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		<title>Nefeli Kavouras &#8211; Gelb auch ein schöner Gedanke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 06:27:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras Gelb, auch ein schöner Gedanke trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/29/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schoener-gedanke/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/29/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schoener-gedanke/">Nefeli Kavouras &#8211; Gelb auch ein schöner Gedanke</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt mit der Beerdigung von Georg, der so beschrieben wird:</p>
<blockquote><p>„Wir denken darüber nach, was Georg alles war. Ein Vater, ein Ehemann, ein Architekt, Pflegestufe vier, ein anderes Wesen, ein sterbender Ewignichtsterbender, ein Tier, ein Unmensch, ein tröstliches Gemüt.“</p></blockquote>
<p><span id="more-22241"></span></p>
<p>Georg stirbt. Er stirbt lange. Vor acht Jahren erlitt der Familienvater seinen ersten Schlaganfall, dem weitere und weitere Komplikationen folgten. Jetzt macht man ihm, seiner Frau Ruth und seiner Teenagertochter Lea keine Hoffnung mehr und möchte ihn in ein Hospiz überweisen. Doch Ruth entscheidet sich für die Pflege zuhause. Eine fordernde Entscheidung. Fortan bestimmt die Care-Arbeit das Leben der Familie und führt zu einer immensen Überforderung. Ruth, die sich fast obsessiv in die Pflege ihres Mannes stürzt, kommt an ihre Grenzen. Aber auch Lea, einst ein absolutes Papa-Kind, steht in ihrer sensiblen Lebensphase durch das sich dahinziehende Sterben ihres Vaters völlig am Limit. Sie entfremdet sich ihrem Vater zusehends, will einfach nur leben, wünscht sich seinen baldigen Tod sogar.</p>
<h3>Zweifel, Trauer, Wut</h3>
<p>Sowohl Ruth als auch Lea erzählen abwechselnd über ihren Alltag, ihre ambivalenten Gefühle, auch dem jeweils anderen gegenüber, ihre Zweifel, ihre Trauer und Wut. Der sterbende Georg ist mehr oder weniger eine Leerstelle, körperlich anwesend, aber doch irgendwie schon nicht mehr da. Ihm gehört nur ein kurzer Abschnitt. Diesem entstammt der wunderbare Buchtitel. Das ist todtraurig, oft auch witzig, schnodderig und manchmal auch ärgerlich. Ruth und Lea sind keine perfekten Menschen, natürlich nicht. Und schon gar nicht in ihrer schwierigen Situation.</p>
<p>In der Mitte des Buchs kommt es dann ziemlich unvermittelt zum Bruch, auch wenn bereits im ersten Absatz von Georgs „Verwandlung“ die Rede ist. Es kommt zu einer magischen Wendung, die völlig beiläufig und selbstverständlich daherkommt. Mit seiner Verwandlung in ein Pferd einher geht ein Rollenwechsel. Lea, die bisher – auch aus körperlichem Ekel – Distanz zu ihrem einst geliebten Vater hielt, nähert sich ihm jetzt liebevoll an. Er ist bald ihr „Papapferd“. Ruth wiederum will mit diesem verwandelten Mann nichts zu tun haben. Tiere mochte sie noch nie. Dann kommt Edna ins Spiel, eine Pferdepflegerin, die sich um Georg kümmert, ihn am Ende mit auf ihren Gnadenhof nimmt. Sowohl Lea als auch Ruth entwickeln bald zu ihr eine besondere Beziehung.</p>
<p>Poetisch, zärtlich, verspielt und ziemlich verrückt erzählt Nefeli Kavouras in <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>vom Tod und vom Sterben, von Trauer und vom Abschiednehmen.</p>
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<p>Beitragsbild: Die kleinen gelben Pferde, Franz Marc, Public domain, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schoener-gedanke-9783462008708"><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="21242" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" data-orig-size="500,812" data-comments-opened="1" data-image-title="nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21242" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg" alt="Nefeli Kavouras - Gelb, auch ein schöner Gedanke" width="185" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg 185w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-246x400.jpg 246w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg 500w" sizes="(max-width: 185px) 100vw, 185px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Nefeli Kavouras &#8211; Gelb auch ein schöner Gedanke</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch Februar 2026, gebunden, 240 Seiten, € 23,00</strong></p>
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		<title>Karin Zipse &#8211; Moosland &#8211; Kurz vorgestellt</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/25/karin-zipse-moosland-kurz-vorgestellt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Jul 2026 10:22:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Island]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>1949 warb der isländische Bauernverband junge, unverheiratete Frauen aus Deutschland an, um für mindestens ein Jahr auf einem der dortigen Höfe zu arbeiten. Es gab auf Island einen Frauen- und Arbeitskräftemangel auf dem Land, da&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/25/karin-zipse-moosland-kurz-vorgestellt/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/25/karin-zipse-moosland-kurz-vorgestellt/">Karin Zipse &#8211; Moosland &#8211; Kurz vorgestellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>1949 warb der isländische Bauernverband junge, unverheiratete Frauen aus Deutschland an, um für mindestens ein Jahr auf einem der dortigen Höfe zu arbeiten. Es gab auf Island einen Frauen- und Arbeitskräftemangel auf dem Land, da viele junge Frauen nach dem Krieg in die Stadt zogen oder mit einem der stationierten GIs in die USA gingen. Fast 200 Deutsche folgten dem Aufruf. Das vom Krieg zerstörte Land, fehlende Männer oder, wie bei der Protagonistin im Roman Moosland von Karin Zipse, ausgelöschte Familien boten wohl wenige Zukunftsperspektiven. Armut und Hunger taten das Übrige.<span id="more-22239"></span></p>
<p>Elsa hat neben ihrer Familie auch ihre geliebte Freundin Sola auf der Flucht verloren. Eine eigentlich harmlose Verletzung durch ein Huhn führte bei ihr zu einer Blutvergiftung, an der sie schließlich starb. Elsa ist in Trauer erstarrt. Ihre Bekannte Gerda initiiert die Fahrt nach Island. Aber auch dorthin begleiten sie natürlich Verlust und Traurigkeit. Hinzu kommt die völlige Unkenntnis der Sprache, das raue Leben auf den eher kargen Höfen. Elsa schweigt.</p>
<h4>Schweres Eingewöhnen</h4>
<p>„Der Bauer“, „die Frau“, die beiden erwachsenen Söhne „Skuhli“ und „Olawür“ – lediglich zum Knecht „Haltdor“ fasst sie langsam ein wenig Zutrauen. Er ist der Einzige, mit dem Elsa hin und wieder spricht. Immer wieder läuft sie fort, wird wiedergefunden. Auch wenn die Familie eher rau und lieblos erscheint, hat man Geduld mit der neuen Arbeitskraft. Der ruhige und pragmatische ältere Olawür und der jüngere Skuhli, der von einem Leben in Amerika träumt, beide bemühen sich um die Aufmerksamkeit Elsas, wenn auch oft ein wenig ungeschickt. Elsa bleibt aber verschlossen und abweisend.</p>
<p>Ganz anders ist Gerda, die offen und fröhlich Kontakte schließt und bald als Verlobte des Bauernsohns auftritt. Spätere Eheschließungen waren ausdrücklich gewünschte Ziele des Anwerbeabkommens. Elsa hingegen erscheint in (Tag)Träumen immer wieder ihre verstorbene Freundin Sola. Und auch auf dem Hof scheint die Tochter Steinunn seit längerer Zeit verschollen. Das ist ein Stachel vor allem in der Seele der Bäuerin Ingibjörk. Als eines Tages auch noch Skuhli verschwindet, wird sie sehr krank. Ganz langsam nähert sich Elsa der Bauernfamilie an. Aus „Olawür“ wird Ólafur, aus „Skuhli“ Skúli und aus „Haltdor“ Halldór. Eine schön Idee von Karin Zipse, so die langsam zunehmende Vertrautheit mit Sprache und Land darzustellen.</p>
<p>Es ist ein stiller Roman über ein wenig bekanntes Thema, den Karin Zipse mit Moosland vorlegt. Ihr gelingt es gut, die Rauheit der Landschaft, die Sprödigkeit der Menschen und die Trauer Elsas zu vermitteln. Sie wahrt Distanz und wählt ihrerseits eine eher spröde Sprache. Besonders zu Beginn wartet der Text mit sehr einfachen, kurzen Sätzen auf. Das ist manchmal nicht wirklich schön zu lesen. Aber es passt und verliert sich danach zunehmend. Ein durchaus empfehlenswertes Buch.</p>
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<p>Beitragsbild via Pickpic</p>
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<p><strong>Informationen zum Buch:</strong></p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.dumont-buchverlag.de/buch/katrin-zipse-moosland-9783755800712-t-7747"><img decoding="async" data-attachment-id="22201" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/karin-zipse-moosland/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" data-orig-size="568,945" data-comments-opened="1" data-image-title="karin-zipse-moosland" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22201" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg" alt="Karin Zipse - Moosland" width="180" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg 180w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-240x400.jpg 240w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg 568w" sizes="(max-width: 180px) 100vw, 180px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Karin Zipse &#8211; Moosland</strong><br />
<strong>Dumont März 2026, gebunden, 224 Seiten, € 24,00</strong><br />
<strong>ISBN: 978-3-7558-0071-2</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/25/karin-zipse-moosland-kurz-vorgestellt/">Karin Zipse &#8211; Moosland &#8211; Kurz vorgestellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Vladimir Vertlib &#8211; Der Jude der Kaiserin</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2026 07:40:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Historischer Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/">Vladimir Vertlib &#8211; Der Jude der Kaiserin</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die Welt zu bringen. Leopold I., ihr Gatte, ist gleichzeitig ihr Onkel (Margaritas Mutter ist dessen ältere Schwester) und Cousin (Margaritas Vater, König Philipp IV. von Spanien und Leopolds Vater, Kaiser Ferdinand III., sind Brüder). Um den Besitz im eigenen Haus zu halten, heiratet der spanische Zweig der Habsburger jahrhundertelang innerhalb der Familie, was zu schweren genetischen Defekten und schließlich zum Aussterben der Linie führt. Direkt danach bricht der spanische Erbfolgekrieg aus. Zunächst einmal ruht aber die Hoffnung auf der jungen Kaiserin, noch einen gesunden Thronfolger zur Welt zu bringen. Vladimir Vertlib stürzt sich mit seinem spannenden, vielschichtigen Historienroman <em>Der Jude der Kaiserin </em>in diese Zeit.<span id="more-22179"></span></p>
<p>Margarita Teresa stammt aus dem spanischen Zweig der Familie der Habsburger. 15-jährig wird sie mit ihrem Onkel verheiratet. Man kennt sie von den steifen, höfischen Porträts von Diego Velasquez, insbesondere dem weltberühmten „Las Meninas“. An das rigide spanische Hofzeremoniell gewöhnt, streng katholisch und von einem fanatischen Judenhass beherrscht, findet sie sich relativ schwer in Wien zurecht. Nachdem 1492 die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand alle Juden in ihrem Reich entweder vertrieben (Sephardische Juden, die im gesamten Mittelmeerraum Fuß fassten) oder zur Konversion gezwungen haben(Converso), gibt es einige wenige, die offiziell zum Katholizismus übergetreten sind, heimlich aber den jüdischen Glauben bewahren. Marrane nennt man sie.</p>
<figure id="attachment_22210" aria-describedby="caption-attachment-22210" style="width: 517px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/stammbaum-spanische-habsburger.jpg"><img decoding="async" data-attachment-id="22210" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/stammbaum-spanische-habsburger/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/stammbaum-spanische-habsburger.jpg" data-orig-size="517,404" data-comments-opened="1" data-image-title="stammbaum-spanische-habsburger" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Der Stammbaum der letzten Habsburger aus spanischer Linie, Margarita Teresa unten dritte von links; by Ecummenic, CC BY-SA 4.0 &lt;https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0&gt;, via Wikimedia Commons&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/stammbaum-spanische-habsburger.jpg" class="size-full wp-image-22210" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/stammbaum-spanische-habsburger.jpg" alt="Stammbaum letzte Habsburger" width="517" height="404" /></a><figcaption id="caption-attachment-22210" class="wp-caption-text">Der Stammbaum der letzten Habsburger aus spanischer Linie, Margarita Teresa unten dritte von links; by Ecummenic, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<p>Zwei Vertraute hat sich die junge Kaiserin aus Spanien an den Wiener Hof mitgenommen, ihren Beichtvater, den rigiden Padre Sebastián, und ihren Leibarzt, Pedro de Rojas. Mittlerweile 55 Jahre alt, begleitet de Rojas Margarita Teresa seit ihrer frühen Kindheit. Sie ist kränklich, besonders ihr ausgeprägter Kropf bereitet ihr Beschwerden beim Atmen. Nur Pedro kann ihr wirklich helfen, ist zudem ihr engster Vertrauter. Aber Pedro ist ein Marrane, der auch in Wien vermeintlich geheim dem jüdischen Glauben anhängt. Vermeintlich, denn am Hof weiß man längst davon. Der Kaiser schützt ihn, die Kaiserin hängt trotz ihres Hasses auf die Juden und der von ihr geplanten Vertreibung derselben aus Wien sehr an ihrem Leibarzt.</p>
<p>Dieser empfiehlt, zur nächsten Entbindung Margarita Teresas die beste Hebamme der Stadt, die Jüdin Esther zur Hilfe zu rufen. Esther lebt wie die meisten jüdischen Bewohner Wiens im unteren Werd, einem Gebiet jenseits des Donauarms. (Nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung 1670 erhielt das Gebiet den Namen Leopoldstadt). Sie selbst ist Witwe und hat drei Kinder zu versorgen. Sie nimmt die heikle Aufgabe an. Aber was, wenn das Kind bei der Geburt stirbt? Pedro redet ihr zu, auch weil er Gefühle für sie entwickelt und hofft, wenn sie der Kaiserin bei der Geburt hilft, könne sie in Wien bleiben.</p>
<p>Das Neugeborene überlebt tatsächlich – aber es ist ein Mädchen. Maria Antonia soll das einzige Kind aus der Verbindung bleiben, das Geburt und Säuglingszeit überlebt. Für die Kaiserin folgen Fehlgeburten, ein totgeborener Junge und eine nur wenige Tage lebende Tochter. Mit 21 stirbt Margarita Teresa 1673. Aus Angst vor Verfolgung flieht Esther mit Hilfe von Pedro nach Saloniki, wohin ihr dieser nach dem Tod der Kaiserin folgt.</p>
<figure id="attachment_22212" aria-describedby="caption-attachment-22212" style="width: 560px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22212" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez.jpg" data-orig-size="560,662" data-comments-opened="1" data-image-title="marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez" data-image-description="&lt;p&gt;Margarita Teresa 1659 &lt;/p&gt;
" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez.jpg" class="wp-image-22212 size-full" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez.jpg" alt="Margarita Teresa 1659" width="560" height="662" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez.jpg 560w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez-254x300.jpg 254w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/marguerite-therese-dautriche-diego-velasquez-338x400.jpg 338w" sizes="auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22212" class="wp-caption-text">Margarita Teresa 1659 by Diego Velázquez, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<p>Vladimir Vertlib schafft aus diesem Stoff einen klassischen, souveränen Historienroman. Höfische Intrigen, Staatsgeschäfte, brutaler Kindesmissbrauch durch katholische Kleriker, Antisemitismus und der Alltag am Hof und in den schmutzigen, elenden Gassen der Stadt – Vertlib erzählt spannend, plastisch, detailreich und atmosphärisch. Von modischen Stilmitteln nimmt er Abstand und charakterisiert seine Figuren als Kinder ihrer Zeit, mit ihren Vorurteilen, ihrem Aberglauben, ihren Werten, die mit den unseren nicht unbedingt übereinstimmen. Die ambivalente Charakterschilderung ist einer der vielen positiven Seiten des an Nebenhandlungen und –figuren reichen Romans. Dem Autor geht es aber auch, und das ist sehr aktuell, um Toleranz und Humanismus, um Religion und Fanatismus. Sehr lesenswert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Kaisergruft, Ruhestätte von Margarita Teresa, by Kaho Mitsuki, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.residenzverlag.com/buch/der-jude-der-kaiserin"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21274" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21274" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg" alt="Vladimir Vertlib - Der Jude der Kaiserin" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Vladimir Vertlib &#8211; Der Jude der Kaiserin</strong><br />
<strong>Residenzverlag Februar 2026, Hardover, 416 Seiten, € 28,00</strong></p>
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		<title>Elizabeth Strout &#8211; Erzähl mir alles</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/18/elizabeth-strout-erzaehl-mir-alles/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Jul 2026 06:35:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Roman über das Geschichtenerzählen. Der Titel des neuen Romans von Elizabeth Strout ist Programm – Erzähl mir alles. Es werden von den Protagonist:innen zahllose kleine und größere Geschichten erzählt, die nicht immer wirklich interessant&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/18/elizabeth-strout-erzaehl-mir-alles/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Roman über das Geschichtenerzählen. Der Titel des neuen Romans von Elizabeth Strout ist Programm – <em>Erzähl mir alles</em>. Es werden von den Protagonist:innen zahllose kleine und größere Geschichten erzählt, die nicht immer wirklich interessant sind. Aber auch das ist Programm. Es geht, wie es immer wieder heißt, darum, „unbeachtete Leben“ in Erinnerung zu rufen. Vergessenen Menschen und ihren Schicksalen durch das Erzählen die Beachtung zu schenken, die ihnen im Alltag oft nicht gewährt wird. Es ist der menschenfreundliche, liebevolle, aber auch klare, schonungslose Blick der Autorin, den wir bereits aus acht vorangegangenen Romanen kennen.<span id="more-22226"></span></p>
<p>In diesen Romanen, wie etwa <a href="https://literaturreich.de/2024/05/01/elizabeth-strout-am-meer/">Am Meer</a>, <a href="https://literaturreich.de/2020/05/25/elizabeth-strout-die-langen-abende/">Die langen Abende</a>, <a href="https://literaturreich.de/2018/12/23/elizabeth-strout-alles-ist-moeglich/">Alles ist möglich</a> oder <a href="https://literaturreich.de/2016/11/03/elizabeth-strout-die-unvollkommenheit-der-liebe/">Die Unvollkommenheit der Liebe</a> hat sich Elizabeth Strout einen kleinen Protagonist:innen-Stamm geschaffen, der den Leser:innen sehr an Herz gewachsen sind und die in unterschiedlicher Besetzung und mit wechselnden Überschneidungen in ihren Büchern auftauchen. In <em>Erzähl mir alles </em>treffen nun erstmals alle aufeinander. Was für ein Geschenk für Strout-Fans!</p>
<h3>Die Held:innen</h3>
<p>Da ist beispielsweise die mittlerweile über 90-jährige pensionierte Mathematiklehrerin Olive Kitteridge, bekannt als ewig grantelnde, oftmals harsche Person, die ihren ersten Auftritt in Strouts 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman <em>Mit Blick aufs Meer </em>hatte. Nun lebt sie im Seniorenheim, ihre beste Freundin dort ist Isabelle Goodrow, die man aus Strouts erstem Roman Amy &amp; Isabelle kennt. Oft besucht sie aber auch Lucy Barton, eine zentrale Figur im Strout-Universum. Diese ist mit ihrem Ex-Mann William während der Corona-Pandemie aus New York nach Crosby geflüchtet und dort hängengeblieben. Die Schriftstellerin Lucy und Olive erzählen sich besonders gern Geschichten. Und auch Bob Burgess, ein Anwalt den man aus <em>Das Leben natürlich </em>kennen könnte (für mich fast das schönste Strout-Buch) ist dabei – ihm kommt sogar die Hauptrolle zu. Daneben treten noch Bobs Bruder Jim und seine Frau Helen, die Schwester Susan und Bobs Frau, die Pastorin Margaret auf.</p>
<figure id="attachment_22229" aria-describedby="caption-attachment-22229" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22229" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/18/elizabeth-strout-erzaehl-mir-alles/indian-summer/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer.jpg" data-orig-size="1024,700" data-comments-opened="1" data-image-title="indian-summer" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer.jpg" class="wp-image-22229 size-medium_large" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer-768x525.jpg" alt="Indian Summer" width="760" height="520" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer-768x525.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer-300x205.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer-940x643.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer-585x400.jpg 585w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/indian-summer.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22229" class="wp-caption-text">CC0 via publicdomainpictures</figcaption></figure>
<p>Ihnen allen begegnen wir wieder im kleinen Küstenstädtchen Crosby in Maine und dem Nachbarort Shirley Falls. Auch diese sind den Strout-Leser:innen vertraut. Es ist Indian Summer, die Blätter verfärben sich, der Winter naht. Und das Personal ist allgemein im Alter deutlich fortgeschritten. Ähnlich wie unlängst <a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">Stewart O`Nan in </a><em>Abendlied, </em>wirft Elizabeth Strout ihren Blick auf das Älterwerden. Es ist der Alltag, der auch bei ihr im Mittelpunkt steht, etwa die Spaziergänge der Freunde Lucy und Bob oder die Besuche Lucys im Seniorenheim. Aber auch wenn wie immer die Gedanken, Gefühle und Geschichten der Menschen zentral sind, passiert ungewöhnlich viel in <em>Erzähl mir alles. </em>Erzählt wird davon allerdings in gewohnt ruhigem Ton und mit viel Zeit.</p>
<h3>Der Kriminalfall</h3>
<p>Gloria Beach, eine ältere, nicht gerade beliebte Dame – Generationen an Schülern hat ihr rigides Regiment in der Schulkantine nachhaltig verschreckt – ist verschwunden und wird schließlich in einem PKW am Grunde eines Sees gefunden. Ihr menschenscheuer Sohn Matt wird verdächtigt, sie getötet zu haben. Bob übernimmt sein Mandat, da er mit Matts Schwester Diana zur Schule gegangen ist. Das bringt ein wenig Krimi in die Handlung.</p>
<p>In erster Linie geht es aber wie in allen Romanen der Autorin um menschliche Beziehungen – glückende und sehr oft auch scheiternde. Alle suchen Nähe, Verbundenheit, Loyalität. Die meisten von ihnen sind aber trotzdem zutiefst einsam und führen ein eher trauriges Leben, schleppen zumindest aber das eine oder andere Kindheitstrauma mit sich herum. Das alles erzählt Elizabeth Strout in ihrem eher leichten Plauderton, der über die Tragik dahinter aber kaum hinwegtäuschen kann. In <em>Erzähl mir alles</em> verplaudert sich die Autorin vielleicht ein wenig. Zu viele Geschichten vielleicht, auf jeden Fall aber Menschen, die ihr Glück allzu verbissen und fast ausschließlich in Paarbeziehungen suchen. Die Liebessehnsüchte und -wirren hatten zuweilen etwas leicht pubertäres, was mich tatsächlich ein wenig störte.</p>
<p>Aber Elizabeth Strout schafft es dennoch immer wieder, mich mit ihren Texten einzufangen und auch die gesellschaftliche Realität in den USA durch Erwähnung der zunehmenden Spaltung, der Nachwehen der Pandemie oder etwa den Ukrainekrieg ganz beiläufig einzubringen. Für mich ist sie eine absolute Lieblingsautorin, die mit <em>Erzähl mir alles </em>vielleicht nicht ihr bestes Buch, aber durch die Zusammenführung all ihrer Held:innen gewiss ein zauberhaftes geschrieben hat.</p>
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<p>Beitragsbild via pixabay CC0</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/elizabeth-strout-erzaehl-mir-alles/buch/9783630877495"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21287" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/strout-erzaehl-mir-alles/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="strout-erzaehl-mir-alles" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp" class="alignleft wp-image-21287 size-medium" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-189x300.webp" alt="Elizabeth Strout - Erzähl mir alles" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Elizabeth Strout &#8211; Erzähl mir alles </strong><br />
<strong>Aus dem Amerikanischen von Sabine Rot</strong><br />
<strong>Luchterhand März 2026, Hardcover, 400 Seiten, € 25,00</strong></p>
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		<title>Colm Tóibín &#8211; Die Schwestern &#8211; Kurz vorgestellt</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/14/colm-toibin-die-schwestern-kurz-vorgestellt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:04:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Haus]]></category>
		<category><![CDATA[irische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Katalonien]]></category>
		<category><![CDATA[Kurz vorgestellt]]></category>
		<category><![CDATA[Schwestern]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zu Beginn von Colm Tóibíns Erzählung Die Schwestern steckt eine von ihnen, Montse, in ihrem Haus in der argentinischen Kleinstadt Chivilcoy fest. Schon zum zweiten Mal wurde Klebstoff in ihr Türschloss gespritzt, es ist Wochenende&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/14/colm-toibin-die-schwestern-kurz-vorgestellt/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Beginn von Colm Tóibíns Erzählung <em>Die Schwestern</em> steckt eine von ihnen, Montse, in ihrem Haus in der argentinischen Kleinstadt Chivilcoy fest. Schon zum zweiten Mal wurde Klebstoff in ihr Türschloss gespritzt, es ist Wochenende und die Schlosser gehen nicht ans Telefon, die Nachbarn können sie nicht leiden und die Polizei nimmt ihren Anruf nicht ernst. Ein merkwürdiges Szenario.<span id="more-22176"></span></p>
<p>Am folgenden Montag erreicht sie ein Brief aus einer katalanischen Anwaltskanzlei. Sie und ihre Schwestern Núria und Conxita haben von ihrer verstorbenen Tante Julia Grau ein kleines Häuschen in den Pyrenäen geerbt. Vor Jahrzehnten sind die drei Schwestern mit der Mutter aus den von dort nach Buenos Aires ausgewandert. Nach dem Tod des Vaters meinte diese, dass die Mädchen dort bessere Chancen haben würden.</p>
<p>Damals waren sie Kinder, jetzt sind alle drei um die 60. Die Zeit allerdings scheint seltsam stillzustehen in dieser Geschichte. Núria ist die Älteste und mittlerweile Witwe. Aus einer armen Einwanderer-Familie stammend, hat sie in die Upperclass von Buenos Aires eingeheiratet und führt ein Leben zwischen Country Clubs und Eigenheim mit Dienstboten. Ihre Schwestern behandelt sie herablassend und distanziert. Conxita, die mittlere Schwester, lebt offiziell als Gesellschafterin der wohlhabenden Señora Maria Luisa Bustamante, ist in Wahrheit aber wohl deren Lebenspartnerin. Montse selbst hat sich als junge Frau mit einem wesentlich älteren, verheirateten Mann eingelassen, der für sie eine Wohnung gekauft hat und sie auch sonst ausgehalten hat. Nach seinem Tod zwingt sie seine Familie, auszuziehen. Nun arbeitet sie in einer Autowerkstatt.</p>
<p>Die drei Schwestern haben nahezu keinen Kontakt mehr, seit die Mutter gestorben ist. Was soll jetzt mit dem Haus in Spanien geschehen? Für Núria ist der Verkauf ausgemachte Sache, aber Montse hat andere Pläne. Die Schwestern fliegen nach Barcelona und verfallen in ihre alten Schwestern-Rollen. Montse will das Haus nicht verkaufen und nicht nach Argentinien zurückkehren. Dafür schreckt sie auch nicht vor einem Betrug zurück.</p>
<p>Es passiert nicht wirklich viel in Colm Tóibíns Erzählung <em>Die Schwestern</em>. Vieles spielt sich im Inneren von Montse ab. So wirklich nah kommt man den Protagonistinnen dabei aber nicht. Zurück bleibt ein etwas gespaltenes Gefühl.</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/colm-toibin-die-schwestern-9783446286498-t-5883"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22200" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/colm-toibin-sie-schwestern/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" data-orig-size="300,490" data-comments-opened="1" data-image-title="colm-toibin-sie-schwestern" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22200" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg" alt="Colm Tóibín - Die Schwestern" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Colm Tóibíns &#8211; Die Schwestern</strong><br />
<strong>Übersetzt aus dem Englischen von Ditte Bandini und Giovanni Bandini </strong><br />
<strong>Hanser Verlag März 2026, Hardcover, 128 Seiten, 22,00 €</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/14/colm-toibin-die-schwestern-kurz-vorgestellt/">Colm Tóibín &#8211; Die Schwestern &#8211; Kurz vorgestellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Lektüre Juni 2026</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:46:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei. Bevor ich mir die Highlights dieses ersten Halbjahres in Erinnerung rufe, kommt hier noch die Lektüre im Juni 2026. VLADIMIR VERTLIB &#8211; DER JUDE DER KAISERIN Wien im&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Lektüre Juni 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die erste Hälfte des Jahres ist vorbei. Bevor ich mir die Highlights dieses ersten Halbjahres in Erinnerung rufe, kommt hier noch die Lektüre im Juni 2026. <span id="more-22198"></span></p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21274" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21274" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg" alt="Vladimir Vertlib - Der Jude der Kaiserin" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/22/vladimir-vertlib-der-jude-der-kaiserin/">VLADIMIR VERTLIB &#8211; DER JUDE DER KAISERIN</a></strong></h4>
<p>Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die Welt zu bringen. Margarita Teresa stammt aus dem spanischen Zweig der Familie der Habsburger. 15-jährig wird sie mit ihrem Onkel verheiratet. Man kennt sie von den steifen, höfischen Porträts von Diego Velasquez, insbesondere dem weltberühmten „Las Meninas“. An das rigide spanische Hofzeremoniell gewöhnt, streng katholisch und von einem fanatischen Judenhass beherrscht, findet sie sich relativ schwer in Wien zurecht. Zwei Vertraute hat sich die junge Kaiserin aus Spanien an den Wiener Hof mitgenommen, ihren Beichtvater, den rigiden Padre Sebastián, und ihren Leibarzt, Pedro de Rojas. Mittlerweile 55 Jahre alt, begleitet de Rojas Margarita Teresa seit ihrer frühen Kindheit. Er ist ihr engster Vertrauter, aber Pedro ist ein Marrane, ein nur angeblich Konvertierter, der weiterhin &#8211; vermeintlich geheim &#8211; dem jüdischen Glauben anhängt. Dieser empfiehlt, zur nächsten Entbindung Margarita Teresas die beste Hebamme der Stadt, die Jüdin Esther zur Hilfe zu rufen. Sie stimmt zu, denn das Kind muss leben &#8211; und ein Junge sein.</p>
<p>Vladimir Vertlib schafft aus diesem Stoff einen spannenden, vielschichtigen Historienroman.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22200" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/colm-toibin-sie-schwestern/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" data-orig-size="300,490" data-comments-opened="1" data-image-title="colm-toibin-sie-schwestern" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22200" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg" alt="Colm Tóibín - Die Schwestern" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/colm-toibin-sie-schwestern.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/14/colm-toibin-die-schwestern-kurz-vorgestellt/">COLM TÓIBÍN &#8211; DIE SCHWESTERN</a></strong></h4>
<p>Drei argentinische Schwestern erben von ihrer Tante in Katalonien ein Haus. Einst sind sie selbst mit ihrer Mutter aus dem kleinen Pyrenäendorf ausgewandert. Núria ist die Älteste und mittlerweile Witwe. Aus einer armen Einwanderer-Familie stammend, hat sie in die Upperclass von Buenos Aires eingeheiratet und führt ein Leben zwischen Country Clubs und Eigenheim mit Dienstboten. Ihre Schwestern behandelt sie herablassend und distanziert. Conxita, die mittlere Schwester, lebt offiziell als Gesellschafterin der wohlhabenden Señora Maria Luisa Bustamante, ist in Wahrheit aber wohl deren Lebenspartnerin. Montse selbst hat sich als junge Frau mit einem wesentlich älteren, verheirateten Mann eingelassen, der für sie eine Wohnung gekauft hat und sie auch sonst ausgehalten hat. Nach seinem Tod zwingt sie seine Familie, auszuziehen. Nun arbeitet sie in einer Autowerkstatt.</p>
<p>Die drei Schwestern haben nahezu keinen Kontakt mehr, seit die Mutter gestorben ist. Was soll jetzt mit dem Haus in Spanien geschehen? Für Núria ist der Verkauf ausgemachte Sache, aber Montse hat andere Pläne. Die Schwestern fliegen nach Barcelona und verfallen in ihre alten Schwestern-Rollen. Montse will das Haus nicht verkaufen und nicht nach Argentinien zurückkehren. Dafür schreckt sie auch nicht vor einem Betrug zurück.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21191" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dror-mishani-nicht/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="dror-mishani-nicht" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21191" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-190x300.jpg" alt="Dror Mishani - Nicht" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dror-mishani-nicht.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Dror Mishani &#8211; Nicht</strong></h4>
<p>Oschra und Eli, beide beginnen im hebräischen Alphabet mit dem Buchstaben Aleph, was Eli als Zeichen für ihre große Harmonie als Ehepaar ansieht. Doch Oschra ist früh gestorben. Eli, nun Anfang Fünfzig, trauert, ist ein wenig depressiv. Als Übersetzer sieht er sich zudem von der neuen KI-Technologie bedroht. Die Zukunft ist für ihn düster und einsam. Da lernt er bei einem Essen bei Freunden die deutlich jüngere Cellistin Lia kennen. Und wie ein Wunder kehrt bei ihm wieder die Liebe ein und wird erwidert. Der eigentlich als Krimiautor bekannte Dror Mishani hat mit <em>Nicht </em>einen kleinen Liebesroman geschrieben, der vor allem durch seine feine psychologische Zeichnung lebt und auch Krimi- und Thrillerelemente aufweist.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21262" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="shelly-kupferberg-stunden-wie-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21262" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg" alt="Shelly Kupferberg - Stunden wie Tage" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Shelly Kupferberg &#8211; Tage wie Stunden</strong></h4>
<p>Berlin Schöneberg, Ende der 1990er Jahre. Ein alte Frau, leicht abgerissen, mit schlohweißem, verfilztem Haar und abgetretenen Pantoffeln läuft durch den Kiez und scheint überall bekannt und beliebt zu sein. Shelly Kupferberg, die dort selbst nach einer Wohnung sucht, fällt diese Frau auf. Obdachlos? In dem Alter? Sehr bald erfährt sie, dass die Frau Martha heißt und millionenschwere Hausbesitzerin sein soll. Gerüchte sagen ihr nach, das Vermögen im Krieg durch eine Affäre mit einem ranghohen Nazi erschlichen zu haben. Mit <em>Stunden wie Tage </em>schreibt die Autorin nun die berührende Geschichte von Martha, ihren Weg von der Hausbesorgerin bei den reichen jüdischen Brüdern Berkowitz zur Hausbesitzerin und ihrer Beziehung zur 1942 von den Nationalsozialisten hingerichteten Adoptivtochter Liane Berkowitz auf. Es war etwas anders als gedacht. Und <em>Stunden wie Tage</em> ist auch eine großartige Berlingeschichte.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22201" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/karin-zipse-moosland/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" data-orig-size="568,945" data-comments-opened="1" data-image-title="karin-zipse-moosland" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22201" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg" alt="Karin Zipse - Moosland" width="180" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-180x300.jpg 180w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland-240x400.jpg 240w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/karin-zipse-moosland.jpg 568w" sizes="auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/25/karin-zipse-moosland-kurz-vorgestellt/">KARIN ZIPSE &#8211; MOOSLAND</a></strong></h4>
<p>1949 warb der isländische Bauernverband junge, unverheiratete Frauen aus Deutschland an, um für mindestens ein Jahr auf einem der dortigen Höfe zu arbeiten. Es gab auf Island einen Frauen- und Arbeitskräftemangel auf dem Land, da viele junge Frauen in die Stadt zogen oder mit einem der stationierten GIs in die USA gingen. Fast 200 Deutsche folgten dem Aufruf. Das vom Krieg zerstörte Land, fehlende Männer oder, wie bei der Protagonistin Elsa, ausgelöschte Familien boten wohl wenige Zukunftsperspektiven. Armut und Hunger taten das Übrige. Das Leben auf Island ist rau und ungewohnt und Elsa tut sich zunächst schwer.</p>
<p>Es ist ein stiller Roman über ein wenig bekanntes Thema, das Karin Zipse mit Moosland vorlegt. Ihr gelingt es gut, die Rauheit der Landschaft, die Sprödigkeit der Menschen und die Trauer Elsas zu vermitteln. Sie wahrt Distanz und wählt ihrerseits eine eher spröde Sprache. Besonders zu Beginn wartet der Text mit sehr einfachen, kurzen Sätzen auf. Das ist manchmal nicht wirklich schön zu lesen. Aber es passt und verliert sich mit fortschreitendem Text. Ein durchaus empfehlenswertes Buch.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21207" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/ida-fink-die-reise/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="ida-fink-die-reise" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21207" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-183x300.jpg" alt="Ida Fink - Die Reise" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/ida-fink-die-reise.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Ida Fink &#8211; Die Reise</strong></h4>
<p>Die Reise &#8211; was so einfach, so positiv klingt, erzählt von einem tief berührenden Schicksal.<br />
Polen im Herbst 1940. Das jüdische Ghetto der Stadt leert sich zusehends. Immer weniger der Zwangsarbeiter aus dem Steinbruch kommen abends nach getaner Arbeit zurück. Es gibt Razzien, zuerst holen sie die Alten und Kranken.<br />
Der Vater hat für Elzbieta uns Katarzyna gefälschte Papiere besorgt. Er drängt sie sie zur Flucht, solange dies noch möglich ist. Es beginnt eine gefährliche, atemlose Zeit. Die beiden jungen Frauen melden sich als polnische Freiwillige zum Arbeitsdienst nach Deutschland. Ein risikoreiches Unterfangen, sind diesen Weg doch bereits andere Jüd:innen gegangen und teilweise enttarnt worden. Und auch die beiden Mädchen werden zunächst im Arbeitslager, später auf verschiedenen Bauernhöfen immer wieder in die Enge getrieben, teils entdeckt, verraten, aber auch beschützt. Sie müssen ihre Identität immer wieder wechseln.<br />
Aber wie kann man so leben? Mit dieser ständigen Angst, mit falschen Identitäten, so jung?</p>
<p>Ida Fink und ihre Schwester haben genau das erlebt. Ein jahrelanger Albtraum. 1957 Fink sie Polen endgültig und veröffentlichte ab 1971 von dort ihre autobiografischen Werke. 2011 starb sie in Tel Aviv 90-jährig.<br />
Die Reise wurde auch verfilmt und erzählt in wunderbarer Sprache, übersetzt von Klaus Staemmler, von dieser schrecklichen Zeit ihres Lebens, aber auch von Solidarität und Schwesternliebe. Ein eindrückliches Buch.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21242" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" data-orig-size="500,812" data-comments-opened="1" data-image-title="nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21242" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg" alt="Nefeli Kavouras - Gelb, auch ein schöner Gedanke" width="185" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-185x300.jpg 185w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke-246x400.jpg 246w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nefeli-kavouras-gelb-auch-ein-schiener-gedanke.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px" />Nefeli Kavouras &#8211; Gelb, auch ein schöner Gedanke</strong></h4>
<p>Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt mit der Beerdigung von Georg. Dieser ist seit dem ersten Schlaganfall vor acht Jahren ein Pflegefall. Seine Frau Ruth kümmert sich zwischen pflichtbewusst und liebevoll um ihn, während die Tochter Lea Distanz wahrt. Zwischen Mutter und Tochter kommt es immer wieder zu Reibereien. In abwechselnden Kapiteln erzählen Ruth und Lea von ihren Gedanken, Gefühlen und Zweifeln. In der Mitte des Buch kommt es zu einem magischen Plottwist, der auch eine völlige Umverteilung der Rollen mit sich bringt.</p>
<p>Poetisch, zärtlich, verspielt und ziemlich verrückt erzählt Nefeli Kavouras in <em>Gelb, auch ein schöner Gedanke </em>vom Tod und vom Sterben, von Trauer und vom Abschiednehmen.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21250" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21250" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg" alt="Olivier Guez - Die Welt in ihren Händen" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">OLIVIER GUEZ &#8211; DIE WELT IN IHREN HÄNDEN</a></strong></h4>
<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich, war beispielsweise maßgeblich an der Gründung des Staates Irak beteiligt. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und reiche Familie geborene &#8222;Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin, Archäologin, Alpinistin, politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg&#8220; (Wikipedia) nahezu vergessen. Der französische Autor Olivier Guez verwebt ihre Biografie mit der geopolitischen Geschichte des Zweistromlandes Mesopotamiens im 19. Jahrhundert. Interessant ist, dass die so unabhängige, engagierte und politisch einflussreiche Frau nicht nur als Kind ihrer Zeit imperialistisch, überheblich und elitaristisch gesinnt war, sondern auch eine entschiedene Anti-Feministin.</p>
<p>Schnörkellos und sehr nüchtern, mit einem überbordenden Informationsgehalt liest sich das Buch sehr spannend und interessant, lässt aber wenig Nähe zu seinen Protagonist:innen entstehen. Dafür bietet es tiefe Einblicke in die Vorgeschichte der heutigen Konfliktregion Nahost.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/10/lektuere-juni-2026/">Lektüre Juni 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 16:37:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Biografischer Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und reiche Familie geborene &#8222;Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin, Archäologin, Alpinistin, politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg&#8220; (Wikipedia) nahezu vergessen. Der französische Autor Olivier Guez verwebt in <em>Die Welt in ihren Händen</em> ihre Biografie mit der geopolitischen Geschichte des Zweistromlandes, der  Kulturlandschaft in Vorderasien, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt ist und heute den Irak und Teile Nordostsyriens umfasst. Die Geschichte dieser Region und die Gründung des Staates Irak, an der Bell maßgeblich beteiligt war, kommen der Leser:in dabei fast näher als der Mensch Gertrude, weswegen der Originaltitel <em>Mesopotamia </em>für mich passender ist als der leicht pathetische deutsche.<span id="more-22171"></span></p>
<p>Gertrude Bell war eine, nicht nur im positiven Sinn, bemerkenswerte Frau. Ihre Familie besaß eine der größten Eisenindustrien Englands und war unermesslich wohlhabend und einflussreich. Nach dem frühen Tod der Mutter wurde Gertrude von ihrem Vater und der Stiefmutter sehr fortschrittlich erzogen und gefördert. Nach dem Queens-College in London war sie 1886 eine der ersten Studentinnen in Oxford, wo sie 1888 bereits mit Bestnote abschloss – trotz der Behinderungen, die weibliche Studierende zu der Zeit noch erfuhren. So durften sie nur mit Anstandsdame erscheinen, mussten die Vorlesungen zum Teil mit dem Rücken zum Professor bestreiten, um ihn nicht durch ihre Blicke zu „verstören“.</p>
<h3>Ein Leben auf Reisen</h3>
<p>Mit einem Aufenthalt in Bukarest begann ihre lebenslange, intensive Reisetätigkeit. Konstantinopel und Teheran schlossen sich an und Gertrude begann, Persisch zu lernen. Für eine Frau damals war es Zeit, sich zu verheiraten. Aber es gab keinen Mann, der sie interessierte und auch keine ernsthaften Bewerber. Für beides war wohl ihre überragende Intelligenz und Unabhängigkeit verantwortlich. In Teheran lernte sie dann Henry Cadogan kennen, in den sie sich verliebte und der um ihre Hand anhielt. Ihr Vater verweigert allerdings seine erforderliche Zustimmung zur Heirat, da Cadogan Spieler und nahezu bankrott war. Olivier Guez deutet an, dass es für diesen deshalb nur eine berechnende Affäre war, wozu ich keine Belege fand. Kurz darauf starb Henry Cardogan an einer Lungenentzündung, was Gertrude in tiefen Kummer stürzte.</p>
<p>Bell setzte ihre Reisen fort: Europa, Israel, Shanghai, Seoul und Vancouver und immer wieder Mesopotamien. Sie lernte Arabisch, knüpfte Kontakte, begann sich für Archäologie zu interessieren, schrieb über die Region und erwarb sich ein großes Wissen über den Nahen Osten. Sie lernte dabei auch Percy Cox, den britischen Befehlshaber und Diplomaten des Britischen Mandats Mesopotamien, und T.E. Lawrence (später berühmt als „Lawrence von Arabien“) kennen. Mit dem verheirateten Konsul Charles Doughty-Wylie begann sie eine Affäre, die mit seinem Kriegstod 1915 endete.</p>
<figure id="attachment_22173" aria-describedby="caption-attachment-22173" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22173" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/ibn_saud_and_cox/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg" data-orig-size="995,636" data-comments-opened="1" data-image-title="Ibn_Saud_and_Cox" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg" class="wp-image-22173 size-medium_large" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-768x491.jpg" alt="Ibn Saud, Percy Cox and Gertrude Bell in 1916" width="760" height="486" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-768x491.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-300x192.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-940x601.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox-626x400.jpg 626w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/07/Ibn_Saud_and_Cox.jpg 995w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22173" class="wp-caption-text">Abdul Aziz ibn Saud, ruler of Nejd and later first King of Saudi Arabia, Sir Percy Cox, Political Officer attached to the Indian Expeditionary Force in Mesopotamia, and Miss Gertrude Bell at Basra via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<h3>Die Zerschlagung des Osmanischen Reichs</h3>
<p>Der erste Weltkrieg brachte durch die Zerschlagung des Osmanischen Reichs den Nahen Osten in große Turbulenzen. Die Briten, die nicht zuletzt wegen der Ölvorkommen großes Interesse an der Region hegten, suchten immer häufiger Gertrudes Expertise. Sie ließ sich ebenso wie Lawrence vom britischen Geheimdienst anwerben. Offiziell nannte man sie „Orientsekretärin“ und sie wurde trotz der Außenseiterstellung und Ablehnung vieler männlicher „Kollegen“ zu einer der einflussreichsten Personen in der Region und war maßgeblich an der Gründung des Staates Irak und der Einsetzung von König Faisal beteiligt. Dessen Beraterin blieb sie eine Weile.</p>
<p>Mit Ablösung von Hochkommissar Cox schwand ihr Einfluss langsam. Und aufgrund veränderter wirtschaftlicher Bedingungen in der britischen Schwerindustrie verlor das Familienunternehmen nach dem Ersten Weltkrieg an finanzieller Stärke und musste enorme finanzielle Einbußen erleben. Gesundheitliche Probleme und Depressionen kamen hinzu. 1926 starb Gertrude Bell 57-jährig.</p>
<p>Interessant ist, dass die so unabhängige, engagierte und politisch einflussreiche Frau nicht nur als Kind ihrer Zeit imperialistisch, überheblich und elitaristisch gesinnt war, sondern auch eine entschiedene Anti-Feministin. So sprach sie sich vehement gegen das Frauenwahlrecht aus. erstaunlich, hatte sie selbst doch zeitlebens ausreichend mit Misogynie zu tun. Ein großer Verdienst von <em>Die Welt in ihren Händen </em>ist, dass Olivier Guez seine Protagonistin nicht verklärt, sondern sehr ambivalent und eingebettet in den Zeitgeist und ihre gesellschaftliche Klasse zeigt. Das Buch kann zudem die journalistischen Wurzeln seines Autors nicht verleugnen. Schnörkellos und sehr nüchtern, mit einem überbordenden Informationsgehalt liest es sich sehr spannend und interessant, lässt aber wenig Nähe zu seinen Protagonist:innen entstehen. Es berücksichtigt außerdem ausschließlich westliche Perspektiven, lässt die arabische Sicht außen vor. Das ist ein wenig bedauerlich.</p>
<p>Dennoch ist <em>Die Welt in ihren Händen</em> von Olivier Guez ein sehr lesenswertes Buch, das eine bemerkenswerte, widersprüchliche Frau wieder in Erinnerung bringt und viel von der Vorgeschichte der Nahost-Konflikte deutlich macht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Tempel von Palmyra via Wikimedia Commons <a class="extiw" title="w:en:Creative Commons" href="https://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons">Creative Commons</a> <a class="extiw" title="creativecommons:by-sa/3.0/deed.en" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">Attribution-Share Alike 3.0 Unported</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden-9783462008357"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21250" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21250" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg" alt="Olivier Guez - Die Welt in ihren Händen" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/olivier-guez-die-welt-in-iren-haenden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</strong><br />
<strong>Übersetzt von: Nicola Denis</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch April 2026, gebunden, 416 Seiten, € 25,00</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/06/olivier-guez-die-welt-in-ihren-haenden/">Olivier Guez &#8211; Die Welt in ihren Händen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:54:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Beirut]]></category>
		<category><![CDATA[Entführung]]></category>
		<category><![CDATA[libanesische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Libanon]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
		<category><![CDATA[Queerness]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein queerer Coming-of-age-Roman und eine turbulente Mutter-Sohn-Geschichte: Mit Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) gewann der libanesische, auf Englisch schreibende Autor Rabih Alameddine 2025 den National Book Award. Er erzählt&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein queerer Coming-of-age-Roman und eine turbulente Mutter-Sohn-Geschichte: Mit <em>Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) </em>gewann der libanesische, auf Englisch schreibende Autor Rabih Alameddine 2025 den National Book Award.<span id="more-22131"></span></p>
<p>Er erzählt die wilde du oft (ein wenig zu)derbe Geschichte des 63-jährigen Philosophielehrers Radscha, der mit seiner hochbetagten, aber noch sehr agilen und vor allem scharfzüngigen Mutter Zalfa in einer winzigen Wohnung in Beirut lebt. Vor mehr als 25 Jahren hat er ein kurzes Buch auf Japanisch (das er mehr oder eher weniger gut beherrscht) verfasst, das überraschenderweise ein großer Erfolg wurde. Von diesem „Ruhm“ hat er eine Weile gezehrt, aber das ist schon lange vorbei, als er die Einladung der American Excellence Foundation zu einem dreimonatigen Schreibaufenthalt in Virginia/USA erhält. Ihm kommt das ein wenig merkwürdig vor, aber die Chance, für eine Weile seiner übergriffigen Mutter und ihrer genauso vereinnahmenden besten Freundin, der lokalen Mafia-Patin Madame Taweel, zu entkommen, ist zu verlockend.</p>
<h3>Die Entführung</h3>
<p>Parallel zu diesem im Jahr 2023 spielenden Strang geht der Roman fast sechzig Jahre zurück in Familien-, libanesischer bzw. Nahost-Geschichte. Der Sechstagekrieg 1967 zwischen Israel und den arabischen Ländern und der von 1975 bis 1990 tobende Bürgerkrieg im Libanon führen in die Kindheit und Jugend von Radscha. Ziemlich zu Beginn wird er als Teenager entführt und monatelang in einem Keller gefangen gehalten. Dabei ist er eher ein Zufallsopfer. Er saß unfreiwillig im Auto von zwei älteren Mitschülern, einer davon sehr reich und eigentlich als Opfer gedacht. Die Entführung läuft aus dem Ruder und die beiden anderen Jungen werden getötet. Radscha wird von einem flüchtigen Bekannten, der ebenfalls an dem Überfall beteiligt war, „gerettet“.</p>
<p>Dieser Boodie sperrt ihn ein, angeblich um ihn vor seinen Mittätern zu beschützen. Sein Verhalten wechselt zwischen fürsorglich und brutal. Der fünfzehnjährige Radscha entwickelt allmählich Gefühle für ihn und entdeckt, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Es kommt zu derbem Sex. Freiwillig oder unfreiwillig, das wird nicht ganz klar, ebenso die zwischen Hass und Liebe schwankenden Gefühle, die die beiden jungen Männer füreinander empfinden. Boodie schließt sich „draußen“ einer Miliz an, taucht manchmal tagelang nicht im Versteck auf. Eines Tages kann Radscha fliehen. Boodie sieht er nicht wieder. Aber er lebt nun mehr oder weniger offen als Schwuler und als Drag-Entertainer. Die Tage in Gefangenschaft begleiten ihn als Trauma weiter.</p>
<p>Nach diesen prägenden Monaten verändert sich auch das Verhältnis zu seiner Mutter. Sie, die eigentlich immer den Bruder  bevorzugte, Radscha nie beistand, wenn der Vater ihn als Kind als zu unmännlich verhöhnte und quälte, ist ihm nun nah, oft zu nah. Vor allem als sie letztendlich zu ihm zieht.</p>
<h3>Ein Land in der Krise</h3>
<p>2019 wird das Land von einer beispiellosen Wirtschaftskrise erfasst. Durch jahrzehntelange staatliche Misswirtschaft, exzessive Korruption und ein schneeballsystemartiges Wirtschaftsexperiment kommt es zu einem umfassenden Bankenkollaps, der weiten Teilen der Bevölkerung das Vermögen raubt. Die Bevölkerung protestiert. 2020 beherrscht der Corona-Virus das Weltgeschehen und am 4. August kommt es zu einer schrecklichen Katastrophe, einer der größten nichtnuklearen Explosionen der Geschichte. Unsachgemäß gelagertes Ammoniumnitrats entzündet sich durch Schweißarbeiten, in der Nähe gelagerte Feuerwerkskörper verstärken die Explosion. Im Hafen und angrenzenden Gebieten sterben über 200 Menschen und große Teile der Stadt werden schwer verwüstet. Davon hat sich Beirut bis heute nicht erholt (vgl. auch Pierre Jarawans Roman <em>Frau im Mond</em>).</p>
<p><em>Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</em> ist ein oft witziger, quirliger, manchmal arg derber Roman über das Aufwachsen eines jungen Mannes, sein Coming-out und die komplexe, aber immer sehr innige Verbindung zu seiner Mutter, und verknüpft das alles mit 60 Jahren libanesischer Geschichte. Lesenswert!</p>
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<p>Beitrgsbild: Damages after 2020 Beirut explosions  by Mehr News Agency, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0">CC BY 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.chbeck.de/alameddine-wirklich-wahre-geschichte-radscha-gutglaeubigen-und-mutter/product/39931272"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21254" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" data-orig-size="500,778" data-comments-opened="1" data-image-title="rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21254" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg" alt="Rabih Alameddine - Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</strong><br />
<strong>Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence</strong><br />
<strong>C.H.Beck März 2026, 351 Seiten, Hardcover, € 26,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/07/01/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-dem-gutglaeubigen-und-seiner-mutter/">Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:39:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Musik kann Zuflucht sein, Trost, Glück und Heimat, besonders wenn man sie nicht nur hören, sondern selbst zu machen in der Lage ist. Schon für ganz kleine Kinder ist es faszinierend, wenn aus einem „Ding“&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Musik kann Zuflucht sein, Trost, Glück und Heimat, besonders wenn man sie nicht nur hören, sondern selbst zu machen in der Lage ist. Schon für ganz kleine Kinder ist es faszinierend, wenn aus einem „Ding“ plötzlich ein Ton erschallt, wenn man mit ihm interagiert. Noch betörender, wenn daraus wundervolle Melodien tönen. Musikmachen bedeutet neben Faszination aber auch Arbeit, Disziplin, Fleiß und im besten Fall auch Talent, will man nicht nur ein wenig „klimpern“. Das lernen die kleinen Musikschüler bald. Und nicht wenige schreckt das ab. Die anderen verbindet meist eine lebenslange Liebe zur Musik und „ihrem“ Instrument. Nur sehr selten reicht es zu Profiqualitäten, wird die Liebe zur Profession. Viel zu oft verbirgt sich dahinter ein System aus Disziplin, Drill und Druck. Sehr ausgeprägt war (ist) dies in Fernost und den kommunistischen Ländern. Die Autorin Helene Bukowski hat ein Leben, das daran zerbrochen ist, in den Mittelpunkt ihres neuen, für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominierten Roman <em>Wer möchte nicht im Leben bleiben </em>gestellt.<span id="more-22136"></span></p>
<p>Grundlage für den Roman sind Aufzeichnungen, Kassetten, Briefe und Fotoalben aus einem Nachlass, der Helene Bukowski über ihre Großmutter erreicht hat. Diese Zeugnisse erzählen vom viel zu kurzen Leben von Christina, die 1961 in Leipzig geboren wurde, die mit vier Jahren begann Klavier zu spielen, als „Wunderkind“ erkannt und gefördert wurde und sich 1985 mit nur 24 Jahren durch einen Sprung aus einem Hochhaus das Leben nahm. Ein Schicksal, das die Autorin nicht mehr los ließ und dem sie mit diesem Roman behutsam und atmosphärisch dicht nachspürt. Ein Roman, da notgedrungen vieles imaginiert und fiktionalisiert werden muss, auch wenn es zahlreiche Zeugnisse dieses Lebens gibt. Helene Bukowski macht das in ihrem Text sehr transparent, thematisiert ihren Schreibprozess.</p>
<h3>Eine Annäherung</h3>
<p>Wie darf man sich einem so tragischen Leben nähern? Wie kommt man ihm näher, besonders, wenn die eigene Erfahrung fehlt? Helene Bukowski ist 1993 in Berlin geboren, besitzt über ihre Mutter zwar auch ostdeutsche Wurzeln, hat die DDR aber natürlich nicht selbst erlebt und war durch den Besuch einer Montessori-Schule persönlich maximal weit entfernt vom Drill der Spezialschulen und Konservatorien, die Christina durchlaufen musste. Auch Musikmachen ist der Autorin bis auf ein wenig Gitarre, das sie wie sie in Interviews betont, wegen mangelnder Lust am Übern aufgegeben hat, nicht unbedingt vertraut. Trotzdem gelingt es ihr großartig, Christinas Leben, den Alltag in der DDR und vor allem auch die Musik erfahrbar zu machen.</p>
<p>Christinas Talent am Klavier wird früh erkannt und von ihrem Vater, einem Opernsänger, gefördert. Das Klavier zieht mit nach Neustrelitz und schließlich nach Neubrandenburg ins „Scheibenhochhaus“, wo die junge Frau 1985 ihrem Leben ein Ende setzt. Diesem typischen DDR-Bau – breiter als hoch – kommt im Roman von Helene Bukowski eine besondere Stellung zu. 1966 gebaut, verspricht es den neuen Mieter:innen ein komfortables, ein „modernes“ Leben mit Zentralheizung, Bad, viel Platz. Heute gelten diese Häuser als Bausünden. Das Scheibenhochhaus wurde unlängst abgerissen, Bukowski konnte es für ihre Recherche gerade noch besichtigen. Als Motto für <em>Wer möchte nicht im Leben bleiben </em>wählt sie ein Zitat aus Brigitte Reimanns <em>Franziska Linkerhand. </em>Der unvollendete Roman (1974 posthum erschienen), der einen gewissen Kultstatus in der DDR-Literaturgeschichte besitzt, erzählt von einer jungen Architektin, die ihre Ideale an dieser Art zu bauen scheitern sieht, und viel vom damaligen DDR-Alltag.</p>
<h3>Von der &#8222;Spezi&#8220; aufs Konservatorium</h3>
<p>Mit elf Jahren wird Christina an die sogenannte „Spezi“, eine Spezialschule für Musik in Berlin geschickt. Die Eltern haben zuerst Bedenken gegen dieses Internat, aber der Ehrgeiz des Vaters, der seine eigenen Ambitionen, die als Sänger an einem Provinz-Opernhaus eher als gescheitert angesehen werden können, in seiner Tochter hofft verwirklichen zu können, ist stärker. Hier beginnt die sozialistische Kulturförderung, die durch die 3D (Disziplin, Drill, Druck) charakterisiert werden. Konkurrenz nimmt im Verlauf der Ausbildung einen immer höheren Stellenwert ein. Dennoch scheint Christina an der „Spezi“ gut zurechtzukommen, findet Freundinnen, liebt das Klavierspiel. Auch die Entsendung ans Konservatorium in Moskau, die sie mit 17 wegen ihres Könnens erreicht, ist für sie ein willkommenes Abenteuer. Ihre Lehrerin Tatjana Nikolajewa ist ihr zugewandt, ihre Leistungen stimmen (zunächst) und sie findet in Julia, dem Ehepaar Ivanow und später in der italienischen Mitstudentin Vittoria gute Freund:innen.</p>
<p>Dennoch beginnt die Abwärtsspirale, die schließlich 1985 im Scheibenhochhaus enden wird. Sie quält die unglückliche Liebe zu Jura, der sich später als homosexuell erweisen wird, ein missglückter Wettbewerb und vor allem eine PMDS (Prämenstruelle Dysphorische Störung, eine schwer verlaufende Form des prämenstruellen Syndroms, die sich in der zweiten Zyklushälfte durch extreme psychische Symptome wie Depressionen, Aggressivität, Angstzustände und unkontrollierbare Stimmungsschwankungen zeigt). Es gibt dafür noch keine Diagnose gibt, und sie tritt im Roman als „Chris“, als völlig verändertes Selbst in Erscheinung.. Als Christina nach Ablauf ihrer Ausbildungszeit keine Verlängerung ihres Aufenthalts im geliebten Moskau erhält, zurück nach Neubrandenburg muss und dort an einen völlig ungeeigneten Klavierlehrer gerät, spitzt sich ihre Situation zu.</p>
<h3>Die Zeugnisse</h3>
<p>Die Zeugnisse aus dem Nachlass, vor allem auch eine vom Vater verfasste „Chronik“ ihres Lebens, die für Freunde und Bekannte gedacht war, erzählen Helene Bukowski viel von Christina. Vieles muss sie sich aber auch imaginieren, erfühlen. Sie nähert sich dem fremden Leben mit viel Behutsamkeit, will nie übergriffig oder voyeuristisch sein. Sie tritt in den Dialog mit ihrer Protagonistin, verwendet die „Du“-Form, spricht sie mitunter direkt an. Manchmal „antwortet“ ihr Christina. Sie ermahnt:</p>
<blockquote><p>„Pass auf, dass du nicht deine eigene Geschichte daraus machst.“</p></blockquote>
<p>Ganz vermeiden lässt sich das nicht. Aber Helene Bukowski lässt der von ihr Biografierten Freiheit, wodurch trotz der großen Nähe, in die sie sich zu Christina begibt, bei der Leserin auch eine gewisse Distanz entsteht. Und dass bei dieser großen Nähe auch einiges von der Autorin einfließt, ist nur natürlich.</p>
<blockquote><p>„Wer möchte nicht im Leben bleiben<br />
Den Mensch´ und Tieren zugesellt<br />
Wer ließe sich denn gern vertreiben<br />
Von dieser reichen, bunten Welt<br />
Wer ließe sich denn gern vertreiben<br />
Von dieser reichen, bunten Welt“</p></blockquote>
<p>Das vermeintliche Friedenslied der DDR, 1959 als Filmmusik entstanden, das aber in FDJ und Pionierlagern vor allem zur Distanzierung vom „Bösen Westen“ gesungen wurde, gibt dem Roman den Titel. Für Christina wurde der Druck irgendwann zu groß. Sie mochte nicht länger im Leben bleiben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: CC0 via pxhere</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/hardcover/9783546101585"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21205" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21205" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-183x300.jpg" alt="Helene Bukowski - Wer möchte nicht im Leben bleiben" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben </strong><br />
<strong>Claassen Februar 2026, Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 24,00 €</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/27/helene-bukowski-wer-moechte-nicht-im-leben-bleiben/">Helene Bukowski &#8211; Wer möchte nicht im Leben bleiben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 08:25:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Navid Kermanis schmales Buch Sommer 24 ist als Roman etikettiert, was für mich nur sehr entfernt zutrifft. Es ist zudem in meinen Augen ein höchst kontroverser Text und für mich teilweise auch etwas problematisch. Ich&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/23/navid-kermani-sommer-24/">Navid Kermani &#8211; Sommer 24</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Navid Kermanis schmales Buch <em>Sommer 24</em> ist als Roman etikettiert, was für mich nur sehr entfernt zutrifft. Es ist zudem in meinen Augen ein höchst kontroverser Text und für mich teilweise auch etwas problematisch. Ich habe es dennoch mit Gewinn gelesen, könnte mir aber vorstellen, dass viele Leser:innen es wütend zur Seite legen (falls sie es überhaupt erst zur Hand nehmen, wozu ich unbedingt rate).<span id="more-22095"></span></p>
<p>Hier erzählt der vielgescholtene &#8222;alte&#8220; &#8211; wegen Kermanis iranischer Wurzeln aber nicht &#8222;weiße&#8220; &#8211; Mann über Irritationen, die ihn im Sommer 2024 ereilt haben. Ich lehne den Begriff &#8222;alter, weißer Mann&#8220; eigentlich ab, aber leider kam er mir bei der Lektüre sofort in den Sinn. Hier hadert ein deutlich privilegierter Mann um die 60 mit der Welt, seiner Umgebung und sich selbst. Und es gibt ja tatsächlich viel zum Hadern in dieser Zeit. Es ist vor allem die gesellschaftliche Spaltung, die er thematisiert und die erschreckend voranschreitet. Im Sommer 2024 waren es vor allem vier Ereignisse für den Erzähler  &#8211; Schriftsteller wie Kermani und ganz sicher ein Alter Ego -, die besonders prägend waren.</p>
<p>Da war zum einen der Freitod durch assistierte Sterbehilfe seines alten Bekannten, des Galeristen Rudolf Meyer, mit dem er schon immer intelektuelle Debatten ausgefochten hat. Zuletzt ist der Altlinke politisch immer weiter nach rechts abgedriftet, besonders in der Migrationsfrage, wurde zum AfD-Anhänger und sprach in einer Rede sehr herabwürdigend von Kindern, die durch Reproduktionsmedizin gezeugt wurden. Hinter Meyer scheint  Kermanis 2023 verstorbene Kollegin und Freundin Sibylle Lewitscharoff auf.</p>
<h3>Vergewaltigung?</h3>
<p>Zum zweiten ist es die Beschuldigung einer Frau, die ihm vor mehr als 20 Jahren bei einer Kneipenbekanntschaft von ihrer Vergewaltigung kurz zuvor erzählt hat, und die der Erzähler später in einer Erzählung verfremdet veröffentlicht hat. Sie wirft ihm vor, sie dadurch erneut vergewaltigt zu haben. Ein Vorwurf, der den Erzähler verständlicherweise tief aufwühlt, zumal er sich selbst als &#8222;Feministen&#8220; sieht.</p>
<p>Das dritte Ereignis ist die Hochzeit der Tochter eines alten Schulfreundes. Auf der griechischen Insel Hydra feiert sie oppulent und äußerst kostspielig die Vermählung mit einem Senegalesen &#8211; vermeintlich multikulti und so weltoffen, bewundert vom Erzähler, der darin eine freundliche Utopie sieht. Dass sich hier nur das vermögende Bildungsbürgertum, auch das senegalesische, selbst feiert, wird kaum problematisiert. Zumindest wird die Anreise der Gästeschar mit Flugzeugen unter Klimaschutz-Gesichtspunkten etwas kritisiert. Brautvater Olaf ist der klassische (Klischee)Linke und mittlerweile fanatischer Israel-Hasser und Palästina-Unterstützer.</p>
<p>Ein vierter Punkt ist eine den Erzähler stark berührende, kurz zuvor erfolgte Reportagereise in die kriegsgeplagten Krisenregion Tigray. Dabei besucht er, wie auch Kermani 2023, eine Neugeborenenstation.</p>
<h3>Viele aktuelle Themen</h3>
<p>MeToo und Femnismus, Rechtsruck und AfD, Migration und Trump, dazu Ukrainekrieg und Israel-Palästina, ein wenig Thomas Mann und Antonin Artaud &#8211; viele aktuelle Themen und allgemeine Verunsicherungen werden angesprochen und durchdacht. Einige Punkte sind für mich ziemlich problematisch, zumal der Erzähler auch leicht im Selbstmitleid zu versinken droht. Meist fängt er sich aber rechtzeitig und stellt die eigenen Positionen in Frage, ringt mit ihnen, benennt Widersprüche und hält sie aus. Immer ist er offen für eine Selbstkorrektur der eigenen Sichtweise &#8211; eine heute selten anzutreffende Tugend. Es werden viele kluge Dinge gesagt (und einige ziemlich reaktionäre), über die man zumindest mal nachdenken kann. Das ist intelligent und anregend, wenn auch manchmal etwas formlos. Einen Romanplot zumindest darf man nicht erwarten.</p>
<p>Zitat Klappentext: &#8222;Wie soll man sich orientieren in einem Leben, dessen Koordinaten nicht mehr zu stimmen scheinen. Geht das vorüber? Oder beginnt nun eine Zeit, in der wir grundsätzlich neu über uns nachdenken müssen?&#8220;</p>
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<p>Beitragsbild: Thomas Kohler ( <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/"><span id="yui_3_18_1_1_1781520719769_2507" class="license-type">CC BY 2.0</span></a> ) via Flickr</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/navid-kermani-sommer-24-9783446285767-t-5858"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21241" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/navid-kermani-sommer24/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="navid-kermani-sommer24" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21241" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg" alt="Navid Kermani - Sommer 24" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</strong><br />
<strong>Hanser Verlag Februar 2026, Hardcover, 160 Seiten, 23,00 € </strong></p>
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