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		<title>Lektüre März 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 06:48:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der März ist der Buchmessemonat. Leipzig öffnet die Türen und im Vorfeld erscheinen Unmengen an interessanten Neuerscheinungen. So war auch im März 2026 das Spiel das gleiche &#8211; eine schwere Auswahl galt es für die&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/04/22/lektuere-maerz-2026/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der März ist der Buchmessemonat. Leipzig öffnet die Türen und im Vorfeld erscheinen Unmengen an interessanten Neuerscheinungen. So war auch im März 2026 das Spiel das gleiche &#8211; eine schwere Auswahl galt es für die Lektüre zu treffen und gleichzeitig war die Zeit durch die Messe selbst und sehr viele Lesungsveranstaltungen im Vorfeld eher begrenzt. Hier seht ihr nun meine Auswahl: Sie war sehr gut getroffen. Alle Bücher kann ich &#8211; unterschiedlich nachdrücklich &#8211; zur Lektüre empfehlen.<span id="more-21684"></span></p>
<h4><strong><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="21240" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/nadine-schneider-das-gute-leben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg" data-orig-size="500,766" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="nnadine-schneider-das-gute-leben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21240" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-196x300.jpg" alt="Nadine Schneider - DAs gute Leben" width="196" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-196x300.jpg 196w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-261x400.jpg 261w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg 500w" sizes="(max-width: 196px) 100vw, 196px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/03/26/nadine-schneider-das-gute-leben/">Nadine Schneider &#8211; Das gute Leben </a></strong></h4>
<p>Das gilt vor allem für den dritten Roman von Nadine Schneider.</p>
<p>Was ist ein „gutes Leben“? Für viele Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten lag es auf jeden Fall im „Westen“. So auch für die junge Anni, die im neuen Roman von Nadine Schneider im Mittelpunkt steht. Für sie steht fest, dass sie raus muss aus Rumänien, das ihr keine Zukunft zu bieten scheint, raus aus dem „Dreck“. Besonders jetzt, da sie schwanger ist und genau wie ihre Mutter ohne den Kindsvater zurechtkommen muss. Nadine Schneider erzählt in Das gute Leben von vier Frauengenerationen &#8211; Anni, die Großmutter, Helene, deren Tochter, und Ich-Erzählerin Christina, die Enkelin &#8211; die es nicht leicht miteinander und mit dem Leben haben. Die Männer glänzen durch Abwesenheit.</p>
<p>Nadine Schneiders Sprache und die Konstruktion der Geschichte sind äußerst gelungen. Unter den zahlreichen Neuerscheinungen, die auch dieses Frühjahr um Familie, Herkunft und Mutter-Tochter-Beziehungen kreisen, ist Das gute Leben von Nadine Schneider eine herausragend gute.</p>
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<h4><strong><img decoding="async" data-attachment-id="21283" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/slimani-trag-das-feuer-weiter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="slimani-trag-das-feuer-weiter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21283" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-189x300.webp" alt="Leila Slimani - Trag das Feuer weiter" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp 350w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/03/29/leila-slimani-trag-das-feuer-weiter/">Leila Slimani &#8211; Trag das Feuer weiter </a></strong></h4>
<p>In bewährt eingängiger Sprache erzählt die Starautorin Leïla Slimani in <em>Trag das Feuer weiter</em> das letzte Kapitel ihrer Familientrilogie. Die Enkelgeneration mit Mia und Inés und damit Slimanis eigene Generation steht hier im Mittelpunkt. Eine wohlhabende Kindheit, Lernen im französischen Gymnasium und Studium im Ausland bestimmen ihr Leben. Die Distanz zur arabischen Umgebung ist spürbar. Auch die Entwicklung zu einem immer autoritäreren Staat unter König Hassan II. und die Re-Islamisierung eines Landes.</p>
<p>Das ist lebendig erzählt und liest sich bis auf einige unnötige Sexszenen sehr gut. Sowohl die marokkanische als auch die Weltgeschichte (9/11, Irakkrieg, Radikalisierung) erhalten ihren Platz. Für mich nicht der beste Teil der Trilogie, schließt der Roman die Familiengeschichte aber gelungen ab.</p>
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<h4><strong><a href="https://www.dtv.de/buch/europa-wo-bist-du-35234">Alex Rühle &#8211; Europa &#8211; wo bist du?</a> </strong>(nicht auf dem Foto)</h4>
<p>März 2022, der Überfall Russlands auf die Ukraine liegt nicht lange zurück, da macht sich der Journalist Alex Rühle auf den Weg, das zu erkunden, was seitdem stärker als je zuvor beschworen wird: die Europäische Union. Und das tut er mit einer Errungenschaft, die diese EU auf wunderbarste Weise versinnbildlicht: Mit dem Interrailticket. Seit 1972 kann man damit die Länder der EU bereisen. Und während wir in den 1980er Jahren zumindest noch die Währungshürden zu bewältigen hatten, reisen unsere Kinder bereits weitgehend mit dem Euro. Welch großartige Erfindung! Aber weiß man in den EU-Ländern dies und das ungleich größere Wunder eines seit langem weitgehend friedlichen Europas (die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren zeigten, dass dies durchaus fragil ist) tatsächlich überall so zu schätzen, wie es sein müsste? Und wie stehen die Menschen zwischen Portugal und Bulgarien, zwischen Finnland und Griechenland zu diesem doch so großartigen Konstrukt namens EU?</p>
<p>20 000 Kilometer, 106 Tage, 33 Grenzen: einmal rund um die EU von Athen aus im Uhrzeigersinn. Rühle trifft die unterschiedlichsten Menschen, Repräsentanten und &#8222;Normalbürger&#8220;. Ein Reisebericht, der auch die EU-Institutionen erklärst, tiefe Einblicke in europäische Geschichte und Mentalitäten bietet, Anekdoten erzählt und Landschaften beschreibt. Und das so humorvoll, tiefgründig und sprachlich toll, dass es das Buch sogleich zu einem Lieblingsbuch geschafft hat. Einiges hat sich geändert in den letzten Jahren &#8211; kein Wunder, wir leben in chaotischen, schnell drehenden Zeiten. Polen und Ungarn haben sich zumindest teilweise von den ganz großen Schurken getrennt. Dafür sind die Slowakei und auch Tschechien stark nach rechts gerückt. Die Hoffnung, dass sich die Populisten mit ihrer menschenverachtenden Politik irgendwann selbst diskreditieren besteht zumindest. Ganz große Leseempfehlung!</p>
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<h4><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/kat-menschik-monika-helfer-wer-bist-du-9783869713212"><img decoding="async" data-attachment-id="21206" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/helfer-menschik-wer-bist-du/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du.jpg" data-orig-size="500,782" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="helfer-menschik-wer-bist-du" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21206" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du-192x300.jpg" alt="Monika Helfer, Kat Menschik - Wer bist du?" width="192" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du-192x300.jpg 192w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du-256x400.jpg 256w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/helfer-menschik-wer-bist-du.jpg 500w" sizes="(max-width: 192px) 100vw, 192px" /></a><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/kat-menschik-monika-helfer-wer-bist-du-9783869713212">Monika Helfer, Kat Menschik &#8211; Wer bist du? </a></strong></h4>
<p>Die Reihe der kleinen Lieblingsbücher, illustriert von Kat Menschik im @galiani_verlag, bezaubert mich immer wieder. Die Illustratorin hat einen so typischen wie für jeden der kurzen Texte individuellen Stil, immer durch eine ganz bestimmte Farbgebung geprägt. Seit ich bei einem kurzen Workshop mal Einblick in die Entstehung eines solchen Buchs bekommen habe, welche Überlegungen und Details dahinterstehen, mag ich die Reihe noch mehr. Nun hat Kat Menschik nach einem gemeinsamen Buch mit Monika Helfer bei deren Hausverlag die österreichische Autorin für ihre Reihe bei @galiani_verlag &#8222;ausgeliehen&#8220; für eine schillernde Kurzgeschichte.</p>
<p>&#8222;Eines Tages steht ein Mädchen vor der Tür der Erzählerin, mit einem 1000-Schilling-Schein in der Hand und einer seltsamen Geschichte. Kurz darauf verschwindet es spurlos. Als Jahre später eine junge Frau auftaucht und behauptet, das Mädchen von damals zu sein, beginnt ein doppelbödiges Spiel, spannend und abgründig bis zum Schluss.&#8220;</p>
<p>So richtig fassen kann man die Geschichte nicht. Und das ist auch so gewollt. Dazu passen die hellen pastellfarbigen, irisierenden Illustrationen von Kat Menschik, die bis zu doppelt changierenden Seitenzahlen in diesem wieder mit sehr viel Detailverliebtheit gestalteten Band reichen.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21292" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp" data-orig-size="350,538" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21292" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-195x300.webp" alt="Dana Grigorcea - Tanzende Frau, blauer Hahn" width="195" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-195x300.webp 195w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-260x400.webp 260w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/04/09/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/">Dana Grigorcea &#8211; Tanzende Frau, blauer Hahn</a></strong></h4>
<p>Es sind die 1990er Jahre am Rande der rumänischen Karpaten, wo sich jeden Sommer Roxana und Camil treffen. Sie stammt aus der gehobenen bukarester Gesellschaftsschicht und besucht ihre Großmutter, die dort ein Sommerhaus besitzt, er ist Eisenbahnersohn und lebt in der etwas heruntergekommenen Siedlung. Die postkommunistische Gesellschaft befindet sich in Transition. Der Umbruch kommt nicht jedem zugute, Klassenunterschiede machen sich deutlicher bemerkbar. Das bleibt subtil präsent, auch wenn es vordergründig um Sommerferien, Erwachsenwerden, bizarre Charaktere und wunderliche Begebenheiten dreht. Und um die Liebe. Federleicht und doch tiefgründig und elegant komponiert schreibt Dana Grigorcea mit <em>Tanzende Frau, blauer Hahn </em>einen wirklich zauberhaften Roman.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21282" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dana-von-suffrin-toxibaby/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png" data-orig-size="520,839" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="dana-von-suffrin-toxibaby" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png" class="alignleft size-medium wp-image-21282" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-186x300.png" alt="Dana von Suffrin - Toxibaby" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-186x300.png 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-248x400.png 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png 520w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/04/19/dana-von-suffrin-toxibaby/">DANA VON SUFFRIN &#8211; TOXI BABY</a></strong></h4>
<p>13 Trennungen in drei Jahren Beziehung – Herzchen Goldberg und Toxibaby, zwei Millennils, die sich in ihrer On/Off-Beziehung sichtlich lustvoll quälen sind die Protagonisten in Dana von Suffrins neuem Roman. Herzchen ist die Ich-Erzählerin, durch die wir das ganze Elend (und die ganze Lust) dieser Liebesbeziehung erleben.</p>
<p>Herzchen zahlt – sie ist eine recht erfolgreiche Autorin – und Toxibaby „macht sich Gedanken“. An seiner Misere ist natürlich die Gesellschaft schuld, mindestens der Spätkapitalismus. Und sowieso sind alle gegen ihn. Toxi leidet an der Welt und fühlt sich unverstanden. Er hat ein Suchtproblem und veröffentlicht Artikel „auf einem der aggressiven, schlecht formatierten linksextremen Blogs“. Und weiß selbstverständlich immer alles besser und erklärt gern die ihm so übel gesinnte Welt. Frau hat Toxi vor Augen. Mit einem zuweilen bitterbösen Humor, lakonischer Ironie und viel Klugheit schaut Dana Suffrin aber nicht nur auf Toxibaby, sondern auf eine ganze Generation. Dana von Suffrin spielt aus vollem Herzen mit allerlei Klischees, bleibt aber immer in der Ambivalenz. Denn so nervig Toxibaby ist, Herzchen ist es nicht minder. Das hat Witz und Tempo, ist klug und unterhaltsam. Fast ist man als Leserin etwas traurig, diese durch und durch ungute Beziehung zu verlassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21251" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/oliwia-haelterlein-wir-toechter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" data-orig-size="500,819" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="oliwia-haelterlein-wir-toechter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21251" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg" alt="Oliwia Hälterlein - Wir Töchter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Oliwia Hälterlein &#8211; Wir Töchter</strong></h4>
<p>Ich-Erzählerin des Fenerationenromans ist Waleria, die als Säugling mit ihrer Mutter Róża in den 1980er Jahren von Polen nach Westdeutschland migriert ist. Mit ihr droht die Kette von Töchtern in ihrer Familie abzureißen, denn nach einer Not-OP, die durch das Platzen einer Eierstockzyste und dem drohenden inneren Verbluten nötig wurde, und der Diagnose PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist die Möglichkeit einer eigenen Schwangerschaft sehr gering. Waleria empfindet eine „erdrückende Traurigkeit“, dabei hatte sie nie einen Kinderwunsch verspürt. Aber nun? Wird sie die Letzte in der „Töchterkette“ sein?</p>
<p>Diese Kette reicht im Roman bis zur Ururgroßmutter Melanka, im Zentrum stehen neben Waleria aber die Mutter Róża und die Großmutter Marianna, die geliebte Babcia. Während Marianna immer ihrer bäuerlichen Umgebung verhaftet bleibt, zieht es Róża fort, in die Stadt, nach Gdańsk, und später mit ihrer Tochter weiter nach Deutschland.</p>
<p>Das Zerrissensein zwischen Integrationswillen, Anpassung, Ablehnung und Herkunftssehnsucht &#8211; hier wird diese Migrationserfahrung durch die Verortung in einem patriarchalen System ergänzt. Was gebe ich als Mutter an meine Töchter weiter? Was nehme ich als Tochter davon an, trage es selbst in die Zukunft? Und was ist, wenn ich das nicht mehr kann?</p>
<p>Ein großartiges Buch und eine unbedingte Leseempfehlung von mir.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21220" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte.jpg" data-orig-size="500,819" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="kristof-magnusson-die-reise-ans-ende-der-geschichte" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21220" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte-183x300.jpg" alt="Kristof Magnusson - Die Reise ans Ende der welt" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/kritof-magnussin-die-reise-ans-ende-der-geschichte.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Kristof Magnusson &#8211; Die Reise ans Ende der Geschichte</strong></h4>
<p>Dieter Germeshausen ist ein „alter Hase“ beim BND und steht 1990 eigentlich kurz vor der Pensionierung. Ärgerlicherweise ist er seit Jahren als Doppelagent auch für den KGB tätig gewesen und fürchtet, dass das nun nach Beendigung des Ost-West-Konflikts auffliegen könnte. Dabei ist er auf seine alten Tage nochmal richtig verliebt, und zwar in die Ehefrau des ehemaligen US-Botschafters in Rom Dominique Fishbowl. Um sich mit ihr einen schönen Lebensabend machen und rechtzeitig untertauchen zu können, benötigt er noch die entsprechenden Mittel, die er sich bei einem letzten großen  Coup zu verschaffen hofft. Dafür braucht er aber noch ein Mittelsmann, der etwas besitzt, dass Germeshausen trotz vieler Dienstjahre nicht aufweisen kann: die Gabe der Kommunikation und die Verbindlichkeit, die Menschen für ihn einnimmt.<br />
Der Mann, den er sich auserkoren hat, ist der junge Dichter Jakob Dreiser.  Mit der (vermeintlichen) Russischlehrerin an der Botschaft Francesca Aquatone – inoffiziell arbeitet sie für den KGB bzw. dessen Nachfolgeorganisation FSB – fliegen sie nach Almaty. Dort werden die Bestände der Sowjetarmee verhökert. Vom Orden über Uniformen bis zu Kampfhubschraubern, wenn nur die Bezahlung stimmt. Leider entwickelt Jakob Dreiser dabei mehr Ehrgeiz als Germeshausen lieb ist. Und auch die russische Mafia mischt mit.</p>
<p>Herrlich überdreht und rasant wie ein Abenteuerroman, unterhaltsam und sehr komisch schreibt Kristof Magnusson eine Spionagekomödie, wie sie nur in dieser etwas wilden Aufbruchs- und Auflösungszeit der 1990er beheimatet sein kann. Sie führt von Rom nach Almaty, das Siebengebirge, Kolumbien und Sankt Petersburg. Sie beinhaltet auch ernstere Themen, wie etwa den Ausverkauf der Sowjetunion, und lässt uns immer wieder verblüfft den Unterschied zur heutigen Stimmung und Weltlage fühlen. In erster Linie ist Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson aber eine wunderbar verrückte, sehr unterhaltsame Story, die einfach gute Laune macht. Etwas, das man gerade unbedingt gebrauchen kann.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21198" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg" data-orig-size="500,801" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21198" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-187x300.jpg" alt="Franziska Hauser - Am Ende der Kleinigkeiten" width="187" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-187x300.jpg 187w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-250x400.jpg 250w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/04/03/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/">Franziska Hauser &#8211; Am Ende der Kleinigkeiten</a></strong></h4>
<p>Einfühlsam und mit viel Humor erzählt Franziska Hauser in Am Ende der Kleinigkeiten von einer äußerst schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, vom Leben in einer alternativen Kommune in der DDR, von Klassismus und von der großen Stadt, in die sich die Protagonistin Irma als junges Mädchen vor der Lieblosigkeit ihrer narzisstischen Mutter und der erdrückenden Art ihres Verhältnisses flüchtet. Sie erzählt vom Theater, an dem Irma eher zufällig landet und dessen Bretter für viele die Welt bedeuten, das aber ein äußerst hartes Geschäft ist. Sie erzählt von Vernachlässigung, Ausbeutung und Missbrauch, aber auch von Verantwortung, Solidarität und Liebe. Die Resilienz von Irma ist erstaunlich. Und die Lässigkeit, mit der Franziska Hauser von ihr erzählt, verblüffend. Denn auch wenn es müßig ist, zu überlegen, wieviel selbst Erlebtes in Am Ende der Kleinigkeiten steckt, ist es doch überraschend, wie wenig Anklage und Bitterkeit zu spüren ist. Eher ein Erstaunen. Und ja, etwas Liebevolles.</p>
<p>Ein schönes Buch, das ich sehr gern empfehle.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="20268" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/05/28/neuerscheinungen-herbst-2025-verlagsvorschauen/leon-engler-botanik-des-wahnsinns/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns.jpg" data-orig-size="611,945" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="leon-engler-botanik-des-wahnsinns" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-20268" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns-194x300.jpg" alt="leon-engler-botanik-des-wahnsinns" width="194" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns-194x300.jpg 194w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns-259x400.jpg 259w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/05/leon-engler-botanik-des-wahnsinns.jpg 611w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Leon Engler &#8211; Botanik des Wahnsinns</strong></h4>
<p>Nachdem ich das Buch bereits im Januar gehört habe und es mit sehr gut gefallen hat, für das reine Hören aber doch ein wenig komplex war, habe ich es anlässlich einer musikalischen Lesung des Autors nochmal als Text gelesen. Anhand einer Familiengeschichte, die durch die psychischen Erkrankungen ihrer Mitglieder geprägt ist, verflicht Engler diese Familiengeschichte mit der des jüngsten Sprosses, der der Erzähler ist und über dem das Schicksal seiner vielen kranken Vorfahren wie ein Damoklesschwert schwebt. Er flieht mit Hilfe seines Nachbarn in die Welt der Bücher und der Wissenschaft, wird selbst Psychologe. Seine analytischen Fähigkeiten und Interessen erlauben ein unangestrengtes Einbetten von Psychologiegeschichte und -theorie.<br />
Das ganze Buch ist trotz der dramatischen Hintergründe von einer bezaubernden Leichtigkeit, einer schönen, rhythmischen Sprache und oft verblüffendem Witz. Ein Buch, das mich äußerst positiv überrascht hat und ich sehr mochte.</p>
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<p>Helene Bukowskis für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman <strong><em>Wer möchte nicht im Leben bleiben </em></strong>habe ich nicht ganz beendet und in den April mitgenommen. Eine Kurzbesprechung folgt dann im Lesemonat April.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/22/lektuere-maerz-2026/">Lektüre März 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Dana von Suffrin &#8211; Toxibaby</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/04/19/dana-von-suffrin-toxibaby/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 08:25:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>13 Trennungen in drei Jahren Beziehung – das klingt nach einer wahrlich toxischen Geschichte. Und die Rollen und Verantwortungen scheinen gleich zu Beginn klar verteilt. Da ist zum einen „Herzchen Goldberg“ und zum anderen „Toxibaby“,&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/04/19/dana-von-suffrin-toxibaby/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/19/dana-von-suffrin-toxibaby/">Dana von Suffrin &#8211; Toxibaby</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>13 Trennungen in drei Jahren Beziehung – das klingt nach einer wahrlich toxischen Geschichte. Und die Rollen und Verantwortungen scheinen gleich zu Beginn klar verteilt. Da ist zum einen „Herzchen Goldberg“ und zum anderen „Toxibaby“, die sich in dieser On/Off-Beziehung sichtlich lustvoll quälen. Doch es geht im neuen Roman von Dana von Suffrin natürlich weitaus ambivalenter zu als der erste Blick auf zwei neurotische Millennials andeutet.<span id="more-21797"></span></p>
<p>Herzchen ist die Ich-Erzählerin, durch die wir das ganze Elend (und die ganze Lust) dieser Liebesbeziehung erleben. Den Namen Herzchen hat sich die Autorin von der Protagonistin der gleichnamigen Erzählung Anton Tschechows geborgt, laut Wikipedia „eine zartfühlende, liebebedürftige Frau, die keine eigenen Ansichten besitzt, sondern die Weltanschauung ihrer wechselnden drei Ehemänner vollständig übernimmt und sich ihnen vollkommen anpasst.“ Sie gilt als „als Studie über weibliche Selbstaufgabe und die Definition des Selbst durch den Partner.“ Nun ja, ein wenig Tschechow steckt auch in von Suffrins Herzchen, liebt sie ihren Toxi doch leidenschaftlich, sucht immer wieder Kompromisse, leidet auch ein wenig an dem nicht wenigen Frauen eigenen Helfersydrom; denkt, sie könnte ihn „retten“, ihm helfen, ihn ändern.</p>
<h3>Toxi ist eine harte Nuss</h3>
<p>Aber Toxi ist eine harte Nuss. Laut Herzchen ist er sehr schön, riecht gut, ist gepflegt und sehr gebildet. Aber er ist auch ein richtiger Loser, scheinbar mit Anfang Vierzig immer noch nicht ganz erwachsen, hangelt sich von der Arbeitslosigkeit in den nächsten befristeten Job als Sozialpädagoge in einer Brennpunktschule. Herzchen zahlt – sie ist eine recht erfolgreiche Autorin – und Toxibaby „macht sich Gedanken“. An seiner Misere ist natürlich die Gesellschaft schuld, mindestens der Spätkapitalismus. Und sowieso sind alle gegen ihn. Toxi leidet an der Welt und fühlt sich unverstanden. Er hat ein Suchtproblem und veröffentlicht Artikel „auf einem der aggressiven, schlecht formatierten linksextremen Blogs“. Und weiß selbstverständlich immer alles besser und erklärt gern die ihm so übel gesinnte Welt.</p>
<p>Frau hat Toxi vor Augen. Mit einem zuweilen bitterbösen Humor, lakonischer Ironie und viel Klugheit schaut Dana Suffrin aber nicht nur auf Toxibaby, sondern auf eine ganze Generation, die irgendwie in der Luft hängt, bisweilen als beziehungsunfähig, entscheidungsschwach und nie ganz erwachsen geworden abgestempelt wird. Eine Generation, der aber auch vertraute Sicherheiten plötzlich weggebrochen sind. Ehe und Familie, langjährige Beschäftigungsverhältnisse, Wohlstand – alles nur noch Verhandlungsmasse. Eine Generation, die ziemlich verunsichert ist. Dana von Suffrin spielt aus vollem Herzen mit allerlei Klischees, bleibt aber immer in der Ambivalenz.</p>
<p>Denn so nervig Toxibaby ist, Herzchen ist es nicht minder. Ihr ständiges Hin und Her, ihre ewigen Selbst- und Fremdanalysen, die nie enden wollenden Aushandlungsprozesse in der Beziehung &#8211; Dana von Suffrin kleidet sie in rasante, ewig lange, verschachtelte (aber sehr problemlos zu lesende) Sätze, die diese Denkbewegungen wunderbar wiedergeben &#8211; gehen den Lesenden auch gehörig auf den Zeiger. Außerdem lässt sie ihren Partner dessen ökonomische Unterlegenheit sehr gern spüren. Was Toxi natürlich gar nicht vertragen kann.</p>
<h3>Ein schlimmer Liebesroman</h3>
<p>Herzchen und Toxi sind Protagonisten eines wirklich „schlimmen Liebesromans“, wie der Klappentext verspricht. Aber sie haben dieses Schlimme selbst gewählt und gefallen sich auch irgendwie darin.</p>
<p>Herzchen Goldberg ist jüdischer Herkunft, trägt eine ganze Portion „familiären Ballast“ mit sich herum. Viele ihrer Vorfahren wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Sie fühlt sich als „lebendes Mahnmal“, leidet darunter, bezieht andererseits immer wieder auch Stellung zu Themen wie Antisemitismus in Beiträgen und auf Podien. So wie Dana von Suffrin selbst. Beider Humor ist oft sarkastisch und wenig konsumerabel, aber immer genau beobachtet, äußerst klug und punktgenau. Häufig bleibt das Lachen schon sehr bald in der Kehle stecken.“</p>
<blockquote><p>„Die Schuld ist eine jüdische Krankheit, ich traue mich nur nicht so recht, das meiner Therapeutin zu sagen. Die Juden fühlen sich schuldig, weil sie sich haben umbringen lassen, oder weil sie überlebt haben, sie fühlen sich schuldig, wenn sie in der Diaspora leben und ihre Kinder geschubst werden, und sie sich alle drei Generationen wie Stubenfliegen erschlagen lassen, sie fühlen sich natürlich auch schuldig, wenn sie in Israel leben, sich alle paar Jahre ein Gewehr umhängen, um die jugendlich unbekümmerten, angriffslustigen Nachbarstaaten zu massakrieren, wofür sie dann von ungefähr 95 % der Weltbevölkerung verachtet werden (…)“</p></blockquote>
<h3>Ein Liebesroman?</h3>
<p>Toxibaby ist zunächst eine Beziehungsgeschichte, ein Liebesroman. Aber einer, der weiß, dass auch Liebe nicht nur ein romantisches Gefühl ist, sondern gesellschaftlich und politisch geprägt wird. Dass sie in unserer von Anspruchsdenken und Perfektionsstreben bestimmten Gegenwart keinen unbedingt leichten Stand hat. Und dass die verwirrenden Zeiten und Weltlagen zusätzlich an ihr zerren.</p>
<p>Dana von Suffrin liebt die Übertreibung, die Zuspitzung und liefert uns nebenbei kluge, böse Milieubeschreibungen und auf den Punkt gebrachte Beobachtungen. Dennoch verliert sie bei aller Schonungslosigkeit nie die Zuneigung zu ihren Figuren. Das hat Witz und Tempo, ist klug und unterhaltsam. Fast ist man als Leserin etwas traurig, diese durch und durch ungute Beziehung zu verlassen.</p>
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<p>Beitragsbildung CC0 via pxhere</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/dana-von-suffrin-toxibaby-9783462009798"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21282" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dana-von-suffrin-toxibaby/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png" data-orig-size="520,839" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="dana-von-suffrin-toxibaby" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png" class="alignleft size-medium wp-image-21282" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-186x300.png" alt="Dana von Suffrin - Toxibaby" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-186x300.png 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby-248x400.png 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-von-suffrin-toxibaby.png 520w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Dana von Suffrin &#8211; Toxibaby</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch März 2026, 240 Seiten, € 23,00</strong></p>
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		<title>Sophie van der Linden &#8211; Im Licht der Lofoten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 07:16:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lofoten]]></category>
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		<category><![CDATA[Norwegen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin ein Mensch des Mittelmeeres, des Südens, der Wärme. Trotzdem habe ich Im Licht der Lofoten der französischen Autorin Sophie van der Linden rein zufällig und unbeabsichtigt genau dort gelesen, an der ligurischen Küste,&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/">Sophie van der Linden &#8211; Im Licht der Lofoten</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin ein Mensch des Mittelmeeres, des Südens, der Wärme. Trotzdem habe ich <em>Im Licht der Lofoten </em>der französischen Autorin Sophie van der Linden rein zufällig und unbeabsichtigt genau dort gelesen, an der ligurischen Küste, bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Erst andere Leser:innen machten mich darauf aufmerksam, dass darin eine gewisse Ironie steckt. Und ja, das Kontrastprogramm konnte kaum größer sein.<span id="more-21770"></span></p>
<figure id="attachment_21775" aria-describedby="caption-attachment-21775" style="width: 208px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21775" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/250px-anna_boberg/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg.jpg" data-orig-size="250,361" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="250px-Anna_Boberg" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Anna Boberg Svenska konstnärer i bild med text, Public domain, via Wikimedia Commons&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg.jpg" class="wp-image-21775 size-medium" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg-208x300.jpg" alt="Anna Boberg" width="208" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg-208x300.jpg 208w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/250px-Anna_Boberg.jpg 250w" sizes="auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21775" class="wp-caption-text">Anna Boberg Svenska konstnärer i bild med text, Public domain, via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<p><em>Im Licht der Lofoten</em> ist ein biographischer Roman, der der Geschichte der schwedischen Malerin Anna Boberg (1864-1935) folgt. Bevor sich Anna der Landschaftsmalerei widmete, arbeitete sie als Porzellanmalerin bei der berühmten Manufaktur Rörstrand. Ein Service dieser Firma zu besitzen, macht mich noch heute, nach über dreißig Jahren, glücklich. (Natürlich nicht von Anna Boberg designt und von daher für diese Buchvorstellung völlig unerheblich, hat es sich hier dennoch hineingedrängt ;))</p>
<h3>Leidenschaft für die Lofoten</h3>
<p>Bis auf eine kurze Zeit an der Académie Julien in Paris war Anna Boberg Autodidaktin. Ihren Mann, den Architekten Ferdinand Boberg lernte sie in der französischen Hauptstadt kennen. Die beiden heirateten 1888. Annas Malleidenschaft begann bereits zuvor &#8211; und zwar im Süden. Es entstanden vor allem Aquarelle in Spanien, Italien, Südfrankreich und Jerusalem. Die Entwicklung zu der Malerin, die internationale Anerkennung erlangte, von der die amerikanische Presse sogar behauptete, „Schwedens größte Künstlerin“ zu sein, auch wenn die Anerkennung im eigenen Land zunächst ausblieb, geschah aber erst nach 1901. Während einer Reise mit ihrem Mann auf die Lofoten packte sie die Leidenschaft für diese nordnorwegische Landschaft derart, dass sie in den folgenden 33 Jahren regelmäßig hierher zurückreiste, um zu malen. Und zwar allein.</p>
<figure id="attachment_21773" aria-describedby="caption-attachment-21773" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/lossy-page1-960px-Running_before_the_Storm._Study_from_North_Norway_Anna_Boberg_-_Nationalmuseum_-_21386.tif.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21773" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/lossy-page1-960px-running_before_the_storm-_study_from_north_norway_anna_boberg_-_nationalmuseum_-_21386-tif/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/lossy-page1-960px-Running_before_the_Storm._Study_from_North_Norway_Anna_Boberg_-_Nationalmuseum_-_21386.tif.jpg" data-orig-size="960,720" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="lossy-page1-960px-Running_before_the_Storm._Study_from_North_Norway_(Anna_Boberg)_-_Nationalmuseum_-_21386.tif" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Undan för stormen. Studie från Nordlandet Anna Boberg, Public domain, via Wikimedia Commons&lt;/p&gt;
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<p>Für eine Frau aus gutbürgerlichen Kreisen war das ein durchaus ungewöhnliches Unterfangen und ihre Obsession wurde zumindest anfangs argwöhnisch beobachtet. Ferdinand hingegen unterstützte seine Frau anscheinend vorbehaltlos, baute ihr in Svolvær eine „Hütte“, beschaffte ihr Materialien, wartete geduldig auf ihre jeweilige Rückkehr.</p>
<p>Von einer dieser Malreisen erzählt nun Sophie van der Linden in <em>Im Licht der Lofoten. </em>Es ist bereits gegen Ende von Anna Bobergs Leben, vermutlich Anfang der 1930er Jahre. Anna ahnt, dass es vielleicht ihre letzte Reise sein könnte. Sie möchte abschließend das eine große Meisterwerk über diese raue, karge Landschaft schaffen, das ihr endlich auch in Schweden Anerkennung bringen soll. Sie reist im Spätherbst und kommt dann auf den Lofoten an, wenn das Wetter am unwirtlichsten ist. Kälte, monatelang Schnee, raue Winde, Sturm. Aber auch Polarlichter und dieses ganz besondere Licht über den hohen, schroffen, schneebedeckten Bergen und eisigen Fjorden, das Anna Boberg so bezaubert und das sie in ihren Werken festhalten möchte.</p>
<p>Der Text von Sophie van der Linden ist in einer Art Tagebuch verfasst, adressiert an Annas geliebten Mann. Sie weiß, was sie ihm mit ihrer unorthodoxen Lebensweise abverlangt, schätzt seine Loyalität, vermisst ihn auch. Aber ihre Malleidenschaft ist stärker, und sie dankbar, dass sie sich nie zwischen ihr und ihrem Mann entscheiden musste.</p>
<figure id="attachment_21774" aria-describedby="caption-attachment-21774" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/lossy-page1-960px-Mountains._Study_from_North_Norway_Anna_Boberg_-_Nationalmuseum_-_21318.tif.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21774" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/lossy-page1-960px-mountains-_study_from_north_norway_anna_boberg_-_nationalmuseum_-_21318-tif/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/lossy-page1-960px-Mountains._Study_from_North_Norway_Anna_Boberg_-_Nationalmuseum_-_21318.tif.jpg" data-orig-size="960,489" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="lossy-page1-960px-Mountains._Study_from_North_Norway_(Anna_Boberg)_-_Nationalmuseum_-_21318.tif" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Mountains. Study from North Norway (Anna Boberg), Public domain, via Wikimedia Commons&lt;/p&gt;
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<p>Der Text ist sehr nah dran an der Landschaft und den Maltechniken der Künstlerin. Man spürt die Kälte, stemmt sich gemeinsam mit Anna gegen den Wind, nimmt das arktische Licht in sich auf, versucht es in Farben und Pinselstrichen wiederzugeben. Mir ist das alles ziemlich fremd (s.o. Mensch des Südens etc.), aber durch van der Lindens Beschreibungskunst folgte ich gern. Anna Boberg ist auf jeden Fall eine Künstlerin, die es verdient, auch von der schwedischen Kunstwelt als eine der großen skandinavischen Landschaftsmalerinnen betrachtet zu werden. Seit 2018 wird ihre Kunst im Nationalmuseum, dem schwedischen Museum für Kunst und Design, ausgestellt.</p>
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<p>Beitragsbild: Anna Boberg, Public domain, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.mare.de/buecher/im-licht-der-lofoten-753?srsltid=AfmBOopiqez9kjq4bo8roi1wkxz4v331cIWx0tm-MJxdrY42Aw8CZdu9"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21209" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/im-licht-der-lofoten-van-der-linden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg" data-orig-size="500,815" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="im-licht-der-lofoten-van-der-linden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21209" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-184x300.jpg" alt="Sophie van der Linden - Im Licht der Lofoten" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span><strong>Sophie van der Linden &#8211; Im Licht der Lofoten</strong><br />
Aus dem Französischen von Valerie Schneider<br />
Mare Verlag, gebunden, 128 Seiten, € 20,00</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/">Sophie van der Linden &#8211; Im Licht der Lofoten</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Dana Grigorcea &#8211; Tanzende Frau, blauer Hahn</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/04/09/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 09:13:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
		<category><![CDATA[Sommer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es sind die 1990er Jahre am Rande der rumänischen Karpaten, die Ära Ceaușescu erst seit Kurzem Geschichte. Im kleinen Ort Bușteni, wo viele Bukarester ihre Ferien verbringen, treffen sich jeden Sommer Roxana und Camil. Sie&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/04/09/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/09/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/">Dana Grigorcea &#8211; Tanzende Frau, blauer Hahn</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind die 1990er Jahre am Rande der rumänischen Karpaten, die Ära Ceaușescu erst seit Kurzem Geschichte. Im kleinen Ort Bușteni, wo viele Bukarester ihre Ferien verbringen, treffen sich jeden Sommer Roxana und Camil. Sie stammt aus der gehobenen Gesellschaftsschicht der Hauptstadt und besucht ihre Großmutter, die dort ein Sommerhaus besitzt, er ist Eisenbahnersohn und lebt in der etwas heruntergekommenen Siedlung. Roxana liegt am liebsten mit einem Buch im Gras unter dem Baum, die Kinder erzählen sich Geschichten und beobachten die Bewohner von Bușteni ganz genau. Deren Besonderheiten und Schrullen, ihre Missgeschicke und Beziehungen werden wiederum zu neuen Geschichten. Etwas sommerlich Leichtes, Schwebendes liegt über dem neuen Roman der schweizerisch-rumänischen Schriftstellerin Dana Grigorcea <em>Tanzende Frau, blauer Hahn.</em></p>
<p>Aber hinter der leichten Oberfläche mit viel Atmosphäre, die aber nie zu einer Idylle verkommt, lauern Abgründe, versteckt sich Tiefgründiges. Die postkommunistische Gesellschaft befindet sich in Transition. Der Umbruch kommt nicht jedem zugute, Klassenunterschiede machen sich deutlicher bemerkbar: der zwischen Roxana und Camil, aber auch der zur Kinderfreundin Ana-Maria, die mit ihrem zweibeinigen Hund aus unterprivilegierten Kreisen stammt. Man wächst gemeinsam auf, die Unterschiede bleiben lange sichtbar.</p>
<h3>Liebe, Freiheit und Klassenunterschiede</h3>
<p>Es geht Dana Grigorcea, der Kuratorin des Münchner Literaturfests, das vom 21.-30.4.2026 stattfindet, auch um das Motto, unter das sie dieses gestellt hat: „Freiheit!“. Wie frei sind wir wirklich? Kann man persönlich überhaupt absolut frei sein? Selbst in einer vermeintlich freien oder befreiten Gesellschaft? Diese Fragestellungen und die Klassenfrage bleiben subtil präsent, auch wenn es vordergründig um Sommerferien, Erwachsenwerden, bizarre Charaktere und wunderliche Begebenheiten dreht. Da ist beispielsweise der Kirschbaum, der eines Tages durch das Parkett der Madame Smara durchbricht. Und die nach und nach das Haus ihm weichen lässt. Oder die Begeisterung der Leute für die brasilianische Telenovela „Die Sklavin Isaura“, die fanatische Ausmaße erreicht. Und deren Titelfigur auf faszinierende Weise der ortsansässigen Frau Helman ähnelt. Vor allem geht es in den Erzählungen der jungen Leute aber um die Liebe, um Paare. Und auch Roxana und Camil werden in einem Sommer ein Paar.</p>
<p>Ins Rollen gebracht werden die Erinnerungen an diese Kindheits- und Jugendzeit der Ich-Erzählerin Roxana durch eine Mitteilung auf einer spanischen Nachrichtenseite, die von Camils Unfalltod berichtet. Dieser erlitt bei dem Versuch, Kupferkabel von einem Industrieschiff zu stehlen einen tödlichen Stromschlag. Das ist der Erzählanlass, der Roxana zu ihrer Geschichte führt, die so beginnt:</p>
<blockquote><p>„Damals, nach der Wende, wollten alle weg, weit weg, in die Exotik, um Großes zu erleben, sich zu wandeln und schließlich den Lebenssinn zu finden, wahrscheinlich die Liebe. Weit genug von Bukarest entfernt und auch der einzige Ort, an den ich fuhr, Sommer für Sommer, war Bușteni“</p></blockquote>
<p>Dana Grigorcea bettet <em>Tanzende Frau, blauer Hahn</em> in eine Rahmenhandlung ein, in der eine Schriftstellerin mit dem uns vorliegenden Text auf Lesereise geht, begleitet von einem Pianisten. Zwischen den Beiden kommt es nach und nach zu einer Liebesbeziehung. Und auch diese Schriftstellerin ist uns nicht unbekannt.</p>
<p>Federleicht und doch tiefgründig und elegant komponiert schreibt Dana Grigorcea mit <em>Tanzende Frau, blauer Hahn </em>einen wirklich zauberhaften Roman.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Bușteni Train track, Romania. On the background is Bucegi mountains by Tiia Monto, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/buch/9783328604402"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21292" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp" data-orig-size="350,538" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21292" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-195x300.webp" alt="Dana Grigorcea - Tanzende Frau, blauer Hahn" width="195" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-195x300.webp 195w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn-260x400.webp 260w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Dana Grigorcea &#8211; Tanzende Frau, blauer Hahn</strong><br />
<strong>Penguin März 2026, Hardcover, mit Schutzumschlag, 160 Seiten, € 22,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/09/dana-grigorcea-tanzende-frau-blauer-hahn/">Dana Grigorcea &#8211; Tanzende Frau, blauer Hahn</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Franziska Hauser &#8211; Am Ende der Kleinigkeiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 07:23:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Autofiktionale Romane sind ja im Trend. Wobei sich immer die Frage stellt, ob nicht in jedem Roman etwas von der Autorin, dem Autor enthalten ist, selbst wenn er im 13. Jahrhundert spielen mag. Wenn dann&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/04/03/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/03/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/">Franziska Hauser &#8211; Am Ende der Kleinigkeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Autofiktionale Romane sind ja im Trend. Wobei sich immer die Frage stellt, ob nicht in jedem Roman etwas von der Autorin, dem Autor enthalten ist, selbst wenn er im 13. Jahrhundert spielen mag. Wenn dann biografische Details von Protagonist:in und Autor:in übereinstimmen, gehen die Spekulationen los. Wieviel vom im Text Erzählten beruht auf eigenem Erleben? Da geht dann leicht die Trennung von Autor:in und Text bzw. Protagonist:in vergessen. Was vielen Romanen gar nicht gut tut. Und die meisten Autor:innen nervt. Franziska Hauser geht mit diesem Umstand in Bezug auf ihr neues Buch <em>Am Ende der Kleinigkeiten </em>recht entspannt um. Es ist klar, dass viel von ihrer Kindheit und einiges von ihrer Mutter in der Geschichte steckt. Und doch hofft man als Leserin, dass möglichst viel davon erfunden oder zumindest sehr zugespitzt ist. Denn was die Ich-Erzählerin Irma da so erlebt und wie besonders die Mutter mit ihr umgeht, ist schon harter Tobak.<span id="more-21732"></span></p>
<p>Diese Mutter ist eine unfassbare Narzisstin. In den 1970er ist sie auf den Hof einer Wohnkommune in der DDR gezogen. Freies Leben, freie Liebe, ein alternatives Lebenskonzept sollte es sein. Irma wird dort geboren, aber wer ihr Vater ist, wird nie ganz klar. Bert könnte es sein, oder aber auch Robert. Oder auch ein ganz anderer, vielleicht sogar jemand, der gar nicht hier auf „Zeugland“ wohnt. In Ermangelung eines „richtigen“ Vaters schauen alle mal nach der kleinen Irma. Und die hat das auch sehr nötig, denn ihre Mutter kümmert sich nur unregelmäßig, macht aus ihrer Abneigung Kindern gegenüber kein großes Geheimnis. Sie gibt Irma die Schuld an fast allem, was bei ihr schief läuft, beschimpft sie, macht sie runter. Und doch ist da auch so etwas wie Liebe zu spüren. Und ein hohes Maß an Loyalität und Resilienz auf Seiten von Irma.</p>
<p>Die Mutter ist aggressiv und ziemlich durchgeknallt. Aber sie trägt auch ihre eigenen Kindheitstraumata mit sich herum. Ihre Mutter ist eines Tages abgehauen aus der DDR gen Westen und hat ihre Kinder &#8211; es gibt noch eine Schwester &#8211; einfach zurückgelassen. Die Kinder landeten im Heim, niemand kümmerte sich. Auf Zeugland schneidert sie Kleidung, die sie auf Märkten verkauft. So verdient sie den Lebensunterhalt für sich und Irma. Oft reicht es hinten und vorne nicht. Die Lebensumstände auf dem Hof sind äußerst einfach und Irma schon früh für sich selbst verantwortlich.</p>
<h3>Die Bretter, die die Welt bedeuten</h3>
<p>Kein Wunder, dass sie sich so früh wie möglich aus dem Staub macht. Sie geht in die Großstadt, die nicht genannt, aber offensichtlich Berlin ist. Mehr aus Zufall landet sie vor einem Theater, das wiederum sehr an die Berliner Volksbühne erinnert. Zunächst erhält sie Unterschlupf, dann kleinere Arbeiten, schließlich wird sie Darstellerin und erweist sich als ziemlich begabt (Franziska Hauser wiederum kennt das Theaterleben gut, allerdings nicht als Schauspielerin, sondern als Ausstattungsassistentin am Berliner Ensemble). Irma lebt sich schnell ein und beginnt eine langjährige Affäre mit dem Theaterregisseur, die recht bald zu einer Abhängigkeitsbeziehung führt. Taron Capla ist der klassische Exzentriker, dem Geniewahn bestimmter Theater verschrieben. Straffe Hierarchien, Ausbeutung, Missbrauch, Misogynie – wie man sich das dort so vorstellt, und wie es die Autorin wohl auch erlebt hat.</p>
<p>Während Blanda, der ehemalige Star des Theaters und Ex-Freundin von Taron, an Krebs erkrankt, wird Irma mit zwanzig schwanger. Die Beziehung zu Taron endet und sie muss sich und das Kind nun alleine durchbringen.</p>
<h3>Vielschichtiger Roman</h3>
<p>Einfühlsam und mit viel Humor erzählt Franziska Hauser in <em>Am Ende der Kleinigkeiten </em>von einer äußerst schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, vom Leben in einer alternativen Kommune, von der DDR, von Klassismus und natürlich vom Theater, dessen Bretter für viele die Welt bedeuten, das aber ein äußerst hartes Geschäft ist. Sie erzählt von Vernachlässigung, Ausbeutung und Missbrauch, aber auch von Verantwortung, Solidarität und Liebe. Die Resilienz von Irma ist erstaunlich. Und die Lässigkeit, mit der Franziska Hauser von ihr erzählt, verblüffend. Denn auch wenn es müßig ist, zu überlegen wieviel selbst Erlebtes in <em>Am Ende der Kleinigkeiten </em>steckt, ist es doch überraschend, wie wenig Anklage und Bitterkeit zu spüren ist. Eher ein Erstaunen. Und ja, etwas Liebevolles.</p>
<p>Ein schönes Buch, das ich sehr gern empfehle.</p>
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<p>Beitragsbild: Motterwitz by Jörg Blobelt, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.fva.de/Franziska-Hauser-mit-Am-Ende-der-Kleinigkeiten-oxid-3-htmlAm-Ende-der-Kleinigkeiten.html"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21198" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg" data-orig-size="500,801" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21198" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-187x300.jpg" alt="Franziska Hauser - Am Ende der Kleinigkeiten" width="187" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-187x300.jpg 187w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten-250x400.jpg 250w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Franziska Hauser &#8211; Am Ende der Kleinigkeiten</strong><br />
<strong>Frankfurter Verlagsanstalt Fbruar 2026, Hardcover, 352 Seiten, € 26,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/04/03/franziska-hauser-am-ende-der-kleinigkeiten/">Franziska Hauser &#8211; Am Ende der Kleinigkeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Leïla Slimani &#8211; Trag das Feuer weiter</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/03/29/leila-slimani-trag-das-feuer-weiter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 06:52:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Failie. Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Marokko]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2016 erhielt sie mit einem aufsehenerregenden Roman den Prix Goncourt, seit 2020 widmet sich die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani mit großem Erfolg ihrer Familiengeschichte. In Das Land der Anderen erzählte sie von der Kriegsgeneration und&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/03/29/leila-slimani-trag-das-feuer-weiter/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>2016 erhielt sie mit einem aufsehenerregenden Roman den Prix Goncourt, seit 2020 widmet sich die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani mit großem Erfolg ihrer Familiengeschichte. In <em>Das Land der Anderen </em>erzählte sie von der Kriegsgeneration und in autofiktionaler Form von ihrer Großmutter Mathilde, die im Elsass den während des Zweiten Weltkriegs dort stationierten Amine Belhaj kennen und lieben lernt. Die junge Französin folgt – auch aus Abenteuerlust – ihrem Mann nach Marokko auf die elterliche Farm in Meknès und lebt sich, trotz Schwierigkeiten vor allem mit dem Leben als Frau in einem extrem patriarchalen System, rasch ein. Der Weg führt in die Unabhängigkeit des Landes von Frankreich 1956. Im zweiten Band <em>Schau wie wir tanzen</em> rückt dann die nächste Generation in den Fokus. Tochter Aïcha führt ein relativ freies Leben, studiert Medizin und wird eine der ersten Gynäkologinnen im Land. Mit ihrem Mann, dem aus einfachen Verhältnissen sich bis zum Bankdirektor hocharbeitenden Mehdi Daoud, führt sie ein wohlhabendes Leben in Rabat und bekommt zwei Töchter. Jetzt beendet Leïla Slimani ihre Trilogie mit <em>Trag das Feuer weiter.</em><span id="more-21729"></span></p>
<p>In häufigen Perspektivwechseln nimmt die Autorin wiederum die ganze Familie in den Blick. Wir begegnen außer Mathilde, Aïcha und Mehdi auch wieder der freiheitsliebenden Schwester Amines, Selma, dem in den USA als Fotograf tätigen Bruder Aïchas, Selim, und der traditionsverbundenen Hausangestellten Fatima. Im Mittelpunkt steht nun aber eindeutig die Enkelgeneration. Die Schwestern Mia und Inès sind im liberalen und gutsituierten Elternhaus aufgewachsen, besuchen das französische Gymnasium und haben mit dem Arabischen um sie herum wenig zu tun. Wir befinden uns mittlerweile in den 1980er Jahren und schreiten voran bis in die Gegenwart.</p>
<h3>Finde deine eigene Madeleine</h3>
<p>In der Rahmenhandlung distanziert sich Leila Slimani stärker als bisher vom Autobiografischen. Zwar ist die ältere Tochter Mia wie sie eine erfolgreiche Schriftstellerin in Frankreich, aber einzelne Eckpunkte stimmen nicht mit Slimanis Biografie überein. Das macht sie zu Beginn gleich recht drastisch deutlich, indem sie Mia bei einer lesbischen Sexszene den Verlust ihres Geruchs- und Geschmacksinns infolge einer Corona-Erkrankung feststellen lässt. Ich empfinde diese Szene als völlig überflüssig und als lediglich aufmerksamkeitserheischend. Dass Mia anders als ihre Autorin Frauen liebt und dadurch nochmal anders als ihre Geschlechtsgenossinnen unter der zunehmend rigideren Moral in ihrem Heimatland leidet, hätte man auch anders deutlich machen können.</p>
<p>Zum Glück sind diese Szenen eher selten, auch wenn Leila Slimani vor drastischen Szenen generell nicht zurückscheut. Der Ton bleibt eher kühl und distanziert. Mia, mittlerweile um die 40, leidet nach ihrer Erkrankung an sogenanntem „Brain Fog“, kann sich schlecht konzentrieren, hat Gedächtnislücken, befindet sich in einer Schreibkrise. Der behandelnde Arzt rät ihr, zu ihren Wurzeln zu reisen, um „ihre Madeleine zu finden“ – frei nach Marcel Proust. Und so rollt sich bei einer Reise nach Meknès die Kindheit von Mia und Inès in Marokko auf, wird die Distanz der französisch geprägten, liberal lebenden Eliten zur oft traditionsverhafteten, religiösen Breite der Bevölkerung deutlich. Die Mädchen studieren in Paris, Mia geht als erfolgreiche Bankerin nach London, Inès wird Medizinerin. Sie leben auf mehreren Ebenen zwischen zwei Welten. Fremdsein ist für sie Alltag, besonders auch für Mia als homosexuell lebende Frau.</p>
<h3>Repression und Islamisierung</h3>
<p>Derweil wird die konstitutionelle Monarchie unter König Hassan II. immer repressiver, das Land wird zunehmend re-islamisiert. Es kommt zu willkürlichen Verhaftungen und Menschenrechtsverletzungen. Auch Mehdi Daoud wird Opfer einer Intrige, die ihm Korruption im Amt vorwirft. Er landet im Gefängnis. Auch wenn er schließlich wieder entlassen wird, bleibt er ein gebrochener Mann und stirbt bald darauf an einem Krebsleiden.</p>
<p>In bewährt eingängiger Sprache erzählt Leïla Slimani in <em>Trag das Feuer weiter</em> das letzte Kapitel ihrer Familientrilogie. Das ist lebendig und liest sich bis auf einige unnötige Sexszenen sehr gut. Sowohl die marokkanische als auch die Weltgeschichte (9/11, Irakkrieg, Islamisierung) erhalten ihren Platz. Für mich nicht der beste Teil der Trilogie, schließt der Roman die Familiengeschichte aber gelungen ab.</p>
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<p>Beitragsbild Meknès by  Bernard Gagnon &#8211;  <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de">CC BY-SA 3.0</a>, via commons.wikimedia.org</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/le%C3%AFla-slimani-trag-das-feuer-weiter/buch/9783630876481"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21283" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/slimani-trag-das-feuer-weiter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="slimani-trag-das-feuer-weiter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21283" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-189x300.webp" alt="Leila Slimani - Trag das Feuer weiter" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/slimani-trag-das-feuer-weiter.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Leïla Slimani &#8211; Trag das Feuer weiter</strong><br />
<strong>Aus dem Französischen von Amelie Thoma </strong><br />
<strong>Luchterhand Literaturverlag Januar 2026, Hardcover, 448 Seiten, € 25,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/03/29/leila-slimani-trag-das-feuer-weiter/">Leïla Slimani &#8211; Trag das Feuer weiter</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Nadine Schneider &#8211; Das gute Leben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 07:24:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegszeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was ist ein „gutes Leben“? Für viele Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten lag es auf jeden Fall im „Westen“. So auch für die junge Anni, die im neuen Roman von Nadine Schneider im Mittelpunkt steht.&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/03/26/nadine-schneider-das-gute-leben/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/03/26/nadine-schneider-das-gute-leben/">Nadine Schneider &#8211; Das gute Leben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was ist ein „gutes Leben“? Für viele Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten lag es auf jeden Fall im „Westen“. So auch für die junge Anni, die im neuen Roman von Nadine Schneider im Mittelpunkt steht. Für sie steht fest, dass sie raus muss aus Rumänien, das ihr keine Zukunft zu bieten scheint, raus aus dem „Dreck“. Besonders jetzt, da sie schwanger ist und genau wie ihre Mutter ohne den Kindsvater zurechtkommen muss. Der „Rudi-Onkel“ in Deutschland, der das Banat schon schon vor einiger Zeit verlassen hat, hilft ihr, macht sich mit einem gefälschten Attest sterbenskrank. Und Anni beantragt eine Reiseerlaubnis, durch den „Eisernen Vorhang“ hindurch, um ihren „geliebten Onkel noch ein letztes Mal zu sehen“.<span id="more-21720"></span></p>
<p>Der Mutter verspricht sie, dass sie sie bald nachholen wird. Doch die will ihre Heimat nicht verlassen, erst ihre Urne wird den Weg nach Deutschland finden. Anni landet zunächst einmal bei ihrem Bruder in der Nähe von Nürnberg. Das Zusammenleben ist nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hat, das Nichtstun auch nicht. Deswegen ist sie überglücklich, als sie beim Versandhaus Quelle eine Anstellung erhält. „Die Quelle“ wird für sie eine Art Familienersatz, bedeutet Zugehörigkeit und ist identitätsstiftend. Ein Arbeitsverhältnis, wie man es sich heute kaum noch vorstellen kann. Besonders die erfolgreiche, mütterlich auftretende Unternehmerin Grete Schickedanz, die das Versandhaus mit ihrem Mann Gustav zusammen leitet, ist für Anni und viele ihrer Kolleginnen eine Lichtgestalt.</p>
<h3>Erst mal seh&#8217;n, was Quelle hat</h3>
<p>Quelle stand wie wenige andere Unternehmen für das Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg. Verstrickungen des NSDAP-Mitglieds Gustav Schickedanz wurden zu der Zeit gern übersehen. Der zweimal jährlich erscheinende Katalog, der nahezu alles anbot, was man sich nur vorstellen kann – ich erinnere mich, dass man sogar Haustiere bestellen konnte – war fester Bestandteil vieler Haushalte. Das Blättern darin, das auch Anni mit ihrer Enkelin Christina, der Ich-Erzählerin des Romans, gern und oft zelebrierte, war auch für mich als Kind ein Erlebnis. Und zum Geburtstag und zu Weihnachten durfte man sich etwas aussuchen. Es ist eine längst vergangene Zeit, die Nadine Schneider hier in <em>Das gute Leben </em>beschwört. Erstaunlich, dass das bisher meines Wissens nach noch kein Autor, keine Autorin zuvor in einem Roman thematisiert hat.</p>
<p>Christina ist die Tochter von Helene. Anni und Helene haben eine eher schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Die alleinerziehende Anni ist oft überfordert, nicht nur finanziell. Ihre ruppige, pragmatische Art verletzt. Auch Helene wird schwanger ohne eine feste Beziehung. Und auch sie will wie ihre Mutter fort, weit fort. Als sie Deutschland verlässt, um in den USA ein neues Leben zu beginnen, lässt sie Christina bei Anni zurück.</p>
<h3>Vier Frauengenerationen</h3>
<p>Nadine Schneider erzählt in  <em>Das gute Leben </em>von vier Frauengenerationen, die es nicht leicht miteinander und mit dem Leben haben. Die Männer glänzen durch Abwesenheit.</p>
<p>Die Autorin verwebt die Geschichten kunstvoll, wechselt die Zeitebenen und Perspektiven federleicht. In der Rahmenhandlung, die in der Gegenwart verortet ist, kehrt die erwachsene Christina nach dem Tod ihrer Großmutter in deren Haus zurück. Sie hat es geerbt, es ist nun ihr Haus. Aber was tun damit? Erinnerungen kommen hoch. Sie ist die Ich-Erzählerin, aber besonders Annis Perspektive erhält auch viel Raum. Auf die Urgroßmutter und die Mutter Helene fällt der Blick mehr von außen.</p>
<p>Die Rückkehr nach dem Tod eines Familienmitglieds ist ein häufig verwendeter Erzählanlass, der aber in <em>Das gute Leben</em> ganz großartig funktioniert. Nadine Schneiders Sprache und die Konstruktion der Geschichte sind äußerst gelungen. Unter den zahlreichen Neuerscheinungen, die auch dieses Frühjahr um Familie, Herkunft und Mutter-Tochter-Beziehungen kreisen, ist <em>Das gute Leben </em>von Nadine Schneider eine herausragend gute.</p>
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<p>Beitragsbild: by Alexander Hauk <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/legalcode">CC-0 1.0</a> via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/nadine-schneider-das-gute-leben-9783103977134"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21240" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/nadine-schneider-das-gute-leben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg" data-orig-size="500,766" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="nnadine-schneider-das-gute-leben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21240" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-196x300.jpg" alt="Nadine Schneider - DAs gute Leben" width="196" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-196x300.jpg 196w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben-261x400.jpg 261w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/nadine-schneider-das-gute-leben.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Nadine Schneider &#8211; Das gute Leben</strong><br />
<strong>S. Fscher Februar 2026, gebunden, 304 Seiten, € 25,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/03/26/nadine-schneider-das-gute-leben/">Nadine Schneider &#8211; Das gute Leben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Anja Gmeinwieser &#8211; Wir Königinnen</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/03/22/anja-gmeinwieser-wir-koeniginnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2026 09:26:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Klassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Roadtrip]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Schon vor seinem Erscheinen wurde der Debütroman der 1989 geborenen Anja Gmeinwieser Wir Königinnen mit dem Fuldaer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie nehme ihre Leserschaft mit „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/03/22/anja-gmeinwieser-wir-koeniginnen/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/03/22/anja-gmeinwieser-wir-koeniginnen/">Anja Gmeinwieser &#8211; Wir Königinnen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon vor seinem Erscheinen wurde der Debütroman der 1989 geborenen Anja Gmeinwieser <em>Wir Königinnen </em>mit dem Fuldaer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie nehme ihre Leserschaft mit „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise quer durch Europa“ heißt es in der Jurybegründung.<span id="more-21713"></span></p>
<p>Unterwegs ist zunächst einmal die Ich-Erzählerin mit einem gar nicht mal so alten, aber völlig überholten Reiseführer in den Piemonteser Alpen. Wo grandiose Landschaften mit beschaulichen Bergdörfern, geschmückt von geraniengeschmückten Balkonen angepriesen werden, wandert sie nach der letzten Busstation, an der sie der Fahrer ein wenig fassungslos hat aussteigen lassen, durch menschenleere Landschaft. Die Dörfer sind verlassen, Lost Places, nur wenig erinnert noch daran, das hier einmal Menschen gelebt haben. Statt umzukehren, wandert die Erzählerin immer weiter, fasziniert von der großartigen Landschaft und zunächst auch von der Stille und der Einsamkeit.</p>
<h3>Eine Auszeit</h3>
<p>Vier Wochen ist sie krankgeschrieben, eine Auszeit von ihrem Job als Lehrerin, ihrer Beziehung zu Swen, ihrer perfekten Schwester Sarah. Was ihr genau durch dem Kopf geht, wird nicht immer klar, aber sie steckt in einer Sinn- und Lebenskrise, fühlt sich „eingesperrt“, leer, bemerkt aber auch „Es fehlt mir an nichts.“</p>
<p>Als sie langsam doch ein ungutes Gefühl beschleicht, ihre Vorräte auszugehen drohen, hat sie eine fast surreale Begegnung. In der absoluten Einsamkeit der Berglandschaft steht plötzlich ein LKW auf einer Wiese und drumherum eine Herde grasender Kühe. Sie gehören zu Anna, die als Lkw-Fahrerin mit ihrer Fracht unterwegs von Frankreich in die Türkei ist. Ein irrsinnig erscheinendes Unternehmen &#8211; es ist Hochsommer und die Kühe allesamt trächtig. Anna bietet der Wanderin an, sie mitzunehmen. Aus der kurzen Fahrt zum nächsten Bahnhof wird ein wilder Roadtrip, denn die Erzählerin weiß nicht recht wohin mit sich. Und warum dann nicht mit Anna Richtung Türkei?</p>
<h3>Zwei unterschiedliche Frauen</h3>
<p>Es sind zwei sehr unterschiedliche Frauen, die sich auf der Reise nah, sehr nah kommen. Und das trotz der Sprachbarriere. Da hilft ein einfaches Englisch oder bei schwierigeren Zusammenhängern der Online-Übersetzer. Anja Gemeinwieser lässt sowohl das Englische als auch die oft etwas schiefen Übersetzungen stehen, was einen zusätzlichen Reiz der geschichte ausmacht. Anna fährt für einen etwas windigen Chef, der ihr schon auch mal ihren Lohn vorenthält, der aufs Tempo drückt, wenig Unterstützung anbietet. Aber was soll man machen? Anna hat zuhause bei der Mutter eine Tochter durchzubringen, sie braucht den Job. Anna ist rau, empathisch, zupackend und nachdenklich, eine sehr vielschichtige Figur. Sie steckt im ausbeuterischen System des Kapitalismus fest, während ihre privilegierte Mitfahrerin in ihrem Leben auch nicht glücklich ist.</p>
<p>Die Fahrt führt von Italien über Slowenien nach Bulgarien, wo die Frauen an der Grenze erst einmal gestoppt werden. Die Temperaturen steigen, die Tiere leiden, einige sterben – der Transport muss dennoch weiter. Für Mitleid ist wenig Platz, Tierwohl zählt hier nicht. Anna ist sich der Falschheit dieses Systems bewusst, aber &#8211; was soll man machen?</p>
<p>Anja Gmeinwieser erzählt von meist verdrängten Lebensrealitäten, ausbeuterischen, prekären Jobs, Tierqual und Verantwortung, Klassismus und Solidarität. Und das auf sehr unterhaltsame, sprachlich präzise und immer wieder mit einem ganz eigenen Humor durchzogene Art und Weise. Ein Debüt, das durch seine Sprache und die originelle Handlung sehr überzeugt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Jens Brehl – <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC BY-NC-SA 4.0</a> via über bio</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.piper.de/buecher/wir-koeniginnen-isbn-978-3-8270-1528-0"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21587" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/22/anja-gmeinwieser-wir-koeniginnen/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21587" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser-183x300.jpg" alt="Anja Gmeinwieser - Wir Königinnen" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/wir-koeniginnen-anja-gmeinwieser.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Anja Gmeinwieser &#8211; Wir Königinnen24,00 €</strong><br />
<strong>Berlin Verlag Februar 2026, 224 Seiten, Hardcover, € 24,00</strong></p>
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		<title>Liz Moore &#8211; Der andere Arthur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Mar 2026 09:11:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Amerikanische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Einsamkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die US-amerikanische Autorin Liz Moore hatte im vergangenen Jahr einen Riesenerfolg mit ihrem spannenden Roman Der Gott des Waldes, der in die Fußstapfen des 2020 erschienenen Thrillers Long Bright River trat. Nun hat sich der&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/03/18/liz-moore-der-andere-arthur/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die US-amerikanische Autorin Liz Moore hatte im vergangenen Jahr einen Riesenerfolg mit ihrem spannenden Roman <em>Der Gott des Waldes, </em>der in die Fußstapfen des 2020 erschienenen Thrillers <em>Long Bright River </em>trat. Nun hat sich der C.H. Beck Verlag entschieden, auch einen früheren, im Original bereits 2012 veröffentlichten, auf den ersten Blick ganz anderen Roman übersetzen zu lassen. Was für ein Glück! Denn <em>Der andere Arthur </em>hat keine Thrillerqualitäten, ist aber genauso großartig von Liz Moore geschrieben wie seine Nachfolger.<span id="more-21686"></span></p>
<p>Im Mittelpunkt steht zum einen Arthur Opp, ein extrem übergewichtiger Mann, der völlig zurückgezogen in einem stattlichen Brownstone-Haus in Brooklyn lebt. Bereits wenige Schritte bringen ihn an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, weswegen er das Haus seit Jahren nicht mehr verlässt und sich sämtliche benötigten Dinge durch Lieferdienste bringen lässt. Geld ist kein Thema. Das Haus hat er von seiner verstorbenen Mutter geerbt und der vermögende Vater, ein berühmter Architekt, der sich schon verkrümelt hat, als Arthur noch ein kleiner Junge war, hat für ihn einen großzügigen Fond eingerichtet. Es ist auch die Scham, die Arthur daran hindert, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.</p>
<h3>Eine zerstörte Karriere</h3>
<p>Einst war er ein erfolgreicher Literaturdozent an der Universität. Bis ihn die Schwärmerei für eine Studentin in Schwierigkeiten brachte. Zwar hatte Charlene Turner seine Kurse bereits verlassen, als die Beiden sich (in aller Unschuld) zu treffen begannen. Aber Neid und Missgunst im Kollegenkreis führten dazu, dass Arthur bei der Ethikkommission der Universität angeschwärzt wurde und seine Stelle verlor. Rückzug, Abkapselung und Einsamkeit waren die Folge. Auch die Freundschaft mit Charlene zerbrach, zumindest in der Begegnung. Charlene heiratete, blieb aber jahrzehntelang in Briefkontakt mit Arthur. Ihre Briefe waren ihm ein großer Trost. Irgendwann schlief aber auch das ein.</p>
<p>Arthur erzählt sehr ehrlich und schonungslos von sich und seinem Leben. Von der völligen Isolation und dem Chaos und Schmutz, in dem sein Haus, dessen obere Stockwerke er schon Jahre nicht mehr betreten hat, versinkt. Nun erreicht ihn überraschend ein Brief von Charlene, in dem sie von ihrem 17-jährigen Sohn Kel erzählt und in dem sie Arthur bittet, Kel bei der Bewerbung für ein College zu helfen. Arthur, der einen Besuch von Charlene sowohl herbeisehnt als auch fürchtet, engagiert eine Reinigungskraft, die das Haus wieder auf Vordermann bringen soll. Yolanda ist erst 20 und bringt frischen Wind in Arthurs Leben, bewegt ihn sogar zu einem Spaziergang. Zwischen ihnen entsteht eine zarte Freundschaft. Dann erzählt sie ihm, dass sie schwanger ist und verschwindet plötzlich.</p>
<h3>Der ehemalige Brieffreund</h3>
<p>Die Erzählperspektive wechselt und nun erzählt Arthur (Kel) Keller aus seinem Leben. Für ihn ist Arthur Opp nur ein abstrakter Name, ein ehemaliger Brieffreund seiner Mutter. Mit dieser hat Kel zunehmend Schwierigkeiten. Nachdem sein Vater Francis Keller die Familie verlassen hatte, konnte Charlene sich und ihren Sohn mit einem Sekretärinnen-Job an der High-School im wohlhabenden Pells Landing gut über Wasser halten und Kel dort einen Platz besorgen, während sie im weitaus weniger gut situierten New Yorker Vorort Yonkers leben. Aber ihr Alkoholkonsum wird immer höher und ihr Gesundheitszustand kritischer. Während Kel von einer Baseballkarriere in der Major League träumt und in die aus wohlhabender Familie stammende Lindsey Harper verliebt ist, baut Charlene immer mehr ab und hat einen tragischen Plan.</p>
<p>Die beiden Handlungsstränge um Arthur Opp und Kel laufen bis ca. 2/3 des Romans trotz kleiner Berührungspunkte eher parallel zueinander, um sich dann immer mehr anzunähern. Liz Moore erzählt empathisch und ruhig von Menschen, die auf unterschiedliche Weise sehr einsam sind &#8211; Arthur isoliert in seinem Haus, Kel inmitten von Freunden und Sportkollegen. Neben der Einsamkeit geht es auch um Klassismus, den gerade Kel als Schüler einer Upper-Class High-School, dessen Leben aber ganz anders aussieht als das seiner Mitschüler, spürt. Und Yolanda erfährt die Härten eines nicht funktionierenden Gesundheitssystems. So fließen gesellschaftskritische Themen in diese Geschichte über falsche Lebensentscheidungen, Einsamkeit, Überforderung, aber auch Solidarität, Mitmenschlichkeit und Fürsorge.</p>
<p>Es ist ein trauriges Buch, berührend und bewegend. Pathos und Kitsch haben hier keinen Platz. Und die große Kunst von Liz Moore besteht darin, dass es zwar kein wirkliches „Happy-End“ gibt, die Lektüre von <em>Der andere Arthur </em>aber bei aller Traurigkeit enorm tröstlich, ja sogar hoffnungsvoll endet. Ein wunderbares Buch, das man ein wenig glücklicher zuschlägt.</p>
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<p>Beitragsbild: Brownstone houses Borogh Park, NY by loc.gov via picryl</p>
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<p style="text-align: center;"><a href="https://www.chbeck.de/moore-arthur/product/39931271"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21224" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/liz-moore-der-andere-arthur/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur.jpg" data-orig-size="500,769" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="liz-moore-der-andere-arthur" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21224" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur-195x300.jpg" alt="Liz Moore - Der andere Arthur" width="195" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur-195x300.jpg 195w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur-260x400.jpg 260w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/liz-moore-der-andere-arthur.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p style="text-align: center;">Liz Moore &#8211; Der andere Arthur<br />
Aus dem Englischen von Cornelius Hartz<br />
C.H.Beck Januar 2026, 377 Seiten, Hardcover, € 26,00</p>
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		<title>Florian Illies &#8211; Wenn die Sonne untergeht</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 09:05:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Exil]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Februar 1933. Thomas und Katia Mann verlassen ihre Villa in der Poschinger Straße in München, um zu einer Vortragsreise Richtung Amsterdam aufzubrechen. Brüssel und Paris sind weitere Stationen, wo der Nobelpreisträger eine Rede über den&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Februar 1933. Thomas und Katia Mann verlassen ihre Villa in der Poschinger Straße in München, um zu einer Vortragsreise Richtung Amsterdam aufzubrechen. Brüssel und Paris sind weitere Stationen, wo der Nobelpreisträger eine Rede über den von ihm hoch verehrten Richard Wagner zu sprechen. Danach ist ein Erholungsaufenthalt im Schweizer Arosa geplant. Danach soll es wieder heim in die geliebte „Poschi“ gehen. Dass es 16 Jahre dauern wird, bevor sie wieder deutschen Boden betreten würden und die Villa für immer verloren sein wird, wissen die Manns da noch nicht. Der „nationalsozialistische Spuk“ war noch zu frisch. Thomas Mann sah sich als Repräsentant Deutschlands, ja 1938 äußerte er „Wo ich bin, ist Deutschland“, was größenwahnsinniger klingt, als es wohl gemeint war. Die Möglichkeit eines dauerhaften Exils war für ihn 1933 zumindest noch weit weg. Florian Illies erzählt in <em>Wenn die Sonne untergeht </em>der der von ihm bekannten unterhaltsamen und glänzend recherchierten Art von der Familie Mann auf ihrer ersten Station dorthin: Sanary-sur-mer in Südfrankreich.<span id="more-21622"></span></p>
<figure id="attachment_21699" aria-describedby="caption-attachment-21699" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21699" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/haus-der-familie-mann-in-muenchen-poschingerstrasse-1-fotopostk/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen.jpg" data-orig-size="1600,1039" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;ETH-Bibliothek&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Aussenansicht. Auf dem Balkon im 1. Stock stehen drei Personen, zwei davon Katia Mann und Elisabeth Mann.&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;ETH-Bibliothek Z\u00fcrich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf:&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Haus der Familie Mann in M\u00fcnchen (Poschingerstrasse 1, Fotopostk&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="Haus der Familie Mann in München (Poschingerstrasse 1, Fotopostk" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Die Villa der Familie Mann in der Münchner Poschinger Straße, Außenansicht. Auf dem Balkon im 1. Stock stehen drei Personen, zwei davon Katia Mann und Elisabeth Mann.&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-1024x665.jpg" class="size-medium_large wp-image-21699" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-768x499.jpg" alt="Die Villa der Familie Mann in der Münchner Poschinger Straße ca. 1920" width="760" height="494" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-768x499.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-300x195.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-1024x665.jpg 1024w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-1536x997.jpg 1536w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-940x610.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen-616x400.jpg 616w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/TMA_2663-Screen.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21699" class="wp-caption-text">Die Villa der Familie Mann in der Münchner Poschinger Straße, Außenansicht. Auf dem Balkon im 1. Stock stehen drei Personen, zwei davon Katia Mann und Elisabeth Mann. 1929</figcaption></figure>
<h3>Von der Schweiz nach Südfrankreich</h3>
<p>Es waren die älteren Kinder, Erika und Klaus, 27 bzw. 26 Jahre alt, weltgewandt, unkonventionell, politisch, die den Eltern dringend von einer Rückkehr nach Deutschland abraten. Zu schnell haben die braunen Horden die Macht in Deutschland an sich gerissen und den Staat grundlegend verändert. Katia Mann war eine geborene Pringsheim und damit Halbjüdin. Thomas Mann glaubt dennoch nicht, dass das wirklich nötig sein, fügt sich aber. Sein ungleich politischerer Bruder Heinrich hat die Zeichen der Zeit früher erkannt und verlässt Deutschland Richtung Südfrankreich.</p>
<figure id="attachment_21703" aria-describedby="caption-attachment-21703" style="width: 266px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21703" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/p1010076/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076.jpg" data-orig-size="373,560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="P1010076" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Gedenktafel Sanary-sur-mer ©Petra Reich&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076.jpg" class="wp-image-21703 size-toujours-site-logo" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076-266x400.jpg" alt="Gedenktafel Sanary-sur-mer " width="266" height="400" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076-266x400.jpg 266w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076-200x300.jpg 200w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/P1010076.jpg 373w" sizes="auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21703" class="wp-caption-text">Gedenktafel Sanary-sur-mer ©Petra Reich</figcaption></figure>
<p>Nach einigem Überlegen entschließen sich die Manns, ebenfalls aus der Schweiz nach Südfrankreich zu ziehen.</p>
<p>In Sanary-sur-mer hat sich bereits eine kleine Exilgemeinde versammelt: Lion und Marta Feuchtwanger, Berthold Brecht, Aldous Huxley, Arnold Zweig, René Schickele, Annette Kolb, Ernst Bloch, Franz Hessel und einige mehr. Viele von ihnen wohnen &#8211; zumindest vorübergehend wie die Manns im Hotel De Latour. Nicht alle können sich ein so luxuriöses Anwesen wie die Mann in „La tranquille“ leisten.</p>
<p>Thomas Mann ist dennoch oft unzufrieden. Große „Behagensminderungen“ sind keine Seltenheit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Sanary-sur-mer</h3>
<figure id="attachment_21705" aria-describedby="caption-attachment-21705" style="width: 765px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21705" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/sanary/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary.jpg" data-orig-size="765,510" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="sanary" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Sanary-sur-mer &lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary.jpg" class="size-full wp-image-21705" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary.jpg" alt="" width="765" height="510" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary.jpg 765w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary-300x200.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/sanary-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21705" class="wp-caption-text">Sanary-sur-mer ©Petra Reich</figcaption></figure>
<figure id="attachment_21702" aria-describedby="caption-attachment-21702" style="width: 765px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21702" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/hotel-latour-sanary/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary.jpg" data-orig-size="765,510" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="hotel-latour-sanary" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Hotel Latour in Sanary-sur-mer &lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary.jpg" class="size-full wp-image-21702" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary.jpg" alt="Hotel Latour in Sanary-sur-mer" width="765" height="510" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary.jpg 765w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary-300x200.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/hotel-latour-sanary-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21702" class="wp-caption-text">Hotel De Latour in Sanary-sur-mer ©Petra Reich</figcaption></figure>
<figure id="attachment_21706" aria-describedby="caption-attachment-21706" style="width: 760px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21706" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/villa-la-tranquille-sanary/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary.jpg" data-orig-size="760,507" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="villa-la-tranquille-sanary" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Die Villa La Tranquille &lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary.jpg" class="size-full wp-image-21706" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary.jpg" alt="" width="760" height="507" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary.jpg 760w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary-300x200.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/villa-la-tranquille-sanary-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21706" class="wp-caption-text">Die Villa La Tranquille ©Petra Reich</figcaption></figure>
<p>Derweil bemühen sich Erika und Golo Mann (damals 24) möglichst viel Besitztümer aus der „Poschi“ zu sichern. Gerade letzterer macht sich sehr darum verdient, Geld, Wertgegenstände und vor allem die zurückgelassenen Tagebücher seines Vaters aus Deutschland zu retten. Dank und Anerkennung seines Vaters, die er so begehrt, erhält er aber kaum. So wie seine ein Jahr jüngere Schwester Monika genießt er wenig Aufmerksamkeit seiner Eltern. „Wo ist eigentlich Moni?“ heißt es darum auch immer wieder bei Florian Illies. Die ganze Liebe des Vaters gehört seiner jüngsten Tochter Elisabeth (geboren 1918). In den wenigen Monaten in Sanary, die der Autor hier beschreibt, Februar bis September 1933, sind die so unterschiedlichen, stets miteinander hadernden und doch so verbundenen Manns, so nah wie selten. Das birgt auch Konfliktpotential.</p>
<h3>Was tun?</h3>
<p>Thomas Mann hadert. Er weiß nicht recht, wie er sich positionieren soll. Zwar verachtet er die Nationalsozialisten zutiefst, aber er kann sich nicht wirklich von Deutschland lösen. Hier leben seine Leser:innen, hier spricht man seine Sprache, hier erscheinen seine Bücher. Sein Verleger, Bermann Fischer, drängte ihn, zurückzukommen, hier seine Josephs-Romane, an denen er gerade arbeitete, zu veröffentlichen. Thomas Mann ist planlos, unentschlossen, hadernd. Eigentlich will er nur in Ruhe und möglichst komfortabel leben und schreiben. Den seinem Sohn Klaus für die von ihm herausgegebene antifaschistische Exilzeitschrift „Die Sammlung“ zugesagten Beitrag zieht er zurück. Was diesen zutiefst kränkt. Aber soll er wirklich alle Brücken abbrechen? Thomas Mann kann sich noch nicht zu einem eindeutigen Bekenntnis durchringen.</p>
<figure id="attachment_21707" aria-describedby="caption-attachment-21707" style="width: 765px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21707" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/familie-mann/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann.jpg" data-orig-size="765,495" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="familie-mann" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;1932 Am Tisch sitzend von links: Thomas Mann, Katia Mann, Monika Mann, Elisabeth Mann, an die Brüstung lehnend Hans Reisiger und Michael Mann.&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann.jpg" class="size-full wp-image-21707" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann.jpg" alt="" width="765" height="495" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann.jpg 765w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann-300x194.jpg 300w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/03/familie-mann-618x400.jpg 618w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></a><figcaption id="caption-attachment-21707" class="wp-caption-text">1932 Am Tisch sitzend von links: Thomas Mann, Katia Mann, Monika Mann, Elisabeth Mann, an die Brüstung lehnend Hans Reisiger und Michael Mann. ETH CC0</figcaption></figure>
<h3>Lebendig und dicht</h3>
<p>Lustig und teils spöttisch, lebendig und dicht reiht Florian Illies in der von ihm bekannten kaleidoskopartigen Weise Anekdoten und Szenen voller Atmosphäre aneinander. Das ist glänzend recherchiert, scheut sich aber auch nicht, Gedanken, Eindrücke, Dialoge fiktiv zu gestalten, um die Erzählung auszumalen. Das macht seine Geschichte von der Familie Mann in Sanary anschaulich und unterhaltsam. In manchen seiner vorigen Werke ist mir dieser typische Illies-Stil oft zu fahrig gewesen, mit zu viel Personal und zu vielen Sprüngen, oft auch ein wenig zu übergriffig den porträtierten Personen gegenüber.</p>
<p>Ganz gegen Ende schimmert das auch hier mal ein wenig durch, wenn er den Blick auf die anderen Mitglieder der Exilgemeinde schweifen lässt. Insgesamt aber ist dieser Text über die Manns viel konzentrierter und in meinen Augen darum besser. <em>Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanry </em>ist von daher der ideale Abschluss des vergangenen Thomas-Mann-Jubiläumsjahrs. Und macht sehr viel Lust, mal wieder in Klaus und Heinrich Manns Romane, in Golo Manns Autobiografie oder das schöne „Buch von der Riviera“ von Erika und Klaus zu schauen. Sehr zu empfehlen sind auch Volker Weidermanns <em>Mann vom Meer </em>und Kerstin Holzers <em>Thomas Mann macht Ferien. </em>Oder man schaut gleich in die Werke des „Zauberers“.</p>
<p>Beitragsbild: Thomas Mann in Sanary sur mer 1933 CC0 via ETH</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-9783103971927"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21624" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/03/08/lektuere-februar-2026/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht.jpg" data-orig-size="520,799" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21624" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-195x300.jpg" alt="Florian Illies - Wenn die Sonne untergeht" width="195" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-195x300.jpg 195w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht-260x400.jpg 260w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/02/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht.jpg 520w" sizes="auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Florian Illies &#8211; Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary</strong><br />
<strong>S. Fischer Verlag Oktober 2025, gebunden, 336 Seiten, € 26,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/03/14/florian-illies-wenn-die-sonne-untergeht/">Florian Illies &#8211; Wenn die Sonne untergeht</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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