tief. Joanne, Leiterin und Organisatorin der Humpty Dumpties hat sich bei einem Treppensturz das Bein kompliziert gebrochen und muss längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Kitzi, als einzige mit noch lebendem, wenn auch schwer herzkrankem Mann, übernimmt die Leitung und hat gleich zu Beginn mit dem hochbetagten Künstler-Ehepaar Jean und Gene alle Hände voll zu tun. Die beiden leben mit zig Katzen in einem völlig vermüllten Messie-Haus in völliger Isolation. Susie, mit Anfang 60 das Küken der Humpty Dumpties, versucht sich nach ihrer Scheidung erfolgreich bei einer Dating-Plattform. Und Emily, die etwas versnobte, sehr wohlhabende Republikanerin, ficht weiterhin ihre Fehden mit der alleinstehenden Schwägerin Arlene aus. Die Beiden kennen wir aus den oben genannten Romanen. Bei Arlene klopft, zunächst ganz leise, aber unübersehbar, die Demenz an.</p>
<p>Bis ins neue Jahr begleiten wir die Damen in ihrem Alltag. Es geschieht nicht viel im Roman, und doch so ziemlich alles, nämlich das Leben. Wenige Autor:innen treffen so wunderbar das „ganz normale Leben“ der US-amerikanischen gehobenen Mittelklasse, erzählen mit so viel Wärme, Witz und Schonungslosigkeit wie Stewart O´Nan und verknüpfen so beiläufig gesellschaftspolitische Fragen. Wir stehen am Ende von Corona, gerade laufen die Midterm-Wahlen in Joe Bidens Amtszeit und am Horizont lauert bedrohlich eine weitere Runde Trump. Die Zeiten werden widersprüchlicher, die Gesellschaft gespaltener, das soziale Klima kälter als wir es lange Zeit gekannt haben. Solidarität wäre so wichtig, sich umeinander kümmern und unterstützen, trotz aller Differenzen. Und genau das leben uns die Humpty Dumpties vor.</p>
<h3>Evensong</h3>
<p>Die Musik hat für alle eine große Bedeutung. Wer noch kann, singt im Kirchenchor. Überhaupt spielt auch die Kirche, abseits des reinen Glaubens, eine wichtige Rolle für die Gemeinschaft. „Evensong“, der gesungene Abendgottesdienst, ist fester Bestandteil der anglikanischen Kirche, und stand für den Romantitel Pate. Die Calvary-Gemeinde, der die Damen angehören, befindet sich direkt neben der Tree-of life-Synagoge, die Im Oktober 2018 zum Tatort eines antisemitischen Attentats mit elf Toten wurde. Die anglikanische Gemeinde solidarisiert sich seitdem mit ihren Nachbarn. Auch dies ist ein Zeichen für die so notwendige Solidarität in der Gesellschaft.</p>
<p>Ein ganz klein wenig Nostalgie gestattet sich Stewart O`Nan in <em>Abendlied. </em>Aber nur ein wenig. Und bleibt im Ton lakonisch, völlig pathosfrei, mit einem feinen, leisen Humor. Seine atmosphärische Schilderung und die Plastizität der Charaktere und ihrer Dialoge, lassen sie uns ganz nahe kommen. Es wird gelebt, gelitten, sich gekümmert und gefreut. Die Demenz steht drohend am Horizont, Krankheit und Tod.</p>
<p>Und doch ist <em>Abendlied</em> ein ungemein tröstlicher, Mut machender Roman, in 50 kleinen Kapiteln erzählt. Liebevoll und schonungslos, unaufgeregt und humorvoll. Ein echter Stewart O`Nan.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: by Foto von Jalilov077 via PxHere</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/stewart-o-nan-abendlied-9783498007874?srsltid=AfmBOoqqup21QclzN5-ghEWGHREM0IHiKyDB4EnJ3ffX--dbUPiaHdU6"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22099" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/stewart-onan-abendlied/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" data-orig-size="300,484" data-comments-opened="1" data-image-title="stewart-onan-abendlied" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22099" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg" alt="Stewart O&#96;Nan - Abendlied" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Stewart O’Nan &#8211; Abendlied </strong><br />
<strong>Übersetzt von: Thomas Gunkel</strong><br />
<strong>Rowohlt Januar 2026, Hardcover, 352 Seiten, € 26,00</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">Stewart O`Nan &#8211; Abendlied</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22108</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:39:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mauerfall]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22103</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Ein Roman über Liebe und Kybernetik“ verspricht der Klappentext und irritiert hoffentlich im besten Sinn und macht neugierig. Kybernetik, was war das noch gleich? Kybernetik beschäftigt sich mit der Regulation von komplexen Systemen. Neben komplizierten&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ein Roman über Liebe und Kybernetik“ verspricht der Klappentext und irritiert hoffentlich im besten Sinn und macht neugierig. Kybernetik, was war das noch gleich? Kybernetik beschäftigt sich mit der Regulation von komplexen Systemen. Neben komplizierten Maschinen ist der menschliche Körper ein solches System, aber weiter gedacht auch Gesellschaften, generell Beziehungen zwischen Lebewesen. Meist geschieht diese Regulierung über einen Regelkreis, den Vergleich von Soll- und Ist-Werten und der Aktivierung von Regelmechanismen, wenn diese voneinander abweichen. Das Herz ist eines der Organe, die sich (zumindest in begrenztem Umfang) selbst regulieren können. Aber funktioniert eine solche Selbstregulation auch in Gesellschaften? Der Neoliberalismus würde sagen: Ja. Den Konterpart könnte die sozialistische Planwirtschaft einnehmen, die nicht nur wirtschaftliche Systeme zentral regeln will. Peggy Mädler schaut sich diesen Dualismus in ihrem neuen Roman <em>Selbstregulierung des Herzens </em>genau an. Und das auf hinreißende, gar nicht technokratisch trockene Art und Weise.<span id="more-22103"></span></p>
<h3>Mentalitätsgeschichte einer Generation</h3>
<p>Eine Gruppe von Menschen steht im Mittelpunkt des Romans, der von 1960 bis 2023 zunächst aus der DDR, dann aus dem wiedervereinigten Deutschland erzählt. Der Schwerpunkt liegt allerdings in der Zeit um 1989 und auf Georg, seiner ersten Frau Helga, auf Mona und Konrad, die jeweils sich unregelmäßig abwechselnde Kapitel erhalten, in denen in der 3. Person von ihnen erzählt wird. Sie alle sind den 1940ern geboren, was <em>Selbstregulierung des Herzens</em> auch zur Mentalitätsgeschichte einer Generation macht.</p>
<p>Georg stammt aus einer Arbeiterfamilie und wird wegen herausragender schulischer Leistungen, besonders in Mathematik, 1960 „zum Studium delegiert“. Ökonomie &#8211; schon sehr früh interessieren Georg aber die Rechensysteme und die elektronische Datenverarbeitung. Er lernt programmieren, beschäftigt er sich damit, wie sich Maschinen steuern lassen, trifft auf Fragestellungen der Kybernetik. Systeme müssen auf Feedback eingehen, um auf Störungen im System zeitnah und effizient reagieren zu können. Sehr bald ist ihm klar, dass das eine strikte Planwirtschaft nicht leisten kann. Direkt nach dem Bau der Mauer 1961 war die DDR-Führung für solche innenpolitischen, wirtschaftlichen Ideen vergleichsweise offen. Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung (NÖSPL) von 1963 sah eine gewisse Selbstregulierung der Produktionssysteme vor, also eine Flexibilisierung der Planwirtschaft zur Ertragssteigerung. Das untergrub allerdings den absoluten Machtanspruch der SED und wurde 1971 von Erich Honecker zurückgenommen.</p>
<h3>Freiheit und Planwirtschaft</h3>
<p>Die Freunde Georg, Roland und Marlies stehen nicht nur der Planwirtschaft kritisch gegenüber. In einem kleinen Dorf bei Berlin finden sie in einem renovierungsbedürftigen Bungalow im Wald eine Art Rückzugsort, eine Nische im System, wo sie sich freier fühlen als in Berlin. Eine Datsche, wie sie für viele DDR-Bürger:innen Zufluchtsort aus dem Alltag war. Auch die Malerin Mona und ihr Partner Konrad haben sich hier im Dorf ein zweites Zuhause geschaffen, das ihnen mehr Freiheiten bietet. Während Marlies aber auf eine Veränderung des Systems von innen setzt, flieht ihr Geliebter Roland unangekündigt in den Westen. Dass die ganze „Kolonie“ unter Stasi-Überwachung stand, erfahren sie erst nach dem Ende der DDR.</p>
<p>Georg heiratet die Chemiefacharbeiterin Helga. Es wird keine glückliche Ehe. Helga fremdelt mit dem Freundeskreis Georgs und eigentlich auch mit dem stillen, introvertierten Georg. Nach der Scheidung heiratet er die Krankenschwester Annelie.</p>
<p>Kontrolle und Freiheit, Plan und Selbstbestimmung – darum geht es in <em>Selbstregulierung des Herzens </em>von Peggy Mädler nicht nur in wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Hinsicht. Auch auf persönlicher, auf Beziehungsebene greift die Kybernetik. Impuls und Störung, Feedback und Gegenregulation. Es ist faszinierend und großartig, wie Peggy Mädler diese Aspekte immer wieder neu beleuchtet in ihrer Geschichte, die so gar nicht theoretisch ist. Das alles ist sehr elegant eingearbeitet. Toll konstruiert und auch sprachlich sehr fein: Ein weiteres Lesehighlight.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Collage aus Boleslav Telichan&#8217;s family at summer house, RIA Novosti archive, image #487609 / V. Lozovskiy, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0,</a> und Chemnitz 1975 by Eugen Nosko Deutsche Fotothek‎, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en">CC BY-SA 3.0 DE</a>, beide via Wikimedia Commons</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-9783869713359"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21253" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21253" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg" alt="Peggy Mädler - Selbstreguierung des Herzens" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</strong><br />
<strong>Galiani-Berlin Februar 2026, gebunden, 304 Seiten, € 23,00</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22103</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Lektüre Mai 2026</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 09:37:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22084</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Mai war so schnell vorbei. Die Zeit rast zwar beständig, aber im vergangenen Monat hat sie nochmal Gas gegeben. Privat war einiges los und lesetechnisch gab (und gibt) es einiges aufzuarbeiten. Gleichzeitig klopfen neue&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Lektüre Mai 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mai war so schnell vorbei. Die Zeit rast zwar beständig, aber im vergangenen Monat hat sie nochmal Gas gegeben. Privat war einiges los und lesetechnisch gab (und gibt) es einiges aufzuarbeiten. Gleichzeitig klopfen neue Projekte an und trudeln die Herbstneuerscheinungen (zumindest in Form von Vorschauen) ins Haus. Gerne würde ich ein wenig die Handbremse anziehen und mir mehr Zeit für so vieles &#8211; auch für meine Lektüre &#8211; nehmen, denn da war im Mai 2026 auch einiges Großartiges dabei.</p>
<p><span id="more-22084"></span></p>
<h4><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/hannah-haeffner-die-riesinnen/buch/9783328604334"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21291" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/haeffner-hdie-riesinnen/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="haeffner-die-riesinnen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21291" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp" alt="Hannah Häffner - Die Riesinnen" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a></strong><strong></strong><strong>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</strong></h4>
<p>Wahrscheinlich brauche ich über dieses Buch, das seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht, nicht mehr viel zu schreiben und sind auch andere berufener dafür. Der &#8222;moderne Heimatroman&#8220; wird überall gefeiert, sowohl im Feuilleton, als auch bei den Leser:innen und im Buchhandel. Im Mittelpunkt stehen drei Generationen von großgewachsenen, rothaarigen Frauen (&#8222;Riesinnen&#8220;), die sich gegen die Enge und den Aberglauben ihrer (fiktiven) Schwarzwald-Dorfgemeinschaft behaupten müssen. Mütter-Töchter-Konflikte, Sehnsucht nach Freiheit versus Suche nach Heimat &#8211; das alles in einer spröden, verknappten Sprache. Bei mir hat das nicht so recht verfangen, auch wenn das Buch (literarisches Debüt der Krimiautorin Häffner) sicher gekonnt verfasst ist. Vielleicht habe ich in der letzten Zeit einfach zu viele derartiger Mütter-Töchter-Romane gelesen, von denen ich die meisten gelungener fand.</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21179" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/brandung-maylis-de-kerangal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="brandung-maylis-de-kerangal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21179" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg" alt="Maylis de Kerangal - Brandung" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></strong><strong></strong><strong><a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a></strong></h4>
<p>Zunächst fühlt man sich in einem Kriminalfall: Die Protagonistin, eine Synchronsprecherin, die mit ihrer Familie in Paris lebt, erhält einen Anruf aus ihrer Geburtsstadt Le Havre. Dort wurde am Strand ein Mann ermordet, der eine Kinokarte, auf der ihre Handynummer vermerkt ist, in der Tasche trug. Man müsse sie dringend sprechen.</p>
<p>Sie fährt in ihren Heimatort, den sie &#8222;seit Ewigkeiten&#8220; nicht mehr aufgesucht hat. Nicht die einzige Unwahrheit, die sie den Leser:innen unterbreitet. Bei der Erzählerin wird durch den Vorfall und die Reise eine Erinnerungsflut ausgelöst, die bald wie die echte Brandung über ihr zusammen schlägt. Unterschiedlichste Themen werden angeschnitten, wie der Einfluss der KI auf den Beruf des Synchronsprechens, die Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg, das &#8222;Small-World-Phänomen&#8220; und der Ukrainekrieg und lassen den Kriminalfall bald ganz in den Hintergrund treten. Die Verlässlichkeit von Erinnerung rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Ein bisschen Patrick Modiano, ein wenig Rachel Cusk und ganz viel Erzählkunst à la Maylis de Kerangal &#8211; für mich ein richtiges Lese-Highlight.</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21253" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21253" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg" alt="Peggy Mädler - Selbstreguierung des Herzens" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></strong><strong></strong><strong><a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">PEGGY MÄDLER &#8211; SELBSTREGULIERUNG DES HERZENS</a></strong></h4>
<p>Kybernetik &#8211; Das ist einer der Begriffe, die ich immer wieder nachschlagen musste, weil ich sofort wieder vergessen habe, was er bedeutet. Nach der Lektüre von Peggy Mädlers Roman wird das wahrscheinlich nicht mehr passieren. Diese wissenschaftliche Lehre von der Steuerung, Regelung und Kommunikation in komplexen Systemen, wie sie viele Maschinen, aber auch Lebewesen und Gesellschaften darstellen und die diese in die Lage versetzen sich selbst zu regulieren und an Umweltbedingungen anzupassen, baut die Autorin so eindrücklich wie unaufdringlich in ihren Roman über das Leben einer Gemeinschaft von Menschen in einem Dorf nahe Berlin ein. Er erstreckt sich von 1960 bis 2023, konzentriert sich aber auf die Zeit um den Mauerfall. Toll erzählt und konstruiert. Dicke Leseempfehlung!</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21221" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/lena-gorelik-alle-meine-muetter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="lena-gorelik-alle-meine-muetter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21221" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg" alt="Lena Gorelik - Alle meine Mütter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></strong><strong></strong><strong>Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter</strong></h4>
<p>Lena Gorelik hat ein Buch über Mutterschaft geschrieben. Nicht über eine bestimmte, sondern über die unterschiedlichsten Facetten, Wirklichkeiten und Erscheinungsformen, die ausdrücklich auch Nicht-Mutterschaft inkludiert, ungewollt, gewollt, selbst herbeigeführt oder erlitten, beispielsweise durch den Tod eines Kindes. Selbst wenn eine Frau selbst nicht Mutter ist, so hat sie doch eine, zumindest gehabt, muss vielleicht von ihr Abschied nehmen, hat sie an die Demenz verloren.</p>
<p>Diese ganz besondere Beziehung, die immer im Brennglas der Gesellschaft, oft genug auch der Politik stand und steht, wird von Lena Gorelik von den unterschiedlichsten Seiten in Kapiteln beleuchtet, die durch &#8222;ich&#8220;-Abschnitte unterbrochen und immer in Beziehung zu ihrer eigenen Tochter- und Mutterschaft gesetzt wird. Die eigene Mutter ist an Brustkrebs erkrankt und wird von ihrer Tochter bei der Therapie begleitet. Sehr viele kluge, berührende Gedanken. Vieles, an das ich anknüpfen konnte, gerade auch in der Beziehung zu den eigenen Kindern. Vielleicht kein Roman im engeren Sinn, aber auf jeden Fall ein lesenswertes Buch.</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22080" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/iryna-fingerova-zugwind/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-title="iryna-fingerova-zugwind" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22080" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg" alt="Iryna Fingerova - Zugwind" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></strong><strong></strong><strong><a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">IRYNA FINGEROVA &#8211; ZUGWIND</a></strong></h4>
<p>Eine junge ukrainische Ärztin, die schon einige Zeit in Deutschland praktiziert, wird seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine von immer mehr Menschen aus ihrem Herkunftsland aufgesucht. Ihre (Flucht)Geschichten, ihre Schicksale, Ängste, Leiden, dazu die Care-Arbeit für ihre Tochter im Kindergartenalter, dazu die eigenen Sorgen, die tägliche Nachrichtenflut, die Ungewissheit &#8211; Mira Zehmann ist müde, unruhig, rastlos, kurz vor einer Depression &#8211; ein &#8222;Zugwind&#8220; hat sie erfasst. Da bricht sie auf nach Odesa, besucht die Großmutter, Freund:innen und lernt, dass Leben auch im Krieg möglich sein muss, einfach als Akt des Widerstands. Ein auch sprachlich tolles Buch, das uns viel über die Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind und nun mit uns leben, verrät.</p>
<h4><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/stewart-o-nan-abendlied-9783498007874"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22099" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/stewart-onan-abendlied/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" data-orig-size="300,484" data-comments-opened="1" data-image-title="stewart-onan-abendlied" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22099" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg" alt="Stewart O`Nan - Abendlied" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a></strong><strong></strong><strong><a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">STEWART O`NAN &#8211; ABENDLIED</a></strong></h4>
<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Wie schön, wenn es dann unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten Romanfiguren gibt, wie hier in <em>Abendlied</em>. Im Humpty Dumpty Club Pittsburgh sind ältere bis ziemlich alte Damen organisiert, die sich gegenseitig und andere hilfsbedürftige Senioren im Alltag unterstützen. Einkaufen, Arztbesuche, Behördengänge, Organisation von Beerdigungen und Reparaturarbeiten stehen neben Bridgeabenden und Kaffeekranz auf dem Programm.</p>
<p>Und die aus den vorangegangenen Romanen <em>Emily, allein</em>, <a href="https://literaturreich.de/2020/02/28/stewart-onan-henry-persoenlich/"><em>Henry, persönlich</em></a> und <em>Abschied von Chautauqua</em> bekannten Emily Maxwell und ihre Schwägerin Arlene sind Teil davon, beide nun schon weit über 80. Wenige Autor:innen treffen so wunderbar den Alltag der US-amerikanischen gehobenen Mittelschicht, erzählen mit soviel Wärme, Witz und Schonungslosigkeit wie Stewart O´Nan. Es geschieht nicht viel im Roman, und doch alles: es wird gelebt, gelitten, sich gekümmert und gefreut, die Demenz steht drohend am Horizont, Krankheit und Tod. Und doch ist es ein ungemein tröstliches, Mut machender Roman. Ein echter Stewart O`Nan.</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21254" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" data-orig-size="500,778" data-comments-opened="1" data-image-title="rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21254" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg" alt="Rabih Alameddine - Die wirklich wahre Geschichte von Radscha dem Gutgläubigen" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /></strong><strong></strong><strong>Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</strong></h4>
<p>Diesen 2025 mit dem National Book Award ausgezeichneten Roman habe ich mit in den Juni genommen und werde ihn ausführlich auch erst später vorstellen. Soviel aber bereits jetzt: Die im Libanon spielende Geschichte des 63-jährigen Radscha, der in Beirut mit seiner über 80-jährigen Mutter in einer kleinen Wohnung und einer problematisch-innigen Beziehung lebt, beleuchtet auf unterhaltsame und interessante Weise sechs Jahrzehnte libanesische Geschichte. Auf die derben sexszenen hätte ich wie immer gern verzichten können, aber das schmälert den positiven Gesamteindruck nur wenig.</p>
<h4><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/navid-kermani-sommer-24-9783446285767-t-5858"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21241" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/navid-kermani-sommer24/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="navid-kermani-sommer24" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21241" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg" alt="Navid Kermani - Sommer 24" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a></strong><strong></strong><strong>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</strong></h4>
<p>Navid Kermanis schmales Buch ist ebenfalls als Roman etikettiert, trifft es aber vielleicht noch weniger als Goreliks und ist in meinen Augen höchst kontrovers und für mich teilweise auch etwas problematisch. Der Erzähler, offensichtlich ein Alter Ego des Autoren erzählt von einigen Ereignissen im Sommer 2024, die seine zunehmende Irritation über den Lauf der Welt und die zunehmende gesellschaftliche Spaltung illustrieren.</p>
<p>MeToo, Rechtsruck und AfD, Migration und Trump, dazu Ukrainekrieg und Israel-Palästina, ein wenig Thomas Mann und Antonin Artaud &#8211; viele aktuelle Themen werden angesprochen und durchdacht. Bei vielem kann ich nicht mitgehen, einige Punkte sind für mich sogar ziemlich problematisch, zumal der Erzähler auch leicht im Selbstmitleid zu versinken droht. Meist fängt er sich aber rechtzeitig und stellt die eigenen Positionen in Frage, ringt mit ihnen, benennt Widersprüche und hält sie aus. Immer ist er offen für eine Korrektur der eigenen Sichtweise. Eine heute selten anzutreffende Tugend, die man durch das Lesen von Sommer 2024 durchaus auch selbst mal wieder einüben könnte. Von daher vielleicht kein rundum gelungener Roman, aber ein lohnenswerter Text.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Lektüre Mai 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22084</post-id>	</item>
		<item>
		<title>Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/</link>
					<comments>https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 09:22:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://literaturreich.de/?p=22063</guid>

					<description><![CDATA[<p>Gleich zu Beginn fühlt man sich in Brandung, dem neuen Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal, wie in einem der immer etwas düsteren, geheimnisvollen, schwebenden Texte ihres Landsmannes Patrick Modiano. Es ist aber nicht&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Gleich zu Beginn fühlt man sich in <em>Brandung,</em> dem neuen Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal, wie in einem der immer etwas düsteren, geheimnisvollen, schwebenden Texte ihres Landsmannes Patrick Modiano. Es ist aber nicht Paris, durch das sich die namenlose und etwas unzuverlässige Ich-Erzählerin die meiste Zeit bewegt, sondern die Industrie- und Hafenstadt Le Havre in der Normandie. Von dort erhält sie einen Anruf der ortsansässigen Kriminalpolizei. Man müsse sie in einer Angelegenheit, die sie beträfe dringend sprechen. Es ginge um ein „unidentifiziertes Individuum“, und man verspräche sich Informationen von ihr. Einerseits erschüttert dieser Anruf die Erzählerin über die Maßen, andererseits fragt sie kaum nach, warum man von ihr Informationen zu dem tot aufgefundenen Mann erwartet.<span id="more-22063"></span></p>
<p>Am nächsten Morgen macht sie sich auf den Weg nach Le Havre. Man erfährt, dass sie hier aufgewachsen ist, aber schon „ewig“ nicht mehr hier gewesen sei, was sich später als falsch herausstellt – Stichwort unzuverlässige Erzählerin. Den Mann auf den Fotos, die man ihr im Kommissariat zeigt, kann sie nicht identifizieren. Ihre Handynummer war auf einer Kinokarte in seiner Jackentasche notiert gewesen. Der Ich-Erzählerin ist das offenbar ein Rätsel. Dennoch bleibt sie über Nacht in Le Havre.</p>
<h3>Der unbekannte Tote</h3>
<p>Das Szenario könnte zu einem geheimnisumwitterten Krimiplot führen. Ein unbekannter Toter, vielleicht verwickelt in Drogengeschäfte, der am Strand der Nordmole ermordet aufgefunden wurde. Der Text führt aber trotz dieser ganzen Ingredienzien in eine ganz andere Richtung. Einzelheiten und Details nutzt die Erzählerin, um sehr unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Die Spannung bleibt bestehen.</p>
<blockquote><p>„Blaise (ihr Ehemann; Anm.) kennt meinen Hang zu Geschichten. Geschichten, die ich mir erzähle, die ich den anderen erzähle, in denen ich mich vervielfältige, in denen ich mich verstecken kann, eine Unbekannte werden, mich aus dem Weg räumen kann.“</p></blockquote>
<p>Und so führt sie die Kinokarte zu einem Kino, das sie früher häufig aufgesucht hat und zu einem kleinen Exkurs über Filme. „Burn after reading“ hat sich der Tote wohl als letztes angeschaut. Die Ich-Erzählerin hat für diese Zeit ein Alibi. Sie, die Synchronsprecherin ist, war beruflich in London. Das führt zum Thema Synchronsprechen und KI. Ein Spaziergang zum Hafen bringt ihr dann ein Schulprojekt in Erinnerung, für das sie über die Bombardierung Le Havres im September 1944 recherchierten und dafür eine Zeitzeugin interviewten. Le Havre wurde durch massive Bombardements der Alliierten, die die dort verschanzten deutschen Besatzungstruppen vertreiben sollten, vollständig zerstört und nach dem Krieg vom Architekt Auguste Perret komplett im Stil der Nachkriegsmoderne wiederaufgebaut. Diese einheitlich „Stahlbetonarchitektur“ ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. So führt eine Erinnerung, eine Begegnung, eine Nachricht zu immer neuen Geschichten. Im Gepäck hat die Erzählerin zudem Stig Dagermans Bericht <em>Deutscher Herbst, </em>für das der junge schwedische Journalist 1946 ins zerstörte Deutschland reiste.</p>
<h3>Six Degrees of Separation</h3>
<p>Frigyes Karinthy wird erwähnt, der ungarische Autor, dessen Kurzgeschichte die Grundlage zur Theorie der „Six Degrees of Separation“ legte, eine umstrittene Hypothese, die besagt, dass zwei beliebige Menschen auf der Welt jeweils über eine kurze Kette sozialer Beziehungen – maximal sechs Personen – miteinander verbunden sind. Ukrainische Studentinnen, die sie trifft, thematisieren den dortigen Krieg, ein gekentertes Flüchtlingsboot auf dem Ärmelkanal die Migrationsproblematik.</p>
<p>Derart viele Themen und Geschichten – das hätte leicht zerfasern können. Und alles bleibt ein wenig in der Schwebe. Auch Ähnlichkeiten zu den Romanen von Rachel Cusk kommen beim Lesen in den Sinn. Maylis de Kerangal komponiert aus den vielen Einzelheiten ein (mich) faszinierendes Stück Literatur, das durch die „Krimi“-Handlung zusammengehalten wird und eine durchgehende Spannung aufweist.</p>
<p>Die Erzählerin erinnert sich auch an ihre erste Liebe, den schillernden Craven, der eines Tages verschwand. Könnte er der Tote sein? Zumindest bittet sie, den Leichnam, der sich in der Pathologie in Rouen befindet, sehen zu dürfen.</p>
<p>Wie die Brandung bei einem ihrer Spaziergänge am Hafen über ihr bricht, so brechen auch ihre Erinnerungen auf sie ein. Und der Nebel verhüllt so manches. Aber wie erinnert man? Was bewahrt man von der Vergangenheit? Was geht eventuell verloren? Und wie weit können wir unseren Erinnerungen überhaupt trauen?</p>
<p>In glasklarer, wunderbarer Sprache und einer melancholisch-geheimnisvollen Grundstimmung geht Maylis de Kerangal (auch) diesen Fragen nach.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: The sea at le havre, Claude Monet, Public domain, via Wikimedia Commons</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/maylis-de-kerangal-brandung-t-9783518432785"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21179" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/brandung-maylis-de-kerangal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="brandung-maylis-de-kerangal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21179" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg" alt="Maylis de Kerangal - Brandung" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</strong><br />
<strong>Aus dem Französischen von Andrea Spingler</strong><br />
<strong>Suhrkamp März 2026, Fester Einband, 238 Seiten, € 25,00</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
		<post-id xmlns="com-wordpress:feed-additions:1">22063</post-id>	</item>
	</channel>
</rss>
