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		<title>Jaroslav Rudiš &#8211; Wo die Toten sprechen</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/09/19/jaroslav-rudis-wo-die-toten-sprechen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 09:09:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhöfe]]></category>
		<category><![CDATA[Roadtrip]]></category>
		<category><![CDATA[Tschechien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie fahren in einem weißen Sarg durch Mitteleuropa und besuchen die Gräber verstorbener Dichter. Das klingt schräg und ist es auch ein wenig. Aber der neue Roman von Jaroslav Rudiš Wo die Toten sprechen ist&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/09/19/jaroslav-rudis-wo-die-toten-sprechen/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/09/19/jaroslav-rudis-wo-die-toten-sprechen/">Jaroslav Rudiš &#8211; Wo die Toten sprechen</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie fahren in einem weißen Sarg durch Mitteleuropa und besuchen die Gräber verstorbener Dichter. Das klingt schräg und ist es auch ein wenig. Aber der neue Roman von Jaroslav Rudiš <em>Wo die Toten sprechen</em> ist nicht nur ein komisches Buch, sondern auch ein melancholischer Roadtrip, ein Blick in die oft düstere Geschichte Mitteleuropas und ein Plädoyer für: „Mehr Liebe. Oder nichts.“ Und es ist ein Text voller literarischer Verweise, schließlich besuchen die drei Protagonist:innen nicht einfach nur berühmte Friedhöfe, sondern sie übernachten dort, oft auf den Grabstellen der Verstorbenen, reden mit ihnen – und hören ihnen zu. Denn das ist etwas, das die drei Protagonist:innen eint: sie hören die Toten sprechen.<span id="more-22390"></span></p>
<p>Der „Sarg“ ist ein alter weißer Saab, so einer wie ihn auch der Autor fährt &#8211; wenn er nicht mit der Bahn unterwegs ist. Das ist er häufig und leidenschaftlich. Eine <em>Gebrauchsanweisung fürs Zugfahren </em>hat er verfasst und bereits in seinem letzten Roman <em>Winterbergs letzte Reise</em> lässt er seine Protagonisten einen Roadtrip von Berlin nach Sarajevo machen – allerdings auf Schienen.</p>
<h3>Im weißen Saab durch Mitteleuropa</h3>
<p>Der weiße Saab gehört Miss Detroit. Er ist ein Erbstück ihres kürzlich verstorbenen Vaters, der ihn und zwei „Brüder“ in seiner Werkstatt in der Berliner Bergmannstraße liebevoll aufgearbeitet hatte. Miss Detroit streunte schon als Kind gern auf den benachbarten Friedhöfen herum, begann, die Toten sprechen zu hören.</p>
<blockquote><p>„Schon als Kind liebte Miss Detroit die Einsamkeit. (…)Sie fühlte sich wohl unter den Toten, viel wohler als unter den Lebenden.“</p></blockquote>
<p>Wie passend daher ihr Beruf: Friedhofsgärtnerin. Und wie traurig ihre unerwiderte Liebe zu Marko, dem Totengräber.</p>
<p>Miss Detroit, Lorenzo und Caspar treffen sich zufällig in Venedig. Nicht irgendwo natürlich, sondern auf der Friedhofsinsel San Michele, am Grab des russischen Dichters und Nobelpreisträgers Josef Brodzky. Sofort spüren sie die Nähe zwischen sich und brechen zusammen auf, um die Gräber der von ihnen so verehrten Poeten zu besuchen. Eine weitere Gemeinsamkeit teilen die drei, die gerade in Mitteleuropa nicht ganz so selten ist wie das Hören der Stimmen der Toten. In all ihren Familien wurde viel geschwiegen, vor allem über die Vergangenheit. Und so kommt auch die düstere Geschichte der von ihnen durchfahrenen Landstriche hinein ins Buch. Und immer wieder kommt Nebel auf, auch von (symbolischen) Schneestürmen ist die Rede.</p>
<h3>Die dunkle Vergangenheit</h3>
<p>Lorenzo, der kleine, über und über tätowierte Mann, der hin und wieder wie ein Wolf heult – Hui…Huii…Huiii – hatte eine geliebte jüdische Großmutter, die in Prag zurückblieb, als Lorenzos Eltern im August 1968 nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Pakts nach Österreich flohen. Die Großmutter sprach nicht viel, nicht über ihre Kindheit in Vinohrady, das in der Zwischenkriegszeit die größte jüdische Gemeinde in der gesamten Tschechoslowakei beherbergte, nicht über den „grauen Schneesturm“, der ihr während des Krieges die Familie nahm, nicht über die Gedankenlosigkeit, mit der man ihr nach ihrer Rückkehr aus dem Grauen eine Wohnung mit Blick auf den Prager Bahnhof Bubny zuteilte. Zwischen 1941 und 1945 diente er den Nationalsozialisten als Sammel- und Deportationsort für rund 50.000 jüdische Bürger. Aus dem Fenster dieser Wohnung stürzt sich die Großmutter viele Jahre später in den Tod.</p>
<p>Lorenzo hört seine tote Großmutter sprechen. Und er startet eine „Gerechtigkeitsmission“, macht Raubüberfälle, raubt seinerseits NS-Raubkunst, wird geschnappt und landet für viele Jahre in Österreichs größter Strafvollzugsanstalt in Stein bei Krems an der Donau. Keine ganz schlechte Zeit für ihn, denn dort lernt er den „Professor für Weltliteratur“ kennen (einen Mithäftling), der den Knast für ihn zur Universität macht. Die Gefängnisbibliothek liefert die Bücher, die Lorenzo fortan im wahrsten Sinne des Wortes verschlingt. Hierher rührt seine Leidenschaft für die Dichter. Gerade aus der Haft entlassen, trifft er auf dem Friedhof in Bayreuth auf Miss Detroit. Das ist der Beginn einer Liebesbeziehung.</p>
<h3>Eine skurrile Reise</h3>
<p>Caspar, dessen Vater schon die Toten hörte, wurde nach einer Gewaltattacke beurlaubt und zur Psychologin geschickt. Er versinkt in einer Depression. Mit seiner Frau Hana (mit der er am Bahnhof Bubny wohnt!), fährt er nach Venedig. Sie wollen dort Ruhe finden, ihre Beziehung überdenken. Aber Caspar flieht, mit Lorenzo und Miss Detroit, die er dort trifft (siehe oben). Gleich zu Beginn verliert der „fast Blinde“ seine Brille und sieht nun alles wie durch Milchglas. Es entsteht eine Ménage-à-trois.</p>
<p>Und es beginnt eine skurrile Reise. Nach Triest (Italo Svevo, Johann Joachim Winckelmann), Slowenien (Srečko Kosovel), Linz (Adalbert Stifter), Wien (Thomas Bernhard, Heimito von Doderer, Robert Michel, Ödön von Horváth, Franz Grillparzer, Karl Kraus), Mikulov (Wunderrabbi Schmelke von Nikolsburg), Lipnice (Jaroslav Hašek), Hradištko u Sadské (Bohumil Hrabal), Prag (Franz Kafka) und viele mehr. Sie fahren auch nach Theresienstadt/Terezín. Ihr Ziel aber ist Berlin.</p>
<p>Neben den toten Dichtern begegnen ihnen auf der Reise immer wieder auch „Kreuzspinnen“ – Rechtsradikale, Nazis. Sie lauern in ganz Mitteleuropa, aber hier in Berlin erfahren die drei Reisenden schließlich von einem Plan. Die Gebeine des „Henkers von Prag“ (so wird der SS-Obergruppenführer, Chef des Reichssicherheitshauptamtes und stellvertretende Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich, einer der Hauptorganisatoren der Judenvernichtung, genannt) sollen aus dem Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte geraubt und von rechtsextremen Anhängern in einen „Schrein“ verbracht werden. Das Grab des NS-Verbrechers wurde nach Kriegsende extra eingeebnet, um jeglichem Kult vorzubeugen. Im Dezember 2019 öffneten Unbekannte tatsächlich das Grab und versuchten vergeblich, Skelettteile zu entwenden.</p>
<p>Miss Detroit, Lorenzo und Caspar beschließen, den Grabräubern zuvorzukommen, doch die „Kreuzspinnen“ sind ihnen auf den Fersen.</p>
<h3>Das Böhmische Paradies</h3>
<p>Der Roman endet im Böhmischen Paradies, woher auch Jaroslav Rudiš stammt, und zwar ordnungsgemäß mit Bier und Gulasch. Die Gegend um Jičín war auch eine der Landschaften, wo im Sommer 1866 einige der blutigsten und strategisch wichtigsten Gefechte im Preußisch-Österreichischer Krieg stattfanden, der mit der Schlacht bei Königgrätz in Rudiš Roman <em>Winterberg letzte Reise </em>eine wichtige Rolle spielt.</p>
<p>Skurril und etwas schräg, melancholisch und auch witzig, mit liebenswerten Figuren und wenig Handlung, vielen literarischen Verweisen, die aber nur kurz angetupft werden, hat mir der Roman mit seinen meist sehr kurzen Abschnitten und dem typischen Rudiš-Sound (rhythmisch, leitmotivisch, dialogisch) viel Spaß gemacht. Wie es sich für einen richtigen Roadtrip gehört, kann man das Buch mit einer Playlist begleiten (die man sich aber wohl selbst zusammenstellen muss; habe ich getan und meine Lektüre damit intensiviert) – überwiegend düsterer Post-Punk.</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.penguin.de/buecher/jaroslav-rudi%C5%A1-wo-die-toten-sprechen/buch/9783630877396"><img fetchpriority="high" decoding="async" data-attachment-id="21878" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21878" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen-189x300.webp" alt="Jaroslav Rudis - Wo die Toten sprechen" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/rudis-jaroslav-wo-die-toten-sprechen.webp 350w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Jaroslav Rudiš &#8211; Wo die Toten sprechen </strong><br />
<strong>Luchterhand Literaturverlag August 2026, Hardcover, mit Schutzumschlag, 240 Seiten, € 24,00</strong></p>
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		<title>Lektüre August 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Sep 2026 08:36:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der August startete wunderbar mit der Lektüre des Romans Pulver. Ein weitgespanntes, multiperspektivisches Panorama von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit. Ein ähnlich breites Panorama aus dem Riesengebirge/Böhmen war mein erstes Buch zum diesjährigen&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/09/10/lektuere-august-2026/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der August startete wunderbar mit der Lektüre des Romans <em>Pulver. </em>Ein weitgespanntes, multiperspektivisches Panorama von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit. Ein ähnlich breites Panorama aus dem Riesengebirge/Böhmen war mein erstes Buch zum diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse Tschechien: Geteiltes Haus von Alice Haoracková. Gleich ein absolutes Highlight! Im September will ich mich ganz der Lektüre tschechischer Literatur widmen, mit Emma Kausc und Dora Kaprálová habe ich im August schon zwei andere Texte dazu gelesen.</p>
<p>Enttäuscht hat mich tatsächlich eines der am höchsten gehandelten Bücher dieses Leseherbstes, nominiert für den Deutschen Buchpreis, jetzt auch für die Shortlist, aber einfach nicht meins: Anton und Alma. Vielleicht auch meinem immer sehr kritischen Blick auf Liebesgeschichten geschuldet. Wer weiß. Die Stimmen zum Buch sind vorwiegend begeistert.</p>
<p><span id="more-22319"></span></p>
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<h4><strong><img decoding="async" data-attachment-id="21214" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/johann-reisser-pulver/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="johann-reisser-pulver" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21214" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-186x300.jpg" alt="Johann Reißer - Pulver" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg 500w" sizes="(max-width: 186px) 100vw, 186px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/">JOHANN REISSER &#8211; PULVER</a></strong></h4>
<p>Die Geschichte des Fabrikanten Max Duttenhöfer, der mit seiner Pulverfabrik und der Erfindung rauchlosen Schießpulvers im 19. Jahrundert zu enormem Reichtum gekommen ist und seiner Nachfahren. Ein wunderbar erzählender Historienroman, der nach sozialer Verantwortung fragt und den Bogen in unsere heutige Zeit und die neuerdings geforderte &#8222;Kriegstüchtigkeit&#8220; spannt.</p>
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<h4><strong><img decoding="async" data-attachment-id="21812" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/anton-und-alma-dana-vowinckel/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel.jpg" data-orig-size="500,819" data-comments-opened="1" data-image-title="anton-und-alma-dana-vowinckel" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21812" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel-183x300.jpg" alt="Dana Vowinckel - Anton und Alma" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/anton-und-alma-dana-vowinckel.jpg 500w" sizes="(max-width: 183px) 100vw, 183px" /><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/dana-vowinckel-anton-und-alma-t-9783518432976">Dana Vowinckel &#8211; Anton und Alma</a></strong></h4>
<p>Die Liebesgeschichte von Anton und Alma, die als jüngere Ichs mal zusammen auf Schüleraustausch waren, aber erst später zusammen fanden, angesiedelt zwischen Berlin und New York, erinnerte mich sehr an amerikanische Collegeromane. Ein ständiges Hin und Her, mir unverständliche Dramatisierungen, viel Emotionen, omnipräsenter Sex und dafür sehr viel Zeit und hunderte Seiten &#8211; trotz der unbestrittenen Könnerschaft Dana Vowinckels als Autorin habe ich mich fast 400 Seiten lang mehr oder weniger durch die Geschichte gelangweilt.</p>
<p>Mit dem 13. Oktober 2023 (Anton ist Jude und Alma nähert sich im Verlauf der Religion stark an) bekommt der Roman dann auf Seite 384 einen neuen Aspekt, der ihn für mich dann deutlich interessanter machte. Und Dana Vowinckel baut schließlich noch eine überraschende Wendung ein. Das alles konnte meine Enttäuschung über dieses von mir sehr sehnsüchtig erwartete Buch kaum mindern. Die meisten Leser- und Kritiker:innenstimmen sind aber positiv bis begeistert, so dass es einfach für mich nicht das richtige Buch war.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21840" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/pressebild_geteiltes-hausdiogenes-verlag_72dpi/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="alice-horackova-geteiltes-haus" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21840" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi-190x300.jpg" alt="Alice Horackova - Geteiltes Haus" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/Pressebild_geteiltes-hausDiogenes-Verlag_72dpi.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Alice Horáčková &#8211; Geteiltes Haus</strong></h4>
<p>Eine breit angelegte Familiengeschichte, die von Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg reicht und in der Riesengebirgsgegend angesiedelt ist, erzählt die Autorin in diesem wunderbaren Roman. Das nicht immer spannungsfreie, aber mögliche Zusammenleben von Tschechen und Deutschstämmigen im kleinen Gebirgsort Benezko wird durch sich verschärfenden Nationalismus und schließlich durch die deutsche Besatzung gründlich zerstört. Trennlinien laufen durch den Ort und auch die Familien. Alice Horáčková erzählt basierend auf der eigenen Familiengeschichte multiperspektivisch und entwickelt großartige Figuren. Die tschechischen Freundinnen, die zwei &#8222;deutsche&#8220; Brüder heiraten und ein ganz unterschiedliches Leben führen, stehen dabei im Mittelpunkt. Großes Kino!</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21951" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/dora-kapralova-die-mariborhypnose/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose-.webp" data-orig-size="400,600" data-comments-opened="1" data-image-title="dora-kapralova-die-mariborhypnose-" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose-.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21951" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose--200x300.webp" alt="dora kapralova-die mariborhypnose" width="200" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose--200x300.webp 200w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose--267x400.webp 267w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/05/dora-kapralova-die-mariborhypnose-.webp 400w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><a href="https://mikrotext.de/book/dora-kapralova-die-mariborhypnose/">Dora Kaprálova &#8211; Die Mariborhypnose</a></strong></h4>
<p>Das mehrfach ausgezeichnete Buch <em>Die Mariborhypnose</em> in der Übersetzung von Nataša von Kopp ist ein ganz ungewöhnlicher Text. Die Erzählerin reist in die slowenische Stadt Maribor im Gepäck das Buch &#8222;Nordlicht&#8220; von Drago Jančar und eigentlich mit dem Auftrag, einen literarischen Reiseführer der Stadt zu schreiben. Folgendes berichtet sie:<br />
Ein seltsamer Mangel an Stubenfliegen, ein Metal-Festival in der Stadt, ein der Levitation zugeneigter Hypnotiseur, der eine Zeitlang mit Josip Broz Tito und Jaroslav Hašek in russischer Lagerhaft verbringt, der Unterschied von Pokopališče und Kopališče (Freibad ist kein Friedhof), ein Museum für einen einzigen Besucher und das Massengrab von Tezno, einem der größten Gräberfelder Europas, wo ab Mai 1945 zehntausende Menschen durch die jugoslawische Armee (Partisanen) hingerichtet wurden &#8211; ein wilder Ritt auf nur 150 Seiten. Ganz schön schräg, aber ich mochte es wirklich.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21193" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/emma-kausc-handlungsstoerung/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung.jpg" data-orig-size="500,762" data-comments-opened="1" data-image-title="emma-kausc-handlungsstoerung" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21193" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung-197x300.jpg" alt="Emma Kausc - Handlungsstörung" width="197" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung-197x300.jpg 197w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung-262x400.jpg 262w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/emma-kausc-handlungsstoerung.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px" />Emma Kausc &#8211; Handlungsstörung</strong></h4>
<p>Es sind gleich zwei Leerstellen, die die Ich-Erzählerin Emma, um die 30 und bei einer Organisation namens &#8222;Missing Persons&#8220; in London mit der Aufklärung von Vermisstenfällen beschäftigt, treffen. Ihre aus Tschechien stammende Mutter Zuzana ist an einer Krebserkrankung verstorben und ihre Geliebte Alyona ist auf unerklärliche Weise von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Beides lässt sie den Halt verlieren, sie weiß nicht mehr, wohin mit sich. Eine Art Flucht führt sie nach Los Angeles, in eine Beziehung zu der Künstlerin Anne sowohl wie in eine Affäre mit dem bekannten Schriftsteller John. Zwischen Erinnerungen an ihre Kindheit und die nicht unbelastete Beziehung zu ihrer Mutter, zwischen Partys und Vernissagen drängen sich die verheerenden Waldbrände in Kalifornien. Die Welt ist im Inneren wie im Äußeren in Gefahr, überall lauern Katastrophen.</p>
<p>Emma Kausc erzählt sehr ambitioniert, mit vielen kulturellen Anspielungen, mit nicht immer treffsicheren Bildern und ohne einen tragenden Erzählfluss. Mir kam leider keine(r) der Protagonist:innen nahe und am Ende musste ich scharf nachdenken, was ich da überhaupt gelesen habe (Verlust, Trauer, Haltlosigkeit?)</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" width="183" height="300" data-attachment-id="21807" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/alexandra-stahl-tschikago/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="alexandra-stahl-tschikago" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21807" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago-183x300.jpg" alt="&lt;a href=" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/alexandra-stahl-tschikago.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Alexandra Stahl &#8211; Tschikago</strong></h4>
<p>Frangfodd is schlimmer als Tschikago! Mehr als einmal stänkert so der grummelige Großvater gegen die im Nachbarbundesland gelegene nächste Großstadt. Er ist der &#8222;Held&#8220; im ersten Teil von Alexandra Stahls Buch, das &#8222;Roman&#8220; zu nennen mir schwer fällt. Sicher nimmt er sich vielleicht ein paar erzählerische Freiheiten und wir wissen ja alle, dass Erinnerungen manchmal trügerisch sind, aber dieser Text ist in seiner Klarheit und Lakonie eher eine Sammlung von Anekdoten, hier in Teil 1 aus der Kindheit und über das enge Verhältnis zu den Großeltern. 57 Jahre waren sie insgesamt verheiratet, bis der Großvater starb. Liebevoll und anrührend erzählt Alexandra Stahl von so manchen Schrullen, von Kabbeleien und stets wiederholten Sprüchen und das zum Teil im &#8222;Sound meiner Kindheit&#8220; aus dem Grenzgebiet von Hessen und Unterfranken.</p>
<p>Mit viel Liebe und trockenem Humor, manchmal ein kleines bisschen redundant wird hier von den Großeltern erzählt. Und dass man viel zu spät daran denkt sie als Menschen außerhalb dieser Funktion zu erkennen. Für Alexandra Stahl war diese Einsicht einer der Beweggründe, als ehrenamtliche Mitarbeiterin im Seniorenheim zu arbeiten. Biografiearbeit und Gedächtnistraining &#8211; die Autorin erzählt von den Menschen in der von ihr geleiteten Gruppe mit viel Witz und feiner Ironie. Das geschieht manchmal auf eine etwas zu &#8222;drollige&#8220; Art.</p>
<p>Stärker ist dann wieder der dritte Teil. Hier erzählt sie von ihrer hochbetagten Großmutter in der Gegenwart und von ihrer Arbeit als Autorin, wie sie die richtige Form für ihre Erzählung zu finden sucht. Vom &#8222;Winken bis zum Schluss&#8220; ist mehrfach die Rede und darauf bezieht sich auch das Buchcover, das eine Fotografie des wunderbaren Fotoprojekts<span data-subtree="aimfl,mfl" data-copy-service-computed-style="font-family: Google Sans, Arial, sans-serif; font-size: 16px; font-weight: 400; margin: 0px; text-decoration: none; border-bottom: 0px rgb(10, 10, 10);"> „Leaving and Waving“ von der Fotografin Deanna Dykeman zeigt</span>. Die Fotoserie zeigt Abschiede von ihren Eltern über einen Zeitraum von 27 Jahren (1991–2017) und dokumentiert damit das Altern, die Vergänglichkeit und schließlich den endgültigen Abschied. <a href="https://deannadikeman.com/leaving-and-waving">Unbedingt mal reinschauen!</a></p>
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<h4><strong><a href="https://www.chbeck.de/hoffmann-traeume_/product/39979457"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21887" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten.jpg" data-orig-size="500,777" data-comments-opened="1" data-image-title="christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21887" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten-193x300.jpg" alt="Christiane Hoffmann - Die Träume, die wir hatten" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/christiane-hoffmann-die-traeume-die-wir-hatten.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /></a><a href="https://www.chbeck.de/hoffmann-traeume_/product/39979457">Christiane Hoffmann &#8211; Die Träume, die wir hatten</a></strong></h4>
<p>Meine Freundin, Russland, die Ukraine und ich</p>
<p>Am 24. Februar 2024 begann der neuerdings &#8222;Vollinvasion in die Ukraine&#8220; genannte Angriffskrieg Putins auf das Nachbarland. Am selben Tag erfuhr Christiane Hoffmann vom Suizid ihrer engen Studienfreundin, mit der sie auch eine enge Verbindung zu Russland teilte. Nun führt sie die Analyse der Vorgeschichte der Entwicklungen in der Sowjetunion und in Russland, der Mentalität der jetzigen Regierung und der Folgen parallel mit der Geschichte ihrer Freundschaft und der Lebensgeschichte ihrer Freundin. Im Hintergrund steht bei beidem die Frage: Hätte man es verhindern können? Was hätte man tun können?</p>
<p>Für mich ist das leider ein wenig zu konstruiert. Der Teil, der sich den Entwicklungen in Russland widmet, ist der gelungenere und sehr aufschlussreich. Christiane Hoffmann erzählt sehr anschaulich und stilsicher. Die Lebens- und Krankheitsgeschichte ihrer Freundin (sie war manisch-depressiv) hätte vielleicht ein eigenes Buch gebraucht. Die abwechselnde Fokusierung und Engführung ist für mich nicht stringend und die Wechsel vom einen zum anderen waren für mich eher störend. Die konsequente Benennung &#8222;meine Freundin&#8220; &#8211; nie ein Namen(skürzel) und selten das Pronomen &#8222;sie&#8220; &#8211; hat mich stilistisch gestört. Dennoch ist <em>Die Träume, die wir hatten </em>lesenswert und gewinnbringend.</p>
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<h4><strong><a href="https://www.chbeck.de/kowalczuk-freiheitsschock/product/36959133"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22362" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/09/10/lektuere-august-2026/kowalczuk-freiheitsschock/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock.jpg" data-orig-size="300,470" data-comments-opened="1" data-image-title="kowalczuk-freiheitsschock" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22362" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock-191x300.jpg" alt="Ilko-Sascha Kowalczuk - Freiheitsschock" width="191" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock-191x300.jpg 191w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock-255x400.jpg 255w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/09/kowalczuk-freiheitsschock.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px" /></a><a href="https://www.chbeck.de/kowalczuk-freiheitsschock/product/36959133">Ilko-Sascha Kowalczuk &#8211; Freiheitsschock</a></strong></h4>
<p>Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute</p>
<p>Ilko-Sascha Kowalczuk schreibt ein wütendes Buch. Aufgewachsen in einem staatstreuen Elternhaus in der DDR, war er aktiv in der Bürgerrechtsbewegung und seit dem Mauerfall ein streitbarer Beobachter der gesamtdeutschen Gesellschaft. Die Entwicklungen der letzten Jahre und der Rechtsruck besonders in den ostdeutschen Bundesländern treibt ihn um. Als glühender Verfechter der Freiheit als höchsten Wert für das Zusammenleben benennt er die Schwäche der Zivilgesellschaft, die Passivität großer Bevölkerungsteile, falsches Anspruchsdenken und ein unzureichendes Verständnis für Demokratie als grundlegende Ursachen für die große Attraktivität, die autoritäre, rechtsgerichtete Parteien besonders, aber nicht nur in Ostdeutschland besitzen.</p>
<p>Große Teile der ehemaligen DDR-Bürger waren 1989 nicht vorbereitet auf Freiheit und Demokratie. Wie auch? &#8222;Der Westen&#8220; war für viele einfach nur Konsum, ein falsch verstandenes Paradies. Enttäuschungen waren vorprogrammiert. Die Zumutungen, die Freiheit und Demokratie bedeuten, werden bis heute nicht verstanden und akzeptiert. Auf der anderen Seite standen und stehen westliche Überheblichkeit, falsche Versprechungen und kapitalistische Gier. Wie kann das überwunden werden? Kowalczuk hat keine einfachen Lösungen. Seine Überlegungen, die manchmal recht zugespitzt und vor allem manch andere Stimmen aus Ostdeutschland harsch angehend sind, zu lesen, ist auf jeden Fall bereichernd.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/09/10/lektuere-august-2026/">Lektüre August 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Lukas Rietzschel &#8211; Sanditz</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/09/03/lukas-rietzschel-sanditz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 09:21:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mauerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsradikalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer der am häufigsten (und kontrovers) diskutierten Romane des Frühjahrs 2026 und ein heißer Kandidat für den Deutschen Buchpreis &#8211; Lukas Rietzschel hat mit seinem Roman Sanditz ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen. „Ein großes Bild der&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/09/03/lukas-rietzschel-sanditz/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/09/03/lukas-rietzschel-sanditz/">Lukas Rietzschel &#8211; Sanditz</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Einer der am häufigsten (und kontrovers) diskutierten Romane des Frühjahrs 2026 und ein heißer Kandidat für den Deutschen Buchpreis &#8211; Lukas Rietzschel hat mit seinem Roman <em>Sanditz </em>ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen. „Ein großes Bild der deutschen Gesellschaft von der DDR bis in die jüngste Gegenwart“ verspricht der Klappentext und von den meisten Rezensenten wird er als der „ersehnte Wenderoman“ gelesen.<span id="more-22307"></span></p>
<p>Ich frage mich tatsächlich, wer noch einen Wenderoman „ersehnt“. Es gibt mittlerweile so viele davon, sehr gute bis ziemlich schlechte. <em>Sanditz </em>ist ein richtig guter. Die Zeitspanne, die das Buch umfasst, reicht von den späten 1970ern bis 2022 und der fiktive Ort wird von seinem Autor zwar nur diffus im Osten platziert, erinnert aber doch Ortkundige sehr an Görlitz in der Oberlausitz, wo auch Lukas Rietzschel lebt. Provinz, ein Personal, das oft gern als „abgehängt“ bezeichnet wird, eine Region, in der es viele Umbrüche zu verkraften gab &#8211; selten waren es positive.</p>
<h3>Familien- und Generationenroman</h3>
<p>So wurde auch die Familie Wenzel, die im Zentrum des Buchs, das noch viel mehr als ein Wende- oder DDR-Roman ein Generationenroman ist, steht, umgesiedelt, um einer Braunkohlegrube Platz zu machen. In den vier Bungalows, die den verdrängten Familien etwas abseits von Ort zur Verfügung gestellt wurden, wohnen nun Marion und ihre Tochter Maria und im Nachbarhaus Marions Mutter Erika und Bruder Dirk. Dirk ist wie Marion auch schon in mittleren Jahren, hat aber nie den Absprung von zu Hause geschafft und hat mit seiner Mutter ein etwas ungesund enges Verhältnis. Relativ früh im Buch stirbt Erika und Dirk muss nun allein zurechtkommen.</p>
<p>In vielen Zeitsprüngen geht die Romanhandlung von dieser Anfangszeit im Coronajahr 2021, das mit seinen Einschränkungen und Protesten eine besondere Rolle einnimmt, zurück in die Kindheit und Jugend von Marion und Dirk. Vater Norbert, ein Orgelbauer, der wegen seiner Arbeit die Erlaubnis für Westreisen hatte, und gleichzeitig dem verborgenen Widerstand gegen das DDR-Regime angehörte, schmuggelte regelmäßig verbotene Schriften und Bücher ins Land. Mutter Erika war in der Kirchengemeinde engagiert. Und auch Marion ist gläubig aufgewachsen, wird als junge Frau von einem Superintendenten er Kirche schwanger. Als offizieller Vater benennt sie ihren Freund Roland Moschnick. Die beiden heiraten, bekommen ein weiteres Kind.</p>
<p>Roland ist eigentlich schwul, ihm dient die Heirat als Fassade. Nach der Wende arbeitet er auf Montage im Westen, sieht seine Kinder selten und entfremdet sich von ihnen und Marion. Er lebt zeitweise in einer etwas toxischen Beziehung zum schillernden Achim, bis der eines Tages verschwindet. Tochter Maria arbeitet nach einem Studium in Kassel mittlerweile wieder in Sanditz als Lokalreporterin, Sohn Tom hat seinen Job als Polizist als entschiedener Gegner der Coronamaßnahmen gekündigt. Nun versackt er allmählich, steigert sich immer mehr in Schwurbeleien hinein.</p>
<h3>Viele Themen</h3>
<p>Lukas Rietzschel erzählt in <em>Sanditz </em>multiperspektivisch mit häufigen, zur besseren Orientierung gekennzeichneten Zeit- und Ortswechseln. Er spricht viele Themen an, darunter auch das Ende der DDR, die Bürgerrechtsbewegung, der (kirchliche) Widerstand, der Mauerfall. Es geht daneben aber auch um dysfunktionale Familienverhältnisse, Freundschaft, Verrat, den Aufstieg der AfD, den Rechtsruck, die Coronapandemie und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Und schließlich bewegt sich der Text noch bis zum Jahr 2022, hin zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar. Tom meldet sich als freiwilliger Kämpfer auf Seiten der Ukraine und wir Leser:innen begleiten ihn in diesen Krieg, in die Kämpfe, in die Gräben. Das ist manchmal recht schwer auszuhalten.</p>
<p>Lukas Rietzschel erschafft sehr lebendige Charaktere. Charaktere, die auf den ersten Blick wenig zur Identifikation einladen, sehr ambivalent, zum Teil sogar recht abstoßend gestaltet sind. Es dauert auch eine Weile, bis man sich bei ihnen und ihren Beziehungen zueinander so richtig zurechtfindet. Lukas Rietzschel wertet und verurteilt sie nicht. Auch moralische Kommentare oder Thesen spart er sich. Er gibt genaue, detaillierte Beschreibungen in einer klaren, gut lesbaren Sprache. Das Mosaik setzt sich daraus langsam zusammen. Dann ist man Sanditz und seinen Bewohnern sehr nah. Das Ganze ist lebendig und nach dem Einlesen auch unterhaltsam.</p>
<h3>Düsterer Prolog</h3>
<p>In einem etwas vernebelten Prolog treten 10 schwarze Vögel auf, die sich im Flug schmerzhaft in Menschen verwandeln, auf die Erde geschickt, um ein Bismarckdenkmal zu stürzen. Ein umgekehrtes Krabat-Motiv also. Hat der Müller seine Burschen als Raben ihrer Identität und Menschlichkeit berauben wollen, befreien diese sich nun. Krabat, als Verführbarkeit durch den Faschismus gedeutet, und die Befreiung, ist im Buch das einzige, wenn man so will, politische Moment, das man auf das Ende der DDR-Diktatur, aber auch als Warnung vor rechtsextremen Tendenzen im Heute deuten kann. Dieser Prolog steht etwas isoliert und wird erst ganz am Ende wieder aufgenommen, wo über dem ukrainischen Schlachtfeld zehn schwarze Drohnen auftauchen. Diese schwere Symbolik ist für die klare, realistische Gestaltung des restlichen Romans ungewöhnlich.</p>
<p>Das Buch steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2026.</p>
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<p>Beitragsbild: by Jérôme, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.dtv.de/buch/sanditz-28516"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21225" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/lukas-rietschel-sanditz/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz.jpg" data-orig-size="500,808" data-comments-opened="1" data-image-title="lukas-rietschel-sanditz" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21225" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz-186x300.jpg" alt="Lukas Rietzschel - Sanditz" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/lukas-rietschel-sanditz.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Lukas Rietzschel &#8211; Sanditz</strong><br />
<strong>DTV März 2026, Hardcover, 480 Seiten, € 26,00</strong></p>
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		<title>Corinna Krenzer &#8211; Eine einfache Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 09:01:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine komplexe DDR-Geschichte, eine Familiengeschichte, die sich um Schuld und Schweigen dreht und um die Rückkehr an den Ort der Kindheit: Corinna Krenzer hat mit Eine einfache Wahrheit einen Debütroman geschrieben, den ich sehr gern&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/30/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine komplexe DDR-Geschichte, eine Familiengeschichte, die sich um Schuld und Schweigen dreht und um die Rückkehr an den Ort der Kindheit: Corinna Krenzer hat mit <em>Eine einfache Wahrheit </em>einen Debütroman geschrieben, den ich sehr gern gelesen habe. Und doch hat mich etwas irritiert, was ich zunächst nicht näher benennen konnte. Dann habe ich gelesen, dass der Roman eigentlich einen männlichen Protagonisten hatte und dass die Autorin dann auf Anraten ihres Verlegers daraus kurzfristig Janna machte, Schriftstellerin Mitte 40, verheiratet mit ihrem Literaturagenten Hannes und in eine heimliche Affäre mit Marie verstrickt. Seitdem überlege ich, ob diese Änderung – die nicht wirklich spürbar und professionell umgesetzt ist – diese Irritation auslöste.<span id="more-22311"></span></p>
<h3>Zurück nach Osten</h3>
<p>Janna steckt in einer Krise, die wie so oft in der Literatur dazu führt, an den Ort der Kindheit zurückzukehren. Ein handgreiflicher Streit mit Marie und deren Partnerin Nike, die Vorwürfe, ihre aus der Kindheit stammenden Schuldgefühle nicht aufzuarbeiten, und das Zusammentreffen mit ihrem 44. Geburtstag, dem Alter, in dem sich ihr Vater das Leben nahm, veranlasst sie dazu, ins mecklenburg-vorpommerische (fiktive) Kohltal aufzubrechen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ist die Familie als Janna 14 war, in den Westen geflohen. Janna hat das ihrem Vater nie verziehen, zumal sie sich nicht einmal von ihrem besten Freund Oskar verabschieden konnte. Klären konnte sie das aber auch nie, denn kurz nach der Flucht erschoss sich der Vater, in der Hand einen Zettel, auf dem nur ein Wort stand: Janna.</p>
<p>Dieser Selbstmord und seine Umstände ist einer der Punkte, die ich in diesem beachtlichen Debüt kritisch sehe. Auch wenn sich für viele Suizide nicht unbedingt rationale Gründe finden lassen, fühlt sich dieser irgendwie falsch an. Ein liebender Vater, der wissentlich lebenslange Schuldgefühle auf seine Tochter ablädt? Denn natürlich macht sich Janna für diesen Tod verantwortlich, hat sie ihre Wut über die für sie so plötzlich kommende Ausreise aus der DDR ihm gegenüber doch sehr deutlich gemacht.</p>
<h3>Von West nach Ost</h3>
<p>Der aus Westdeutschland stammende Vater Ulli hatte Bea einst bei einem Bulgarienurlaub kennen und lieben gelernt. Für sie siedelte er in die DDR über. Dort arbeitete er als Lehrer, was mich auch kurz irritierte – durften solche aus dem Westen stammenden Menschen tatsächlich den Lehrberuf ergreifen? Zumindest dürfte das nicht ganz einfach gewesen sein. Zumal Ulli an Kritik am Staat nicht hinter dem Berg hielt. Schließlich verliert er seine Anstellung auch und betätigt sich fortan an Schriftsteller. Der Ulli war, so bekommt es Janna bei ihrem Besuch in Kohltal gleich vermittelt, ein Außenseiter, ein Querulant. Er konnte, auch wenn Bea ihn bat, seinen Mund nicht halten. Das brachte ihn ins Visier der Partei und der Stasi. Ausgerechnet Oskars Vater war SED-Ortsparteisekretär.</p>
<p>In Kohltal trifft Janna auch heute auf Ablehnung, vor allem aber auf ein Schweigen, das auch in ihrer Familie geherrscht hat. Selbst Oskar will nicht mit ihr reden. Als sie vor Jahren die Urnen ihrer Eltern auf deren Wunsch nach Kohltal überführte, hat sie ihn noch nicht einmal angetroffen. Und auch jetzt ist er abweisend. Dass alles damals ganz anders war, als Janna immer gedacht hat, erfährt sie erst aus den Tagebüchern ihres Vaters, die sie im alten Bootshaus der Familie entdeckt.</p>
<p>Corinna Krenzer gelingt es gut, die Atmosphäre in Kohltal und die ungute dörfliche Dynamik einzufangen, sowohl die Enge und das Misstrauen zu DDR-Zeiten als auch das Schweigen und die Trostlosigkeit im Heute. Man folgt ihren Protagonist:innen gern, trotz der oben angesprochenen Einwände. Sie hält ihren Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht. Die Beziehungsprobleme sowohl zu Ehemann Hannes als auch zu Marie wirken hingegen ein wenig aufgesetzt und sind für den eigentlichen Plot entbehrlich.</p>
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<p>Beitragsbild via pxhere</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.kjona.eco/products/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit?srsltid=AfmBOoqolq05c9R_vaLV1XD4S5hdVg8i6o2ZI2TyyyQPzSt97XzR5NJ2"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21817" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg" data-orig-size="500,774" data-comments-opened="1" data-image-title="corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg" class="alignleft size-medium wp-image-21817" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-194x300.jpeg" alt="Corinna Krenzer - Eine einfache Wahrheit" width="194" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-194x300.jpeg 194w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-258x400.jpeg 258w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg 500w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Corinna Krenzer &#8211; Eine einfache Wahrheit</strong><br />
<strong>Kjona Juli 2026, 240 Seiten, Gebunden, € 24,00</strong></p>
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		<title>Miriam Carbe &#8211; Unerwünschte Töchter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 06:20:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Buchpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Miriam Carbe wurde 1967 als Tochter einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Studenten geboren. Gewiss keine leichte Situation für ihre 22-jährige Mutter Monika, zumal sowohl der Vater des Kindes als auch ihre Mutter sie zu&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/27/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Miriam Carbe wurde 1967 als Tochter einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Studenten geboren. Gewiss keine leichte Situation für ihre 22-jährige Mutter Monika, zumal sowohl der Vater des Kindes als auch ihre Mutter sie zu einer Abtreibung drängten. Unverheiratet und dem Rassismus einer deutschen Gesellschaft ausgesetzt, die die während des Nationalsozialismus „erlernten“ Einstellungen nur sehr zögerlich ablegte (wenn überhaupt), muss eine Zukunft mit diesem Kind für sie unvorstellbar gewesen sein. Obwohl sie einer Abtreibung zunächst zustimmte, entschied sich Marion schließlich aber doch für das Kind. Miriam Carbe wird damit eine weitere „unerwünschte Töchter“ ihrer Familie. In ihrem autofiktionalen Debütroman erzählt die arte-Redakteurin von gleich drei ihr vorangegangenen Frauengenerationen, die immer wieder an den gesellschaftlichen Erwartungen und Hindernissen zu scheitern drohten, sich aber tapfer dagegen stemmten.<span id="more-22303"></span></p>
<p>Da ist zunächst ihre Urgroßmutter Margarethe, in bildungsbürgerlicher Umgebung in der Villa Parsifal in ihrem geliebten Dresden aufgewachsen. Dass sie eine unerwünschte Tochter war, vermutet die Autorin, da ihre Geburt lediglich drei Monate nach der Hochzeit der Eltern stattfand. Ein Junge hätte sie sein sollen. Das Mädchen war den Eltern zu wild, zu durchsetzungsstark. Immerhin erreichte sie, dass sie den Beruf der Kindergärtnerin erlernen durfte. Den jüdischen Freund allerdings durfte sie nicht heiraten. Der als „Kompromiss“ gewählte Ehemann stirbt bereits 1914 im ersten Weltkrieg. Allerdings nicht als Kriegsheld, sondern „bedauerlicherweise“ an Typhus.</p>
<h3>Unerwünschte Töchter</h3>
<p>Als Tochter Marianne auf die Welt kam, war der Vater bereits tot. Die Vermutung, dass sie „unerwünscht“ war, liegt daher nahe. Zumal mit dem Bruder des Verstorbenen ein neuer „Vati“ ins Haus kam. Dass dieser Margarethes große Liebe war, darf bezweifelt werden. Ein Umzug führte die Familie fort aus Dresden, nach Meiningen und später noch weiter aufs Land. Das muss der für Goethe und Kultur im Allgemeinen schwärmende Margarethe las Abstieg vorgekommen sein. Marianne entwickelte sich zu einer später stramm nationalsozialistisch denkenden jungen Frau.</p>
<p>Ein großes Lob geht an die Ambivalenz, mit der Miriam Carbe die Personen in <em>Unerwünschte Töchter</em> darstellt. Ihre Familiengeschichte schreitet chronologisch voran, wechselt aber jeweils die Perspektive, wenn die neue Generation geboren wird. So erfasst sie sowohl die Innen- als auch die Außensicht der Frauen. Und vermeidet jede explizite Anklage, beispielsweise der rassistischen, menschenfeindlichen Naziansichten von Marianne oder der Strenge ihrer Urgroßmutter gegenüber der Großmutter. Ihr ist wichtiger, zu zeigen, wie die Frauen zu den Menschen geworden sind, die sie waren. Und Marianne war zwar rassistisch, hat ihre spätere „schwarze“ Enkelin aber sehr geliebt und unterstützt.</p>
<p>Im Krieg arbeitete Marianne als Sekretärin in einer Kaserne. Dorthin war Alfred Carbe, Jurist und durch eine frühe Kriegsverletzung zum Schreibtischdienst abkommandiert, ihr Chef. Eine Affäre erwies sich nicht als zukunftsträchtig, hatte Carbe doch andernorts eine weitere Geliebte. Als Marianne in der Endphase des Krieges schwanger wurde, gab er ihr allerdings vor seiner Einberufung zum letzten Aufgebot zumindest noch eine Vaterschaftserklärung. Das bewahrte sie nach seinem Tod 1945 davor, ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen. So wurde sie zur Kriegswitwe. Erwünscht war Tochter Monika trotzdem sicher nicht.</p>
<p>Zu Beginn der Spannungen, die schließlich zur deutschen Teilung führten, übersiedelte Marianne mit ihrer Tochter in die BRD, schließlich nach Ostwestfalen. Monika ist rebellisch und labil, wird später psychisch krank.</p>
<h3>Hunderte Tagebücher</h3>
<p>Grundlage für ihren Roman <em>Unerwünschte Töchter</em> waren für Miriam Carbe Hunderte Tagebücher, die vor allem ihre Mutter, aber auch ihre Groß- und Urgroßmutter in einem alten Kirschholzschrank hinterließen, der die Familie und die Geschichte über die hundert Jahre Familiengeschichte begleitet. Tagebuchschreiber:innen sind natürlich keine zuverlässigen Erzähler:innen. Das weiß die Autorin. Sie schiebt zwischen ihre Kapitel, die von den Frauen der Familie berichten, immer wieder Kapitel in der Ich-Perspektive, in denen sie nicht nur von ihren Erinnerungen erzählt, sondern auch das Erinnern an sich und das Schreiben darüber thematisiert. Das ist mittlerweile ein durchaus übliches Verfahren bei autofiktionalen Werken und bereichert auch hier den Text.</p>
<p>Der ist klar und relativ zurückgenommen erzählt, was sich sehr gut liest. Besonders die ambivalente Figurenzeichnung ist hervorzuheben. Das Cover schmückt eine Perlenkette. Die vier Frauen der Familie reihen sich nicht nur wie eine Kette aneinander – alle Vornamen beginnen mit „M“ -, sondern die Perlen kommen auch im Text als Motiv vor. Besitzt Margarethe noch ihrem bildungsbürgerlichen Stand angemessene echte Perlen, sind diese bei Marianne nur noch Modeschmuck und Fassade. Monika schließlich lehnt als Studentin der 1960er Jahre dieses einstige Statussymbol rundweg ab. Wie Miriam Carbe zu Perlen steht, weiß ich nicht. Verbunden über diese symbolische Kette, mit den Erfahrungen und Traumata ihrer Ahninnen, ist sie aber gewiss.</p>
<p>Der Roman steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2026.</p>
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<p>Beitragsbild CC0 via pxhere</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21898" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="miriam-carbe-unerwuenschte-toechter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21898" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-184x300.jpg" alt="Miriam Carbe - Unerwünschte Töchter" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Miriam Carbe &#8211; Unerwünschte Töchter</strong><br />
<strong>Hanser Verlag Mai 2026, 576 Seiten, Hardcover, 26,00 €</strong></p>
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		<title>Michael Riepl &#8211; Ferne Heimat Altmontal</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/08/23/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 06:43:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Russlanddeutsche]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Altmontal – was so pittoresk und heimelig klingt und man vielleicht irgendwo in Bayern oder Baden-Württemberg verorten würde befindet sich in Wahrheit mehr als 2000 Kilometer entfernt und existiert schon lange nicht mehr. Samoschne heißt&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/23/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal/">Mehr</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Altmontal – was so pittoresk und heimelig klingt und man vielleicht irgendwo in Bayern oder Baden-Württemberg verorten würde befindet sich in Wahrheit mehr als 2000 Kilometer entfernt und existiert schon lange nicht mehr. Samoschne heißt der Ort heute, gelegen zwischen Dnipro und Asowschem Meer in der Südukraine und seit dem Angriffskrieg Putins von Russland besetzt und in unmittelbarer Frontnähe. Von den deutschen Einwanderern, die zu Beginn des 19. Jahrhundert vom russischen Zar eingeladen wurden, sich hier – ca. 100 Kilometer südlich von Saporischschja – niederzulassen und das Land zu bestellen, sind nahezu alle Spuren verschwunden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der von den meist protestantischen Siedlern bewirtschaftete Fleck Erde wohlhabend und blühend. 1919 wurde dort Hedwig Krämer, die Großmutter von Michael Riepl, Autor von <em>Ferne Heimat Altmontal. Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, </em>geboren.<span id="more-22292"></span></p>
<p>Für den kleinen Michael war es einfach die Oma Hedi, die im oberpfälzischen Sindelbach Geschichten vorlas oder die Familie bekochte. Es war kein Geheimnis, dass sie ihre Kindheit und Jugend in der Ukraine und dem Kaukasus verbracht hat, aber es wurde auch nie groß thematisiert. Als sie 2004 starb, war Michael 15. Und Jugenderinnerungen der Großeltern interessieren in der Regel in diesem Alter eher weniger. Das änderte sich, als Michael Riepl 2018 für einen humanitären Einsatz des Internationalen Roten Kreuz in die Ukraine reiste. Seit der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2013 und dem seitdem in der Ostukraine tobenden Krieg rückte die ehemalige Heimat seiner Großmutter in sein und das öffentliche Bewusstsein. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ihm seine Mutter ein über 300 Seiten umfassendes Manuskript überreichte, in dem Hedwig ihre Lebensgeschichte erzählte. 10 Jahre hatte sie daran gearbeitet.</p>
<h3>Siedler in der Ukraine</h3>
<p>Ihre Vorfahren waren Teil der Siedler, die nach 1805 Altmontal gründeten, fromm protestantische, arbeitsame Bauern, die es bald zu einem gewissen Wohlstand brachten. Das Ende ihrer „goldenen Zeit“ brach mit der russischen Revolution an. In deren Folge kam es zu Enteignungen und den sogenannten „Kulakenverfolgungen“. Bauern mit einem etwas größeren Landbesitz oder die es zu Wohlstand gebracht hatten, wurden als „volksschädliche“ Kulaken diffamiert und verfolgt. Ihnen wurden völlig absurde Abgaben auferlegt, so dass sie sich kaum über Wasser halten konnten.</p>
<p>Dadurch dass alle prosperierenden Höfe, die Arbeitsmittel und große Teile der Ernten beschlagnahmt wurden und gleichzeitig zugunsten der von Diktator Stalin mit aller Macht angestrebten Industrialisierung der Sowjetunion riesige Mengen Getreide aus der „Kornkammer Europas“ gegen Devisen ausgeführt wurden, begann, besonders in der Ukraine, eine große Hungersnot, der „Holodomor“, der ca. 4 Millionen Menschen (darunter über 3 Millionen in der Ukraine) das Leben kostete. Gleichzeitig wurden 1931 über 5 Millionen Tonnen Getreide ausgeführt.</p>
<p>Auch die sechsköpfige Familie Krämer war unmittelbar von den Verfolgungen, Enteignungen und dem Hunger bedroht. Als ein Cousin der Familie anbot, eines der Kinder mit zu sich nach Annenfeld (heute Şəmkir) in Aserbaidschan zu nehmen, meldete sich Hedwig und überstand die Zeit sehr gut dort im Südkaukasus. Nach fünf Jahren kehrte sie in die Ukraine zurück, um ihren Traum, Hilfsärztin zu werden, zu verwirklichen. Als Deutschstämmige und Tochter eines als Kulaken verfolgten Vaters war ein Studium für sie allerdings nicht möglich.</p>
<h3>Stalinterror und deutsche Besatzung</h3>
<p>Und der Stalinterror lief sich zu der Zeit erst warm. Mit Kriegsbeginn 1941 wurden zunächst die Männer der deutschstämmigen Familie nach Sibirien deportiert, dann drohte dies auch den Frauen. Der Einmarsch der Wehrmacht bewahrte sie knapp davor. Keine Entschuldigung, aber eine Erklärung, warum viele, besonders die deutschstämmigen Siedler die Ankunft der Wehrmacht meist begrüßten, ja bejubelten. Und sich in der Folge während der Besatzungszeit oft schuldig machten. Wie Hedwig diese Zeit wahrnahm und durchlebte, wird nicht ganz deutlich. Sie wird sie aber einerseits auch als Hoffnung gesehen haben. Andererseits „verschwand“ ihr sehr geschätzter, sie unterstützender Arbeitgeber Dr. Worobjow. Und als Dolmetscherin in der deutschen Kommandantur sah sie die Brutalität, mit der Zwangsarbeiter:innen meist gegen ihren Willen nach Deutschland geschickt wurden.</p>
<p>Die Arbeit auf der Kommandantur verschaffte ihr auch eine Möglichkeit, die ihr schließlich das Leben rettete. Als „Volksdeutsche“ durfte sie nicht ins Mutterland ausreisen. Dies strebte sie allerdings an, da sie immer noch Medizin studieren wollte. So beschaffte sie sich an ihrem Arbeitsplatz einen falschen Passierschein und gelangte schließlich mit den anderen Zwangsarbeiter:innen nach Deutschland. Was dort mit ihr geschah wird nur kurz durch eine Episode ihrer „Entnazifizierung“ 1946 angedeutet. Vielleicht gibt es hier ja irgendwann eine Fortsetzung?</p>
<h3>Und heute?</h3>
<p>Das wäre auf jeden Fall zu begrüßen. Michael Riepl erzählt das Leben seiner Großmutter in <em>Ferne Heimat Altmontal </em>so liebevoll und berührend, so sachkundig und auch literarisch überzeugend, dass das Buch sofort als eines meiner Jahreshighlights feststand.</p>
<p>Zwischen die Kapitel über seine Großmutter, deren Basis die Aufzeichnungen bilden, sind Abschnitte über Riepls Spurensuche und seine humanitäre Arbeit in der Ukraine, Aserbeidschan, Armenien und der Demokratischen Republik Kongo geschoben, die Damals und Heute verknüpfen. Als Riepl 2018 kurz in Altmontal war, konnte er nicht ahnen, dass ein Besuch wegen des aktuellen Kriegsgeschehens auf absehbare Zeit nicht mehr möglich sein würde. Annenfeld wiederum ist nicht weit entfernt vom armenischen Heimatort seiner Frau, mit der er heute in Armenien lebt. Diese Nähe von der Gegenwart und der Vergangenheit seiner Großmutter macht das Buch besonders eindringlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: Unknown author, German Lutheran settlement Darmstadt (nowtime Romashki, Melitopolskyi Raion, Zaporizhia Oblast, Ukraine). 1918, Public domain, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.chbeck.de/riepl-ferne-heimat-altmontal/product/40702364"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21893" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg" data-orig-size="500,777" data-comments-opened="1" data-image-title="michael-riepl-ferne-heimat-altmontal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21893" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-193x300.jpg" alt="Michael Riepl - Ferne Heimat Altmontal. Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Michael Riepl &#8211; Ferne Heimat Altmontal</strong><br />
<strong>C.H. Beck Mai 2026, 304 Seiten, gebunden mit 5 Abbildungen und 1 Karte, € 25,00</strong></p>
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		<title>Johann Reißer &#8211; Pulver</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 06:32:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Historischer Roman]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer kennt schon (außerhalb seiner Geburtsstadt Rottweil) Max Duttenhofer? Eine Internetrecherche ergibt außer dem obligatorischen Wikipedia-Eintrag einen Treffer zu einer Ausstellung in Stuttgart im Jahr 2021 und einen zu der fragwürdigen Seite all4shooters. Letztere präsentiert&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/">Mehr</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer kennt schon (außerhalb seiner Geburtsstadt Rottweil) Max Duttenhofer? Eine Internetrecherche ergibt außer dem obligatorischen Wikipedia-Eintrag einen Treffer zu einer Ausstellung in Stuttgart im Jahr 2021 und einen zu der fragwürdigen Seite all4shooters. Letztere präsentiert Testberichte zu Schusswaffen aller Art, erstere trug den Titel „Gier – was uns bewegt“. Damit ist scheinbar schon einiges gesagt, zum „Pulver-König“ aus dem Neckartal, dem Begründer eines Fabrikimperiums für Schießpulver, Kunstfasern und Zelluloseprodukte, dem der Autor Johann Reißer einen äußerst gelungenen historischen Roman widmet, der uns bis ins Jahr 2020 führt.<span id="more-22296"></span></p>
<p>Der erst 20 Jahre alte Duttenhofer übernahm 1863 die Leitung einer Pulvermühle, in die seine Eltern investiert hatten und die nach dem Tod seines Vaters Wilhelm und dem Verkauf dessen Apotheke zunächst von der Mutter geführt wurde. Durch seinen Ehrgeiz, seine gute Ausbildung, sein Auftreten und eine vorteilhafte Heirat baute er diese in den kommenden Jahrzehnten zu einem der führenden Rüstungsunternehmen des Kaiserreichs aus. Durch die Entwicklung eines raucharmen Pulvers brachte er es in kurzer Zeit zu einem Millionenvermögen.</p>
<figure id="attachment_22297" aria-describedby="caption-attachment-22297" style="width: 500px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22297" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/500px-max-wilhelm-von-duttenhofer/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer.jpg" data-orig-size="500,719" data-comments-opened="1" data-image-title="500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer.jpg" class="wp-image-22297 size-full" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer.jpg" alt="Max Duttenhofer " width="500" height="719" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer.jpg 500w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer-209x300.jpg 209w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Max-Wilhelm-von-Duttenhofer-278x400.jpg 278w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22297" class="wp-caption-text">Max Duttenhofer um 1890 via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<p>Die Beteiligung Preußens an den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 gegen Dänemark, Österreich und Frankreich sowie der Berg- und Eisenbahnbau förderten den Absatz. Verbindungen in die höchsten Kreise, z.B. zu Otto von Bismarck mehrten seine Macht und seinen Einfluss. Duttenhofer expandierte nicht nur deutschlandweit, fusionierte mit anderen Unternehmen, u.a. dem der Gebrüder Mauser. Meist wird er als skrupelloser Kapitalist, dem seine unter gefährlichsten und gesundheitsschädlichsten Bedingungen arbeitenden Arbeiter völlig egal waren, als glühender Nationalist und Egomane dargestellt.</p>
<h3>Das Erbe des Pulverkönigs</h3>
<p>Johann Reißer zeichnet ein durchaus ambivalenteres, wenn auch kritisches Bild und konzentriert sich auch nur anfangs auf den „Pulverkönig“, der eben auch charismatisch, fortschrittlich, engagiert &#8211; und ein treuloser Ehemann war.</p>
<p>Nach seinem (auch im Roman) etwas mysteriösen Tod übernahm sein Bruder Karl Duttenhofer (1849-1921) die durch wechselnde Bedrohungslagen und Kriegstreiberei prosperierenden Geschäfte. Während des Ersten Weltkriegs beschäftigte Duttenhofers Pulverfabrik über 2.000 Arbeiter. Die Szenen aus dem Krieg gehören zu den überzeugendsten des rundum gelungenen Romans. Hier übernimmt u.a. Rosa, eine Arbeiterin der Pulverfabrik – und illegitime Enkelin Max Duttenhofers; der Autor nimmt sich die einem Roman zustehende literarischen Freiheiten – die Hauptrolle und lenkt den Fokus vom Unternehmer zur Arbeiterschaft. Ihr Verlobter Hans nimmt am Krieg teil und entkommt dem Wahnsinn nur knapp. Psychisch allerdings zerbricht er an den Erlebnissen und wird Opfer der Nachkriegsmedizin. Das schildert Johann Reißer sehr eindringlich und berührend.</p>
<p>Der Autor führt die Geschichte der Pulverfabrik bis ins Jahr 1933, der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg. Er wechselt dabei die Perspektiven und bietet einen mitreißenden Einblick in die Geschichte – nicht nur der Pulver- und Rüstungsfabrikation. Für 1933ff. genügt ihm dann gerade einmal eine gute Seite.</p>
<figure id="attachment_22298" aria-describedby="caption-attachment-22298" style="width: 500px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22298" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/500px-werkstaettengebaeude_neckartal_142_pulverfabrik_rottweil_2014/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014.jpg" data-orig-size="500,331" data-comments-opened="1" data-image-title="500px-Werkstättengebäude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014" data-image-description="" data-image-caption="&lt;p&gt;Von Andreas König, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35054627&lt;/p&gt;
" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014.jpg" class="size-full wp-image-22298" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014.jpg" alt="Pulver-Fabrik Rottweil" width="500" height="331" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014.jpg 500w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/500px-Werkstaettengebaeude_Neckartal_142_Pulverfabrik_Rottweil_2014-300x199.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a><figcaption id="caption-attachment-22298" class="wp-caption-text">Werkstättengebäude der Pulverfabrik by Andreas König, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35054627">CC BY-SA 3.0</a> via Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<h3>Der Sprung in die Gegenwart</h3>
<p>Am Ende macht er einen Sprung ins Jahr 2020. Eine späte Nachfahrin kommt zur Fastnachtszeit ins Neckartal. Das Volksfest und seine Masken durchziehen als Motiv den ganzen Roman. Hier rückt es ins Zentrum und lässt mit dem Narrensprung und der traditionell eher etwas bedrohlich-düsteren <strong>schwäbisch-alemannischen Fastnacht</strong> ein leicht unheimliches Szenario entstehen. Das „Pulvertal“ ist längst zu einer coolen Location geworden. Hier steigen Techno-Partys, Besenwirtschaften lassen Wein in Strömen fließen, man feiert ausgelassen. In der Nachbarschaft fertigen Heckler&amp;Koch Maschinengewehre. Diese Gleichzeitigkeit, die Sorglosigkeit und die neue Lust an Waffen, an „Kriegstüchtigkeit“ und an steigenden Aktien der Rüstungsbetriebe rücken den Roman ganz nah an unsere Gegenwart heran. Das lässt die Leserin am Ende dieses wirklich sehr empfehlenswerten Romans noch einmal erschaudern. Das Erbe Duttenhofers setzt sich fort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitragsbild: ehemaliges Kraftwerk der Pulverfabrik (1915 erbaut) by Waithamai, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.fva.de/Buecher/Alle-Buecher/Pulver.html"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21214" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/johann-reisser-pulver/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg" data-orig-size="500,807" data-comments-opened="1" data-image-title="johann-reisser-pulver" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21214" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-186x300.jpg" alt="Johann Reißer - Pulver" width="186" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-186x300.jpg 186w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver-248x400.jpg 248w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/johann-reisser-pulver.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Johann Reißer &#8211; Pulver</strong><br />
<strong>Frankfurter Verlagsanstalt März 2026, Hardcover, 480 Seiten, € 26,00</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/19/johann-reisser-pulver/">Johann Reißer &#8211; Pulver</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Natasha Korsakova &#8211; Quartett</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/08/16/natasha-korsakova-quartett/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 08:53:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Rom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Spätestens seitdem Donna Leon ihren Brunetti in den (zumindest vorübergehenden) Ruhestand geschickt hat, ist Commissario Dionisio Di Bernardo für mich der unangefochtene König der literarischen Ermittler. In bereits vier Fällen lässt die international renommierte Violinistin&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/16/natasha-korsakova-quartett/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/16/natasha-korsakova-quartett/">Natasha Korsakova &#8211; Quartett</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Spätestens seitdem Donna Leon ihren Brunetti in den (zumindest vorübergehenden) Ruhestand geschickt hat, ist Commissario Dionisio Di Bernardo für mich der unangefochtene König der literarischen Ermittler. In bereits vier Fällen lässt die international renommierte Violinistin Natasha Korsakova Di Bernardo in Rom ermitteln, jedes Mal handelt es sich um Verbrechen in der Musikszene, so auch im jüngsten <em>Quartett.</em><span id="more-22290"></span></p>
<p>Es ist Spätherbst in Rom und wenig übrig von den sonnendurchflirrten Bildern, die so mancher Leserin beim Gedanken an die italienische Metropole in den Sinn kommen. Und doch schafft Natasha Korsakova ein atmospärisches, anschauliches Rom zu erschaffen, dass jede(r), der oder die bereits einmal die Stadt besucht hat, sich gleich wieder dorthin versetzt fühlt.</p>
<p>Das angesehene Arcimboldo Quartett hat im Teatro Argentina mit dem Klarinettisten Luca Rinaldi ein gefeiertes Konzert gegeben und die Mitglieder sind danach in ein kleines Wohnzimmerrestaurant weitergezogen, um dort den Abend ausklingen zu lassen. Der erste Geiger Lorenzo Verro verschwindet kurz nach draußen und kehrt nicht wieder. Wenige Meter vom Restaurant entfernt wird er kurz danach in einem dunklen Durchgang erstochen aufgefunden. Commissario di Bernardo, der bereits einige Morde im Musikermilieu aufgeklärt hat, bekommt auch diesen zugeteilt und erbittet die bewährte Unterstützung seines Kollegen Del Pino.</p>
<h3> Das Team von Commissario Di Bernardo</h3>
<p>Dem Team um Commissario Di Bernardo kommt ein großer Anteil an der Attraktivität der Kriminalromane von Natasha Korsakova zu. Wie sie es schafft, dass die Ermittler:innen schon nach den bisher drei Fällen wie eine Familie erscheinen, zu der man auch nach einiger Zeit Pause gern und vertraut zurückkehrt, ist schon erstaunlich. Federica Giglioli von der Spurensicherung, Riccardo Magno, der IT-Spezialist und Sergio Granata werden so sympathisch und individuell gezeichnet, dass man sie gleich ins Herz schließt. Zwar fehlt immer noch der Rechtsmediziner Fabio Ricci, der sich für einen humanitären Dienst im Kriegsgebiet der Ukraine hat beurlauben lassen, aber die exzentrische Isabella Nardi schließt die Lücke zumindest für die Leser.innen sehr unterhaltsam. (Auch wenn sie für Di Bernardo und seine Kolleg:innen oft unerträglich ist). Das sympathische Team bekommt in <em>Quartett </em>von Natasha Korsakova nun eine neue Kollegin an die Seite gestellt. Giulia Casavola aus Apulien.</p>
<p>Die Lesenden erfahren recht früh, das Team um Di Bernardo erst später, dass Giulia nicht ihr richtiger Name ist und dass die Ispettrice früher bei der organisierten Kriminalität ermittelte. Nach einem traumatischen Erlebnis wurde sie mit einer neuen Identität nach Rom versetzt. Sie fügt sich aufs Beste ins Team ein.</p>
<h3>Die Ermittlungen</h3>
<p>Die Ermittlungen erweisen sich als zunächst schwierig. War einer der Musiker der Täter oder die Täterin? War Lorenzo Verro in dunkle Geschäfte verstrickt? Oder spielte die von Missbrauchserfahrungen gezeichnete Internatszeit der Musiker eine Rolle?</p>
<p>Eine Nebenhandlung dreht sich um den bevorstehenden Ruhestand des nicht gerade beliebten Vorgesetzten Borghese, der es geschafft hat, nachdem Di Bernardo die Beförderung ausgeschlagen hat, einen absoluten Ekel zu seinem potentiellen Nachfolger zu bestimmen. Wird das das Team zerreißen? Zumindest Federica erwägt nach einigen sexistischen Sprüchen, ihre Versetzung zu beantragen.</p>
<p>Wie gesagt leben die Kriminalfälle von Natasha Korsakova und auch <em>Quartett </em>vor allem durch ihre Charaktere. Aber auch Spannungsbogen kann die Autorin aufbauen. Es wird nicht nervenzerfetzend und es wird auch nicht brutal, aber das ist etwas, das ich in einem Krimi auch nicht suche. Wem es genauso geht, wer sich auch an der Atmosphäre vom Schauplatz Rom erfreut und wer vielleicht zudem noch ein Faible für klassische Musik hat, dem lege ich das Buch und seine Vorgänger sehr ans Herz. Dem Buch sind QR-Codes zu Stücken von Brahms, Schubert, De Falla, Albeniz u.a. hinzugefügt, die im Roman eine Rolle spielen. Wunderbar, dass man sie so direkt hören kann, oft in Aufnahmen mit der Autorin selbst.</p>
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<p>Beitragsbild: Violinogen by Pjt56, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="http://www.septime-verlag.at/Buecher/buch_QUARTETT.html"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21913" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/natasha-korsakova-quartett/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg" data-orig-size="500,792" data-comments-opened="1" data-image-title="natasha-korsakova-quartett" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21913" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-189x300.jpg" alt="Natasha Korsakova - Quartett" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-189x300.jpg 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /></a><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>x</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Natasha Korsakova &#8211; Quartett</strong><br />
<strong>Septime Verlag Mai 2026, 288 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, 25,00 € </strong></p>
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		<title>Lektüre Juli 2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 09:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Lektüre]]></category>
		<category><![CDATA[Lesemonat]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Juli &#8211; und damit fast der Sommer &#8211; ist vorüber. Viele von euch haben unter der Hitze gestöhnt und tun es immer noch und die Natur leidet unter dieser Dürre. Ich als Gartenbesitzerin leide&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/12/lektuere-juli-2026/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/12/lektuere-juli-2026/">Lektüre Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Juli &#8211; und damit fast der Sommer &#8211; ist vorüber. Viele von euch haben unter der Hitze gestöhnt und tun es immer noch und die Natur leidet unter dieser Dürre. Ich als Gartenbesitzerin leide auch. Ich als Sommerkind liebe die Hitze, das beständig gute Wetter. Und verzweifle dennoch an der Untätigkeit gegenüber dem Klimawandel. Lesen lässt es sich ganz vortrefflich auch bei diesem Wetter, sofern man dafür ein kühles, schönes Plätzchen findet. Auch da bin ich als Gartenbesitzerin klar im Vorteil.</p>
<p>Schöne Bücher gab es im Juli, die meine Lektüre in 2026 klar bereichert haben. Allen voran Michael Riepl mit Ferne Heimat Altmontal, seinem Buch über die Großmutter, das mich sehr berührt, aber auch literarisch angesprochen hat. Ähnliches gilt für Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe. Elizabeth Strout liebe ich sowieso (wenn auch Erzähl mir alles ein klein wenig weniger als die Vorgänger) und über ein Wiedersehen mit Commissario Di Bernardo von Natasha Korsakova habe ich mich sehr gefreut. Bald werden schon die Longlist-Titel des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben. Ich habe mich da beim beliebten Tippen ganz rausgehalten, denn gerade die Longlist lässt sich sehr schwer vorhersagen. Und außerdem wartet ein größeres Projekt. Davon bald mehr. Ich wünsche euch einen tollen Lese-August!<span id="more-22234"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21196" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt.jpg" data-orig-size="500,790" data-comments-opened="1" data-image-title="felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21196" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt-190x300.jpg" alt="Felicitas Prokopetz und schon schwankte die Welt" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/felicitas-prokopetz-und-schon-schwankte-die-welt.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" />Felicitas Prokopetz &#8211; Schon schwankte die Welt</strong></h4>
<p>Etwas durchwachsen fällt mein Urteil über den zweite Roman der Österreicherin Felicitas Prokopetz aus. Zunächst war mir die Freundschaftsgeschichte von Victoria und Helene, beide Mitte Vierzig und seit Schultagen trotz ihrer Unterschiedlichkeit unzertrennlich, die in flottem Ton erzählt wird, und die durch eine Liebschaft von Victoria mit dem 20 Jahre jüngeren Wortkunststudenten Polly vor eine Zerreißprobe gestellt wird, ein wenig zu seicht. Helene, die sehr emanzipierte, ledige und kinderlose Linguistin, die über die etruskische Sprache forscht, und die getrennt und alleinerziehende Victoria, die jetzt, wo ihre Tochter Lara erwachsen ist, ihren Traum einer romantischen Liebesbeziehung leben will &#8211; das klingt schon sehr nach Klischee. Victoria ist selbstverständlich extrem attraktiv und sexy.  Und natürlich rebelliert auch Lara, die lediglich vier Jahre jünger als Vicorias neue Flamme ist.</p>
<p>Interessant wurde es durch Toni, den Raben, den Victoria als Kognitionsbiologin einst großgezogen hat und der plötzlich zurückgekehrt ist und mit seiner Ziehmutter in Kontakt treten will. Das fand ich phasenweise sehr spannend. Leider kippt das dann ins stark Phantastische (ein kurzes Nachwort, wie die Autorin auf diese Idee kam, wäre vllt. hilfreich gewesen). Da hat mich das Buch leider wieder verloren. Eine nette Sommerlektüre kann es für weniger kritische Leser:innen aber dennoch sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21287" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/strout-erzaehl-mir-alles/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp" data-orig-size="350,555" data-comments-opened="1" data-image-title="strout-erzaehl-mir-alles" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp" class="alignleft size-medium wp-image-21287" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-189x300.webp" alt="Elizabeth Strout - Erzähl mir alles" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-189x300.webp 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles-252x400.webp 252w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/strout-erzaehl-mir-alles.webp 350w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/07/18/elizabeth-strout-erzaehl-mir-alles/">Elizabeth Strout &#8211; Erzähl mir alles</a></strong></h4>
<p>Ich bin ein großer Elizabeth Strout Fan.<br />
Ich liebe ihre ruhige, menschenfreundliche, klare Art über alltägliche Leben (die, betrachtet man sie genauer gar nicht so alltäglich, sondern voller kleiner und größerer Tragödien und Abgründe sind) zu schreiben.<br />
Zudem liebe ich es, dass sie in ihren Romanen immer wieder bekanntes Personal auftreten lässt, in unterschiedlichen Konstellationen, Schwerpunkten, Perspektiven.<br />
Ein neuer Roman von Elizabeth Strout ist immer wie nach längerer Zeit nach Hause zu kommen. Von überall grüßen vertraute, wenn auch unter Umständen lange nicht erinnerte Gestalten.<br />
Im neuesten Buch erzähl mir alles gibt es ein Bonbon für alle Strout-Fans: zum ersten Mal begegnen uns alle ihre Protagonist:innen auf ein Mal. Schauplatz ist wieder das Küstenstädtchen Crosby in Maine. Und dieses Mal kommt ein kleiner Krimiplot rund um eine verschwundene und später tot aufgefundene ältere Dame hinzu.<br />
Das alles ist so wunderbar, dass man (oder zumindest ich als erklärter Fan) verzeiht, dass sich Elizabeth Strout in den vielen Geschichten, die sich ihre Figuren erzählen, mitunter ein wenig verplaudert. Und die Liebessehnsüchte der älteren Herrschaften mitunter etwas pubertär anmuten.<br />
Nicht ihr bestes Buch, aber für alle Fans ganz zauberhaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="22262" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/08/05/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht.jpg" data-orig-size="300,492" data-comments-opened="1" data-image-title="lukas -baerfuss-koenigin-der-nacht" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-22262" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht-183x300.jpg" alt="Lukas Bärfuss - Königin der Nacht" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/08/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" /><a href="https://literaturreich.de/2026/08/05/lukas-baerfuss-koenigin-der-nacht/">LUKAS BÄRFUSS &#8211; KÖNIGIN DER NACHT</a></strong></h4>
<p>Der Schweizer Autor und Georg Büchner Preisträger von 2019 Lukas Bärfuss hat seiner vor einigen Jahren verstorbenen Mutter mit <em>Königin der Nacht </em>ein kurzes, aber eindrückliches Buch gewidmet. Es vermeidet jede Genrebezeichnung, ist aber am ehesten als persönlicher Essay zu charakterisieren. Lukas Bärfuss ist bekannt als (auch) politischer Autor, der seinem Heimatland Schweiz kritisch gegenübersteht. Und so beinhaltet auch sein neuestes Werk eine gehörige Portion Gesellschaftskritik.</p>
<p style="text-align: right;">Formal besteht es aus drei Teilen. Im ersten begleiten wir den Erzähler nach Santo Domingo in der Dominikanischen Republik. Hierher hat sich die Mutter irgendwann, vermutlich als sie sich die teuren Lebenshaltungskosten in der Schweiz schlichtweg nicht mehr leisten konnte, mit ihrem Lebensgefährten René abgesetzt. Nun ist sie gestorben. Der Sohn hatte ein äußerst problematisches Verhältnis zu ihr. „Ihre Liebe, ihre Zärtlichkeit, ihr Interesse hatte ich nie gespürt.&#8220; Der zweite Teil führt in diese lieblose Kindheit. Und der dritte Teil befasst sich eher essayistisch mit Dingen wie Mutterschaft, fehlende Unterstützung und soziale Kälte in der Schweiz. Ein lesenswertes, intensives, kurzes Buch</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21898" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg" data-orig-size="500,817" data-comments-opened="1" data-image-title="miriam-carbe-unerwuenschte-toechter" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21898" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-184x300.jpg" alt="Miriam Carbe - Unerwünschte Töchter" width="184" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-184x300.jpg 184w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter-245x400.jpg 245w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/miriam-carbe-unerwuenschte-toechter.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px" />Miriam Carbe &#8211; Unerwünschte Töchter</strong></h4>
<p>Miriam Carbe wurde 1967 als Tochter einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Studenten geboren. Gewiss keine leichte Situation für ihre 22-jährige Mutter Monika, zumal sowohl der Vater des Kindes als auch ihre Mutter sie zu einer Abtreibung drängen. Unverheiratet und dem Rassismus einer deutschen Gesellschaft ausgesetzt, die die während des Nationalsozialismus „erlernten“ Einstellungen nur sehr zögerlich ablegte (wenn überhaupt) muss eine Zukunft mit diesem Kind für sie unvorstellbar gewesen sein. Doch obwohl sie einer Abtreibung zunächst zustimmt, entscheidet sich Marion schließlich dennoch für das Kind. Miriam Carbe wird damit eine weitere der „unerwünschte Töchter“ ihrer Familie.</p>
<p>In ihrem autofiktionalen Debütroman erzählt die arte-Redakteurin von gleich drei ihr vorangegangenen Frauengenerationen, die immer wieder an den gesellschaftlichen Erwartungen und Hindernissen zu scheitern drohen, sich aber dagegen stemmen. Grundlage für ihren Roman <em>Unerwünschte Töchter</em> waren für Miriam Carbe Hunderte von Tagebüchern, die vor allem ihre Mutter, aber auch ihre Groß- und Urgroßmutter in einem alten Kirschholzschrank hinterließen, der die Familie und die Geschichte über die Hundert Jahre begleitet. Das ist klar und zurückgenommen erzählt und eine unbedingte Leseempfehlung.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21263" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/siri-hustvedt-ghost-stories/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories.jpg" data-orig-size="500,820" data-comments-opened="1" data-image-title="siri-hustvedt-ghost-stories" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21263" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories-183x300.jpg" alt="Siri Hustvedt - Ghost stories" width="183" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories-183x300.jpg 183w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories-244x400.jpg 244w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/siri-hustvedt-ghost-stories.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px" />Siri hustvedt &#8211; Ghost Stories</strong></h4>
<p>Ich liebe Siri Hustvedt. Alle lieben Siri Hustvedt. Sie ist intelligent, brillant, sympathisch. Einige ihrer Bücher zählen zu meinen Lieblingswerken. 43 Jahre war sie mit dem Star-Autor Paul Auster verheiratet, der 2024 an einen Krebsleiden verstarb. Es war nicht nur eine lange Ehe, sondern die Beiden waren ein intellektuelles Glamour-Paar, stets im engen Austausch, eine Beziehung auf Augenhöhe. Dafür haben sie die Menschen bewundert. Siri Hustvedt musste dieses &#8222;Buch der Erinnerungen&#8220; schreiben, um den dialog mit Paul weiterzuführen, eine &#8222;fortdauernde Bindung&#8220; aufrechtzuerhalten. Sie erzählt Geschichten, von der Zeit der Diagnose, der Therapie, des Sterbens, aber natürlich auch aus der Zeit des Kennenlernens, der gemeinsamen Zeit. <em>Ghost Stories </em>ist ein Buch der Liebe wie des Abschieds und der Trauer. Erinnerungen, Briefe, Tagebuchaufzeichnungen, aber auch essayistische Passagen. Intim, offen, berührend. Aber auch sehr privat und ein wenig ausufernd. Licht &#8211; beispielsweise die Geburt des Enkels Miles kurz vor seinem Tod; Auster schreibt ihm bewegende Briefe &#8211; und Schatten &#8211; der Selbstmord des Sohns aus Austers erster Ehe, nachdem dessen kleie Tochter durch von ihm nachlässig verwahrte Drogen starb.</p>
<p>Auster bemerkte einmall, er wolle als Geist zurückkommen zu seinen Lieben. Hustvedt bannt diesen Geist auf ihre stilistisch brillante Weise auf Papier. Ob man als Leser:in dabei auf eine so lange Strecke so nah dabeisein mag, muss jeder selbst entscheiden. Ein solches Trauerbuch kann man unmöglich &#8222;rezensieren&#8220;.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21817" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg" data-orig-size="500,774" data-comments-opened="1" data-image-title="corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg" class="alignleft size-medium wp-image-21817" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-194x300.jpeg" alt="Corinna Krenzer - Eine einfache Wahrheit" width="194" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-194x300.jpeg 194w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit-258x400.jpeg 258w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/corinna-krenzer-eine-einfache-wahrheit.jpeg 500w" sizes="auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px" />Corinna Krenzer &#8211; Eine einfache Wahrheit</strong></h4>
<p>Eine komplexe DDR-Geschichte, eine Familiengeschichte, die sich um Schuld und Schweigen dreht und um die Rückkehr an den Ort der Kindheit: Corinna Krenzer hat <em>mit Eine einfache Wahrheit</em> einen stilistisch und formal überzeugenden Debütroman geschrieben. Inhaltlich hat mich die Geschichte der 44-jährigen Janna, die nach einer Ehekrise und einem Streit mit ihrer Geliebten Marie in den fiktiven Ort Kohltal in Mecklenburg-Vorpommern ihrer Kindheit zurückkehrt, aus dem sie mit ihren Eltern 1989 kurz vor der Wende geflohen sind, weniger überzeugt. Nach der Flucht hat sich das Verhältnis zu ihrem Vater, den sie für den Verlust ihrer Heimat verantwortlich macht, abgekühlt. Kurz danach bringt er sich um und Janna gibt sich die Schuld. Die Reise zurück soll ihr erklären, was damals geschah. Ihr begegnet aber großteils Abwehr und Schweigen.</p>
<p>Ich habe das Buch gern gelesen, mochte einige Figuren sehr (Frau Pappel), habe mich inhaltlich aber immer wieder an Kleinigkeiten, an Plausibilität oder Zusammenhängen gestoßen.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21913" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/natasha-korsakova-quartett/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg" data-orig-size="500,792" data-comments-opened="1" data-image-title="natasha-korsakova-quartett" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21913" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-189x300.jpg" alt="Natasha Korsakova - Quartett" width="189" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-189x300.jpg 189w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/natasha-korsakova-quartett.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px" />Natasha Korsakova &#8211; Quartett</strong></h4>
<p>Schon zum vierten Mal begleitete ich den römischen Commissario Di Bernardo bei einer Mordermittlung im Musikermilieu. (<br />
Der erste Geiger des Arcimboldo-Quartetts wurde in einem düsteren Durchgang nahe des Teatro Argentina erstochen. Di Bernardo, mittlerweile fast ein &#8222;Experte&#8220; in solchen Ermittlungen und sein Team tauchen wieder tief in die Musikwelt ein, müssen dieses Mal weit in die Kindheit der Beteiligten zurück.<br />
Wieder ein spannender Fall, der durch die Atmosphäre Roms lebt und durch die als QR-Code beigefügten Musikstücke, die im Roman eine Rolle spielen und von der Autorin und Weltklasse-Violinistin Natasha Korsakova eingespielt wurden.<br />
Welch ein großes Vergnügen und welche Ehre, dass ich immer wieder bei ihren privaten Konzerten in Marburg dabeisein darf. Die Musik live zu hören und ihre charmanten Lesungen zu erleben, ist immer wieder eine große Freude.<br />
Wer Commissario Brunetti mag (und ihn jetzt ein wenig vermisst) oder wer einfach einen stimmungsvollen, gar nicht blutig-grausligen Krimi mit tollen Protagonisten sucht, ist hier an der richtigen Stelle.</p>
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<h4><strong><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21893" data-permalink="https://literaturreich.de/2026/05/01/verlagsvorschauen-herbst-2026-ein-blick-auf-die-neuerscheinungen/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg" data-orig-size="500,777" data-comments-opened="1" data-image-title="michael-riepl-ferne-heimat-altmontal" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21893" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-193x300.jpg" alt="Michael Riepl - Ferne Heimat Altmontal. Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus" width="193" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-193x300.jpg 193w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal-257x400.jpg 257w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2026/04/michael-riepl-ferne-heimat-altmontal.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px" />Michael Riepl &#8211; Ferne Heimat Altmontal</strong></h4>
<p>Altmontal – was so pittoresk und heimelig klingt und man vielleicht irgendwo in Bayern oder Baden-Württemberg verorten würde befindet sich in Wahrheit mehr als 2000 Kilometer entfernt und existiert schon lange nicht mehr. Samoschne heißt der Ort heute, gelegen zwischen Dnipro und Asowschem Meer, Südukraine und seit dem Angriffskrieg Putins besetzt und in unmittelbarer Frontnähe. Von den deutschen Einwanderern, die zu Beginn des 19. Jahrhundert vom russischen Zar eingeladen wurden, sich hier – ca. 100 Kilometer südlich von Saporischschja – niederzulassen und das Land zu bestellen, sind nahezu alle Spuren verschwunden. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der von den meist protestantischen Siedlern bewirtschaftete Fleck Erde wohlhabend und blühend. 1919 wurde dort Hedwig Krämer, die Großmutter von Michael Riepl geboren. Russische Revolution, Kulakenverfolgung, Holodomor, Vertreibung, stalinistische Säuberungen, Besatzung durch die deutsche Wehrmacht &#8211; all das prägte Hedwigs Kindheit und Jugend.</p>
<p>Der Enkel gelangt als Mitarbeiter humanitärer Einsätze während des Krieges in der Ukraine an die Orte ihrer Jugend. Ihre Geschichte mit seiner Spurensuche und den eigenen Erfahrungen zu verweben ist dem Autor fantastisch gelungen &#8211; berührend und begeisternd. Monatshighlight!</p>
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<p><strong>Sanditz von Lukas Rietzschel</strong> habe ich mit in den Juli genommen und werde ich dann besprechen.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/12/lektuere-juli-2026/">Lektüre Juli 2026</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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		<title>Shelly Kupferberg &#8211; Stunden wie Tage &#8211; Kurz vorgestellt</title>
		<link>https://literaturreich.de/2026/08/09/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-kurz-vorgestellt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Petra Reich]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:07:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Autorinnen]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschsprachige Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Berlin Schöneberg, Ende der 1990er Jahre. Ein alte Frau, leicht abgerissen, mit schlohweißem, verfilztem Haar und abgetretenen Pantoffeln läuft durch den Kiez und scheint überall bekannt und beliebt zu sein. Shelly Kupferberg, die dort selbst&#8230; <a href="https://literaturreich.de/2026/08/09/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-kurz-vorgestellt/">Mehr</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/09/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-kurz-vorgestellt/">Shelly Kupferberg &#8211; Stunden wie Tage &#8211; Kurz vorgestellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Berlin Schöneberg, Ende der 1990er Jahre. Ein alte Frau, leicht abgerissen, mit schlohweißem, verfilztem Haar und abgetretenen Pantoffeln läuft durch den Kiez und scheint überall bekannt und beliebt zu sein. Shelly Kupferberg, die dort selbst nach einer Wohnung sucht, fällt diese Frau auf. Obdachlos? In dem Alter? Sehr bald erfährt sie, dass die Frau Martha heißt und millionenschwere Hausbesitzerin sein soll. Gerüchte sagen ihr nach, das Vermögen im Krieg durch eine Affäre mit einem ranghohen Nazi erschlichen zu haben. Die Neugier der Journalistin Shelly Kupferberg, die Jahre später an einem Buch schreibt über ihren reichen Urgroßonkel Isidor, Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär und Kunstsammler, der 1938 von den Nationalsozialisten enteignet, verfolgt und in den Tod getrieben wurde, ist geweckt. Mit <em>Stunden wie Tage </em>schreibt Shelly Kupferberg nun die berührende Geschichte von Martha auf. Es ist auch eine großartige Berlingeschichte.<span id="more-22184"></span></p>
<h3>Von der Hausbesorgerin zur Hausbesitzerin</h3>
<p>Ursprünglich war die junge Martha Eckert seit Mitte der 1920e Jahre Hausbesorgerin im Mietshaus der Brüder Berkowitz. Henry und Ber Berkowitz stammten ursprünglich aus Russland und besaßen in Berlin einige Immobilien. Besonders mit Henry stand Martha in engerem Kontakt, hütete immer wieder einmal die Adoptivtochter Liane. Diese erlangte später traurige Berühmtheit. Henry ließ sich zu deren Schutz von seiner nichtjüdischen Frau scheiden und ihm gelang rechtzeitig die Flucht nach England. Als Mitglied des losen Widerstandsnetzwerks, das von den Nationalsozialisten „Rote Kapelle“ genannt wurde, wurde Liane im September 1942 schwanger verhaftet, zum Tode verurteilt und nach der Geburt ihrer Tochter hingerichtet. Eine Tafel erinnert am Viktoria-Luise-Platz an Liane. Auch dies fachte Shelly Kupferbergs Neugier an. Wie war der Weg Marthas von der Hausbesorgerin zur Hausbesitzerin?</p>
<p>Shelly Kupferberg recherchierte umfassend und fand eine Geschichte, die ganz anders war als vermutet. Literarisch frei, aber faktisch genau schrieb sie sie in einer leicht zugänglichen Geschichte auf. Ein wunderbares, ein wichtiges Buch.</p>
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<p style="text-align: center;"><strong><a href="https://www.diogenes.ch/leser/titel/shelly-kupferberg/stunden-wie-tage-9783257073485.html?srsltid=AfmBOoqNPZ2cLcG5ZsSaPGC1tk4mGuqGfFaNj7H5WvwyUuFW7-B-vymR"><img loading="lazy" decoding="async" data-attachment-id="21262" data-permalink="https://literaturreich.de/2025/11/29/verlagsvorschauen-fruehjahr-2026-neuerscheinungen/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage/" data-orig-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" data-orig-size="500,791" data-comments-opened="1" data-image-title="shelly-kupferberg-stunden-wie-tage" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg" class="alignleft size-medium wp-image-21262" src="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg" alt="Shelly Kupferberg - Stunden wie Tage" width="190" height="300" srcset="https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-190x300.jpg 190w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-253x400.jpg 253w, https://literaturreich.de/wp-content/uploads/2025/11/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px" /></a><span style="color: #ffffff;">x</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;"><strong>.</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Shelly Kupferberg &#8211; Stunden wie Tage</strong><br />
<strong>Diogenes März 2025, Hardcover Leinen, 272 Seiten, € 25.00</strong></p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://literaturreich.de/2026/08/09/shelly-kupferberg-stunden-wie-tage-kurz-vorgestellt/">Shelly Kupferberg &#8211; Stunden wie Tage &#8211; Kurz vorgestellt</a> erschien zuerst auf <a href="https://literaturreich.de">LiteraturReich</a>.</p>
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