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		<title>Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:01:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Kanadische Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftstellerin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich habe die Schriftstellerin Margaret Laurence, die am 18. Juli 2026 ihren 100. Geburtstag feiern würde, wäre sie nicht bereits 1987 verstorben, anlässlich des Ehrengastauftritts Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2020/21 kennengelernt. Ein größeres deutschsprachiges&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/06/01/margaret-laurence-gluecklichere-tage/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/06/01/margaret-laurence-gluecklichere-tage/">Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe die Schriftstellerin Margaret Laurence, die am 18. Juli 2026 ihren 100. Geburtstag feiern würde, wäre sie nicht bereits 1987 verstorben, anlässlich des Ehrengastauftritts Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2020/21 kennengelernt. Ein größeres deutschsprachiges Publikum hat sie bisher leider (noch) nicht erreicht. Was auf jeden Fall nicht am Engagement ihres Verlags liegt. Der kleine Eisele Verlag bemüht sich seit der Veröffentlichung ihres vielleicht erfolgreichsten Roman <em>Der steinerne Engel </em>2020 unverdrossen um das gesamte Romanwerk von Margaret Laurence, so ist unlängst der vierte Teil ihrer losen Manawaka-Reihe, <em>Glücklichere Tage, </em>(OT „The Diviners“ 1974) in der wie immer großartigen Übersetzung von Monika Baark, erschienen.<span id="more-22061"></span></p>
<p>Manawaka ist die fiktive Kleinstadt, die stark an Margaret Laurences Geburtsort Neepawa in der kanadischen Provinz Manitoba angelehnt ist. Sie ist nicht immer (Haupt)Schauplatz ihrer Romane, diese haben aber immer einen Bezug dazu, so dass man auch von der Manawaka-Reihe spricht. Fort von dort, weg aus der provinziellen Enge zieht es eigentlich alle ihre Protagonistinnen. So auch Morag Gunn, die sehr viele Übereinstimmungen mit ihrer Schöpferin aufweist, nicht nur den Geburtsort. So wie Laurences sterben auch Morags Eltern bereits in ihrer frühen Kindheit. Morag ist erst 5, als sie von kinderlosen Bekannten ihrer Eltern aufgenommen wird. Diese Pflegeeltern leben in sehr prekären Verhältnissen, ziehen sie aber mit viel Zuwendung groß. Pflegemutter Prin(cess) ist geistig relativ beschränkt und leidet unter ihrem stets zunehmenden Gewicht, das sie im Laufe der Jahre nahezu bewegungsunfähig machen wird. Pflegevater Christie ist der örtliche Müllsammler und steht in der örtlichen Hierarchie sehr weit unten. Die Scham über ihre „Eltern“ wird Morag ihr ganzes Kinder- und Jugendleben begleiten.</p>
<h3>Die Liebe zum Erzählen</h3>
<p>Christie ist aber auch ein großartiger Geschichtenerzähler. Er weckt in Morag die Liebe zum Erzählen. Nach ihrem Studium in Winnipeg (ebenfalls wie Laurence selbst) beginnt sie zu schreiben. Journalistisch zunächst, aber auch Kurzgeschichten, die in Zeitungen veröffentlicht werden. Noch als Studentin heiratet sie den Professor für englische Literatur Brooke, der sie zunächst in ihrem Schreiben unterstützt, sie aber immer mehr wie ein unmündiges Kind behandelt, ihr untersagt, zu arbeiten und sich ihrem Kinderwunsch widersetzt. WDie Ehe, die ihr zunächst als erfüllter Traum vom Aufstieg durch Bildung und als willkommene Flucht aus der Provinz erschienen ist – Studium in Winnipeg, Heirat mit einem Intellektuellen, Leben in der Großstadt Toronto -, erweist sich für sie zunehmend als Falle. Als sie ihren alten Jugendschwarm Skinner Tonnerre wiedertrifft, beginnt sie eine kurze Affäre mit ihm und wird schwanger. Skinner ist Métis, eine indigene Ethnie, die im damaligen Kanada als „Mischlinge“ offen diskriminiert werden. Er zieht als Countrysänger durchs Land und ist für eine feste Beziehung nicht geschaffen. Morag trennt sich dennoch von Brooke.</p>
<p>Fortan ist Morag als alleinerziehende Mutter für ihre Tochter Pique(tte) verantwortlich und übersiedelt nach Vancouver. Zu Prin und Christie hält sie nur losen Kontakt. Für einige Jahre geht sie mit iihrer Tochter nach England. Die schottischen Wurzeln ihrer und Christies Vorfahren, die Geschichte von „Piper Gunn“, dem von Christie erfundenen legendären Dudelsackspieler, haben daran sicher ihren Anteil. Dauerhaft hält es sie aber nicht dort. Im fiktiven Örtchen McConnell’s Landing in East Ontario findet sie schließlich in einem alten Farmhaus ein Zuhause, wo sie sich (wie Margaret Laurence) ganz aufs Schreiben konzentriert.</p>
<h3>Momentaufnahmen und Gedächtnisfilme</h3>
<p>Hier treffen wir auch Morag Gunn in der Rahmenhandlung, die Margaret Laurence ihrem Roman <em>Glücklichere Tage </em>gibt. Pique ist nun 19 und sucht nach ihren Wurzeln, dem Vater, Manawaka. Obwohl in ihrer Jugend ähnlich rastlos, hat Morag mit dem Verschwinden Piquettes sehr zu kämpfen. Am Schreibttisch sitzend, ringt sie damit sowie um Worte für ihren neuen Roman. Ihre Kindheit und Jugend erscheinen ihr dabei wie Fotografien („Momentaufnahmen“) oder in längeren Abschnitten wie „Gedächtnisfilme“. Wir erfahren dabei viel von ihrem Autor:innenalltag, der durch alleinerziehende Mutterschaft nicht gerade erleichtert wird. Und der sich vom heutigen wohl nicht grundlegend unterscheidet. Was die Autor Helene Bukowski, die ein Nachwort verfasst hat, unterstreicht.</p>
<p><em>Glücklichere Tage </em>ist der Roman einer Emanzipation, einer Autorinnenwerdung und ein Buch über weibliches Begehren. Sexszenen gehören nicht gerade zu meinen beliebtesten, aber selbst die kann Margaret Laurence. Sie kombiniert viele Dialoge, innere Monologe, Bewusstseinsströme, switcht unbekümmert von der Ich- in die auktoriale Perspektive, lässt Präsens in Imperfekt übergehen und springt in Ort und Zeit. Das dabei eine wunderbare, sehr ambivalente Charakterzeichnung einer nicht immer einfachen Frau (aber das hat die Laurence-Leserin nun auch nicht erwartet) herauskommt, bei der der Blick auf die Protagonistin (und letztlich auf sich selbst) so schonungslos wie liebevoll ist, ist höchst bewundernswert. Und hat Margaret Laurence dafür den höchsten Kanadischen Literaturpreis, den Governor General´s Award, eingebracht. Es wird wirklich Zeit, dass auch das deutsche Lesepublikum diese großartige Autorin, zu deren Bewunder:innen nicht zuletzt Margaret Atwood gehört, entdeckt. Ihr könnt es jetzt mit <em>Glücklichere Tage.</em> Oder mit <em><a href="https://literaturreich.de/2021/10/15/margaret-laurence-der-steinerne-engel/">Der steinerne Engel,</a> <a href="https://literaturreich.de/2022/05/27/margaret-laurence-eine-laune-gottes/">Eine Laune Gottes</a> oder <a href="https://literaturreich.de/2023/11/15/margaret-laurence-das-glutnest/">Das Glutnest</a>. </em></p>
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<p>Beitragsbild by Marco Verch (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/"><strong>CC-BY 2.0</strong></a>) via CC0</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/gluecklichere-tage/hardcover/9783961612796"><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="21228" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/margaret-laurence-gluecklichere-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="margaret-laurence-gluecklichere-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21228" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg" alt="Margaret Laurence - Glücklichere Tage" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg 500w" sizes="(max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</strong><br />
<strong>Aus dem Englischen von Monika Baark</strong><br />
<strong>Eisele Verlag Februar 2026, Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 28,00 €</strong></p>
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		<title>Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:59:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Ukrainekrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 sind über 1,2 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu suchen. Wir sehen sie beinahe täglich, aber wie leben sie hier,&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/">Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 sind über 1,2 Millionen Menschen nach Deutschland gekommen, um hier Schutz zu suchen. Wir sehen sie beinahe täglich, aber wie leben sie hier, welche Schicksale tragen sie, welche Ängste, Hoffnungen, Träume begleiten sie? Und wie geht es den Zurückgebliebenen? Auch wenn beinahe jeden Tag Nachrichten über den Krieg bei uns eintreffen, kann ich mir diese Fragen nicht über die üblichen Klischees hinaus beantworten. Iryna Fingerova, in Dresden lebende Ärztin und Schriftstellerin hat mit <em>Zugwind </em>ein außergewöhnlich gelungenes Buch darüber geschrieben.<span id="more-22059"></span></p>
<p>Die 1993 in Odesa geborene Iryna Fingerova lebt bereits seit 2019 in Deutschland. Seit Beginn des Krieges hat sie viele neue ukrainische Patienten, auch ihre Eltern leben hier. Ihre Großmutter und der Bruder blieben wie viele Freund:innen in der Ukraine – sie kennt also alle Varianten: Migrant:innen, vor dem Krieg Geflüchtete und in der Heimat geblieben Menschen. Und sie schafft mit ihrer Ich-Erzählerin Mira Zehmann eine Protagonistin, die ihr nicht ganz unähnlich ist. Mira ist Hausärztin in der Stadt N., die für viele deutsche Städte stehen könnte. Sie lebt mit ihrem Mann Andrij und der Tochter Rosa, auch die Eltern sind in Deutschland. Sie ist Jüdin und neben ihrer Arbeit noch Aktivistin, die für die Ukraine Spenden sammelt, sich engagiert. Die Hausarztpraxis in der sie arbeitet, wird seit dem Februar 2022 von unzähligen Landsleuten aufgesucht. Hinzu kommt noch die Carearbeit für Rosa, die eine Kita besucht. Es scheint fast ein wenig, dass Mira sich in Arbeit flüchtet, um sich von Trauer und Wut über die Entwicklungen in der Ukraine abzulenken. Wenigstens ein wenig.</p>
<h3>Der Krieg ist omnipräsent</h3>
<p>Denn natürlich ist der Krieg für sie ständig präsent. In den Nachrichten, auf dem Smartphone und natürlich in den Geschichten ihrer Patient:innen. So unterschiedlich diese sind, so vielfältig sind die Geschichten und Schicksale, die sie mit Mira und diese mit uns teilt. Dementsprechend viele Themen werden angeschnitten. Es geht um Leid und Elend, um im Krieg getötete Angehörige, um Angst und Hoffnungslosigkeit, um Kriegstraumata. Viele Krankheitssymptome, die Iryna Fingerova, die auch Ärztin ist, sehr genau medizinisch teilt, sind direkte oder indirekte Folgen von Kriegssschicksalen. Und es sind einige sehr erschütternde darunter. Aber es gibt auch Patient:innen, die schlichtweg nerven, die sich eine Krankschreibung erschleichen wollen, dreiste Forderungen stellen. Der Text ist dort erstaunlich ambivalent.</p>
<p>Die Flut der vor ihr ausgebreiteten Lebensgeschichten, der anhaltende Krieg, eine immer wieder auch kriselnde Ehe und ihr Jüdischsein, das seit dem 7. Oktober 2023 wieder an Bedeutung bekommen hat, vor allem durch den aufflammenden Antisemitismus – das alles kostet Kraft, macht müde. Mira sucht die Youbank auf – es wird ein wenig surreal und magisch -, die Kraft auf Kredit vergibt. Ein Angebot, das Mira annimmt. Dessen Schattenseite sie aber später zu spüren bekommt. Dass <em>Zugwind </em>auch magisches Potential besitzt,  zeigt sich beispielsweise auch bei den beiden Kolleginnen von Mira in der Hausarztpraxis. Die pragmatische, den Menschen zugewandte, anpackende Frau Erde, und die unerschrockene, neugierige, starke Frau Meer, die die ewigen Elemente als Gegensätze symbolisieren.</p>
<h3>Der Zugwind</h3>
<p>Ein Zugwind ist nicht nur titelgebend, sondern durchweht das ganze Buch. Mira stellt sich zu Beginn so vor:</p>
<blockquote><p>„Ich heiße Mira Zehmann</p>
<p>Am 24. Februar 2022, im Alter von 28 Jahren, bin ich endgültig erwachsen geworden.</p>
<p>Wie mir das klar wurde?</p>
<p>Ein Zugwind hat sich in mir eingenistet.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dieser Zugwind, eine Ruhe- und Rastlosigkeit, eine Überforderung und gleichzeitig Leere, die etwas von einer Depression hat, bestimmt seit Kriegsbeginn das Leben von Mira. Sie muss funktionieren, für ihre Patienten, für Rosa, fühlt sich aber wie viele Menschen plötzlich extrem verletzlich, macht- und hilflos. Der Zugwind durchweht ihr Leben, hat beispielsweise auch ihr Schreiben, ihre Gedichte, die sie vor 2022 regelmäßig verfasst hat, hinweggeweht.</p>
<h3>Leichtigkeit</h3>
<p>Das klingt jetzt alles sehr bedrückend, ernst und traurig. Und ja, die Geschichten, von denen der Roman voll ist, sind das überwiegend auch. Iryna Fingerova erzählt aber mit sehr viel Humor, Selbstironie und hin und wieder etwas Sarkasmus, so dass sich <em>Zugwind </em>sehr leicht, fast heiter liest. Und auch Mira hungert nach Leichtigkeit, nach Freude. Ihre Sprache ist sehr cool, besonders wenn sie von ihrem Ärztinnenalltag erzählt. Auch eine Art Überlebensstrategie. Und eines Tages entscheidet sie sich spontan, nach Odesa zu reisen. Sie hält die Distanz zu ihrer Heimatstadt plötzlich nicht mehr aus. Dort erlebt sie, wie die Menschen mit dem Krieg zu leben gelernt haben, dass Leben auch in Zeiten des Krieges möglich sein muss. „Lebensfreude als staatbürgerliche Pflicht“ nennt sie das. Eine Art Widerstand. Die Menschen gehen auch heute feiern, tanzen, schwimmen, sich die Nägel machen lassen. Und versuchen, dadurch ein wenig Kontrolle über ihr Leben zu behalten.</p>
<h3>Selbstfürsorge als Akt des Widerstands</h3>
<p>Bei ihrer Rückkehr hat sich auch für Mira einiges geändert. Selbstfürsorge ist ein Akt des Widerstands. Und Selbstvorwürfe helfen niemandem. <em>Zugwind </em>ist deshalb auch ein hoffnungsvolles, ein ermutigendes Buch. Sogar Miras Gedichte kommen langsam wieder (und ein paar davon sind im Roman abgedruckt).</p>
<blockquote><p>„Von Ferne den Krieg zu sehen, ist zum Fürchten, in seiner Nähe ist man daheim.“</p></blockquote>
<p>Ob das tatsächlich so ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Kann es mir sogar kaum vorstellen. Aber das natürlich geht auch in Kriegsgebieten das Leben geht weiter. Und viele von Miras Patienten kehren nach einiger Zeit in die Ukraine zurück. Sie halten das Leben zwischen zwei Welten nicht mehr aus, wollen zurück zu ihren dort gebliebenen Angehörigen, ihren Häusern.</p>
<p>Iryna Fingerova ist ein ganz großartiges Buch gelungen, das die Situation der ukrainischen Menschen sehr empathisch thematisiert. Und das in einer ganz besonderen, sowohl poetischen, als auch etwas rauen und klaren Sprache verfasst ist. Für mich eine wirkliche Entdeckung dieses Frühjahrs.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: by Ilona Kuckuck (<span id="yui_3_18_1_1_1779911879855_2944" class="license-type"><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/">CC BY-NC-SA 2.0</a>) via Flickr</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.rowohlt.de/buch/iryna-fingerova-zugwind-9783498008000"><img decoding="async" data-attachment-id="22080" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/28/iryna-fingerova-zugwind/iryna-fingerova-zugwind/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;&quot;}" data-image-title="iryna-fingerova-zugwind" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22080" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg" alt="Iryna Fingerova - Zugwind" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/iryna-fingerova-zugwind.jpg 300w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Iryna Fingerova &#8211; Zugwind</strong><br />
<strong>Übersetzt von: Jakob Walosczyk</strong><br />
<strong>Rowohlt Hundert Augen Februar 2026, gebunden, 304 Seiten, € 24,00</strong></p>
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		<title>Daniel Mellem &#8211; Einstein im Bade</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 08:53:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Historischer Roman]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein klein wenig führt uns Daniel Mellem mit dem Titel seines neuen Romans Einstein im Bade in die Irre. Weder erleben wir den großen Physiker bei der intimen Körperpflege (lediglich seinen Kollegen Max Planck überraschen&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/">Daniel Mellem &#8211; Einstein im Bade</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein klein wenig führt uns Daniel Mellem mit dem Titel seines neuen Romans <em>Einstein im Bade </em>in die Irre. Weder erleben wir den großen Physiker bei der intimen Körperpflege (lediglich seinen Kollegen Max Planck überraschen wir einmal nackt wie der Herr ihn schuf), noch begleiten wir ihn auf einen gesundheitsfördernden Kuraufenthalt, auch wenn das Buch 1920 im prominenten Kurort Bad Nauheim spielt. Doch die über 2500 Besucher, die sich vom 19. bis 25. September dort versammelten, kamen nicht wegen der Heilquellen in den Ort im hessischen Taunus, sondern waren Teilnehmer der 86. Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. Am 23. September 1920 kam es dort im Badehaus 8 zu einer denkwürdigen, kontroversen Diskussion über Albert Einsteins Relativitätstheorie, die als „Bad Nauheimer Debatte“ bekannt wurde.<span id="more-21956"></span></p>
<p>Einsteins Kollege Philipp Lenard griff die Relativitätstheorie scharf an, was wohl auch oder vor allem antisemitische Gründe gehabt haben mag. Zusammen mit Johannes Stark und anderen war Lenard Vertreter der „Deutsche Physik“. Nach deren Auffassung war Naturerkenntnis rassisch bedingt und die arische Rasse dafür besonders geeignet. Anschaulichkeit der Modelle und das Experiment sollten gegenüber theoretischen Überlegungen, wie etwa die Albert Einsteins, den Vorrang haben.</p>
<h3>Zum rastenden Kranich</h3>
<p>Daniel Mellem, selbst promovierter Physiker, wählt nach seinem Debüt <em>Die Erfindung des Countdowns </em>(Raketenforschung), erneut ein naturwissenschaftliches Thema für seinen Roman <em>Einstein im Bade. </em>Die Physik spielt aber lediglich eine Nebenrolle in dem höchst amüsanten, sehr unterhaltsamen Treiben. Hauptprotagonist ist Direktor Kleeberger, dessen Hotel „Zum rastenden Kranich“ zwar ein Haus mit langer Tradition ist, aber schon länger unter Gästeschwund leidet. Der konservative Kleeberger hält nicht viel von modischer „Werbung“ und auch Errungenschaften wie Lift oder Telefon haben noch nicht Einzug in den Kranich gehalten. Neuerdings wird auch über das Essen gemäkelt und die anderen Hotels in Bad Nauheim ziehen immer mehr Gäste ab.</p>
<figure id="attachment_22043" aria-describedby="caption-attachment-22043" style="width: 500px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg"><img decoding="async" data-attachment-id="22043" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/pxl_20260519_1117451972/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" data-orig-size="500,281" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="PXL_20260519_111745197~2" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Soll Vorbild für den Rastenden Kranich gewesen sein: Das ehemalige Hotel Bristol, heute Wohnungen&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" class="size-full wp-image-22043" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg" alt="" width="500" height="281" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972.jpg 500w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260519_1117451972-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22043" class="wp-caption-text">Soll Vorbild für den Rastenden Kranich gewesen sein: Das ehemalige Hotel Bristol, heute Wohnungen</figcaption></figure>
<p>Umso schöner, dass nun nicht nur alle Zimmer ausgebucht sind, sondern sogar der Physik-Nobelpreisträger von 1905, Professor Philipp Lenard, im rastenden Kranich absteigen wird. Leider hat sich bei der Zimmervergabe ein Fehler eingeschlichen: statt des gebuchten Zimmers zum Innenhof steht nur noch eines zur belebten Ludwigstraße zur Verfügung. Ein Umstand, den der berühmte Professor nicht zu akzeptieren bereits ist. Abhilfe muss geschaffen werden und das geht nur mit Unterstützung der langjährigen Gästin Madame Hunderbrock, die dafür ihr ruhiges Zimmer zumindest vorübergehend tauschen müsste. Als wäre das nicht schwierig genug, wird kurzfristig ein weiterer Gast eingebucht: Albert Einstein, damals noch ohne Nobelpreis, aber Verfasser der die Physik aufmischenden Relativitätstheorie. Und erklärter Lieblingsfeind des verärgerten Gasts Lenard.</p>
<h3>Chaos im Hotel</h3>
<p>Direktor Kleeberger gerät ins Rotieren, zumal noch seine geschätzte Hausdame Fräulein Meisinger die Kündigung einreicht. Kaum dass sich die Zimmerfrage für Professor Lenard geregelt hat, steht die Schlichtung des Streits zwischen den beiden herausragenden Physikern auf der Agenda. Nicht auszudenken, wenn es zwischen den beiden Koryphäen gerade im kriselnden Rastenden Kranich zum Eklat kommen würde. Nicht auszudenken! Zusammen mit seinem langjährigem Portier Wegenthaler, mit dem ihn streng unterdrückte zärtliche Gefühle verbinden, laviert, organisiert und beschwichtigt Kleeberger so intensiv, dass er den Klagen langjähriger Gäste über einen üblen Gestank im Zimmer gar nicht richtig Beachtung schenkt. Ein fataler Fehler.</p>
<figure id="attachment_22056" aria-describedby="caption-attachment-22056" style="width: 169px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22056" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/pxl_20260507_180723227/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg" data-orig-size="1440,2560" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Pixel 7 Pro&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1778184443&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;19&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;748&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.030016&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}" data-image-title="PXL_20260507_180723227" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-576x1024.jpg" class="wp-image-22056 size-medium" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-169x300.jpg" alt="Daniel Mellem - Bad Nauheim" width="169" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-169x300.jpg 169w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-576x1024.jpg 576w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-768x1365.jpg 768w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-864x1536.jpg 864w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-1152x2048.jpg 1152w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-940x1671.jpg 940w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-225x400.jpg 225w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/PXL_20260507_180723227-scaled.jpg 1440w" sizes="auto, (max-width: 169px) 100vw, 169px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22056" class="wp-caption-text">Daniel Mellem bei einer Lesung in Bad Nauheim Mai 2026</figcaption></figure>
<p>Daniel Mellem nimmt uns nur wenige Tage mit nach Bad Nauheim ins Hotel seines tragisch-komischen Helden Kleeberger. Dieser steckt mit seinen 68 Jahren im Alten fest, sieht seine Felle bereits davon schwimmen, kann sich aus seinem Konservatismus aber nicht befreien. „Ruhe“ ist das, was er am heftigsten begehrt. Und Chaos ist das, was ihm ins Haus steht.  Kleeberger ist Traditionalist, ein Bewahrer in einer Zeit des Umbruchs, bestens versinnbildlicht durch Einsteins Relativitätstheorie; ein Scheiternder, aber ein in Würde Scheiternder. Und am Ende zeigt gerade er überraschend viel Rückgrat. Und wer weiß, vielleicht ist sein Scheitern letztendlich dann doch gar keines.</p>
<h3>Amüsant und kurzweilig</h3>
<p>Die Vorgänge im Hotel sind äußerst kurzweilig und amüsant in einem etwas antiquiert wirkenden, aber hervorragend zu Zeit und Protagonist passenden Plauderton gehalten. Der Physiker Mellem bringt den Lesenden sogar ein wenig Relativitätstheorie nahe, vor allem aber thematisiert er ganz nebenbei den damals bereits heftig kursierenden Antisemitismus, den antisemitisch gefärbten wissenschaftlichen Diskurs, der von Seiten der die „deutsche Physik“ propagierenden Wissenschaftler als „Judenbetrug“ diffamiert wurde und auch die Naturwissenschaft politisch instrumentalisierte. Alles Vorboten einer kommenden, schrecklichen Zeit.</p>
<p>Daniel Mellem hat mit <em>Einstein im Bade</em> einen witzigen, leichten historischen Roman geschrieben, der überraschend viel Bezug auch zum Heute aufweist und ein großes Lesevergnügen ist.</p>
<p>Schauplatz des Romans ist der Kurort Bad Nauheim zwischen Taunus und Wetterau. Nach Erzählungen habe ich bereits im Kinderwagen den dortigen Kurpark etliche Male umrundet. Daniel Mellem bot mir nun mit seinem Roman die Gelegenheit, das Kurbad mal wieder aufzusuchen. In der dortigen Buchhandlung am Park las der Autor aus seinem Roman<em>.</em></p>
<p>Und hier ein paar Eindrücke aus der historischen Kuranlage:</p>
<a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/#gallery-21956-1-slideshow">Klicke, um die Diashow aufzurufen.</a>
<p>Der Aufschwung kam für Bad Nauheim und seine kohlensäurehaltigen Solequellen wie für viele andere Kurorte im 19. Jahrhundert, 1869 wurde ihm das „Bad“ verliehen. Bereits zwischen 1857 und 1862 wurde der historische Kurpark, entworfen von Heinrich Siesmayer, angelegt. Zwischen 1905 und 1911 entstand Europas größte geschlossene Jugendstil-Badeanlage, der Sprudelhof. Hier, im mittlerweile leider nicht mehr existierenden Badehaus 8, tagte die Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte 1920, was Daniel Mellem den Stoff für <em>Einstein im Bade </em>lieferte. Im Badehaus 3 ist nun das Jugendstilforum beheimatet, das einen schönen Einblick in die Kunstströmung und ihre Zeit bietet. Auf jeden Fall einen Besuch wert.</p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.keinundaber.ch/buecher/einstein-im-bade"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21280" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/daniel-mellem-einstein-im-bade/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" data-orig-size="484,768" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="daniel-mellem-einstein-im-bade" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21280" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp" alt="Daniel Mellem - Einstein im Bade" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp 484w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.keinundaber.ch/buecher/einstein-im-bade">Daniel Mellem &#8211; Einstein im Bade</a></strong><br />
<strong>Kein &amp; Aber Februar 2026, gebunden, 272 Seiten, € 26,00</strong></p>
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		<title>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 May 2026 08:14:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein weiterer der in diesem Jahr so präsenten Frauen-Generationen-Romane liegt mit Die Riesinnen von Hannah Häffner vor. Und wieder ist bei allen Gemeinsamkeiten ein anderer, neuer Blickwinkel und ein anderer, spezieller Ton zu entdecken. Ein&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/18/hannah-haeffner-die-riesinnen/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein weiterer der in diesem Jahr so präsenten Frauen-Generationen-Romane liegt mit <em>Die Riesinnen </em>von Hannah Häffner vor. Und wieder ist bei allen Gemeinsamkeiten ein anderer, neuer Blickwinkel und ein anderer, spezieller Ton zu entdecken. Ein Ton, der sowohl die Literaturkritik als auch die Leser:innen und Buchhändler:innen sehr begeistert. Verortet – und der Ort, der Begriff Heimat ist hier von zentraler Bedeutung, fast schon ein weiterer Protagonist – sind <em>Die Riesinnen </em>im kleinen, fiktiven Dorf Wittenmoos im Schwarzwald. Der Schwarzwald wird in der Literatur oft als dunkle, raue, auch ein wenig unheimliche Landschaft dargestellt. Und ein wenig davon ist auch in der Atmosphäre der Riesinnen zu spüren. Düster oder wuchtig ist der literarische Debütroman von Hannah Häffner (zuvor hat sie bereits Kriminalromane verfasst) aber gar nicht, auch wenn gleich in der Eingangsszene ein gewaltiges Gewitter niedergeht.<span id="more-22025"></span></p>
<h3>Großmutter, Mutter und Enkelin</h3>
<p>Erzählt wird von Großmutter, Mutter und Enkelin und es beginnt ganz chronologisch in den frühen 1960er Jahren mit der jungen Liese Riessberger. Sie ist die erste „Riesin“ – hochgewachsen, hager, mit flammendroten Locken sticht sie rein optisch aus dem Gros der Frauen heraus. Das Schwarzwalddorf kennt wenig Toleranz. Starre Regeln, soziale Kontrolle und üble Nachrede beherrschen das gesellschaftliche Miteinander. Daraus auszubrechen ist, zumindest für eine Frau, kaum möglich. Liese kommt das allerdings auch gar nicht in den Sinn. Sie leidet zwar in ihrer lieblosen Ehe mit dem Metzgersohn Bernhard, ist geradezu erschrocken, als sie merkt, dass sie von ihm schwanger ist &#8211; ein alternatives Leben, etwa mit dem stillen, nachdenklichen Franz, liegt aber außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Lediglich ihre Kindheitsfreundin Mina bringt ein wenig Licht in ihren Alltag.</p>
<p>Die Tochter Cora wird zu Lieses Lebensinhalt. Mit Entsetzen reagiert sie darauf, dass das Kind ihren Mann nur stört, dass er sogar vor körperlicher Züchtigung nicht zurückschreckt. Liese versucht Cora so gut wie möglich zu schützen und ist nahezu erleichtert, als ihr Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Durch einen Deal, dessen Hintergründe erst am Ende des Romans enthüllt werden, sichert Liese ihrer Tochter gegen ihre feindseligen Schwiegereltern das Erbe für ihre Tochter. Liese ist keine Rebellin, aber sie kämpft wie eine Löwin für Cora, übernimmt unter den skeptischen Blicken der Dorfgemeinschaft die Metzgerei.</p>
<h3>Die zweite und dritte Generation</h3>
<p>Rebellisch wiederum ist Cora, die zweite „Riesin“, wie ihre Mutter groß, mager, rotblond. Sie fordert ihre Freiheiten, bricht so bald wie möglich aus, verlässt den Schwarzwald mit Rucksack und dem Vorsatz, nicht so bald zurückzukommen. Es zieht sie nach Paris, Amsterdam, London und Italien. Freiheit, Party, zahlreiche Affären bestimmen ihr Leben. Die mit Giosué im italienischen Pesaro führt zu einer Schwangerschaft, die sie nach Wittenmoos zurückkommen lässt.</p>
<p>Zusammen mit Liese baut sie die Metzgerei zu einem Restaurant aus. Cora wird – wider- aber freiwillig – sesshaft. An einen Mann binden will sie sich aber nicht mehr. Wie ihre Mutter Liese so schön sagt: „Warum soll ich einen Mann wollen, wenn ich auch meine Ruhe haben kann.“</p>
<p>Coras Tochter Eva ist die dritte „Riesin“. Sie hat auf den ersten Blick alle Freiheiten, ist aber, wie viele ihrer Altersgenoss:innen klagen, von der Vielzahl der Wahlmöglichkeiten eher überfordert. Sie zieht es wieder zurück nach Wittenmoos, für sie ist „Heimat“ ein Wert.</p>
<p>Geschrieben hat Hannah Häffner <em>Die Riesinnen</em> in einer sehr lakonischen Sprache, die viele Leser:innen begeistert. Ich muss zugeben, dass dieser „Zauber“ bei mir nicht wirklich ankam. Ich fand die Sprache oft eher sehr spröde als poetisch. Aufgebaut ist der Roman chronologisch, erzählt wird multiperspektivisch, wobei mit fortschreitender Zeit der Fokus von Liese über Cora zu Eva wandert.</p>
<p><em>Die Riesinnen </em>steht seit Wochen ganz weit oben auf der Spiegelbestsellerliste. Auch wenn ich die große Begeisterung nicht ganz teile, ist das Buch lesenswert. Warum es bei mir nicht so richtig „gefunkt“ hat, ist schwer zu sagen. Vielleicht habe ich in den vergangenen Monaten einfach zu viele Frauen-Generationenromane gelesen. Und ein paar davon waren meiner Meinung nach einfach stärker.</p>
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<p>Beitragsbild: Schwarzwald by vince42 (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/deed.de">CC BY-ND 2.0</a>) via flickr</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/hannah-haeffner-die-riesinnen/buch/9783328604334"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21291" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/haeffner-hdie-riesinnen/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="haeffner-hdie-riesinnen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21291" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp" alt="Hannah Häffner - Die Riesinnen" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/haeffner-hdie-riesinnen.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Hannah Häffner &#8211; Die Riesinnen</strong><br />
<strong>Penguin Februar 2026, Hardcover, mit Schutzumschlag, 416 Seiten, € 24,00</strong></p>
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		<title>Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 20:02:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Elli Unruh wurde mit ihrem Debütroman Fische im Trüben für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Er reiht sich ein in eine in diesem Jahr besonders präsente Reihe von Familienromanen mit osteuropäischem Bezug, wie&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Elli Unruh wurde mit ihrem Debütroman <em>Fische im Trüben </em>für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Er reiht sich ein in eine in diesem Jahr besonders präsente Reihe von Familienromanen mit osteuropäischem Bezug, wie beispielsweise die von Katherina Braschel, Nadine Schneider, Betty Boras oder Oliwia Hälterlein, hat aber gleichzeitig einen ganz besonderen, bisher eher unbekannten Fokus auf eine russlanddeutsche Familie im südöstlichen Kasachstan, die der aus der Täuferbewegung der Reformationszeit entstandenen Religionsgemeinschaft der Mennoniten angehört. Wie so oft geht auch hier die Geschichte der Ansiedlung auf Katharina die Große zurück. Diese warb ab 1763 gezielt deutsche Siedler an, um die riesigen Weiten ihres Reichs urbar zu machen. Die Bauern und Handwerker wurden vor allem im Schwarzmeergebiet und an der Wolga heimisch. Und dort liegen auch die Wurzeln der Familie Fest.<span id="more-21969"></span></p>
<p>Aus Mineralnyje Wody mussten sie aber nach dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschlands auf die Sowjetunion im Jahr 1941 fort. Sie wurden wie unzählige andere Russlanddeutsche nach Kasachstan deportiert. Andere verschlug es nach Sibirien oder Zentralasien. Viele mussten auch in der sogenannten Trudarmee (Arbeitsarmee) Zwangsarbeit leisten. Schätzungsweise 150.000 Menschen kamen während der Deportationen und danach ums Leben. Familie Fest findet eine neue Heimat in Mihailowka nahe Alma Ata. Auf einer Karte in hinteren Einband des besonders schön gestalteten Buchs kann man die Stationen nachvollziehen. So auch das im Norden Kasachstans gelegenen Schtschutschinsk, in das Frau und Kinder von Heinrich Fest umgesiedelt wurden, ca. 1500 km entfernt von Mihailowka.</p>
<h3>Jahre des Hungers und der Vertreibung</h3>
<p>Großonkel Heinrich ist einer der Hauptprotagonisten des Familienromans. Er hat es trotz der Benachteiligung und Diskriminierung, die die „Deutschen“ in der Sowjetunion erfahren haben &#8211; gerne pauschal als „Faschisten“ beschimpft – geschafft, den Posten des Wasserzuteilers zu erhalten, also desjenigen, der den Bauern ihre Wasserration zukommen lässt. Eine verantwortungsvolle Position. Mit ihm und seiner Generation geht Elli Unruh in <em>Fische im Trüben </em>bis in die 1930er Jahre zurück, die auch die Jahre des Hungers, der Verfolgung und Vertreibung sind.</p>
<p>Weitere Hauptprotagonist:inen sind Tante Hedi und der Junge Krocha, denen wir durch die 1970er Jahre folgen bis zum Jahr 1987, als die Familie ihre Ausreise nach Deutschland bewilligt bekommt. Andere Familienmitglieder sind bereits in Moldawien heimisch geworden, das schon ein wenig freiheitlicher, „europäischer“ ist.</p>
<h3>Die Mennoniten</h3>
<p>Neben ihren Prinzipien des Pazifismus und der Ablehnung der Kindertaufe haben die Mennoniten auch eine ganz besondere Sprache, das „Plautdietsch“, mit nach Russland genommen und über viele Generationen zumindest zum Teil bewahrt. Elli Unruh, deren familiäre Wurzeln ähnlich sind, baut dieses spezielle Idiom an vielen Stellen des Romans ein. Ein Glossar am Ende erklärt einiges und zeigt auch die kyrillische Transkription. Das und die poetische, dennoch klare Sprache trägt viel zum Atmosphärischen des Textes bei. Besonders auch die Naturbeschreibungen der Steppe rund um das Tian-Shan-Gebirges an der Grenze zu Kirgisien sind äußerst eindrücklich. Die Beschreibungen der Apfelwiesen lassen den Duft des dort bevorzugt angepflanzten Aport-Apfels sinnlich greifbar werden, man spürt die Kälte der Winter, die Trockenheit der Sommer.</p>
<p>In episodischen, kurzen Kapiteln werden die Geschichte, der Alltag, die Traditionen und Riten der fast abgeschlossenen Mennonitengemeinde erzählt. Das liest sich kurzweilig und interessant, ein wenig fällt aber die Familiengeschichte durch diese Erzählweise auseinander. Zu den einzelnen Figuren lässt sich so eher wenig Verbindung aufbauen. <em>Fische im Trüben </em>ist dennoch ein sehr lesenswertes Debüt.</p>
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<p>Beitragsbild: Tian-Shan-Gebirge by Bgag, CC0, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://transit-verlag.de/produkt/fische-im-trueben"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21970" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/elli-unruh-fische-im-trueben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" data-orig-size="300,453" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="elli-unruh-fische-im-trueben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21970" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg" alt="Elli Unruh - Fische im Trüben" width="199" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg 199w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-265x400.jpg 265w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</strong><br />
<strong>Transit 2025, 200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 24,00 €</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/">Elli Unruh &#8211; Fische im Trüben</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Judith Holofernes &#8211; Hummelhirn</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:13:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autobiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of age]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein „Hummelhirn“ ist für Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der Rockband „Wir sind Helden“ und nach Die Träume anderer Leute Autorin des gleichnamigen autobiografischen Buchs, das, was Kleine und Große mit beispielsweise der Diagnose AD(H)S (Judith&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein „Hummelhirn“ ist für Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der Rockband „Wir sind Helden“ und nach <em>Die Träume anderer Leute</em> Autorin des gleichnamigen autobiografischen Buchs, das, was Kleine und Große mit beispielsweise der Diagnose AD(H)S (Judith erhielt ihr Diagnose erst mit 45) mit sich herumtragen. Dabei will Judith Holofernes ihre Erfahrungen aber nicht allein auf eine Erkrankung festlegen, sondern sie für alle, wie sie es nennt, „komischen Kinder“ ausweiten. Also solche, die nicht so einfach in ein Raster passen, die vielleicht „anders“ sind, und damit in der Gesellschaft und besonders der Schule immer wieder anecken. So wie die Autorin das selbst als Kind erlebt hat.<span id="more-21973"></span></p>
<p>Judith Holofernes wird 1976 in Berlin-Kreuzberg geboren und wächst in einem links-alternativen Elternhaus auf, inklusive WG- und Kinderladen-Erfahrung. Die Eltern trennen sich bald nach Judiths Geburt. Die übersetzende Mutter outet sich als lesbisch, der Vater, Psychologe, zieht bald mit einer neuen Partnerin aufs Land. Einen richtigen Kulturschock stellt der Umzug nach Freiburg im Breisgau für die Sechsjährige dar. Nicht nur die Differenz zwischen Berlinern und Schwäbeln, vor allem die alleinerziehende, lesbische Mutter macht sie für die anderen Kinder maximal auffällig. Judith ist zudem ein kränkliches Kind, geplagt von Asthma und allerlei Allergien. Und dann ist da noch ihr „Hummelhirn“, das dafür sorgt, dass sie extrem schusselig ist. Unzählige Mäppchen, Jacken etc. gehen auf dieses Konto. Und viele Schwierigkeiten in der Schule.</p>
<h3>Nett sein</h3>
<p>Judith Holofernes sieht in diesen Schwierigkeiten und ihren kindlichen Bemühungen, diese durch Anpassung und besondere „Nettigkeit“ auszugleichen, die Ursache dafür, auch später während ihrer Bandkarriere als „People Pleaser“ aufzutreten, also als ein Mensch, der Harmonie über alles stellt, Konflikte meidet und eigene Bedürfnisse oft ignoriert, um es anderen recht zu machen. Ein Verhaltensmuster, das für sie zu Burnout, Erkrankungen und letztlich zu der Stimmstörung geführt hat, die das Ende ihrer Bandkarriere (mit) herbeiführte.</p>
<p>Was = Nett oder eben ≠ Nett ist, nimmt dann auch sehr viel Raum in den Erinnerungen, die sich vom Kleinkindalter bis zur Teenagerzeit erstrecken, ein. Das Modell des „People Pleaser“ bekommt in jüngster Zeit sehr viel Aufmerksamkeit. Und auch wenn der Mechanismus dahinter &#8211; das Anpassen und das „recht-machen-Wollen“ &#8211; sicher für viele (besonders Frauen) nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem darstellt, finde ich, gehört das Bemühen, nett zu sein zum Zusammenleben von Menschen und Gesellschaften einfach dazu und wird mir hier – auch wenn Holofernes deutlich das „freundlich sein“ als Herzensangelegenheit davon abgrenzt – zu stark als abzulehnende soziale Anpassungsform negativ gebrandmarkt. Darüber hinaus geht die Autorin zu wenig in die Tiefe. Kritik an der Familie oder an eigenen Verhaltensweisen, das Knüpfen von Verbindungen ins soziale Umfeld etc. fehlen leider ganz. Ich verstehe den Impuls, auf sein eigenes, kindliches Ich mit Nachsicht, Liebe und Verständnis zu schauen. Den Leser:innen bringt das allerdings wenig Mehrwert.</p>
<h3>Tragikomisch</h3>
<p>Liest man das <em>Hummelhirn </em>als tragikomische Aneinanderreihung von Familienanekdoten, Beobachtungen und Erlebnissen, kann man mit dem Buch von Judith Holofernes einen großen Spaß haben. Tagebucheinträge, Briefe, Familienfotos, Listen, Zitate aus Poesiealben, Erinnerungen an diverse Haustiere und Schulzeugnissen werden mit eigenen Songtexten ergänzt. Immer wieder werden (rückblickende) Erwachsenenepisoden eingeschoben. Die Kapitel tragen den Namen von Songs (nicht nur den eigenen). Eine lange Playlist (fast 6 Std.) kann bei Spotify abgerufen werden. Das ist wunderbar geschrieben, lustig, spielerisch und auch so vielseitig als Text gesetzt. Hummelhirn ist auch gestalterisch ein schönes Buch.</p>
<h3>Hörbuch</h3>
<p>Ich bin ein großer Fan von Judith Holofernes und durfte als Patreon die Entstehung von <em>Hummelhirn </em>auf dieser Plattform ein wenig mitverfolgen. Judith hatte einen großen Spaß beim Lesen alter Tagebucheinträge und kindlicher Briefen, schaut mit Vergnügen auf ihre zahlreichen (sehr jugendlichen) Liebesverwirrungen und mit Mitgefühl auf ihr unverstandenes Hummelhirn. Am meisten Spaß macht es, sich das Buch von Nora Tschirner vorlesen zu lassen. Die Autorin geht mit ihr auch auf Tour. Das ist wirklich kongenial und durchweg gut gelaunt. Ein kritisches Durchdenken und Einordnen ihrer Kindheit und Jugend sollte man wie gesagt nicht erwarten. Ebenso geht die Erzählung über kindliches ADHS oder anderes „abweichendes“ Verhalten nicht über ein: „So war das bei mir (auch), du bist nicht allein“ hinaus. Das ist nicht wenig, könnte aber auch Erwartungen enttäuschen.</p>
<p>Das Buchcover ist wieder farbintensiv von Barbara Thoben gestaltet worden. Es ist so lebendig und wild wie der Buchinhalt. Auch die Hummeln und der Beo fehlen nicht. Nur das Mädchen darauf schaut eher traurig nach unten. Von dieser Traurigkeit ist im Buch leider eher wenig zu spüren. Bei allem Spaß, das es verbreitet, all den lustigen Anekdoten, zu denen auch vielleicht schlimme Momente in der Rückschau werden, ist <em>Hummelhirn </em>vielleicht sogar wieder ein wenig zu „nett“ geworden. Aber die Leser:innen werden es dafür lieben.</p>
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<p>Beitragsbild via Pixnio CC0</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/judith-holofernes-hummelhirn-9783462013665"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21975" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/judith-holofernes-hummelhirn-2/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" data-orig-size="520,840" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="judith-holofernes-hummelhirn" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" class="alignleft size-medium wp-image-21975" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png" alt="Judith Holofernes - Hummelhirn" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-248x400.png 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png 520w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Judith Holofernes &#8211; Hummelhirn</strong><br />
<strong>Kiepenheuer&amp;Witsch März 2026, 304 Seiten, € 24,00 </strong></p>
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		<title>Lektüre April 2026</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/05/11/lektuere-april-2026/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 07:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein wirklich schöner Lesemonat mit fast nur Lektüre-Treffern. SOPHIE VAN DER LINDEN &#8211; IM LICHT DER LOFOTEN Im Licht der Lofoten ist ein biographischer Roman, der der Geschichte der schwedischen Malerin Anna Boberg (1864-1935) folgt.&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/11/lektuere-april-2026/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein wirklich schöner Lesemonat mit fast nur Lektüre-Treffern.</p>
<p><span id="more-21800"></span></p>
<h4><strong><a href="https://www.mare.de/buecher/im-licht-der-lofoten-753?srsltid=AfmBOor0P2pcXZz1GhwkBLSstI_JEO2WPJeosydpv1Wo5ao8B8pKw0sf"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21209" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/im-licht-der-lofoten-van-der-linden/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg" data-orig-size="500,815" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="im-licht-der-lofoten-van-der-linden" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21209" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-184x300.jpg" alt="Sophie van der Linden - Im Licht der Lofoten" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/im-licht-der-lofoten-van-der-linden.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><a href="https://literaturreich.de/2026/04/13/sophie-van-der-linden-im-licht-der-lofoten/">SOPHIE VAN DER LINDEN &#8211; IM LICHT DER LOFOTEN</a></strong></h4>
<p><em>Im Licht der Lofoten</em> ist ein biographischer Roman, der der Geschichte der schwedischen Malerin Anna Boberg (1864-1935) folgt. Annas Malleidenschaft begann schon früh, die Entwicklung zu der Malerin, die internationale Anerkennung erlangte, von der die amerikanische Presse sogar behauptete, „Schwedens größte Künstlerin“ zu sein, auch wenn die Anerkennung im eigenen Land zunächst ausblieb, geschah aber erst nach 1901. Während einer Reise mit ihrem Mann auf die Lofoten packte sie die Leidenschaft für diese nordnorwegische Landschaft derart, dass sie in den folgenden 33 Jahren regelmäßig hierher zurückreiste, um zu malen. Und zwar allein.</p>
<p>Der Text von Sophie van der Linden ist in einer Art Tagebuch vom wahrscheinlich letzten Aufenthalt der schön älteren Anns verfasst, adressiert an ihren geliebten Mann. Sie weiß, was sie ihm mit ihrer unorthodoxen Lebensweise abverlangt, schätzt seine Loyalität, vermisst ihn auch. Aber ihre Malleidenschaft ist stärker, und sie dankbar, dass sie sich nie zwischen ihr und ihrem Mann entscheiden musste. Starke Landschaftbeschreibungen und viel Malerei-Handwerk in einem ruhigen Roman über eine starke Frau.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21296" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg" data-orig-size="520,849" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21296" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-184x300.jpg" alt="Judith Hermann - Ich möchte zurückgehen in der Zeit" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg 520w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/07/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit/">JUDITH HERMANN &#8211; ICH MÖCHTE ZURÜCKGEHEN IN DER ZEIT</a></strong></h4>
<p>Judith Hermanns 1904 geborener Großvater, der 1964, also sechs Jahre vor ihrer Geburt verstarb, ist die große Leerstelle in diesem Roman.<br />
Die Autorin erfährt eher nebenbei durch ein Foto, dass er bereits 1932 in die NSDAP eingetreten und Mitglied der SS gewesen war. 1950 ließ er sich von der Großmutter scheiden und geriet fortan ins familiäre Vergessen. Er wurde nicht verschwiegen aber so gut wie nie wurde über ihn gesprochen, Nachfragen wimmelt die Mutter gerne ab.</p>
<p>Das besagte Foto zeigt ihren Großvaters auf einem SS-Motorrad. „Radom/Polen, 1941“ ist auf der Rückseite vermerkt. Radom, besaß vor der deutschen Besatzung eine große jüdische Gemeinde. Die Deutschen errichteten hier ein Ghetto, aus dem ins KZ Treblinka deportiert, wer nicht schon vor Ort erschossen wurde. Nur wenige hundert Menschen überlebten. Dass ihr Großvater ein Täter war, sehr wahrscheinlich ein Mörder, darüber ist Judith Hermann sich gewiss.<br />
Sie macht sich dennoch im Winter nach Radom auf, „Die Unfähigkeit zu trauern“ des Ehepaars Mitscherlich im Gepäck, mietet sich eine Wohnung mit Schreibtisch, fragt in Archiven an, sucht nach Zeitzeugen, besucht die Bibliothek und macht lange Spaziergänge in der Stadt, immer auf der Suche nach dem Ort, an dem das Foto mit ihrem Großvater entstanden ist. Bevor sie allerdings konkrete Erkenntnisse erhält, reist sie ab, zu ihrer Schwester und ihrer Familie nach Neapel.</p>
<p>Auch die Schwester will nicht über den Großvater sprechen. Das Verhältnis zu Mutter und Schwester und deren unterschiedliche Haltung zur Familiengeschichte ist mindestens ebenso wichtig für das Buch wie die Recherche zum Großvater.Schwebend und Leerstellen aushaltend, ruhig und doch dringlich, schnörkellos-schlicht und poetisch – es gibt ihn tatsächlich, diesen ganz typischen Hermann-Sound. Und wer die Autorin einmal hat lesen hören, der wird ihn auch bei der eigenen Lektüre immer im Kopf haben, diesen Rhythmus. Das Buch mag vielleicht darin gescheitert sein, eine Täterbiografie zu erstellen (was wohl auch nie seine Intention war, ihm aber von der Kritik vorgeworfen wurde). Als nachdenkliche, intensive Literatur über Erinnerung ist es sehr gelungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21280" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/daniel-mellem-einstein-im-bade/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" data-orig-size="484,768" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="daniel-mellem-einstein-im-bade" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21280" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp" alt="Daniel Mellem - Einstein im Bade" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/daniel-mellem-einstein-im-bade.webp 484w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/22/daniel-mellem-einstein-im-bade/">DANIEL MELLEM &#8211; EINSTEIN IM BADE</a></strong></h4>
<p>1920 im hessischen Bad Nauheim, einem sehr renommierten Kurort. Seit dem Bau des luxuriösen Sprudelhof-Badekomplex ein Treffpunkt der Belle Epoque, versammeln sich im September die &#8222;Deutschen Naturforscher und Ärzte&#8220; zu einem Kongress, auf dem unter anderem die Relativitätstheorie Albert Einsteins diskutiert wird. Mit dabei: Einsteins größter Gegner Philipp Lenard, Vertreter der &#8222;Deutschen Physik&#8220; und erklärter Antisemit. Unglücklicherweise sind beide im völlig ausgebuchten Hotel &#8222;Zum Rastenden Kranich&#8220; untergebracht. Direktor Kleeberger, der Ich-Erzähler, bemüht sich, die Spannungen zu entschärfen und alle Hotelgäste zufriedenzustellen. Zumal die Zahl der Hotelgäste seit einiger Zeit stark zurückgeht. Zahlreiche Widrigkeiten machen ihm das nicht gerade leicht&#8230;</p>
<p>Daniel Mellem hat einen höchst amüsanten, gut recherchierten historischen Roman geschrieben, der mir sehr gefallen hat. Und der aktuelle Bezüge nicht vermissen lässt.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21970" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/elli-unruh-fische-im-trueben/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" data-orig-size="300,453" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="elli-unruh-fische-im-trueben" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21970" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg" alt="Elli Unruh - Fische im Trüben" width="199" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-199x300.jpg 199w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben-265x400.jpg 265w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/elli-unruh-fische-im-trueben.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" />E<a href="https://literaturreich.de/2026/05/15/elli-unruh-fische-im-trueben/">LLIE UNRUH &#8211; FISCHE IM TRÜBEN</a></strong></h4>
<p>Elli Unruh wurde mit ihrem Debütroman Fische im Trüben für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominiert. Er reiht sich ein in eine in diesem Jahr besonders präsente Reihe von Familienromanen mit osteuropäischem Bezug, hat aber einen ganz besonderen, bisher eher unbekannten Fokus auf eine russlanddeutsche Familie im südöstlichen Kasachstan, die der  Religionsgemeinschaft der Mennoniten angehört.<br />
1941  wurde sie wie unzählige andere Russlanddeutsche nach Kasachstan deportiert. Familie Fest findet eine neue Heimat in Mihailowka nahe Alma Ata.</p>
<p>Großonkel Heinrich ist einer der Hauptprotagonisten des Familienromans, mit ihm geht Elli Unruh bis in die 1930er Jahre zurück, die auch die Jahre des Hungers, der Verfolgung und Vertreibung sind. Weitere Hauptprotagonist:inen sind Tante Hedi und der Junge Krocha, denen wir durch die 1970er Jahre folgen bis zum Jahr 1987, als die Familie ihre Ausreise nach Deutschland bewilligt bekommt.<br />
Elli Unruh baut das spezielle Idiom der russlanddeutschen Mennoniten an vielen Stellen des Romans ein. Ein Glossar am Ende erklärt einiges und zeigt auch die kyrillische Transkription. Das und die poetische, dennoch klare Sprache trägt viel zum Atmosphärischen des Textes bei. Besonders auch die Naturbeschreibungen der Steppe rund um das Tian-Shan-Gebirges an der Grenze zu Kirgisien sind äußerst eindrücklich.<br />
In episodischen, kurzen Kapiteln werden die Geschichte, der Alltag, die Traditionen und Riten der fast abgeschlossenen Mennonitengemeinde erzählt. Ein lesenswertes Debüt.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21228" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/margaret-laurence-gluecklichere-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" data-orig-size="500,816" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="margaret-laurence-gluecklichere-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21228" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg" alt="Margaret Laurence - Glücklichere Tage" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/margaret-laurence-gluecklichere-tage.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" />Margaret Laurence &#8211; Glücklichere Tage</strong></h4>
<p>Nach <em>Der steinerne Engel (</em>2020), <em>Eine Laune Gottes (2022) und Das Gutnest </em>(2023) der vierte Teil der losen Manawaka-Reihe der kanadischen Klassikerin Margaret Laurence, <em>Glücklichere Tage, </em>(OT „The Diviners“ 1974) in der wie immer großartigen (Neu)Übersetzung von Monika Baark, erschienen.</p>
<p><em>Glücklichere Tage </em>ist die Lebensgeschichte von Morag Gunn, die sehr viele Übereinstimmungen mit ihrer Schöpferin aufweist. Früh verwaist, wird Morag von kinderlosen Bekannten ihrer Eltern aufgenommen , die in sehr prekären Verhältnissen leben, aber das Kind nach ihrem Möglichkeiten gut versorgen. Die Scham über ihre „Eltern“ wird Morag ihr ganzes Kinder- und Jugendleben begleiten. Pflegevater Christie ist aber auch ein großartiger Geschichtenerzähler. Nach einer unglücklichen Ehe, die ihr sozialen Aufstieg ermöglicht, wird sie von Jugendschwarm Skinner Tonnerre , einem indigenen Métis, schwanger, trennt sich von ihrem Mann und zieht die Tochter Pique alein groß. Diese sucht als junge Frau ihre Wurzeln, den Vater, Manawaka.</p>
<p>Am Schreibttisch sitzend, ringt Morag damit. Ihre Kindheit und Jugend erscheinen ihr dabei wie Fotografien („Momentaufnahmen“) oder in längeren Abschnitten wie „Gedächtnisfilme“, die wir von dieser Rahmenhandlung ausgehend präsentert bekommen. <em>Glücklichere Tage </em>ist ein Roman einer Emanzipation, einer Autorinnenwerdung, über weibliches Begehren. Margaret Laurence kombiniert viele Dialoge, innere Monologe, Bewusstseinsströme, switcht unbekümmert von der Ich- in die auktoriale Perspektive, lässt Präsens in Imperfekt übergehen und springt in Ort und Zeit.Ein weiterer großartiger Roman einer bislang bei uns viel zu unbekannten Autorin.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21975" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/judith-holofernes-hummelhirn-2/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" data-orig-size="520,840" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="judith-holofernes-hummelhirn" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png" class="alignleft size-medium wp-image-21975" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png" alt="Judith Holofernes - Hummelhirn" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-186x300.png 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn-248x400.png 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/judith-holofernes-hummelhirn.png 520w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/13/judith-holofernes-hummelhirn/">JUDITH HOLOFERNES &#8211; HUMMELHIRN</a></strong></h4>
<p>Ein „Hummelhirn“ ist für Judith Holofernes, ehemalige Frontfrau der Rockband „Wir sind Helden“, was sie seit ihrer Kindheit begleitet (Judith erhielt die Diagnose ADHS mit 45) Sie hatte schon immer das Gefühl, nicht so einfach in ein Raster zu passen, „anders“ zu sein und damit in der Gesellschaft und besonders der Schule immer wieder anzuecken.</p>
<p>J1976 in Berlin-Kreuzberg geboren und in einem links-alternativen Elternhaus aufgewachsen, ist der Umzug nach der Trennung der Eltern von Berlin-Kreuzberg nach Freiburg ein richtiger Kulturschock. Auch die alleinerziehende, lesbische Mutter fällt im eher behäbigen Breisgau der 1980er Jahre auf. Judith ist zudem ein kränkliches Kind, geplagt von Asthma und allerlei Allergien. Und dann ist da noch ihr „Hummelhirn“, das dafür sorgt, dass sie extrem schusselig ist. Unzählige Mäppchen, Jacken etc. gehen auf dieses Konto. Und viele Schwierigkeiten in der Schule. Judiths Strategie, trotzdem integriert und beliebt zu sein, besteht in Anpassung, Bemühen und besondere „Nettigkeit“, ein Verhaltensmuster, das für sie als Erwachsene zu Burnout, Erkrankungen und letztlich zu der Stimmstörung geführt hat, die das Ende ihrer Bandkarriere (mit) herbeiführte.</p>
<p>Das <em>Hummelhirn</em> macht großen Spaß. Tagebucheinträge, Briefe, Familienfotos, Listen, Zitate aus Poesiealben, Erinnerungen an diverse Haustiere und Schulzeugnissen werden mit eigenen Songtexten ergänzt. Immer wieder werden (rückblickende) Erwachsenenepisoden eingeschoben. Die Kapitel tragen den Namen von Songs (nicht nur den eigenen). Eine lange Playlist (fast 6 Std.) kann bei Spotify abgerufen werden.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21251" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/oliwia-haelterlein-wir-toechter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" data-orig-size="500,819" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="oliwia-haelterlein-wir-toechter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21251" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg" alt="Oliwia Hälterlein - Wir Töchter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/05/oliwia-haelterlein-wir-toechter/">OLIWIA HÄLTERLEIN &#8211; WIR TÖCHTER</a></strong></h4>
<p>Ich-Erzählerin des Debütromans von Oliwia Hälterlein ist Waleria, die als Säugling mit ihrer Mutter Róża in den 1980er Jahren von Polen nach Westdeutschland migriert ist. Nach einer Not-OP, die durch das Platzen einer Eierstockzyste und dem drohenden inneren Verbluten nötig wurde und der Diagnose PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist die Möglichkeit einer zukünftigen eigenen Schwangerschaft sehr gering. Waleria empfindet eine „erdrückende Traurigkeit“, dabei hatte sie nie einen Kinderwunsch verspürt. Aber nun? Wird sie die Letzte in der „Töchterkette“ sein?</p>
<p>Diese Kette reicht im Roman bis zur Ururgroßmutter Melanka, im Zentrum stehen neben Waleria aber die Mutter Róża und die Großmutter Marianna, die geliebte Babcia in Polen. Die Verbindung zur Großmutter, deren bäuerliche Herkunft, der polnischen Landschaft, die sowohl mit Sehnsucht als auch mit einer Art Scham behaftet ist, besteht vor allem durch sehr sinnliche Dinge, etwa das Essen. Pierogi bedeuten Zuhause, Wärme, Zugehörigkeit. Waleria fühlt die schleichende Entfernung durch den allmählichen Verlust der polnischen Sprache, spürt die Ausgrenzung in der Schule, die Klassenschranken. Denn „Róża putzt“ und das lassen die Mitschüler auf dem Gymnasium Waleria immer wieder spüren.</p>
<p>Die Einengung in einem patriarchalen System wird vor allem durch eine Art Chor, einem Wir, das sich immer wieder meldet, deutlich. Wie werden wir Frauen gesehn? Unsere Körper? Und wie sprechen diese Körper zu uns? Das Buch stellt uns mehr Fragen als es beantworten will. Was gebe ich als Mutter an meine Töchter weiter? Was nehme ich als Tochter davon an, trage es selbst in die Zukunft? Und was ist, wenn ich das nicht mehr kann? Das Buch zeichnet eine wunderbar präzise Sprache aus, polnische Passagen &#8222;lesen&#8220; sich überraschend problemlos und stimmig. Ein großartiges Buch und eine unbedingte Leseempfehlung von mir.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21260" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/safae-el-khannoussi-oroppa/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="safae-el-khannoussi-oroppa" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21260" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-184x300.jpg" alt="Safae Khannoussi - Oroppa" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/05/09/safae-el-khannoussi-oroppa/">SAFAE EL KHANNOUSSI &#8211; OROPPA</a></strong></h4>
<p>Der Debütroman der 1994 in Tanger geborenen Niederländerin El Khannoussi hat in ihrem Heimatland schon wahre Begeisterungsstürme ausgelöst hat und wurde vielfach preisgekrönt.<br />
Es ist eine wilde, unübersichtliche, chaotische Geschichte, in die sich die Leserin erst langsam hineinfinden muss. Und auch wenn sich die Überfülle an Figuren, Geschichten, Anekdoten und Nebenhandlungen langsam an ihren Platz rücken, die Mosaiksteinchen sich zu einer Lebensgeschichte fügen, bleiben etliche Leerstellen. So wie die Person, um die sich Oroppa dreht und die im Prolog nach einer schweren bakteriellen Lungeninfektion quasi von den Toten aufersteht, den größten Teil des Romans eine Leerstelle darstellt.</p>
<p>Salomé (Salma) Abergel ist eine arabisch-jüdische Künstlerin Mitte 60, ehemalige Aktivistin in Marokko, deren Engagement in den Folterkellern des in den 1970ern und 1980ern seine politischen Gegner unerbittlich verfolgenden König Hassan II. bestraft wird. Im Gefängnis entdeckt Salma das Malen für sich und als sie freikommt, flüchtet sie nach Amsterdam und wird zur anerkannten Künstlerin. Nach dem Prolog erfahren wir, dass Salma verschwunden ist. Zahlreiche Personen suchen nun nach ihr und wir erfahren ihre Geschichten.<br />
Den Inhalt von Oroppa von Safae El Khannoussi wiederzugeben ist nicht ganz einfach, denn er ist einfach überbordend. Gerade am Anfang ist es ziemlich schwer, weder den Überblick noch den Faden zu verlieren. Zeitsprünge und Ortswechsel tragen zu dem Verwirrspiel zusätzlich bei. Erst ganz allmählich entwickelt sich daraus die Lebensgeschichte Salmas.  Eine gewisse Distanz und Verlorenheit bleibt trotz oder gerade wegen der Virtuosität und zeitweiligen Drastik, mit der hier erzählt wird, bei der Leserin bestehen.</p>
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<h4><strong><a href="https://www.ullstein.de/werke/unterwasserblau/hardcover/9783961612833"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21801" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/11/lektuere-april-2026/petra-hucke-unterwasserblau/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau.jpg" data-orig-size="300,490" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="petra-hucke-unterwasserblau" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21801" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau-184x300.jpg" alt="Petra Hucke - Unterwasserblau" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/petra-hucke-unterwasserblau.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a>Petra Hucke &#8211; Unterwasserblau</strong></h4>
<p>Es beginnt idyllisch im Spreewald. Jessie macht mit ihrer Schwiegerfamilie eine Kanutour. Da erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters. Sehr schnell wird deutlich, dass sie ein schwieriges Verhältnis zur eigenen Familie hat. Im Gegensatz zu der ihres Mannes Ingwer ist diese kalt und lieblos. Besonders die Mutter lehnt sie rigoros ab, ist geradezu feindeselig, und das schon seit Jessies Kindheit. Als sie eineinhalb Jahre alt war, starb ihre Zwillingsschwester Annika. Und das hat die Mutter offensichtlich gegenüber der eigenen Tochter verhärten lassen. Sie lässt sie spüren, dass für sie die falsche Tochter gestorben ist. Es gibt noch eine Halbschwester, aber auch zu der ist das Verhältnis äußerst belastet. Doch nun müssen sie sich zusammen um die Mutter kümmern.</p>
<p>Allmählich wird den Leser:innen enthüllt, was in Jessies Familie passiert ist, welche Verletzungen geschehen sind und welches riesige Schweigen über allem herrscht. Und auch in Ingwers Familie ist nicht alles so harmonisch, wie es zu Beginn scheint. Mir hat ein wenig die Ambivalenz bei den Figuren gefehlt. Besonders die Mutter wird ausschließlich negativ dargestellt. Auch dass die Perspektive ausschließlich bei Jessie blieb, habe ich ein wenig bedauert. Für mich ein Buch aus der Abteilung &#8222;Kann man, muss man aber nicht lesen&#8220;.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/11/lektuere-april-2026/">Lektüre April 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Safae El Khannoussi &#8211; Oroppa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2026 07:54:49 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Niederländische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich tue es eigentlich selten, aber hier muss ich damit anfangen: Über die Gestaltung eines Buches schreiben. Wie schön das Buch Oroppa von Safae El Khannoussi dem Hanser Verlag gelungen ist! Satte Farben in edlem&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/09/safae-el-khannoussi-oroppa/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/09/safae-el-khannoussi-oroppa/">Safae El Khannoussi &#8211; Oroppa</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich tue es eigentlich selten, aber hier muss ich damit anfangen: Über die Gestaltung eines Buches schreiben. Wie schön das Buch <em>Oroppa</em> von Safae El Khannoussi dem Hanser Verlag gelungen ist! Satte Farben in edlem Leinen. Wann hält man heute schon so ein sorgfältig hergestelltes Buch in der Hand? Der Debütroman der 1994 in Tanger geborenen Niederländerin hat in ihrem Heimatland schon wahre Begeisterungsstürme ausgelöst hat und wurde vielfach preisgekrönt.<span id="more-21871"></span></p>
<p>Es ist eine wilde, unübersichtliche, chaotische Geschichte, in die sich die Leserin erst langsam hineinfinden muss. Und auch wenn sich die Überfülle an Figuren, Geschichten, Anekdoten und Nebenhandlungen langsam an ihren Platz rücken, die Mosaiksteinchen sich zu einer Lebensgeschichte fügen, bleiben etliche Leerstellen. So wie die Person, um die sich Oroppa dreht und die im Prolog nach einer schweren bakteriellen Lungeninfektion quasi von den Toten aufersteht, den größten Teil des Romans eine Leerstelle darstellt.</p>
<h3>Die verschwundene Salma</h3>
<p>Salomé (Salma) Abergel ist eine arabisch-jüdische Künstlerin Mitte 60, ehemalige Aktivistin in Marokko, deren Engagement in den Folterkellern des in den 1970ern und 1980ern seine politischen Gegner unerbittlich verfolgenden König Hassan II. bestraft wird. Interessanterweise habe ich gerade in Leila Slimanis Familienroman <em>Trag das Feuer weiter</em> über dieselbe Zeit gelesen. Im Gefängnis entdeckt Salma das Malen für sich und als sie freikommt, flüchtet sie nach Amsterdam und wird zur anerkannten Künstlerin. Zu ihrem in Haft geborenen Sohn Irad wird sie nie eine wirkliche Beziehung aufbauen können. Er lebt später als Kneipenbetreiber in einem fiktiven, mystischen 21. Pariser Arrondissement, Ort der Heimatlosen, der Verstoßenen.</p>
<p>Hier ereilt ihn die Nachricht, dass Salma verschwunden ist. Nicht nur er sucht nun nach ihr, auch ihre niederländische Galeristin Hannah Melger, auch sie Jüdin und Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, fahndet nach ihr, steht doch eigentlich eine große Ausstellung ihrer Bilder an. Diese sind aber genau wie Salma unauffindbar. Wir erfahren, dass sie im Keller ihres Hauses lagern. Der Restaurantbesitzer Hbib Lebyard ist eingeweiht und beauftragt seine Angestellte Hind el Arian, das Haus du die Bilder zu hüten.</p>
<h3>Eine Fülle an Charakteren</h3>
<p>Das sind noch nicht alle Figuren die in Erscheinung treten. Eine weitere zentrale ist noch Yousuf Slaoui, ehemaliger Folterknecht und Peiniger Salmas, der ebenfalls in Amsterdam lebt und Salma eines Tages zufällig über den Weg läuft. Von Reue keine Spur, aber von sehr viel Selbstmitleid, leidet er doch an einer unheilbaren Krebserkrankung und hat nicht mehr lang zu leben. Über seine Passagen erfahren wir viel über die jüngere marokkanische Geschichte.</p>
<p>Den Inhalt von <em>Oroppa </em>von Safae El Khannoussi wiederzugeben ist nicht ganz einfach, denn er ist einfach überbordend. Gerade am Anfang ist es ziemlich schwer, weder den Überblick noch den Faden zu verlieren. Zeitsprünge und Ortswechsel tragen zu dem Verwirrspiel zusätzlich bei. Erst ganz allmählich entwickelt sich daraus die Lebensgeschichte Salmas. Angefügt werden die „Angsthefte“, neun Fragmente, die weitere Geschichten erzählen. Wenn man sich dem Erzählfluss hingibt, der einen nach Amsterdam, Paris, Casablanca und Tunis führt, ergibt sich allmählich eine durchaus lohnende Lektüre. Oroppa, die lautmalerische arabische Bezeichnung für Europa, Kontinent der Sehnsucht und der Enttäuschung, versinnbildlicht den Blick aus kritischer Entfernung. Eine gewisse Distanz und Verlorenheit bleibt trotz oder gerade wegen der Virtuosität und zeitweiligen Drastik, mit der hier erzählt wird, bei der Leserin bestehen.</p>
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<p>Beitragsbild: Casablanca by SpreeTom, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/safae-el-khannoussi-oroppa-9783446284746-t-5823"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21260" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/safae-el-khannoussi-oroppa/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="safae-el-khannoussi-oroppa" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21260" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-184x300.jpg" alt="Safae Khannoussi - Oroppa" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/safae-el-khannoussi-oroppa.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Safae El Khannoussi &#8211; Oroppa</strong><br />
<strong>Übersetzt aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel </strong><br />
<strong>Hanser Februar 2026, gebunden, 352 Seiten, € 26,00</strong></p>
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		<title>Judith Hermann &#8211; Ich möchte zurückgehen in der Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 09:17:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Neapel]]></category>
		<category><![CDATA[Polen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einigen Wochen hat Judith Hermann mit Ich möchte zurückgehen in der Zeit ein neues Buch veröffentlicht. Ich war an einem ihrer ersten Lesungstermine in der Villa Clementine in Wiesbaden und sogleich vom „Sound“ des&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/07/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/07/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit/">Judith Hermann &#8211; Ich möchte zurückgehen in der Zeit</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Wochen hat Judith Hermann mit <em>Ich möchte zurückgehen in der Zeit </em>ein neues Buch veröffentlicht. Ich war an einem ihrer ersten Lesungstermine in der Villa Clementine in Wiesbaden und sogleich vom „Sound“ des Buches und dem, was Judith Hermann über es zu sagen hatte, fasziniert. Dabei bin ich eigentlich nicht wirklich ein Hermann-Fan. Einige Bücher gefielen mir, oft war mir aber das Kreisen um Befindlichkeiten zu viel, der oft bejubelte Hermann-Ton in seiner elegischen Melancholie ebenso. <em>Ich möchte zurückgehen in der Zeit </em>nun hat nach Erscheinen einiges an herber (und meiner Meinung nach ungerechtfertigter) Kritik einstecken müssen. Die Kritiker:innen schienen sich in ihren Verrissen geradezu überbieten zu wollen. Interessanterweise stand das Buch dennoch auf der SWR-Bestenliste, die von 30 ebensolchen Kritiker:innen bestimmt wird, im März gleich auf Platz 1. Im April allerdings taucht das Buch dort nicht mehr auf. Haben die Kritiker:innen a) das Buch im März noch nicht gelesen gehabt oder b) im April schnell zurückgezogen, weil es so viele Verrisse gab? Das wird nicht das letzte Geheimnis der Literaturkritik bleiben.<span id="more-21869"></span></p>
<h3>Der Großvater</h3>
<p>Der Vorwurf der meisten Kritiken an Judith Hermann war, mit dem Buch, in dem die Ich-Erzählerin, die zumindest im ersten Teil zu 100% mit der Autorin übereinstimmt, sich auf die Spuren ihres Großvaters macht, dessen Geschichte letztendlich gar nicht zu enthüllen. Entweder, weil sie sie nicht zu klären vermochte, oder – schwerwiegender – sie sie den Leser:innen (Kritiker:innen) vorenthalten würde. Der 1904 geborene Großvater, der 1964, also sechs Jahre vor der Geburt Judith Hermanns verstarb, war bereits 1932 in die NSDAP eingetreten und Mitglied der SS gewesen. 1950 ließ er sich von Hermanns Großmutter scheiden und geriet fortan ins familiäre Schweigen. So gut wie nie wurde über diesen Großvater gesprochen, Nachfragen wimmelt die Mutter gerne ab.</p>
<h3>Die Mutter</h3>
<p>Die achtzigjährige Mutter Judith Hermanns erlitt vor nicht allzu langer Zeit eine sogenannte transiente globale Amnesie. Ein vorübergehender Gedächtnisverlust, der sie zu der Frage brachte, die sie an ihre Tochter richtete: „Was hinterlasse ich? Was habe ich zu vererben, was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin?“ Ein kleines Kästchen mit alten Fotos gehört dazu. Hier findet Hermann ein Foto ihres Großvaters auf einem SS-Motorrad. „Radom/Polen, 1941“ ist auf der Rückseite vermerkt. Die SS-Vergangenheit ihres Großvaters ist in der Familie kein Geheimnis, wurde aber immer erfolgreich beschwiegen. Nun, so direkt mit seiner Täter-Vergangenheit konfrontiert zu werden, erschüttert die Autorin nachhaltig. Radom, man kann es problemlos nachlesen, die zwischen Warschau und Krakau gelegene Stadt, besaß vor der deutschen Besetzung eine große jüdische Gemeinde von ca. 28.000 Menschen, was ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Deutschen errichteten hier ein Ghetto, aus dem ins KZ Treblinka deportiert wurde, wer nicht schon vor Ort erschossen wurde. Nur wenige hundert Menschen überlebten. Heute lebt noch genau ein Jude in Radom.</p>
<h3>Der Täter</h3>
<p>Dass ihr Großvater ein Täter war, sehr wahrscheinlich ein Mörder, darüber ist Judith Hermann sich gewiss. Sie macht sich dennoch im Winter nach Radom auf, „Die Unfähigkeit zu trauern“ des Ehepaars Mitscherlich im Gepäck, mietet sich eine Wohnung mit Schreibtisch, fragt in Archiven an, sucht nach Zeitzeugen, besucht die Bibliothek und macht lange Spaziergänge in der Stadt, immer auf der Suche nach dem Ort, an dem das Foto mit ihrem Großvater entstanden ist. Die Radomer, die sie auf die NS-Zeit anspricht, reagieren zunächst ablehnend. Auch den Platz findet sie zunächst nicht. Als sie es dann doch tut und sich zugleich verschiedene Gesprächskanäle anbieten, reist sie ab. Sie „verliert die Nerven“. In Krakau wird sie eine Lesung vor leeren Stühlen halten.</p>
<p>Der Großvater bleibt eine Leerstelle, oder, wie es Judith Hermann nennt, ein „blinder Fleck“. Was er wirklich getan hat, im Jahr 1941 in Radom oder generell während seiner Zugehörigkeitzur SS, bleibt im Dunkeln. Und das ist, was die meisten Kritiker:innen dem Buch vorwerfen. Der Täter hätte entlarvt, seine Taten offengelegt werden müssen. Andere Autor:innen haben das in ihren ähnlich gelagerten Werken, die teilweise auch ähnliche Suchbewegungen und die Frage nach deren literarischer Umsetzung enthalten, durchaus getan (wenn auch nicht alle). Von Judith Hermann wird das geradezu gefordert. Hier wird die Verweigerung, die das Buch darstellt, als sein großartiges „Scheitern“ bezeichnet. Das Tastende, Schwebende, Poetische, was oft am Schreiben Hermanns gelobt wird, wird hier hinterfragt. „Passt das zu einem Buch über einen SS-Mörder in der eigenen Familie?“, wie eine Kritikerin fragt.</p>
<h3>Erinnerungen</h3>
<p>Ich sehe das ein wenig anders. In <em>Ich möchte zurückgehen in der Zeit </em>erzählt Judith Hermann nur am Rande – und ich verstehe, dass das vielleicht schwer auszuhalten ist – von diesem SS-Mörder, der ihr Großvater (vermutlich) war. Ihr geht es in erster Linie darum, zu erkunden, wie sie selbst, ihre Familie und letztlich wir alle mit der schuldbeladenen Geschichte unseres Landes umgehen. „Ist Gegenwart von Vergangenheit zu trennen, und was können wir über das Leben unserer Familien in Erfahrung bringen, was muss Deutung bleiben und Spekulation. Auf der Suche nach Antworten wird deutlich, dass wir uns unsere Geschichte immer wieder neu erzählen müssen, um ihre Zusammenhänge zu begreifen“ heißt es im Klappentext. Und das ist, was diesen Text ausmacht: die Aufforderung, das Schweigen nicht zuzulassen, sondern die Erinnerungen, die meist das Bestreben haben zu beschönigen, immer wieder neu zu hinterfragen. Schuld zuzulassen und Leerstellen auszuhalten. Ob sich Vergangenheit „aufarbeiten“ lässt mag man bezweifeln, aber man muss sie bearbeiten, verarbeiten. Gerade heute, wo sich Geschichtsvergessenheit wieder breitmachen will. Die Kritik, keine weitere Täterbiografie geschrieben zu haben, nimmt Judith Hermann geradezu vorweg:</p>
<blockquote><p>„(…)Ich versuchte etwas darüber zu schreiben, natürlich gelang mir das nicht. Gelang ist nicht der richtige Ausdruck, oder anders gesagt, mir schien ein gelingender Text über eine Reise wie diese nach Radom gar nicht möglich zu sein. Wenn ein Text über eine solche Reise gelungen war, war er zugleich missglückt, ganz bestimmt falsch, es wäre unmöglich, über einen Großvater, der aller Wahrscheinlichkeit nach an der Errichtung und Auflösung eines Ghettos, an einer Auslöschung beteiligt gewesen war, einen gelingenden Text zu schreiben.“</p></blockquote>
<h3>Napoli</h3>
<p>„Du literarisierst“ lautet ein Vorwurf der Mutter, wenn die Tochter nach der Vergangenheit fragt. „Es ist nicht immer alles traurig!“ die wütende Beschwerde der Schwester. Zu ihr, der in Pompeji tätigen Archäologin und deren Familie reist die Ich-Erzählerin im Anschluss ihres Polen-Aufenthalts. Im Landhaus bei Neapel verliert Radom ein wenig seiner Dringlichkeit. Die Schwester will über diese Vergangenheit nicht sprechen, will überhaupt alles Dunkle aus der Welt (zumindest) von ihren Kindern fernhalten. Dieser zweite, der „Napoli“ Teil ist von daher eher ein leichtes, wenn auch von der typischen Hermannschen Melancholie durchwehtes Frühlingsstück, man isst „Pollo arrosto al Limone“, sitzt im Garten, die Kinder spielen. Aber eine Distanz ist zwischen den Schwestern zu spüren. Und ein nicht ganz problemloses Verhältnis zur Mutter. Das Verhältnis zu Mutter und Schwester und deren unterschiedliche Haltung zur Familiengeschichte ist in meinen Augen auch mindestens so wichtig für das Buch wie die Recherche zum Großvater.</p>
<h3>Tidslomme</h3>
<p>Es folgt ein kurzer dritter Teil, „Tidslomme“ betitelt &#8211; ein dänischer Begriff, der wörtlich als „Zeittäschchen“ übersetzt wird. Er beschreibt laut Wikipedia „metaphorisch einen begrenzten, eingeschobenen Moment, in dem Zeit stillzustehen scheint oder sich Erinnerungen sammeln.“ Judith Hermann erinnert sich an einige Tage, als die Eltern ihres Mannes verschwunden waren. Es hat sich nie ganz geklärt, was damals wirklich passiert war. Die Eltern wollten nicht darüber reden. Sie waren wie aus der Zeit gefallen. Ein „Zeittäschchen“, in dem „die Zeit gleichgültig und auf eine so großmütige Weise nachlässig ist. Sie drückt ein Auge zu.“ Bis die Welt sich weiterdreht. Bis die Erinnerung wiederkommt. Wie bei der Amnesie der Mutter. Mit einer Anekdote von ihr endet das Buch:</p>
<blockquote><p>„Als meine Mutter ein Kind war, im zerstörten Berlin der fünfziger Jahre des vergangenen, untergegangenen Jahrhunderts, spielte sie ein Spiel, das sich Geheimnis nannte, alle Kinder in ihrer Straße spielten das. Sie gruben kleine Löcher in die Erde und legten Dinge hinein, die ihnen etwas bedeuteten, die wichtig waren. Warum auch immer wichtig waren; schöne Dinge und hässliche. Knöpfe, Stanniolpapier, Spatzenfedern, Kiesel, farbigen Schutt, Splitter und Knöchelchen. Sie verschlossen die Löcher mit Scherben, schütteten Erde darüber, strichen die Erde glatt. Winzige Sarkophage, manche überdauerten, andere nicht.“</p></blockquote>
<p>Wo wir wieder bei der Ausgangsfrage der Mutter sind. „Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin?“</p>
<p>Schwebend und Leerstellen aushaltend, ruhig und doch dringlich, schnörkellos-schlicht und poetisch – es gibt ihn tatsächlich, diesen ganz typischen Hermann-Sound. Und wer die Autorin einmal hat lesen hören, der wird ihn auch bei der eigenen Lektüre immer im Kopf haben, diesen Rhythmus. Dieses Buch mag vielleicht darin gescheitert sein, eine Täterbiografie zu erstellen (was höchstwahrscheinlich auch nie seine Intention war). Als nachdenkliche, intensive Literatur ist es grandios gelungen.</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-9783103977646"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21296" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg" data-orig-size="520,849" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21296" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-184x300.jpg" alt="Judith Hermann - Ich möchte zurückgehen in der Zeit" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/judith-hermann-ich-moechte-zurueckgehen-in-der-zeit.jpg 520w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Judith Hermann &#8211; Ich möchte zurückgehen in der Zeit</strong><br />
<strong>S. FISCHER Februar 2026, gebunden, 160 Seiten, € 23,00</strong></p>
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		<title>Oliwia Hälterlein &#8211; Wir Töchter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2026 07:58:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht alle Leserinnen sind (bereits) Mütter, aber wir alle sind Töchter. Der Debütroman von Oliwia Hälterlein Wir Töchter rückt diesen Aspekt in den Vordergrund und macht ihn (nicht nur dadurch) in der Menge der gerade&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/05/05/oliwia-haelterlein-wir-toechter/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht alle Leserinnen sind (bereits) Mütter, aber wir alle sind Töchter. Der Debütroman von Oliwia Hälterlein <em>Wir Töchter </em>rückt diesen Aspekt in den Vordergrund und macht ihn (nicht nur dadurch) in der Menge der gerade erscheinenden Generationenromane mit besonderem Fokus auf die Frauenfiguren zu etwas Besonderem. Ich-Erzählerin auf der Gegenwartsebene ist Waleria, die als Säugling mit ihrer Mutter Róża in den 1980er Jahren von Polen nach Westdeutschland migriert ist. Mit ihr droht die Kette von Töchtern in ihrer Familie abzureißen, denn nach einer Not-OP, die durch das Platzen einer Eierstockzyste und dem drohenden inneren Verbluten nötig wurde, und der Diagnose PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist die Möglichkeit einer zukünftigen eigenen Schwangerschaft sehr gering. Waleria empfindet eine „erdrückende Traurigkeit“, dabei hatte sie nie einen Kinderwunsch verspürt. Aber nun? Wird sie die Letzte in der „Töchterkette“ sein?<span id="more-21873"></span></p>
<h4>Die Töchterkette</h4>
<p>Diese Kette reicht im Roman bis zur Ururgroßmutter Melanka, im Zentrum stehen neben Waleria aber die Mutter Róża und die Großmutter Marianna, die geliebte Babcia. Die Beziehung zur Großmutter ist über die Generationen hinweg immer eine ganz besonders wichtige. Das war für die kleine Marianna bereits so, in deren Kindheit wir genauso schauen wie in die der nachfolgenden Töchter und der Enkelin, das ist sie ebenso für Waleria. Für sie ist es eine Fernbeziehung, eine Ferienbeziehung, die ihr schmerzvoll den Verlust der „alten Heimat“ spürbar macht, besonders den Verlust der Herkunftssprache, des Polnischen. Die Verbindung zur Großmutter, deren bäuerliche Herkunft, der polnischen Landschaft, die sowohl mit Sehnsucht als auch mit einer Art Scham behaftet ist, besteht vor allem durch sehr sinnliche Dinge, etwa das Essen. Pierogi bedeuten Zuhause, Wärme, Zugehörigkeit.</p>
<p>Während Marianna immer ihrer bäuerlichen Umgebung verhaftet bleibt, zieht es Róża fort, in die Stadt, nach Gdańsk, zu eleganten Kleidern, zu einem „Mehr“, das das Heimatdorf nicht bieten kann. Da kommt der flotte, aber auch etwas zwielichtige Szymek gerade recht. Er wird Walerias Vater, entpuppt sich aber als große Enttäuschung und spielt wie die anderen Männer, so sie denn überhaupt anwesend sind, kaum eine Rolle. In ihrer Zeit in Gdańsk kommt Róża mit der Gewerkschaftsbewegung Solidarność in Berührung. Eine weibliche Perspektive darauf und auf die wohl größte oppositionelle Massenbewegung im Ostblock, die maßgeblich zum Ende des Kommunismus in Polen und dem Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen hat.</p>
<h4>Klassenschranken</h4>
<p>Die ersehnte Freiheit in Deutschland wiederum kann Róża nur enttäuschen, stehen ihr doch die engen Klassenschranken entgegen. „Róża putzt“ heißt es ein ganzes Kapitel lang. Denn ja, ihre Tochter Waleria soll es einmal besser haben. Doch die wird von ihren Klassenkameradinnen gleich mal in die Schranken gewiesen. Eine in „Otto-Katalog-Klamotten“ gehört doch nicht aufs Gymnasium. Die Zerrissenheit zwischen Integrationswillen, Anpassung, Ablehnung und Herkunftssehnsucht lesen wir seit einiger Zeit immer wieder in der neueren deutschsprachigen Literatur. Hier wird diese typische Migrationserfahrung durch die Verortung in einem patriarchalen System ergänzt. Das geschieht vor allem in einer Art Chor, einem Wir, das sich immer wieder meldet. Wie werden wir Frauen gesehn? Unsere Körper? Und wie sprechen diese Körper zu uns? Das Buch stellt uns mehr Fragen als es beantworten will. Was gebe ich als Mutter an meine Töchter weiter? Was nehme ich als Tochter davon an, trage es selbst in die Zukunft? Und was ist, wenn ich das nicht mehr kann?</p>
<p>Der Blick auf den weiblichen Körper, auf seine Verletzlichkeit, auch auf den Umgang mit ihm in der Medizin bereichert den vielstimmigen, in einer wunderbar präzisen Sprache verfassten Debütroman von Oliwia Hälterlein. Polnische Passagen werden eingefügt und teilweise so stehengelassen – folgerichtig, denn die polnische Sprache, ihr drohender Verlust ist ein wichtiges Motiv im Roman. Einige Begriffe und Redewendungen werden in einem Glossar erklärt, nicht alle. Das liest sich überraschend problemlos und stimmig. Ein großartiges Buch und eine unbedingte Leseempfehlung von mir.</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.chbeck.de/haelterlein-toechter/product/39931273"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21251" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/oliwia-haelterlein-wir-toechter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" data-orig-size="500,819" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="oliwia-haelterlein-wir-toechter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21251" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg" alt="Oliwia Hälterlein - Wir Töchter" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/oliwia-haelterlein-wir-toechter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Oliwia Hälterlein &#8211; Wir Töchter</strong><br />
<strong>C.H.Beck Februar 2026, gebunden, 357 Seiten, € 25,00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/05/05/oliwia-haelterlein-wir-toechter/">Oliwia Hälterlein &#8211; Wir Töchter</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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