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		<title>Stewart O`Nan &#8211; Abendlied</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2026 08:36:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Maxwell-Reihe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Klappentexte studiere ich eher selten und so kommt es manches Mal auch zu Überraschungen. Wie schön etwa, wenn es unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Klappentexte studiere ich eher selten und so kommt es manches Mal auch zu Überraschungen. Wie schön etwa, wenn es unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten Romanfiguren gibt, wie etwa in <em>Abendlied </em>von Stewart O`Nan. Hier im Humpty Dumpty Club Pittsburgh sind ältere (bis ziemlich alte) Damen organisiert, die sich gegenseitig und andere hilfsbedürftige Senioren im Alltag unterstützen. Einkaufen, Arztbesuche, Behördengänge, Organisation von Veranstaltungen (meist Beerdigungen) und Krankenhausbesuche stehen neben Bridgeabenden, gemeinsamen Ausflügen, Haustierbetreuung und Kaffeetrinken auf dem Programm.<span id="more-22108"></span></p>
<p>Und die aus den älteren Romanen <em>Emily, allein</em>, <em><a href="https://literaturreich.de/2020/02/28/stewart-onan-henry-persoenlich/">Henry, persönlich</a></em> und <em>Abschied von Chautauqua</em> bekannten Figuren Emily Maxwell und deren Schwägerin Arlene sind Club-Mitglieder, beide nun schon weit über 80. Humpty Dumpty – meist als das menschenähnliche Ei aus Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ bekannt, steht im englischen Sprachraum generell für etwas Zerbrechliches, Vergängliches, das, einmal zerstört, nicht wieder repariert werden kann. Was für ein passendes Sinnbild für das Leben, an dessen Ende alle Damen des Humpty Dumpty Clubs mehr oder weniger dicht stehen.</p>
<h3>Der Hunprty-Dumpty-Club</h3>
<p>Wir befinden uns zu Beginn von <em>Abendlied </em>im Herbst des Jahres 2022. Die Corona-Pandemie ist einigermaßen überstanden, aber der Schrecken sitzt noch tief. Joanne, Leiterin und Organisatorin der Humpty Dumpties hat sich bei einem Treppensturz das Bein kompliziert gebrochen und muss längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Kitzi, als einzige mit noch lebendem, wenn auch schwer herzkrankem Mann, übernimmt die Leitung und hat gleich zu Beginn mit dem hochbetagten Künstler-Ehepaar Jean und Gene alle Hände voll zu tun. Die beiden leben mit zig Katzen in einem völlig vermüllten Messie-Haus in völliger Isolation. Susie, mit Anfang 60 das Küken der Humpty Dumpties, versucht sich nach ihrer Scheidung erfolgreich bei einer Dating-Plattform. Und Emily, die etwas versnobte, sehr wohlhabende Republikanerin, ficht weiterhin ihre Fehden mit der alleinstehenden Schwägerin Arlene aus. Die Beiden kennen wir aus den oben genannten Romanen. Bei Arlene klopft, zunächst ganz leise, aber unübersehbar, die Demenz an.</p>
<p>Bis ins neue Jahr begleiten wir die Damen in ihrem Alltag. Es geschieht nicht viel im Roman, und doch so ziemlich alles, nämlich das Leben. Wenige Autor:innen treffen so wunderbar das „ganz normale Leben“ der US-amerikanischen gehobenen Mittelklasse, erzählen mit so viel Wärme, Witz und Schonungslosigkeit wie Stewart O´Nan und verknüpfen so beiläufig gesellschaftspolitische Fragen. Wir stehen am Ende von Corona, gerade laufen die Midterm-Wahlen in Joe Bidens Amtszeit und am Horizont lauert bedrohlich eine weitere Runde Trump. Die Zeiten werden widersprüchlicher, die Gesellschaft gespaltener, das soziale Klima kälter als wir es lange Zeit gekannt haben. Solidarität wäre so wichtig, sich umeinander kümmern und unterstützen, trotz aller Differenzen. Und genau das leben uns die Humpty Dumpties vor.</p>
<h3>Evensong</h3>
<p>Die Musik hat für alle eine große Bedeutung. Wer noch kann, singt im Kirchenchor. Überhaupt spielt auch die Kirche, abseits des reinen Glaubens, eine wichtige Rolle für die Gemeinschaft. „Evensong“, der gesungene Abendgottesdienst, ist fester Bestandteil der anglikanischen Kirche, und stand für den Romantitel Pate. Die Calvary-Gemeinde, der die Damen angehören, befindet sich direkt neben der Tree-of life-Synagoge, die Im Oktober 2018 zum Tatort eines antisemitischen Attentats mit elf Toten wurde. Die anglikanische Gemeinde solidarisiert sich seitdem mit ihren Nachbarn. Auch dies ist ein Zeichen für die so notwendige Solidarität in der Gesellschaft.</p>
<p>Ein ganz klein wenig Nostalgie gestattet sich Stewart O`Nan in <em>Abendlied. </em>Aber nur ein wenig. Und bleibt im Ton lakonisch, völlig pathosfrei, mit einem feinen, leisen Humor. Seine atmosphärische Schilderung und die Plastizität der Charaktere und ihrer Dialoge, lassen sie uns ganz nahe kommen. Es wird gelebt, gelitten, sich gekümmert und gefreut. Die Demenz steht drohend am Horizont, Krankheit und Tod.</p>
<p>Und doch ist <em>Abendlied</em> ein ungemein tröstlicher, Mut machender Roman, in 50 kleinen Kapiteln erzählt. Liebevoll und schonungslos, unaufgeregt und humorvoll. Ein echter Stewart O`Nan.</p>
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<p>Beitragsbild: by Foto von Jalilov077 via PxHere</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/stewart-o-nan-abendlied-9783498007874?srsltid=AfmBOoqqup21QclzN5-ghEWGHREM0IHiKyDB4EnJ3ffX--dbUPiaHdU6"><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="22099" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/stewart-onan-abendlied/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" data-orig-size="300,484" data-comments-opened="1" data-image-title="stewart-onan-abendlied" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22099" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg" alt="Stewart O&#96;Nan - Abendlied" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg 300w" sizes="(max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Stewart O’Nan &#8211; Abendlied </strong><br />
<strong>Übersetzt von: Thomas Gunkel</strong><br />
<strong>Rowohlt Januar 2026, Hardcover, 352 Seiten, € 26,00</strong></p>
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		<title>Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:39:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mauerfall]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Ein Roman über Liebe und Kybernetik“ verspricht der Klappentext und irritiert hoffentlich im besten Sinn und macht neugierig. Kybernetik, was war das noch gleich? Kybernetik beschäftigt sich mit der Regulation von komplexen Systemen. Neben komplizierten&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ein Roman über Liebe und Kybernetik“ verspricht der Klappentext und irritiert hoffentlich im besten Sinn und macht neugierig. Kybernetik, was war das noch gleich? Kybernetik beschäftigt sich mit der Regulation von komplexen Systemen. Neben komplizierten Maschinen ist der menschliche Körper ein solches System, aber weiter gedacht auch Gesellschaften, generell Beziehungen zwischen Lebewesen. Meist geschieht diese Regulierung über einen Regelkreis, den Vergleich von Soll- und Ist-Werten und der Aktivierung von Regelmechanismen, wenn diese voneinander abweichen. Das Herz ist eines der Organe, die sich (zumindest in begrenztem Umfang) selbst regulieren können. Aber funktioniert eine solche Selbstregulation auch in Gesellschaften? Der Neoliberalismus würde sagen: Ja. Den Konterpart könnte die sozialistische Planwirtschaft einnehmen, die nicht nur wirtschaftliche Systeme zentral regeln will. Peggy Mädler schaut sich diesen Dualismus in ihrem neuen Roman <em>Selbstregulierung des Herzens </em>genau an. Und das auf hinreißende, gar nicht technokratisch trockene Art und Weise.<span id="more-22103"></span></p>
<h3>Mentalitätsgeschichte einer Generation</h3>
<p>Eine Gruppe von Menschen steht im Mittelpunkt des Romans, der von 1960 bis 2023 zunächst aus der DDR, dann aus dem wiedervereinigten Deutschland erzählt. Der Schwerpunkt liegt allerdings in der Zeit um 1989 und auf Georg, seiner ersten Frau Helga, auf Mona und Konrad, die jeweils sich unregelmäßig abwechselnde Kapitel erhalten, in denen in der 3. Person von ihnen erzählt wird. Sie alle sind den 1940ern geboren, was <em>Selbstregulierung des Herzens</em> auch zur Mentalitätsgeschichte einer Generation macht.</p>
<p>Georg stammt aus einer Arbeiterfamilie und wird wegen herausragender schulischer Leistungen, besonders in Mathematik, 1960 „zum Studium delegiert“. Ökonomie &#8211; schon sehr früh interessieren Georg aber die Rechensysteme und die elektronische Datenverarbeitung. Er lernt programmieren, beschäftigt er sich damit, wie sich Maschinen steuern lassen, trifft auf Fragestellungen der Kybernetik. Systeme müssen auf Feedback eingehen, um auf Störungen im System zeitnah und effizient reagieren zu können. Sehr bald ist ihm klar, dass das eine strikte Planwirtschaft nicht leisten kann. Direkt nach dem Bau der Mauer 1961 war die DDR-Führung für solche innenpolitischen, wirtschaftlichen Ideen vergleichsweise offen. Das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung (NÖSPL) von 1963 sah eine gewisse Selbstregulierung der Produktionssysteme vor, also eine Flexibilisierung der Planwirtschaft zur Ertragssteigerung. Das untergrub allerdings den absoluten Machtanspruch der SED und wurde 1971 von Erich Honecker zurückgenommen.</p>
<h3>Freiheit und Planwirtschaft</h3>
<p>Die Freunde Georg, Roland und Marlies stehen nicht nur der Planwirtschaft kritisch gegenüber. In einem kleinen Dorf bei Berlin finden sie in einem renovierungsbedürftigen Bungalow im Wald eine Art Rückzugsort, eine Nische im System, wo sie sich freier fühlen als in Berlin. Eine Datsche, wie sie für viele DDR-Bürger:innen Zufluchtsort aus dem Alltag war. Auch die Malerin Mona und ihr Partner Konrad haben sich hier im Dorf ein zweites Zuhause geschaffen, das ihnen mehr Freiheiten bietet. Während Marlies aber auf eine Veränderung des Systems von innen setzt, flieht ihr Geliebter Roland unangekündigt in den Westen. Dass die ganze „Kolonie“ unter Stasi-Überwachung stand, erfahren sie erst nach dem Ende der DDR.</p>
<p>Georg heiratet die Chemiefacharbeiterin Helga. Es wird keine glückliche Ehe. Helga fremdelt mit dem Freundeskreis Georgs und eigentlich auch mit dem stillen, introvertierten Georg. Nach der Scheidung heiratet er die Krankenschwester Annelie.</p>
<p>Kontrolle und Freiheit, Plan und Selbstbestimmung – darum geht es in <em>Selbstregulierung des Herzens </em>von Peggy Mädler nicht nur in wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Hinsicht. Auch auf persönlicher, auf Beziehungsebene greift die Kybernetik. Impuls und Störung, Feedback und Gegenregulation. Es ist faszinierend und großartig, wie Peggy Mädler diese Aspekte immer wieder neu beleuchtet in ihrer Geschichte, die so gar nicht theoretisch ist. Das alles ist sehr elegant eingearbeitet. Toll konstruiert und auch sprachlich sehr fein: Ein weiteres Lesehighlight.</p>
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<p>Beitragsbild: Collage aus Boleslav Telichan&#8217;s family at summer house, RIA Novosti archive, image #487609 / V. Lozovskiy, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0,</a> und Chemnitz 1975 by Eugen Nosko Deutsche Fotothek‎, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en">CC BY-SA 3.0 DE</a>, beide via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-9783869713359"><img decoding="async" data-attachment-id="21253" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21253" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg" alt="Peggy Mädler - Selbstreguierung des Herzens" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg 500w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</strong><br />
<strong>Galiani-Berlin Februar 2026, gebunden, 304 Seiten, € 23,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">Peggy Mädler &#8211; Selbstregulierung des Herzens</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Lektüre Mai 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 09:37:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Mai war so schnell vorbei. Die Zeit rast zwar beständig, aber im vergangenen Monat hat sie nochmal Gas gegeben. Privat war einiges los und lesetechnisch gab (und gibt) es einiges aufzuarbeiten. Gleichzeitig klopfen neue&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Lektüre Mai 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Mai war so schnell vorbei. Die Zeit rast zwar beständig, aber im vergangenen Monat hat sie nochmal Gas gegeben. Privat war einiges los und lesetechnisch gab (und gibt) es einiges aufzuarbeiten. Gleichzeitig klopfen neue Projekte an und trudeln die Herbstneuerscheinungen (zumindest in Form von Vorschauen) ins Haus. Gerne würde ich ein wenig die Handbremse anziehen und mir mehr Zeit für so vieles &#8211; auch für meine Lektüre &#8211; nehmen, denn da war im Mai 2026 auch einiges Großartiges dabei.<span id="more-22084"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/hannah-haeffner-die-riesinnen/buch/9783328604334"><img decoding="async" data-attachment-id="21291" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/haeffner-hdie-riesinnen/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="haeffner-die-riesinnen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21291" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp" alt="Hannah Häffner - Die Riesinnen" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp 350w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</strong></h4>
<p>Wahrscheinlich brauche ich über dieses Buch, das seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht, nicht mehr viel zu schreiben und sind auch andere berufener dafür. Der &#8222;moderne Heimatroman&#8220; wird überall gefeiert, sowohl im Feuilleton, als auch bei den Leser:innen und im Buchhandel. Im Mittelpunkt stehen drei Generationen von großgewachsenen, rothaarigen Frauen (&#8222;Riesinnen&#8220;), die sich gegen die Enge und den Aberglauben ihrer (fiktiven) Schwarzwald-Dorfgemeinschaft behaupten müssen. Mütter-Töchter-Konflikte, Sehnsucht nach Freiheit versus Suche nach Heimat &#8211; das alles in einer spröden, verknappten Sprache. Bei mir hat das nicht so recht verfangen, auch wenn das Buch (literarisches Debüt der Krimiautorin Häffner) sicher gekonnt verfasst ist. Vielleicht habe ich in der letzten Zeit einfach zu viele derartiger Mütter-Töchter-Romane gelesen, von denen ich die meisten gelungener fand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21179" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/brandung-maylis-de-kerangal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="brandung-maylis-de-kerangal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21179" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg" alt="Maylis de Kerangal - Brandung" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a></strong></h4>
<p>Zunächst fühlt man sich in einem Kriminalfall: Die Protagonistin, eine Synchronsprecherin, die mit ihrer Familie in Paris lebt, erhält einen Anruf aus ihrer Geburtsstadt Le Havre. Dort wurde am Strand ein Mann ermordet, der eine Kinokarte, auf der ihre Handynummer vermerkt ist, in der Tasche trug. Man müsse sie dringend sprechen.</p>
<p>Sie fährt in ihren Heimatort, den sie &#8222;seit Ewigkeiten&#8220; nicht mehr aufgesucht hat. Nicht die einzige Unwahrheit, die sie den Leser:innen unterbreitet. Bei der Erzählerin wird durch den Vorfall und die Reise eine Erinnerungsflut ausgelöst, die bald wie die echte Brandung über ihr zusammen schlägt. Unterschiedlichste Themen werden angeschnitten, wie der Einfluss der KI auf den Beruf des Synchronsprechens, die Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg, das &#8222;Small-World-Phänomen&#8220; und der Ukrainekrieg und lassen den Kriminalfall bald ganz in den Hintergrund treten. Die Verlässlichkeit von Erinnerung rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Ein bisschen Patrick Modiano, ein wenig Rachel Cusk und ganz viel Erzählkunst à la Maylis de Kerangal &#8211; für mich ein richtiges Lese-Highlight.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21253" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21253" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg" alt="Peggy Mädler - Selbstreguierung des Herzens" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/06/10/peggy-maedler-selbstregulierung-des-herzens/">PEGGY MÄDLER &#8211; SELBSTREGULIERUNG DES HERZENS</a></strong></h4>
<p>Kybernetik &#8211; Das ist einer der Begriffe, die ich immer wieder nachschlagen musste, weil ich sofort wieder vergessen habe, was er bedeutet. Nach der Lektüre von Peggy Mädlers Roman wird das wahrscheinlich nicht mehr passieren. Diese wissenschaftliche Lehre von der Steuerung, Regelung und Kommunikation in komplexen Systemen, wie sie viele Maschinen, aber auch Lebewesen und Gesellschaften darstellen und die diese in die Lage versetzen sich selbst zu regulieren und an Umweltbedingungen anzupassen, baut die Autorin so eindrücklich wie unaufdringlich in ihren Roman über das Leben einer Gemeinschaft von Menschen in einem Dorf nahe Berlin ein. Er erstreckt sich von 1960 bis 2023, konzentriert sich aber auf die Zeit um den Mauerfall. Toll erzählt und konstruiert. Dicke Leseempfehlung!</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21221" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/lena-gorelik-alle-meine-muetter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="lena-gorelik-alle-meine-muetter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21221" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg" alt="Lena Gorelik - Alle meine Mütter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lena-gorelik-alle-meine-muetter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Lena Gorelik &#8211; Alle meine Mütter</strong></h4>
<p>Lena Gorelik hat ein Buch über Mutterschaft geschrieben. Nicht über eine bestimmte, sondern über die unterschiedlichsten Facetten, Wirklichkeiten und Erscheinungsformen, die ausdrücklich auch Nicht-Mutterschaft inkludiert, ungewollt, gewollt, selbst herbeigeführt oder erlitten, beispielsweise durch den Tod eines Kindes. Selbst wenn eine Frau selbst nicht Mutter ist, so hat sie doch eine, zumindest gehabt, muss vielleicht von ihr Abschied nehmen, hat sie an die Demenz verloren.</p>
<p>Diese ganz besondere Beziehung, die immer im Brennglas der Gesellschaft, oft genug auch der Politik stand und steht, wird von Lena Gorelik von den unterschiedlichsten Seiten in Kapiteln beleuchtet, die durch &#8222;ich&#8220;-Abschnitte unterbrochen und immer in Beziehung zu ihrer eigenen Tochter- und Mutterschaft gesetzt wird. Die eigene Mutter ist an Brustkrebs erkrankt und wird von ihrer Tochter bei der Therapie begleitet. Sehr viele kluge, berührende Gedanken. Vieles, an das ich anknüpfen konnte, gerade auch in der Beziehung zu den eigenen Kindern. Vielleicht kein Roman im engeren Sinn, aber auf jeden Fall ein lesenwertes Buch.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22080" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/iryna-fingerova-zugwind/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-title="iryna-fingerova-zugwind" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22080" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg" alt="Iryna Fingerova - Zugwind" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">IRYNA FINGEROVA &#8211; ZUGWIND</a></strong></h4>
<p>Eine junge ukrainische Ärztin, die schon einige Zeit in Deutschland praktiziert, wird seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine von immer mehr Menschen aus ihrem Herkunftsland aufgesucht. Ihre (Flucht)Geschichten, ihre Schicksale, Ängste, Leiden, dazu die Care-Arbeit für ihre Tochter im Kindergartenalter, dazu die eigenen Sorgen, die tägliche Nachrichtenflut, die Ungewissheit &#8211; Mira Zehmann ist müde, unruhig, rastlos, kurz vor einer Depression &#8211; ein &#8222;Zugwind&#8220; hat sie erfasst. Da bricht sie auf nach Odesa, besucht die Großmutter, Freund:innen und lernt, dass Leben auch im Krieg möglich sein muss, einfach als Akt des Widerstands. Ein auch sprachlich tolles Buch, das uns viel über die Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind und nun mit uns leben, verrät.</p>
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<h4><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/stewart-o-nan-abendlied-9783498007874"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22099" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/stewart-onan-abendlied/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" data-orig-size="300,484" data-comments-opened="1" data-image-title="stewart-onan-abendlied" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22099" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg" alt="Stewart O&#96;Nan - Abendlied" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/06/stewart-onan-abendlied.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><a href="https://literaturreich.de/2026/06/15/stewart-onan-abendlied/">STEWART O`NAN &#8211; ABENDLIED</a></strong></h4>
<p>Es gibt Autor:innen, von denen ich ungesehen jedes Buch lesen möchte. Wie schön, wenn es dann unverhofft ein Wiedersehen mit altbekannten Romanfiguren gibt, wie hier in <em>Abendlied</em>. Im Humpty Dumpty Club Pittsburgh sind ältere bis ziemlich alte Damen organisiert, die sich gegenseitig und andere hilfsbedürftige Senioren im Alltag unterstützen. Einkaufen, Arztbesuche, Behördengänge, Organisation von Beerdigungen und Reparaturarbeiten stehen neben Bridgeabenden und Kaffeekranz auf dem Programm.</p>
<p>Und die aus den vorangegangenen Romanen <em>Emily, allein</em>, <a href="https://literaturreich.de/2020/02/28/stewart-onan-henry-persoenlich/"><em>Henry, persönlich</em></a> und <em>Abschied von Chautauqua</em> bekannten Emily Maxwell und ihre Schwägerin Arlene sind Teil davon, beide nun schon weit über 80. Wenige Autor:innen treffen so wunderbar den Alltag der US-amerikanischen gehobenen Mittelschicht, erzählen mit soviel Wärme, Witz und Schonungslosigkeit wie Stewart O´Nan. Es geschieht nicht viel im Roman, und doch alles: es wird gelebt, gelitten, sich gekümmert und gefreut, die Demenz steht drohend am Horizont, Krankheit und Tod. Und doch ist es ein ungemein tröstliches, Mut machender Roman. Ein echter Stewart O`Nan.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21254" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" data-orig-size="500,778" data-comments-opened="1" data-image-title="rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21254" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg" alt="Rabih Alameddine - Die wirklich wahre Geschichte von Radscha dem Gutgläubigen" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/rabih-alameddine-die-wirklich-wahre-geschichte-von-radscha.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Rabih Alameddine &#8211; Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)</strong></h4>
<p>Diesen 2025 mit dem National Book Award ausgezeichneten Roman habe ich mit in den Juni genommen und werde ihn ausführlich auch erst später vorstellen. Soviel aber bereits jetzt: Die im Libanon spielende Geschichte des 63-jährigen Radscha, der in Beirut mit seiner über 80-jährigen Mutter in einer kleinen Wohnung und einer problematisch-innigen Beziehung lebt, beleuchtet auf unterhaltsame und interessante Weise sechs Jahrzehnte libanesische Geschichte. Auf die derben sexszenen hätte ich wie immer gern verzichten können, aber das schmälert den positiven Gesamteindruck nur wenig.</p>
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<h4><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/navid-kermani-sommer-24-9783446285767-t-5858"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21241" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/navid-kermani-sommer24/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="navid-kermani-sommer24" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21241" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg" alt="Navid Kermani - Sommer 24" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/navid-kermani-sommer24.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a>Navid Kermani &#8211; Sommer 24</strong></h4>
<p>Navid Kermanis schmales Buch ist ebenfalls als Roman etikettiert, trifft es aber vielleicht noch weniger als Goreliks und ist in meinen Augen höchst kontrovers und für mich teilweise auch etwas problematisch. Der Erzähler, offensichtlich ein Alter Ego des Autoren erzählt von einigen Ereignissen im Sommer 2024, die seine zunehmende Irritation über den Lauf der Welt und die zunehmende gesellschaftliche Spaltung illustrieren.</p>
<p>MeToo, Rechtsruck und AfD, Migration und Trump, dazu Ukrainekrieg und Israel-Palästina, ein wenig Thomas Mann und Antonin Artaud &#8211; viele aktuelle Themen werden angesprochen und durchdacht. Bei vielem kann ich nicht mitgehen, einige Punkte sind für mich sogar ziemlich problematisch, zumal der Erzähler auch leicht im Selbstmitleid zu versinken droht. Meist fängt er sich aber rechtzeitig und stellt die eigenen Positionen in Frage, ringt mit ihnen, benennt Widersprüche und hält sie aus. Immer ist er offen für eine Korrektur der eigenen Sichtweise. Eine heute selten anzutreffende Tugend, die man durch das Lesen von Sommer 2024 durchaus auch selbst mal wieder einüben könnte. Von daher vielleicht kein rundum gelungener Roman, aber ein lohnenswerter Text.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/08/lektuere-mai-2026/">Lektüre Mai 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 09:22:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gleich zu Beginn fühlt man sich in Brandung, dem neuen Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal, wie in einem der immer etwas düsteren, geheimnisvollen, schwebenden Texte ihres Landsmannes Patrick Modiano. Es ist aber nicht&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gleich zu Beginn fühlt man sich in <em>Brandung,</em> dem neuen Roman der französischen Autorin Maylis de Kerangal, wie in einem der immer etwas düsteren, geheimnisvollen, schwebenden Texte ihres Landsmannes Patrick Modiano. Es ist aber nicht Paris, durch das sich die namenlose und etwas unzuverlässige Ich-Erzählerin die meiste Zeit bewegt, sondern die Industrie- und Hafenstadt Le Havre in der Normandie. Von dort erhält sie einen Anruf der ortsansässigen Kriminalpolizei. Man müsse sie in einer Angelegenheit, die sie beträfe dringend sprechen. Es ginge um ein „unidentifiziertes Individuum“, und man verspräche sich Informationen von ihr. Einerseits erschüttert dieser Anruf die Erzählerin über die Maßen, andererseits fragt sie kaum nach, warum man von ihr Informationen zu dem tot aufgefundenen Mann erwartet.<span id="more-22063"></span></p>
<p>Am nächsten Morgen macht sie sich auf den Weg nach Le Havre. Man erfährt, dass sie hier aufgewachsen ist, aber schon „ewig“ nicht mehr hier gewesen sei, was sich später als falsch herausstellt – Stichwort unzuverlässige Erzählerin. Den Mann auf den Fotos, die man ihr im Kommissariat zeigt, kann sie nicht identifizieren. Ihre Handynummer war auf einer Kinokarte in seiner Jackentasche notiert gewesen. Der Ich-Erzählerin ist das offenbar ein Rätsel. Dennoch bleibt sie über Nacht in Le Havre.</p>
<h3>Der unbekannte Tote</h3>
<p>Das Szenario könnte zu einem geheimnisumwitterten Krimiplot führen. Ein unbekannter Toter, vielleicht verwickelt in Drogengeschäfte, der am Strand der Nordmole ermordet aufgefunden wurde. Der Text führt aber trotz dieser ganzen Ingredienzien in eine ganz andere Richtung. Einzelheiten und Details nutzt die Erzählerin, um sehr unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Die Spannung bleibt bestehen.</p>
<blockquote><p>„Blaise (ihr Ehemann; Anm.) kennt meinen Hang zu Geschichten. Geschichten, die ich mir erzähle, die ich den anderen erzähle, in denen ich mich vervielfältige, in denen ich mich verstecken kann, eine Unbekannte werden, mich aus dem Weg räumen kann.“</p></blockquote>
<p>Und so führt sie die Kinokarte zu einem Kino, das sie früher häufig aufgesucht hat und zu einem kleinen Exkurs über Filme. „Burn after reading“ hat sich der Tote wohl als letztes angeschaut. Die Ich-Erzählerin hat für diese Zeit ein Alibi. Sie, die Synchronsprecherin ist, war beruflich in London. Das führt zum Thema Synchronsprechen und KI. Ein Spaziergang zum Hafen bringt ihr dann ein Schulprojekt in Erinnerung, für das sie über die Bombardierung Le Havres im September 1944 recherchierten und dafür eine Zeitzeugin interviewten. Le Havre wurde durch massive Bombardements der Alliierten, die die dort verschanzten deutschen Besatzungstruppen vertreiben sollten, vollständig zerstört und nach dem Krieg vom Architekt Auguste Perret komplett im Stil der Nachkriegsmoderne wiederaufgebaut. Diese einheitlich „Stahlbetonarchitektur“ ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. So führt eine Erinnerung, eine Begegnung, eine Nachricht zu immer neuen Geschichten. Im Gepäck hat die Erzählerin zudem Stig Dagermans Bericht <em>Deutscher Herbst, </em>für das der junge schwedische Journalist 1946 ins zerstörte Deutschland reiste.</p>
<h3>Six Degrees of Separation</h3>
<p>Frigyes Karinthy wird erwähnt, der ungarische Autor, dessen Kurzgeschichte die Grundlage zur Theorie der „Six Degrees of Separation“ legte, eine umstrittene Hypothese, die besagt, dass zwei beliebige Menschen auf der Welt jeweils über eine kurze Kette sozialer Beziehungen – maximal sechs Personen – miteinander verbunden sind. Ukrainische Studentinnen, die sie trifft, thematisieren den dortigen Krieg, ein gekentertes Flüchtlingsboot auf dem Ärmelkanal die Migrationsproblematik.</p>
<p>Derart viele Themen und Geschichten – das hätte leicht zerfasern können. Und alles bleibt ein wenig in der Schwebe. Auch Ähnlichkeiten zu den Romanen von Rachel Cusk kommen beim Lesen in den Sinn. Maylis de Kerangal komponiert aus den vielen Einzelheiten ein (mich) faszinierendes Stück Literatur, das durch die „Krimi“-Handlung zusammengehalten wird und eine durchgehende Spannung aufweist.</p>
<p>Die Erzählerin erinnert sich auch an ihre erste Liebe, den schillernden Craven, der eines Tages verschwand. Könnte er der Tote sein? Zumindest bittet sie, den Leichnam, der sich in der Pathologie in Rouen befindet, sehen zu dürfen.</p>
<p>Wie die Brandung bei einem ihrer Spaziergänge am Hafen über ihr bricht, so brechen auch ihre Erinnerungen auf sie ein. Und der Nebel verhüllt so manches. Aber wie erinnert man? Was bewahrt man von der Vergangenheit? Was geht eventuell verloren? Und wie weit können wir unseren Erinnerungen überhaupt trauen?</p>
<p>In glasklarer, wunderbarer Sprache und einer melancholisch-geheimnisvollen Grundstimmung geht Maylis de Kerangal (auch) diesen Fragen nach.</p>
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<p>Beitragsbild: The sea at le havre, Claude Monet, Public domain, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/maylis-de-kerangal-brandung-t-9783518432785"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21179" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/brandung-maylis-de-kerangal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="brandung-maylis-de-kerangal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21179" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg" alt="Maylis de Kerangal - Brandung" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/brandung-maylis-de-kerangal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</strong><br />
<strong>Aus dem Französischen von Andrea Spingler</strong><br />
<strong>Suhrkamp März 2026, Fester Einband, 238 Seiten, € 25,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/03/maylis-de-kerangal-brandung/">Maylis de Kerangal &#8211; Brandung</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/06/01/margaret-laurence-gluecklichere-tage/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Kanadische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftstellerin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich habe die Schriftstellerin Margaret Laurence, die am 18. Juli 2026 ihren 100. Geburtstag feiern würde, wäre sie nicht bereits 1987 verstorben, anlässlich des Ehrengastauftritts Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2020/21 kennengelernt. Ein größeres deutschsprachiges&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/01/margaret-laurence-gluecklichere-tage/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/01/margaret-laurence-gluecklichere-tage/">Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe die Schriftstellerin Margaret Laurence, die am 18. Juli 2026 ihren 100. Geburtstag feiern würde, wäre sie nicht bereits 1987 verstorben, anlässlich des Ehrengastauftritts Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2020/21 kennengelernt. Ein größeres deutschsprachiges Publikum hat sie bisher leider (noch) nicht erreicht. Was auf jeden Fall nicht am Engagement ihres Verlags liegt. Der kleine Eisele Verlag bemüht sich seit der Veröffentlichung ihres vielleicht erfolgreichsten Roman <em>Der steinerne Engel </em>2020 unverdrossen um das gesamte Romanwerk von Margaret Laurence, so ist unlängst der vierte Teil ihrer losen Manawaka-Reihe, <em>Glücklichere Tage, </em>(OT „The Diviners“ 1974) in der wie immer großartigen Übersetzung von Monika Baark, erschienen.<span id="more-22061"></span></p>
<p>Manawaka ist die fiktive Kleinstadt, die stark an Margaret Laurences Geburtsort Neepawa in der kanadischen Provinz Manitoba angelehnt ist. Sie ist nicht immer (Haupt)Schauplatz ihrer Romane, diese haben aber immer einen Bezug dazu, so dass man auch von der Manawaka-Reihe spricht. Fort von dort, weg aus der provinziellen Enge zieht es eigentlich alle ihre Protagonistinnen. So auch Morag Gunn, die sehr viele Übereinstimmungen mit ihrer Schöpferin aufweist, nicht nur den Geburtsort. So wie Laurences sterben auch Morags Eltern bereits in ihrer frühen Kindheit. Morag ist erst 5, als sie von kinderlosen Bekannten ihrer Eltern aufgenommen wird. Diese Pflegeeltern leben in sehr prekären Verhältnissen, ziehen sie aber mit viel Zuwendung groß. Pflegemutter Prin(cess) ist geistig relativ beschränkt und leidet unter ihrem stets zunehmenden Gewicht, das sie im Laufe der Jahre nahezu bewegungsunfähig machen wird. Pflegevater Christie ist der örtliche Müllsammler und steht in der örtlichen Hierarchie sehr weit unten. Die Scham über ihre „Eltern“ wird Morag ihr ganzes Kinder- und Jugendleben begleiten.</p>
<h3>Die Liebe zum Erzählen</h3>
<p>Christie ist aber auch ein großartiger Geschichtenerzähler. Er weckt in Morag die Liebe zum Erzählen. Nach ihrem Studium in Winnipeg (ebenfalls wie Laurence selbst) beginnt sie zu schreiben. Journalistisch zunächst, aber auch Kurzgeschichten, die in Zeitungen veröffentlicht werden. Noch als Studentin heiratet sie den Professor für englische Literatur Brooke, der sie zunächst in ihrem Schreiben unterstützt, sie aber immer mehr wie ein unmündiges Kind behandelt, ihr untersagt, zu arbeiten und sich ihrem Kinderwunsch widersetzt. WDie Ehe, die ihr zunächst als erfüllter Traum vom Aufstieg durch Bildung und als willkommene Flucht aus der Provinz erschienen ist – Studium in Winnipeg, Heirat mit einem Intellektuellen, Leben in der Großstadt Toronto -, erweist sich für sie zunehmend als Falle. Als sie ihren alten Jugendschwarm Skinner Tonnerre wiedertrifft, beginnt sie eine kurze Affäre mit ihm und wird schwanger. Skinner ist Métis, eine indigene Ethnie, die im damaligen Kanada als „Mischlinge“ offen diskriminiert werden. Er zieht als Countrysänger durchs Land und ist für eine feste Beziehung nicht geschaffen. Morag trennt sich dennoch von Brooke.</p>
<p>Fortan ist Morag als alleinerziehende Mutter für ihre Tochter Pique(tte) verantwortlich und übersiedelt nach Vancouver. Zu Prin und Christie hält sie nur losen Kontakt. Für einige Jahre geht sie mit iihrer Tochter nach England. Die schottischen Wurzeln ihrer und Christies Vorfahren, die Geschichte von „Piper Gunn“, dem von Christie erfundenen legendären Dudelsackspieler, haben daran sicher ihren Anteil. Dauerhaft hält es sie aber nicht dort. Im fiktiven Örtchen McConnell’s Landing in East Ontario findet sie schließlich in einem alten Farmhaus ein Zuhause, wo sie sich (wie Margaret Laurence) ganz aufs Schreiben konzentriert.</p>
<h3>Momentaufnahmen und Gedächtnisfilme</h3>
<p>Hier treffen wir auch Morag Gunn in der Rahmenhandlung, die Margaret Laurence ihrem Roman <em>Glücklichere Tage </em>gibt. Pique ist nun 19 und sucht nach ihren Wurzeln, dem Vater, Manawaka. Obwohl in ihrer Jugend ähnlich rastlos, hat Morag mit dem Verschwinden Piquettes sehr zu kämpfen. Am Schreibttisch sitzend, ringt sie damit sowie um Worte für ihren neuen Roman. Ihre Kindheit und Jugend erscheinen ihr dabei wie Fotografien („Momentaufnahmen“) oder in längeren Abschnitten wie „Gedächtnisfilme“. Wir erfahren dabei viel von ihrem Autor:innenalltag, der durch alleinerziehende Mutterschaft nicht gerade erleichtert wird. Und der sich vom heutigen wohl nicht grundlegend unterscheidet. Was die Autor Helene Bukowski, die ein Nachwort verfasst hat, unterstreicht.</p>
<p><em>Glücklichere Tage </em>ist der Roman einer Emanzipation, einer Autorinnenwerdung und ein Buch über weibliches Begehren. Sexszenen gehören nicht gerade zu meinen beliebtesten, aber selbst die kann Margaret Laurence. Sie kombiniert viele Dialoge, innere Monologe, Bewusstseinsströme, switcht unbekümmert von der Ich- in die auktoriale Perspektive, lässt Präsens in Imperfekt übergehen und springt in Ort und Zeit. Das dabei eine wunderbare, sehr ambivalente Charakterzeichnung einer nicht immer einfachen Frau (aber das hat die Laurence-Leserin nun auch nicht erwartet) herauskommt, bei der der Blick auf die Protagonistin (und letztlich auf sich selbst) so schonungslos wie liebevoll ist, ist höchst bewundernswert. Und hat Margaret Laurence dafür den höchsten Kanadischen Literaturpreis, den Governor General´s Award, eingebracht. Es wird wirklich Zeit, dass auch das deutsche Lesepublikum diese großartige Autorin, zu deren Bewunder:innen nicht zuletzt Margaret Atwood gehört, entdeckt. Ihr könnt es jetzt mit <em>Glücklichere Tage.</em> Oder mit <em><a href="https://literaturreich.de/2021/10/15/margaret-laurence-der-steinerne-engel/">Der steinerne Engel,</a> <a href="https://literaturreich.de/2022/05/27/margaret-laurence-eine-laune-gottes/">Eine Laune Gottes</a> oder <a href="https://literaturreich.de/2023/11/15/margaret-laurence-das-glutnest/">Das Glutnest</a>. </em></p>
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<p>Beitragsbild by Marco Verch (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/"><strong>CC-BY 2.0</strong></a>) via CC0</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/gluecklichere-tage/hardcover/9783961612796"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21228" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/margaret-laurence-gluecklichere-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-title="margaret-laurence-gluecklichere-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21228" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg" alt="Margaret Laurence - Glücklichere Tage" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</strong><br />
<strong>Aus dem Englischen von Monika Baark</strong><br />
<strong>Eisele Verlag Februar 2026, Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 28,00 €</strong></p>
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		<title>Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:59:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 sind über 1,2 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu suchen. Wir sehen sie beinahe täglich, aber wie leben sie hier,&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 sind über 1,2 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu suchen. Wir sehen sie beinahe täglich, aber wie leben sie hier, welche Schicksale tragen sie, welche Ängste, Hoffnungen, Träume begleiten sie? Und wie geht es den Zurückgebliebenen? Auch wenn beinahe jeden Tag Nachrichten über den Krieg bei uns eintreffen, kann ich mir diese Fragen nicht über die üblichen Klischees hinaus beantworten. Iryna Fingerova, in Dresden lebende Ärztin und Schriftstellerin hat mit <em>Zugwind </em>ein außergewöhnlich gelungenes Buch darüber geschrieben.<span id="more-22059"></span></p>
<p>Die 1993 in Odesa geborene Iryna Fingerova lebt bereits seit 2019 in Deutschland. Seit Beginn des Krieges hat sie viele neue ukrainische Patienten, auch ihre Eltern leben hier. Ihre Großmutter und der Bruder blieben wie viele Freund:innen in der Ukraine – sie kennt also alle Varianten: Migrant:innen, vor dem Krieg Geflüchtete und in der Heimat geblieben Menschen. Und sie schafft mit ihrer Ich-Erzählerin Mira Zehmann eine Protagonistin, die ihr nicht ganz unähnlich ist. Mira ist Hausärztin in der Stadt N., die für viele deutsche Städte stehen könnte. Sie lebt mit ihrem Mann Andrij und der Tochter Rosa, auch die Eltern sind in Deutschland. Sie ist Jüdin und neben ihrer Arbeit noch Aktivistin, die für die Ukraine Spenden sammelt, sich engagiert. Die Hausarztpraxis in der sie arbeitet, wird seit dem Februar 2022 von unzähligen Landsleuten aufgesucht. Hinzu kommt noch die Carearbeit für Rosa, die eine Kita besucht. Es scheint fast ein wenig, dass Mira sich in Arbeit flüchtet, um sich von Trauer und Wut über die Entwicklungen in der Ukraine abzulenken. Wenigstens ein wenig.</p>
<h3>Der Krieg ist omnipräsent</h3>
<p>Denn natürlich ist der Krieg für sie ständig präsent. In den Nachrichten, auf dem Smartphone und natürlich in den Geschichten ihrer Patient:innen. So unterschiedlich diese sind, so vielfältig sind die Geschichten und Schicksale, die sie mit Mira und diese mit uns teilt. Dementsprechend viele Themen werden angeschnitten. Es geht um Leid und Elend, um im Krieg getötete Angehörige, um Angst und Hoffnungslosigkeit, um Kriegstraumata. Viele Krankheitssymptome, die Iryna Fingerova, die auch Ärztin ist, sehr genau medizinisch teilt, sind direkte oder indirekte Folgen von Kriegssschicksalen. Und es sind einige sehr erschütternde darunter. Aber es gibt auch Patient:innen, die schlichtweg nerven, die sich eine Krankschreibung erschleichen wollen, dreiste Forderungen stellen. Der Text ist dort erstaunlich ambivalent.</p>
<p>Die Flut der vor ihr ausgebreiteten Lebensgeschichten, der anhaltende Krieg, eine immer wieder auch kriselnde Ehe und ihr Jüdischsein, das seit dem 7. Oktober 2023 wieder an Bedeutung bekommen hat, vor allem durch den aufflammenden Antisemitismus – das alles kostet Kraft, macht müde. Mira sucht die Youbank auf – es wird ein wenig surreal und magisch -, die Kraft auf Kredit vergibt. Ein Angebot, das Mira annimmt. Dessen Schattenseite sie aber später zu spüren bekommt. Dass <em>Zugwind </em>auch magisches Potential besitzt,  zeigt sich beispielsweise auch bei den beiden Kolleginnen von Mira in der Hausarztpraxis. Die pragmatische, den Menschen zugewandte, anpackende Frau Erde, und die unerschrockene, neugierige, starke Frau Meer, die die ewigen Elemente als Gegensätze symbolisieren.</p>
<h3>Der Zugwind</h3>
<p>Ein Zugwind ist nicht nur titelgebend, sondern durchweht das ganze Buch. Mira stellt sich zu Beginn so vor:</p>
<blockquote><p>„Ich heiße Mira Zehmann</p>
<p>Am 24. Februar 2022, im Alter von 28 Jahren, bin ich endgültig erwachsen geworden.</p>
<p>Wie mir das klar wurde?</p>
<p>Ein Zugwind hat sich in mir eingenistet.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Zugwind, eine Ruhe- und Rastlosigkeit, eine Überforderung und gleichzeitig Leere, die etwas von einer Depression hat, bestimmt seit Kriegsbeginn das Leben von Mira. Sie muss funktionieren, für ihre Patienten, für Rosa, fühlt sich aber wie viele Menschen plötzlich extrem verletzlich, macht- und hilflos. Der Zugwind durchweht ihr Leben, hat beispielsweise auch ihr Schreiben, ihre Gedichte, die sie vor 2022 regelmäßig verfasst hat, hinweggeweht.</p>
<h3>Leichtigkeit</h3>
<p>Das klingt jetzt alles sehr bedrückend, ernst und traurig. Und ja, die Geschichten, von denen der Roman voll ist, sind das überwiegend auch. Iryna Fingerova erzählt aber mit sehr viel Humor, Selbstironie und hin und wieder etwas Sarkasmus, so dass sich <em>Zugwind </em>sehr leicht, fast heiter liest. Und auch Mira hungert nach Leichtigkeit, nach Freude. Ihre Sprache ist sehr cool, besonders wenn sie von ihrem Ärztinnenalltag erzählt. Auch eine Art Überlebensstrategie. Und eines Tages entscheidet sie sich spontan, nach Odesa zu reisen. Sie hält die Distanz zu ihrer Heimatstadt plötzlich nicht mehr aus. Dort erlebt sie, wie die Menschen mit dem Krieg zu leben gelernt haben, dass Leben auch in Zeiten des Krieges möglich sein muss. „Lebensfreude als staatbürgerliche Pflicht“ nennt sie das. Eine Art Widerstand. Die Menschen gehen auch heute feiern, tanzen, schwimmen, sich die Nägel machen lassen. Und versuchen, dadurch ein wenig Kontrolle über ihr Leben zu behalten.</p>
<h3>Selbstfürsorge als Akt des Widerstands</h3>
<p>Bei ihrer Rückkehr hat sich auch für Mira einiges geändert. Selbstfürsorge ist ein Akt des Widerstands. Und Selbstvorwürfe helfen niemandem. <em>Zugwind </em>ist deshalb auch ein hoffnungsvolles, ein ermutigendes Buch. Sogar Miras Gedichte kommen langsam wieder (und ein paar davon sind im Roman abgedruckt).</p>
<blockquote><p>„Von Ferne den Krieg zu sehen, ist zum Fürchten, in seiner Nähe ist man daheim.“</p></blockquote>
<p>Ob das tatsächlich so ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Kann es mir sogar kaum vorstellen. Aber das natürlich geht auch in Kriegsgebieten das Leben geht weiter. Und viele von Miras Patienten kehren nach einiger Zeit in die Ukraine zurück. Sie halten das Leben zwischen zwei Welten nicht mehr aus, wollen zurück zu ihren dort gebliebenen Angehörigen, ihren Häusern.</p>
<p>Iryna Fingerova ist ein ganz großartiges Buch gelungen, das die Situation der ukrainischen Menschen sehr empathisch thematisiert. Und das in einer ganz besonderen, sowohl poetischen, als auch etwas rauen und klaren Sprache verfasst ist. Für mich eine wirkliche Entdeckung dieses Frühjahrs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: by Ilona Kuckuck (<span id="yui_3_18_1_1_1779911879855_2944" class="license-type"><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">CC BY-NC-SA 2.0</a>) via Flickr</span></p>
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<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/iryna-fingerova-zugwind-9783498008000"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22080" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/iryna-fingerova-zugwind/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-title="iryna-fingerova-zugwind" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22080" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg" alt="Iryna Fingerova - Zugwind" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</strong><br />
<strong>Übersetzt von: Jakob Walosczyk</strong><br />
<strong>Rowohlt Hundert Augen Februar 2026, gebunden, 304 Seiten, € 24,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Daniel Mellem &#8211; Einstein im Bade</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 08:53:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Historischer Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein klein wenig führt uns Daniel Mellem mit dem Titel seines neuen Romans Einstein im Bade in die Irre. Weder erleben wir den großen Physiker bei der intimen Körperpflege (lediglich seinen Kollegen Max Planck überraschen&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein klein wenig führt uns Daniel Mellem mit dem Titel seines neuen Romans <em>Einstein im Bade </em>in die Irre. Weder erleben wir den großen Physiker bei der intimen Körperpflege (lediglich seinen Kollegen Max Planck überraschen wir einmal nackt wie der Herr ihn schuf), noch begleiten wir ihn auf einen gesundheitsfördernden Kuraufenthalt, auch wenn das Buch 1920 im prominenten Kurort Bad Nauheim spielt. Doch die über 2500 Besucher, die sich vom 19. bis 25. September dort versammelten, kamen nicht wegen der Heilquellen in den Ort im hessischen Taunus, sondern waren Teilnehmer der 86. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. Am 23. September 1920 kam es dort im Badehaus 8 zu einer denkwürdigen, kontroversen Diskussion über Albert Einsteins Relativitätstheorie, die als „Bad Nauheimer Debatte“ bekannt wurde.<span id="more-21956"></span></p>
<p>Einsteins Kollege Philipp Lenard griff die Relativitätstheorie scharf an, was wohl auch oder vor allem antisemitische Gründe gehabt haben mag. Zusammen mit Johannes Stark und anderen war Lenard Vertreter der „Deutsche Physik“. Nach deren Auffassung war Naturerkenntnis rassisch bedingt und die arische Rasse dafür besonders geeignet. Anschaulichkeit der Modelle und das Experiment sollten gegenüber theoretischen Überlegungen, wie etwa die Albert Einsteins, den Vorrang haben.</p>
<h3>Zum rastenden Kranich</h3>
<p>Daniel Mellem, selbst promovierter Physiker, wählt nach seinem Debüt <em>Die Erfindung des Countdowns </em>(Raketenforschung), erneut ein naturwissenschaftliches Thema für seinen Roman <em>Einstein im Bade. </em>Die Physik spielt aber lediglich eine Nebenrolle in dem höchst amüsanten, sehr unterhaltsamen Treiben. Hauptprotagonist ist Direktor Kleeberger, dessen Hotel „Zum rastenden Kranich“ zwar ein Haus mit langer Tradition ist, aber schon länger unter Gästeschwund leidet. Der konservative Kleeberger hält nicht viel von modischer „Werbung“ und auch Errungenschaften wie Lift oder Telefon haben noch nicht Einzug in den Kranich gehalten. Neuerdings wird auch über das Essen gemäkelt und die anderen Hotels in Bad Nauheim ziehen immer mehr Gäste ab.</p>
<figure id="attachment_22043" aria-describedby="caption-attachment-22043" style="width: 500px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22043" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/pxl_20260519_1117451972/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" data-orig-size="500,281" data-comments-opened="1" data-image-title="PXL_20260519_111745197~2" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Soll Vorbild für den Rastenden Kranich gewesen sein: Das ehemalige Hotel Bristol, heute Wohnungen&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" class="size-full wp-image-22043" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" alt="" width="500" height="281" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg 500w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972-300x169.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22043" class="wp-caption-text">Soll Vorbild für den Rastenden Kranich gewesen sein: Das ehemalige Hotel Bristol, heute Wohnungen</figcaption></figure>
<p>Umso schöner, dass nun nicht nur alle Zimmer ausgebucht sind, sondern sogar der Physik-Nobelpreisträger von 1905, Professor Philipp Lenard, im rastenden Kranich absteigen wird. Leider hat sich bei der Zimmervergabe ein Fehler eingeschlichen: statt des gebuchten Zimmers zum Innenhof steht nur noch eines zur belebten Ludwigstraße zur Verfügung. Ein Umstand, den der berühmte Professor nicht zu akzeptieren bereits ist. Abhilfe muss geschaffen werden und das geht nur mit Unterstützung der langjährigen Gästin Madame Hunderbrock, die dafür ihr ruhiges Zimmer zumindest vorübergehend tauschen müsste. Als wäre das nicht schwierig genug, wird kurzfristig ein weiterer Gast eingebucht: Albert Einstein, damals noch ohne Nobelpreis, aber Verfasser der die Physik aufmischenden Relativitätstheorie. Und erklärter Lieblingsfeind des verärgerten Gasts Lenard.</p>
<h3>Chaos im Hotel</h3>
<p>Direktor Kleeberger gerät ins Rotieren, zumal noch seine geschätzte Hausdame Fräulein Meisinger die Kündigung einreicht. Kaum dass sich die Zimmerfrage für Professor Lenard geregelt hat, steht die Schlichtung des Streits zwischen den beiden herausragenden Physikern auf der Agenda. Nicht auszudenken, wenn es zwischen den beiden Koryphäen gerade im kriselnden Rastenden Kranich zum Eklat kommen würde. Nicht auszudenken! Zusammen mit seinem langjährigem Portier Wegenthaler, mit dem ihn streng unterdrückte zärtliche Gefühle verbinden, laviert, organisiert und beschwichtigt Kleeberger so intensiv, dass er den Klagen langjähriger Gäste über einen üblen Gestank im Zimmer gar nicht richtig Beachtung schenkt. Ein fataler Fehler.</p>
<figure id="attachment_22056" aria-describedby="caption-attachment-22056" style="width: 169px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22056" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/pxl_20260507_180723227/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg" data-orig-size="1440,2560" data-comments-opened="1" data-image-title="PXL_20260507_180723227" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-576x1024.jpg" class="wp-image-22056 size-medium" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-169x300.jpg" alt="Daniel Mellem - Bad Nauheim" width="169" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-169x300.jpg 169w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-576x1024.jpg 576w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-768x1365.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-864x1536.jpg 864w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-1152x2048.jpg 1152w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-940x1671.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-225x400.jpg 225w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg 1440w" sizes="auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22056" class="wp-caption-text">Daniel Mellem bei einer Lesung in Bad Nauheim Mai 2026</figcaption></figure>
<p>Daniel Mellem nimmt uns nur wenige Tage mit nach Bad Nauheim ins Hotel seines tragisch-komischen Helden Kleeberger. Dieser steckt mit seinen 68 Jahren im Alten fest, sieht seine Felle bereits davon schwimmen, kann sich aus seinem Konservatismus aber nicht befreien. „Ruhe“ ist das, was er am heftigsten begehrt. Und Chaos ist das, was ihm ins Haus steht.  Kleeberger ist Traditionalist, ein Bewahrer in einer Zeit des Umbruchs, bestens versinnbildlicht durch Einsteins Relativitätstheorie; ein Scheiternder, aber ein in Würde Scheiternder. Und am Ende zeigt gerade er überraschend viel Rückgrat. Und wer weiß, vielleicht ist sein Scheitern letztendlich dann doch gar keines.</p>
<h3>Amüsant und kurzweilig</h3>
<p>Die Vorgänge im Hotel sind äußerst kurzweilig und amüsant in einem etwas antiquiert wirkenden, aber hervorragend zu Zeit und Protagonist passenden Plauderton gehalten. Der Physiker Mellem bringt den Lesenden sogar ein wenig Relativitätstheorie nahe, vor allem aber thematisiert er ganz nebenbei den damals bereits heftig kursierenden Antisemitismus, den antisemitisch gefärbten wissenschaftlichen Diskurs, der von Seiten der die „deutsche Physik“ propagierenden Wissenschaftler als „Judenbetrug“ diffamiert wurde und auch die Naturwissenschaft politisch instrumentalisierte. Alles Vorboten einer kommenden, schrecklichen Zeit.</p>
<p>Daniel Mellem hat mit <em>Einstein im Bade</em> einen witzigen, leichten historischen Roman geschrieben, der überraschend viel Bezug auch zum Heute aufweist und ein großes Lesevergnügen ist.</p>
<p>Schauplatz des Romans ist der Kurort Bad Nauheim zwischen Taunus und Wetterau. Nach Erzählungen habe ich bereits im Kinderwagen den dortigen Kurpark etliche Male umrundet. Daniel Mellem bot mir nun mit seinem Roman die Gelegenheit, das Kurbad mal wieder aufzusuchen. In der dortigen Buchhandlung am Park las der Autor aus seinem Roman<em>.</em></p>
<p>Und hier ein paar Eindrücke aus der historischen Kuranlage:</p>
<a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/#gallery-21956-1-slideshow">Klicke, um die Diashow aufzurufen.</a>
<p>Der Aufschwung kam für Bad Nauheim und seine kohlensäurehaltigen Solequellen wie für viele andere Kurorte im 19. Jahrhundert, 1869 wurde ihm das „Bad“ verliehen. Bereits zwischen 1857 und 1862 wurde der historische Kurpark, entworfen von Heinrich Siesmayer, angelegt. Zwischen 1905 und 1911 entstand Europas größte geschlossene Jugendstil-Badeanlage, der Sprudelhof. Hier, im mittlerweile leider nicht mehr existierenden Badehaus 8, tagte die Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte 1920, was Daniel Mellem den Stoff für <em>Einstein im Bade </em>lieferte. Im Badehaus 3 ist nun das Jugendstilforum beheimatet, das einen schönen Einblick in die Kunstströmung und ihre Zeit bietet. Auf jeden Fall einen Besuch wert.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.keinundaber.ch/buecher/einstein-im-bade"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21280" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/daniel-mellem-einstein-im-bade/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" data-orig-size="484,768" data-comments-opened="1" data-image-title="daniel-mellem-einstein-im-bade" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21280" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp" alt="Daniel Mellem - Einstein im Bade" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp 484w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.keinundaber.ch/buecher/einstein-im-bade">Daniel Mellem &#8211; Einstein im Bade</a></strong><br />
<strong>Kein &amp; Aber Februar 2026, gebunden, 272 Seiten, € 26,00</strong></p>
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		<title>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 08:14:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein weiterer der in diesem Jahr so präsenten Frauen-Generationen-Romane liegt mit Die Riesinnen von Hannah Häffner vor. Und wieder ist bei allen Gemeinsamkeiten ein anderer, neuer Blickwinkel und ein anderer, spezieller Ton zu entdecken. Ein&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/18/hannah-haeffner-die-riesinnen/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein weiterer der in diesem Jahr so präsenten Frauen-Generationen-Romane liegt mit <em>Die Riesinnen </em>von Hannah Häffner vor. Und wieder ist bei allen Gemeinsamkeiten ein anderer, neuer Blickwinkel und ein anderer, spezieller Ton zu entdecken. Ein Ton, der sowohl die Literaturkritik als auch die Leser:innen und Buchhändler:innen sehr begeistert. Verortet – und der Ort, der Begriff Heimat ist hier von zentraler Bedeutung, fast schon ein weiterer Protagonist – sind <em>Die Riesinnen </em>im kleinen, fiktiven Dorf Wittenmoos im Schwarzwald. Der Schwarzwald wird in der Literatur oft als dunkle, raue, auch ein wenig unheimliche Landschaft dargestellt. Und ein wenig davon ist auch in der Atmosphäre der Riesinnen zu spüren. Düster oder wuchtig ist der literarische Debütroman von Hannah Häffner (zuvor hat sie bereits Kriminalromane verfasst) aber gar nicht, auch wenn gleich in der Eingangsszene ein gewaltiges Gewitter niedergeht.<span id="more-22025"></span></p>
<h3>Großmutter, Mutter und Enkelin</h3>
<p>Erzählt wird von Großmutter, Mutter und Enkelin und es beginnt ganz chronologisch in den frühen 1960er Jahren mit der jungen Liese Riessberger. Sie ist die erste „Riesin“ – hochgewachsen, hager, mit flammendroten Locken sticht sie rein optisch aus dem Gros der Frauen heraus. Das Schwarzwalddorf kennt wenig Toleranz. Starre Regeln, soziale Kontrolle und üble Nachrede beherrschen das gesellschaftliche Miteinander. Daraus auszubrechen ist, zumindest für eine Frau, kaum möglich. Liese kommt das allerdings auch gar nicht in den Sinn. Sie leidet zwar in ihrer lieblosen Ehe mit dem Metzgersohn Bernhard, ist geradezu erschrocken, als sie merkt, dass sie von ihm schwanger ist &#8211; ein alternatives Leben, etwa mit dem stillen, nachdenklichen Franz, liegt aber außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Lediglich ihre Kindheitsfreundin Mina bringt ein wenig Licht in ihren Alltag.</p>
<p>Die Tochter Cora wird zu Lieses Lebensinhalt. Mit Entsetzen reagiert sie darauf, dass das Kind ihren Mann nur stört, dass er sogar vor körperlicher Züchtigung nicht zurückschreckt. Liese versucht Cora so gut wie möglich zu schützen und ist nahezu erleichtert, als ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Durch einen Deal, dessen Hintergründe erst am Ende des Romans enthüllt werden, sichert Liese ihrer Tochter gegen ihre feindseligen Schwiegereltern das Erbe für ihre Tochter. Liese ist keine Rebellin, aber sie kämpft wie eine Löwin für Cora, übernimmt unter den skeptischen Blicken der Dorfgemeinschaft die Metzgerei.</p>
<h3>Die zweite und dritte Generation</h3>
<p>Rebellisch wiederum ist Cora, die zweite „Riesin“, wie ihre Mutter groß, mager, rotblond. Sie fordert ihre Freiheiten, bricht so bald wie möglich aus, verlässt den Schwarzwald mit Rucksack und dem Vorsatz, nicht so bald zurückzukommen. Es zieht sie nach Paris, Amsterdam, London und Italien. Freiheit, Party, zahlreiche Affären bestimmen ihr Leben. Die mit Giosué im italienischen Pesaro führt zu einer Schwangerschaft, die sie nach Wittenmoos zurückkommen lässt.</p>
<p>Zusammen mit Liese baut sie die Metzgerei zu einem Restaurant aus. Cora wird – wider- aber freiwillig – sesshaft. An einen Mann binden will sie sich aber nicht mehr. Wie ihre Mutter Liese so schön sagt: „Warum soll ich einen Mann wollen, wenn ich auch meine Ruhe haben kann.“</p>
<p>Coras Tochter Eva ist die dritte „Riesin“. Sie hat auf den ersten Blick alle Freiheiten, ist aber, wie viele ihrer Altersgenoss:innen klagen, von der Vielzahl der Wahlmöglichkeiten eher überfordert. Sie zieht es wieder zurück nach Wittenmoos, für sie ist „Heimat“ ein Wert.</p>
<p>Geschrieben hat Hannah Häffner <em>Die Riesinnen</em> in einer sehr lakonischen Sprache, die viele Leser:innen begeistert. Ich muss zugeben, dass dieser „Zauber“ bei mir nicht wirklich ankam. Ich fand die Sprache oft eher sehr spröde als poetisch. Aufgebaut ist der Roman chronologisch, erzählt wird multiperspektivisch, wobei mit fortschreitender Zeit der Fokus von Liese über Cora zu Eva wandert.</p>
<p><em>Die Riesinnen </em>steht seit Wochen ganz weit oben auf der Spiegelbestsellerliste. Auch wenn ich die große Begeisterung nicht ganz teile, ist das Buch lesenswert. Warum es bei mir nicht so richtig „gefunkt“ hat, ist schwer zu sagen. Vielleicht habe ich in den vergangenen Monaten einfach zu viele Frauen-Generationenromane gelesen. Und ein paar davon waren meiner Meinung nach einfach stärker.</p>
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<p>Beitragsbild: Schwarzwald by vince42 (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de">CC BY-ND 2.0</a>) via flickr</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/hannah-haeffner-die-riesinnen/buch/9783328604334"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21291" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/haeffner-hdie-riesinnen/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="haeffner-die-riesinnen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21291" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp" alt="Hannah Häffner - Die Riesinnen" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</strong><br />
<strong>Penguin Februar 2026, Hardcover, mit Schutzumschlag, 416 Seiten, € 24,00</strong></p>
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		<title>Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 20:02:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Elli Unruh wurde mit ihrem Debütroman Fische im Trüben für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Er reiht sich ein in eine in diesem Jahr besonders präsente Reihe von Familienromanen mit osteuropäischem Bezug, wie&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Elli Unruh wurde mit ihrem Debütroman <em>Fische im Trüben </em>für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Er reiht sich ein in eine in diesem Jahr besonders präsente Reihe von Familienromanen mit osteuropäischem Bezug, wie beispielsweise die von Katherina Braschel, Nadine Schneider, Betty Boras oder Oliwia Hälterlein, hat aber gleichzeitig einen ganz besonderen, bisher eher unbekannten Fokus auf eine russlanddeutsche Familie im südöstlichen Kasachstan, die der aus der Täuferbewegung der Reformationszeit entstandenen Religionsgemeinschaft der Mennoniten angehört. Wie so oft geht auch hier die Geschichte der Ansiedlung auf Katharina die Große zurück. Diese warb ab 1763 gezielt deutsche Siedler an, um die riesigen Weiten ihres Reichs urbar zu machen. Die Bauern und Handwerker wurden vor allem im Schwarzmeergebiet und an der Wolga heimisch. Und dort liegen auch die Wurzeln der Familie Fest.<span id="more-21969"></span></p>
<p>Aus Mineralnyje Wody mussten sie aber nach dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschlands auf die Sowjetunion im Jahr 1941 fort. Sie wurden wie unzählige andere Russlanddeutsche nach Kasachstan deportiert. Andere verschlug es nach Sibirien oder Zentralasien. Viele mussten auch in der sogenannten Trudarmee (Arbeitsarmee) Zwangsarbeit leisten. Schätzungsweise 150.000 Menschen kamen während der Deportationen und danach ums Leben. Familie Fest findet eine neue Heimat in Mihailowka nahe Alma Ata. Auf einer Karte in hinteren Einband des besonders schön gestalteten Buchs kann man die Stationen nachvollziehen. So auch das im Norden Kasachstans gelegenen Schtschutschinsk, in das Frau und Kinder von Heinrich Fest umgesiedelt wurden, ca. 1500 km entfernt von Mihailowka.</p>
<h3>Jahre des Hungers und der Vertreibung</h3>
<p>Großonkel Heinrich ist einer der Hauptprotagonisten des Familienromans. Er hat es trotz der Benachteiligung und Diskriminierung, die die „Deutschen“ in der Sowjetunion erfahren haben &#8211; gerne pauschal als „Faschisten“ beschimpft – geschafft, den Posten des Wasserzuteilers zu erhalten, also desjenigen, der den Bauern ihre Wasserration zukommen lässt. Eine verantwortungsvolle Position. Mit ihm und seiner Generation geht Elli Unruh in <em>Fische im Trüben </em>bis in die 1930er Jahre zurück, die auch die Jahre des Hungers, der Verfolgung und Vertreibung sind.</p>
<p>Weitere Hauptprotagonist:inen sind Tante Hedi und der Junge Krocha, denen wir durch die 1970er Jahre folgen bis zum Jahr 1987, als die Familie ihre Ausreise nach Deutschland bewilligt bekommt. Andere Familienmitglieder sind bereits in Moldawien heimisch geworden, das schon ein wenig freiheitlicher, „europäischer“ ist.</p>
<h3>Die Mennoniten</h3>
<p>Neben ihren Prinzipien des Pazifismus und der Ablehnung der Kindertaufe haben die Mennoniten auch eine ganz besondere Sprache, das „Plautdietsch“, mit nach Russland genommen und über viele Generationen zumindest zum Teil bewahrt. Elli Unruh, deren familiäre Wurzeln ähnlich sind, baut dieses spezielle Idiom an vielen Stellen des Romans ein. Ein Glossar am Ende erklärt einiges und zeigt auch die kyrillische Transkription. Das und die poetische, dennoch klare Sprache trägt viel zum Atmosphärischen des Textes bei. Besonders auch die Naturbeschreibungen der Steppe rund um das Tian-Shan-Gebirges an der Grenze zu Kirgisien sind äußerst eindrücklich. Die Beschreibungen der Apfelwiesen lassen den Duft des dort bevorzugt angepflanzten Aport-Apfels sinnlich greifbar werden, man spürt die Kälte der Winter, die Trockenheit der Sommer.</p>
<p>In episodischen, kurzen Kapiteln werden die Geschichte, der Alltag, die Traditionen und Riten der fast abgeschlossenen Mennonitengemeinde erzählt. Das liest sich kurzweilig und interessant, ein wenig fällt aber die Familiengeschichte durch diese Erzählweise auseinander. Zu den einzelnen Figuren lässt sich so eher wenig Verbindung aufbauen. <em>Fische im Trüben </em>ist dennoch ein sehr lesenswertes Debüt.</p>
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<p>Beitragsbild: Tian-Shan-Gebirge by Bgag, CC0, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://transit-verlag.de/produkt/fische-im-trueben"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21970" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/elli-unruh-fische-im-trueben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" data-orig-size="300,453" data-comments-opened="1" data-image-title="elli-unruh-fische-im-trueben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21970" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg" alt="Elli Unruh - Fische im Trüben" width="199" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg 199w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-265x400.jpg 265w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</strong><br />
<strong>Transit 2025, 200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 24,00 €</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/">Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Judith Holofernes &#8211; Hummelhirn</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:13:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of age]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein „Hummelhirn“ ist für Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der Rockband „Wir sind Helden“ und nach Die Träume anderer Leute Autorin des gleichnamigen autobiografischen Buchs, das, was Kleine und Große mit beispielsweise der Diagnose AD(H)S (Judith&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/">Judith Holofernes &#8211; Hummelhirn</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein „Hummelhirn“ ist für Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der Rockband „Wir sind Helden“ und nach <em>Die Träume anderer Leute</em> Autorin des gleichnamigen autobiografischen Buchs, das, was Kleine und Große mit beispielsweise der Diagnose AD(H)S (Judith erhielt ihr Diagnose erst mit 45) mit sich herumtragen. Dabei will Judith Holofernes ihre Erfahrungen aber nicht allein auf eine Erkrankung festlegen, sondern sie für alle, wie sie es nennt, „komischen Kinder“ ausweiten. Also solche, die nicht so einfach in ein Raster passen, die vielleicht „anders“ sind, und damit in der Gesellschaft und besonders der Schule immer wieder anecken. So wie die Autorin das selbst als Kind erlebt hat.<span id="more-21973"></span></p>
<p>Judith Holofernes wird 1976 in Berlin-Kreuzberg geboren und wächst in einem links-alternativen Elternhaus auf, inklusive WG- und Kinderladen-Erfahrung. Die Eltern trennen sich bald nach Judiths Geburt. Die übersetzende Mutter outet sich als lesbisch, der Vater, Psychologe, zieht bald mit einer neuen Partnerin aufs Land. Einen richtigen Kulturschock stellt der Umzug nach Freiburg im Breisgau für die Sechsjährige dar. Nicht nur die Differenz zwischen Berlinern und Schwäbeln, vor allem die alleinerziehende, lesbische Mutter macht sie für die anderen Kinder maximal auffällig. Judith ist zudem ein kränkliches Kind, geplagt von Asthma und allerlei Allergien. Und dann ist da noch ihr „Hummelhirn“, das dafür sorgt, dass sie extrem schusselig ist. Unzählige Mäppchen, Jacken etc. gehen auf dieses Konto. Und viele Schwierigkeiten in der Schule.</p>
<h3>Nett sein</h3>
<p>Judith Holofernes sieht in diesen Schwierigkeiten und ihren kindlichen Bemühungen, diese durch Anpassung und besondere „Nettigkeit“ auszugleichen, die Ursache dafür, auch später während ihrer Bandkarriere als „People Pleaser“ aufzutreten, also als ein Mensch, der Harmonie über alles stellt, Konflikte meidet und eigene Bedürfnisse oft ignoriert, um es anderen recht zu machen. Ein Verhaltensmuster, das für sie zu Burnout, Erkrankungen und letztlich zu der Stimmstörung geführt hat, die das Ende ihrer Bandkarriere (mit) herbeiführte.</p>
<p>Was = Nett oder eben ≠ Nett ist, nimmt dann auch sehr viel Raum in den Erinnerungen, die sich vom Kleinkindalter bis zur Teenagerzeit erstrecken, ein. Das Modell des „People Pleaser“ bekommt in jüngster Zeit sehr viel Aufmerksamkeit. Und auch wenn der Mechanismus dahinter &#8211; das Anpassen und das „recht-machen-Wollen“ &#8211; sicher für viele (besonders Frauen) nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem darstellt, finde ich, gehört das Bemühen, nett zu sein zum Zusammenleben von Menschen und Gesellschaften einfach dazu und wird mir hier – auch wenn Holofernes deutlich das „freundlich sein“ als Herzensangelegenheit davon abgrenzt – zu stark als abzulehnende soziale Anpassungsform negativ gebrandmarkt. Darüber hinaus geht die Autorin zu wenig in die Tiefe. Kritik an der Familie oder an eigenen Verhaltensweisen, das Knüpfen von Verbindungen ins soziale Umfeld etc. fehlen leider ganz. Ich verstehe den Impuls, auf sein eigenes, kindliches Ich mit Nachsicht, Liebe und Verständnis zu schauen. Den Leser:innen bringt das allerdings wenig Mehrwert.</p>
<h3>Tragikomisch</h3>
<p>Liest man das <em>Hummelhirn </em>als tragikomische Aneinanderreihung von Familienanekdoten, Beobachtungen und Erlebnissen, kann man mit dem Buch von Judith Holofernes einen großen Spaß haben. Tagebucheinträge, Briefe, Familienfotos, Listen, Zitate aus Poesiealben, Erinnerungen an diverse Haustiere und Schulzeugnissen werden mit eigenen Songtexten ergänzt. Immer wieder werden (rückblickende) Erwachsenenepisoden eingeschoben. Die Kapitel tragen den Namen von Songs (nicht nur den eigenen). Eine lange Playlist (fast 6 Std.) kann bei Spotify abgerufen werden. Das ist wunderbar geschrieben, lustig, spielerisch und auch so vielseitig als Text gesetzt. Hummelhirn ist auch gestalterisch ein schönes Buch.</p>
<h3>Hörbuch</h3>
<p>Ich bin ein großer Fan von Judith Holofernes und durfte als Patreon die Entstehung von <em>Hummelhirn </em>auf dieser Plattform ein wenig mitverfolgen. Judith hatte einen großen Spaß beim Lesen alter Tagebucheinträge und kindlicher Briefen, schaut mit Vergnügen auf ihre zahlreichen (sehr jugendlichen) Liebesverwirrungen und mit Mitgefühl auf ihr unverstandenes Hummelhirn. Am meisten Spaß macht es, sich das Buch von Nora Tschirner vorlesen zu lassen. Die Autorin geht mit ihr auch auf Tour. Das ist wirklich kongenial und durchweg gut gelaunt. Ein kritisches Durchdenken und Einordnen ihrer Kindheit und Jugend sollte man wie gesagt nicht erwarten. Ebenso geht die Erzählung über kindliches ADHS oder anderes „abweichendes“ Verhalten nicht über ein: „So war das bei mir (auch), du bist nicht allein“ hinaus. Das ist nicht wenig, könnte aber auch Erwartungen enttäuschen.</p>
<p>Das Buchcover ist wieder farbintensiv von Barbara Thoben gestaltet worden. Es ist so lebendig und wild wie der Buchinhalt. Auch die Hummeln und der Beo fehlen nicht. Nur das Mädchen darauf schaut eher traurig nach unten. Von dieser Traurigkeit ist im Buch leider eher wenig zu spüren. Bei allem Spaß, das es verbreitet, all den lustigen Anekdoten, zu denen auch vielleicht schlimme Momente in der Rückschau werden, ist <em>Hummelhirn </em>vielleicht sogar wieder ein wenig zu „nett“ geworden. Aber die Leser:innen werden es dafür lieben.</p>
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<p>Beitragsbild via Pixnio CC0</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/judith-holofernes-hummelhirn-9783462013665"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21975" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/judith-holofernes-hummelhirn-2/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" data-orig-size="520,840" data-comments-opened="1" data-image-title="judith-holofernes-hummelhirn" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" class="alignleft size-medium wp-image-21975" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png" alt="Judith Holofernes - Hummelhirn" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-248x400.png 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png 520w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Judith Holofernes &#8211; Hummelhirn</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch März 2026, 304 Seiten, € 24,00 </strong></p>
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